Zum Inhalt der Seite

Auf dem Rücken der Pferde

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Tag eines Winzers

Der Tag beginnt, wie immer, früh auf dem *Heritage Wine* Weingut, das sich in die sanfte Hügellandschaft einer Grafschaft, im Süden Englands, schmiegt. Der morgendliche Nebel liegt über den Reben. Die Dächer der Gebäude und der alte Uhrturm brechen den Nebel als ich mit meinem Wagen auf dem Hof zum Stehen komme. Ich steige aus und mein Blick bleibt an der alten Natursteinfassade hängen, an der Efeu die Wände kunstvoll verschlungen hinaufklettert. Ich öffne den Kofferraum und lasse Ace, meinen Deutscher-Boxer, aus dem Range Rover steigen. Sein dunkel gestromtes Fell schimmerte im Morgenschein, die Muskeln unter der Haut gut sichtbar, die Ohren aufmerksam, der Schwanz wedelt vor freudiger Aufregung.

Mein Tag hier beginnt, wie immer, mit einer morgendlichen Inspektion. Ich stecke die Hände tief in die Taschen meiner wettergegerbten, dunkelgrünen Wachsjacke. Der Wind trägt den Geruch von Tau und Holz zu mir, die ersten Sonnenstrahlen lassen die Dächer rötlich leuchten. Der Hof liegt noch im Stillen als ich an den Gebäuden vorbei, hin zu dem Lagerhaus des Gutes gehe. Ich prüfe als Erstes die Thermometer, Feuchtigkeitsanzeigen und die Dichtigkeit der Lagertanks. Bald werden die ersten Lastwagen auf das Gelände rollen um die Tanks und Paletten zu den Weinhändlern der Umgebung zu bringen. Die Luft zieht sanft durch die Gänge, lässt die metallischen Oberflächen kalt und glatt erscheinen.

Ace bewegt sich mit ruhiger Gelassenheit, bei Fuß neben mir, immer aufmerksam auf Bewegung. In der Scheune zwischen dem Hauptgebäude und des Weinberges haben sich meine Angestellten und Arbeiter versammelt.

Die Verlader bereiten alles für die Lastwagen vor, die Feld- und Kellermitarbeiter unterhalten sich leise, jeder mit seinen ganz eigenen, speziellen, Aufgaben, die die Zukunft dieses Guts sichern sollten.

Ich trat vor, tauche in die Gruppe ein, die Luft war von Kaffee, Holzstaub und frischer Erde geprägt.

„Guten Morgen, meine Herren“, begrüße ich die Runde ruhig. „Um zehn Uhr werden die ersten Lastwagen kommen, bis dahin erwarte ich, dass alles für die Verladung fertig ist. Jester, das ist Ihre Aufgabe.“

„Verstanden, Sir, es wird alles fertig sein“, kommt die Bestätigung des Mannes. Ich sehe in die Runde und setze die Einteilung fort: „Conner, sie übernehmen die Koordination für die Sauberkeit der Anlagen und die Überwachung der Klär- und Lagerungssäulen. Samson, Sie gehen mit den Männern in die Reben und kümmern sich um die Vegetationspflege.“

„Jawohl, Sir“, antworten mir beide fast zeitgleich.

Ace liegt entspannt neben mir, den Kopf auf den Pfoten, seine Augen beobachten die Männer um uns herum, als wäre er der stille Bewacher des Hofes.

Wie Bienen aus ihrem Stock verteilen sich meine Angestellten und Arbeiter über das Weingut und beginnen mit den zugeteilten Aufgaben.

„Ace, komm“, sage ich und mache mich auf den Weg in die Weinberge.
 

Der Boden glänzt vom Morgentau, die Blätter tragen die kleinen Wassertropfen, doch sie beginnen langsam zu verdunsten. Ich schlage den Kragen des hellen Hemdes unter dem dünnen, hellbraunen, Pullovers zurecht. Ace läuft gemütlich neben mir her, als wäre er ein kleiner Kapitän, der sein Schiff, durch das Rebenmeere navigiert.

Der Weg am Rand des Weinberges, dort, wo die alten Stützbäume wie Wächter stehen, beginne ich den Aufstieg in den Berg. Die Hände in den Taschen der Jeans vergraben und mit dem wetterfesten Lederstiefel, trete ich meinen Weg an. Ace schnüffelte neugierig an den Stangen, der Reben, als prüfe er, ob irgendetwas Spannendes dazwischen lauern könnte.

Ein sanfter Wind streift durch das Blätterwerk.

Als Erstes prüfe ich die Reben, die nach dem Frühling voll im Saft stehen, doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, wie die letzten Knospen sich langsam zu Traubendolden verwandelten. Ich nehme behutsam eine der kleinen Traube, zerdrücke sie zwischen meinen Fingern und betrachte das Glitzern des Saftes. Mit den Jahren habe ich ein Gespür dafür entwickelt, wie sich die Trauben anfühlen müssen, diese sind zwar noch lange nicht reif, aber sie entwickeln sich gut.

Ace legt den Kopf auf die Pfoten er spürt, dass dieser Moment wichtig ist, als würde er die Zukunft des Weins riechen. Ich überprüfte jeden Rebstock, suche Anzeichen von Trockenstress, Schädlingen, eben alle diesen Dingen, die das Wachstum und die Qualität beeinflussen könnten. Die Luft ist frisch, die Temperatur in einem feinen Gleichgewicht, das die Trauben in eine ideale Reife führen soll. Langsam gehe ich weiter, tiefer in den Weinberg und mein Hund folgt, als ich einige Meter von ihm entfernt bin.

Der Pfad führt mich so tiefer hinein, wo der Boden sandiger wird, um die Wurzeln zu tragen. Hier prüfe ich die Erde, gehe in die Hocke und mit der Klinge meines kleinen Messers, hebe ich etwas der Erde an, rieche daran, atmete den Hauch von Mineralien und Regen ein. Mit einem speziellen Gerät messe ich die Feuchtigkeit des Bodens und notiere die Werte in meinem alten Lederbuch, ein Relikt alter Zeiten, das schon mein Großvater gehörte und in dem die Geschichte des Berges und des Gutes abzulesen ist.

Ace setzt sich, die Ohren aufgerichtet, als lausche er dem Puls der Natur, verfolgt aufmerksam das Treiben der Arbeiter, als würde er jedes Detail der Ordnung erfassen, die ich so sorgsam pflege.

Ich murmele vor mich hin, als ich die ermittelten Werte zur Struktur der Rebe und der Tiefe der Wurzeln, in das Buch eintrage. Auch die Feuchtigkeit des Bodens, die aktuelle Lufttemperatur und den Wachstumsstand trage ich sorgsam ein.

Weiter gehen Ace und ich zum ersten Terrassengang, der Weg der den Weinberg in den Oberen und unteren Teil trennt. Auch hier prüfe ich die Traubendolden und lasse Ace neben mir Platz machen. Die Winzerei ist eine feine Balance zwischen Geduld und Handwerk, zwischen dem Vertrauen in die Natur und dem Willen, ihr eine klare Richtung zu geben.

Der Weg führe schließlich zu einem kleinen steinernen Wasserbecken, das wie ein stiller Ruhepunkt in der Mitte des Weinbergs liegt. Ich knie mich hin, tauche die Hände ins kühle Wasser, reibe mir die Erde von den Händen und lasse die Gedanken kreisen. Ace legt den Kopf in seinen Schoß und ich lege meine Hand auf seinen Kopf, streiche liebevoll darüber. Meine Gedanken gehen zum Stall, meinen Pferden und auch zu dem neuen Pfleger. Finn ist ein aufgeschlossener Mann, der weiß, was er will und der eine ordentliche Einstellung zu den Tieren und der Arbeit hat. Ein wenig freue ich mich bereits auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm und wer weiß, was die Zeit so mit sich bringen wird.
 

Nach einer kurzen Pause kehren wir um, Ace trottete neben mir her, als wären wir beide Teile eines unsichtbaren Plans. Am Rand des unteren Berges bleibe ich nochmals stehen, blicke zurück auf die Linien der Reben, über die langen Reihen, in ihrer bewussten Ordnung, die mir stets eine Ruhe verleihen. Ich zähle die Zeilen mit dem Wissen, dass jedes Detail zählt.

Weiter führen mich meine Schritte über den Hof, mit seinem geschäftigen Treiben, vorbei an den Ladenrampen hin zu dem alten Kellergewölbe des Gutes.

Der Geruch von feuchtem Stein mischt sich mit den Noten von Holz und reifem Wein, als ich die steinernen Stufen hinabsteige. Erneut folgt mir mein treuer Begleiter geduldig, schnüffelt die Luft, als wisse er mehr über die Stimmung der Kellerräume als alle Messergebnisse jemals vermitteln könnten.

Ich trete an eins der großen Holzfässer, dessen Holz vom Alter gezeichnet sind, gleite mit den Fingern darüber und spüre die Feuchtigkeit darauf, ein Zeichen dafür, dass die Luftfeuchtigkeit in den letzten Tagen zu hoch gewesen sein muss. Ich überprüfe die Kellertore, öffnet und schließe gezielt die alten Fenster je nach Bedarf, damit sich kein weiteres Kondenswasser an den Fässern sammeln kann. Die Luftzirkulation in den Abteilen ist entscheidend, denn nur so können Reifung und Entwicklung gut gelingen.

Ace hebt die Ohren und lässt den Blick schweifen, reagiert auf die Geräusche, die die Stimmung des Weinkellers ausmachen.

Das Rascheln von Holzspänen in der Schublade, als ein Arbeiter die Flaschen dort dreht, das Ticken der alten Uhr über dem Eingang und das kaum hörbare Tropfen eines entfernten Wasserhahns.

„Komm, Ace“, murmele ich, als ich eine Notiz zur Luftfeuchtigkeit und der Temperatur in das große lederne Kellerbuch eintrage. Mit behutsamer Hand schlage ich die Seiten um, wie in einer Bibliothek, auf den sich die Erinnerungen der alten Winzer, die vor mir hier gearbeitet haben, befinden. Die Zahlen, in ordentlichen Tabellen geschrieben, sind mehr als nur Messwerte.

Sie sind Wegweiser durch einen ebenso fragilen wie kostbaren Prozess.

Die Temperatur muss stabil sein, der Feuchtigkeitsgrad kann ein wenig, in feinen Nuancen, schwanken. Jede Abweichung kann den Alterungsprozess des Weines. In den Holzfässern, beeinflussen, die in den Tiefen des Gutes ruhen, als stille Zeugen der Zeit.

Ich wende mich den Ganglinien zu, wo die alten Fässer aufgereiht stehen, die wie Adern durch das Gewölbe laufen. Die Kellerluft streicht kühl über meine Haut, als ich die Belüftungskanäle nochmals überprüfe.

Ace legt den Kopf schief, als würde er lauschen, ob irgendwo hinter einem der Fässer eine kleine Störung pfeift. Die weiteren Kellereinrichtungen brauchen keine große Veränderung, nur feinen Details, die geändert werden. Eine sanfte Temperaturverschiebung, das Barometer, der stille zuverlässige Wächter, zeigt genau die Veränderung. Ich prüfe die Dichtungen und justiere eine Abdeckung über einen Ventilator.

Ace legt sich mittig in einen der Gänge, hat so alles im Blick und hebt nur gelegentlich den Kopf, um einen prüfenden Blick auf mich zu werfen.

In einer Ledermappe, neben der großen Messeinrichtung, gibt es einen neuen Eintrag eines meiner Mitarbeiter. *Leichte Zunahme der Feuchtigkeit in Abschnitt D, Linie 7, Temperatur stabil, aber der Luftstrom verminderte sich in den späten Stunden*

Ich betrachte die Daten, atme die kühle Luft ein und sehe den Verläufen der Belüftungskanäle nach, die sich durch das Gewölbe zogen. Ein leises Klacken, von einer der Belüftungsklappen, lässt mich innehalten.

Ich nehme meine Taschenlampe aus der Jackentasche und leuchte die Klappe an. Etwas in der Struktur wirkt als wäre es defekt. Mit geübter Hand löste er den Deckel und schaue, ob innen etwas sichtbar wird. Im Halbdunkel erkenne ich einen Metallclip, der sich zu lösen beginnt.

Ich schnaube und löse den Deckel vollständig und schrieb eine neue Zeile in die Ledermappe: *kleiner Metallclip gefunden. Nicht alarmierend, aber beachtenswert. Abschnitt D, Linie 7. Lüftung offen*

Ich fahre mir mit der Hand durch das Haar, wische eine Staubfahne aus dem Gesicht als ich Ace neben mir erhebt, sich schüttelt und zusammen setzen wir den Rundgang fort, weiter zwischen den Fassreihen. Alles hier unten ist wie in einem tiefen Kosmos. Eine Welt aus Geduld, Temperatur. Jeder Tag in dieser Welt ist eine eigene Geschichte, die Geduld braucht.
 

Am Abend, als der Himmel sich in Rosé- und Blautöne färbte, sitze ich mit Ace an den Rand des Weinbergs, auf der Terrasse des Weingutes. Ich betrachte die stillen Reihen und hören dem Klang der Natur zu. Ein Teller mit Brot und Käse steht auf dem niedrigen Tisch vor mir, daneben ein Glas meines eigenen Weines. Der Weinberg und das Gut sind kein Ort für Hast, sondern ein Versprechen an die Zukunft, dass jeder Tag eine neue Zeile in der Geschichte ihrer Reben sein wird.

Ace schmiegt sich an mich, den Kopf auf meinem Knie, als wolle er sagen: Wir gehören zusammen zu diesem Ort, zu dieser Ruhe. Ich habe das Glas an die Lippen und nehme einen kleinen Schluck, genieße den Geschmack des Weines. Ich denke an morgen, an die Aufgaben, die im Stall auf mich warteten. Gedankenverloren streiche ich Ace über den Rücken.

Ich sehe Finn vor mir, der schon früh dort sein wird.

Finn, dessen Hände so sanft wirkten, wenn er die Tiere streichelte und doch so kräftig anpacken kann, wenn er mistet oder die Futtereimer verteilt.

Morgen werde ich Ace mit in den Stall nehmen, der mit wachem Blick die Bewegungen der Pferde und Finn beobachten wird. Sein Gespür für Menschen in meiner Umgebung ist sehr ausgeprägt und wenn er jemanden nicht mag, ist meist auch ein Grund vorhanden.

Ich senke den Blick vom Glas, sehe Ace an, und stelle es auf den Tisch. Wir beide stehen auf, Ace streckt sich langsam und wir machen uns auf den Weg zu meinem Wagen. Ich öffne den Kofferraum und mit einem eleganten Sprung begibt er sich hinein. Mit einem letzten Blick zum Weinberg schließe ich die Klappe und steige ebenfalls in den Wagen.

Die Ruhe des Abends ist nicht Abwesenheit von Arbeit, sondern eine stille Vorbereitung auf das, was kommen wird.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (1)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Yasmethy
2025-08-23T12:24:11+00:00 23.08.2025 14:24
Na, die beiden scheinen ziemlich schnell etwas für den anderen zu empfinden.
Es klingt schon fast wie Liebe auf den ersten Blick. Zumindest wenn man dem Gespräch zwischen Finn und Miriam so liest. Wohingegen es bei Aiden eher Interesse ist.
Na, mal sehen wie die Zweit letzten Endes zusammen finden werden und was Ace zu Finn sagen wird.

LG Yasmethy
Antwort von:  Milan1896
23.08.2025 15:37
Also bei Finn kommt das wohl hin mit Liebe auf den erste Blick ^^ Aiden ist da nicht so sicher … das wird noch eine rumeierei mit den beiden werden ☺️

Ich bin ja sowieso gespannt wie sich die Story überhaupt entwickelt


Zurück