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Und dann hat er ja gesagt

von

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Demut

Ich wusste nicht mehr, wie ich die letzte Nacht überlebte. Mein Körper tat weh an jeder erdenklichen Stelle. Und die Kopfschmerzen… mein Gott! Sie arteten in irgendwas Grausames aus, das mir bis jetzt komplett unbekannt war, und gerieten vollständig außer Kontrolle. Ich hielt meine Augen ununterbrochen zu, denn, sobald ich nur ein kleines helles Fleck sah, drohte mein Schädel von innen zu platzen. Etwas drückte mit immenser Gewalt auf die Innenseite meiner Schläfen. Ich bildete mir sogar ein, die Knochen oberhalb meiner Ohren schmackhaft knacksen zu hören. Natürlicherweise dachte ich, meine Kopfschmerzen würden ihr Endstadium erreicht haben und dass sie ab jetzt unmöglich schlimmer werden können. Mein Körper schuf es aber, mich immer wieder zu überraschen. Die Sonne ging auf. Sie ließ mich komplett wahnsinnig werden. Ich schrie mir die Seele aus dem Leibe vor Schmerzen und bekam ein gewaltiges Nasenbluten. Das Blut füllte rasch mein Rachen und ich musste ziemlich oft ausspucken, um nicht darin zu ertrinken. Ich wurde komplett vom Wahnsinn besessen und war kurz davor, mir die Augen auszustechen, um endlich gar kein Licht mehr sehen zu können.
 

Irgendwann fand ich mich selbst liegend in einem Krankenhausbett. Anscheinend wurde ich bewusstlos und einer der Passanten rief einen Krankenwagen. Sakura saß neben mir und ich konnte nur ihren besorgten Blick fangen, bevor ich wieder anfing vor Schmerzen zu schreien. Es war ein helllichter Tag und das Zimmer war nicht abgedunkelt. Überall lauerte Sonnenlicht. Sakura bekam Angst und versuchte mich irgendwie zu beruhigen. Ich versuchte es ihr krampfhaft zu erklären und irgendwann dunkelte sie das Zimmer ab. Der Schmerz ging etwas zurück, sodass ich es mit zugehaltenen Augen aushielt und nicht mehr schreien musste. Sakura besorgte mir sofort irgendwo eine undurchdringbare schwarze Augenbinde und sie wurde zu meinen besten Freund. Anscheinend war die Dunkelheit meine natürliche Umgebung. Ich fühlte mich wohl. Eins der wenigen Orte, wo es mir relativ gut ging.
 

Die Tage liefen, meine Gesundheit wurde Stück für Stück besser. Sakura stellte ziemlich viel Falsches in meinem Körper fest und ich musste ohne Ende behandelt werden. Nach ca. einem Monat im Krankenhaus konnte ich mich in einem mit dicken Vorhängen abgedunkelten Raum ohne Augenbinde befinden. Ich ernährte mich außerdem deutlich besser. Sakura konnte mir nach langen Gesprächen mit der Klinikleitung ein Einzelzimmer organisieren. Sie schlug außerdem vor, das Zimmer jeden Tag ein wenig aufzuhellen, damit ich mich wieder ans Sonnenlicht gewöhnen kann. Ich fand die Idee gar nicht so schlecht und sie wurde nun umgesetzt. Es schmerzte anfangs tierisch, aber es wurde jeden Tag weniger schlimm. Ich lernte meinen Körper von Grund auf neu kennen und gewann dabei bessere Kontrolle über diese Lichtempfindlichkeit. Nach einigen Tagen war es so weit, dass ein kleiner Spalt im Vorhang fast problemlos gelassen werden konnte. Der Spalt vergrößerte sich jeden Tag ein bisschen. Ab da wusste ich, dass ich wirklich Fortschritte mache.
 

Obwohl Sakura so viel für mich machte, löste sie immer noch dieses unangenehme Gefühl in mir aus und ich fand es sehr schlimm. Eigentlich muss ich ihr dankbar sein und stattdessen spüre ich diese komische Abneigung. Es ist so falsch! Sie hat es überhaupt nicht verdient, spätestens jetzt hätte ich keine Gründe mehr sie nur als lästig zu empfinden. Also versprach ich mir selbst zu versuchen, Sakura wenigstens etwas ans Herz zu gewinnen. Es klappte leider nur bedingt gut. Irgendwie kann es nicht zwischen uns funktionieren, nichtmal auf freundschaftlicher Ebene. Dann entschloss ich mich endlich gesund zu werden, um das Krankenhaus schnellstmöglich zu verlassen. Sonst kann ich diese Schuld ihr gegenüber nie begleichen. Dieser Gedanke trug dazu bei, dass es mir ab irgendeinem Zeitpunkt rasch besser ging.
 

Naruto versuchte ein paar mal in diesem Zeitraum mich zu besuchen, ich hatte aber keine geistige Kraft ihn anzusehen. Er war das hellste Licht in meinem Leben und ich wusste, dass sobald ich ihn ansehe, wird die ganze Besserung zunichtegemacht. Die Vorstellung in meine Verzweiflung zurückzukehren jagte mir so viel Angst ein, dass ich mich jedesmal schlafend verstellte, sobald ein Besuch angekündigt worden war. Eines Tages bekam ich mit, wie Naruto neben meinem Zimmer stand und sich über meinen Zustand erkundigte. Er fragte die Krankenschwester, ob er was für mich tun könnte, und sie schlug ihm vor, mir Blumen zu schicken. Der besorgte Klang von seiner Stimme verletzte mich zutiefst. Er macht sich immer noch meinetwegen aufrichtige Sorgen. Es ist so verwirrend! Was ist eigentlich falsch mit ihm?! Er kann mich wirklich nicht hassen, ne?
 

Am nächsten Tag bekam ich wirklich einen Blumenstrauß von ihm. Er hinterließ keine Nachricht dazu. Später, abends, als Sakura mich untersuchte, erfuhr ich von ihr, dass sich Naruto regelmäßig über meinen Zustand bei ihr erkundigt. Anstatt glücklich zu sein, wurde ich plötzlich bekümmert. Verdiene ich etwa tatsächlich so eine blinde Zuneigung? Warum macht er das eigentlich?! Ach, Naruto, du bist so ein Dümmchen! Warum muss du immer so aufrichtig sein? Was soll denn ich bitte schön fühlen?! Einerseits freute ich mich unendlich über seine Aufmerksamkeit und abends, wenn keiner zuguckte, steckte ich meinen Kopf in den Blumenstrauß und atmete sein Geruch tief ein. Andererseits dachte ich sofort an jene Nacht und es ging mir danach mental und körperlich schlechter. Ich ließ die Blumen trotzdem bis zum letztmöglichen Tag stehen. Ach, ich hab keine Ahnung mehr. Diese Beziehung ist immer noch zutuefst kurios. Aber ich liebe ihn trotzdem wie verrückt…
 

Nach dem Vorfall mit den Blumen hörte Naruto auf, mich zu besuchen. Seine Präsenz wurde dennoch nicht weniger. Sie wurde sogar viel mehr. Er erledigte so viel Kleinkram für mich, dass ich ständig an ihn denken musste. Er brachte meine Kleidug von zuhause vorbei, besorgte mir Bücher, Essen oder andere Sachen, die ich benötigte. Ich wollte ihm nicht zur Last fallen, besonders nicht jetzt. Aber aus den Unterhaltungen mit Sakura wusste ich, dass er es gern für mich macht und sie immer wieder fragt, wie er mein Krankenhausaufenthalt angenehmer gestalten kann. Ich wusste immer noch nicht, was ich dabei fühlen soll. Anscheinend will er, dass es mir an nichts mangelt. Ach, Naruto, du bist so rätselhaft! Mal meldest du dich nicht für einige Monate, und mal bist du aus meinem Leben nicht mehr zu vertreiben. Kannst du nichts dazwischen wählen? Ach, Mann… was ist nur los mit dir, du Dümmchen?
 

Man würde denken, dass ich endlich genug Zeit bekam um all das zu sortieren, aber Uzumakis unsichtbare Präsenz lenkte mich zu effektiv ab. Er tauchte immer wieder in meinen Gedanken unaufgefordert auf und dabei wollte ich gar nicht an ihn denken. Leider war es so gut wie unvermeidbar. Besonders abends sehnte ich sehr stark nach ihm und wünschte mir, er wäre bei mir. Wenn ich nochmal seine Berührungen genießen dürfte! Ich fantasierte darüber, wie er mich auf seinen Schoß setzen, über meine Haare streicheln, mich in den Kopfwirbel küssen würde… wie sein breiter Rücken nochmal zur meinen Festung würde… und wie warm und geborgen es dort wäre! Diese mentale Bilder waren so schön und gleichzeitig rissen sie mir mein Herz aus dem Leibe aus. Sie ließen mich meistens ziemlich verbittet. Es tat einfach weh und ich konnte mich nicht gegen diesen Schmerz wehren. Mir wurde endlich klar, dass ich derjenige war, der es für uns vermasselte. Deswegen ärgerte ich mich massiv und die Agonie von jener Nacht suchte mich jedesmal, während ich einzuschlafen versuchte. Der Schuldige am Geschehenen wurde nun benannt, aber er hatte diesbezüglich recht. Diese Erkenntnis brachte nichts gutes mit sich. Stattdessen forderte sie in mir eine unglaubliche Reue und es schien nur noch unerträglicher zu sein. Ich ging einige Male durch das Ganze durch und pickte mir die Stellen, wo es vielleicht mit uns geklappt hätte. Wäre ich als Genin etwas ausgeglichener, vielleicht wäre er jetzt mit mir… oder wäre ich bereits nach unserem ersten Kampf im letzten Tal mit ihm mitgekommen, vielleicht dann… oder die unzähligen Male danach… würde ich ihn früher vernünftig ausreden lassen, vielleicht dann… wäre ich nicht so schwach und würde früher eine Liebeserklärung durchziehen, vielleicht dann… wäre ich wenigstens nicht nach dem Krieg abgehauen, vielleicht dann! Vielleicht wäre er jetzt tatsächlich meins! Aber jetzt ist es halt vorbei und nichts hilft. Und nichts mehr kann die Situation umkehren. Also ist diese Agonie an sich sinnlos… ich bin halt gescheitert… und trotzdem liebe ich ihn wie verrückt.
 

Irgendwann gelangte ich an den Punkt, an dem seine Entscheidung tatsächlich für mich nachvollziehbar wurde. Was er tut, ist nur menschlich. Warum soll man in die beängstigende Ungewissheit kopfüber eintauchen, wenn das, was man jetzt hat, bereits gut genug ist? Ich bin jedenfalls die letzte Person, die ihn dafür verurteilen darf. So wie ich ihn verletzt habe, bin ich erstaunt, dass er sich immer noch meinetwegen solche große Sorgen macht. Aus irgendeinem Grund bin ich ihm nach all dem anscheinend immer noch nicht egal. Er ist so ein riesengroßer Schwachkopf! Er ist der hoffnungsloseste Romantiker, der wirklich fest davon überzeugt ist, dass jeder eine zweite, dritte oder welche auch immer Chance verdient. Ich kann mich immer wieder über seine komische Art staunen. Genau das macht ihn zur Sonne… und natürlich dass er überall gute Laune verbreitet, wo auch immer er auftaucht. Und mir fehlt beides… deswegen konnte ich mich nicht aufrichtig für ihn freuen. Schließlich überstand er unsere kuriose Beziehung und machte sogar das Beste draus. Aber es beißt so schmerzhaft in die Seele! Und dennoch machte ich kleine Fortschritte: wenigstens machten mich diese Gedanken nicht mehr wütend und ich konnte nun die ganze Sache "relativ gelassen" ansehen, außer, dass es unglaublich wehtat. "Manchmal sind Gefühle nicht alles" sagte er mir. Hmmm… Naruto, du bist wirklich erwachsen geworden.
 

Und so lernte ich langsam, seine Entscheidung zu akzeptieren. Es war immer noch unglaublich schmerzhaft, aber irgendwie schuf ich es von einem Tag zum nächsten und es wurde tatsächlich kontinuierlich leichter. Seine Worte "du kommst auch irgendwann dazu" kamen mir oft in den Sinn und ich fand es etwas ironisch. Allerdings war ich mir nicht mehr sicher, ob ich ihn jemals wiedersehen will, geschweige denn Freunde zu sein. Es war zu viel von mir verlangt, seine greifbare Nähe auszuhalten. Dafür waren die Gefühle doch zu stark. Nein, ich besitze sicher nicht die geistige Kraft dazu.
 

Irgendwann kam der Tag, an dem ich endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Ich konnte mich tagsüber immer noch nicht durch die Gegend treiben, aber abends ging es. Deswegen war mein Entlass auf 21 Uhr gelegt. In meinem Zimmer sammelten sich viele persönliche Gegenstände und sie alle wurden von Naruto hierher gebracht. Ich musste sogar am Tag davor packen. Um 21 Uhr setzte ich mich ins Taxi, das mich nach Hause schuf.
 

Zuhause wartete eine Überraschung auf mich. In der Tür klemmte ein Brief von Naruto. Ich machte ihn auf und musste sofort über seine Sauklaue schmunzeln. Ich finde immer noch fast alles süß, was er macht… dummer Naruto! Im Brief stand:
 

"Hallo, Sasuke!
 

Ich gratuliere dir zum Entlass aus dem Krankenhaus. Ich muss dir sagen, dass ich mich unendlich schuldig fürs Geschehene fühle. Es tut mir so leid! Ich hätte dich halt nicht alleine lassen sollen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich nichtmal ansatzweise Ahnung darüber hatte, wie sehr du die ganze Sache zum Herzen genommen hast. Ich dachte halt, eine schnellere Trennung richtet dir weniger Schaden an. Aber ich irrte mich eindeutig und diesen Fehler gebe ich zu. Ich will mich unbedingt dafür revanchieren. Ich bekam mit, dass du mich aus verständlichen Gründen nicht sehen willst und ich kann es nachvollziehen. Gibt es trotzdem etwas, was ich für dich machen kann? - hier kam die Stelle, die mich vom ganzen Herzen lächeln ließ, - Willst du, dass ich dein ganzes Leben lang für dich einkaufe? Natürlich von meinem eigenen Geld. Oder willst du, dass ich jetzt den Führerschein mache und zu deinem persönlichen Taxifahrer werde? Willst du, dass ich jeden Tag jede Mahlzeit für dich zubereite? Ich würde es nicht empfehlen, aber wenn du es willst, besuche ich die Kochkurse und so… - nächste Passage machte mich nachdenklich, - Ich weiß halt nicht, was ich dir geben kann. Ich möchte dir aber irgendwas als Schadensersatz anbieten… denn ich kann mich immer noch nicht damit abfinden, dass du meinetwegen die ganzen zwei Monaten im Krankenhaus verbringen musstest. Du sagtest, dass ich dich nicht will… so stimmt es nicht, denn du bist mir sehr wichtig und ich will, dass es dir gut geht. Deswegen will ich unbedingt den Schaden rückwirkend mindern. Jedenfalls, wenn du dir was überlegt hast, gib mir irgendwie Bescheid. Du musst es mir nicht persönlich sagen, du kannst zum Beispiel auch einen Brief schreiben und ihn bei Hinata liegen lassen. Oder bei Sakura. Oder in der Akademie. Mein Büro befindet sich im dritten Stock, du kannst den Brief durch mein Fenster reinwerfen. Für dich wird es bestimmt kein Problem sein. Mach doch einen Shuriken daraus, dann triffst du auf jeden Fall, - ich musste schon wieder verträumt lächeln, - Ich bitte dich nur, nein, ich nötige dich sogar dazu, dir irgendwas zu überlegen. Ich werde das Fenster in meinem Büro ab heute jeden Tag zwischen 21 und 0 Uhr offen halten, bis ich deine Antwort habe. Ich weiß, dass du immer noch nicht tagsüber rausgehen kannst und die Akademie schreibt nun leider vor, die Fenster geschlossen zu halten. - was für einen Unsinn schreibt er eigentlich?! Ich musste herzlich lachen. Ich atmete danach tief ein und laß nun weiter, - Allerdings wünsche ich dir eine gute Besserung. Ich wollte bei dir zuhause aufräumen, als ich deine Sachen abholte, allerdings wusste ich nicht, ob du es vielleicht etwas unheimlich findest. Ich habe nur rudimentäre Sachen gemacht, bitte erschreck dich nicht. Und überlege dir was.
 

Naruto
 

P. S. Entschuldige bitte meine Handschrift, ich schreibe den Brief schon zum vierten Mal neu und er sieht immer noch so wie er halt aussieht"
 

Ich hielt den Brief in meiner Hand ziemlich lange. Ich laß ihn mir mehrere Male durch und jedes Mal fühlte ich leichtes Kribbeln im Bauch. Der Brief gab ein sehr warmes Gefühl von sich, ich schmunzelte bei jedem Lesen erneut. Ich bin ihm also sehr wichtig… Hmmmm… Okay, dann weiß ich Bescheid, Uzumaki-san.
 

Allerdings wusste ich nicht, worum ich ihn bitten soll. Seine Vorschläge waren albern und wahrscheinlich eher als ein Witz gemeint. Obwohl…? Eigentlich schien mir das mit dem Einkaufen ziemlich verlockend! Aber nicht so verlockend wie diese eine Sache… er könnte wieder meine Sonne sein. Aber ob ich ihn um sowas bitten sollte? Es war erstens unangebracht und zweitens was wenn er anfangs einwilligt und haut dann doch später ab? Was, wenn ich mich wieder von ihm gegen meinen Willen lösen muss? Es wirkte beängstigend auf mich. Ich werde sowas nicht noch ein mal überleben. Außerdem ich verstand nicht ganz, warum er mich dazu nötigte. Er entschuldigt sich zu oft… er muss damit aufhören.
 

Die Tage vergingen, ich kam in meine Routine wieder rein. Kakashi meldete sich und wollte wissen, ob ich arbeiten kann. Leider musste ich absagen, weil das mit der Lichtempfindlichkeit noch nicht vollständig geheilt war. Zum Glück konnten die meisten Fenster zuhause dennoch abgeklebt werden. Ich ging gerne abends nach dem Sonnenuntergang in den Wald und trieb mich dort rum, der Spaziergang half mir meine Gedanken zu sortieren. Nicht, dass ich den Gedankenfluss vollständig unter Kontrolle hätte oder sowas… manchmal wurde ich sogar vom Gedankenstrom überwältigt, aber es wurde spürbar besser.
 

Sakura suchte neuerdings ziemlich aktiv Kontakt zu mir und ich versuchte nichts dagegen zu haben. Sie schuf aber mein mentales Gleichgewicht zu zerstören und ich musste es immer wieder erneut aufbauen. Es fiel mir jedes Mal schwerer und ich hatte wenig Lust darauf. Dennoch sahen wir uns regelmäßig und irgendwann fiel mir auf, dass sie mich doch nicht all zu gewaltig nervt.
 

Narutos Hochzeit rückte näher und ich bekam es jeden Tag ein Stück deutlicher zu spüren. Die feierliche Hektik nahm Konoha langsam ein. Die ganze Stadt war quasi eingeladen, Naruto war schließlich der Kriegsheld und jeder wollte ihm gratulieren. Ich wusste bloß nicht, was ich an dem Tag mache. Einerseits könnten meine Kopfschmerzen schon wieder außer Kontrolle geraten, das kann ich mir ganz gut vorstellen. Aber andererseits… ich will Naruto so gern als Bräutigam eingekleidet sehen! Er wird bestimmt traumhaft schön sein. Mittlerweile glaube ich, Naruto würde jede meine Entscheidung diesbezüglich akzeptieren. Wenn nicht, dann kann ich ihn dazu mit seinem Brief zwingen…
 

Apropos, ich überlegte mir immer noch nichts wegen des Briefs. Ich erinnerte mich daran, dass er versprach das Fenster in seinem Büro von 21 bis 0 Uhr offen zu halten. Ob er es tatsächlich macht? Ich wurde neugierig und ging am gleichen Abend gucken. Ich kam ca. 22:30 zur Akademie und ein einziges Fenster war tatsächlich offen. Hmmm… ob das Fenster um 0 Uhr zugeht? Und tatsächlich. Das Fenster wurde pünktlich um 0 Uhr zugemacht und das Licht ging kurz danach aus. Ich fand es sehr interessant und wollte unbedingt wissen, ob es sich dabei wirklich um Naruto handelte. Ich versteckte mich ziemlich weit weg von der Akademie, aktivierte mein Sharingan und versuchte einen markanten Chakrafluss zu bemerken. Leider fiel mir nichts auf. An dem Abend fand ich es also nicht heraus. Am nächsten Abend war ich pünktlich um 21 Uhr an derselben Stelle bei der Akademie. Das gleiche Fenster war wieder offen und ein kleines Licht brannte darin. Um 0 wurde das gleiche Fenster zugemacht und das Licht ging kurz danach aus. Ich kam noch ein paar mal her um dieses Fenster mit dem kleinen Licht zu beobachten. Irgendwie gab es mir eine Hoffnung, bloß keine Ahnung worauf. Meine nächtliche Spaziergänge zur Akademie häuften sich bis es zu meinem täglichen Abendritual wurde. Ich hielt mich gern hier auf, nur Gott weiß wieso. Eines Tages zeigte sich eine menschliche Gestalt in meinem kleinen Fenster. Endlich wusste ich, dass das Büro tatsächlich besetzt war. Die Person stand leicht gebeugt und kratzte sich im Nacken. Ich bekam dabei das Gefühl mit einem überfreundlichen Grinsen begrüßt zu werden, und ich lächelte im Gegenzug die Person automatisch an. Das war sicher Naruto. Mir fiel dabei flüchtig auf, dass ich gar nicht über dieses Wiedersehen verbittert bin. Ich begegnete ihn mit einer aufrichtigen und sogar etwas naiven Freude und hoffte komischerweise, dass er mich auch sieht, oder meine Chakra spürt, oder irgendwie anders von meiner Präsenz weiß. Ich staunte über mich selbst für einen kurzen Moment. Es ist immer noch so kurios mit ihm… und wusste immer noch nicht, was er für mich erledigen kann, das sinnvoll genug und angebracht wäre.
 

Am Ende dachte ich doch intensiv über seine Worte nach. "Manchmal wird man halt am Ende nicht belohnt, aber es ist kein Grund traurig darüber zu sein", "du weißt doch selbst gar nicht, was besser für dich ist, also wie zur Hölle konnte ich dir helfen?", "die einzige Person, die dir helfen kann, bist du selbst, Sasuke", "durch manches muss man alleine durch, sonst gewinnt man keine Erkenntnisse", "wenn ich alles für dich wegschmeiße, was dann, ha? Du wirst mir sicher keine Antworten geben", "manchmal weine ich ganz still, liegend neben meiner friedlich schlafenden Verlobten, darüber, dass ich nicht mit einem anderen Mann zusammen sein kann. Warum ist es so? Wer ist schuld daran? Ich weiß es doch auch nicht, und man kann sich das fragen, bloß es bringt nichts gutes mit sich"… das alles klingt so hochmoralisch und gar nicht nach Naruto. Während jener Nacht glaubte ich sogar, dass er mich verarschen wollte und einfach nur stur war. Mittlerweile kam ich zu Einsicht, dass es doch was dran sein könnte, selbst wenn er es nicht ernst meinte. Ich habe weder eine Ahnung, was besser für mich ist, noch weiß ich, wie ich mein Leben gern leben würde, noch weiß ich, was mein momentanes Ziel ist… was mir endlich klar geworden ist, dass ich unglaublich selbstsüchtig bin, und dass es aufhören muss, weil es ganz schön betäubend ist. Man verlernt den anderen zuzuhören. Wenn man recht hat, dann ist alles gut. Und wenn nicht, dann fällt man sehr tief vom hohen Ross runter. Und man heißt dann vermutlich Sasuke Uchiha. Naruto im Gegenzug macht sich zu viele Sorgen um die anderen und zu wenig um sich selbst. Sich für die anderen zu opfern liegt ihm also nahe. Es ist wahrscheinlich ziemlich blendend, weil man das Böse in Menschen einfach nicht sieht. Dann fällt man ebenfalls sehr tief, wenn einem plötzlich bewusst wird, dass manche wirklich nichts gutes in sich haben. Enttäuschung tut halt auch weh und zufälligerweise wurde ich zu seiner größten Enttäuschung. Er löste sich davon. Und ich muss im Gegenzug erlernen, mir Sorgen um meine einzige, teuere, unersetzliche Sonne zu machen. Denn ihn gibt es nur einmal, deswegen ist es in meinem besten Interesse, dass es ihm gut geht. Dazu gesagt, sollte es mir eigentlich egal sein, an wessen Seite er ist. Damit komme ich immer noch nicht klar. Aber ist es nicht nur menschlich, die geliebte Person zu begehen? Ja, ist es. Und es ist in Ordnung. Deswegen drückte ich das Auge auf diese kleine Schwäche zu. Schlimmer ist vielleicht, dass ich eigentlich so gern die Verantwortung um mein Wohlergehen ihm überlassen würde. Besonders weil er meinte, er würde sie mir so gern abnehmen… aber er hatte schon wieder recht, es funktioniert so nicht. Ach, Naruto, du bist nicht so dumm, wie du es immer behauptest. Der tatsächliche Dumme von uns beiden bin ich, denn du machtest mir klar, dass ich gar nichts weiß.
 

Diese Gedanken fasste ich zusammen zu einem kleinen Brief. Ich hielt mich selbst für eloquent genug, aber dieser Brief bewies nun das Gegenteil. Aus dieser Menge an Gedanken entstanden nur 15 ziemlich ungeschickt formulierte Sätze. Ich überflog nochmal kurz den Text. Liest er sich weinerlich-hochmoralisch an? Ja, tut er. Aber ich befinde mich zur Zeit in diesem weinerlich-hochmoralischen Zustand, also ist es nicht verwunderlich. Hauptsache ist, dass ich mich mit diesem Brief wenigstens schriftlich für alles bei ihm aufrichtig entschuldige. Und dass ich mittlerweile seine Entscheidung nachvollziehen kann und es ihm nicht mehr so ganz übel nehme, wenn auch ich es ihm noch nicht ganz verziehen hatte und es vermutlich niemals bewerkstellige. Und dass er mir vieles offenbart hatte, wovon ich keine Ahnung hatte. Und dass ich generell von fast nichts eine richtige Ahnung habe. Und das ich trotzdem unendlich froh darüber bin, dass er mal meine Sonne war. Ich beschloss für mich nun, dass diese Erfahrung insgesamt doch sehr positiv war, auch wenn der Preis dafür unglaublich hoch angesetzt wurde. Denn diese Stunden mit ihm waren wirklich beflügelnd und zeigten mir mein wahres Glück. Schließlich ist es nur eine Ansichtssache, oder? Ich versprach ihm außerdem, dass ich ihn als Hokage unterstützen werde, selbst wenn ich mir noch gar nicht vorstellen kann, wie es funktionieren soll, und dass wir uns sicher zusammen eine geeignete Position für mich ausdenken können. Ganz am Ende schrieb ich, dass wir vermutlich die zwei größten Idioten sind, die die Shinobi-Welt kannte. Und dass ich ihn dafür unsterblich liebe. Und dass es die einzige Tatsache ist, die ich über mich selbst mit hundertprozentiger Sicherheit weiß. Und so schickte ich den Brief ab. Ganz nach seinem Vorschlag wurde aus diesem kleinen Blatt ein Papier-Shuriken geformt und ins Fenster mit dem kleinen Licht reingeworfen. Und ab da blieb das mir so vertraut gewordenes Fenster der Akademie im dritten Stock von 21 bis 0 Uhr stets dunkel.
 

***
 

Es klopfte plötzlich an der Tür. Wer könnte denn der ungebetene Gast sein? Ich öffnete etwas verwundert die Tür und… fand Shikamaru. Was will er hier?!
 

-- Hi, - begrüßte er mich kurz und ging sofort zur Sache über, - willst du bei der Vorbereitung auf Narutos Junggesellenabschied helfen? Ich habe bereits einen Plan entworfen, er ist ziemlich umfangreich, deswegen brauchen wir jede helfende Hand… - er machte eine Pause und erlaubte sich einen Scherz, - eine reicht schon.

-- Hn, - atmete ich aus. Aber ich fand den Witz tatsächlich nicht schlecht, - was gibt's zu tun?

-- Na ziemlich viel halt. Ich dachte sofort an dich, weil du ja sein bester Freund bist und weil du ein Uchiha bist. Wir bräuchten euren Familientempel. Kannst du ihn bereitstellen?

-- Okay, erstmal bin ich dabei, - ich musste erst alles sortieren, - und das mit dem Tempel sollte kein Problem sein, er wird ja eh nicht benutzt.

-- Cool, - sagte er kurz, - ich muss noch arbeiten und so, deswegen ist das Treffen diesbezüglich erst am Samstag. Könntest du eventuell schon am Samstag den Tempel bereitstellen? Ich habe etwas Angst, dass Naruto es mitbekommt und deswegen wäre es gut. Besonders wenn du sagst, dass der Tempel eh nicht benutzt wird… Wir werden ziemlich viel sein.

-- Ich weiß nicht, im welchem Zustand er ist und ob er überhaupt zugänglich ist. Lass mir deine Handynummer und ich geb dir heute Abend Bescheid.

-- Okay, klingt gut, - er holte einen kleinen Notizblock aus der Tasche raus, schrieb seine Nummer auf und drückte mir den Zettel in die Hand, - aber du bist wirklich einverstanden, ja? Nicht, dass ich dich zu irgendwas zwinge…

-- Nein, alles gut. Er ist schließlich mein bester Freund… - es kam mir seltsam vor, ihn so zu nennen, aber gut…

-- Dann abgemacht.

-- Okay. Wie gesagt, ich melde mich heute Abend.

-- Gut, dann bis dann.

-- Bis dann.
 

Er war keine 5 Minuten da und wir klärten so viel. Er war noch effizienter als Kakashi. Es gefiel mir. Er ist wahrscheinlich ein sehr guter Hokage-Berater. Ich machte mich dann sofort auf dem Weg zum Familientempel.
 

Eigentlich war er ziemlich gut erhalten, nichts war wirklich beschädigt und ich würde sagen, man kann ihn so benutzen. Hmmm… das dauerte ja nicht lange… okay, dann melde ich mich nicht abends, sondern in einer Stunde.
 

Am Samstag fand das Treffen bezüglich des Junggesellenabschieds statt. Shikamaru brachte viele Unterlagen mit und hielt einen zweistündigen Vortrag über Narutos Junggesellenabschied mit der ernstesten Miene, die ich jemals sah. Er kann den Hokage-Berater Modus anscheinend nicht abstellen. Ich fand die ganze Situation gleich am Anfang supercringy und musste mir die kommenden zwei Stunden das Lachen verkneifen. Und das erstaunliche daran war, dass alle ihm aufmerksam zuhörten und genauso ernst waren, wie Shikamaru selbst. Ich fragte mich, wie Naruto reagieren würde. Wir wären wahrscheinlich die einzigen Idioten, die sich das Lachen verkneifen müssten.
 

Aber nichtsdestotrotz überlegte sich Shikamaru was richtig Cooles. Der Plan bestand darin, Naruto durch ganz Konoha laufen zu lassen, um verschiedene Aufgaben zu erledigen. Insgesamt waren 10 Stationen aufzubauen und es ging wirklich quer über die ganze Stadt. Das ganze müsste dann hier im Tempel enden, sodass gleich im Anschluss eine Party gefeiert werden könnte. Zur Party war theoretisch jeder männlicher Bürger von Konoha eingeladen. Shikamaru sagte aber, es kommt nicht jeder und rechnete sogar eine Zahl von erwarteten Gästen aus. Als ob gar nichts zu tun hätte…
 

Unser Teil der Arbeit bestand darin, die Stationen zu gestalten und zwar HEIMLICH! Jeder bekam von Shikamaru Narutos Stundenplan in die Hand gedrückt, den er vom Irukas Tisch einfach klaute und dann vervielfältigte. Er legte den zeitlichen Rahmen fest und meinte sogar, welche Tage wofür geeignet wären. Danach ordnete er jeder Station 3 Leute zu und ernannte einen Aufseher von jeder Station. Er ernannte außerdem die Zuständigen für die Organisation der Party. Ich wurde zum Aufseher der Station 10 und musste nun mit Kiba und Konohamaru arbeiten. Als Aufseher mussten wir eben Shikamaru regelmäßig den Stand der Dinge melden, das heiß also spätestens jeden 4. Tag. Alle Materialien waren schon bereitgestellt. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, sie unauffällig zu holen. Er sagte, er hätte dafür keinen Plan und es ist uns selbst überlassen.
 

Und ab da ging es los mit der Arbeit. Nach ein paar Tagen kannten die meisten Narutos Stundenplan auswendig, außer den Leuten aus Station 10. Unsere Station war am besten situiert, weil sich der Uchiha-Viertel fast im Wald befand und das Depo war in der Gegend. Wir freuten uns immens darüber, weil wir ziemlich schwere Sachen schleppen mussten. Wir mussten für Naruto ein Labyrinth aufbauen. Ich versuchte zu schummeln und benutzte das Rinnegan, um schwere Balken zu schieben. Kiba half uns enorm, indem er einen Hunderudel organisierte. Konohamaru beziehte seine unzähligen Freunde mit. So ging die Arbeit ziemlich flott voran.
 

Die Tage vergingen wie im Flug. Es erforderte unerwartet viel körperliche Anstrengung und eine ganze Menge am handwerklichen Geschick um dieses verdammte Labyrinth aufzubauen. Ich machte mir das Rinnegan zunutze und es ersetzte praktisch meine zweite Hand. Manches verlief natürlich nicht ganz nach Plan, weil einige unvorhersehbare Sachen passierten. Und die Organisation von den beiden verärgerte mich manchmal richtig doll. Konohamaru war ein wenig wie Naruto, bloß ich fand Narutos Tun süß und Konohamaru wollte ich meistens in die Fresse hauen. Er hatte ziemlich ausgeprägte Anführerfähigkeiten und Leute hörten ihm zu. Deswegen änderte er manchmal die Pläne im Alleingang, ohne Bescheid zu sagen. Und Kiba war manchmal ein richtiges Weichei. Ich wollte ihm auch in die Fresse hauen. Und ich bestätigte nochmal was über mich selbst: ich bin wirklich nicht gern unter den Menschen. Und ich wollte am liebsten allen in die Fresse hauen. Aber insgesamt verlief alles relativ okay. Kein Team ist perfekt, es muss doch immer irgendwo scheitern.
 

Die anderen Teams leisteten auch eine ziemlich gute Arbeit. Shikamaru kam ab und zu vorbei, um sein Auge aufs Ganze zu werfen und vielleicht seine Kritik zu äußern. Bei uns wirkte er immer ziemlich zufrieden. Dann hatten wir noch ein sehr großes Treffen, diesmal fand es im Wald statt. Shikamaru klärte uns über den Stand der Dinge auf und es sah schon ziemlich gut aus. Und das Wichtigste war, dass Naruto bis jetzt nichts mitbekam.
 

Eine Woche vor dem Junggesellenabschied wurde alles endgültig fertiggestellt. Wir machten irgendwann abends einen Rundgang und guckten uns alle Stationen an. Alle waren stolz auf die geleistete Arbeit. Dann wählte Shikamaru 3 Leute aus, um das Ganze zu testen. Gott sei dank war das nicht ich. So viel menschlicher Kontakt tat mir einfach nur schlecht. Dann fand unsere letzte Versammlung statt und Shikamaru annoncierte nun feierlich, dass alles wirklich-wirklich fertig ist. Ich war irgendwie erlöst und beeilte mich nach Hause, obwohl jemand einen Umtrunk organisierte.
 

Während der ganzen Vorbereitungen fand ich mich vollständig mit Narutos Entscheidung ab. Diese Atmosphäre, die in den Teams und generell in Konoha herrschte, machte mir endlich klar, dass er nicht meins sein wird. Das Gefühl von "ich helfe bei den Vorbereitungen für Narutos Hochzeit" machte mich in den ersten Tagen traurig und förderte den wilden Gedankenstrom in meinem Kopf. Allerdings gab es zu viel zu tun und zu wenig Zeit um nachzudenken. Irgendwann lenkte ich mich von der Arbeit fast nicht ab. Im Endeffekt sah ich ein, dass diese Hochzeit wirklich Narutos Wohl dient, obwohl ich es sehr ungern zugab. Und nun konnte ich inneren Frieden mit mir selbst schließen. Das Ganze war einfach nur unfassbar traurig. Aber ich kann nichts mehr daran ändern, also entscheid ich, spätestens nach der Hochzeit Konoha für immer zu verlassen. Es vereinbart sich nicht ganz mit meiner Entscheidung Naruto als Hokage zu unterstützen, aber es wird schon. Konoha ist Narutos Reich. Sein Kindheitstraum wird wahr und er wird vermutlich zum siebten Hokage. Und in diesem Traum gibt es keinen Platz für mich. Ich freute mich trotzdem für ihn vom ganzen Herzen und ich bewunderte ihn dafür, dass er so viele Freunde finden konnte. Und jeder davon ist bereit, an so einer verrückten Sache nur Narutoswegen zu arbeiten. Ich erinnerte mich an unsere Kindheit und wie sehr er sich damals nach menschlichem Kontakt sehnte. Jetzt gewann er für sich eine immense Unterstützung. Und ich dachte damals, er wäre ein dummer eingebildeter unfähiger Schwachkopf… Naruto, ich freue mich, dass du diese Unschuld, in die ich mich damals verliebte, in dir doch irgendwie beschützen konntest. Ich konnte es leider nicht für dich machen…
 

Und dann kam der großer Tag, den wir alle erwarteten. Shikamaru, Kiba und ich holten ihn ab und brachten ihn zur ersten Station. Wir beide unterhielten uns nicht und er guckte nicht wirklich in meine Richtung, es schien aber keinem aufgefallen zu sein. Dann begann er seinen Riesen-Konoha-Quest. Ich begab mich dann zur Station 10 und wartete auf seine Ankunft. Ich war nämlich der Spielleiter.
 

Es passierte sehr lange gar nichts und ich fürchtete, irgendwas verlief nicht wie geplant. Shikamaru meinte, Naruto bräuchte maximal 6 Stunden bis zu mir. Es vergingen schon 7,5 Stunden und er war immer noch nicht da. Ich machte mir mit jeder Minute mehr Sorgen. Er kam nach insgesamt 8,5 Stunden und brachte eine riesige Begleitung mit. Ich sah, wie magisch seine Augen strahlten. Er war in bester Laune, lachte herzlich und die riesige Menschenmasse jubelte für ihn. Er steckte jeden mit seiner grenzenlosen Freude an. In diesem Moment war er wirklich eine Sonne und schenkte jedem seine Wärme. Und mir auch. Es tat so gut ihn anzusehen. Ein sehr schönes warmes und beruhigendes Gefühl füllte mich von innen. Und ich wollte ihn nur für mich beanspruchen… Hmmmm… ich dachte kurz darüber nach. Jetzt kam mir mein Wunsch sehr egoistisch vor. Ich hatte aber keine Zeit mehr um nachzudenken, weil er bereits auf mich zulief. Und plötzlich guckte er nur mich mit seinen fröhlich strahlenden Augen an. Ich bekam das Gefühl, es existierte niemand mehr außer uns beiden. Es war unser erstes richtiges Wiedersehen seit dieser Nacht. Er sah einfach nur märchenhaft schön aus. Ich musste ihn leicht anlächeln. Er grinste mich zunächst an, sowie er jeden anderen hier angrinste. Dann wurde aus diesem Grinsen ein sehr warmes zärtliches und liebevolles Lächeln. Er schenkte es mir und ich nahm es dankend an. Ein sehr schönes Bild! Ich werde dieses Lächeln nie vergessen. Danke, Naruto.
 

Das Wiedersehen brachte mich ein wenig aus der Fassung. Shikamaru bemerkte es und sprach mich an, was mich ruckartig zurück ins Hier und Jetzt reinholte:
 

-- Sasuke, bist du noch bei uns?

-- Ähm, ja… Tut mir leid…

-- Ist in Ordnung. Pass auf, er kommt.
 

Im nächsten Moment stand er vor mir und warf mir lässig:
 

-- Hi!

-- Hallo! - begrüßte ich ihn.

-- Ich hab keine Ahnung mehr und mein Kopf platzt gleich. Hilfst du mir?

-- Du musst doch die Aufgaben selbst lösen! Wir haben das Ganze per Hand gemacht, jetzt musst du dafür büßen, - ich hatte keine Lust mit ihm in einem engen Labyrinthgang zu stecken. Mein Kopf tat nämlich leicht weh. Anscheinend war ich immer noch nicht vollständig geheilt.

-- Bitte, Sasuke! Hilf mir! - er guckte mich wehleidig an. Was macht er nur mit mir?! Ich konnte diesen großen unschuldigen Augen nicht nein sagen.

-- Warte mal, ich frage Shikamaru.
 

Shikamaru schien aus seiner Beraterrolle geschlüpft zu haben. Er war schon ein wenig angetrunken und erlaubte mir, zusammen mit Naruto das Rätsel zu lösen. Ich wusste ja wo alles ist, also können wir es ziemlich schnell hinter uns bringen.
 

-- Okay, ich helfe dir, - ich wusste aber nicht, ob das eine gute Idee war. Meine Kopfschmerzen machten sich gerade etwas bemerkbarer.

-- YAAAAAY!! - rief er. Als nächstes rief er in die Menschenmasse, - könntet ihr uns beide bitte ein wenig aufmuntern?!
 

Und ein lauter Schrei kam von der Menschenmasse. Sie standen zu ihm. Und ich durfte dabei sein. Naruto, ich hoffe du bist wirklich mit dem heutigen Tag zufrieden.
 

-- Willst du schnell durch sein, oder willst du doch etwas knobeln? - fragte ich ihn. Ich musste ihn anschreien, weil die Menschenmasse zu laut skandierte.

-- Ich möchte nur, dass du dabei bist…
 

Seine Antwort brachte mich fast schon wieder aus der Fassung. Ich musste mich selbst daran erinnern, warum ich hier bin um nicht schon wieder überwältigt zu werden. Er könnte es unmöglich so meinen, wie es sich anhörte. Nein…
 

Plötzlich nahm er mich bei der Hand und zerrte mich in seine Richtung. Seine Berührungen ließen mich nicht gleichgültig und ich versank in eine angenehme Wärme. Er fand den Schlüssel zum Labyrinth und machte die Tür auf, ohne dabei meine Hand fallen zu lassen. Ich wunderte mich ein wenig über die ganze Sache. Er zerrte mich weiter ins Labyrinth.
 

Nun konnte ich von innen unser Werk betrachten. Es war sehr schön beleuchtet und machte einen märchenhaften Eindruck. Ich fand aber am schönsten, dass ich in diesem Moment bei ihm sein durfte. Jetzt waren wir von der Menschenmasse weit genug und es wurde etwas stiller. Es nahm ein wenig die Partyatmosphäre weg. Ich konnte seinen Atem hören. Im Labyrinth wurden einige Fallen aufgestellt. Ich wies ihn jedesmal darauf hin und er konnte dem Ganzen ausweichen.
 

Wir waren schon ziemlich tief drin und ich wusste, dass alles gleich zu Ende ist. Wir redeten nicht, er hörte nur auf meine Anweisungen bezüglich der Fallen und der Richtung. Irgendwie dachte ich, dass dieses Wiedersehen wieder die Agonie in mir hochtreibt. Aber ganz im Gegenteil… meine Seele befand sich in einem sehr angenehmen Friedenszustand. Ich sah nur seinen breiten Rücken an, hielt fest seine warme Hand und genoss diesen wunderschönen Augenblick mit ihm vom ganzen Herzen.
 

Nun war schon das Ende des Labyrinths zu sehen und es war vorbei. Wir kamen in den Tempel an. Darin versammelten sich schon Leute von draußen. Die Menschenmasse jubelte ihm fröhlich zu und übergab ihm diese gewaltige und etwas wilde Energie. Er war so schön… es schien, dass er für immer meinen Blick fesseln konnte. Seine Augen glitzerten magisch und darin widerspiegelte sich ein grenzenloses Glück. Dann schrie er laut auf:
 

-- Lass uns endlich mal richtig feiern!!
 

Die Menschenmasse wurde noch lauter, die Musik ging an und die Feier begann. Kurz danach guckte er mich bewusst an und die Zeit um uns stoppte. Meine Wahrnehmung stumpfte ab und ich konnte nur seine Präsenz in diesem Chaos rausfiltern. Mein Herz fing an wieder mit enormer Geschwindigkeit zu rasen und ich bekam das Gefühl mich in Schwerelosigkeit zu befinden. Er schloss meine Hand zwischen seinen und machte einen kleinen Schritt auf mich zu. Dann berührte er sanft mit seiner Stirn meine eigene und wir froren in dieser Position ein. Eine ganze Ewigkeit schien vergangen zu sein. Sein Blick wanderte in den Boden, aber er machte nicht mehr diesen deprimierten schmerzerregenden Eindruck. Naruto schien etwas dabei müde zu sein, aber deswegen nicht weniger glücklich. Er lächelte weich, etwas verlegen, und gleichzeitig sehr liebevoll. Es fühlt sich so unglaublich richtig an! So hätten wir sein müssen: Er sucht bei mir Zuflucht und ich biete ihm einen ruhigen stillen Platz in dieser chaotischen Welt. Und dann lädt er seine Kräfte auf und strahlt erneut seinen ansteckenden Sonnenschein aus. Und das wäre meine unendliche Glücksquelle. Mein Naruto… eigentlich müsste sich unsere Geschichte auf einer ähnlichen Art enden…
 

Plötzlich löste er sich von mir, grinste mich an, ließ meine Hand los und lief den Gästen entgegen. Mir wurde bewusst, dass dieser Augenblick nichtmal eine ganze Sekunde dauerte. Während er fröhlich auf die feiernde Menschenmasse zuströmte, fesselte er meinen Blick. Was für ein mysteriöses Geschöpf! Was für eine rätselhafte reine Naturschönheit… Ich guckte ihm solange hinterher, bis er endgültig aus meinem Sichtfeld verschwand. Diesmal rannte ich ihm nicht hinterher. Nein. Ich konnte mich endlich mit seiner Entscheidung vollständig anfreunden. Endlich spürte ich keine Reue oder Verbitterung dabei. Ich hab ihn einfach losgelassen.
 

Der Abend ging flott voran und es herrschte eine sehr fröhliche Atmosphäre. Mich nahm sogar die Stimmung mit und ich konnte behaupten, ich hätte Spaß mit den anderen. Ich sah Naruto nicht wirklich seit dem. Alle wollten ihm gratulieren und alle nötigten ihn dazu, einen kurzen zu trinken. Alles war vielleicht um 6 Uhr vorbei. Naruto war komplett bewusstlos. Er reagierte nicht auf äußere Reize. Jemand legte ihn auf die Bank und er lag dort nun. Es war vermutlich seine größte Feier. Ich machte mir Riesensorgen um ihn. Was wenn er nicht wieder aufwacht?! Ich war froh zu erfahren, dass er noch atmet. Shikamaru spielte wieder mal den Aufseher und befiel mir, ihn mitzunehmen. Konohamaru, Sai und Lee halfen mir dabei, weil Naruto wie Stück Fleisch einfach rumlag. Die anderen drei waren auch nicht die Nüchternsten. Naja… irgendwie schufen wir ihn zu mir nach Hause. Sie halfen mir noch ihn ins Bett zu legen und hauten nun ab.
 

Und nun lag er da, ganz ohne mir ein jegliches Lebenszeichen zu geben. Ich bekam eine tierische Angst. Was wenn irgendwas total schiefgegangen ist? Ich senkte mich vorsichtig auf die Bettkante und blieb neben ihm sitzen. Plötzlich bewegte er sich spontan und wechselte von der rechten Seite zur linken. Und ein brüllendes Schnarchen ertönte durch mein gesamtes Haus. Er lebt also. Gott sei dank! Es erlöste mich enorm und ich lächelte. Eigentlich hätte ich ab jetzt keinen Grund länger an seiner Seite zu bleiben und ich war selbst tierisch müde. Aber ich wollte neben ihm sein. Ich wollte seinem Schnarchen zuhören, ich wollte leicht über seinen Rücken fahren, ich wollte seine Haare in der Hand halten… schließlich verbleibt mir nicht so viel Zeit mit ihm und an sich mach ich doch nichts schlimmes… ich nutze ihn nicht aus, ich küsse ihn nicht und ich lege mich nicht zu ihm. Nein, das habe ich mir selbst bereits längst versprochen. Also erlaubte ich mir selbst diese unschuldige Schwäche. Ich hoffe, dass er nicht all zu böse darüber sein wird.
 

Ich nahm vorsichtig eine blonde Locke in die Hand. Es weckte ihn nicht und ich traute mich ein bisschen mehr zu machen. Ich fing an, mit seinen Haaren rumzuspielen. Er wurde mit einem vollen prächtigen Haarschopf gesegnet. Wunderschöne Haare! Sie fühlten sich weich und gefügig an. Mir ist aufgefallen, dass sie leicht wellig sind. Interessant… warum bemerkte ich es nicht früher? Und generell warum mag Hinata seine Frisur nicht? Ich würde an ihrer Stelle mir seinen Kopf auf den Schoß nehmen und für Stunden nichts anderes machen, als durch seine wunderschöne Haare zu fahren. Seine Locken wurden länger und nahmen schon wieder diese widerspenstige Form an. Er sah mit so einer Frisur fast genauso aus wie mit 13. Ich hielt eine dünne Strähne in der Hand. Ich wickelte sie um meinen Zeigefinger auf und dann wieder ab. Und wieder auf, und wieder ab. Soll ich mir das kleine Stränchen abschneiden? Nein, ich mach es natürlich nicht… warte? Was?! Eine Strähn abschneiden?! Moment… sind seine Haare wirklich so schön oder bin ich ein Fetischist? Ach, keine Ahnung, wahrscheinlich ein bisschen was von beidem. Ist es in diesen Umständen eh nicht egal? Naruto, bitte sei glücklich, okay? Und lass Hinata nicht zu, dich schlecht zu behandeln. Wenn sie dich kaputt macht, dann bringe ich sie um und befreie dich daraus, versprochen? Aber bis dahin wünsche ich dir ein schönes Leben…
 

Ich verbrachte fast 6 Stunden sitzend neben ihm. Es war schon Mittagszeit und mittlerweile schnarchte er nicht mehr. Das machte mich wieder besorgt. Zu dem Zeitpunkt war ich so erschöpft, dass mein Gehirn mich zwanghaft in den Schlummerzustand versetzte. Irgendwann gab ich auf und schlief im Endeffekt sitzend ein.
 

Ich wachte irgendwann abends auf. Sein Bett war leer.
 

-- Naruto? - rief ich laut.

-- Jaaa…? - antwortete er mir halbtot.
 

Ich lief zu ihm rüber. Er saß im Bad auf dem Fußboden neben dem Klo.
 

-- Was machst du hier?

-- Sterben…

-- Man! Du solltest dich doch nicht so betrinken… - ich setzte mich zu ihm.

-- Es war unvermeidbar… - sagte er schwach.

-- Warte mal… - ich rannte schnell in die Küche, um ihm ein Glas Wasser zu holen.
 

Als ich zurückkam, musste er sich übergeben. Ich stellte das Glass ab und hielt seine Haare. Ich holte ihm ein Stück Klopapier, damit er sich abwischen kann. Dann drückte ich ihm das Glas in die Hand und er leerte das Glass im nächsten Augenblick aus.
 

-- Tut mir leid, dass du dich mit mir rumschlagen musst, - entschuldigte er sich.

-- Ist in Ordnung…

-- Ich geh gleich nach Hause, keine Sorge.

-- Du kannst hier so lange bleiben, wie du brauchst. Es bereitet mir keine Umstände…

-- Toll, du hast sicher was besseres zu tun, als meine Haare beim Kotzen zu halten…

-- Mach ich gern für dich…
 

Er wurde still und sagte nichts dazu. Mir ist bewusst geworden, wie verzweifelt ich klang. Mist! Ich bin doch gar nicht verzweifelt! Ich fand mich doch mit allem endgültig ab! Es ist doch alles abgeschlossen! Ich fing wieder diese verliebte Verlegenheit auf seinem betrunkenen Gesicht. AAAAA NARUTO!!! Bitte verwirr mich nicht! Es ist doch alles abgeschlossen, oder?
 

-- Ach, Sasuke… - unterbrach er das Schweigen. Er klang total verliebt. Mann!!! Warum tust du mir das an?! Er rutschte zur Wand, stütze sich und starrte in die Decke. Auf seinen Lippen entstand ein dümmliches verliebtes Grinsen. Er machte seine Augen zu und lachte kurz. Er agierte eindeutig wie ein dummes verliebtes Mädchen und er versuchte es nichtmal anstandsweise zu kaschieren.

-- Was? - warf ich ihm zu.

-- Nichts…
 

Wir saßen noch im Bad und er musste sich noch einmal übergeben. Irgendwann gingen wir in die Küche rüber. Irgendwie sah er hungrig aus.
 

-- Möchtest du einen Instant-Ramen?

-- Oh ja!! Die Speise der Götter! - ich musste leicht schmunzeln.
 

Ich wärmte Wasser im Wasserkocher auf und machte den Ramen für ihn.
 

-- Itadakimaaaaasu! - rief er und schluckte die Nudel mit Eifer und Ungeduld. Er machte ziemlich viel Unordnung beim Essen. Ach, Naruto! Du bist eine kleine Sau! Als er fertig war, räumte ich auf.
 

-- Geht's dir besser? - fragte ich fürsorglich.

-- Ja, ich denke, ich fühl mich gut genug um selbstständig nach Hause zu gehen.

-- Schön…
 

Es war aber nicht schön. Es bedeutete nur, dass er jetzt geht. Er stand auf und begab dich wackelig in den Flur. Ich folgte ihm stumm. Ich beobachte, wie er mit seiner Jacke kämpfte. Er schmiss dabei Sachen um und generell stellte er sich ziemlich ungeschickt an. Er ist immer noch stockbesoffen. Kann ich ihn wirklich alleine lassen? Nichtsdestotrotz fand ihn unglaublich süß und wünschte ihn an mich fest zu drücken. Aber es macht den finalen Abschied nur noch schmerzvoller, also ließ ich es. Ich bereitete mich nun darauf, dass er jetzt fortgeht. Es löste schon wieder diesen Kummer in mir aus und es schmerzte stumpf in der Brust. Ich war nichtmal wütend oder irgendwie böse darüber… das alles tat mir einfach nur unfassbar leid.
 

Mittlerweile zog er sich fertig an und öffnete langsam die Tür. Er machte ein paar Schritte nach draußen und hielt an der Türschwelle an. Es gab etwas einladendes in dieser Geste und ich lief zu ihm. Er zögerte weiterhin. Als ob er bleiben will… er mied den Augenkontakt und sein Blick wanderte überall hin und her. Er konnte diese ganze Sache genauso schwer aushalten wie ich und ich spürte es. Er starrte den Boden an und sagte leise:
 

-- Danke für alles, Sasuke…

-- Kein Ding…
 

Er wurde wieder still, machte nichts und starrte immer noch den Boden an.
 

-- Na dann… - er wusste nicht, was er sagen soll, - hoffentlich kommst du zur Hochzeit.

-- Ich weiß es noch nicht…

-- Ich wäre jedenfalls sehr darüber erfreut. Wenn nicht, dann ist es auch okay…
 

Wir verfielen in die komplette Stille. Keiner meldete sich, weil keiner es sich traute. Plötzlich besuchte mich das Gefühl, dass ein richtiges Wort zur genau jetztigen Zeit all das, was zwischen uns passierte, überschreiben kann. Bloß es gab so viele Auswahlmöglichkeiten und mir war nur ein Versuch gestattet. Ein Versuch… ein richtiges Wort… und er bleibt. Die Spannung zwischen uns stieg an. Die Luft knisterte. Meine Lippen kribbelten und öffneten sich ein Stück. Das Wort "bleib" drehte sich bereits auf meiner Zunge mit unglaublichen Geschwindigkeit und war bereit sich zu verbalisieren. Ich muss es nur aussprechen…
 

-- Machs gut, Sasuke… - sagte er.
 

Okay… dann ist es jetzt so. Hab ich es mal wieder vermasselt? Vermutlich… aber ich bereue es nicht, schließlich ist die Sache zwischen uns vollständig abgeschlossen.
 

Er nahm mich in den Arm. Seine Umarmung war so warm und so… freundschaftlich? Ja, er umarmte mich so, wie sich beste Freunde umarmen sollten. Die Umarmung dauerte nicht lange und er löste sich von mir. Er zögerte noch für einem kurzen Moment, seufzte schwer und lief nun in die Dunkelheit los.
 

-- Leb wohl, Naruto… - flüsterte ich ihm leise hinterher.
 

Er entfernte sich von mir mit konstanter Geschwindigkeit und mit jeder Sekunde verbarg ihn die Dunkelheit von meinen Augen ein Stück mehr. Er drehte sich nicht um. Er lief seiner Zukunft ohne mich entgegen. Ich freute mich für ihn trotzdem. Alles, was er sich mit 13 wünschte, wird nun zur Wirklichkeit. Ich lächelte leicht. Naruto… ich hoffe, du läufst einer glücklichen Zukunft entgegen…
 

Und was mir dabei verblieb, war schon wieder seinen Rücken anzustarren. Ich konnte die Türschwelle nicht verlassen und musste ihm solange hinterher gucken, bis er vollständig in der Dunkelheit verschwand. Ich war über sein Fortgehen sehr bekümmert. Ich blieb an der Türschwelle für noch ein paar Minuten stehen. Naruto, du bleibst für immer mein Lieblingsmensch und ich will, dass du glücklich bist. Bitte versprich es mir, okay?
 

Nun konnte ich mich umdrehen und die Tür hinter meinem Rücken zumachen. Ich setzte mich in die Küche und starrte die Einmalessstäbchen, die er benutzte. Ich habe also vergessen sie wegzuwerfen, ha? Ich saß für eine ganze Weile an und hielt die Stäbchen in der Hand. Ein einziger Andenken daran, dass er mal meine Sonne war. Komisch… so viel Emotionen und nur ein unbedeutendes alltägliches Gegenstand…
 

Dann verbrachte ich den Rest des Abends mit dem Packen für meine ewige Reise. Ich wusch seine Stäbchen ab und packte sie mit. Ich konnte sie schlussendlich nicht wegwerfen. Ich bin immer noch so dumm…
 

Am Ende des Tages legte ich mich ins Bett. Ich war erschöpft und ausgeleert und viele Gedanken kursierten in meinem Kopf. Ich dachte daran, wo meine Reise hingehen soll. Ich wusste nicht genau, was ich ab jetzt mit meinem Leben so mache. Irgendwann schlief ich ziemlich planlos ein.
 

Und so löste ich mich von meiner Sonne vollständig. Von jetzt an musste er nicht mehr für mich scheinen.



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von:  yuki471
2017-08-15T21:18:44+00:00 15.08.2017 23:18
Die Story ist so spannend .....hoffentlich wird Naruto Hinata nicht heiraten?...naruto liebt sasuke dann soll zu seinen Gefühlen steht, denn mit hinata kann er nicht glücklich werden ..

Von:  Scorbion1984
2017-08-11T14:34:35+00:00 11.08.2017 16:34
Schönes Kapitel und immer noch so traurig ,schade !
Ich hätte es ihnen gegönnt !
Antwort von:  suugakusan
11.08.2017 16:49
Naruto ist halt stur und ein Baka :D
Antwort von:  suugakusan
12.08.2017 13:43
Es gibt ja seit gestern noch ein letztes Kapitel, vielleicht möchtest du es dir durchlesen :D ich wäre auf jeden Fall sehr froh darüber


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