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Sugar Sugar Rune - Sechs Jahre später

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Alltag Ahoi

Am nächsten Morgen werde ich ziemlich unsanft geweckt; und viel zu früh! Lovin patscht mir mit der flachen Hand auf den Hinterkopf. Ich murre ihn an, aber ehe ich zu Wort kommen konnte, giftet er schon los: „Chocola Meilleur! Was ist an 'Aufstehen, Schule' eigentlich so schwer zu verstehen? Immer das Gleiche mit dir.“ Er soll mich in Ruhe lassen, ich bin müde. Kein Mensch kann von mir erwarten, heute in die Schule zu gehen. Doch Lovin sieht das offenbar anders und reißt mir die Decke weg.

Ich richte mich auf und sehe ihn aus verengten Augen an. Naja, ich sehe ihn weniger an, als dass ich ihn mit meinem Blick töten will. Wenn ich das doch nur könnte, wäre echt praktisch! Ich will meine Ruhe. Aber er lässt nicht von mir ab, seufzt nur ziemlich genervt und schiebt mich hektisch ins Badezimmer. Ich knalle die Tür hinter mir zu und drehe den Schlüssel herum. Argh! Bin ich nicht quasi noch krank? Man muss freundlicher mit mir umgehen! Soviel Stress ist gar nicht gut.

Ich sehe mich verschlafen um. Dann kommt mir eine glänzende Idee: Erstmal noch ein kleines Nickerchen auf dem wundervoll flauschigen Teppich. Der ist so dick und kuschelig, er würde ein wunderbarer Bettersatz sein. Ich knie mich darauf und rolle mich gerade gemütlich zusammen, aber Ruhe scheint mir einfach nicht vergönnt zu sein. „Nicht schlafen, Chocola!“, brüllt mein heißgeliebter (nicht) Lovin und hämmert wie ein wild gewordener Büffel an die Tür. Wie kann er das wissen? Hat er hier Kameras montiert? Oder muss ich mir eingestehen, dass er mich doch besser kennt, als mir lieb sein konnte? „Sonst komme ich rein!“, fügt er hinzu und diese Worte verfehlen ihre Wirkung nicht. Erschrocken springe ich auf meine Füße und schaffe es irgendwie zu duschen, die Zähne zu putzen und mich anzuziehen. Gerade lege ich mir noch ein bisschen von meinem frisch erworbenem Make-Up auf, da höre ich zur Abwechslung mal Vanillas liebliches Stimmlein. „Frühstück ist fertig.“, säuselt sie die Treppe hinauf.

Und wie es fertig ist! Als ich, mehr oder weniger fertig, mein Badezimmer verlasse, weht mir schon der Geruch von frischen, süßen Pfannkuchen entgegen. Es riecht so köstlich, dass mir das Wasser im Mund zusammen läuft. Ich seufze zufrieden und lasse mich von dem zauberhaften Duft in die Küche locken.

Lovin sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen am Esstisch und liest in der Zeitung; seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, über seinen letzten Auftritt. Dann zieht das Geräusch von Schritten meine Aufmerksamkeit auf sich. Eine junge Frau steigt die Treppe herunter, ihre schimmernde Jacke achtlos um den Körper gewickelt. Darunter erkenne ich noch ein knappes Kleidchen. Schnurstracks stolziert sie auf Lovin zu und drückt ihm einen Kuss auf die Lippen. Fast hätte ich brechen müssen. Das ist ja widerlich! Lovin wirkt eher unbeeindruckt. „Meine Nummer hast du ja.“, quiekt die fremde Frau begeistert. „Du meldest dich doch, oder?“ Zugegeben: Hübsch ist sie ja; welliges braunes Haar, lange, dunkle Wimpern und ihre Haut sieht aus, als würde sie sich ganz samtig anfühlen. Aber ich sehe ihr auch an, dass sie nicht wirklich die hellste Kerze im Kronleuchter ist; also ganz Lovins Beuteschema. Er steht auf, legt eine Hand auf ihren unteren Rücken und führt sie zur Haustür. Dabei wechseln sie einige Worte, die ich aber nicht verstehen kann. Kurz sehe ich den beiden noch nach, dann lasse ich mich auf einen Stuhl sinken. Ich bin jetzt schon völlig erschöpft, wie soll ich den Tag denn überstehen?!

Vanilla wuselt in einer hellrosanen, geblümten Schürze um mich herum. Sie hat eine Servierplatte in der Hand und lädt mir einen ihrer wundervoll duftenden Pfannkuchen auf den Teller. Er ist ganz frisch und dampft sogar noch. Ich löse meinen Blick davon und mustere meine Freundin genauer. Sie sieht gar nicht aus, als hätte sie sechs Jahre im Koma gelegen, ganz im Gegensatz zu mir. Während ich aussehe, wie der aufgewärmte Tod, schwebt sie frisch und fit in ihrer glattgebügelten Schuluniform durch die Küche, das kurze hellblonde Haar in den für sie typischen, fluffigen Locken. Ich frage mich immer wieder, wie sie das anstellt.

Missmutig greife ich nach der Schokoladencreme, um meinen Pfannkuchen großzügig damit zu bestreichen, als Lovin zu uns zurückkehrt und seinen Kaffee weiter trinkt. Er wirkt zwar etwas müde, aber voll und ganz zufrieden. Ich werfe ihm ein herausforderndes Grinsen zu. „Seit wann behältst du deine Frauen denn über Nacht hier?“, frage ich stichelnd, „Meinst du nicht, das könnte uns verderben?“ Doch Lovin lacht nur, ohne aufzusehen: „Chocola, sei nicht albern, ihr seid nicht mehr elf.“ Eklig, aber damit hat er Recht. Ich kann das immer noch nicht ganz fassen. Es ist schon merkwürdig, wenn du aufwachst und auf einmal 17 Jahre alt bist. Ich fühle mich noch nicht so, aber rede mir ein, dass ich mich schon daran gewöhnen würde; denn wie elf komme ich mir auch nicht mehr vor. 17... Das ist fast schon erwachsen

Ein wenig Bammel vor meinem ersten Schultag kann ich nicht abschütteln, obwohl mich eigentlich nichts in Furcht versetzen kann. Dabei hat Lovin uns sogar verzaubert, um unser Wissen und unsere Fähigkeiten unserer Klassenstufe anzupassen. Sonst hätten wir uns wohl wirklich blamiert. Es ist echt irre praktisch mit Magie nachhelfen zu können.

„Bummel nicht so, Chocola, ihr müsst gleich los.“, ermahnt Lovin mich und ich werfe ihm nur einen giftigen Blick zu. „Laff miff meine Fannkuffen effen.“, nuschle ich. Nicht mal beim Frühstück habe ich meine Ruhe? Das ist hier ja wie im Knast. Lovin rollt nur die Augen und faltet lautstark seine Zeitung zusammen. Dann erhebt er sich schwungvoll. „Ich fahre euch.“

Vanilla kommt derweil mit zwei prall gefüllten Schultaschen die Treppe herunter und reicht mir eine. „Hier, ich wusste, dass du es wieder vergessen würdest.“, sagt sie. Aber sie klingt nicht vorwurfsvoll. Das tut sie nie. Deshalb ist sie auch meine beste Freundin. Ich greife nach meiner Tasche und werfe sie mir achtlos über die Schulter. Ich hatte wirklich vergessen, meine Schulsachen zusammenzupacken. Aber eines fehlt noch.

„Wo ist Duke?“, frage ich, weniger speziell an Vanilla gerichtet, als einfach so in den Raum gestellt. Suchend sehe ich mich um. „Choco-chan.“ Vanilla klingt amüsiert und legt mir ihre Hand auf den Arm. „Wir sind jetzt Oberstufenschüler, du kannst in deinem Pult keinen Frosch mehr verstecken.“ „Genau.“, piepst Blanca. Wo ist ausgerechnet die denn jetzt wieder hergekommen? Ich blicke mich um und finde die dumme, kleine Maus auf dem Treppengeländer. Genervt strecke ich ihr die Zunge heraus. „Pieps, man sollte meinen, nach sechs Jahren wärst du ein Fünkchen damenhafter.“ Aus ihrer Stimme ist der Vorwurf mehr als deutlich zu vernehmen. So ist das halt mit uns. Ich mag sie nicht und sie mag mich nicht. Das würde sich vermutlich nie ändern, egal, wie viel Zeit verging. „Ich dachte, Ratten würden gar nicht so lange leben.“, erwidere ich trocken und Blanca huscht schimpfend und piepsend die Treppe hoch, vermutlich zurück in Vanillas Zimmer. Die sieht mich jetzt vorwurfsvoll an. „Mensch, Choco, könnt ihr euch nicht einmal jetzt vertragen?“ Dann stolziert sie zur Haustür und ich folge ihr, wo Lovin uns schon in seinem Cabrio erwartet.

Was konnte ich denn dafür, denke ich mürrisch, will mich aber nicht weiter davon nerven lassen. Schließlich hat der Tag gerade erst angefangen.



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von:  Gray-sama
2014-09-05T00:15:43+00:00 05.09.2014 02:15
Ich find es schön, dass du nach so langer Zeit ein Kapitel hochgeladen hast.^^
Ich bin schon gespannt auf Pierre`s reaktion auf Chocolate. Schließlich haben sie sich ja nur kurz gesehen.
I´m looking forwart to the next chapter :D
Von:  Gray-sama
2014-04-17T20:25:33+00:00 17.04.2014 22:25
Wo ist denn der Rest???
Ich finds etwas kurz und ich glaube nicht, dass Robin sie wecken würde.
mach bitte weiter aber bitte etwas längere Kapitel^^


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