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Und dann hat er ja gesagt

von

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Ödnis

Ich befand mich vor der Uchiha-Residenz seit Jahren zum ersten Mal erneut. Eine schwere uneinladende Aura schwebte über meinem Elternhaus, wodurch der sechsjährige Sasuke unaufgefordert erwachte. Er erinnerte mich aufdringlich an diese Nacht. Mein Puls beschleunigte sich, ein leichter Schweißfilm bildete sich auf meiner Stirn und ich atmete tief durch, während ich zögerlich vor der Eingangstür stand. Als ich den Schlüssel ins Schloss steckte, bemerkte ich, wie verräterisch meine Hände zittern. Selbst nach all diesen Jahren habe ich vor diesem Ort Angst. Die Eingangstür ging auf und enthüllte die mysteriöse Dunkelheit, wo die alten Geister meiner Vergangenheit lauerten. Ich atmete ein letztes Mal tief durch und machte einen Schritt dieser Dunkelheit entgegen.
 

Das Mysterium hielt nicht lange an. Nachdem ich die Räumlichkeiten betrat, musste ich trocken feststellen, dass die Uchiha-Residenz nichts weiter als ein altes verlassenes Haus war. Überall lag Staub, einige Sachen waren kaputt, manche Fenster waren angeschlagen, manchmal fehlte die Tür oder der kompletter Tatami-Boden. Das Haus war dennoch ziemlich gut erhalten und auf jeden Fall fürs Leben benutzbar. Ich fand sogar ein wenig Notfallzeug: die alten Futonbetten lagen immer noch zusammengerollt im Schrank mit der Bettwäsche, auf dessen Ordnung meine Mutter damals sehr achtete. Der ganze Kleinkram wie Lappen, etwas Geschirr und Besteck, Handtücher und noch etwas Putzmittel ruhten ebenfalls genau dort, wo man es vermuten würde. Ich wanderte durch die Residenz und jeder Teil des Hauses erweckte irgendeine Erinnerung: hier ist der Teich, wo ich damals mit Itachi häufig verstecken spielte. Hier ist das Büro meines Vaters, wohin uns Kindern die Zutritt strengst verboten war, und wir wollten unbedingt wissen, was unser Vater in seinem Büro versteckt. Hier ist die Küche, wo wir abends zu viert aßen. Hier ist mein ehemaliges Zimmer und das gegenüber gehörte Itachi. Wie ich damals nach der angekündigten Abendruhe zu Itachi ins Zimmer schlich, um mir spannende Geschichten über die Akademie und später über seine Missionen anhören! Es war sehr schön! Und hier… hier nahm Itachi eigenhändig unseren Eltern das Leben. Diese verschlossene Tür fesselte meinen Blick für eine ganze Weile. Auf dem dünnen Stoff konnte man selbst nach diesen Jahren verblasste Blutflecken unter dem übrigen Schmutz erkennen. Eine grazile aber zugleich abschreckende menschliche Silhouette, die die breiteste Straße des Uchiha-Viertels aufmerksam beobachtet, entstand vor meinen Augen und ich konnte dieses Bild nicht vertreiben. Diese Erinnerung ist so lebendig, als ob es erst gestern passierte. Plötzlich überwältigte mich eine zutiefst melancholische Sehnsucht. Nein, ich darf jetzt nicht in diesem altem Zeug herumwühlen. Es ist schon zu lange her. Ich habe damit endgültig abgeschlossen. Ich drehte mich um. Lieber diesen Teil des Hauses nicht besuchen.
 

Heute fing die Putzaktion an. Nach einer sehr langen Zeit musste ich sowas mal wieder machen und mit einem Arm war es ziemlich anstrengend. Wenn ich könnte, würde ich gerne jemanden dafür bezahlen, aber zur Zeit gibt es kein Extrageld. Eigentlich reicht das Geld in den jetzigen Umständen katastrophal nicht aus und es muss schnellstmöglich geklärt werden. Am liebsten würde bei Anbu Einzelmissionen erledigen. Aber wenn ich im Team arbeiten kann, dann bin ich prinzipiell gern dafür zu haben. Jedenfalls bin ich mir zuversichtlich, dass Kakashi für meine Fähigkeiten irgendeine Anwendung findet.
 

Der Tag näherte sich dem Ende und so langsam bekam ich Hunger. Nach dem Putzen wollte ich mich so wenig wie möglich bewegen, deswegen fiel die Entscheidung aufs Angeln. Ich wusste noch von damals, dass mein Vater das Angelzeug im Schrank unter dem Schreibtisch in seinem Büro verstaut, und nun fand ich mich selbst voller Aufregung endlich das Büro aus einem legitimen Grund betreten zu dürfen. Sasuke das Kind feierte innerlich diesen Sieg, weswegen mich an der Türschwelle eine enorme und zugleich beängstigende Schusseligkeit ergriff, und ich zögerte. Danach öffnete Sasuke der Erwachsene endlich die Tür, schnappte sich entschlossen das Angelzeug und verließ das Haus. Ach man, dieser Ort verwandelt mich in eine ganz andere Person ganz egal, ob ich möchte oder nicht.
 

Ich erwischte gerade noch den Sonnenuntergang. Die Sonne war noch durch die Bäume zu sehen. Sie färbte den Himmel orange und erhellte wunderschön die Baumspitzen. Die Schatten waren lang und spitz, meins streckte sich vielleicht über 3-4 Meter. Es roch angenehm nach der Abendfrische vom späten Sommer. Nun erreichte ich mein Ziel und mir offenbarte sich ein majestätischer Blick auf den breiten Fluss. Ich hielt kurz an. Langsam vergaß ich, wie schön diese Welt eigentlich ist.
 

Nach einiger Zeit war das Angeln endlich mit einem Erfolg gekrönt und der erste Fang brutzelte bereits fröhlich neben dem Feuer am Spieß. Es wurde mittlerweile vollständig dunkel. Die heutige Nacht war ruhig und klar. Die Natur hielt ihren Atem an. Als ob alles in dieser Welt gerade still stand. Ich blickte zum Himmel hinauf. Eine dicht besetzte Sternedecke erstreckte sich direkt über meinem Kopf. Sie schien zum Greifen nah zu sein. Ich wünschte, ich könnte diesen magischen Himmel Naruto zeigen. Er hätte mir dabei Sachen aus seinem Alltag erzählt und würde sich bestimmt über irgendwas aufregen. Ich kann seine energische Stimme fast hören! Wenn er zu Ende geredet hätte, würde ich ihn leicht an die Stirn küssen. Er würde daraufhin kurz schmunzeln und seinen Kopf auf meine Schulter legen. Ich würde ihn in den Arm nehmen und ihm sagen, dass ich froh bin, ihn bei mir zu haben. Ja, das wäre ein sehr schöner Abend.
 

Leider hatte ich keinen weiteren Erfolg bei Angeln, weswegen ich halbhungrig ins Bett ging. Am nächsten Morgen machte sich diese Tatsache bemerkbar. Gestern beim Putzen fand ich eine Tütensuppe in der Küche. Nur Gott weiß wie als sie ist. Soll ich mich daran trauen? Hmmm… Eigentlich muss ich eh zu Kakashi… Ich hatte noch etwas Geld übrig und entschloss mich, etwas unterwegs zu essen. Ich zog mich an und verließ das Haus.
 

Draußen herrschte ein angenehmes Wetter. Obwohl es noch ziemlich früh war, war es schon viel los. Die Straße war chaotisch, viele Menschen waren dabei, ihren Tag zu beginnen. Ich ging an einem Ramenladen vorbei. Ramen zum Frühstück? Eeeeh… ich musste sofort an Naruto denken. Wenn er jetzt hier wäre, würden wir jetzt wahrscheinlich Ramen essen. Ach was soll’s… Ich ging in den Ramenshop rein und bestellte mir eine Portion Schweinemisoramen zum Mitnehmen, in einem kleinen Andenken an ihn, quasi. Bereits nach einer halben Stunde stand ich in Kakashis Büro. Mein Ramen war alle und ich bereute es irgendwie. Alles war schon wieder chaotisch, Leute liefen hin und her. Sogar Kakashi sah angespannt aus, was mich verwunderte.
 

„Guten Morgen, Sasuke“ sagte er etwas verpeilt.

„Morgen!“ warf ich hinterher. „Kakashi, ich brauche dringend Geld. Könnte ich bei Anbu ein Paar Einzelmissionen übernehmen?“

„Eeeeeh“ seufzte er nachdenklich. „Man kan nicht einfach so auf Einzelmissionen geschickt werden. Für sowas gibt es Regel und die gelten nunmal für alle.“

„Okay… sag mal, kannst du mich generell bei Anbu arbeiten lassen?“

„Im Prinzip schon, und von mir aus sehr gern. Du bist ein exzellenter Shinobi und es wäre eine große Verschwendung dich nicht einzusetzen, aber…“

„Es ist nicht einfach?“ Ich versuchte seinen Satz zu vervollständigen und er nickte.

„Richtig. Deine Situation ist… naja, besonders. Ich muss vor allem das Rat der Älteren überzeugen, dass du trotz deiner…“ Er legte eine Pause ein um meine Situation möglichst taktvoll zusammenzufassen und ich war irgendwie gespannt darauf, wie er es formuliert. „Ähm… kriminellen Vermerke… eine Bereicherung für die Anbu-Reihen wärest. Ich kann es nur versuchen, ohne etwas im Voraus zu versprechen, okay?“

„Okay, verstehe. Würdest du es bitte mit dem Rat besprechen?“

„ Wenn du möchtest, dann versuche ich es eben. Du wirst per Post benachrichtigt und im Falle eines positiven Verdikts wirst du vorgeladen und dir werden die ganzen Einzelheiten und Formalitäten erklärt.“

„Danke, Kakashi.“ Okay, es ist doch nicht so einfach. Ich hoffte ursprünglich, dass ich gleich heute den Job bei Anbu bekomme.

„Immer gerne. Kann ich noch was für dich tun?“ fragte er in einem Chef-Ton.

„Ich hätte noch eine Bitte… und zwar…“ Es war ungemein peinlich den Leiter vom Team 7 darum zu bitten meine Rückkehr von den Teamkollegen aus dem besagten Team 7 zu vertuschen, aber naja… „Kannst du bitte keinem weitergeben, dass ich zurück bin? Insbesondere Sakura und Naruto.“

„Darf ich fragen wieso?“ Kakashis eine Augenbraue hob sich hoch.

„Ich habe gewisse Gründe…“, die damit zu tun haben, dass ich Naruto jahrelang einseitig liebe, und jetzt ist dieser Schwachkopf verlobt. So würde der vollständige Satz heißen.

„Okay, ich frage dich nicht weiter aus. Dann erzähl ich keinem, dass du zurück bist.“ Er musste sich gleich korrigieren, „außer den Leuten, die für die Aufnahme ins Anbu informiert werden müssen.“ Er schmunzelte durch seine Maske. „Hast du noch irgendein Anliegen?“

„Nein, das wär's dann.“

„Okay,“ er fing an, irgendwelche Formulare auszufüllen. „Du wirst wie gesagt benachrichtigt. Ich hoffe darauf, dass wir uns bald wiedersehen.“

„Das hoffe ich ebenfalls.“

„Also, auf Wiedersehen!“

„Bis dann!“
 

Und so kam es dazu, dass ich statt einer spannenden Einzelmission die nächsten Tage tagsüber putzte und abends angelte. Nach vier Tagen nahm die Putzerei ihr Ende und danach vergingen meine Tage noch trister: statt zu putzen trieb ich mich planlos im Wald rum bis es vollständig dunkel wurde. Jeder nächste Tag brachte absolut nichts neues mit sich. Das Training und lebensnotwenidige Kleinkram allein waren nichtmal annähernd ausreichend um mich vollständig beschäftigt zu halten. So drifteten meine Gedanken immer mehr zu Naruto ab und sie zu vertreiben fiel mir ziemlich schwer. Ich dachte nicht, dass ich so durchdrehe, bloß weil ich in Konoha bin. Anscheinend spielte es eine große Rolle, dass wir räumlich weniger getrennt auseinander sind. Narutooooo! Hör auf, meinen Kopf zu besetzen! Ich will es doch gar nicht!
 

Nach dem gefühlt längsten Monat meines Lebens bekam ich den besagten Brief. Der Verdikt des Rates fiel zu meinem unendlichen Glück positiv aus und heute war der erste Tag, an dem tatsächlich was passierte. Zusammen mit Kakashi und Shikamaru warteten wir in seinem Büro auf diejenigen, die zwischen mir und meinem neuen Job so lange standen. Irgendwann ging die Tür auf und drei Menschen betraten den Raum. Nachdem sich alle bequem an Kakashis Besprechungstisch gemacht hatten, leitete der sechste Hokage eine kleine Rede ein:
 

„Guten Morgen alle! Ich möchte Ihnen diesen jungen Mann vorstellen. Das ist Uchiha Sasuke-kun und, wie ihr alle wisst, wird er ab heute den Reihen des Anbu beitreten. Ich bitte Ihnen, ihn herzlich willkommen zu heißen.“
 

Nach dieser Ansprache wurden die drei Herrschaften vorgestellt. Zwei davon bildeten das besagte Rat der Älteren und der letzte war von der Shinobi-Allianz. Außerdem erfuhr ich, dass Shikamaru Hokages neuer Berater ist. Mein ehemaliger Mitschüler guckte mich die ganze Zeit mit Verdacht an. Die zwei aus dem Rat der Älteren erklärten mir allgemein, wozu Anbu überhaupt gegründet wurde, was die Aufgaben eines Anbu-Mitgliedes sind, und dass ich es mit Würde nehmen soll. Derjenige, der die Allianz repräsentierte, erklärte mir genau, was Konohas Anbu mit der Shinobi-Allianz zu tun hat, und was diese Tatsache konkret für mich bedeutet. Danach gingen die Drei und der echte „Spaß“ fing an. Ich musste durch ein sehr langes langweiliges Gespräch mit Shikamaru durch. Er erklärte mir, dass er die Fähigkeiten jedes einzelnen Shinobi kennen muss, damit er im Falle eines Krieges sinnvoll planen kann. Er stellte mir hauptsächlich Fragen bezüglich meiner Fähigkeiten und notierte meine Antworten in einer Mappe mit der Aufschrift „Uchiha, Sasuke". Während des ganzes Gesprächs spürte ich, dass mein Einstieg Shikamaru in gar keiner Weise begeistert, und parallel dazu füllte Kakashi etliche Formulare aus. Seit wann wurde Konoha so bürokratisch?! Nach dem Gespräch schien die Aufnahmeprozedur abgeschlossen zu sein. Als Letztes musste ich ein paar Unterlagen unterzeichnen und eine Mappe mit den Informationen zur anstehenden Mission entgegennehmen. Kakashi klärte mich über die Mission kurz auf und danach durfte ich gehen. Ich verließ Hokages Büro zusammen mit Shikamaru. Zu meinem Glück fing er kein zweites Gespräch an und bog in die entgegengesetzte Richtung ab. Anstatt mir weiter Gedanken über Shikamaru zu machen inspizierte ich neugierig den Inhalt der Mappe. Es war nicht viel drin, nur zwei Merkblätter und eine Anbu-Maske. Das erste Blatt enthielt das Wetterbericht von Kumo für den nächsten Monat und eine Karte. Auf dem zweiten Merkblatt waren der Treffpunkt, das Datum und die Uhrzeit zu finden. Da werde ich das Team kennenlernen. Als ich das zweite Merkblatt durchlaß, verschwand die Tinte sofort.
 

Die anstehende Mission schien auf den ersten Blick anspruchsvoll zu sein. Raikage hatte einen nicht unbegründeten Verdacht, dass einer seiner engster Berater ein Verräter sei und angeblich eine Attentat auf ihn plane. Ein Team aus 5 Shinobi muss das rausfinden. Shikamaru und andere Berater von Kage überlegten sich eine Strategie, in der jeder eine Aufgabe zu übernehmen hatte. Ich musste den Verdächtigen unmittelbar beobachten, die anderen vier kümmerten sich darum, dass ich nicht entdeckt werde. Ich war damit mehr als zufrieden. Nach dem Putzen und einmonatigem planlosem Rumhängen im Wald würde sich bestimmt jede Beschäftigung mehr als sinnvoll anfühlen. Das Treffen war morgen und übermorgen ging es nach Kumo.
 

Mittlerweile kam ich nach Hause an. Es wartete eine Überraschung auf mich. Sakura saß vor meiner Tür. Und nun erinnerte ich mich daran, was es bedeutet, richtig genervt zu sein.
 

„Saaaasuke-kuuuuun! Ich bin so froh dich zu sehen!“ rief sie energisch aus. Sie klang genauso wie damals mit 13. Diese anhängliche Stimme erinnerte mich an die Tage, die ich mit Team 7 verbrachte. Obwohl es sich um Sakura handelte, waren diese Erinnerungen an sich sehr schön.

„Sakura, hör auf so laut zu sein. Es nervt.“ erwiderte ich auf ihre Begrüßung.

„Du hast dich überhaupt nicht geändert, Sasuke-kun“ stellte sie fest und versuchte mich zu umarmen, aber ich schob sie zur Seite.

„Wie hast du mitbekommen, dass ich hier bin?“ erkundigte ich mich kurz.

„Durch Shikamaru…“

„Arschloch…“ zischte ich, ohne dass Sakura es mitbekam.

„Lass uns was machen, wenn du hier bist!“ Sie bekam nicht mit, dass ich generell von ihrer Präsenz nicht besonders begeistert bin.

„Ich hab eigentlich keine Zeit, ich muss mich auf die anstehende Mission vorbereiten...“ Ich bastelte eine plausible Halblüge in der Hoffnung, dass sie Sakura als Einwand ausreicht.

„Ach wie cool! Erzähl doch mehr darüber! Generell interessiert es mich, wie es dir geht, was du gemacht hast und so… ich hab zum Beispiel einen Job im Krankenhaus bekommen…“

„Sag mal, du lässt mich nicht in Ruhe, ne?“ Ich versuchte die Äußerung so weich wie möglich auszusprechen um sie nicht direkt anzugreifen. Es gelang mir teilweise und der Satz klang eher scherzend, obwohl ich es ursprünglich ziemlich abweisend meinte.

„Neeeeeeein!“ Sie zog verspielt das Wort in die Länge und lächelte. Plötzlich kniff sie die Augen zu und grinste sie mich genauso an, wie Naruto es machen würde. Dadurch bemerkte ich, wie unglaublich doll mir dieser blonde Schwachkopf fehlt.

„Na gut, lass uns essen gehen.“ Mir wurde bewusst, dass ich diese Begegnung zu meinem Vorteil ausnutzen kann. Es ist eine Gelegenheit Sachen über Narutos jetzige Lage rauszufinden.
 

Nach ungefähr fünfzehn Minuten saßen wir in dem Ramenladen von heute morgen. Es ist schon die zweite Portion Ramen, die ich heute konsumiere. Wenn es so weiter geht, mutiere ich bald in Naruto. Was für eine schreckliche Vorstellung! Sakura schwärmte über ihren Job, ihre momentane Angelegenheiten und ihre neue Bekannten. Ab und zu stellte sie Fragen, aber ich konnte wenig zu der Konversation beitragen, oder ich würde manches nicht benennen wollen, wie zum Beispiel die Gründe, warum ich zurück bin. Deswegen lief das Gespräch eher einseitig und verwandelte sich bald in ein Monolog. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, bloß, das ganze schien mir ziemlich sinnloser Zeitvertreib zu sein, bis Sakura endlich was interessantes sagte:
 

„Weißt du, Naruto unterrichtet jetzt in der Akademie.“

„Oooh…“ konnte ich nur erwidern. Betreut er etwa ein Genin-Team? Der Gedanke, dass jemand ihn Naruto-Sensei nennt, kam mir sehr absurd vor.

„Unerwartet, ne? Ihm gefällt es dort und er sagt, die Kinder sind süß.“

„Und was unterrichtet er? Ich meine, er kann doch nichts, oder?“ Das meinte ich ernst. Dummer Naruto…

„Najaaa, das würde ich nicht mehr sagen. Schlussendlich bestand er die Jounin-Prüfung ziemlich schnell. Abgesehen davon unterrichtet er die Kampftechniken. Aber wahrscheinlich hast du recht… Das ist das Einzige, was er realistisch gesehen unterrichten kann.“
 

Sakuras Monolog hörte abrupt auf und ich bekam die Gelegenheit mich an unseren letzten Kampf zu erinnern. Wahrscheinlich ist er der stärkste Shinobi in der gesamten Welt. Würde diese Tatsache ihn nicht zum besten Kampftechniken-Lehrer machen? Ich weiß es nicht. In meinen Augen ist er zu schwachsinnig um ein Lehrer zu sein.
 

„Wie geht's ihm eigentlich so?“

„Ziemlich gut. Er hat sich sehr geändert. Er ist ja Jounin geworden. Er musste dafür viel lernen. Iruka-Sensei ist jetzt der Schuldirektor und, als Naruto die theoretischen Tests bestanden hat, bot er ihm den Job an.“

„Sakura, sag mal… was hat das mit der Hochzeit auf sich? Das passt gar nicht zu ihm…“

„Wie gesagt, er änderte sich sehr. Zum Beispiel das mit dem Jounin-Test… Er lernte jeden Tag 6 bis 8 Stunden dafür! Kannst du es dir vorstellen?! Und ich war oft bei ihm, hab ihm essen vorbeigebracht und trieb mich generell oft bei ihm rum, weil ich damals den Job noch nicht hatte“ Als sie es erzählte, wünschte ich, ich wäre an ihrer Stelle und dürfte mich um Naruto auf dieser Weise kümmern. „Er war auch wirklich schnell durch. Iruka-Sensei meinte, dass es eine der schnellsten Beförderungen zum Jounin ist, die es jemals gab. Ob man dem glauben möchte…“

„Das würde ich so gerne sehen!“ Den Satz wollte ich nicht laut aussprechen.

„Sowas muss man gesehen haben, ne?“ Sie lächelte kurz. „Aber er ist nicht nur fleißig, es ist nicht das. Zur Zeiten vor dem Krieg und nach dem du Konoha verlassen hast, wurde er viel erwachsener, kein Thema, aber jetzt nach dem Krieg… sein Wesen transformierte sich gefühlt komplett. Wusstest du, dass Naruto einer der schlimmsten Workaholics ist?“

„Was?!“ ließ ich reaktiv ab und unterbrach sie damit

„Ja, war mir komplett neu. Seitdem er den Job hat, ist er nur noch am arbeiten. Er macht ständig Überstunden und kümmert sich um die Sachen in der Akademie, die gar nicht seine sind. Dadurch nahm unser Kontakt rasch ab und Hinata beschwert sich ebenfalls. Ich weiß, dass er es nur gut meint, sie brauchen sehr viel Geld für die Hochzeit… aber ich mach mir halt Sorgen um ihn. Es ist nicht gesund und manchmal krieg ich sogar das Gefühl, dass er durch dieses krasse Arbeiten irgendwas unterdrücken will. Er sagt nichts dazu, außer dass er alles freiwillig und aus Spaß macht. Ich würde ihm gern glauben, aber es ist irgendwie… weiß nicht… als ob er was wichtiges verschweigt… keine Ahnung, ich kaufe es nicht ab. Einmal schuf ich ein kleines bisschen was aus ihm rauszuziehen. Er erzählte mir, er würde sehr viel über die Opfer des Krieges nachdenken und dass es unfair sei, dass manche Leute für ihn quasi gestorben sind, und dass diese Tatsachen ihn sehr beschäftigen. Ziemlich krass, ha?“

„Ja, ich glaube gar nicht, dass du jetzt über Naruto redest.“

„Kann ich völlig verstehen. Weißt du vielleicht, was er hat?“

„Nein, ich weiß es nicht.“

„Hmmm… schade…“

„Na, und was denkst du also? Was hat es mit der Hochzeit auf sich?“ Ich versuchte das Gespräch ein wenig in die gewünschte Richtung zu lenken und es gelang mir.

„Achso! Ich habe mich ja komplett von der ursprünglichen Frage abgelenkt…“ Sie lachte und guckte mich direkt an. „Ich erzähl dir erstmal wie es dazu kam, okay?“

„Klar…“

„Das Ding ist, dass das mit der Verlobung von jetzt auf gleich passierte. Sie waren nicht mal vernünftig zusammen. Es kam halt dadurch zustande, weil Hinata entführt worden war, und Naruto natürlich als erster zur ihrer Rettung eilte. Nachdem sie zurück waren, vergingen ein paar Wochen und ich erfahre davon. Jetzt hat Kakashi dies neulich öffentlich verkündet.“

„Scheint ja gar nicht so lange her zu sein…“

„Ne, ist es schon ein Weilchen her, seitdem Naruto es mir sagte. Ein Jahr oder so. Bloß öffentlich wurde es erst jetzt.“

„Ach was…“

„Jetzt wo du es weißt, komm ich auf deine Frage zurück. Ich glaube wirklich, dass Naruto ganz aufrichtig Hinata liebt. Ich denke, teilweise deswegen gibt er sich so große Mühe. Und wenn wir mal zusammen irgendwas unternehmen, dann sehe ich es. Es tut immer so gut die beiden anzugucken!“ Ihr Gesicht wurde total verträumt. „Er kümmert sich, weißt du?“

„Woran kannst du es denn so sicher festmachen?“

„Naja, er versucht es ihr angenehm zu gestalten, hab ich das Gefühl. Oder besser gesagt, er möchte, dass es ihr gut geht, und es widerspiegelt sich in seinem Umgang mit ihr. Keine Ahnung… und generell sind sie ein sehr harmonisches Paar. Wenn man die beiden nur ansieht, kriegt man das Gefühl, dass sie sehr gut zusammenpassen. Deswegen wünsche ich den beiden vom Herzen alles-alles gute, obwohl deren Verlobung mir damals total verfrüht vorkam. Vielleicht macht es manchmal wirklich keinen Sinn zu warten. Die beiden haben es mir bewiesen.“
 

Der Abend nahm langsam den Ausklang und wir verabschiedeten uns. Als ich nach Hause ankam, legte mich in mein ausgerolltes Bett auf den Rücken hin und starrte die Decke an. Naruto und Hinata, das perfekte verlobte Paar. Was soll das? Sakuras Erzählung zufolge geht es ihnen ziemlich gut. Und eigentlich sollte ich die beiden sein lassen, aber… ich will nicht. Ganz im Gegenteil. Ich will ihn haben und jetzt hab ich keine Angst zu handeln. Ganz unerwartet ermutigte mich Sakuras Erzählung dazu.
 

Nichtsdestotrotz ging es mir ziemlich mies. Es schmerzte stumpf in der Brust und in meinem Rachen steckte irgendwas, was das Schlucken schwer machte. Am liebsten würde ich jetzt gleich alles offenlegen. Zum Beispiel so: „Naruto, ich liebe dich schon seit unserer Genin-Zeit. Ich will an deiner Seite sein. Bitte nimm es mir nicht übel, dass ich erst jetzt damit komme.“ Siehst du, Sasuke, es ist gar nicht schwer! Es sind nur drei kurze Sätze! Nur Drei! Warum hast du es nicht früher angesprochen?! Aber wenigstens hast du endlich geschafft einzusehen, dass dieses Gespräch stattfinden soll, und jetzt ziehst du es durch. Besser früher als später. Und besser später als nie. Ach, Naruto, wenn du nur wüsstest, dass ich jeden Tag in deinen Armen aufwachen will! Oder wenigstens mich in deiner Nähe befinden. Vielleicht wird das doch was mit der Freundschaft? Darf sich unsere Beziehung überhaupt „Freundschaft“ nennen?! Der Eine ist in den Anderen hoffnungslos verliebt. Und dieser Andere ist verlobt… ja, Freundschaften funktionieren genau so. Jedenfalls wenn ich mit meiner Beichte ankomme, muss ich beten, dass wir in Wirklichkeit keine Freunde sind, und dass es tatsächlich mehr dahintersteckt. Hoffentlich will er mir immer noch seine Wärme schenken, und wenn es so ist, nehme ich sie diesmal dankend an. Der verirrte Falter findet seine eine Sonne erneut und fliegt auf sie zu. Dabei befreit er sich endlich aus der Dunkelheit.



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von:  Maren-san
2017-09-13T01:16:45+00:00 13.09.2017 03:16
an sich bisher finde ich die geschichte ja gut nur wie sie zueinander sprechen finde ich komisch
Von:  Scorbion1984
2017-08-06T08:21:56+00:00 06.08.2017 10:21
Tolle Geschichte ,werden sich seine Wünsche erfüllen ,wird er je Naruto für sich gewinnen ?!
Bin gespannt wie es weiter geht !
Antwort von:  suugakusan
06.08.2017 17:41
Wow, jemand liest die Geschichte tatsächlich! Vielen Dank!


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