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Weblog-Berichte zu: Grimoire





Review: Grimoire 4 (+Gesamt) Grimoire, Germanga, Manga, Review

Autor:  Jitsch
Schon vor langer Zeit (gefühlt eine Ewigkeit) angekündigt, nun endlich da....

Grimoire

 
Autor:  Marika demoniacalchild Herzog
Genre:  Fantasy, Action
Preis:  6,90
Seitenzahl:  ca. Seiten
ISBN:  978-3-941-88603-2
Meine Wertung:  8 von 10 Punkten
Status:  Abgeschlossen in 4 Bänden
 
Story
 
Auf der Suche nach dem vorletzten der fünf magischen Artefakte, die den Weg zum „Ort der Wünsche“ zeigen sollen, hat sich die Gruppe um Darian aufgeteilt – wie sich herausstellt mit fatalen Folgen. Darian läuft in den Katakomben der fliegenden Stadt Aethera dem Anführer der Ossarier-Sekte nebst einem alten Bekannten in die Arme, die ihm die Geheimnisse enthüllen, die
seine vermeintlichen Freunde vor ihm gehegt haben. Tief verletzt macht sich Darian allein auf, um das letzte Artefakt zu finden…

Review
 
Dieses Review hat eine Vorgeschichte.

Wer meine Reviews von Band 1+2 sowie Band 3 gelesen hat weiß, dass ich mit Grimoire kurz gesagt nicht wirklich zufrieden war. Nachdem ich in meinem jüngsten Blogeintrag angedeutet hatte, dass ich auch Band 4 nicht so toll fand bat mich sogar die Zeichnerin sinngemäß, doch nicht mehr drauf rumzureiten, dass ich den Manga scheiße finde. Dann hatte ich viel zu tun, aber vor allem war ich verunsichert. Wäre ein ähnlich kritiklastiges Review wie die vorhergehenden zu hart? Aber soll ich auf das Review verzichten oder gar versuchen, das ganze positiver darzustellen als ich es empfunden habe?

Heute habe ich mich hingesetzt, um Grimoire nochmal von vorne zu lesen. Und es passierte was, mit dem ich nicht gerechnet hätte – nachdem ich mich durch Band 1 regelrecht gequält habe und ein gutes Dutzend Punkte notiert hatte, die mich störten… gefiel mir der Rest. Das ging sogar so weit, dass ich mich stellenweise fragte, wieso ich mich in den vergangenen Reviews eigentlich an manchen Details so aufgehangen habe. Ich kann nicht mehr nachvollziehen, warum ich Lucian so überflüssig fand, wieso es mich störte dass nicht jede Bewegung filmisch exakt gezeigt wurde und wieso ich die Kampfszenen in Band 3 damals so extrem unübersichtlich fand. Vielleicht hatte ich nach einem Jahr Wartezeit auf einen neuen Band jeweils zu hohe Erwartungen. Vielleicht funktioniert die Geschichte nur als Ganzes und nicht, wenn man die Bände einzeln betrachtet. Ich bin mir da selbst nicht ganz sicher.

Aber eins kann ich sagen: Grimoire ist ein durchaus beachtliches Werk.

Gut, Band 1 ist nicht der beste Einstieg (ich kenne die Neuauflage nicht, bezweifle aber, dass die Änderungen in den Dialogen und das Hinzufügen des Prologs einen entscheidenden Unterschied machen), aber ab da passt eigentlich alles.

Die Story – ja, damit habe ich mich ja bisher schwer getan. Ein auserwählter Held, drei so nach und nach zusammengesammelte Gefährten, ein mächtiger Gegenstand dessen Natur eigentlich eher destruktiver Natur ist und eine lange Reise, auf der diverse fantastische Orte abgeklappert werden, das ist alles nicht neu. Es bleibt tatsächlich über weite Strecken (also bis zum Ende von Band 3) beim eher repetitiven Schema, dass Darian und Co. diese Orte aufsuchen, ständig in Kämpfe mit den Handlangern der Ossarier-Sekte verwickelt werden und dazwischen stehen Charakterinteraktionen, die sich oft wiederholen (z.B. Fehs Wutausbrüche oder Maiks Streitereien mit Ijiwaruto). Aber Band 4 rundet es ab, denn hier wird endlich die Hintergrundgeschichte enthüllt, die auch das ist, was die Serie irgendwie vom üblichen Fantasy-Schmarrn abhebt. Ohne zu viel zu verraten, aber es passt einfach alles zusammen. Liest man die alten Bände noch mal, erlebt man auch diverse Aha-Effekte und kann einige Szenen und auch Aussagen viel mehr Bedeutung zuweisen. Und macht das nicht eine gute Geschichte aus?

Kleine Macken bleiben, allen voran der vielfach erwähnte Krieg gegen den Drachenclan von dem man einfach nichts sieht außer einmal einem zerstörten Dorf oder die Frage, wieso Feh die als überbehütete Prinzessin aufwuchs Darian und Maik ausgerechnet als Fremdenführerin in einer zwielichtigen Spelunke über den Weg läuft, aber das ist kleinteilige Krittelei und stört das Gesamtbild nicht.

Die Klischeekiste?

Warum war ich enttäuscht, nachdem ich Band 4 zum ersten Mal gelesen habe? Es gefiel mir nicht, dass Darians Freunde, die ihn angeblich verraten haben, losziehen, um ihn davon zu überzeugen dass sie ihn aber eigentlich doch alle lieben. Und dass erst einer von ihnen schwer verletzt werden muss, damit er seinen Fehler einsieht. Das sind Anime- bzw. Manga-Klischees. Und dann fragte ich mich, wieso Darian enttäuscht ist, dass die Leute in seiner Gruppe aus eigennützigen Gründen mit ihm auf Reise gegangen sind – was für einen Grund hat man sonst, mit jemandem mitzukommen, den man gerade ein paar Tage kennt?

Aber auch das wirkt beim zweiten Lesen, im Fluss mit den Vorereignissen, überzeugender. Kurz gesagt, ist das einfach Darians Charakter, und der Bösewicht macht seine Sache, ihm die Sache mit dem Verrat weiterhin einzureden, sehr gut. Und ja, es ist schön dass der „Verrat“ weder auf Missverständnissen basiert noch auf Lügen des Bösewichts. Das wäre dann wirklich der Klischee-Overkill.
 
Lesenswert
 
Die Charaktere – man kann sie doch schnell liebgewinnen. Gerade in den eher lustig gemachten Szenen reagieren sie zwar oft gleich, aber nichtsdestotrotz haben sie alle eine Geschichte und auch die Gruppendynamik stimmt. Gerade Band 3 hat hier viele im Hinblick auf das kommende Finale interessante Szenen, die erst im Nachhinein  an Bedeutung gewinnen.

Und die Zeichnungen – dazu kann man eigentlich nicht mehr viel sagen. Ich habe ja schon in meiner letzten Review von einem Augenschmaus gesprochen und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Stil zu nichts besser passt als zu einer epischen Fantasy-Story. Gerade im großen Finale passt die Opulenz wunderbar zu den Ereignissen und der Lesefluss ist ununterbrochen. Wie gesagt kann ich heute nicht einmal mehr nachvollziehen, warum ich manches an Band 3 so schlimm fand. Es kommt Atmosphäre auf, das Paneling ist abwechslungsreich und ausdrucksstark, Actionszenen sind gut eingebaut und obwohl die Gesichter sich immer noch oft ähnlich sehen, hat man keine Probleme mehr, die Charaktere auseinanderzuhalten.

Grimoire ist eine klassische Fantasystory, die vielleicht nicht unbedingt das Genre neu definiert, aber das hat, was eine Geschichte dieses Genres unbedingt haben sollte. Und das will schon was heißen.


Crowdfunding der Grimoire-Neuauflage - Seid dabei! Grimoire, Comic-Culture-Verlag, Crowdfunding, DManga, Grimoire, Marika Herzog, Startnext

Autor:  roterKater



Der ein oder andere von euch hat es vielleicht schon mitbekommen - seit kurzem läuft eine Crowdfunding-Aktion auf Startnext, die das Budget für eine Neuauflage vom ersten Grimoire-Band von Marika demoniacalchild Herzog aufbringen soll, welcher mittlerweile verlagsvergriffen ist.

Hier können Grimoire-Fans (und solche, die es werden wollen) Geld in die Vorfinanzierung des Druckes der Neuauflage investieren und bekommen dafür nach Abschluss der Aktion teils exklusive Prämien zugeschickt, je nachdem, wieviel sie eingezahlt und für welche Dankeschöns sie sich entschieden haben - natürlich nur, wenn die Gesamtsumme auch erreicht wird. Sonst gehen alle eingezahlten Gelder an die Supporter zurück.

Da gibt es hier zum Beispiel zu holen:

- druckfrisch Band 1 in Neuauflage und Band 4, auf Wunsch noch signiert und mit einer Zeichnung versehen. Für Leute, die es nicht zu den Cons schaffen, also eine tolle Option, um an Signierungen heranzukommen.
- diverses, teils exklusiv produziertes Merchandise, wie Federtaschen, Tragetaschen und Plüschtiere (ja, der viel gewünschte Iji-Plüschi könnte bald dir gehören!)
- Grimoire-Originalseiten
- Dankesgruß per Postkarte
- Dankeserwähnungen im Buch
- Aufwendige Originalbilder nach Wunsch
- Sponsoring und Werbeseiten für Firmen und Verlage




Wenn man möchte, kann man auch unverbindlich einfach Geld für das Projekt spenden, ohne auf ein Dankeschön zu bestehen. Dafür muss man sich nicht einmal einen Startnext-Account anlegen.

Also wie ihr seht, ist da 'ne Menge dabei, was hoffentlich bei euch ein bisschen Interesse für Crowdfunding weckt und euch vielleicht sogar zu einer kleinen Unetrstützung verleitet. Wir würden uns da jedenfalls sehr freuen. Crowdfunding bietet für Fans und Interessierte eine tolle Möglichkeit, sich aktiv in die Produktion bestimmter Artikel einzubringen und so das zur Verfügung stehende Angebot selbst mitbestimmen zu können.

Ich hatte zum Thema vor gut zwei Jahren schon einen Eintrag verfasst, der das Prinzip, das Für und Wieder und die Perspektiven dieses Finanzierungsmodells ausführlich dargestellt hat. Damals war ich noch sehr optimistisch, was die Zukunft von Crowdfunding in Deutschland betrifft. Leider hat sich da in den letzten Jahren - anders als zum Beispiel in den USA - noch nicht sehr viel getan.

Startnext hat sich als Marktführer in Deutschand durchgesetzt - hauptsächlich deswegen, weil Kickstarter noch immer keinen deutschen Ableger eingerichtet hat. Projektstarter halten sich jedoch weiterhin vornehm zurück und hoffen darauf, dass andere Vorreiter ihnen den Weg ebnen. Die Angst vor dem Scheitern scheint weiter größer zu sein als die Hoffnung auf Erfolg. Größere Projekte, wie Joscha Sauers NICHTLUSTIG-TV-Serie, werden an den Crowdfunding-Plattformen vorbei auf eigenen Seiten umgesetzt - warum auch immer. Startnext ist jedenfalls für Projektstarter derzeit - wenn man auf gesonderte Bewerbung durch die Betreiber verzichtet - auch bei Erfolg völlig gebührenfrei.

Erwartungsgemäß hat es in drei Jahren Crowdfunding in Deutschland noch nicht ein einziges deutsches Manga-Projekt gegeben, dass über dieses Modell finanziert wurde (oder es zumindest versucht hat). Dabei sind gerade die Möglichkeiten auch bei Großverlagen für Neuauflagen alter Titel, Weiterführung verkaufsschwacher Serien oder auch Lizenzeinkäufe über dieses Modell sehr weitreichend und deutlich besser als bei früheren print-on-demand-Verfahren. Gerade für Kleinverlage und Doujinshi-Projekte sind, zumindest bei guter online-Vernetzung, die Möglichkeiten auch jetzt schon ziemlich aussichtsreich. Man muss sich nur mal trauen ...

Die Neuauflage von Grimoire Band 1 konnte jedenfalls nicht mehr länger warten, da sie eigentlich zur LBM erscheinen soll, es aber derzeit noch an der Finanzierung hapert. Darum haben wir das Projekt jetzt einfach mal gestartet und hoffen auf rege Beteiligung! Wenn es ein Erfolg wird, trauen sich vielleicht demnächst auch weitere deutsche Mangaka und Verlage an Crowdfunding heran.

Wir würden uns über Weiterempfehlungen riesig freuen! Vielen Dank!


Review: Grimoire 3 Grimoire, Germanga, Grimoire, Manga, Review

Autor:  Jitsch
Knapp Jahr nach meiner Rezension von Band 1+2 ist der 3. Band des Epos Grimoire von Marika demoniacalchild Herzog zur Leipziger Buchmesse erschienen und ich will mich nicht lumpen lassen, meine Eindrücke zu schildern.


Grimoire Band 3
 

 
 
Autor:  Marika Herzog (demoniacalchild)
Genre:  Fantasy
Preis:  6,90 Euro
Seitenzahl:  184 (davon 4 Farbseiten)
ISBN:  978-3-941886-02-5
Meine Wertung:  5 von 10 Punkten
Status:  Band 3 von 4
 

Story

Noch immer such der Drachendämon Darian mit seinen Freunden nach fünf magischen Artefakten, mit denen sich der große Krieg zwischen den Völkern beenden lassen soll. Doch nicht nur gefährliche Monster stellen ihnen in den Weg. Auch eine finstere Sekte, die es ebenfalls auf die Artefakte abgesehen hat, ist ihnen dicht auf den Fersen. Selbst in Darians Gruppe sind sich längst nicht alle einig, wie sie den Gefahren am besten trotzen sollten ... Das spannende Fantasy-Abenteuer voller Action und Magie nähert sich seinem dramatischen Höhepunkt!

(offizielle Inhaltsbeschreibung, Quelle)

Review


Kennt ihr die Zelda-Spiele? Nintendo hat damit einen Kassenschlager ohnegleichen erschaffen, und das mit immer wieder demselben Konzept. Der Held muss irgendwelche Artefakte finden, die ganz am Ende eines tiefen Dungeons von einem grauenvollen Monster bewacht werden. Natürlich gibt es nicht nur einen Dungeon, sondern ungefähr fünf, sieben oder acht, die im Spielverlauf gemeistert werden sollen. In Twilight Princess gehören dazu ein Waldtempel, ein Vulkan, eine fliegende Insel und eine Unterwassergrotte, in der man am Ende gegen tentakelbewehrte Monster mit großen Augen, riesige Affen und anderes Getier kämpfen muss, um den Schatz zu erbeuten.

Ungefähr so ähnlich funktioniert, zumindest in diesem dritten Band, Grimoire. Abzüglich langer Irrwege durch von Gnomen, Spinnen und Schleimwesen bewohnten Dungeons und abzüglich interessanter neuer Items allerdings. Nachdem sie ihr erstes Artefakt im vorherigen Band in den Katakomben einer Wasserstadt gefunden haben, geht es für die Helden diesmal zu einer großen Grotte mit einem großen Baum, an dessen Spitze das nächste Artefakt sein soll. Es folgen ein Artefakt im Innern eines Vulkans und auf einer fliegenden Stadt. Irgendwelche Bösewichte versuchen nun mit recht fiesen Tricks zu verhindern, dass die Helden an die Artefakte kommen, aber da sie nunmal die Helden sind, sollte es niemanden überraschen, dass sie es trotzdem schaffen.


Schwung in die Bude

Und immerhin – sie wachsen an ihrer Aufgabe. Zumindest kann Maik jetzt ein bisschen zaubern. Ansonsten hält sich die Charakterentwicklung allerdings in Grenzen, abgesehen davon, dass Darian sich ein wenig mit dem Grimoire anlegt. Die anderen sind eher dazu da, Backup zu spielen, wenn ein Gegner abgelenkt werden muss, stehen aber oft auch nutzlos in der Gegend herum. Gerade Lucian hält sich in der Hinsicht sehr zurück, so dass man manchmal fast vergisst, dass die Gruppe aus 4 Personen besteht.

Immerhin gibt es in diesem Band eine halbwegs originelle Gegenspielerin namens Zoe, die mit pinken Haaren, einem weiten Kleid, ständigem Lachen und schnellen Ausrastern viel Schwung in die Bude bringt.  Immerhin: Ein so wandlungsfähiger Charakter ist interessanter als der stille Kämpfer Lucian und der miesepetrige Maik zusammen, sowohl vom Anblick als auch vom Charakter her.


Scenery Porn über alles

Übrigens, die Zeichnungen sehen toll aus. Sie reißen einen regelrecht in die Welt von Darian und Co. Hinein. Aber leider fehlt einem in dieser Welt oftmals schlicht der Überblick. In einer Szene stößt Maik gegen etwas. Das nächste Panel zeigt ein Landschaftsbild, auf dem Maik nicht drauf ist und an dessen rechten Rand ein Grabstein zu sehen ist, der allenfalls gleich wichtig aussieht wie die Äste, die quer ins Bild ragen und der dahinter angedeutete blaue Himmel. Trotzdem ist es wohl der Grabstein, der wichtig sein soll.

Ein anderes Beispiel: Maik schreit (stehend) „Lass das“. Es folgt ein Panel mit dem Soundeffekt „Wack“, Darian schreit „Maik!! Pass auf!“ und  auf dem nächsten Panel stürzt Maik über eine Klippe. Wieso, warum, weshalb, bleibt unklar. Ob er ausgerutscht ist, ob ihn einer der Bösewichte geschubst hat, bleibt unklar. Wichtig ist, er fällt. Nun ja.
Viel zu oft sitzt man selbst als erfahrener Mangaleser da und überlegt „was passiert da jetzt eigentlich gerade?“.  Bezeichnend ist eine Szene im Vulkan: ein großer Drache und Darian beschließen, es den Bösen „gemeinsam heimzuzahlen“. Man sieht eine Energiekugel, Darian schwingt seine Waffe, erzeugt damit eine Windhose, ein großes „Krawasssssh“ zieht sich über die Seite und jede Menge Splitter fliegen umher. Irgendwas fällt zu Boden. Erst nach fünfmaligem eingehenden Betrachten der Szene geht mir auf, dass er in dem Moment das seltsame Wesen zerstört hat, das 9 Seiten vorher auf einem Panel das letzte Mal klar und deutlich zu sehen war. Scheinbar kämpft es auf den Seiten davor gegen Darian, aber es dreht sich dabei so schnell, dass man es auf den ersten Blick für einen Energiewirbel hält.

Fokus ist es, der dem Manga fehlt. Bezeichnend ist der Szene, in der Darian das Zentrum der Marionettenfäden entdeckt. In dem monumental großen Panel, das folgt, steht im Vordergrund die böse Lolita mit den pinken Haaren, und nur wenn man genau hinguckt erkennt man hinter ihr, vor dunklem Hintergrund und dunkel gerastert, das Monster, von dem die wenigen Fäden zu den kaum auffallenden Dorfbewohnern laufen, die dank der Raster quasi mit dem Hintergrund verschmelzen. Es passiert zu oft, dass die epischen Zeichnungen mit den ausgearbeiteten Hintergründen und den vielen Details es schwer machen, zu erkennen, was auf ihnen für den Leser wichtig sein soll.
Überblick über die Schauplätze hat man nur selten, weil meist nur Ausschnitte oder malerische Berge im Hintergrund gezeigt werden. Verwirrend sind teils auch Panels, die sich über eine Doppelseite ziehen, aber deren beide Hälften nicht sofort als zusammengehörig erfasst werden können, weil sie nur einen kleinen Teil der gesamten Doppelseite einnehmen und auch getrennt halbwegs Sinn ergeben.

Was Gesichter angeht, so beschleicht oftmals immer noch der Eindruck der Beliebigkeit. Gerade Augen wirken auch bei demselben Charakter in jedem Panel unterschiedlich groß, alle Gesichter haben dieselbe Form und auch Frauen- und Männergesichter entscheiden sich auf den ersten Blick kaum. So kommt es auch schon mal vor, dass man im ersten Moment die Figuren verwechselt, wenn man nur das Gesicht und ein paar gerasterte Haarsträhnen sieht, die farblich sowohl zu Darian als auch zu Zoe passen würden.


Das Auge isst mit, aber der Anblick allein macht nicht satt

Letzten Endes ist Grimoire zwar ein Augenschmaus, aber nicht unbedingt ein Lesespaß. Dass sich das im letzten, vierten Band der Serie noch großartig ändern wird, ist nicht absehbar, aber zumindest kann man sich bis dahin an den schönen Zeichnungen erfreuen, wenn schon die Charaktere so flach bleiben und die Story so wenig Überraschungen bietet. Aber wer weiß, vielleicht hat sich die Zeichnerin die großen Enthüllungen auf einfach für’s große Finale gespart und wird uns damit nochmal großartig überraschen. Warten wir’s ab.
 



Übrigens:

Ich habe vor, in nächster Zeit noch ein paar Reviews zu schreiben. Geplant sind Shounen Go! Go! Band 7.1 und 7.2, Baito-Oh!, Killing Iago, Personal Paradise -Killer Kid- sowie K-A-E. Wenn jemand meine Meinung zu einem davon unbedingt zuerst hören möchte, meldet euch!



Rezension: Grimoire Band 1 + 2 Grimoire, Germanga, Review

Autor:  Jitsch
Ich melde mich mal wieder mit einer Rezension!
Vielleicht schaffe ich demnächst auch noch ein paar andere deutsche Werke, z.B. Life Tree's Guardian (ist ja jetzt abgeschlossen) und die Anthologien Baito Oh! und Shounen Go! Go!, die noch bei mir im Regal stellen. Nun fangen wir aber doch mal an mit "Grimoire" von Marika demoniacalchild Herzog, dessen zweiter Band zur aktuellen Leipziger Buchmesser erschienen ist.

Nun, die „klassische“ Fantasy verläuft immer in ähnlichen Bahnen: in einer Welt voller dunkler Wälder, gefährlicher Meere und himmelhoher Berge leben neben den Menschen allerhand magische Wesen wie Elfen, Drachen oder Hexen. Der Held solcher Geschichte ist meist ein „Auserwählter“ - im weiteren Sinne. Entweder durch Geburt oder weil er einen besonderen Gegenstand besitzt (im letzteren Fall fällt ihm dieser meist eher zufällig in die Hände). Eine solche klassische Fantasy-Story dreht sich meist darum, einen dunklen Herrscher von einem Dunklen Thron zu stoßen. Oder ein magisches Artefakt (meistens Schmuckstücke) , eventuell auch dessen Einzelteile zu suchen. Oder beides, weil das Artefakt zum Sturz des dunklen Herrschers unbedingt nötig ist.

Nun zu Grimoire: In einer Welt voller dunkler Wälder, gefährlicher Meere und himmeloher Berge leben neben den Menschen allerhand magische Wesen wie Elfen, Drachen oder die Dämonen des Drachenclans, gegen den die Menschen seit Jahrtausenden Krieg führen. Der Held dieser Geschichte, ein gewisser Darian, gehört zu diesem Clan und muss auf dessen größten Schatz aufpassen – das Grimoire, eine Art Zauberbuch. Zusammen mit seinen Begleitern Maik und Feh macht er sich auf, um einen Ort zu erreichen, der alle Wünsche verwirklichen können soll - in seinem Fall den, dass seiner Welt endlich Frieden geschenkt werde.

Wie, das klingt nicht besonders neu?

Ist es auch nicht. Wohlwollend kann man sagen, dass Grimoire einem Genreliebhaber genau das bietet, was er davon erwartet. Wer klassische Fantasygeschichten nach dem oben genannten Schema zu eintönig findet, wird auch in Grimoire nicht viel finden, was die Story besonders aus der Masse hervorhebt. Nett ist allenfalls das mit Flügeln versehene und sprechende Grimoire, liebevoll „Grimi“ genannt, was allerdings keinen nenneswerten Einfluss auf den Gesamteindruck hat.

Aber muss denn immer alles neu sein?

Natürlich nicht. Gerade im Manga-Genre bewegen sich Geschichten oft auf so ausgetretenen Pfaden, dass es vor allem auf die Präsentation ankommt. Eine Story kann noch so banal klingen, vor allem kommt es hier auf die Präsentation der Charaktere, innere Logik und natürlich den Zeichen- und Erzählstil an. Weiß also der Manga-Epos von Marika Herzog in dieser Hinsicht zu überzeugen?

Nach Band 1 hätte ich bestenfalls gesagt: Jein.

Der Erzählstil im ersten Band ist vor allem eines: Konfus. Wir steigen ins Geschehen ein, als Darian und Maik  schon mitten auf ihrer Reise sind und sie eine Fremdenführerin suchen, so dass sich ihnen Feh anschließt. Was genau bis dahin das Ziel der Reise war, bleibt unklar, denn im dritten Kapitel stoßen sie durch Zufall auf eine Karte und einen Kompass, die irgendwie den Weg zu einer nicht näher bestimmten Zahl an Artefakten und einem „Ort, der die Macht hat, alles zu verwirklichen, was man will“ zeigen sollen.
Diesen sucht aber scheinbar auch eine geheimnisvolle Sekte, von der allerdings nur ein Mitglied im ersten Band auftritt, das sich als der klassische Bösewicht präsentiert (inklusive bösem Kichern, Augenklappe und Hörnern). Welches den Helden sofort die Karte abnimmt - aber kein Problem, denn der Mentor von Feh (die sich nebenbei als nicht irgendeine Elfe sondern deren Prinzessin herausstellt) hat noch eine Kopie davon im Schrank.
Ansonsten passiert im ersten Band nichts, was sonderlichen Eindruck machen würde: Ein auf den Blick mit der Story nicht zusammenhängender Kampf gegen eine Lebensenergie saugende Dämonin, die Trauer um einen Drachen, der gut zehn Seiten nach seinem ersten Auftritt stirbt, eine geheimnisvolle Begegnung von Darian im Traum mit der Gründerin des Drachenclans (der nicht besonders lange dauert, während dessen der Junge aber eine Woche im Schlafzustand ist - dabei heißt es doch, im Traum vergehe die Zeit viel schneller) und ein weiterer erfolgloser Angriff des Klischee-Bösewichts, der sich in kürzester Zeit in die Flucht schlagen lässt und dann mit seinen Kumpanen (die ihm offenbar nicht zur Hilfe eilen wollten) in einen dunklen, dunklen Wald verfolgt werden muss.

Beim Lesen des ersten Bandes fällt vieles negativ auf: die Charaktere sehen im ersten Kapitel noch vollkommen anders aus als im darauffolgenden Band, man erkennt sie aber auch danach meist eher an ihrer Haarfarbe, da die Gesichter von Zeichnung zu Zeichnung unterschiedlich wirken. Gerade die Hintergründe sind oft sehr detailliert, manchmal so detailliert, dass wichtige Gegenstände (wie in einer Szene der Kompass) in ihnen überhaupt nicht hervorstechen. Verwirrend sind teilweise auch nicht gekennzeichnete Szenenübergänge, in denen einfach das nächste Panel kommt und man sich erstmal orientieren muss, dass jetzt der Schauplatz gewechselt hat. Auch wird teilweise der Fokus falsch gesetzt, so verbringen wir eine Doppelseite damit, dass Darian nicht weiß, wie er zu seiner Herberge kommt (was ihm letzten Endes gar keine Probleme bereitet), während wir auf einem Mini-Panel von der Existenz des Wünsche erfüllenden Ortes erfahren.

Die meisten Schwächen legen sich im Fortsetzungsband, gerade der zeichnerische Fortschritt ist riesig - eigentlich kein Wunder bei zwei Jahren Wartezeit. Der Stil wirkt um einiges sicherer, der Erzählstil gewinnt an filmischer Tiefe und auch die Situationskomik sitzt sehr viel besser. Optisch macht das ganze jetzt einiges mehr her, ohne dass sich der Stil komplett ändert. Eine kleine Schwäche bleibt die mangelde Übersicht über größere Szenerien, genannt sei eine Szene, in der die Gruppe ein "vollständig zerstörtes" Dorf antrifft: Auf den Panels sind bestenfalls drei Häuser zu sehen. Noch dazu fehlen zwar Teile von Fensterscheiben und ganzen Wänden, es sind aber nirgendwo Trümmer zu sehen. Nähere Ansichten dagegen wirken sehr episch und erzeugen die passende Atmosphäre.
Ein kleineres Manko, das ich auch schon in Band 1 beobachtet hatte, sind teilweise schlecht zuzuordnende Sprechblasen, da diese oft nur rund sind und keinen Hinweis geben, wer spricht. Dies lässt sich allerdings meistens erraten. Raten muss man teilweise auch, ob Sätze, die nicht in Sprechblasen stehen sondern quer über dem Bild stehen eher gesagt oder gedacht werden, da vom Zusammenhang her beides vorkommt. Hier könnte man sich noch ein wenig mehr Konsequenz wünschen, da ansonsten der Erzählstil wie gesagt viel besser geworden ist.

Außerdem gewinnt die Story in Band 2 an Tiefe, da langsam näher auf die Hintergründe des Krieges gegen die Drachendämonen eingegangen wird. Von diesem Krieg ist im übrigen die ganze Serie über nicht viel zu sehen, lediglich oben erwähntes (und offenbar schon länger zerstörtes) Dorf zeigt das Leid, das vom Hauptcharakter immer wieder bejammert wird. Ein neuer Charakter wird ebenfalls eingeführt, der allerdings keine stimmungstechnische Bereicherung darstellt, da er meist genau so schlecht drauf ist wie Maik über weite Teile der Story. Dafür erweist er sich als überaus nützlich, da er die Helden nicht nur in die gesuchte Wasserstadt führt (obwohl er dort als Landesverräter gilt und, da er auch noch auf offener Straße herumläuft, sofort festgenommen wird, allerdings zusammen mit Darian und Co.), sondern auch noch praktisches Hintergrundwissen über den Aufenthaltsort des Artefakts hat.

Die Charaktere hatten in Band 1 bereits eine ordentliche Basis bekommen. Da der Cast relativ übersichtlich ist, stellt das auch keine große Schwierigkeit dar.
Wir haben Darian, den herzensguten (man könnte auch sagen: naiven) Jungen, der vor allem den Krieg beenden möchte, ansonsten aber eher kindlich wirkt. Nur er kann das Grimoire richtig benutzen und schwingt dank dessen Magie eine Sense, die er allerdings kaum halten kann - wie ein Held kommt er dadurch nicht rüber, aber das macht den Charme zu einem Großteil aus. Falls es irgendwem übrigens noch nicht genug ist, dass er der Auserwählte des Grimoires ist und als einziger aus dem Drachenclan die Drachensprache beherrscht, in Band 2 stellt sich außerdem noch heraus

Spoiler
dass er der Prinz seines Clans ist.
Als hätte die Story mit Feh (Prinzessin der Elfen) und dem Neuzugang Lucian (Prinz der Wasserstadt) nicht schon genug königliche Hauptcharaktere in dem Ganzen.

Sein bester Freund und Beschützer, Maik ist meistens eher schlecht drauf, knuddelt Darian aber scheinbar ganz gerne und reagiert eifersüchtig auf jeden, der seine Nähe sucht(sowas mögen die weiblichen Fans...). Nach einem coolen Auftritt in Band 1 bleibt es um ihn allerdings eher ruhig, da seine Fähigkeiten ansonsten auf elementarste Magie beschränkt scheinen.
Hilfreich ist dann schon eher Feh, die wiederum mit ihrer Magie (die sie auch zu kosmetischen Anpassungen benutzt), ihren Ortskenntnissen und ihrer Unternehmungsfreude immer vieles voranbringt. Nebenbei bleibt sie mit ihrem befehlerischen Ton gegenüber allen nicht unbedingt sympathisch, aber eine ordentliche Vertreterin des ansonsten in der Story praktisch nicht vertretenen weiblichen Geschlechts.
Dann wären da noch die Sidekicks- zumindest kommen ein Buch mit Flügeln, das meistens dumme Kommentare auf Lager hat (Grimoire, von den anderen liebevoll "Grimi" genannt) und ein lila Babydrache am ehesten als solche rüber, auch wenn sie für die Story ungemein wichtig sein sollen - bis auf eine kurze Andeutung, dass das Grimoire vielleicht eher Darian benutzt als umgekehrt, liegt über die beiden noch das meiste im Dunkeln.

Insgesamt spreche ich die Empfehlung aus, dass man zumindest auch mal in Band 2 reingelesen haben sollte, bevor man die Serie wegen des Chaos, das Band 1 bietet, gänzlich abschreibt. Nach wie vor ist und bleibt das ganze klassische Fantasy, und wenn man so etwas grundsätzlich zu abgedroschen findet, werden vermutlich auch nicht die liebenswerten Charaktere dran ändern. Jedem, der einigermaßen was damit anfangen kann, sei das Werk jedoch empfohlen, trotz der kleinen Schwächen, die sicher in Band 3 noch weniger werden (und hoffen wir mal, dass es bis zu dessen Erscheinen nicht wieder so lange dauert).

Jitsch*



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