Prolog
Hey!
Ich bin Nicholas Lucas Richfield, 16 Jahre alt und lebe mit meiner Mum Debby Richfield und meiner Tante Destiny und meinem Onkel Charles Benett neuerdings Forks/Washington.
Soweit ich von den Cullens, gute Freunde meiner Tante und meinem Onkel, weiß, haben sie schon mal hier gelebt und Bella und Renesmee Cullen wurden sogar hier geboren.
Wir alle, bis auf meine Mutter, sind Vampire, und müssen daher ziemlich bedeckt leben. Ich persönlich hatte eine unschöne und vorallem unfreiwillige Verwandlung durchlebt. Ich wollte mit ein paar Freunden Party machen gehen, heimlich versteht sich. Doch unser Fahrer verlor die Kontrolle über das Auto und fuhr gegen einen Baum. Drei meiner Freunde, unter anderem auch der Fahrer, starben.
Ich war kurz davor, doch Alice Cullen, die beste Freundin meiner Tante, hatte ihre hellseherische Gabe benutzt und gesehen, was geschehen würde. Sofort war meine Tante losgerannt und hatte mich aus dem Wagen gezogen. Für sie war es ziemlich hart meinem Blut zu widerstehen, doch sie hatte es geschafft und mich nach Hause gebracht. Carlisle hatte nur eine Möglichkeit gesehen, dass ich überlebe. Meine Mutter stimmte sofort zu. Klar, sie wollte nichts anderes, als dass ich lebte. Ein kleiner großer Fehler. Glaubt mir, es war nicht wirklich einfach für einen Menschen, einen jungen, pubertierenden Vampir zu erziehen.
Na ja, eigentlich war dieser Vampirkram zum größten Teil sogar langweilig. Kein Schlafen, wenn ich nicht wusste, was ich tun sollte. Kein Shoppen oder mit Freunden weggehen, wenn ich Lust danach hatte. Nur Sport, Emmett war wirklich nicht klein zu kriegen, und Training, damit ich sofort lernte, keine Menschen anzugreifen, geschweigedenn von ihnen zu trinken.
Jetzt aber zu meiner eigentlichen Geschichte. Ich warne euch schon mal vor: Vampire haben es auch nicht immer leicht. ;)
Neue Eindrücke
„Mum, ich möchte aber so gerne zur Schule gehen.“, rief ich meiner Mutter zu, die mich die ganze Zeit kritisch beobachtete.
„Nicholas Lucas Richfield! Ich habe es dir bereits gesagt! Du wirst nicht zur Schule gehen. Nicht in diesem Zustand!“, brüllte sie aufgelöst.
„Nur, weil ich ein Vampir bin, heißt das noch lange nicht, dass ich kein Recht darauf habe zur Schule zu gehen. Selbst Renesmee darf hin. Nur ich wieder nicht!“
„Alles, was du lernen musst, lernst du bei Carlisle.“, sagte sie trotzig.
Ich knurrte leise. Sie hob drohend den Zeigefinger. „Pass auf, mein Freund! Hier gibt es kein Vampirgetue!“
Ich schnaubte auf und rannte aus dem Haus. Meine Mutter schrie mir noch hinterher: „Nicholas! Ich meine es ernst! Du kommst sofort nach Hause!“
Ich ignorierte sie und rannte stattdessen durch den Wald zu den Cullens. Ich verstand mich absolut gut mit Renesmee, Bella’s und Edward’s Tochter. Man könnte sogar sagen, dass wir beste Freunde sind.
Sie wartete auf der Veranda auf mich. Ich sprang zu ihr und wirbelte sie kurz durch die Luft. Sie kicherte. „Hey Großer! Alice hat mir gesagt, dass du auf eine Sprung vorbeikommst. Und sie hatte recht.“
Ich lachte. „Alice hat immer recht.“ Ich sagte das extra ein wenig lauter, damit Alice mich auch in jedem Fall hörte.
„Ich weiß!“, rief sie aus dem zweiten Stock.
„Was ist denn los? Irgendwie wirkst du ein wenig genervt.“, bemerkte Renesmee leise.
Ich stöhnte genervt und ließ mich auf eine Bank fallen. Renesmee hockte sich vor mich und nahm meine Hände in ihre. „Wieder Stress mit deiner Mutter?“, seufzte sie.
Ich nickte. „Sie will mich einfach nicht zur Schule lassen.“
„Vielleicht sollte meine Mum mal mit ihr reden. Oder mein Dad. Oder noch besser! Mein Dad und Jasper! Und wenn dann noch Des dabei ist, dann kann sie nicht anders, als Ja sagen.“
Ich lächelte und strich ihr Haar aus dem Gesicht. „Das ist lieb von dir, Kleine, aber ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Das würde nur noch mehr Ärger bringen.“
Renesmee nickte nachdenklich. „Hmmm... da hast du vermutlich recht.“
Ich hörte wie ein Wolf sich näherte. „Jake kommt.“, stellte ich fest.
Renesmee sprang freudig auf. „Cool. Ähm, Emmett hat gesagt, dass ich dir bescheid sagen soll, dass wenn du vorbeikommst, du zu ihm kommen sollst.“
Ich nickte einmal und ging ins Haus. Emmett saß vor dem Fernseher und sah sich ein Footballspiel an. Er wirkte glücklicher als sonst. Ich schwang mich neben ihn und grinste. „Na, wie läuft das Spiel?“
„Wir gewinnen!“, sagte er und wackelte mit den Augenbrauen.
„Renny sagte, du willst mit mir sprechen?“
Er lächelte. „Klar! Genau! Was hältst du davon, wenn ich dir Forks ein wenig zeige? Historisch gesehen.“
Ich sah ihn schief an.
„Was?“, fragte er verwirrt.
„Emmett und Geschichte?“, fragte Jasper, der gerade die Treppe runterkam. Er lächelte ungläubig.
„Ich meine auf Edward-Bella-Basis.“, sagte Emmett grinsend.
Jasper grinste breit. „Oh ja! Hey, ich komme mit. In alten Erinnerungen schwälgen.“
Emmett verzog das Gesicht. „Seit wann bist du so sentimental, Bro?“
Jazz lachte leise. „Was willst du ihm denn zeigen? Unser altes Haus kennt er ja schon.“
„Was? Ihr habt hier schon mal gelebt? Wie lange ist das her?“, fragte ich total neugierig.
Jasper setzte sich auf den Wohnzimmertisch. „Das war vor ziemlich genau 18 Jahren.“ Ich starrte ihn mit offenen Mund an. „So lange ist das schon her?“
Er nickte. „Ich bin mir aber ganz ehrlich nicht sicher, ob das so eine gute Idee war, jetzt schon wieder zu kommen. Ich meine 18 Jahre sind nicht viel.“
Emmett schlug ihm leicht auf die Schulter. „Ach Bro! Menschen vergessen.“
„Das hat Edward auch von Bella gedacht.“, sagte Jasper und hob eine Augenbraue.
Emmett kniff die Augen zusammen. „Ich weiß.“ Seine Miene hellte sich auf und er grinste mich breit an. „Also?“
Ich nickte. „Klar, das hört sich wirklich gut an. Wann wollen wir los?“
„Wie wäre es mit... jetzt?“
Ich sprang auf. „Auf geht’s!“ Als ich zur Tür rausstürmte, hörte ich noch Jasper zu Emmett flüstern: „Meinst du, wir sollten Bella nicht auch fragen?“
„Nicht heute. Das soll lieber Edward mit ihr machen, findest du nicht?“
„Hmmm“
Von Renesmee und Jake war nichts mehr zu sehen. Soweit ich hörte, rannten sie durch den Wald.
„Wir sollten uns zivilisiert benehmen. Welcher Wagen?“, fragte Emmett und blickte Jasper verschwörerisch an. Dann drehte er sich zum Haus und schaute zum Fenster des ersten Stockes.
„Vergiss es, Em!“, rief Edward von oben.
Ich sah Emmett fragend an. „Was?“
„Ich habe ihn gefragt, ob er mir seinen Vanquish gibt.“
„Fällt das nicht ein wenig auf?“, fragte ich und stellte mir vor, wie ein Vanquish durch dieses verschlafene Örtchen von Forks fuhr.
„Nic, Nic, Nic.“, seufzte Emmett und legte einen Arm um meine Schulter. „Du musst noch einiges lernen. Wir sind die Cullens.“
„Das weiß ich. Ich bin ein Richfield! Schön, dass wir das geklärt haben.“
Emmett lachte leise und schaute wieder zum Fenster rauf. „Edward! Ich flehe dich an!“
„Nein!“, kam es von oben geknurrt.
Da fiel mir etwas in meiner Hosentasche auf. Ich sah Emmett verschwörerisch an. „Sag mal, geht auch ein Jaguar?“
Es blitzte in seinen Augen auf. „Destiny?“
Ich nickte und wedelte mit dem Schlüssel in der Hand. Emmett wollte nach ihm greifen, doch ich war schneller. „Ich habe den Schlüssel. Ich fahre.“
„Aber..“, setzte Emmett an. Jasper nahm ihn mir weg. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.“
Emmett und ich sahen ihn fassungslos an, doch Jasper war schon losgerannt. Emmett und ich wechselten einen Blick und rannten hinterher. Klar, wir mussten zu mir nach Hause rennen um den Jaguar aus der Garage zu holen.
Jasper, Emmett und ich kamen gleichzeitig an. Ich legte einen Finger auf meine Lippen, als Zeichen dafür, dass sie leise sein sollten, damit meine Mum auch ja nix mitbekam.
Aber bei Vampiren war das ja auch nicht so schwer, leise zu sein. Nur ein Jaguar war nicht gerade jemand, der sich rausschlich. Jasper schwang sich auf den Fahrersitz. „Meinst du, Des wird was dagegen haben?“, fragte er skeptisch.
Ich sah ihn an, als wäre er ein Kindergartenkind. „Fahr einfach!“
Emmett machte sich auf der Rückbank breit. „Genau, Bro!“
Jasper gab Vollgas, wobei Emmett auf den Boden segelte. Jazz und ich fingen an zu lachen.
Nach knapp fünfzehn Minuten sah ich das Willkommensschild von Forks.
„Dann fangen wir mal an!“, seufzte Jasper und hielt an einem kleinen Haus, das ziemlich schnuckelig und gemütlich schien. „Hier hat Bella gewohnt. Da oben, das Fenster links, das war ihr Zimmer. Edward war jede Nacht dort und hat ihr beim Schlafen zugesehen. Emmett hat ihn für bescheuert gehalten, aber es war halt wahre Liebe.“
Im nächsten Moment hörte ich wie die Autotür zuschlug und sah, wie Emmett zur Haustür schlenderte.
„Nein!“, rief Jasper und sprang aus dem Wagen. Ich stieg ebenfalls aus. Emmett, sah, dass Jasper ihm in Vampirgeschwindigkeit folgte, grinste schief und rannte zur Tür, wo er dann klingelte.
Jasper knallte ihm eine in den Nacken. „Bist du denn völlig..?“ Er brach ab, denn die Tür hatte sich geöffnet. Mittlerweile war auch ich angekommen und sah einen Mann Mitte 60 vor mir. Er sah Jasper und Emmett verwirrt an. „Emmett Cullen und Jasper Hale?“, fragte er ungläubig.
Emmett grinste breit. „Stets zu Diensten, Sheriff!“ Er salutierte. Jasper lächelte freundlich. „Wir dachten, dass wir Ihnen einen kleinen Besuch abstatten.“
„Das ist wriklich nett von euch. Wie oft habe ich euch gesagt, dass ihr mich Charlie nennen sollt?“ ‘Charlie’ trat einen Schritt zur Seite und bat uns herein.
„Entschuldige, Charlie. Das ist noch die alte Angewohnheit.“, sagte Jasper.
„Und wen haben wir hier?“, fragte Charlie und lächelte leicht.
„Oh, wo sind denn unsere Manieren? Das ist Nicholas Richfield. Er gehört im entfernten Sinne zu uns.“
„Ihr wisst, dass ich keine Details hören will, aber mich interessiert schon, wie ihr ihn kennengelernt habt.“
Wir setzten uns ins Wohnzimmer. Es war alles ziemlich gemütlich eingerichtet und im Fernseher lief gerade ein Baseballspiel.
„Das ist eine ziemlich lange Geschichte.“, sagte Emmett und fixierte den Fernseher mit einem langen Blick.
„Ich habe Zeit.“
„In Ordnung, wie du willst. Wir waren in New Hampshire, als sich uns Charles Benett anschloss. Kurze Zeit später verliebte er sich in Destiny Richfield und sie schloss sich uns auch an, aber plötzlich tauchte ihre Cousine Debby Richfield auf, die schwanger war. Ja, und das ist dabei rausgekommen.“, erklärte Jasper und deutete auf mich. „Das war die Kurzfassung. Die lange wäre wieder viel zu kompliziert.“
Charlie räusperte sich. Ich hörte, wie sein Herz schneller ging. „Ist meine Bella auch hier?“, fragte er leise.
Jasper lächelte leicht und nickte dann.
„Edward auch?“
Emmett lachte. „Hör mal, Charlie. Glaubst du wirklich, dass Bella alleine mit uns hierher kommen würde?“
Er lachte. „Nein, das garantiert nicht. Seit ihr also alle hier?“
Emmett und Jasper nickten.
Charlie strahlte bis über beide Ohren. „Das ist ja wirklich schön. Ihr habt euch so lange nicht mehr blicken lassen. Wie lange bleibt ihr denn?“
„So das eine oder andere Jahr.“, sagte Emmett leicht hin.
Charlie’s Augen blitzten. „Kommt ihr mich denn alle mal besuchen?“
Emmett stand auf und klopfte ihm leicht gegen die Schulter. „Wenn dein Haus nicht zu klein ist.“
Charlie schlug zurück. „Hey, wir wollen nicht unhöflich werden, mein Freund.“
„Wir sollten langsam weiter. Ich denke, du wirst Charles und Destiny noch ziemlich sicher kennenlernen. Alice würde Des sowieso hierherzerren.“
„Ach, die liebe Alice! Wie sehr ich sie doch vermisse.“, seufzte Charlie.
„Wir kommen bald vorbei. Versprochen, Charlie.“, sagte Jasper, der sich mittlerweile ebenfalls erhoben hatte.
Ich stand auf und gab Charlie die Hand. „Es hat mich gefreut Sie kennenzulernen, Sir.“, sagte ich höflich.
„Für dich natürlich auch Charlie.“, sagte er lächelnd.
„Danke.“
Wir stiegen wieder in den Wagen.
„Sag mal hast du noch alle Tassen im Schrank, Emmett? Du weißt ganz genau, was Bella und Carlisle gesagt haben! Keine Besuche bei alten Freunden!“, rastete Jasper aus.
„Genau genommen ist Charlie ja kein Freund. Er gehört zur Familie.“
Jasper stöhnte genervt. „Du weißt ganz genau wie das gemeint war, Em! Du bist mittlerweile fast 100 Jahre alt! Klar wusstest du, wie es gemeint war!“
Emmett lachte leise. „Ach komm, Jazz! Es wäre so oder so irgendwann aufgefallen. Und Charlie wäre dann ziemlich sauer auf uns.“
Jasper schwieg.
Wir fuhren weiter. Ein weiteres Schild begrüße uns: „Forks Highschool“.
„Das ist wahrscheinlich deine neue Schule. Genauso wie Nessie’s.“, sagte Emmett grinsend. „Hach Jazz! Weißt du noch, wie es war, als wir hierher gegangen sind? Die großen bösen Cullens, die keinen mögen?“
Jasper lächelte zerknirscht. „Ich weiß nur, dass alle ziemlich gut gerochen haben.“
Schüler verließen gerade die Schule.
„Ist das da hinten nicht Ben, Angela’s Freund von damals?“, fragte Emmett mit zusammen gekniffenen Augen.
Jasper nickte. „Ja, ist er. Meinst du, er unterrichtet hier?“
Emmett zuckte die Schultern. „Sieht so aus!“
„Wow! Wie die Leute sich verändert haben. Ich meine, normalerweise ist uns das ja egal, aber das sind Bella’s und Edward’s Freunde.“, sagte Jasper ein wenig überwältigt.
„Schon komisch. Erst seitdem Bella bei uns ist, achten wir auf so etwas und wissen ein Leben zu schätzen.“
Ich konnte nicht mitreden, also hielt ich lieber die Klappe.
***
Nach zwei Stunden waren wir wieder bei den Cullens. Sie hatten mir noch ein Sportgeschäft gezeigt. Das Newton’s. Dort hatte Bella mal gearbeitet und es hatte dem Vater von Bella’s ‘Hündchen’ Mike gehört. Er war damals ziemlich in sie verknallt. Mittlerweile hatte alles den Anschein, dass das Geschäft nun Mike selber gehörte.
„Aber das war noch längst nicht alles. Jetzt kommen noch unsere sogenannte Baseball-Lichtung und Bella’s und Edward’s Lichtung. Und mich würde interessieren, ob das Cottage noch steht.“, sagte Jasper lächelnd.
„Wir müssen allerdings laufen.“, sagte Emmett.
„Nichts leichter als das.“, sagte ich ein wenig selbstgefällig.
„Dann los!“, sagte Emmett und rannte los. Jasper und ich folgten ihm.
Nach zwei Minuten waren wir auf einer großen Lichtung. Irgendwie hatte sie etwas Düsteres.
„Hier ist auch ziemlich viel passiert. Baseball, ein Tracker, der hinter Bella her war und ein Krieg zwischen neugeborenen Vampiren, Werwölfen und uns. Das war alles hier!“, seufzte Jasper.
Ich war wirklich fasziniert. „Wow! Ich habe echt einiges verpasst.“
Emmett lachte. „Nicht deine Schuld. Da warst du noch nicht einmal geboren.“
„Damals muss das ja ziemlich cool gewesen sein. Und jetzt ist alles so... langweilig, so eintönig, so...“
„Öde? Monoton? Das kennen wir alles schon.“, sagte Jasper lächelnd. Er sah sich noch einmal um. „Dann mal weiter.“
Wir rannten zu einer kleinen Ruine von Haus. Ich sah die beiden fragend an. „Ist das das Cottage von dem ihr erzählt habt?“
Beide nickten. „Das haben Esme, Alice und ich gebaut.“, sagte Emmett stolz.
Ich lächelte. „Wow! Das ist echt der Hammer!“
Emmett grinste breit. „Schade, dass es schon kaputt ist. Na ja, bauen wir halt ein Neues.“
„Und für wen?“, fragte ich mit zusammengezogenen Augenbrauen.
Er zuckte die Schultern. „Weiß ich auch noch nicht. Hey? Hast du eine Braut in Sicht?“ Er stupste mich herausfordernd an.
Ich lachte kurz auf. „Worauf willst du hinaus?“
„Es wird langsam an der Zeit, dass du dir auch eine süße Maus angelst, Bro.“
Ich sah ihn an, als wäre er gerade aus der Psychatrie entlassen worden. „Geht es dir gut, Em? Wo willst du denn im Umkreis von zwanzig Kilomtern eine heiße Vampirlady finden?“
Er lächelte selbstgefällig. „Wir haben eine Singledame in unserem Haushalt.“
Ich schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht machen. 1. habe ich viel zu viel Respekt vor Edward und der würde mir den Kopf abreißen und 2. Ich merke, dass Renny Gefühle für Jake hat.“
Emmett sah mich fassungslos an. „Dann kämpf um sie, Bruder!“
„Bist du irgendwie krank, Em? Sie ist für mich wie eine Schwester.“
Emmett schwieg.
***
„Nicholas? Ich muss mit dir reden.“, hörte ich meine Mutter, eine Stunde nachdem ich wieder nach Hause gekommen war, von unten sagen. Sie hatte sich daran gewöhnt, nicht schreien zu müssen.
Ich flitzte runter und stellte mich hinter ihr. „Was willst du?“
Sie wirbelte erschrocken herum. „Nicholas, du weißt, dass du mich nicht so erschrecken sollst! Setz dich bitte!“
Ich sah sie standhaft an. „Nein danke. Ich kann auch stehen.“
Sie seufzte und setzte sich. „Wegen der Schule. Ich habe mir das noch einmal überlegt. Es wäre eigentlich gar nicht so schlecht, wenn du ein normales, menschliches Leben führst.“
Ich sah sie ungläubig an. „Moment!“ Ich schnippte einmal. Die Zeit hielt komplett an. Aber nur in diesem Raum. Ich huschte nach oben. „Tante Des?“
Schon stand sie vor mir und lächelte mich breit an. „Was denn, mein Süßer?“
Sie hätte meine Freundin sein können, vom Alter her, wenn ich mir sie so anschaute. Aber sie war meine Tante, eigentlich meine Großtante, aber das mochte sie nicht, denn sonst fühlte sie sich so alt.
„Hast du mit Mum geredet?“, fragte ich mit hochgehobener Augenbraue und verschrenkten Armen.
Sie nickte leicht. Ich fiel ihr um den Hals. „Danke, danke, danke!“
Sie lachte. „Kein Problem. Und jetzt geh nach unten und lass die Zeit weiterlaufen.“
Ich nickte eifrig und rannte wieder nach unten. Dort stellte ich mich wieder dorthin, wo ich vorher gestanden hatte und schippte. Die Zeit lief normal weiter.
„Das ist wirklich... großzügig von dir, Mum. Danke. Wann geht es los?“, plapperte ich einfach weiter.
„Morgen. Du wirst die gleichen Kurse wie Renesmee belegen und Des wird ebenfalls mitgehen, um auf euch aufzupassen.“
Ich nickte. „Welche Story werden wir diesem langweiligen Örtchen auftischen?“
„Des ist deine große Schwester und Renesmee eure Cousine.“
Ich nickte gelangweilt. „Nochmals danke, Mum.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand in mein Zimmer. Noch drei Stunden, dann müsste ich zur Schule. Zeit genug um den Stoff der nächsten zwei Jahre auswendig zu lernen.
***
Na gut, nicht der nächsten zwei Jahre, eher der nächsten zwei... Wochen. Ich hatte die Bücher zwar die ganze Zeit gelesen, aber so passiv, dass ich alles wieder vergessen hatte und so hatte es seine Zeit gedauert.
„Nic?“, rief Des mich um halb acht Uhr morgens.
Ich lief in den Flur. „Ja?“
„Wir müssen los. Renesmee kommt in wenigen Sekunden zu uns.“
Ich nickte schnell. Sie hielt mir einen schwarzen Rucksack hin. „Schick siehst du aus!“, sagte sie anerkennend.
Ich sah an mir herunter. Schwarze Jeans, dunkelgraues T-Shirt, schwarze Turnschuhe und eine dunkle Sweatshirtjacke. Ja, wirklich sehr schick.
Ich schaute mir meine Tante ganz genau an. Sie trug eine schwarze Glanzleggings, schwarze Stiefel, dunkelblaue Stulpen, die aus den Stiefeln ragten, und ein dunkelblaues, langärmliges, knielanges Kleid.
„Du siehst hinreißend aus, Tantchen.“, sagte ich und küsste gentlemanlike ihre Hand. Das lernte man, wenn man zu lange mit den Cullens zusammenlebte.
Zwei allzu bekannte legten sich um Des’ Taille. „Ich bin hier fürs Schleimen zuständig, Kleiner.“, sagte Charles grinsend.
Des lachte leise. „Das hast du also noch nach 17 Jahren nötig?“
Er nickte und küsste ihren Hals. „Immer.“
Ich verdrehte die Augen und stöhnte genervt. „Schon wieder dieses Geschmachte.“ Ich ging die Treppe runter. Meine Mutter wartete an der Haustür und drückte mir eine sichtgeschützte in die Hand. „Falls du vielleicht doch Durst kriegen solltest. Renesmee gibt dir die Kontaktlinsen im Auto.“
Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und ging nach draußen. Ich hörte wie ein (ziemlich lautes) Auto sich näherte. Renesmee fuhr in einem neuaussehenden Volvo vor. Sie grinste über beide Ohren. Ich stieg sofort neben sie auf den Beifahrersitz.
„Ausversehen ein Honigkuchenpferd auf der Jagd erwischt?“, fragte ich sie lächelnd.
Sie lachte kurz auf. „Mein Vater ist vor 18 Jahren mit diesem Wagen zur Schule gefahren. Meine Mutter ist hierdrin schon mitgefahren, als sie noch ein Mensch war. Das muss man sich mal vorstellen!“, sagte sie total begeistert.
Ich musste lachen.
„Was?“, fragte sie verwirrt.
„Es ist schön, dich so glücklich zu sehen.“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
Im nächsten Moment saß Des im Wagen. „Fahren wir jetzt endlich los, oder was?“
„Wer konnte sich denn nicht aus den Fängen des bösen Grafen Draculas?“, fragte ich sarkastisch.
Des schlug mir leicht über den Hinterkopf. „Nicht frech werden, mein Freund! Ich bin um einiges älter als du.“
Ich verdrehte die Augen. „19 Jahre, um genau zu sein. Ich weiß. Mein Gott, bist du alt! Wie alt nochmal? 35?“
Sie knurrte leise. Schon hatte ich ihr Ego verletzt und sie ließ mich in Ruhe.
Wir fuhren auf den Parkplatz und parkten beinahe genau am Haupteingang. „Das war der Stammparkplatz der Cullens.“, sagte Renny stolz.
Nachdem ich mir goldene Kontaktlinsen in die Augen gesteckt hatte, stieg ich aus und schulterte meinen Rucksack. Des und Renny hakten sich bei mir unter und wir liefen in die Schule. Von allen Seiten wurden wir schief angesehen.
„War das bei deinen Eltern auch so?“, fragte ich Renny leise.
Sie nickte lachend. „Keiner hat sich an sie rangetraut.“
„Keiner bis auf Bella.“, schloss ich daraus.
„Bingo!“
Nachdem wir unsere Stundenpläne abgeholt hatten, gingen wir in unsere verschiedenen Klassen. Na ja, eigentlich nur zwei verschiedene Klassen. Des war eine Stufe über uns.
Ich machte es mir in der letzten Reihe bequem und ließ den Unterricht an mir vorbeistreichen. Es war einfach nur absolut langweilig. Renny hingegen war total fasziniert von der Schule. Sie passte immer auf, meldete sich und gab perfekte Antworten von sich.
In der letzten Stunde vor der Pause hatten wir Geschichte. Wir betraten als letzte die Klasse, leider war der Lehrer schon anwesend. Er lächelte uns an. „Guten Morgen. Sie habe ich noch nicht gesehen. Wer seid ihr?“ Keine Standpauke? Schade, der Tag schien gearde lustig zu werden.
„Ich bin Nicholas Richfield und das ist Renesmee Cullen.“, antwortete ich gelangweilt.
„Schön Sie kennenzu... Moment! Cullen?“, fragte der Lehrer verwirrt.
Renny nickte grinsend.
„Sind Sie zufällig mit Dr. Carlisle Cullen verwandt?“, fragte er nun neugierig.
Renny nickte wieder. „Ja, er ist mein Großvater.“
Der Lehrer - Entschuldigung, dass ich zu faul war, mir seinen Namen zu merken - wirkte nun ziemlich überrascht. „Wessen Tochter sind Sie dann? Moment! Lassen Sie mich raten, Ms. Cullen. Bronzefarbenes Haar und tiefbraune Augen... Sie können nur die Tochter von Edward und Bella sein.“
Renny lächlte. „Ja, so ist es, Sir.“
„Richten Sie den beiden bitte schöne Grüße von mir aus, Ms. Cullen. Wenn Sie sich nun bitte setzen würden.“
Ich verdrehte die Augen und setzte mich mit Renny in die letzte Reihe.
Nach einer Viertelstunde wäre ich am liebsten eingeschlafen. Verdammt solle mein Leben sein, dass ich es nicht mehr konnte... Oh, das war es ja schon!
„Renny? Ich halte einmal kurz die Zeit an.“, verkündete ich leise.
Sie sah mich gelangweilt an und nickte. Ich schnippte. Alles blieb stehen, jedoch achtete ich darauf, dass Renesmee in meiner ‘weiterlaufenden Blase’ intigriert war. Ich stand auf und streckte mich. „Mein Gott! Das ist ja so langweilig.“ Ich ging nach vorne und sah in die Unterrichtsunterlagen des Lehrers. Ich blätterte sie achtlos durch. „Interessant sind die Themen ja, aber das sind welche, die Carlisle besser wiedergeben kann. Du weißt schon, Inquisition und so.“
„Ähm, Nic? Ich glaube, wir haben ein Problem.“, sagte Renny leise.
Ich schaute auf. Mein Blick blieb bei einer blonden Schönheit hängen, die sich verwirrt umschaute. Sie war einfach die Perfektion in Person. Sogar perfekter als Rose.
Ich spürte ein merkwürdiges Ziehen in der Brustgegend.
„Nic? Wir könnten dein Schnippe-Di-Schnipp jetzt wirklich gebrauchen.“, machte Renny auf sich aufmerksam. Sie stand neben mir und wedelte mit ihrer Hand vor meinem Gesicht.
Ich schüttelte einmal kurz den Kopf, damit ich klar wurde und schnippte wieder, um diese Schönheit auch ‘anzuhalten’. Doch wieder scheiterte ich.
„Hilfe?“, sagte Renny ungeduldig.
Ich ging zu der immernoch verwirrten Schönheit und hockte mich vor ihr. „Wie heitß du?“, fragte ich ruhig.
Sie sah mir verdattert in die Augen. „Mary Diamond.“, piepste sie.
Ich lächelte leicht. „Hör mir mal zu, meine Schöne. Du darfst von dem Ganzen hier niemandem etwas erzählen. Hast du das verstanden?“
Sie nickte mechanisch. Ich küsste lächelnd ihre Hand und setzte mich wieder auf meinen Platz. Renny verdrehte genervt die Augen. Ich schnippte und die Zeit lief weiter. Ein kurzer prüfenden Blick durch die ganze Klasse und alles war in Ordnung. Ich starrte einen blonden Hinderkopf an und erwischte die süße Mary Diamond, wie sie ab und zu zu mir linste. Doch sobald ich nur leicht lächelte, drehte sie sich schnell wieder zur Tafel.
„Die Kleine steht auf dich!“, trällerte Renny in mein Ohr.
Ich sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Glaube ich nicht. So wie dieser Muskelprotz an ihr klebt, hat sie was mit dem am laufen.“
Renesmee biss nachdenklich auf ihrer Unterlippe und starrte Mary an. „Sie wirkt unentschlossen.“
Ich seufzte und rutschte auf meinem Stuhl herum.
Ich ging beim Klingeln aus der Klasse. Die Augen wurden mir von hinten zugehalten. Ich roch, dass es Des war, lächelte und zog sie auf meinen Rücken. „Es hätte gereicht, wenn du gesagt hättest, dass ich es bin.“
Ich lachte leise. „Mir hätte es aber nicht gereicht. Wenn ich schon eine so hübsche ‘Schwester’ habe, muss ich es doch auch auskosten. Wenn du jetzt bitte die Hände von meinen Augen nehmen würdest.“
Sie schlang ihre Arme um meinen Hals und drückte ihre Beine leicht zusammen, als Anzeichen, dass ich loslaufen solle. Ich wartete nur kurz darauf, dass Renny zu uns kam und ging dann in die Caféteria.
Mir fiel sofort auf, dass der Engel Mary Diamond mich beobachtete. Ich lächelte sie an und ließ Des von meinem Rücken rutschen. Ich rückte zwei Stühle zurück, damit die Damen an meiner Seite sich setzen konnten und dann erst setzte ich mich.
„Die kleine Blonde hat es dir angetan, was Großer?“, fragte Des. Sie quietscht beinahe vor Freude.
Ich sah sie beinahe wütend an. „Nein. Es wundert mich nur, dass sie gegen meine Gabe immun ist.“
Des sah Renesmee fragend an. Sie legte eine Hand auf ihre und zeigte ihr die Bilder.
Des war genauso verblüfft. „Meine Güte! Das muss ein Zeichen sein. So wie ich gegen mentalen Gaben immun bin. Vielleicht ist sie es dann gegen körperliche. Also, du und Alice.“
Ich nickte nachdenklich. Das könnte sein.
„Du solltest ihr deine Nummer geben.“, sagte Des selbstverständlich.
Ich deutete mit einem kurzen Blick auf ihren Freund, der neben ihr saß, einen Arm um sie gelegt hatte und ihr dauern Küsse auf die Wange drückte, obwohl sie mich eindeutig anstarrte.
Ich schüttelte den Kopf. „Das ist keine gute Idee. Ich meine, sie hat einen Freund.“
Des lachte leise. „Du bist ein Vampir. Er kann dir nichts anhaben.“
Ich nickte lächelnd. Ja, das stimmte. Keiner konnte mir etwas anhaben. Ich war allen überlegen. Okay, nun übertrieb ich wirklich. Ich war nicht allen überlegen... nur den Menschen.
„Darf ich denn ein wenig tricksen, damit ich ihr meine Nummer geben kann?“, fragte ich hinterhältig.
Des grinste breit. Ich schnippte wieder. Alle erstarrten, bis auf Mary Diamond. Sie schaute sich diesmal nicht verwirrt um, sondern fixierte sofort meinen Blick. Ich stand auf und ging zu ihr. Ich küsste wieder ihre Hand. Dann nahm ich einen Zettel aus meinem Rucksack und schrieb schnell meine Nummer darauf. Sie lächelte mich nur verwirrt an.
Eine klitze-kleine Enttäuschung
„Geht ihr schon mal vor. Ich brauch noch etwas zum Spielen.“, sagte Des und schob uns langsam Richtung Auto, doch ich packte sie am Kragen und zog sie mit. „Du weißt ganz genau, dass es dir noch verdammt schwer fällt mit der ganzen Tierblutgeschichte. Das ist aber nicht unsere Schuld. Jason hat dich damals mit Menschenblut versorgt und du bist es nunmal immernoch irgendwie gewöhnt, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, mit Menschen zu spielen.“
Sie verschränkte die Arme. „Das ist unfair. Du bist gerade mal ein halbes Jahr alt und trinkst in aller Ruhe dieses ekelhafte Tierblut und ich bin mittlerweile... alt genug und kriege es nur in aller schwerster Not hin.“
Ich seufzte. Das durfte ich mir jeden Tag aufs Neue anhören und ich durfte es ihr jeden Tag noch einmal erklären. „Des, ich bin von Anfang an mit Tierblut ‘aufgewachsen’ und weiß nicht, wie ein Mensch schmeckt. Ich will es auch gar nicht wissen.“
„Aber es schmeckt sooo gut!“, jammerte sie.
Ich stöhnte genervt. „Destiny Jamie Richfield! Es ist langsam mal gut!“
Sie seufzte. Wir stiegen in den Wagen. Ich sah gerade wie Mary mit ihrem Freund aus dem Haupteingang kam.
„Jetzt hör auf, sie so anzustarren! Du siehst gerade aus wie ein Vampir.“, kicherte Renny.
Ich sah sie gespielt erstaunt an. „Ach nein! Was du nicht sagst, Halbvampir.“
Sie grinste. „Beruhig dich, Großer.“
„Ich bin ruhig.“, knurrte ich wütend. Konnten die beiden mich nicht einfach mal in Ruhe lassen? Sie waren wirklich das Schlimmste auf der Welt, das es gab. Na ja, bis auf Alice.
Zu Hause angekommen ging ich auf direkten Wege in mein Zimmer und drehte die Musik laut auf. Nach fünf Minuten klopfte es an der Tür. Meine Mutter betrat das Zimmer, schaltete die Musik aus und setzte sich zu mir aufs Bett. „Was ist los, Nicholas?“, fragte sie leise.
Ich verbarg meinen Frust und schüttelte nur den Kopf.
Sie seufzte. „Ich möchte mit dir reden.“
„Sie ist immun.“, sagte ich absolut mechanisch. Verdammt! Wieso nahm mich das nun so mit?
„Wie? Immun? Wer?“
„Mary Diamond. Eine meiner Mitschülerinnen. Ich habe die Zeit angehalten, doch sie bewegte sich einfach weiter. Sie ist immun gegen meine Gabe, Mum.“
Sie riss überrascht die Augen auf. „Das ist ja... schrecklich.“
Ich stand auf und ging zum Fenster, dabei sah ich sie argwöhnisch an und seufzte genervt: „Was du nicht sagst.“
„Verzeih! Wie riecht sie denn?“
Ich sah sie verblüfft an. Darüber hatte ich ja noch gar nicht nachgedacht. Ich kramte in meinem Gedächtnis und fing sofort wieder an, vor mich hin zu träumen. „Nach Vanille, Lavendel und ein Hauch Orchidee.“
Mum lachte. „Ich meinte das eigentlich anders. Bluttechnisch.“
Ich seufzte. „Sie riechen alle gut, Mum.“
„Hmmm.“, machte sie nur. „Ich sollte dich jetzt alleine lassen.“
„Ist es in Ordnung, wenn ich zu den Cullens rübergehe?“
Sie nickte lächelnd. „Aber sei vor Mitternacht wieder hier.“
„Geht auch ein Uhr? Ich wollte noch jagen gehen.“
Sie zuckte zusammen. Das tat sie jedes Mal, wenn ich vom Jagen sprach. Sie nickte nur und ging dann wieder. Ich sprang aus dem Fenster und rannte los.
Auf dem Weg hatte ich schon von einer Raubkatze getrunken.
Ich machte mir noch nicht einmal die Mühe zu klopfen, sondern ging einfach rein.
„Was hast du denn dem armen Kätzchen da draußen angetan?“, fragte Emmett grinsend, ohne den Blick vom Fernseher zu lösen.
Ich lachte leise und setzte mich neben ihn.
„Deine Augenfarbe wird langsam besser.“, bemerkte er dann. „Das Monster wird verbannt.“, fügte er sarkastisch hinzu.
Ich ging zu einem Spiegel und sah hinein. Die Kontaktlinsen hatten sich mittlerweile aufgelöst. Das Rot verschwand ebenfalls langsam. Es verblasste zu Gold. „Was meinst du wie lange es noch dauert, bis sie so sind wie eure?“, fragte ich, ohne mich vom Spiegel abzuwenden.
„Drei Tiere ungefähr.“, hörte ich auf einmal Alice neben mir.
Ich sah sie fragend an.
„War bei Bella auch so.“, sagte sie lächelnd.
Ich nickte. „Apropos, wo sind Bella und Edward?“
Sie deutete auf das Schlafzimmer und zwinkerte mir zu.
Ich lächelte verschwörerisch und wackelte mit den Augenbrauen. „Dann stören wir die beiden mal. Edward!!! Bella!!!“, rief ich gespielt panisch.
Im nächsten Moment stand Edward mit halboffendem Hemd vor mir. Ich musste mir das Lachen verkneifen. „Ich soll dir schöne Grüße von irgendeinem Lehrer von meiner Schule bestellen.“
Er sah mich wütend an. „Und deswegen holtst du mich runter?“, knurrte er bestialisch.
Ich grinste breit. „Ähm... Ja!“
„Nic, du solltest anfangen zu rennen.“, sagte Alice leise.
Ich lachte einmal und rannte aus der Tür, in den Wald. Dabei rannte ich an Jake vorbei, der sich gerade anzog. „Was ist denn jetzt kaputt?“, fragte er verdutzt.
„Das wirst du gleich sehen.“, schrie ich nach hinten. Ich hörte schon das Knurren von Edward. Das nächste Mal sollte ich lieber bei Emmett bleiben. Ich sprang auf einen Baum und schwang mich dann solange durch das Geäst, bis ich Edward nicht mehr hörte. Ich ließ mich vom Baum fallen, landete auf den Füßen, stützte mich kurz mit der Hand am Boden ab, richtete mich dann auf und richtete dann meine Jacke. Dann schaute ich erst auf. Also entweder ich leidete seit Neustem unter Halluzinationen oder Mary Diamond stand wirklich vor mir. Sie wirkte ein wenig überrascht. Ich suchte schnell nach einer Erklärung, fand jedoch keine. Ich sah mich noch einmal um. Wir standen hier mitten im Wald. „Was tust du hier?“, fragte ich schließlich.
„Joggen?“, sagte sie unsicher. Ich sah an ihr herunter. Sie trug Joggingsachen.
„Ja, natürlich.“, sagte ich und wäre am liebsten im Erdboden versunken.
„Und du?“
Vor einem verärgerten Vampir flüchten, aber sonst. „Klettern. Training.“
Sie lächelte. „Wollen wir ein paar Schritte gehen?“ Sie wirkte ein wenig überrumpelt. Ich nickte und ermahnte mich, im menschlichen Tempo zu laufen.
„Wie lange wohnst du schon hier?“
„Nicht lange. Erst ein paar Tage.“, sagte ich ruhig.
„Und wie alt bist du?“
In Vampir- oder Menschenjahren? „16.“
Sie lächelte. „Cool. Ich bin 15.“
„Was machst du gerne?“
Sie sah mich fragend an.
„Deine Hobbies?“
„Shoppen, Party... Mädchenkram halt.“ Sie wurde ein wenig rot. „Und du?“
Jagen, Kämpfen und so... „Sport, mit meinen Freunden abhängen.“ Ich lächelte sie verschmitzt an. „Jungskram halt.“
Sie lachte kurz. „Und die beiden Mädchen, die mit dir zur Schule gegangen sind? Eine davon deine... Freundin?“ Sie wirkte absolut nervös.
Ich lächelte sie bezaubernd an, wie es ging. „Nein. Renesmee, die, mit mir in Geschichte war, ist meine Cousine.“
„Und die, die... bei dir auf dem Rücken war?“ Sie presste förmlich die Worte hervor.
„Das ist meine große Schwester Destiny.“
Sie atmete auf. Sie wirkte beinahe erleichtert.
„Und du hast einen Freund?“, fragte ich vorsichtig.
Sie schaute auf, als hätte sie mir nicht zugehört. „Nein, ich meine, ja. Brandon.“
Ich lachte leise. Das war wirklich süß, wenn sie so durch den Wind war. Ich hörte mitten im Wald einen Vampir rumrennen. Es war Emmett. Er würde mich bestimmt blamieren. „Ähm, ich sollte jetzt verschwinden.“, sagte ich und schaute in zwischen die Bäume, um es zu vermeiden, dass Emmett hier auftauchte.
Ich nahm Mary’s Hand und küsste sie. „Wir sehen uns morgen in der Schule. Mary, es war mir eine Ehre, dich hier getroffen zu haben.“
Ich joggte in den Wald und sobald ich sicher war, dass sie mich nicht mehr sehen würde, rannte ich in Vampirgeschwindigkeit los.
Emmett war näher als ich dachte. Ich rannte so heftig gegen ihn, dass er mit mir zu Boden fiel. „Mein Gott, Bro! Was geht denn mit dir ab?“, fragte er erschrocken.
„Was suchst du hier?“, zischte ich.
„Ich habe dich gesucht. Wegen Edward. Er hat sich beruhigt und eingesehen, dass du ihn nur verarschen wolltest.“
Ich nickte und ging von Emmett runter. „Und er wird mir ganz sicher nicht den Kopf abreißen?“
Emmett schüttelte den Kopf. „Wenn ich in deiner Nähe bin nicht.“
Ich lachte kurz auf. „Dann ernenne ich dich jetzt zu meinem persönlichen Bodyguard.“
***
„Du hast dich verliebt.“, trällerte Alice, als ich wieder bei den Cullens war und mit Emmett Baseball anschaute.
Ich sah sie fragend an. Sie sprang neben mich. „Na ja, noch nicht ganz. Aber du wirst dich verlieben.“
„In wen?“, fragte ich neugierig, obwohl ich es eigentlich schon wusste.
„Diese Kleine bei dir an der Schule. Mary Diamond?“
Ich sah auf den Boden.
Sie quietschte. „Ich wusste, dass ich richtig liege. Also, sie ist ziemlich hübsch. Wann stellst du sie uns vor.“
„Wenn sie unbeliebt und zu haben ist.“, knurrte ich leise.
Alice sah mich fragend an. „Ich sehe nicht alles, Großer. Aber...“, sagte sie verheißungsvoll. „wenn du mich mal mit zur Schule nimmst, würde ich dir sagen können, was passiert.“
Ich sah sie ungläubig an. „Das würde ja auch überhaupt nicht auffallen, Alice.“
Sie lächelte. „Du hast recht. Tut mir leid. Wenn ich in der Schule auftauche, wird mich wohlmöglich der eine oder andere Freund oder die Kinder dieser Freunde erkennen.“ Sie verstrubbelte mein Haar. „Schlaues Kerlchen.“
Ich strich mir schnell mein Haar glatt. Renesmee kam zur Tür herein. „Hallo ‘Cousin’.“, sagte sie betont.
Ich lachte leise. „Hey! Na? Wie alles klar bei dir?“
Sie nickte und setzte sich auf meinen Schoß. „Meine Mum hat mir von diesem Geschichtslehrer erzählt. Er und seine damalige Freundin, jetztige Frau, waren total gut mit Mum, Dad und Alice befreundet. Dementsprechend sollten sie vorsichtig sein. Und wir sollen nicht zu viel von ihnen reden.“
Ich nickte locker. „Klar!“
Sie schnupperte an meiner Hand. „Du riechst nach Mensch!“, stellte sie fest.
Was sollte man darauf schon sagen? Ich nickte. „Damit wäre dein Geruchssinn erfolgreich getestet.“
Sie schlug mir leicht auf die Schulter. „Du weißt wen ich meine!“, sagte sie verschwörerisch.
„Weiß ich?“, fragte ich ironisch, damit sie sich verarscht fühlte, was mir auch gelang.
Sie verschränkte schmollend die Arme. „Du bist fies! Ich wollte damit fragen, wo du sie getroffen hast.“
„Im Wald.“, sagte ich kurz und knapp.
„Muss man dir alles aus der Nase ziehen?“
Ich seufzte. „Ich habe sie im Wald getroffen und ein wenig mit ihr geredet. Na ja, eigentlich habe ich hauptsächlich ihre Fragen beantwortet.“
„Was hat sie denn so gefragt?“
„Sie hat nach meinen Hobbies gefragt.“
„Und weiter? Du hast Fragen gesagt!“
Ich stöhnte genervt. „Sie hat mich nach dir und Des gefragt. Wer ihr seid und so.“
Sie grinste breit und schlenderte ohne Kommentar in ihr Zimmer. Ich runzelte die Stirn.
„Sie geht zu Alice und zeigt ihr mit ihrer ‘Ich-zeige-dir-alles’-Gabe eure Unterhaltung und vorallem deine Reaktionen.“, sagte Emmett vergesteuert, ohne dass er den Blick vom Fernseher wendete.
Ich nickte. „Ah ja!“, sagte ich gedehnt. Ich schaute auf die Uhr. „Leute, ich geh jagen! Kommt einer mit?“, rief ich etwas lauter, damit alle mich hörten.
Jasper, Emmett und Rosalie meldeten sich. Und schon nahmen wir den ganzen Wald in Beschlag... Na ja, oder zumindest die Tiere...
***
Am nächsten Morgen ging ich zur Schule, obwohl Alice mir Sonne vorrausgesagt hatte und Charles sich weigerte, Wolken vor sie zu schieben. Ich wusste, dass er mich nie der Gefahr aussetzen würde, uns zu verraten, deshalb gingen Renesmee und ich.
Im Auto wirkte sie ein wenig angespannt. „Spuck’s aus! Das kann man ja nicht ertragen!“, beschwehrte ich mich lächelnd.
Sie machte es sich in ihrem Sitz bequem und schnaubte wütend auf. „Stress mit meinem Dad. Er hätte mich am liebsten Zuhause festgekettet. Vorallem als ich gesagt habe, dass mich die Sonne bestimmt beiße.“
Ich musste laut loslachen und steckte Renny somit an. Als ich mich beruhigt hatte, sagte ich: „Charles passt schon auf.“
Sie nickte und hob theatralisch eine Hand. „Meine Worte!“
Wir fuhren lachend auf den Parkplatz. „Alice hat mich vorgewarnt. Brandon Light verteilt heute mit Mary die Einladungen für seinen 18. Geburtstag.“
Ich nickte. Mary’s Freund. Ich verspürte einen komischen Druck in meiner Brust und einen Drang zu knurren, verkniff es mir aber, da wir schon beinahe am Haupteingang waren.
Wir holten unsere Bücher aus unseren Spinden und gingen zum Unterricht. Gerade als ich mich setzen wollte, tauchte ein hellblauer Briefumschlag unter meiner Nase auf. Ich schaute genervt auf, doch meine hellte sich sofort auf, als ich in Mary’s Augen sah. Sie lächelte mich an. „Ich wollte dir eine Einladung für Brandon’s Geburtstag geben.“
Ich lächelte schief und nahm die Einladung dankend an. Dabei passte ich auf, dass ich sie nicht berührte. „Ich fühle mich geehrt.“
Sie grinste noch breiter. „Also wirst du kommen?“
Ich nickte, schielte aber kurz zu Renesmee. Mary hielt ihr auch eine Einladung hin. „Hier! Du bist natürlich auch eingeladen.“
Renny nahm sie verwirrt an, brachte aber doch noch ein „Danke.“ heraus.
„Bitte sag Brandon nicht, dass ich dich eingeladen habe. Das würde ihn nur unnötig aufregen.“, sagte Mary dann leise zu mir.
Ich kniff die Augen zusammen. „Wieso? Ich habe ihm schließlich nichts getan.“
Sie sah sich kurz um und flüsterte dann: „Na ja, du bist ein Dorn im Auge für ihn. Ich meine... wann hast du das letzte mal in einen Spiegel geguckt? Du siehst einfach nur heiß aus.“
Ich fühlte mich geschmeichelt. Meine Traumfrau fand mich also heiß. „Aber wieso lädst du mich ein?“, hörte ich mich sagen und hätte mich am liebsten geohrfeigt.
„Na ja, mal ganz unter uns. Stacy“ Er zeigte unauffällig auf ein blondes, für Menschen hübsches Mädchen, das gerade auf Mary’s Platz saß. „steht auf dich. Und deshalb dachte ich, dass ihr euch auf der Party kennenlernen könntet.“
Ich verbarg meine Enttäuschung. Sie versuchte mich mit ihrer Freundin zu verkuppeln. „Ich werde kommen.“ Aber nicht wegen deiner Freundin, sondern wegen dir. dachte ich klamm und heimlich.
Sie lächelte glücklich und ging zu Stacy. Sie war noch süßer als sonst, wenn sie glücklich war.
Renny legte tröstend eine Hand auf meine Schulter. „Nicht ganz, was du erwartest hattest, huh?“, fragte sie mitfühlend.
Ich setzte mich ohne Reaktion auf meinen Stuhl und ließ den Unterricht an mir vorbeiziehen.
In der Caféteria exte ich aus Frust die ganze Flasche Blut, die mir Mum gegeben hatte.
„Kannst du mir mal erklären, wieso diese Mary an einem Tisch sitzt, der MIR eigentlich rechtmäßig zusteht?“, fragte Renny ein wenig wütend.
Ich hob bekräftigend eine Augenbraue.
Sie rollte die Augen und stöhnte genervt. „Dieser Tisch da gehörte den Cullens und Hales!“
Ich zuckte teilnahmslos die Schultern.
„Oh oh!“, hörte ich Renny murmeln. Ich sah sie fragend an. Sie deutete auf das Fenster. Die Sonne prallte in den Raum. In Gedanken verfluchte ich Charles.
Ich nahm mein Handy und rief Charles an.
„Ja, hallo?“, fragte er gedehnt. Ich hörte Des im Hintergrund kichern und verzog automatisch das Gesicht.
„Ich will nicht wissen, was du gerade machst, aber hast du schon mal aus dem Fenster geguckt?“, fragte ich unschuldig.
„Hä?... Ach du heilige...!“, schrie er ins Telefon.
Ich hielt es kurz weg. In dem Moment spürte ich plötzlich wie jemand an meinem Handy zog. Ich sah in das Gesicht meines Geschichtslehrers. Upps! Ich hatte aber schon eine Idee, wie ich mich aus der Scheiße reiten konnte. Ich ließ schnell das Handy unter dem Tisch verschwinden und hielt meine Flasche an Stelle des Handys in meiner Hand. Ich grinste beinahe unverschämt.
Der Lehrer sah verwirrt von der Flasche, zu mir, zu Renesmee und sagte dann leise: „Verzeihung! Ich dachte, Sie hatten ein Mobiltelefon in der Hand.“ Er verschwand verwirrt. Während Renny und ich in großes Gelächter fielen, holte ich das Handy unterm Tisch hervor und hörte wie Des und Charles herumknutschten. Ich verzog wieder das Gesicht und legte auf. „Die beiden kannst du in die Tonne kloppen!“
Renny lachte. „Hätte ich dir auch sagen können.“
Im nächsten Moment war die Sonne verschwunden.
Als wir beide uns beruhigt hatten, sagte Renny leise: „Meinst du ich soll mal für heute einen Shoppingtrip nach Seattle einplanen?“ Sie klang verschwörerisch. Ich dachte nur an Alice und nickte. „Ich brauche etwas für die Party.“, sagte sie dann. Ich nickte wieder. „Ich könnte eventuell auch etwas gebrauchen.“
„Ich weiß, wie du sie beeindrucken könntest. Ich wette, dass keiner im Smoking kommt.“
Ich sah sie skeptisch an. „Meinst du wirklich?“
Sie nickte. „Ja, ganz sicher.“
Ich lächelte. „Okay, dann werde ich einen Smoking tragen. Sag mal, hast du dir die Einladung überhaupt durchgelesen?“
Sie schüttelte grinsend den Kopf. Ich stöhnte und nahm die Einladung. Dann verstellte ich spöttisch meine Stimme: „Hey, wer auch immer das liest! Hiermit, lade ich, Brandon Light, dich zu meinem 18. Geburtstag ein. Es wird eine riesige Party bei Mary Diamond Stewart Zuhause stattfinden. Sie ist am Samstag, den 24. Juni. Bitte bringt was zu trinken mit!“
Renny lachte los. „Du hörst dich an, wie ein Kerl aus einem schlechten Schwulenporno.“
Ich sah sie gespielt empört an. „Renesmee Carlie Cullen, war das ein Geständnis?“
Sie wurde rot und schaute auf die Tischplatte. „Nein!“
„Ja ja!“, seufzte ich spöttisch.
Sie sprang auf. „Maaaan! Ich hole mir jetzt was zu essen! Soll ich dir etwas mitbringen?“, fauchte sie giftig und hinterhältig zugleich.
Ich konnte nur lachen. Sie stapfte hochnäßig weg. Auf einmal versperrte mir ein schlanker Körper die Sicht. Ich sah hoch. Diese Stacy stand vor mir.
„Wie kann ich dir helfen?“, fragte ich höflicherweise.
Sie grinste breit und man, nein ein Vampir, sah ihr an, dass sie versuchte verführerisch auszusehen. „Darf ich mich setzen?“
Ich zuckte die Schultern. Sie nahm das einfach mal als Ja und setzte sich. „Du kommst ja zu Brandy’s Geburtstag, oder?“
Ich nickte und verkniff mir das Lachen. „Wieso?“
„Wollen wir vielleicht zusammen dort auftauchen?“ Sie versuchte wieder absolut hinreißend auszusehen. Dabei liegt die Betonung auf versuchte. Sie war einfach nur albern.
Ich schüttelte leicht den Kopf. „Nein, danke. Ich komme mit Renesmee.“
Sie nickte verwirrt und ging. Renny setzte sich wieder. „Kaum bin ich zwei Sekunden weg, schmeißen sich die Damen schon an deinen Hals. Was mache ich nur mit dir, Nic?“
Ich fing an zu lachen. „Wir gehen auf Brandy’s Geburtstag!“
Sie musste mitlachen. „Ich glaube, er hätte ihr den Kopf abgeschlagen, wenn er das gehört hätte.“
***
„Das sieht doch wirklich perfekt aus!“, freute sich Alice. Wir waren nun schon drei Stunden in Seattle und endlich war hier etwas, das Alice und Renny gefiel. Und dabei musste ich erwähnen, dass wir erstmal nur etwas für mich gesucht hatten.
Ich zog den Smoking schnell aus und gab ihn Alice. „Du bezahlst und ich verschwinde gleich.“, sagte ich zuckersüß.
Sie streckte mir die Zunge raus und nickte dann.
Fünf Minuten später war sie fertig mit bezahlen, hatte mir die Tüte in die Hand gedrückt und ich war um 1250 Dollar ärmer.
Ich wollte den kürzesten Weg raus hier gehen, doch in der Damenabteilung machten meine Beine Halt. Mary drehte sich in einem altrosa Abendkleid vor einem Spiegel. Ich lehnte mich in sicherer Enfernung an eine Wand und beobachtete sie. Sie wirkte nicht gerade zufrieden in diesem Kleid.
Dann sah ich, dass Brandon und Stacy Beifall klatschten. Wie scheinheilig sie doch waren! Nicht, dass Mary nicht gut aussah, aber sagen wir so: Es gab bessere Kleider.
Ich sah mich kurz um. Dort war ein türkisfarbenes Cocktailkleid, das einfach perfekt war. Man hätte sagen können, dass es praktisch ein Aushängeschild mit Mary’s Namen darauf hatte.
Ich nahm das Kleid von der Stange, rannte in Vampirgeschwindigkeit in die Kabine, hing das Kleid so hin, dass sie es sah und sprang wieder auf den perfekten Sichtpunkt. Mary ging deprimiert in die Kabine zurück und linste im nächsten Moment aus der Kabine, wobei sie mich ansah und leicht lächelte.
Ich lächelte zurück und nickte einmal. Sie sah kurz zu Brandon, da er fragte: „Alles in Ordnung, Süße?“
In dem Moment verschwand ich nach draußen. Ich wusste, dass ich sie verwirrt hatte, aber das war irgendwie auch ziemlich amüsant.
***
„Also wirklich, Nic! Willst du einen Rekord im Dauergrinsen aufstellen, oder was?“, fragte Renny mich genervt, nachdem ich nach drei Stunden immernoch wegen Mary grinste.
„Lass mich doch gute Laune haben.“
„Du hast sie gesehen.“, stellte Alice lächelnd fest.
Ich nickte einmal und musste noch breiter grinsen.
„Und wieso macht dich das jetzt auf einmal so glücklich? Ich meine, sie hat dir noch heute früh eine Abfuhr erteilt.“, sagte Renny verwirrt.
„Und nun habe ich sie irritiert und sie hat mir ihr bezaubernstes Lächeln geschenkt.“, trällerte ich.
„Wie hast du das denn geschafft?“
Ich erklärte ihr die Situation. Sie musste grinsen.
„Das ist wirklich süß.“, sagte Alice lächelnd.
Ich wurde ein wenig verlegen.
„Wisst ihr, was ich komisch finde?“, sagte Renny plötzlich und lehnte sich zu uns nach vorne.
Ich sah sie fragend an.
„Nun ja, ich meine, wieso ist der Geburtstag so kurzfristig? Die Party ist bereits übermorgen.“
Ich zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Wenn er so einen vollen Terminkalender hat und die Party dazwischenschieben musste, kann das doch möglich sein.“
Alice sah mich zweifelnd an. „Voller Terminkalender? In Forks?“
Wir mussten alle laut losprusten.
Alice bog in unsere Einfahrt ein. „So, da wären wir! Wann willst du eigentlich mal einen Führerschein haben?“, fragte sie mich.
Ich zuckte die Schultern. „Ich habe keine Lust noch mehr zu lernen.“
Sie lachte. „Du bist ein Vampir und ich habe Verbindungen.“
Ich sah sie wieder einmal fragend an.
Sie seufzte genervt. „Lange Geschichte. Also! Gib mir ein schönes, aktuelles Foto von dir und ich werde dir einen Führerschein besorgen, okay?“
Ich nickte geistesabwesend. „Warte eine Sekunde.“ Ich stürmte schnell ins Haus, holte mein Fotoalbum und nahm das erste Foto, das in meinem Vampirleben geschossen wurde, als ich nicht glaubte, dass man Vampire auf Fotos sah, ging wieder nach draußen und gab es Alice.
Sie grinste. „Okay. Ich werde sehen, wann ich das erledigen kann. Bis dann.“
Ich ging ins Haus und legte mich auf mein Bett. Dann schnappte ich mir das Buch, das auf meiner Komode lag und las bis die Sonne aufging.
Ich sprang aus dem Bett und ging mich duschen. Danach krallte ich mir eine schwarze Jeans, ein rotes, enges T-Shirt, meine Chucks und die Jacke und zog sie mir an. Ich nahm meine Flasche und ging ins Wohnzimmer. „Mum?“, rief ich und atmete tief ein. Sie war eindeutig in der Küche. Ich folgte ihrem Duft dorthin.
„Kannst du die nachfüllen?“, fragte ich und wedelte mit bereits erwähnter Flasche.
Sie nickte und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, als sie mir die Flasche aus der Hand nahm. „Du siehst ja richtig gut aus heute.“, bemerkte sie lächelnd.
Ich sah sie argwöhnisch an. „Sehe etwa sonst nie gut aus?“
Sie lachte und wuschelte mir durchs Haar. „Natürlich siehst du gut aus. Du bist immerhin ein Vampir, aber ich meine, du benutzt heute ausnahmsweise etwas Farbe. Sonst läufst du nur in schwarz und grau herum und jetzt auf einmal trägst du rot. Um nicht zu sagen feuerrot!“
Darauf hatte ich gar nicht geachtet. Woran das wohl lag?
„Nic?“, hörte ich Charles rufen. Er war an der Treppe.
„Hier!“, sagte ich und drehte meinen Kopf in seine Richtung. Im nächsten Moment stand er neben mir. „Ich wollte mich entschuldigen.“, sagte er wehmütig.
Ich hob eine Augenbraue. „Wofür?“ Natürlich wusste ich, dass er die Aktion gestern meinte.
Er seufzte. „Gestern. Dass ich euch in Gefahr gebracht habe. Hat euch eigentlich jemand erwischt?“
Ich war wirklich kurz am überlegen, ob ich ihn anflunkern sollte, entschied mich aber doch für die Wahrheit. „Nein. Renesmee hat es rechtzeitig bemerkt und daraufhin habe ich dich angerufen, aber da du beschäftigt warst, habe ich wieder aufgelegt.“
Er wirkte verlegen. „Tut mir wirklich leid.“, entschuldigte er sich noch einmal. „Ich war abgelen...“ Ich hob abwehrend eine Hand. „Keine Details. Bitte!“
Charles lachte. „Des kommt gleich runter.“ Er ging für Vampirverhältnisse langsam zur Tür.
„Charly?“, rief ich dann. Ich wollte ihn einfach nur verdutzen. Charles drehte sich um und lehnte sich auf die Küchentheke.
„Wann werdet ihr eigentlich Kinder haben?“, fragte ich interessiert.
Charles riss seine Augen auf. „Äh, weißt du was? Eigentlich brauchen wir keine Kinder.“ Er lächelte. „Ich meine, wir haben Eric und dich großgezogen. Das reicht doch, oder nicht?“
Ich lächelte selbstsicher. Natürlich würde ich nicht aufgeben. „Aber wollt ihr denn kein Mädchen?“
Er schüttelte den Kopf. „Eric und du haben wirklich gereicht.“
Ich legte theatralisch eine Hand an mein Herz. „Ich fühle mich ja so geschmeichelt.“
Charles schlug mir leicht an den Hinterkopf. „Dich soll ich ewig ertragen?“
„Scheint als seihst du verflucht, mein Freund.“, lachte ich.
Neue Freunde
„Wir haben Sport?“, fragte ich Renny ungläubig, als wir in der Pause an unserem Tisch saßen. Des saß neben mir und beobachtete alle Mitschüler einzeln.
Renny nickte eifrig und ließ sich neben mir fallen. „Sport!“, schnaubte sie verächtlich. „Sport bekommen wir Zuhause, wenn wir Emmett reizen oder mit Jasper trainieren.“
Ich nickte zustimmend. „Ganz meiner Meinung. Dieser Sport kommt hier an nichts, was wir Zuhause erleben, ran. WIR machen richtigen Sport: Ringkämpfe, Boxen, Football, Baseball.. natürlich vampirisch, sonst wäre es ja langweilig. Aber wenn ich mit Emmett so die Sportsendungen sehe, frage ich mich manchmal wie sie es wohl schaffen so etwas zu machen, ohne einzuschlafen. Ich mein...“
Renny und Des lachten. „Du redest genauso wie Emmett!“, meinte Renny.
„Du verbringst VIEL zu viel Zeit mit ihm.“, warf Des mir vor.
„Bin ich daran schuld, oder was? Wer meinte denn andauernd ausgehen zu müssen, was heißt, dass ich einen Babysitter brauchte, was wiederum heißt, dass nur Emmett in Frage kam, weil er den nötigen Nerv hatte mit einem Menschenbaby zu spielen?“, konterte ich und grinste dann selbstzufrieden.
Beide streckten mir zickig die Zunge heraus. Ich lachte nur und freute mich über meinen Sieg.
„Und wie machen wir Sport ohne Sportsachen?“, fragte Renny dann grinsend.
Ich wollte mich gerade mit ihr freuen, da seufzte Des. „Alice hat mich vorgewarnt. Sie hat mir Sachen für euch eingepackt.“ Sie reichte sie uns. Für mich gab es rote Shorts und ein weißes Ripp-Shirt. Ich sah sie ungläubig an. „Das ist nicht dein Ernst.“
Sie zuckte die Schultern. „Alice hat gesagt, ich habe gemacht. Mission erfolgreich beendet.“
Ich hob eine Augenbraue. „Wie du meinst.“
Es klingelte. Renny nahm meine Hand und zog mich zur Sporthalle.
„Sport.“, knurrte ich verächtlich.
„Ich mag es genauso wenig.“ Sie ging in die Mädchenumkleide.
Seufzend ging ich in die der Jungen. Ich ging in eine Einzelumkleide. Wahrscheinlich hielten mich die Jungs meiner Geschichtsklasse für schwul oder so, aber egal.
Dann war ich halt ein wenig zurückhaltender, als die anderen.
Ich zog mir die Sachen an, die Alice für mich bestimmt hatte und verfluchte sie innerlich. So etwas würde ich nie im Leben anziehen. Ich sah in einen Ganzkörperspiegel, der in der Kabine an der Wand hing. So schlecht sah ich eigentlich gar nicht aus. Trotzdem!
Ich ging aus der Kabine und wollte direkt in die Halle stürmen, dabei knallte ich mit der Schulter gegen einen der Jungs. Mir fiel auf, dass dieser Kerl alles andere als menschlich war. „’Tschuldigung.“, murmelte ich aus Höflichkeit und ging verwirrt in die Halle.
Renny dehnte sich ausgesprochen sexy. Sie trug ja auch nur ein weißes Spaghettishirt und eine pinke Glanzhotpants. Ich hockte mich vor sie. „Was zum Teufel machst du da?“, fragte ich lächelnd.
Sie grinste. „Mich langweilen.“ Sie sah kurz an mir vorbei und grinste mich dann breit an. „Mary gefällt anscheinend dein Hintern.“
Ich sah sie ungläubig an. „Du verarscht mich.“
Sie schüttelte lachend den Kopf. „Nein, wirklich.“
Ich drehte meinen Kopf schnell nach hinten und wieder zurück, damit sie mich nicht bemerkte. Tatsächlich! Sie schaute direkt auf meinen Po.
Ich grinste heimlich und richtete mich auf. „Edward und Jake würden dich für diesen Aufzug umbringen.“, sagte ich und strich leicht über ihren Rücken.
Sie lachte und strich über meinen Bauch. „Diese hier sind aber auch nicht ohne.“
Ich sah an mir herunter. Oh mein Gott! Jetzt verabscheute ich Alice. Sie hatte mir ein Shirt gegeben, das mein Sixpack zeigte, damit ich Mary imponieren konnte.
Renesmee sprang plötzlich auf meinen Rücken. „Lauf, Brauner, lauf!“, lachte sie.
Ich lachte mit ihr und legte meine Hände unter ihre Beine, damit sie nicht runterrutschte. Dann joggte ich los und achtete darauf, dass ich dabei auch wirklich athletisch wirkte, denn ich spürte Mary’s und Stacy’s Blicke auf mir.
Als ich die Runde zu Ende gelaufen war, hockte ich mich so hin, dass Renny runterrutschen konnte. Ich richtete mich wieder auf.
„Seit wann bist du denn so liebevoll?“, fragte Renny ironisch.
Ich lächelte. „Du weißt wieso.“
Sie lächelte. „Natürlich.“
Unser Coach kam gerade in die Halle. Er wirkte nicht gerade erfreut über diese zusätzliche Sportstunde.
„So Leute! Ich hoffe ihr habt mal was von Basketball gehört. Das spielt ihr nämlich jetzt. Wir spielen bis zwanzig. Ladies first!“
Natürlich hatte ich schon was von Basketball gehört, dachte ich grinsend. Emmett und Jasper hatten es schon verdammt oft mit mir gespielt.
Es dauerte eine halbe Stunde. Die Mannschaft in der Renesmee gespielt hatte, hatte haushoch gewonnen.
Der Coach stellte sich vor uns Jungs und zeigte auf mich und Brandon. „Namen?“
Ich sah kurz zu Brandon. Natürlich wollte er den Vorrang. „Brandon Light.“
Da konnte ich noch einen draufsetzen. „Nicholas Lucas Richfield, Sir.“
Der Coach sah mich kurz überrascht an und winkte uns beide dann zu sich. „Ihr seid die Team-Captains. Mr. Richfield, Sie fangen an.“
Ich sah zu den Jungs und wählte den Jungen, den ich in der Umkleide angerempelt hatte. „Wie heißt du?“, fragte ich ihn leise.
Er flüsterte so leise und schnell es ging: „Tyler.“
Ich gab ihm meine Hand. „Nic.“
Er lächelte. Dann begann er mir Tipps zu geben, wen ich wählen sollte, damit wir gewannen. Er hatte wortwörtlich gesagt: „Eigentlich sind wir beide Vampire. Wir könnten gegen die ganze Klasse spielen und würden trotzdem gewinnen, aber es soll ja auch nach irgendetwas aussehen.“
Ich lachte leise. Brandon warf mir einen menschlich-bösen Blick zu.
„Du lässt dich doch nicht von diesem Amateur einschüchtern, oder?“, fragte Tyler, als er meine nicht vorhandene Reaktion sah.
Ich sah ihn ungläubig an. „Amateur. So hast du ihn genannt. Amateure sind unter meinem Niveau.“
Er lachte. „Der war gut.“
„Kann’s losgehen?“, hörte ich diesen Amateur rufen. Ich mochte diesen Spitznamen. Er hatte was.
Ich nickte einmal ernst. Brandon warf mir den Ball mit so einer Wucht zu, die einen Menschen taumeln ließ. Ich allerdings fing den Ball mit einer Hand. Brandon sah mich kurz verdutzt an.
Das Spiel lief so ganz gut. Wir führten und es war kurz vor Spielende. Ich hatte den Ball und lief zum gegnerischen Tor. Brandon war mir dicht auf den Fersen. Als ich gerade hochgesprungen war um den Ball in den Korb zu versenken, hing sich Brandon an meine Schulter, doch ich schüttelte ihn ab.
„Hey!“, schrie er aufgebracht. Ich sah ihn fragend an. Er meckerte herum und schimpfte mich aus, da er meinte ich hätte ihn gefoult. Ich hielt ihm meine Hand hin, doch er schlug sie weg und stand auf, schimpfte aber weiter.
Ich drehte mich von ihm weg.
„Bist du schwul oder so?“, rief Brandon immernoch ziemlich wütend.
Ich drehte mich amüsiert um. „Wieso? Interesse?“
Er sah mich entsetzt an. Ich drehte mich wieder um, als ich zu Tyler gehen wollte.
„Was denn? Ein Feigling sind wir auch?“
Ich stöhnte genervt. „Ich glaube nicht, dass wir ein und dieselbe Person sein können.“
„Feigling!“, zischte er.
Das versetzte meinem Ego einen Stoß. Ich stellte mich, ein wenig zu schnell, ihm gegenüber und sah ihn wütend an. „Was hast du gesagt?“
„Feigling!“, betonte er.
Ich spürte, wie meine Hand sich zu einer Faust schloss. „Noch ein Wort und es knallt gewaltig.“
Er lachte. „Ach was? Du drohst mir?“
Renesmee sprang mir in den Weg. Sie wusste, dass ich ernst machen würde. „Beruhig dich, Nic. Er meinte, das bestimmt nicht so.“ Sie wirkte ziemlich nervös.
„Und wie ich es so meinte!“, bekräftigte Brandon.
Renny ging zur Seite. „Achtung Leute! Es gibt gleich Menschenbrei!“, trällerte sie so leise, dass nur ich es hören konnte. Tatsächlich! Ich ging im Inneren schon die verschiedenen, möglichen Szenarien durch, wie ich Brandon zur Strecke brachte. Aber nur die, die mir auch tatsächlich Spaß machten. Als ich gerade bei der Zeit-anhalten-und-Kopf-abreiß-Methode angelangt war, hörte ich Brandon lachen. „Bist ja wirklich ein Feigling.“
Das genügte. Ich knurrte leise und holte schon zum Schlag aus, da schloss sich eine starke Hand um meine Faust.
Ich blickte in ein paar pechschwarze Augen. „Reiß dich zusammen, Nic!“, zischte Tyler.
Ich atmete tief durch. Meine Muskeln lockerten sich automatisch. Tyler nickte zufrieden. „Okay. Ich glaube, Nic sollte eine Minute nach draußen gehen.“, sagte Tyler zum Coach, der den typischen Mein-Gott-Was-war-das-denn-Blick draufhatte.
Ich sah zu meiner Klasse. Die Mädchen sahen mich mit einem Oh-mein-Gott-ist-der-cool-Blick an, Mary eingeschlossen und die Jungs mit einem Okay-das-kann-man-muss-man-aber-nicht-verstehen-Blick an.
Ich stürmte ohne bestätigte Erlaubnis einfach nach draußen und atmete die frische Luft ein. Zu allem Überfluss regnete es auch noch. Obwohl, das störte mich nicht wirklich.
Ich lief mit geschlossenen Augen im Kreis und atmete in Ruhe ein und aus. Ein leicht süßlicher Duft erschreckte mich dann doch.
„Geht es dir besser?“, hörte ich Mary plötzlich.
Ich sah zur Tür, aus der ich gekommen war. Sie sah mich ein wenig ängstlich an.
Ich lächelte sanft. „Ja, es geht mir besser. Es tut mir leid, dass ich so ein Verhalten an den Tag gelegt habe.“
Sie lachte kurz auf. „Wieso redest du so?“
Ich sah sie verwirrt an. „Wie rede ich denn?“
Sie ging mutiger auf mich zu. „So... alt und... unmodern... aber jedoch melodiös.“
Ich lächelte schief und schüttelte den Kopf. „Dankeschön.“
„Das sollte in keinem Fall eine Beleidigung sein!“, sagte sie schnell.
Ich lächelte beruhigend. „Hey! Ich habe schon verstanden.“
Sie atmete stoßweise ein und aus. „Ich finde das Verhalten von Brandon total bescheuert. Ich meine, alles was zwei Beine und einen Schwanz hat, sieht er als Bedrohung. Das geht mir langsam wirklich auf die Nerven.“
Ich lächelte sie nur an. Sie war süß, wenn sie sich aufregte.
„Ich bin dämlich. Belaste dich hier mit meinen Problemen. Du hast bestimmt selbst welche. Du bist doch gerade erst hierher gezogen.“
Ich lächelte breiter. Ich bin ein Vampir, meine Mutter eine Sterbliche und mein Vater, den ich nie kennengelernt habe, ein Arschloch. Ich habe doch keine Probleme. „Ich fühle mich geehrt, dass du mir deine Probleme anvertraust.“
Sie lächelte verlegen. Dabei färbten sich ihre Wangen leicht rosa. „Wie hast du das gemacht?“
„Was?“, fragte ich ein wenig irritiert.
„Das mit meinem Kleid.“
Ich hob eine Augenbraue. „Dein Kleid?“
Sie nickte. „Ich habe es gekauft. Du hast wirklich Geschmack. Im Gegensatz zu Brandon. Also, wie hast du das gemacht? Du hast es einfach in meine Kabine gebracht, ohne dass es irgendjemand bemerkt hatte.“
Ich nahm ihre Hand, die sie frustriert durch ihr Haar gleiten ließ und lächelte sie wiederum besänftigend an. „Glaubst du an Magie?“ Gut, Magie war wirklich ein wenig weit hergeholt, aber Vampire waren eigentlich Fabelwesen und die hatten immer etwas mit Magie zu tun.
Sie atmete wieder stoßweise. Sie zitterte sogar ein wenig. „Ja.“ Ihre Stimme bebte.
„Dann bleibt es wohl oder übel mein kleines Geheimnis.“
Sie seufzte hörbar enttäuscht. „Das ist fies.“
Ich hörte wie sich uns Brandon leise fluchend näherte. Ich gab Mary einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Mary.“, sagte ich höflicherweise und verschwand im nächsten Moment aufs Dach der Schule. Ich hatte einfach keine Lust auf Brandon und natürlich wollte ich nicht, dass Mary Ärger bekam.
Ich schlenderte zur anderen Seite der Schule, wo der Haupteingang war und sprang dort wieder herunter, um die Schule zu betreten.
Tyler lehnte an der Aula, die direkt gegenüber des Eingangs war. „Was war das denn da draußen?“, fragte er amüsiert.
Ich sah ihn unschuldig an. „Ich weiß nicht, was du meinst.“
Er stützte sich ab und kam zu mir. „Ich meine dieses Magie-Gefasel und dann dieses Springen aufs Dach.“
Ich lachte. „Ich muss mich doch ein wenig geheimnisvoll zeigen.“
„Ah!“, sagte er wissend. „Du stehst auf die Kleine.“
Ich nickte. Mittlerweile traute ich mich, das zuzugeben. „Wie lange bist du schon ein Vampir?“
„Sieben Jahre.“, sagte er völlig locker. „Du?“
„Ein halbes Jahr.“
Er sah mich überrascht an. „Da hast du dich aber gut unter Kontrolle.“
Ich lachte kurz auf. „Ich lebe in einem Haus voller vegetarischer Vampire. Da ist das normal.“
„Und mit wem lebst du zusammen?“ Er wirkte ziemlich neugierig.
„Mit meiner Mum, Sterbliche, meiner Tante und meinem Onkel, Vampire. Aber die meiste Zeit bin ich bei den Cullen’s.“
„Bei DEN Cullens?“, fragte er ungläubig.
Ich nickte. Das musste er doch schon bei Renesmee gemerkt haben.
„Mann! Ich fass es nicht! Ich kenne jemanden, der die Cullens kennt.“
„Was ist so unnormal an den Cullens?“
Er schnaubte. „Das träum ich jetzt, oder? Wir reden hoffentlich von den gleichen Cullens. Edward und Bella Cullen?“
Ich nickte langsam. „Ja“, sagte ich gedehnt. „Und Carlisle und Esme, und Rosalie und Emmett, und Jasper und Alice. Na ja, und Renesmee.“
Er wirkte immernoch total verblüfft. „Renesmee ist die Tochter von Edward und Bella.“, stellte er fest.
„Ja, das ist sie.“
„Sie wären beinahe alle von den Volturi umgebracht worden.“
Ich nickte. Die Geschichte kannte ich bereits. „Um ganz genau zu sein, habe ich sogar eine Zeit lang in Volterra gelebt. Indirekt, aber ich hab’s getan.“
Er riss ungläubig die Augen auf. „Wann denn das?“
Ich lachte. „Als meine Mum mit mir schwanger war.“
Er lachte. „Ach so meinst du das!“
„Und du lebst alleine?“, fragte ich neugierig.
„Nein. Mit meiner Schwester.“
„Deine Schwester? Geht sie auch hier zur Schule.“
Er nickte. „Sie ist ein Jahr jünger als ich.“
„In Vampir- oder Menschenleben gesehen?“
Er lachte. „Menschenleben. Sie ist 15 und ich 16.“
„Cool. Ich bin 16 und Renesmee 17.“
„Wer ist die Brünette, die bei euch ist? Deine Schwester ist das wohl nicht.“
Ich nickte lachend. „Nein. Das ist meine Tante Destiny Benett.“
Er runzelte die Stirn. „Ich dachte Richfield?“
Ich schüttelte den Kopf. „Sie ist eine geborene Richfield. Sie hat vor 16 Jahren geheiratet. Und deshalb heißt sie jetzt Benett.“
Es klingelte. Im nächsten Moment stand Renesmee bei uns. „Hey Jungs! Nic, es halten dich jetzt alle für den absoluten Cool-Man, da du Brandon beinahe eine gescheuert hättest. Du bist beliebt.“
Ich stöhnte genervt. „Carlisle wird mich umbringen.“
„Ach Quatsch! Das macht er schon nicht. Nur weil er sagt, dass du kein Aufsehen erregen sollst, heißt es nicht, dass du auf ihn hören musst.“
Ich lachte. „Stimmt.“
„Wir sollten in die Caféteria gehen. Des dreht sonst auch noch durch.“
„Möchtet ihr euch vielleicht zu uns setzen?“, fragte ich Tyler.
Er nickte. „Gerne. Danke.“
„Wer ist IHR?“, fragte Renny verunsichert.
„Also Renny, das ist Tyler. Er hat eine Schwester.“
Sie nickte. „Oh okay.“
„Es kann aber durchaus sein, dass Vicky sich ziemlich spät zeigen wird. Sie ist verdammt schüchtern und dazu kommt noch ihre Gabe, dass sie sich unsichtbar machen kann.“
Auf einmal tauchte eine süße Brünette neben Tyler auf. „Ich bin nicht schüchtern.“, sagte sie verlegen.
Tyler drückte sie kurz an sich. „Nein, du bist überhaupt nicht schüchtern.“, sagte er ironisch. „Vicky, das sind Nicholas Richfield und Renesmee Cullen.“
„Ich weiß.“, murmelte sie.
Ich nahm Vicky’s Hand und küsste sie. Sie trug, bis auf die hellblaue Jeans, nur weiß. „Freut mich dich kennenzulernen.“
Renesmee lächelte Vicky freundlich an. Wir betraten die Caféteria. Wir wurden von allen Seiten schief angesehen. Oder eher ich.
Ich sah, wie Vicky langsam durchsichtig wurde. Sie war wirklich schüchtern. Ich fand das süß. Sie war generell einfach nur verdammt hübsch und geheimnisvoll und süß und... oh mein Gott! Meine Teenager-Hormone gingen mit mir durch! Ich fand doch Mary total toll... oder vielleicht doch nicht?
„Alles okay, Nic?“, fragte Renny besorgt.
Ich nickte schnell, als wir uns setzten. Des wirkte ein wenig verwirrt. „Okay, Erklärung bitte.“
Ich seufzte. Renny wusste, dass ich keine Lust hatte, alles zu erklären, deshalb tat sie es in der Kurzfassung.
„Du hast ihm keine geschallert?“, fragte Des enttäuscht und deutete fragend auf meine Tasche. Ich wusste, dass sie meine Flasche wollte. „Du kannst dir auch eine eigene besorgen.“
Sie machte einen Dackelblick. „Ich hab keine Mommy, die sich rührend um mich kümmert.“, sagte sie ironisch.
„Charles.“, prusteten Renesmee und ich los.
Des fühlte sich eindeutig verarscht. „Ja ja, wieder diese Scherze auf meine Kosten. Ihr könnt euch daran gewöhnen.“, sagte sie zu Tyler und Vicky.
Ich warf die Flasche zu Des. Sie fing sie grinsend. „Bist ein lieber, lieber BRUDER!“
„Die wissen, dass ich dein Neffe bin.“
„Na ja, genau genommen bist du mein Großneffe. Aber is ja auch egal.“
Ich grinste. „GROßtante. Andeutung auf dein Alter.“
Sie sagte gar nichts, schaute mich einfach nur wütend an. Ich erwischte Vicky dabei, wie sie mich beobachtete. Ich sah an mir herunter. Verdammt! Ich lief immernoch in Sportsachen rum! „Ich bin in zwei Sekunden wieder da.“, knurrte ich und verschwand im Flur, wo keiner war. Dort zog ich mich in Vampirgeschwindigkeit um und ging wieder in die Caféteria.
„Was hast du eigentlich für eine Gabe?“, fragte Renesmee Tyler.
Er sah sich kurz um. „Das wäre hier nicht ganz praktisch, wenn ich sie euch zeige.“
Renny sah ihn fragend an. „Zu viel Aufmerksamkeit?“
Er nickte. Renny sah mich blinzelnd an. Ich sah mich um. Von Mary keine Sicht. Ich schnippte. Alle erstarrten, bis auf unser Tisch.
Tyler und Vicky sahen sich verwirrt um.
„Cool.“, sagte Vicky leise. Ihre Stimme war die schönste Stimme, die ich seit langem gehört hatte.
„Also?“, fragte Renny Tyler gedehnt.
Er schnippte. Eine Stichflamme schoss aus seinen Fingern. Des, Renny und ich sahen ihn fasziniert an.
„Kann ich die Zeit wieder weiterlaufen lassen. Es wäre nicht gerade gesund für die Umwelt, wenn es noch länger dauert.“, machte ich auf mich aufmerksam.
Tyler ließ die Flamme erlöschen und nickte dann. Ich schnippte wieder. Die Zeit lief ganz normal weiter.
„Das ist wirklich cool.“, meinten Des und Tyler gleichzeitig.
„Geht ihr auch zu Brandon’s Geburtstagsfeier?“, fragte Renny, als sie sich einen Muffin in den Mund stopfte.
Tyler nickte. „Er hat mich eingeladen, weil Stacy das wollte. Vicky allerdings fällt nie auf, also wurde sie nicht eingeladen.“
„Wer hat denn gesagt, dass ich nicht komme?“, fragte sie, schaute aber auf die Tischplatte.
Ich sah sie eindringlich an. „Wie meinst du das?“
Sie lächelte und blinzelte von der Tischplatte zu mir und wieder zurück. „Ich habe nicht um sonst meine Gabe erhalten.“
Ich lachte leise. „So geht es natürlich auch.“
„Seid ihr eigentlich richtige Geschwister oder ist das auch Show?“, fragte Renny.
„Wir sind Geschwister.“, sagte Tyler und legte bekräftigend einen Arm um Vicky’s Schulter.
„Habt ihr heute nach der Schule schon was vor?“, fragte sie dann. Ich sah sie verdutzt an.
Vicky sah Tyler erwartungsvoll an. Tyler schüttelte den Kopf. „Nein, wieso?“
„Hättet ihr Lust nach der Schule mit zu uns zu kommen?“
Des und ich hielten uns da raus, da es ja Renny’s Zuhause war. Renny legte ihre Hand an meine Wange und zeigte mir, wie ich ebenfalls bei den Cullens war, währenddessen Vicky und Tyler da waren. Sie nahm die Hand wieder weg und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Ich seufzte und nickte. „Okay. Ich komm ja mit.“, knurrte ich leise. „Des, du sagst Mum Bescheid, okay?“
***
Nachdem wir die komplette Begrüßung der Cullens durch hatten, sah mich Edward die ganze Zeit verschwörerisch an. Ich sah ihn fragend an. Alles okay? fragte ich ihn per Gedankenkontakt.
Er lachte leise. „Ich hatte da eine kleine Idee. Renesmee, Nicholas, ihr kommt mit mir. Wir spielen meinem alten Freund jetzt einen Streich.“ Er sah prüfend in die Runde. „Tyler, hättest du Lust mitzukommen?“
Tyler sah mich fragend an. Ich nickte.
„Ihr spielt hier Streiche und wollt mich nicht mitnehmen?“, rief Emmett von oben.
„Ähm, ja!“, rief ich zurück.
Emmett schnaubte.
Edward klopfte mir auf die Schulter und schob mich zur Tür. „Kommt! Wir gehen.“
Ich ging alleine in die Garage. Edward sprach nun mit Renny: „Was meinst du, Kleines? Welchen Wagen nehmen wir?“
„Den Aston Martin?“, fragte sie vorsichtig.
Edward nickte. „Okay.“
Wir stiegen in den Sportwagen und Edward fuhr los. „Also, was machen wir?“, fragte ich neugierig und aufgeregt zugleich.
„Wir werden zu Newton fahren.“, sagte er amüsiert.
Ich kniff die Augen zusammen. „Moment! Emmett, Jasper und ich sind haben hier vor ein paar Tagen vorbeigeschaut.“
„Mike Newton ist früher mit uns auf die Highschool gegangen. Er wollte was von Bella und er ist mir tierisch auf die Nerven gegangen. Und jetzt werden wir ihm einen Schock verpassen. Renesmee, wir beide sind Bella’s Kinder, Tyler, du bist Emmett’s Kind aus erster Ehe, also Rosalie’s Kind, Nic, du bist Alice’s und Jasper’s Kind. Alles klar?“
Alle nickten nur stumm. Wir parkten vor dem Sportgeschäft. „Tyler und Nic, ihr werdet euch nach Footballsachen umsehen. Renesmee, wir beide suchen Wandersachen.“
Wir stiegen aus und gingen unschuldig in den Laden. Ein blonder Mann, Mitte 30, stand an der Kasse und schrieb irgendetwas auf.
„Das da ist Mike. Bleibt in meiner Nähe.“, flüsterte Edward schnell. Wir nickten und verteilten uns dann. Ich tat so, als würden Tyler und ich uns über die verschiedenen Footballhelme streiten. „Sir?“, rief ich schließlich dem blonden Mann zu.
Er hob seinen Blick.
„Könnten Sie uns vielleicht helfen?“
Er nickte und kam zu uns. Ein absoluter Milchbubi. Er sah mir in die Augen, dabei erschrak er.
„Alles in Ordnung, Sir?“, fragte ich. Ihm mussten das Gold aufgefallen sein. So eine Farbe vergaß man bestimmt nicht.
Er nickte. „Cullen.“, keuchte er so leise, dass ich es eigentlich nicht verstanden hätte, wenn ich ein Mensch wäre. Er wurde augenblicklich blass.
„Sie sollten sich setzen.“
Tyler verkniff sich ein Lachen. Mike schüttelte den Kopf. „Entschuldige, wenn ich so unhöflich bin, aber bist du mit jemanden Namens Cullen verwandt?“
Ich wollte gerade ein Ja erwidern, da mischte sich Edward ein. „Da habe ich meinen Namen gehört.“
Mike kippte beinahe um. „Das kann doch nicht möglich sein!“, hauchte er ungläubig. Renesmee biss sich auf die Unterlippe um nicht loszulachen. Ich plapperte sofort weiter: „Kannten Sie zufällig jemanden, der so hieß?“
Er nickte. „Edward Cullen.“, zischte er Edward an.
Edward lächelte freundlich. „Dann kennen Sie also meinen Vater!“
„Du siehst genauso aus wie er.“
Er lächelte. „Darüber war meine Mutter auch nicht gerade erfreut.“
„Das kannst du laut sagen.“, mischte Renny sich ein. „Aber dafür hat sie ja mich.“
Mike sah verwirrt von Renesmee zu Edward und wieder zurück. „Ihr seid ihre Kinder.“
Beide nickten. „Ich bin EJ Cullen und das ist meine kleine Schwester Renesmee Cullen.“, sagte Edward. Ich fragte mich, wie er auf EJ kam.
„Und ihr beide seid?“, fragte Mike seufzend. Er wirkte ein wenig überfordert.
„Tyler Cullen. Sohn aus erster Ehe von Emmett.“
„Also auch Rosalie’s Kind?“
Er nickte. „Sie versuchen es gerade zum zweiten Mal miteinander. Meine Mum hatte sich für zwei Jahre scheiden lassen, aber hat dann doch bemerkt, dass Emmett ihre große Liebe ist.“
Mike nickte und wirkte immer blasser. Er sah mich erschöpft an.
„Nicholas Hale. Sohn von Alice und Jasper.“
„Man sieht sofort die Ähnlichkeit zu Alice.“ Ich verkniff mir wieder das Lachen. Na klar! Ähnlichkeit zu jemandem, der nicht mit einem verwandt war.
Mike lächelte dann. Er schien sich zu beruhigen. „Ich bin Mike Newton. Ein alter Freund von Bella.“
„Mike Newton?“, fragte Edward übertrieben überrascht. „Der Mike Newton? Bella hat mir alles über Sie erzählt. Sie schienen ein guter Freund von ihr gewesen zu sein.“
Ich hätte beinahe skeptisch die Stirn gerunzelt, denn ich kannte die wahre Geschichte.
Mike wurde rot. Ich hörte wie sein Herz schneller schlug. „Wirklich? Vielleicht könnten wir uns dann ja mal treffen. Könntest du ihr das ausrichten?“
Edward lächelte schief. „Kannten Sie meinen Vater gut?“
Mike schluckte und nickte zögernd.
„Dann wissen Sie sicher, wie er reagieren würde, wenn ich meiner Mutter diese Nachricht überbringen würde.“, sagte er zuckersüß.
Es wurde immer schwerer sich das Lachen zu verkneifen.
„Mikey Schatz?“, hörte ich eine Frau rufen. Eine kleine Brünette tauchte an Mike’s Seite auf. Sie sah uns Männer ganz genau an, interessiert wohlbemerkt. „Oh!“, stieß sie überrascht aus. „Wer seid ihr denn?“
„Jessica Stanley?“, fragte Edward überrascht.
Sie hielt ihre Hand hoch und wackelte mit den Fingern, um auf den Ehering aufmerksam zu machen. „Newton. Du siehst aus wie Edward Cullen.“
„Liegt daran, dass ich sein Sohn bin.“
Sie wirkte ein wenig enttäuscht.
„Jess, Schatz, das sind EJ und Renesmee, Bella’s und Edward’s Kinder, Tyler, Emmett’s und Rosalie’s Sohn und Nicholas Hale, Alice’s und Jasper’s Sohn.“
Sie weitete ihre Augen. „Ihr habt eindeutig die Cullen-Augen.“
Wir lachten leise.
„Sind eure Eltern hier? Ich meine, wir könnten uns ja mal treffen.“
„Wir werden es weitergeben.“, meinte Edward nur lächelnd.
„Jetzt müssen wir aber weiter, sonst lässt mich Emmett wieder ein paar Meilen durch den Wald rennen.“, sagte Tyler ironisch.
„Stimmt! Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen.“, sagte ich höflich.
Wir gingen schweigend durch die Tür und stiegen ins Auto. Wir tauschten alle einen neutralen Blick und prusteten plötzlich laut los.
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Ein alter Bekannter
Mary...
„Gute Nacht, Schätzchen!“, rief mir meine Mutter zu, als ich aus dem Badezimmer kam, um in meinem Zimmer zu verschwinden.
„Nacht, Mom!“, rief ich zurück und schloss die Tür hinter mir. Erst schmiss ich die Sachen vom Vortag auf mein Bett, setzte mich an meinen Schminktisch und bürstete mir mein Haar durch.
„Du hast einen guten Geschmack.“, hörte ich eine amüsierte Männerstimme, die zugleich arrogant und selbstverliebt klang, hinter mir.
Ich drehte mich erschrocken um, wobei ich meine Bürste fallen ließ. Ein blonder Mann hatte sich auf meinem Bett breitgemacht. Er lag auf meinem Armanishirt!!!
Ich sprang auf und quietschte ihn an: „Sag mal, hast du sie noch alle? Weißt du eigenltich wie viel dieses Shirt kostet? Anscheinend nicht, sonst hättest du dich nicht darauf gesetzt!“
Blondie sah mich argwöhnisch an. Dabei fielen mir seine roten Augen auf.
„Die sind echt cool. Aber erst einmal: Was willst du hier und woher kommst du?“, keifte ich ihn wütend an.
Er wirkte ein wenig verwirrt. „Äh... ich komme direkt aus Missouri und will mich an meinem Bruder rächen?“
Ich sah seine Klamotten missbilligend an. „In diesem Aufzug?“ Er sah skeptisch auf seine Sachen. Er trug ein schwarzes Shirt und eine schwarze Hose. Dann zog er an seinem Shirt. „Das ist John Varvatos!“, sagte er aufgebracht.
„Na und?“, sagte ich ironisch. „Die Kombination macht’s. Und du siehst aus wie ein Gothic. Das ist sooo out!“
Er schüttelte den Kopf und atmete tief durch. „Du bist Mary Diamond Stewart. Diamond... ein ziemlich überheblicher Name, meiner Meinung nach.“
Sie schnaubte. „Also das geht zu weit. Erst kommst du hier... Wie bist du eigentlich reingekommen?“
„Deine Mutter hat mich reingelassen.“, sagte locker.
So wie er aussah, hätte meine Mutter ihn bestimmt nicht reingelassen. „Du lügst!“
Er hob eine Augenbraue. „Bist du dir da ganz sicher?“
Ich nickte abrupt.
„Liegt daran, dass sie mich nicht freiwillig reingelassen hat.“ Er wirkte total gelangweilt.
„Du weißt ganz schön viel über mich... Wie heißt du eigentlich? Und was habe ich damit zu tun, dass du deinen Bruder rächen willst? Ich meine, ich kenne ihn doch gar nicht.“
Er lächelte schief. „Entschuldige meine Unfhöflichkeit. Jason Benett. Und du kennst meinen Bruder vielleicht nicht, aber seinen Großneffen.“
Ich kniff ungeduldig die Augen zusammen.
„Sagt dir der Name Nicholas Richfield, was?“
Ich nickte schnell. Mein Herz machte einen Satz. Wieso eigentlich? Nic war nur ein ZIEMLICH höflicher Junge und er war verdammt heiß! „Und was ist mit Nic?“
Seine Pupillen verkleinerten sich. „Du wirst mir helfen. Du wirst dich von deinem Freund trennen und dich Nicholas annähern. Ich habe beobachtet, wie er dich anguckt und wird darauf eingehen. Du wirst mit ihm zusammenkommen und zusehen, dass er dich nach Hause einlädt. Ab da komme ich ins Spiel.“
Ich konnte nicht anders, als zu nicken. Ich würde einem wildfremden Mann helfen. Kränker ging’s nicht.
Jason lachte. „Doch es geht.“
Ich runzelte die Stirn. „Hast du meine Gedanken gelesen?“
Er nickte. „Jep!“
Ich wollte ihn gerade anbrüllen, doch es ging nicht.
Er stand plötzlich direkt vor mir und legte seinen Kopf schief. „Küss mich!“, säuselte er.
Ich schlang plötzlich meine Arme um seinen Hals und küsste ihn. Wieso küsste ich diesen Jason? Ich war wirklich bescheuert! Obwohl... Er küsste wirklich gut. Aber ich hatte doch Brandon... Mit dem sollte cih doch sowieso Schluss machen, also was sollt’s?
Jason schnurrte leise und zog sich zurück. „Es ist schön, nach beinahe 17 Jahren vernünftig geküsst zu werden.“
Ich sah ihn fragend an. „Du bist doch aller höchstens... 20?“
Er lachte dreckig. „Ein wenig älter bin ich schon, glaub mir.“ Er schmiss sich wieder aufs Bett und sah mich schieflächelnd an. „Ich bin ein Vampir, weißt du?“
Ich sah ihn wie einen Psychopathen an. Okay, er war ein Psychopath.
„Das habe ich gehört.“ Währrendessen sackte sein Mundwinkel herunter und er hob eine Augenbraue.
Ich wurde rot und sah schuldbewusst auf mein Parkett. Im nächsten Moment fiel mir ein, was er gesagt hatte. „Du willst ein Vampir sein?“, fragte ich ungläubig.
Er schüttelte lachend den Kopf. „Nein, ich BIN ein Vampir. Das ist ein Unterschied.“
Ich runzelte die Stirn und schnaubte. „Beweis es!“
Als ich wieder zu meinem Bett schaute, war er weg. Jemand tippte auf meine Schulter. Ich drehte mich abrupt um. Jason lächelte mich schelmisch an.
Ich war absolut fasziniert. „Wow! Wie hast du das gemacht? Mach das noch einmal!“
Ich blinzelte nur einmal und er war schon wieder weg. Ich sah an den Wänden hoch. Hinter mir ertönte ein melodischer Pfiff. Ich drehte mich wieder um und lachte leise, als Jason wieder grinste. „Das ist echt so cool! Ich will das auch können!“
Er lachte kurz, schon wieder so ein dreckiges Lachen. „Das könntest du.“ Er stand plötzlich wieder vor mir und hob mein Kinn an. „Du wärst bestimmt ein ausgezeichneter Vampir. Du würdest jeden um den Finger wickeln. Das tust du ja jetzt schon! Mein Gott! Du bräuchtest dein Leben noch nicht einmal verändern. Ich meine, du müsstest nur Blut trinken. Der Rest ergibt sich schon.“
Ich war völlig berauscht von der Tatsache ein Vampir sein zu können. Ich meine, Vampire waren verdammt sexy und bekamen alles, was sie wollten. Ich nickte. „Ich will auch einer sein!“
Er strich über meine Wange. „Aber noch nicht jetzt.“
Ich machte einen Schmollmund. „Bitte.“
„Nein, meine Schöne.“ Er küsste meine Kehle. Plötzlich spürte ich einen Stich in meinem Hals. Meine Sicht wurde verschwommen, als ich ein sanftes Saugen spürte. Ich verlor langsam das Bewusstsein, bis ich schließlich einschlief.
***
Nic
Der Samstag verlief ziemlich normal. Emmett, Tyler und ich waren den ganzen Tag am Jagen, damit Tyler und ich den kommenden Abend überlebten.
Nachdem Charles mir die Haare gegelt hatte, hupte es auch schon vor der Haustür.
„Das ist Renesmee.“, stellte Des fest.
Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Nein. Ty holt uns ab.“
Des sah mich mit gerunzelter Stirn an. „Wieso sagt mir das keiner?“
Ich lachte. „Du hast nicht gefragt.“
Sie schlug mir leicht gegen den Hinterkopf.
Wir gingen nach draußen. Ich sah Tylers Wagen entzückt an. Er fuhr einen Maserati GranCabrio. „Genau so einen habe ich dir zugetraut.“, sagte ich und schlug in seine Hand. Er lachte.
Ich sah den Wagen skeptisch an. „So... Vicky? Wo sitzt du?“
Ein Kichern kam von der Rückbank. Ich lachte. „Pass auf! Ich springe!“
Sie gab sich zu erkennen. Mir fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Sie sah einfach nur perfekt aus. Ihr Haar hing ihr locker über die Schulter, doch sie trug eine schwarze Rose in ihm. Sie blinzelte verlegen auf den Boden des Wagens.
„Du siehst atemberaubend aus.“, gestand ich und schwang mich neben sie.
„Danke. Und du bist James Bond persönlich?“, fragte sie schieflächelnd.
„Nein. Meine Name ist Richfield, Nicholas Richfield.“
„Mit der Lizenz zum Töten?“, fragte sie und musste wirklich an sich halten um nicht loszulachen.
Ich kniff grinsend die Augen zusammen. „Das auch. Aber hauptsächlich die Lizenz zum Verführen eines Mädchens durch Tanzen.“
Nun musste sie wirklich lachen. Renesmee schwang sich direkt zwischen uns. „Das werde ich später auf die Probe stellen. Und jetzt hört auf, ihr Turteltauben!“
Ich sah betreten zur Seite. Turteltauben? Spinnte sie? Vicky und ich waren alles, aber keine Turteltauben. Sie hatte sie doch nicht mehr alle! Gut, Vicky war verdammt sexy in ihrem Outfit, aber das hieß nicht, dass wir sofort Turteltauben waren.
Nachdem Des sich auf den Beifahrersitz gesetzt hatte, fuhren wir schweigend zu Mary. Erst dort redeten wir.
„Also, Großer. Einmal bitte die Zeit anhalten.“, sagte Des amüsiert.
Ich verdrehte die Augen. „Aber beeil dich!“
„Vicky, du kannst gleich mitkommen. Dann brauchst du dich nicht unsichtbar machen und deine Energie verschwenden.“
Vicky nickte. Ich schnippte und alle, bis auf die im Wagen saßen, erstarrten.
Wir sprangen alle aus dem Auto und gingen zur Haustür. Renesmee, Tyler und ich blieben vor der Tür stehen. Des öffnete kichernd die Tür und ging mit Vicky rein, die sich sofort unsichtbar machte. Wahrscheinlich wollte sie nicht gesehen werden.
Sobald sie die Tür wieder schloss schnippte ich wieder. Renesmee klingelte.
Mary persönlich öffnete die Tür. Sie hatte das Kleid, dass ich ihr gegeben hatte, tatsächlich an. Ich lächelte sie breit an. Sie grinste zurück. „Hey! Freut mich, dass ihr da seid. Kommt doch rein!“
Wir brauchten noch nicht einmal die Einladungen zeigen. Sie hatte wahrscheinlich einfach nur ein gutes Gedächtnis.
Das ganze Haus war rappelvoll. Die Musik dröhnte überall. Mary stellte sich auf die Zehenspitzen um an mein Ohr zu kommen, damit ich sie hören konnte. Doch sie wusste nicht, dass ich sie auch so verstand. Ich beugte mich runter.
„Bekomme ich den ersten Tanz?“, fragte sie hinterhältig.
Ich lächelte und nickte. Sie ergriff meine Hand und zog mich in einen Raum, der aussah wie ein Wohnzimmer. Es lief richtige Disko-Musik. Sie schmiegte sich wie eine rollige Katze an mich, was mich ehrlich gesagt ziemlich verwirrte, da sie ja einen Freund hatte, und bewegte sich zum Rhythmus.
Ich erhaschte Des’ Blick, die nachdenklich die Stirn runzelte. Das hieß nichts Gutes. Des war nie wirklich nachdenklich.
„Entschuldige mich einen Moment!“, flüsterte ich Mary ins Ohr und eilte zu Des. „Was ist los?“, fragte ich unsicher.
Sie blinzelte ein paar Mal. „Ich habe gerade an Mary geschnuppert. Sie riecht nach Jason und hast du dir mal ihren Hals angesehen?“
Ich schüttelte den Kopf. Jason. Von Charles’ Bruder hatte ich schon viel gehört und meine Vermutung bewahrheitete sich. Es hieß nichts Gutes. Ich sah zu Mary. Dort war ein kleiner Kreis aus Punkten an ihrem Hals. Es waren eindeutige Bissspuren eines Vampirs.
„Du glaubst doch nicht, dass...“, setzte ich an, beendete den Satz aber nicht, denn Des nickte. „Ich glaube, dass er mir einen Denkzettel verpassen will. Er wird dir Mary irgendwie, auf irgendeine Weise wegnehmen und somit auch dich mir.“
Ich sah sie fragend an.
„Guck nicht so! Ich kenne Jason besser, als jeder andere, bis auf Charles. Er ist so kaltblütig. Er wollte es sogar mit mir durchziehen, als ich mich nach meiner Wandlung an nichts erinnern konnte.“
„Hmmm... stimmt.“ Ich beobachtete Mary weiter. Aus dem Augenwinkel sah ich wie Brandon sich zu Mary begab und seine Arme um ihre Taille legte.
Irgendwie störte mich das überhaupt nicht. Das verwirrte mich ein wenig.
Plötzlich wehrte sie ihn ab und keifte ihn an. Brandon wirkte ein wenig überrumpelt.
Mary sah sich kurz um und zog ihn dann wütend mit sich. Ich wollte gerade hinterher, da hatte ich einen blonden Lockenkopf vor Augen. Stacy grinste mich an.
Ich sah prüfend an ihr herunter. Sie sah aus wie -pardon- eine Dorfschlampe. „Hey Nic!“, trällerte sie mich an.
Ich lächelte verbissen. „Hi Stacy.“
Sie ließ ihren Finger über mein Hemd von der Brust aus über mein Bauch gleiten. „Willst du mit mir tanzen?“
Ich knurrte innterlich. Nein, das wollte ich nicht!
„Amüsier dich ruhig!“, flüsterte Des, die wieder neben mir auftauchte. „Ich werde mich um Mary und das „kleine Problem“ kümmern.“
Ich verfluchte sie innerlihc. Hatte sie mich nicht einfach mitschleppen können?
„Ich glaube, Nic hat mir schon einen Tanz versprochen.“ Renny stand neben mir und grinste Stacy arrogant an. Stacy sah giftig zurück. „Stell dich hinten an!“
Gut, einerseits war es schön, wenn sich zwei Mädchen sich um mich stritten, aber andererseits... Mein Gott! Ich war doch auch nur ein Mann!
Renesmee fixierte Stacy mit einem vampirischen Blick. Stacy gab nach, stapfte wütend auf und ging so an Renny vorbei, dass Stacy sie anrempelte. Doch Renny streckte ihren Fuß aus, sodass Stacy stolperte. Sie fiel nach vorne, doch versuchte ihr Gleichgewicht zu halten, indem sie ein paar Schritte nach vorne taumelte, doch das Einzige, was dies brachte, war, dass man eine gute Sicht auf ihren Teletubbie-Slip hatte.
Alle um sie herum fingen an zu lachen. Stacy wurde knallrot und verschwand schnell, damit es nicht noch peinlicher wurde.
Renesmee und ich gingen auf die „Tanzfläche“ und bewegten uns zur Musik.
Nach einer halben Stunde blieb Renny plötzlich stehen. Ich sah sie fragend an.
„Wir werden beobachtet.“, sagte sie leise. Ich sah in die Richtung, in die sie schaute.
Vicky’s schleierhafte Gestalt stand in einer dunklen Ecke. Sie sah auf den Boden.
„Ich bin ihr einen Tanz schuldig.“, sagte ich leise. Renny sah mich verständnisvoll an und lächelte.
Ich ging in die Ecke. „Es lässt sich schlecht tanzen, wenn man sich durchsichtig macht.“, sagte ich leise, allerdings amüsiert.
Erst jetzt bemerkte sie mich und schaute auf. Sie wurde immer durchsichtiger.
Ich lachte leise. „Hey! Du brauchst nicht verlegen sein. Es bin doch nur ich.“
Sie lächelte und ihre Gestalt verfestigte sich. Passend in diesem Moment wurde ein langsames Lied gespielt. Es war eindeutig aus den Neunzigern. Vicky grinste. „Das war früher das Lieblingslied von Tyler, als er noch ganz klein war.“
Ich lächelte. „Ein Grund mehr mit dir zu tanzen.“ Ich nahm ihre Hand und zog sie auf die Tanzfläche. Dort legte ich die Hand um meinen Hals und die andere direkt hinterher. Dann zog ich sie an der Taille an mich und wiegte sie leicht zum Rhythmus.
„Wieso läufst du gehst du eigentlich in einem Smoking zu einer Party für Jugendliche?“, fragte Vicky neugierig.
Ich lächelte, doch als mir der Grund einfiel, schaute ich nur auf den Boden.
„Jetzt hättest du auch gerne meine Gabe, oder?“
Ich nickte lachend. „Ja, sehr gerne.“
Plötzlich stieg mir der Geruch von warmen Blut in die Nase. Er schwebte sinnlich und verführerisch in meinen Lungen.
„Alles okay, Nic?“, fragte Vicky besorgt.
Ich riss mich zusammen, atmete aus und hielt dann die Luft an.
„Du riechst das Blut, nicht?“
Ich nickte wieder und lief dann dem Duft nach, nachdem ich weitergeatmet hatte. Vicky rief beinahe panisch nach Tyler und rannte mir hinterher.
***
Des
Ich lief Mary und Brandon nach. Sie gingen ins erste Geschoss, um eine Ecke, und dann in ein Zimmer. Ich stellte mich an die bereits geschlossene Tür und lauschte.
Sie küssten sich ziemlich drängend, dem Geschmatze nach zu urteilen.
„Warte, Brandy!“, rief Mary plötzlich ein wenig unsicher. „Ich muss mit dir reden.“
Oh oh! Das hieß nichts Gutes.
„Worum geht’s?“, sagte Brandon nichtsahnend.
„Um uns. Ich empfinde nichts mehr für dich.“
Uh! Das war hart!
„Wie...Bitte was?“ Brandon wirkte ein wenig - sehr - überrumpelt. Er tat mir jetzt schon leid.
„Es ist aus, Brandon.“
Ich hörte, wie er zur Tür rannte und versteckte mich deshalb schnell. Er stürmte schnell raus und war einfach weg. Ich wollte gerade wieder runtergehen, da hörte ich die Stimme, die mir immer wieder einen Schauer über meinen Rücken laufen ließ.
„Gut gemacht, Mary! Das war Schritt Nummer 1. Ist dir auch sicher keiner gefolgt?“, hörte ich Jason sagen. Ich hatte seit 16 Jahren nichts mehr von ihm gehört und jetzt traf mich alles wie ein Schlag.
„Ich weiß nicht. Ich denke nicht, dass jemand mitgekommen ist.“, sagte Mary unsicher.
Jason wirkte, als wolle er was sagen, stockte dann aber. „Riechst du diesen Duft?... Ach quatsch! Du bist kein Vampir.“
Mary wusste also über Vampire bescheid. Ich war wirklich verwirrt.
„Egal.“, sagte er dann.
„Und? Beißt mich jetzt wieder?“ Mary wirkte beinahe euphorisch. Jason hatte sie also schon gebissen.
Bevor ich auch nur einmal blinzeln konnte, stand ich in Mary’s Zimmer. Jason hatte mich reingezogen und sah mich nun verträumt an. „Meine Traumfrau.“, sagte er so leise, dass Mary es nicht hören konnte.
Unbehagen tauchte in mir auf. Seine Stimme schnurrte wie vor fast 17 Jahren. Ich riss mich zusammen. „Hast wohl immer noch kein neues Opfer gefunden.“, knurrte ich, während ich mich fragte, wie er mich bemerkt hatte.
Jason lachte auf. „Schon vergessen? Ich kann deinen Geist bestimmen.“
Verdammt!, dachte ich mir. Wenn ich nicht aufpasste, würde er mich komplett beherrschen.
„Das ist nicht auf meinem Niveau.“, sagte er ein wenig -sehr- arrogant.
„Kannst du aufhören meine Gedanken zu lesen?“, fauchte ich.
„Wie wäre es mit einem ‘Hallo Jason! Schön, dich wiederzusehen?’“
Ich sah ihn skeptisch an.
„Unwahrscheinlich. Ich weiß.“, sagte er lächelnd. Er breitete seine Arme aus. „Eine kleine Umarmung ist aber schon drin, oder?“
Ich spürte, wie er meinen Verstand einlullte. Ich gab mich geschlagen. „Okay.“, seufzte ich ergebend.
Er schloss mich in seine Arme und atmete tief ein.
„Wieso bist du so nett zu mir?“, fragte ich. Na ja, es platzte eher aus mir raus.
Er lachte leise und wich zurück. „Wie meinst du das?“
Ich schnaubte. „Du hast mir meinen Tod geschworen, als wir uns das letzte Mal gesehen haben.“
Er seufzte und lächelte sarkastisch. „Ich bin erwachsen geworden. Verzeihst du mir?“
Ich sah unschlüssig auf den Boden.
„Äh Leute? Ist ja schön, dass sich alle wieder liebhaben, aber ich bin auch noch da!“, meldete sich Mary zu Wort.
Jason stöhnte genervt, biss ihr ins Handgelenk und brachte sie zum Schweigen. Er tötete sie nicht. Sie war halt... ohnmächtig.
„Das war jetzt nicht gerade nötig.“, sagte ich leicht gereizt, denn er provozierte mich direkt, denn Mary blutete noch leicht und Jason wusste, dass ich Menschenblut vermisste. Ich hielt die Luft an.
„Doch! Sie nervt mich gerade. Nützlich ist sie eigentlich, aber, aber da meine Pläne jetzt sowieso zunichte sind, dank dir. Übrigens ist sie eigentlich unbrauchbar und den letzen Liter Blut könnte ich ihr auch noch nehmen... oder möchtest du das tun?“
Er sah mich herausfordernd an. Meine inneren Inneren Instinkte schrien nach diesen 1000 ml, doch mein Verstand war noch voll da.
„Was ist...“ Jason wirkte plötzlich ein wenig überrumpelt. Ich sah zur Tür. Tyler, Vicky und Nic sahen uns entsetzt an.
***
Nic
„Was geht denn hier ab?“, fragte Tyler ein wenig verwirrt. Ich hingegen fragte mich erstens, wie es Mary ging und zweitens, wer dieser blonde Kerl war, der neben ihr stand. Ich sah zu Des. Sie stand wie versteinert in einer Ecke und wirkte ziemlich verstört. „Vicky? Bring Des bitte raus.“, sagte ich ruhig. Sie nickte, legte einen Arm um Des’ Schulter und führte sie behutsam raus.
Ich stürmte zu Mary und legte sofort meinen Zeige- und Mittelfinger auf ihre Pulsader. Sie lebte noch.
„Wie die Mutter.“, hörte ich den blonden Mann süffisant sagen.
Ich sah ihn fragend und wütend zu gleich an. „Wer sind Sie?“
Er wirkte überrascht. „Hat dir deine Tante nie etwas von mir erzählt?“
Ich runzelte die Stirn. Was hatten Des und meine Mum mit ihm zu tun?
„Deine Familie hat ziemlich viel damit zu tun. Genaugenommen bin ich sozusagen dein... Großonkel zweiten Grades.“
Ich rechnete nach... kam aber nicht drauf.
Der Mann stöhnte genervt. „Sag mal, was bringt dir eigentlich diese Schule bei? Algebra anscheinend nicht.“
Ich sah ihn fragend an. Wovon redete er eigentlich?
Er seufzte. „Ich lese deinen Geist. Also, ich bin Charles’ Bruder, Destiny’s Schwager und dein Großonkel zweiten Grades. Keine weiteren Erklärungen.“
Ich riss meine Augen auf. „Jason.“, hauchte ich.
Er grinste breit. „Jep. Der bin ich. Und du bist Nicholas, bevorzugst es aber, Nic genannt zu werden. Liege ich da etwa falsch?“
Ich schüttelte geistesabwesend den Kopf. Mir fiel die Story von Jason und meiner Tante ein. „Du wirst mich jetzt doch nicht...“, stutzte ich. Wenn er mich umbringen würde, dann... was weiß ich?
Jason lachte schallend auf. „Ach quatsch! Ich würde dich nie umbringen.“ Er hielt mir seine Hand hin. Ich nahm sie. Daraufhin zog er mich auf die Beine und legte Mary ins Bett. „Sie wird morgen aufwachen und denken, dass sie zu viel getrunken hat. Keine große Sache.“ Er sah mich wieder an. „Du bist Teil der Familie. Ich könnte dich nicht umbringen.“
Ich sah ihn skeptisch an.
Er seufzte erneut. „Klar, dass du mir nicht vertraust. Das ist verständlich. Ich habe ziemliche Scheiße gebaut. Aber das ist jetzt Vergangenheit. Ich will ein neues Leben anfangen und vorallem meien Ruhe haben.“
Nach Des’ Beschreibung hörte sich das nicht nach Jason Benett an.
Jason verdrehte die Augen. „Ja, ich weiß. Für Des bin ich ein kalter, gefühlsloser...“ Jason wollte gerade ausholen, um sich weiter zu erniedringen, da hörte ich plötzlich Charles sagen: „... arroganter, widerlicher und selbstverliebter Bastard.“ Er klang nicht wütend, eher amüsiert. Was suchte er überhaupt hier?
Jason sah ihn verdutzt an. „Ist jetzt der ganze Benett, Richfield, Cullen-Clan hier, oder was?“
Charles lachte. „Fast!“
Jason sah ihn misstrauisch an, als er locker auf ihn zu schlenderte.
„Alles okay mit dir?“, fragte Charles immernoch amüsiert.
„Das sollte ich eher dich fragen. Seit wann kannst du mich leiden?“
„Das Gespräch hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal.“
„Ich weiß. Eben deshalb ja!“
Charles grinste. „Du bist mein Bruder. Ich hasse dich nur aus familiären Gründen.“
Jason lachte auf. „Konntest du mir das nicht so... 150 Jahren früher sagen?“
Charles lachte und schloss Jason in die Arme. „Gut siehst du aus, Bruder!“
Jason grinste. „Ich weiß!“
„Und was hast du hier gemacht? Immernoch Spaß am Stalker spielen?“
Jason setzte ein gespielt entsetztes Gesicht auf. „Also wirklich, Charly. Was denkst du eigentlich von mir?“
Charles lachte.
Ich war nun offiziell verwirrt. „Schlägt mich mal einer? Ich glaub, ich träume!“, sagte ich. Kneifen würde da nicht mehr helfen.
Beide sahen mich verdutzt an. „Wieso sollten wir?“, fragte Charles.
Ich wollte gerade antworten, da sagte Jason plötzlich: „Eine kleine Frage. Wieso bist du ein Vampir? Dein Vater war ein Mensch, deine Mutter ist einer. Wer hat dich gewandelt?“
Ich wusste nicht, ob ich ihm wirklich antworten sollte.
„Carlisle.“, sagte Charles sofort. „Etwas längere Geschichte. Ich erzähl sie dir bei Gelegenheit.“
Jason lächelte schief. „Das brauchst du gar nicht.“
Charles kniff die Augen zusammen. „Du weißt, dass ich es schon immer verabscheute, dass du meinen Geist kontrollierst.“, sagte er schmollend.
Jason lachte. „Ja, das weiß ich allerdings. Und ich weiß auch, wie gerne du jetzt lieber bei Des wärst.“
„Ich fände es toll, wenn ich ihre Gabe hätte.“
Jason lachte. „Da kann ich jetzt auch nichts dran ändern.“
„Was sagen eigentlich die Volturi dazu, dass du hier bist?“, fragte Charles wie ein Vater, der seine Tochter dabei erwischt hatte, dass sie zu spät nach Hause gekommen war, nachdem sie bei einem Date war.
Jason zuckte die Schultern. „Ich habe mich aus ihrem Clan entfernt.“
„Wieso?“, fragte Charles mit zusammengekniffenen Augen.
„Weil ich es langsam satt habe, andauernd den Bimbo von irgendjemandem zu sein. Und dieser Jemand heißt Dimitri.“
„Hattet ihr Streit?“
Jason schüttelte den Kopf. „Charly, ich bin seit über hundert Jahren bei den Volturi. Es wird langweilig.“
Ich stöhnte genervt. „Können wir jetzt bitte gehen? Ich glaube, wir haben schon für genug Aufsehen gesorgt. Und außerdem möchte ich wissen, wie es Des geht.“
Charles’ Miene war plötzlich total besorgt. Na super! Er hatte seine eigene Ehefrau vergessen. Das nannte man einen Ehemann!
Ich ging nach unten. Vicky stand nervös an der Tür. Als sie mich sah, fiel sie mir um den Hals. „Alles in Ordnung mit dir? Ich dachte, dir würde sonst was passieren.“
Ich lachte leise. „Du machst dir also Sorgen um mich?“
Sie wurde wieder leicht durchsichtig und schaute auf den Boden. „Ja, sieht ganz so aus.“, murmelte sie.
„Süß.“ Verdammt! Das war mir so rausgerutscht! „Tut...“
„Nein.“, sprach sie mir dazwischen und lächelte. „Wer ist das?“ Sie machte eine Andeutung mit dem Kopf in Jason’s Richtung. Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung. „Wie hast du... ich darf doch du sagen, oder?“
Jason lachte. „Na klar.“
„Okay, wie hast du das noch mal genannt? Also, ich meine unser ‘Familienverhältnis’?“
„Ich bin dein Großonkel zweiten Grades.“
Vicky nickte mit zusammengekniffenen Augen. „Ja, so in der Art habe ich auch geguckt.“, sagte ich grinsend. „Komm Vic! Wir fahren nach Hause.“
Sie nickte lächelnd.
„Wo sind Ty und Des?“, fragte ich ein wenig besorgt.
„Sie sind draußen am Auto. Des meditiert vor sich hin. Ich glaube, sie macht sich Vorwürfe.“
Ich seufzte. Jep, das würde ein ziemlich lange Nacht werden.
Eine lange Nacht
In der Nacht hatte ich mich aufs Dach gelegt, denn es herrschte ein sternenklarer Himmel.
„Hey!“, hörte ich Vicky von unten leise sagen.
Ich grummelte kurz.
„Darf ich hochkommen?“ Sie wirkte ein wenig unsicher und das fand ich süß, deshalb lachte ich leise. „Klar.“ Ich rückte ein wenig zur Seite, damit sie genügend Platz hatte.
Als sie neben mich sprang, fiel mir auf, dass sie sich bereits umgezogen hatte. Sie trug einen hellgrauen Jogginganzug, der ziemlich eng geschnitten war. Er stand ihr ziemlich gut, wenn ich das mal so denken durfte.
„Was ist los mit dir?“, fragte sie behutsam.
„Ich bin einfach nur... verwirrt.“, seufzte ich und war froh, dass ich jemanden ‘Fremden’ an meiner Seite hatte, mit dem ich über meine Probleme reden konnte.
„Möchtest du mit mir darüber reden?“
Ich drehte meinen Kopf zu Vicky. Der Mondscein schmeichelte den Konturen ihres blassen Gesichts und brachte ihre goldenen Augen zum Leuchten. Ein Schauder lief mir über den Rücken. Sie wirkte wie eine zarte Fee. Aber eine wunderschöne Fee.
Ich schüttelte den Kopf. Vicky konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen. Sie schluckte und wendete das Gesicht von mir ab. Ich stützte mich auf meinen Ellbogen und legte eine Hand an ihre Wange, um sie wieder zu mir zu ziehen. Sie sah mich irritiert und überrascht zugleich an.
Geistesabwesen legte ich meine Lippen auf ihre. Sie erwiderte den Kuss zögernd. Ich strich mit meiner freien Hand über ihren Oberarm und wieder herauf zu ihrer Wange.
Sie keuchte leise unter unseren Lippen. Ich musste schmunzeln und löste meine Lippen von ihren. Gleichzeitig fiel mir ein, dass ich doch Mary begehrte und nicht Vicky.
Was war denn nur los mit mir? Seit ich in Forks war, hatte sich mein ganzer Verstand umgekrempelt. Ich hätte nie zur Schule gehen sollen! Ich hätte nie zustimmen sollen, dass wir nach Forks zogen! Charles, Destiny, Debby und ich hätten nach Minnesota oder sonst wohin ziehen sollen, aber nie und nimmer nach Forks! Ich war nicht mehr ich! Und was tat ich hier überhaupt? Ich küsste Victoria Matthews mitten auf den Mund!
Ich wich, wie von der Tarantel gestochen, zurück und starrte Vicky an. Sie wurde langsam wieder unsichtbar. Sie fühlte sich wohl genauso unbehaglich wie ich. „Ich sollte... gehen.“, sagte sie leise und stand auf. „Wir sehen uns in der Schule.“
Bevor ich etwas erwidern konnte, war sie auch schon verschwunden.
Noch verwirrter, als vorher, sprang ich vom Dach und ging ins Haus. Ziemlich langsam für meine Verhältnisse, muss ich wohl erwähnen.
„Was geht’n mit dir ab?“ Charles riss mich aus meinen Gedanken. Ich schüttelte kurz den Kopf und sah in seine Richtung. Er saß neben Jason auf der großen Couch. Mum und Des saßen gegenüber von den beiden und bewarfen Jason mit kritischen Blicken.
Jason grinste mich wissend an. „Ich weiß es!“
Ich sah ihn böse an. „Ein Wort und du bist Geschichte.“, knurrte ich.
Er lachte und stand im nächsten Moment neben mir. Er legte einen Arm um meine Schulter. „So etwas würde ich ja nie wagen, aber es ist so, als würde dein Geist mich förmlich in deinen Kopf ziehen.“
Ich dachte an einen ziemlich festen Schlag. Jason zuckte zusammen. Das hatte ich gewollt.
„Du hast ziemllich fiese Gedanken.“, bemerkte er und verzog das Gesicht. „Also“, sagte Jason und holte seinen Flachmann aus der Innentasche seiner Lederjacke. Er nippte einmal daran. „Willst du darüber reden oder ist das unser kleines Geheimnis? Ich meine, es geht uns ja alle was an.“
Ich seufzte gereizt. Ihn ging das schon mal gar nichts an.
„Was ist denn los?“, fragte meine Mum ein wenig besorgt.
Jason schlenderte gemütlich und ließ sich auf die Couch fallen. Ich seufzte erneut und ließ mich neben meine Mutter sinken. „Können wir umziehen?“
Alle, bis auf Jason, sahen mich überrascht an.
„Bitte was?! Wir sind doch gerade erst hier!“, regte sich Mum auf.
„Ich glaube, ich weiß, was er meint.“, meldete Charles sich.
Ich sah ihn fragend an.
„Na super, Charles! Jetzt hast du den kleinen Jungen nur noch mehr verwirrt.“, rief Jason gespielt empört. Ihn amüsierte die Situation sichtlich.
„Da stimme ich voll und ganz zu.“, sagte ich geistesabwesend.
Charles stöhnte. „Du bist verwirrt über deine Gefühle...“
Bevor er weiterreden konnte, hatte sich die Haustür geöffnet. Edward kam ein wenig durch den Wind in unser Wohnzimmer.
So! Jetzt war meine Verwirrung perfekt.
Er setzte sich zu Charles und Jason und strich sich kurz durchs Haar. Dann holte er tief Luft. „Ich erklär’s dir.“
„Äh... ja!“, sagte ich einfach mal.
„Dazu würde ich gerne allein mit dir reden.“ Er sah sich kurz in der Gruppe um.
„Dann muss ich wohl nach Seattle verschwinden.“, seufzte Jason.
„Wieso bis nach Seattle?“, fragte Debby neugierig.
„Weil ich sonst alles mithören könnte.“
„Deine Gabe?“, fragte Charles.
Jason nickte. „Kommt jemand mit?“
„Ich bin dabei.“, sagte Des.
„Ich fahr rüber zu den Cullens.“, seufzte Mum. „Ich habe schon lange nicht mehr mit Esme gesprochen.“
Edward wartete bis alle außer Hörweite waren. „Du willst weg.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.
Ich nickte entschlossen.
„Wegen einem Gefühl, dass man...“ Er verzog gespielt schätzend das Gesicht. „... Liebe nennt?“
Ich sah stur auf den Boden. Als ich ausatmete, knurrte ich.
„Jep, so habe ich auch mal reagiert.“, sagte er amüsiert. Im nächsten Moment stand er direkt vor mir, beugte sich zu mir runter und sah mir eindringlich in die Augen. „Hör mir mal zu, mein Freund! Ich habe genau das Gleiche durchgemacht. Mit der Ausnahme, dass Bella damals ein Mensch war.“
Mary ist doch auch ein Mensch., dachte ich mir. Was wollte Edward mir da verklickern?
„Ich habe mit Jasper gesprochen. Er meint, du lügst dir was vor. Du versuchst krampfhaft Mary zu lieben, aber vergisst deine Gefühle für Vicky.“
Diese Aussage musste ich erst einmal verkraften. Edward und Jasper kannten meine Gedanken und meine Gefühle besser als ich. Das war hart.
„Nein, wäre es nicht, wenn du zu deinen Gefühlen stehen würdest.“, sagte Edward sanft. Dann hob er seine Augenbrauen. „Oder soll ich Alice fragen, ob sie dir die Zukunft auch noch erläutern könnte?“
Ich starrte ihn fassungslos an. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?“
Er lachte.
Ich seufzte. „Ist ein Vampirleben immer so schwer?“
Edward lachte immernoch, als er eine Hand auf meine Schulter legte. „Glaub mir! Das ist noch harmlos!“ Er wirkte müde. Was weiß ich woher!
„Geh nach Hause. Sag meiner Mum, dass sie in einer Stunde wieder kommen kann.“
Er blickte mich kurz fragend an, doch nickte dann, als er meine Gedanken gelesen hatte und sah, dass ich allein sein wollte. Ich wartete, bis ich ihn nicht mehr durch den Wald rauschen hörte. Dann sprang ich wieder aufs Dach und legte mich schwer seufzend hin. Ich hatte wirklich ein beschissenes Leben...
„Nic?“, wurde ich sofort wieder gestört. Ich erkannte an der Stimme, dass es Ty war. Die Welt war wirklich gegen mich, denn das würde Ärger geben. Und zwar großen Ärger! Glaubte ich zumindest.
„Ja?“, fragte ich vorsichtig.
„Was ist mit Vicky?“
Ich setzte mich schnell auf und lie mich am Dach runterrutschen, sodass ich direkt vor ihm auf dem Boden landete. „Was soll mit Vicky sein?“, fragte ich (eigentlich wollte ich irritiert wirken, doch die Besorgnis, das ihr etwas geschehen sein könnte war größer.)
„Sie geistert unsichtbar durchs Haus und murmelt die ganze Zeit etwas von dir und, dass das nie hätte passieren dürfen. Was heißt das?“
Wieso bereute sie unseren Kuss? Richtig war er nicht gewesen, aber deshalb musste man ihn doch nicht gleich bereuen. „Wir haben uns geküsst.“, sagte ich kleinlaut und wartete auf einen Schlag.
Ty schnaubte kurz und lachte dann. „Ach sooo! Jetzt verstehe ich das Ganze endlich!“
Ich runzelte die Stirn. „Wie? Das Ganze?“
Er seufzte. „Ich sollte dir das eigentlich nicht sagen.“
Ich hob fragend die Augenbrauen. „Wenn du jetzt schon einmal angefangen hast, kannst du jetzt auch weitererzählen.“
Er nickte zur Tür. „Können wir reingehen? Ist ein wenig frisch hier draußen.“, witzelte er.
Ich schlug ihm leicht auf die Schulter und schob ihn ins Haus. Im Lufen sah ich kurz auf die Uhr und musste seufzen. Es war bereits drei Uhr nachts. Eigentlich wollte ich vor der schule noch jagen gehen, doch das würde ich nicht mehr schaffen, wenn ich die ganze Zeit redete und redete und.... redete.
Ich bin doch kein Psychologe oder Moderator einer Talkshow. Bei dem Gedanken an eine Talkshow, versank ich in einen „Tagtraum“.
„So meine geehrten Damen und Herren. Unser heutiges Thema ist: Liebe auf den ersten Biss oder doch eher Kuss? Unsere Gäste sind Victory Matthews und Nicholas Richfield. Die beiden haben sich vor wenigen Stunden geküsst. Nun wissen beide nicht, ob sie sich ihre Gefühle eingestehen oder sie verstecken sollen, denn da gibst es noch die Highschoolzicke Mary Diamond Stewart, die sich für den jungen, attraktiven Nicholas interessiert. Werden Vicky und Nicholas noch zueinander finden oder kommt ihnen Mary doch in die Quere?“....
„Nic? Nic! Hörst du mir überhaupt zu?“ Ich wurde aus meinem Gedankengang gerissen. Ty wirkte ziemlich wütend. Okay, er hatte gutes Recht dazu.
„Sorry. Ich war kurz... weg.“
Ty lachte. „Ich hab’s gemerkt. Ich habe gefragt, wie du zu Vic stehst.“
Ich sah ihn fragend an. „Ich dachte, du wolltest mir etwas sagen.“
Er verdrehte die Augen. „Ich muss ein wenig ausholen und nachfragen, bevor ich es sage. Also, wie stehst du zu meiner Schwester?“
Ich dachte kurz nach. Ich stellte mir Vicky vor meinem geistigen Auge vor. Ihr wunderschönes Haar, ihre wundervoll Figur und diese Gabe, wenn sie verlegen war...
„Nic!“, stöhnte Ty gedehnt. „Bitte hierbleiben!“
Ich schüttelte den Kopf und entschuldigte mich abermals. „Tut mir leid. Ich habe ein merkwürdiges Gefühl im Bauch.“
Ich merkte, wie sich Ty förmlich ein Lächeln abquälte. „Du bist verliebt.“, stellte er fest. Als ich gerade etwas erwiedern wollte, stürmten Charles, Des und Jason ins Wohnzimmer. Soviel zum Thema: „Wir rennen mal eben nach Seattle.“ Ich wusste, dass es zwei Stunden dauerte nach Seattle zu rennen. Und das war meine Spitzenzeit als Neugeborener. Sie hätten bestimmt zweieinhalb, wenn nicht sogar drei Stunden gebraucht. Und sie waren erst eine knappe Stunde weg gewesen.
Sie hatten mich also dreisterweise angelogen. Ich wollte gar nicht wissen, wer es gewesen war. Sie hätten es alle sein können. Na ja, eher doch nur Des oder Jason. Nein, ich dachte da doch lieber an Jason. Ich wollte gerade die Zeit anhalten, damit ich weiter „in Ruhe“ mit Ty reden konnte, doch da hörte ich meine Tante knurren. „Mein Freund, wag es nicht mich zu versteinern. Du weißt, dass ich dadurch Schmerzen habe.“
Und wie ich das wusste, doch mich nervte es mit der Zeit, dass ich so bemuttert wurde. Wenn ich genau darüber nachdachte, war ich, in den sechzehn (einhalb) Jahren, die ich bereits auf dieser Erde verbrachte, NIE länger als zwei Stunden (pro Woche) alleine. Und selbst da war ich nicht ganz aleine. Jedes Mal spürte ich, dass irgendjemand der Cullens oder meiner Familie in der Nähe war. Und das war ganz sicher keine Paranoia.
Jason legte eine and auf meine Schulter. „Ich regle das.“, flüsterte er zuversichtlich.
Hatte ich es schon mal erwähnt, dass ich es hasste, wenn er meine Gedanken las?
Jason lachte auf. „Hey! Als ob Edward deine Gedanken nicht lesen würde.“
„Er tut es nur, wenn es ihn auch etwas angeht. Sonst nicht. Nicht so wie du!“ Ich warf ihm einen bissigen Blick zu, worüber er nur lachte. „Ich bin es leider gewöhnt, die Gedanken meines Umfelds zu lesen. Ich habe beide Weltkriege erlebt. Meinst du, ich war scharf darauf von irgendeiner Bombe in die Luft gesprengt zu werden?“
Ich sah ihn unberührt an. „Erstens: Der letzte Weltkrieg ist beinahe 80 Jahre her. Genug Zeit um sich das abzugewöhnen und zweitens: Glaubst du ich würde mit einer Bombe auf die losgehen?“
Jason wirkte wirklich verdutzt.
Des lachte. „Dass ich das mal wieder erleben darf. Jason Benett ist sprachlos!“
Jason sah kurz zu ihr herüber, dann wieder zu mir. „Punkt Eins: Es könnte jeder Zeit ein neuer Krieg ausbrechen und dann wäre ich nicht in Übung und Punkt Zwei: Wenn ich das genau verstehe, würdest du es gerne tun, also ja, ich WEISS, dass du mit einer Bombe auf mich losgehen würdest, wenn du eine zur Hand hättest.“
Nun wusste ich wirklich nicht mehr, was ich sagen sollte. Das hatte gesessen. Und das Schlimmste war, er hatte auch noch Recht.
„Ich glaube, da habe ich mich geirrt.“, hörte ich Des murmeln. „Jay ist immernoch der Alte.“
„Freut mich, dass du dich an unsere Zeit erinnerst, Des.“, säuselte Jason süffisant.
Des verdrehte die Augen. „Dieser Kerl hat auch echt nur drei Dinge im Kopf: Blut, Sex und alles was mit Frauen zutun hat, und er selbst.“
Jay wirkte einen Moment, als wäre er älter als 150 Jahre. Eher wie 1000 Jahre. In diesem Augenblick hätte ich sehr gerne gewusst, was ER dachte. Er sah kurz auf den Boden, holte seinen Flachmann wieder raus und trank einen gehörigen Schluck.
„Ty wollte mir gerade etwas sagen, doch da seid ihr reingeplatzt und jetzt wird er mir es bestimmt nicht sa...“
„Deine kleine Vampirschnecke hat sich in dich verliebt.“, sagte Jason total unberührt und kippte sich ein wenig Blut aus einem Blutbeutel in den Flachmann. Dabei wirkte er wirklich konzentriert.
Ich sah fassungslos von Jason zu Ty und wieder zurück. „Was?“
Ty verdrehte die Augen. „Er hat Recht. Vicky hat sich in dich verliebt. Und zwar schon so ziemlich seit sie dich das erste Mal gesehen hat. Nur du weißt, wie schüchtern sie ist. Deshalb hat sie nie etwas gesagt.“
In meinem Kopf drehte sich alles und mein Magen schien Saltos zu machen. Victoria Matthews liebte mich, Nicholas Richfield. Was sollte ich dazu sagen?
„Am besten gar nix.“, sagte Jason leicht angwidert. Er wirkte, als würde er sich gleich übergeben. „Renn zu ihr, bevor sie weg ist!“ Das war eindeutig Sarkasmus. Aber er hatte verdammt nochmal Recht! Ohne die Blicke der anderen zu beachten, rannte ich aus dem Haus in den Wald. Ich hörte Jason noch immer angewidert trällern: „Lauf Forrest! Lauf!“
Der Kerl hatte wirklich noch nie seine Gefühle gezeigt. Aber das war jetzt egal. Ich wollte einfach nur noch zu Vicky. Und mehr nicht!
„Vicky?“, rief ich, als ich am Matthew’s Haus angekommen war. Schon als ich den Duft von Vicky in meiner Nase spürte, der von dem Haus ausging, flammte etwas in mir auf. Es war eine Art Glücksgefühl. „Vicky?“, rief ich abermals, hörte aber nichts. Ich stürmte ins Haus. „Vic?“ Ich hielt die Luft an und horchte. Immernoch nichts.
Wo konnte sie nur sein?
Als ich gerade innerlich niedergeschmettert wieder gehen wollte, hörte ich ein Knirschen. Ich horchte wieder auf. Nun hörte ich ein vertrautes „Bum-Bum“. Ich runzelte nachdenklich die Stirn. Eindeutig ein Herzschlag.
Dann hörte ich ein leises Aufkeuchen. Ich folgte dem Geräusch, natürlich so leise, dass mich keiner hörte. Es führte mich in Vicky’s Schlafzimmer. Vorsichtig öffnete ich die Tür und sah mich um. Keiner da!
Ich hörte noch einmal genauer hin. Der Herzschlag wurde schneller. Dann war ich schon mal in der Nähe. Wenn ich mich nicht irrte, war jemand direkt hinter der Tür.
Ich schloss meine Hand um den Türgriff. Ich merkte, wie meine Finger leicht zitterten. Mein Gott! Ich bin ein Vampir! Mich kann nichts so schnell kaputt machen. Hoffte ich zumindest. Emmett würde mich wahrscheinlich jahrelang auslachen, wenn er mich so sehen könnte.
Ich zog mit einem Ruck die Tür zu mir und starrte in die Ecke dahinter. Da stand niemand! Ich litt anscheinend doch an einer seltenen Art von Paranoia. So weit ich wusste, konnten Vampire eigentlich nicht krank werden. Aber psychisch krank konnte einer doch werden, oder?
Ich seufzte, strich mir kurz durchs Haar und drehte mich um. Ich zuckte zusammen, als Mary auf einmal vor mir stand. „Mein Gott! Du hast mich aber erschreckt! Was machst du denn hier?“
Sie lächelte leicht. Ihre Haut war ziemlich blass. Verständlich, wenn man den starken Blutverlust von vor wenigen Stunden bedenkt. Aber sie sah wirklich aus, als würde sie jeden Moment tot umkippen. „Tut mir leid. Ich wollte Victory besuchen.“
Ich sah verdutzt auf die Uhr. „Mary? Es ist vier Uhr morgens. Als ob du sie besuchen willst.“
Mary sah auf den Boden.
„Du solltest eigentlich im Bett liegen und schlafen.“, sagte ich besorgt. Okay, ich sollte an meiner Ausdrucksweise arbeiten. Das sollte nicht besorgt, sondern gereizt, genervt oder wie auch immer klingen, aber in keinem Fall positiv.
Mary lehnte sich an mich und sah mich verführerisch an. Zumindest sollte dieses hilflose Geklimper so wirken. „Kommst du mit?“
Ich sah sie argwöhnisch an. „Nein.“, sagte ich entschlossen. Hey! Das war doch schon mal ein Anfang. Na ja, wieder zur eigentlichen Sache.
Gott! Was war mit ihr los? Erst war sie hin und weg von Brandon und jetzt auf einmal interessierte sie sich für mich. Was ging mit ihr ab? Stand sie unter Drogen? Oder war sie etwa betru... Jason! Natürlich! Er war bei ihr gewesen und ich wette, er hatte sie hypnotisiert.
Ich stöhnte genervt. „Komm! Ich bring dich nach Hause.“ Nachdem wir einen kleinen Umweg gemacht hatten.
Sie versuchte sich zu widersetzen, doch für mich fühlte es sich an, als wenn ein Mensch eine Maus hochheben würde.
Ich schmiss sie über meine Schulter und lief die Treppe runter. Mary strampelte kurz, aber als sie merkte, dass es keinen Sinn machte, ließ sie sich fallen.
Vicky ganz vergessen, lief ich in meinem normalsten Tempo nach Hause.
Im Wohnzimmer war nur noch Jason, der, als er mich sah, amüsiert grinste. „Ich würde sagen, das ist das falsche Mädchen oder bringst du dein Essen jetzt schon nach Hause? Aber nein, du bist ja Vegetarier.“ Das letzte Wort betonte er missbilligend. „Wer hat dir das eigentlich eingeredet?“
Ich dachte kurz nach. „Charles. Na ja, und die Cullens.“
Jason schnaubte. „Das war ja so klar. Einmal in deinem Leben Menschenblut zu dir genommen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß, was es aus Des gemacht hat. Diese Abstinenz hat sie am Anfang beinahe um den Verstand gebracht. Das wurde mir zumindest erzählt. Ich weiß nur, dass sie jetzt immernoch Probleme damit hat.“
Jason lächelte leicht. „Sie war damals richtig temperamentvoll und so heiß. Aber jetzt ist sie zahm und eigentlich könnte man sie in ein Kloster stecken, ohne, dass sie auffällt.“
Ich musste beinahe lachen, doch da fiel mir Mary wieder ein. Ich setzte sie aufs Sofa und lehnte mich entspannt gegen die Haustür. „So, Onkel. Ich fände es nun wirklich nicht schlecht, wenn du ihren Verstand wieder so zurichten könntest, dass sie so ist wie vorher. Arrogant, eingebildet und in sich verliebt.“
„Wieso sollte ich? Sie ist doch lustig.“, lachte Jason.
Ich knurrte ihn böse an. Mary sah mich erschrocken an. Zwei Sekunden später hatte si sich aber wieder gefangen und nickte leicht. „Stimmt ja. Vampire. Wann werde ich eigentlich einer, Jason?“
Ich sah ihn fragend an. „Du hast ihr versprochen, sie zu verwandeln? Sag mal tickst du noch ganz sauber?“
Jason verdrehte die Augen. „Das frage ich mich allerdings auch.“, murmelte er leise.
Dann sagte er zu Mary. „Bald, meine Schöne. Bald.“
„Und außerdem, Nic. Du hast gesagt, du würdest mich nach Hause bringen. Das sieht mir nicht nach meinem Zuhause aus.“
Klugscheißerin, dachte ich mir.
„Hätte ich jetzt nicht gedacht.“, sagte Jason gespielt erschrocken.
„Ich bringe dich ja gleich dorthin. Also erst, wenn Jay seinen Job erledigt hat.“
„Ach jetzt ist es auch schon mein Job!“ Er lachte. „Was kriege ich denn dafür? Ihc meine, es ist ja mein Job, also muss ich ja bezahlt werden.“
„Noch nichts vom Ehrenamt gehört?“
Jason wirkte kurz nachdenklich. „Nein. Kenn ich nicht. Solle ich?“
Ich stöhnte genervt.
„Also! Was kriege ich dafür?“
Da ich nicht wusste, worauf er hinaus wollte, fragte ich vorsichtig: „Was willst du denn?“
Er lächelte zufrieden. Jep. Darauf wollte er hinaus. Er wollte nur, dass ich ihm die Wahl gab.
Ich wollte gerade um Bedenkzeit bitten, als Jason auf die Uhr schaute und murmelte: „Was zum...“
Ich sah ihn fragend an und mein Körper wiegte sich schon in Angriffbereitschaft.
Jason straffte seine Schultern. Nicht gerade weit entfernt höre ich ein Auto. Eine typische Familienkutsche, dem Geräusch nach zu urteilen.
„Was geht hier vor?“, fragte Mary verwirrt.
Jason beugte sich im nächsten Augenblick über Mary. „Du wirst durch den Wald nach Hause gehen und deinen Eltern sagen, dass du einen Spaziergang zum Ausnüchtern gemacht hast.“
Mary nickte einmal und ging.
„Darüber werden wir noch sprechen.“, sagte Jason ernst. Dann stellte er sich an die Treppe. „Debby!“, rief er laut. Daraufhin sagte er im normalen Ton: „Charles? Des? Eric kommt!“
Auf einmal stand Des neben mir. Sie hatte noch ihr Kleid von der Party an. „Willst du mich...“, keuchte sie, hörte dann aber den Wagen.
Jason sagte nichts, doch seine ausholende Geste sagte: „Was habe ich dir gesagt?“
Des musste sich hinsetzen. Charles streichelte ihr die Schulter. „Wieso?“, fragte Charles nur.
Jason wirkte ein wenig nachdenklich.
„Jason Benett! Ich rede mit dir!“, knurrte Charles.
„Ich weiß! Ich bin nicht taub!“, zischte er zurück. „Ein Mensch.“, sagte er dann verblüfft.
Charles verdrehte die Augen. „Ich weiß, dass er ein Mensch ist.“
Jason schüttelte den Kopf. „Nein, nein! Da ist noch ein Mensch.“
Des sprang auf und musterte Jason eindringlich. Er stöhnte genervt. „Na super!“ Er trank einen Schluck Whiskey. „Noch eine Liebesstory.“
„Was? Könnte mal jemand Klartext reden?“, fragte ich gereizt.
„Eric bringt seine ‘Freundin’ mit.“ Er nahm einen weiteren Schluck. „Dann muss ich mich ja beherrschen.“ Er wackelte mit den Augenbrauen.
„Was? Wie? HÄ?!“ Des war völlig verwirrt. „Freundin? und wieso hast du das so merkwürdig betont?“
Jason kippte sich die Flasche in den Mund, zuckte vielwissend die Schultern und setzte sich erwartungsvoll stöhnend aufs Sofa. Er sah zur Tür, als wäre sie eine Kinoleinwand. „Weiß sie, dass wir sind, was wir sind?“, fragte Charles hektisch.
„Wer weiß.“, antwortete er theatralisch.
Meine Mutter kam übermüdet die Treppe runter. Kein Wunder bei einem Haus voller Vampire. „Was ist denn hier los?“, fragte sie gähnend.
„Eric steht vor der Tür.“, sagte Des knapp. Meine Mutter war schlagartig wach. „Eric Richfield?“
Charles nickte.
Ich hörte wie der Motor ausging und jemand ausstieg. Dann sprang ich zur Tür und wartete. Als ich hörte wie Eric zum Klopfen ausholte, öffnete ich die Tür mit einem heftigen Ruck und sagte grinsend: „Hallo!“
„Nic?“, fragte Eric, der mich verwirrt ansah.
„Tag, Großcousin.“
Er schnaubte kurz überrascht und umarmte mich dann. Er flüsterte leise: „Seit wann?“
„Erzähl ich dir später!“, flüsterte ich zwinkernd.
Er wirkte zwar ein wenig geschockt, doch als er Des sah, lief er zu ihr und drückte sie fest an sich. Wir hatten uns alles schon seit vier Jahren nicht mehr gesehen.
Charles drückte ihn kurz an sich und meine Mum drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
Dann sah er Jason. „Ach nein! Wen haben wir denn hier?“, fragte Eric sichtlich amüsiert.
Jason stand auf und grinste schief. „Den Bruder deines Schwagers.“
Eric lachte und umarmte ihn kurz. „Schön, euch alle beisamen zu haben. Ich möchte euch jemanden vorstellen. Sie weiß nix... davon! Also bitte passt auf.“
Wir nickten.
„Süße!“, rief er nach draußen.
Ein Mädchen, das wie eine blonde Fee aussah, kam reingeschwebt und lehnte sich sofort an Eric. „Hey!“, sagte sie leise.
„Leute, das ist Jenna. Jenna, das sind...“
Jenna unterbrach ihn grinsend. „Stopp! Ich möchte wissen, ob ich das hinkriege.“ Sie zeigte auf Des. „Jung, blass, dunkelhaarig. Eric’s kleine Schwester Destiny?“
Des nickte. Ich musste mir das Lachen verkneifen. Kleine Schwester! Ja sicher!
Dann zeigte sie auf Charles, der direkt neben Des stand. „Dann bist du sicher Eric’s Schwager Charles.“
Charles lächelte.
Sie sah zu Mum. „Debby? Eric’s Cousine?“ Mum lächelte ebenfalls. „Ja, die bin ich.“
Sie sah zu mir und grübelte. „Du siehst nicht aus, wie Eric dich beschrieben hat, aber ich denke, du bist Nic.“
Ich nickte einmal lächelnd und schielte zu Eric. Er hob verzweifelt die Schultern und machte das passende Gesicht dazu. Ein typischer Woher-sollte-ich-denn-bitte-wissen-dass-du-ein-Vampir-bist-Blick.
Ich schüttelte lächelnd den Kopf. Dann blickte sie zu Jason. Er war mittlerweile aufgestanden und wirkte so, als wäre er kurz davor loszulachen. Er las eindeutig ihre Gedanken.
„Du wirkst arrogant, selbstverliebt und sehr von dir überzeugt. Du bist eindeutig Jason.“
Er machte eine übertriebene Verbeugung und lächelte schief. „Stets zu Diensten, gnädiges Fräulein.“ Dabei wirkte er sarkastisch, wie immer. Jenna betrachtete ihn argwöhnisch. „Ähm, trägst du Kontaktlinsen?“
Wir alle rissen unsere Augen auf. Oh oh! Sie war verdammt aufmerksam. Obwohl, Jay’s Augen sprangen einem förmlich entgegen.
„Ich weiß nicht, was du meinst.“, sagte Jason gespielt fragend.
Ich spürte die Anspannung, die von Eric, Des und Charles ausging, denn sie wussten alles, zu was Jason fähig war.
„Sie sind rot. Keiner hat rote Augen.“, sagte Jenna und ließ es klingen, als würde sie an ihren Fähigkeiten des Sehens zweifeln.
Jetzt war es an der Zeit einzugreifen. Ich musste improvisieren. „Ähm Jay? Du wolltest mir doch noch was zeigen... an dem Auto.“ Auto? Im Morgengrauen? Ja sicher! Was Dümmeres hätte mir nicht einfallen können.
Jason musterte mich gespielt fragend. „Ich verstehe nicht.“
Ich wollte es nicht so weit treiben, aber ich sah keinen anderen Ausweg. Ich ging, so langsam, wie es mein vampirischer Zorn zuließ, zur Bar und nahm Jay’s Whiskey, der übrigens über 10.000 Dollar wert war und ging zur Tür. Dann wedelte ich kurz mit der Flasche. „Mitkommen, oder wir haben morgen besoffene Rehe in Forks.“, sagte ich bestimmt, aber so, dass ich ihm noch die Auswahl ließ.
Eric verkniff sich das Lachen. Jenna sah verwirrt von Jason und mir.
Jay sah mich aus zusammengekniffenen Augen an. Ich hob meine Augenbrauen.
„Das wagst du nicht!“, knurrte Jay wütend.
Ich lächelte triumphierend und sah kurz nach draußen. Dann sah ich ihn schätzend an. „Ich glaube, Bambi wartet schon.“
Jason kam bestialisch auf mich zu. Das würde nicht nett werden.
„Lauf schon mal vor und genieße die frische Brise, bevor ich dir den Kopf abreiße!“, murmelte er.
Ich verzog amüsiert das Gesicht. „Oh oh!“ Dann rannte ich aus dem Haus in den Wald. Ich hörte noch wie Jenna fragte: „Der Alkohol ist sein bester Freund, oder?“
Ich lachte leise. Jep, das war er!