Zum Inhalt der Seite

Sugar Sugar Rune - Sechs Jahre später

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Date mit Schokolade

Heimlich bin ich in die Stadt geflogen. Lovin würde vermutlich einen Tobsuchtsanfall bekommen, aber es ist schließlich schon dunkel und ich muss auch nicht gefahren werden, wie ein kleines Kind. Wäre doch peinlich! Zu Dates lässt man sich doch nicht von seinem Vormund, oder welche Rolle auch immer man Lovin in diesem Fall auch immer zuschreiben mag, kutschieren. Außerdem liebe ich es zu Fliegen. Wer soll mich schon sehen, ich passe ja auf.
 

Ich will mich mit Hiroto vor einer Bar treffen. "Lucky Number Slevin", heißt sie, warum auch immer. Sie liegt in der Innenstadt und aus der Ferne sehe ich schon die Außenbeleuchtung. Sieht eigentlich ganz cool aus.

Hiroto steht freudestrahlend am Bürgersteig davor und winkt mir zu. Ich winke zurück und beschleunige meinen Schritt.

Bei meiner Landung eben wäre ich fast in einem großen Müllcontainer gelandet. Scheint so, als wäre ich wirklich aus der Übung. Ein Glück, dass ich nicht tatsächlich reingefallen bin. Nach Müll riechend hätte ich das violette Herz –oder auch nur irgendein Herz - wohl wirklich vergessen können.
 

Aber eigentlich stehen meine Chancen ganz gut. Ursprünglich wollte ich das lange, grüne Kleid meiner Mutter anziehen, aber Vanilla riet mir davon ab; es war zu sexy für eine gewöhnliche Bar. Widerwillig hatte ich es wieder in den Schrank gehängt. Vanilla drapierte einige Stücke auf meinem Bett. Aber nichts schien sie so richtig zu überzeugen. Es gestaltete sich schwieriger, als ich gedacht hätte. Ich wollte schon wieder resignieren, da hielt mir Vanilla ein schwarzes Kleid an den Leib.„Mit dem kleinen Schwarzen macht man nie was falsch." Also, sollte Vanilla nicht den Wettbewerb gewinnen, sollte sie auf jeden Fall eine Boutique eröffnen, denke ich und grinse.

Schließlich stand mein Outfit fest: das kleine Schwarze, hohe Stiefelettchen, eine Clutch von Vanilla und mein langes Haar fiel in sanften Wellen über meine Schultern. Als Vanilla mich verabschiedete war ihr Blick ein wenig glasig und ich verschwand eilig, bevor sie wieder in Tränen ausbrechen konnte. Houx und Saule war ich zum Glück nicht mehr begegnet, da sie noch in der Fahrschule waren. Bestimmt hätten sie sich über mich lustig gemacht, weil ich so rausgeputzt bin.
 

Ich laufe auf Hiroto zu und er ergreift meine Hand. Ich will mich instinktiv losreißen, darf aber meinen Auftrag nicht vergessen. Ich brauche ein violettes Herz! Also lächle ich ihn nur an und er führt mich in die Bar.

Drinnen ist es abgedunkelt und einigermaßen gut besucht. Hiroto lässt meine Hand immer noch nicht los und wir gehen auf einen gemütlichen Tisch in einer Ecke des Lokals zu. Der Tisch sieht irgendwie aus, als wäre er aus einem klassischen amerikanischen Diner.

Ich setze mich und greife nach einer Karte aus dem Ständer in der Tischmitte. Hiroto lässt sich gegenüber von mir nieder. „Schön hier.", sage ich Hiroto mit anerkennender Stimme und lächle. Nicht, dass ich die Qualität einer Bar beurteilen könnte, wo ich doch das erste Mal in einer bin. Aber ein paar nette Worte können ja sicherlich nicht schaden.

Hirotos Herz leuchtet orange. Na, damit komme ich nicht weit. Ich atme tief ein und aus, während es in meinem Kopf rattert. Ich weiß, dass Lovin den Frauen immer auf die Brust schaut, wenn die sich bewegt. Vielleicht könnte das auch mein Trumpf sein. Ich werfe Hiroto einen schnellen Blick aus dem Augenwinkel zu. Nur ein bisschen vorsichtig hin und her wippen, bloß nicht zu auffällig. Ich hoffe wirklich, dass ich nicht so unbeholfen aussehe, wie ich mich fühle.

Offensichtlich sind meine Sorgen aber unbegründet, denn ich merke, wie Hirotos Augen immer wieder kurz zu meinem Ausschnitt huschen und ich grinse triumphal.
 

Eine Bedienung kommt zu uns und wir geben unsere Bestellung auf. Hiroto nimmt einen Longdrink und ich einen alkoholfreien Cocktail. Es dauert auch gar nicht lange, bis wir unsere Getränke erhalten. Ich ziehe mein Glas zu mir heran und nippe zögerlich durch den knallgelben Strohhalm.

Dafür, dass Hiroto sich sofort meine Nummer gekrallt hatte, ist er jetzt ganz schön schweigsam. Und ich weiß doch als Allerletzte, was man bei einem Date eigentlich genau tut.

Als würde er meine Gedanken lesen, beginnt Hiroto dann das Gespräch: „Also, Chocola. Ungewöhnlicher Name übrigens, sehr exotisch. Bist du denn auch so süß, wie Schokolade?" Ich mustere ihn mit hochgezogener Augenbraue. Ist das sein Ernst? Mein erster Eindruck von ihm war nicht unbedingt, dass er der Typ Junge ist, der solche billigen Sprüche loslässt.

Ich ringe mir ein kleines Lächeln ab und lege den Kopf schief. Das kommt mir am vernünftigsten vor, immerhin will ich, dass er mir möglichst zugetan ist.

So kommen wir allmählich ins Plaudern. Hiroto ist 22 Jahre alt und arbeitet neben seinem Studium in der Tankstelle nahe der Schule. Aber er spielt mit dem Gedanken, sein Studium abzubrechen. Medizin läge ihm doch nicht so, es sei so theoretisch und er würde viel lieber jetzt schon den Menschen helfen. Wie lobenswert.

Ich lache über seine Witze, lausche ihm interessiert und versuche so charmant wie möglich zu sein. Total ungewohnt, aber offenbar schlage ich mich ganz gut!
 

Irgendwann entschuldige ich mich kurz und gehe auf die Toilette. Es ist wirklich eine Tortur auf den beknackten Absatz- Stiefeletten einigermaßen elegant zu laufen. Warum genau tragen Frauen sowas? Als sich mein Abbild in der großen Fensterscheibe spiegelt, sehe ich zufällig hin und grinse dann selbstbewusst. Ich sehe wirklich unverschämt gut aus, also ist der Fußschmerz die Sache sicher wert.
 

Als ich pinkelnd auf dem Klo sitze, hole ich mein Handy aus der kleinen Handtasche und lese die SMSen, die in der Zwischenzeit eingetrudelt sind. Vanilla erkundigt sich, wie mein Date so läuft und Saule will wissen, ob ich später abgeholt werden will. Mich abholen? Bin ich etwa ein kleines Kind? Wie sieht das denn aus, wenn ich von zwei älteren Jungs von meinem Date abgeholt werde? Nenene, so würde ich mich wirklich nie wie 17 fühlen. Ich antworte rasch und kehre zu Hiroto zurück.
 

Wir unterhalten uns noch eine Weile. Später bezahlt Hiroto unsere Getränke und wir verlassen gemeinsam die Bar. Viele Studenten hängen hier rum, fällt mir auf. Wahrscheinlich kennt Hiroto den Laden daher.

In einer Ecke sitzt ein großer blonder Junge, der mich irritiert, als ich den Blick durch den Raum wandern lasse. Ist das etwa Pierre? Ich schaue noch einmal genau hin, doch das bemerkt auch Hiroto. „Alles okay?", fragt er mich verunsichert. Ich wende mich ihm erschrocken zu. Erst schüttle ich den Kopf, dann nicke ich. „Ehm, ja, klar."

Fast schon fluchtartig verlasse ich den Laden, fassungslos darüber, schon wieder meinem Erzfeind begegnet zu sein. Ich bin mir nicht ganz sicher, meine aber aus den Augenwinkeln gesehen zu haben, wie Pierre auch mich erkannt hat. Durch die Scheibe sehe ich ihn und er starrt zurück, direkt zu Hiroto und mir.

Dann ergreift Hiroto meine Hände, dreht mich zu sich und damit auch wieder zurück ins Hier und Jetzt. Er lächelt auf eine ganz liebenswerte Weise und sein Herz leuchtet pink. Nicht ganz, was ich mir erträumt habe, aber doch ein Erfolg. Sanft hebt er mein Kinn an, sodass sich mein Blick von Pierre löst und ich in Hirotos braune Hundeaugen sehe. Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll oder was hier passiert. Ein bisschen fühle ich mich, wie eine bloße Zuschauerin.

Dann zieht Hiroto mich ganz vorsichtig zu sich heran, sodass sich unsere Körper ein wenig berühren. Und dann küsst er mich!



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (1)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Gray-sama
2014-09-12T14:51:31+00:00 12.09.2014 16:51
WAS??? Wie kann er nur?! Chocolate gehört Pierre. *schnauf*
also wenn Pierre jetzt nicht eifersüchtig wird fresse ich einen Besen.
Freu mich auf das nächste Kapitel^^


Zurück