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Auf dem Rücken der Pferde

von

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Unglück

Ich spüre den Boden unter den Hufen, das satte Aufstampfen, das das rhythmische Pochen in meinem Körper bestätigt. Mein Blick ist aufmerksam, die Konzentration stark, die Nerven aber sind ruhig. Gigi trägt mich sicher an den ersten Sprung, einem schmalen Steil-Sprung, 1,70 Meter hoch.

Wir nehmen ihn mit Leichtigkeit, die Muskeln arbeiten entspannt, der Atem ruhig. Die Landung ist sanft, der Fluss des Reitens läuft wie nach einem langen studierten Drehbuch. Ich sehe kurz zu den Zuschauern, spüre die Spannung, doch in meinem Kopf ist alles fokussiert auf das, was vor uns liegt.

Der zweite Sprung, ein breiter Oxer, folgt in flüssiger Bewegung. Gigi reagiert sofort auf meine feinen Hilfen, ihre Beine fliegen über das Holz, die Gleichmäßigkeit der Bewegung ist beeindruckend. Ich kontrolliere den Sitz, halte die Zügel mit wenig Druck, lasse die Stute frei springen, ohne dagegen zu wirken. Die Distanz stimmt, Gigi landet weich, weiter galoppieren wir zum nächsten Abschnitt. Es läuft alles perfekt und das Gefühl eines guten, sicheren Rittes wächst in mir.

Wir nehmen die Kombination aus Steil-Sprung und Oxer mit ruhiger Präzision, zwei Galoppsprünge dazwischen, richtig getimed, perfekt eingeleitet und sauber gesprungen. Der nächste Sprung, die große Trippelbarre, mit 1,80 Metern Höhe, liegt vor uns und ich reite sie ruhig an. Gigi zeigt ihre Kraft, setzt zum Sprung an, fliegt durch die Luft und landet sicher, ohne Probleme.

Mein Herz pocht, alles passiert so geschmeidig.

Der letzte Abschnitt, die Dreifache-Kombination, die entscheidende Passage liegt vor uns. Ich setze die Zügel, gebe Gigi das Signal, das Tempo zu halten. Wir nähern uns dem ersten Hindernis, einem Oxer, 1,75 Meter hoch, 2,30 Meter breit. Gigi ist schnell, sie spürt den Ernst. Ich sitze tief im Sattel, halte die Balance, während wir an den Absprungpunkt kommen. Gigi hebt ab, ihre Flugbahn ist perfekt, ich spüre den Moment, der alles entscheidet.

Jetzt folgt der zweite Teil der Kombination, ein Steil-Sprung, 1,85 Meter hoch. Gigi zeigt erneut, was sie kann, nimmt den Sprung mit vollem Vertrauen, alles sitzt. Nur ein Galoppsprung zum Aussprung, dem Steil-Sprung mit 1,80 Metern. Ich taxiere die oberste Stange, Gigi ist bereit, will springen.

Ohne Vorwarnung bleibt Gigi abrupt stehen, verweigert den Sprung.

Der Schreck trifft mich einem Moment, meine Hände greifen nach vorne, versuchen noch halt zu finden, doch es ist zu spät.

Ich werde schief nach vorne, über den Kopf der Stute, katapultiert, mein Körper kommt aus dem Gleichgewicht. Der Aufprall ist hart, der Schmerz schießt durch meinen Rücken und meine Hüfte. Ich schlage in das Hindernis ein, reiße die Stangen mit mir und stürze zu Boden. Für einen Moment verliere ich die Orientierung und es ist, als würde alles um mich herum stillstehen.

Ich höre das Schreien der Zuschauer die aufgeregte Stimme des Stadionsprechers und nehme wie Beiläufig Finn wahr, der sofort auf den Platz stürzt. Seine Augen sind groß vor Schock, seine Bewegungen schnell, fast panisch.

Er eilt auf Gigi zu, versucht, das Pferd zu beruhigen, während er gleichzeitig nach mir schaut. Mein Blick ist noch immer verschwommen, mein Herz rast, doch ich sehe sein Gesicht, voller Sorge. Er nimmt Gigi, die zu ihm gelaufen ist, an den Zügeln, spricht ruhig auf sie ein und versucht sie zu halten.

Ich liege da, schwer atmend, die Muskeln schmerzen, der Boden ist kalt, doch ich bemerke, dass ich bei Bewusstsein bin. Der Schmerz ist da, klar und deutlich, doch durch die Mischung aus Schock und Ärger, nehme ich ihn nur nebenbei wahr. Langsam richte ich mich auf, spüre, wie meine Knochen knacken, aber es fühlt sich nichts gebrochen an.

Glück gehabt!
 

***
 

Ich stehe am Rand des Turnierplatzes, mein Herz klopft laut in meiner Brust, während ich Aiden und Gigi beobachte. Das Paar bewegt sich mit einer perfekten Balance über den Platz, das Tempo stimmt, jede Linie sitzt, die Sprünge erfolgen ohne Abwurf. Gigi springt mit einer Eleganz, die nur wahre Meister beherrschen. Aiden sitzt tief, seine Hände sind ruhig, seine Blicke scharf. Es läuft wie am Schnürchen. Das Publikum hält den Atem an, die Spannung ist greifbar, doch alles scheint so ruhig und kontrolliert.

Der Parcours zieht sich logisch und flüssig, Gigi nimmt jeden Sprung mit einer Selbstverständlichkeit, die mich immer wieder aufs Neue beeindruckt. Die Dreifache-Kombination naht, die letzten Hindernisse sind klein, aber anspruchsvoll. Aiden arbeitet konzentriert, seine Bewegungen sind präzise, sein Blick ist fokussiert auf den nächsten Sprung. Gigi folgt ihm brav, als wäre er eins mit ihm verbunden. Sie nehmen die ersten beiden Sprünge der Kombination ohne Probleme. Das erfüllt mich mit Stolz. Es sieht so aus, als könnten sie alles schaffen.

Doch dann, beim letzten Hindernis – dem hohen Steil-Sprung – passiert es. Gigi verweigert, bleibt abrupt stehen. Der Moment dehnt sich in die Länge, als würde die Zeit stillstehen. Aiden reagiert zu spät, er verliert das Gleichgewicht, sein Körper schleudert nach vorne, durch das Hindernis und stürzt schwer auf den Boden.

Für einen Moment bleibt alles still.

Mein Herz setzt einen Schlag aus und wilde Gedanken schießen mir durch den Kopf. Ich reagiere sofort, schiebe mich so schnell wie möglich nach vorne, vorbei an all den anderen Pflegern und Personal des Platzes und verlasse den Platz neben dem Zaun. Ich laufe auf den Platz, um Gigi zu fangen, bevor sie zu sehr in Panik gerät.

Das Adrenalin treibt mich an.

Ich merke, wie Gigi unruhig hin und her läuft, nicht wissen, wo sie hinsoll. Zum Glück sehe ich, dass Aiden langsam und ohne offensichtliche Verletzungen aufsteht. Er atmet schwer, aber er steht.

Ich atme erleichtert durch, während ich dem flüchtenden Pferd nachrenne. Gigi hat sich allerdings schnell wieder gefangen, scheint sich zu beruhigen und ich schaffe es, sie zu greifen, ihre Zügel zu halten. Sie ist erschreckt, doch irgendwie auch noch bei Verstand. Mein Blick fliegt zurück zu Aiden, der sich langsam aufrappelt. Es scheint zum Glück nicht zu sein. Er steht da, schwer atmend und hebt die Hand in einem stillen Zeichen, dass alles in Ordnung ist und ich atme erleichtert auf.

Aiden nickt mir zu, ein zögerliches Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht. Es ist eine Erleichterung, die alles überstrahlt.
 

***
 

Finn kommt neben mir zum Stehen, Erleichterung und Erschütterung sind aus seinem Gesicht abzulesen. Mehre Ordner und auch zwei Sanitäter sind bereits bei mir, welche ich aber wegschicke.

„Aiden!“, ruft Finn, seine Stimme zittert. Mein Blick schweift zu Gigi, die ruhig neben Finn steht, als wäre nichts geschehen. Ich streiche meiner Stute beruhigend über den Hals, was auch immer gewesen ist, ich gebe ihr keine Schuld.

Sie sind und bleiben Fluchttiere, die sich eben erschrecken können.

Ich schließe die Augen für einen Moment, atme tief durch, damit der Schmerz etwas weicht. Dann öffne ich sie wieder und schaue Finn an.

„Alles okay?“, fragt mich dieser besorgt.

„Bin in Ordnung“, sage ich ruhig, „nur der Schock, sowas passiert einfach auch den erfahrensten Reitern.“

Meine Stimme ist gefasst, aber er wird den Schmerz sicher hören.

„Wichtig ist, dass du nichts gebrochen hast“, murmelt er und ich sehe ihm in die Augen, nicke ein wenig, doch das kleine Lächeln, das sich auf meine Lippen schiebt, verrät, dass ich mir das selbst nicht so sicher bin. Der Turnierarzt wird mich gleich untersuchen und womöglich in ein Krankenhaus bringen lassen, um mich zu röntgen. Langsam lasse ich meinen Blick über den Platz schweifen, während Finn mir die Hand achtsam auf die Schulter legt.

Das Adrenalin in meinem Körper beginnt langsam abzuklingen, doch die Schmerzen bleiben.

„Finn, alles in Ordnung?“, frage ich mit matter Stimme, während ich ihn ebenso besorgt ansehe wie er mich. Er ist Kreideweiß und wirkt so, als würde er gleich umfallen. Mein Rücken schmerzt, ein stechender, kaum auszuhaltender Schmerz. Doch ich beiße die Zähne zusammen, will ihn nicht noch mehr beunruhigen.

„Ja, nur der Schreck“, antwortet er und lächelt schwach, „Du hast alles gegeben, Aiden. Manchmal liegt das Glück einfach nicht auf unserer Seite.“

Finn versucht ruhig zu bleiben, doch die Sorge in seinem Blick ist unverkennbar. Ich nicke, während ich versuche, meinen Atem zu kontrollieren.

„Wir haben alles richtig gemacht. Nur manchmal, liegt das Schicksal eben woanders“, sage ich leise, mit einem Lächeln. Finn lacht leise, versucht die Stimmung aufzulockern.

„Du bist trotzdem mein Champion, egal was passiert“, sagt er und ich sehe ihn seinen Augen, dass es nicht nur so daher gesagt ist.

Ich atme tief durch, schätze die Ruhe, die er ausstrahlt und mir legt sich ein Lächeln auf die Lippen. Er ist schön niedlich, wenn er sich Sorgen macht.

„Das ist mir wichtiger, als jeder Sieg“, sage ich leise und ehrlich.

Ich lege meinen Arm auf seine Schulter, da ich merke, dass mir das Auftreten mit dem linken Fuß unangenehm ist. Automatisch legt sich sein Arm um meine Hüfte, ich höre den Stationssprecher noch etwas sagen, das ich wohl unverletzt bin, aber das tritt in den Hintergrund.

Gigi schnaubt leise, als wisse sie, dass es nicht nur um den Parcours geht, sondern um das Vertrauen, das wir immer wieder neu aufbauen.

„Wir lassen uns nicht unterkriegen“, meine ich, mehr zu mir selbst und Finn nickt zustimmend.

„Genau, du lässt dich jetzt erst mal durchchecken und ich kümmere mich um Gigi. Wichtig ist, dass du dir nichts Ernstes getan hast und zu Hause sehen wir weiter“, sagt Finn als wir langsam den Platz verlassen. Applaus erklingt von den Zuschauern und am Einritt sehe ich schon den nächsten Reiter, der mir mit einem Kopfnicken alles Gute wünscht.

Das Gefühl der Niederlage ist nur eine kleine Narbe in meinem Weg, ich werden wieder aufstehen, und ich werden stärker zurückkehren.

Mein Blick fällt auf Gigi, die neben uns hergeht, unser gemeinsames Band ist stärker zuvor und obwohl er heute ein Rückschlag war, sind wir noch lange nicht am Ende unserer Reise.
 

***
 

Ich sitze im Behandlungszimmer, meine Hände sind feucht und mein Herz schlägt noch immer schnell. Gigi ist in ihrer Box, ein anderer Pfleger kümmert sich um sie, während ich hier warte. Mein Blick wandert immer wieder zu Aiden, der auf der Liege liegt, sein Gesicht ist ruhig und die Augen geschlossen.

Der Arzt ist gerade dabei, Aiden zu untersuchen. Ich höre das leise Klopfen des Reflexhammers, das Rascheln des Stethoskops und spüre, wie die Anspannung in mir wächst. Ich kann kaum glauben, was passiert ist. Es war nur ein Moment, nur ein kleiner Fehler und doch hat es alles verändert.

„Aiden, können sie Augen öffnen?“ Der Arzt spricht ruhig, aber bestimmt. Aiden blinzelt, seine Lider zucken, dann sieht er den Arzt an, seine Augen sind glasig, aber wach.

„Wie stark sind die Schmerzen?“, fragt der Arzt, während er vorsichtig den Kopf des Mannes abtastet. Aiden schüttelt ein wenig den Kopf, doch ich sehe, wie sein Kiefer sich anspannt.

„Nur ein bisschen Kopfschmerzen“, murmelt er. „Der Rücken schmerzt mehr.“

Seine Stimme ist schwach, aber er versucht, ruhig zu bleiben. Der Arzt nickt, schreibt etwas.

„Wir werden eine Röntgenaufnahme machen, um sicherzugehen, dass keine Knochen verletzt sind. Es sieht nach einer starken Prellung aus, aber wir wollen auf Nummer sicher gehen“, spricht der Turnierarzt ruhig und ich spüre, wie mein Magen sich zusammenzieht.

Ich erinnere mich an den Moment, als er durch das Hindernis stürzte, die Bewegung, das Chaos, das Gefühl, dass die Zeit stillstand.

„Aber ich denke, dass nichts gebrochen sein wird“, sagt der Arzt, während er Aiden beim Aufrichten hilft. Beide verlassen den Raum, um die Aufnahmen zu machen, was hier zum Glück sehr schnell geht, sodass ich nicht lange warten muss. Nach ungefähr zehn Minuten sind wieder im Raum und Aiden setzt sich auf die Liege. Ich stehe neben ihm, meine Arme verschränkt und beobachte, wie die Röntgenbilder begutachtet werden. Aidens Hand greift nach meiner und ich spüre die Erleichterung, die sich in mir breitmacht.

Der Arzt kommt wieder zu uns, bringt die Röntgenbilder.

„Hier sehen wir, dass keine Knochenbrüche vorliegen. Nur eine starke Prellung am Rücken und eine leichte Gehirnerschütterung. Ich werde ihnen noch einige Medikamente und eine Salbe aufschreiben und sie sollte sich ausruhen.“

Ich atme tief durch, während ich den Blick auf Aiden richte. Er wirkt erschöpft, aber auch erleichtert und ich weiß, dass er stark ist, dass er das durchstehen wird.

„Danke“, meine ich, als der Arzt den Raum verlässt. Aiden sieht mich an, seine Augen sind müde, aber dankbar.

„Danke, dass du da bist“, sagt er und drückt meine Hand liebevoll. Ich nicke, spüre, wie die Anspannung langsam von mir abfällt und beuge mich zu ihm. Sacht lege ich ihm einen Kuss auf die Lippen und löse mich wieder von ihm. Hier im Zimmer ist nicht der richtige Ort.

Alles in allen ist es gut gegangen.

Es hätte auch viel schlimmer ausgehen können und jetzt zählt nur noch, dass er sich erholt.

Glück im Unglück.



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Kommentare zu diesem Kapitel (3)

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Von:  Gl0rian4
2025-11-05T18:27:24+00:00 05.11.2025 19:27
Hej,
Na das ist wirklich glimpflich ausgegangen..
Allerdings ist der Wettbewerb für ihn wohl dieses Jahr gelaufen.
Hoffentlich hat das Pferd jzt kei Problem. Also, das es jzt Hemmungen hat zu springen, wenn er reitet...vonwegen Bindung und so...
LG Gl0rian4
Antwort von:  Milan1896
05.11.2025 19:29
Hey ^^
ja da steckt mehr der Schreck in den Knochen als alles andere. Ich konnte ihn ja nicht schwer verletzen. Es wird aber noch Turniere geben zu denen es geht. Aber die Arbeit mit der Stute und Finn wird sich etwas ändern, einfach um das Vertrauen zu stärken.
Antwort von:  Gl0rian4
05.11.2025 19:30
Ich bin gespannt u d freu mich drauf..


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