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Auf dem Rücken der Pferde

von

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Stallaltag

Draußen beginnt der Hofalltag mit ersten Sonnenstrahlen, die sich über das Gelände legen. Als ich durch die bereits offene Stalltür trete, riecht die Luft nach Stroh, Holz und etwas Staub von der Nacht. Ich ziehe meine dünne Arbeitsjacke zu, ist es doch erstaunlich kühl und beginne meine Runde, prüfe die Boxen ob sie sauber und trocken sind. Ich höre dem ruhigen Schnauben zu, das sich wie eine Begrüßung anfühlt, als ich durch die Stallgasse zum Futterraum gehe.

Ruhig bewege ich mich durch den Raum, wo die Tafeln an der Wand in parallelen Reihen hängen. Jede Tafel eine kleine Welt für sich: Futterpläne, Rationen, Beobachtungen zu Haltung und Gesundheit der Tiere. Die Tafeln enthalten auch Sicherheitshinweise wie maximale Futterstärke, bestimmte Ergänzungen nur nach Absprache mit dem Tierarzt, Zeiten, zu denen Futter ausgegeben werden darf. Ich nehme einen kleinen Stift aus der Tasche, notiere flüchtig Notizen in meinem Notizheft, bevor ich mich den Tafeln zuwende.

Zuerst die Ration für Gigi.

Ich lese die täglichen Portionsangaben zu Heu, Kraftfutter und der Menge an Müsli als Zusatz. Die Mengen sind präzise angegeben, oft mit einer Reihe von Abkürzungen, die wohl Aiden hinzugefügt hat. Ich muss ihn fragen wieso seine Stute diese Besondere Mischung erhält und wieso die Angaben so übermäßig sind. Sollte die Stute besondere Bedürfnisse haben, dann würde ich auch gerne verstehen wieso es so ist.

Als Nächstes die Futterrationen für Don und Neo.

Die Zeilen auf der Tafel sind weniger aufwendig und mehr ein Spiegelbild der aktuellen Saison. Kraftfutter, getrocknete Kräuter, eine Handvoll Pellets für die Verdauung, ein Tropfen Öl, all das steht dort, sauber notiert, damit kein Fehler beim Füttern passieren konnte.

Ich prüfte, ob die Pellets frei von Staub sind und mache noch die Säck mit der Silage fertig.

Inzwischen sind auch meine Kollegen angehkommen und beginnen ebenfalls mit der Futterzubereitung für die anderen Pferde im Stall. Sir Hektor, der Chef-Pfleger, ist nun auch anwesend und kontrolliert hier und da die Mischungen auf Korrektheit.

Interessant sind die Sonderlisten für die Jungpferde. Die Tafeln für Sie enthalten andere Anweisungen für das Futter, entsprechend der Wachstumsphasen, Anpassungen für Trainingseinheiten und bei Belastungen.

Für Gigi und Don speziell notiere ich die Rotationen in meinem kleinen Buch. Wie oft pro Woche eine kleine Portion Obst oder Leckerchen als positive Verstärkung, welche Kräuter man in welcher Woche gefüttert werde dürfen, um Allergien zu vermeiden.

Ich gehe die Listen Schritt für Schritt durch, vergleicht die heute geplanten Mengen mit den tatsächlichen Gegebenheiten:

Ist genügend Heu da?

Reicht das Kraftfutter?

Stimmen die Kalorienwerte mit dem Trainingsplan überein?

Zwischendurch entferne ich veraltete und geblasste Zettel von den Tafeln, ersetze sie durch neue, lesbare Notizen. Die Farben der Marker, rot für wichtige Änderungen, blau für Standardwerte, grün für gesundheitsrelevante Hinweise, helfen dabei den Überblick zu behalten. Ich achte darauf, dass jede Änderung sauber dokumentiert ist, damit niemand später beim Füttern Probleme bekommt.

Wenn eine Besonderheit auftaucht, zum Beispiel eine Müdigkeit, eine Unruhe oder ein leichter Gewichtsverlust, wird das sofort neben dem entsprechenden Namen notiert, damit die nächste Fütterung angepasst werden oder der Tierarzt informiert werden kann.

Als alles erledigt ist verlasse ich die Futterkammer um meine nächste Stallarbeit anzugehen, das Verteilen des Futters übernehmen ein Teil meiner Kollegen.
 

Auf zum täglichen Misten, welches strukturiert und ruhig abläuft, damit die Pferde so wenig wie möglich gestresst werden. Ich gehe die Stallgänge entlang, prüfe ob alle Boxen sicher verschlossen sind und ob die Türen frei sind, damit niemand über etwas stolpert.

Ich ziehe mir die Handschuhe an und hole die benötigten Utensilien, also Schubkarre, Mistgabel und Besen und steuere die erste Box für heute an. Ich prüfe die Stallkarte und Notizen an der Tür, um zu wissen, was heute besondere Aufmerksamkeit braucht, zum Beispiel aufgrund von Hautreizungen.

So öffne ich die erste Box und nähere mich langsam dem Innenraum, respektiert den Bewegungsrhythmus des Pferdes. Zuerst sammle ich die Pferdeäpfel, mit dem so genannten Bollensammler, dem Gerät zum aufsammeln ohne sich bücken zu müssen, ein und lasse sie in die Schubkarre fallen. Al das erledigt ist lockere ich mit der Mistgabel ich die Heu- und Strohreste. Mit der Gabel befördere ich nun Schwung um Schwung alles aus der Box und lasse sie in die Schubkarre fallen. Als ich damit Fertig bin stelle ich Mistgabel und Co vor der Box ab und reinige ich die Metallgitter, Fensterrahmen und Boxenwände mit einem feuchten Tuch um Kalk- und Dreckreste zu lösen.

Die ganze Zeit über behalte ich das Pferd im Auge um es nicht zu erschrecken oder mit den Geräten zu verletzen. Der Boxenboden wird von der Einstreu befreit und geprüft. Ich streue neues Stroh- oder Holzfasereinstreu aus, bis der Boden gut gefüllt und komfortabel ist wie zuvor.

Nachdem ich fertig bin und alle Geräte in die Schubkarre gelegt habe, überprüfte ich noch die Tränke. Sind alle Wasserleitungen frei von Lecks, läuft die Tränke sauber und ist sie funktionstüchtig? Auch der Futtertrog wird von mir geprüft und die Futterreste entfernt, damit keine Ungezieferbildung entsteht.

Ebenso kontrolliere ich noch die Wände und Türen, ob Nägel oder Schrauben herausstehen und prüfe die Beschläge auf Sicherheit. Lose Teile werden festgezogen oder notiert, falls Reparaturen nötig sind. Nachdem ich mit allem fertig bin notiere ich in der Stallkarte, dass die Box ausgemistet wurde, inklusive Datum, eventueller Besonderheiten.

So gehe bei allen, mir zugeteilten Boxen vor, Schubkarre um Schubkarre bringen meine Kollegen und ich aus den Boxen hinaus in den Misthaufen. Das Geräusch von Metall auf Beton, mischt sich mit dem Klang der Hufe und den Geräuschen des Stalles.

Ich puste mir eine meiner blonden Strähne aus dem Gesicht, lächele dabei, weil die Arbeit meinen Kopf frei macht.
 

Nach einer kurzen Pause, die ich mit einigen meiner Kollegen auf der Sitzecke vor der Stallgasse gemacht habe, kommt die ersten Trainingseinheit mit einem der Pferde.

Das Longieren.

Mir wurde eine verlässliche, sanfte Stute namens Mira zugeteilt, welche ich aus ihrer Box hole. Mira ist aufmerksam, ein Pferd, das auf kleine Signale reagierte. Mira begrüßt mich mit einem sanften Wiehern, ihre großen, braunen Augen funkeln vor Neugier.

„Guten Morgen, meine schöne“, murmele ich und streicheln sanft ihren Hals. Achtsam lege ich ihr das Halfter an und binde Sie vor ihrer Box an. Ich atme tief ein, während ich ein Leckerchen aus meiner Jackentasche hole und ihr anbiete. Mira nimmt es vorsichtig aus meiner Hand und lässt es sich schmecken.

Ich greife mir den Putzkasten der mit Bürsten, Striegeln, einem groben Handtuch und allem was man so braucht gefüllt ist. Zuerst nehme ich mir den Striegel und beginne mit sanften Bewegungen, das Fell von Mira zu bearbeiten. Die Borsten gleiten über ihr glänzendes Fell und ich genieße es, wie Mira dabei den Kopf senkt. Ein Zeichen von vertrauen.

„So, lass uns sehen, was wir heute alles finden“, meine ich leise, während ich weiter striegle. Ein paar kleine Äste des Strohs und Staubpartikel lösen sich aus dem Fell und fallen zu Boden. Die Stute schnaubt, als ich an ihren Seiten weitermache und ich selbst genieße das zufriedene Schnauben, ebenso wie das Gefühl des sauberen Fells unter meinen Händen. Nachdem ich sorgfältig das gesamte Pferd gestriegelt habe, greife ich zum weicheren Handschuh. Langsame, kreisende Bewegungen sorgen dafür, dass das Fell nun in der Sonne schimmert.

Vorsichtig hebe ich einen Fuß an und klopfe mit dem Hufkratzer gegen den Huf. Mira hebt ihr Bein beinahe von allein, als wüsste sie, was nun folgt. Mit geübtem Blick stelle ich fest, dass der Huf gesund ist und kratze ihn aus. Mit jedem Huf, den ich bearbeite, wächst meine Vorfreude auf das Longieren.

Achtsam lege ich das Longier Geschirrs an und prüfe es auf einen guten sitz. Mira kennt den Ablauf und scharrt ungeduldig mit dem Vorderbein, während ich das Geschirr befestigte.

„Geduld, Mira“, sage ich und hacke die Longe in das Halfter um die Stute zur Halle zu führen. Das Longieren ist mehr als ein einfacher Prozess, es ist ein Ausdruck von Vertrauen und Freundschaft.
 

In der Halle liegt ein Duft von Leder, Seife und frischer Luft als ich mit der Stute in den hinteren Bereich der Halle gehe. Vorne sind bereits einige Reiter unterwegs, die wir nicht behindern wollen. Mira steht geduldig neben mir und schnaubt leise, als ich mich ihr zuwende und sanft über ihren Hals streiche, „Bist du bereit, meine Schöne?“

Der Plan für heute ist im Longieren zu arbeiten, um ihre Muskulatur zu stärken und ihre Konzentration zu fördern, was für die Ausbildung unerlässlich ist.

Ich führe die Leinen der Longe ohne Verheddern durch die Halterungen Geschirr. Ich nehme mir einen Moment, um leise Schnauben von Mira zu hören und atme tief ein.

„Lass uns anfangen,“ meine ich und lasse die Leinen locker um Mira zu animieren, einen Schritt heraus zu machen. Zu Beginn trottet sie langsam, als würde sie nur ihren eigenen Rhythmus finden wollen. Mit der Longier-Gerte gebe ich ihr ein Zeichen das sie den Kreis vergrößern soll und schneller werden soll, ohne sie dabei zu drängen.

Es ist ein Dialog zwischen Reiter und Pferd.

Als sie beginnt regelmäßiger zu laufen, gebe ich mit den Leinen ein Kommando, um sie zu aktivieren und die Stute versteht die Botschaft sofort. Sie beschleunigt ihren Schritt und bewegt sich geschmeidig um mich herum. Ich beobachte jede Bewegung, achte darauf, wie ihre Muskeln spielen und wie sie in einem harmonischen Fluss trabt.

Das Longieren stellte eine Art Verbindung da zwischen Mensch und Tier.

Ich will, dass Mira die Freiheit spürt, aber gleichzeitig die Disziplin lernt, die mit dem Sport verbunden war.

Die Übungen variieren, mal lasse ich sie im Trab laufen, dann wieder in den Schritt wechseln, fordere sie auf, Wendungen zu machen, indem ich mit dem Körper arbeite. Wenn ich mich nach außen drehe, weiß die Stute, dass sie die Richtung ändern muss. Diese bringt nicht nur Abwechslung, sondern es stärkt auch das Vertrauen zueinander.

Nach einer Weile bin ich mit ihrer Leistung zufrieden und beende die Einheit mit einem langsamen Schritt. Mira schnaubt, als sie zum Stehen kommt.

Ausgiebig lobe und streichele ich ihren Hals, als Zeichen der Belohnung und Wertschätzung, als ich die Longe löse, „Du warst großartig.“

Ich klopfe Mira noch einmal sanft am Hals, bevor ich sie sicher zurück in die Box führe.
 

***
 

Aiden tritt durch die Tür des Stallgangs, er hat die Longier-Einheit von Finn und der Stute beobachtet und lässt nun den Blick schweifen. Finn steht in der einer Box, die Hände und Kleidung vom Staub der Arbeit gezeichnet. Die Stute steht in der Box, ihr Atem bildet kleine Wölkchen in der Luft, während Finn das Halfter abnimmt und die Stricke ordnet.

Aiden lehnt sich leise gegen den Rand der Werkbank, beobachte Finns Bewegungen, die ruhig und sicher wirken. Finn redet kaum, doch seine Stimme hat eine beruhigende Wärme, wenn er Mira lobt oder eine sanfte Anweisung gibt.

„Geduld“, hört er Finn flüstern und als Mira ein wenig zuckt, sieht er ihr lange in die Augen und das Pferd entspannt sich sichtlich.

Aiden bemerkt, wie sich Finns Schultern lockeren, sobald er sich auf das Tier konzentriert.

„Ihr saht gut aus zusammen“, sagt Aiden ruhig, ohne Finns Fokus zu unterbrechen.

Dieser hebt den Blick, ein Lächeln bildet sich auf seine Lippen, als er sich Aiden zuwendet.

„Danke“, antwortet er, „Sie ist aufmerksam. Man muss nur die richtigen Signale lesen.“

Er streicht der Stute über den Hals, spürt der Wärme der Stute.

Aiden nickt, beobachtet mehr, als zu reden. In diesem stillen Austausch, in dem jeder Blick und jeder Ton eine ganz eigene Sprache ist.

Aiden kommt näher an Finn heran, nicht zu nah, um zu stören, sondern um Teil des stillen Arbeitens zu werden.

„Ich … wir, könnten heute Abend den Plan für die nächsten Tage besprechen“, meint Aiden über das leise Ticken der Uhr im Stall.

Finn hebt eine Augenbraue, ein kurzes Lächeln spielt um seinen Mund.

„Das wäre toll“, antworte ich und überlege, ob ich es wagen kann. „Wir könnten danach ja noch was trinken, wenn du Zeit hast.“

Aiden nickt nur, das Schweigen ist keine Ablehnung, sondern ein stilles Ja.

„Wir können nach Feierabend gerne zu mir fahren und alles Besprechen“, spricht Aiden plötzlich und Finn schaut ihn erstaunt aber freudig an.

„Sehr gerne, ich würde dann vorbeikommen, wenn ich mich zu Hause frisch gemacht habe“, antwortet Finn und lächelt.
 

Der Tag zieht weiter, Finn und Aiden, arbeiten gemeinsamen, ohne viel zu sagen. Ein Blick hier, ein Nicken dort, ein Blick auf die Stallgasse, in der die Sonne Streifen über den Boden zeichnet.

Sie spüren, dass sie auf einer Wellenlänge liegen, nicht laut, aber deutlich. Als der Tag sich dem späten Nachmittag nähert, tritt Aiden an Finn heran, der gerade seinen Plan für den nächsten Arbeitsschritt neben seinen Spinnt hängt. Aiden betrachtet diesen, „Ich finde es gut, wie du dich hier einbringst“, sagt er leise.

Finn lächelt ehrlich und antwortet: „Danke, das bedeutet mir viel.“

Zwischen Finn und Aiden entsteht immer mehr und, nach und nach, eine Sympathie und eine Gewissheit, dass man Zufriedenheit aus dem Miteinander der Tierwelt und der Arbeit holen kann.



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