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In eigener Sache: Manga-Rebellen und ihre Folgen oder: Warum deutsche Manga-Großverlage nicht versagt haben Alfonz, Carlsen, Comic-Report, DManga, Doujinshi, EMA, Ich war's nicht!, Tagesspiegel, Tokyopop, WTF

Autor:  roterKater

Manch einer mag es vielleicht gehört haben, ich schrob da kürzlich einen Artikel für den Tagesspiegel über die deutsche Mangaka-Szene unter dem Titel Die Manga-Rebellen. Diesen Artikel nahmen die Alfonz-Comicreporter auf ihrer Webseite zum Anlass, mein einfältiges Geschrobsel mal so ordentlich an den Pranger zu stellen und mich gleich noch bei sämtlichen Redaktionschefs in Hörreichweite zu verpetzen.

Verständlicherweise sind die Emotionen im Anschluss ziemlich hochgekocht, und so muss ich jetzt dummerweise diesen Text schreiben, damit jetzt alle (na gut, hauptsächlich ich) wieder ruhig schlafen können.

Vorweg ein paar Dinge zur Einordnung:

- Die Alfonz-Jungens sind nicht so gut auf mich zu sprechen. Das sollte man vielleicht im Vorhinein wissen, obwohl man es sich bei der Formulierung in der Einleitung vermutlich auch hätte denken können. Eingebrockt hab ich mir das natürlich selber. Ich hab ihnen nämlich damals im Hinblick auf dieses Review zu Inio Asanos Nijigahara Holograph ein paar gehässige Tweets geschrieben, die besonders auf die alberne, sich an Standard-Phrasen aus dem Graphic-Novel-Diskurs anbiedernde Wortwahl abzielten und sich ganz gut als "Graphic-Novel-Bullshit-Bingo - jetzt auch für Manga" paraphrasieren ließen. Wie gesagt, ein paar in tiefster Nacht direkt verschickte Tweets, die höchstens ein mikroskopischer Teil meiner Timeline gelesen hat. Aber da musste natürlich mal zurückgeschossen werden. Also packte man die Gelegenheit am Schopfe und schwärzte mich erfolgreich bei allen Redaktionen an, bei denen ich aktuell noch Bewerbungen auf dem Tisch liegen habe. Touché! Matze Hofmann kann sich endlich angesichts so perfide inszenierter Niedertracht mit einem erleichterten MUAHAHAHA wieder in den Schlaf grinsen. Remember, kids: You don't fuck with the ALFONZES!

Dabei wäre die ganze Aufregung eigentlich gar nicht nötig gewesen - wenn man denn tatsächlich mal das zu Rate gezogen hätte, was ich wirklich geschrieben habe. Was leider nicht das ist, was online zu finden ist.

Die Gemüter erhitzten sich hauptsächlich an zwei Formulierungen: Zum einen das "Versagen der großen Verlage" aus dem Header und "Nachwuchsförderung der Verlage? Fehlanzeige" als Zwischenüberschrift. Beide stammen nicht von mir, sondern wurden von der Online-Redaktion des Tagesspiegels nachträglich eingefügt. Wer das nicht glaubt, soll sich einfach mal die Printversion des Artikels vorknöpfen (Tagesspiegel vom 31.01.2014). Diese Version hatte ich persönlich abgesegnet und diese beiden Formulierungen sind dort nicht zu finden. Der Original-Header lautete da einfach: "Die deutsche Szene ist produktiver denn je - junge Talente setzen verstärkt auf Eigeninitiative". Liest sich gleich ganz anders ohne den zweiten Satz, oder?

Zur Entstehung des Artikels:

Auch der Print-Artikel hat natürlich noch seine Schwächen und leidet unter vielen Pauschalisierungen. Einige Punkte kommen dadurch auch viel zu überspitzt rüber, was man zu Recht kritisieren kann und sollte. Man muss hier aber auch bedenken, dass der vorgegebene Umfang auf 4000 Zeichen begrenzt war (das ist etwa eine Word-Seite), in denen für ein fachfremdes Publikum (der Artikel war wie gesagt für den Print-Feuilleton des Tagesspiegels geschrieben) eine Einführung in den deutschen Manga gegeben und der historische Weg zum aktuell spürbaren Paradigmenwechsel hin zur Eigenproduktion nachvollziehbar werden musste.

Das war ein ziemlicher Eiertanz, bei dem ich stundenlang Satzteile gekürzt habe, um auf die geforderte Länge zu kommen. Das Resultat darf man durchaus als gescheitert betrachten. Im Rahmen des Print-Feuilletons war das irgendwie noch vertretbar (da gab es ja auch keine Beschwerden). Für die online-Version hätte ich den Artikel aber liebend gerne noch erweitert und einige Differenzierungen wieder eingebaut, für die vorher kein Platz war. Ganz einfach, weil der Comic-Diskurs online völlig anders geführt wird und andere Ansprüche erfordert. Leider ging die Web-Version schneller online als erwartet, und wie gesagt, in einer Version, die meinen Segen nicht hatte und immer noch nicht hat.

Zu den Vorwürfen - fehlende Nachwuchsförderung?

Warum um alles in der Welt sollte ich denn den Großverlagen "Versagen" vorwerfen wollen? Himmelherrgott, ich steh bei einem Großverlag unter Vertrag! Für so blöd kann man mich doch ruhigen Gewissens gar nicht halten! Interessant übrigens, dass Alfonz das gar zu "Versagen auf ganzer Linie" aufbläht, um noch mal ordentlich eins draufzusetzen, was sich nicht mal aus der Online-Version so herauslesen lässt. Also um das noch mal klarzustellen: Ein Versagen auf diesem Gebiet würde ich den Großverlagen niemals vorwerfen! Schon gar nicht auf ganzer Linie!

Die andere Sache ist das mit der Nachwuchsförderung. Hier gab es leider viele Missverständnisse, die zum Teil durch den überspitzten eingefügten Zwischentitel, zum Teil aber auch durch meine verknappte Formulierung im Originalartikel entstanden sind. Am besten, ich hole an dieser Stelle mal nach, was ich für die Webversion eigentlich noch ergänzen wollte.

Das erste Missverständnis ist entstanden, weil die auf den Artikel antwortenden Chefredakteure "Nachwuchsförderung" als "AutorInnenpflege" verstanden haben. Natürlich leisten alls drei Großverlage sehr gute Arbeit darin, ihre etablierten KünstlerInnen weiter in ihren Programmen zu fördern.

Mir ging es aber eigentlich um das Suchen und Finden neuer Talente. Dafür gab es lange Zeit diverse Nachwuchsprojekte: Zeichenwettbewerbe wie der Connichi-Doujinshi-Wettbewerb (EMA) oder Manga-Talente (Carlsen, oder Kurzgeschichten-Projekte wie Manga Fieber (Tokyopop) oder die Chibi-Manga (Carlsen), bei denen neue Leute rekrutiert und unter Verlagsbedingungen ausgetestet werden konnten. Zudem ermöglichten auch Anthologie-Magazine wie Manga Twister (Egmont), Banzai oder Daisuki (Carlsen) das Austesten neuer Titel. All diese Projekte sind mittlerweile eingestampft. Wer jetzt bei einem Großverlag neu starten will, muss mindestens einen Einzelband abliefern. Die Slots dafür sind über die letzten Jahre extrem zusammengeschrumpft. Und aus naheliegenden Gründen setzen die Verlage da natürlich bevorzugt auf ihre etablierten Leute, wo sie auch wissen, was sie als Resultet erwarten können.

Die ganzen zahllosen neuen deutschen Mangaka-Talente kommen hier einfach nicht mehr in dem Maße unter, wie sie es womöglich verdient haben. Und für die explodiert als Alternative eben derzeit der Doujinshi-Markt, auf dem sie sich offensichtlich auch alle pudelwohl fühlen. Förderung im Sinne von künstlerischer Professionalisierung neuer Talente funktioniert da im Eigenantrieb. Für die Großverlage besteht da auch gar keine Notwendigkeit mehr, auf Förderprojekte im obrigen Sinne zu setzen, weil das alles wunderbar von allein funktioniert. Das war eigentlich der Punkt des Artikels. Also nicht, dass das Großverlage keinen Bock mehr auf Nachwuchsentwicklung haben, sondern dass sich die Nachwuchsentwicklung aus dem Einflussbereich der Großverlage heraus emanzipiert hat.

Ich hoffe, in dem Kontext wird klar, wie mein Satz "Die Nachwuchsförderung der Verlage ist heute quasi nicht mehr existent" gemeint war. Man beachte hierbei übrigens auch das "heute quasi nicht mehr", was alle Antwortenden anscheinend überlesen haben. Natürlich würde ich nie im Leben wegreden wollen, was Carlsen, EMA und Tokyopop in den vergangenen Jahren alles in den Nachwuchs investiert haben und was für immense Kosten und Risiken hier auf sich genommen wurden und noch immer werden. Aber Nachwuchsprojekte in dem Sinne, wie ich sie oben beschrieben habe, gibt es bei allen Dreien derzeit nicht mehr. Vielleicht auch, weil sie Dank der Doujinshiszene gar nicht mehr nötig sind.

Mangende Betreuung?

Das ist so ein Punkt im Artikel, wo ich die Verknappung wirklich bereue. Hier hätte wirklich differenziert werden müssen, und Jo Kaps regt sich in seiner Replik hier auch zurecht auf. Tokyopop betreut seine Projekte nämlich ziemlich intensiv, was man dem Programm auch wirklich anmerkt. Ich hab ja so ziemlich alle TP-Eigenproduktionen bei mir im Schrank stehen, und da ist eigentlich kein schlechter Titel dabei, auch wenn sicher nicht alle Hits waren. Also mangelnde Intensität in der Betreuungsarbeit kann man Tokyopop sicher nicht vorwerfen. Bei Carlsen und EMA gibt es aber durchaus ein paar ältere Titel, wo man sich fragt, wie das redaktionell durchgewunken werden konnte. Das hat sich aber in den letzten Jahren auch stark gebessert, allerdings im gleichen Maß, wie der Ausstoß an Eigenproduktionen bei Carlsen und EMA geschrumpft ist. Das Problem der Doppelbelastung der Redakteure bleibt aber bestehen, wie Jonas Blaumann in seiner Replik ja auch bestätigte. Und das kenne ich bei EMA eben mittlerweile auch aus eigener Hand. Von daher weiß ich da schon, wovon ich rede.

Wo sich EMA wirklich extrem reinkniet, ist die ganze Vermarktungsschiene, die für Demon Lord Camio aktuell gefahren wird. Das ist riesig und großartig und ehrt Mika und mich gewaltig. Carlsen ist mit Skull Party ja ähnlich engagiert verfahren. Aber wenn ich an die kreative und künstlerische Entwicklung des Projekts zurückdenke, hat das wahrscheinlich nur so gut funktioniert, weil ich Mika eh schon seit Jahren redaktionell bei Grimoire betreut habe und wir daher schon ein eingespieltes Team waren. Für uns hatte es den Vorteil, dass wir weitestgehend kreative Kontrolle über alle Aspekte von Camio hatten. Bei einem kompletten Neulingswerk hätte das aber durchaus zu Problemen führen können.

Tokyopop ist ja derzeit der einzige Großverlag, der eine Redakteurin explizit für Eigenproduktionen eingestellt hat (auch wenn diese mittlerweile auch mehrere Lizenztitel betreut). Da müssten Carlsen und EMA noch nachziehen, wenn sie die Betreuungsarbeit zukunftsorientiert intensivieren wollen.

Hoffnungsvolle Karrieren

Folgender Satz aus meinem Artikel fand auch viel Kritik: "Bevor die jungen Talente überhaupt ihre Fähigkeiten entfalten konnten, fanden viele hoffnungsvolle Karrieren ein Ende." Hier wurde, natürlich zu Recht, die bereits erwähnte starke Autorenpflege bei allen drei Verlagen entgegengehalten. Das stimmt natürlich, ist aber nur eine Seite der Medaille. Gleichzeitig sind immens viele Leute nach ihren ersten Projekten wieder in der Versenkung verschwunden. Ich werfe einfach mal ein paar Namen in die Runde: Olga Rogalski. Detta Zimmermann. Robert Labs. Lenka Buschová. Gina Wetzel. Ying Zhou Cheng. Roda Makmod. Christina Bäumerich. Diana Liesaus. Viviane. Asu. Stella Brandner. Judith Park. Nina Werner (trotz kurzer Reanimation für Grimms Manga). Simone Xie. Nhung Vu. Zhe Zhang. Schluse ...

Natürlich wäre es vermessen, hier den Verlagen die volle Verantwortung in die Schuhe zu schieben oder ihnen zu unterstellen, die hätten die jeweiligen AutorInnen fallen gelassen. Bei einigen weiß man es ja auch besser. Im Einzelfall sind die Gründe auch sehr verschieden. Dennoch gibt es ein gemeinsames Problem, dass alle deutschsprachigen Mangaka betrifft. Finanziell gesehen lohnt sich das Leben als Mangaka nicht. Rechnet man die aufgewandte Arbeit mit der finanziellen Vergütung gegen, kommt jeder vernünftig denkende Mensch zu dem Schluss: Ich such mir lieber einen richtigen Job. Zumal die Arbeit als Mangaka nicht nur zeitlich, sondern auch körperlich und psychisch schleißt. Einige mussten auch in Deutschland schon aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Und viele weitere haben schon als Twens mit gesundheitlichen (und teils auch psychischen) Folgeschäden zu kämpfen. Ein riesiges Problem ist die Doppelbelastung mit Zweitjobs, um als Mangaka irgendwie über die Runden kommen zu können.

Auf der anderen Seite stehen die Investitionskosten der Verlage, die trotz der schon knapp berechneten Vergütung noch immer bei den meisten Projekten draufzahlen. Man bräuchte aber eigentlich noch viel, viel mehr Geld, um junge Talente so zu finanzieren, dass sie dauerhaft dabei bleiben (und nicht nur die paar Wahnsinnigen, die sich durch nichts in der Welt jemals vom Manga-Zeichnen abbringen lassen würden) und über Jahre hinweg ihr Talent entwickeln und entfalten können. Und sich nicht lieber nach einer anderen Branche umsehen, weil sie vielleicht auch mal irgendwann gern in Urlaub fahren würden. Oder sich irgendwann fragen, wofür sie sich eigentlich die selbstgewählte soziale Isolation, die Rücken- und Gelenkschmerzen, die unsichere Zukunftslage antun. Aber das aufzuwiegen kann und will sich kein Verlag leisten. Ganz einfach, weil es finanzieller Selbstmord wäre.

Die bis auf sehr wenige Ausnahmen schlechte Finanzlage deutschsprachiger Mangaka hat uns jedenfalls schon eine ganze Reihe Talente gekostet. Das ist im verlegerischen Rahmen sicherlich unvermeidbar, aber es ist dennoch eine Tatsache.

Gemütliche Mühlen und Siebenmeilenstiefel

Ich gebe zu, der letzte Satz im Artikel war provokant. Aber ist er auch ungerechtfertigt? Schauen wir uns mal die Doujinshi-Szene vor vier, fünf Jahren an und schauen wir sie uns heute an. Seit letztem Jahr explodiert die Szene förmlich, geradezu exponentiell, wenn man sich mal die Ankündigungen für die MCC anschaut. Es wird wohl auf 40-50 (!) neue Titel hinauslaufen. Mich gruselt's schon vor dem Tag, an dem ich mich an die Übersichtsliste setze. Und dann schauen wir uns mal die Verlagsszene vor vier, fünf Jahren und heute an. Der Trend ist exakt entgegenläufig, auch bei den Kleinverlagen (was übrigens auch im Artikel erwähnt wird, weswegen die alberne Großverlag-vs.-Indie-Masche, die CRON mir andichten will, natürlich totaler Humbug ist). Das ist hier im Blog ja alles ausfühlich dokumentiert. Ich sauge mir diese Trends also nicht aus den Fingern.

Es gibt noch einen anderen Punkt, der hier wichtig ist: Im Doujinshi-Bereich passieren gegenwärtig die Innovationen. Das betrifft die Formate (alles zwischen A6 und A4 ist dabei), Qualität (diverse Luxusausgaben nach Vorbild japanischer Doujinshi), Umfang (knappe 16-seitige Hefte bis hin zu längeren Serien in mehreren Tankobon, sowie sämtliche Zwischenformate), Zeichenstil- und Technik (es muss hier nicht mehr immer der perfekt geinkte Strich sein, der bei Verlagspublikationen überwiegend noch Voraussetzung ist) und natürlich Themenwahl. Hier entwickelt sich so vieles so rasant, dass es mittlerweile fast unmöglich ist, den Überblick zu behalten, selbst wenn man im Thema eingelesen ist. Die unterschiedliche Entwicklungsdynamik in den Bereichen ist hier wirklich mehr als offensichtlich. Von einer Reaktion des Großverlagsbereichs auf die neuen Doujinshi-Trends ist derzeit noch nichts zu sehen.

Bei den angesprochenen langen Vorlaufzeiten ist auch so schnell nicht damit zu rechnen. Zwischen Projektvorstellung und Publikation vergehen bei den Großvorlagen, wenn alles glatt geht, etwa zwei Jahre. Mit Doujinshi (insbesondere natürlich online) kann man da einfach wesentlich spontaner reagieren. Diese Spontanität in ein großverlegerisches Konzept zu überführen, wird eine der Hauptaufgaben einer zukunftsorientierten Verlagspolitik im Hinblick auf Eigenproduktionen werden. Tokyopop hat mit dem Online-Manga-Bereich ja da schon einen ersten Schritt gewagt. Das koreanische Webtoons-Modell könnte hier wirklich Wunder bewirken. Aber da ist noch viel zu tun.


Neue Erkenntnisse

Letztendlich hatte die angestoßene Debatte trotz aller Häme aber durchaus auch was Gutes. Und zwar haben wir einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der Großverlage bekommen und einige neue und bisher unpublizierte Fakten endlich schriftlich zum Nachlesen.

Carlsen: Kai-Steffen Schwarz hat eine sehr angenehm unaufgeregte Replik geschrieben. Ich glaube, bei so ziemlich allen sind wir uns auch einer Meinung, was durch die Verzerrarbeit durch CRON auf den ersten Blick jetzt gar nicht so offensichtlich wäre. Ich denke, der Blog-Eintrag hier dürfte das bestätigen. Jedenfalls lernen wir außerdem:

- Carlsen hat neben dem bereits angekündigten Tempest Curse noch vier weitere neue Eigenproduktionen in Entwicklung, von denen inklusive Tempest Curse drei im kommenden Herbst/Winter-Programm veröffentlicht werden.

Tokyopop: Joachim Kaps hat am schärfsten auf den Artikel reagiert. Ich geh davon aus, das ist meiner Auflistung zu den gegenwärtigen Verschiebungsproblematik bei den TP-Eigenproduktionen hier in diesem Blog zu einem guten Teil mitgeschuldet. (Tokyopop gelobte ja kürzlich Besserung bei der Kommunikation ihrer Verschiebungen.)

Viel verständlicher Ärger ergibt sich hier natürlich aus der polemischen Ergänzungen der Tagesspiegel-Redaktion, der Überspitzung durch CRON und der notwendigen Verknappung des Artikels, unter der Tokyopop, wie bereits erwähnt, besonders zu leiden hatte. Also Jo, falls du das hier liest, es ist wirklich nicht böse gemeint! Ich dachte eigentlich, das wäre nach unserem Gespräch in Frankfurt klar gewesen, wo wir über genau die Punkte im Artikel ja auch schon diskutiert hatten! Also genau genommen hab ich dich dazu sogar persönlich befragt ... Egal. Was gibt es Neues?

- Sowohl der Grimms Manga Sonderband wie auch Stupid Story 3 haben im fünfstelligen Bereich verkauft. Das hätten sich die meisten vermutlich denken können, ist aber bemerkenswert, da Tokyopop sonst nichts Konkretes zu Verkaufszahlen sagt. Man sollte dazu aber auch anmerken, dass die beiden Franchises damit unter den Eigenproduktionen der letzten Jahre allein auf weiter Flur sind. Dahingehend ist auch die Aussage "höchstens 10 % der Eigenproduktionen [rechnen] sich am Ende für die Verlage" interessant.

- DIO+ von Khaos wird ein langfristiges Projekt mit mindestens zwei Jahren Laufzeit.

- Luisa Velontrova hat einen Oneshot in der Pipeline, der noch dieses Jahr erscheint (zumindest laut derzeitigem Plan)

- Eine weitere Eigenproduktion wird Nightwalker heißen.

- Eine weitere Autorin darf sich über eine befristete Festeinstellung freuen. Ich glaube, allen Freischaffenden unter euch sollte klar sein, was das für eine finanzielle Erleichterung bedeutet.

(Übrigens möchte ich hier noch anmerken, dass ich es extrem positiv finde, dass Jo Kaps in seinem Text das generische Maskulinum ablehnt. Das ist in der Comicszene immer noch eine absolute Ausnahme. Aber das nur nebenbei.)

EMA: Jonas Blaumann stimmt den meisten Punkten ebenfalls zu, bis auf die oben erwähnten Missverständnisse. Neue Ankündigungen gibt es hier aber nicht.

Warum Kazé noch gefragt wurde - ich habe keine Ahnung. Da die als Tochterfirma eines japanischen Verlagskonzerns natürlich keine deutschen Eigenproduktionen auf dem Schirm haben, hätte eigentlich klar gewesen sein müssen. Deswegen hab ich mich auf Kazé auch gar nicht erst im Artikel bezogen. Laut meiner persönlichen Anfrage beim Verlag würde man schon gerne, ist dazu aber mometan einfach nicht in der Lage. "Vielleicht irgendwann mal", hieß es da. In der Kazé-Redaktion ist aber mindestens ein sehr großer Fan deutschsprachiger Mangaka.

Ein Fazit:

Das wirklich Bedauerliche an der ganzen Aktion ist, das sie so vermeidbar gewesen wäre. Alles, was die Alfonzlers hätten tun müssen, wäre einfach gewesen, mich direkt zu fragen, wie einige der Formulierungen gemeint sind und was sie in dem Text zu suchen hatten. Dann hätten viele von den Punkten im Vorhinein geklärt werden können. Es ist ja traurige Ironie, dass sie mir stattdessen genau das vorwerfen, nämlich nicht die Verantwortlichen direkt im Vorhinein kontaktiert zu haben und mich dann der schlechten Recherche bezichtigen. Und es zeigt eben auch, dass es Hofmann hier nicht wirklich um eine Debatte auf Augenhöhe geht.

Ansonsten haben wir gelernt:

- Matze Hofmann und ich werden wohl so leicht keine Freunde mehr. *schnief*

- In der Alfonz-Redaktion hat man zu viel Langeweile.

- Den neuen Comic-Report kauf ich mir trotzdem. Solltet ihr auch.

- Gleichzeitig als kritischer Journalist und als Autor un der deutschen Comicszene zu arbeiten, ist keine gute Idee. Merkt euch das!


Ach, und falls ich demnächst vor Gram sterbe, meißelt mir bitte "grimmiger Grabenkämpfer" in den Grabstein! Danke!