Zum Inhalt der Seite

Yu-Gi-Oh! GY - The Blue Kingdom

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Unter Druck

Erin und der ihr unbekannte, ältere Mitschüler mit den langen Haaren und der weißen Uniform standen sich in Kevins Zimmer gegenüber.

Ihre Dieldisk war aktiviert.

Kevin stand in der hintersten Ecke seines Raumes und wirkte von dem ungebetenen Besucher verschreckt.

Mit ernster Miene schaute der Eindringling Erin an.

Ihn als Dieb zu bezeichnen und den Ordner vor die Füße zu werfen, hatte ihn sichtlich aus der Fassung gebracht.

„Slifermädchen, ich schlage vor, dass du dich bei mir entschuldigst und ab jetzt brav kooperierst. Deinen Anteil kannst du vergessen, aber ich werde großmütig darauf verzichten, dich in meinem nächsten Artikel zu Kevins Komplizin zu ernennen.“

Aber Erin dachte gar nicht daran mit ihm gemeinsam Kevins Kartensammlung stehlen.

„Deaktiviere die Dueldisk, Erin!“, zischte ihr Kevin zu, „vor dir steht Maxim Dreher, der dritte Kronprinz! Sich mit einem derartigen Gegner anzulegen, bringt überhaupt nichts!“

„Dritter Kronprinz? Vor drittklassigen Möchtegernmonarchen habe ich keine Angst!“, entgegnete Erin trotzig, unwillig sich vom Türrahmen des Raumes wegzubewegen und Maxim davonziehen zu lassen.

Der Kronprinz, wechselte nun erneut abrupt den Ausdruck und wirkte wieder so ruhig und heiter wie zuvor.

„Erin, ja? Danke für den Namen, Kevin. Es wäre doch etwas unprofessionell gewesen, nur von einem Slifermädchen des ersten Jahrgangs zu schreiben, man ist von mir immerhin Journalismus der Spitzenklasse gewohnt. Magst du mir auch noch ihren Nachnamen verraten?“

Kevin begriff, dass es jetzt besser wäre, den Mund zu halten und schaute Maxim nur verächtlich an.

Erins Ignoranz schien Maxim ein wenig zu erheitern.

„Ich sehe schon, die wirklich wichtigen Dinge bringt man euch Nieten im Vorunterricht wohl nicht bei. Ich wiederhole mich ungern, also versuche bitte meiner Erklärung beim ersten Mal zu folgen, ja? An der Akademie gibt es drei Klassen von Schülern. Ganz unten in der Hierarchie sind Leute wie du und Kevin, dann kommen die Ras und schließlich die Obelisken. Aber auch innerhalb des Obeliskenhauses gibt es eine Klassenordnung. An der Spitze steht der Obeliskenkönig, der stärkste Duellant der Schule. Am Ende jeden Jahres haben die besten Duellantinnen und Duellanten der ersten beiden Jahrgänge die Chance für das nächste Jahr selbst der König zu werden. Die vier vielversprechendsten Kandidaten hierfür tragen den Titel Kronprinz, denn da der Titel unserer Majestät nicht einfach vererbt wird, sondern erkämpft werden muss, gibt es mehrere Anwärter auf die Krone. Und damit es auch die dümmsten Slifer begreifen, wenn sie keinem gewöhnlichen Obelisken gegenüberstehen...", anstatt seinen Satz zu beenden zeigte er mit genüsslichem Lachen auf seine besondere weiße Obeliskenuniform. Dann setzte Maxim seine Erklärung fort: "Man spricht also je nach Duellfähigkeiten vom ersten, zweiten, dritten und vierten Kronprinzen. Da der aktuelle König Aland unüblicherweise selbst noch zu den ersten beiden Jahrgängen gehört und es neben ihm noch die erste und zweite Kronprinzessinnen gibt, macht mich das also zum viertbesten Duellanten des ersten und zweiten Jahrgangs, oder einfacher ausgedrückt, zu einem für dich unmöglich zu überwindenden Hindernis. Also sei klug und höre auf Kevin, Slifermädchen.“

Erin, mit ihrer noch immer aktivierten Dueldisk dachte erkennbar angestrengt nach.

Dieser Maxim war also in der Tat ein Obelisk. Und wenn sie es richtig verstanden hatte auch noch einer der besonders talentierten Sorte...

Sie zögerte kurz, schaltete dann aber das Gerät ab und ging stumm und mit missmutigen Gesichtsausdruck zur Seite.

„Schlaues Mädchen“, lobte Maxim, nahm sich Kevins Kartenordner und drückte Erin drei Stück davon in die Arme.

„Ich nehme den Rest, folge mir.“

Kevin musste machtlos zusehen, wie man ihm alle gesammelten und ertauschten Karten wegnahm.

Erin tat, wie ihr befohlen und sie verließ zusammen mit Maxim das Zimmer.

„Du darfst dich gleich geehrt fühlen, Mädchen. Nicht viele Slifer dürfen die blaue Unterkunft betreten, erst Recht keine Frischlinge. Bitte benimm dich entsprechend sobald wir da sind.“, sagte er, während beide durch die Slifer-Red-Unterkunft schritten, „die Inneneinrichtung ist bei uns deutlich geschmackvoller als in dieser Baracke!“

Die zwei hatten das Gebäude gerade verlassen, als Erin aufhörte weiterzugehen.

Sie legte ihre Ordner ab und Maxim drehte sich wenige Schritte später etwas verwundert um.

„Was hast du vor?“, fragte er in einem ernsten Ton.

„Rate mal!“, entgegnete Erin herausfordernd und machte sich zum Duell bereit.

„Du dumme Göre. Aber was habe ich denn auch erwartet? Ihr niederen Slifer seid wohl einfach nicht lernfähig.“, fauchte er.

Maxim aktivierte ebenfalls seine Disk und zog seine Starthand.

„Ich beginne! An dir werde ich ein Exempel statuieren“, kündigte der Obelisk mit dem schwarzen Pferdeschwanz an.

„Los geht’s mit diesem Monster: Zeitungsente im Verteidigungsmodus!“

Ein aus Zeitungspapier gefalteter, kleiner Vogel erschien vor ihm mit einem Schnattern und Quaken.

Zeitungsente: Stufe 2, 600Atk, 800Def.

„Aber meine kleine Ente bleibt nicht alleine, denn dank dem Zauber Multipresse darf ich, wenn ich ein normales Monster der Stufe 2 oder niedriger rufe, bis zu zwei Monster mit dem gleichen Namen von überall her beschwören! Zeigt euch, Zeitungsente zwei und drei!“

Zwei weitere Papierenten saßen Erin nun gegenüber.

Zeitungsente: Stufe 2, 600Atk, 800Def.

„Ich setzte zudem noch zwei verdeckte Karten. Damit bin ich fertig.“

Die beiden verdeckten Karten erschienen und Erin machte sich an ihren Zug.

„Deine Monster haben keine Chance gegen Donnerklang-Späherin! Zeig dich!“

Die Kriegerdame zückte zur Begrüßung angriffslustig ihre Dolche.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

„Das war nicht alles, der besondere Effekt meiner Späherin erlaubt es mir ein weiteres Donnerklang-Monster aus meiner Hand aufzurufen. Ich entscheide mich für die Donnerklang-Kriegerin!“

Die Schwertkämpferin gesellte sich mit einem kurzen Kampfschrei neben die Späherin.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

Erin war noch nicht fertig:

„Mach dich bereit für die Schnellzauberkarte Donnerbeschwörung: Mit Donnerbeschwörung darf ich ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus meiner Hand beschwören und es als Ausrüstung nutzen. Ich rufe Donnerklang-Inkarnation!“

Ein aus Blitzen bestehendes Wesen, äußerlich kaum von Donnerklang-Seele zu unterscheiden, erschien.

Donnerklang-Inkarnation: Stufe 2, 700Atk, 0Def.

„Meine Inkarnation ist schwach, daher nutze ich ihren Effekt: Da Inkarnation ein Unionsmonster ist, darf ich eine meiner beiden Damen mit Donnerklang-Inkarnation ausrüsten. Daher wird meine Donnerklang-Kriegerin jetzt um 700 Punkte verstärkt.

Das Energiewesen fuhr ins Schwert der Kriegerin, von welchem daraufhin winzige, bläuliche Blizte ausgingen.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2200Atk.

„Ist meine Kriegerin mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet, darf sie übrigens zweimal angreifen, zusammen mit der Späherin kann sie also jeder deiner Enten die Papiefedern rupfen! Greif an, Donnerklang-Kriegerin! Statische Spaltung!“

Erins Donnerklang-Kriegerin sprang mit ausgeholtem Schwert auf Maxims Zeitungsente zu.

„Nicht so schnell, ich aktiviere meine Falle“, konterte Maxim.

„Hier kommt Neuauflage! Neuauflage lässt sich nur in der Battle Phase aktivieren und sorgt dafür, dass ich jedes meiner Monster zurück auf das Blatt nehmen muss. Im Gegenzug darf ich für jede meiner Hand so zugefügte Karte eine weitere Karte ziehen! Meine Enten sind also sicher und ich ziehe drei Karten!“

Die Enten quakten ein letztes Mal, bevor sie auf Maxims Hand zurückkehrten und Maxim nahm weitere drei Karten auf seine Hand.

„Ich glaube, du hast dich verrechnet! Denn jetzt stehst du komplett schutzlos da und Donnerklang-Kriegerin darf ihren ersten Angriff erneut durchführen!“, entgegnete Erin, „Donnerklang-Kriegerin: Direkter Angriff auf Maxims Lebenspunkte!“

Erins Monster verpasste dem Obelisken einen Schwerthieb.

Maxim keuchte geschmerzt.

Maxims Lebenspunkte: 4000 → 1800.

„Dies ist dein Ende: Donnerklang-Kriegerin darf nämlich gleich nochmal zuschlagen! Los, meine Kriegerin, beende das Duell mit statischer Spaltung!“

„Ich aktiviere die zweite Fallenkarte: Fehldruck! Diese Falle zerstört ein Monster, das mir in diesem Zug Kampfschaden zugefügt hat und erlaubt es mir ein Monster aus dem Deck auf die Hand zu nehmen, solange die kombinierten Angriffspunkte und Verteidigungspunkte dieses Monsters nicht den erlittenen Kampfschaden übersteigen. Deshalb füge ich meiner Hand die Goldfeder-Eule zu!“

Maxim zeigte Erin das rausgesuchte Monster vor.

Erin war unbeeindruckt: „Mir war schon klar, dass du einen Vogel hast, aber anscheinend hast du gleich mehrere!“

Bei dem Spott ballte der dritte Kronprinz wütend die Hand zur Faust.

Erin setzte ihren Zug währenddessen fort.

„Wenn ein Monster mit einem Union-Monster ausgerüstet ist, wird stattdessen das Union-Monster zerstört. Zudem aktiviert sich die besondere Fähigkeit der Inkarnation: Wird sie vom Feld auf den Friedhof gesendet, darf ich den Zauber „Fusion“ aus dem Deck meiner Hand zufügen!“

Das Schwert von Donnerklang-Kriegerin hörte auf zu leuchten und Erin nahm die Fusionskarte auf die Hand.

„Ohne Ausrüstung darf Donnerklang-Kriegerin nicht erneut angreifen, aber meine Späherin hat bisher noch keine Attacke deklariert. Donnerklang-Späherin! Direkter Angriff!“, befahl Erin.

Ohne zu zögern schnellte die Späherin mit ihren Dolchen auf Maxim zu.

Der Junge ächzte nach dem Angriff.

Maxims Lebenspunkte: 1800 → 800.

Erin schaute ihren Gegner kritisch an.

Ihr war bewusst, das etwas an seinem Duelstil nicht stimmte.

Warum war es ihm wichtiger seine Enten zu schützen, als seine Lebenspunkte, wenn sie keinen Effekt haben und warum versuchte er erst nach dem Kampf Erins Donnerklang-Kriegerin zu zerstören?

Sie musste wachsam sein, soviel war sicher.

„Ich beende meinen Zug!“

„Hey, ich habe das richtig gehört! Erin duelliert sich wieder!“, sagte Jenny.

„Und schaut mal! Ihr Gegner trägt so eine merkwürdige weiß-blaue Uniform! Ist das etwa auch ein Obelisk-Blue-Schüler?“, fragte Carlos ungläubig.

Die beiden Slifer sind gerade dazu gestoßen, was Maxim, ganz im Gegensatz zu Erin, zu überraschen schien.

„Guten Abend, ihr zwei. Tut mir bitte den Gefallen und holt so viele unserer Mitschüler wie möglich raus. Es ist wichtig, dass alle sehen, wie ich diesen Schleimbrocken fertig mache. Bei Zimmer 205 müsst ihr besonders fest anklopfen, ich weiß, dass der Bewohner da ist.“, trug Erin den beiden auf.

Jenny verstand die Anweisung nicht: „Warum sollen wi-?“

„Ich erledige das!“, rief Carlos und eilte sofort wieder zurück in die Unterkunft, woraufhin ihm Jenny gleich folgte.

Maxim hatte das Treiben beobachtet und ihm ging nun ein Licht auf.

„Ich glaube, ich verstehe langsam, was du vorhattest. Du wolltest nie mit mir zusammenarbeiten, sondern hast uns nur rausgelockt, in der Hoffnung, dass deine kleinen Freunde irgendwie auf dich aufmerksam werden. Aber das wird dir in diesem Duell auch nicht weiterhelfen.“, erklärte Maxim, der sich infolge der letzten Angriffe auf seine Oberschenkel stützte und dem einige Strähnen ins Gesicht hingen.

Doch Erin schüttelte den Kopf.

„Ich brauchte nicht darauf hoffen, dass man unser Duell bemerkt. In den letzten Wochen habe ich mit meiner Freundin zusammen jeden Tag bis in den späten Abend hier draußen gespielt. Unsere Duelle waren immer so spannend, dass sich in unserer Unterkunft herumgesprochen hat, dass man uns dabei zusehen solle. Wir sind sozusagen kleine Berühmtheiten geworden“, korrigierte sie ihren Gegner, „Mir war klar, dass wenn ich mich an diesem Ort duelliere und die anderen Schüler hören, wie ich Effekte ausrufe, oder wie meine Monster kämpfen, sie zwangsläufig dazustoßen würden.“

Der Obelisk richtete sich ein wenig gequält wieder auf und führte seine Haare wieder durch das Zopfgummi.

„Wie gesagt, das wird dir in diesem Duell nicht helfen, selbst wenn dich das gesamte Haus auf einmal anfeuert, du bist mir nicht gewachsen, Slifermädchen!“, entgegnete er ernst und in voller Überzeugung.

Erin lachte los und Maxim lief zornig rot an.

„Und ich bin laut dir die dumme Göre? Mir geht es nicht um Zuschauer, die mich motivieren, ich will möglichst viele Zeugen, damit ich allen auf einmal von deinem fiesen Erpressungsversuch erzählen kann. Dann wird dir niemand mehr glauben, wenn du in einem Artikel behauptest, dass Kevin oder ich Karten stehlen würden!“

„Ich behaupte gar nichts! Ich schreibe! Ich publiziere! Ich bin die Wahrheit, du respektloses Miststück!“, brüllte Maxim,

„Meinst du ehrlich, dass es mich auch nur im entferntesten kümmert, was Slifer-Frischlinge glauben!? Ihr seid das irrelevanteste Neuntel meiner Leserschaft, niemand auf der Akademie interessiert sich einen Dreck für euch! Verglichen mit den Obelisken und den Kronprinzen seid ihr wie unbedeutende Insekten, die Raubvögeln gegenüberstehen!“

Inzwischen ging Erins Plan voll auf. Carlos und Jenny sind mit Daniel und etwa zwei Dutzend anderer Schüler zurückgekehrt. Darunter befanden sich auch Leroys Handlanger, Kevin sowie daneben Fiona und Mayla.

Kevin, der sich für gewöhnlich in seinem Zimmer aufhielt, hielt sich die Hand vor sein Gesicht, um sich vor der Sonne zu schützen.

Er grinste breit, als er seine Kartenordner neben Erin und Maxim sah.

Mayla gähnte kurz und Fiona rieb sich den Schlaf aus den Augen.

Beide sind soeben von Jenny und Carlos geweckt worden, damit sie ihre Freundin bei dem Duell gegen einen Obelisken zusehen konnten.

„Hey, Erin! Wieso duellierst du dich denn schon wieder? Ist das dieser Kevin, der mit Leroy gehandelt hat?“, rief Fiona ihr etwas schlaftrunken zu.

„“Dieser Kevin“, wäre ich, Kevin Mercant“, korrigierte der Kartenhändler, der neben Fiona stand.

Fiona sah ihn verwirrt an.

„Wenn du Kevin bist, weißt du dann auch, wer ihr Gegner da gerade ist?“

„Das ist Maxim Dreher, der viertstärkste Duellant des ersten und zweiten Jahrgangs und Chefredakteur der Schülerzeitung. Noch mehr Fragen, oder lässt du mich jetzt in Ruhe?“, antwortete ihr Kevin genervt.

Mayla schaltete sich nun ein: „Also, ähm... Erin hat zwei Monster auf dem Feld und Maxim gar keines. Maxim sieht außerdem schon sehr angeschlagen aus. Meinst du vielleicht, sie könnte -?

„Auf keinen Fall!“, unterbrach Kevin.

Auch wenn er sich darüber freute, dass sie ihm helfen wollte, damit Maxim nicht seine Kartensammlung entwendet, er hatte ihr nicht umsonst von diesem Duell abgeraten.

Es gibt kein Szenario, in dem Erin auch nur den Ansatz einer Chance gegen Maxim hat, davon war Kevin überzeugt.

Maxim hatte inzwischen ein paar Mal entspannt durchgeatmet und sich abgeregt.

Er schaute Erin böse an und machte sich an seinen nächsten Zug.

„Weißt du was? Ich glaube, ich finde deinen Plan Zuschauer anzulocken ganz gut. Denn jetzt werdet ihr alle lernen, wie schwach und hilflos ihr im Vergleich zu den Kronprinzen seid! Ich spiele meine Goldfeder-Eule im Verteidigungsmodus!“

Auf Maxims Seite erschien der edel glänzende Vogel und scharrte mit den Flügeln.

Goldfeder-Eule: Stufe 3, 900Atk, 1200Def.

„Wenn ich meine Eule beschwöre, darf ich sofort zwei weitere Goldfeder-Eulen meiner Hand hinzufügen! Aber das ist noch nicht alles! Denn direkt danach aktiviert sich ihr zweiter Effekt: Ich erhalte 300 Lebenspunkte für jede Karte auf meiner Hand dazu!“

Maxim suchte sich die zwei Kopien der Eule aus dem Deck.

Erin schluckte.

Sie hatte es bisher nicht verstanden, aber jetzt ergab die gesamte Strategie von Maxim für sie eine Sinn: Sein Deck war darauf aufgebaut, möglichst viele Karten auf der Hand zu halten und Erin hatte ihm durch ihre Angriffe sogar noch dabei geholfen, weitere Karten zu ziehen.

Erin kam sich gerade unfassbar dumm vor.

Er hielt inzwischen zehn Karten in seiner Hand.

Maxims Lebenspunkte: 800 → 3800.

„Nun hole ich meine Eule auf die Hand zurück, denn dadurch darf ich mein nächstes Monster als Spezialbeschwörung rufen: Den Teufel im Detail!

Eine übergroße, schwebende Zeitung erschien vor Maxim und ihre Blätter wendeten sich in rasanter Geschwindigkeit.

Plötzlich sprang ein kleines, rotes Männchen mit Hörnern am Kopf aus dem Papier und tanzte albern auf der Zeitung herum.

Teufel im Detail: Stufe 4, 0Atk, 0Def.

Erin schrak zurück.

Wenn ein erfahrener Spieler ein Monster mit 0Atk aufruft, konnte das nie etwas Gutes verheißen.

„Der besondere Effekt meines Teufels gibt ihm 400 Angriffs- und Verteidigungspunkte pro Karte in meinem Blatt. Da ich meine Goldfeder-Eule wieder zurück auf die Hand genommen habe, habe ich immernoch zehn davon. Das gibt stattliche 4000 Punkte!“

Teufel im Detail: 0Atk → 4000Atk, 0Def → 4000Def.

Das rote Teufelchen wuchs rasch auf die Größe eines Mehrfamilienhauses an und die hinter und neben Erin versammelten Zuschauer erstaunten.

„Die Slifer, erst recht die Neulinge, stehen ganz unten an der Akademie und du, Slifermädchen, wirst jetzt am eigenen Leib erfahren, wieso! Teufel im Detail, vernichte Donnerklang-Späherin!“

Der nun gigantische Teufel holte aus und zerschmetterte Erins Monster mit einem gewaltigen Faustschlag.

Erin wurde von der Wucht der Attacke von den Füßen gerissen und rollte gute zwei Meter über den Boden.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 1000.

„Erin! Hast du dir weh getan?“, rief Mayla besorgt.

Langsam zwang sich Erin wieder auf die Beine und rieb sich die Grashalme von der Uniform.

„Alles ok, ich kann noch etwas weiterkämpfen. Danke der Nachfrage!“

Erins Gegner gönnte ihr keine Verschnaufpause: „Ich beende meinen Zug mit der permanenten Zauberkarte Extrablatt! Extrablatt!. Bei dieser Karte ist der Name Programm, denn sie verdoppelt die Obergrenze meines Blattes von sechs auf zwölf! Das bedeutet, ich muss in meiner End Phase keine Karten abwerfen, solange ich nicht dreizehn oder mehr habe.

Extrablatt! Extrablatt! Deckte sich vor Maxim auf.

Teufel im Detail: 4000Atk → 3600Atk, 4000Def → 3600Def.

Fiona meldete sich zu Wort:„Na, immerhin hat der doofe Teufel von dem Kerl ein paar Punkte verloren.“

„Ich würde vorschlagen, dass ihr blutigen Anfänger besser den Mund haltet, wenn ihr keine Ahnung habt. Der zweite Effekt von Extrablatt! Extrablatt! Lässt mich in der End Phase des Zuges, in dem ich diese Karte gespielt habe, eine Karte ziehen!“, entgegnete Maxim harsch und zog seine nächste Karte, bevor er sich wieder Erin zuwendete, „dein Zug!“

Teufel im Detail: 3600Atk → 4000Atk, 3600Def → 4000Def.

Erin zog.

Maxims Monster hatte zwar viele Angriffspunkte, aber das war für sie kein Problem, denn sie konnte nun ein Monster rufen, für das Angriffspunkte keine Rolle spielten.

„Ich spiele den Zauber Fusion! Meine Donnerklang-Kriegerin auf dem Feld vereinigt sich mit der Donnerklang-Seele auf meiner Hand! Gemeinsam bilden sie eine unaufhaltsame Heldin, die es mit jedem Monster aufnehmen kann! Hier kommt Donnerklang-Ritterin!“

Über Erin bildete sich eine dunkle, grummelnde Gewitterwolke.

Ein gleißender Blitz schoss von der Wolke aufs Feld und hinterließ Erins Fusionsmonster.

Auf einem weißen Pferd sitzend präsentierte die soeben gerufene Ritterin stolz ihre goldene Lanze.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Ich bin noch nicht fertig: Wird Donnerklang-Seele als Fusionsmaterial für ein Donnerklang-Monster genutzt und auf den Friedhof gesendet, darf ich das beschworene Fusionsmonster sofort mit ihr ausrüsten! Das gibt meiner Ritterin noch einen zusätzlichen Kraftschub!

Die Lanze der Ritterin begann nun bläulich zu leuchten.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

„Meine Donnerklang-Ritterin ist jetzt kampfbereit! Greife den Teufel im Detail an, mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Kevin schaute fragend, aber Mayla antwortete ihm, bevor er seine Frage stellte: „Erins Monster hat eine besondere Fähigkeit: Ist es mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet, zerstört es jedes Monster noch vor der Schadensrechnung.“

Die Lanze der Ritterin durchdrang Maxims riesigen Teufel mit Leichtigkeit und ließ ihn zerplatzen.

Maxim grummelte und aktivierte gleich den Effekt seines zerstörten Monsters.

„Wenn mein Gegner dumm genug ist, meinen Teufel im Detail zu zerstören, dann kostet ihn das eine Karte! Also, wirf eine deiner beiden Karten ab!“

Die Slifer-Red-Schülerin überlegte kurz, bevor sie sich entschied.

„Gut, ich werfe diese Karte ab und setze die andere verdeckt. Ich beende meinen Zug!“

Maxim war nun wieder am Zug

„Es ist an der Zeit, dass ich dieses Duell beende. Ich habe schon genug Zeit mit euch Abschaum verschwendet! Ich spiele die Zauberkarte Wiederverwertungsfusion! Diese verbesserte Fusionskarte erlaubt es mir für meine Fusionsbeschwörung ein Monster als Fusionsmaterial zu benutzen, das sich bereits in meinem Friedhof befindet, wenn ich mich dafür bereit erkläre keine weitere Spezialbeschwörung in diesem Zug durchzuführen! Somit bilden mein Teufel im Detail im Friedhof und eine meiner Zeitungsenten auf der Hand mein mächtigstes Monster, den einzigartigen Kartenkönig Kreuz-Ass!“

Vor Maxim erschienen das kleine, rote Männchen auf der Zeitung und die aus Zeitungspapier gefaltete Ente und beide verbanden sich in einem Strudel aus Licht.

Als der Strudel verschwand, stand Maxims Fusionsmonster Erin gegenüber.

Der Kartenkönig Kreuz-Ass war eine überdimensionale Spielkarte, deren Glieder und Kopf aus kleineren, lose aneinander gereihten Spielkarten bestanden.

Lediglich das Zepter in der rechten Hand und die Krone waren nicht aus Spielkarten.

Kartenkönig Kreuz-Ass: Stufe 9, 0Atk, 0Def.

Wieder ein Monster mit 0 Angriffspunkten.

Erin ahnte schon, was jetzt kommen würde.

„Dank seines besonderen Effekts erhält mein Kartenkönig 700 Angriffs- und Verteidigungspunkte für jede meiner Handkarten dazu! Bei meinen aktuell neun Karten macht das satte 6300 Punkte!

Kartenkönig Kreuz-Ass: 0Atk → 6300Atk, 0Def → 6300Def.

Maxims Monster wuchs auf eine kolossale Größe heran.

Der nun gigantische König bot einen ehrfurchtgebietenden Anblick und die Zuschauerschaft kam aus dem Staunen kaum heraus.

Für die Akademieneulinge waren Monster mit mehr als 3000 Punkten unüblich, mehr als 4000 waren extrem selten und über 5000 Punkte kaum vorstellbar.

„Sechs... Sechstausend...dreihundert?“, stammelte Erin ungläubig.

Noch nie kam sie sich so klein und irrelevant wie in diesem Augenblick vor.

Wenn es wie angekündigt Maxims Plan war, seine pure Übermacht zu demonstrieren, dann war dieser Plan eindeutig aufgegangen.

Er grinste diabolisch.

„Kartenkönig Kreuz-Ass, zeige keine Gnade! Angriff mit majestätischem Trumpf!“

Der Kopf des Zepters fiel auf Erins Ritterin hinab.

„Ich aktiviere meine verdeckte Karte! Die Falle Elektrobarriere! Wenn ich ein Donnerklang-Monster kontrolliere, darf ich das angreifende Monster zurück in das Deck mischen und zudem die halben Angriffspunkte des zurückgemischten Monsters meinem Gegner als Schaden zuzufügen! Damit verlierst du deinen Kartenkönig und 3150 Lebenspunkte!“

Ein gelblich-transparenter Schild bildete sich über der Ritterin und fing das Zepter des Kartenkönigs ab.

„Deine lächerliche Falle kann mich nicht aufhalten! Ich spiele den zweiten Effekt von Kartenkönig Kreuz-Ass: Ich werfe einfach zwei Karten aus meiner Hand ab und darf so jeden gegnerischen Karteneffekt oder jede gegnerische Beschwörung annullieren und die annullierte Karte vernichten! Damit verhindere ich die Wirkung deiner Barriere und setze meine Attacke fort!“

Maxim legte zwei Handkarten auf den Friedhof und sein Ass-Monster büßte einen Teil seiner irrsinnigen Größe ein.

Kartenkönig Kreuz-Ass: 6300Atk → 4900Atk, 6300Def → 4900Def.

Die gelbe Elektrobarriere über der Ritterin zerbrach und das Zepter drohte auf die Ritterin herabzustürzen.

„Du hast den Effekt meiner Ritterin vergessen! Da sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie im Kampf dein Monster vor der Schadensrechnung zerstören!“, rief Erin.

Maxim konterte sofort:“Du hast wohl vergessen, dass du dich mit einem wahren Eliteduellanten angelegt hast! Der zweite Effekt meines Königs kann nämlich beliebig oft pro Zug genutzt werden! Ich werfe einfach erneut zwei Karten ab, negiere den Effekt deiner Ritterin und zerstöre sie!“

Maxim legte zwei weitere Karten auf den Friedhof.

Kartenkönig Kreuz-Ass: 4900Atk → 3500Atk, 4900Def → 3500Def.

„Meine Ritterin bleibt mir aber erhalten, denn der Effekt der ausgerüsteten Donnerklang-Seele verhindert ihre Zerstörung!“

„Das sehe ich anders!“

Ein drittes Mal legte der Obelisk zwei Karten ab.

Das Hologramm der Ritterin zerplatzte und der Kartenkönig schrumpfte in sich zusammen.

Kartenkönig Kreuz-Ass: 3500Atk → 2100Atk, 3500Def → 2100Def.

Erin realisierte, dass sie verloren hatte.

Alleine durch seinen Effekt hatte der Kartenkönig ihre Elektrobarriere und ihre beiden Monster zerstört. Der Angriff des Monsters ist hingegen noch gar nicht erfolgt und sie hatte keine einzige Karte mehr auf der Hand oder dem Feld, um sich zu schützen.

„Kartenkönig Kreuz-Ass! Direkter Angriff mit majestätischem Trumpf!“, befahl der dritte Kronprinz.

Maxims Monster schlug kräftig zu und erneut riss es Erin von den Füßen.

Das Mädchen schrie vor Schmerzen und wurde gerade noch rechtzeitig von Fiona und Mayla abgefangen, bevor sie zu Boden stürzte.

Erins Lebenspunkte: 1000 → 0.

Maxim deaktivierte seine Disk und ging energisch durch das verblassende Hologramm des Königs, um sich den Kartenordner zu nehmen, den Erin vor dem Duell abgelegt hatte.

„Wag es ja nicht!“, knurrte Erin, doch Maxim ignorierte sie und nahm sich stumm Kevins Karten.

Als er sich wieder umdrehte, erlebte er eine Überraschung.

„Was geht hier vor sich?“, fragte der nun vor ihm stehende Akademiedirektor ernst.

„Direktor Schrainmann! Es ist mir wie immer eine große Freude!“, sagte der Junge mit einem Lächeln und verbeugte sich hastig, „ich habe lediglich ein kleines Testduell mit einer Slifer-Schülerin abgehalten. Wie kann ich Ihnen helfen?“

Maxims Ton klang nun wieder deutlich heller und freundlicher.

„So ein hinterhältiger Arschkrie-“, zischte Fiona leise, bevor ihr ihre Freundinnen mit den Zeigefingern vor den Lippen zu verstehen gaben, dass sie sich diesen Kommentar besser sparen sollte.

Für einen kurzen Augenblick schaute der Direktor an Maxim vorbei auf die drei Mädchen, wendete dann aber seinen Blick wieder ab.

„Es ist mir ebenso eine Freude, Maxim. Nun, vor etwa einer Stunde hat man mir einen Brief unter die Bürotür durchgeschoben, ich solle mich um 19 Uhr zur Sliferunterkunft begeben, es gehe um die jüngste Diebstahlserie. Weißt du, wer den Brief geschrieben haben könnte?“

Maxim schüttelte den Kopf: „Nein, aber rein zufällig habe ich zu den Kartendiebstählen recherchiert. Ich vermutete, dass der Besitzer dieses Ordners sich mit meiner Gegnerin zusammengetan hat um auf Raubtour zu gehen, allerdings hat sich dieser Gedanke nach unserem Duell wohl erledigt“, er drehte sich kurz vom Direktor weg und schaute Erin abschätzig an, „mit ihren mangelnden Fertigkeiten wäre sie dazu wohl kaum in der Lage.“

„Na, Na! Wir haben ja alle mal klein angefangen!“, tadelte Herr Schrainmann.

„Abgesehen davon, haben Frau Ehring und ich immer neue Meldungen bekommen. Es geht nicht mehr nur um Karten. Es fehlen Uniformen, Nahrungsmittel, Schulbücher und einem Schüler hat man das Smartphone weggenommen! Nichts ist diesem Dieb heilig!“

Der Junge nickte bedächtig.

„Ich verstehe, Direktor. Ich werde mich nochmal bei den anderen Häusern nach Hinweisen umsehen. Wenn ich was Neues herausfinde, erfahren Sie es als Erstes.“

Maxim legte den Ordner zu den drei anderen, die er zuvor getragen hatte und ging davon.

Der Direktor hob sogleich einen Ordner auf und blätterte ein wenig.

„Beeindruckende Sammlung, wirklich. Weiß einer von euch, wem die gehören?“

Kevin meldete sich und der Direktor trug den Ordnerstapel zu ihm.

„Haben Sie vielen Dank, Herr Direktor“, bedankte er sich uncharakteristisch freundlich.

Nun wandte er sich mit einem freundlichen Schmunzeln Erin zu.

„Ich sehe schon, du durftest bereits in deinen ersten Wochen einen unserer vorbildlichsten Schüler duellieren. Ich hoffe, du hast ihm auch den wohlverdienten Respekt erwiesen?“

Fiona war kurz vorm Platzen.

Am liebsten hätte sie Herrn Schrainmann lautstark mitgeteilt, wie viel Respekt Maxim in ihren Augen WIRKLICH verdient hätte, aber Mayla, die ihr beruhigend über die Schulter streichelte, konnte ihre Freundin noch rechtzeitig davon abhalten.

„Aber natürlich, Herr Schrainmann“, log Erin mit einem falschen Lächeln.

„Das ist doch schön zu hören! Dann ärgere dich auch nicht, dass Maxim dich verdächtigt hat, er konnte ja nicht wissen, dass du bereits einem Kartendieb erfolgreich das Handwerk gelegt hast.“

„Lächeln und Nicken, Lächeln und Nicken“, dachte sich Erin zwanghaft.

Der Direktor schien auf Maxim große Stücke zu halten und sie war inzwischen wirklich viel zu erschöpft, um sich möglicherweise Ärger einzuhandeln.

„Eine Sache hätte ich da noch: Wegen der Sache, die Frau Ehring neulich mit dir besprochen hat...“

Erin wurde plötzlich ganz hellhörig.

„Es hat sich glücklicherweise erledigt, er ist wohl Zuhause angekommen.“

Mayla und Fiona schauten Erin beide fragend an.

„Später“, antwortete sie beiden knapp.

„Nun, wenn euch nichts mehr auf den Herzen liegt, dann mache ich mal mal wieder auf die Socken!“, kündigte der Direktor salopp an und machte sich auf den Rückweg.

Plötzlich drehte er sich wieder um und sprach die gesamte Zuschauerschaft an: „Ach ja! Und wenn einer von euch herausfindet, welcher Scherzkeks mir den doofen Brief geschrieben hat: Sagt ihm, dass er oder sie sich auf drei Wochen Nachsitzen freuen kann!“

Alle nickten und gingen wieder in die Unterkunft.

Es war inzwischen schon spät geworden.

„Wolltest du nicht den anderen Stöpseln die Karten zurückgeben?“, fragte Kevin nach, während alle in ihren Zimmern verschwanden.

„Du hast „Danke, dass du dich für mich eingesetzt hast“ falsch ausgesprochen“, bemerkte Erin in einem flapsigen Tonfall.

Sie drückte ihm die neun Karten und die Liste der Besitzer in die Hände.

„Das ist dein Job, ich bin für heute durch.“

„Hmpff, ausnahmsweise.“

„Außerdem bin ich sauer auf dich. Du hast mir verheimlicht, dass du neben den Karten auch mit Informationen handelst!“, warf Erin ihm vor und Kevin war überrascht davon, dass sie ihn ertappt hatte.

„Woher weißt-?“

„Dein blöder Fernseher war auf einen Nachrichtensender geschaltet, du hast mich während unseres Duells ziemlich auffällig ausgefragt, dann kanntet du und Maxim euch offensichtlich bereits und er wird als Chefredakteur der Schülerzeitung eher an Informationen als an Karten interessiert sein. Und zuletzt wolltest du in unserem Duell gar nicht gewinnen, sondern hast deinen Karteimagier und die Katze im Sack genutzt, um alle meine Karten anzusehen. Soll ich noch mehr aufzählen?“

Mayla und Fiona, die bisher alles nur so halb verstanden hatten, guckten nun Kevin grimmig an.

„Gut, gut, ich gestehe. Nur posaunt das bitte nicht hier überall rum. Schlechte PR“, gab Kevin zu.

„Warte, ich habe da etwas als kleine Wiedergutmachung.“

Er kramte in einem seiner Ordner eine Weile herum, wurde dann aber fündig und reichte Erin eine Karte.

Es war ein Fusionsmonster mit einer hohen Stufe.

„Donnerklang-Drachenreiterin...“, las Erin beeindruckt, „Woher hast du die?“

„Nun, liebe Erin, da du ja bereits herausgefunden hast, dass ich auch mit Informationen handele, kannst du dir sicher denken, dass ich nicht einfach umsonst Betriebsgeheimnisse weitergebe, hm?“, erwiderte der Karten- und Infohändler altklug.

„Erin, der Typ ist ja zum Kotzen.“, sprach Fiona Erin aus der Seele.

„Danke für dein offenes Feedback, aber ich muss jetzt noch ein paar Zimmer abklopfen, den Blödsinn wieder in Ordnung bringen, den Leroy angerichtet hat. Ich freue mich schon sehr darauf, mit euch in Zukunft Geschäfte zu machen.“

Mit diesen Worten zog Kevin los.

Fiona grummelte: „Jaja, du mich auch.“

Die drei Mädchen gingen zurück auf ihr Zimmer.

Dort angekommen, stieg Erin sofort hoch auf ihr Bett.

Im Gegensatz zu ihren Freundinnen hatte sie kein Nachmittagsnickerchen gemacht und ihr Duell gegen Maxim hatte sie viel Kraft gekostet.

„Ähm, Erin, ich will ja nicht stören, aber ich wüsste gerne, was Herr Schrainmann eben meinte, damit, dass irgendwer zuhause angekommen sei.“

„Gehts um nen Bekannten, oder um Verwandschaft?“

Erin seufzte.

Am liebsten würde sie kurz dösen oder in Ruhe die Decke anstarren, aber nachdem sie ihre Freundinnen belogen hatte, hatte sie das Gefühl ihnen die Erklärung zu schulden.

Sie legte sich an den Rand des Hochbetts und schaute auf Fiona und Mayla hinab.

„Gestern Mittag, als Frau Ehring mit mir unter vier Augen reden wollte, da hat sie mir erzählt, dass Barry, Maylas ursprünglicher Gegner, seit den Probeduellen verschwunden sei und wohl auch schon seine Eltern mehrfach angerufen hätten. Sie fragte, ob ich mehr dazu wisse und als ich ihr gesagt hab, dass ich ihn selbst seitdem nicht mehr gesehen habe, bat sie mich, nichts von Barrys Verschwinden weiterzuerzählen. Also behaltet das bitte für euch, ja?“

„Moment, Barry war bis gestern tagelang verschwunden und ist dann ganz plötzlich wieder aufgetaucht?“, fragte Mayla etwas ungläubig.

Erin zuckte nur mit den Schultern.

„Ganz toll, jetzt habt ihr mich daran erinnert, dass es Barry gab.“, nörgelte Fiona.

„Sind eigentlich alle Jungs hier für den Arsch? Ich habe noch nicht einen gefunden, der mir nicht auf den Wecker ging.“

Mayla räusperte sich:“Also...“

„Außer deinen Daniel. Der ist okay und ich gebe euch meinen Segen.“

„MEINEN Daniel...Segen, was redest du denn da?“

Mayla wurde da ganz rot und konnte Fiona nicht mehr in die Augen sehen, Erin bekam indes kaum noch Luft vor lachen.

Fiona suchte in einem Kleiderhaufen kurz ihre Hausschuhe und zog sie sich an:„Ich gehe schonmal duschen und Zähne putzen. Bis gleich!“

„Bis gleich.“, antworten beide.

„Hm, Fiona hat schon ein wenig Recht“, sagte Erin, „In den ersten paar Tagen haben wir schon einige Duellanten getroffen, die sich gerne an den Karten anderer vergreifen. Maxim wollte Kevin ja auch seine Karten wegnehmen. Und dann läuft hier auch noch irgendein Unbekannter herum, der alles stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist.“

„Ach, so negativ würde ich das gar nicht sehen. Barry wurde immerhin abgelehnt und Leroy wirkte so, als ob er seine Erpressereien aufrichtig bereuen würde.“

„Bei dir ist das Glas aber auch immer halb voll, was?“

Verlegen fasste sich Mayla in den Nacken, während Erin seufzte.

„Mann, gegen diesen dämlichen Maxim hatte ich echt keine Chance. Am Ende hatte er gerade mal 200 Lebenspunkte verloren. Ich habe mich ehrlich noch nie so klein und schwach gefühlt, wie im Kampf gegen seinen Kreuz-Ass.“

Mayla nickte.

„Das kann ich verstehen.“

Beide schwiegen kurz.

„Weißt du Erin, ich finde du brauchst dich nicht schämen. Du hast dich wieder mutig für einen Mitschüler eingesetzt und du hast dein Bestes gegeben.“

Erin lächelte.

Wenn jemand wusste, wie man sie wieder aufbauen kann, dann war das Mayla.

„Außerdem sollte man sich nie schwach fühlen müssen, wenn man duelliert.“

„Wie meinst du das?“

„Naja....also...Hmm..., stockte Mayla kurz, bevor sie sich ihre Sätze zurechtgelegt hatte, “Ich bin in einem Heim aufgewachsen. Die anderen Kinder waren oft ziemlich fies zu mir, weil ich eben nicht so groß bin und mich kaum zur Wehr setzen konnte. Aber als ich damals durch ein Förderprogramm meine erste Dueldisk und später auch mein eigenes Deck bekam, war das völlig egal. Denn beim Duellieren kann ich genauso stark sein, wie ein zwei Meter großer Muskelberg, nur die Strategie und das Können zählt. Das ist das Schönste für mich an Duel Monsters. Wenn dieser Aspekt aber verloren geht und man sich im Duell schwach fühlen muss, dann...nimmt man vielleicht das Spiel einfach etwas zu ernst, weißt du, was ich meine?“

So hatte Erin die Sache bisher nicht gesehen. Im Duell gegen Barry, Kevin und Maxim ging es um stets um einen hohen Einsatz, es war gut möglich, dass das die Ursache dafür wahr, dass sie sich nun schlecht fühlte.

„Das klingt ganz schön weise. Ich werde es mir zu Herzen nehmen. Bist du wegen des Förderprogramms auch zum Probeduell eingeladen worden?“

„Genau. Für mich ist die Akademie eine tolle Chance an meinen Fähigkeiten zu arbeiten und mir eine Zukunft aufzubauen. Aber trotzdem will ich mich nicht unter Druck setzen lassen. Wenn man einmal den Spaß am Duellieren verloren hat und nur noch ans Gewinnen denkt, dann wird man am Ende vielleicht genauso komisch drauf sein wie dieser Maxim.“

„Großer Gott, also wenn ich jemals so werden sollte, dann gebe ich dir und Fiona die Erlaubnis mich zu erschießen!“
 

°°°
 

Es war schon spät abends, als es wieder an Kevins Tür klopfte.

Er öffnete sofort, mit dem Besuch hatte er gerechnet.

Maxim stand vor der Tür.

Kevin lächelte ihn an und ließ ihn gleich rein.

Sie setzten sich nebeneinander aufs Bett und Kevin schmiegte sich an Maxim an.

„Du hast heute eine echt gute Show geliefert. Ich wusste gar nicht, dass in dir so ein guter Schauspieler steckt. Vielleicht solltest du von der Schülerzeitung zur Theater-AG wechseln?“

„Witzbold“, antwortete Maxim und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

„Ich muss zugeben, den Oberbösewicht zu spielen hat Spaß gemacht, aber war diese ganze Scharade denn nötig? Wenn Schrainmann mitbekommt, dass ich ihn wegen nichts aus dem Büro gelockt habe, schreibe ich höchstens noch die Kreuzworträtsel, von dem Ärger für meine Nachtruhebrüche mal ganz abgesehen.“

„Aber unser kleiner Test hat sich gelohnt, oder? Erin hat sich genau so heroisch verhalten, wie erwartet. Sie könnte uns prima unterstützen, sobald wir unseren Angriff starten.“

Maxim zögerte kurz.

„Könnte kompliziert werden. Wie stehen ihre Erinnerungen? Ebenfalls wie erwartet?“

Kevin nickte.

„Leider.“

„Autsch...aber damit hatte sie ja bereits gerechnet.“

„Stimmt. Ich habe Erin ihre Karte gegeben. Das könnte helfen ihr Vertrauen zu gewinnen. Wie weit sind die Vorbereitungen eigentlich?“

„Hecker hat bereits den geflügelten Drachen des Ra aufgetrieben. Den anderen beiden Götterkarten ist er noch auf der Spur. Die Janbres-Zauber sind ebenfalls in unserer Gewalt. Die wichtigste, fehlende Ressource sind aber noch immer Mitstreiter.“

„Puh, dann dauert das Ganze wohl noch etwas“, sagte Kevin etwas enttäuscht.

„Ich kann es kaum erwarten mit dir zusammen in die Welt zu ziehen. Diese Akademie macht mich ganz krank.“

„Geht mir doch ganz genauso. Dieser verfluchte Ort bringt nur das Schlechteste im Menschen zum Vorschein.“

Maxim legte zärtlich seinen Arm um Kevin.

„Noch ein wenig Geduld. Bald werden wir die Duellakademie ein für alle Mal zerstören.“
 

_____________
 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Donnerklang-Inkarnation: Stufe 2, 700Atk, 0Def, Attribut Licht, Typ Donner, Union/Effekt:

Einmal pro Spielzug, während deiner Main Phase, kannst du ein „Donnerklang“-Monster vom Typ Krieger , das du kontrollierst, mit dieser Karte als Ausrüstungskarte ausrüsten ODER diese Karte ausklinken, um sie als Spezialbeschwörung in die offene Angriffsposition zu beschwören. Solange diese Karte durch diesen Effekt ein Monster ausrüstet, erhält das ausgerüstete Monster 700 Atk. (Ein Monster kann zu jeder Zeit nur mit 1 Union-Monster ausgerüstet sein. Falls das ausgerüstete Monster zerstört werden würde, zerstöre stattdessen diese Karte.) Einmal pro Spielzug, falls diese Karte zerstört wird: Füge deiner Hand eine „Fusion“ zu.
 

Zeitungsente, Stufe 2, 600Atk, 800Def, Attribut Wind, Typ geflügeltes Ungeheuer, Normal
 

Goldfeder-Eule: Stufe 3, 900Atk, 1200Def, Attribut Wind, Typ geflügeltes Ungeheuer, Effekt:

Wenn du diese Karte als Normalbeschwörung beschwörst: Füge deiner Hand bis zu zwei „Goldfeder-Eule“ aus deinem Deck hinzu. Du erhältst 300 Lebenspunkte für jede Karte auf deiner Hand.
 

Teufel im Detail: Stufe 4, 0Atk, 0Def, Attribut Erde, Typ Unterweltler, Effekt:

Diese Karte kann nicht als Normalbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kann einmal pro Spielzug als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du ein Monster, das du kontrollierst deiner Hand zufügst. Diese Karte erhält 400Atk und 400Def für jede Karte auf deiner Hand. Einmal pro Spielzug: Wenn diese Karte durch eine Karte deines Gegners zerstört wird: Dein Gegner wirft eine Karte aus seiner oder ihrer Hand ab.
 

Kartenkönig Kreuz-Ass, Stufe 9, 0Atk, 0Def, Attribut Licht, Typ Hexer, Fusion/Effekt:

1 „Teufel im Detail“ + 1 Normales Monster

Muss zunächst als Fusionsbeschwörung beschworen werden. Diese Karte erhält 700Atk und 700Def für jede Karte auf deiner Hand. Während des Zuges beider Spieler, wenn dein Gegner einen Karteneffekt aktiviert oder ein Monster beschwört: Wirf zwei Karten von deiner Hand ab und annulliere den Karteneffekt oder die Beschwörung und zerstöre die Karte.
 

Zauberkarten:
 

Donnerbeschwörung, Schnellzauberkarte:

Beschwöre ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus deiner Hand. Du kannst mit diesem Monster sofort ein Donnerklang-Monster vom Typ Krieger ausrüsten.
 

Multipresse, Normale Zauberkarte:

Wähle ein normales Monster der Stufe 2 oder niedriger, das du kontrollierst und in diesem Zug beschworen hast: Beschwöre bis zu zwei Monster mit dem gleichen Namen aus deinem Deck, Friedhof oder aus deiner Hand als Spezialbeschwörung.
 

Extrablatt! Extrablatt!, Permanente Zauberkarte:

Während deiner End Phase: Du musst keine Karten aus deiner Hand abwerfen, wenn du 12 oder weniger Karten auf deiner Hand hast. Während der End-Phase, in dem Zug, in dem du diese Karte gespielt hast: Ziehe eine Karte.
 

Wiederverwertungsfusion, Normale Zauberkarte:

Beschwöre ein Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung aus deinem Extradeck, indem du Monster von deiner Hand oder deinem Feld als Fusionsmaterial nutzt. Du darfst außerdem ein Monster aus deinem Friedhof als Fusionsmaterial nutzen. Du kannst in diesem Zug keine weitere Spezialbeschwörung durchführen.
 

Fallenkarten:
 

Elektrobarriere, Normale Fallenkarte: Wenn du ein „Donnerklang“-Monster kontrollierst, wenn ein gegnerisches Monster einen Angriff deklariert: Mische das Monster zurück in das Deck deines Gegners und füge deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Atk des Monsters zu.
 

Neuauflage, Normale Fallenkarte:

Aktiviere diese Karte in deiner Battle Phase oder der Battle Phase deines Gegners:

Füge alle Monster, die du kontrollierst deiner Hand zu. Ziehe eine Karte für jedes Monster, das du mit dieser Karte deiner Hand zugefügt hast.
 

Fehldruck, Normale Fallenkarte:

Zerstöre ein Monster, das dir in diesem Zug Kampfschaden zugefügt hat. Füge deiner Hand ein Monster aus deinem Deck zu, dessen kombinierte Angriffs- und Verteidigungspunkte geringer sind, als der Kampfschaden, den dir das zerstörte Monster zugefügt hat.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (0)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.

Noch keine Kommentare



Zurück