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Sugar Sugar Rune - Sechs Jahre später

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Der Auftakt: Schön, schöner, Chocola & Vanilla

Dafür, dass heute Samstag ist, klingelt mein Wecker eindeutig zu früh! Ich bin doch gerade erst eingeschlafen und soll jetzt schon wieder aufstehen?
 

Ich stopfe den blöden Wecker nach einem Schlag auf die Schlummertaste unter mein Kopfkissen, um ihn zu ignorieren, aber ich habe mal wieder den menschlichen Wecker vergessen.
 

Lovin steht im Türrahmen und spielt wie gewohnt den Gefängniswärter. „Jetzt steh' schon auf!", pampt er mich an und ehe ich ihn anschnauzen kann, kommt er schon zu meinem Bett und zieht mir mit einem Ruck die Decke weg. Verdammt, ist das kalt! „Was soll denn das, ich stehe doch gleich auf!", fahre ich ihn an, während er meine Bettdecke in die andere Ecke des Raumes pfeffert.

„Ja genau, als könnte man deinen Worten trauen.", entgegnet er sarkastisch und mit diesen unfreundlichen Worten verlässt er den Raum.
 

Ich ziehe eine genervte Grimasse und kugele mich zusammen. Aufstehen, von wegen! Darauf habe ich wirklich keine Lust. Es ist doch noch früh am Morgen und dieser dämliche Ball würde erst abends losgehen. Also habe ich noch massig Zeit, viele, viele Stunden. Wieso soll ich da nicht noch einmal für ein halbes Stündchen meine Augen schließen können?
 

Doch da habe ich die Rechnung ohne Lovin gemacht. Ich hätte wissen müssen, dass er mich nicht weiterschlafen lassen würde. Und so kommt es dann auch. Im nächsten Moment erbebt meine Matratze und mit einem lauten, dumpfen Geräusch lande ich wirklich unsanft auf dem Fußboden. Lovin steht über mir und mustert mich tadelnd; die Matratze noch immer hochgestemmt. Mein Wecker purzelt mir in die Hände und widerwillig fange ich ihn auf, um ihn endgültig auszuschalten. Lovins Gemecker reicht mir schon, da brauche ich nicht noch zusätzlich dieses nervige Piepen.
 

„Du stehst jetzt sofort und auf und hörst auf, mir auf die Nerven zu gehen.", zischt Lovin und ein diabolisches Funkeln liegt in seinen Augen. „Sonst werde ich dich gleich in den Fluss werfen!" Er reckt sein Kinn zum Fenster. „Los jetzt, husch, husch, husch!" Er stupst mich mit den Füßen in die Seite und ich versuche, aus seiner Reichweite zu robben, aber er kommt mir hinterher, bis ich endlich aufstehe und stinksauer im Badezimmer verschwinde, wo ich die Tür hinter mir zuwerfe.
 

Dort kehrt langsam Leben in mich. Meine unbeholfene Flucht vor Lovins Füßen hat mich vollends aufgeweckt, sodass ich ein kleines Nickerchen auf dem flauschigen Teppich heute gar nicht mehr in Betracht ziehe.

Duke sitzt auf dem Rand des Waschbeckens und plappert mich voll, wie ich am besten Herzen sammeln kann. Für mich war das jetzt gerade noch nicht so wichtig. Darüber kann ich mir auch noch etwas später Gedanken machen. Erstmal habe ich Kohldampf, also war es Zeit für die Küche und ein fettes Frühstück.
 

Bis zum frühen Nachmittag wurde ich nicht richtig fit. Ich gebe Lovin die Schuld, der meinen Start in den Tag so unangenehm gemacht hat. Erst als Vanilla mit heißer Schokolade in mein Zimmer kommt, kann ich wieder lächeln.

Sie hat immer noch die Lockenwickler im Haar, die sie sich bereits am frühen Morgen reingedreht hat und auf meinem Bett hat sie gefühlt ihren gesamten Schminktisch ausgebreitet.
 

Ich linse zu meinem Wecker, der jetzt wieder an seinem üblichen Platz auf dem Nachttisch steht: 14:30 Uhr. Gegen 18 Uhr wollen wir alle gemeinsam losfahren. Aber bis dahin war ja noch Zeit, fast vier Stunden. Theoretisch könnte ich doch ein kleines Mittagsschläfchen halten...
 

Aber Vanilla, bewaffnet mit einem seltsamen Pinsel und einem weißen Döschen, rutscht auf den Knien über die Matratze auf mich zu und grinst mich an. „Jetzt machen wir uns diese Maske für einen strahlenden Teint drauf und danach schminken wir uns, ja?" Resigniert seufze ich und nicke. Soviel zu meinem Nickerchen. Aber das kann ich mir jetzt wohl definitiv abschminken. Während Vanilla beginnt, mein Gesicht mit ihrer klebrigen, schleimigen Pflegemaske vollzupinseln, die angenehm nach frischem, grünen Tee riecht, sehe ich mich um. Duke döst auf dem Schreibtisch und Blanca liegt auf einem dicken Kissen auf dem Fußboden und tut es ihm gleich. Ich muss schmunzeln. So kann ich diese grässliche Maus tatsächlich fast ertragen - schlafend!
 

„Wo sind eigentlich Houx und Saule?",frage ich meine beste Freundin, als wir uns entspannt auf den Rücken legen, um die Masken wirken zu lassen. „Die haben wir rausgeschmissen.", kichert sie. „Naja... Die sind ins Wohnzimmerverbannt worden, damit wir uns in Ruhe zurecht machen können." Nun, das erklärt immerhin, warum ich die beiden Chaoten gar nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Dann muss ich eben bis zum Abend warten, um sie wiederzusehen. So kann ich immerhin die Zeit ganz entspannt und ungestört mit Vani verbringen. Das kommt in letzter Zeit wirklich zu kurz. Und das darf bei der besten Freundin eigentlich nicht sein. Ehrlich gesagt, genieße ich es richtig, mit ihr zu quatschen und rumzualbern, auch, wenn ich vom Schminken selbst nicht allzu angetan bin. Nur dank Vanilla finde ich es tatsächlich lustig. Concealer, Puder, Lidschatten, Rouge, Mascara, Lippenstift, Kajal,... Alles ist dabei. Wir probieren uns ein wenig aus und müssen das ein oder andere Mal zum Make-Up-Entferner greifen, aber als wir endlich fertig sind, kann sich das Ergebnis echt sehen lassen kann. Wir schlüpfen in unsere Kleider und legen letzten Schliff an.
 

Vanilla sieht total süß aus, mit ihren voluminösen Locken und dem rosanen Kleid, das einen langen, plüschigen Rock hat, der mich an leckere Zuckerwatte erinnert. Oben hat es viele kleine Schmetterlinge angenäht, die sich bis auf kleine goldene Highlights nicht von der Farbe des restlichen Kleides unterscheiden.

Auch ich muss zweimal in den großen Spiegel gucken, um mir sicher zu sein, dass die Person, die ich dort sehe, ich bin. Meine Haare sind gelockt und lässig hochgesteckt und ich trage das neue grüne Kleid. Es sieht noch viel besser aus, als das Mal, als ich es im Laden anhatte. Immerhin sind meine Haare und mein Make-Up perfekt und auch die schwarzen Sandaletten passen wunderbar dazu. Noch war ich mir nicht ganz sicher, wie ich auf diesen hohen Hacken laufen sollte, aber beim letzten Mal ging es ja auch irgendwie. Vanilla wirkt in ihren Pumps viel geübter, als wären es die bequemsten Schuhe auf der Welt. Wenn ich mich den ganzen Abend neben ihr bewegen würde, als hätte ich Schmerzen und müsste dringend auf die Toilette, würde sich das sicherlich nicht gerade positiv auf die Herzjagd auswirken.
 

Von unten ist Lovins Stimme zu hören: „Chocola, Vanilla, seid ihr soweit? Kommt runter, die Herren sind auch fertig."
 

Wieder seufze ich, auch wenn ich versuche, so glücklich auszusehen, wie Vani es tut. Sie greift nach meiner Hand und Duke und Blanca folgen uns, als wir mein Zimmer verlassen und die breite Treppe betreten, die nach unten führt.
 

Lovin hat eine Kamera verzaubert, sodass sie um uns herum flattert und aberwitzig viele Fotos aus jedem erdenklichen Winkel schießt.

Lovin trägt einen wallenden Zweiteiler und sieht irgendwie aus, wie ein geschmückter Weihnachtsbaum. Ich muss mir ein Kichern verkneifen.

Houx und Saule tragen ihre Anzüge und die beiden sind wirklich kaum wiederzuerkennen, das muss ich zugeben. Sie sehen in der Tat aus, wie zwei noble, junge Herren. Und wenn ich ihre Gesichtsausdrücke richtig deute, denken die beiden Jungs wohl gerade etwas Ähnliches. Zumindest, wenn der baffen Ausdruck in ihren Gesichtern nicht von irgendwas anderem herrührt.
 

„Ihr seht bezaubernd aus, sogar du, Chocola; richtig verführerisch.", stellt Lovin zufrieden fest und geht um uns herum, wie um sich jedes Detail anzusehen.

„Also Herrschaften, stellt euch alle zusammen, für die letzten Fotos und dann lassen wir uns zu eurem ersten Ball fahren!"



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