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Und dann hat er ja gesagt

von

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Der Sonnenaufgang

Ich stand vor dem Tor, das hinter sich Konoha verbarg. Das Tor war zu. Seltsam. Eigentlich sollten die Wachen wissen, dass ich um die Uhrzeit da sein sollte. Bevor ich mich entschloss zurückzukommen, kontaktierte ich Kakashi. Ich weiß auch nicht mehr genau, warum ich das tat. Warum bat ich nochmal um die Erlaubnis, nach Hause zu kommen?
 

Allerdings war das Tor immer noch zu. Naja, ich bin etwas früher dran als abgesprochen. Aber was soll's, ich warte einfach und hoffe, dass sich die ganze Sache von alleine klärt.
 

Dies ist wahrhaft ein seltsames Gefühl. Das letzte Mal sah ich dieses Tor, als ich Konoha verließ. Ich dachte damals natürlich nicht, dass ich jemals zurückkomme. Ich hatte auch keine Gründe dafür, nicht wirklich was hatte mich an diesem Ort gebunden. Das Einzige, was mich damals aufhalten konnte, war Naruto. Aber irgendwie rechte es mir nicht und somit fiel die damalige Entscheidung.
 

Endlich ging das Tor auf und zwei Konohas Jonin begrüßten mich. Sie durchsuchten mich und sagten, ich müsste zum Hokage, damit er die Aufnahmeprozedur abschließen könne. Wenn es sein muss…
 

Das Dorf änderte sich sehr, seitdem ich nicht mehr dabei war. Es wurde eindeutig größer, neue Gesichter auf dem Hokageberg wurden gemeißelt. So viel änderte sich, dass man manches nicht wiedererkannte. Viele neue Menschen kamen dazu, überall passierte etwas, an jeder Ecke. Konoha war eindeutig kein Dorf mehr, es ist zu einer Stadt geworden.
 

Ich schaute mich um, während ich zum Hokages Büro lief. Neue unbekannte Gesichter kamen mir ständig entgegen, darunter sehr viele kleine Kinder. Mir begegnete bis jetzt keiner, den ich kannte. Hokages Büro war nicht mehr da, wo ich es in Erinnerung hatte. Ich guckte mich noch mal um, um gezielt nach dem Büro zu suchen. Mein Blick wanderte über dieser städtischen Landschaft hin und her, bis ich das Büro bemerkte. Ich machte mich sofort auf den Weg dorthin. Ich musste ständig irgendwelchen Leuten ausweichen, so voll war es. Es schien, als ob irgendwas Großes bevorstand. Alles war in Bewegung und das nervte mich ungemein. Kann ich nicht einfach nich durch?
 

Endlich konnte ich das Bürogebäude betreten. Es wurde eindeutig neu gebaut, wirkte größer und massiver. Auch drin herrschte Chaos, genauso wie auf der Straße. Ich fragte jemanden, wo sich Kakashis Büro befindet. Er zeigte mir die Richtung und meinte nur "am Ende des Ganges". Okay, dann gehe ich bis zum Ende durch. Und tatsächlich, ganz am Ende des Ganges verbarg sich hinter der einfachen hölzernen Tür Kakashis Büro.
 

-- Hallo, Sasuke, - wurde ich freundlich begrüßt.

-- Hey, - erwiderte ich, - die Wachen am Tor meinten, du musst noch was machen, damit ich nach Hause kann. Also mach schnell.

-- Du hast dich gar nicht geändert, sehe ich, - seine Stimme hatte etwas sehr nostalgisches in sich.

-- Worum geht es überhaupt? Mir wurde gar nichts erklärt.

-- Es geht darum, dass wir alle neue Mitglieder registrieren müssen. Du hast es wahrscheinlich schon gemerkt, aber unser Dorf ist sehr rasch angewachsen. Ich kenne nicht mehr jeden persönlich. Außerdem gab es Vorfälle mit den Neuankömmlingen, also haben wir uns…

-- Okay-okay, mach schnell was auch immer du machen musst, - warf ich hastig.
 

Kakashi ist einer dieser Menschen, die sich nie ändern. Weder äußerlich noch charakterlich. Er nahm sich einige Formlare aus einem großen Stapel runter und füllte sie mit aller Ruhe aus. Währenddessen kamen seine leicht aufgebrachten Angestellten herein, um irgendwas schnellstmöglich zu klären, jedoch konnte nichts auf dieser Welt Kakashi aus der Fassung bringen. Daraus, was die Angestellten sagten, bekam ich mit, dass irgendwas Großes bevorsteht.
 

-- Was ist denn hier los? - fragte ich.

-- Was meinst du?

-- Naja, alle sind anscheinend im Stress und rennen wild rum. Ist irgendwas?

-- Achso! Du weißt es ja gar nicht! - für seine Verhältnisse sah Kakashi auf einmal ziemlich aufgeregt aus. - Naruto hat seine Verlobung angekündigt!
 

Bitte was?! Verlobung? Naruto?! Warum würde er plötzlich sowas machen?!
 

-- Du siehst etwas überrascht aus, ne, Sasuke?

-- Wer hat ihn denn genommen? - er hatte recht, ich war schockiert.

-- Hinata.

-- Achso, - na klar, wer denn sonst… - Bist du mit meinen Unterlagen fertig? Kann ich jetzt gehen?

-- Warte… - Kakashi unterschrieb zwei Papiere und drückte mir eins in die Hand - So! Du bist jetzt wieder mal ein Bürger von Konoha! Ich gratuliere!

-- Danke, - antwortete ich automatisch, - was ist mit Uchiha Residenz?

-- Sie ist bezugsbereit. Wir haben die Sperre des Uchiha-Viertels vollständig aufgehoben, - richtete er mir aus, - und, Sasuke…

-- Was? - ich stand schon in der Tür und wollte Kakashis Büro verlassen.

-- Bitte gratuliere Naruto zur Verlobung. Er wird sich drüber freuen.

-- Jaaaa, mache ich, - natürlich wollte ich es nicht machen, - tschüss, Kakashi!
 

Ich verließ nun das Büro. Vielleicht ist diese Menschenmasse wegen der Verlobung da? Das macht Sinn, dass sowas zu so einem großen Fest wird. Naruto ist doch der Kriegsheld und mit vielen ist er befreundet. Das würde auf jeden Fall diese Hektik erklären. Ich hatte diesbezüglich tausend Gedanken, der eine war aber am lautesten. Ich bin also doch zu spät…
 

Ich kehrte nach Konoha zurück, um wieder mal ein bequemes Leben genießen zu dürfen. In der Wildnis muss man sich um vieles kümmern und hier gibt es alles, was eine bequeme Existenz erfordert. Außerdem ist das Uchiha-Viertel höchstwahrscheinlich immer noch unbewohnt. Also muss ich nicht unnötig viel Menschenkontakt haben. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, es gäbe keine weiteren Gründe für meine Rückkehr. Ich habe nämlich noch einen großen Wunsch: ich wollte Naruto erzählen, was ich für ihn empfinde. Und zwar ich wollte ihm alles erzählen. Ich will, dass er endlich davon weiß. Es klingt vielleicht dumm, aber ich hoffte auf Akzeptanz seinerseits. Naja, jetzt ist dieser Schwachkopf verlobt, also ist es eh egal. Ich erwartete ehrlich gesagt nichts anderes.
 

In meinem Leben gab es zwei Personen, die mich zu dem machten, was ich heute bin. Und Naruto Uzumski ist eins von diesen zwei Menschen. Es fing mit Team 7 an. Seit der Teamgründung verbrachten wir auf einmal sehr viel Zeit miteinander. Ich fand Naruto anfangs sehr anstrengend. Er war zu hyperaktiv, versuchte immer irgendwelche dummen Witze zu bringen und machte manchmal regelrechten Unsinn. Das komplette Gegenteil von mir, wie es auf den ersten Blick schien. Obwohl er übertrieben fröhlich agierte, sah ich ab und zu Schmerz in seinen Augen. Ich gab dem zunächst keine Bedeutung. Im Laufe der Zeit verriet mir dieser Blick, dass sich Naruto sehr einsam fühlte. Natürlich rechtfertigte diese Tatsache sein idiotisches Verhalten nicht, aber ich fand endlich eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen uns. Wir hielten uns nur aus Not aus. Dennoch war ich froh zu wissen, dass noch jemand genauso allein war wie ich, selbst wenn diese Person der dümmste Shinobi in der ganzen Welt war.
 

Eines Tages zerstritten wir uns richtig schlimm und tauschten eine ganze Woche lang kein Wort miteinander. Kakashi hatte die Nase voll davon und gab uns eine gemeinsame Aufgabe, damit wir uns wieder vertragen könnten. Naruto machte währenddessen ständig kleine dumme Fehler, was mich irgendwann sehr wütend machte. Ich schimpfte Naruto heftig aus und er erwiderte mir böse zurück, dass er sich nicht konzentrieren kann, weil er schon wieder von seiner Familie geträumt hatte und dass er deswegen sehr traurig ist. Es tat mir sofort leid und ich bereute meine voreilige Entscheidung. Er entschuldigte sich bockig und fuhr mit der Arbeit stumm fort. Mich brachte es aber zum Nachdenken. Ich glaube, dies war die erste Sache, die ich an ihm liebenswert fand. Schließlich konnte ich mich selbst damit identifizieren. Er fragte mich an dem Abend, wie sich eine Familie anfühlt. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen soll. Wie eine Familie halt. Der Rest des Abends verlief friedlich und wir quatschten über alles mögliche.
 

Ab da stellte ich fest, dass wir einander nicht nur aus Not aushalten können. Er erzählte mir ziemlich viel über sich, was er so denkt, welche Sorgen er hat… und ich hörte zu. Ich erfuhr einiges über meinen Teamkollegen. Zum Beispiel, dass er Hokage werden möchte, damit jeder in Konoha ihn anerkennt und ein Freund von ihm wird. Solche idiotische Gedanken… mich staunte dieses fast verzweifelte Streben nach Freundschaften und ich konnte es nicht nachvollziehen. Er würde sich dadurch doch so abhängig machen und ihm war es nicht bewusst. Er war wirklich naiv und sehr unschuldig. Und so erstaunlich dumm.
 

Die Zeit lief, wir verbrachten die Abende meist zu zweit. Der Grund für unsere Zweisamkeit waren die Missionen: Naruto und ich mussten meistens ein Zimmer teilen und Sakura hatte ein Zimmer für sich. Mittlerweile kam ich mit Narutos Art klar und er konnte meine ertragen. Wir trainierten zusammen, erledigten gemeinsame Aufgaben, er erzählte mir Sachen und ich hörte ihm zu. Wir bauten eine ziemlich kuriose Beziehung auf, manche würden sie vielleicht Freundschaft nennen. Trotzdem gab es manches an Naruto, was mich sehr irritierte. Besonders das, dass er ernsthaft glaubte genauso gut wie ich zu sein. Er erklärte mich sogar zu seinem Erzrivalen und ich konnte darüber nur lachen. Er war mit 13 für nichts gut. Dennoch besaß Naruto etwas, worum ich ihn heimlich beneidete. Im Gegensatz zu mir war er nicht komplett zerbrochen. Obwohl der Schicksal ihm so viel Bitteres verabreichte, glaubte er weiterhin an das Gute. Diese unschuldige naive Art zog mich aus dem schwarzen Loch, in dem ich steckte, und half mir meine Rachegedanken zu vergessen. Zudem spürte er mich irgendwie. Er wusste, wie es mir geht und wie er mit meiner Laune zu umgehen hatte. Und ich hing sehr dran. Vielleicht sogar zu sehr. Endlich fand ich etwas, was nichts mit Itachi oder dem Hass zu tun hatte, und ich war bereit für dieses wertvolle Etwas zu kämpfen. Wenn nötig, würde ich es mit meinem Leben beschützen.
 

Und so ganz unbemerkt wurde Naruto jemand sehr besonderes für mich. Er wurde zu meiner Sonne. Sein linderndes Licht erhellte langsam die dunkelsten Ecken meiner Seele, seine Wärme baute mich Stück für Stück auf und machte mich wieder ganz. Naruto schenkte mir Hoffnungen auf eine sehr schöne Zukunft und ich glaubte ihm. Ich wollte dieser schönen Zukunft zusammen mit ihm entgegengehen und er musste zwingend dabei sein. Ich fragte mich, warum ich Naruto aus diesen Gedanken nicht weglassen kann. Eines Tages offenbarte sich mir eine sehr einfache Antwort: weil ich ihn liebte.
 

Nachdem mir diese Gefühle zu ihm nun bewusst wurden, bekam unsere kuriose Beziehung den triftigsten Grund sich als solche zu bezeichnen. Wenn wir alleine waren, schlug mein Herz schneller und ich bekam Angst, mich in seiner Nähe zu befinden. Ich konnte mich nicht mehr in seiner Präsenz entspannen. Ab da an waren meine Augen nur ihm zugewandt und ich beobachtete ihn automatisch: wie sich seine Haare bewegen, wo er seinen Blick hinführt, wie er atmet… Seine tollpatschigen Bewegungen zogen mich an. Nachts, wenn alle schon schliefen, wollte ich mich zu ihm legen und mich an ihm ganz doll anschmiegen. Ich wollte seine Wärme spüren. Schließlich war er meine Sonne.
 

Ich muss dazu sagen, dass ich mich selbst für diese Gefühle ächtete. In meinen Augen stellten diese Gefühle eindeutig eine zu eliminierende Schwäche dar. Ich belehrte ihn gedanklich darüber, dass er dumm war, weil er sich von Menschen abhängig machen wollte, und jetzt geriet ich in dieselbe Fälle. Ich wurde von ihm abhängig. Von Naruto Uzumaki! Von dem dümmsten Shinobi, den es je gegeben hatte! Ich wollte natürlich nicht, dass mein Geheimnis bekannt wird, also begann für mich der Kampf gegen mich selbst. Ich tarnte mich und sagte absichtlich manches ab, wo wir nur zu zweit sein mussten. Manches aber nicht, damit es nicht zu verdächtig vorkam. Dieses Verstellen erschöpfte mich mental. Wenn wir Freundschaftskämpfe machen, fiel es mir sehr schwer, seine kurzen Berührungen zu ertragen. Besonders wenn seine Haut zufällig auf meine traf. Es fühlte sich wie ein Brand an. Die Kämpfe waren meine einzige Möglichkeit ihn wenigstens irgendwie anzufassen und eigentlich wollte ich mehr davon. Es erschöpfte mich körperlich und insgesamt machte mich das Ganze richtig wahnsinnig.
 

Später freundete sich Naruto mit Sakura an und wir verbrachten dadurch weniger Zeit miteinander. Durch Sakura gewann Naruro immer mehr neue Freunde. Sie alle waren unternehmungslustiger, als ich, und irgendwann sahen wir uns fast gar nicht mehr. Ich bekam das Gefühl, ich wäre ihm nicht wichtig genug. Das ärgerte mich massiv und machte mich unendlich traurig. Es war fast kaum aushalten. Zum einen konnte er ja nicht wissen, was ich für ihn empfinde. Zum anderen wollte ich, dass er es irgendwie von alleine weiß. Es war natürlich unrealistisch.
 

Und somit wurde ich wieder allein. Naruto wirkte jeden Tag ein bisschen fröhlicher. Sein Lachen wurde ein Stück echter und sein Lächeln war nicht mehr so übertrieben. Und das machte mir Angst. Das hieß, er brauchte mich jeden Tag weniger und ich verzweifelte daraufhin jeden Tag etwas mehr. Außerdem wurde er besser mit seinen Jutsus. Er lernte rasch ziemlich viel durch die anderen Trainingspartner, mit denen er nun üben konnte. Ich war früher der Einzige, der ihm zuhörte, mittlerweile gewann er neue Zuhörer, die seine "lustige" Art zudem noch fast unterhaltsam fanden. Ob er mich nur aus Not genommen hatte? Brauchte er mich überhaupt noch? Was, wenn die beiden Fragen tatsächlich bejaht werden?! Ich fürchtete mich davor und die Distanz zwischen uns wurde kontinuierlich größer. Ich tauschte mit ihm fast kein Wort und lehnte seine Vorschläge irgendwas zusammen zu machen ab. Ich fing an, ihn dafür zu hassen, dass er fröhlich durch die Welt lief und ich mich seinetwegen seelisch verkrüppelte. Dennoch war dieser blonde Schwachkopf die Quelle meiner Sorgen und ich wollte, dass es ihm gut geht. Und ich brauchte immer noch sein warmes linderndes Licht.
 

Mein älterer Bruder war die zweite Person, die mich zu dem machte, was ich heute bin. Als die Beziehung mit Naruto in die Stücke brach, erinnerte ich mich daran, dass Itachi noch am Leben ist und dass es sich ändern muss. Der Hass gegenüber meinem Bruder gab mir nun wieder mal Halt. Im Grunde war er das einzige, das meinen Verstand gesund hielt und mich vom Ansturz in den gefühlsgesteuerten Wahnsinn rettete. Ich versank dennoch jeden Tag ein Stück tiefer ins Schwarze und es schien keinen zu kümmern. Und plötzlich ging es jedem nur um Naruto. Nichtmal Itachi ging es um mich. Das war der letzte Tropfen, der den Faß zum Überlaufen brachte. Als ich rausfand, dass er hinter Naruto her ist, musste ich ihn stoppen. Er nahm mir schonmal meine Familie weg, jetzt wollte er auch noch ihn wegnehmen. In dem Moment kannte meine Entschlossenheit keine Grenzen und sie überwältigte mich komplett. Ich handelte unüberlegt und impulsiv, weil ich tatsächlich überzeugt war, dass ich Itachi endlich loswerden kann. Naja, ich vergaß aber, dass ich immer noch nutzlos war. Diese Auseinandersetzung endete für mich mit einem Krankenhausaufenthalt und Itachi lebte immer noch. Meine totale Machtlosigkeit wurde so sichtbar und so präsent. Zudem war ich im direkten Vergleich sogar schlechter als Naruto. Er wurde so viel stärker und besiegte diesen einschwänzigen Monster während der Chuuninprüfung fast allein. Und ich blieb einfach an einer Stelle stehen. Die Gedanken daran besetzten meinen Kopf und irgendwann war das das Einzige, woran ich denken konnte. Wie sollte ich denn Itachi töten, wenn ich nichtmal besser als Naruto bin?! Ich fand mich selbst abstoßend, unwürdig und sehr schwach und es fraß mich innerlich. Ich brauchte Narutos Schutz so dringend wie noch nie… ich machte mich von ihm so abhängig und irgendwie hoffte ich, er würde zu meiner Rettung kommen. Aber er vermasselte es und kam nicht an dem Punkt, an dem ich ihn tatsächlich brauchte. Und es tat weh… Dann entschied ich mich, das Dorf zurückzulassen und auf meine Art stärker zu werden. Dann würde endlich mein Bruder seine rechtmäßige Vergeltung bekommen. Danach wollte ich Naruto töten. Narutos Existenz war genauso wenig tolerierbar wie die von Itachi, wenn sogar nicht weniger. Ich wollte nicht mehr von ihm abhängen. Ich wollte verlernen ihn zu brauchen. Ich wollte mich vollständig von meiner Sonne lösen.
 

Dann kam der große Kampf im letzten Tal. Alles, was er mir sagte, war zu spät, also war es nicht mehr relevant. Meine Entscheidung stand fest. Ich war der Gewinner und stand alleine da. Ich bekam immense Kraft auf einmal. Dieser Sieg füllte mich mit Zufriedenheit und es überzeugte mich, dass ich doch nicht so nutzlos bin. Naruto lag bewusstlos vor meinen Füßen. Seine Augen waren zu, seine Haare waren nass vor Regen, seine Lippen waren blass. Er war so zerbrechlich… Eine flüchtige Bewegung und die Welt ohne Naruto Uzumaki könnte wahr werden. Aber er war schon damals meine wahre Schwäche. Meine Sonne… ich verschonte ihn. Stattdessen brach vor Erschöpfung zusammen und fand mich starrend in seine zugemachte ruhende Augen. Ich durfte ihn noch nie aus solcher Nähe anschauen. Er war so schutzlos, so verwundbar und so schön… solch eine direkte Konfrontation mit seiner Nähe überforderte mich. Ich hätte mit ihm alles machen können, wonach ich so lang sehnte, und es bliebe ganz unbemerkt. Keiner hätte es rausgefunden. Aber ich konnte nicht. Ich schwor, dass ich ihn beschütze, und dieses heilige Eid durfte nicht gebrochen werden. Irgendwann verließ ich das letzte Tal in der Hoffnung mich von meiner Sonne gelöst zu haben. Ich war überzeugt, dass das der letzte Tag war, an dem ich Naruto Uzumaki sah.
 

Es kam natürlich anders. Er war die ganze Zeit hinter mir her und gab einfach nicht auf. Das machte mich wahnsinnig, weil es einfach keinen Sinn ergab. Warum machte er das? Schließlich verbrachten wir nicht so viel Zeit zusammen und unsere Beziehung war kurios. Zudem versuchte ich ein Paar mal ihn aus tiefster Verzweiflung zu töten. Er dürfte gar keine Gründe haben mich zurückzuwollen. Aber nichts konnte ihn aufhalten. Er war stur und wollte unbedingt recht haben.
 

Dann erreichte ich endlich mein Lebensziel. Itachi war tot. Kurzzeitig dachte ich, dass sein Tod mich erlöste. Aber es passierte nicht und ich fiel noch tiefer in den Abgrund. Dann wurde mir die Wahrheit über sein Leben offenbart. Ich konnte und wollte dem zunächst nicht glauben, aber es stimmte. Und deswegen war es so unfassbar. Alles, worauf ich meine gesamte Existenz aufbaute, war plötzlich weg. Es verwirrte mich komplett und ich richtete meinen Hass und meine Verbitterung auf Konoha und speziell auf Naruto, weil er jetzt plötzlich auf Konohas Seite war. Auf Seite von denen, die ihn einst so schlecht behandelten. Es fühlte sich so, als ob er mich damit verriet. Dieser Schwachkopf war immer durch diese Verbindung für mich da und auf einmal war auch sie weg. Nichtmal Naruto konnte mich jetzt verstehen, dachte ich.
 

Und dann kämpften wir gemeinsam im Krieg. Naruto, Sakura und ich. Als ob ich niemals weg war. Naruto war ganz auf mich gestimmt. Wir bekamen die Kollaborationsjutsu perfekt beim ersten Mal ohne Absprache, und das war schon erstaunlich. Es erfordert ja wenigstens etwas Training… Das war aber komplett sein Verdienst. Nach all den Jahren spürte er mich immer noch genau wie damals. Dadurch wusste ich, dass unsere Verbindung nicht zerstört wurde. Es ging mir so gut dabei und ich konnte seit langem wieder leicht lächeln.
 

Dann unternahm ich meinen letzen und ziemlich verzweifelten Versuch Naruto Uzumaki aus dieser Welt loszuwerden und… ich schuf es nicht. Stattdessen forderte ich eine Erklärung von ihm. Warum war ich ihm immer noch wichtig?! Warum hasste er mich nicht?! Warum?! "Weil du mein bester Freund bist" - kam die Antwort zum aberhundertsten Mal. Er erklärte mir ziemlich plump, was er damit meint, und seine Rede klang fast wie eine Liebeserklärung. Wenn ich ihn nicht besser kannte, würde ich bestimmt sie als solche ansehen. Im Endeffekt war er immer noch meine kleine alberne Sonne.
 

Später im Gefängnis hatte ich die Gelegenheit darüber nachzudenken. Das Ganze machte nur dann Sinn, wenn er mich brauchte. Wozu aber? Liebte er mich etwa auch? Mir machten diese Gedanken Angst. Was wenn ich irgendwas falsch verstand? Ich konnte mich dem nicht stellen. Ich mied Naruto, als ich rauskam, und haute dann so schnell wie möglich von Konoha ab.
 

Jetzt sind zwei Jahre vergangen. Ich gestand mir selbst, dass ich zusammen mit ihm sein möchte, und diese Tatsache machte mich endlich nicht mehr wütend. Wir waren von klein an verbunden, als wäre es ein bitteres Schicksal. Aber das reichte mir diesmal nicht. Ich wollte mich nicht mehr mit diesem Bitteren begnügen. Ich wollte auch ein Stück Süßes mit Naruto teilen. Daraufhin hatte ich den Wunsch, Naruto endlich auf all das anzusprechen. Und jetzt finde ich heraus, dass er verlobt ist. Ich kann es irgendwie nicht fassen. Ich will nicht sagen, ich wäre nur seinetwegen zurück. Nein. Aber er ist ein großer Teil davon, was diese Entscheidung ausmachte.
 

Zu sagen, dass es mir schlecht geht, ist nichts zu sagen. Mir entging etwas, was mir sehr teuer war. Meine Sonne… das traurige daran ist, dass das ganze meine Schuld ist. Ich hätte so viel anders machen können, und doch gelang ich an diesen Punkt. Wenn es um Naruto geht, kann ich anscheinend am Besten wegrennen. Darin bestand mein Plan im Grunde. Ich muss verhindern, dass er mitbekommt, dass ich zurück bin. Er wird es eventuell rausfinden, ich will ihn aber nicht sehen. Ich muss diesen Moment so lange wie möglich rauszögern. Sakura darf ich auch nicht treffen. Und generell so gut wie gar keinen Mitschüler. Sie würden es ihm schließlich erzählen. Und natürlich meide ich Naruto selbst. Ich bin so froh, dass das Uchiha-Viertel unbewohnt ist. Ich muss deswegen insbesondere mit Kakashi reden. Okay, das ist mein Plan.
 

An all dies dachte ich, als ich unterwegs nach Hause war, und mich mit der Menschenmenge vermischte.

Langeweile

Ich kam nach Hause an. Es sah ziemlich düster aus. Überall lag Staub und das Haus gab von sich ein kaltes unbewohntes Gefühl: einige Sachen waren kaputt, manche Fenster waren angeschlagen, manchmal fehlte die Tür oder der kompletter Tatami-Boden… Das Haus war dennoch ziemlich gut erhalten und auf jeden Fall fürs Leben benutzbar. Ich fand sogar ein wenig Notfallzeug: die alten Futonbetten lagen zum Beispiel zusammengerollt im Schrank. Und das ganze Kleinzeug wie Lappen, etwas Geschirr und Besteck, Handtücher und noch etwas Putzmittel gab es jedenfalls.
 

Ich verbrachte die nächsten Tage damit, das Haus wieder in Ordnung zu bringen. Ich habe schon lange nicht mehr geputzt und mit einem Arm war es ziemlich anstrengend. Ich wünschte, ich hätte jemanden dafür bezahlen können. Meine Kasse war leider zu knapp. Diese Geldsache muss schnellstmöglich geklärt werden. Außerdem will ich wieder arbeiten. Ich würde mich als Anbu anbieten und am liebsten Einzelmissionen erledigen. Vielleicht muss ich auch im Team anbieten. Mal sehen.
 

Der Tag näherte sich dem Ende und ich bekam Hunger. Nach der Putzaktion wollte ich mich nicht bewegen, deswegen fiel meine Entscheidung aufs Angeln. Das Angelzeug lag immer noch da, wo ich es in Erinnerung hatte: im Schrank meines Vaters in seinem Büro. Ich nahm es mit und machte mich auf den Weg.
 

Es war Sonnenuntergang. Die Sonne war noch durch die Bäume zu sehen. Sie färbte den Himmel orange und erhellte die Baumspitzen. Es war Ende Juli und die Nächte wurden langsam kälter. Die Schatten waren lang und spitz, meins streckte sich vielleicht über 3-4 Meter. Es roch angenehm nach der Abendfrische. Nun erreichte ich mein Ziel und mir offenbarte sich ein majestätischer Blick auf den breiten Fluss. Ich hielt kurz an. Langsam vergaß ich, wie schön diese Welt eigentlich ist.
 

Ich setzte mich an die Ufer und bereitete das Angelzeug vor. Es war leise und niemand war hier, außer mir. Mittlerweile wurde es dunkel und ich zündete ein Lagerfeuer an. An der Angel hing immer noch nichts. Leider. Ich saß noch einige Zeit neben dem Lagerfeuer und dachte über Verschiedenes in aller Ruhe nach. Mein Gedankengang wurde durch ein Platchen unterbrochen. Ha!! Du wirst heute zu meinem Abendessen!
 

Während der Fisch fröhlich neben dem Feuer am Spieß brutzelte, stellte ich noch eine Angel auf und wartete sitzend neben dem Lagerfeuer auf den nächsten Fang. Ich guckte mich um. Es war eine ruhige klare Nacht. Die Natur hielt ihren Atem an. Als ob alles in dieser Welt gerade still stand. Ich blickte zum Himmel hinauf und sah eine dicht besetzte Sternedecke direkt über meinem Kopf. Die Sterne schienen in der greifbaren Nähe zu sein. Ich wünschte, ich könnte diesen Augenblick mit Naruto teilen. Wir würden zusammen diesen Sternenhimmel beobachten. Er hätte mir vielleicht dabei Sachen aus seinem Alltag erzählt. Er würde sich bestimmt über irgendwas aufregen! Ich kann seine aufgeregte Stimme fast hören. Wenn er zu Ende geredet hätte, würde ich ihn leicht an die Stirn küssen. Er würde daraufhin kurz schmunzeln und seinen Kopf an meine Schulter legen. Ich würde ihn in den Arm nehmen und ihm sagen, dass ich froh bin, ihn bei mir zu haben. Was machst du gerade, Naruto? Bist du mit Hinata Sterne schauen gegangen? Wenn ja, hat das dir gefallen? Oder hast du auch gewünscht, ich wäre bei dir?
 

Anscheinend werde ich beim Angeln keinen weiteren Erfolg haben. Na dann… Ich ließ die Angel noch ein bisschen im Wasser und aß stattdessen. Der Fisch schmeckte okay, war aber zu klein. Nach dem Essen zog ich die Angel aus dem Wasser raus, machte das Lagerfeuer aus und machte mich auf den Weg nach Hause. Zu Hause wartete auf mich das ausgerollte Bett. Ich legte mich darin und nach langem unruhigem Rumwälzen schlief ich ein.
 

Am nächsten Morgen tat es mir weh überall im Körper. Die Betten waren anscheinend nicht mehr gut genug. Ich stand auf und ging in die Küche. Ich ging gestern halb hungrig ins Bett, das machte sich gerade bemerkbar. Gestern beim Putzen fand ich eine Tütensuppe. Nur Gott weiß wie als sie ist. Soll ich mich daran trauen? Hmmm… Eigentlich muss ich eh zu Kakashi… Ich hatte noch etwas Geld übrig und entschloss mich, etwas unterwegs zu essen. Ich zog mich an und verließ das Haus.
 

Draußen herrschte ein angenehmes Wetter. Es war noch ziemlich früh, es war aber schon viel los. Die Straße war chaotisch, viele Menschen waren dabei, ihren Tag zu beginnen. Ich ging an einem Ramenladen vorbei. Ramen zum Frühstück? Eeeeh… ich musste sofort an Naruto denken. Wenn er jetzt hier wäre, würden wir jetzt wahrscheinlich Ramen essen. Naruto, bist du schon wach? Was hast du zum Frühstück gehabt? Kocht Hinata für dich oder gehst du auch irgendwo Ramen essen? Ich wünsche so sehr, ich könnte jetzt deine Hand halten…
 

Ich überlegte kurz und ging doch in den Ramenshop rein. Was soll's… Ich bestellte mir eine Portion Ramen zum Mitnehmen, in einem kleinen Andenken an ihn, quasi. Die Verkäuferin versuchte mit mir zu flirten und warf mir verführerische Blicke zu. Ich fand es witzig zu beobachten und tat so, als ob ich ihre Versuche nicht mitbekommen hätte. Endlich wurde mein Ramen fertig. Ich nahm den kleinen Suppenbecher, bezahlte und verließ den Laden.
 

Nach einer halben Stunde stand ich in Kakashis Büro. Mein Ramen war alle und ich bereute es irgendwie. Alles war schon wieder chaotisch, Leute liefen hin und her. Kakashi sah etwas angespannt aus, was mich verwunderte.
 

-- Guten Morgen, Sasuke, - sagte er etwas verpeilt.

-- Morgen, - warf ich ihm hinterher, - Kakashi, ich brauche Geld. Könntest du mich als Anbu auf Einzelmissionen einstellen?

-- Eeeeeh, - sagte er nachdenklich, - du kannst nicht einfach so Einzelmissionen bei Anbu übernehmen. Für so einen Einstieg gibt es Regel und die gelten nunmal für alle.

-- Okay, kannst du mich aber generell als Anbu annehmen?

-- Naja, im Prinzip schon, aber deine Situation ist… ähm… etwas heikel, - ich wusste genau, was er damit meint, - aber ich glaube, ich kann da helfen. Ich verspreche dir lieber nichts im Voraus, aber ich denke, die Chancen stehen gut. Ich gebe dir Bescheid, falls du einsteigen kannst. Du wirst per Post benachrichtigt und im Falle eines Einsteigens wirst du vorgeladen und dir werden die ganzen Einzelheiten und Formalitäten erklärt.

-- Danke, Kakashi, - okay, es ist doch nicht so einfach. Ich hoffte ursprünglich, dass ich gleich heute den Job bei Anbu bekomme…

-- Immer gerne. Kann ich noch was für dich tun? - fragte er in einem Chef-Ton.

-- Ich hätte noch eine Bitte… und zwar… - es war mir so peinlich, aber besser so, als mit Naruto konfrontiert zu werden, - kannst du bitte keinem erzählen, dass ich zurück bin? Insbesondere Sakura und Naruto.

-- Darf ich fragen wieso?

-- Ich habe meine Gründe… - ich wollte mich jetzt nicht rechtfertigen.

-- Okay, ich frage dich nicht weiter aus. Ich erzähl keinem, dass du zurück bist, - er musste sich gleich korrigieren, - außer den Leuten, die für die Aufnahme ins Anbu informiert werden müssen, - er schmunzelte durch seine Maske, - Hast du noch irgendein Anliegen?

-- Nein, das wär's dann, - okay, ich brachte es hinter mir. Guuuuuut…

-- Okay, - er fing an, irgendwelche Formulare auszufüllen, - du wirst wie gesagt benachrichtigt. Auf Wiedersehen, Sasuke.

-- Mach's gut.
 

Ich war Kakashi sehr dankbar für schnelle Arbeit und sehr direkten Umgang ohne groß drumrum zu reden. Manche Leute sollten genauso sein, zum Beispiel Sakura. Sie möchte unkompliziert vorkommen, übertreibt es und dann wird es wieder kompliziert. Ich würde eigentlich mit Sakura am liebsten niemals reden. Bis jetzt klappt das auch. Es wäre schön, wenn es weiterhin so bleibt. Gott, warum denke ich überhaupt an sie?!
 

Ich kam nach Hause und machte mich wieder ans Putzen ran. Ich plante eh nicht alle Zimmer zu benutzen, also putzte ich nur das Notwendigste. Und trotzdem war es so viel.
 

Ich verbrachte die nächsten Tage damit, dass ich morgens putzte und abends angelte. Nach vier Tagen war ich endlich mit der Putzerei fertig. Dann vergingen meine Tage noch etwas trister: ich trieb mich tagsüber im Wald rum, aß dort und ging nach Hause schlafen. Genauso, als ob ich wieder draußen leben würde. Jeder nächste Tag war genauso wie der vergangene. Es passierte nichts. Ich versuchte mich durch das Training abzulenken, aber ich dachte immer mehr an ihn. Ich wollte schon ein paar Mal nach ihm suchen gehen, ich kam Gott sei dank zu mir und hörte damit auf. Mich beschäftigte gedanklich nichts anderes. Ich versuchte vergeblich diese Gedanken zu vertreiben. Ich dachte nicht, dass ich so durchdrehe, bloß weil ich in Konoha bin. Anscheinend machte es einen Unterschied, ich war ja "weniger" getrennt von ihm. Narutooooo! Hör auf, meinen Kopf zu besetzen! Ich will es doch gar nicht!
 

Nach fast einem Monat ohne Beschäftigung und mit einem Kopf voll von Gedanken an Naruro, bekam ich einen Brief von Kakashi. Gott sei dank, es passierte etwas! Er lud mich wie abgemacht vor, um mich über die Einzelheiten aufzuklären. Anscheinend war ich eingestellt. Endlich werde ich mal wieder Geld haben und muss nicht jeden Tag in den Wald. Der Fisch kotzte mich mittlerweile an. Ich ging ausnahmsweise früh ins Bett.
 

Am nächsten Morgen war ich sogar leicht aufgeregt. Endlich hatte ich was zu tun! Ich hatte zum Frühstück Überreste vom Abendessen, zog mich schnell an und machte mich auf den Weg zu Kakashi. Als ich dorthin ankam, warteten auf mich einige Leute, ich war mir nicht sicher, wer sie alle waren. Einer davon war aber Shikamaru. Verdammt! Was macht er hier? Kakashi fing an:
 

-- Guten Morgen alle! Ich möchte Ihnen diesen jungen Mann vorstellen. Das ist Uchiha Sasuke-kun und er wird ab heute die Reihen des Anbu beitreten. Ich bitte Ihnen, ihn herzlich willkommen zu heißen.
 

Wir begrüßten uns und ich lernte die Namen kennen. Es waren insgesamt 5 Leute, Kakashi und Shikamaru inklusive. Shikamaru ist anscheinend Hokages Berater anstelle seines Vaters. Die anderen zwei Herrschaften bildeten das neue Rat der Älteren und der letzte war von der Shinobi-Allianz. Shikamaru guckte mich die ganze Zeit mit Verdacht an. Die zwei aus dem Rat der Älteren erklärten mir allgemein, was die Aufgaben eines Anbus sind und was ich alles beachten muss. Derjenige, der der Allianz gehörte, erklärte mir genau, was das jetzt alles mit der Allianz zu tun hat. Danach gingen sie und das Gespräch mit Shikamaru begann. Er erklärte mir, dass er die Fähigkeiten jedes einzelnen Shinobi kennen muss, damit er im Falle eines Krieges schnell planen kann. Er stellte mir hauptsächlich Fragen bezüglich meiner Fähigkeiten und notierte dann meine Antworten in einer Mappe mit der Aufschrift Uchiha, Sasuke. Es herrschte eine sehr angespannte Atmosphäre. Dann war er fertig und Kakashi musste schon wieder irgendwelche Formulare ausfüllen. Seit wann wurde denn Konoha so bürokratisch?! Als Letztes unterzeichnete ich alle Unterlagen, Kakashi gab mir eine Mappe mit den Unterlagen zur Mission, die ich demnächst erledigen muss. Er klärte mich über die Mission an sich und ihren Ablauf auf und ich durfte gehen. Ich verließ Hokages Büro zusammen mit Shikamaru. Zu meinem Bedauern musste er ein Gespräch anfangen:
 

-- Du bist zurück, ha? - fragte er etwas unfreundlich.

-- Ja.

-- Hmmm… weißt du schon von Narutos Verlobung?

-- Ja, - ich wollte jetzt nicht reden.

-- Hast du ihm bereits dazu gratuliert?

-- Nein, - kann das einfach nicht aufhören?!

-- Ich sehe… eigentlich waren die meisten nicht begeistert, dass du jetzt bei Anbu sein wirst. Kakashi hat dich aber verteidigt. Warum auch immer, er weiß doch, dass du ein Krimineller bist und wo du eigentlich hingehörst.

-- Du hast das aber nicht zu entscheiden, - mein Gott, keiner will deine Meinung wissen!

-- Das stimmt, - er musste mir recht geben, - Sasuke, ich weiß nicht, was du vorhast, aber mach bitte nichts Dummes diesmal.

-- Ja, das weiß ich auch ohne dich.
 

Eigentlich musste ich ihn bitten, Naruto nicht zu erzählen, dass ich hier bin. An sich macht es keinen Unterschied mehr. Wenn Shikamaru weiß, dass ich hier bin, ist es nur die Frage der Zeit, wann diese Information Naruto erreicht. Also beschloss ich, Shikamaru um nichts zu bitten und schneller das Gebäude zu verlassen. Wir liefen stumm nehebeinanader bis zur Eingangstür. Ich zählte die Schritte, die ich zurücklegte.
 

Als wir das Bürogebäude verließen, bog Shikamaru in die andere Richtung ab. Gott sei dank! Naja, jetzt ist die Sache mit Shikamaru egal. Ich habe endlich was zu tun! Ich nahm die Unterlagen aus der Mappe raus und studierte sie. Es war nicht viel drin, nur zwei Merkblätter und eine Anbu-Maske. Das erste enthielt das Wetterbericht von Kumo für den nächsten Monat und eine Karte. Auf dem zweiten Merkblatt waren der Treffpunkt mit den anderen 4 Shinobi, mit denen ich diese Mission mache, das Datum und die Uhrzeit des Treffens zu finden. Als ich das zweite Merkblatt durchlaß, verschwand die Tinte sofort.
 

In der Mission ging es darum, dass Raikage den Verdacht hatte, dass einer seiner engster Berater ein Verräter sei und angeblich eine Attentat auf ihn plane. Ein Team aus 5 Shinobi muss das rausfinden. Shikamaru und andere Berater von Kage, außer dem von Raikage, überlegten sich eine Strategie. Jeder hatte eine Aufgabe zu übernehmen. Ich musste den Verdächtigen unmittelbar beobachten, die anderen vier kümmerten sich darum, dass ich nicht entdeckt werde. Ich war damit zufrieden, ich dachte eigentlich ich bin mittlerweile gut genug, um jede Aufgabe einer Mission übernehmen zu können. Das Treffen war morgen und übermorgen ging es nach Kumo.
 

Mittlerweile kam ich nach Hause an. Es wartete eine Überraschung auf mich. Sakura saß vor meiner Tür! Sakura! Was zum Teufel?! Es klappte doch so gut mit dem überhaupt nicht reden!
 

-- Was machst du hier?! - ich schrie sie fast an. Ich war auf einmal ziemlich wütend.

-- Wie wäre es mit einem Hallo? - sagte sie und umarmte mich.

-- Geh weg von mir! - ich stieß sie weg, - du nervst.

-- Du hast dich gar nicht geändert, Sasuke.

-- Geh. Ich habe Sachen zu tun, - ich wollte nur, dass sie verschwindet.

-- Sasuke... Komm! Lass uns zusammen essen gehen!

-- Wie hast du es überhaupt mitbekommen, dass ich hier bin?

-- Shikamaru hat mir erzählt...

-- Arschloch... - ich dachte, dass es passiert, ich dachte aber nicht, dass so schnell.

-- Sasuke, bitte, - sie umarmte mich lästig wieder, - lass uns heute noch was machen!

-- Du lässt mich nicht mein Scheiß machen, oder? - ich dachte, mein Blut kocht gleich.

-- Bis du mit mir essen gegangen bist, nein.

-- Okay, dann bringen wir es hinter uns. Wir gehen in den Ramenladen, der hier in der Nähe ist.

-- Klingt gut.
 

Wir machten uns dann auf den Weg. Sakura nervte mich und ich wollte einfach nur schnell durch sein. Sie quatschte über irgendwas und ich hörte nicht zu. Wenn es schon so ist, frage ich sie wegen Naruto aus. Und dann pikst sie mich in die Seite:
 

-- Sasuke?

-- Was? - ich erschrak mich.

-- Seit wann bist du denn hier?

-- 4 Wochen vielleicht...

-- Warum hast du dich nicht gemeldet?! - fragte sie mit Empörung.

-- Ich hab keinen Bock auf euch…

-- Und was ist mit Naruto?

-- Auf den am meisten, - es stimmte so nicht, war aber auch nicht gelogen.

-- Na komm, Sasuke! Es wird doch spaßig sein! Warte mal, ich ruf ihn gleich an, vielleicht schließt er sich uns an.
 

Und dann nimmt sie ihr Handy raus und... ich schlage auf ihre Hand ein und das Handy fliegt auf den Boden. Wow, ich ging etwas zu weit, ich wollte sowas nicht machen.
 

-- Ich hab dir doch gesagt, ich will ihn nicht sehen! - ich war richtig wütend. Eigentlich war ich sauer auf sie, dass sie nicht aufhört, so Sakura zu sein.

-- Warum so genervt? - fragte sie mit etwas Angst.

-- Weil ich es dir bereits gesagt hab!

-- Okay, dann halt ohne Naruto. Erzähl doch was!

-- Ich habe nichts Interessantes erlebt.

-- Was hast du denn bei Kakashi gemacht? - sie versuchte verzweifelt das Gespräch am Leben zu erhalten.

-- Ich mache wieder Missionen und so.

-- Achso cool! Ich arbeite jetzt im Krankenhaus.

-- Mmm, - ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
 

Sie quatschte dann über das Krankenhaus und ihre Kollegen und und und… Ääääh, sie ist zu laut… wir kamen mittlerweile an.
 

-- Was willst du haben? - fragte sie mich.
 

Ich bestellte mir das Gleiche wie damals. Sie nahm das Gleiche wie ich. Natürlich… sie quatschte und quatschte, es hörte nicht auf. Irgendwann sagte sie doch was Interessantes:
 

-- Weißt du, Naruto unterrichtet jetzt in der Akademie.

-- Oooh, - ich war überrascht.

-- Ja, und ihm gefällt es dort sehr. Er sagt, die Kinder sind süß.

-- Und was unterrichtet er? Er kann doch nichts, oder? - das meinte ich ernst. Dummer Naruto…

-- Er unterrichtet die Kampftechniken. Du hast recht, das ist das Einzige, was er wirklich unterrichten kann.

-- Achso… - ich erinnerte mich an unseren Kampf. Naruto ist wirklich sehr in der Hinsicht gewachsen, - wie geht's ihm eigentlich so?

-- Ziemlich gut. Er hat sich sehr geändert. Er ist ja Jonin geworden. Er musste dafür viel lernen. Iruka-Sensei ist jetzt der Schuldirektor und, als Naruto die theoretischen Tests bestanden hat, bat er ihm den Job an. Besonders weil jetzt die Hochzeit bevorsteht… - sie brach den Satz ab.

-- Sakura, sag mal… - ich wollte sie eigentlich wegen der Hochzeit ausfragen, - meint Naruto das mit der Hochzeit wirklich ernst? Das passt gar nicht zu ihm…

-- Ja, für außenstehende mag es vielleicht so vorkommen… Du hast es ja nicht mitbekommen… Aber er änderte sich sehr. Er meint jetzt auch Sachen ernst… Das mit dem Jonin-Test… Er lernte jeden Tag 6 bis 8 Stunden dafür! Kannst du es dir vorstellen?! Und ich war oft bei ihm, hab ihm essen vorbeigebracht und trieb mich generell oft bei ihm rum, weil ich damals den Job noch nicht hatte, - als sie es erzählte, wünschte ich, ich wäre an ihrer Stelle und dürfte mich um Naruto auf dieser Weise kümmern - und er lernte wirklich. Manchmal schickte er mich weg, weil ich ihn ablenkte. Es hört sich unglaublich an, aber dadurch hat er den Jonin-Test relativ schnell hinter sich gebracht. Ich glaube, nach 3 Monaten oder so hat er schon sein Jonin-Rang bekommen.

-- Das würde ich gerne sehen, - ich wollte es nicht laut sagen.

-- Ja, hat mich auch sehr verwundert. Und dann als er den Job bekam, war er plötzlich nur noch am arbeiten. Er hat nichts unternommen. So wirklich gar nichts, - sie guckte mir direkt ins Gesicht und guckte gleich wieder weg, - ich hab mir schon Sorgen um ihn gemacht. Irgendwie wollte er gar keinen sehen. Es war so komisch… Du kennst ihn doch… Dann waren wir, glaube ich, zu einer Party eingeladen… warte mal, das war das Ehemaligentreffen von der Akademie… und er kam ausnahmsweise mit. Den ganzen Abend war er still und redete mit keinem. Er hat halt nur die Wand angestarrt, sozusagen. Ich hab versucht, mit ihm ein Gespräch zu beginnen. Vergeblich. Dann am Ende des Abends konnte ich etwas aus ihm rausziehen. Er erzählte mir, er würde sehr viel über die Opfer des Krieges nachdenken und dass es unfair sei, dass manche Leute für ihn quasi gestorben sind. Er hat mir dann auch gesagt, dass er sehr viel Zeit im Freien verbringe, deswegen würden wir uns nicht so oft sehen. Ich hatte aber danach das Gefühl, irgendwas fehlt. Er verschweigt irgendwas sehr Wichtiges, was ihm am meisten Sorgen bereitet. Weißt du es zufällig? - dann guckte sie mich nochmal direkt an.

-- Nein, ich weiß es nicht, - in mir entstand ein kleines Hoffnungsschimmer. Vielleicht machte er sich meinetwegen Sorgen?

-- Hmmm… schade…

-- Na, und was denkst du also? Meint er das mit der Heirat ernst?

-- Achso! - sie lächelte, - ich habe mich von der Frage abgelenkt… ich glaube schon, dass er alles ernst meint. Wie gesagt, er hat sich sehr geändert. Aber das mit der Heirat passierte alles so plötzlich… sie waren ja zusammen auf dem Mond, weil Hinata entführt worden war. Und nachdem sie zurück waren zack! und sie heiraten schon. Aber ich denke schon, dass Naruto sie liebt. Es tut immer so gut, die beiden anzugucken… - ihr Gesicht wurde verträumt, ich spannte mich aber an, - er macht sich Sorgen um sie und es ist ihm irgendwie nicht egal…

- Woran kannst du es denn festmachen? - mein Hoffnungsschimmer war gerade dabei auszugehen.

- Naja… er ruft sie immer an um zu wissen, wo sie sich aufhält und mit wem… er trägt immer schwere Taschen für sie und so… er bezahlt für sie meistens… im Winter hat er immer gefragt, ob ihr kalt ist… solche keine Nettigkeiten halt… ich weiß nicht, aber irgendwie kümmert er sich um sie. Er möchte, dass es ihr gut geht… keine Ahnung… und generell sind sie ein sehr harmonisches Paar. Sie sehen einfach gut nebeneinander aus. Wenn man die beiden sieht, denkt man, dass sie sehr gut zusammenpassen.
 

Als sie das alles erzählte, tat es mir in der Seele weh. Mein Hoffnungsschimmer ging eindeutig aus. Mein Herz blutete von innnen. Naruto und Hinata… und gleich heiraten… was soll das? Aber so wie Sakura es darstellte, ging es ihnen gut… ich habe anscheinend keine Chance. Du kannst es vergessen, Sasuke… lass Naruto einfach in Ruhe. Lass ihn sie heiraten.
 

Sakura erzählte noch mehr Quatsch. Ich konnte ihr nicht mehr zuhören. Irgendwann durfte ich nach Hause gehen. Als ich ankam, rollte ich mein Bett aus und legte mich auf den Rücken hin. Ich starrte die Decke an. Naruto… wirst du jemals meins sein? Es sieht momentan nicht gut für mich aus. Was mach ich nun? Eigentlich sollte ich mich freuen, das Problem löste sich von alleine. Aber ich war gar nicht mit der jetzigen Situation zufrieden. Ich will ihn haben… nur ihn… er ist doch meine Sonne!
 

Es schmerzte stumpf in meiner Brust und in meinem Rachen steckte irgendwas, was das Schlucken schwer machte. So mies ging es mir seit langem nicht mehr. Ich hatte das Bedürfnis jetzt gleich zu ihm zu gehen und alles offenzulegen. Einfach nur so. Ich will diese Last loswerden. Ich kann sie nicht mehr in mir tragen. Ich muss es ihm sagen. Naruto, ich liebe dich… ich liebe dich wie verrückt… ich möchte immer an deiner Seite sein, weil du mir sehr viel bedeutest… bitte nimm es mir nicht übel… es ist doch gar nicht so schwer! Es sind nur vier kurze Sätze. Aber in diesen Sätzen steckt mein ganzer Leiden nach ihm. Gleich vergaß ich, dass ich ihn meiden sollte. Ich will jeden Tag in deinen Armen aufwachen, Naruto. Oder wenigstens mich in deiner Nähe befinden. Vielleicht wird das doch was mit der Freundschaft? Ich entschloss mich dazu, ihm über meine Gefühle zu erzählen. Ich riskiere im Zweifelsfall unsere Freundschaft, wenn die Beziehung, die wir beide haben, überhaupt als Freundschaft bezeichnet werden darf. Der Eine ist in den Anderen hoffnungslos verliebt. Und dieser Andere ist verlobt… kann sich diese Beziehung wirklich "Freundschaft" nennen?!
 

Naruto, ich tat dir sehr viel Schmerz an. Ich weiß nicht, warum ich nicht früher gekommen bin. Jetzt bedauere ich es sehr. Aber ich liebe dich so, wie ich keinen geliebt habe. Ich liebe dich einfach nur wie verrückt… Naruto… du bist immer noch meine Sonne und ich hoffe, du würdest noch mir deine Wärme schenken.

Freude

Nach dem gestrigen Treffen mit Sakura stand das Treffen mit den vier Shinobi bevor. Ich zog mich an, frühstückte schnell, zog meine Maske rüber und verließ das Haus. Der Treffpunkt war auf der Karte mit einem kleinen Kreuz markiert. Bei meiner Ankunft warteten bereits zwei Leute in einer Anbu-Maske. Ich sprach sie mit dem Codewort an, es waren die richtigen. Kurz danach kamen die letzen beiden. Mein neues Team bestand aus vier Männern und einer Frau. Die Kollegen schienen mir angenehm und verlässlich zu sein. Wir besprachen die Mission und alles andere drumrum. Nach etwa zwei Stunden waren wir fertig und dann ging es zurück nach Hause.
 

Zu Hause musste ich mich auf die Reise nach Kumo vorbereiten. Es ging morgen um 4 los. Ich packte einen Rucksack mit Essen und etwas Kleidung. Es gab keinen Stichtag, an dem wir die Mission abgeben mussten, also nahm ich entsprechend viel mit. Der Tag verging ziemlich flott mit dem ganzen Vorbereitungskleinkramm und plötzlich brach der Abend an. Ich erledigte die vorgenommen Sachen und durfte mich endlich ausruhen. Stattdessen füllte sich mein Kopf mit Gedanken an Naruto. Verdammt, ich dachte, ich bleibe heute verschont. Als Sakura von Naruto und Hinata erzählte, vergaß ich sofort, dass ich ihn meiden sollte. Ich hätte früher zu ihm müssen, selbst wenn er mich abgewiesen hätte. Allein das, dass ich diese schwere Last losgeworden hätte, wäre genug. Ich wollte mich außerdem bei ihm für alles entschuldigen. Würde er mir tatsächlich vergeben? Hmmmm… vielleicht, vielleicht auch nicht…
 

Am nächsten Tag ging es pünktlich nach Kumo los. Der Weg dorthin dauerte fast eine ganze Woche. Im Laufe der Mission stellte es sich heraus, dass der Berater von einer unbekannten Gruppe mithilfe von einem Gadankenkontrolle-Jutsu ferngesteuert wird. In Kooperation mit Raikage und Kumos Shinobi unterbrachen wir das Jutsu. Daraufhin wurde die Allianzversammlung ausgerufen, um die geheime Gruppe ausfindig zu machen. Das war allerdings nicht mehr unser Problem. Unsere Arbeit war erledigt. Raikage bedankte sich bei uns herzlich und veranstaltete für uns ein Festmahl. Ich lehnte allerdings höflich ab.
 

Die gesamte Operation dauerte etwas länger als zwei Wochen. Meine Teampartner waren sehr verlässlich, wie es mir beim ersten Treffen vorkam, und die Zusammenarbeit mit ihnen machte mir sogar Spaß. Ich würde gern wieder genau in dieser Konstellation arbeiten. Nachdem alles vorbei war, brachen wir zusammen nach Konoha auf. Als wir nun Konoha erreichten, verabschiedeten wir uns in einer sehr freundschaftlichen Weise. Ich begab mich in Richtung des Uchiha-Viertels.
 

Nach einer Weile legte ich meine Maske ab. Von unserem Ankunftsort war es eine gute Stunde zu Fuß bis nach Hause. Ich konnte den langen ruhigen Spaziergang nur genießen. Die Natur um mich herum lachte und es herrschte ein sehr angenehmes Wetter: Die Sonne wärmte mein Gesicht, die Vögel zwitscherten und die Pflanzen dufteten angenehm nach dem späten Sommer. Wenn Naruto das Wetter wäre, wäre er bestimmt genauso. Komische Gedanken. Warum eigentlich Wetter? Ein seltsames Gefühl von Vorfreude ergriff mich Stück für Stück. Worauf freue ich mich eigentlich? Als ob ich ein kleines Kind war und auf meine morgige Geburtstagsfeier gespannt war. Hmmmm…
 

Mittlerweile erreichte ich das Uchiha-Viertel. Irgendwas war anders, obwohl sich nichts änderte. Ich lief umschauend um diese Änderung festzustellen, doch sie fiel nicht auf. Mit jedem Schritt mehrte sich diese seltsame Vorfreude. Sie brachte mein Chakrafluss durcheinander: Das Chakra strömte mit gewaltiger Kraft durch meinen Körper und machte mich euphorisch. Ich war buchstäblich mit positiver Energie geladen, von den Zehenspitzen bis hin zum Kopfwirbel, und mein Körper generierte ständig Nachschub. Diese Energie verliehe mir eine unglaubliche Leichtigkeit in den Gliedmaßen, als ob ich plötzlich beflügelt wurde. Gott, was ist das für ein Gefühl?!
 

Am Ende der Straße konnte ich bereits das Eingangstor zu meinem Haus sehen. Ich ging durch das Tor und diese euphorische Leichtigkeit verhundertfachte sich. Was ist das verdammt noch mal?! Ich lief zügig zu meiner Tür und… ich sah der Quelle meiner Vorfreude direkt in die Augen.
 

Auf den Stufen vor der Tür saß Naruto und grinste mich fröhlich an. Ich überflog kurz sein Äußeres. Er änderte sich: vor mir saß ein junger Mann mit etwas kantigen Gesichtszügen und einem naiv lebensfrohen Lächeln eines Dreizehnjährigen. Das Lächeln, in das ich mich einst verliebte… Seine Statur wirkte ebenfalls etwas weniger jugendlich. Der alberne Junge, als den ich ihn kennenlernte, machte eine erhebliche Wandlung. So fand ich ihn optisch viel ansprechender. Und er änderte seine Frisur: seine Haare waren sehr kurz geschnitten. Das Einzige, was mir in seinem neuen Aussehen nicht gefiel. Wo waren die sonnigen unordentlichen Locken von damals?
 

Zu sagen, dass ich unendlich froh war, ihn zu sehen, ist nichts zu sagen. Die Leichtigkeit in meinen Gliedmaßen haute mich komplett um, sodass sich mein Körper vollständig schwerelos anfühlte. Naruto sprang auf und rannte zu mir. Wenn er es nicht getan hätte, würde ich selbst auf ihn zurennen.
 

-- SASUKEEEEEEE!!!! - diese Stimme klang selbst nach all den Jahren unglaublich vertraut. Er bewegte sich so schnell auf mich zu, dass er zu fliegen schien. Und nichts auf der Welt könnte ihn dabei aufhalten.
 

Der Anblick vom fröhlich rennenden Naruto ließ die gesamte Angst verschwinden, die ich so mühsam über die Jahre sammelte. Plötzlich wurde alles vergessen, was ich im Bezug auf Naruto tun und nicht tun sollte. Alle bislang wichtigen Regel waren auf einmal nicht mehr wichtig. Hier und Jetzt bedeuteten am meisten. Nun erreichte er mich, warf sich in meinen einen Arm, hängte sich über meinen Hals und drückte mich fest an sich. Seine Arme schlossen sanft meinen Oberkörper um. Ich griff instinktiv nach ihm zurück und im nächsten Moment wickelte sich mein Arm um seine Taille um. Er legte seinen Kopf auf meine Schulter und seinen Atem berührte meine Haut. Ich schloss genüsslich meine Augen und atmete sein Geruch ein. Diese Umarmung lag außerhalb jeder freundschaftlichen Grenze, sie war zu intim. Aber ehrlich gesagt fand ich sie unfassbar schön. Am liebsten würde ich den Rest meines Lebens in seinen Armen verbringen.
 

Er löste sich nach ein paar Augenblicken von mir und guckte mich aufgeregt an. Seine großen blauen Augen blickten genauso lachend unschuldig wie damals. Er war so traumhaft schön! Mir wurde nun bewusst, dass ich ihn schon die ganze Zeit ununterbrochen anstarre. Ich schloss ihn wieder fest in meiner Umarmung. Seine Nähe war zu lang ersehnt für mich und er nahm sie mir zu schnell weg. Fast vergaß ich, dass er selbst immer noch dabei ist, aber sein weiches leises Halbflüstern erinnerte mich daran:
 

-- Du hast mich auch doll vermisst, ha? - dieser kleiner Satz taute endgültig mein Herz auf. Ich liebe ihn doch… ich liebe ihn wie verrückt…

-- Ja, - flüsterte ich zurück.
 

Ich schaute ihn an und sein Blick traf mich. Mich anguckend, lächelte er so liebevoll und so romantisch! Ich fuhr innerlich in einer Emotionsachterbahn. Zum ersten Mal erlebte ich so eine mächtige Aufregung! Es fühlte sich so surreal an. Ist es wirklich ich, den Naruto in seinen Armen hütet? Passiert es wirklich mir? Bevor ich es realisieren konnte, löste er sich von mir und sagte in einem eher freundlichen Ton, was mich zurück in die Wirklichkeit holte:
 

-- Dann ist es sehr schön! Ich habe schon überlegt, was wir alles machen können. Konoha änderte sich sehr in den letzten zwei Jahren, also muss ich dir noch soooooo viel zeigen! Ich frage dich gar nicht, ob du Bock drauf hast, du kommst einfach mit.

-- Okay… - konnte ich nur darauf antworten. Mein Verstand war immer noch leicht benebelt und er redet immer noch so laut!

-- Du bist irgendwie komisch… ist was los? - er guckte mich besorgt an.

-- Nichts… - und dann fielen mir die Worte aus dem Mund, - ich bin nur froh, dich wiederzusehen.
 

Er sagte nichts, schlug verlegen die Augen nieder und lächelte zu sich. Sein Lächeln wurde wieder liebevoll, verträumt und romantisch. Kaum ein Moment verging, änderte sich sein Gesicht als ob nichts gerade eben passierte. Bildete ich es mir etwa ein?
 

-- Na komm! Wir gehen jetzt! - er nahm meine Hand und zog mich gewaltsam in die Richtung vom Tor.

-- Warte doch, - ich konnte endlich zu meinen Sinnen vollständig zurückkommen, - lass mich wenigstens mein Kram zuhause ablegen. Ich bin schnell wieder da.

-- Okaaaaay! - rief er mir energetisch hinterher, - beeil dich!
 

Ich beeilte mich tatsächlich und machte alles hektisch. Zack! Die Tür ging auf. Bum! Mein Rucksack landete schmackhaft auf den Fußboden. Bäm! Die Tür fiel zu und ich rannte nun zurück zu ihm.
 

-- So, jetzt können wir los! - er steckte mich mit seinem Enthusiasmus an.

-- Yaaaay! Rumhängen! Rumhängen! - skandierte er. Ich konnte nur schmunzeln. Warum war er mein Lieblingsmensch nochmal?
 

Es wurde ein sehr wunderschöner Tag. Er zeigte mir den neuen Aussichtsturm, das neue Kino, das Ichiraku-Ramen… Er erzählte ein bisschen was über fast jedes neu gemachte Gebäude, an dem wir vorbeiliefen. Generell hörte er nicht auf zu reden. Ich hatte ein nostalgisches Gefühl: er erzählt Sachen, ich höre zu. Schön, dass alles immer noch beim Alten ist. Er rutschte sofort in seine dummen Witze ab und diesmal machte ich mit. Seine unverfälschte aufrichtige Freude war sooo ansteckend. Ich ließ mich mitziehen und es tat unglaublich gut. Er scheint immer noch meine Sonne zu sein.
 

Er wurde irgendwann für einen Moment still und fuhr mit einem anderen Thema fort:
 

-- Ich möchte dich heute zum Abendessen einladen. Hinata kocht heute Katsudon, - ich fürchtete diesen Moment, wenn Naruto Hinata im Gespräch erwähnen würde. Und es passierte jetzt.

-- Neee, ich würde lieber zu Hause essen. Aber danke, - als Sakura mir die Beziehung von den beiden beschrieb, konnte ich es nicht ertragen. Wie soll ich dem noch zusehen?

-- Na komm! Hinata kocht ziemlich lecker. Außerdem könnt ihr euch etwas näher kennenlernen. Es wäre cool, wenn ihr euch befreunden könntet.

-- Es ist zwar sehr nett von dir, ich muss aber dankend ablehnen, - genau das wollte ich nicht. Ich wollte nicht Hinata kennenlernen. Und ich wollte sicher keine Freunde mit ihr werden.

-- Sei doch nicht so lahm! Dir wird kostenloses Essen angeboten! Was kann denn schöner sein als ein leckeres kostenloses Essen?
 

Du.
 

Dieses kleine Wörtchen unterband meine gesamten Denkfähigkeiten und hallte in meinem Kopf unaufgefordert nach. Wie soll ich mir da eine gute Ausrede einfallen lassen?!
 

-- Ich… ähm… - ich murmelte mit Mühe irgendwas, aber er unterbrach mich.

-- Hör auf dich wie eine Jungfrau vor dem ersten Mal aufzuführen und komm einfach mit! Mein Gott… - er machte schon wieder seine komischen Scherze, - ich biete dir doch nichts skurriles an…
 

Nun bemerkte ich es: er schlug seinen Blick flüchtig nieder und richtete in Kürze seine Augen auf mich. Seine beiden Augen schauten mich wie gewohnt an. So, wie sie einen besten Freund anschauen müssen. Diesmal fing ich diese flüchtige und… oh Gott… sogar verliebt wirkende Verlegenheit. Und nein, ich bildete es mir nicht ein…
 

-- Naja… schließlich ist es nur ein Abendessen. Wenn du nicht willst, dann…

-- Ist schon gut, ich bin dabei.

-- Hab ich dich wirklich überredet?! - rief er überrascht aus.

-- Ja-ja, - sagte ich etwas erschöpft. Er ist immer noch wie ein kleines Kind. Und er wird Hokage… oh Gott, armes Kohona.

-- Wie cool! - mit diesen Worten bescherte er mir ein sehr zufriedenes Lächeln.
 

Und so stand fest, dass ich Hinata kennenlerne. Ich erwartete diese Stunde mit Unruhe und dummerweise ließ ich es mir anmerken. Naruto fragte ein paar mal nach, ob es mir gut ginge. Natürlich bejahte ich die Frage jedesmal, obwohl es so nicht wirklich stimmte. Wir verabredeten uns für morgen und ab da wusste ich, dass es wirklich kein Zurück mehr gibt. Ich lerne Hinata Hyuuga kennen. Die glückliche Frau, die meine Sonne heiraten wird.
 

Naruto verhielt sich aber wie damals. Er schien die ganze Sache mit uns einfach vergessen zu haben. Er unterhielt mich und sich selbst auf eine ganz natürliche Art und es bereitete ihm augenscheinlich einen riesengroßen Spaß. Ich sah, wie er sich selbst genießt, und dass er sich extrem wohlfühlt. Das half mir immens und besänftigte meine Unruhe.
 

Mittlerweile kamen wir zu Hyuuga nach Hause an. Hinata wartete auf uns am Haupteingang. Als sie uns bemerkte, wank Sie uns zu und Naruto lief zügig zu ihr. Er umarmte sie vorsichtig und küsste sie ganz kurz am Mund. Mir wurde dabei etwas unheimlich und ich nahm ungewollt meinen Blick von ihnen. Wir traten nun das massive Haus ein und begaben uns in den geräumigen Speisesaal der Hyuuga Residenz.
 

Nun durfte ich den beiden zusehen. Sakura hatte recht, sie sahen einfach nur gut aus. Narutos Handeln und Sprechweise zu Hinata waren sehr höflich und zuvorkommend. Mit seinem ganzen Wesen erweckte er den Anschein sich extremst um sie zu kümmern. Oder, besser gesagt, um sie bekümmert zu sein. Er übernahm viele Kleinigkeiten für sie und auf den ersten Blick sah die Beziehung perfekt aus. Aber nur auf den ersten Blick. Dieser Beziehung mangelte an etwas essentiellem und dieses etwas weigerte sich mir bis zum Ende des Abends zu offenbaren.
 

Hinata änderte sich ebenfalls zum bessern: sie war nicht mehr so schüchtern und redete für sich. Ich musste nun feststellen, dass sie eine sehr angenehme Gesprächspartnerin ist. Ich spürte, dass sie sich Mühe gibt und es ihr nicht egal ist, ob wir beide zum gemeinsamen Nenner kommen. Zeit lief flott und plötzlich wurde aus einer ungewollt akzeptierten Einladung ein sehr schöner Abend mit meinem besten Freund und seiner charmanten Verlobten. Vielleicht kann ich die bittere Realität doch akzeptieren? Kaum passierte der Gedanke meinen Kopf, wurde mir diese bittere Realität auf dem Teller serviert und Hinata sprach mich an:
 

-- Sasuke-kun, ich hoffe, du weißt, dass wir dich zu unserer Hochzeit einladen. Du bist schließlich Narutos bester Freund, - es wirkte auf mich wie ein Messerstich in den Bauch. Nein, ich kann die Sachen nicht so stehen lassen. Ich kann die Realität nicht akzeptieren, - hat Naruto dir schon die Einladung gegeben?

-- Nein, wir waren heute ziemlich viel unterwegs…

-- Naruto… - Hinata sprach ihn vorsichtig an, aber der Blonde sprang bereits auf.

-- Gleeeeeeeich! - er holte rennend die Karte und hüpfte wieder auf seinen Stuhl, - bitte schön!
 

Er übergab mir die Einladungskarte, ein physischer Manifest davon, dass er niemals mir gehören wird. Ein stumpfer Schmerz schlich sich in meine Brust ein und die Tränen drückten auf meine Augen von innen. Bitte nicht jetzt! Nicht emotional werden! Es ist nur die Hochzeit deines besten Freundes, nichts weiter.
 

Ich nahm die Karte und machte sie auf. Jeder einzelne Buchstabe des Einladungstextes war sorgfältig in einer kalligrafischen Schrift geschrieben. Am Anfang laß man: "Wir freuen uns, unsere Liebe in einem Kreis von Freunden und Familie feiern zu dürfen…" Unsere Liebe, ha? Ihr liebt euch also… schön für euch, was? Ich überflog kurz den restlichen Text und nun wurde es mir tatsächlich klar: die beiden ziehen es wirklich durch. Und es gibt kein Zurück mehr.
 

Was mir dabei verblieb, war mit einem Loch im Herzen am Narutos Tisch zu sitzen und sich innerlich übers Geschehene zu ärgern. Es tat so weh… ich ließ mir trotzdem eine sehr plausible Entschuldigung für den Abschied einfallen und ich machte mich bereits im Flur bedankend fürs Essen fertig. Naruto wollte mich bis zum Tor begleiten und kam mit mir mit. Warum nur?
 

Wir liefen stumm nebeneinander. Die Luft war dickflüssig, zäh und voll mit Verlegenheit. Es war richtig unangenehm. Endlich erreichten wir das Eingangstor. Wir standen weiterhin wortlos rum ohne einen Plan was wir als nächstes machen sollen. Plötzlich drückt er mich fest an sich ohne ein Wort zu sagen. Ich versank in seine zärtliche Umarmung und löste mich in ihr auf. Mein Kopf landete auf seine Schulter und ich versteckte mich hinter seinem Rücken vor der bitteren Wirklichkeit. Er wollte mich beschützen und sein Rücken wurde zur meinen Festung. Es war so geborgen bei ihm! Gleichzeitig kam der Gedanke an die Hochzeitseinladung und ich verspürte schon wieder den stumpfen Schmerz in meiner Brust. Daraufhin klammerte ich mich an ihm so fest, wie ich nur konnte. Mehr als alles andere auf der Welt wollte ich, dass er bei mir bleibt.
 

Die Umarmung dauerte nur ein paar Sekunden, es reichte mir aber um in den Himmel zu steigen und dann plötzlich zum Absturz gezwungen zu werden. Ich drückte ihn immer noch fest und für einen ganz kurzen Moment spürte ich, dass er meinen größten Wunsch erfüllt, aber er bewegte mich sanft zur Seite.
 

-- Dann bis morgen? - sagte er locker, als ob diese Berührungen nichts für ihn bedeuteten.

-- Ja. Wann soll ich bei der Akademie sein?

-- Komm um 15 Uhr, da sollte ich Schluss haben.

-- Abgemacht. Dann bis morgen!
 

Das Loch in meinem Herzen weitete sich noch ein kleines wenig. Ich ging zu Fuß nach Hause und der Spaziergang gab mir die Möglichkeit das ganze adäquat zu verarbeiten. Obwohl die Wirklichkeit wehtat, wollte ich trotzdem bei ihm sein. Er hatte schon wieder volle Kontrolle über meine Gefühlswelt, genauso wie damals. Nur nach einem einzigen Tag. Einfach erstaunlich… was soll das nur? Warum?
 

Am nächsten Tag holte ich ihn von der Arbeit ab. Er zeigte mir erstmal die Akademie und danach besichtigten wir wieder interessante Orte von Konoha. Heutiger Tag wurde wieder sehr schön. Ich vergaß fast, dass es noch was anderes gibt, außer uns beiden. Er scherzte mit mir rum, lachte laut und machte teilweise unglaublichen Unsinn. Abends stiegen wir auf den Berg mit den Kage-Gesichtern um die Wette. Und zwar von vorne. Das war alles seine Idee. Als wir oben ankamen, war es schon dunkel und man konnte die Sterne beobachten. Er rief sehr energisch aus: "Ist es nicht schön?" setzte sich hin und starrte verträumt in den Himmel. Ich wollte mit ihm Sterneschauen gehen. Jetzt passiert es. Unglaublich! Es ist so romantisch! Ich will, dass wir einen zärtlichen Kuss teilen! Ach, wenn ich ihn nur anfassen dürfte! Stattdessen setzte ich mich wortlos neben ihm. Mein Gott, er ist in der greifbaren Nähe und ich kann trotzdem nichts machen…
 

-- Warum hast du deine Haare abgeschnitten? - fragte ich spontan.

-- Alle sagten mir, ich würde unordentlich aussehen und dann ließ ich mich überreden. Und das ist das Ergebnis. Mir gefällt es und alle anderen finden die Frisur auch toll. Und was denkst du? - er guckte mich direkt an.

-- Ich finde die alte Frisur besser…

-- Was?! Die mit den verrückten Haaren?! - er war sehr überrascht.

-- Ja, genau die.

-- Wow, du bist die erste Person, die diese Meinung vertritt, - er guckte nachdenklich weg.

-- Das passt besser zu deinem Wesen, du bist schon immer so unordentlich gewesen…

-- Tja, das stimmt schon, - sagte er wieder sehr nachdenklich. Er änderte dann das Thema, - sag mal, Sasuke, du hast mich ja jetzt für ne Weile nicht gesehen. Hab ich mich irgendwie geändert?

-- Was meinst du genau?

-- Na alles halt, charakterlich, äußerlich… irgendwas.

-- Äußerlich definitiv, charakterlich kommst du mir aber genauso rüber, wie damals.

-- Hmmm… nicht so gut…

-- Wieso?

-- Ich versuche mich ja etwas seriöser zu verhalten. Ich möchte, dass mich die Öffentlichkeit als einen würdigen Nachwuchs-Hokage sieht.

-- Wow! Kaum zu glauben, dass sowas von dir kommt!

-- Hä? Wieso denn kaum zu glauben? - warf er mir zu.

-- Nichts, es hört sich nur megaernst an…

-- Jaa, es soll auch so sein, - er seufzte, - es ist aber manchmal richtig langweilig… und manchmal ist es sogar ziemlich anstrengend… aber ich mach es trotzdem gern.

-- Du lässt es aber dir ganz gut nicht anmerken, - ich schmunzelte schadenfroh, - du kletterst immer noch vorne auf den Hokage-Gesichtern…

-- Hallo?! Ich darf mir wohl eine Pause vom ganzen gönnen, ja?! Ich habe schon lange nicht mehr so viel Unsinn gemacht, - er lächelte mich an, - fühlt sich gut an…
 

Er machte kniff seine Augen genüsslich zu und streckte sich wie eine Katze aus. Das riesige Grinsen verließ dabei nicht seine Lippen.
 

-- Sasuke, - der Klang meines Names auf seiner Zunge zwang mein Herz zum freudigen Zusammenzucken. Ich bekam eine leichte Gänsehaut, - schön, dass du wieder zuhause bist.
 

***
 

Die nächsten Monaten waren die glücklichsten in meinem ganzen Leben. Wir sahen uns regelmäßig, nämlich mindestens einmal pro Woche. Er lud mich herzlich in seine Welt ein und ab und zu durfte ich ihn bei verschiedenen Aktivitäten beobachten. Ich überzeugte mich dadurch endgültig, dass er doch ziemlich ernst wurde. Manchmal wirkte er sogar täuschend vernünftig. Doch sobald wir alleine wurden, kam sein albernes dreizehnjähriges Ich zum Vorschein und es ging los.
 

Aber nicht alles war komplett rosig. Naruto sendete mir manchmal nonverbale Signale, die ich sofort als eine starke Zuneigung deutete: zweimal pro Treffen umarmten wir uns auf dieser intimen Weise und zudem gab es diese flüchtige und gar verliebt wirkende Verlegenheit, die ich in Gegenwart keiner anderen Person außer meiner feststellen konnte. Ich beobachtete ihn doch nicht umsonst! Es schuf natürlich Missverständnisse meinerseits und ich machte mir ungewollt Hoffnungen, dass unsere Freundschaft doch keine Freundschaft ist. Was wenn ich immer noch auf irgendwas hoffen kann? Unsere Beziehung ist immer noch kurios und kann sich eindeutig nicht Freundschaft nennen. Es ist leider nicht einfach mit ihm. Das war es allerdings auch nie.
 

Trotz der ganzen Schwierigkeiten sehnte ich mich wie verrückt nach ihm. Seine sonnige Art war dieser seelischen Anstrengungen wert. Er war es einfach wert. Er erinnerte mich daran, dass das Leben eigentlich eine schöne Sache ist und dass es eine gewisse Wertschätzung verdient. Und Naruto schenkte mir diese wertvollen Stunden. Also lebte ich vom Treffen zu Treffen und jedes Mal, als ich ihn endlich wieder sah, kannte meine Freude keine Grenzen. Alles wie beim ersten Mal. Solange er mich bei sich haben will, bleibe ich an seiner Seite.
 

Zwischendurch kamen natürlich die weniger spannenden Sachen wie Missionen. Ich erledigte in diesem Zeitraum zwei kleine Missionen in Suna und in einer kleinen Nation und eine etwas größere in Kumo, die wieder mit dem Berater von Raikage zu tun hatte. Wir waren 5 Wochen lang getrennt. Ich vermisste ihn währenddessen so sehr und jede Nacht suchte dieser blonde Schwachkopf meine Träume auf. Dann war ich endlich wieder zurück. Die Szene vom ersten Treffen wiederholte sich, diesmal rannte ich aber zu ihm.
 

Naruto hatte ebenfalls mit seinem eigenen Alltag zu kämpfen: Arbeit, Hochzeitsplanung und Hinata. Jedoch fand sich Woche für Woche ein kleines Plätzchen für mich in Narutos vollgepacktem Terminkalender. Manchmal kam Hinata mit oder Naruto lud Sakura ein. Es war aber so, dass Sakura sehr viel arbeitete und Hinata selten was unternehmen wollte. Eigentlich war unsere Zweisamkeit eher zufällig. Und ich betrachte den Zufall als sehr glücklich.
 

Nachdem alle interessanten Orten von Konoha besichtigt worden waren, machten wir zusammen oft nichts spannendes: hockten zu Hause zusammen rum, kochten, räumten auf, gingen einkaufen oder erledigten sonst welchen alltäglichen Kram. Manchmal gingen wir irgendwo hin, es passierte aber eher selten. Trotzdem war jede einzelne Sekunde unersetzlich und sehr teuer. Und das Erstaunliche war, dass es niemals langweilig wurde. Uns ging nie das Gesprächsstoff aus, wir lachten oft über irgendwelche Dummheiten und Naruto überredete mich ab und zu irgendwelche dummen Sachen selbst zu machen. Er machte natürlich selbst oft Dummes. Wir hatten auch mal ernstere Gespräche über das Leben, die Arbeit oder ähnliches oder machten mal was sinnvolles. Ich half ihm zum Beispiel seine Wohnung zu renovieren. Das Einzige, was ein unbenanntes Tabuthema war, war Narutos Beziehung. Wir redeten nie darüber und es war gut so. Trotzdem bekam ich mit, dass Hinata unsere Zweisamkeit als zu oft und etwas lästig empfindet. Mich kümmerte es aber nun gar nicht, denn meine Sonne schien für mich etwas längerfristig. Meine Freude darüber war unbeschreiblich.
 

Eines Tages lud er mich zu einer Veranstaltung von der Akademie ein. Was heißt eigentlich "einlud", er verkündete lediglich, dass ich mitkomme. Na von mir aus… Es handelte sich um das jährliche Treffen für alle Absolventen. Naruto war ohne Ende begeistert darüber und redete jedem ein, die Veranstaltung unbedingt zu besuchen. Er überredete sogar Hinata mitzukommen und sorgte dafür, dass Sakura, Shikamaru und alle anderen aus unserer ehemaligen Klasse frei bekommen. Er verbreitete sein Enthusiasmus überall, wo er auftauchte. Ich fand sein ununterbrechbares Tun anstrengend, sagte aber nichts dazu. Schlimmer war, dass er mich überall miteinbezog. Nur seinetwegen quälte ich mich still dadurch.
 

Dann kam der Tag, an dem das große Treffen stattfand. Die ganze Akademie war seit einer Woche auf den Kopf aufgestellt. Heute fand ausnahmsweise kein Unterricht statt. Naruto half selbstverständlich aus und ich war selbstverständlich auch dabei. Heute Abend war Naruto nicht nur zum Spaß da, er musste nämlich aufs Organisatorische aufpassen. Er schlüpfte gern in diese Rolle und kommandierte entschlossen rum. Es war ein sehr witziger Anblick, aber er dirigierte der ganzen Prozession tatsächlich gar nicht so schlecht. Nun fing die Veranstaltung an und gleich zu Beginn erschienen zahlreiche Absolventen der Akademie. Jeder einzelne brachte gute Laune mit. Ich fand Naruto einfach nur entzückend: er schien buchstäblich für die angekommenen Gäste wie eine kleine warme Sonne.
 

Nachdem sich Iruka-Sensei bei Naruto für die Hilfe bedankte, schlossen wir uns unserer Klasse an. Naruto war am lautesten von uns allen und eigentlich war er der Hauptstimmungsmacher. Als die offizielle Veranstaltung vorbei war, war Naruto ziemlich besoffen und wollte mit dem Feiern nicht aufhören. Die meisten vertraten die gleiche Meinung. Jemand schlug vor in eine Bar zu gehen und oh Gott krallte sich Naruto an Idee fest! Keiner konnte ihn umstimmen, nichtmal Hinata. Er wurde sogar etwas grob mit ihr. Sie war im Endeffekt für ihre Verhältnisse stinksauer und bat mich darum, dass ich auf ihn aufpasse. Danach verließ sie in stolzer Einsamkeit die Räumlichkeiten der Akademie. Die verbleibenden Säufer begaben sich dagegen in eine Bar.
 

Nach so einem intensiven menschlichen Kontakt lag es mir nicht nahe, mich noch weiter zu betrinken und dennoch befand ich mich in einer kleinen vollgepackten stickigen Bar. Mit jeder Stunde rutschte der Abend ins Verderben ab. Sakura war nicht mehr scheu mich anzufassen und ich mied sie um jeden Preis. Ich klebte an Naruto in der Hoffnung, dass es Sakura in seiner Gegenwart nicht privat genug sein wird. Und Naruto klebte fest am Alkohol und daran, dass alle weiter trinken. Irgendwann fand ich mich sitzend zwischen dem schlafendem Naruto von links und der besoffenen Sakura von rechts. Sie belästigte mich ziemlich eindeutig und der schlafende Naruto konnte sie nicht mehr davon abhalten. Im Endeffekt brach sie weinend auf meiner Schulter zusammen und somit reichte mir ihre Gesellschaft für heute. Ich steckte sie in den nächsten Taxi und schlug die Tür erlöst zu. Mein zweites Problem hieß Naruto Uzumaki. Das Problem schlief fest und schien nicht selbständig laufen zu können, weswegen ich für uns einen Taxi organisierte. Naruto musste zum Auto getragen werden und Gott sei dank fanden sich ein paar freiwillige Helfer. Ich war sauer auf ihn. Wie kann man sich so besaufen?! Im Auto wurde er wach und fragte in einer sehr betrunkenen Stimme:
 

-- Wo sind alle?

-- In der Bar.

-- Okay… Wo sind wir dann?

-- Im Auto. Wir fahren nach Hause. Es reicht für heute.

-- Neeeeeeeein…
 

Er schlief direkt wieder ein und sein Kopf fiel leblos auf meine Schulter. Er schnarchte laut, sein Mund war weit offen und die Spucke lief ihm runter. So unansehnlich, dieser Naruto! Das Schlimmste an der ganzen Situation war, dass ich ihn tatsächlich sehr süß fand. Warum, Gott verdammt?! Er ist doch eine betrunkene Sau! Aber… er ist meine betrunkene Sau. Ich machte ihm die Spucke weg, umarmte ihn vorsichtig und steckte meine Nase in seine Haare. Mit zugemachten Augen lauschte ich seinem unregelmäßigen Schnarchen.
 

Wir kamen an und Naruto musste schon wieder getragen werden. Diesmal bescherte er mir viel Probleme, mit einem Arm war Naruto sehr schwer zu händeln. Ich legte ihn vorsichtig auf mein Bett und machte mich selbst bettgehfertig. Ich suchte ihn ganz kurz auf, um eine gute Nacht zu wünschen. Ich setzte mich auf die Bettkante und schaute ihn an. Schlafend zu sein stand ihm einfach nicht: sein Körper nahm eine krampfhafte unmenschliche Position an, seine Haare verklebten sich zu spitz aufgestellten Nadeln und seine Lunge produzierte laute tierische Geräusche. Ich fand ihn dennoch unendlich süß. Ich bin so hoffnungslos! Gute Nacht, meine betrunkene Sau. Ich konnte es mir nicht verkneifen, küsste ihn leicht an die Stirn und ging selbst ins Bett.
 

Die Nacht verlief für mich unruhig. Ich war nur am Rumwälzen ohne ein Auge zuzutun. Und die ganze Nacht plagte mich das Verlangen nach ihm. Ich stellte mir vor, wie ich mich zu ihm legen würde, und wie schön sich seine Nähe anfühlen sollte. Ich wollte mich heimlich zu ihm ins Bett einschleichen, aber diese Idee was leider mehr als ziemlich abstrus. Meine Schlaflosigkeit war auch Narutos Schnarchen zu verdanken. Er schnarchte so laut, dass die Fensterscheiben vibrierten. Mein Gott, Hinata tut mir schon irgendwie leid. Ich versteh jetzt, warum sie immer noch getrennt wohnen.
 

Am nächsten morgen hörte ich ein lautes "Sasuke?" aus meinem Zimmer, das mich aus dem flüchtigen Schlummern entriss. Ich begab mich voll sauer zu ihm und guckte ihn strikt an:
 

-- Was? - warf ich unfreundlich.

-- Guten morgen, - begrüßte er mich ziemlich schwach.

-- Was willst du?

-- Kannst du mir bitte ein Glas Wasser bringen? - seine Stimme zitterte.
 

Ich atmete nur tief durch und besorgte ein verdammtes Glas Wasser für ihn.
 

-- Hier, - ich drückte ihm das Glas in die Hand.
 

Er versuchte sich im Bett hinzusetzen, brach aber zusammen und lag wieder.
 

-- Kannst du mir bitte hochhelfen? - fragte er etwas jämmerlich.
 

Ich nahm ihm das Glas weg und stellte es ab. Gestriges Getrage von seinem leblosen Körper löste in mir unangenehme Flashbacks aus. Ich hatte jetzt so gar keine Lust auf Anstrengungen jeglicher Art und nun musste Narutos trotzdem hochgehoben werden. Ich setzte mich auf seine Oberschenkel um ihn mit Rinnegan hochzuziehen. Nun saß ich auf ihm und blickte auf ihn herab. Obwohl seine Augen mich etwas verängstigt anstarrten, meine ich ein unverfälschtes Interesse darin erblickt haben. Ich stellte mir sofort vor, was wir alles in diesem Bett miteinander anstellen könnten, und meine Gedanken spielten mir bereits ein bildhaftes detailreiches Kopfkino vor. Ich erregte mich dadurch… ummm, Naruto, du bist einfach nur zum Anbeißen!
 

-- Was machst du eigentlich? - fragte er dumm.

-- Banshou Tennin, - sagte ich leise.
 

Sein Körper wurde ruckartig zu mir hochgezogen und ich fing ihn auf. Sein verpeilter Gesichtsausdruck und fragender Blick machten ihn zauberhaft. Gott, alles was er macht, ist süß ohne Ende! Ich konnte nicht mehr sauer auf ihn sein. Naruto, warum nur bist du so anziehend? Meine Lippen formten sich ungewollt zu seinem heimlichen Lächeln.
 

-- Stütz dich, - befiel ich ihm.

-- Okay, - er stützte sich mit einem Arm und löste sich dadurch von mir. Er nahm das Glas und trank es aufeinmal leer.
 

Ich saß immer noch auf seinem Schoss. Die Aktion war leicht "mehr als nur freundschaftlich", aber am Anfang war sie zumindest plausibel. Jedoch wurde sie mit jeder weiteren Sekunde, die ich auf seinem Schoß verweilte, viel viel heikler. Ich musste mich so schnell wie möglich von ihm trennen, ansonsten beherrsche ich mich vielleicht nicht… eins, zwei, drei! Und schon waren wir körperlich getrennt. Ehrlich gesagt erhoffte ich mir, dass er mich aufhielte. Und zwar mit einem leidenschaftlichen Kuss, der ganz unbemerkt ins Rumknutschen überginge… und dann… naja, er ist doch für solche Sachen erwachsen genug, oder? Allein die Gedanken daran brachten meinen Körper zum Durchdrehen. Mein Herz schlug gegen meine Rippen mit unglaublichen Häufigkeit, auf meiner Stirn bildete sich ein klebriger Schweißfilm und ich atmete sehr tief durch den Mund ein. Zum Glück war Naruto immer noch zu betrunken, um meiner körperlichen Überforderung überhaupt irgendeine Achtung zu schenken. Er trank sein Wasser und stürzte direkt ins Bett ab, kurz nachdem ich seinen Schoß verließ.
 

-- Wie geht es dir? - sprach ich ihn an.

-- Dreckig, - er warf mir einen wehleidigen Blick zu, - ich betrinke mich ziemlich schnell. Und dir?

-- Nicht so schlimm. Ich bin nur ziemlich müde, weil jemand gewisses wie ein Riesenwasserfall schnarcht.

-- Tut mir leid, - sagte er verlegen.

-- Naja, ist okay… ich kann schlafen, wenn du weg bist. Ich habe Hinata doch versprochen, dass du unversehrt bleibst.

-- Ist sie sehr sauer auf mich?

-- Ja, du bist gestern ziemlich eklig geworden.

-- Scheiße, - verkündete er nachdenklich, - sie wird bestimmt noch ein paar Tage sauer sein. Aber ich hatte trotzdem so viel Spaß, - er guckte mich müde und irgendwie liebevoll an, - hattest du auch Spaß oder habe ich dir doch den ganzen Abend versaut?

-- Ich kann sagen, dass ich gestrigen Abend bis zu einem gewissen Punkt sehr genossen habe, und insgesamt verlief alles okay… - ich legte eine lange Pause

-- Schön zu hören, - seine Lippen formten sich zu einem zauberhaften Lächeln.

-- Also mach dir meinetwegen keine Sorgen, sorge dich lieber um deine Verlobte.
 

Mit diesen Worten wurde er plötzlich bekümmert. Ein bedrücktes Seufzen verließ seine blasse Lippen:
 

-- Ich muss jetzt Hinata anrufen, - verkündete er nun.
 

Er versuchte aufzustehen und es misslang ihm. Er kippte richtig miserabel um. Ich konnte nicht tatenlos dabei zusehen und…
 

-- Kann ich irgendwas für dich tun? - die Worte sprangen von meiner Zunge ab.

-- Es wäre nett, wenn du mir mein Handy bringen könntest… Es ist irgendwo in meinem Pullover.
 

Ich stürzte in den Flur, kam blitzschnell mit seinem Handy zurück und drückte es ihm in die Hand. Er starrte das kleine Gerät erstmal verwirrt an. Das alles überforderte ihn augenscheinlich und ich spürte, wie sich sein Gehirn anstrengt. Schlussendlich wusste er, was zu tun war: Er drückte schnell die Tasten und das Handy machte unangenehmes Piepsen nach jedem Tastenanschlag. Nun war die gewünschte Nummer eingegeben. Dann guckte er mich entschuldigend an und sagte leise:
 

-- Würdest du bitte rausgehen?
 

Ich ging brav weg und setzte mich draußen auf den Stufen vor der Eingangstür. Er muss mir eigentlich nichts und ich weiß es. Er ist vergeben und leider weiß ich es ebenfalls. Ein mieses Gefühl richtig schlimm ausgenutzt zu werden zerriss trotzdem mein Herz in Stücke. Es ist einfach nur bitterwitzig! Weiß er überhaupt, wie viel seelische Mühe es mir kostet seinen besten Freund zu spielen? Er ahnt wahrscheinlich nichts von meinen Gefühlen. Und jetzt schnattert er die am wenigsten eloquente Rechtfertigung von gestern seiner saueren Verlobten zu. Liegend in meinem Bett… na klar…
 

Während diese Gedanken durch meinen Kopf zogen, verspürte ich einen sehr komischen Kummer. Ich war nicht böse auf ihn, ich wollte nichtmal Hinata loswerden… ich war nur über diese unglücklichen Umstände traurig. Es haut doch alles nicht hin! Es ist alles so, wie es nicht sein soll! Und ich kann nichts damit machen. Einfach gar nichts. Das Einzige, was mir zusteht, ist die verbleibende Zeit mit ihm zu genießen. Und am Ende muss ich meine Sonne endgültig gehen lassen.

Überraschung

Eine Woche nach dem Ehemaligentreffen verging. Hinata war am nächsten Tag richtig sauer auf Naruto und in mir nistete sich ein kleines Hoffnungsschimmer ein. Ich vermutete sogar den Anfang vom Ende derer Beziehung mitbekommen zu haben. Aber es spielte sich ganz anders ab und nun besprachen die beiden das Zusammenziehen. Bin ich eine sehr schlimme Person, wenn ich sage, dass ich gar nicht erfreut über deren Frieden bin? Wie tief muss ich denn gefallen sein, um sich das Scheitern Narutos Beziehung zu ersehnen? Ich bin anscheinend innerlich komplett verroten.
 

Was Naruto und mich betraf, ging alles seinen gewohnten Gang. Wir hingen meist ohne fremde Augen rum. Die Zeit lief, Sachen passierten und ganz unbemerkt stand der Winter vor der Tür. Ich musste mich plötzlich mit der Frage befassen, ob mein Zuhause auf die ankommende Saison vorbereitet ist. Schließlich wurde es seit langem nicht vernünftig gewartet. Naruto und ich stellten einige reparaturbedürftige Sachen fest und es gab leider viel zu viel zu tun. Uzumaki ließ mich mit meinem Anliegen glücklicherweise nicht im Stich. Er half mir sogar ohne dass ich ihn darum bitten musste, für ihn war es eine Selbstverständlichkeit. Ich war ihm so dankbar für so eine selbstlose Aktion, alleine wäre ich niemals fertig geworden. Es gab so viel zu tun, dass wir uns irgendwann in den Reparaturarbeiten buchstäblich vergruben und nichts außer Sasukes Baustelle betrieben. Und Naruto überzeugte mich bei der Aktion nochmal: er wurde sehr sehr verlässlich.
 

Irgendwann nahm das Ganze ein lang ersehntes Ende. Wir beide waren unendlich froh, dass wir uns doch aus der ewigen Reparatur ausgraben konnten. Ich schlug einen Tagesausflug in den Wald vor, um uns eine kleine gemütliche Auszeit zu gönnen. Und um meine Liebeserklärung endlich durchzuziehen. Vom letzteren hatte Naruto natürlich keinen blassen Schimmer, aber ich stand jetzt dazu, komme was wolle. Naruto fand meinen Vorschlag gut und wir machten ab, dass das nächste Treffen nicht anstrengend sein wird.
 

Der Tag der Verabredung rückte näher. Eigentlich sollte ich wegen der Liebeserklärung angespannt sein. Aber, ganz im Gegenteil, genoss ich den süßen Vorgeschmack meines Vorhabens auf der Zunge. Am Abend davor packe ich ziemlich viel ein. Selbst bei meiner dreiwöchigen Mission nach Kumo war mein Rucksack leichter. Ich will, dass alles perfekt ist. Für ihn. Und nur für ihn. Ist es witzig…
 

Am nächsten Morgen wurde ich zeitig von alleine wach. Ich fühlte mich fantastisch: schon seit langem konnte ich nicht mit so einem klaren Kopf angeben. Mein Körper war ebenfalls in der Lage sich jeder erdenklichen Herausforderung zu stellen. Das Gefühl, das ich zu unserem ersten Wiedersehen verspürte, besuchte mich nun erneut und ich war komplett überwältigt. Wie beflügelt verließ ich mein Haus und rannte regelrecht zum Verabredungsort. Gleich werde ich ihn sehen! Gleich beginnt der schöne Tag! Und nur für uns!!! Ach, ist es schön!
 

Ich kam früher an und wartete sehr ungeduldig auf meinen süßen Blonschopf. Irgendwann sah ich sein latschendes Gestalt auf dem Horizont. Naruto, ich renne zu dir, werf mich in deine Arme und küsse dich! Okay, ich lass das mit dem Kuss… Ich wollte schon tatsächlich losrennen, bemerkte aber… eine andere Gestalt? Moment mal… Er war tatsächlich nicht allein. Die zweite Person schien Hinata zu sein. Ich ließ ein schweres Seufzen aus meiner Brust. Meine gesamte Freunde war runtergespült. Ahnend, dass das heutige Treffen doch anstrengend sein wird, lief ich den beiden antriebslos entgegen.
 

Und tatsächlich. Hinata war schlecht gelaunt und redete die ganze Zeit ziemlich genervt mit Naruto, obwohl sie versuchte, sich zu beherrschen. Naruto versuchte im Gegenzug sie aufzumuntern und es war ziemlich daneben. Die Luft zwischen den beiden war buchstäblich elektrisiert und sie knisterte auf eine unangenehme Art. Was war nur los? Im Endeffekt zerstritten sie sich wegen irgendeiner dummen Kleinigkeit, Naruto entschuldigte sich bei mir und sie gingen. Toll. Es ist einfach so falsch, verdammt noch mal! Ich hatte heute nichtmal eine Gelegenheit mit ihm vernünftig zu reden. Ich will unbedingt seine Stimme hören. Also war der Anruf an meine Sonne die erste Sache, an die ich mich beim Betreten der Räumlichkeiten meines Hauses ranmachte:
 

-- Hi! - sagte ich freundlich.

-- Hi, - erwiderte er ohne Begeisterung.

-- Kannst du jetzt reden?

-- Ja, - sagte er verloren.

-- Wie geht's dir so?

-- Gut, - seine Stimme klang bedrückt.

-- Bist du dir sicher?

-- Warte mal kurz…
 

Plötzlich knirschte es aus dem Hörer. Am anderen Ende der Leitung spielte sich ein heftiger Streit zwischen den beiden und Naruto hielt das Mikro zu. Ohne es gewollt zu haben, geriet ich dazwischen. Ich habe keine Lust auf sowas… kaum erreichte mein Daumen den roten Telefon-Knopf, ertönte ein kurzes "Ich komm jetzt rüber" aus dem Hörer und die Unterhaltung wurde von der anderen Seite beendet. Was war das jetzt? Ganz ohne Erklärung starrte ich das Gerät an, aus dem ein gleichmäßiges Piepsen das Ende der Konversation ankündigte, als ob es mir irgendwelche Antworten geben könnte. Was will Naruto hier? Ich wurde leicht nervös.
 

Nach einer halben Stunde stand Naruto an meiner Türschwelle. Sein Gesicht war scharlachrot, sein Blick - stechend scharf und die Adern an seinen Schläfen pulsierten kräftig. Ohne mich begrüßt zu haben, begab er sich in die Küche und ich folgte ihm. Sein Körper stürzte auf eins der Stühle und er sagte ungeduldig zu mir:
 

-- Hast du was alkoholisches da?

-- Wooow, Naruto! - er machte mich sofort besorgt, - was ist los?

-- Hast du was da oder nicht? - fragte er genervt.

-- Warte mal, ich gucke… - er jagte mir ein wenig Angst ein.
 

Ich lief rüber ins Arbeitszimmer meines Vaters und durchsuchte das geheime Alkoholvorrat in einem der abgesperrten Schränke. Mit einer Flasche Sake in der Hand beeilte ich mich zurück in die Küche. Naruto fand bereits die Sakegläser. Wenn ich ihn nicht aufhalte, wird er solange trinken, bis er an Alkoholvergiftung stirbt. Jedenfalls dachte ich es mir. Ich senkte mich vorsichtig auf einen Stuhl neben ihm und schenkte uns was ein. Kaum riss er das Glas an sich, war dieses bereits leer. Der zweite Kurze wurde ebenfalls blitzschnell vernichtet. Dann folgte der dritte. Dann der vierte. Dann der fünfte. Er wollte sich den sechste Kurzen einschenken, aber ich fing einen Handgelenk auf und guckte ihn besorgt an:
 

-- Darf ich jetzt fragen, was das soll?

-- Hinata geht mir mächtig auf die Nerven… - er bewegte sein Handgelenk trotz meines Halts und schenkte sich doch den sechsten Kurzen ein.

-- Ist es wegen des Umzugs? - ich nahm meine Hand weg.

-- Jaaa, kann man so sagen… - er kippte den sechsten Kurzen und die klare Flüssigkeit verschwand.

-- Was ist denn überhaupt los?

-- Sie meint, ich würde ihr fremdgehen…

-- Wieso?

-- Weil wir so oft rumhängen. Und sie meint, ich würde dich als Ausrede benutzen um zu einer anderen zu gehen. Deswegen hatte sie ja das Zusammenziehen vorgeschlagen. Oder, ich denke es, - er seufzte.

-- Soll ich mit ihr reden?

-- Nein, ich will nicht, dass du in unsere Probleme gerätst. Es tut mir leid… Ich schütte das alles auf dich aus und saufe dein Alkohol weg…

-- Alles gut, - er guckte mich erlöst an, - ich weiß bloß nicht, wie ich dir daraus verhelfen kann…

-- Es reicht schon, dass du zuhörst, - er lächelte mich zärtlich an, - danke dir.
 

Sein Lächeln beruhigte mich. Er wurde still. Ich trank mein Glas aus und schenkte nach. Er sagte dann:
 

-- Und es tut mir leid wegen heute, ich dachte ehrlich nicht, dass es so ausartet. Ich wollte alles für alle irgendwie besser machen… - er machte eine Pause, - weißt du, manchmal wünsche ich mir wieder Single zu sein… und es geht mir so dreckig dabei und ich bekomm immer Gewissensbisse. Ich muss eigentlich dankbar dafür sein, dass ich sie habe…
 

Er lehnte mir entgegen, sodass sein Gesicht ziemlich nah zu meinem wurde. Ein herzzerreißender Schmerz spiegelte sich in seinen niedergeschlagenen blauen Augen wider. Seine Augen hoben sich und wir stellten einen langanhaltenden intensiven Blickkontakt. Ich fühlte seinen grenzenlosen Kummer, als ob er mein eigener wäre. Obwohl er bereits betrunken war, waren seine Augen nicht trübe wie sonst. Und ich lass diese verliebte Verlegenheit in diesen melancholischen, unendlich blauen Tiefen. Mal wieder. Und sie faszinierte mich. Ich fragte mich flüchtig, was er in meinen Augen sieht, denn er starrte mich ebenfalls an. Keiner von uns beiden wollte diese intime Verbindung trennen. Dieser intensive Blickkontakt! Ich spürte seine Nähe so intensiv wie noch nie: sein Körper strahlte eine angenehme weiche Wärme aus, seine Kleidung roch nach einem günstigen Waschmittel, die kleinen Schweißtröpfchen traten ihm auf die Stirn, sein Atem war das Einzige, was mein Gehör wahrnahm. Ich lehnte mich ein kleines Stück ihm entgegen und sein Körper bewegte sich auf die gleiche Art, auf mich zu. Als ob er mein Spiegelbild wäre. Und…
 

es funkte zwischen uns.
 

Ich machte meine Augen zu und lehnte mich zu ihm zum allerletzten Mal. Die Distanz zwischen uns verschwand. Meine Lippen trafen leicht auf seine und die Welt geriet plötzlich in Stillstand. Mir wurde der Boden unter den Füßen entrissen und ich fiel in die Unendlichkeit. Es kribbelte angenehm in meinem ganzen Körper. Ich packte ihn instinktiv am Handgelenk. Seine Präsenz war tatsächlich keine Täuschung. Dieser Kuss war ebenfalls keine Täuschung. Seine Reaktion darauf war auch echt. Und es gefiel ihm gar nicht.
 

Ich wurde gewaltig weggestoßen. Als ich die Augen aufmachte, sah ich wütenden und verwirrten Naruto vor mir. Sein Blick wanderte überall hin und her und er konnte kein Ziel zum angucken festlegen. Er fragte mich vorsichtig:
 

-- Sasuke, was machst du eigentlich?
 

Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich mich gleich rechtfertigen muss. Neeeein! Wie soll ich denn das plausibel erklären? Soll ich überhaupt was sagen?!
 

-- Was war das? - drückte er nach.

-- Ein Kuss… - ich wollte nichts sagen und blieb stumm. Seine Ungeduld wuchs und er fragte mit Nachdruck wieder:

-- Warum hast du mich geküsst?
 

Jetzt muss der Grund benannt werden. Ich stellte mir selbst einen Schachmatt. Eine kurze kräftige Hitzewelle verlief durch meinen Körper und ich badete im nächsten Moment im eigenen Schweiß. Meine Gliedmaßen wurden weich und zitterten. Mein Herz pochte wild und ich verfiel in eine stille Panik. Hilfe! Ich will weg von hier! Lasst mich hier raus!!! Bitte…
 

-- Sasuke?
 

Narutos nachdrückende ungeduldige Stimme machte mich einfach fix und fertig. Sag es ihm einfach! Los!!! Ich zog kräftig die Luft ein und…
 

Eins… Zwei…
 

Drei.
 

-- Weil ich dich liebe… - hauchte ich leise aus.
 

Uuuuuuuund…
 

Nichts.
 

Es kam nichts zurück. Diese schreiende Stille war einfach unerträglich. Natürlich muss er diese Nachricht verarbeiten. Und das tat er. Oh Gott, wie er es tat! Sein Kopf lief auf Hochrechenleistung. Er guckte überall und nirgends hin. Warum dauert es so ewig?! Warum sagt er gar nichts?! Ich konnte es nicht mehr aushalten:
 

-- Warum reagierst du nicht? - verließ meine Zunge.
 

Es kam immer noch keine Antwort. Naruto!! Mach es mir bitte nicht so schwer! Sag was! Endlich unterbrach er dieses Schweigen:
 

-- Was ist heute für ein verrückter Tag?! Was habt ihr denn alle?! - schrie er laut ins Nichts.
 

Er sprang im gleichen Moment auf und rannte mit der Lichtgeschwindigkeit in Richtung vom Eingang.
 

-- Warte, verdammt! - ich rannte ihm hinterher.
 

Er haute in Nullkommanichts ab. Ich verstand nichtmal, ob er wirklich durch die Tür durch war. Auf dem Fußboden lagen Glassplitter. Er benutzte also das Fenster um zu fliehen. Achso… Ich guckte aus dem kaputten Fenster raus um mit einer leeren Straße konfrontiert zu werden. Er verschwand einfach. Ohne die kostbare Zeit zu verschwenden brach ich auf, um nach ihm während der kommenden zwei Stunden zu suchen. Diese Aktion wurde nicht mit einem Erfolg gekrönt und nun saß ich in der Küche am Tisch, genauso wie vor zwei Stunden. Aber diesmal ganz allein und in völliger Dunkelheit. Ich wusste es doch… wie hätte es sich sonst abspielen sollen, ha? Trotzdem tut es unfassbar weh…
 

Der Kummer verzehrte mich. Ich legte mich ins Bett und verbrachte den restlichen Tag zu zweit mit seinen Worten, die immer und immer wieder in meinem Kopf schmerzhaft nachhallten. "Was ist das für ein verrückter Tag?! Was habt ihr denn alle?!"
 

Nächste Woche verging sehr langwierig. Ich machte die ganzen Tage fast gar nichts und ignorierte sogar die grundlegenden Bedürfnisse meines Körper. Liegend im Bett schenkte ich ihm tausende Gedanken. Vermutlich darf ich ihn nie wieder sehen. Das Ganze machte mich mental fertig, weil ich seiner Reaktion doch nicht glauben konnte. Dieser Blick… so kann einer nur denjenigen anschauen, der sein Herz zum flimmern bringt.
 

Nach drei Tagen war der Hunger nicht mehr zu ignorieren. Ich schmiss mich selbst aus dem Bett und kroch in die Küche. Ich fand die alte Tütensuppe, die von meinen Aufräumarbeiten übrig war. Gut genug. Zubereitet wirkte die Suppe nicht gerade appetitlich: Eine undefinierbare schleimige Flüssigkeit entstand vor meinen Augen. Ich aß sie trotzdem. Gut genug. Den Rest des Tages hockte ich vor dem Fernseher und schaute wie ein Zombie irgendwelchen skurrilen Programmen zu, in der Hoffnung mich etwas von Gedanken an Naruto abzulenken.
 

Der Rest der Woche verging genauso. Ich hockte hauptsächlich vor dem Fernseher rum und dachte und dachte und dachte… Uzumaki raubte mir komplett den Verstand und es schien hoffnungslos. Nichtsdestotrotz ging ich einmal einkaufen. Wooooow! Highlight der Woche… Der Supermarkt…
 

Und so oder so ähnlich lebte es sich vom Tag zu Tag. Ich verbrachte die ganze Zeit gefesselt am Fernseher, ernährte mich von Tütensuppen und verließ fast kaum mein Haus. Mein Kopf war von Gedanken an Naruto überlastet und ich wusste nicht, wie ich diesen unkontrollierbaren Gedankenstrom stoppe. Mir war bewusst, dass das Ganze ziemlich lächerlich war. Ich darf mich doch nicht so dermaßen davon abhängig machen, dass er mich abserviert hatte. Das Leben geht noch weiter. Es ist nicht schwer, mal rauszugehen, mal was Vernünftiges zu essen und eine sinnvolle Beschäftigung zu finden. Es ist nicht zu viel verlangt und ich weiß es. Ich muss es schaffen.
 

Am nächsten Tag wachte auf, als es bereits dunkel war. Mein Schlafrhythmus war komplett am Arsch und ich nahm vor, ihn Stück für Stück aufzubauen. Ab heute fängt ein normales Leben wieder. Und es fängt mit einem ruhigen Spaziergang im Wald. Ich trieb mich für eine Weile in der Natur rum und es half mir. Wald tat mir immer gut. Draußen herrschte ein schönes Wetter. Der Schnee knirschte fröhlich unter meinen Füßen und es munterte mich etwas auf. Die reine Luft kräftigte mich und die Bäume gaben mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich warf mich in den Schneehaufen und lag so für einen Moment. Die Wintertemperaturen brachten mich ein wenig zu sich. Der Spaziergang tat mir eindeutig gut. Ich verließ den Wald vielleicht nach 40 Minuten.
 

Als ich zuhause ankam, bemerkte ich, dass mein Briefkasten voll war. Ich nahm die Briefe raus und guckte sie durch. Ein Brief war von Kakashi und kam anscheinend erst heute an. Ich darf mal wieder eine Mission austragen. Genau das brauche ich im Moment: arbeiten. Die anderen Sachen waren eher unspannend: eine Stromrechnung, eine Wasserrechnung, eine Handyrechnung… ja, heute war ja der Anfang von Dezember… stimmt…
 

Ich kam ins Haus rein, zog die Straßensachen aus und schmiss den Breifhaufen auf den kleinen Tisch im Flur. Im Vorbeifliegen fiel ein kleiner Zettel aus dem Haufen raus. Was ist das? Ich nahm den Zettel in die Hand und Narutos Sauklaue stoch sofort ins Auge.
 

"Ich schulde dir ein Gespräch. Ich komm heute Abend gegen 19 Uhr vorbei. Es wird nicht lange dauern" - stand auf dem kleinen Zettel.
 

Er schuldet mir ein Gespräch? Wieso denn? Ich guckte die Uhr an, es war schon 18:40. Oh Gott, er taucht doch gleich hier auf! Ich hab nichts, was ich ihm anbieten kann! Andererseits meinte er, es dauert nicht lange. AAAAA!!! Er will mich doch nur abweisen! Warum denke ich überhaupt an Verpflegung?!
 

Plötzlich klopfte es an der Tür. Es könnte nur er sein. Verdammter Naruto! Wenn er sich verspäten sollte, kommt er früher an! Na klar. Ich machte die Tür ungewollt auf und er stand wieder stumm auf der Türschwelle. Genauso wie vor einer Woche. Er ließ die Formalitäten aus und begab sich in die Küche. Ich hatte ein Deja-vu.
 

-- Wie gesagt, es dauert nicht lange, - sagte er kurz und setzte sich hin.

-- Worüber wolltest du reden? - ich setzte mich ihm gegenüber.

-- Ich wollte nur was klären… - sagte er unentschlossen und fuhr fort, - Sasuke, versprich mir was, okay? - er guckte mich an.

-- Was denn?

-- Ich will nicht, dass unsere Freundschaft kaputtgeht, deswegen versprich mir bitte, dass sich nichts zwischen uns ändert. Und zwar unabhängig davon, was ich jetzt sage. Kannst du es?

-- Ja klar, - wenn ich trotz dem Ganzen bei ihm als ein Freund bleiben darf, bin ich einverstanden. Mein Gott… ich bin so miserabel…

-- Wow, du verhältst dich erstaunlich kooperativ… gut… Also, - er hustete, - ich fasse mich kurz… - er machte eine Pause und überlegte, - die Sache ist die… - er machte noch eine Pause und guckte weg von mir, - ich… ich…
 

Er brach den Satz ab. Er zögerte und die Schusseligkeit ließ sich ihm anmerken. Die klare Absage auszusprechen fiel ihm anscheinend schwer. Seine Lippen öffneten sich, um noch ein Versuch zu starten, und ich hielt meinen Atem an. Der Satz steckte aber erneut in seinem Rachen fest und er ließ nur ein kurzes stumpfes kreischendes Geräusch aus. Nach einer Weile holte er tief Luft. Wir waren endlich auf diese Herausforderung vorbereitet. Er - sein Nein deutlich zu machen und ich - den größten Schmerz in meinem Leben annehmen zu müssen.
 

-- Ich… fühle halt… das Gleiche… wie du…
 

Hä?!
 

-- Wie bitte? - ich war mir sicher, dass er gerade sagte, dass er das gleiche fühlt wie ich. Ich muss mich verhört haben.

-- Ich wiederhole es nicht noch einmal, - er guckte mich ernst an.

-- Naruto, hör bitte mit deinen dummen Witzen auf… - ich war verwirrt, ein wenig wütend und fühlte mich bloßgestellt. Versteht er nicht, dass man damit nicht scherzen darf?!

-- Es ist kein Witz, Sasuke, - sagte er leise und schlug seine Augen verliebt und schüchtern nieder.
 

Ich war in jeder erdenklichen Weise total verwirrt. Das war also dieses fehlende Stück, damit unsere kuriose Beziehung endlich einen Sinn ergibt. Welch eine bittere Ironie! Er stand auf und sagte:
 

-- Na jetzt weißt du es. Endlich hab ich es losgeworden… es tut so gut! - seine Stimme klang erlöst. Er fuhr fort, - das wars schon. Obwohl es etwas komisch zwischen uns wird, glaube ich nicht, dass es an sich ein großes Problem darstellen wird. Wir schaffen das schon. Also… wenn du mal rumhängen willst, sag bescheid, okay? - er begab sich zum Ausgang.

-- Warte mal… - ich klammerte mich an seiner Hand fest und er hielt an, - erlaube es mir klarzustellen: du "fühlst das gleiche, wie ich", willst aber, dass wir Freunde bleiben?

-- Genau…

-- WARUM?!!!! - ich schrie auf, obwohl ich es nicht wollte. Mir wurde die ganze Situation endlich klar. Er weiß davon, dass ich ihn liebe, "fühlt das gleiche wie ich" und will trotzdem Freunde bleiben? Was für ein Schwachsinn!

-- Weil ich verlobt bin, - er sagte es so, als ob es selbstverständlich war. Das brachte mich auf und ich wurde wütend.

-- Na und?! - warf ich ihm verärgert zu und stand ebenfalls auf. Er befreite seine Hand aus meinem Halt dabei.

-- Nicht na und! Du hast mir gerade eben versprochen, dass sich nichts zwischen uns ändert, egal was ich sage! - er hörte auf so ruhig zu sein.

-- Ich dachte ja du würdest mich abweisen! - schrie ich ihn an.

-- Witzig, ha? - schrie er verbittert zurück.
 

Und plötzlich errichte mich das Wichtigste: er liebt mich. Nicht Hinata, nicht Sakura, nicht Kakashi oder Iruka-Sensei. Sondern…
 

Mich.
 

Daraufhin wurde mein Herz von einer zerstörerischen Liebesflamme konsumiert und ich wurde euphorisch. Naruto, jetzt steht uns nichts im Wege! Du gehörst ab jetzt mir! Du bist sowas von meins! Ich warf mich auf ihn, klammerte mich an ihm fest und flüsterte ihm zu:
 

-- Naruto, ich lass dich nie wieder gehen. Nie wieder.

-- Oh doch! Du lässt mich! Du lässt mich sowas von!! - er wurde richtig wütend und stieß mich gewaltsam weg.

-- Nein!!! - wir wurden lauter mit jedem Satz.

-- Sasuke… - flüssterte er beim Ausatmen. Er versuchte sich gerade abzuregen, - lass uns bitte alles beim Alten lassen…

-- Wie kann ich es beim Alten lassen, nachdem du mir sowas erzählt hast, ha?! - seine Aussage ließ mein Blut kochen. Ich stürzte auf ihn und drückte ihn an mich ran, - ich liebe dich, du Schwachkopf! Sag mal, willst du, dass wir bis and Ende unserer Tage beste Freunde spielen?!

-- Ja!! Wenn nötig, dann machen wir es! Und außerdem geht es darum gar nicht! Ich wollte nur, dass du es weißt! - er wollte mich wieder wegstoßen, ich hielt ihn aber zu fest.

-- Hör dir selbst doch für einen Moment zu! Du redest Schwachsinn! Ab jetzt gehörst du mir! Hast du es verstanden?!

-- Du kannst mir nichts vorschreiben! - aus ihm wuchs plötzlich eine kräftige Hand und schlug ziemlich hart auf mein Bauch ein. Er beherrscht jetzt so eine feine Chakra-Kontrolle, dass er Kuramas Körperteile generieren kann? Wow…

-- Du gehörst mir! Du bist meins!!! - ich sprang auf, - Banshou Tennin!! - rief ich laut. Sein Körper wurde zu mir hingezogen und ich hielt ihn schon wieder fest.

-- Lass mich jetzt! - er wechselte in seine Kurama-Form, schlüpfte aus meinem Arm und flog in die Decke, - Tajuu Kage Bunshin no Jutsu! - reif er. Eine riesige Wolke entstand und mein Haus füllte sich mit seinen Schattenklonen.
 

Es waren so viele, dass ich ihn nicht mehr im Auge behalten konnte. Scheiße! Mach was, Sasuke! SCHNELL!! Er haut gleich ab! Ich darf es nicht zulassen! Nein!! Ich muss ihn um alle Kosten aufhalten!!
 

-- Chidori! - rief ich und generierte ein Blitzschwert in meiner Hand.
 

Ich schneidete durch die Masse der sich im Weg stellenden Klone durch und räumte mir den Weg nach draußen frei. Draußen sah ich seine sich unglaublich schnell bewegende Gestalt. Ich muss zu ihm und zwar SCHNELL!! Meine Augen durchsuchten die nächste Umgebung nach einem markanten Objekt. Mein Blick fixierte einen großen Stein. Zack! Und ich tausche Plätze mit ihm. Schön! Naruto war immer noch außer meiner direkten Reichweite. Ich muss näher ran. Sein Rücken war gut von dieser Distanz einsehbar. Er hatte eine dicke Winterjacke an. Gut! Ich löste das gleiche Jutsu nochmal aus und saß im nächsten Moment auf Narutos Rücken. Er brach seine Flucht ab. Ich stellte meine Beine auf den Boden. Jetzt hielt ich ihn aber fest. Du entwischst mir diesmal nicht!
 

-- Du bist lästig, Sasuke. Hör auf! - sagte er erschöpft. Seine Stimme zitterte.

-- Ich lass dich nicht gehen, - ich küsste ihn am Nacken, er versuchte dem Kuss auszuweichen, - weil du ab jetzt mir gehörst.

-- Ich entscheide selbst, wem ich gehöre! - schrie er auf und fing an, wie ein sterbender Fisch im meinem festen Griff zu zappeln. Seine Befreiungsversuche waren armselig und er wusste selbst, dass sie nichts bringen. Dieser Schwachkopf weiß einfach nicht, wann man aufgibt.

-- Du bist trotzdem meins, - verkündete ich.

-- Sasuke, du bist so dumm! - flüsterte er mir zu, - Lass das! Mach es bitte nicht schwerer als es schon jetzt ist… - seine Stimme war schwach. Er war gerade dabei in den Tränen auszubrechen. Er zappelte weiterhin.

-- Ich erschwere dir gar nichts… - er unterbrach mich.

-- Nein, bilde dir nichts ein! Du erschwerst es mir jetzt, nach Hause zu gehen! - sagte er aufgeregt. Er versuchte mich wegzustoßen.

-- Richtig. Weil du bei mir bleibst, - sagte ich sanft.

-- Hör auf damit!! Was willst du überhaupt?!
 

Sein schriller Schrei schnitt duch die Todesstille der Nacht durch und das Echo hallte mehrfach an diesem menschenlosen Ort nach. Nachdem wir nun wieder von der kalten gleichgültigen Stille umgeben waren, flüsterte ich ein einziges Wort in sein Ohr, das meine gesamten Leiden elegant zusammenfasste:
 

-- Dich…
 

Und dieses kleine Wort tat den Job: Naruto gab endlich auf. Er entspannte sich vollständig und sein Körper fiel passiv in meinen Arm. Er wollte nicht mehr kämpfen und gönnte mir diesen Sieg. Ihm war es alles zu viel. Es war alles so anstrengend. Er suchte nach einem Ort, wo er sich vor Wirklichkeit verstecken könnte. Und in meiner Umarmung war er am sichersten. Ich gebe ihm jeden Schutz, den er braucht. Keiner tut ihm weh. Es darf nicht passieren, ich erlaube es niemandem.
 

Und nun standen wir da. Zwei beste Freunde - eine bittersüße Umarmung. Die dichten Bäume und die nächtliche Dunkelheit boten uns ausreichend Schutz vor ungebetenen Beobachtern. Endlich durfte ich ungehemmt seine köstliche Nähe auf genau richtige Weise genießen! Er genoss meine Nähe ebenfalls und es tat ihm unfassbar leid. An mich schutzbedürftig schmiegend, vergoss er still bittere Tränen, eine nach der anderen. Sein Schmerz war einfach unerträglich! Ich umschloss ihn fester in der Hoffnung, dass es ihm dadurch besser geht.
 

-- Ist dir kalt? - fragte ich nach einer ganzen Weile.

-- Passt schon, - sagte er leise.

-- Komm, wir gehen zurück ins Haus, ansonsten wirst du krank.
 

Ich nahm ihn bei der Hand und zerrte ihn leicht in meine Richtung. Er leistete keinerlei Widerstand und kam brav mit. Ich ließ seine Hand kurz los um unsere Flieger zu verschränken. Er machte mit und drückte meine Hand sogar fester. Passiert es wirklich mir? Läuft er wirklich mit mir mit? Ist es unglaublich!!!
 

Als wir das Haus betraten, umhüllte ich ihn mit meinem Körper erneut. Er gab endgültig nach. Wir sickerten langsam auf den Boden und er machte es sich bequem auf meiner Brust. Seine tiefen Atemzügen unterbrachen gleichmäßig die komplette Stille. Mein Herz raste mit einer enormen Geschwindigkeit und pochte Wild gegen meine Rippen. Ich dachte, es springt aus meinem Brustkorb raus und landet direkt in seine Hände. Naruto lauschte diesem wildem Klopfen und schüttelte seinen Kopf im Takt dazu. Ich küsste ihn vorsichtig in seinen Kopfwirbel. Er zuckte dabei leicht. Er ist so süß!
 

Nach einer Weile flüsterte ich zärtlich in sein Ohr:
 

-- Naruto, ich liebe dich wie verrückt…
 

Er hob seinen Kopf und, mich anguckend, setzte er sich mir gegenüber. Er schaute mir direkt in die Augen. Im Gegesatz zu mir, war er komplett am Boden zerstört. Schmerz, Scham, Leiden und ein riesengroßes Bedauern spiegelten sich in diesen blauen melancholischen Tiefen wider. Ich sah zu, wie die Tränen diese unschuldigen Augen füllten, und wie diese, über seine Wangen kullernd, nasse Spuren auf seinen niedlichen Schurrhaaren hinterließen. Ein Teil von mir verstarb bei diesem grausamen Anblick. Ich wünschte, ich wäre in der Lage ihm diesen unerträglichen Schmerz wegzunehmen.
 

Plötzlich schweift sein Blick verschämt in eine andere Richtung. Er versucht die Distanz zwischen uns zu verkürzen, was ihm nicht leicht fällt. Dennoch bewegt er sich auf mich langsam zu. Kurz bevor ein Körperkontakt entsteht, verdeckt seine Hand sanft meine Augen und ich spüre seine weichen Lippen auf meinen eigenen. Er küsst mich unentschlossen und ich erwidere automatisch. Durch diesen Kuss verschmelzen wir zur einer Einheit. Es ist zu gut um wahr zu sein. Es ist einfach zu gut. Ich wünschte, dieser Kuss würde niemals aufhören.
 

Doch das Ende dieses unglaublichen Erlebnisses kam zu früh. Nachdem Naruto seine Hand von meinem Gesicht wegmachte, lag zwischen uns bereits eine gewisse Entfernung. Naruto schlug seinen Blick unterdrückt nieder und grinste verbittert zu sich. Er kniff die Augen zu, seine Zähne knirschten zusammen und seine Handfläche ballte sich zu einer Faust. Er schlug so fest gegen den Boden, dass die Knöchel auf seiner Hand bluteten. Ich sammelte ihn zusammen und schloss ihn in meiner Umarmung. Er vergrub sein Gesicht in meiner Brust. Ein leises Schnauben und gelegentliches Schulterzusammenzucken deuteten daraufhin, dass er ganz still heult. Warum kann ich nichts für ihn machen?
 

Wir saßen den restlichen Abend im Eingangsbereich. Ich küsste ihn ab und zu in seinen Kopfwirbel. Er zuckte nicht mehr dabei. Meine Hand befand sich die ganze Zeit zwischen seinen Handflächen. Irgendwann beruhigte er sich und schlief ein. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm abwenden. Er sah so friedlich aus! Ich steckte meine Nase in seine weichen Locken und lauschte seinem beruhigenden entspannten Schnarchen. Er war ein Schatz, den ich zu verlieren fürchtete. Er war mein Naruto. Meine alberne kleine Sonne. Du bist sowas von meins, Naruto, keiner nimmt dich mir weg. Keiner darf es und ich erlaube es niemandem. Weil ich dich wie verrückt liebe und keinem bedeutest du so viel, wie mir. Und weil du meine Sonne bist und nur für mich scheinst. Mit diesen Gedanken schlief ich ebenfalls ein.
 

Am nächsten Morgen wachte ich mit leeren Händen auf. Er haute schlussendlich doch ab. Das Ganze war wirklich zu gut, um wahr zu sein. Er war wie ein Sonnenstrahl, den man nicht festhalten kann. Ich streckte verzweifelt die Hand nach ihm und griff stattdessen die kalte Luft. Er verschwand dann ins Dunkle. Naruto, warum machst du sowas?! Willst du, dass ich mich umbringe? Ich konnte diesen Verlust nicht ertragen und brach einfach in den Tränen zusammen. Warum muss es so sein? Es ist so verdammt noch mal falsch!!
 

Naruto, wenn du mich töten wolltest, könntest du es auf einer weniger brutalen Weise machen. Ich verrecke hier allein. Warum hast du mir bis jetzt deinen Sonnenschein geschenkt? Nur um mir das Ganze wegzunehmen und mich auf dieser grausamen Weise zu foltern? Das passt aber gar nicht zu dir! Du würdest mich doch niemals so behandeln, oder? Ich will einfach nur bei dir sein. Ist es zu viel verlangt? Bitte komm zurück! Komm einfach zurück! Ich will dich endlich fangen können…

Verzweiflung

Eine Woche verging, seitdem Naruto verschwand. Ich geriet seitdem in den tiefen dunklen Abgrund und war in diesem Zustand eigentlich zu nichts zu gebrauchen. Mein Alltag kannte nun gar keine Struktur mehr. Alles, woran ich mich ranmachte, gelang mir nicht: ich stellte mich nur blöd an, ich rammte ständig gegen irgendwas beim Laufen, ich hörte einfach mitten in der Beschäftigung auf und wusste nicht mehr, was ich zu tun hatte. Das Einzige, was noch halbwegs klappte, war ein Mal pro Tag kochen. Es gelang mir allerdings nur mit größter seelischer Mühe und nahm durchschnittlich 2-3 Stunden in Anspruch. Die übrige Zeit tobte ich mich geistig komplett im Dunklen. Meine Gedanken jagten die flüchtige Gestalt von Naruto Uzumaki. Ich wurde Tag und Nacht von der Frage geplagt, warum er nicht mit mir zusammen sein will. Und je eifriger ich nach einer glaubwürdigen Antwort suchte, desto mehr verwirrte ich mich. Nichts konnte seine Entscheidung glaubwürdig erklären. Nichts passte. Gar nichts. Und diese Tatsache fuhr mich langsam in den Wahnsinn.
 

Ich bekam kurz nach Narutos Verschwinden eine Mission. Obwohl Kakashi mich darüber benachrichtigte, geriet diese Nebensächlichkeit schnell in Vergessenheit, weil sie nichts mit Naruto zu tun hatte. Am Tag der Besprechung kam ein Anruf von Kakashi, da ich nicht erschienen war. Ich schämte mich aber nicht dafür. Es war mir regelrecht egal.
 

Es ging also schon wieder um Kumo und Raikages Berater… diese Geschichte nahm einfach kein Ende. Die Mission war diesmal etwas ernster, man musste die geheime Gruppe ausfindig machen. Kumos Anbu wusste nur, dass einige Gruppenangehörige Kumos Nukenin sind. Ich verbrachte fast vier Wochen in Kumo allein und die Mission war nicht erfolgreich. Ich konnte mich nicht vernünftig konzentrieren und machte ständig kleine lästige Fehler. Mir entwischte sogar ein Verdächtiger. Die Versäumnis dieser Teilmission war eindeutig mir zuzuschreiben und eigentlich war es komplett unverzeihlich. Ich hätte es besser wissen müssen. Die Mission wurde daraufhin abgebrochen, teilweise sogar meinetwegen, aber nicht nur aus diesem Grund. Wir wurden dann zurückgeschickt. Kakashi lud mich einige Tage später vor, um meinen Fiasko zu besprechen. Alles, was er mir dazu sagte, ließ mich komplett gleichgültig. Aus dieser Unterhaltung nahm ich hauptsächlich mit, dass mir demnächst sehr wahrscheinlich keine Missionen zugeteilt werden. Dann halt nicht, von mir aus…
 

Nach meiner Rückkehr stürzte alles komplett ins Verderben. Ich hatte wieder mal gar keine Beschäftigung und meine Gedanken frassen mich buchstäblich auf. An manchen Tagen pulsierte mein Kopf sehr schmerzhaft. In solchen Momenten konnte ich kein direktes Sonnenlicht angucken. Der diesjährige Winter Jahr fiel erstaunlich sonnig aus, weswegen ich mich ab einem Zeitpunkt überwiegend vom öffentlichen Leben zurückzog und klebte sogar das Fenster im Schlafzimmer zu. Als ich kurz davor war, Sharingan zu erwachen, spielte mir mein Körper ähnliche Streiche, und ich erinnerte mich unfreiwillig dran. Ob das auch was mit Naruto zu tun hatte? Keine Ahnung, neuerdings hat alles in meinem Leben nur mit Naruto zu tun.
 

Die nächsten Monate verweilten langsam vor sich hin. Meine Gedanken verselbstständigten sich und verwandelten sich in eine regelrechte teuflische Besessenheit. Sie machte alles mit mir, was ihr gefiel, und ich ließ es widerstandslos zu. Ich dachte, es war unmöglich mir selbst daraus zu verhelfen. Wie auch? Selbst die einfachsten Sachen kosteten mir unglaublich viel Überwindung und deren Durchführung brachte mich zum geistigen Zusammenbruch. Es gab Phasen, wo es mir besser ging, und ich durfte mal ausnahmsweise das machen, was meinen Körper am Leben erhielt. Ansonsten lag ich rum und starrte in die Decke. Ich magerte dadurch ziemlich ab.
 

Eines Tages wurden meine Kopfschmerzen so unerträglich, dass ich den kompletten Tag in der dunkelsten Ecke des Hauses still rumheulte. Der erste Gedanke, den mein Gehirn generierte, war natürlich, dass Narutos Nähe diesem Wahnsinn ein sofortiges Ende setzt. In dem Moment machte es total Sinn und es schien so verlockend zu sein… endlich hatte ich eine relativ gute Ausrede um ihn an meine Seite zu zwingen. Es war schließlich seine Schuld. In dem Moment war es mir egal. Ich wollte einfach an seiner Seite sein und endlich konnte diese Tatsache irgendwie gerechtfertigt werden. Seit Wochen fuhr in mir der unverfälschte Tatendrang hoch und ich brach unverzüglich auf. Endlich passierte etwas positives und richtig aufregendes! Ich suchte energisch nach ihm den gesamten restlichen Tag. Und den gesamten nächsten Tag. Und den gesamten übernächsten Tag. Und den gesamten Tag danach. Naruto war tatsächlich wie eine Sonne: Hell, warm und unmöglich zu erreichen. Ich konnte nicht mit ihm in meinem jetzigen Zustand mithalten, also musste ich diese Suchaktionen lassen. Die Reste des neulich gekommenen Motivationsschubes lösten sich in der Luft auf und diese besessene Verzweiflung hieß mich schon wieder herzlich willkommen. Ich funktionierte passiv durch den Tag durch und freute mich nachts darüber, dass ich noch einen Sonnenuntergang durch die Abdeckung am Fenster im Schlafzimmer mitbekam. Mir ging es schon lange nicht mehr um irgendwelche Leistung, es war gut genug, einfach nur am Leben zu sein. Früher wäre das undenkbar. Sasuke Uchiha, der letzte Überlebende des berühmten Uchiha-Clans… und so eine miserable Existenz! Unfähig, emotional instabil und zutiefst abstoßend! Mein Selbsthass erreichte neue Höhen. Ich konnte das eigene Spiegelbild nichmal für eine halbe Sekunde ansehen, mein Blut kochte bei diesem Anblick und ich rastete sofort aus. Denn in diesen Momenten wurde mir schmerzhaft bewusst, wie tief ich gesunken bin. Eins nach dem anderen wurden alle Spiegel in meinem Haus zu Sand zermahlen.
 

Aber immerhin unternahm ich erbärmliche Selbstrettungsversuche. Ich schuf für mich eine ziemlich feste Routine und zog sie jeden Tag so gut durch, wie ich konnte. Mein Alltag brauchte wieder Struktur und ich sehnte nach Ordnung. Keine Überraschungen und keine Abweichungen vom Plan. Es reicht. Die Routine gab mir wenigstens etwas Halt und ich konnte wieder ein halbwegs anständiges Leben führen. Leicht war es keinesfalls. Ich baute das Fundament dieses geregelten Lebens mühsam Stück für Stück auf, wie ein kleines Kartenhaus. Jeder Tag wurde dadurch gleich. Es passierte nichts und es war auch gut so. Naruto beherrschte trotzdem meine Gefühlswelt komplett. Nachts wirbelten meine Gedanken am wildesten und hielten mich stets wach. Das war der Grund dafür, dass sich meine Kopfschmerzen kontinuierlich verschlechterten. Die Tage, die ich in der dunkelsten Ecke verbringen musste, mehrten sich von Woche zur Woche. Meine Routine knackste somit auch an. Von Woche zu Woche splitterte sich ein weiteres Stück vom strukturierten Alltag ab. Von Woche zu Woche wurde ich dem tatsächlichen Chaos näher. Die Anzahl der zugeklebten Fenster in meinem Haus nahm zu. Das kleine wackelige Kartenhaus mit dem geregelten Leben drin zerfiel mit unfassbarer Geschwindigkeit. An seiner Statt verblieben diese tierischen Kopfschmerzen und die Gedanken an Naruto. Sie raubten mir jegliches Zeitgefühl, denn ich lag hauptsächlich mit geschlossenen Augen rum, dabei das Gesicht ins nächste Kissen vergrabend. Die Dunkelheit schien ziemlich wirksam meine Leiden zu lindern. Die einzige Medizin, an die ich ab jetzt glaubte. Ich erreichte langsam meine körperliche Maximalauslastung und die Zukunft war komplett ungewiss. Wie lange kann ich so weiter machen? Wahrscheinlich nicht mehr ganz so lange. Zuerst bereiteten mir die Vorstellungen bald zu sterben wenigstens ansatzweise Sorgen und es machte mir sogar Angst. Irgendwann wurde aber auch das egal. Es machte mich eher froh, dass alles bald ein Ende nimmt. Ein ewiger Frieden in der völligen Dunkelheit… hört sich nicht schlecht an. Eigentlich hört es ziemlich gut an…
 

***
 

Heute Nacht wurde mein kostbarer Schlaf mal wieder unterbrochen. Mein Körper war tierisch müde und verlangte nach qualitativ hochwertiger Erholung. Und trotzdem weigerte sich mein Gehirn zur Ruhe zu kommen. Ich war wach. Oder besser gesagt, ich war wachsam. Etwas rief mich nach draußen. Meine Wahrnehmungsfähigkeit schmolz zu einer einzelnen sensiblen Einheit und stellte mich auf diesen geräuschlosen Ruf ein, der die gesamte Luft meines Hauses durchtränkte. Schlussendlich gehorchte ich und schon wandelte ich planlos durch die leblosen Gassen Konohas, ohne jegliche Ahnung wo dieses Abenteuer endet. Meine Beine trugen mich automatisch dahin wo ich erwartet werde. Nach einer Weile offenbarte sich mir ein unbemerkenswerter Spätiladen. Das war der Ort, an dem ich zu dieser entscheidender Nachtstunde unbedingt sein musste. Ich betrat den Laden und bemerkte einen einzelnen stillen Kunden, der geduldig an der Kasse stand. Diese Person hatte einen markanten warmen Chakrafluss, den mein Körper sofort registrierte. Eine Kapuze verbarg das Gesicht des mysteriösen Fremden. Fremd? Nein, diese Person war nicht fremd, überhaupt nicht. Es gab nur einen einzigen Menschen, dessen Chakra sich so anfühlte. Das war Naruto. Bevor ich es realisieren könnte, schlug mein Herz gewaltig gegen die Rippen, Endorphine beflügelten mich und ich eilte mich bereits meiner Sonne entgegen.
 

-- Ich bin so froh dich zu sehen! - rief ich laut und warf mich auf ihn.

-- Sei still! - zischte er mich an und bewegte mich sanft zur Seite, - Lass uns bitte rausgehen.
 

Er bezahlte für seinen Mitternachtssnack und wir verließen den Laden. Sobald wir draußen standen, stürzte ich mich über ihn herab, aber es misslang mir. Er stoppte meinen schwachen Körper mit seiner linken und ich hing da, als ob es zwischen uns eine unsichtbare Mauer entstand. Er mied jeglichen Blickkontakt, obwohl ich eifrig versuchte welchen herzustellen. Seine niedergeschlagenen Augen verbargen sich hinter den dichten langen Wimpern. Dieser verzweifelter Blick gab alles preis, ob mit oder ohne sein Einverständnis: es geht ihm dreckig ohne mich und unser Wiedersehen tut ihm weh. Diese Erkenntnis erlöste mich irgendwie. Es tat so gut zu wissen, dass ich nicht alleine leiden muss. Plötzlich gab seine Handfläche ein leichtes Impuls und ich wankte mechanisch zurück. Sein Arm senkte sich, er drehte sich um und machte sich wortlos auf den Weg. Ich packte ihn am Handgelenk und er hielt tatsächlich an. Im nächsten Moment befreite er sich aus meinem Halt. Er stand immer noch wortlos da. Ein schweres Seufzen verließ seine Brust und er setzte einen kleinen unsicheren Schritt. Ich sah, dass ihm diese Aktion sehr viel seelischer Anstrengung kostete.
 

-- Können wir uns bitte wiedersehen? - rief ich hinterher. Meine zitterige Stimme klang unglaublich miserabel.
 

Keine Antwort kam, aber er brach seine Fortbewegung ab.
 

-- Bitte, Naruto! Ich kann nicht mehr ohne dich! - ich wurde lauter mit jedem Wort und die Spannung in meinem Hals machte sich bemerkbarer.
 

Er blieb immer noch stumm. Ich lief auf ihn entschlossen zu, krallte in seine Schulter und drehte ihn ruckartig zu mir hin.
 

-- GUCK MICH DOCH VERDAMMT NOCH MAL AN!!! ICH VERRECKE OHNE DICH!!! - schrie ich verzweifelt in sein Gesicht. Er weigerte sich immer noch den Blickkontakt herzustellen.

-- Bist du denn bereit, mein bester Freund zu sein? - fragte er leise.

-- Nein, und du weißt ganz genau wieso, - erwiderte ich impulsiv.

-- Schade… komm nur, wenn du so weit bist. Bis dann, Sasuke.
 

Mit diesen Worten drehte er sich um und setzte seine unentschlossene Fortbewegung fort. Und schon wurde sie ziemlich entschlossen. Er entfernte sich von mir ziemlich schnell. Trotz seiner Gefühle braucht er mich nicht. Das steht schon seit langem fest. Und obwohl es ihm schlecht geht, macht es ihm anscheinend nichts aus. Er ist so stur. Er ist so dumm. Er liebt mich, ist aber immer noch mit Hinata zusammen. Er lässt einem falsch gegebenen Versprechen zu, sein ganzes Leben zu bestimmen. Er belügt sie, alle in seinem Umfeld und vor allem sich selbst! Was will er wem eigentlich beweisen?! Er hat kein bisschen dazu gelernt! Gar kein bisschen!!! Das Ganze macht gar keinen Sinn mehr!! ES MACHT EINFACH KEINEN SINN!!!
 

Seine ganze Art ließ im gleichen Moment mein instabiles emotionales Gleichgewicht in tausend Stücke zersplitterten. Meine gigantische Liebe zu ihm verwandelte sich einen enormen bitteren Hass, der mich komplett überwältigte. Ich konnte mich nicht mehr kontrollieren und drehte einfach komplett durch. Er MUSS auf der Stelle aus dieser heilen Welt verschwinden und ich MUSS es bewerkstelligen, sei es die letzte Aktion in meinem Leben. Es lohnt sich dafür zu sterben. Ehrlich gesagt, wäre das ein sehr schönes Ende für mich. Es fühlte sich genauso wie damals im letzen Tal an. Naruto, wenn du mir nicht gehören willst, dann gehöre doch gleich GAR KEINEM!!! Keine Sorge, ich werde mich gleich darum kümmern…
 

Mein Mangekyo Sharingan aktivierte sich von alleine. Das Blut floss verstärkt in meine Gliedmaßen. Ich spürte, wie sich mein Körper anspannte. Ich rannte ihm hinterher. So eine Geschwindigkeit konnte ich seit langem nicht erreichen. Adrenalin geriet in meine Blutbahn und die Vorstellung sein heißes Blut auf meinen Händen spüren Treib mich in eine wahnsinnige Freude darauf, ihn endlich töten zu können. Mein Lieblingsmensch! MEINE SONNE!!!
 

Mittlerweile holte ich ihn auf. Er bemerkte anscheinend meine Absichten und versuchte auf mich einzureden:
 

-- Sasuke, bitte hör damit auf, - sagte er ruhig.

-- Zu spät, Naruto! Ich werde dich aus dieser Welt gleich los!! - meine Finger formten die Chidori-Handzeichen eins nach dem anderen.

-- Bist du dir wirklich sicher, dass mein Tod deine Probleme löst? - fragte er leise.

-- JA!! Ich bin mir ziemlich sicher!! Chidori! - rief ich wahnsinnig.

-- Passt es, wenn ich mich hier hinstelle? - sagte er wieder ruhig und stellte sich direkt vor mir, - das sollte gut genug sein. Töte mich einfach. Mach das. Dann ist es endlich vorbei…
 

Ich packte ihn an Kragen und zog ihn zu mir. Er weigerte sich nicht. Seine großen blauen Augen waren immer noch deprimiert niedergeschlagen. Er lächelte müde und sogar etwas zufrieden und ich zögerte automatisch. Sein nachdenklicher Gesichtsausdruck zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Der Mondschein fiel auf seine Haare und färbte sie in einen warmen silbernen Ascheblond. Er war eindeutig bereit hier und jetzt zu sterben. Seine schutzlose aber zugleich entschlossene Gestalt ließ ihn fast heilig aussehen. Selbst den Tod begegnet er mit dieser erstaunlichen Entschlossenheit und dem zufriedenen Lächeln. Derjenige, der den ganzen bitteren Hass auf sich bewusst nehmen kann. Der Einzige, der mich stoppen konnte. Was für ein wunderbares Geschöpf, dieser Uzumaki! Der Schönste seiner Art… der schönste Mensch, der mir je begegnet ist…
 

Der Blitzklumpen in meiner Hand knirschte immer noch, aber die mörderische Intension verließ mich. Wem will ich eigentlich was beweisen?! Die Shinobi-Welt wäre so viel schlechter dran ohne ihn und außerdem brauche ich ihn. Er ist doch mein Naruto, mein Lieblingsmensch, meine Sonne!
 

Ich unterbrach das Jutsu und ließ ihn frei. Mangekyo Sharingan hörte mittlerweile auf zu wirken. Diese Aktion verbrauchte anscheinend viel Chakra und lastete meinen schwachen Körper noch mehr aus. Ich konnte nicht mehr stehen und fiel in seine Arme. Er fing mich auf und half mir, mich auf die nahestehende Bank hinzusetzen.
 

-- Aus diesem Grund können wir uns nicht sehen, du kannst dich doch gar nicht kontrollieren, - er klang jetzt ein bisschen wie Itachi und ich kam mir so kindisch vor.

-- Ich will aber! - die körperliche Schwäche überwältigte mich einfach. Ich musste mein Gewicht auf seine Schulter verlagern. Er erlaubte es mir und stützte mich sogar.

-- Sasuke… - sagte er leise, - es geht nicht darum, was du willst, oder was ich will. Es geht darum, was sinnvoller ist. Und uns zu sehen ist unsinnvoll…

-- Du fängst schon wieder mit der Scheiße an! - ich glaube, wenn ich nicht so erschöpft wäre, würde ich ihm in die Fresse hauen. Stattdessen verspürte ich einen Schmerz in meiner Brust.

-- Du kommst irgendwann auch dazu… ich weiß, wie schwer es ist. - seine Stimme war ruhig und leise. Ich konnte seine Ruhe nicht aushalten.

-- Sag mir warum?! BITTE!!! - ich schrie ihn plötzlich aus den Tiefen meiner Lunge an, - warum stellst du dich dem nicht, was du fühlst? Spielt es denn wirklich gar keine Rolle?! Ist es denn alles nicht wichtig?! Ich versteh es einfach nicht!

-- Meinst du es ernst?! Meinst du es jetzt wirklich ernst?! - plötzlich schwankte seine Ruhe und er wurde ziemlich impulsiv. Gut so! Sag mir, was du fühlst!! Sag es mir!!!

-- Ja! Du kannst doch dein Leben nicht von einem einzelnen Versprechen so beeinflussen lassen! Bleib bitte bei mir! Du willst das doch auch! Und hör auf so hochmoralisch zu sein! - ich sah, wie ich ihn anfeuerte und es gefiel mir.

-- Komm mir jetzt nicht mit so einem Scheiss an! - schrie er wütend aus.
 

Seine Ruhe war komplett zerstört. Er stellte zum ersten Mal einen bewussten Blickkontakt mit mir und es war leicht beängstigend. Seine Art änderte sich schlagartig: seine Augen wurden feuerrot und wirkten auf mich verrückt, seine Schurrhaare verdichteten sich und seine Reißzähne wurden länger. Er nahm die Fuchsgestalt an und es ließ ihn wie ein Raubtier aussehen, das bereit war seine Beute zu erlegen. Ich wollte was zu seiner Aussage einwenden, aber er bewegte sich auf mich rasch zu und die Worte blieben mir im Rachen stecken. Er brüllte mich tierisch an und ich wusste, dass ich ihn nicht mehr aufhalten kann:
 

-- Wo warst du früher damit, ha?!!! Wo warst du denn?! Ich sag dir wo! Du warst zu beschäftigt die ganze Welt zu hassen! Ja, klar! Du bist der wichtigste Mensch in diesem Universum und jeder wollte dir natürlich was antun!! Jeder MUSS UNBEDINGT Sasuke Uchiha hassen! Wie denn sonst, ha?! Du könntest sonst gar nicht in deinen geliebten Selbstmitleid baden! Auf MEINE Gefühle zu achten ist schon immer was Niedriges für dich gewesen, ich war immer ein unfähiger Versager in deinen Augen!!! Denkst du, ich war einfach so hinter dir her?! Ha?! Nein!! Ich wollte halt nicht, dass du so miserabel endest!! Obwohl du mich gehasst hast und sogar mich töten wolltest, warst du mir die ganze Zeit zutiefst nicht egal! Ich hab mich trotzdem für dich eingesetzt!!! Ich wollte halt, dass du verdammt nochmal glücklich bist!!! Wie viel ich dafür getan habe, kannst du gar nicht wissen! Und die ganze Zeit hast du mich nur verletzt und weggestoßen! Du wolltest mir nichtmal zuhören! Nichtmal das wolltest du mir gewähren!! Nein!! Ich brachte dich trotzdem dazu und erzählte dir wie viel du mir bedeutest!! Was hat mir das gekostet? Ha?! Richtig, 5 Jahre meines Lebens und meinen rechten Arm! Und du schienst damals das Ganze mal wirklich anzunehmen!! Ich war so froh, weil es doch nicht umsonst zu sein schien!!! Ich dachte, dass du endlich in Konoha bleibst! Oder dass du wenigstens ein etwas glücklicheres Leben führen kannst, ohne gleich alles und jeden zu hassen! Aber neeeeeeeein, wie naiv von mir! Du haust schon wieder ab! Einfach mal so! Wie es mich angeschlagen hat!!! Oh Gott wie! Es war eine der schlimmsten… nein, DIE schlimmste Zeit meines Lebens!!! Nur so nebenbei, falls es dich vielleicht interessiert! Dann ist mir doch in den Sinn gekommen, dass ich vielleicht aufhören muss, so fixiert auf dich zu sein! Schließlich konntest du nichts dafür!! Du hast mich eh nie um Hilfe gebeten und sogar aktiv dagegen gewirkt!!! Wie dumm bin ich eigentlich?! Immer wieder so schmerzhaft auf die Fresse zu fallen hat mir halt erst nach 5 Jahren was gebracht!! Ich lerne halt langsam!!! Und nun hab ich endlich beschlossen, diesen Teufelskreis zu brechen! Was soll das?! Wer tut sich freiwillig so eine Scheiße an?! Egal! Der Punkt ist, dass ich endlich kapiert habe, was ich falsch gemacht habe!!! Das Traurige dabei ist, dass ich immer noch nicht so wirklich sauer auf dich sein kann! Ich kann dich nicht hassen, Sasuke!!! Egal, was du mir antust, wird es früher oder später eh bewusst verziehen!!! Ich bin zu schwach für sowas! Und all das hab ich dir ebenfalls verziehen! Einfach mal alles!! Und weißt du was?! Wärest du lieber nie wieder gekommen!!! Ohne dich war mein Leben besser, ich hatte es einigermaßen unter Kontrolle! Hinata fand mich und es klappte zwischen uns! Und natürlich musst du genau dann auftauchen, als ich gerade dabei war mit deiner Scheiße endgültig abzuschließen! Du musstest mir natürlich alles versauen!!! Ich habe Hinata vielleicht nicht verdient, sie ist lieb, nett, sieht gut aus, sie kocht gut und vor allem sie ist nicht so verdammt anstrengend wie du!! Ich bin vielleicht nicht gut genug für sie, ich bin aber sicher nicht so schlecht, um dein Fußabtreter zu sein!! Und so von dir über die Jahre behandelt zu werden hab ich sicher nicht verdient!! Und ich sag dir noch was, Sasuke… Niemand, und ich wiederhole, wirklich NIEMAND hat es verdient, mit deiner Scheiße zurechtkommen zu müssen!!!!!!
 

Er warf mir seinen ganzen Hass in einem wütenden Blick zu. Ich erlebte ihn niemals so aufgebracht. Die ganze Sache zwischen uns musste ihm also doch sehr weh getan haben. Wie konnte er nur so gelassen auf mich während der letzten Monate reagieren? Seine messerscharfen Worte trafen mein Herz sehr genau und stellten mich irgendwie bloß. Ich wusste nicht, was ich ihm darauf antworten soll. Niemals habe ich mir gewünscht, dass es so wird. Niemals wollte ich ihn bewusst verletzen… ich wollte nur meinen Zielen nachgehen und dabei tat ich ihm den größten Schmerz in seinem Leben an…
 

Dann sagte er plötzlich:
 

-- Na, kannst du gar nichts dazu sagen, oder was? - er versuchte sich abzuregnen. Seine Brust hob und senkte sich in einem sehr kurzen Zeitintervall. Seine Augen wurden langsam wieder blau. Er holte tief Luft und fuhr fort, - wem mach ich was vor? Natürlich sagst du nichts dazu… dann halt nicht… es tut mir leid, ich hätte nicht so ausrasten dürfen. Aber jetzt weißt du, warum ich mich bewusst gegen dich entschieden habe. Ich bitte dich darum, diese Entscheidung zu akzeptieren. Machs gut, Sasuke.
 

Mit diesen Worten stand er auf und machte sich auf den Weg nach Hause. Er entfernte sich von mir sehr schnell. Ich konnte nur seinen Rücken anstarren. War's das jetzt wirklich? Nein… Nein! Nein!!!
 

Ich rannte ihm so verzweifelt hinterher, als ob es die letzte Sache in meinem Leben war, die ich jemals erledigen werde. Irgendwann rammte ich gegen seinen Rücken. Mein Kopf landete zwischen seine Schulterblätter, mein Arm wickelte sich fest um ihn rum und ich flüsterte ihm schwach zu:
 

-- Es tut mir leid…
 

Er blieb stehen und bewegte sich nicht. Ich richtete mich kurz auf, stürzte mit meiner gesamten Masse auf seinen Rücken ein und mein Körper umhüllte ihn vollständig. Ich presste ihn gegen meine Brust mit der restlichen Kraft, die ich noch hatte, in der Hoffnung ihn für immer so festhalten zu können. Am liebsten würde ich ihn einsperren und nur für mich behalten. Aber festhalten reicht erstmal. Mein Kopf fiel auf seine Schulter. Meine Nasenspitze traf auf die Haut an seinem Hals. Ich nahm sein intensives Geruch wahr. Er schwitzte. Sein Körper erhitzte sich enorm und strahlte eine wahnsinnige Wärme in die Atmosphäre aus. Seine Wärme ließ mich innerlich schmelzen. Oder besser gesagt, sie ließ mich innerlich brennen. Diese zerstörerische Flamme konsumierte mich, sodass ich es fast kaum aushielt. Es fühlte sich an, als ob ich bei lebendigem Leibe brannte. Er verbrennt mich gleich zu Tode… Naruto, bitte geh nicht! Bleib mit mir! Ich kann nicht mehr ohne dich! Ich kann es einfach nicht mehr…
 

Wir standen so für eine ganze Weile. Keiner von uns traute sich diese Position zu lösen. Ich hörte seinem hastigen Atem zu. Mein Herz raste und ich nahm immer noch seine überwältigende Hitze wahr.
 

-- Sasuke, lass mich bitte los, - sagte er nach einer Weile erschöpft.

-- Nein…

-- Sasuke, bitte! Ich will nach Hause… lass mich gehen… - er klang verzweifelt und seine Stimme zitterte.

-- Nein!

-- Ich will jetzt nicht noch mehr streiten… bitte!

-- Nein! Ich liebe dich wie verrückt… wenn du jetzt gehst, muss ich buchstäblich sterben! Ich halte es nicht mehr ohne dich aus!
 

Mit diesen Worten brach ich weinend zusammen. Ich schrie irgendwelche unverständliche Laute. Mein ganzer seelischer Leid strömte nach außen mit einer überwältigender Kraft. Sie riss mir den Boden aus den Füßen und ich stürzte auf meine Knien. Die Tränen liefen mir runter wie ein Wasserfall. Ich bekam gar keine Luft mehr. Wenn ich nicht aufhöre, entweder ersticke ich oder ich ertrinke in den eigenen Tränen.
 

-- Was soll das jetzt? - Narutos Stimme klang besorgt. Er setzte sich neben mich, - Sasuke… - er streichelte mich vorsichtig am Rücken, ich konnte aber die Hysterie nicht unter Kontrolle halten, - Sasukeeeee! Nicht machen! Versuch ruhig zu atmen!
 

Ich konnte mich immer noch nicht unter Kontrolle halten.
 

-- Was mach ich nur mit dir? - fragte er fürsorglich und seufzte schwer, - komm her, du Schwachkopf! Ich sagte doch, ich kann nicht so richtig sauer auf dich sein…
 

Dann nahm er mich in den Arm, setzte mich auf seinen Schoß und drückte mich zärtlich an sich. Sein Körper schloss mich um und sein Rücken und wurde wieder zu meiner Festung. Ich schmiegte mich an ihm. Er streichelte meinen Arm und steckte sein Gesicht in meine Schulter. Er wirkte beruhigend auf mich und ich konnte endlich wieder normal atmen. Er löste sich von mir, guckte mir in die Augen, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und lächelte mich liebevoll an. Ich schmiegte mich wieder an ihn ran und versteckte mein Gesicht von ihm. Er sagte dann:
 

-- Was für ein Theater, Uchiha-san! Bitte beruhige dich, damit ich gehen kann.

-- Bitte geh nicht! Ich kann nicht mehr ohne dich… - konnte ich nur flüstern.

-- Du musst. Ich ändere meine Entscheidung bezüglich der Heirat nicht.

-- Vielleicht… - fing ich jämmerlich an.

-- Nein! Bitte lass uns nicht von vorne anfangen. Ich habe dich doch darum gebeten, meine Entscheidung zu akzeptieren. Bitte mach es für mich. Du bist doch wunderbar ohne mich all die Jahre zurechtgekommen. Mach doch genauso weiter.

-- Ich kannte dieses grenzlose Glück bei dir zu sein noch nicht. Naruto, die vergangenen Monate waren die besten in meinem Leben, und alles nur deinetwegen. Ich brauche dich so dringend! Ich muss bei dir sein, ansonsten verfalle ich ins Schwarze! Bitte nimm es mir nicht weg! Bitte bleib einfach!!! Bitte bleib einfach!!! Bitte bleib… - meine Stimme brach zusammen und ich bekam schon wieder keine Luft, - mit mir… - konnte ich nur ausatmen.

-- Heeey, nicht reinsteigern! Komm, ruhig atmen, - seine Stimme klang angenehm seidig. Er umarmte mich fester.
 

Nun umhüllte uns eine schreiende Stille. Seine Umarmung war der beste Rückzugsort für mich. Warum geht es mir so gut bei ihm?! Warum auf seinem Schoß?! Und warum bringt er diese unglaubliche Agonie zum Stillstand? Ich beruhigte mich fast vollständig. Fest an seinem Pullover krallend, betete ich, dass es für immer so bleibt. Plötzlich störte seine bedrückte Stimme die Stille:
 

-- Du fehlst mir auch tierisch, weißt du? Vielleicht geht es dir ein Stück besser, wenn es dir bewusst ist.

-- Dann sollten wir uns wiedersehen, - sagte ich bockig.

-- Sasuke… - der Klang von meinem Namen auf seiner Zunge löste ein leichtes Kribbeln in meinem Nacken, - du weißt selbst, dass es eine sehr schlechte Idee ist.

-- Warum hast du es mir dann gesagt? Du willst mich offensichtlich gar nicht, - fragte ich ihn.

-- Ich bereue es jetzt auch. Wir hatten wenigstens etwas zusammen und ich hab dieses kleine Etwas für uns beide zerstört. Aber ich wollte es unbedingt loswerden. Du wolltest doch auch, dass ich von deinen Gefühlen weiß, oder nicht? Kannst du das verstehen?

-- Ja… - konnte ich nur antworten.

-- Kannst du es mir bitte verzeihen?

-- Ich glaube schon… - erwiderte ich automatisch, ohne ganz im Klaren zu sein, dass er sich aufrichtig entschuldigte.

-- Dann kann ich damit leben, - und er lächelte mich wieder leicht an.
 

Wir saßen noch für eine ganze Weile wortlos auf dem kalten Boden. Er streichelte mich leicht am Rücken und vergrub sein Gesicht in meine Brust. Warum macht er das? Warum tut er uns beiden weh? Warum?! Er liebt mich doch! Er liebt mich doch… und ich spüre es. Warum kann er einfach nicht aufgeben? Warum? Warum…
 

-- Naruto, warum machst du das? - fragte ich ihn erschöpft.

-- Was denn?

-- Na das alles hier!! - ich wurde schon wieder leicht hysterisch, - bleib doch einfach!! Du willst es doch auch, ne? Neee, Naruto?! Sag ehrlich, du willst doch an meiner Seite sein, oder? Oder?!!!

-- Sasuke, hör auf damit. Ich lass dich sonst hier alleine, - sagte er ruhig.

-- Ich kann nicht damit aufhören, weil es so unfassbar weh tut! Und es hört nicht auf, bis du an meiner Seite bist!!! Geht es dir nicht genauso?! Wie kannst du diese erstaunliche Ruhe bewahren?! Wie machst du das?! - meine Augen füllten sich schon wieder mit Tränen und ich war kurz davor erneut zusammenzubrechen.

-- Na komm, nicht mehr weinen, - mit diesen Worten umarmte er mich etwas fester. Es fühlte sich so unbeschreiblich gut an, - wenn du denkst, dass es mir leicht fällt, dann irrst du dich. Ich kenn dieses Gefühl, glaub mir, - er seufzte schwer.

-- Wenn du es kennst, dann weißt du, wie scheiße es mir geht!!! Hilf mir doch!!! Nur du kannst es!!!

-- Nein, kann ich nicht.

-- DOCH!!! - ich schrie ihn schon wieder an.

-- Nein. Ich hab es versucht, und du weißt wie es geendet hatte. Ich bildete mir ein, dass ich wüsste, was besser für dich wäre, warum auch immer. Ich weiß es nicht so ganz genau, wieso ich zutiefst überzeugt davon war. Und ich beschuldigte mich selbst ernsthaft dafür, dass du so geworden bist. Hätte ich dies oder das getan, vielleicht wäre er jetzt anders, dachte ich mir. Aber der Witz ist halt, dass nicht mal du selbst weißt, was besser für dich ist, ne, Sasuke? Also wie zur Hölle konnte ich dir helfen? Meine Schuld bestand im Grunde darin, dass ich dich nicht machen lassen habe. Ich wollte dich ja vor diesem bösen Einfluss beschützen und dabei machte ich alles nur noch schlimmer. Im Grunde wollte ich dir die Verantwortung um dein Wohlergehen abnehmen, aber ich kann es nicht tun. Obwohl ich so es gern würde… aber es funktioniert so nicht und durch manches muss man alleine durch, sonst gewinnt man keine Erkenntnisse. Schlussendlich akzeptierte ich, dass die einzige Person, die dir helfen kann, bist du selbst, Sasuke. Du hast meine Hilfe eh nie gewollt und verdammt nochmal! Es ist deine Pflicht, um dich selbst zu sorgen, und nicht meine. Ich bin halt gescheitert und es ist in Ordnung. Manchmal passiert es, obwohl man stets sein Bestes gegeben hatte. Manchmal wird man halt am Ende nicht belohnt. Es ist leider unfair. Aber es ist auch kein Grund traurig oder verbittert darüber zu sein. Teilweise deswegen nehme ich es dir nicht übel. Und natürlich weil ich nicht sauer auf dich sein kann.

-- Warum bist du so? - fragte ich erschöpft.

-- Weil ich endlich erwachsen wurde, Sasuke. Und du musst auch damit anfangen. Wenn ich damit fertig geworden bin, dann schaffst du es bestimmt auch. Du bist viel klüger als ich, deswegen weiß ich, dass du auch dazu kommst. Man muss manche Dinge so annehmen, wie sie auf einen zukommen. Ich bin dankbar, dass wir uns nochmal als Freunde haben durften. Ich hab ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich diese unersetzliche Erfahrung nochmal machen darf und noch ein wenig an deiner Seite sein kann. Es ist wirklich schön gewesen, Sasuke…

-- Nein, ist es nicht! Wenn es sich so enden muss, dass ist es nie schön gewesen!!! - seine Worte ließen mein Blut schon wieder kochen.

-- Du wirst es noch verstehen… - dieser Satz machte mich so wütend, dass es kein Zurück mehr gab. Es gibt nichts zu verstehen!

-- Nein, werde ich nicht, Naruto! Du WILLST doch bei mir sein! Es geht dir so gut in meiner Umarmung und du machtest es mir schon tausendmal klar! Dein "Erwachsensein" bedrückt dich und du redest dir immer ein, du würdest Hinata lieben. Und du versuchst es ja, das Problem ist nur, dass du nichts für sie empfindest!! Du versuchst ihre kleinsten Wünsche zu erfüllen, du kümmerst dich um sie sehr aufdringlich und du hoffst, dass es was bringt. Aber es bringt nichts und es wird nie was bringen! Und tief drin ist dir das sehr schmerzhaft bewusst! Aber du spielst trotzdem einen starken Mann vor ihr und sagst, sie wäre die perfekte Frau für dich! Naruto, es wird sich nie ändern! DU wirst dich nie ändern!!! Und irgendwann macht es dich kaputt!! Weißt du aber, wie schön deine Augen strahlen, wenn du bei mir bist? Du bist wieder du selbst, du hast Spaß am Leben und du möchtest deine Freude mit mir teilen. Und es gelingt dir immer wieder. Du bist so glücklich in diesen Momenten! Dabei machst du mich so glücklich! Du bist meine Sonne! Sag mir jetzt dass ich unrecht habe!

-- Nein, - murmelte er leise, - es ist genauso wie du es beschreibst…

-- Warum willst du dann nicht mit mir zusammen sein?! - schrie ich ihn an.

-- WEIL ICH EINE SCHRECKLICHE ANGST VOR DIR HABE, OKAY?! - warf er mir wütend züruck, setzte mich von seinem Schoß ab und stand auf, - meinst du etwa, ich denke nie darüber nach, oder was?! Denkst du wirklich, ich würde es mir nicht von Herzen wünschen?! Hast du mir überhaupt zugehört?! Verstehst du überhaupt, welche Riesenwirkung dein Verhalten auf mich hat?! Noch hab ich ein geregeltes Leben mit Hinata und ich weiß, wie ich es leben muss!! Und mit deinem Tun willst du es am liebsten zum Einsturz bringen!!! Angenommen ich schmeiße das alles für dich weg, was dann?! Ich sag dir was dann: dann weiß ich gar nichts mehr!!! Wie sollen wir funktionieren? Was werden wir machen? Dürfen wir überhaupt in Konoha bleiben?! Wenn nicht, wo sollen wir dann hin?! Was dann, ha?! Du wirst mir sicher keine Antworten geben!!! Warum soll ich meine so mühsam aufgebaute Sicherheit für etwas so riskantes und ungewisses opfern?! Ich hab nichtmal eine Garantie, dass es sich im Endeffekt lohnt! Und so wie du tickst, kann ich mir, ehrlich gesagt, keine zufriedenstellende Beziehung mit dir vorstellen! Und die mit Hinata ist halt zufriedenstellend! Wenn du mich ach so eifrig gewollt hättest, wie du jetzt plötzlich behauptest, wärest du früher gekommen! Ich hab dir genug Gelegenheiten gegeben, das kannst du nicht abstreiten! Also tu jetzt nicht so! Reiss dich verdammt noch mal zusammen! Krieg dein Leben in Ordnung und dann können wir reden. Ich werde nicht mehr nach deiner Pfeife tanzen, Sasuke. Es hat mir nur Schmerz gebracht und im Endeffekt war es doch komplett unnötig, - ich versuchte seine Hand zu fangen und es misslang mir, - versteh mich nicht falsch, das heißt nicht, dass wir nicht irgendwann wieder Freunde sein könnten, oder dass ich dich gar nicht mehr sehen will, oder dass ich plötzlich aufhöre, mir deinetwegen Sorgen zu machen. Ich will nur, dass du dich reinkriegst, und dass du mich leben lässt. Ich finde das alles doch genauso schlimm wie du! Es ist unglücklich, unfair und manchmal weine ich ganz still, liegend neben meiner friedlich schlafenden Verlobten, darüber, dass ich nicht mit einem anderen Mann zusammen sein kann! Manchmal erzählt sie mir sogar am nächsten Tag, dass ich dich im Schlaf sehr laut gerufen hatte. Warum ist es so? Wer ist schuld daran?! Ich weiß es doch auch nicht, und man kann sich das fragen, bloß es bringt nichts gutes mit sich! Ich weiß nur, dass ich jetzt damit leben muss, und ich hab bereits rausgefunden, wie ich es irgendwie bewerkstellige. Und noch was, Sasuke… in meinen Augen ist es nicht deine Schuld. Ich glaube wirklich daran. Du hattest damals Gründe, warum du so gehandelt hast, wie du eben gehandelt hast. Sie mögen vielleicht für mich nicht nachvollziehbar sein, aber deswegen sind sie nicht weniger legitim. Denn das sind doch Sachen, die dir damals wirklich wirklich wichtig waren! Ich muss mindestens diese Gründe respektieren und eigentlich…
 

Er brach den letzten Satz ab und verdeckte sein Gesicht mit den Händen. Warum sagt er das alles?! Bin ich wirklich so schlimm?! Warum verteufelt er mich jetzt?! Ist es denn so verwerflich, jemanden zu lieben?! Warum…
 

Und plötzlich nahm ich ihn wie in Zeitlupe wahr: er machte seine Augen zu und streckte den Hals zu Himmel hinauf. Ich sah, wie sich eine Träne flüchtig über seine Wange kullerte. Er wischte sich die Träne aus dem Gesicht und unsere Augen trafen sich für einen kurzen Moment. Er schweifte seinen Blick sofort in die entgegengesetzte Richtung, aber nur ein Blinder hätte diese stumme Verzweiflung nicht bemerken können.
 

Für eine kurze Sekunde wurde es mir bewusst, dass ich mich nie wirklich um sein Wohlergehen interessierte.
 

Er holte tief Luft und fuhr fort:
 

-- Sasuke, manchmal sind Gefühle nicht alles. Bitte sei dir dessen bewusst, okay? Und bitte, versuche es mir wirklich zu vergeben, - den letzten Satz flüsterte er ganz ganz leise. Seine Stimme wurde wieder etwas kräftiger, - wenn du irgendwann dich selbst im Griff hast und vielleicht sogar bereit bist, mein bester Freund zu sein, dann heiß ich dich herzlich willkommen, - ich griff ein letztes Mal nach seiner Hand und er stieß mich weg, - Bitte lass mich jetzt gehen ohne noch eine Szene zu machen. Das erschwert alles und ist unnötig. Lass mich einfach. Bitte, tu es mir nicht länger an. Ich flehe dich an, hör damit auf…
 

Es klang nach einem bitteren Abschied, denn es war einer. Mit diesen Worten stand er auf und bewegte sich entschlossen weg von mir. Nein! Nein! Nein!!!! Es kann nicht vorbei sein! Naruto… BITTE!
 

-- Naruto, bitte! Komm zurück! Lass mich nicht allein! - rief ich ihm hinterher.
 

Er drehte sich nichtmal um. Er entfernte sich weiterhin in riesigen entschlossen Schritten. Ich war zu schwach um ihm wieder hinterher zu rennen, also blieb ich tatenlos sitzen. Meine totale Machtlosigkeit fiel mir zur untragbaren Last und ich kippte unter ihrem Gewicht um. Ich konnte seinen kleinerwerdenden Rücken nicht mehr ansehen, also wanderte mein Blick in den Boden. Ich konnte nicht mal weinen. Meine Brust fing plötzlich an, unerträglich zu schmerzen. Es wäre einfacher einen Kunai-Stich direkt ins Herz auszuhalten. Ich knickte um. Ich fühlte alles auf einmal… Liebe, Wut, Hass, Trauer, Scham, Kummer… etwas Mächtiges wollte aus mir ausbrechen und mein Brustkorb war kurz davor zu explodieren. In meinem Hals steckte ein Klumpen und machte mir das Schlucken unmöglich. Ich bekam keine Luft. Mein Kopf pulsierte so wie damals als mein Sharingan erwachte. Nur tausend mal stärker. Jede kleine Lichtquelle löste einen enormen Schmerz aus und überlastete meinen Kopf. Ich rollte mich auf dem Boden zusammen und verdeckte mein Gesicht mit den Armen. Ich konnte nur die Dunkelheit ansehen. Sie war leer, entspannend und sicher. Und am wichtigsten ohne Überraschungen. Ich wurde von dem Abgrund vollständig konsumiert.
 

Also war's das. Meine Sonne verließ mich und schien nun für jemanden anderen.

Demut

Ich wusste nicht mehr, wie ich die letzte Nacht überlebte. Mein Körper tat weh an jeder erdenklichen Stelle. Und die Kopfschmerzen… mein Gott! Sie arteten in irgendwas Grausames aus, das mir bis jetzt komplett unbekannt war, und gerieten vollständig außer Kontrolle. Ich hielt meine Augen ununterbrochen zu, denn, sobald ich nur ein kleines helles Fleck sah, drohte mein Schädel von innen zu platzen. Etwas drückte mit immenser Gewalt auf die Innenseite meiner Schläfen. Ich bildete mir sogar ein, die Knochen oberhalb meiner Ohren schmackhaft knacksen zu hören. Natürlicherweise dachte ich, meine Kopfschmerzen würden ihr Endstadium erreicht haben und dass sie ab jetzt unmöglich schlimmer werden können. Mein Körper schuf es aber, mich immer wieder zu überraschen. Die Sonne ging auf. Sie ließ mich komplett wahnsinnig werden. Ich schrie mir die Seele aus dem Leibe vor Schmerzen und bekam ein gewaltiges Nasenbluten. Das Blut füllte rasch mein Rachen und ich musste ziemlich oft ausspucken, um nicht darin zu ertrinken. Ich wurde komplett vom Wahnsinn besessen und war kurz davor, mir die Augen auszustechen, um endlich gar kein Licht mehr sehen zu können.
 

Irgendwann fand ich mich selbst liegend in einem Krankenhausbett. Anscheinend wurde ich bewusstlos und einer der Passanten rief einen Krankenwagen. Sakura saß neben mir und ich konnte nur ihren besorgten Blick fangen, bevor ich wieder anfing vor Schmerzen zu schreien. Es war ein helllichter Tag und das Zimmer war nicht abgedunkelt. Überall lauerte Sonnenlicht. Sakura bekam Angst und versuchte mich irgendwie zu beruhigen. Ich versuchte es ihr krampfhaft zu erklären und irgendwann dunkelte sie das Zimmer ab. Der Schmerz ging etwas zurück, sodass ich es mit zugehaltenen Augen aushielt und nicht mehr schreien musste. Sakura besorgte mir sofort irgendwo eine undurchdringbare schwarze Augenbinde und sie wurde zu meinen besten Freund. Anscheinend war die Dunkelheit meine natürliche Umgebung. Ich fühlte mich wohl. Eins der wenigen Orte, wo es mir relativ gut ging.
 

Die Tage liefen, meine Gesundheit wurde Stück für Stück besser. Sakura stellte ziemlich viel Falsches in meinem Körper fest und ich musste ohne Ende behandelt werden. Nach ca. einem Monat im Krankenhaus konnte ich mich in einem mit dicken Vorhängen abgedunkelten Raum ohne Augenbinde befinden. Ich ernährte mich außerdem deutlich besser. Sakura konnte mir nach langen Gesprächen mit der Klinikleitung ein Einzelzimmer organisieren. Sie schlug außerdem vor, das Zimmer jeden Tag ein wenig aufzuhellen, damit ich mich wieder ans Sonnenlicht gewöhnen kann. Ich fand die Idee gar nicht so schlecht und sie wurde nun umgesetzt. Es schmerzte anfangs tierisch, aber es wurde jeden Tag weniger schlimm. Ich lernte meinen Körper von Grund auf neu kennen und gewann dabei bessere Kontrolle über diese Lichtempfindlichkeit. Nach einigen Tagen war es so weit, dass ein kleiner Spalt im Vorhang fast problemlos gelassen werden konnte. Der Spalt vergrößerte sich jeden Tag ein bisschen. Ab da wusste ich, dass ich wirklich Fortschritte mache.
 

Obwohl Sakura so viel für mich machte, löste sie immer noch dieses unangenehme Gefühl in mir aus und ich fand es sehr schlimm. Eigentlich muss ich ihr dankbar sein und stattdessen spüre ich diese komische Abneigung. Es ist so falsch! Sie hat es überhaupt nicht verdient, spätestens jetzt hätte ich keine Gründe mehr sie nur als lästig zu empfinden. Also versprach ich mir selbst zu versuchen, Sakura wenigstens etwas ans Herz zu gewinnen. Es klappte leider nur bedingt gut. Irgendwie kann es nicht zwischen uns funktionieren, nichtmal auf freundschaftlicher Ebene. Dann entschloss ich mich endlich gesund zu werden, um das Krankenhaus schnellstmöglich zu verlassen. Sonst kann ich diese Schuld ihr gegenüber nie begleichen. Dieser Gedanke trug dazu bei, dass es mir ab irgendeinem Zeitpunkt rasch besser ging.
 

Naruto versuchte ein paar mal in diesem Zeitraum mich zu besuchen, ich hatte aber keine geistige Kraft ihn anzusehen. Er war das hellste Licht in meinem Leben und ich wusste, dass sobald ich ihn ansehe, wird die ganze Besserung zunichtegemacht. Die Vorstellung in meine Verzweiflung zurückzukehren jagte mir so viel Angst ein, dass ich mich jedesmal schlafend verstellte, sobald ein Besuch angekündigt worden war. Eines Tages bekam ich mit, wie Naruto neben meinem Zimmer stand und sich über meinen Zustand erkundigte. Er fragte die Krankenschwester, ob er was für mich tun könnte, und sie schlug ihm vor, mir Blumen zu schicken. Der besorgte Klang von seiner Stimme verletzte mich zutiefst. Er macht sich immer noch meinetwegen aufrichtige Sorgen. Es ist so verwirrend! Was ist eigentlich falsch mit ihm?! Er kann mich wirklich nicht hassen, ne?
 

Am nächsten Tag bekam ich wirklich einen Blumenstrauß von ihm. Er hinterließ keine Nachricht dazu. Später, abends, als Sakura mich untersuchte, erfuhr ich von ihr, dass sich Naruto regelmäßig über meinen Zustand bei ihr erkundigt. Anstatt glücklich zu sein, wurde ich plötzlich bekümmert. Verdiene ich etwa tatsächlich so eine blinde Zuneigung? Warum macht er das eigentlich?! Ach, Naruto, du bist so ein Dümmchen! Warum muss du immer so aufrichtig sein? Was soll denn ich bitte schön fühlen?! Einerseits freute ich mich unendlich über seine Aufmerksamkeit und abends, wenn keiner zuguckte, steckte ich meinen Kopf in den Blumenstrauß und atmete sein Geruch tief ein. Andererseits dachte ich sofort an jene Nacht und es ging mir danach mental und körperlich schlechter. Ich ließ die Blumen trotzdem bis zum letztmöglichen Tag stehen. Ach, ich hab keine Ahnung mehr. Diese Beziehung ist immer noch zutuefst kurios. Aber ich liebe ihn trotzdem wie verrückt…
 

Nach dem Vorfall mit den Blumen hörte Naruto auf, mich zu besuchen. Seine Präsenz wurde dennoch nicht weniger. Sie wurde sogar viel mehr. Er erledigte so viel Kleinkram für mich, dass ich ständig an ihn denken musste. Er brachte meine Kleidug von zuhause vorbei, besorgte mir Bücher, Essen oder andere Sachen, die ich benötigte. Ich wollte ihm nicht zur Last fallen, besonders nicht jetzt. Aber aus den Unterhaltungen mit Sakura wusste ich, dass er es gern für mich macht und sie immer wieder fragt, wie er mein Krankenhausaufenthalt angenehmer gestalten kann. Ich wusste immer noch nicht, was ich dabei fühlen soll. Anscheinend will er, dass es mir an nichts mangelt. Ach, Naruto, du bist so rätselhaft! Mal meldest du dich nicht für einige Monate, und mal bist du aus meinem Leben nicht mehr zu vertreiben. Kannst du nichts dazwischen wählen? Ach, Mann… was ist nur los mit dir, du Dümmchen?
 

Man würde denken, dass ich endlich genug Zeit bekam um all das zu sortieren, aber Uzumakis unsichtbare Präsenz lenkte mich zu effektiv ab. Er tauchte immer wieder in meinen Gedanken unaufgefordert auf und dabei wollte ich gar nicht an ihn denken. Leider war es so gut wie unvermeidbar. Besonders abends sehnte ich sehr stark nach ihm und wünschte mir, er wäre bei mir. Wenn ich nochmal seine Berührungen genießen dürfte! Ich fantasierte darüber, wie er mich auf seinen Schoß setzen, über meine Haare streicheln, mich in den Kopfwirbel küssen würde… wie sein breiter Rücken nochmal zur meinen Festung würde… und wie warm und geborgen es dort wäre! Diese mentale Bilder waren so schön und gleichzeitig rissen sie mir mein Herz aus dem Leibe aus. Sie ließen mich meistens ziemlich verbittet. Es tat einfach weh und ich konnte mich nicht gegen diesen Schmerz wehren. Mir wurde endlich klar, dass ich derjenige war, der es für uns vermasselte. Deswegen ärgerte ich mich massiv und die Agonie von jener Nacht suchte mich jedesmal, während ich einzuschlafen versuchte. Der Schuldige am Geschehenen wurde nun benannt, aber er hatte diesbezüglich recht. Diese Erkenntnis brachte nichts gutes mit sich. Stattdessen forderte sie in mir eine unglaubliche Reue und es schien nur noch unerträglicher zu sein. Ich ging einige Male durch das Ganze durch und pickte mir die Stellen, wo es vielleicht mit uns geklappt hätte. Wäre ich als Genin etwas ausgeglichener, vielleicht wäre er jetzt mit mir… oder wäre ich bereits nach unserem ersten Kampf im letzten Tal mit ihm mitgekommen, vielleicht dann… oder die unzähligen Male danach… würde ich ihn früher vernünftig ausreden lassen, vielleicht dann… wäre ich nicht so schwach und würde früher eine Liebeserklärung durchziehen, vielleicht dann… wäre ich wenigstens nicht nach dem Krieg abgehauen, vielleicht dann! Vielleicht wäre er jetzt tatsächlich meins! Aber jetzt ist es halt vorbei und nichts hilft. Und nichts mehr kann die Situation umkehren. Also ist diese Agonie an sich sinnlos… ich bin halt gescheitert… und trotzdem liebe ich ihn wie verrückt.
 

Irgendwann gelangte ich an den Punkt, an dem seine Entscheidung tatsächlich für mich nachvollziehbar wurde. Was er tut, ist nur menschlich. Warum soll man in die beängstigende Ungewissheit kopfüber eintauchen, wenn das, was man jetzt hat, bereits gut genug ist? Ich bin jedenfalls die letzte Person, die ihn dafür verurteilen darf. So wie ich ihn verletzt habe, bin ich erstaunt, dass er sich immer noch meinetwegen solche große Sorgen macht. Aus irgendeinem Grund bin ich ihm nach all dem anscheinend immer noch nicht egal. Er ist so ein riesengroßer Schwachkopf! Er ist der hoffnungsloseste Romantiker, der wirklich fest davon überzeugt ist, dass jeder eine zweite, dritte oder welche auch immer Chance verdient. Ich kann mich immer wieder über seine komische Art staunen. Genau das macht ihn zur Sonne… und natürlich dass er überall gute Laune verbreitet, wo auch immer er auftaucht. Und mir fehlt beides… deswegen konnte ich mich nicht aufrichtig für ihn freuen. Schließlich überstand er unsere kuriose Beziehung und machte sogar das Beste draus. Aber es beißt so schmerzhaft in die Seele! Und dennoch machte ich kleine Fortschritte: wenigstens machten mich diese Gedanken nicht mehr wütend und ich konnte nun die ganze Sache "relativ gelassen" ansehen, außer, dass es unglaublich wehtat. "Manchmal sind Gefühle nicht alles" sagte er mir. Hmmm… Naruto, du bist wirklich erwachsen geworden.
 

Und so lernte ich langsam, seine Entscheidung zu akzeptieren. Es war immer noch unglaublich schmerzhaft, aber irgendwie schuf ich es von einem Tag zum nächsten und es wurde tatsächlich kontinuierlich leichter. Seine Worte "du kommst auch irgendwann dazu" kamen mir oft in den Sinn und ich fand es etwas ironisch. Allerdings war ich mir nicht mehr sicher, ob ich ihn jemals wiedersehen will, geschweige denn Freunde zu sein. Es war zu viel von mir verlangt, seine greifbare Nähe auszuhalten. Dafür waren die Gefühle doch zu stark. Nein, ich besitze sicher nicht die geistige Kraft dazu.
 

Irgendwann kam der Tag, an dem ich endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Ich konnte mich tagsüber immer noch nicht durch die Gegend treiben, aber abends ging es. Deswegen war mein Entlass auf 21 Uhr gelegt. In meinem Zimmer sammelten sich viele persönliche Gegenstände und sie alle wurden von Naruto hierher gebracht. Ich musste sogar am Tag davor packen. Um 21 Uhr setzte ich mich ins Taxi, das mich nach Hause schuf.
 

Zuhause wartete eine Überraschung auf mich. In der Tür klemmte ein Brief von Naruto. Ich machte ihn auf und musste sofort über seine Sauklaue schmunzeln. Ich finde immer noch fast alles süß, was er macht… dummer Naruto! Im Brief stand:
 

"Hallo, Sasuke!
 

Ich gratuliere dir zum Entlass aus dem Krankenhaus. Ich muss dir sagen, dass ich mich unendlich schuldig fürs Geschehene fühle. Es tut mir so leid! Ich hätte dich halt nicht alleine lassen sollen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich nichtmal ansatzweise Ahnung darüber hatte, wie sehr du die ganze Sache zum Herzen genommen hast. Ich dachte halt, eine schnellere Trennung richtet dir weniger Schaden an. Aber ich irrte mich eindeutig und diesen Fehler gebe ich zu. Ich will mich unbedingt dafür revanchieren. Ich bekam mit, dass du mich aus verständlichen Gründen nicht sehen willst und ich kann es nachvollziehen. Gibt es trotzdem etwas, was ich für dich machen kann? - hier kam die Stelle, die mich vom ganzen Herzen lächeln ließ, - Willst du, dass ich dein ganzes Leben lang für dich einkaufe? Natürlich von meinem eigenen Geld. Oder willst du, dass ich jetzt den Führerschein mache und zu deinem persönlichen Taxifahrer werde? Willst du, dass ich jeden Tag jede Mahlzeit für dich zubereite? Ich würde es nicht empfehlen, aber wenn du es willst, besuche ich die Kochkurse und so… - nächste Passage machte mich nachdenklich, - Ich weiß halt nicht, was ich dir geben kann. Ich möchte dir aber irgendwas als Schadensersatz anbieten… denn ich kann mich immer noch nicht damit abfinden, dass du meinetwegen die ganzen zwei Monaten im Krankenhaus verbringen musstest. Du sagtest, dass ich dich nicht will… so stimmt es nicht, denn du bist mir sehr wichtig und ich will, dass es dir gut geht. Deswegen will ich unbedingt den Schaden rückwirkend mindern. Jedenfalls, wenn du dir was überlegt hast, gib mir irgendwie Bescheid. Du musst es mir nicht persönlich sagen, du kannst zum Beispiel auch einen Brief schreiben und ihn bei Hinata liegen lassen. Oder bei Sakura. Oder in der Akademie. Mein Büro befindet sich im dritten Stock, du kannst den Brief durch mein Fenster reinwerfen. Für dich wird es bestimmt kein Problem sein. Mach doch einen Shuriken daraus, dann triffst du auf jeden Fall, - ich musste schon wieder verträumt lächeln, - Ich bitte dich nur, nein, ich nötige dich sogar dazu, dir irgendwas zu überlegen. Ich werde das Fenster in meinem Büro ab heute jeden Tag zwischen 21 und 0 Uhr offen halten, bis ich deine Antwort habe. Ich weiß, dass du immer noch nicht tagsüber rausgehen kannst und die Akademie schreibt nun leider vor, die Fenster geschlossen zu halten. - was für einen Unsinn schreibt er eigentlich?! Ich musste herzlich lachen. Ich atmete danach tief ein und laß nun weiter, - Allerdings wünsche ich dir eine gute Besserung. Ich wollte bei dir zuhause aufräumen, als ich deine Sachen abholte, allerdings wusste ich nicht, ob du es vielleicht etwas unheimlich findest. Ich habe nur rudimentäre Sachen gemacht, bitte erschreck dich nicht. Und überlege dir was.
 

Naruto
 

P. S. Entschuldige bitte meine Handschrift, ich schreibe den Brief schon zum vierten Mal neu und er sieht immer noch so wie er halt aussieht"
 

Ich hielt den Brief in meiner Hand ziemlich lange. Ich laß ihn mir mehrere Male durch und jedes Mal fühlte ich leichtes Kribbeln im Bauch. Der Brief gab ein sehr warmes Gefühl von sich, ich schmunzelte bei jedem Lesen erneut. Ich bin ihm also sehr wichtig… Hmmmm… Okay, dann weiß ich Bescheid, Uzumaki-san.
 

Allerdings wusste ich nicht, worum ich ihn bitten soll. Seine Vorschläge waren albern und wahrscheinlich eher als ein Witz gemeint. Obwohl…? Eigentlich schien mir das mit dem Einkaufen ziemlich verlockend! Aber nicht so verlockend wie diese eine Sache… er könnte wieder meine Sonne sein. Aber ob ich ihn um sowas bitten sollte? Es war erstens unangebracht und zweitens was wenn er anfangs einwilligt und haut dann doch später ab? Was, wenn ich mich wieder von ihm gegen meinen Willen lösen muss? Es wirkte beängstigend auf mich. Ich werde sowas nicht noch ein mal überleben. Außerdem ich verstand nicht ganz, warum er mich dazu nötigte. Er entschuldigt sich zu oft… er muss damit aufhören.
 

Die Tage vergingen, ich kam in meine Routine wieder rein. Kakashi meldete sich und wollte wissen, ob ich arbeiten kann. Leider musste ich absagen, weil das mit der Lichtempfindlichkeit noch nicht vollständig geheilt war. Zum Glück konnten die meisten Fenster zuhause dennoch abgeklebt werden. Ich ging gerne abends nach dem Sonnenuntergang in den Wald und trieb mich dort rum, der Spaziergang half mir meine Gedanken zu sortieren. Nicht, dass ich den Gedankenfluss vollständig unter Kontrolle hätte oder sowas… manchmal wurde ich sogar vom Gedankenstrom überwältigt, aber es wurde spürbar besser.
 

Sakura suchte neuerdings ziemlich aktiv Kontakt zu mir und ich versuchte nichts dagegen zu haben. Sie schuf aber mein mentales Gleichgewicht zu zerstören und ich musste es immer wieder erneut aufbauen. Es fiel mir jedes Mal schwerer und ich hatte wenig Lust darauf. Dennoch sahen wir uns regelmäßig und irgendwann fiel mir auf, dass sie mich doch nicht all zu gewaltig nervt.
 

Narutos Hochzeit rückte näher und ich bekam es jeden Tag ein Stück deutlicher zu spüren. Die feierliche Hektik nahm Konoha langsam ein. Die ganze Stadt war quasi eingeladen, Naruto war schließlich der Kriegsheld und jeder wollte ihm gratulieren. Ich wusste bloß nicht, was ich an dem Tag mache. Einerseits könnten meine Kopfschmerzen schon wieder außer Kontrolle geraten, das kann ich mir ganz gut vorstellen. Aber andererseits… ich will Naruto so gern als Bräutigam eingekleidet sehen! Er wird bestimmt traumhaft schön sein. Mittlerweile glaube ich, Naruto würde jede meine Entscheidung diesbezüglich akzeptieren. Wenn nicht, dann kann ich ihn dazu mit seinem Brief zwingen…
 

Apropos, ich überlegte mir immer noch nichts wegen des Briefs. Ich erinnerte mich daran, dass er versprach das Fenster in seinem Büro von 21 bis 0 Uhr offen zu halten. Ob er es tatsächlich macht? Ich wurde neugierig und ging am gleichen Abend gucken. Ich kam ca. 22:30 zur Akademie und ein einziges Fenster war tatsächlich offen. Hmmm… ob das Fenster um 0 Uhr zugeht? Und tatsächlich. Das Fenster wurde pünktlich um 0 Uhr zugemacht und das Licht ging kurz danach aus. Ich fand es sehr interessant und wollte unbedingt wissen, ob es sich dabei wirklich um Naruto handelte. Ich versteckte mich ziemlich weit weg von der Akademie, aktivierte mein Sharingan und versuchte einen markanten Chakrafluss zu bemerken. Leider fiel mir nichts auf. An dem Abend fand ich es also nicht heraus. Am nächsten Abend war ich pünktlich um 21 Uhr an derselben Stelle bei der Akademie. Das gleiche Fenster war wieder offen und ein kleines Licht brannte darin. Um 0 wurde das gleiche Fenster zugemacht und das Licht ging kurz danach aus. Ich kam noch ein paar mal her um dieses Fenster mit dem kleinen Licht zu beobachten. Irgendwie gab es mir eine Hoffnung, bloß keine Ahnung worauf. Meine nächtliche Spaziergänge zur Akademie häuften sich bis es zu meinem täglichen Abendritual wurde. Ich hielt mich gern hier auf, nur Gott weiß wieso. Eines Tages zeigte sich eine menschliche Gestalt in meinem kleinen Fenster. Endlich wusste ich, dass das Büro tatsächlich besetzt war. Die Person stand leicht gebeugt und kratzte sich im Nacken. Ich bekam dabei das Gefühl mit einem überfreundlichen Grinsen begrüßt zu werden, und ich lächelte im Gegenzug die Person automatisch an. Das war sicher Naruto. Mir fiel dabei flüchtig auf, dass ich gar nicht über dieses Wiedersehen verbittert bin. Ich begegnete ihn mit einer aufrichtigen und sogar etwas naiven Freude und hoffte komischerweise, dass er mich auch sieht, oder meine Chakra spürt, oder irgendwie anders von meiner Präsenz weiß. Ich staunte über mich selbst für einen kurzen Moment. Es ist immer noch so kurios mit ihm… und wusste immer noch nicht, was er für mich erledigen kann, das sinnvoll genug und angebracht wäre.
 

Am Ende dachte ich doch intensiv über seine Worte nach. "Manchmal wird man halt am Ende nicht belohnt, aber es ist kein Grund traurig darüber zu sein", "du weißt doch selbst gar nicht, was besser für dich ist, also wie zur Hölle konnte ich dir helfen?", "die einzige Person, die dir helfen kann, bist du selbst, Sasuke", "durch manches muss man alleine durch, sonst gewinnt man keine Erkenntnisse", "wenn ich alles für dich wegschmeiße, was dann, ha? Du wirst mir sicher keine Antworten geben", "manchmal weine ich ganz still, liegend neben meiner friedlich schlafenden Verlobten, darüber, dass ich nicht mit einem anderen Mann zusammen sein kann. Warum ist es so? Wer ist schuld daran? Ich weiß es doch auch nicht, und man kann sich das fragen, bloß es bringt nichts gutes mit sich"… das alles klingt so hochmoralisch und gar nicht nach Naruto. Während jener Nacht glaubte ich sogar, dass er mich verarschen wollte und einfach nur stur war. Mittlerweile kam ich zu Einsicht, dass es doch was dran sein könnte, selbst wenn er es nicht ernst meinte. Ich habe weder eine Ahnung, was besser für mich ist, noch weiß ich, wie ich mein Leben gern leben würde, noch weiß ich, was mein momentanes Ziel ist… was mir endlich klar geworden ist, dass ich unglaublich selbstsüchtig bin, und dass es aufhören muss, weil es ganz schön betäubend ist. Man verlernt den anderen zuzuhören. Wenn man recht hat, dann ist alles gut. Und wenn nicht, dann fällt man sehr tief vom hohen Ross runter. Und man heißt dann vermutlich Sasuke Uchiha. Naruto im Gegenzug macht sich zu viele Sorgen um die anderen und zu wenig um sich selbst. Sich für die anderen zu opfern liegt ihm also nahe. Es ist wahrscheinlich ziemlich blendend, weil man das Böse in Menschen einfach nicht sieht. Dann fällt man ebenfalls sehr tief, wenn einem plötzlich bewusst wird, dass manche wirklich nichts gutes in sich haben. Enttäuschung tut halt auch weh und zufälligerweise wurde ich zu seiner größten Enttäuschung. Er löste sich davon. Und ich muss im Gegenzug erlernen, mir Sorgen um meine einzige, teuere, unersetzliche Sonne zu machen. Denn ihn gibt es nur einmal, deswegen ist es in meinem besten Interesse, dass es ihm gut geht. Dazu gesagt, sollte es mir eigentlich egal sein, an wessen Seite er ist. Damit komme ich immer noch nicht klar. Aber ist es nicht nur menschlich, die geliebte Person zu begehen? Ja, ist es. Und es ist in Ordnung. Deswegen drückte ich das Auge auf diese kleine Schwäche zu. Schlimmer ist vielleicht, dass ich eigentlich so gern die Verantwortung um mein Wohlergehen ihm überlassen würde. Besonders weil er meinte, er würde sie mir so gern abnehmen… aber er hatte schon wieder recht, es funktioniert so nicht. Ach, Naruto, du bist nicht so dumm, wie du es immer behauptest. Der tatsächliche Dumme von uns beiden bin ich, denn du machtest mir klar, dass ich gar nichts weiß.
 

Diese Gedanken fasste ich zusammen zu einem kleinen Brief. Ich hielt mich selbst für eloquent genug, aber dieser Brief bewies nun das Gegenteil. Aus dieser Menge an Gedanken entstanden nur 15 ziemlich ungeschickt formulierte Sätze. Ich überflog nochmal kurz den Text. Liest er sich weinerlich-hochmoralisch an? Ja, tut er. Aber ich befinde mich zur Zeit in diesem weinerlich-hochmoralischen Zustand, also ist es nicht verwunderlich. Hauptsache ist, dass ich mich mit diesem Brief wenigstens schriftlich für alles bei ihm aufrichtig entschuldige. Und dass ich mittlerweile seine Entscheidung nachvollziehen kann und es ihm nicht mehr so ganz übel nehme, wenn auch ich es ihm noch nicht ganz verziehen hatte und es vermutlich niemals bewerkstellige. Und dass er mir vieles offenbart hatte, wovon ich keine Ahnung hatte. Und dass ich generell von fast nichts eine richtige Ahnung habe. Und das ich trotzdem unendlich froh darüber bin, dass er mal meine Sonne war. Ich beschloss für mich nun, dass diese Erfahrung insgesamt doch sehr positiv war, auch wenn der Preis dafür unglaublich hoch angesetzt wurde. Denn diese Stunden mit ihm waren wirklich beflügelnd und zeigten mir mein wahres Glück. Schließlich ist es nur eine Ansichtssache, oder? Ich versprach ihm außerdem, dass ich ihn als Hokage unterstützen werde, selbst wenn ich mir noch gar nicht vorstellen kann, wie es funktionieren soll, und dass wir uns sicher zusammen eine geeignete Position für mich ausdenken können. Ganz am Ende schrieb ich, dass wir vermutlich die zwei größten Idioten sind, die die Shinobi-Welt kannte. Und dass ich ihn dafür unsterblich liebe. Und dass es die einzige Tatsache ist, die ich über mich selbst mit hundertprozentiger Sicherheit weiß. Und so schickte ich den Brief ab. Ganz nach seinem Vorschlag wurde aus diesem kleinen Blatt ein Papier-Shuriken geformt und ins Fenster mit dem kleinen Licht reingeworfen. Und ab da blieb das mir so vertraut gewordenes Fenster der Akademie im dritten Stock von 21 bis 0 Uhr stets dunkel.
 

***
 

Es klopfte plötzlich an der Tür. Wer könnte denn der ungebetene Gast sein? Ich öffnete etwas verwundert die Tür und… fand Shikamaru. Was will er hier?!
 

-- Hi, - begrüßte er mich kurz und ging sofort zur Sache über, - willst du bei der Vorbereitung auf Narutos Junggesellenabschied helfen? Ich habe bereits einen Plan entworfen, er ist ziemlich umfangreich, deswegen brauchen wir jede helfende Hand… - er machte eine Pause und erlaubte sich einen Scherz, - eine reicht schon.

-- Hn, - atmete ich aus. Aber ich fand den Witz tatsächlich nicht schlecht, - was gibt's zu tun?

-- Na ziemlich viel halt. Ich dachte sofort an dich, weil du ja sein bester Freund bist und weil du ein Uchiha bist. Wir bräuchten euren Familientempel. Kannst du ihn bereitstellen?

-- Okay, erstmal bin ich dabei, - ich musste erst alles sortieren, - und das mit dem Tempel sollte kein Problem sein, er wird ja eh nicht benutzt.

-- Cool, - sagte er kurz, - ich muss noch arbeiten und so, deswegen ist das Treffen diesbezüglich erst am Samstag. Könntest du eventuell schon am Samstag den Tempel bereitstellen? Ich habe etwas Angst, dass Naruto es mitbekommt und deswegen wäre es gut. Besonders wenn du sagst, dass der Tempel eh nicht benutzt wird… Wir werden ziemlich viel sein.

-- Ich weiß nicht, im welchem Zustand er ist und ob er überhaupt zugänglich ist. Lass mir deine Handynummer und ich geb dir heute Abend Bescheid.

-- Okay, klingt gut, - er holte einen kleinen Notizblock aus der Tasche raus, schrieb seine Nummer auf und drückte mir den Zettel in die Hand, - aber du bist wirklich einverstanden, ja? Nicht, dass ich dich zu irgendwas zwinge…

-- Nein, alles gut. Er ist schließlich mein bester Freund… - es kam mir seltsam vor, ihn so zu nennen, aber gut…

-- Dann abgemacht.

-- Okay. Wie gesagt, ich melde mich heute Abend.

-- Gut, dann bis dann.

-- Bis dann.
 

Er war keine 5 Minuten da und wir klärten so viel. Er war noch effizienter als Kakashi. Es gefiel mir. Er ist wahrscheinlich ein sehr guter Hokage-Berater. Ich machte mich dann sofort auf dem Weg zum Familientempel.
 

Eigentlich war er ziemlich gut erhalten, nichts war wirklich beschädigt und ich würde sagen, man kann ihn so benutzen. Hmmm… das dauerte ja nicht lange… okay, dann melde ich mich nicht abends, sondern in einer Stunde.
 

Am Samstag fand das Treffen bezüglich des Junggesellenabschieds statt. Shikamaru brachte viele Unterlagen mit und hielt einen zweistündigen Vortrag über Narutos Junggesellenabschied mit der ernstesten Miene, die ich jemals sah. Er kann den Hokage-Berater Modus anscheinend nicht abstellen. Ich fand die ganze Situation gleich am Anfang supercringy und musste mir die kommenden zwei Stunden das Lachen verkneifen. Und das erstaunliche daran war, dass alle ihm aufmerksam zuhörten und genauso ernst waren, wie Shikamaru selbst. Ich fragte mich, wie Naruto reagieren würde. Wir wären wahrscheinlich die einzigen Idioten, die sich das Lachen verkneifen müssten.
 

Aber nichtsdestotrotz überlegte sich Shikamaru was richtig Cooles. Der Plan bestand darin, Naruto durch ganz Konoha laufen zu lassen, um verschiedene Aufgaben zu erledigen. Insgesamt waren 10 Stationen aufzubauen und es ging wirklich quer über die ganze Stadt. Das ganze müsste dann hier im Tempel enden, sodass gleich im Anschluss eine Party gefeiert werden könnte. Zur Party war theoretisch jeder männlicher Bürger von Konoha eingeladen. Shikamaru sagte aber, es kommt nicht jeder und rechnete sogar eine Zahl von erwarteten Gästen aus. Als ob gar nichts zu tun hätte…
 

Unser Teil der Arbeit bestand darin, die Stationen zu gestalten und zwar HEIMLICH! Jeder bekam von Shikamaru Narutos Stundenplan in die Hand gedrückt, den er vom Irukas Tisch einfach klaute und dann vervielfältigte. Er legte den zeitlichen Rahmen fest und meinte sogar, welche Tage wofür geeignet wären. Danach ordnete er jeder Station 3 Leute zu und ernannte einen Aufseher von jeder Station. Er ernannte außerdem die Zuständigen für die Organisation der Party. Ich wurde zum Aufseher der Station 10 und musste nun mit Kiba und Konohamaru arbeiten. Als Aufseher mussten wir eben Shikamaru regelmäßig den Stand der Dinge melden, das heiß also spätestens jeden 4. Tag. Alle Materialien waren schon bereitgestellt. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, sie unauffällig zu holen. Er sagte, er hätte dafür keinen Plan und es ist uns selbst überlassen.
 

Und ab da ging es los mit der Arbeit. Nach ein paar Tagen kannten die meisten Narutos Stundenplan auswendig, außer den Leuten aus Station 10. Unsere Station war am besten situiert, weil sich der Uchiha-Viertel fast im Wald befand und das Depo war in der Gegend. Wir freuten uns immens darüber, weil wir ziemlich schwere Sachen schleppen mussten. Wir mussten für Naruto ein Labyrinth aufbauen. Ich versuchte zu schummeln und benutzte das Rinnegan, um schwere Balken zu schieben. Kiba half uns enorm, indem er einen Hunderudel organisierte. Konohamaru beziehte seine unzähligen Freunde mit. So ging die Arbeit ziemlich flott voran.
 

Die Tage vergingen wie im Flug. Es erforderte unerwartet viel körperliche Anstrengung und eine ganze Menge am handwerklichen Geschick um dieses verdammte Labyrinth aufzubauen. Ich machte mir das Rinnegan zunutze und es ersetzte praktisch meine zweite Hand. Manches verlief natürlich nicht ganz nach Plan, weil einige unvorhersehbare Sachen passierten. Und die Organisation von den beiden verärgerte mich manchmal richtig doll. Konohamaru war ein wenig wie Naruto, bloß ich fand Narutos Tun süß und Konohamaru wollte ich meistens in die Fresse hauen. Er hatte ziemlich ausgeprägte Anführerfähigkeiten und Leute hörten ihm zu. Deswegen änderte er manchmal die Pläne im Alleingang, ohne Bescheid zu sagen. Und Kiba war manchmal ein richtiges Weichei. Ich wollte ihm auch in die Fresse hauen. Und ich bestätigte nochmal was über mich selbst: ich bin wirklich nicht gern unter den Menschen. Und ich wollte am liebsten allen in die Fresse hauen. Aber insgesamt verlief alles relativ okay. Kein Team ist perfekt, es muss doch immer irgendwo scheitern.
 

Die anderen Teams leisteten auch eine ziemlich gute Arbeit. Shikamaru kam ab und zu vorbei, um sein Auge aufs Ganze zu werfen und vielleicht seine Kritik zu äußern. Bei uns wirkte er immer ziemlich zufrieden. Dann hatten wir noch ein sehr großes Treffen, diesmal fand es im Wald statt. Shikamaru klärte uns über den Stand der Dinge auf und es sah schon ziemlich gut aus. Und das Wichtigste war, dass Naruto bis jetzt nichts mitbekam.
 

Eine Woche vor dem Junggesellenabschied wurde alles endgültig fertiggestellt. Wir machten irgendwann abends einen Rundgang und guckten uns alle Stationen an. Alle waren stolz auf die geleistete Arbeit. Dann wählte Shikamaru 3 Leute aus, um das Ganze zu testen. Gott sei dank war das nicht ich. So viel menschlicher Kontakt tat mir einfach nur schlecht. Dann fand unsere letzte Versammlung statt und Shikamaru annoncierte nun feierlich, dass alles wirklich-wirklich fertig ist. Ich war irgendwie erlöst und beeilte mich nach Hause, obwohl jemand einen Umtrunk organisierte.
 

Während der ganzen Vorbereitungen fand ich mich vollständig mit Narutos Entscheidung ab. Diese Atmosphäre, die in den Teams und generell in Konoha herrschte, machte mir endlich klar, dass er nicht meins sein wird. Das Gefühl von "ich helfe bei den Vorbereitungen für Narutos Hochzeit" machte mich in den ersten Tagen traurig und förderte den wilden Gedankenstrom in meinem Kopf. Allerdings gab es zu viel zu tun und zu wenig Zeit um nachzudenken. Irgendwann lenkte ich mich von der Arbeit fast nicht ab. Im Endeffekt sah ich ein, dass diese Hochzeit wirklich Narutos Wohl dient, obwohl ich es sehr ungern zugab. Und nun konnte ich inneren Frieden mit mir selbst schließen. Das Ganze war einfach nur unfassbar traurig. Aber ich kann nichts mehr daran ändern, also entscheid ich, spätestens nach der Hochzeit Konoha für immer zu verlassen. Es vereinbart sich nicht ganz mit meiner Entscheidung Naruto als Hokage zu unterstützen, aber es wird schon. Konoha ist Narutos Reich. Sein Kindheitstraum wird wahr und er wird vermutlich zum siebten Hokage. Und in diesem Traum gibt es keinen Platz für mich. Ich freute mich trotzdem für ihn vom ganzen Herzen und ich bewunderte ihn dafür, dass er so viele Freunde finden konnte. Und jeder davon ist bereit, an so einer verrückten Sache nur Narutoswegen zu arbeiten. Ich erinnerte mich an unsere Kindheit und wie sehr er sich damals nach menschlichem Kontakt sehnte. Jetzt gewann er für sich eine immense Unterstützung. Und ich dachte damals, er wäre ein dummer eingebildeter unfähiger Schwachkopf… Naruto, ich freue mich, dass du diese Unschuld, in die ich mich damals verliebte, in dir doch irgendwie beschützen konntest. Ich konnte es leider nicht für dich machen…
 

Und dann kam der großer Tag, den wir alle erwarteten. Shikamaru, Kiba und ich holten ihn ab und brachten ihn zur ersten Station. Wir beide unterhielten uns nicht und er guckte nicht wirklich in meine Richtung, es schien aber keinem aufgefallen zu sein. Dann begann er seinen Riesen-Konoha-Quest. Ich begab mich dann zur Station 10 und wartete auf seine Ankunft. Ich war nämlich der Spielleiter.
 

Es passierte sehr lange gar nichts und ich fürchtete, irgendwas verlief nicht wie geplant. Shikamaru meinte, Naruto bräuchte maximal 6 Stunden bis zu mir. Es vergingen schon 7,5 Stunden und er war immer noch nicht da. Ich machte mir mit jeder Minute mehr Sorgen. Er kam nach insgesamt 8,5 Stunden und brachte eine riesige Begleitung mit. Ich sah, wie magisch seine Augen strahlten. Er war in bester Laune, lachte herzlich und die riesige Menschenmasse jubelte für ihn. Er steckte jeden mit seiner grenzenlosen Freude an. In diesem Moment war er wirklich eine Sonne und schenkte jedem seine Wärme. Und mir auch. Es tat so gut ihn anzusehen. Ein sehr schönes warmes und beruhigendes Gefühl füllte mich von innen. Und ich wollte ihn nur für mich beanspruchen… Hmmmm… ich dachte kurz darüber nach. Jetzt kam mir mein Wunsch sehr egoistisch vor. Ich hatte aber keine Zeit mehr um nachzudenken, weil er bereits auf mich zulief. Und plötzlich guckte er nur mich mit seinen fröhlich strahlenden Augen an. Ich bekam das Gefühl, es existierte niemand mehr außer uns beiden. Es war unser erstes richtiges Wiedersehen seit dieser Nacht. Er sah einfach nur märchenhaft schön aus. Ich musste ihn leicht anlächeln. Er grinste mich zunächst an, sowie er jeden anderen hier angrinste. Dann wurde aus diesem Grinsen ein sehr warmes zärtliches und liebevolles Lächeln. Er schenkte es mir und ich nahm es dankend an. Ein sehr schönes Bild! Ich werde dieses Lächeln nie vergessen. Danke, Naruto.
 

Das Wiedersehen brachte mich ein wenig aus der Fassung. Shikamaru bemerkte es und sprach mich an, was mich ruckartig zurück ins Hier und Jetzt reinholte:
 

-- Sasuke, bist du noch bei uns?

-- Ähm, ja… Tut mir leid…

-- Ist in Ordnung. Pass auf, er kommt.
 

Im nächsten Moment stand er vor mir und warf mir lässig:
 

-- Hi!

-- Hallo! - begrüßte ich ihn.

-- Ich hab keine Ahnung mehr und mein Kopf platzt gleich. Hilfst du mir?

-- Du musst doch die Aufgaben selbst lösen! Wir haben das Ganze per Hand gemacht, jetzt musst du dafür büßen, - ich hatte keine Lust mit ihm in einem engen Labyrinthgang zu stecken. Mein Kopf tat nämlich leicht weh. Anscheinend war ich immer noch nicht vollständig geheilt.

-- Bitte, Sasuke! Hilf mir! - er guckte mich wehleidig an. Was macht er nur mit mir?! Ich konnte diesen großen unschuldigen Augen nicht nein sagen.

-- Warte mal, ich frage Shikamaru.
 

Shikamaru schien aus seiner Beraterrolle geschlüpft zu haben. Er war schon ein wenig angetrunken und erlaubte mir, zusammen mit Naruto das Rätsel zu lösen. Ich wusste ja wo alles ist, also können wir es ziemlich schnell hinter uns bringen.
 

-- Okay, ich helfe dir, - ich wusste aber nicht, ob das eine gute Idee war. Meine Kopfschmerzen machten sich gerade etwas bemerkbarer.

-- YAAAAAY!! - rief er. Als nächstes rief er in die Menschenmasse, - könntet ihr uns beide bitte ein wenig aufmuntern?!
 

Und ein lauter Schrei kam von der Menschenmasse. Sie standen zu ihm. Und ich durfte dabei sein. Naruto, ich hoffe du bist wirklich mit dem heutigen Tag zufrieden.
 

-- Willst du schnell durch sein, oder willst du doch etwas knobeln? - fragte ich ihn. Ich musste ihn anschreien, weil die Menschenmasse zu laut skandierte.

-- Ich möchte nur, dass du dabei bist…
 

Seine Antwort brachte mich fast schon wieder aus der Fassung. Ich musste mich selbst daran erinnern, warum ich hier bin um nicht schon wieder überwältigt zu werden. Er könnte es unmöglich so meinen, wie es sich anhörte. Nein…
 

Plötzlich nahm er mich bei der Hand und zerrte mich in seine Richtung. Seine Berührungen ließen mich nicht gleichgültig und ich versank in eine angenehme Wärme. Er fand den Schlüssel zum Labyrinth und machte die Tür auf, ohne dabei meine Hand fallen zu lassen. Ich wunderte mich ein wenig über die ganze Sache. Er zerrte mich weiter ins Labyrinth.
 

Nun konnte ich von innen unser Werk betrachten. Es war sehr schön beleuchtet und machte einen märchenhaften Eindruck. Ich fand aber am schönsten, dass ich in diesem Moment bei ihm sein durfte. Jetzt waren wir von der Menschenmasse weit genug und es wurde etwas stiller. Es nahm ein wenig die Partyatmosphäre weg. Ich konnte seinen Atem hören. Im Labyrinth wurden einige Fallen aufgestellt. Ich wies ihn jedesmal darauf hin und er konnte dem Ganzen ausweichen.
 

Wir waren schon ziemlich tief drin und ich wusste, dass alles gleich zu Ende ist. Wir redeten nicht, er hörte nur auf meine Anweisungen bezüglich der Fallen und der Richtung. Irgendwie dachte ich, dass dieses Wiedersehen wieder die Agonie in mir hochtreibt. Aber ganz im Gegenteil… meine Seele befand sich in einem sehr angenehmen Friedenszustand. Ich sah nur seinen breiten Rücken an, hielt fest seine warme Hand und genoss diesen wunderschönen Augenblick mit ihm vom ganzen Herzen.
 

Nun war schon das Ende des Labyrinths zu sehen und es war vorbei. Wir kamen in den Tempel an. Darin versammelten sich schon Leute von draußen. Die Menschenmasse jubelte ihm fröhlich zu und übergab ihm diese gewaltige und etwas wilde Energie. Er war so schön… es schien, dass er für immer meinen Blick fesseln konnte. Seine Augen glitzerten magisch und darin widerspiegelte sich ein grenzenloses Glück. Dann schrie er laut auf:
 

-- Lass uns endlich mal richtig feiern!!
 

Die Menschenmasse wurde noch lauter, die Musik ging an und die Feier begann. Kurz danach guckte er mich bewusst an und die Zeit um uns stoppte. Meine Wahrnehmung stumpfte ab und ich konnte nur seine Präsenz in diesem Chaos rausfiltern. Mein Herz fing an wieder mit enormer Geschwindigkeit zu rasen und ich bekam das Gefühl mich in Schwerelosigkeit zu befinden. Er schloss meine Hand zwischen seinen und machte einen kleinen Schritt auf mich zu. Dann berührte er sanft mit seiner Stirn meine eigene und wir froren in dieser Position ein. Eine ganze Ewigkeit schien vergangen zu sein. Sein Blick wanderte in den Boden, aber er machte nicht mehr diesen deprimierten schmerzerregenden Eindruck. Naruto schien etwas dabei müde zu sein, aber deswegen nicht weniger glücklich. Er lächelte weich, etwas verlegen, und gleichzeitig sehr liebevoll. Es fühlt sich so unglaublich richtig an! So hätten wir sein müssen: Er sucht bei mir Zuflucht und ich biete ihm einen ruhigen stillen Platz in dieser chaotischen Welt. Und dann lädt er seine Kräfte auf und strahlt erneut seinen ansteckenden Sonnenschein aus. Und das wäre meine unendliche Glücksquelle. Mein Naruto… eigentlich müsste sich unsere Geschichte auf einer ähnlichen Art enden…
 

Plötzlich löste er sich von mir, grinste mich an, ließ meine Hand los und lief den Gästen entgegen. Mir wurde bewusst, dass dieser Augenblick nichtmal eine ganze Sekunde dauerte. Während er fröhlich auf die feiernde Menschenmasse zuströmte, fesselte er meinen Blick. Was für ein mysteriöses Geschöpf! Was für eine rätselhafte reine Naturschönheit… Ich guckte ihm solange hinterher, bis er endgültig aus meinem Sichtfeld verschwand. Diesmal rannte ich ihm nicht hinterher. Nein. Ich konnte mich endlich mit seiner Entscheidung vollständig anfreunden. Endlich spürte ich keine Reue oder Verbitterung dabei. Ich hab ihn einfach losgelassen.
 

Der Abend ging flott voran und es herrschte eine sehr fröhliche Atmosphäre. Mich nahm sogar die Stimmung mit und ich konnte behaupten, ich hätte Spaß mit den anderen. Ich sah Naruto nicht wirklich seit dem. Alle wollten ihm gratulieren und alle nötigten ihn dazu, einen kurzen zu trinken. Alles war vielleicht um 6 Uhr vorbei. Naruto war komplett bewusstlos. Er reagierte nicht auf äußere Reize. Jemand legte ihn auf die Bank und er lag dort nun. Es war vermutlich seine größte Feier. Ich machte mir Riesensorgen um ihn. Was wenn er nicht wieder aufwacht?! Ich war froh zu erfahren, dass er noch atmet. Shikamaru spielte wieder mal den Aufseher und befiel mir, ihn mitzunehmen. Konohamaru, Sai und Lee halfen mir dabei, weil Naruto wie Stück Fleisch einfach rumlag. Die anderen drei waren auch nicht die Nüchternsten. Naja… irgendwie schufen wir ihn zu mir nach Hause. Sie halfen mir noch ihn ins Bett zu legen und hauten nun ab.
 

Und nun lag er da, ganz ohne mir ein jegliches Lebenszeichen zu geben. Ich bekam eine tierische Angst. Was wenn irgendwas total schiefgegangen ist? Ich senkte mich vorsichtig auf die Bettkante und blieb neben ihm sitzen. Plötzlich bewegte er sich spontan und wechselte von der rechten Seite zur linken. Und ein brüllendes Schnarchen ertönte durch mein gesamtes Haus. Er lebt also. Gott sei dank! Es erlöste mich enorm und ich lächelte. Eigentlich hätte ich ab jetzt keinen Grund länger an seiner Seite zu bleiben und ich war selbst tierisch müde. Aber ich wollte neben ihm sein. Ich wollte seinem Schnarchen zuhören, ich wollte leicht über seinen Rücken fahren, ich wollte seine Haare in der Hand halten… schließlich verbleibt mir nicht so viel Zeit mit ihm und an sich mach ich doch nichts schlimmes… ich nutze ihn nicht aus, ich küsse ihn nicht und ich lege mich nicht zu ihm. Nein, das habe ich mir selbst bereits längst versprochen. Also erlaubte ich mir selbst diese unschuldige Schwäche. Ich hoffe, dass er nicht all zu böse darüber sein wird.
 

Ich nahm vorsichtig eine blonde Locke in die Hand. Es weckte ihn nicht und ich traute mich ein bisschen mehr zu machen. Ich fing an, mit seinen Haaren rumzuspielen. Er wurde mit einem vollen prächtigen Haarschopf gesegnet. Wunderschöne Haare! Sie fühlten sich weich und gefügig an. Mir ist aufgefallen, dass sie leicht wellig sind. Interessant… warum bemerkte ich es nicht früher? Und generell warum mag Hinata seine Frisur nicht? Ich würde an ihrer Stelle mir seinen Kopf auf den Schoß nehmen und für Stunden nichts anderes machen, als durch seine wunderschöne Haare zu fahren. Seine Locken wurden länger und nahmen schon wieder diese widerspenstige Form an. Er sah mit so einer Frisur fast genauso aus wie mit 13. Ich hielt eine dünne Strähne in der Hand. Ich wickelte sie um meinen Zeigefinger auf und dann wieder ab. Und wieder auf, und wieder ab. Soll ich mir das kleine Stränchen abschneiden? Nein, ich mach es natürlich nicht… warte? Was?! Eine Strähn abschneiden?! Moment… sind seine Haare wirklich so schön oder bin ich ein Fetischist? Ach, keine Ahnung, wahrscheinlich ein bisschen was von beidem. Ist es in diesen Umständen eh nicht egal? Naruto, bitte sei glücklich, okay? Und lass Hinata nicht zu, dich schlecht zu behandeln. Wenn sie dich kaputt macht, dann bringe ich sie um und befreie dich daraus, versprochen? Aber bis dahin wünsche ich dir ein schönes Leben…
 

Ich verbrachte fast 6 Stunden sitzend neben ihm. Es war schon Mittagszeit und mittlerweile schnarchte er nicht mehr. Das machte mich wieder besorgt. Zu dem Zeitpunkt war ich so erschöpft, dass mein Gehirn mich zwanghaft in den Schlummerzustand versetzte. Irgendwann gab ich auf und schlief im Endeffekt sitzend ein.
 

Ich wachte irgendwann abends auf. Sein Bett war leer.
 

-- Naruto? - rief ich laut.

-- Jaaa…? - antwortete er mir halbtot.
 

Ich lief zu ihm rüber. Er saß im Bad auf dem Fußboden neben dem Klo.
 

-- Was machst du hier?

-- Sterben…

-- Man! Du solltest dich doch nicht so betrinken… - ich setzte mich zu ihm.

-- Es war unvermeidbar… - sagte er schwach.

-- Warte mal… - ich rannte schnell in die Küche, um ihm ein Glas Wasser zu holen.
 

Als ich zurückkam, musste er sich übergeben. Ich stellte das Glass ab und hielt seine Haare. Ich holte ihm ein Stück Klopapier, damit er sich abwischen kann. Dann drückte ich ihm das Glas in die Hand und er leerte das Glass im nächsten Augenblick aus.
 

-- Tut mir leid, dass du dich mit mir rumschlagen musst, - entschuldigte er sich.

-- Ist in Ordnung…

-- Ich geh gleich nach Hause, keine Sorge.

-- Du kannst hier so lange bleiben, wie du brauchst. Es bereitet mir keine Umstände…

-- Toll, du hast sicher was besseres zu tun, als meine Haare beim Kotzen zu halten…

-- Mach ich gern für dich…
 

Er wurde still und sagte nichts dazu. Mir ist bewusst geworden, wie verzweifelt ich klang. Mist! Ich bin doch gar nicht verzweifelt! Ich fand mich doch mit allem endgültig ab! Es ist doch alles abgeschlossen! Ich fing wieder diese verliebte Verlegenheit auf seinem betrunkenen Gesicht. AAAAA NARUTO!!! Bitte verwirr mich nicht! Es ist doch alles abgeschlossen, oder?
 

-- Ach, Sasuke… - unterbrach er das Schweigen. Er klang total verliebt. Mann!!! Warum tust du mir das an?! Er rutschte zur Wand, stütze sich und starrte in die Decke. Auf seinen Lippen entstand ein dümmliches verliebtes Grinsen. Er machte seine Augen zu und lachte kurz. Er agierte eindeutig wie ein dummes verliebtes Mädchen und er versuchte es nichtmal anstandsweise zu kaschieren.

-- Was? - warf ich ihm zu.

-- Nichts…
 

Wir saßen noch im Bad und er musste sich noch einmal übergeben. Irgendwann gingen wir in die Küche rüber. Irgendwie sah er hungrig aus.
 

-- Möchtest du einen Instant-Ramen?

-- Oh ja!! Die Speise der Götter! - ich musste leicht schmunzeln.
 

Ich wärmte Wasser im Wasserkocher auf und machte den Ramen für ihn.
 

-- Itadakimaaaaasu! - rief er und schluckte die Nudel mit Eifer und Ungeduld. Er machte ziemlich viel Unordnung beim Essen. Ach, Naruto! Du bist eine kleine Sau! Als er fertig war, räumte ich auf.
 

-- Geht's dir besser? - fragte ich fürsorglich.

-- Ja, ich denke, ich fühl mich gut genug um selbstständig nach Hause zu gehen.

-- Schön…
 

Es war aber nicht schön. Es bedeutete nur, dass er jetzt geht. Er stand auf und begab dich wackelig in den Flur. Ich folgte ihm stumm. Ich beobachte, wie er mit seiner Jacke kämpfte. Er schmiss dabei Sachen um und generell stellte er sich ziemlich ungeschickt an. Er ist immer noch stockbesoffen. Kann ich ihn wirklich alleine lassen? Nichtsdestotrotz fand ihn unglaublich süß und wünschte ihn an mich fest zu drücken. Aber es macht den finalen Abschied nur noch schmerzvoller, also ließ ich es. Ich bereitete mich nun darauf, dass er jetzt fortgeht. Es löste schon wieder diesen Kummer in mir aus und es schmerzte stumpf in der Brust. Ich war nichtmal wütend oder irgendwie böse darüber… das alles tat mir einfach nur unfassbar leid.
 

Mittlerweile zog er sich fertig an und öffnete langsam die Tür. Er machte ein paar Schritte nach draußen und hielt an der Türschwelle an. Es gab etwas einladendes in dieser Geste und ich lief zu ihm. Er zögerte weiterhin. Als ob er bleiben will… er mied den Augenkontakt und sein Blick wanderte überall hin und her. Er konnte diese ganze Sache genauso schwer aushalten wie ich und ich spürte es. Er starrte den Boden an und sagte leise:
 

-- Danke für alles, Sasuke…

-- Kein Ding…
 

Er wurde wieder still, machte nichts und starrte immer noch den Boden an.
 

-- Na dann… - er wusste nicht, was er sagen soll, - hoffentlich kommst du zur Hochzeit.

-- Ich weiß es noch nicht…

-- Ich wäre jedenfalls sehr darüber erfreut. Wenn nicht, dann ist es auch okay…
 

Wir verfielen in die komplette Stille. Keiner meldete sich, weil keiner es sich traute. Plötzlich besuchte mich das Gefühl, dass ein richtiges Wort zur genau jetztigen Zeit all das, was zwischen uns passierte, überschreiben kann. Bloß es gab so viele Auswahlmöglichkeiten und mir war nur ein Versuch gestattet. Ein Versuch… ein richtiges Wort… und er bleibt. Die Spannung zwischen uns stieg an. Die Luft knisterte. Meine Lippen kribbelten und öffneten sich ein Stück. Das Wort "bleib" drehte sich bereits auf meiner Zunge mit unglaublichen Geschwindigkeit und war bereit sich zu verbalisieren. Ich muss es nur aussprechen…
 

-- Machs gut, Sasuke… - sagte er.
 

Okay… dann ist es jetzt so. Hab ich es mal wieder vermasselt? Vermutlich… aber ich bereue es nicht, schließlich ist die Sache zwischen uns vollständig abgeschlossen.
 

Er nahm mich in den Arm. Seine Umarmung war so warm und so… freundschaftlich? Ja, er umarmte mich so, wie sich beste Freunde umarmen sollten. Die Umarmung dauerte nicht lange und er löste sich von mir. Er zögerte noch für einem kurzen Moment, seufzte schwer und lief nun in die Dunkelheit los.
 

-- Leb wohl, Naruto… - flüsterte ich ihm leise hinterher.
 

Er entfernte sich von mir mit konstanter Geschwindigkeit und mit jeder Sekunde verbarg ihn die Dunkelheit von meinen Augen ein Stück mehr. Er drehte sich nicht um. Er lief seiner Zukunft ohne mich entgegen. Ich freute mich für ihn trotzdem. Alles, was er sich mit 13 wünschte, wird nun zur Wirklichkeit. Ich lächelte leicht. Naruto… ich hoffe, du läufst einer glücklichen Zukunft entgegen…
 

Und was mir dabei verblieb, war schon wieder seinen Rücken anzustarren. Ich konnte die Türschwelle nicht verlassen und musste ihm solange hinterher gucken, bis er vollständig in der Dunkelheit verschwand. Ich war über sein Fortgehen sehr bekümmert. Ich blieb an der Türschwelle für noch ein paar Minuten stehen. Naruto, du bleibst für immer mein Lieblingsmensch und ich will, dass du glücklich bist. Bitte versprich es mir, okay?
 

Nun konnte ich mich umdrehen und die Tür hinter meinem Rücken zumachen. Ich setzte mich in die Küche und starrte die Einmalessstäbchen, die er benutzte. Ich habe also vergessen sie wegzuwerfen, ha? Ich saß für eine ganze Weile an und hielt die Stäbchen in der Hand. Ein einziger Andenken daran, dass er mal meine Sonne war. Komisch… so viel Emotionen und nur ein unbedeutendes alltägliches Gegenstand…
 

Dann verbrachte ich den Rest des Abends mit dem Packen für meine ewige Reise. Ich wusch seine Stäbchen ab und packte sie mit. Ich konnte sie schlussendlich nicht wegwerfen. Ich bin immer noch so dumm…
 

Am Ende des Tages legte ich mich ins Bett. Ich war erschöpft und ausgeleert und viele Gedanken kursierten in meinem Kopf. Ich dachte daran, wo meine Reise hingehen soll. Ich wusste nicht genau, was ich ab jetzt mit meinem Leben so mache. Irgendwann schlief ich ziemlich planlos ein.
 

Und so löste ich mich von meiner Sonne vollständig. Von jetzt an musste er nicht mehr für mich scheinen.

Die Hochzeit

Naruto Hochzeitsfeier stand immer noch bevor und ich wusste immer noch nicht, ob ich gehen sollte. Ich entschied mich dann doch hinzugehen. Ich wollte ihn in seiner Hochzeitskleidung sehen und generell ihm alles Gute wünschen, bevor ich Konoha verlasse.
 

Die Woche verging ziemlich schnell vorbei. Ich beschäftigte mich hauptsächlich mit dem Packen und ich überlegte diese Woche ganz oft, ob ich diese konkrete Sache wirklich-wirklich brauche. Irgendwann hatte ich zwei Rucksäcke zusammengestellt und eine Tüte mit Essen kommt noch dazu. Also musste ich noch irgendwie einzukaufen schaffen.
 

Ich wusste immer noch nicht, wo meine Reise hingehen sollte. Ich dachte, ich würde mich erstmal in die Richtung von Iwa begeben… ich wusste allerdings nicht, was ich da machen werde. Naja, es stellt sich im Laufe der Reise heraus.
 

Sakura meldete sich bei mir im Laufe der Woche um zu fragen, was ich Naruto schenke. Ich sagte ihr, dass ich einen Blumenstrauß besorge. Sie lachte über mich und schlug vor, gemeinsam ein gutes Geschenk auszusuchen. Ich stimmte der Idee zu und wir trafen uns also. Sie schüttete mich schon wieder mit Nachrichten zu. Mein Gott, warum machte ich es?! Ich wusste doch, dass es Sakura ist! Ich betrachte es als ein Teil der Begleichung meiner Schulden gegenüber ihr und das Ganze wurde viel erträglicher. Sie wählte am Ende ein ziemlich teures Geschirrset aus. Ich hab zwar nicht so viel Geld, aber naja, ich werde es vermutlich nicht mehr brauchen.
 

Die Hektik nahm Konoha endlich ein. Die Straßen waren sehr belebt und es gab überall Menschen. Ich ging die Woche fast nicht raus, weil mich das ganze sehr beunruhigte. Zum Glück war das Uchiha-Viertel von allem abgeschottet. Ich war sehr froh darüber.
 

Ich konnte in der Nacht vor Hochzeit nicht gut schlafen. Ich wachte jede Stunde auf, guckte die Uhr an und legte mich wieder hin. Ab 5 Uhr konnte ich allerdings nicht mehr einschlafen und lag nur im Bett rum. Ich dachte nur daran, dass ich heute der Zeuge davon werde, dass Naruto mir niemals gehören wird, und es tat weh… Ich bin immer noch so dumm… Ich ging diese Situation mental oft genug durch, ich wusste aber trotzdem nicht, was ich von meinem Körper erwarten soll. Nicht, dass ich wieder von den Kopfschmerzen überrascht werde und mir wieder die Seele aus dem Leibe schreien muss. Hmmm… warum sagte ich nochmal zu? Als ob ich so miserabel bin! Ich wäre allerdings auch miserabel, wenn ich nicht hingegangen wäre. Wenn ich nur miserabel sein kann, dann möchte ich ihn noch ein letztes Mal sehen. Mist! Ich BIN miserabel! Naja, ich gehe eh gleich nach der Trauung. Hoffentlich dauert sie nicht all zu lange und es passiert nichts unvorhersehbares. Ich nahm aber vorsichtshalber die Augenbinde mit.
 

Die letzten Stunden vor der Hochzeit waren ziemlich aufregend. Ich weiß gar nicht warum. Ich musste heute doch gar nicht heiraten. Ich fragte mich, wie es Naruto gerade geht. Wahrscheinlich war er auch aufgeregt ohne Ende. Er zieht vermutlich noch die letzen Vorbereitungen durch. Wie wird er heute nur aussehen? Alle werden die Augen auf Hinata richten, weil sie die Braut ist. Und ich werde nur auf ihn gucken! Er wird bestimmt besser aussehen als sie. Außerdem trug Naruto nie wirklich gut aussehende Kleidung und es ist einfach nur spannend.
 

Ich duschte kurz und zog mir einen schwarzen Anzug an. Nichts extravagantes, einfach nur anständig rüberkommen. Ich stellte meine beiden Rucksäcke und die Tüte mit Essen vor die Tür und legte eine bequeme Kleidung darauf. Gleich nach der Trauung geht es los nach Iwa. Ich wurde etwas emotional. Naruto und ich verbrachten so viel Zeit hier, in diesem Haus, renovierten es sogar, hockten vor dem Fernseher und kochten zusammen. Alles hier… und dort in der Küche sagte ich ihm, dass ich ihn liebe, und eine Woche später sagte er, dass er das gleiche fühlt. Hier in dem Eingangsbereich saßen wir die ganze Nacht und ich umarmte ihn fest. Unser erster richtiger Kuss passierte auch hier, neben dieser Tür. Er schlief drüben im Schlafzimmer nach seiner Riesenfeier und ich wollte ihm eine Locke abschneiden. Und von dieser Türschwelle ließ ich ihn in die Dunkelheit los… so viele Erinnerungen! Ich konnte nur tief durchatmen.
 

Nun verließ ich mein Haus und ging in die Richtung von Hyuugas Residenz. Die Feier wurde dort veranstaltet. Die Straßen waren sehr voll. Ich erkannte aber fast niemanden. Waren das alles wirklich Narutos Freunde? Ziemlich beeindruckend… als ich mich der Residenz näherte, sah ich endlich bekannte Gesichter. Ich traf Ino und Sai, Lee und Tenten, Choji, Shikamaru und Temari, Konohamaru und Moegi… sogar Shino war da, und viele Lehrer aus der Akademie waren ebenfalls dabei. Anko-Sensei, die schreckliche Chunin-Examen-Tante kam auch. Kurenai-Sensei brachte ihre Tochter mit. Natürlich war Kakashi auch dabei. Ich glaube, alle Akademieangestellten waren hier. Sogar die alten Herrschaften, die früher das Rat der Älteren bildeten und zusammen mit Danzou waren, kamen. Naruto besaß wirklich die Fähigkeit alle zu vereinen und zusammenzubringen. Die Straße, die zur Residenz führte war sehr schön geschmückt. Am Empfang standen Iruka-Sensei und die Schwester von Hinata und trugen die gekommen Gäste in die Liste ein. Gegenüber meinem Namen wurde auch ein Haken gesetzt.
 

Als ich die Residenz betrat, sah ich eine Bühne, auf der ein rotes Torii stand. Hier werden sie bestimmt getraut. Mir wurde etwas zu essen und zu trinken angeboten. Ich nahm es an, um die Zeit zu vertreiben.
 

Irgendwann hörte ich die Stimme von Sakura. Sie rief ziemlich laut meinen Namen und wank ich ihr zu. Ich hatte immer noch die Schulden bei ihr, die ich vermutlich nie begleichen kann. Ich geh gleich nach der Trauung weg… also versuchte ich ihr wenigstens etwas für ihre tolle Behandlung zurückzugeben, solange ich konnte. Schließlich half sie mir immens… Sie lief zu mir und quatschte schon wieder über alles Mögliche. Ich hatte jetzt keine Zeit mich über sie aufzuregen, also ignorierte ich sie einfach.
 

Die Zeit lief, es wurde voller mit jeder Minute. Mittlerweile konnte man sich nicht wirklich unterhalten, weil sich eine zu große Menschenmasse in einem Raum befand. Ich bemerkte, wie sich die Wachen vor dem Tor stellten und nur wenig Gäste ankamen. Es sollte also gleich anfangen. Einige Minuten passierte nichts und dann kam alles in Bewegung. Hinatas Vater hielt eine lange Rede. Danach redete Iruka-Sensei als Narutos Vater. Ein älterer Herr stellte sich unauffällig währenddessen ins Torii, ich bemerkte ihn aber trotzdem. Er schien der Pfarrer zu sein. Es fängt also an…
 

-- Guten Tag, meine Damen und Herren! - sprach er zu uns, - schön, dass ihr heute in so einer großen Zahl erschienen seid. Ich bitte um Aufmerksamkeit, denn gleich können wir das Brautpaar begrüßen… - der Raum wurde mit Stille überwältigt. Es schien, als ob jeder den Atem anhielt, - ich bitte euch nun, Uzumaki Naruto-kun und Hyuuga Hinata-san hier herzlich willkommen zu heißen!
 

Und die Luft füllte sich mit einem klatschenden Geräusch. Es hörte sich wie ein Wasserfall an. Ich wurde auf einmal ziemlich aufgeregt und mein Herz schlug plötzlich mit enormer Geschwindigkeit. Sie kamen aus dem Haus heraus und lächelten nun das Publikum an. Sie hielten sich bei der Hand. Und es war so wie ich mir dachte: Naruto war wirklich traumhaft schön in seinem Hochzeitskimono! Es stimmte aber irgendwas nicht, er gab ein komisches Gefühl von sich. Ich wusste nicht, was es war. Irgendwie war sein Lächeln verkrampft. Seine Augen waren trüb und strahlen nicht die Freude aus. Es sollte nicht so sein. Er sollte doch für die angekommenen Gäste scheinen. Schließlich wird heute seine Familie gegründet. Er sehnte sich doch so danach… Ich konnte aber die Anspannung in seinem Körper bereits von hier spüren. Naruto, was ist los mit dir? Das Publikum jubelte ihnen immer noch zu. Er hörte auf zu lächeln und guckte sich um. Sein Blick wanderte schnell hin und her, als ob er nach irgendwas suchte. Dann schien er etwas gefunden zu haben. Er guckte nämlich mich an… Sein Blick war etwas verloren. Er war wirklich aufgeregt. Ich lächelte ihn an und wank ihm zu. Ich dachte, das muntert ihn vielleicht auf. Dann starrte er den Boden an. Hinata schien seine Aufregung mitbekommen zu haben und guckte ab und zu besorgt auf ihn.
 

Der Pfarrer hob seinen Arm hoch und alle beruhigten sich auf einmal. Gleich wird er ihr sein "Ja" Wort geben… ich atmete tief ein und bereitete mich auf den seelischen Schmerz vor. Es ist mir immer noch nicht egal… ich bin so unfassbar dumm… und ich liebe ihn immer noch wie verrückt…
 

-- Fangen wir an… - sprach er. Es wurde wieder sehr still. Alle guckten die beiden an. Und ich ebenfalls. Der Pfarrer fing an, - Liebes Brautpaar! Ihr seid in dieser entscheidenden Stunde eures Lebens nicht allein. Ihr seid umgeben von Menschen, die euch nahe stehen. Ihr dürft die Gewissheit haben, dass wir als Gemeinde, als die Stadt Konohagakure, zu eurem Bund stehen. - ich guckte Naruto an. Ich konnte sehen, wie er mit jedem Wort unruhiger wird, - Zugleich sollt ihr selbst wissen, warum ihr heute beide hier seid. Ich bitte euch nun, öffentlich zu bekunden, dass ihr zu dieser Ehe entschlossen seid, - der Pfarrer legte eine Pause an und wendete sich zu Naruto, - Uzumaki Naruto-kun, ich frage dich, - Naruto starrte immer noch in den Boden. Dummkopf, guck ihn doch an! - Bist du hier her gekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss mit deiner Braut Hyuuga Hinata-san den Bund der Ehe zu schließen?

-- Ja, - sagte er leise und etwas unentschlossen. Er machte den Eindruck, endgültig verloren zu sein. Sein "Ja" fühlte sich trotzdem wie ein Messerstich in den Bauch an… gleich kommt noch eines…

-- Willst du deine Frau lieben und achten und ihr die Treue halten alle Tage deines restlichen Lebens? - Naruto guckte endlich mal wo anders. Jetzt zögerte er leicht. Was machst du nur?! Reiss dich doch zusammen!!! Der Pfarrer wurde etwas nervös, aber Naruto meldete sich genauso unentschlossen wie vorhin.

-- Ääähm… Ja… - der Pfarrer schien sich etwas zu entspannen. Ich bekam aber wieder das Gefühl in den Bauch gestochen zu werden. Der Pfarrer fuhr fort.

-- Hyuuga Hinata-san, ich frage dich, - er guckte nun Hinata an. Sie sah etwas besorgt aus, aber dennoch fröhlich, - Bist du hier her gekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss mit deinem Bräutigam Uzumaki Naruto-kun den Bund der Ehe zu schließen?

-- Ja, - Hinatas "Ja" war laut und deutlich im Gegensatz zu Narutos. Der Pfarrer machte weiter.

-- Willst du deinen Mann lieben und achten und ihm die Treue halten alle Tage deines restlichen Lebens?

-- Ja, - sagte sie nochmal laut und entschlossen. Sie war wirklich glücklich.

-- Nun richte ich meine Frage an euch beide, liebes Brautpaar… Seid ihr bereit, die Kinder als Geschenk anzunehmen und sie im Geiste des Willen des Feuers zu erziehen? - Hinata zögerte wieder nicht und sagte eher als Naruto:

-- Ja… - Hinata schien sehr unangenehm überrascht darüber zu sein, dass sie sich alleine meldete.

-- Naruto-kun? - der Pfarrer sprach ihn direkt an und guckte ihn verärgert an.

-- Ja… - Naruto sagte es fast mit Angst und guckte mich verzweifelt an. Was macht er verdammt noch mal?!

-- Gut… Normalerweise ist die Braut unentschlossen, bei uns ist es heute umgekehrt, - der Pfarrer versuchte die Situation zu entspannen. Die Gäste lachten kurz und die Trauung schien weiter zu laufen.

-- Nun stelle ich euch eine letze Frage… und versucht bitte gleichzeitig sie zu beantworten, - er guckte Naruto strikt an, Naruto schien es aber nicht gehört zu haben. Die Gäste lachten schon wieder. Naruto schien aber gar nicht darüber bespaßt zu sein. Er sah wie ein wildes Tier aus, das Gefahr spürt und nun abhauen will. Er warf mir noch einen kurzen verzweifelten Blick zu und starrte den Boden erneut an. Uzumaki, verdammt noch mal?! Was soll das Ganze?! - Seid ihr beide bereit, von heute an zusammen als Eheleute die Mitverantwortung in unserer Stadt und in der Shinobi-Welt zu übernehmen?
 

Gleich kommt der letzte Messerstich. Er wird aber direkt ins Herz treffen. Ich bereitete mich schon darauf vor.
 

-- Ja! - Hinatas Entschlossenheit kannte keine Grenzen.

-- Nein… - sagte Naruto leise und guckte mich so an, als ob keiner mehr für ihn in diesem Moment existierte. Seine Augen wurden etwas fröhlicher. Ich sah darin eine Erlösung. Hinata guckte ihn schockiert an und ihre Entschlossenheit verwandelte sich in Panik.
 

Eine Unruhe verbreitete sich rasch unter den Gästen und sie fingen an, unter sich zu besorgt zu reden. Hinata war jetzt komplett verwirrt und verstand nicht was gerade passiert. Sie guckte Naruto fragend an. Er beachtete sie nicht mehr. Sein Blick war nur mir zugewandt. Der Pfarrer versuchte die Situation noch irgendwie zu retten und sagte irgendwas. Ich war mir auch nicht ganz sicher was das soll… Ich sah, wie Narutos Augen anfingen, wieder die Freude auszustrahlen. Er wurde wieder zu meinem Naruto, in den ich mich mit 13 verliebte. So albern und so unvorhersehbar… jetzt war sein Blick entschlossen. Ich wusste aber nicht, was er vorhat. Es war spannend und beängstigend zugleich. Im nächsten Moment spingt Naruto von der Bühne ab und rennt einfach los. Die Gäste wurden noch unruhiger und lauter und es verbreitete sich eine unangenehme Hektik. Er beachtete die Gäste nicht, rammte teilweise in sie und stieß sogar welche um. Er rannte… zu mir…? Die Leute machten ihm schnell eine Laufgasse und guckten sich fragend und verwirrt um. Er hörte währenddessen nicht auf, mich anzugucken. Er lächelte mich leicht an. Ich fühlte mich aber sehr unbequem und es schien mir, dass ich beobachtet werde. Ich wollte einfach nur weg von hier… Was passiert hier?! Er wurde mit jeder Sekunde näher und lächelte mich mit jedem Schritt fröhlicher an. Ich konnte mich etwas entspannen und lächelte ihm vorsichtig zurück. Ich fühlte mich trotzdem beobachtet und es war sehr unangenehm. Er rannte aber wirklich zu mir. Und es schein, dass keiner ihn aufhalten kann.
 

Es wurde mittlerweile allen klar, dass er auf mich zurannte, und Leute starrten mich regelrecht an. Gott, ich fühlte mich bloßgestellt. Wie peinlich ist das denn?! Ich wusste immer noch nicht, was er vorhat, und es machte mir Angst. Mittlerweile war er in der Reichweite meines Arms… uuuuuuuuuuuund… er warf sich auf mich und küsste mich leidenschaftlich. Der Kuss war so echt… Moment? Er küsst mich? Vor allen? Warum verdammt noch mal?! Ich konnte im nächsten Augenblick an gar nichts mehr denken und vergaß in einem Moment alles andere um uns. Ich ließ mich von seiner Leidenschaft vollständig konsumieren. Die Zeit hielt an. Ich schloss genüsslich die Augen und blendete die störende Umgebung komplett aus. Meine Sinneseindrücke waren nur ihm gewidmet: welchen Geschmack hat er? Welchen Geruch? Wie klingen seine kurzen Atemzüge? Wie fühlt sich seine Haut an? Warum ist seine Nase so total im Weg? Und wie stark lechzte ich nach ihm eigentlich? Ich nahm mir schmackhafte Bisse von ihm und er tat das gleiche. Wir waren dabei uns gegenseitig zu verspeisen und es machte mich so dermaßen an… ich wollte von ihm verschlungen werden und nichts in der Welt könnte mich ekstatischer machen. In diesem Augenblick existierte für mich nichts außer uns beiden, seiner grenzenlosen Leidenschaft und seinem sinnlichen Kuss. Der Kuss war so feurig, dass ich dachte, ich verbrenne mich an seinen Lippen. Er war heiß wie die Sonne. Naruto umarmte mich fest und ich umarmte ihn auch. Seine eine Hand wanderte in meine Haare. Er schloss mich zärtlich aber sehr fest um. Er wurde auf einmal so besitzergreifend und es nährte meinen Ego. Ja, du musst immer eifersüchtig sein! Weil es mir gefällt! Ich will wissen, dass du genauso abhängig von mir bist wie ich von dir. Er drückte mich noch näher an sich ran. Er wollte mich vor allen beschützen und ich durfte es wissen. Diesmal hatte er keine Absichten mich jemals gehen lassen. Er wollte wieder meine Sonne sein.
 

Dann hörte er auf mich zu küssen und flüsterte mir direkt ins Ohr:
 

-- Zur Hölle mit der ganzen Scheiße! Ich will kein geregeltes Leben, sondern dich. Selbst wenn du mich dadurch umbringst, ist es okay. Alles ist okay, solange du dabei bist. Ich liebe dich über alles, Sasuke… ich kann nicht vernünftig ohne dich existieren.
 

Er sagte die Worte, nach denen ich mich am meisten in meinem Leben sehnte. Ich spürte wie mein Körper durchdreht und wie schnell mein Herz rast. Ich musste sehr viel Luft einatmen und hyperventilierte dabei regelrecht. Ich war total überfordert. Noch nie verspürte ich so eine gewaltige Menge an positiven Gefühlen auf einmal. Im nächsten Moment nimmt er mich bei der Hand, zerrt mich an sich und rennt los. Ich konnte nicht mit ihm mithalten, mein Verstand war benebelt und meine Beine wurden weich und bewegten sich nicht. Ich glaube, ich fiel um. Ich bekam es nicht wirklich mit. Er reagierte aber blitzschnell: er nahm mich auf seinen Rücken und rannte los. Wir verließen Hyuugas Residenz bereits im nächsten Augenblick. Gleich kommt das Tor, an dem ich zum ersten Mal meinen Kopf auf seine Schulter ablegte. Es war eine sehr schöne Erinnerung! Ich hielt mich an ihm fest und umarmte ihn zärtlich dabei. Du bist endlich meins, Naruto! Keiner nimmt dich mir weg. Jetzt darf es keiner. Ich erlaube es keinem, weil du mich über alles liebst und keinem bedeute ich so viel, wie dir. Und weil du nur meine Sonne sein willst und nur für mich scheinen möchtest.
 

Als er in eine unbekannte Richtung rannte, dachte ich, dass wir fliegen. Es bewegte sich so schnell! Ich konnte das alles immer noch nicht fassen. Es passiert tatsächlich so: ich sitze auf seinem Rücken und er gehört endlich mir… wow… ich dachte nicht, dass ich diesen Tag jemals erleben werde. Ich akzeptierte bereits die Dinge so, wie sie waren. Und es war nunmal Narutos Hochzeit mit Hinata. Er fand also wieder zurück aus seiner Vorstellung, dass er mich niemals haben kann. Ich war nur unendlich froh, dass die Dinge doch anders sind. Ich war froh mich an ihm anschmiegen zu dürfen. Es tat so gut, dass er mich und meine Gefühle endlich annahm. Ich unarmte ihn fester. Er befand sich hier bei mir… ist es unglaublich! Mein Naruto… mein! Endlich konnte ich dich einfangen! Naruto, du bist der wertvollste Mensch in meinem Leben. Ich hoffe, du weißt es…
 

Wir entfernten uns von Konoha ziemlich rasch. Er musste zu seiner Kurama-Form wechseln, weil ihm langsam die Puste ausging. Als er das machte, rannte er wieder unaufhaltsam mit erneuter Kraft. Er hatte wirklich sehr viel Chakra und seine Ausdauer war zu beneiden. Wie lange kannst du noch so weitermachen, Naruto? Plötzlich kam mir in den Sinn, dass es alles jetzt meins ist. Ich grinste zufrieden und küsste ihn am Hals. Zwar konnte ich sein Gesicht nicht sehen, ich wusste aber, dass er mich anlächelt.
 

Nach guten 2,5 Stunden Hochleistungslauf wurde er erschöpft und wir hielten mitten im nirgendwo an. Ich setzte mich auf den Boden, er legte sich hin und legte seinen Kopf mir auf den Schoß. Sein wunderschönes Kimono war mittlerweile dreckig und gerissen an einigen Stellen. Er zog irgendwann die obere Schicht aus und warf sie weg. Er sah jetzt ziemlich unordentlich aus, dennoch war er traumhaft schön. Er atmete sehr schwer ein und aus und seine Wangen wurden rot. Ich spürte wie sein Körper die Wärme überall in die Atmosphäre ausstrahlt. Er zog meinen Blick auf sich hin: seine großen blauen Augen waren hypnotisierend und ich könnte jeden Moment darin ertrinken. Ich konnte einfach nicht aufhören, ihn aus dieser Nähe zu betrachten. Er schaute aber in den Himmel. Ich fuhr mit meinem Arm durch sein Gesicht und berührte seine Schnurrhaare. Er schmunzelte dabei verträumt. Ich brachte seine Haare durcheinander und er schüttelte seinen Kopf ab, wie ein kleines wildes Tier, das aus dem Wasser rauskam. Jetzt wusste ich es! Er sah gerade wie ein Fuchs aus…
 

-- Du bist mein kleines zahmes Wildfüchschen, - sagte ich ihm und küsste ihn am Mund. Es war sehr schön zu begreifen, dass ich es tatsächlich darf, und vor allem, dass meine Berührungen ihm gefallen. Ich guckte ihm direkt in die Augen. Er konnte den Blickkontakt nicht lange halten und sein Blick wanderte planlos hin und her in der Umgebung. Es war ein sehr romantischer Moment.

-- Und du bist mein… äääääähm… du biiiiist… - er schaute mich an. Er atmete immer noch schwer, - ich weiß nicht, wer du bist, - sagte er verlegen und guckte schon wieder weg.
 

So Naruto wie er war, musste er natürlich die romantische Stimmung zunichtemachen. Ich lachte nur kurz darüber. Dann starrte er mich ernsthaft an. Er machte eine seriöse Miene und versuchte krampfhaft den Blickkontakt aufrechtzuerhalten. Ich sah, dass es ihm schwerfiel. Er sagte schlussendlich:
 

-- Ich weiß jetzt, wer du bist!

-- Wer? Verrate es mir! - ich fand seine ernste Art belustigend und zuckersüß.

-- Du bist einfach nur meins…
 

Er schaute schon wieder weg. Die romantische Stimmung kehrte wieder ein. Ich wusste nicht, dass er überhaupt so sein kann. Es überraschte mich. Dann drückte er mir irgendwas stumm in die Hand. Ich konnte erstmal nicht verstehen was das ist. Ich dachte, es wäre ein Stück Papiermüll oder sowas. Ich guckte mir die Sache an. Es war mein Papier-Shuriken, den ich damals in sein Büro durch das Fenster warf. Der Schuriken war natürlich ranzig ohne Ende. Naruto konnte solche Sachen nicht vorsichtig behandeln. Ehrlich gesagt vergaß ich mittlerweile den Brief komplett und es brachte mich ein wenig aus der Fassung. Er guckte mich etwas beängstigt an und dann wanderte sein Blick auf den Zettel. Ich glaube, ich verstehe was er von mir will.
 

Seine Hände lagen verschränkt auf seiner Brust, ich nahm seine Finger auseinander und legte den Schuriken zwischen seinen Handflächen. Ich fand es immer noch so unglaubhaft, dass ich ihn tatsächlich anfasse. Ich werde mich wahrscheinlich sehr schnell damit anfreunden können. Ich legte meine Hand oben auf seine und guckte ihm direkt in die Augen. Er wurde im gleichen Moment noch röter vor Verlegenheit und musste schon wieder weggucken. Mein Gott, wie süß er war! Seine Art verdrehte mir den Kopf mit gewaltiger Kraft. Ich zögerte für eine Weile. Dann holte ich tief Luft und flüsterte ihm zu:
 

-- Naruto…? - fragte ich ihn leise, - willst du wieder meine Sonne sein…?
 

Er lächelte im gleichen Moment. Ich sah ihm an, dass er diesen Augenblick mit mir magisch findet. Danach berührte er mein Gesicht leicht und warf mir einen warmen zärtlichen verliebten Blick zu. Und dann… hat er ja gesagt.


Nachwort zu diesem Kapitel:
So, das wars mit der Geschichte :) wenn sie mindestens einer Person Freude bereiten konnte, dann ist es gut genug :D Danke an die eventuell existierenden Leute, die bis zum Ende durch meine schnulzigen Texte durchgekommen sind :D

Jedenfalls, so sehe ich die Beziehung von den beiden und ich glaube, das Anime Naruto hätte in einer ähnlichen Art und Weise enden sollen. Meine Meinung bezieht sich allerdings nur auf die Darstellung des Ganzen im Anime, den Manga habe ich nicht gelesen.

Wenn jemand Lust hat, darüber zu diskutieren, bin ich gerne dabei. Ich mag solche Sachen und Narutoverse bietet sehr viel Diskussionsstoff an. Schreibt mich ruhig an :) und ich freue mich natürlich über den Feedback zur FF an sich. Also, コメントしてくれってばよ! :)

Liebe Grüße,
suugakusan Komplett anzeigen

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Kommentare zu dieser Fanfic (23)
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Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Wisteria
2018-03-09T22:33:29+00:00 09.03.2018 23:33
Moin,
süße FF, gut geschrieben.
Bin ja froh das sie es doch geschafft haben zusammen zu kommen.
LG
Antwort von:  suugakusan
10.03.2018 09:47
Hi!

Danke! Ja, 35 tausend Wörter später haben sie es doch geschafft :D
Von:  lula-chan
2018-01-20T20:08:27+00:00 20.01.2018 21:08
Tolle Idee. Ein gut geschriebenes Kapitel. Sasukes Gefühle kamen richtig gut rüber. Das wird bestimmt noch richtig interessant und vor allem spannend.

LG
Antwort von:  suugakusan
21.01.2018 03:04
Danke :) die FF wird gerade überarbeitet, hoffentlich wird sie dadurch besser
Von:  nelly_legend
2017-09-15T13:49:20+00:00 15.09.2017 15:49
Deine Worte haben mich Sasukes Gefühle sehr intensiv erleben lassen.
Ich habe gelächelt und hatte Herzklopfen bei den schönen Momenten, in denen die Beiden ihre Zweisamkeit genießen. Und ich hab sogar mehrmals glücklich-entzückt mein Smartphone an mich gedrückt, weil die Szenen einfach so süß sind   “^^;   Auch die bodenlose Verzweiflung des Uchiha, und wie er "vor Liebe" fast draufgeht, beschreibst du mitreißend!

Es ist so eine romantische Geschichte *.*  <3

Kleiner Kritikpunkt: für mich persönlich ist es nicht nachvollziehbar, warum Sasuke seine langjährige Freundin bzw. ihr Verhalten ekelhaft und abstoßend findet :o  Aber so extrem relevant für den Plot ist seine Meinung über sie jetzt auch nicht. Sie ist in dieser Geschichte ja eher ein Nebencharakter. Allgemein ist das, was sich da zwischen Naruto und Sasuke abspielt, so... intensiv, dass alle anderen Charaktere stark in den Hintergrund rücken.
Das betont gut die Szenen, in denen deutlich wird, dass es für den Uchiha keinen anderen gibt als den blonden, unverbesserlichen Kindskopf  :)

Und ja verdammt, mit diesem Paar hätte die ganze Story enden müssen! Ich bin frisch in diesem Fandom und erst bei Episode 20. Trotzdem weiß ich bereits, dass Sasuke und Sakura am Ende heiraten... mir ist klar dass ich ganz am Anfang bin und noch viel erfahren werde, aber diese beiden, das hört sich einfach nicht richtig an. Bei den beiden Jungs wird schnell sichtbar, dass sich zwischen ihnen eine besondere Bindung aufbaut; siehe Episode 19, der Kampf gegen Haku

Aaalso danke für diese tolle Geschichte, bei der man richtig gut mitfiebern kann, und die ich in einem Rutsch gelesen habe weil ich nicht anders konnte :b

cornelia_legend
Antwort von:  nelly_legend
15.09.2017 16:05
Viel Erfolg bei dem Wettbewerb übrigens! ;) Du hast die Höchstanzahl an Worten überschritten, wenn mich nicht Alles täuscht :b nur falls es dir noch nicht aufgefallen ist
Antwort von:  suugakusan
15.09.2017 19:04
Wow, so viel Positives, herzlichen Dank dafür :) ich bin froh, dass dir die Geschichte so sehr gefallen hat. Ich dachte ehrlich gesagt nicht, dass jemand sie so gut finden wird oO

Die Geschichte war ja auch so schnulzig konzipiert, weil ich denke, dass es genau das, wie sich Sasuke fühlt. Aus meiner Sicht passt das zu seinem Charakter. Ich bin generell überzeugt, dass Sasuke seit der Original-Serie hoffnungslos in Naruto verliebt war. Weil du ja noch nicht so weit fortgeschrittenen bist, werde ich nichts mehr dazu sagen. Ich kann es dir vielleicht erzählen, wenn du durch die Original-Serie durch bist. Wenn du irgendwann die Shippuuden-Serie fertig hast, kann man sich richtig über das Thema unterhalten :D und nicht nur über dieses, Narutoverse bietet ziemlich viel Gesprächsstoff an, der nicht nur aus den Endpaaren besteht.

Nochmals vielen lieben Dank für so viel Positives im Bezug auf meine Geschichte.

Und ja, es ist mir bewusst, dass ich die Höchstanzahl an Worten überschritten habe, jedoch wurde mir gesagt, dass es geht, also verlasse ich mich darauf
Von:  Maren-san
2017-09-13T16:15:15+00:00 13.09.2017 18:15
Das ende ist sehr süß echt schöne geschichte
Antwort von:  suugakusan
14.09.2017 09:37
Danke, dass du dir die ganze Sache durchgelesen hast :)
Von:  Maren-san
2017-09-13T03:19:16+00:00 13.09.2017 05:19
für mich ist das kapitel mit lauter fragezeichen bestückt
Antwort von:  suugakusan
13.09.2017 08:32
Ich weiß nicht, was ich außer …??? dazu sagen soll :D
Antwort von:  Maren-san
13.09.2017 17:50
ich hab die reaktionen nicht ganz verstanden xD
Von:  Maren-san
2017-09-13T01:16:45+00:00 13.09.2017 03:16
an sich bisher finde ich die geschichte ja gut nur wie sie zueinander sprechen finde ich komisch
Von:  nanamiuzumaki88
2017-08-26T16:20:47+00:00 26.08.2017 18:20
Deine Geschichte ist super gut geschrieben! Aber vor allem der letzte Teil hat mir sehr gefallen. Dort wo sie für immer zusammen bleiben
Antwort von:  suugakusan
27.08.2017 01:28
Ich in froh, dass es dir Spaß gemacht hat! Es gibt noch eine Fortsetzung :D wäre cool, wenn du vorbeischauen könntest
Von:  yuki471
2017-08-15T21:20:44+00:00 15.08.2017 23:20
Schönes Ende.... denn sasuke und Naruto gehören zusammen...forever ;)
Antwort von:  suugakusan
16.08.2017 01:41
Danke fürs Durchlesen und für einen positiven Feedback :)

Ja, so sehe ich das auch. Diese Beziehung bekam am meisten Entwicklung im gesamten Anime. Am Ende hat Naruto Sasuke von seinen Leiden erlöst. Naruto war die einzige Person, die an das Gute in Sasuke ununterbrochen glaubte und Sasuke war sein Ziel im richtig breiten Sinne. Normalerweise kommen solche Protagonisten zum Schluss zusammen. Ich wette, wenn einer von den beiden ein Mädchen wäre, würden sie bestimmt zusammenkommen.
Von:  yuki471
2017-08-15T21:18:44+00:00 15.08.2017 23:18
Die Story ist so spannend .....hoffentlich wird Naruto Hinata nicht heiraten?...naruto liebt sasuke dann soll zu seinen Gefühlen steht, denn mit hinata kann er nicht glücklich werden ..

Von:  _A-chan_
2017-08-15T17:51:03+00:00 15.08.2017 19:51
Danke ich hab gestern weiter gelesen und das es Sasuke so schlecht gegangen ist, ist gemein. Aber die Hochzeit war cool das er sie einfach so stehen gelassen hat gefällt mir. Hätte gerne ihren Ausdruck gelesen und den von Sakura. Und der Satz ob er seine Sonne sein will hat mir auch gefallen. Es war schön zu lesen danke
Antwort von:  suugakusan
15.08.2017 22:48
Wenn dir die Geschichte gefallen hat, dann freu ich mich herzlich. Nochmal vielen Dank fürs Lesen!


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