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Auf dem Rücken der Pferde

von

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Der Morgen danach

Ich wache langsam auf und spüre die Wärme des anderen Körpers, der sich an meinen Rücken schmiegt. Sein Atem ist ruhig, gleichmäßig und seine Arme sind fest, aber sanft, um mich geschlungen, als wollte er mich schützen und nicht mehr loslassen. Es fühlt sich richtig an, in seinen Armen zu liegen, als wäre das genau der Ort, an den ich gehöre.

Die Erinnerungen an die letzte Nacht kommen wieder hoch, doch im Moment konzentriere ich mich nur auf das Gefühl von Sicherheit, das er mir gibt. Mein Blick wandert über die Schulter nach hinten, während ich die Situation noch versuche, zu ordnen.

Unsere Körper sind dicht aneinandergedrückt, doch es ist kein Druck, kein Zwang, sondern eine wohlige Nähe, die mich tief durchatmen lässt. Ich lasse die Gedanken schweifen, erinnere mich an die Momente, die wir miteinander geteilt haben.

Es war alles so intensiv, so echt.

Aber ich frage mich, wie es nun weitergeht.

Aiden ist so gesehen mein Chef, das weiß ich, er ist der distanzierte Springreiter, den ich seit einem Monat kenne, der mich immer respektvoll, aber auch herzlich behandelt hat. Und doch war da immer diese unausgesprochene Spannung zwischen uns. Spätestens seit dem Besuch bei ihm zu Hause. Jetzt, wo alles so offen und ehrlich ist, spüre ich, dass wir uns nähergekommen sind, als ich jemals erwartet hätte.

Nicht nur körperlich, sondern emotional.

Langsam, ohne ihn zu wecken, bewege ich mich einen Hauch, um einen Blick auf sein ruhiges Gesicht zu werfen. Seine braunen Haare sind zerzaust, die Lippen entspannt, so als könnte nichts die Ruhe in ihm stören, der Bartschatten steht ihm gut und ich frage mich, ob er ähnlich denkt wie ich.

Was jetzt kommt, ist das Unbekannte, ich bin unsicher, ob ich mutig genug bin, um ihn direkt darauf anzusprechen. Aber die Angst vor dem allein sein ist größer, als die vor dem, was kommen könnte. Vielleicht ist es an der Zeit, ehrlich zu sein und das, was wir beide brauchen.

Langsam, vorsichtig, drehe ich mich vollständig in seine Richtung, sodass ich seinen Atem spüren kann. Mein Herz schlägt noch immer laut und schnell, doch in seiner Nähe beruhigt sich jede Nervosität.

Die Idee, diesen Moment zu bewahren, zieht sich wie ein sanfter Schleier durch meinen Kopf. Denn egal, was die Zukunft bringt, ich weiß, dass ich mich in seinen Armen geborgen fühle. Und das ist mehr wert, als Worte es ausdrücken können.

Achtsam, um Aiden nicht zu wecken, wende ich ihm wieder den Rücken zu und schiebe ich die Decke beiseite, setze meine Füße auf den Boden. Der Raum ist still, nur die gleichmäßigen Atemgeräusche begleiten mich, während ich mich aufrichte. Ich blicke auf das zweite unangetastete Bett und erneut muss ich Lächeln. Aiden murrt kurz und rollt sich etwas zusammen, schläft aber weiter, sein Atem ruhig und gleichmäßig. Für einen Moment sitze ich einfach nur da, spüre die Stille um mich herum und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Dann schließe ich die Augen, atme tief durch und stehe endgültig auf.

Ich schüttele die Gedanken ab, die noch von gestern Abend durch meinen Kopf wirbeln. Jetzt ist nicht die Zeit für irgendwelche Fragen oder Unsicherheiten.

Heute ist der zweite Turniertag und ich will das Beste geben, für Gigi, die heute glänzen muss und für Aiden. Nach dem zweiten Platz gestern will er heute siegen.

Jedes Geräusch, das ich mache, ist so leise wie möglich. Ich möchte Aiden seine Ruhe lassen, noch ein bisschen in diesem Moment verweilen, solange ich kann.

Ich gehe leise ins Badezimmer, das neben dem Schlafzimmer liegt. Während ich unter die Dusche trete und den Wasserhahn aufdrehe, höre ich nur meine eigenen Gedanken, die lautlos in mir toben.

Es ist schwer, nicht ständig an gestern zu denken, an das Gefühl seiner Hände auf und in meinem Körper, an sein Lächeln und seine Blicke, an das, was zwischen uns passiert ist. Doch ich weiß, dass ich den Kopf gerade klar behalten muss. Für den heutigen Tag, für die Tiere, für uns beide.

Ich raschle in der Tasche und hole meinen Rasierer, meine Pflegeprodukte. Eine schnelle Dusche, dann frisch machen, Haare ordnen, die Schuhe checken. Während mir das Wasser über den Körper läuft, spüre ich eine Aufbruchstimmung in mir.

Ich will zeigen, dass ich bereit bin, das alles anzupacken, auch wenn mein Herz noch ein bisschen schwer ist von all den Fragen, die ich mir stelle.

In Gedanken sehe ich noch einmal kurz das Bild von dem Moment, als ich aufstand, bevor ich das Bett verlassen habe.

Das Gefühl seiner Nähe, das Wärme, die mich noch umhüllt, all das will ich behalten. Doch ich weiß, dass es an der Zeit ist, den Tag anzugehen. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wohin uns das führen wird.

Ich bin bereit und egal, was kommt, ich werde es annehmen.
 

***
 

Ich liege im Bett, atme tief ein und versuche, den Moment in Erinnerung zu behalten, das Gefühl der Wärme und Geborgenheit, bevor Finn sich bewegt hat. Er ist leise aufgestanden und für einen kurzen Moment spüre ich die Angst, dass ich so nicht mehr spüren werde. Mein Herzschlag beschleunigt sich und ich halte die Luft an, höre jede noch so kleine Bewegung im Raum, bis sich die Tür zum Bad öffnet und kurz darauf wieder schließt.

Das erleichtert mich, doch die letzte Nacht schwingt noch nach, und ich bin mir unsicher, was das für uns bedeutet.

Ich rolle mich auf die Seite, die Arme hinter den Kopf gelegt, und lasse meine Gedanken schweifen. Meine Muskeln sind noch ganz warm von der Nacht, doch gleichzeitig fühlt sich alles komisch an, als ob etwas zwischen uns steht, das noch nicht erledigt ist.

Wie soll es weitergehen?

Ich bin so gesehen sein Chef, der das Team leitet, Finn ist offiziell der Pfleger, der sich um meine Pferde kümmert, doch was bedeutet all das für die Zukunft?

Ein Moment nur, oder mehr?

Wir haben uns gestanden, dass wir uns lieben, dennoch fühlt es sich brüchig an, zerbrechlich.

Die Geräusche aus dem Bad werden lauter, das Wasser der Dusche läuft, ich höre das Plätschern, gemischt mit leiser Musik aus dem Radio. Meine Gedanken drehen sich weiter.

Soll ich ihn in Ruhe lassen, ihm Zeit geben, oder soll ich zu ihm gehen? Ich will wissen, wie er sich fühlt, ob er sich ähnliche Gedanken über uns macht, oder ob er nicht zweifelt.

Ich schließe für einen Moment die Augen, sende einen stillen Wunsch nach Klarheit. Meine Gedanken schweifen unwillkürlich zurück zu unseren Berührungen, den Blicken, den Worten. Auch wenn mir all das durch den Kopf geht, so ist eines sicher, mehr als alles andere.

Ich will ihn, ganz und vollkommen!
 

Ich trete ins Bad, die Tür schließt hinter mir, der Raum ist erfüllt vom Plätschern des Wassers. Mein Blick wandert zu Finn, der unter der Dusche steht, das Wasser glänzt auf seiner Haut. Für einen Moment zögere ich, überlege, ob ich einfach stehen bleiben soll oder ob ich mich dazu stelle.

Das Letzte, was wir ausgemacht haben, war, dass wir ehrlich zueinander sein wollen. Und ehrlich gesagt, merke ich an meiner Art, dass das hier mehr war als nur eine flüchtige Nacht. Es hat etwas in mir verändert. Ich atme tief durch, dann entscheide ich mich, näherzutreten.

Vorsichtig.

Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt, doch ich will keinen Druck aufbauen, nur Klarheit schaffen. Sein Rücken ist gerade, seine Schultern entspannt, während das Wasser langsam über ihn rinnt. Ich komme näher, bevor ich leise die Kabine öffne und mich auf die Seite stelle, die weniger nass ist.

„Finn“, sage ich leise, fast ein Flüstern. Ich kann ihn kaum ansehen, ohne von diesen Momenten überwältigt zu werden. „Was gestern war, das war ... wunderbar und ich will ehrlich sein. Ich habe keinen Zweifel und hoffe, dass du es ebenso wenig bereust.“

Er dreht den Kopf, seine Gesichtszüge werden weicher, als er mich ansieht.

„Nein, das tue ich nicht“, meint er und lächelt, „Es war schön. Wirklich.“

Er lächelt, das Wasser rinnt sein Gesicht entlang.

„Aber wie geht’s jetzt weiter?“, fragt er und senkt den Blick.

Das ist die große Frage.

„Für mich ist das nicht nur eine Privatsache, ich bin dein Chef“, meine ich und hoffe, dass er versteht. Er nickt, weil er genau weiß, was ich meine. Das ist das Dilemma, das wir beide spüren. Die Vertrautheit, das Gefühl ist da, aber die äußeren Umstände sind es auch.

„Ich weiß“, haucht er, „Und genau das macht er kompliziert. Ich habe auch schon darüber nachgedacht.“

Ich gehe einen Schritt näher, spüre die Wärme seines Körpers und das Wasser, welches nun auch über meinen Körper läuft.

„Ich glaube, das Wichtigste ist, ehrlich zu uns selbst zu sein. Wir beide wollen das hier, egal, was das bedeuten mag. Und solange wir uns dessen sicher sind, dass es keine Probleme bei der Arbeit gibt, können wir eine Lösung finden“, sage ich mit Überzeugung in der Stimme.

Er nickt nachdenklich und schließt kurz die Augen, als würde er einen Moment der Ruhe brauchen.

„Ich fühle mich so, als ob ich zum ersten Mal wieder wirklich atmen kann“, sagt er dann leise und öffnet wieder die Augen. „Egal, was kommt, ich will, dass wir ehrlich bleiben. Weil das hier“, er zeigt auf sich, auf mich, „stellt für mich mehr dar, als nur eine Nacht.“

Ich spüre in diesen Moment, dieses Gefühl, das zwischen uns schwebt.

Es ist nicht nur Leidenschaft, sondern etwas Tieferes, eine Verbindung, die echt ist. Ich lege die Hände auf den Rand der Duschablage, sehe Finn an und weiß, dass wir beide auf einem Weg sind, der der richtige, weil es ehrlich ist.

„Lass uns Schritt für Schritt gehen“, sage ich leise. „Egal, was kommt, wir wissen, was wir wollen und nur das zählt.“
 

Finn dreht sich zu mir, seine Arme schlingen sich um meinen Nacken, als er mich an sich zieht. Seine Haut ist warm, das Wasser läuft über uns hinweg, lässt die Berührung noch weicher erscheinen. Ohne nachzudenken, neige ich mich zu ihm und seine Lippen treffen meine in einem sanften, doch tiefen Kuss. Meine Arme legen sich um die schmale Hüfte des anderen und verstärke den Kuss. Es ist, als ob dieser Moment alles um uns herum auslöscht, nur wir beide, verbunden in diesem Gefühl, das stärker ist als alles andere.

Finn lehnt sich an mich, seine Hände vergraben sich in meinem Haar und ich spüre die sanfte Hitze seiner Haut, das pulsierende Leben in ihm.

Das Wasser läuft weiter, umspielt unsere Körper, während wir den Moment genießen. Die Nähe, die Wärme, das Gefühl, dass alles im Fluss ist. Dieser Kuss ist mehr als nur Leidenschaft, er ist eine tiefe Bestätigung, dass wir es wollen, dass wir zusammengehören.

Irgendwann löst Finn behutsam den Kuss, seine Finger verweilen noch in meinen Haaren, so wie meine auf seinen Hüften, bevor er sich von mir löst. Seine Augen sind von warmem Glühen erfüllt.

„Wir müssen uns fertig machen“, meint er leise, „Frühstücken und dann Gigi vorbereiten ... Das Turnier wartet nicht.“

Ich nicke, spüre wie mein Puls noch immer rast, während Finn das Wasser abstellt. Wir treten aus der Dusche hervor und beginnen mit unseren morgendlichen Routinen, ziehen uns an, um den Tag zu beginnen.

Gemeinsam verlassen wir das Bad, schreiten in den Tag hinein, bereit für alles, was kommen mag. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in den Frühstücksraum des Hotels. Es herrscht reges Treiben und schnell nehmen wir die morgendliche Mahlzeit und Kaffee zu uns, bevor wir uns in Richtung Turniergelände und Stallungen aufmachen. Der Tag ist sonnig und warm.

Andere Pfleger und Reiter sind bereits unterwegs, die uns hier und da grüßen.

Bevor wir in die Stallgasse treten sehe ich mich kurz um, dann greife ich Finns Handgelenk um ihn zu mir zu ziehen. Ich lege ihm einen schnellen aber sanften Kuss auf die Lippen. Er lächelt, als sich der Kuss löst, ein echtes, warmes Lächeln, was ich ebenso erwidere.

Jetzt aber beginnt der Arbeitsalltag und mit diesem der professionelle und distanzierte Teil unsere Beziehung.



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