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Final Review: JOKER GAME Joker Game, Anime-Review, Crunchyroll, Final Review, Simulcast

Autor:  Jitsch

Zwischen die "Blick in die Karten" Reviews schiebe ich mal wieder ein Abschlussfazit zu einer im Simulcast gelaufenen Serie. Viel Spaß beim Lesen!

JOKER GAME
ジョーカー・ゲーム

Anbieter: Crunchyroll

Link zur Serienseite

Kosten:

keine (SD, Werbung)

4,99 € / Monat (HD, Werbefrei)

Lief seit: 5.5.2016
Episoden: 12

SimulReview:

Hier

 

Story

Während sich der zweite Weltkrieg anbahnt, schart in Japan Oberstleutnant Yūki junge Männer um sich. Diejenigen unter ihnen, die nach Unterweisungen in den verschiedensten Fächern und einem harten physischen Training übrig bleiben, bilden die neu gegründete Spionageeinheit "D-Kikan". Bald sind die Spione auf der ganzen Welt verstreut, um Informationen über den Feind zu finden oder zu verhindern, dass Informationen über die Pläne ihres Landes in falsche Hände geraten. Dabei lautet ihr wichtigster Grundsatz: Töten oder selbst zu sterben ist für einen Spion jederzeit die denkbar schlechteste Option.

Jitsch findet...

Wer glaubt, Anime würde immer nur dieselben blöden Klischees und Zielgruppen bedienen (Hundred ja noch ein halbwegs interessanter Vertreter dieser Art von Serie) kann bei JOKER GAME erst mal aufhören, eine Ausnahme davon zu suchen. Wie ich schon im SimulReview schrieb ist mir kein anderer Anime bekannt, der überhaupt in der Nazizeit spielt. In Japan besteht ja auch außerhalb von Anime kaum Interesse an der Aufarbeitung der Taten des japanischen Kaiserreichs in dieser Zeit. Wobei JOKER GAME sich in der Hinsicht auch nicht all zu weit aus dem Fenster lehnt: Die Serie beschäftigt sich mit einzelnen Spionen von beiden Seiten, nicht mit irgendwelchen kollektiven Schuldfragen. Andererseits, und das merkt man schon an der ersten Episode, halten die Spione der D-Kikan auch nicht viel von der damals weit verbreiteten Vaterlandstreue, in deren Namen sogar der Tod nicht gefürchtet wurde.

Aber worum geht es eigentlich in den 12 Episoden? Es sind einzelne Geschichten, größtenteils eine Episode lang, ein paar Zweiteiler, zusammengehalten davon, dass in jeder von ihnen ein Spion der D-Kikan involviert ist. Die Stories sind aber nicht selten so aufgezogen, dass selbst der Zuschauer nicht genau weiß, welche der Figuren jetzt eigentlich der Spion ist. Das liegt auch daran, dass kein Wert darauf gelegt wird, die Spione als individuelle Charaktere greifbar zu machen, so dass man mit den jeweiligen Gesichtern (die sich zudem doch ziemlich ähneln) irgendwelche Namen oder gar Vorgeschichten verbinden könnte. Sie sind eben Spione, deren ursprüngliche Identität keine Rolle spielt. Hervor sticht lediglich Yūki, der immer ein Auge auf seine Jungs hat und von ihnen absolute Professionalität fordert, ihnen aber auch viel zutraut und nie zu viel abverlangt.

Die Geschichten führen uns durch die ganze Welt: Frankreich, Shanghai, England, die Mandschurei, der pazifische Ozean, Deutschland. Einige Episoden spielen natürlich auch in Japan, involvieren aber da meist ausländische Spione. Die Sprachproblematik, die ich in der ersten Episode bemerkt hatte, stört im Verlauf nicht mehr: Wenn sich die Spione im Ausland bewegen, wird einfach alles in Japanisch synchronisiert und es ist der Fantasie des Zuschauers überlassen, zu denken, dass die Konversationen wohl eigentlich in Französisch, Chinesisch oder Englisch stattfinden. Besser als, wie in der ersten Episode, die japanischen Synchronsprecher irgendwelchen Kauderwelsch radebrechen zu lassen, der dann als perfektes Englisch oder Deutsch ausgegeben wird, ist das allemal.

Historisch wirkt alles leidlich gut recherchiert (bei einer Geschichte die in Deutschland spielt ist von "dem Berliner Krankenhaus" die Rede, aber gut), vor allem aber benutzen die Spione immer wieder Tricks, die auf mehr als oberflächlichen Kenntnissen von Physik, Literatur oder auch Psychologie basieren. In einer Episode bekommt einer der Spione als Reisegeschenk den Roman "Robinson Crusoe", was sich im Verlauf von dessen Abenteuer als geheimer Hinweis entpuppt. In einer anderen stellt der Spion die Frage, wie eine Nachricht schneller ihren Empfänger erreichen kann als der schnellste bekannte Zug. Die Antworten auf solche Fragen sind ungemein clever, aber immer so einleuchtend, dass man sich fragt, wieso man nicht selbst darauf gekommen ist.

Fazit

★★★★☆  (4 von 5 Sternen)

JOKER GAME ist eher ne Sammlung von Kurzgeschichten, aber die sind alle sehr clever und das Setting (Japan im WW2) quasi einmalig. Fans von charaktergetriebenen Inhalten haben an JOKER GAME sicher keine Freunde. Wer aber Spaß an cleveren Stories mit Aha-Effekt hat oder einfach mal was Historisches in Anime sehen will, sollte mal reinschauen.



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