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Thread: Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg von J.Galanskow

Eröffnet am: 16.01.2005 01:01
Letzte Reaktion: 16.01.2005 02:21
Beiträge: 3
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Verfasser Betreff Datum
Seite 1
Lyra-chan Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg v... 16.01.2005, 01:01
Dawn_Seeker Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg v... 16.01.2005, 01:23
Lyra-chan Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg v... 16.01.2005, 02:21
Seite 1



Von:   abgemeldet 16.01.2005 01:01
Betreff: Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg von J.Galan... [Antworten]
So ich brauche Hilfe !
Ich habe hier ein ganz wundervolles Gedicht von J. Galanskow ( wahrscheinlich 1935-1972 ) und Fragen über Fragen.
Ich selbst habe es nur durch Zufall in die Hände bekommen und weiß sogut wie nichts über den Autor.Auch die Suche im Net hat nicht viel gebracht, außer das von ihm vielleicht mal was in Deutschland vertont wurde und er irgendetwas mit Russland zu tun haben könnte.
Dieses Gedicht scheint es nirgendwo zu geben und keiner scheint es zu kennen.
Ich selbst besitze auch nur eine alte( recht mitgenommene )Kopie
des, mit Schreibmaschiene geschriebenen,Gedichtes.
Trotzdem dachte ich mir, dass vielleicht irgendjemand es kennt oder Informationen für mich hat (bin für alles dankbar...).
Außerdem habe ich zu manchen Stellen noch Interpretationsfragen.
Sagt einfach mal eure Meinung, was ihr dazu denkt... einfach alles halt!
So wie ich das sehe ist das wohl auch eine Premiere.
Das Gedicht wird ins Internet gestellt (TADA)!



Manifest des Menschen

J. Galanskow

1
Wieder und wieder
packt mich in nächtlicher Stille ein Weinen.
Denn nicht einmal den Saum der Seele
kann man verschenken.
Niemand braucht
einen Tag lang
nach einem Irren zu suchen.
Aber die Leute gehen nach der Arbeit
dorthin, wo Geld rollt und Huren sind.
Sollen sie´s tun.
Ich aber werde durch die Lawine der Leute
hindurchgehen,
anders als sie, und allein -
wie der Splitter eines Rubins,
der im Eise glüht.
Himmel !
Lasse miche leuchten.
Lasse mich nachts
auf das schwarze Samtkleid
ausschütten die Diamanten der Seele.

2
Glaubt nicht den Führern und Ministern,
Glaubt nicht den Zeitungen !
Erhebt euch, die ihr mit eurem Antlitz die Erde deckt!

Seht ihr die große Bombe
und den Blick des Todes aus den offenen Gräbern ?
Steht auf !
Steht auf !
Steht auf !
O Purpurblut des Aufstands !
Steht auf und reißt die morschen Zuchthausmauern
dieses Staates ein !

3
Wo sind sie -
die den Kanonen an die Gurgel fahren,
die mit dem heiligen Messer der Rebellion
die Geschwüre des Krieges herausreißen ?
Wo sind sie ?
Wo sind sie ?
Wo sind sie ?
Oder gibt es sie nicht mehr ? -
Dort an den Werkbänken stehen ihre Schatten
angekettet mit einer Handvoll klingender Münzen.

4
Der Mensch ist verloren gegangen.
Unwichtig wie eine Fliege
rührt er sich kaum in den Zeilen der Bücher.
Ich gehe hinaus auf den Platz
und presse ins Ohr der Stadt
den Schrei der Verzweiflung.
Menschen! Tröstet mich nicht !
In eurer Hölle kann ich nicht atmen !

5
O Himmel !
Ein strafendes Messer will ich besitzen !
Sieh nur, wie jemand die schwarze Lüge
auf das weiße Linnen speit.
Sieh nur,
wie abends die Dunkelheit
am blutbesprengten Banner nagt ...
Furchtbares Leben -
wie ein Gefängnis, auf Knochen getürmt.
Ich falle !
Ich falle ! ...
und fühle wie in meinem Innern tief
der Mensch erblüht.

6
Wir haben uns daran gewöhnt,
in freien Stunden
auf den Straßen Gesichter zu sehen,
die vom Leben besudelt sind -
Gesichter wie eure.
Aber plötzlich -
wie das Grollen eines Gewitters
und wie das Antlitz Christi am Tag der Wiederkunft
aufersteht
die getretene und gekreuzigte
Schönheit des Menschen.
Ich bin es - ich,
der zur Wahrheit ruft und zum Aufstand,
der nicht mehr Diener sein will,
und eure schwarzen
aus Lügen geflochtenen Fesseln zerbricht.
Ich bin es - ich,
der vom Gesetz in Fesseln Geschlagene,
der das Menifest des Menschen verkündet !
Mag mir der Rabe
in den Marmor des Leibes eingraben
das Kreuz .




Ist es nicht genial ? Meiner Meinung nach schon...
Mich würde so sehr der Autor interessieren...
Das einzige was ich sicher weiß, ist sein Name und dass das Gedicht vom 2.WK handelt.
Aber wann hat er es geschrieben, wenn seine Lebensdaten stimmen und warum ist er so früh gestorben ?
Zu den letzten drei Zeilen habe ich auch noche ne´ Frage.
Bezieht sich das ganze auf eine Bibelstelle ?
Was er meint weiß ich ( In etwa : ich verkünde das Manifest des Menschen, auch wenn ich dafür sterben muss ).
Aber warum drückt er es gerade so aus ( mit dem Raben, Mamor ...)?

Antwortet mir bitte mal, auch wenn ihr nur eure Meinung zu dem Gedicht äußert.





Von:   abgemeldet 16.01.2005 01:23
Betreff: Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg von J.Galan... [Antworten]
Avatar
 
Ich persoenlich benote diese Gedicht mit Aussreichend.

Es ist mir zusehr Selbstverherrlicht. Er stellt sich als Erloser da, Anfuhrer und Weise. Seine Grundeinstellung ist zwar ganz ok, aber... der Rest....


26. Feb. 1968
Dolf Sternberger, der Präsident des Deutschen PEN-Zentrums, fordert den Ersten Sekretär des sowjetischen Schriftstellerverbandes Konstantin Fedin auf, sich für eine Revidierung der Urteile, bzw. eine Milderung der Strafen gegen die Schriftsteller Jurij Galanskow, Alexander Ginsberg, Alexei Dobrowolskij und Vera Laschkowa einzusetzen. Die vier Schriftsteller waren am 12. Januar unter Ausschluß westlicher Korrespondenten in Moskau wegen "antisowjetischer Propaganda und Agitation" zu Haftstrafen zwischen einem und sieben Jahren verurteilt worden.


Sowjetunion, BRD Jurij Galanskow *1939- bekam 7J Arbeitslager 1968 wegen illegaler Publizistik
Schmerzen die nicht vergehen,
wecken mich auf, rufen mich ins leben.
Holt mich aus der Dunkelheit,
Halt mich zusamen, Seele und Leib.



Von:   abgemeldet 16.01.2005 02:21
Betreff: Ein Gedicht zum 2. Weltkrieg von J.Galan... [Antworten]
Erstmal danke für die Antwort !
Mit dem Wissen, stellt sich das Gedicht doch schon ganz anders da...
Im Zusammenhang mit J. Galanskow hatte ich auch schon mal das Wort Arbeitslager gehört.
Ich habe mir da nun einen armen Kerl vorgestellt, der im KZ sitzt und irgendwie diese Zeilen schreibt...
Wenn man nun aber diese politischen Fakten mit einbezieht( und den 2.WK da weitestgehen rauslässt ), sieht das ganze wiederum anders aus.
Stimme dir zu: Das Gedicht IST selbstverherrlichend.
Ich bin der Befreier, ich bin der Erlöser und ich hebe mich von der Masse ab...diese Aussagen stehen nun in einem anderen Zusammenhang.
Trotzdem ist es wirklich gut geschrieben! Lese es mal laut .
Wenn ein geschickter Redner dieses Gedicht vorträgt, kann es eine unglaubliche Wirkung haben!
Und es werden thematisch sehr aktuelle Dinge behandelt.

Ich werde mal versuchen mehr über J. G. zu erfahren(da scheint ja ein wichtiges Stück Geschichte an mir vorübergezogen zu sein ...).
Man lernt nie aus.

Danke wirklich für die Info !







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