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Codex: Anike Hage anike hage, Codex Conventionis Daemonum, LBM, Signierstunde

Autor:  roterKater

Und weiter geht's:

Es folgt ein schnelles Dreiminuten-Scribble von Anike Nike Hage (zuletzt im Grimms Manga Sonderband bei Tokyopop), ohne Vorzeichnung während einer Signierstunde angefertigt:



Ich find's dafür ehrlich gesagt echt stark. Wie hieß es doch so schön im Tagesspiegel? - schwungvoll getuscht! An so was sieht man irgendwie immer die Erfahrung, die einige der eigentlich noch jungen deutschen Mangazeichner mittlerweile schon haben ...

Germanga LBM 2010 Teil 3: Gothic Sports Band 5 anike hage, DManga, gothic sports, tokyopop

Autor:  roterKater

"Gothic Sports" von Anike Nike Hage zählt fraglos zu den beliebtesten und erfolgreichsten heimischen Manga-Publikationen. Mit Band 5 findet die Serie um eine ungewöhnliche Fußballmannschaft nun ihr (vorläufiges?) Ende. Zeit also für einen Rückblick auf eine der prestigeträchtigsten Germanga-Publikationen!

Als der erste Band von "Gothic Sports" 2006 erschien, waren Manga-Produktionen aus Deutschland noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Anike Hage, die mit der Serie ihr Einzelband-Debut gab, zeichnete sich bereits damals durch einen für deutsche Verhältnisse überaus professionellen Strich, tadellose Panel-Aufteilung, saubere Raster und ein eigenes und klar wiedererkennbares Chara-Design aus. Damit konnte sie den Ansprüchen der von den japanischen Profi-Veröffentlichungen gesetzten Maßstäben bereits von Anfang an genüge tun und konnte beweisen, dass deutsche Mangaka ihren japanischen Vorbildern in nichts nachstehen müssen. "Gothic Sports" ist sicherlich der Erfolg deutscher Zeichner auf dem heimischen Markt, der oft von Vorurteilen geprägt ist ("Nur Japaner können Manga zeichnen!") mitzuverdanken. Nike hat den Maßstab für Germanga-Produktionen sehr hoch gelegt und zur Professionalisierung der deutschen Szene einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Darüberhinaus ist "Gothic Sports" auch überaus frisch, lebendig, unterhaltsam und spannend erzählt und spielte sich so auch Story-technisch schnell ins Herz der Fans. Das erweckte auch rasch das Interesse ausländischer Publisher, und "Gothic Sports" erscheint nun auch in Frankreich, den USA, Spanien und als eBook sogar in Japan.

Die Geschichte beginnt dabei wie bei so vielen Manga-Highschool-Soaps: die 16-jährige Anya kommt auf eine neue Schule und muss sich dort mit den hiesigen Verhältnissen arrangieren, wobei sie natürlich gleich am ersten Tag mit der Schulzicke Marie zusammenrasselt. Aus dem konventionellen Set-Up heraus geht "Gothic Sports" jedoch rasch eigene Wege. Denn Anya möchte unbedingt einer Sportmannschaft beitreten. Beim Basketball wird sie jedoch in Rekordzeit von Marie aus dem Team geekelt, und in der Fußbalmannschaft darf sie als Mädchen maximal auf der Bank sitzen. Aber Dickkopf Anya lässt sich so rasch nicht unterkriegen und gründet kurzerhand ihr eigenes Team. Um auf die nötige Anzahl von Interessenten zu kommen, lässt sie von ihrer Gothic- und Mode-verrückten neuen Freundin Filiz Trikots im Gothic-Style anfertigen, die ihr schnell eine bunte, aber Fußball-technisch absolut unbegabte Mannschaft zusammenbringen. Zudem muss sie auch Leon, einen alten Bekannten, den sie seit der Grundschule bis aufs Blut hasst, mit ins Team nehmen, um auf die nötige Anzahl Spieler zu kommen, und der Rektor, Marie und der studentische Fußball-Trainer legen ihr Knüppel in den Weg, wo es nur geht. Aber mit Hilfe der älteren Mitschülerin Delia setzt sie alles daran, aus diesen chaotischen Verhältnissen ihren Traum vom Fußballteam verwirklichen zu können...

Zeichentechnisch lässt "Gothic Sports" kaum Mängel erkennen. Der Strich sitzt von Anfang an, Seiten-Layout sind klar und übersichtlich, aber trotzdem dynamisch und abwechslungsreich; da gibt sich Nike keinerlei Blöße. Vor Hintergründen dürckt sie sich ebenfalls nicht. Auch wenn diese meist relativ einfach gehalten sind, vermitteln sie durchweg genug Gefühl für die Umgebung der Charaktere, um in der Story heimisch zu werden. Die tollen Farb-Illustrationen und absolut wunderschöne Aufmachung der Bände sollte auch noch einmal hervorgehoben werden. Das Chara-Design ist sehr liebevoll. Besonders die schön entworfenen Kleidungen aller Charaktere sind eine echte Augenweide, ganz zu schweigen natürlich von den originellen Trikots. Ein bisschen schade ist nur, dass sie allein Charakteren die gleiche Gesichtsform, Augen, Nase und Körperbau verpasst (getrennt nach Junge/Mädchen), so dass man die Figuren eigentlich nur an Frisur und Kleidung auseinanderhalten kann. Nike hat offensichtlich ihr Manga-Schönheitsideal gefunden, und die Charas sehen ja auch alle wirklich toll aus. Ein bisschen mehr Abwechslung wäre allerdings wünschenswert gewesen, da man bei der sehr hohen Anzahl der Figuren gelegentlich schon mal durcheinander kommt.

Die Geschichte ist durchweg unterhaltsam und spannend. besonders die lebendigen und oft sehr witzigen Dialoge tragen viel zum positiven Leseeindruck von "Gothic Sports" bei. Band 1 liefert ein perfektes Set-Up für den weiteren Handlungsverlauf, in dem genügend Konfliktpotential gelegt wird, um die Story über ganze Laufzeit spannend zu halten. Rückblickend über die 5 Bände gesehen geht die Dramaturgie leider nicht ganz perfekt auf, was mehrere Ursachen hat. Zuerst verliert Nike ihre Protagonistin etwas aus den Augen. Band 1 und 2 konzentriert sich noch ganz auf Anyas Perspektive, die die Geschichte aus dem Off begleitet, wie das bei Protagonisten von Schuldramen ja häufig der Fall ist. Spätenstens ab Band 3 verschiebt sich der Fokus aber zusehends auf Leon und Mitspielerin Alexia, die mir ihrem vollen Manipulationspotential versucht, die Probleme zwischen ihm und Anya aus der Welt zu schaffen - mit natürlich eher zweifelhaftem Erfolg. Anya entwickelt sich in der Erzählung so zusehends von dr Protagonistin zur Antagonistin und füllt damit das Loch, dass von Marie hinterlassen wird, die nach Band 1 nicht mehr viel zu melden hat.

Der ganze Trainingsausflug in Band 3 hat wenig narrative Bedeutung für den weiteren Verlauf der Handlung und bleibt somit ein großes dramaturgisches Loch, dass mich beinahe davon abgehalten hätte, mir die weiteren Bände zu kaufen. Bis zu dem Zeitpunkt hatte sich innerhalb des Teams, mal abgesehen von Leon und Anya, auch wenig Konfliktpotential ergeben, und man hatte ein bisschen das Gefühl, die Charaktere wären alle nach dem Muster "mein potentieller Lieblingsfreund" erstellt. Dies ändert sich allerdings spätestens ab Band 4, wenn die Mannschaft durch Anyas Sturtheit zusehends in kleine Grüppchen zerbröckelt. Dranbleiben lohnt sich also, denn in Band 5 wird's nochmal richtig spannend und das Ende stellt sich doch ziemlich unerwartet dar.

Ein bisschen schade ist, dass der sportliche Bereich etwas zu kurz kommt. Das einzige Fußballspiel der gesamten Serie findet in Band 2 statt, und dieses ist leider auch etwas träge ausgefallen, das die Figuren die meiste Zeit des Bandes damit verbringen, sich gegenseitig anzukeifen. So kommen auch einige der in der Serie gelegten Sub-Plots etwas zu kurz, zum Beispiel der in Band 2 beginnende Sub-Plot um die Mannschaft einer anderen Schule, die ihre potentiellen Gegner für das kommende Schultournier ausspioniert. Dieser Handlungsbogen löst sich in Band 5 in Wohlgefallen auf, da sich die Geschichte gegen Ende auf die inneren Konflikte in Anyas Mannschaft konzentriert.

Dies und das offen gehaltene Ende lassen hoffen, dass es mit "Gothic Sports" doch noch weitergehen wird. Es wäre jedenfalls sehr zu wünschen und es gäbe auch noch genug Anknüpfungspunkte für eine Weiterführung der Story. Nike hat es geschafft, in ihren fünf Bänden viel Sympathie, Empathie und Interesse für ihre Charaktere zu wecken, hauptsächlich aufgrund ihrer erzählerischen Stärke, die auch die kleineren dramaturgischen Mängel locker überdecken kann. Letztendlich also wirklich ein Manga, bei dem man ganz umunwunden sagen kann: mehr davon, bitte!

Leseproben gibt's im Manga-Player bei Tokyopop!