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Auf dem Rücken der Pferde

von

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Der neue Stall

Der Tag ist noch ruhig, der Hof des Cambridgeshire-Stalles, einem riesigen Komplex aus rotem Backstein und dunklem Holz, der sich in die Hügellandschaft der ländlichen Grafschaft schmiegt. Zwei große Gebäude prägen das Gelände, die große Reithalle durch deren Fenster die Sonne dringt und der Trackt der Stallungen.

Ich trete durch das große Eingangstor des Hofes und lasse den Blick schweifen. Die Reithalle im Zentrum, imposant und luftig zugleich. Unter dem hohen Dach wirkt der Sandboden wie ein getreues, weiches Meer, das jedes Geräusch dämpft. Die Stallgasse zieht sich wie eine Ader mittig durch das zweite Gebäude, hell erleuchtet von gläsernen Fenstern, die das Tageslicht einlassen. Auf dem Gelände um die Halle herum erstrecken sich weitläufige Koppeln mit ihren weißen Holzzäunen, ein kleines Gerätehaus und ein Teich mit Steg der zum Ausruhen einlädt.

Tief atme ich den Geruch von Heu, Leder und den Pferden ein. Es ist mein erster Arbeitstag, der sich wie ein neuer Anfang anfühlt. Mein Blick geht kurz in die Stallgasse, wo mich einige der Pferde neugierig betrachten, schnauben, als wüssten sie, dass heute jemand Neues hier beginnt. Ich erkenne vor dem Gebäude Heurollen, die ordentlich gestapelt stehen, und weiter hinten öffnen sich die Räume für Futter und die Sattelkammer.

In dem Moment, in dem ich den Gang entlanggeht, hört er Schritte hinter mir und drehe mich diesen zu.

Ein Mann, groß, sportlich schlank, in legere aber teure Stallkleidung gekleidet, mit dunkelbraunen Haaren, die leicht zerzaust schienen, und blauen Augen, kommt aus dem hinteren Stallabschnitt. Mit einem fragenden Ausdruck betrachtet er mich.

„Guten Morgen“, sagt er, seine Stimme angenehm warm und tief, leicht distanziert, aber keineswegs unfreundlich. „Unbefugten ist das Betreten des Geländes untersagt.“

Mit einem freundlichen Lächeln legt sich auf seine Lippen. „Mein ist Finn, ich beginne heute hier als Pferdepfleger.“

Der Mann nickt, seine Augen verraten Interesse aber auch Skepsis. Er lehnt sich an eine der Boxen und verschränkt wartend die Arme vor der Brust: „Interessant. Und wieso gerade dieser Stall?“

„Ich habe Pferdewirt gelernt und bereits einige Zeit in anderen Ställen gearbeitet, aber ich will mehr als nur stumpfe Routine. Hier denke ich, dass man Wert auf Nähe zu den Tieren legt, auf eine Ruhe im Umgang, die man spüren muss, um wirklich gut zu werden. So stand es auf der Website. Und die Anlage hier, die Größe, die Struktur, sie wirkt wie ein Ort, an dem man wachsen kann“, gebe ich als Antwort und hoffe den richtigen Ton zu treffen.

Reiter sind ein spezielles Volk für sich.

Ich werde gemustert, mit einem kurzen, anerkennenden Blick.

„Das klingt, als wärst du nicht auf den Mund gefallen, etwas was du hier brauchen wirst. Wir brauchen jemanden, der bereit ist, anzupacken, statt sich zu verstecken.“

Seine Stimme ist freundlich, aber leise schwingt eine verschmitzte, beinah hochnäsige, Distanz mit. Diesen Mann umgibt eine Aura, welche ich verdammt interessant finde. Kühl und ruhig aber doch aufmerksam und freundlich.

„Ich bin hier, um zu arbeiten“, setze ich fort, „und um zu lernen. Die Pferde hier, die Menschen alles zeugt von Erfahrung und Respekt. Und du? Wer bist du, wenn ich fragen darf.“
 

Er nickt, als ob er meine Antwort bestätigt, und wendet sich in Richtung der Stallgasse ab.

„Mein Name ist Aiden Courtenay“, sagt er mit einem Lächeln, das wieder mehr Distanz als Wärme ausstrahlt. „Ich bin Springreiter, einer der Aushängeschilder des Stalles.“

Er tritt einen Schritt tiefer in die Stallgasse und ich folge ihm. Überheblich klingt er dabei, aber wie gesagt, Reiter sind speziell.

„Meine Pferde stehen im hinteren Bereich“, erzählt Aiden, „Eine kleine, aber ehrliche Gruppe aus zwei Hengste und einer Stute. Die Stute ist die Dunkelbraune, die beiden Jungs sind Rappen.“

Aiden bleibt stehen und blickt den Stallabschnitt hinein, wo die Boxen größer und mit gepflegtem Stroh gefüllt sind. Die Köpfe seiner Pferde drehen sich zu uns. Ich lasse meinen Blick langsam über die drei Tiere schweifen, will jedes Detail in mich aufnehmen.

„Danke für die Beschreibung, so kann ich mir später besser merken, wer wer ist“, meine ich und lächelt. Aiden nickt zufrieden.

„Bei Hannoveranern, wie diesen dreien, zählt der Charakter neben dem Äußeren. Wir werden sehen, ob du heute schon an sie ran kannst, wie sie auf deine Anwesenheit reagieren. Sie akzeptieren nicht jeden“, meint Aiden und deutet auf den Gang bevor er losgeht.
 

Wir gehen weiter und der Duft von Heu und Futter wird stärker. Mittig wird die Stallgasse von einem großen Waschplatz und der Futter- sowie Sattelkammer geteilt. Aiden öffnet die Tür zur Futterkammer und sieht zu mir. Ich sehe mich um und betrachte all die unterschiedlichen Boxen, in denen die diversen Futtermittel untergebracht sind. Eine große Tafel, mit den Futtertabellen, hängt über den Boxen. Seitlich ist ein großes Regal, in dem mehrere Eimer stehen. Daneben hängen die Säcke für Silage. Zwei große Ballen der Silage steht vor der Futterkammer.

„Komm, ich zeige dir schon einmal wie das Futter vorbereitet wird. Das ist der Moment, in dem die Routine beginnt, aber auch einer, in dem man jedem Tier ganz persönlich begegnet“, meint er und nimmt zwei in sich gestellte Eimer aus dem Regal auf dem *Don* geschrieben steht, stellt diese auf den Tisch und greift nach einer kleine Metallschüppe.

„Du wirst schnell merken, hier läuft vieles nach Gewohnheit, aber man nimmt sich immer Zeit für jedes Tier. Jedes Pferd hat seine eigene Futterzusammenstellung, welche an der großen Tabelle hier aufgeschrieben ist“, erklärt Aiden und deutet auf die Tafel.

Er beginnt das Futter in die entsprechenden Portionsgrößen zu teilen, während ich es ihm beim zweiten Eimer gleichtue. Gewissenhaft und aufmerksam verteilt Aiden das Futter.

„Du erwähnst Geduld und Respekt“, sagt Aiden, während er die Portionen in den Eimer schüttet, „In diesem Stall brauchen wir beides. Meine Pferde sind sensibel. Sie reagieren auf den Tonfall, auf die Ruhe, die man ausstrahlt. Wenn du dich ihnen annäherst, geh langsam, sprich leise, zeig, dass du hier bist, um zu helfen, nicht um zu herrschen.“

Ich nicke und begreife sofort, was Aiden mir sagen will.

Benimm dich meinen Tieren gegenüber ordentlich, dann haben wir keine Probleme miteinander.

„Ich will lernen, wie man mit Feingefühl arbeitet. Nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch die Stimmungen lesen“, erkläre ich und sehe mein gegenüber an. Ich sage es nicht nur so, ich meine es auch so.

Gemeinsam bereiten wie die anderen Eimer, sowie die Silage Säcke für Aidens Pferde, die anderen beiden heißen Neo und Gigi, vor und machen uns auf den Weg zu den Boxen. Die drei Pferde stehen entspannt in ihren Boxen, als würden sie die vertraute Stimme erkennen, die ihnen Futter bringt.

„Gut“, meint Aiden, als ich die Futtereimer vorsichtig vor den Boxen abstelle. „Du merkst schon, wie wichtig Ruhe ist. Meine Pferde mögen keine Hast. Wenn du am Kopf vorbeigehst, bleib auf gleicher Höhe, halte Blickkontakt, aber vermeide hektische Bewegungen.“

Die drei Pferde strecken die Köpfe aus den Boxentüren, schnuppern kurz und schnauben zufrieden.

„Wieso hast du dir diesen Stall ausgesucht?“, will Aiden wissen und betrachtet mich ruhig.

„Es ist nicht nur ein Stall. Es geht darum, einen Ort zu finden, an dem man sich selbst treu bleiben kann. Und dieser Stall fühlt sich so an, als könnte er mir genau das Geben“, erkläre ich und sehe zu Aiden. „Es fühlt sich richtig an.“

Aiden nickt erneut, ein dezenter Abstand noch immer in seinem Blick, der dennoch von Respekt zeugt. „Gut, dann lass uns später noch ein wenig reden“, meint Aiden und schüttet das Futter in den Trog in der Box der Stute bevor er das gleiche bei den Hengsten macht.

„Ich bin dabei“, sage ich entschlossen. „Ich will lernen, auch von dir, selbst wenn du distanziert wirkst, scheint da mehr zu sein, als man auf den ersten Blick sieht.“

Aiden schmunzelt kaum merklich.

„Vielleicht ist Distanz meine Art, klarer zu sehen. Wir sehen uns später wieder, bis dahin bleib ruhig und aufmerksam“, sagt Aiden, wendet sich ab und lässt mich vor den Boxen zurück.

Er verlässt die Stallgasse und verschwindet in einem der Räume.
 

Ich schließe mich den anderen Pflegern an und erledigte die restlichen Aufgaben in den Ställen. Gemeinsam mit meinen neuen Kollegen und Kolleginnen beginne, ich die Boxen zu missten und das Futter für die restlichen Pferde vorzubereiten.

Die meisten sind nett aber wirklich Zeit um uns kennenzulernen haben wir nicht. Eine junge Frau namens Marie, mit der ich einige Boxen gemacht habe, wirkt sehr nett und als wir fertig sind gehen wir Richtung Reithalle. Dort ist unser Aufenthaltsraum wo wir unsere Pausen verbringen können, mit schönem Blick in die Reithalle. Die Geräusche des Stallbetriebs wurden über die Zeit lauter, als die anderen Reiter eintrafen und sich alles in den alltäglichen Rhythmus begibt. In der Halle herrscht ein geschäftiges Treiben, Pfleger tauschen Anweisungen aus, während Reiter ihre Pferde aufwärmen. Unterm Hallendach sind Hindernisse aufgebaut, verschieden hoch und weit. Draußen vor dem Eingang der Halle treffen Marie und ich auf einen weiteren der Reiter, der sein Pferd am Zügel führte. Der große Schimmel betrachtet mich misstrauisch, doch sein Reiter schenkt mir ein freundliches Lächeln.

„Hi, du bist der neue?“, fragt er ruhig. „Ich bin Richard.“ Er reicht mir die Hand, welche ich ebenso freundlich ergreife und nicke.

„Ja, ich bin Finn, ich helfe aktuell noch beim Misten und lerne, wie alles hier läuft, bevor ich andere Aufgaben übernehmen darf“, berichte ich. Richard nickt anerkennend.

„Neulinge braucht der Stall“, meint er und sieht in die Halle.

In der Halle unterhalten sich einige Reiter über die anstehenden Sprünge, die gestellten Hindernisse sehen schwierig und fast turniermäßig aus.

Ein weiterer Reiter kommt von der Seite in die Reithalle geritten, sein Rappe trägt ihn mit ruhiger Gelassenheit durch die Halle. Ich erkenne Aiden und beobachte gemeinsam mit Richard die feine Harmonie zwischen Reiter und Pferd.

Zuerst bewegt sich das Tier, welches ich als Don erkenne, im Schritt, die Hufe gehen gleichmäßig auf den sandigen Boden, ein ruhiges Klopfen hallt bei jedem Schritt. Der Rappe hat seinen Kopf leicht erhoben, die Ohren aufmerksam nach vorn gerichtet, als lausche er jeder Anweisung. Die Muskeln unter dem glatten Fell ziehen sich rhythmisch zusammen, die Bewegungen wirken entspannt.

Langsam wechselt der Gang zum Trab, die Schultern des Pferdes schwingen gleichmäßig, der Rhythmus wird schneller, wie ein Puls durch das Leder des Sattels. Aiden sitzt ruhig und elegant, der Oberkörper locker, die Hände leicht. Jeder Tritt setzt sauber und präzise auf den Boden, als würden zwei Tänzer eine choreografierte Sequenz üben. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, packt mich diese Eleganz auf eine ganz besondere Art. Aiden ist attraktiv und zusammen mit dem eleganten Rappen wirkt er erhaben und adelig. Um die Hindernisse herum gleitet das Paar mit einer fließenden Eleganz, als ob der Parkour in der Halle förmlich darauf gewartet hätte, erobert zu werden.

Der Galopp beginnt, eine erstaunliche Stimmigkeit liegt in der Luft. Der Rappe zieht sich in die Länge, die Schritte werden größer, die Muskeln arbeiten kraftvoll, aber kontrolliert. Aiden setzt die Zügel ruhig, gibt die Richtung vor, seine Beinsprache bleibt ruhig, kein Zucken, kein Zögern. Stille und klare Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Mit einem kontrollierten Impuls gelangt das Paar zum ersten Sprung. Der Sprung wird mit Leichtigkeit überwunden, der Rappe führt die Sprunglinie sauber aus, hebt sich elegant in die Höhe, ohne Hektik. In der Luft scheint der Sprung beinahe schwerelos, als würde die Zeit einen Moment innehalten. Die Stangen bleiben unberührt, sie schimmern im Licht der Halle, doch kein Ton wird durch eine Kante oder ein Klirren verloren. Don landet sicher und weich, der Rücken schützend abgefedert durch Aiden.

Der Parcours entfaltet sich weiter in gleichmäßiger Moderation: weitere Sprünge, weitere Linien, doch der Schwung bleibt konstant.

Das Paar bewegt sich wie eine Einheit, jeder Sprung wird mit feiner Präzision gesetzt, jeder Wechsel geschieht nahtlos. Der Rappe glänzt, die Muskulatur wölbt sich, während Aiden die Linie hält, den Blick immer auf das nächste Hindernis gerichtet, die Schultern frei von Spannung.

Schlussendlich erreichen beide den letzten Sprung. Ein letzter, sauberer Sprung, dann landet der Rappen, weich und kontrolliert. Der Parkour ist absolviert, eine Vorstellung von Können, Harmonie und Vertrauen zwischen Reiter und Pferd. Ein schöner, präziser Ritt von Aiden, der zeigt, wie viel Ruhe, Timing und Übung in so einer Sequenz stecken.
 

Richard wendet sich mir zu, ein anerkennendes Lächeln auf seine Lippen. Er nickt in Richtung des Reiters, als hätte er eben eine kleine Meisterleistung gesehen.

„Guter Ritt“, bemerkt er leise, „Er kennt sein Pferd und wie man mit ihm spricht. Der alte Angeber!“

Sarkasmus schwingt deutlich mit in Richards Stimme, aber der Ton bleibt freundlich, fast wie ein vertrautes Zwinkern unter Freunden.

„Er hat seine eigene Art“, fügt Richard hinzu, „Und das ist auch gut so. Jeder hier ist auf Erfolg aus.“

Ich spüre, wie zwischen den beiden eine Vertrautheit liegt, eine Freundschaft, die durch gemeinsame Übung und stille Respektsbekundungen gewachsen ist. Es wirkt, als würden Aiden und Richard sich schon lange kennen, als hätten sie unzählige Ritte geteilt und sich gegenseitig ausgetrickst, gelacht und wieder Ernst gemacht, je nach Aufgabe. Ich spüre zudem eine Konkurrenz, als würden hier zwei Alphamännchen um die Vorherrschaft ringen.

Die Szene strahlt eine Vertrautheit aus, als ob die Halle selbst Zeuge ihrer Verbindung ist.

Ob mehr als Freundschaft zwischen Ihnen ist?

Der Gedanke kommt so schnell, dass er mich selbst überrascht. Wie komme ich darauf?

Richard nickt mir zu, streicht seinem Pferd noch über den Hals während er beginnt den Sattelgurt zu lösen. Dann führt er den Schimmel in die Stallgasse.
 

Erneut richtet sich meine Aufmerksamkeit auf das Bild des Parcours und beobachtet Aiden, der den Parcours wieder souverän reitet. Der Ritt wirkt wie zuvor: kontrollierte Impulse, ruhige Körpersprache, klare Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Ich spüre erneut eine Faszination, eine stille Anerkennung für Timing, Ruhe und Übung. Ich erkenne das ich tatsächlich auf Aiden stehe, von seiner Präsenz angezogen werde.

Wie eine Motte zum Licht.

Ich werde rot, als ich mir die private Seite von Aiden vorstelle, ebenso wie dieser unter der Kleidung aussehen mag, doch ich schiebe die Gedanken beiseite und wende sich ab, beschämt über die eigene Fantasie.

Meine Gedanken beginnen zu kreisen, zu alten Erfahrungen aus der vergangenen Beziehung, zu Verletzungen und Schmerz, an meinen überheblichen Ex und wie er mich verletzt hat.

Ich bin so in Gedanken, dass ich nicht mitbekomme, wie Aiden mich beobachtet. Das Schnauben von Don, der plötzlich vor mir steht, lässt zu erschrocken zusammenfahren.

„Geht’s dir gut? Du bist rot im Gesicht“, meint Aiden und steigt elegant aus dem Sattel und nimmt sein Pferd am Zügel. „Hilfst du mir Don abzusatteln und in die Box zu bringen?“

Sein Blick ruht auf mir, auf der möglichen Zusammenarbeit und dem Vertrauen. Er beobachtet mich, achtet darauf, dass ich die peinliche Situation verbergen kann und gibt mir Raum.

Nickend folge ich Aiden und Don in die Stallgasse. Der Rappe schnaubt gelegentlich entspannt, als er Finns ruhige Präsenz spürt.

„Er wirkt gelassen, ist das normal, wenn Fremde in die Nähe kommen?“, will ich wissen und betrachtet den Rappen. Aiden deutet ja heute früh an, dass seine Pferde speziell sind, was Fremde angeht.

„Nicht direkt, nein“, meint Aiden als er weitergeht, „Er braucht Zeit, Vertrauen und eine ruhige Haltung von außen. Er reagiert gut, wenn man nicht aufdringlich ist. Du strahlst eine Ruhe aus, die er braucht.“

„Warum wird er eigentlich Don gerufen, obwohl er Camerlengo heißt?“, meine ich und hoffe nicht zu direkt zu sein. Immerhin steht der Name nur im Pausenraum der Pfleger auf dem Boxenplan, zusammen mit der Abkürzung Don. Auch Gigi, die Stute, heißt eigentlich Gloriana.

„Don ist der Stallname, der ihn im Alltag begleitet. Camerlengo ist der Zuchtname, der in den Papieren steht, aber er reagiert besser auf den kurzen, klaren Ruf ‚Don‘. Das hilft ihm, sich zu fokussieren“, erklärt Aiden.

Aufmerksam höre ich zu als Aiden weiterspricht: „Er ist sensibel, aber neugierig. Er liest Stimmungen. Wenn er merkt, dass du ruhig bleibst, gibt er dir Zeichen, dass er bereit ist, weiterzugehen. Er mag klare Anweisungen und eine sichere Führung.“

Ich mag die ungezwungene Unterhaltung und es fühlt sich gut an.

„Gibt es spezielle Signale, auf die ich achten sollte?“, möchte ich weiterwissen und sehe Don an.

„Ja. Wenn er sich entspannt, senkt er den Kopf, atmet langsamer und wird weniger schnauben. Wenn er unruhig wird, reißt er den Kopf hoch oder zuckt mit den Ohren. Wir arbeiten daran, dass er sich durch konstante Routine sicher fühlt. Durch ruhige Präsenz, konsistente Aufgaben und Geduld. Immer denselben Ablauf: annähern, Absatteln, Putzen, kurze Checks. Klare, ruhige Kommandos geben. Wenn er merkt, dass du vorhersehbar bist, sinkt seine Stresskurve.“

„Soll ich ihm eher direkt oder eher geduldig begegnen?“, hacke ich nach. Ich möchte mit Aiden und seinen Pferden arbeiten, mich um die drei kümmern und Aiden gefallen.

„Beides in der richtigen Reihenfolge“, meint Aiden locker, „Beginne ruhig, gib ihm Zeit zu reagieren, bestätige jede positive Reaktion mit einer sanften, kurzen Stimme oder einer leichten Berührung an sicheren Stellen. So entwickelt er Vertrauen, ohne sich gedrängt zu fühlen.“

„Das ist gut zu wissen“, meine ich und lächelt, „Ich möchte wirklich, dass er sich sicher fühlt und wir gut zusammenarbeiten.“

„Das merkt man“, gibt Aiden mit einem Schmunzeln zu, „Mit dieser Haltung klappt das sicher.“

„Dann bleibe ich in der Nähe, bis er sich wohl mit meiner Anwesenheit fühlt“, sage ich und öffnet die Putzkiste, die vor der Box steht.

„Gut, wir gehen Schritt für Schritt“, sagt Aiden und nimmt den Sattel vom Rücken seines Pferdes. „Schau vorsichtig, ob er sich striegeln lässt, wenn das klappt, machen wir die Tage mit dem nächsten weiter. Bis du dich vollkommen um ihn und die andern kümmern kannst wird aber noch viel Zeit vergehen. Auch wirst du es nie ohne mich oder Sir Hektor, den bisherigen Pfleger tun.“



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von:  Yasmethy
2025-08-18T16:18:59+00:00 18.08.2025 18:18
Hi ^^
Es ist echt interessant, vor allem da ich mich mit Pferden nur wenig auskenne.
Aiden kommt mir jedoch bekannt vor aus einer anderen Story von dir.
Na, mal sehen wie Finn sich einreiten... äh ich meine natürlich einarbeiten wird ^^ Aiden hats ihm ja schon mal angetan ^^

LG

Yasmethy
Antwort von:  Milan1896
18.08.2025 22:46
Ja die Charaktere gibt es in anderen Storys von mir bereits^^
Aber ich mag sie uns leider sind ihre Geschichten aktuell einfach still.


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