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aufgezeichnet.tv - brandneues deutsches Comic- und Mangamagazin Anne Delseit, aufgezeichnet.tv, Manga

Autor:  roterKater
Heute ist es endlich soweit: Die erste Sendung des nagelneuen deutschen Comic-Magazins aufgezeichnet.tv ist online abrufbar. Im Vorfeld wurde schon viel über das innovative Projekt diskutiert, das sich zum Ziel gesetzt hat, endlich eine deutsche Fensehsendung zu etablieren, die sich ausschließlich mit Comic und verwandten Themen beschäftigt - zur Zeit erst einmal nur online, aber von Aufmachung und Konzept ist die Sendung darauf ausgerichtet, irgendwann auch einmal von einem Fensehsender ins Programm genommen zu werden.

Moderiert wird aufgezeichnet.tv vom deutschen Comic- und Cartoonzeichner Flix, der bereits alle relevanten deutschen Comicpreise gewonnen hat, sich mit der Rolle als Fernsehmoderator nun aber auf gänzlich neues Terrain wagt. Für die redaktionelle Arbeit ist neben neben Klaus Schikowski und Harald Gantzberg auch Anne Lail Delseit verantwortlich, die als erfahrene Autorin ("Lilientod") und Redakteurin sicherlich die beste Wahl ist, um den Manga-Anteil der Sendung aufzubereiten. Diese Wahl stimmt auch hoffnungsvoll, dass sich die Sendung in Zukunft auch mit den hiesigen Manga-Eigenproduktionen auseinandersetzen wird. Eine Kurzvorstellung von Marika yamiz Pauls gerade frisch erschienenem BL-Manga Royal Lips Service ist ja bereits vielversprechend.

Thematisch gibt sich die Sendug bunt gemischt. Alle Sparten und Bereiche wurden gleichmäßig abgedeckt, so dass sich eigentlich niemand beschweren kann, das irgend etwas außen vor geblieben ist - bei der in kleinste Interessenbereiche zerhackstückelten deutschen Comicszene schon eine echte Leistung! Allerdings liegt hier auch ein kleines Problem der Sendung: Die zahlreichen vorgestellen Comics werden teilweise derart kurz abgehandelt, dass sich ein wirklicher Einblick in die Werke leider nicht einstellt. Ob damit tatsächlich Interesse für die jeweiligen Comics geweckt wird, bleibt fraglich.

Dies betrifft insbesondere die Ausgepackt-Rubrik mit Kurzvorstellungen, die in der Kapitelstruktur auf der Webseite leider auch nicht getrennt angewählt werden können und so leicht zu übersehen sind, wenn man sich die Sendung lieber in Ausschnitten ansieht. Sehr löblich dagegen die Auflistung sämtlicher erwähnten Comics auf der Seite mit beigefügter Amazon-Verlinkung (wobei man dann auch schon mal zu den jeweiligen Verlagen verlinken dürfte, um weitere Informationen zu erhalten).

Inbesondere fällt auf, dass sich die Kurzvorstellungen überwiegend auf Mini-Inhaltsangaben beschränken und wenig über die zeichnerischen Vorzüge gesagt wird, was gerade bei zeichnerisch virtuosen Werken wie Gon oder Pluto wirklich schade ist. Das ist aber ein Problem, dass sich allgemein durch die jounalistische Aufbereitung von Comics in Deutschland zieht, zum Beispiel auch im Comicbereich auf Tagesspiegel.de. Der Inhalt bleibt weiterhin das ausschlaggebende Kriterium für Comics hierzulande.

Die Hauptbeiträge dagegen sind wirklich schön geworden und auch interessant und unterhaltsam, wenn einen das jeweilige Thema eigentlich gar nicht interessiert. So muss Kulturfernsehen sein! Die technische und inszenatorische Aufbereitung des Sendung ist tadellos und professionell. Man orientiert sich augenscheinlich an einschlägigen Kultursendungen auf ARTE wie Metropolis oder Tracks und mischt immer wieder reichlich Ironie in die Beiträge, wie das großartig nichtssagende Kapitel zu den Graphic Novels. Moderator Flix gibt sich sehr sympathisch, bleibt aber verständlicherweise noch ein wenig blass und schüchtern, was sich in zukünftigen Sendungen sicherlich geben wird.

Kleinere, teils aber irgendwie witzige Missgeschicke kann man hier und da noch ausmachen, wenn zum Beispiel Anne Flix bloßstellend einen Gon-Band mit der Aussage "Das könntest sogar du kennen!" unter die Nase hält und dieser seine augenscheinliche Mangaunkenntnis keine zwei Minuten später noch unterstreicht, indem es die vorgestellten Manga mit der Rückseite voran in die Kamera hält (mit Ausnahme des einen Bandes, des in westliche Lesrichtung gespiegelt wurde). Mit den Sprechern kurz die Aussprache der japanischen Namen durchzugehen, wäre ebenfalls eine gute Idee gewesen. Einige Facepalms aus der Manga-Szene zum Naruto-Beitrag hätte man so sicherlich nicht unbedingt riskieren müssen.

Die acht in der ersten Sendung vorgestellten Manga (Naruto, Royal Lip Service, Pluto, Gon, Adekan, Kiiri, Arisa, Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß) beschränken sich auf die Verlage Carlsen und EMA, was die Manga-Berichterstattung ein wenig auf die alteingesessenen Verlagsriesen einschränkt. Man kann aber davon ausgehen, dass das Zufall ist. Und wir wollen ja nun wirklich nicht mit Gewalt noch den Dingen suchen, die irgendwie doch nicht in der ersten sendung vorkamen.

Insgesamt eine äußerst gelungene erste Sendung eines großartigen Projektes, dem man unumwunden eine Zukunft im deutschen Fernsehen wünscht! Ich freu mich auf die nächste Ausgabe!

Hier noch ein Bericht zum Magazin im Tagesspiegel.

P.S. Mein persönliches Highlight war ja irgendwie der Helmut-Nickel-Beitrag. Ist so gar nicht meine Welt, aber einfach nur ein wunderschöner Beitrag.