So, meine Liebe. What can I say, hm? Der Einstieg in dein neues Projekt wählt einen erzählerisch sehr interessanten Weg, indem er den Wert einer Frau direkt mit dem einer Blume kontrasiert. Diese Metapher setzt sofort ein klares, gesellschaftskritisches Fundament: Während Blumen durch Heilkraft oder Gift einen eigenen Nutzen besitzen können, wird die Frau in diesem Setting als reines Ästhetik-Objekt definiert. Das Bild, dass sie ein
bewegtes Gemälde, ästhetisch und ohne jede Substanz jenseits der eleganten Pinselstriche sei, verdeutlicht sehr präzise die Entmenschlichung und den Druck, unter dem Sakura steht. Es gelingt dir hier gut, die beklemmende Erwartungshaltung der Geisha(?)-Welt einzufangen, in der das Individumm hinter der perfekten Fassade verschwinden muss.
Besonders greifbar wird dieser Umstand durch die Rückblicke auf die Ausbildung. Die Schilderung der körperlichen Züchtigungen durch die Herrin - die blutigen Lippen, die schmerzenden Finger an der Shamisen und das Tanzen auf spitzem Kies - erzeugt eine viszerale Atmospähre. Es wird deutlich, dass die Anmut, die Sakura im Hier und Jetzt ausstrahlt, mit einem hohen Preis erkauft wurde. Dass sie gelernt hat, die Stimmung der Herrin allein an der Form der Augenbrauen abzulesen, ist ein feines psychologisches Detail, das ihre ständige Alarmbereitschaft unterstreicht.
Interessant ist auch die dargstellte Dualität ihrer Existenz. Einerseits muss sie im Rampenlicht stehen, um den Fortbestand des Teehauses zu sichern, andererseits hat sie die Strategie entwickelt, für fremde Männer unsichtbar zu werden, um sich einen Rest von Autonomie zu bewhahren. Dieser Prozess der Abstumpfung gegenüber dem fremden Blick macht Sakura zu einer sehr kontrollierten, fast schon strategischen Protagonistin. Sie ist keine passive Leidende, sondern jemand, der die Regeln des Systems tief inhaliert hat, um darin zu überleben.
Jedenfalls stelle ich mir das so vor. :D
Dein Schreibstil bleibt dabei gewohnt, wie immer, atmosphärisch und dicht. Die Sprache passt sich dem historischen, eher rituellen Setting an, ohne dabei an Fluss zu verlieren. Das ist wichtig und genau richtig. Und das Cover, ja Menschenskinder, das passt definitiv zur Geschichte (und Prolog!). Ach ja, und der Schluss des Prologs bildet einen starken Fokuspunkt; der schlichte Satz
Und Sakura fing an zu tanzen wirkt nach den zuvor geschilderten Qualen der Ausbildung deutlich schwerwiegender. Es bleibt abzuwarten, wie sie in dieser Welt, die ihr nur
Flügel zum Nicht-Fliegen zugesteht, ihre eigene Stimme finden wird.
Bin gespannt, was du uns hier noch zaubern wirst, meine Liebe!
Hau in die Tasten! ~ 🤍
Cheers,
ESRYN