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Auf dem Rücken der Pferde

von

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Gespräch im Stall

Seit gut einem Monat arbeite ich jetzt im Stall und komme gut zurecht, die Kollegen sind toll, aber auch die Reiter hier sind, mit ein paar Ausnahmen, sehr nett. Heute ist ein ruhiger Tag, und die Stallgeräusche, das Klappern der Bürsten, das Scharren der Hufe auf dem Boden, bilden die vertraute Melodie. Ich bin so in meine Arbeit vertieft, als ich das Gefühl bekomme, dass mich jemand beobachtet. Als ich mich umdrehe, sehe ich Aiden, der langsam auf mich zukommt. Aiden wirkt nachdenklich, seine Miene ernst, was mein Herz schwer werden lässt. Seit dem Streit wegen Michael haben wir nur das Nötigste besprochen, wenn es um die Arbeit ging, daher weiß ich, dass er nicht nur kommt, um Hallo zu sagen.

„Hey“, meint er mir den Händen in den Taschen, „Hast du kurz Zeit? Ich will mit dir reden.“

Ich lege die Bürste beiseite und betrachte Aiden, „Natürlich, was gibt’s?“

Aiden zögert, sucht nach den richtigen Worten. Dann sagte er: „Es geht um Michael.“

Mein Herz zieht sich unangenehm zusammen, da ich weiß, dass Aiden eine klare Meinung zu Michael hat, doch ich verstehe nicht wieso. Diese Art der Abneigung ist nicht nur Konkurrenz im Sattel.

„Ich will ehrlich zu dir sein“, meint Aiden, „Ich kann Michael nicht ausstehen. Und das hat nicht nur mit dir zu tun, es ist nur … ich sehe, wie er sich verhält und mache mir Sorgen um dich.“

Nachdenklich runzele ich die Stirn und lehne mich an die Wand der Box.

„Wieso? Was ist denn an ihm so schlimm?“, frage ich und sehe Aiden neutral an.

Dieser atmet tief durch bevor er zu sprechen beginnt: „Weil er manipulativ ist, er ist ein Blender, Finn. Er tut so, als wäre er dein Freund, aber er ist nur auf seinen Vorteil aus. Wir waren vor einiger Zeit ein Paar und er hat mich betrogen. Er hat mich belogen, mich ausgenutzt und ich weiß, dass er sich nicht geändert hat, dass er immer noch manipulativ und selbstsüchtig ist.“

Erschrocken sehe ich Aiden an, dem es sichtlich nahe geht, und blicke nachdenklich zu Boden. Das, was er mir hier erzählt ist so persönlich, das sagt man nicht einfach so.

„Ihr wart zusammen? Das wusste ich nicht“, antworte ich und kann nur verstehen, wieso er diese Abneigung hat. Aiden nickt langsam.

„Ja, eine Weile“, meint er, „Und ich habe gesehen, wie er sich verhält, auch gegenüber anderen. Er ist nicht der, für den er sich ausgibt. Und ich will nicht, dass du in seine Falle tappst. Du bist ein wunderbarer Mensch, Finn, du verdienst jemanden, der dich wirklich schätzt und nicht jemanden, der nur auf seinen Vorteil aus ist.“

„Ich finde es gut, dass du dir Sorgen machst“, sage ich leise und sehe Aiden in die Augen, „Aber ich kenne ihn nicht, daher will ich ihn Kennenlernen und mir mein eigenes Bild machen, aber ich erkenne, dass er manchmal schwierig ist. Wir müssen irgendwie miteinander auskommen.“

Aiden kommt einen Schritt näher und lehnt sich neben mir an die Wand, schüttelt dabei ein wenig den Kopf als er mich direkt ansieht.

„Ich sehe, wie er dich anmacht, wie er versucht, dich zu umgarnen und ich will nicht, dass du in seine Falle tappst. Du bist wundervoll und verdienst jemanden, der dich wirklich schätzt und nicht jemanden, der nur auf seinen Vorteil aus ist“, erklärt Aiden und seine Stimme wird weicher als er fortsetzt: „Ich möchte nur, dass du auf dich aufpasst und nicht verletzt wirst. Michael hat in der Vergangenheit Dinge getan, die nicht in Ordnung waren. Und ich habe Sorge, dass er versucht, dich zu manipulieren.“

„Ich verstehe deine Bedenken“, seufzte ich, „Ich bin alt genug, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen, aber ich werde vorsichtig sein.“

Aiden nickt langsam und seine Augen suchen meinen Blick. „Ich wollte nur ehrlich sein und dass du weißt, dass ich für dich da bin. Ich sehe, wie er dich beeinflusst und will nicht, dass du verletzt wirst, egal, was passiert.“

Ich fühle, wie sich eine Mischung aus Dankbarkeit und innerer Unruhe in mir breit macht, da ich weiß, dass Aiden es nur gut meint, aber ich will meinen eigenen Weg gehen und eigene Entscheidungen treffen.

Gute wie Schlechte.

„Danke, Aiden“, sage ich leise. „Ich werde auf mich aufpassen und ich schätze es, dass du dir Sorgen machst.“

Wir schwiegen einen Moment, während die Pferde ruhig in ihren Ställen stehen, da klopft Aiden mir auf die Schulter.

„Egal was ist, ich bin ich da“, meint er mit einem Lächeln, „Komm, wir müssen Don und Gigi fertig machen.“

„Weiß ich doch“, antworte ich und sehe ihn an, „Dann lass und anfangen!“

Ich fühle mich erleichtert, aber auch nachdenklich. Aiden hat seine Bedenken offen ausgesprochen und ich weiß, dass mich die Warnung von Aiden noch lange begleiten wird.
 

Ich stehe noch eine Weile im Schatten der Box, die Worte von Aiden über Michael geistern durch meinen Kopf. Die manipulative und selbstsüchtige Art, den Betrug und die Ausnutzung, all das passt irgendwie zu dem, was ich selbst zum Teil erlebt habe. Die Momente, in denen er sich selbstsicher gibt, charmant und freundlich. Aber das scheint eine Maske zu sein.

Dass Aiden mit Michael eine Beziehung geführt hat, überrascht mich, hätte ich doch geglaubt das er immer schon so selbstsicher war, aber es erklärt auch seine distanzierte Art neuen Menschen gegenüber. Ich kann mir vorstellen, wie tief der Schmerz sein muss, den er durch den Betrug erlitten hat und das macht mich besonders nachdenklich.

Bin ich naiv, weil ich mich auf den ersten Eindruck verlassen habe?

Aber ich will und muss mir meine eigene Meinung bilden. Vielleicht ist es klug und vorsichtig zu sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich selbst herausfinde, was für ein Mensch Michael wirklich ist.

Ich schiebe die Gedanken beiseite und Blicke auf die Pferde, die ruhig in ihren Boxen stehen. Sie sind ehrlich, direkt und zeigen ihre Gefühle offen. Möglicherweise sollte ich das auch tun und auf mein Herz hören, aber auch auf meinen Verstand.

Ich trete zu Aiden in die Stallgasse, sein Blick liegt prüfend auf Don, dessen Mähne im gedämpften Licht schimmert. Er streicht ihm über den Hals, wirkt als führe er ein stummes Gespräch mit seinem Pferd. Ich bleibe gegenüber von ihm stehen, streife mir die wetterfeste Jacke ab, die noch Staub vom Misten trägt, was meinen Schlüsselband, an seinem Band klimpern lässt. Don hebt den Kopf, was mir auch Aidens Aufmerksamkeit einbringt und legt den Kopf dann wieder in eine entspannte Haltung.

„Womit sollen wir anfangen?“, frage ich als ich neben Aiden stehenbleibe.

„Wir beginnen mit der Kontrolle der Sättel und Zaumzeuge“, sag Aiden und sieht mich an. Nicht unfreundlich aber wieder mit dieser Distanz.

„Gut, dann lass uns anfangen“, erwidere ich und mit einem nicken machen wir uns auf dem Weg in die Sattelkammer. Die Sättel von Aiden hängen am Anfang der Sattelkammer und sind, wie alle anderen auch, mit den Namen der Pferde beschriftet. Gleich darunter hängen die Zaumzeuge. Aiden nimmt den Sattel von Don und legt ihn auf den Ständer in der Mitte der Kammer, deckt ihn ab und ich staune.

„Ein Sattel von *Prestige Italia*, wow, so einen habe ich noch nie gesehen“, sage ich und betrachte den sündhaft teuren Springsattel. Diese Marke ist eine der bekanntesten in der Szene und kosten zwischen 5.000 und 6.000 Euro. Auch das Zaumzeug ist von dieser Marke und liegt in etwas bei 1.000 Euro. Aiden nickt, mit einem Schmunzeln über meine Reaktion, und prüft die Gurtbänder des Sattels auf Beschädigungen.

„Es geht nicht nur um den Preis, ich komme am besten mit ihnen zu Recht und auch für Don und Gigi sind sie Bequem. Alle Sättel sind auf die drei angepasst, um sicherzugehen, dass der Rücken in Ordnung bleibt“, erklärt Aiden und packt den Sattel von Don in die Transporttasche. Dass Glaube ich ihm auch, aber selbst ein talentierter Reiter muss das nötige Geld besitzen um sich so eine Ausrüstung leisten zu können.

„Nimm den von Gigi, dann sind wir schneller fertig“, meint Aiden.

„Okay“, sage ich leise und mit einem ordentlichen Respekt hebe ich den Sattel der Stute von der Wandhalterung. So einen Sattel in Händen zu halten ist fantastisch.

Sorgsam prüfen Aiden und ich die gesamte Ausrüstung, packen die Putzkisten für die beiden zusammen und auch die Pferdedecken packen ein.

Der Transport-LKW steht bereits vor der Stallgasse. Das große Gefährt glänzt im Licht der Stalllaternen, seine Tür offen, als wolle es uns einladen mit dem beladen zu beginnen.

Sorgsam bringen wir das Material in dem dafür vorgesehenen Laderaum unter.

„Geh bitte das Futter für die drei Tage fertig machen, ich kümmere mich um die Einstreu und die Ladungssicherung im LKW“, sagt Aiden als er die Tür zum Equipment Raum des Fahrzeuges schließt und einen Schritt zurücktritt, um alles zu betrachten.

„Geht klar“, nicke ich und mache mich auf den Weg in die Futterkammer um alles fertig zu machen. Ich habe bereits eine Liste vorbereitet, um sicherzustellen, dass sie alles haben, was sie brauchen. Mit schnellem Schritt gehe ich zur Lagerrampe, wo die Säcke mit Hafer, Müsli und anderen Leckereien sorgfältig gestapelt sind und beginne die nötigen Mengen abzuwiegen. Mit geübten Händen und einem großen Eimer fülle ich das Futter um. Ich schaufle die Körner in die bereitstehenden Beutel, beschrifte sie sorgfältig mit den Namen der Pferde und dem Datum. Nachdem das Futter für die ersten beiden Tage vorbereitet ist, wende ich mich dem Futter für den dritten Tag zu. Dieses muss so abgestimmt sein, damit beide wieder zu Kräften kommen können nach dem Turnier.

Nach dem Verpacken des Futters widme ich mich den Eimern, welche ich kontrolliere damit alle nötigen Behälter sauber und bereit sind.

Alles alle Vorbereitungen abgeschlossen sind mache ich einen Schritt zurück, um meine Arbeit zu begutachten. Sechs Tüten mit Futter stehen ordentlich nebeneinander und die Eimer stehen gestapelt bereit.

„Jetzt kann nichts mehr schiefgehen“, sage ich zufrieden zu sich selbst und mache mich auf den Weg zu Aiden. Diesen finde ich am LKW wie er dabei ist eine Liste abzuhaken.

„Das Futter ist fertig und kann verladen werden“, sage ich mit einer Spur von Zufriedenheit in der Stimme, als ich neben ihn trete.

„Sehr gut, dann kann das Hektor nachher mir dem Trecker machen“, meint er und hackt den Posten Futter auf seiner Liste ab. Ich werfe einen Blick auf die Liste und bin überrascht wie genau diese ist.
 

„Das sieht aufwendig aus“, meine ich und erhalten ein Nicken von Aiden.

„Allerdings, aber ich bin auch speziell, was das angeht“, gesteht er und hält mir die Liste hin, „Den Zeitplan für die Route und die Pausen liegen bereits vorne. Ich möchte so früh wie möglich los, um nicht im Verkehr stecken zu bleiben.“

„Klar, um Stress zu vermeiden“, erwidere ich „Der letzte Check von Don und Gigi sowie der Ausrüstung sollte nicht hastig durchgeführt werden.“

Zwar ist es das erste Turnier wo ich aktiv als Pfleger dabei bin, allerdings kenne ich die Abläufe von meinem alten Stall.

„Ich möchte spätestens um acht Uhr vom Hof sein“, meint Aiden und sieht mich an, „Beide Pferde müssen rechtzeitig fertig gemacht werden, um entspannt verladen werden zu können.“

Das bedeutet, dass ich so gegen halb sieben hier bin und beginne die beiden zu putzen. Ich schaue auf die Liste, wo die Packliste für die Pferde komplett abgehackt ist.
 

**Sattel und Zaumzeug**: check

**Schutzdecken**: check

**Futter und Eimer**: check

**Putzkisten**: check

**Lederpflege**: check
 

Darunter steht noch eine Liste die Aiden persönlich betrifft. Alles, was er für das Turnier braucht, ist aufgelistet aber noch nicht abgehackt. Seine Reitkleidung wird er sicher morgen früh mitbringen ebenso alle Unterlagen die für das Turnier benötigt werden.

Also Anmeldung, Papiere der Pferde und den Gesundheitsnachweis von ihm selbst wie von Don und Gigi.

„Die Vorbereitung auf ein Springturnier mit zwei Pferden erfordert eine sorgfältige Planung und Organisation“, erklärt Aiden seinen Ablaufplan, „Mit der richtigen Packliste, einem strikten Zeitplan und einem kühlen Kopf kann die Fahrt zum Turnier zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.“

Er faltet die Liste ordentlich zusammen und steckt sie in die Gesäßtasche seiner Hose. Automatisch folge ich der Bewegung und bleibe für einen Moment an dem Anblick hängen.

Verdammt, Aiden hat wirklich einen tollen Hintern.

„Haben wir Notfallmedikamente für die beiden?“, frage ich und sehe Aiden bewusst in die Augen. Hoffentlich hat er nicht gemerkt, dass ich ihn angestarrt haben.

„Ja, unser Hoftierarzt hat eine Box zusammengestellt, mit allen zugelassen Medikamenten. Diese ist schon mit den Putzkisten verladen“, erklärt Aiden und betrachtet mich als hätte er mitbekommen, dass ich geschaut habe.

„Gut“, murmle ich und spüre die Röte in meine Wangen steigen, „Ich besorge uns noch Snacks und Getränke für die Fahrt.“

„Dann haben wir alles“, meint Aiden, „Lass uns für heute Schluss machen. Morgen geht es früh los. Komm gut nach Hause und ruhe dich aus.“

Damit wendet er sich zum Gehen und verlässt den Platz in Richtung seines Wagens.

„Gute Nacht“, sage ich und schaue ihm noch eine Weile nach.

Die nächsten Tage werden sehr aufregend werden, nicht nur wegen des Turnieres, sondern auch unseretwegen. Mal sehen, wie das mit uns funktioniert.



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