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Auf dem Rücken der Pferde

von

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Siegesfeier

Die Stallgasse ist nach dem Turniertag von einem lebhaften Treiben erfüllt, die Pferde schnauben zufrieden, während Reiter und Pfleger sich um das Wohl ihrer Vierbeiner kümmern. Ich habe die letzten Minuten mit dem Sieger des Turniers gesprochen, wir beide kennen und schon länger und sind befreundete Konkurrenten. Als ich in die Stallgasse komme, betrachte ich Finn, wie dieser Don den Sattel abnimmt. Ich lehne mich lässig an die Wand des Stalls und sehe zu, wie Finn konzentriert arbeitet. Seine blauen Augen funkeln im Licht der Stallbeleuchtung.

Ich mache die letzten Schritte auf ihn zu und spüre wie ich nervös werde. Die letzte Zeit ging es nur um diesen Tag und ich habe die Gedanken und Gefühle an Finn zurückgestellt.

Nun kommen sie wieder zurück.

Die Nähe zu Finn lässt mein Herz schneller schlagen.

Während Finn den Sattel an seinen Platz hängt, gleitet mein Blick auf die zierliche aber muskulösen Statur, die beim Heben des Sattels gut zur Geltung kommt.

„Ich finde es beeindruckend, wie eingespielt du mit Don bist. Irgendwie hat man da Gefühl, ihr versteht euch blind“, meint Finn, dreht sich um und lächelt mich an.

„Das liegt daran, dass ich ihn genau kenne“, meine ich und trete neben Finn. „Man sagt doch, je mehr man von seinem Gegenüber kennt, umso intimer werden die Momente.“

Ich schenke meinem Gegenüber einen vielsagenden Blick, der Finn erröten lässt.

Finn hebt eine Augenbraue, eine Mischung aus Scham und Neugier legt sich in seinem Blick, gemischt mit noch etwas anderem, was ich nicht einzuschätzen vermag.

„Ich hätte nichts dagegen, dich besser kennenzulernen“, antwortet Finn und nuschelt noch etwas hinterher, was sich wie, „Und intimer zu werden“, anhört.

„Dann lass uns das doch in Angriff nehmen“, sage ich und beuge mich etwas zu Finn. „Wir können die Stimmung des Turnieres doch dafür nutzen.“

„Das hört sich nach einem Plan an“, antwortet Finn und lächelt mich an. Ich bin mir inzwischen mehr als sicher, dass ich Finn mag.

Es ist nicht nur eine Freundschaft, sondern eine tiefe Spannung zwischen uns, die in der Luft liegt und die wir beide deutlich spüren.

„Weißt du“, beginnt Finn und seine Röte wird stärker, „wenn ich ehrlich bin, dann würde ich dich mehr wie kennenlernen wollen, aber das heißt, dass wir über einfache Kollegen hinausgehen könnten.“

„Das wäre ein Problem, weil?“, frage ich und sehe Finn in die Augen, was diesen schlucken lässt. Ich spüre die Veränderung in der Atmosphäre und mein Herzschlag beschleunigt sich. „Na ja, ich bin immerhin erst seit kurzem im Stall und möchte keine Bevorzugung, oder das andere, das Denken“, meint er und tritt näher, seine Augen halten meinen Blick fest, als wollten sie das zwischen uns aufheben. Ich minimiere die Distanz zwischen und noch weiter, sodass uns nur noch wenige Zentimeter trennen und flüstere: „Ich bin Perfektionist, in allen Belangen, also wirst du dich dennoch anstrengen müssen!“

Finn wird rot und dieser Moment der Stille zwischen uns fühlt sich an wie ein Versprechen. „Anstrengung zählt mehr, als Perfektion. Also sei gründlich, in dem, was du mir beibringen willst“, murmelt er schließlich.

„Ich bin immer gründlich“, erwidere ich, meine Stimme flüsternd als ich ihm tief in die Augen sehe.

Finns Atem wird schneller und ich kann spüren, wie meine eigene Anspannung größer wird. Unsere Lippen trennen nur noch Zentimeter, doch dann erklingen Schritte in der Stallgasse, das Geräusch von Stiefeln auf dem harten Boden. Wir halten inne, sehen uns weiterhin in die Augen und ich bringe wieder mehr Raum zwischen Finn und mich, als der Stallmeister auf den Plan tritt. Sein Blick geht über und, seine Miene undurchdringlich, aber die Art, wie er uns betrachtet, lässt eine Frage in der Luft hängen. Wir stellen uns nebeneinander, stellen so ein normales Bild her, als wären wir uns der, vermeintlichen, Unangemessenheit der Nähe bewusst geworden. Ich trete einen Schritt zurück, meine Haltung wird wieder distanziert, fast aristokratisch, während Finn sich hastig dem Sattel zuwendet, als hätte er die ganze Zeit nur daran gearbeitet.

Der Stallmeister steht da, die Hände in den Taschen seiner Hose vergraben und mustert uns mit einem Blick, der sowohl neugierig als auch misstrauisch ist.

„Alles in Ordnung hier?“, fragt er schließlich, seine Stimme neutral, aber mit einem Unterton, der verrät, dass er mehr gesehen hat und weiß, als er zugibt. Ich nicke nur kurz, meine Miene ist wieder die des distanzierten Springreiters, der er in der Öffentlichkeit bin. „Alles bestens“, sage ich trocken und hoffe, dass er wieder geht. Finn sieht mich an, mit einem Blick in dem eine Mischung aus Verlegenheit und Unsicherheit spiegelt.

Die Spannung zwischen uns ist nicht verschwunden, sie hat sich in den Hintergrund gerückt, bereit, jederzeit wieder aufzuflammen. Der Mann vor uns nickt, als wäre er zufrieden mit der Antwort, aber sein Blick verweilt einen Moment länger auf Finn und mir, prüfend, bevor er sich umdreht und geht. Die Atmosphäre in der Stallgasse bleibt geladen, die Luft elektrisiert von der unerfüllten Nähe zwischen Finn und mir. Meine Haltung ist noch immer die des vornehmen, distanzierten Mannes, aber in meinen Augen liegt dieses Funkeln, das verrät, dass die Anziehung zwischen uns nicht vorbei ist.

Die Schritte verhallen als der Stallmeister seine Runde fortsetzt, da dreht sich Finn erneut mir zu, seine Augen suchen die meinen, eine stumme Frage liegt in den blauen Augen.

Wie geht es jetzt weiter?
 

***
 

Die Feier im geschmückten Hotel ist in vollem Gange, überall sind Lichter, die in den Farben der Siegertrophäen funkeln und andere Dekorationen verteilt. Ich stehe am Rand des großen Saals, ein Glas Sekt in der Hand, während die Musik sanft durch die Luft schwebt, beobachte ich Aiden, der sich mit einer Gruppe von anderen Reitern unterhält. Der Jubel und das Lachen verschmelzen zu einem angenehmen Klangteppich, doch ich fühle mich seltsam distanziert.

Die Erinnerung an den beinahe Kuss in der Stallgasse brennt wie eine Glut in mir. Es war ein Moment gewesen, der so intensiv und zugleich flüchtig war, dass ich es noch immer kaum fassen kann. Nur so wenig hat gefehlt, nur ein paar Zentimeter und wir hätten uns endlich geküsst, aber die Störung durch den Stallmeister hat all das gestoppt. Wir hatten und angesehen, mit mehr Worten im Blick als wir zu sprechen vermochten.

Aiden wollte es ebenso wie ich.

Aber wir haben dann einfach mit der Arbeit weitergemacht, haben Don für die Nacht fertig gemacht und nun sind wir hier, mit dieser unausgesprochenen Spannung zwischen uns.

Aiden unterhält sich mit den anderen Reitern und ich überlege, ob ich mich ihm nähern soll. Ich will das Gespräch nicht stören und wende mich stattdessen den anderen Pflegern zu, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und sich über die neuesten Entwicklungen im Springsport unterhalten.

Die Geschichten von Pferden, die Überraschungen bei Wettbewerben, bis hin zu den lustigen Missgeschicken beim Training, lenken mich ab. Doch immer wieder wandert mein Blick zu Aiden. Seine Art, das adlige Auftreten legt er auch hier an den Tag, ist distanziert zu neuen, aber freundlich zu den bekannten Reitern um sich herum. Ich sehe Lucas uns Clara, die gute Freunde zu sein scheinen und auch den Gewinner bei Aiden stehen.

Nach einer Weile und mit einem letzten Witz, der die anderen zum Lachen bringt, löst sich Aiden aus der Gruppe und kommt zu mir. Ich habe seine Blicke in meine Richtung sehr wohl bemerkt und auch erwidert, nun sehe ich nur noch ihn, alles andere verschwimmt in meinem Blick.

„Hey“, meint Aiden, als er bei mir ist, sein Lächeln warm und anziehend. „Ich habe gehofft, das du dich zu uns gesellst.“

Ich versuche meine Nervosität zu verbergen, als ich antworte: „Es ist interessant, wie andere Pfleger über die Pferde reden. Sie haben diese passionierte Art, die ich bewundere.“

„Verstehe“, nickt Aiden, „Ihr seid das Herz dieses Sports, ohne euch wären wir nichts.“

Er schweigt und ich fürchte, dass Aiden jetzt das Thema wechseln will.

„Ich wäre nichts ohne dich“, setzt er fort und ich stocke. Meint er das ernst?

Ich spüre Hitze in mir aufsteigen, kann aber nicht erwidern. Aiden hingegen scheint die Stille nicht unangenehm zu finden.

„Wir haben wohl ein paar Dinge zu klären“, sagt Aiden schließlich, seine Stimme leise und doch bestimmt. Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt. „Der Moment in der Stallgasse.“

Einen Augenblick zögere ich, dann nehme ich einen tiefen Atemzug.

„Ja, das sollten wir“, antworte ich, Aiden kommt einen Schritt näher, und ich spüre die aufgeladene Atmosphäre zwischen uns.

„Lass uns einen ruhigeren Ort suchen“, schlägt Aiden vor und sieht mich an, als wolle er damit die Geräusche der Feierlichkeit hinter sich lassen.

„Gute Idee, vielleicht in der Lounge?“, meine ich und erhalte eine nicken.

Die Lounge ist schwach beleuchte und es herrscht eine entspannte Atmosphäre, farbige Lichter tanzen über die Wände und nur wenige andere Gäste befinden sich in den Raum. Aiden sucht eine der verwinkelten und eher ruhigen Ecken der Lounge und ich spüre, wie die Luft dicker wird.

„Wir sollten darüber reden, Aiden …“, beginne ich, doch Aiden macht einen Schritt näher, sodass ich seinen, inzwischen, vertrauten Duft wahrnehme.

„Finn“, flüstert er und es war, als würde die Zeit stillstehen, „Ich bekomme es nicht aus dem Kopf, den Moment … dich.“

Ich fühle, wie mein Mut zurückkehrt und die Unsicherheit, die ich gespürt habe, wie ein Schatten verblasst. Wir stehen nur eine Armlänge voneinander entfernt und der Wunsch, diesen Abstand zu überwinden, wächst in mir.

„Ich auch nicht“, gestehe ich leise und bevor ich es mir anders überlegen kann, überwinde ich den letzten Abstand zwischen Aiden und mir. Die Welt um uns herum scheint für einen Moment stillzustehen. Der Kuss, den wir teilten, ist mehr als nur ein Ausdruck der Zuneigung, er wirkt wie Versprechen von etwas Größerem, einer Tiefe, die jenseits des physischen Moments existiert.
 

Als sich unsere Lippen berühren, durchzieht mich ein wohliges Gefühl, beinah so als ob wir in diesem Augenblick alles hinter uns lassen. Aiden zieht mich sanft an sich, seine Hände legen sich an meine Hüfte und auf meinen Rücken. Wir stehen so eng, dass ich seinen Herzschlag unter meiner Hand spüren kann, welche sich auf seine Brust gelegt hat. Jetzt gleiten meine Hände über Aidens Schultern in seinen Nacken, halte den Kontakt noch fester und fahre mit den Fingern in seine weichen Haare.

Mich durchläuft ein Gefühl der Erleichterung.

All die unausgesprochenen Worte und Blicke, die wir uns zuvor zugeworfen haben, scheinen in diesem Kuss zu verschmelzen. Endlich haben wir den Schritt gemacht, den ich mir lange gewünscht habe, seit dem Besuch bei Aiden zu Hause. Es ist, als ob alle Zweifel, die mich geplagt haben von mir abfallen. Gleichzeitig überkommt mich eine tiefe Dankbarkeit und Zufriedenheit.

Der Kuss wird intensiver, zu einem Ausdruck von Sehnsucht und zu dem Beginn von etwas, was ich noch nicht richtig zu greifen vermag. Die Welt scheint stillzustehen, bis Aiden sich langsam löst und mir in die Augen sieht.

„Das wollte ich tun, seit du bei mir warst“, murmelt Aiden leise, als wir uns lösen und sich seine Stirn gegen meine lehnt.

„Ich auch“, entgegne ich, meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, „Und ich glaube, das ist erst der Anfang.“

Die Spannung zwischen uns ist greifbar, ein elektrisches Knistern, das nicht nur unseren Atem beschleunigt, sondern auch die Luft um uns herum aufzuladen schien. Während wir so beieinander stehen, spüre ich, wie sich ein Verlangen aufbaut, das Verlangen nach mehr als nur diesem Kuss.

Ich will Aiden, mit allem, was dazugehört!

„Lass uns gehen“, haucht Aiden, dann zögert er, „Auf unser Zimmer.“

Ich nicke und lächele, beginne, mit meinen Fingern Aiden im Nacken zu kraulen.

„Und was machen wir dann?“, frage ich und spüre deutlich, dass ich rot werde. Wir wissen beide wohin das hier führt und wir wollen es beide.

„Wir nehmen uns die Zeit, die wir verdienen, entdecken alles voneinander und was wir füreinander empfinden. Denn dieser Kuss … der war mehr als nur ein Kuss“, erwidert Aiden mit Überzeugung. Die Idee eines gemeinsamen Abenteuers erweckt ein Gefühl in mir, dass ich lange nicht mehr erlebt habe.

„Lass uns das tun“, sage ich mit Überzeugung, mein Herz hüpft vor Aufregung.



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  Gl0rian4
2025-09-17T16:07:38+00:00 17.09.2025 18:07
Hey,...
Jaaa, endlich.. das hat sich ja aufgestaut..;D
Hoffentlich stehen sie sich nicht mehr selbst so im Wege , sondern haben jetzt.
Aber warum denkt er an Abenteuer? Ich habe vermutet, das sie beide sich auf was ernstes einlassen wollen?

Aber Don und Gigo werden es wohl letztendlich richten...
Antwort von:  Milan1896
18.09.2025 19:55
Ja was lange wert und so ^^
Das die beiden was festes wollen, wird auch bleiben. Das Abenteuer bezieht sich hier mehr auf das erste gemeinsame Abenteuer zwischen den Lacken 😉
Ich bin selbst gespannt wie das alles mit den beiden weitergeht.


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