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Review: "Winternacht - Schamanenpfade" Comicstars, DManga, Fantasy, Sarah Wisbar

Autor:  roterKater



Sarah Wisbar: "Winternacht - Schamanenpfade"
Comicstars/ Droemer Knaur
Einzelband
6,99€



Mit "Winternacht - Schamanenpfade" erschien kürzlich bei Comicstars das Debüt von Sarah Wisbar, der Siegerin des hochdotierten Comicstars-Preises 2009. Man darf als einiges erwarten, bedenkt man, gegen wen sich Sarah so alles durchgesetzt hatte (unter anderem gegen Margarita Till und Hannes Radke).


Was sicherlich zuerst auffällt, ist die wirklich beachtliche Zeichen- und Schraffurtechnik, die eher an frankobelgische Abenteuer- und Fantasy-Comics erinnert denn an typische Manga - am ehesten vielleicht noch an Miyazakis "Nausicaä", der sich ja großteils aus ähnlichen Quellen speist. Die tollen Hintergrundzeichnungen werden nur durch die nötigsten Raster ergänzt. Wer gerne wunderbar geinkte Linearts in deutschen Manga-Publikationen bewundern will, sollte allein deswegen einen Blick in den Band werfen. Die Zeichnungen sind also gerade zu Beginn unheimlich schön, episch und aufwendig, und damit einem Abenteuer-Comic mehr als angemessen.

Leider hat sich mein Lob für den Manga damit aber schon erschöpft, denn inhaltlich ist "Winternacht" eine ziemliche Enttäuschung. Es fängt eigentlich recht vielversprechend an: eine winterliche Fantasy-Welt, ein Schamanenvolk, eine abenteuerlich Reise zur Rettung der Heimat - alles Zutaten für ein schönes Fantasy-Epos. Aber Sarah macht nichts daraus. Die Figuren bleiben blass und unsympathisch, ihre Beweggründe und Gefühle sind dem Leser weitestgehend fremd. Schlimmer noch - ab Kapitel 3 passiert einfach nichts mehr. Weder kommen die Helden ihrem Ziel näher, noch tut sich sonst ein dramaturgischer Konflikt auf. Die Figuren laufen durch den Schnee und verstehen sich gegenseitig nicht. So kann man eigentlich die letzten vier Kapitel zusammenfassen.

Am frustrierendsten ist aber, dass die Story auf absolut nichts hinaus läuft. Was als klassische Heldenreise beginnt, läuft einfach ins Leere. Nicht von dem, was zu Beginn etabliert wurde, wird in irgendeiner Form eingelöst, noch kommen die Helden ihrem Ziel irgendwie näher. Das krasseste Beispiel dafür ist der farbige Prolog, der absolut nichts mit der restlichen Handlung zu tun hat. Weder die Figuren noch die angesprochenen Handlungsindizien darin tauchen später irgendwo wieder auf. Was schade ist, weil es ein wirklich guter Prolog war, der Interesse an etwas weckt, was dann einfach nicht mehr aufgegriffen wird.

So verhält es sich leider mit vielen Aspekten, die im weiteren Verlauf der Handlung angerissen werden. Die dramaturgische Grundweisheit, dass auf ein Set-Up auch ein Pay-Off erfolgen sollte, wird von Sarah geflissentlich ignoriert, und so bleibt man als Leser nur vor der resignierenden Erkenntnis, dass die Autorin einem wohl einfach nichts zu erzählen hatte. Wenn dann am Schluss von Kapitel 6 "Ende" vermerkt ist, fühlt man sich als Leser schon ziemlich verschaukelt.

Es ist natürlich ziemlich naheliegend, dass "Winternacht" hier wohl nicht in der Form vorliegt, die zu Beginn vielleicht einmal geplant war. Sonst könnte ich mir beim besten Willen nicht erklären, wie sich dieses "Konzept" gegen all die anderen Teilnehmer beim Wettbewerb durchsetzen konnte (außer zeichentechnisch). Leider sehen auch die späteren Kapitel so aus, als hätte Sarah keine Lust mehr auf das Projekt gehabt. Von den ungemein detaillierten Zeichnungen zu Beginn ist in der zweiten Hälfte fast nichts mehr zu sehen. Die Seiten werden immer skizzenhafter und weißer, die epische Abenteuerlandschaft schrumpft auf ein paar stoische Gesichtsausdrücke zusammen.

Wirklich Schade. Da war so viel Potential da, was einfach verschenkt wird. Sarah ist eine extrem begabte Zeichnerin, und allein deswegen ist "Winternacht" sicherlich einen Blick wert, aber der Band bleibt leider als Erzählung vollkommen unbefriedigend. Gerade aufgrund der Vorschusslorbeeren und der hübschen Auftaktes ist "Winternacht" so nur eine zumindest zu Beginn toll gezeichnete Enttäuschung.

Fantasy Filmfest 2009 Resümee Fantasy, filmfest, Kino

Autor:  roterKater
Auf mehrfachen Wunsch einzelner Personen hier nochmal eine kurze (?) Einschätzung meines Kino-Urlaubs:

[weitere Infos und Trailer zu den Filmen auf fantasyfilmfest.com und imdb.com]

- CARRIERS (Eröffnungsfilm)
Von einem FFF-Eröffnungsfilm erwartet man ja in der Regel eine Spaßgranate sondergleichen (in den letzten Jahren unter anderem BLACK SHEEP, SEVERANCE und KISS KISS BANG BANG) - von daher war CARRIERS schon eine ziemliche Enttäuschung, besonders angesichts einiger weitaus passenderer Kanditaten wie THE TOURNAMENT oder DOGHOUSE. Wahrscheinlich hat wohl FOX dies zur Bedingung gemacht, um den Film 3 Wochen vor US-Start ins Programm aufnehmen zu können. Aber hätten sie lieber drauf verzichtet. Das schwache Endzeit-Epidemie-Drama hat weder Spannung, Action, Humor noch irgendwas anderes wirklich zu bieten und ist zudem auch noch äußerst unoriginell zusammengeklaut. Der Film ist eigentlich bereits von 2006 und lag bei Fox drei Jahre im Giftschrank, bevor zwei Ereignisse die Dollarzeichen in den Augen der Fox-Bosse zum neuen Erleuchten brachten - das plötzliche Durchstarten von Chris "Käpt'n Kirk" Pine und eine weltweite Grippe-Epidemie, die man ausnutzen kann. Schwach.

- THE TOURNAMENT
Auf den ersten Blick sieht alles nach einem billigen BATTLE-ROYALE-Ripp-off aus: 30 internationale Killer werden mit einem Chip versehen und müssen sich innerhalb von 24 Stunden gegenseitig töten. Der Gewinner erhält Reichtum und Ruhm, und falls nach Ablauf der Zeit mehr als einer am Leben bleibt, werden alle durch die explodierenden Chips in die Luft gejagt. Für solche Plots, die den BR-Machern noch nicht einmal einen Credit gewähren, könnte man die Macher schon irgendwie erwürgen. Nicht nur, dass hier echt frech geklaut wird - durch die Ersetzung der Schulkinder durch Profi-Killer und die freiwillige Partizipation der Teilnehmer wird auch noch sämtliche Brisanz der Vorlage über Bord gekickt.

Aber dann wird plötzlich doch noch alles gut. Robert Carlyle gerät als alkoholsüchtiger, fluchender Priester zwischen die Fronten, die im wesentlichen von Kelly Hu und Ving Rhames ausgemacht werden. Dicker Cast also, und noch dickere Action. Alles schön altmodisch und ohne erkennbaren Computer-Einsatz, explodierende Lastwagen, unverschämt große Einschusslöcher und jede Menge böser Humor - tatsächlich eine absolute Spaßgranate, die einfach nur Laune macht. Der Film macht in jeder Hinsicht das denkbar Beste aus seinem Konzept. Absolut sehenswert.

- MOON

Noch ein Meisterwerk - der einzige Science-Fiction-Film auf dem Festival überzeugt mit einem grandiosen Sam Rockwell als alleiniger Arbeiter auf einer Modbasis, wo er für drei Jahre lang den Abbau von Helium-3 überwacht, mit der einzigen Gesellschaft der Stationsroboters Gerty (gesprochen im Original von Kevin Spacey). Jetzt ist sein Vertrag bald abgelaufen und er freut sich auf die Rückkehr zur Erde. Doch seine angeschlagene Psyche beginnt ihm Streiche zu spielen, und plötzlich steht ihm sein eigener Doppelgänger gegenüber. Absolut großartig gespielt und gefilmt, traurig und spannend zugleich, mit einem fantastischen Soundtrack - in jeder Hinsicht ein Meisterwerk!

- PONTYPOOL

Der diesjährige Geheimtipp - unglaublich origineller kleiner Horrorfilm, der die Mythen des Romero-Zombiefilms tatsächlich mal komplett neu denken kann. In einer abgelegenen lokalen Radiostation im winterlichen Kanada muss sich ein schlagfertiger Moderator (großartig: Stephen McHattie aus WATCHMEN) und seine Produzentin mit eingehenden Reporten von marodierenden Horden auseinandersetzen. Was steckt dahinter? Ist alles ein Scherz? Warum scheinen die Opfer besonders auf bestimmte Worte zu reagieren, und trägt man mit den ausgesendeten Radioberichten nicht vielleicht selbst zur Katastrophe bei?

Man kann den Film echt schwer beschreiben, man muss ihn wirklich gesehen haben. Er spielt fast ausschließlich innerhalb der Radiostation, schöpft aber aus seinen Darstellern, dem spannenden Plot und der kriechenden Ungewissheit das denkbar Beste heraus und ist zudem auch noch unglaublich komisch. Definitiv ein kleines Meisterwerk!

THIRST

Der neue Geniestreich von Park Chan-wook (OLDBOY)! Diesmal wagt sich der Meister an eine waschechte Vampir-Story, die einerseits den Mythen sehr treu bleibt, aber andererseits genug originelle Einfälle für ein ganzes Dutzend Filme aufbringt. Hier trifft es einen katholischen Priester (wie immer großartig: Song Kang-ho, MEMORIES OF MURDER), der bei einem medizinischen Experiment in Afrika mit dem Vampirvirus infiziert wird und sich nun mit seiner neuen Natur auseinandersetzen muss. Die ganzen 133 Minuten kann man hier wirklich nicht kurz zusammenfassen, man muss es einfach sehen. Vampirfans kommen hier definitiv auf ihre Kosten, Freunde anspruchsvoller Kino-Kunst ebenso, und darüber hinaus ist das alles auch noch extrem witzig, unterhaltsam und spannend. Definitiv mindestens auf Augenhöhe mit OLDBOY!

Park war in Berlin zur Deutschland-Premiere noch persönlich zu Gast, gab gutgelaunt Autogramme und ließ sich vom Publikum sogar mit einem Geburtstags-Ständchen verwöhnen. Der Mann mag Festivals und besonders sein Publikum, und das ist alles andere als selbstverständlich, aber genau das merkt man seinen Filmen auch an.

THE SKY CRAWLERS

Bei Oshii Mamoru (GHOST IN THE SHELL) kann man sich wirklich ruhigen Gewissens jeden neuen Film anschauen, nichts weniger als ein Meisterwerk erwarten und tatsächlich niemals enttäuscht werden - zumindest, wenn man sich in den komplexen, anspruchsvollen Gedankenwelten seiner Filme zurechtfinden mag. THE SKY CRAWLERS scheint auf den ersten Blick etwas wegzugehen von seinen High-Tech-Fantasien: in einer alternativen Welt werden Kriege nicht mehr zwischen Nationen ausgetragen, sondern von Firmen nach festen Spielregeln als eine Art Lutfkampf-Turniere veranstaltet und von sogenannten Kildren ausgetragen - Menschen, die nicht altern können und ohne Bewusstsein für Vergangenheit und Zukunft leben.

Trotz der hauptsächlich jugendlichen Protagonisten und dem alternativ-historischen Setting greift Oshii erneut seine Trademark-Themen auf: Die Suche nach Menschlichkeit in einer entmenschlichten Welt, der Konflikt zwischen Mensch und Technik, Deja-vus und Wiedergeburt zeichnen auch seinen neuen Film aus. Der Film ist über weite Strecken seiner 2 Stunden Laufzeit sehr ruhig erzählt, was vielen Betrachtern wohl an der Geduld nagen mag. Dafür baut er kontinuierlich an emotionaler Wucht auf und entläd sich immer wieder in atemberaubenden Luftkämpfen, die einen besonders durch das grandiose Sound-Design in den Kinosessel drücken. Allein deswegen sollte man den Film im Kino sehen. Die wie üblich großartige Musik von Kawai Kenji trägt ihr Übriges bei. Ein Film, der nachwirkt.

Und ja, Oshiis Basset hat natürlich wieder mehr Screen Time als die meisten Nebencharaktere. ^^

IDIOTS AND ANGELS

Leider gab es dieses Jahr nur einen Anime auf dem Festival, dafür aber noch zwei weitere tolle Animationsfilme. Der neueste Film von Bill Plympton (MUTANT ALIENS) ist wieder so ein schräger Spaß, wie man ihn vom Meister der komplett selbstgezeichneten Animationsfilme erwartet hat: einem Ekelpaket wachsen über Nacht Engelsflügel. Nach anfänglicher Verzweiflung genießt es schon bald den neuen Unfug, der sich damit anstellen lässt. Doch das Flügelpaar entwickelt schnell einen eigenen, gar himmlichen Willen, und bald sind auch noch ein durchgeknallter Arzt und ein fieser Barbesitzer hinter den Flügelchen her.

Das alles schafft Plympton komplett ohne Dialog zu erzählen. Zudem ist er zu seinem warmen, erdigen Buntstift-Animationsstil zurückgekehrt, der seinen ganz speziellen Look ausmacht. Und mittlerweile leistet sich Plymton bei all dem Blödsinn auch noch eine gewisse Altermelancholie, die ihm überraschenderweise erstaunlich gut zu Gesicht steht. Oder um Matt Groening zu zutieren: "Bill Plympton is God!"

ROUND DA WAY

Die Franzosen sind ja die letzte europäische Bastion des anspruchsvollen Animationsfilms, die immer wieder kleine Meisterwerke ausspuckt. ROUND DA WAY ist auch wieder so ein Ding, das auf den ersten Blick gar nicht so spektakulär aussieht, einen dann aber mit Leichtigkeit in die Tasche steckt. Mit jeder Menge Hip Hop im Blut sehen wir hier zwei armen Losern dabei zu, wie sie Kohle für ihren wohlverdienten Urlaub in Santo Rico zusammenbekommen wollen, um endlich mal aus ihrem Hood rauszukommen. Natürlich geht alles schief was nur schief gehen kann und bald versinkt halb Paris in Chaos, Drogen, durchgeknallten Ex-Freundinnen, Gangstern, Porno-Regisseuren und dicken Beats.

Das Ganze ist derart durchgeknallt, geschmacklos und witzig, dass man aus dem Lachen kaum noch rauskommt. Die meisten Gags zielen natürlich weit unter die Gürtellinie und ein bisschen fühlt man sich an der ersten WERNER-Film erinnert - nur ist hier alles wesentlich stilvoller, cooler, schräger und lustiger. Und besser animiert natürlich. Ich glaub, hier würden sogar überzeugte Hip-Hop-Hasser genüsslich drauf abfeiern. Einfach nur cool!

DOGHOUSE

6 Männer flüchten auf einem gemeinsamen Trip in ein abgelegenes britisches Städtchen, um für ein paar Tage ihren verkorksten Beziehungen zu entkommen, müssen aber bald erkennen, dass ihre eigenen Frauen noch um einiges harmloser sind als das, was auf sie lauert. Denn nach einem schiefgelaufenen Regierungsexperiment sind dort alle Frauen zu blutdürstenden Monstern mutiert und haben die komplette männliche Bevölkerung niedergemetzelt. Frischfleisch ist ihnen da sehr Willkommen!

Jake West (EVIL ALIENS) bläst zum Geschlechterkampf - das kann ja heiter werden! Tut es auch: makaber, blutig, zum Schreien komisch und alles andere als politisch korrekt wird hier von Anfang bis Ende Spaß gefahren. Cool!

BATHORY

Nach Julie Delpys total verkorkstem THE COUNTESS nehmen die Slowaken jetzt die legendenumwobene Geschichte ihrer "Blutgräfin" Erzébet Báthory, die im Blut junger Mädchen gebadet haben soll und im Guinessbuch der Rekorde als Königen der Massenmörder eingetragen ist, selbst in die Hand und erzählen ihr Leben einmal unter gegensätzlicher Prämisse: was, wenn Báthory Opfer einer politischen Intrige wurde?

Daraus macht der Film nun aber keine historische Rekonstruktion, sondern ein mit Fantasy-Elementen aufgepeppeltes , Shakespeare-haftes Epos, das durchaus über die ganzen 138 Minuten gute Unterhaltung liefert. Besonders die großartige Ausstattung ist einen Blick wert.

SHINJUKU INCIDENT

Was erwartet man von Jackie Chan? Atemlose, aber jugendfreie Action, Kung-Fu-Akrobatik und dumme Sprüche. Was bekommt man hier? Düstere, brutale Gewalt, keinerlei Martial Arts nirgends und definitiv nix zu lachen. Anscheinend wollte Chan nun doch einmal zeigen, dass er irgendwie auch Schauspieler ist, und macht das alles andere als schlecht. In dem harten Gangster-Thriller verschlägt es ihn als illegalen Einwanderer nach Japan, wo er mit seinen chinesischen Leidensgenossen eine Gangsterbande anfbaut, um sich gegen die Yakuza behaupten zu können, und dabei auch vor eiskalten Morden nicht zurückschreckt.

So haben wir JC sicher noch nicht gesehen. Er hat zwar auch schon früher in härteren Thrillern gespielt (CRIME STORY), aber irgendwie war er doch immer der Gute und durfte sich durch perfekt choreographierte Stuntorgien prügeln. Hier gibt's nix davon, und irgendwie hinterlässt das ein Loch, weil man es einfach von ihm erwartet. Dabei ist SHINJUKU INCIDENT ein wirklich guter Thriller, auch wenn einige Protagonisten im letzten Drittel etwas zu absurde Charakterumschwünge durchmachen, um den Film auf die übliche Aufstieg&Fall-Dramaturgie zu eichen. Bin selbst noch nicht ganz sicher, ob mir der Film jetzt eigentlich gefallen hat. Ich glaub, ich schau doch einfach nochmal CRIME STORY.

IP MAN

Und dann doch noch wenigstens ein waschechter Martial-Arts-Film auf dem Festival, und gleich der beste seit Jahren! Das S.P.L.-Team um Regisseur Wilson Yip und Hauptdarsteller Donnie Yen lässt es krachen, wie man das von einem waschechten Genre-Vertreter erwartet. Mit der Lebensgeschichte des legendären Wing-Chun-Meisters Ip Man (1893-1972) hat man da natürlich den optimalen Stoff gefunden. Der Film konzentriert sich auf die Jahre kurz vor und während der zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-45). Nach dem extrem vergnüglichen Auftakt, in dem Ip Man eine Trupp nordchinesicher Raufbolde in die Schranken weist, schlägt der Film mit Kriegseinsatz wesentlich melodramatischere Töne an und verärgert ein wenig mit der reichlich selektiven Geschichtsauslegung (nach dem Film haben die Chinesen Dank ihres Volkshelden die Japaner besiegt und nicht die Amerikaner). Egal, Hauptsache die Action stimmt, und das tut sie, aber Hallo! Dazu noch ein pompöser Soundtrack von Kawai Kenji und jeder Kunf-Fu-Fan ist absolut wunschlos glücklich!

THE SNIPER

Hongkongs Genre-Spezialist Dante Lam (BEAST COPS, THE BEAST STALKER) bleibt weiterhin absolut verlässlicher Lieferant perfekter Action-Thriller. Diesmal bekommt es eine Scharfschützeneinheit der Polizei mit einem durchgeknallten Ex-Kollegen zu tun, der sie zu einem tödlichen Duell herausfordert. Der Film hat eine bewegte Geschichte, kam ihm doch letztes Jahr der Foto-Skandal um Edison Chen in die Quere. Dessen eigentlich Hauptrolle wurde nun für die fertige Fassung erheblich zusammengestrichen und mehr Wert auf die Nebenfiguren gelegt. Sowas ist in der Regel tödlich für einen Film, aber glücklicherweise hat Lam sein Werk trotzdem absolut im Griff, die Lücken fallen nicht auf und die atemlos spannenden Action-Szenen bleiben absolut beeindruckend. Genre-Kino at its best!

RED CLIFF

Und nochmal ab nach China! Dort hat sich nämlich nach 15-jähriger Abwesenheit der gute alte John Woo wieder eingefunden, diesmal für ein waschechtes Historienepos, das die alte Geschichte der streitenden drei Königreiche neu zu erzählen - als bildgewaltiges Schlachtenepos mit grandiosen Actionszenen, einer großartigen Cast um Tony Leung und Kaneshiro Takeshi, toller Ausstattung und einem spannenden Plot, der die strategischen Schlagabtausche zwischen den Parteien fast spannender macht als die eigentlichen Kampfszenen. In letzteren zeigt Woo dann aber auch alles, wofür er berühmt geworden ist - Montage, Zeitlupen, Stunts, alles sitzt perfekt! Ein absoluter Hochgenuss!

In seinem Heimatland kam der Film als Zweiteiler zu je etwa 2 Stunden ins Kino. Für die internationale Auswertung natürlich außer Frage, wurde hier eine zweieinhalbstündige integrierte Fassung zusammengeschnippelt. Erstaunlicherweise funtioniert die aber wunderbar und lässt die fehlenden Handlungselemente nicht mal erahnen. Natürlich hätte man jetzt gerne mehr davon gesehen, aber auch diese Version ist für sich definitiv ihr Geld wert!

PAINTBALL

Noch so eine kleine Überraschung, mit der man eigentlich gar nicht gerechnet hatte. Diese spanische Produktion erzählt von einer bunt zusammengewürfelten Paintball-Truppe, deren Spiel plötzlich tödlicher Ernst wird, als jemand beginnt, mit scharfer Munition auf sie zu schießen. Nicht gerade Originalitätspunkte auf der Plotebene, wohl aber bei der Umsetzung. Der Film setzt weitestgehend auf lange, mitreißende Handkamera-Plansequenzen, ein bisschen im Stil von CHILDREN OF MEN. Großes Lob an Team und Darsteller, sowas ist echt keine einfach Sache! Zudem präsentieren sich die heftigen Tötungsszenen überwiegend in verfremdeter Infrarot-Optik, was sie irgendwie noch schockierender macht, weil man eben nicht genau sieht, was passiert, aber immer noch genug, um es sich denken zu können. Ziemlich bizarrer kleiner Schocker mit innovativer Umsetzung.

GIALLO

Warum zum Teufel tu ich mir eigentlich immer wieder den neuesten Dario-Argento-Streifen an? Lerne ich denn nie, dass der Mann einfach kein neues SUSPIRIA mehr drehen wird? Hat mich Oscar-Preisträger Adrian Brody in den Film gelockt? Was macht der überhaupt da? Braucht er so dringend Geld oder wollte er einfach mal den alternden Ex-Horror-Maestro kennenlernen? Wie schafft er es eigentlich, diese strunzdämlichen Dialoge mit einer derartigen Ernsthaltigkeit vorzutragen?

Von einem Film, der sich dann schon im Titel derart emblematisch auf den Giallo, den speziellen italienischen Serienkiller-Slasher beruft, erwartet man dann schon irgendwie auch eine definitive Aussage dazu. Aber mehr als entführte, gefesselte, gefolterte und schreiende junge Frauen fällt Argento dazu auch nicht mehr ein. Tausendmal gesehen, und so ziemlich jedes Mal auch deutlich besser. Dabei auch längst nicht blutig und sleazy genug, dass es wenigstens noch auf der niederen Triebebene unterhalten kann. Zeitverschwendung.

THE DESCENT 2

Als Sneak-Preview zwei Wochen vor der offiziellen Weltpremiere lief die Fortsetzung des britischen Horror-Überraschungshits, die genau da ansetzt, wo der erste Teil aufhörte. Ein Rettungstrupp macht sich zwei Tage später auf die Suche nach den vermissten Frauen und steigt erneut in das Höhlensystem hinab. Erstaunlicherweise werden sie sogar fündig, was seltsam ist, wo doch im ersten Teil eigentlich alle gestorben sind. Naja, das Kreuz mit den Fortsetzungen halt, und leider nicht der einzige Punkt, an dem das Drehbuch ins Lächerliche rutscht. Statt der genialen Mischung aus Höhlendrama, Psychohorror und Monster-Action, auf die der erste Teil setzte, arbeitet sich die Fortsetzung nur an letzterem ab. Und das tut sie auch gar nicht mal schlecht. Die Schocks sitzen immer noch und können natlos an der ersten Teil anschließen. Insgesamt wirkt der Film trotz höherem Budget deutlich trashiger, besonders eben aufgrund des Skriptes. Überflüssige Fortsetzung, aber durchaus unterhaltsam und spannend.

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Insgesamt also schönes Festival, bei dem mit Ausnahme von CARRIERS und GIALLO alle Filme auch gehalten haben, was sie versprachen, und zudem ein paar echte Überraschungen dabei waren.