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Noch mehr antike Chibis CHIBI, Karikatur, Kitazawa Rakuten, Manga

Autor:  roterKater

Und noch mehr Chibis, diesmal von Manga-Urvater Kitazawa Rakuten aus dem frühen 20. Jahrhundert:

Rakuten ist eine ungemein wichtige Figur für die Entwicklung des modernen Manga. Er begann in den 1890er Jahren als Zeitungskarikaturist und schuf, beeinflusst durch die Sonntagsbeilagen amerikanischer Tageszeitungen, die ersten fortlaufenden Zeitungs-Comicstrips in Japan. Sein Zeichenstil ist genauso beeinflusst von den zeitgenössischen amerikanischen Comicstrip-Zeichnern wie Winsor McCay ("Little Nemo") wie von japanischen Holzschnitt-Meinstern wie Katsushika Hokusai. Von Hokusai übernahmen er und seine Kollegen damals auch den Begriff "Manga" und übertrugen ihn auf Karikaturen und die frühen Comicstrips.

Rakuten ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Manga im Spannungsfeld zwischen japanischer Bildtradition und westlichen Einflüssen entwickelt hat - ein Verhältnis, dass über Tezuka Osamu auch den Nachkriegs-Manga entscheidend definierte. Tezuka zählte Rakuten übrigens zu seinen größen Einflüssen.

Pariser Chibis Charles Vernier, CHIBI, Comic, Karikatur

Autor:  roterKater

Ich recherchiere ja gerade zu einem Vortrag über die Beziehungen zwischen westlicher und japanischer Karikatur und frühem Manga im 19. Jahrhundert, und was man da so alles schickes findet...

Photobucket

Die hübschen Pariser, portraitiert von Charles Vernier anno 1853. Was lernen wir daraus? Die Pariser kannten vor gut 150 Jahren schon Chibis! Na wasn Ding...

Der Scan stammt übrigens aus diesem schicken Buch. Falls mal jemand in einer Bibliothek drüber stolpert - das ist wirklich 'nen Blick wert!

Deutschland, armes Comic-Deutschland comics, FAZ, Karikatur, König

Autor:  roterKater

Manchmal reicht ein Satz aus, um dir den Tag zu versauen. Ein kleiner Satz, auf der Rückseite eines Buches. In diesem Fall Ralf Königs neuer Comic "Prototyp". Und was können wir da lesen?

"König ist kein Karikaturist, er ist ein brillianter Geschichtenerzähler und -zeichner." (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG)

Ich weiß nicht, ob gleich offensichtlich ist, was daran so skandalös ist. Lest es noch einmal durch. Lasst es euch auf der Zunge zergehen. Dann lest hier weiter.

Nehmen wir den Satz mal auseinander. Wir wissen, es ist ein Zitat aus der FAZ, dass das Buch bewerben soll. Es ist weiterhin das einzige Werbezitat auf dem Buchrücken, also von besonders herausgehobener Stellung. Ein Werbezitat soll ein Produkt für die potentiellen Käufer aufwerten. Daraus folgen zwei Fragen: Erstens, wie wird die Aufwertung versucht zu erzielen? Und zweitens, wer wird dadurch als potentieller Käufer adressiert?

Punkt zwei lässt sich leichter bestimmen: Ralf König ist so etwas wie der Intellektuelle unter der deutschen Comiczunft und einer der wenigen deutschen Comiczeichner, die nicht oder nicht in erster Linie vom üblichen Comic-Publikum gelesen werden. Daher auch ein Zitat der FAZ. Es werden keine typisierten Comicfans angesprochen, sondern das, nennen wir es einmal, "Bildungsbürgertum".

Zu Punkt eins: Das Zitat baut auf einem Gegensatz auf. Auf der einen Seite steht der Karikaturist, auf der anderen Seite die qualitativ hochwertige Leistung als "Geschichtenerzähler und -zeichner". Beides wird als unvereinbar dargestellt. Als Karikaturist kann man kein guter "Geschichtenerzähler und -zeichner" sein. Letzteres ist eine Aufwertung gegenüber ersterem. Erst wenn man den Karikaturisten hinter sich lässt, kann man etwas wirklich "brilliantes" schaffen.

Was damit genau impliziert ist, erkennt man, wenn man sich die Begriffe mal etwas genauer anschaut. Zuerst der Karikaturist: Ohne jetzt kulturwissenschaftlich exakt differenzieren zu wollen, wo genau sich Ralf König im Begriffskomplex "Comic", "Cartoon" und "Karikatur" eigentlich befindet (meiner Meinung nach vereint er alle drei Aspekte in sich - letztere Beschreiben seinen Zeichenstil, ersteres seinen Erzählstil), kann man doch festhalten, dass diese drei Punkte in der Öffentlichkeitswahrnehmung oft zusammengedacht werden. Was das deutsche Comicschaffen angeht - zumindest wenn man von den gesellschaftlich und institutionell akzeptierten Formen ausgeht, wo Manga zum Beispiel nicht dazu gehört - bewegt sich dieses eben häufig zwischen diesen Polen: politische Karikatur, kurzer Zeitungs-Comicstrip im Cartoon-Stil (extreme Vereinfachung und Stilisierung, könnte man es knapp geschreiben), und ebenfalls im Cartoon-Stil gehaltene Comicbücher Marke Fiz, Walter Moers oder eben Ralf König.

Und eben aus diesem Komplex wird König hier hinaus überhöht - er ist kein karikaturist, hat also mit diesem ganzen Comics- und Cartoon-Komplex nichts zu tun. Pfui, bah!

Was ist er denn dann? Ein "brillianter Geschichtenerzähler und -zeichner"! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Das ist mit Abstand die umständlichste und abweisendste Umschreibung des Begriffs "Comic", den ich je gehört habe! Schauen wir uns das mal genauer an:

Zuerst lässt sich feststellen, dass zwei Begriffsaspekte hier besonders herausgelöst wurden: der Geschichtenerzähler und der Zeichner. Ersteres zielt auf die Literaturkunst, zweiterer auf die bildende Kunst. Es wird König also Brillianz in zwei Künsten angerechnet - der Literatur und der bildenden Kunst. Seine eigentliche Kunst - der Comic - wird höflich ausgelassen. Schlimmer noch: der Status, den sich Comics als eigene, neunte Kunst erkämpft haben, der sich eben abhebt von der bloßen Symbiose aus Literatur und bildener Kunst, wird geradeweg negiert. Das ist wirklich bitter, wenn man bedenkt, wie lange Comics gebraucht haben, sich von der Vorstellung zu emanzipieren, sie seien eben bloß Literatur mit Bildern, oder bildende Kusnt mit Begleittext - eine Emanzipation, die in Deutschland bis heute nicht vollzogen ist, wie man an diesem Zitat sieht. Hier wird geradewegs die Existenz des Mediums Comic negiert!

Dabei sind Comics in dem Zitat gar nicht so abwesend, wie es hier scheint. Wir haben nämlich den Bindestrich noch nicht betrachtet. Die FAZ redet hier nicht einfach von Zeichner, sondern - gut getarnt und durch das Auseinanderreißen per Bindestrich erst auf den zweiten Blick bemerkbar - von "Geschichtenzeichner". Wer oder was ist denn aber nun ein "Geschichtenzeichner"? Es fällt mir wirklich schwer, an irgendwas zu denken, was mit dem Begriff "Comiczeichner" nicht kongruent wäre. Wenn hier aber eigentlich "Comiczeichner" gemeint ist, warum wird das dann nicht einfach so bezeichnet, sondern der Umweg über den offensichtlich als Euphemismus gemeinten "Geschichtenzeichner", noch dazu in zwei Hälften gerissen, gewählt? Eine Erklärung dafür lässt sich nur unter Berücksichtigung oben genannter Überlegungen finden. Es wird alles getan, um eine sonstwie geartete Assoziation zum Wort "Comic" soweit wie möglich von sich zu weisen.

Kurzum - was uns hier gesagt wirs, ist: König macht nicht so etwas triviales wie Comics, nein, er ist ja schließlich brilliant. Oder anders gesagt - wenn es brilliant ist, kann es kein Comic sein.

Wer sich jetzt fragt, was das mit der FAZ zu tun hat . habt ihr euch mal gefragt, warum Comics in Deutschland einen so schweren Stand haben, verglichen mit unseren Nachbarländern Frankreich und Belgien? In erster Linie sind daran extreme Anti-Comic-Bewegungen im Nachkriegsdeutschland schuld. Comics wurden damals als "Schmuggelware der infantinen Kultur" bezeichnet. Comics wurden als Verletzer aller Normen der "guten" Hochkultur diffamiert und stigmatisiert. Es kam zu einem regelrechten Kulturkampf zwischen der "richtigen" Kultur und dem Schund, den man hauptsächlich mit amerikanischen Massenkulturprodukten, wozu man eben auch Comics rechnete, verband. Es kam sogar zu öffentlichen Comicverbrennungen, und ja, wir reden hier von einer Zeit nach dem zweiten Weltkrieg!

An der Spitze dieses Kulturkampfes stand die sogenannte Frankfurter Schule, zu der Intellektuelle wie Adorno oder Horkheimer zählten, und aus der später die 68er Bewegung hervorgehen sollte. Der Feuilleton der FAZ ist bis heute, seinem Stammsitz treu, stark geprägt vom Denken der Frankfurter Schule geprägt. Wenn ihr den Kulturteil der FAZ mal durchblättert, werdet ihr immer wieder auf implizierte Unterscheidungen in Hochkultur und Massenkultur stoßen (welche übrigens von der modernen Kulturwissenschaft scharf zurückgewiesen wird), die nicht nur inhaltlich, sondern normativ geführt wird, das heißt, alles, was irgendwie Massenkultur ist, wird abwertend betrachtet. In letzter Zeit ist das hauptsächlich das olle Fernsehen.

Comics hat man in den letzten 50 Jahren schon erfolgreich in den Boden gestampft, dagegen muss man heute keine Kulturkämpfe mehr führen. Die Feuilletonisten haben da eine viel elegantere Methode entwickelt, Comics kleinzuhalten: ihnen wird einfach ihre Existenz abgesprochen. Wenn man mal in die Verlegenheit kommt, dass man einem Comiczeichner seine Qualität nicht mehr absprechen kann, behilft man sich einfach, indem man sagt: Das ist kein brillianter Comiczeichner, das ist ein "brillianter Geschichtenerzähler und -zeichner". Und schwupps, ist man um die verlegenheit erleichtert, einen Comic loben zu müssen.

Dass der Rowohlt-Verlag, in dem "Prototyp" erschienen ist, sich nun dazu entschließt, dieses und nur dieses Zitat auf den Buchrücken zu pappen, kann man nur so werten, dass hier offensichtlich mit einer derart Kultur-feindlichen Sichtweise konform gegangen wird. In einem Verlag, der selbst Comics veröffentlicht. Man muss also, um oben genanntes Zielpublikum erreichen zu können, seinen eigenen Status als Comicverlag wie auch als Comiczeichner verneinen. Deutschland, armes Comic-Deutschland!

Eigentlich sollte man dem Rowohlt-Verlag das Buch dafür links und rechts um die Ohren hauen. Wenn "Prototyp" nicht so ein verflucht brillianter Comic wäre...

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Zum Thema "Comics als Unkunst" im Nachkriegsdeutschland kann man sich hier mal durchklicken:

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Sozialwissenschaften/Kommunikations-_und_Medienwissenschaft/Keuneke/Angstmedien_6_Comics.ppt

Viele der dort aufgeführten Zitate sind absolut erschreckend!