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DVD-Tipp: THE SKY CRAWLERS Oshii Mamoru, Postmoderne, Science Fiction

Autor:  roterKater
Ich muss eben einmal wieder 'ne Lanze brechen für meinen Lieblingsregisseur:




Gleich vorweg: "The Sky Crawlers" ist kein Actionfilm! Wer unter (ausschließlich) dieser Prämisse, angelockt durch Trailer und Videospiel, den Film anschaut, wird sich sicherlich über die unglaublich spektakulären Actionszenen freuen. Aber das Hauptaugenmerk des Film liegt auf etwas ganz anderem, und demzufolge sind die Luftkämpfe zwar großartig inszeniert, aber alles andere als zahlreich. Regisseur Oshii Mamoru setzt sie - wie bei allen seinen Filmen - eher als hartes Kontrastmittel zu seinen ruhigen, fast statischen Handlungsszenen ein, in denen die Menschen (oder hier Kildren) im Vordergrund stehen.

"The Sky Crawlers" ist vielleicht sogar Oshiis bedrückendster Film, denn die Schicksale seiner Prtagonisten sind unendlich traurig. Die Begleitumstände um die Existenz der Kildren und den immerwährenden Konflikt, den sie austragen müssen, sind dabei nur Randerscheinungen, die sich der Zuschauer aus den Informationsfetzen selbst zusammenpuzzeln muss (ja, hier wird tatsächlich einmal erwartet, dass der Zuschauer den Film aktiv mitdenkt und nicht nur als Unterhaltungs-Empfangsstation vor dem Bildschirm klebt). Entscheidend für den Film - und das kommt überdeutlich durch, selbst wenn man an der Enträstelung der Kildren-Existenz scheitert - ist die tragische Existenz ohne Vergangenheit und Zukunft, die die Kildren erleiden müssen. Sie haben keine Vergangenheit, weil sie nicht heranwachsen, und sie haben keine Zukunft, weil sie sich niemals ändern werden. Ganz egal, wie gut sie kämpfen, der Konflikt wird ewig weiterdauern. Es gibt nichts für sie zu erreichen. Sie leben ohne eine Erfahrung von Geschichte, rein auf eine ewige Gegenwart beschränkt. Wem Frederic Jamesons Definition von "postmoderner Schizophrenie" als Erfahrung einer von jeglichem Geschichtsbewusstsein gelösten, absoluten Gegenwart etwas sagt, findet hier die wahrscheinlich treffendste filmische Umsetzung dieses Gedankens.

Diese düstere Wendung des alten Menschentraums vom nicht altern Müssen ist es, die den waren Kern des Films ausmacht, und damit die Frage, ob es möglich ist, aus dieser andauernden Gegenwart, dieser endlosen Zeitschleife ewiger Wiederholung auszubrechen, ein Ziel zu finden und damit wirklich zu leben. Um diese Thematik stimmungsvoll auszudrücken, setzt Oshii natürlich bewusst auf eine Ästhetik des Stillstands und der Redundanz, was für ungeduldige, Überreizung gewohnte Actionfans offensichtlich nicht gerade leicht anzuschauen ist. Wenn es dann aber knallt, dann richtig. Aus der Statik brechen die Actionszenen quasi als kinetischer Schock hervor, als Erlebnis absoluter Gegenwart und purer Euphorie, die schon rein ästhetisch erklärt, warum sich die Kildren weiter freiwillig für die Luftkämpfe hergeben, wo ihnen doch die Unsterblichkeit offensteht.

"The Sky Crawlers" ist daher wohl tatsächlich Oshiis bislang melancholischster Film. Von dem subversiven Techno-Evolutionsoptimismus aus "Ghost in the Shell" ist nicht mehr viel geblieben. Selbst die Möglichkeit, sein eigenes Schicksal zu bestimmen, die "Avalon" zumindest noch andeutet, wird in Frage gestellt.

Sicherlich kein einfacher Film, der dem Zuschauer allerdings genau soviel anbietet, wie er umgekehrt selbst bereit ist, in den Film zu investieren. Wer sich also auf Oshiis philosophische Bildwelten einlassen will, wird dafür mit einem Erlebnis belohnt, was er an Intensität nirgendwo sonst im gegenwärtigen Kino finden kann, und vor allem mit einem Film, der lange, lange nachwirkt.