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Bloody Mary

Bis(s) in eine neue Welt
von

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Eine klitze-kleine Enttäuschung

„Geht ihr schon mal vor. Ich brauch noch etwas zum Spielen.“, sagte Des und schob uns langsam Richtung Auto, doch ich packte sie am Kragen und zog sie mit. „Du weißt ganz genau, dass es dir noch verdammt schwer fällt mit der ganzen Tierblutgeschichte. Das ist aber nicht unsere Schuld. Jason hat dich damals mit Menschenblut versorgt und du bist es nunmal immernoch irgendwie gewöhnt, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, mit Menschen zu spielen.“

Sie verschränkte die Arme. „Das ist unfair. Du bist gerade mal ein halbes Jahr alt und trinkst in aller Ruhe dieses ekelhafte Tierblut und ich bin mittlerweile... alt genug und kriege es nur in aller schwerster Not hin.“

Ich seufzte. Das durfte ich mir jeden Tag aufs Neue anhören und ich durfte es ihr jeden Tag noch einmal erklären. „Des, ich bin von Anfang an mit Tierblut ‘aufgewachsen’ und weiß nicht, wie ein Mensch schmeckt. Ich will es auch gar nicht wissen.“

„Aber es schmeckt sooo gut!“, jammerte sie.

Ich stöhnte genervt. „Destiny Jamie Richfield! Es ist langsam mal gut!“

Sie seufzte. Wir stiegen in den Wagen. Ich sah gerade wie Mary mit ihrem Freund aus dem Haupteingang kam.

„Jetzt hör auf, sie so anzustarren! Du siehst gerade aus wie ein Vampir.“, kicherte Renny.

Ich sah sie gespielt erstaunt an. „Ach nein! Was du nicht sagst, Halbvampir.“

Sie grinste. „Beruhig dich, Großer.“

„Ich bin ruhig.“, knurrte ich wütend. Konnten die beiden mich nicht einfach mal in Ruhe lassen? Sie waren wirklich das Schlimmste auf der Welt, das es gab. Na ja, bis auf Alice.

Zu Hause angekommen ging ich auf direkten Wege in mein Zimmer und drehte die Musik laut auf. Nach fünf Minuten klopfte es an der Tür. Meine Mutter betrat das Zimmer, schaltete die Musik aus und setzte sich zu mir aufs Bett. „Was ist los, Nicholas?“, fragte sie leise.

Ich verbarg meinen Frust und schüttelte nur den Kopf.

Sie seufzte. „Ich möchte mit dir reden.“

„Sie ist immun.“, sagte ich absolut mechanisch. Verdammt! Wieso nahm mich das nun so mit?

„Wie? Immun? Wer?“

„Mary Diamond. Eine meiner Mitschülerinnen. Ich habe die Zeit angehalten, doch sie bewegte sich einfach weiter. Sie ist immun gegen meine Gabe, Mum.“

Sie riss überrascht die Augen auf. „Das ist ja... schrecklich.“

Ich stand auf und ging zum Fenster, dabei sah ich sie argwöhnisch an und seufzte genervt: „Was du nicht sagst.“

„Verzeih! Wie riecht sie denn?“

Ich sah sie verblüfft an. Darüber hatte ich ja noch gar nicht nachgedacht. Ich kramte in meinem Gedächtnis und fing sofort wieder an, vor mich hin zu träumen. „Nach Vanille, Lavendel und ein Hauch Orchidee.“

Mum lachte. „Ich meinte das eigentlich anders. Bluttechnisch.“

Ich seufzte. „Sie riechen alle gut, Mum.“

„Hmmm.“, machte sie nur. „Ich sollte dich jetzt alleine lassen.“

„Ist es in Ordnung, wenn ich zu den Cullens rübergehe?“

Sie nickte lächelnd. „Aber sei vor Mitternacht wieder hier.“

„Geht auch ein Uhr? Ich wollte noch jagen gehen.“

Sie zuckte zusammen. Das tat sie jedes Mal, wenn ich vom Jagen sprach. Sie nickte nur und ging dann wieder. Ich sprang aus dem Fenster und rannte los.

Auf dem Weg hatte ich schon von einer Raubkatze getrunken.

Ich machte mir noch nicht einmal die Mühe zu klopfen, sondern ging einfach rein.

„Was hast du denn dem armen Kätzchen da draußen angetan?“, fragte Emmett grinsend, ohne den Blick vom Fernseher zu lösen.

Ich lachte leise und setzte mich neben ihn.

„Deine Augenfarbe wird langsam besser.“, bemerkte er dann. „Das Monster wird verbannt.“, fügte er sarkastisch hinzu.

Ich ging zu einem Spiegel und sah hinein. Die Kontaktlinsen hatten sich mittlerweile aufgelöst. Das Rot verschwand ebenfalls langsam. Es verblasste zu Gold. „Was meinst du wie lange es noch dauert, bis sie so sind wie eure?“, fragte ich, ohne mich vom Spiegel abzuwenden.

„Drei Tiere ungefähr.“, hörte ich auf einmal Alice neben mir.

Ich sah sie fragend an.

„War bei Bella auch so.“, sagte sie lächelnd.

Ich nickte. „Apropos, wo sind Bella und Edward?“

Sie deutete auf das Schlafzimmer und zwinkerte mir zu.

Ich lächelte verschwörerisch und wackelte mit den Augenbrauen. „Dann stören wir die beiden mal. Edward!!! Bella!!!“, rief ich gespielt panisch.

Im nächsten Moment stand Edward mit halboffendem Hemd vor mir. Ich musste mir das Lachen verkneifen. „Ich soll dir schöne Grüße von irgendeinem Lehrer von meiner Schule bestellen.“

Er sah mich wütend an. „Und deswegen holtst du mich runter?“, knurrte er bestialisch.

Ich grinste breit. „Ähm... Ja!“

„Nic, du solltest anfangen zu rennen.“, sagte Alice leise.

Ich lachte einmal und rannte aus der Tür, in den Wald. Dabei rannte ich an Jake vorbei, der sich gerade anzog. „Was ist denn jetzt kaputt?“, fragte er verdutzt.

„Das wirst du gleich sehen.“, schrie ich nach hinten. Ich hörte schon das Knurren von Edward. Das nächste Mal sollte ich lieber bei Emmett bleiben. Ich sprang auf einen Baum und schwang mich dann solange durch das Geäst, bis ich Edward nicht mehr hörte. Ich ließ mich vom Baum fallen, landete auf den Füßen, stützte mich kurz mit der Hand am Boden ab, richtete mich dann auf und richtete dann meine Jacke. Dann schaute ich erst auf. Also entweder ich leidete seit Neustem unter Halluzinationen oder Mary Diamond stand wirklich vor mir. Sie wirkte ein wenig überrascht. Ich suchte schnell nach einer Erklärung, fand jedoch keine. Ich sah mich noch einmal um. Wir standen hier mitten im Wald. „Was tust du hier?“, fragte ich schließlich.

„Joggen?“, sagte sie unsicher. Ich sah an ihr herunter. Sie trug Joggingsachen.

„Ja, natürlich.“, sagte ich und wäre am liebsten im Erdboden versunken.

„Und du?“

Vor einem verärgerten Vampir flüchten, aber sonst. „Klettern. Training.“

Sie lächelte. „Wollen wir ein paar Schritte gehen?“ Sie wirkte ein wenig überrumpelt. Ich nickte und ermahnte mich, im menschlichen Tempo zu laufen.

„Wie lange wohnst du schon hier?“

„Nicht lange. Erst ein paar Tage.“, sagte ich ruhig.

„Und wie alt bist du?“

In Vampir- oder Menschenjahren? „16.“

Sie lächelte. „Cool. Ich bin 15.“

„Was machst du gerne?“

Sie sah mich fragend an.

„Deine Hobbies?“

„Shoppen, Party... Mädchenkram halt.“ Sie wurde ein wenig rot. „Und du?“

Jagen, Kämpfen und so... „Sport, mit meinen Freunden abhängen.“ Ich lächelte sie verschmitzt an. „Jungskram halt.“

Sie lachte kurz. „Und die beiden Mädchen, die mit dir zur Schule gegangen sind? Eine davon deine... Freundin?“ Sie wirkte absolut nervös.

Ich lächelte sie bezaubernd an, wie es ging. „Nein. Renesmee, die, mit mir in Geschichte war, ist meine Cousine.“

„Und die, die... bei dir auf dem Rücken war?“ Sie presste förmlich die Worte hervor.

„Das ist meine große Schwester Destiny.“

Sie atmete auf. Sie wirkte beinahe erleichtert.

„Und du hast einen Freund?“, fragte ich vorsichtig.

Sie schaute auf, als hätte sie mir nicht zugehört. „Nein, ich meine, ja. Brandon.“

Ich lachte leise. Das war wirklich süß, wenn sie so durch den Wind war. Ich hörte mitten im Wald einen Vampir rumrennen. Es war Emmett. Er würde mich bestimmt blamieren. „Ähm, ich sollte jetzt verschwinden.“, sagte ich und schaute in zwischen die Bäume, um es zu vermeiden, dass Emmett hier auftauchte.

Ich nahm Mary’s Hand und küsste sie. „Wir sehen uns morgen in der Schule. Mary, es war mir eine Ehre, dich hier getroffen zu haben.“

Ich joggte in den Wald und sobald ich sicher war, dass sie mich nicht mehr sehen würde, rannte ich in Vampirgeschwindigkeit los.

Emmett war näher als ich dachte. Ich rannte so heftig gegen ihn, dass er mit mir zu Boden fiel. „Mein Gott, Bro! Was geht denn mit dir ab?“, fragte er erschrocken.

„Was suchst du hier?“, zischte ich.

„Ich habe dich gesucht. Wegen Edward. Er hat sich beruhigt und eingesehen, dass du ihn nur verarschen wolltest.“

Ich nickte und ging von Emmett runter. „Und er wird mir ganz sicher nicht den Kopf abreißen?“

Emmett schüttelte den Kopf. „Wenn ich in deiner Nähe bin nicht.“

Ich lachte kurz auf. „Dann ernenne ich dich jetzt zu meinem persönlichen Bodyguard.“
 

***
 

„Du hast dich verliebt.“, trällerte Alice, als ich wieder bei den Cullens war und mit Emmett Baseball anschaute.

Ich sah sie fragend an. Sie sprang neben mich. „Na ja, noch nicht ganz. Aber du wirst dich verlieben.“

„In wen?“, fragte ich neugierig, obwohl ich es eigentlich schon wusste.

„Diese Kleine bei dir an der Schule. Mary Diamond?“

Ich sah auf den Boden.

Sie quietschte. „Ich wusste, dass ich richtig liege. Also, sie ist ziemlich hübsch. Wann stellst du sie uns vor.“

„Wenn sie unbeliebt und zu haben ist.“, knurrte ich leise.

Alice sah mich fragend an. „Ich sehe nicht alles, Großer. Aber...“, sagte sie verheißungsvoll. „wenn du mich mal mit zur Schule nimmst, würde ich dir sagen können, was passiert.“

Ich sah sie ungläubig an. „Das würde ja auch überhaupt nicht auffallen, Alice.“

Sie lächelte. „Du hast recht. Tut mir leid. Wenn ich in der Schule auftauche, wird mich wohlmöglich der eine oder andere Freund oder die Kinder dieser Freunde erkennen.“ Sie verstrubbelte mein Haar. „Schlaues Kerlchen.“

Ich strich mir schnell mein Haar glatt. Renesmee kam zur Tür herein. „Hallo ‘Cousin’.“, sagte sie betont.

Ich lachte leise. „Hey! Na? Wie alles klar bei dir?“

Sie nickte und setzte sich auf meinen Schoß. „Meine Mum hat mir von diesem Geschichtslehrer erzählt. Er und seine damalige Freundin, jetztige Frau, waren total gut mit Mum, Dad und Alice befreundet. Dementsprechend sollten sie vorsichtig sein. Und wir sollen nicht zu viel von ihnen reden.“

Ich nickte locker. „Klar!“

Sie schnupperte an meiner Hand. „Du riechst nach Mensch!“, stellte sie fest.

Was sollte man darauf schon sagen? Ich nickte. „Damit wäre dein Geruchssinn erfolgreich getestet.“

Sie schlug mir leicht auf die Schulter. „Du weißt wen ich meine!“, sagte sie verschwörerisch.

„Weiß ich?“, fragte ich ironisch, damit sie sich verarscht fühlte, was mir auch gelang.

Sie verschränkte schmollend die Arme. „Du bist fies! Ich wollte damit fragen, wo du sie getroffen hast.“

„Im Wald.“, sagte ich kurz und knapp.

„Muss man dir alles aus der Nase ziehen?“

Ich seufzte. „Ich habe sie im Wald getroffen und ein wenig mit ihr geredet. Na ja, eigentlich habe ich hauptsächlich ihre Fragen beantwortet.“

„Was hat sie denn so gefragt?“

„Sie hat nach meinen Hobbies gefragt.“

„Und weiter? Du hast Fragen gesagt!“

Ich stöhnte genervt. „Sie hat mich nach dir und Des gefragt. Wer ihr seid und so.“

Sie grinste breit und schlenderte ohne Kommentar in ihr Zimmer. Ich runzelte die Stirn.

„Sie geht zu Alice und zeigt ihr mit ihrer ‘Ich-zeige-dir-alles’-Gabe eure Unterhaltung und vorallem deine Reaktionen.“, sagte Emmett vergesteuert, ohne dass er den Blick vom Fernseher wendete.

Ich nickte. „Ah ja!“, sagte ich gedehnt. Ich schaute auf die Uhr. „Leute, ich geh jagen! Kommt einer mit?“, rief ich etwas lauter, damit alle mich hörten.

Jasper, Emmett und Rosalie meldeten sich. Und schon nahmen wir den ganzen Wald in Beschlag... Na ja, oder zumindest die Tiere...
 

***
 

Am nächsten Morgen ging ich zur Schule, obwohl Alice mir Sonne vorrausgesagt hatte und Charles sich weigerte, Wolken vor sie zu schieben. Ich wusste, dass er mich nie der Gefahr aussetzen würde, uns zu verraten, deshalb gingen Renesmee und ich.

Im Auto wirkte sie ein wenig angespannt. „Spuck’s aus! Das kann man ja nicht ertragen!“, beschwehrte ich mich lächelnd.

Sie machte es sich in ihrem Sitz bequem und schnaubte wütend auf. „Stress mit meinem Dad. Er hätte mich am liebsten Zuhause festgekettet. Vorallem als ich gesagt habe, dass mich die Sonne bestimmt beiße.“

Ich musste laut loslachen und steckte Renny somit an. Als ich mich beruhigt hatte, sagte ich: „Charles passt schon auf.“

Sie nickte und hob theatralisch eine Hand. „Meine Worte!“

Wir fuhren lachend auf den Parkplatz. „Alice hat mich vorgewarnt. Brandon Light verteilt heute mit Mary die Einladungen für seinen 18. Geburtstag.“

Ich nickte. Mary’s Freund. Ich verspürte einen komischen Druck in meiner Brust und einen Drang zu knurren, verkniff es mir aber, da wir schon beinahe am Haupteingang waren.

Wir holten unsere Bücher aus unseren Spinden und gingen zum Unterricht. Gerade als ich mich setzen wollte, tauchte ein hellblauer Briefumschlag unter meiner Nase auf. Ich schaute genervt auf, doch meine hellte sich sofort auf, als ich in Mary’s Augen sah. Sie lächelte mich an. „Ich wollte dir eine Einladung für Brandon’s Geburtstag geben.“

Ich lächelte schief und nahm die Einladung dankend an. Dabei passte ich auf, dass ich sie nicht berührte. „Ich fühle mich geehrt.“

Sie grinste noch breiter. „Also wirst du kommen?“

Ich nickte, schielte aber kurz zu Renesmee. Mary hielt ihr auch eine Einladung hin. „Hier! Du bist natürlich auch eingeladen.“

Renny nahm sie verwirrt an, brachte aber doch noch ein „Danke.“ heraus.

„Bitte sag Brandon nicht, dass ich dich eingeladen habe. Das würde ihn nur unnötig aufregen.“, sagte Mary dann leise zu mir.

Ich kniff die Augen zusammen. „Wieso? Ich habe ihm schließlich nichts getan.“

Sie sah sich kurz um und flüsterte dann: „Na ja, du bist ein Dorn im Auge für ihn. Ich meine... wann hast du das letzte mal in einen Spiegel geguckt? Du siehst einfach nur heiß aus.“

Ich fühlte mich geschmeichelt. Meine Traumfrau fand mich also heiß. „Aber wieso lädst du mich ein?“, hörte ich mich sagen und hätte mich am liebsten geohrfeigt.

„Na ja, mal ganz unter uns. Stacy“ Er zeigte unauffällig auf ein blondes, für Menschen hübsches Mädchen, das gerade auf Mary’s Platz saß. „steht auf dich. Und deshalb dachte ich, dass ihr euch auf der Party kennenlernen könntet.“

Ich verbarg meine Enttäuschung. Sie versuchte mich mit ihrer Freundin zu verkuppeln. „Ich werde kommen.“ Aber nicht wegen deiner Freundin, sondern wegen dir. dachte ich klamm und heimlich.

Sie lächelte glücklich und ging zu Stacy. Sie war noch süßer als sonst, wenn sie glücklich war.

Renny legte tröstend eine Hand auf meine Schulter. „Nicht ganz, was du erwartest hattest, huh?“, fragte sie mitfühlend.

Ich setzte mich ohne Reaktion auf meinen Stuhl und ließ den Unterricht an mir vorbeiziehen.

In der Caféteria exte ich aus Frust die ganze Flasche Blut, die mir Mum gegeben hatte.

„Kannst du mir mal erklären, wieso diese Mary an einem Tisch sitzt, der MIR eigentlich rechtmäßig zusteht?“, fragte Renny ein wenig wütend.

Ich hob bekräftigend eine Augenbraue.

Sie rollte die Augen und stöhnte genervt. „Dieser Tisch da gehörte den Cullens und Hales!“

Ich zuckte teilnahmslos die Schultern.

„Oh oh!“, hörte ich Renny murmeln. Ich sah sie fragend an. Sie deutete auf das Fenster. Die Sonne prallte in den Raum. In Gedanken verfluchte ich Charles.

Ich nahm mein Handy und rief Charles an.

„Ja, hallo?“, fragte er gedehnt. Ich hörte Des im Hintergrund kichern und verzog automatisch das Gesicht.

„Ich will nicht wissen, was du gerade machst, aber hast du schon mal aus dem Fenster geguckt?“, fragte ich unschuldig.

„Hä?... Ach du heilige...!“, schrie er ins Telefon.

Ich hielt es kurz weg. In dem Moment spürte ich plötzlich wie jemand an meinem Handy zog. Ich sah in das Gesicht meines Geschichtslehrers. Upps! Ich hatte aber schon eine Idee, wie ich mich aus der Scheiße reiten konnte. Ich ließ schnell das Handy unter dem Tisch verschwinden und hielt meine Flasche an Stelle des Handys in meiner Hand. Ich grinste beinahe unverschämt.

Der Lehrer sah verwirrt von der Flasche, zu mir, zu Renesmee und sagte dann leise: „Verzeihung! Ich dachte, Sie hatten ein Mobiltelefon in der Hand.“ Er verschwand verwirrt. Während Renny und ich in großes Gelächter fielen, holte ich das Handy unterm Tisch hervor und hörte wie Des und Charles herumknutschten. Ich verzog wieder das Gesicht und legte auf. „Die beiden kannst du in die Tonne kloppen!“

Renny lachte. „Hätte ich dir auch sagen können.“

Im nächsten Moment war die Sonne verschwunden.

Als wir beide uns beruhigt hatten, sagte Renny leise: „Meinst du ich soll mal für heute einen Shoppingtrip nach Seattle einplanen?“ Sie klang verschwörerisch. Ich dachte nur an Alice und nickte. „Ich brauche etwas für die Party.“, sagte sie dann. Ich nickte wieder. „Ich könnte eventuell auch etwas gebrauchen.“

„Ich weiß, wie du sie beeindrucken könntest. Ich wette, dass keiner im Smoking kommt.“

Ich sah sie skeptisch an. „Meinst du wirklich?“

Sie nickte. „Ja, ganz sicher.“

Ich lächelte. „Okay, dann werde ich einen Smoking tragen. Sag mal, hast du dir die Einladung überhaupt durchgelesen?“

Sie schüttelte grinsend den Kopf. Ich stöhnte und nahm die Einladung. Dann verstellte ich spöttisch meine Stimme: „Hey, wer auch immer das liest! Hiermit, lade ich, Brandon Light, dich zu meinem 18. Geburtstag ein. Es wird eine riesige Party bei Mary Diamond Stewart Zuhause stattfinden. Sie ist am Samstag, den 24. Juni. Bitte bringt was zu trinken mit!“

Renny lachte los. „Du hörst dich an, wie ein Kerl aus einem schlechten Schwulenporno.“

Ich sah sie gespielt empört an. „Renesmee Carlie Cullen, war das ein Geständnis?“

Sie wurde rot und schaute auf die Tischplatte. „Nein!“

„Ja ja!“, seufzte ich spöttisch.

Sie sprang auf. „Maaaan! Ich hole mir jetzt was zu essen! Soll ich dir etwas mitbringen?“, fauchte sie giftig und hinterhältig zugleich.

Ich konnte nur lachen. Sie stapfte hochnäßig weg. Auf einmal versperrte mir ein schlanker Körper die Sicht. Ich sah hoch. Diese Stacy stand vor mir.

„Wie kann ich dir helfen?“, fragte ich höflicherweise.

Sie grinste breit und man, nein ein Vampir, sah ihr an, dass sie versuchte verführerisch auszusehen. „Darf ich mich setzen?“

Ich zuckte die Schultern. Sie nahm das einfach mal als Ja und setzte sich. „Du kommst ja zu Brandy’s Geburtstag, oder?“

Ich nickte und verkniff mir das Lachen. „Wieso?“

„Wollen wir vielleicht zusammen dort auftauchen?“ Sie versuchte wieder absolut hinreißend auszusehen. Dabei liegt die Betonung auf versuchte. Sie war einfach nur albern.

Ich schüttelte leicht den Kopf. „Nein, danke. Ich komme mit Renesmee.“

Sie nickte verwirrt und ging. Renny setzte sich wieder. „Kaum bin ich zwei Sekunden weg, schmeißen sich die Damen schon an deinen Hals. Was mache ich nur mit dir, Nic?“

Ich fing an zu lachen. „Wir gehen auf Brandy’s Geburtstag!“

Sie musste mitlachen. „Ich glaube, er hätte ihr den Kopf abgeschlagen, wenn er das gehört hätte.“
 

***
 

„Das sieht doch wirklich perfekt aus!“, freute sich Alice. Wir waren nun schon drei Stunden in Seattle und endlich war hier etwas, das Alice und Renny gefiel. Und dabei musste ich erwähnen, dass wir erstmal nur etwas für mich gesucht hatten.

Ich zog den Smoking schnell aus und gab ihn Alice. „Du bezahlst und ich verschwinde gleich.“, sagte ich zuckersüß.

Sie streckte mir die Zunge raus und nickte dann.

Fünf Minuten später war sie fertig mit bezahlen, hatte mir die Tüte in die Hand gedrückt und ich war um 1250 Dollar ärmer.

Ich wollte den kürzesten Weg raus hier gehen, doch in der Damenabteilung machten meine Beine Halt. Mary drehte sich in einem altrosa Abendkleid vor einem Spiegel. Ich lehnte mich in sicherer Enfernung an eine Wand und beobachtete sie. Sie wirkte nicht gerade zufrieden in diesem Kleid.

Dann sah ich, dass Brandon und Stacy Beifall klatschten. Wie scheinheilig sie doch waren! Nicht, dass Mary nicht gut aussah, aber sagen wir so: Es gab bessere Kleider.

Ich sah mich kurz um. Dort war ein türkisfarbenes Cocktailkleid, das einfach perfekt war. Man hätte sagen können, dass es praktisch ein Aushängeschild mit Mary’s Namen darauf hatte.

Ich nahm das Kleid von der Stange, rannte in Vampirgeschwindigkeit in die Kabine, hing das Kleid so hin, dass sie es sah und sprang wieder auf den perfekten Sichtpunkt. Mary ging deprimiert in die Kabine zurück und linste im nächsten Moment aus der Kabine, wobei sie mich ansah und leicht lächelte.

Ich lächelte zurück und nickte einmal. Sie sah kurz zu Brandon, da er fragte: „Alles in Ordnung, Süße?“

In dem Moment verschwand ich nach draußen. Ich wusste, dass ich sie verwirrt hatte, aber das war irgendwie auch ziemlich amüsant.
 

***
 

„Also wirklich, Nic! Willst du einen Rekord im Dauergrinsen aufstellen, oder was?“, fragte Renny mich genervt, nachdem ich nach drei Stunden immernoch wegen Mary grinste.

„Lass mich doch gute Laune haben.“

„Du hast sie gesehen.“, stellte Alice lächelnd fest.

Ich nickte einmal und musste noch breiter grinsen.

„Und wieso macht dich das jetzt auf einmal so glücklich? Ich meine, sie hat dir noch heute früh eine Abfuhr erteilt.“, sagte Renny verwirrt.

„Und nun habe ich sie irritiert und sie hat mir ihr bezaubernstes Lächeln geschenkt.“, trällerte ich.

„Wie hast du das denn geschafft?“

Ich erklärte ihr die Situation. Sie musste grinsen.

„Das ist wirklich süß.“, sagte Alice lächelnd.

Ich wurde ein wenig verlegen.

„Wisst ihr, was ich komisch finde?“, sagte Renny plötzlich und lehnte sich zu uns nach vorne.

Ich sah sie fragend an.

„Nun ja, ich meine, wieso ist der Geburtstag so kurzfristig? Die Party ist bereits übermorgen.“

Ich zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Wenn er so einen vollen Terminkalender hat und die Party dazwischenschieben musste, kann das doch möglich sein.“

Alice sah mich zweifelnd an. „Voller Terminkalender? In Forks?“

Wir mussten alle laut losprusten.

Alice bog in unsere Einfahrt ein. „So, da wären wir! Wann willst du eigentlich mal einen Führerschein haben?“, fragte sie mich.

Ich zuckte die Schultern. „Ich habe keine Lust noch mehr zu lernen.“

Sie lachte. „Du bist ein Vampir und ich habe Verbindungen.“

Ich sah sie wieder einmal fragend an.

Sie seufzte genervt. „Lange Geschichte. Also! Gib mir ein schönes, aktuelles Foto von dir und ich werde dir einen Führerschein besorgen, okay?“

Ich nickte geistesabwesend. „Warte eine Sekunde.“ Ich stürmte schnell ins Haus, holte mein Fotoalbum und nahm das erste Foto, das in meinem Vampirleben geschossen wurde, als ich nicht glaubte, dass man Vampire auf Fotos sah, ging wieder nach draußen und gab es Alice.

Sie grinste. „Okay. Ich werde sehen, wann ich das erledigen kann. Bis dann.“

Ich ging ins Haus und legte mich auf mein Bett. Dann schnappte ich mir das Buch, das auf meiner Komode lag und las bis die Sonne aufging.

Ich sprang aus dem Bett und ging mich duschen. Danach krallte ich mir eine schwarze Jeans, ein rotes, enges T-Shirt, meine Chucks und die Jacke und zog sie mir an. Ich nahm meine Flasche und ging ins Wohnzimmer. „Mum?“, rief ich und atmete tief ein. Sie war eindeutig in der Küche. Ich folgte ihrem Duft dorthin.

„Kannst du die nachfüllen?“, fragte ich und wedelte mit bereits erwähnter Flasche.

Sie nickte und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, als sie mir die Flasche aus der Hand nahm. „Du siehst ja richtig gut aus heute.“, bemerkte sie lächelnd.

Ich sah sie argwöhnisch an. „Sehe etwa sonst nie gut aus?“

Sie lachte und wuschelte mir durchs Haar. „Natürlich siehst du gut aus. Du bist immerhin ein Vampir, aber ich meine, du benutzt heute ausnahmsweise etwas Farbe. Sonst läufst du nur in schwarz und grau herum und jetzt auf einmal trägst du rot. Um nicht zu sagen feuerrot!“

Darauf hatte ich gar nicht geachtet. Woran das wohl lag?

„Nic?“, hörte ich Charles rufen. Er war an der Treppe.

„Hier!“, sagte ich und drehte meinen Kopf in seine Richtung. Im nächsten Moment stand er neben mir. „Ich wollte mich entschuldigen.“, sagte er wehmütig.

Ich hob eine Augenbraue. „Wofür?“ Natürlich wusste ich, dass er die Aktion gestern meinte.

Er seufzte. „Gestern. Dass ich euch in Gefahr gebracht habe. Hat euch eigentlich jemand erwischt?“

Ich war wirklich kurz am überlegen, ob ich ihn anflunkern sollte, entschied mich aber doch für die Wahrheit. „Nein. Renesmee hat es rechtzeitig bemerkt und daraufhin habe ich dich angerufen, aber da du beschäftigt warst, habe ich wieder aufgelegt.“

Er wirkte verlegen. „Tut mir wirklich leid.“, entschuldigte er sich noch einmal. „Ich war abgelen...“ Ich hob abwehrend eine Hand. „Keine Details. Bitte!“

Charles lachte. „Des kommt gleich runter.“ Er ging für Vampirverhältnisse langsam zur Tür.

„Charly?“, rief ich dann. Ich wollte ihn einfach nur verdutzen. Charles drehte sich um und lehnte sich auf die Küchentheke.

„Wann werdet ihr eigentlich Kinder haben?“, fragte ich interessiert.

Charles riss seine Augen auf. „Äh, weißt du was? Eigentlich brauchen wir keine Kinder.“ Er lächelte. „Ich meine, wir haben Eric und dich großgezogen. Das reicht doch, oder nicht?“

Ich lächelte selbstsicher. Natürlich würde ich nicht aufgeben. „Aber wollt ihr denn kein Mädchen?“

Er schüttelte den Kopf. „Eric und du haben wirklich gereicht.“

Ich legte theatralisch eine Hand an mein Herz. „Ich fühle mich ja so geschmeichelt.“

Charles schlug mir leicht an den Hinterkopf. „Dich soll ich ewig ertragen?“

„Scheint als seihst du verflucht, mein Freund.“, lachte ich.



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von: abgemeldet
2010-01-05T19:11:45+00:00 05.01.2010 20:11
Genau wie ich erwartet hatte! ^^
Wieder ein supi Kapitel! du schreibst wirklich gut! freu mich schon auf's nächste! mach weiter so....

viele liebe Grüße


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