Neue Eindrücke
„Mum, ich möchte aber so gerne zur Schule gehen.“, rief ich meiner Mutter zu, die mich die ganze Zeit kritisch beobachtete.
„Nicholas Lucas Richfield! Ich habe es dir bereits gesagt! Du wirst nicht zur Schule gehen. Nicht in diesem Zustand!“, brüllte sie aufgelöst.
„Nur, weil ich ein Vampir bin, heißt das noch lange nicht, dass ich kein Recht darauf habe zur Schule zu gehen. Selbst Renesmee darf hin. Nur ich wieder nicht!“
„Alles, was du lernen musst, lernst du bei Carlisle.“, sagte sie trotzig.
Ich knurrte leise. Sie hob drohend den Zeigefinger. „Pass auf, mein Freund! Hier gibt es kein Vampirgetue!“
Ich schnaubte auf und rannte aus dem Haus. Meine Mutter schrie mir noch hinterher: „Nicholas! Ich meine es ernst! Du kommst sofort nach Hause!“
Ich ignorierte sie und rannte stattdessen durch den Wald zu den Cullens. Ich verstand mich absolut gut mit Renesmee, Bella’s und Edward’s Tochter. Man könnte sogar sagen, dass wir beste Freunde sind.
Sie wartete auf der Veranda auf mich. Ich sprang zu ihr und wirbelte sie kurz durch die Luft. Sie kicherte. „Hey Großer! Alice hat mir gesagt, dass du auf eine Sprung vorbeikommst. Und sie hatte recht.“
Ich lachte. „Alice hat immer recht.“ Ich sagte das extra ein wenig lauter, damit Alice mich auch in jedem Fall hörte.
„Ich weiß!“, rief sie aus dem zweiten Stock.
„Was ist denn los? Irgendwie wirkst du ein wenig genervt.“, bemerkte Renesmee leise.
Ich stöhnte genervt und ließ mich auf eine Bank fallen. Renesmee hockte sich vor mich und nahm meine Hände in ihre. „Wieder Stress mit deiner Mutter?“, seufzte sie.
Ich nickte. „Sie will mich einfach nicht zur Schule lassen.“
„Vielleicht sollte meine Mum mal mit ihr reden. Oder mein Dad. Oder noch besser! Mein Dad und Jasper! Und wenn dann noch Des dabei ist, dann kann sie nicht anders, als Ja sagen.“
Ich lächelte und strich ihr Haar aus dem Gesicht. „Das ist lieb von dir, Kleine, aber ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Das würde nur noch mehr Ärger bringen.“
Renesmee nickte nachdenklich. „Hmmm... da hast du vermutlich recht.“
Ich hörte wie ein Wolf sich näherte. „Jake kommt.“, stellte ich fest.
Renesmee sprang freudig auf. „Cool. Ähm, Emmett hat gesagt, dass ich dir bescheid sagen soll, dass wenn du vorbeikommst, du zu ihm kommen sollst.“
Ich nickte einmal und ging ins Haus. Emmett saß vor dem Fernseher und sah sich ein Footballspiel an. Er wirkte glücklicher als sonst. Ich schwang mich neben ihn und grinste. „Na, wie läuft das Spiel?“
„Wir gewinnen!“, sagte er und wackelte mit den Augenbrauen.
„Renny sagte, du willst mit mir sprechen?“
Er lächelte. „Klar! Genau! Was hältst du davon, wenn ich dir Forks ein wenig zeige? Historisch gesehen.“
Ich sah ihn schief an.
„Was?“, fragte er verwirrt.
„Emmett und Geschichte?“, fragte Jasper, der gerade die Treppe runterkam. Er lächelte ungläubig.
„Ich meine auf Edward-Bella-Basis.“, sagte Emmett grinsend.
Jasper grinste breit. „Oh ja! Hey, ich komme mit. In alten Erinnerungen schwälgen.“
Emmett verzog das Gesicht. „Seit wann bist du so sentimental, Bro?“
Jazz lachte leise. „Was willst du ihm denn zeigen? Unser altes Haus kennt er ja schon.“
„Was? Ihr habt hier schon mal gelebt? Wie lange ist das her?“, fragte ich total neugierig.
Jasper setzte sich auf den Wohnzimmertisch. „Das war vor ziemlich genau 18 Jahren.“ Ich starrte ihn mit offenen Mund an. „So lange ist das schon her?“
Er nickte. „Ich bin mir aber ganz ehrlich nicht sicher, ob das so eine gute Idee war, jetzt schon wieder zu kommen. Ich meine 18 Jahre sind nicht viel.“
Emmett schlug ihm leicht auf die Schulter. „Ach Bro! Menschen vergessen.“
„Das hat Edward auch von Bella gedacht.“, sagte Jasper und hob eine Augenbraue.
Emmett kniff die Augen zusammen. „Ich weiß.“ Seine Miene hellte sich auf und er grinste mich breit an. „Also?“
Ich nickte. „Klar, das hört sich wirklich gut an. Wann wollen wir los?“
„Wie wäre es mit... jetzt?“
Ich sprang auf. „Auf geht’s!“ Als ich zur Tür rausstürmte, hörte ich noch Jasper zu Emmett flüstern: „Meinst du, wir sollten Bella nicht auch fragen?“
„Nicht heute. Das soll lieber Edward mit ihr machen, findest du nicht?“
„Hmmm“
Von Renesmee und Jake war nichts mehr zu sehen. Soweit ich hörte, rannten sie durch den Wald.
„Wir sollten uns zivilisiert benehmen. Welcher Wagen?“, fragte Emmett und blickte Jasper verschwörerisch an. Dann drehte er sich zum Haus und schaute zum Fenster des ersten Stockes.
„Vergiss es, Em!“, rief Edward von oben.
Ich sah Emmett fragend an. „Was?“
„Ich habe ihn gefragt, ob er mir seinen Vanquish gibt.“
„Fällt das nicht ein wenig auf?“, fragte ich und stellte mir vor, wie ein Vanquish durch dieses verschlafene Örtchen von Forks fuhr.
„Nic, Nic, Nic.“, seufzte Emmett und legte einen Arm um meine Schulter. „Du musst noch einiges lernen. Wir sind die Cullens.“
„Das weiß ich. Ich bin ein Richfield! Schön, dass wir das geklärt haben.“
Emmett lachte leise und schaute wieder zum Fenster rauf. „Edward! Ich flehe dich an!“
„Nein!“, kam es von oben geknurrt.
Da fiel mir etwas in meiner Hosentasche auf. Ich sah Emmett verschwörerisch an. „Sag mal, geht auch ein Jaguar?“
Es blitzte in seinen Augen auf. „Destiny?“
Ich nickte und wedelte mit dem Schlüssel in der Hand. Emmett wollte nach ihm greifen, doch ich war schneller. „Ich habe den Schlüssel. Ich fahre.“
„Aber..“, setzte Emmett an. Jasper nahm ihn mir weg. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.“
Emmett und ich sahen ihn fassungslos an, doch Jasper war schon losgerannt. Emmett und ich wechselten einen Blick und rannten hinterher. Klar, wir mussten zu mir nach Hause rennen um den Jaguar aus der Garage zu holen.
Jasper, Emmett und ich kamen gleichzeitig an. Ich legte einen Finger auf meine Lippen, als Zeichen dafür, dass sie leise sein sollten, damit meine Mum auch ja nix mitbekam.
Aber bei Vampiren war das ja auch nicht so schwer, leise zu sein. Nur ein Jaguar war nicht gerade jemand, der sich rausschlich. Jasper schwang sich auf den Fahrersitz. „Meinst du, Des wird was dagegen haben?“, fragte er skeptisch.
Ich sah ihn an, als wäre er ein Kindergartenkind. „Fahr einfach!“
Emmett machte sich auf der Rückbank breit. „Genau, Bro!“
Jasper gab Vollgas, wobei Emmett auf den Boden segelte. Jazz und ich fingen an zu lachen.
Nach knapp fünfzehn Minuten sah ich das Willkommensschild von Forks.
„Dann fangen wir mal an!“, seufzte Jasper und hielt an einem kleinen Haus, das ziemlich schnuckelig und gemütlich schien. „Hier hat Bella gewohnt. Da oben, das Fenster links, das war ihr Zimmer. Edward war jede Nacht dort und hat ihr beim Schlafen zugesehen. Emmett hat ihn für bescheuert gehalten, aber es war halt wahre Liebe.“
Im nächsten Moment hörte ich wie die Autotür zuschlug und sah, wie Emmett zur Haustür schlenderte.
„Nein!“, rief Jasper und sprang aus dem Wagen. Ich stieg ebenfalls aus. Emmett, sah, dass Jasper ihm in Vampirgeschwindigkeit folgte, grinste schief und rannte zur Tür, wo er dann klingelte.
Jasper knallte ihm eine in den Nacken. „Bist du denn völlig..?“ Er brach ab, denn die Tür hatte sich geöffnet. Mittlerweile war auch ich angekommen und sah einen Mann Mitte 60 vor mir. Er sah Jasper und Emmett verwirrt an. „Emmett Cullen und Jasper Hale?“, fragte er ungläubig.
Emmett grinste breit. „Stets zu Diensten, Sheriff!“ Er salutierte. Jasper lächelte freundlich. „Wir dachten, dass wir Ihnen einen kleinen Besuch abstatten.“
„Das ist wriklich nett von euch. Wie oft habe ich euch gesagt, dass ihr mich Charlie nennen sollt?“ ‘Charlie’ trat einen Schritt zur Seite und bat uns herein.
„Entschuldige, Charlie. Das ist noch die alte Angewohnheit.“, sagte Jasper.
„Und wen haben wir hier?“, fragte Charlie und lächelte leicht.
„Oh, wo sind denn unsere Manieren? Das ist Nicholas Richfield. Er gehört im entfernten Sinne zu uns.“
„Ihr wisst, dass ich keine Details hören will, aber mich interessiert schon, wie ihr ihn kennengelernt habt.“
Wir setzten uns ins Wohnzimmer. Es war alles ziemlich gemütlich eingerichtet und im Fernseher lief gerade ein Baseballspiel.
„Das ist eine ziemlich lange Geschichte.“, sagte Emmett und fixierte den Fernseher mit einem langen Blick.
„Ich habe Zeit.“
„In Ordnung, wie du willst. Wir waren in New Hampshire, als sich uns Charles Benett anschloss. Kurze Zeit später verliebte er sich in Destiny Richfield und sie schloss sich uns auch an, aber plötzlich tauchte ihre Cousine Debby Richfield auf, die schwanger war. Ja, und das ist dabei rausgekommen.“, erklärte Jasper und deutete auf mich. „Das war die Kurzfassung. Die lange wäre wieder viel zu kompliziert.“
Charlie räusperte sich. Ich hörte, wie sein Herz schneller ging. „Ist meine Bella auch hier?“, fragte er leise.
Jasper lächelte leicht und nickte dann.
„Edward auch?“
Emmett lachte. „Hör mal, Charlie. Glaubst du wirklich, dass Bella alleine mit uns hierher kommen würde?“
Er lachte. „Nein, das garantiert nicht. Seit ihr also alle hier?“
Emmett und Jasper nickten.
Charlie strahlte bis über beide Ohren. „Das ist ja wirklich schön. Ihr habt euch so lange nicht mehr blicken lassen. Wie lange bleibt ihr denn?“
„So das eine oder andere Jahr.“, sagte Emmett leicht hin.
Charlie’s Augen blitzten. „Kommt ihr mich denn alle mal besuchen?“
Emmett stand auf und klopfte ihm leicht gegen die Schulter. „Wenn dein Haus nicht zu klein ist.“
Charlie schlug zurück. „Hey, wir wollen nicht unhöflich werden, mein Freund.“
„Wir sollten langsam weiter. Ich denke, du wirst Charles und Destiny noch ziemlich sicher kennenlernen. Alice würde Des sowieso hierherzerren.“
„Ach, die liebe Alice! Wie sehr ich sie doch vermisse.“, seufzte Charlie.
„Wir kommen bald vorbei. Versprochen, Charlie.“, sagte Jasper, der sich mittlerweile ebenfalls erhoben hatte.
Ich stand auf und gab Charlie die Hand. „Es hat mich gefreut Sie kennenzulernen, Sir.“, sagte ich höflich.
„Für dich natürlich auch Charlie.“, sagte er lächelnd.
„Danke.“
Wir stiegen wieder in den Wagen.
„Sag mal hast du noch alle Tassen im Schrank, Emmett? Du weißt ganz genau, was Bella und Carlisle gesagt haben! Keine Besuche bei alten Freunden!“, rastete Jasper aus.
„Genau genommen ist Charlie ja kein Freund. Er gehört zur Familie.“
Jasper stöhnte genervt. „Du weißt ganz genau wie das gemeint war, Em! Du bist mittlerweile fast 100 Jahre alt! Klar wusstest du, wie es gemeint war!“
Emmett lachte leise. „Ach komm, Jazz! Es wäre so oder so irgendwann aufgefallen. Und Charlie wäre dann ziemlich sauer auf uns.“
Jasper schwieg.
Wir fuhren weiter. Ein weiteres Schild begrüße uns: „Forks Highschool“.
„Das ist wahrscheinlich deine neue Schule. Genauso wie Nessie’s.“, sagte Emmett grinsend. „Hach Jazz! Weißt du noch, wie es war, als wir hierher gegangen sind? Die großen bösen Cullens, die keinen mögen?“
Jasper lächelte zerknirscht. „Ich weiß nur, dass alle ziemlich gut gerochen haben.“
Schüler verließen gerade die Schule.
„Ist das da hinten nicht Ben, Angela’s Freund von damals?“, fragte Emmett mit zusammen gekniffenen Augen.
Jasper nickte. „Ja, ist er. Meinst du, er unterrichtet hier?“
Emmett zuckte die Schultern. „Sieht so aus!“
„Wow! Wie die Leute sich verändert haben. Ich meine, normalerweise ist uns das ja egal, aber das sind Bella’s und Edward’s Freunde.“, sagte Jasper ein wenig überwältigt.
„Schon komisch. Erst seitdem Bella bei uns ist, achten wir auf so etwas und wissen ein Leben zu schätzen.“
Ich konnte nicht mitreden, also hielt ich lieber die Klappe.
***
Nach zwei Stunden waren wir wieder bei den Cullens. Sie hatten mir noch ein Sportgeschäft gezeigt. Das Newton’s. Dort hatte Bella mal gearbeitet und es hatte dem Vater von Bella’s ‘Hündchen’ Mike gehört. Er war damals ziemlich in sie verknallt. Mittlerweile hatte alles den Anschein, dass das Geschäft nun Mike selber gehörte.
„Aber das war noch längst nicht alles. Jetzt kommen noch unsere sogenannte Baseball-Lichtung und Bella’s und Edward’s Lichtung. Und mich würde interessieren, ob das Cottage noch steht.“, sagte Jasper lächelnd.
„Wir müssen allerdings laufen.“, sagte Emmett.
„Nichts leichter als das.“, sagte ich ein wenig selbstgefällig.
„Dann los!“, sagte Emmett und rannte los. Jasper und ich folgten ihm.
Nach zwei Minuten waren wir auf einer großen Lichtung. Irgendwie hatte sie etwas Düsteres.
„Hier ist auch ziemlich viel passiert. Baseball, ein Tracker, der hinter Bella her war und ein Krieg zwischen neugeborenen Vampiren, Werwölfen und uns. Das war alles hier!“, seufzte Jasper.
Ich war wirklich fasziniert. „Wow! Ich habe echt einiges verpasst.“
Emmett lachte. „Nicht deine Schuld. Da warst du noch nicht einmal geboren.“
„Damals muss das ja ziemlich cool gewesen sein. Und jetzt ist alles so... langweilig, so eintönig, so...“
„Öde? Monoton? Das kennen wir alles schon.“, sagte Jasper lächelnd. Er sah sich noch einmal um. „Dann mal weiter.“
Wir rannten zu einer kleinen Ruine von Haus. Ich sah die beiden fragend an. „Ist das das Cottage von dem ihr erzählt habt?“
Beide nickten. „Das haben Esme, Alice und ich gebaut.“, sagte Emmett stolz.
Ich lächelte. „Wow! Das ist echt der Hammer!“
Emmett grinste breit. „Schade, dass es schon kaputt ist. Na ja, bauen wir halt ein Neues.“
„Und für wen?“, fragte ich mit zusammengezogenen Augenbrauen.
Er zuckte die Schultern. „Weiß ich auch noch nicht. Hey? Hast du eine Braut in Sicht?“ Er stupste mich herausfordernd an.
Ich lachte kurz auf. „Worauf willst du hinaus?“
„Es wird langsam an der Zeit, dass du dir auch eine süße Maus angelst, Bro.“
Ich sah ihn an, als wäre er gerade aus der Psychatrie entlassen worden. „Geht es dir gut, Em? Wo willst du denn im Umkreis von zwanzig Kilomtern eine heiße Vampirlady finden?“
Er lächelte selbstgefällig. „Wir haben eine Singledame in unserem Haushalt.“
Ich schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht machen. 1. habe ich viel zu viel Respekt vor Edward und der würde mir den Kopf abreißen und 2. Ich merke, dass Renny Gefühle für Jake hat.“
Emmett sah mich fassungslos an. „Dann kämpf um sie, Bruder!“
„Bist du irgendwie krank, Em? Sie ist für mich wie eine Schwester.“
Emmett schwieg.
***
„Nicholas? Ich muss mit dir reden.“, hörte ich meine Mutter, eine Stunde nachdem ich wieder nach Hause gekommen war, von unten sagen. Sie hatte sich daran gewöhnt, nicht schreien zu müssen.
Ich flitzte runter und stellte mich hinter ihr. „Was willst du?“
Sie wirbelte erschrocken herum. „Nicholas, du weißt, dass du mich nicht so erschrecken sollst! Setz dich bitte!“
Ich sah sie standhaft an. „Nein danke. Ich kann auch stehen.“
Sie seufzte und setzte sich. „Wegen der Schule. Ich habe mir das noch einmal überlegt. Es wäre eigentlich gar nicht so schlecht, wenn du ein normales, menschliches Leben führst.“
Ich sah sie ungläubig an. „Moment!“ Ich schnippte einmal. Die Zeit hielt komplett an. Aber nur in diesem Raum. Ich huschte nach oben. „Tante Des?“
Schon stand sie vor mir und lächelte mich breit an. „Was denn, mein Süßer?“
Sie hätte meine Freundin sein können, vom Alter her, wenn ich mir sie so anschaute. Aber sie war meine Tante, eigentlich meine Großtante, aber das mochte sie nicht, denn sonst fühlte sie sich so alt.
„Hast du mit Mum geredet?“, fragte ich mit hochgehobener Augenbraue und verschrenkten Armen.
Sie nickte leicht. Ich fiel ihr um den Hals. „Danke, danke, danke!“
Sie lachte. „Kein Problem. Und jetzt geh nach unten und lass die Zeit weiterlaufen.“
Ich nickte eifrig und rannte wieder nach unten. Dort stellte ich mich wieder dorthin, wo ich vorher gestanden hatte und schippte. Die Zeit lief normal weiter.
„Das ist wirklich... großzügig von dir, Mum. Danke. Wann geht es los?“, plapperte ich einfach weiter.
„Morgen. Du wirst die gleichen Kurse wie Renesmee belegen und Des wird ebenfalls mitgehen, um auf euch aufzupassen.“
Ich nickte. „Welche Story werden wir diesem langweiligen Örtchen auftischen?“
„Des ist deine große Schwester und Renesmee eure Cousine.“
Ich nickte gelangweilt. „Nochmals danke, Mum.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand in mein Zimmer. Noch drei Stunden, dann müsste ich zur Schule. Zeit genug um den Stoff der nächsten zwei Jahre auswendig zu lernen.
***
Na gut, nicht der nächsten zwei Jahre, eher der nächsten zwei... Wochen. Ich hatte die Bücher zwar die ganze Zeit gelesen, aber so passiv, dass ich alles wieder vergessen hatte und so hatte es seine Zeit gedauert.
„Nic?“, rief Des mich um halb acht Uhr morgens.
Ich lief in den Flur. „Ja?“
„Wir müssen los. Renesmee kommt in wenigen Sekunden zu uns.“
Ich nickte schnell. Sie hielt mir einen schwarzen Rucksack hin. „Schick siehst du aus!“, sagte sie anerkennend.
Ich sah an mir herunter. Schwarze Jeans, dunkelgraues T-Shirt, schwarze Turnschuhe und eine dunkle Sweatshirtjacke. Ja, wirklich sehr schick.
Ich schaute mir meine Tante ganz genau an. Sie trug eine schwarze Glanzleggings, schwarze Stiefel, dunkelblaue Stulpen, die aus den Stiefeln ragten, und ein dunkelblaues, langärmliges, knielanges Kleid.
„Du siehst hinreißend aus, Tantchen.“, sagte ich und küsste gentlemanlike ihre Hand. Das lernte man, wenn man zu lange mit den Cullens zusammenlebte.
Zwei allzu bekannte legten sich um Des’ Taille. „Ich bin hier fürs Schleimen zuständig, Kleiner.“, sagte Charles grinsend.
Des lachte leise. „Das hast du also noch nach 17 Jahren nötig?“
Er nickte und küsste ihren Hals. „Immer.“
Ich verdrehte die Augen und stöhnte genervt. „Schon wieder dieses Geschmachte.“ Ich ging die Treppe runter. Meine Mutter wartete an der Haustür und drückte mir eine sichtgeschützte in die Hand. „Falls du vielleicht doch Durst kriegen solltest. Renesmee gibt dir die Kontaktlinsen im Auto.“
Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und ging nach draußen. Ich hörte wie ein (ziemlich lautes) Auto sich näherte. Renesmee fuhr in einem neuaussehenden Volvo vor. Sie grinste über beide Ohren. Ich stieg sofort neben sie auf den Beifahrersitz.
„Ausversehen ein Honigkuchenpferd auf der Jagd erwischt?“, fragte ich sie lächelnd.
Sie lachte kurz auf. „Mein Vater ist vor 18 Jahren mit diesem Wagen zur Schule gefahren. Meine Mutter ist hierdrin schon mitgefahren, als sie noch ein Mensch war. Das muss man sich mal vorstellen!“, sagte sie total begeistert.
Ich musste lachen.
„Was?“, fragte sie verwirrt.
„Es ist schön, dich so glücklich zu sehen.“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
Im nächsten Moment saß Des im Wagen. „Fahren wir jetzt endlich los, oder was?“
„Wer konnte sich denn nicht aus den Fängen des bösen Grafen Draculas?“, fragte ich sarkastisch.
Des schlug mir leicht über den Hinterkopf. „Nicht frech werden, mein Freund! Ich bin um einiges älter als du.“
Ich verdrehte die Augen. „19 Jahre, um genau zu sein. Ich weiß. Mein Gott, bist du alt! Wie alt nochmal? 35?“
Sie knurrte leise. Schon hatte ich ihr Ego verletzt und sie ließ mich in Ruhe.
Wir fuhren auf den Parkplatz und parkten beinahe genau am Haupteingang. „Das war der Stammparkplatz der Cullens.“, sagte Renny stolz.
Nachdem ich mir goldene Kontaktlinsen in die Augen gesteckt hatte, stieg ich aus und schulterte meinen Rucksack. Des und Renny hakten sich bei mir unter und wir liefen in die Schule. Von allen Seiten wurden wir schief angesehen.
„War das bei deinen Eltern auch so?“, fragte ich Renny leise.
Sie nickte lachend. „Keiner hat sich an sie rangetraut.“
„Keiner bis auf Bella.“, schloss ich daraus.
„Bingo!“
Nachdem wir unsere Stundenpläne abgeholt hatten, gingen wir in unsere verschiedenen Klassen. Na ja, eigentlich nur zwei verschiedene Klassen. Des war eine Stufe über uns.
Ich machte es mir in der letzten Reihe bequem und ließ den Unterricht an mir vorbeistreichen. Es war einfach nur absolut langweilig. Renny hingegen war total fasziniert von der Schule. Sie passte immer auf, meldete sich und gab perfekte Antworten von sich.
In der letzten Stunde vor der Pause hatten wir Geschichte. Wir betraten als letzte die Klasse, leider war der Lehrer schon anwesend. Er lächelte uns an. „Guten Morgen. Sie habe ich noch nicht gesehen. Wer seid ihr?“ Keine Standpauke? Schade, der Tag schien gearde lustig zu werden.
„Ich bin Nicholas Richfield und das ist Renesmee Cullen.“, antwortete ich gelangweilt.
„Schön Sie kennenzu... Moment! Cullen?“, fragte der Lehrer verwirrt.
Renny nickte grinsend.
„Sind Sie zufällig mit Dr. Carlisle Cullen verwandt?“, fragte er nun neugierig.
Renny nickte wieder. „Ja, er ist mein Großvater.“
Der Lehrer - Entschuldigung, dass ich zu faul war, mir seinen Namen zu merken - wirkte nun ziemlich überrascht. „Wessen Tochter sind Sie dann? Moment! Lassen Sie mich raten, Ms. Cullen. Bronzefarbenes Haar und tiefbraune Augen... Sie können nur die Tochter von Edward und Bella sein.“
Renny lächlte. „Ja, so ist es, Sir.“
„Richten Sie den beiden bitte schöne Grüße von mir aus, Ms. Cullen. Wenn Sie sich nun bitte setzen würden.“
Ich verdrehte die Augen und setzte mich mit Renny in die letzte Reihe.
Nach einer Viertelstunde wäre ich am liebsten eingeschlafen. Verdammt solle mein Leben sein, dass ich es nicht mehr konnte... Oh, das war es ja schon!
„Renny? Ich halte einmal kurz die Zeit an.“, verkündete ich leise.
Sie sah mich gelangweilt an und nickte. Ich schnippte. Alles blieb stehen, jedoch achtete ich darauf, dass Renesmee in meiner ‘weiterlaufenden Blase’ intigriert war. Ich stand auf und streckte mich. „Mein Gott! Das ist ja so langweilig.“ Ich ging nach vorne und sah in die Unterrichtsunterlagen des Lehrers. Ich blätterte sie achtlos durch. „Interessant sind die Themen ja, aber das sind welche, die Carlisle besser wiedergeben kann. Du weißt schon, Inquisition und so.“
„Ähm, Nic? Ich glaube, wir haben ein Problem.“, sagte Renny leise.
Ich schaute auf. Mein Blick blieb bei einer blonden Schönheit hängen, die sich verwirrt umschaute. Sie war einfach die Perfektion in Person. Sogar perfekter als Rose.
Ich spürte ein merkwürdiges Ziehen in der Brustgegend.
„Nic? Wir könnten dein Schnippe-Di-Schnipp jetzt wirklich gebrauchen.“, machte Renny auf sich aufmerksam. Sie stand neben mir und wedelte mit ihrer Hand vor meinem Gesicht.
Ich schüttelte einmal kurz den Kopf, damit ich klar wurde und schnippte wieder, um diese Schönheit auch ‘anzuhalten’. Doch wieder scheiterte ich.
„Hilfe?“, sagte Renny ungeduldig.
Ich ging zu der immernoch verwirrten Schönheit und hockte mich vor ihr. „Wie heitß du?“, fragte ich ruhig.
Sie sah mir verdattert in die Augen. „Mary Diamond.“, piepste sie.
Ich lächelte leicht. „Hör mir mal zu, meine Schöne. Du darfst von dem Ganzen hier niemandem etwas erzählen. Hast du das verstanden?“
Sie nickte mechanisch. Ich küsste lächelnd ihre Hand und setzte mich wieder auf meinen Platz. Renny verdrehte genervt die Augen. Ich schnippte und die Zeit lief weiter. Ein kurzer prüfenden Blick durch die ganze Klasse und alles war in Ordnung. Ich starrte einen blonden Hinderkopf an und erwischte die süße Mary Diamond, wie sie ab und zu zu mir linste. Doch sobald ich nur leicht lächelte, drehte sie sich schnell wieder zur Tafel.
„Die Kleine steht auf dich!“, trällerte Renny in mein Ohr.
Ich sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Glaube ich nicht. So wie dieser Muskelprotz an ihr klebt, hat sie was mit dem am laufen.“
Renesmee biss nachdenklich auf ihrer Unterlippe und starrte Mary an. „Sie wirkt unentschlossen.“
Ich seufzte und rutschte auf meinem Stuhl herum.
Ich ging beim Klingeln aus der Klasse. Die Augen wurden mir von hinten zugehalten. Ich roch, dass es Des war, lächelte und zog sie auf meinen Rücken. „Es hätte gereicht, wenn du gesagt hättest, dass ich es bin.“
Ich lachte leise. „Mir hätte es aber nicht gereicht. Wenn ich schon eine so hübsche ‘Schwester’ habe, muss ich es doch auch auskosten. Wenn du jetzt bitte die Hände von meinen Augen nehmen würdest.“
Sie schlang ihre Arme um meinen Hals und drückte ihre Beine leicht zusammen, als Anzeichen, dass ich loslaufen solle. Ich wartete nur kurz darauf, dass Renny zu uns kam und ging dann in die Caféteria.
Mir fiel sofort auf, dass der Engel Mary Diamond mich beobachtete. Ich lächelte sie an und ließ Des von meinem Rücken rutschen. Ich rückte zwei Stühle zurück, damit die Damen an meiner Seite sich setzen konnten und dann erst setzte ich mich.
„Die kleine Blonde hat es dir angetan, was Großer?“, fragte Des. Sie quietscht beinahe vor Freude.
Ich sah sie beinahe wütend an. „Nein. Es wundert mich nur, dass sie gegen meine Gabe immun ist.“
Des sah Renesmee fragend an. Sie legte eine Hand auf ihre und zeigte ihr die Bilder.
Des war genauso verblüfft. „Meine Güte! Das muss ein Zeichen sein. So wie ich gegen mentalen Gaben immun bin. Vielleicht ist sie es dann gegen körperliche. Also, du und Alice.“
Ich nickte nachdenklich. Das könnte sein.
„Du solltest ihr deine Nummer geben.“, sagte Des selbstverständlich.
Ich deutete mit einem kurzen Blick auf ihren Freund, der neben ihr saß, einen Arm um sie gelegt hatte und ihr dauern Küsse auf die Wange drückte, obwohl sie mich eindeutig anstarrte.
Ich schüttelte den Kopf. „Das ist keine gute Idee. Ich meine, sie hat einen Freund.“
Des lachte leise. „Du bist ein Vampir. Er kann dir nichts anhaben.“
Ich nickte lächelnd. Ja, das stimmte. Keiner konnte mir etwas anhaben. Ich war allen überlegen. Okay, nun übertrieb ich wirklich. Ich war nicht allen überlegen... nur den Menschen.
„Darf ich denn ein wenig tricksen, damit ich ihr meine Nummer geben kann?“, fragte ich hinterhältig.
Des grinste breit. Ich schnippte wieder. Alle erstarrten, bis auf Mary Diamond. Sie schaute sich diesmal nicht verwirrt um, sondern fixierte sofort meinen Blick. Ich stand auf und ging zu ihr. Ich küsste wieder ihre Hand. Dann nahm ich einen Zettel aus meinem Rucksack und schrieb schnell meine Nummer darauf. Sie lächelte mich nur verwirrt an.