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Wie es ist Autist zu sein ... Autism, Autismus, Psychologie

Autor: FeenjaWesker

Ich habe keinen guten Tag ... eigentlich ist die ganze Woche eine absolute Katastrophe und nach all dem Mist, der in den vergangenen 6 Tagen abgelaufen ist, sind meine Energiereserven aufgebraucht.

"Das geht doch jedem mal so", mag man sich nun vielleicht denken. "Aber was hat das mit Autismus zu tun?"
Gute Frage, keine Ahnung. Vielleicht alles, vielleicht nicht viel? So wie ihr vielleicht nur eine theoretische Ahnung davon habt, wie es sich anfühlt Autismus zu haben, habe ich nur eine theoretische Ahnung davon, wie sich ein Leben ohne Autismus anfühlt.

What is it like to be a bat?

 

"Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?", schreibt Thomas Nagel und kommt zu der Schlussfolgerung, dass wir zwar das Leben einer Fledermaus genau analysieren und bis ins Detail erforschen können. Dass wir mathematisch und physikalisch die Funktionsweise ihrer Flugfähigkeit berechnen und simulieren können. Aber wir werden niemals wissen, wie es sich anfühlt eine Fledermaus zu sein.

Und ist Autismus nun eine Krankheit, Störung oder vielleicht doch eine Superkraft? Darüber streitet sich Social Media nun schon seit Jahren und ich kann aus meiner individuellen Sicht sagen, dass es auf keinen Fall eine Superkraft ist und eine Krankheit ebensowenig, denn das wäre irreführend.

Vielleicht mögen mir die TikTok-Autisten und selbstdiagnostizierten Autisten da widersprechen, aber ja, es ist eine Störung.
Eine Störung meiner neurologischen Filterfunktion, dank derer ich permanent jedes Gespräch im Raum hören kann.
Eine Störung meiner sensorischen Wahrnehmung, die mir das Tragen von Jacken und das Ertragen von Gerüchen fast unmöglch macht.
Eine Störung meiner emotionalen Kontrolle, durch welche ich die meisten meiner Tage immer ganz nahe am Ereignishorizonts des Schwarzen Lochs entlang gleite, was sich "Meltdown" nennt.

Und aus all diesen aktiven Symptomen, entwickeln sich so viele Begleitsterne, die sich gegenseitig auffressen und mein Leben an manchen Tagen, in ein inneres, brüllendes Chaos verwandeln. Diese Begleitsterne nennen sich 'Eingeschränkte soziale Interaktionsfähigkeit', 'Beziehungsunfähigkeit', 'Unfähigkeit zur Intimität', 'Überforderung im Straßenverkehr', 'Eingeschränkte Fähigkeit zum Lesen der Stimmung anderer', 'Hyper-Empathie' (ja, es ist paradox), 'Überemotionalität', etc.

Ich habe 33 Jahre lang gelernt all diese Dinge zu maskieren und mich irgendwie an meine Umgebung anzupassen. Denn ich habe 33 Jahre lang ein Leben geführt, was eigentlich nicht das meine war. Ein Leben in dem ich immer wieder an den einfachsten Dingen scheiterte und lernte, dass ich niemals genug sein kann. Und dieses ständige Scheitern führte zu immer mehr Zweifel, bis ich mich verzweifelt fragte, ob ich vielleicht sogar in meiner Intelligenz vermindert wäre.

Bis mir endlich jemand sagen konnte, was mit mir nicht stimmt.

Natürlich kenne ich die vielen Videos da draußen, von Menschen die über ihre eigenen Erfahrungen berichten und vieles davon deckt sich mit dem, was ich selbst durchmachen musste. Selbstverständlich gibt es auch die Trittbrettfahrer und diejenigen, die sich selbst diagnostizieren, weil ASS und ADHS gerade 'im Trend' sind. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal. Meine Stimmung ist ohnehin im Keller und das würde mich nur sinnlos aufregen.

Aber ja, genau so ist es ein Autist zu sein.

Anmerkung: Geschlechterangaben im Text sind rein zufällig. Er entstand aus einem Gefühl heraus. Ich bin Autistin. Für mich sind Geschlechterangaben in der Sprache ein eher abstraktes Thema, weswegen ich oft willkürlich damit hin und her springe.

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Datum: 23.02.2026 07:52
Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag. Und Du hast Recht, ich kann da nichts nachfühlen, es ist ausserhalb meines Erfahrungshorizontes. Umso wichtiger finde ich es, von Dir darüber zu lesen.
[[🐄]] Lies meinen Finanzblog https://www.animexx.de/weblog/442279/813106/ denn Twixer empfieht: "uninteressante blogs vom selben Autor, ohne nennenswerten Mehrwert für irgendwen".
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Datum: 23.02.2026 11:53
Jedes Mal, wenn ich von - meines und deren Wissens nach - neurotypischen Menschen höre, dass sie sich ja auch manchmal so und so fühlen oder ihnen manchmal auch das und das zu viel ist, wenn man von seinen Autismus-Problemen berichtet, möchte ich in die Tischplatte beißen! 🤬
 
Nein, wir haben nicht dieselben Probleme! Und nein, bei dir geht emotional und körperlich nicht dasselbe ab wie bei mir. 
 
Und falls du doch der Meinung ist, dass es ja "normal" sei sich 2 Stunden mit dem Kauf einer simplen Toilettenbürste zu beschäftigen, körperliche Stress-Symptome bekommst, wenn du auf den Kauf-Button drückst, weil du immer noch nicht sicher bist, ob du die Richtige genommen hast, dein Tag aber nur 24 Stunden hat, und sich dann 7 Monate später gedanklich immer noch damit beschäftigst, ob du die richtige Wahl getroffen hast, dann solltest auch du mal zum Arzt gehen. 
Lebe nie ohne zu Lachen, denn es gibt Menschen die von deinem Lachen leben.
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Datum: 23.02.2026 19:05
Danke, ich versuche mein Bestes, um meine Sichtweise anderen verständlich zu machen. Freut mich dass es verständlich ankommt :)
Liebe Grüße
Shop 👘 und Social Media 😺
https://feenjawesker.carrd.co/

Zwischen eigenen Artworks, Prints und seltsamen Gedanken.
💚be veggie 💚
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Datum: 23.02.2026 19:07
@RedFlash
Mein Lieblingsthema ist ja auch "Autofahren". Immer wenn ich versuche zu erklären, dass ich zwar (nach 3 Jahren Kampf) den Führerschein gemacht habe, es aber für mich unfassbar anstrengend ist, kommt dieses maximal unempathische "Ach, du musst nur genug üben, dann klappt das irgendwann!"
Danke aber ... nein Danke. Ich verzichte auf die Erfahrung, 5 Jahre lang andere Menschen in Lebensgefahr zu bringen, nur um irgendwann VIELLEICHT mal mit einem Auto von A nach B zu kommen.
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💚be veggie 💚
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Datum: 24.02.2026 20:15
FeenjaWesker:
 
Ja, das kenne ich. Ich hab auch keinen Führerschein. Unter anderem deswegen. Ich hab für mich entschieden, dass ich kein sicherer Teilnehmer am Straßenverkehr sein könnte und demnach eine Gefahr für mich und andere wäre. Deswegen hab ich mich auch bewusst dagegen entschieden. Das halte ich persönlich für Vernünftiger und Weitsichtiger, als auf Krampf ein Auto bedienen zu müssen. Insbesondere, da wir ohnehin schon viel zu viele schlechte Autofahrer auf der Straße haben. 
Lebe nie ohne zu Lachen, denn es gibt Menschen die von deinem Lachen leben.


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