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Interviews: Mangaverlage während Corona Manga

Autor:  halfJack

Manga Passion hat ein paar interessante Interviews mit den großen Mangaverlagen während der momentanen Situation geführt. Es geht darum, wie sie mit dem Lockdown umgehen, wie sich das Arbeiten im Homeoffice gestaltet, inwiefern es zu Verzögerungen kam und kommt oder wie es mit Nachdrucken bzw. Print on Demand vergriffener Titel aussieht etc.

Interview mit Carlsen Manga: Corona und der Stand von Shounen in Deutschland

Interview mit altraverse: Corona, Marktentwicklung und Zukunftspläne

Interview mit Egmont Manga: Nachdrucke, Corona und Co.

Interview mit TOKYOPOP: Corona, Nachdrucke und I LOVE SHOJO

Interview mit KAZÉ – Corona, Crunchyroll-Übernahme und Sportmanga


Mehrwertsteuersenkung

Im Comicforum äußerte sich Kai Schwarz bereits zu der Mehrwertsteuersenkung eher gespalten. Die Reduzierungen können kaum an den Kunden weitergegeben werden, denn aufgrund der Buchpreisbindung können diese nicht einfach in den Buchhandlungen reduziert bzw. die Mehrwertsteuer an der Kasse abgezogen werden. Solange die Steuersenkung besteht, müssten die Mangas umgelabelt werden, d. h. man müsste sie alle zurückrufen und neu kennzeichnen. Das bedeutet für alle Verlage zeitlichen Mehraufwand und höhere Kosten. Auch Manga Passion hat darüber die wichtigsten Punkte und Schwierigkeiten noch mal zusammengefasst.

Nach den Rückmeldungen im Comicforum scheinen die Leser lieber auf die Senkung zu verzichten; sie möchten, dass die Verlage das Geld der Mehrwertsteuersenkung behalten. Da sämtliche Verlage mit der Krise zu kämpfen haben, wäre es in der Tat gut, wenn ihnen diese Senkung selbst zu Gute kommt.

Über das Thema der Verlagssituation habe ich bereits vor einiger Zeit einen Blogeintrag verfasst. Und hier auch noch mal zur Unterstützung die Verlinkung zu meiner Blog-Aktion über aktuelle Manga.

Liste meiner Weblog-Aktionen Weblog-Aktion

Autor:  halfJack

Aufgrund meiner Umfrage gestalte ich meine Weblogaktionen mittlerweile anders. Allem voran gibt es nun eine zeitliche Begrenzung, sodass immer nur eine Aktion gerade aktuell ist. Bei besonderen Anlässen oder Anfragen rufe ich gern ältere Aktionen wieder ins Leben.
 

Aktuelle Aktion:

  • Aktueller Manga
    Stelle einen aktuellen Manga vor oder einen, auf den du erst kürzlich gestoßen bist.
    Aktionsende: 16. 08. 2020
    Preisgeld: 40KT

 

Bisherige Aktionen:

 

Liste meiner Mäzene: (Vielen Dank an euch! ❤)

SmilingMana
Polaroid
Illyria

Aktion: Vorstellung aktueller Manga Manga, Weblog-Aktion

Autor:  halfJack
In meinem letzten Blogeintrage über die aktuelle Situation der Mangaverlage in Deutschland, die durch Corona starke Einbußen verzeichnen mussten, habe ich bereits über die Wiederbelebung dieser Aktion geschrieben. In den großen Buchhandlungen wie Thalia oder Hugendubel werden derzeit kaum Neuheiten geführt, daher könnte die Vorstellung aktueller Mangaserien den Markt vielleicht ein wenig unterstützen. Und nochmals die Bitte: Falls möglich, dann kauft bevorzugt bei euren kleinen Comicläden um die Ecke.

Aktionsende: 16. 08. 2020
Preisgeld: 40 KT
Aufgabe:
Stelle in einem separaten Blogeintrag einen in Deutschland neu erschienenen oder erscheinenden Manga vor.

Seid ihr im Buch- oder Comicladen auf einen interessanten Manga gestoßen, den ihr vorher nicht kanntet? Was hat euch angesprochen, der Zeichenstil, die Story, die Charaktere? Oder verfolgt ihr schon lange eine Serie übers Internet, die nun endlich in Deutschland erscheint? Verfolgt ihr das aktuelle Programm und habt einen Manga gekauft, den ihr anderen ans Herz legen möchtet? Ihr könnt gern die Geschichte dazu erzählen, wie ihr auf den Manga aufmerksam geworden seid, oder ihr stellt lediglich den Manga selbst vor. Es ist egal, ob es sich um einen Einzelband oder eine Serie handelt, ob von einem japanischen, koreanischen, deutschen usw. Autor. Man sollte es stilistisch nur als Manga erkennen können.
Gebt anderen mit eurem Beitrag einen Anreiz, sich den Manga vielleicht auch zuzulegen.

Falls gewünscht, könnt ihr diese Maske benutzen.

Titel
Mangaka
(oder Zeichnungen / Story)
Veröffentlichung: ab xx. xx. 2020 bei [Verlag], bislang x Bände in Japan (Stand: August 2020)
Inhalt
Wie bin ich auf die Serie aufmerksam geworden?
Was ist das Besondere?

Für jeden Beitrag gibt es 40 KT. Unter aktuellem Erscheinen verstehe ich grob, dass der erste Band ungefähr in plus/minus einem halben Jahr erstmals erschienen ist oder erscheint. Das heißt, die Aktualität bezieht sich auf den Zeitraum, in welchem ihr euren ausgewählten Manga vorstellt.
Ihr habt jetzt erst einen Manga entdeckt, der aber schon vor über einem Jahr erschien? Nun ja, für halbe Sachen bin ich eigentlich immer zu haben, darum lasse ich das auch gelten, dann gibt es aber nur die halbe Kohle. Andere Halbherzigkeiten wären zum Beispiel, wenn ihr euch keinen Manga, sondern einen amerikanischen Comic aussucht. Oder einen Manga, der in Japan gerade aktuell ist, aber noch keine deutsche Veröffentlichung nach sich zog. Solche Beiträge können auch spannend sein und entlohne ich noch mit 20 KT.
Die Beiträge bitte hier in einem Kommentar verlinken. Ich versuche sie immer möglichst zeitnah zu lesen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beiträge:
Yuna aus dem Reich Ryukyu von Orion_Black
Geten no Hana von Storyteller_Inc

Mangaverlage während der Coronakrise Manga

Autor:  halfJack

Sicher haben einige von euch mitbekommen, dass die aktuelle Situation nicht spurlos am Buchmarkt, vor allem an der Comicbranche vorüberging. Das COMIC-Magazin hat dazu mehrere Verleger und Verlagsmitarbeiter befragt: Coronakrise: Was sagen die Comic-Verlage?

Zuerst fehlten durch die Absage von Messen und Conventions sowohl einkalkulierte Verkäufe als auch Werbung. Dann wurden die Buchläden geschlossen, Neuheiten konnten nicht an den Mann gebracht werden, Mangas wurden teilweise an die Verlage zurückgeschickt. Einige große Buchhandelsketten verschoben ausstehende Zahlungen und zeigten keine Solidarität. Auch Amazon entschied sich dafür, "systemrelevanten" Gütern den Vorzug zu geben, obwohl man solche noch in jedem Drogerie- und Supermarkt kaufen konnte. Auf Bücher hingegen musste man einen Monat oder noch länger warten. Seit jeher war der Onlinehandel ohnehin keine Alternative für die Warenpräsentation im Laden. Tokyopop versuchte zwar darauf zu reagieren, indem sie die geplante POP Comics App früher auf den Weg brachten, aber die meisten Leser bevorzugen das gedruckte Buch.
Da wir gerade vom Druck sprechen, auch hier gab es Änderungen, die manchen vielleicht aufgefallen sind. Altraverse zum Beispiel ließ seine aktuellen Manga nicht wie sonst in Deutschland, sondern in Dänemark drucken. Die Bindung fühlt sich bei den Neuheiten deutlich steifer an. Auch bei Tokyopop musste man auf eine andere Druckerei ausweichen. Teilweise werfen die Cover derzeit Falten und die sonst glatte Buchfalz neigt zu Knicken. Das sind Probleme, die sich in nächster Zeit allerdings wieder geben dürften.

Letztlich hat es nicht alle Verlage gleichermaßen erwischt. Diejenigen, die ohnehin ein zweites Standbein besitzen, werden die Krise leichter überwinden. Das trifft beispielsweise auf Planet Manga bzw. Panini zu, die durch ihre Stickerverkäufe und Marvel wahrscheinlich niemals untergehen werden. Auch EMA bzw. Egmont können mit Donald Duck und allem anderen aus dem Disneyuniversum leicht die Mangasparte mitfinanzieren. Carlsen hat Harry Potter und generell Bücher. Kazé vertreibt neben Manga auch erfolgreich Anime. Wirklich schwer getroffen hat es diejenigen, die auf Manga bzw. Comics spezialisiert sind. Die Umsatzeinbrüche bei westlichen Comics sind sogar noch schwerer als in der Mangabranche. Die Verlage halten sich dahingehend relativ bedeckt, aber einige werden wohl um ihre Existenz bangen müssen.

Dies alles schreibe ich einerseits rein informativ. Vielleicht habt ihr euch darüber keine Gedanken gemacht oder euch höchstens gewundert, warum Hugendubel keine oder bis auf die richtigen Verkaufsschlager kaum Neuheiten führt. Oder warum die Druckqualität bei manchen Verlagen derart nachgelassen hat.
Auf der anderen Seite soll das auch ein kleiner Appell sein. Uns alle hat die Krise mehr oder weniger getroffen, einige auch mit Kurzarbeit o. ä. und daher mit weniger Geld als sonst, sodass ich hier keinesfalls verlangen will, plötzlich Unsummen an Geld in die Rettung der Verlage zu investieren. Doch wenn ihr euch Mangas zulegen wollt, dann überlegt bitte zweimal, ob ihr Konzernriesen wie Amazon und Thalia unterstützt oder doch lieber beim Comicladen um die Ecke kauft. Einige Comicläden bieten Versand an und gehen dabei sehr umsichtig mit der Ware um, der Bonner Comic Laden hat hier immer gute Kritiken. Ihr könnt auch bei den Verlagen direkt bestellen, Kazé etwa verpackt sehr ordentlich, oftmals sogar mit kleinen Gimmicks. Tokyopop kann mit gutem Versand zwar nicht punkten, aber vielleicht wäre da die POP Comics App mal einen Blick wert. Dort kann man auch kostenlos die erste Episode diverser Manga lesen, das geht auch auf der Internetseite von POP Comics, also völlig ohne App.
Ansonsten, seid ein bisschen nachsichtiger, was die Druckqualität oder Verschiebungen oder fehlende Extras anbelangt.
Zum Schluss könnte auch Werbung helfen. Habt ihr einen coolen neuen Titel entdeckt, dann schreibt doch hier oder in eurem Weblog darüber. Im Zuge dessen werde ich wohl eine ältere Aktion von mir wieder rauskramen, dann gibt es für so einen Blogeintrag noch ein paar Karotaler extra.

Das war es von meiner Seite. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Menschen vor Profite

Autor:  halfJack

Petitionsplattform von Campact

Covid-19 – Gesundheitsarbeiter*innen fordern: Menschen vor Profite
 

[...] die Sparpolitik im Gesundheitswesen stellt uns angesichts der Krise vor große Herausforderungen. Seit 20 Jahren sind die Krankenhäuser der Logik „Der Markt regelt das schon“ unterworfen. Kostendruck und Profitorientierung haben dazu geführt, dass immer mehr Patient*innen in immer kürzerer Zeit mit weniger Personal versorgt werden mussten. Jetzt in der Covid-19-Krise rächt sich diese Politik besonders.

Um diese Krise zu bewältigen, bedarf es außergewöhnlicher Maßnahmen. Wir sehen aktuell, was möglich ist, wenn die politischen Entscheidungsträger*innen es wollen.

Deswegen fordern wir angesichts einer absehbaren Ausnahmesituation für die Krankenhäuser konkret:

  • Konsequente Aktivierung und Mobilisierung aller verfügbaren Ressourcen (Menschen, Material, Geld) – vor allem aber: JETZT mehr Personal und ausreichend Schutzkleidung!

  • Vorausschauend planen: “Worst case” annehmen und agieren statt reagieren.

  • Hygienemaßnahmen unmittelbar verbessern; sofortige Aufstockung des Reinigungspersonals; engmaschige Tests von Mitarbeiter*innen.

  • Konsequente Absage planbarer Eingriffe, wo es medizinisch vertretbar ist.

  • Einbindung der verschiedenen Fachbereiche und Berufsgruppen in erweiterte Krisenstäbe an den Krankenhäusern.

  • Transparenz bzgl. betroffener Patient*innen, Maßnahmen, Planungen, Bettenkapazitäten und Materialbeständen in jeder Klinik!

  • Ausreichend Testzentren und mobile Test-Teams zur Entlastung der Notaufnahmen.

  • Sofortiger Stopp geplanter und laufender Krankenhausschließungen!

Hier nochmal der Link zur Petition.

Huysmans: Gegen den Strich Buchvorstellung

Autor:  halfJack

Normal sein kann jeder, Exzentrik will gelernt sein: Jean Floressas des Esseintes, französischer Adliger und dekadenter Ästhet, hat genug vom banalen Alltagsleben. Er zieht sich in sein Landhaus zurück und erschafft sich eine Fantasiewelt voller Schwelgereien, Exzesse und Abstürze. Als dieser Roman 1884 erschien, liebten ihn einige Leser so sehr wie er andere abstieß. "Gegen den Strich" ist ein Meisterwerk der Dekadenzliteratur und eine Entdeckung für alle, die Charles Baudelaire und Oscar Wilde bereits hinter sich haben.

Joris-Karl Huysmans
Gegen den Strich

Ein Vergleich mit Baudelaire und Oscar Wilde im Klappentext, zwei meiner Lieblingsautoren, das ist schon mutig. Huymans gehört zwar zur Weltliteratur, aber danach gegriffen habe ich eigentlich nur, weil Paul Valéry Gegen den Strich fünfmal gelesen haben soll und es als sein Lieblingsbuch, ja sogar seine Bibel bezeichnete.
Nach einem Viertel des Buches ist mir klar, dass ich mir den Inhalt ohne Lesetagebuch nicht werde merken können.

Lesetagebuch

Einleitung:
Jean wird vorgestellt. Er stammt aus einer gut betuchten, aber degenerierten Adelsfamilie, ist von schwacher Konstitution. Seine Mutter stirbt an Entkräftung, sein Vater an einer Krankheit. Bis zu seiner Volljährigkeit wird Jean von Jesuiten unterrichtet, danach kann er frei als Herzog über sein Vermögen verfügen. Er besucht verschiedene Gesellschaften, gibt sich Ausschweifungen hin, hört sich das Geschwafel von Literatenkreisen an usw. Dabei wächst beständig seine Menschenverachtung und gleichzeitig wird seine Gesundheit angegriffen. Bald entsagt er diesem Leben, verkauft das Schloss seiner Eltern und zieht in ein kleines Landhaus, um dort zurückgezogen zu leben.

Erstes Kapitel:
Rückblick auf seine Ausschweifungen; wie er sein Boudoir einrichtete und dort Frauen empfing; wie er sich daheim einem päpstlichen Vertreter gleich auf einer Kanzel in Szene setzte und ein Schauspiel aufführte, auch wenn nur die Lieferanten kamen; wie er bei winzigen Verlusten ganze Trauerveranstaltungen abhielt. All diesen Extravaganzen entsagt er nun. Der Rest des Kapitels besteht aus Überlegungen zur Wahl seiner Wandfarbe, fünf Seiten bloß über die Wandfarbe.

Zweites Kapitel:
Herzog Jean lässt sich Diener kommen, die sich so wenig wie möglich bemerkbar machen sollen. Er lässt sein Esszimmer so umgestalten, dass es aussieht wie eine Schiffskajüte. Mal stellt er sich vor, er sei im Kloster, mal auf dem Meer. Ein paar Gedanken darüber, dass der Mensch nichts in Wirklichkeit erleben muss, sondern sich alles mit etwas Hilfe einbilden kann.

Drittes Kapitel:
Was sich in seinem Bücherregal befindet. Jedenfalls keine Klassiker wie Ovid oder Virgil, Cicero oder Caesar, sondern eher Lucan und danach französische Literatur. Viele ausschweifende Gedanken über all die Autoren, die er nicht leiden kann.

Viertes Kapitel:
Herzog Jean will seinen Teppich in Szene setzen, dafür kauft er eine Schildkröte. Die unterstreicht die Farbe des Teppichs aber nicht gut, darum stattet er sie mit einem goldenen Schild aus. Das reicht ihm nicht, darum überlegt er sich einen Edelsteinbesatz für den Goldpanzer. Lange Ausführungen über die Wahl der Edelsteine. Zufrieden setzt er die Schildkröte auf dem Teppich aus, aber sie bewegt sich nicht.
Schnee fällt, es scheint Winter zu sein. Jean hat sich eine "Orgel" aus Alkoholsorten zusammengestellt; verschiedene Schläuche mit Alkohol, die er miteinander kombiniert, ja komponiert.
Er bekommt jämmerliche Zahnschmerzen und lässt sich einen Zahn rausreißen.
Am Ende des Kapitels bewegt sich die Schildkröte noch immer nicht. Jean befühlt sie und hält sie für tot.
"Sie war an eine ruhige Existenz, an ein demütiges Leben, das sie unter ihrer ärmlichen Schale zubrachte, gewöhnt; sie hatte den glänzenden Luxus, den man ihr aufdrang, den goldglänzenden Überzug, mit dem man sie bekleidet, die Edelsteine, mit denen man ihr den Rücken gepflastert, nicht vertragen können."
- Ja, möglich. Andererseits denke ich mir, Schildkröten überwintern. Wird sie denn richtig gehalten? Hat sie jemals etwas zu Fressen bekommen?

Fünftes Kapitel:
Die Bilder, die in Herzog Jeans Haus hängen, werden beschrieben, welche Künstler er mag und welche nicht. Dann richtet er sein Schlafzimmer wie eine Mönchsklause ein, natürlich sehr kostspielig und mit dem Komfort eines warmen, bequemen Zimmers. Soll ja nur so aussehen als ob.

Sechstes Kapitel:
Herzog Jean sitzt vorm Kamin und erinnert sich an sein früheres Leben. Er ermutigte damals einen Freund zur Heirat, weil er wusste, dass dieses zukünftige Ehepaar aneinandergeraten würde; sie kauften sich eine runde Wohnung und legten sich einen Haufen unpraktischer runder Möbel zu, bis der Frau der Sinn nach lauter rechteckigen Möbeln stand, wofür sie aber kein Geld hatten. Jean erfreute sich an den Streits.
Dann erinnert er sich an einen Jungen, den er mit ins Bordell schleppte, damit dieser seine ersten Erfahrungen machen konnte. Jean bezahlte mehrere Wochen im Voraus, sodass der Junge so oft ins Bordell gehen konnte, wie er wollte, bis die Zahlung nicht mehr genügen würde und der Junge hoffentlich, nach der Vorstellung des Herzogs, kriminell und schließlich zum Mörder werden würde. Ob sein Plan aufging, weiß Jean nicht, denn es stand nie etwas darüber in der Zeitung, aber einen anderen Werdegang des Jungen hält er für unmöglich.

Siebtes Kapitel:
Erinnerungen an die Zeit bei den Jesuiten. Jegliche Lektüre wird Herzog Jean zuwider. Er hält Diät und will sich Pflanzen zulegen.

Achtes Kapitel:
Pflanzen. Er legt sich Pflanzen zu und beschreibt sie. Seit Robinson Crusoe liebe ich es, über Pflanzen zu lesen...
Gegen Ende träumt Jean, er wandere neben einer Frau mit Bulldoggengesicht, dann kommt die Lustseuche zu Pferde, sie laufen zu zweit vor ihr weg, die Frau mit Bulldoggengesicht verliert unterwegs all ihr Zähne, sie kramt ein paar Tonpfeifen hervor, zerbricht sie und rammt sich die Rohrstücken in die Löcher ihres Zahnfleisches, dabei zetert sie herum, Jean hat Angst gehört zu werden, er würgt sie, zerrt sie mit sich, irgendwann kommt er zu einem Haus und glaubt sich drinnen gerettet, der Reiter ist hinter ihm, doch im Haus ist eine Lichtung im Mondschein und dort springen Pierrots herum und Jean hat Angst zertreten zu werden, denn die Pierrots werden immer größer und größer, und dann taucht eine weitere Frau auf und wird von Amorphophallen angegriffen und ihre Körpermitte klafft auf wie die Wunde einer Pflanze und aaaah.

Neuntes Kapitel:
Die Träume verfolgen Herzog Jean, er kommt nicht zur Ruhe. Seine Pflanzen verwelken.
Von aufputschenden Bonbons unterstützt verliert er sich in Erinnerungen. Da gab es einmal eine Frau, eine Akrobatin, die sein Interesse weckte, als Jean zunehmend impotent wurde. Er stellte sich in ihrer Rolle vor, entwickelte die Liebe eines Mädchens und hoffte, die Akrobatin würde für ihn die Rolle eines Mannes einnehmen. Das Stelldichein mit ihr desillusionierte ihn jedoch. Später traf er durch Zufall einen jungen Mann auf der Straße, der ihn flüchtig berührte. Danach begannen sie ein Liebesverhältnis, das über mehrere Monate ging. Der Herzog denkt in seiner Einsamkeit mit Schaudern daran zurück.

Zehntes Kapitel:
Parfum. Langweilige Ausführungen über Parfum, die an Süskind erinnern. Oder umgekehrt, vielleicht hat sich Süskind davon inspirieren lassen. Bei Herzog Jean hat das Nervenleiden eine Störung seines Geruchssinns ausgelöst und er versucht es durch die "Wissenschaft des Riechens" zu kurieren. Er möchte einen Duft kreieren, fällt aber immer in Erinnerungen zurück und scheitert.

Elftes Kapitel:
Dem Herzog geht es so schlecht, dass die Diener einen Arzt rufen lassen, der völlig ratlos ist. Er verschreibt ihm Ruhe, doch Herzog Jean erholt sich von allein. Nachdem er zu viel Dickens gelesen hat, will Jean nach London. Er fährt nach Paris, um von dort überzusetzen. Vorher kauft er sich einen Stadtführer, sucht Orte auf, wo Engländer sind, um sich in seiner Fantasie bereits in London zu wähnen. Hier vermute ich schon, dass er am selben Abend zurück nach Hause fahren wird ... Und siehe da: genauso passiert es. Noch am gleichen Tag kommt er wieder zu Hause an und ist so erschöpft von den Eindrücken seines erdachten Londons, als käme er von langer Reise.

Zwölftes Kapitel:
Jean ordnet seine Bücher. Sein Zustand bessert sich, er denkt über das Papier nach, aus dem er seine Bücher anfertigen ließ, und über die Autoren, die er mag.

Dreizehntes Kapitel:
Das Wetter macht Jean zu schaffen. Es ist heiß, er geht nach draußen, sieht ein paar Jungen, die sich um ein Butterbrot streiten. Seine Diener sollen ihm selbst eines bringen, aber er lässt es aus Abscheu an die Jungen weiterreichen. Dann ist er wieder daheim, betrachtet seine Besitztümer und verliert sich in Tagträumen.

Vierzehntes Kapitel:
Es geht dem Herzog schlecht, er schafft es nicht mehr allein, seine Bücher fertig zu ordnen. Darum lässt er einen Diener das übernehmen. Währenddessen denkt er über Poe, Baudelaire, Verlaine usw. nach.

Fünfzehntes Kapitel:
Die Leiden des Herzogs werden nicht besser, seine Gedanken schweifen nun zur Musik ab, er sinniert über religiöse Orchester und Choräle. Ein bisschen erinnert er an Molières eingebildeten Kranken. Ist Herzog Jean wirklich krank oder steigert er sich nur hinein? Hat er sich durch seine Fastenkuren selbst geschwächt, durch seine Zurückgezogenheit selbst in ein Nervenleiden getrieben, will er überhaupt gesund werden? Als der Arzt erscheint, hielt ich ihn erst für einen Purgon oder Diafoirus - also jene Ärzte, die dem eingebildeten Kranken unsinnige Rezepte verschrieben, um an ihm bloß Geld zu verdienen - aber Jeans Arzt verschreibt ihm ein Klistier mit Lebertran und Kraftbrühe. Er päppelt ihn sozusagen auf. Jeans Zustand bessert sich, er überdenkt schon wieder seine Wandfarbe. Damit schließt sich der Kreis, möchte man meinen, aber der Arzt fordert ihn dazu auf, endlich diese exzentrische Zurückgezogenheit aufzugeben und unter normale Leute zu kommen.

Sechzehntes Kapitel:
Die Ärzte, die Huysman beschreibt, sind offenbar keine Quacksalber, denn sämtliche anderen Meinungen, die sich Herzog Jean einholt, enthalten gleichfalls den Rat, nach Paris zu gehen und sich mit freudigen Dingen zu zerstreuen. Damit sieht sich Jean versetzt an den Beginn seiner Krankheit, die ihn seiner Ansicht nach erst durch die Ausschweifungen ereilte. Während er sich in Kontemplation über christliche Hilfe begibt, räumen die Packleute sein Haus leer. 


Mein Fazit

Es ist immer schwierig, wenn ein Werk keine richtige Handlung hat. Ich würde sie so zusammenfassen: Herzog Jean entsagt der Welt und allen Lastern, denn er ist ihrer überdrüssig. Statt wirklich das Gegenteil zu tun, lebt er nach wie vor ausschweifend und exzentrisch, bis er ganz zum Schluss vermutlich in sein altes Leben zurückkehrt.
Manchmal macht Gegen den Strich den Eindruck, als habe der Autor nur seine Gedanken über Literatur und Kunst o. ä. zum Besten geben wollen und es in den Rahmen eines nach wie vor dekadenten Lebens eingebunden. Ich glaube sogar, dass man einige Kapitel in beliebiger Reihenfolge neu ordnen könnte, ohne dass es auffiele.
Da ich solche Bücher, ähnlich wie Empfehlungen, ohne Vorkenntnisse anfange, suche ich manchmal nach dem roten Faden. Mir war deshalb nicht klar, was die fünf Seiten Wandfarbe am Anfang sollen. Wenn es dann mit der Aufzählung der Bücher und Gemälde, der Stoffe und Möbel, des Essens und Trinkens, der Edelsteine, Pflanzen und Parfums etc. weitergeht, ist das Konzept natürlich eindeutig. Da kann man schwerlich kritisieren, dass der Autor so lange braucht, um zu erklären, weshalb sich Jean für Orange und Blau an seinen Wänden entscheidet. Das Übermaß dieser Ausführungen verfolgt eine ähnliche Zielsetzung wie die Aufzählung der Pflegemittel in American Psycho von Bret Easton Ellis. Dazwischen werden ein paar Geschehnisse eingebunden, Erinnerungen an vergangene Missetaten oder ein besonders brutal erscheinender Besuch beim Zahnarzt oder abfällige Gedanken über große Literaten, Künstler, Religion. Ob das Effekthascherei ist, weiß ich nicht.
Manchmal wirkt dieses Buch einfach bloß wie die Geschichte einer Inneneinrichtung. Es ist nicht schlecht, aber auch nicht übermäßig gut. Doch das Kapitel mit der Schildkröte gefiel mir, auch wenn mir die Schildkröte leid tat.

Rezepte für Nudeln mit Klopapier

Autor:  halfJack

Der Postillon präsentiert die
10 besten Rezepte für Nudeln mit Klopapier

Corona-Quarantäne für Gourmets​
Überall in Deutschland sieht man sie inzwischen: leere Regale in Supermärkten. Besonders gern horten Hamsterkäufer Nudeln, Klopapier und Desinfektionsmittel. Doch was lässt sich damit anfangen, wenn es hart auf hart kommt und man wirklich unter Quarantäne steht? Der Postillon hat Deutschlands Sterneköche befragt und präsentiert Ihnen die zehn besten Rezepte für Nudeln mit Klopapier.

 

Ob Nudeln mit Klopapiersoße, gebratene Klopapiernudeln oder Klopapier-Nudel-Brei, für jeden Geschmack ist etwas dabei. In dem Artikel findet ihr jede Menge Inspiration.
Mein persönlicher Favorit:

Klopapier-Sushi mit Nudelfüllung

Klopapier-Kartonrollen in Stücke schneiden. Dann nach Geschmack mit nicht zu weich gekochten Nudeln und Paste aus nassem Klopapier füllen. Für Klopapier-Nigiri-Sushi einen Ballen aus nassem Klopapier formen. Anschließend mit einem eingeweichten Streifen Klopapier-Karton belegen. Für den perfekten Sushi-Genuss beim Verzehr in Desinfektionsmittel tunken.

Aktion: Unveröffentlichtes beenden Weblog-Aktion

Autor:  halfJack

Kennt ihr das auch? Ihr lest von einer Aktion oder einer Challenge, seid Feuer und Flamme und macht euch sofort ans Werk. Dann verraucht der erste Elan oder es kommt etwas dazwischen, ihr schiebt die begonnene Sache erstmal zur Seite, um sie später zu beenden. Aber dieses Später kommt niemals.
Dann ist das jetzt eure Chance.

Wahrscheinlich sind viele davon betroffen, dass durch Corona derzeit einiges anders läuft. Sie müssen zu Hause bleiben, Veranstaltungen wurden abgesagt, Vorbereitungen waren überflüssig. Ich zum Beispiel würde mich jetzt wahrscheinlich bei der Antiquariatsmeile auf der Leipziger Buchmesse rumtreiben. Stattdessen bin ich zu Hause und kümmere mich um Dinge, die ich bislang auf die lange Bank schob.
Zeit, um etwas anzufangen oder zu beenden. Genau darum geht es in dieser Aktion.

Aktionsende: 30. 03. 2020
Preisgeld: 10 KT
Aufgabe: Bring eine begonnene Sache zu Ende und poste einen Link dazu in den Kommentaren.
Am ehesten geht es mir um Blogeinträge, die auf unveröffentlicht gesetzt wurden und bei euch schon lange rumgammeln. Zumindest kam mir die Idee deshalb, weil ich selbst in dem Bereich mal ausmisten muss. Ihr könnt aber auch alle anderen begonnenen Dinge ausgraben, Fanarts oder Fanfictions oder was auch immer. Kontrollieren kann ich das natürlich nicht. Macht einfach mal, worauf ihre Lust habt. Jeder Beitrag erhält 10 KT.

Update der Vorhersage 2020 Animexx

Autor:  halfJack

Als Ansporn und Übersicht für mich fasse ich hier meine Vorhersage bzw. Vorsätze für 2020 zusammen und aktualisiere sie.

Vorhersage 2020

1. Es wird Animexx noch geben und ich werde noch hier sein, aber ich werde 99% aller relevanten Inhalte von mir auf andere Seiten ausgelagert haben, d.h. vor allem Blog und Fanfictions. Wenn es so weit ist, verlinke ich das alles in einem extra Blogeintrag und im Steckbrief. (Fanarts, Doujinshis und RPGs könnten davon ausgenommen sein, aber die sind bei mir eh nicht sonderlich relevant.)

2. Ich werde weitere Aktionen planen und durchziehen. Eine Aktualisierung alter Aktionen zählt nicht, sondern es sollen mindestens 3 neue Aktionen sein (auch wenn wie immer niemand oder kaum einer daran teilnehmen wird).

3. Die Aktionen ausgenommen verfasse ich mindestens 10 Blogeinträge (Teilnahmebeiträge an meinen Aktionen oder Zitatsammlungen inbegriffen). Die meisten werden vermutlich Buchreviews sein.

4. Am Ende des Jahres werde ich keinerlei unveröffentlichte, auf Entwurf gesetzte Blogeinträge mehr hier haben. Ich stelle sie entweder fertig oder lösche sie.

5. Ich schreibe und veröffentliche mindestens 3 neue Kapitel bei meinen Fanfictions und vervollständige hier auf Mexx meine Kurzgeschichtensammlung "Lauter Einzelteile".

6. Bei den Fanarts zeichne ich ein Fanfiction-Coverbild für meine Freundin und lade die restlichen Bilder vom Weihnachtskalender hoch. Vielleicht schaffe ich es sogar, mein halbes Tarotspiel fertigzustellen.

7. Ich werde die Fotos von unseren Japan-Urlauben einstellen. Die vom ersten von der Kamera sind größtenteils verloren gegangen und auch beim dritten sind viele gelöscht worden, also werden zwei Ordner unvollständig sein. Der Rest umfasst ansonsten insgesamt sieben Ordner.

8. Einen meiner Doujinshis werde ich dieses Jahr beenden (obwohl ich diese Prognose selbst nicht glaube).

9. Ich werde mehr Fanfictions lesen und Kommentare schreiben, also mindestens 20 Kommentare verfassen (dazu zähle ich aber auch welche von ff.de oder Kommentare zu Fanarts).

10. Das betrifft nicht Animexx, aber ich prognostiziere, dass 2020 ein gutes Jahr wird. In meiner Familie und meinem Bekanntenkreis soll dieses Jahr niemand sich erhängen oder an Krebs oder einer anderen Krankheit verenden. Ich prognostiziere außerdem, dass keiner in meinem Umfeld neu schwer erkrankt oder in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landet, das wäre super.


Checkliste

☐ Auslagerung des Blogs zu Blogspot
> vorerst von 2004 bis 2014

☐ Auslagerung der Fanfictions zu AO3
> bisher 3/25

☐ 3 neue Aktionen
> bisher 1

☐ 10 Blogeinträge
>  bisher 8

☐ Unveröffentlichte Blogeinträge beenden oder löschen
> noch 8

☐ 3 Kapitel bei Fanfictions
> bisher 0

☐ Lauter Einzelteile beenden

☐ Fanfiction-Cover

☐ Weihnachtskalender

☐ Lenormand-Tarot

☐ Fotos von den Urlauben
> 0/7 Ordnern

☐ Doujinshi

☐ Kommentare
> bisher 3/20

Man falls. Zitatsammlung

Autor:  halfJack

Man does not change. He just returns to his human state. Man falls. Faithful retainers and saintly women fall. There is no way to avoid this, nor would an avoidance save man. Man lives, man falls. There is no convenient shortcut to salvation that exists outside of this. We do not fall because we have lost the war. We fall because we are human; we fall because we are alive.... Like man, Japan, too, must fall. It must redeem itself by falling to the very depths and there finding itself. Redemption through politics is but a surface phenomenon and of no value at all.

Still, it is not possible for man to fall eternally, it is not possible for him to hit rock bottom. The reason? In the face of hardship man cannot maintain a heart of steel. Man is pathetic, man is frail, and for this he is laughable. But he is just too weak to fall to the very bottom.

People have not changed, they have always been like this. The times have changed. The world. Its outer skin.

"Darakuron" von Sakaguchi Ango


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