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Die Artemis-Akten

von

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The Artemis Akten
 

von Warlock, the wolf in human guise
 

Fall #1: Artemis und das Gips Desaster

Der Smog lag über der Stadt wie eine tote Katze.

Ich weiß, ich sollte nicht so reden, schließlich bin ich selbst eine Katze, genauer, ein Kater. Artemis

ist der Name, zu Euren Diensten.

Ja, genau, Artemis ohne Nachname und jeder, der was anderes behauptet, gehört gepfählt.

Ach, ich erkenne Ihren fragenden Gesichtsausdruck. Nein, ich habe keine Ahnung, warum zur Hölle ich den Namen

einer weiblichen Figur aus dem Aberglauben irgendwelcher mediterraner Heinis trage.

Um genau zu sein, kann ich mich kein Stück an meine Eltern oder Jugend erinnern.

Scheint eines dieser kleinen Rätsel des Universums zu sein, eh?

Nun, man gewöhnt sich daran - über die Jahre.

Sehen Sie, ich lebe in diesem Haus in Tokyo, nichts Besonderes, wirklich, mit meiner Sekretärin Minako Aino.

Auch wenn ich nicht unbedingt auf Blondinen stehe, macht sie immer noch den besten Kaffee der Stadt und das heiße

Bad, das ich ab und zu mit ihr verbringe, ist genau das, was ich brauche, um einen Tag wie heute zu vergessen.

Über was ich nicht gerade glücklich bin ist, daß sie flusenhirnig und mehr als einfach doof ist.

Sie hätten ihr Gesicht sehen sollen, als die gute Minako herausfand, daß Sailor Uranus ein Mädchen

ist, kein Junge. Welch ein Anblick für die Götter, fürwahr.

Da wir gerade von einem schönen Anblick sprechen - oder eher dem Fehlen eines solchen....... Minako schließt

unglücklicherweise immer die Badezimmertür ab, wenn sie badet (Außer sie badet mich. Wäh!

All das Wasser und es braucht Tage bis mein Fell wieder trocken und nett adrett ist. Aber, wie oben gesagt, manchmal

badet sie auch mit, das ist dann ganz okay. Trotzdem hasse ich sie dafür) und leider habe ich keine Röntgenaugen.

Mein übliches Glück, vermute ich.

An diesem schicksalhaften Tag wartete ich also wie üblich vor der Badezimmertür. Ich habe immer noch

nicht herausgefunden, was Minako da drinnen so lange treibt.

Zwar habe ich meine Vermutungen, aber bevor ich nicht 100%ig sicher damit bin, gehe ich auch nicht an die Öffentlichkeit

mit solchen Informationen.

Das ist eine meiner schlechten Eigenschaften, wissen Sie?

Hätte wohl Karriere machen können, vielleicht Politiker oder Journalist, wäre da nicht dieser gottverdammte

Ehrenkodex, der einem von seinen Eltern aufgedrückt wird.

Und dieser Kodex ist wohl das Einzige, was von ihnen übrig blieb. Ich weiß, es ist traurig, aber wir

leben in einer traurigen Welt, oder?

Oh, machen wir einfach mit der Story weiter.....

An diesem Morgen schlug ich die Zeit tot, indem ich sie las. Natürlich die Zeitung. Seit meiner Zeit in England

las ich nur noch sie - Die Zeit. Sie wissen, was ich meine, oder?

Dies befriedigte mich aber nicht und so las ich einfach mal, was für Zutaten in dem Thunfisch waren, den man

mir täglich aufs Brötchen schmierte, sozusagen.

Offenbar war dies eine äußerst gefährliche Angewohnheit, fast so gefährlich wie raus zu gehen

und einen Drachen zu bekämpfen, zumindest machte mir das der kurze Blick auf die Inhaltsstoffe klar.

Nachdem ich das dreimal gelesen hatte, immer und immer wieder, war mein Appetit weg, ersetzt durch ein Gefühl

wie alte Socken im Bauch. Mina verließ das Badezimmer, wie üblich eingehüllt in ein Handtuch und

eine Wolke Parfüm.

Sie sah aus wie so eine Schnalle aus einem Hentai Manga, eine die im Begriff war, von einem Tentakelmonster vergewaltigt

zu werden.

Junge, manchmal wünschte ich mir, ein Tentakelmonster zu sein.

Es war allerdings eher scheiße, daß ich nicht mal zwischen ihre Beine gucken konnte. Ihr Parfüm

benebelte mich übrigens.

Außerdem brachte es mich fast um, aber ich war zu höflich, um ihr das zu sagen.

"Du willst Frühstück, hm?" fragte sie.

Beinahe hätte ich etwas Fieses, Scharfzüngiges und Zynisches geantwortet.

Ich meine, war sie so dumm geboren, oder hatte sie sich das antrainiert? Hatten ihre Eltern denn keine normalen

Kinder gehabt?

Sah ich denn aus wie ein Zahstocher, um den aus animistischen Gründen weißes Katzenfell gewickelt worden

war, oder knurrte mein Magen wie wie ein Pitbull, weil ich gut gefüttert oder gar fettleibig war?

Wohl eher nicht!

"Vielleicht ist sie dumm geboren worden UND hat es sich antraniert!" dachte ich, aber ich sagte "Miau."

Minako sah heute morgen sehr, sehr müde aus. Ich sage, nein, befehle, ihr natürlich immer, nicht so spät

auszugehen. Aber hört sie auf mich? Nö.

Minako suchte also nach dem Dosenöffner und fand ihn dann auch, und gab mir dann meine tägliche Thunfischration.

Obwohl ich nicht sicher war, ob das Zeug eßbar war (nach den Zutaten zu schließen roch und sah es zwar

eßbar aus, war aber in Wirklichkeit ein Mischmasch verschiedenster Schwermetalle und von irgendeinem Katzenhasser

fabriziert), so hatte doch mein Hunger dem Alte Socken - Gefühl einen sauberen Niederschlag verpasst, und

so aß ich es.

Außerdem, ich schob mir das Zeug seit Jahren hinter, warum sollte es mir also hier und jetzt den Schein stempeln?

Okay, ich bin ein Albino, zugegeben, aber ich denke, daß ich das seit meiner Geburt bin ... auch wenn Minako

das Thema wechselt, wenn ich mich mit ihr darüber unterhalte.

Während ich mein Diné zu mir nahm, bevorzugte meine blonde Gefährtin ein Nickerchen auf dem Küchentisch.

"Minako, aufwachen!" versuchte ich.

"Nur 5 Minuten, Mami." murmelte sie, offensichtlich entweder hundemüde oder in einem chemisch modifizierten

Zustand.

Vielleicht war es auch das Parfüm.
 

******

"Nun, Rubeus, deine Versuche, die Sailor Senshi zu zerstören waren nicht von Erfolg gekrönt. Ich

bin sehr unzufrieden." gab Prinz Diamond seinem Untergebenen bekannt.

Er schwenkte den üblichen Brandy in seinem üblichen Brandy-Glas, während er seinen üblichen

weißen Anzug, den er, wie böse Zungen behaupteten, üblicherweise nicht ein einzige Mal ablegte

und sein übliches, frischgeputztes Lächeln trug, wie üblich.

"Ha! Ich waiß main Prinz!" antwortete Rubeus ekstatisch "Aba ich hob ainen Plån!"
 

"Schieß er los." sagte der Prinz in einem glenagweilten Tonfall, lässig mit seiner Hand wedelnd.

"Noun, main Prinz, ehs isd dea Plån der Plänä! Ehs isd DEA PLåN!"

"Äh, echt?"

"ÄCHT! Ich mainäh, jå, main Prinz! HA!" korrigierte Rubeus sich.

"Um was geht's?" fragte Prinz Diamond mit geheucheltem Interesse, während er mit seinem perfekt-haarlosem

Kinn spielte (Manche Leute behaupten, daß diese abnorme Haarlosigkeit ein erblicher Fehler wäre, aber

sein Vater, der große King Diamond, hat ziemlich viel Bart), ein sicheres Zeichen, daß er ungeduldig

wurde.

"HA! Äs is einfåch: Mia wärn Tokioh miet Giebs auffülln, und ois Läbn zerstärn!"
 

"Äh, Gips?" der Prinz fing an, die geistige Gesundheit seines Dieners zu bezweifeln. Andererseits,

warum sollte er jemanden, der einen Drang hatte, "Ha!" in jedem Satz zu benutzen, und der seit einem

Urlaub in der Steiermark österreichisch als Muttersprache benutzte, als geistig normal ansehen?

"Dös stiemt, ha! Giebs. Fulkumän waisen, rainen Giebs!"

"Ok. Mach', was du willst." seufzte Prinz Diamond "Ende."

Rubeus teleportierte sich zurück in die Vergangenheit, wo er von seinem loyalen hessischen Diener Jacobite

erwartet wurde. Der bebrillte, fast alwissende Typ, der einen modischen 3 Milimeter - Haarschnitt trug, war nicht

nur braungebrannt und zynisch, nein, er las seinem Meister auch jeden Wunsch von den Augen ab.

"Ha! Voawäats Jacobite! Find' mir dän... Giebs - Maista! Und vergäwisser' dich, dåß

ois DEM PLåN entspricht!"

"Ei, gud, Boss!"
 

******

Am Ende bekam ich Minako wach, und nach einem starken Kaffe hörte sie dann auch auf, Pfannen nach mir zu werfen.

Wir gingen zusammen in die Stadt, wie immer an Samstagen.

Obwohl es nicht gerade mein Ding ist, mit Minako zu debattieren diese Schuhe oder jene Kleider zu kaufen, ist es

mein Ding, sie beim Umziehen zu beobachten.

Nach etwa einer Stunde (sorry, ich trage keine Armbanduhr) trafen wir Makoto, alias Sailor Jupiter.

Obwohl sie die Langbeinigste der Sailors war, war sie auch die Gruseligste: Während man oft unter die Röcke

der anderen Mädels schauen konnte, ohne eins zwischen die Rippen zu kriegen, bemerkte Makoto es immer.

Fragen Sie mich nicht, wie.

Ürbigens, sie war meist wie eine Pennerin gekleidet, aber heute trug sie einen kurzen Rock, der ihre attraktivsten

Teile zeigte (Natürlich nicht die zwei Dinger nördlich ihres Nabels, welche zwar noch attraktiver waren,

als der Rest, aber kaum durch einen Rock entblößt werden konnten, was bedauerlich war, denn, wie gesagt,

heute trug sie einen).

Ich versuchte, nicht zu sabbern.

"Hallo Mina! Hallo Artemis!" begrüßte sie uns.

"Hallo!" grüßte Minako zurück.

Ich bemerkt, daß sie einen Sportbeutel mit sich trug, was entweder bedeutete, daß sie zum Karatetraining

ging (In einem Dojo, das von einem alten Hentai geführt wird, der mir manchmal Milch gibt), was normalerweise

dazu führte, daß sie in Eile war, oder daß sie sich auf dem Weg nach hause vom Karatetraining

befand, was üblicherweise, in eine Diskussion von Frauenthemen ausartete, wenn sie eine Freundin traf.

Ich kreuzte meine nicht - existenten Finger und hoffte, daß sie ZUM Training ging.

Habe ich schon erwähnt, daß sie Karate machte und die Langbeinigste.... ach ja, ich schätze, ich

hab' es schon erwähnt.

"Tja, ich bin grade mit dem Karatetraining fertig...."

Das Schicksal kann wirklich grausam sein.

Makoto und Minako setzten sich in ein Café und redeten über Themen, die wir Machos wohl nie verstehen

werden.

Während sie schnatterten wie Gänse, die sich lange nicht gesehen hatten, versuchte ich, das Rätsel

des Sailor - Metabolismus zu lösen: Sie konnten alles essen, was sie wollten, und taten das auch, aber sie

blieben dennoch rank und schlank. Seltsam.

Ich kam allerdings zu keiner befriedigend logischen Lösung, und so suchte ich Befriedigung in meinem Lieblingssport:

Hübschen Mädchen nachschauen.

Nun werden Sie einwerfen "Aber, oh großer und weiser Artemis, die hübschesten Mädchen sind

doch schon an eurer Seite!", und Sie könnten sogar recht haben, aber unsere Beziehung liegt auf der Streckbank,

die sich Job nennt, und dieser beinhaltet nun mal, daß alle möglichen Monstrositäten in den blödesten

Situationen ohne ersichtlichen Grund die Menschheit bedrohten.

Die Beiden beendeten ihr Gespräch schneller, als ich vermutet hatte, und entschieden sich (natürlich

ohne mich zu fragen), Rei zu besuchen.

Nach einem kurzen Gehweg erreichten wir den Hikawa Tempel, in dem Rei als Miko ihren Dienst tat.

Im Hof konnte man nur Yuuichiro sehen, einen Ex- Penner, der hier Shinty (Anm.d.Verf.: Ein schottisches Spiel,

ähnlich wie Hockey) und Shinto lernte. Ich mochte ihn, hauptsächlich, weil er dumm war, und der Einzige,

der mir nicht dauernd was zu essen gab (Wahrscheinlich, weil er zu arm war). Außerdem stand er auf schwarzhaarige

Schlampen, genau, wie ich. Und er hörte sich eine seltsam archaisch anmutende Musik, die er Metal nannte,

an, wobei er seinen Kopf immer wieder auf und nieder schwang.

Mein Gott, war er dumm. Oder vielleicht war es auch ein religiöses Ritual...

"Hi Minako! Hi Makoto! Hi Artemis!" entbot er uns wie üblich seine Grüße.

Ich schätze, er erwartet nicht, daß ich zurückgrüße. Ich sollte es mal versuchen.

"Wo ist Rei?" fragte Makoto.

"Ihr wollt Frauenthemen bereden, was?" fragte Yuuichiro, und sprach damit meine schlimmsten Befürchtungen

aus.

"Äh, ja." antwortete Makoto.

"Sie ist in ihrem Zimmer." Er fuhr fort, den Boden zu kehren.

Nun, da ich das schreibe, fällt mir auf, daß er immer den Boden kehrt, wenn ich ihn sehe. Warum tut

er das? Ist das ein gutes Krafttraining, oder was?

Als wir zu dem Gebäude ginge, das Rei, Yuuichiro und Reis Großvater bewohnten, kam letzgenannte ältliche

Person heraus, um uns zu begrüßen.

Der gnomenhafte Hentai war schon lange über seinen Zenith hinaus, und wenn ich ihn sah, wurde ich immer wieder

schmerzhaft ans Älterwerden erinnert.

Naja, vielleicht war er gar kein Perverser, und sein Benehmen rührte von Altersdemenz her.

Andererseits, vielleicht auch nicht.

Er mochte Usagi ziemlich gerne, entweder weil sie genauso irre war wie er, oder weil er auf junge Mädchen

stand. In diesem Moment hoffte ich, daß er Chibi Usa noch nicht kennengelernt hatte.

Aber er hatte offensichtlich nur was für Frauen übrig, die größer waren als er selbst, was

Luna und Chibi Usa ausschloß.

Während ich dies und anderes so bei mir überlegte, folgte ich den anderen in Reis Zimmer.

Rei saß am Boden und las einen Manga. Es war eigentlich das erste Mal, daß ich sie einen lesen sah,

obwohl sie Dutzende davon hatte. Ich hatte sogar schon vermutet, daß sie sie nur kaufte, um sie Usagi zu

leihen, und dieses anzuschreien, wenn sie sie ihr nicht zurückbrachte.

"Hi Leute." grüßte Rei.

Nachdem die Formalitäten beendet waren, sagte Rei, daß sie etwas Böses spüren würde.

Das hatte allerdings nicht viel zu bedeuten.

Natürlich, sie hatte in 60% aller Fälle recht (das, was Sie in der Serie sehen), aber die Götter

und Geister, oder wer auch immer, schienen sie manchmal verarschen zu wollen. Oder vielleicht war sie einfach nicht

gut genug, und um Shinto verstehen zu können mußte man so alt werden, wie der fröhliche, glatzköpfige

Härtefall für Siegmund Freud, den Rei Großvater nannte, und der draußen mit Yuuichiro herumtollte.

Vielleicht waren alle diese Gerüchte über wahnsinnige, aber erleuchtete Bergmönche doch wahr.

Ich versuchte schnell, mir Rei mit 134 Jahren vorzustellen (Ich entschied, daß man, um so viele Falten zu

haben, wie ihr Großvater, mindestens 130 sein mußte), aber ich versagte.

"Dieses Böse....." fing Rei an "Makoto, hörst du mir zu?"

"Wow! Iron Maiden!.... Äh, was hast du gesagt?"

Makoto wurde von einer CD aus Reis Sammlung satanistischer Musik abgelenkt: Der Typ auf dem Cover sah aus, als

hätte er den Fraß gegessen, den ich zum Frühstück vertilgt hatte. Glühende Augen, strähniges

Haar und keine Muskulatur und der Haut, all' das deutete auf eine Schwermetallvergiftung hin (Anm.d.Verf.: Sorry,

aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Metal rulez!).

"He, seht mal da draußen!" rief Minako, und wir liefen alle zum Fenster. Als Kater war ich natürlich

schneller und grazöser als die anderen.

Draußen sahen wir Yuuichiro, Mamoru und Usagi, umgeben von offenbaren Ungläubigen, denen es wohl nichts

ausmachen würde, jeden Moment Blut auf dem frischgeputzen heiligen Boden zu vergießen, auf dem sie standen.

Was zumindest bedeutete, daß sie keine Unsterblichen waren. Eigentlich sahen sie sogar eher aus wie herkömmliche

irdische Schläger.

"Auf wessen Zehen bist du dieses mal gestiegen?" fragte Rei rhetorisch, denn genau wollten wir das alles

gar nicht wissen.

Ich bemerkte, daß Mako glasige Augen bekam und anfing zu schwitzen, wie üblich wenn sie sich am Rande

einer Schlägerei befand. Sie sah aus wie ein Kind an Weihnachten.

Gerade bevor die ungemein unangenehmen ersten Schläge flogen, sprang sie aus dem Fenster und rief: "Hey,

wartet auf mich!"

Sie landete dramaturgisch korrekt genau zwischen den beiden jetzt ohne Zweifel verhärteten Fronten.

"Oh, ich vergaß. Kein Kampf ist echt ohne Makoto." murmelte ich.

"Hey, ihr!" rief Rei "Das ist ein Tempel! Ihr dürft hier nicht kämpfen!"

"Versuch, uns aufzuhalten!" rief ein bassiger Männerchor zurück.

"Offenbar sind die heute blasphemisch drauf." dachte ich, aber ich sagte "Miau."

Einem der Bösen, ein Hüne mit über 2 Metern Stockmaß und von einer übelwollenden Natur

mit Fäusten bedacht, die größer waren als Minakos Kopf, machte es nichts aus, den ersten Stein

zu werfen und wollte Mamoru mit einem riesigen rechten Haken beweisen, daß gutes Aussehen erstens nur temporär

ist und zweitens nicht nur vom Alter zerstört werden kann.

Unglückseligerweise für ihn tauchte Mamoru ab und konterte mit einer linken Geraden in den Unterleib

des Riesen.

Sofort war eine wunderschöne Rauferei im Gange.

Während Yuuichiro und Makoto sich wacker gegen mindestens acht Schläger hielten (man konnte es nicht

so genau sehen, da die Staubentwicklung trotz Yuuichiros Bemühungen, zu fegen, enorm war), erspähte Usagi

einen Fluchtweg und machte sich aus der Pampa.

Keiner bemerkte Reis Großvater, der sich wie ein Rachegott auf dem Platz aufbaute und irgend etwas schrie,

was man aber wegen der Geräuschentwicklung nicht verstehen konnte, dann wurde er sauer und flippte aus:

Er packte einen der Bösies an den Beinen, rang ihn nieder und schlug ihn dann mit einer obskur aussehenden

Technik KO.

Ich tippe auf den Kranichstil der Familie Yu, oder aber eine archaische Fukien-weißer Kranich Technik, oder

aber ich liege mal wieder ganz falsch und es ist südchinesischer Gottesanbeterinnenstil. man kann das wegen

der kaum vorhandenen Größe des Kerls nicht so genau sehen.

Inzwischen setzte Mamoru einen Rundumtritt sauber auf die Schläfe eines Kontrahenten, Yuuichiro hatte einen

anderen im Boston Crab (wobei man seine erstaunlich muskulösen Arme sah), und Makoto, tja, Makoto dachte,

daß ein Gegner zu schwach für sie war, weswegen sie sich auf zwei stürzte.

Inzwischen hatte Reis Großvater seinen Gegner über die Klinge springen lassen (was uns überraschte),

und Yuuichiro warf seinen mit einem Schulterstoß mehrere Meter zurück (was uns noch mehr überraschte).

Mako und Mamoru hielten sich, wie erwartet, gut und nutzten ihre Kampfkünste, um dem Publikum verhaltenen

Beifall zu entringen.

"Hey, dein Opa ist nicht schlecht." sagte ich zu Rei.

"Und ich dachte, er gibt wieder an, als er erzählt hat, daß er in seiner Jugend Jiu Jitsu- und

Ringerchampion war.

Nach einer Stunde entschied Mamoru den Kampf, als er den Anführer der Bösewichte königlich auf die

Kinnspitze schlug - ein klassischer Knockout.

"Flieht! Flieht!" rief ein anderer, aber als er bemerkte, daß er der einzige war, der noch stand,

war sein geordneter Rückzug Geschichte.
 

******

"Ei, Mister Gipsmeister, isch glaub' mir habe' disch!" sagte Jacobite triumphierend zu dem schneeweißen

Muskelprotz, der in einem dunklen Kristallgefängnis saß.

"Laßt mich gehen, und ich werde eure Innereien nicht rearrangieren." sagte dieser gestelzt.

"Ha!" lachte Jacobite, was er von seinem Boß übernommen hatte "Du wirst meim Boß

gud diene'!"

Mit diesen Worten teleportierte er sich un den Gipsmeister hinweg.

Sie erschienen in Rubeus' Hauptquartier.

Dort saß der rothaarige, muskulöse, Armeehosen - tragende Endboß auf seiner Couch, mit der einen

Hand in der Hose und der anderen an einer Bierdose. Er sah sich "Eine schrecklich nette Familie" an.

"He!" rief er, als er Jacobite bemerkte "Kennt's ihr net klobfn?!"

Sofort verschwanden Sofa, Bier und Fernseher.

"Ei, sorry." sagte Jacobite scheu.

"Ha! Host ihn gfangn?"

"Ei ja! Da isse!"

"So!" knurrte der Gipsmeister "Fürwahr, ihr seid's der mir den Tag in die Toilette spülte!"

"Fåhlsch! I bin dea, dea dei gonzes Läbn in die Toilettn spealen wiad! Ha!"

"Was auch immer ihr von mir wollt - vergeßt es!"

"Samma a bissal stua, oda wos?" grinste Rubeus "Wås wear'n wenn i des ainzge Ding hätt',

dös dir wås bedeität?"

"Nein!" rief der Gipsmeister "Unmöglich!"

"Ha!" rief Rubeus und holte etwas hinter Jacobites Ohr hervor, das aussah wie ein gut gefaltetes Stück

Gummi "Dei oaginole HENTAI QUEEN (TM) - Gummipubbn!"

"Ihr habt .... gewonnen." der Gipsmeister senkte seinen weißen, nicht mit Haaren gesegneten Kopf.

"Ha! I hob's gwußt!" lachte Rubeus "Hob i net gsogt, daß'n des kabbutdhaud? Okäy,

Schnäwaißchen, eansthoft: Benutz' deane mystischen Gräfte, um Tokyo mit Gibbs zu übazian!""

"Ganz Tokyo?"

"Die gånze deppatte Stådt! Aber z'east muaß i die Sailor Scouts b'nachrichtign!"

"Äh?"

"Dös is a oide Tradizion!"

"Ei, Boss..... is dir scho' ei'gfalle' daß des der Grund sein könnt' daß mer dauernd besiegt

werde'?"

"Hoids Mai, Lakai!"

"Ei ja, Boss."
 

******

"Autsch!" wimmerte Mamoru, als Makoto irgend so'n Zeug auf seine Wunden applizierte. Sie schien ein verdächtig

profundes Wissen zu haben, was Schlägereiverletzungen anging.

"Es muß weh tun, oder es hilft nichts." gab Makoto einen weiteren ihrer gefürchteten, halb

- weisen Kommentare zum Besten.

"Nicht daß ich es wirklich wissen wollte.... aber was ist eigentlich passiert?" fragte Rei.

"Ach, ich hab' einen von den Typen doof genannt, und dann wollte er mich schlagen, aber Mamoru kam vorbei

und hat ihn geschlagen, aber er kam mit ein paar Freunden zurück, und dann sind wir weggelaufen." faßte

Usagi zusammen.

"Du bist gefolhen? Feigling!" Makoto schlug Mamoru auf den Kopf.

"He! Spinnst du?" fragte dieser sauer.

"Wie kommt es , daß sie keine blauen Flecken haben, Meister?" fragte Yuichiro Reis Großvater.

"Die Meisten sind es nicht gewöhnt, gegen kleine Leute zu kämpfen." grinste der Alte "Stimmt's,

Artemis?"

"Stimmt."

Alles war plötzlich still, und ich erkannte, daß ich möglicherweise den größten Fehler

meiner 7 Leben gemacht hatte.

"Potzdonner! Hat der Kater gerade geantwortet?" fragte Reis Großvater erstaunt.

"NEIN!" sagte makoto schnell "Das war ich - ich, äh, bin Bauchredner, hehe."!

"Echt?" der alte mann beäugte sie mißtrauisch.

"Jajajajaja!" versicherten die anderen.

"Und warum hat er sein Maul bewegt?"

"Zufall!" schallte es im Chor.

"Zufall sagt ihr? Naja, vielleicht werde ich wirklich alt.... vielleicht war das Ding gestern am Himmel tatsächlich

nur ein Wetterballon."

"SAILOR MOON!" rief plötzlich eine testosterongeschwängerte Stimme von draußen.

Wer konnte das sein? Das Ding, das Reis Großvater gestern am Himmel gesehen hatte? Ein Gott der sauer wegen

des kampfes im tempel war?

Mein angeborener Intellekt verneinte beides, doch die anderen liefen nach draußen, und ich folgte ihnen.
 

Ach so, es war mal wieder Rubeus.

Ein gigantisches Hologram am Himmel zeigte den Rotschopf mit den geknallten Armen, als er zu uns sprach.

"Ha! Säiler Muun, mir wern Tokyo in a Måsse Giebs verwåndeln, und du konnst nix måcha!

Nyahahahaha!"

Dann verschwand das Bild.

"Gips?" fragte Minako "Das ist lächerlich! Wo wollen die soviel Gips herkriegen?"

Ich hatte keine Lust, das herauszufinden und spürte den plötzlichen Drang, meinen vertraglich festgesetzten

jährlichen Urlaub zu nehmen.

Wahrscheinlich hatten sie ein Alien, das fähig war, Gips aus dem Nichts zu erschaffen.

Inziwischen kam Ami zu uns gelaufen (keine Ahnung, woher sie wußte, wo wir waren), und zusammen mit ihr kam

Luna, die schwarzhaarige Schlampoe, auf die ICH stand.

"Artemis, paß' auf, daß deine Augen nicht rausfallen." sagte sie.

"Äh, ja." sabberte ich.

"Mein Computer sagt mir, daß sie ein Alien haben, das fähig ist, Gips aus dem Nichts zu erschaffen!"

Sehen Sie? Das Leben ist manchaml wirklich voraussehbar.

Wie auf Kommando erschien nun über uns eine weiße, abstrus muskulöse Gestalt auf einer Brücke

aus Gips, die er aus den eigenen Händen erschuf (Anm.: So wie Iceman in diesen alten Marvel Comics).

"Höret! Höret! Ich bin der Herr der gipsigen Ebenen, der Monarch von Gipsdorf ob der Brösel,

der GIPS MEISTER!"

Oh Gott. Seine Ansprache war noch lächerlicher als die von Sailor Moon.

Makoto sah ihn nachdenklich an.

"Na los, Makoto. Erzähl' uns, daß er aussieht wie der Typ, der dich in der 6. Klasse verlassen

hat." dachte ich, aber ich sagte "Miau."

"Wißt ihr, an irgendwen erinnert er mich... Ach, vergessen wir's." meinte sie "Macht der Jupiternebel,

mach' auf!"

Jeder verwandelte sich. Außer mir und Luna natürlich. Es würde wieder ein langweiliger kampf werden.

Die Sailors würden den Youma in die Eier treten, es war ja ein Kampf 1 gegen 5, und selbst, wenn sie es nicht

schaffen würden, würde Tuxedo Mask antanzen, um sie zu retten.

"Es ist unverzeihlich, daß du Tokyo mit einer klebrigen weißen Substanz überziehen willst!

Ich bin Sailor Moon, und im Namen des Mondes werde ich dich bestrafen!"

Ich fragte mich, wie immer, wenn ich so eine Ansprache hörte, wie sich der Mond als quasi-Schutzpatrons des

Mädchens so fühlte. Und wie jedesmal bekam ich akute Kopfschmerzen.

"Ja klar, mach weiter mit diesem Schwachsinn. Warum fragst du ihn nicht, ob er deinen Slip kaufen will?"

dachte ich, aber ich sagte "Miau."

Das Monster erstaunte uns: Er griff nicht eine, sonmdern alle 5 Sailors an, indem er sie in Gipswesten einschloß,

die nicht mal makoto zerbrechen konnte.

Toll, der Kampf hatte aufgehört, bevor er überhaupt angefangen hatte. Und die Götter allein wußte,

wo Mamo-chan war - wahrscheinlich versoff er seine letzte Kohle mit Yuuichiro und Reis Großvater.

"Artemis! Tu irgend etwas!" quietschte Luna entsetzt.

"Okay." sagte ich selbstsicher und rief "Hey, Mister Super-Monster! Es ist so ein schöner Tag

heute. Warum vergessen sie nicht dieses Weltenzerstörungszeugs, schnappen sich die Mädchen da und machen

sich 'n schönen Abend?"

Der Typ dachte nach. Eine Weile. Eine ganze Weile. Er dachte entweder gut über meinen Vorschlag nach oder

war einfach nur saublöde.

Oder er vertsand kein japansich, was allerdings eher unwahrscheinlich war, da er es nur einige Sätze vorher

relativ unverquirlt gesprochen hatte. Andererseits würde das seine idiotische Ansprache erklären.

"Ich kann nicht. 'S ist mir nicht erlaubt." Er zerstörte meine Sorgen über seine linguistischen

Unzulänglichkeiten.

Luna schlug mir auf den Kopf.

"Hey! Für MICH hätte das Sinn gemacht!" verteidigte ich mich.

"Warum denn nicht?!" rief ich verzweifelt nach obe.

"Rubeus.... er hat ein Ding, das mir bedeutet viel." eine gipserne Träne fiel von seinem rechten

Auge floß über seine weiße Backe und landete irgendwo.

"Oookay. Luna, lenk ihn ab!" sagte ich so heroisch wie ich konnte.

"WAS? WIE DENN?"

"Tanze. Singe. Spiel Strip-Poker mit ihm. Egal, halt ihn einfach nur auf."

"Warte! Wo gehst du hin?" fragte Luna.

"Ich mache eine Mittagspause.... nein, ich rette euch und dann mach ich eine Mittagspause."

Sie sah mich an wie jeder mich in so einer Situation anschauen würde: Mit dem Starren von jemaden, der einen

echten, staatlich geprüften Idioten sieht.
 

******

Ich rannte so schnell ich konnte. Ich wußte nicht wohin, aber normalerweise findet der Ärger eh eher

mich, also sollte Rubeus nicht weit gewesen sein. Ich konnte nur hoffen, daß Luna nicht wirklich Strip-Poker

mit diesem Gipsmeister spielte.

man wußte ja nicht, worauf er so satnd und ich hätte eine Jungfrau bevorzugt, wenn ich...... well, vergeßt

es. ich mußte Tokyo retten.

Nachdem ich eine Weile so gelaufen war, begegnete ich einer bekannt aussehenden Straßenkatze in der Gosse:

Dem Schmierigen Lou.

Der alte Lou sah noch asozialer aus, als Makoto es normalerweise tat und war offenbar stolz darauf.

"Lou. Ich brauche 'ne Info." sagte ich zu dem röudigen Fellball vor mir.

"Na, wenn das nicht der alte Artemis ist." schmierte Lou aus der Gosse "Was'n für 'ne Info?"

"Wo ist Rubeus?" fragte ich, auf Lou's Allwissenheit vertrauend.

"20 Eier." er hielt eine Pfote raus, die noch schmutziger als der Rest von ihm war.

Ich preiste den tag, an dem ich gelernt hatte, Minako zu beklauen und gab ihm das Geld.

"Geh weiter geradeaus, dann die ertse links, den Wolkenkratzer hoch, spring nach rechts und du bist auf seinem

Raumschiff."

"Eh, danke, Kumpel."

"Nix Problem."

Ich folgte Lou's beschreibung und siehe da, da war tatsächlich eines dieser Spaceships.

Fühlend, das es hier in Tokyo nicht soviele krank aussehende Raumschiffe geben konnte, vertraute ich auf mein

angeborenes Glück und sprang drauf.

Glücklicherweise kamen keine voll aufgepowerten Super-Wach-Roboter aus irgendwoher her oder gar Laserstrahlen

aus unter der Decke oder im Boden versteckten Kanonen oder so was, und so rannte ich direkt den Wegweisern zur

Kommandozentrale nach.

Rubeus, der rothaarige, musklebepackte Maniac, lag da friedlich schlafend auf einer Couch. Er sah richtig niedlich

aus. So niedlich daß ich ihm am liebsten die Kehle mit meine Klauen durchgeritzt hätte. Hätte sicher

eine nette Überaschung werden können. Aber ich wollte mein Glück nicht herausfordern.

Neben Rubeus lag ein sauber gefaltetes Päckchen auf dem "Wichtigster besitz des GipsMeisters. Nicht berühren!"

stand.

Entweder war das eine Falle oder Rubeus war so blöde wie sonst noch was.

Offenbar war er letzteres, denn es wurde keine Falle oder so was ausgelöst, als ich das Päckchen mit

der Grazie und Eleganz eines Ninja an mich nahm.

Ich stellte das ding auf den Boden und sah nun ein ventil. neugierig, wie ich nun mal bin, blies ich auch rein.

Und das tat npoch ungefähr 258 mal. Danach fühlte ich mich wie betrunken und mir war schwindelig, aber

mein Werk war getan.

Ich sah nun auf den Körper eines Plastik-Mädchens, das aussah, wie sailor Merkur mit braunen Haaren,

abgesehen davon, daß merkur niemals solche...... Attribute gehabt hätte. Nun, es war keine Zeit, um

mich näher damit zu befassen, es gab eine Stadt und einige Hirnlose, die ich Partner schimpfen mußte,

zu retten, oder zumindest was von ihnen übrig war.

Ich packte die Gummipuppe und rannte nach draußen, zu allen Göttern betend, die ich kannte. Schließlich

waren Gummi und Klauen und Zähne Todfeinde.

In kurzer zeit war ich wieder an meinem Ausgangsort. Luna hatte einen Ghettoblaster angeschaltet und war beim Breakdancing.

So verhinderte sie, daß der Gipsmeister Tokyo, wie wir es kannten, unter einer Familienpackung Gips zermalmte.

Gipsy sah sie komuisch an und dann auf mich. dann sah er, was ich bei mir hatte.

"Dies, dies ist meine HentaiQueen Gummipuppe(TM)!" ächzte er erfreut und deutete mit zitterndem

Finger auf das niedliche Teil, das ich bei mir hatte.

"Yeah." sagte ich, wobei ich mit meinen Klauen nonchalant über die Oberfläche seiner Puppe

spielte "Wirst du nun aufhören die Stadt zu zerstören?"

"Fürwahr!"

Gipsmeister entfernte den Gips von der Stadt und den Sailors, nahm seine Puppe, sagte Tschüß und flog

dann weg in die Weiten des Universums, um neue Abenteuer zu suchen.

"Artemis! Du hast uns gerettet!" quiestschten die Mädchen und auch Luna entzückt und ich wurde

an den wohlgeformten Busen der Heldinnen fast zu Tode gedrückt.

So, das ist jetzt das Ende der Geschichte: Ich bekam eine Extraportion Thunfisch, Maoru war immer noch Gott weiß

wo mit Yuuichiro und Reis Großvater, und würde wahrscheinlich mit einem extremen Kater nach Hause kommen,

wir alle hatten eine weitere Geschichte, die wir unseren zukünftigen Enkeln an kalten,gruseligen Winterabenden

erzählen konnten, und Rubeus wurde wieder mal formell für besiegt erklärt.

Alles in allem ein ganz normaler Tag.
 

The End
 

Wenn irgendwer das gut finden sollte, und sich sonst gezwungen fühlt, irgendeinen Kommentar abzugeben: Meine

Email Adresse lautet okami@gmx.net

Flames werden übrigens verlacht, bespuckt und als Ritualkomponente für einen 720T Feuerball mißbraucht,

Chummers.
 

Special Thanx to:

Armadeus (der mir geholfen, das hier aus dem Englischen zu übersetzen. Seine Fanart ist übrigens Müll

;-), Gonzo (kriegt 'nen Tritt, weil er uns durch halb München geschleppt hat), Helmut "BGC" Naughton

(Kriegt keinen Tritt, weil er sich freiwillig gemeldet hat, Gonzo zu treten), Manfred (der außerirdische

Pate), Fufuranky (Spastiker! / Sailor Achatz rules!), Basti (kam 24 1/2 Stunden zu spät zu unserer Party),

Jacob "Wings of Honneamise" Menzler (Auf dem Jacobite basiert - ein echter Hesse, der unsere Parties

mit Adult Animes und anderen Spezereien, z.B. verbranntem Popcorn, bereichert), Hans "The Dustman" (der

sanfte vegetarische Riese), alle vom Mooniecon in Zorneding (Ich war der Asoziale mit den langen Haaren, der in

der hintersten Reihe dauern schlechte Witze gerissen hat), alle Metaller, Rocker und Punks (Lay down your soul

to the god Rock'n'Roll!) und jedem, der sich beleidigt fühlen würde, wenn ich mich nicht bei ihm bedanke.

untitled
 


 

Die Artemis Akten, Teil 2

featuring Ah Megamisama!
 

- CHEMIE -
 

Der Smog lag über der Stadt wie eine vollgesogene Matratze. Ich weiß, ich sollte nicht so reden, vor

allem, weil ich niemals eine vollgesogene Matratze gesehen habe.

Mein Name ist Artemis. Ich bin weder Privatdetektiv, noch eine griechische Mondgöttin, sondern ein Kater.

Warum ich einen Frauennamen trage? Fragen Sie das jemand anderen. Jedenfalls ist es peinlich, wenn man seine Karte

vorzeigt, das können Sie mir glauben. Die Leute halten einen dann für schwul und treten einen in den

Hintern oder so.

Aber Sie lesen sich das bestimmt nicht durch, um über meinen Allerwertesten zu reden (Er ist übrigens

schmaler geworden, denn ich habe 3 Pfund abgenommen), sondern um meine neusten literarischen Ergüsse zu begutachten.

Auch wenn Marcel Reich-Ranitzki diese Geschichten verreißen würde (so wie die Ärzte bei seiner

Geburt sein Gesicht), Sie haben es ja so gewollt:

Also, wie gesagt, Smog lag über der Stadt und verpaßte ihr ein Aussehen, auf daß höchstens

ein farbenblinder Designer stolz gewesen wäre - vielleicht.

Das ganze wurde noch etwas trüber gemacht durch die Tatsache, daß Minako, sonst das blühende Leben,

mit einem Gesichtsausdruck wie ein Pferd auf der Schlachtbank, das neben sich seinen Bruder als Wurst baumeln sah,

durch die Straßen trottete.

"Oje, oje, oje...." seufzte sie.

Ich hatte es sofort im Urin - wieder eine verpatzte Chemiearbeit.

Da konnte kommen was wollte, Minako und die Chemie haßten sich gegenseitig mit einer Inbrunst, wie sie sonst

nur in Mecha - Shows zu finden ist, deren Designern nichts Besseres einfällt, bloß daß die Chemie

zumeist kaltlächelnd am längeren Hebel saß.

"Hey, Babe. Was geht?" fragte da plötzlich ein gutaussehender (lies: schwul aussehender) junger

Mann, der einer Boygroup entsprungen schien.

Minako sah ihn aus blutunterlaufenen Augen an und knurrte bösartig, woraufhin er sich verzupfte.

Nicht, daß mir das was ausgemacht hätte, ich hätte ihn sowieso spätestens in 5 Minuten in

die Bällchen gebissen, aber daß Minako einen solchen Kerl anknurrte, bedeutet, daß sie ganz und

gar nicht in Ordnung war.

Das letzte Mal, als sie das gemacht hatte...... moment mal. Sie hatte sowas eigentlich noch nie gemacht.

"Minako, vielleicht solltest du wirklich mal Nachhilfe nehmen." meinte ich.

Es war schon schwer, ein Vaterersatz für sie zu sein, vor allem, weil ich zwar 10 Köpfer kleiner war,

als sie, aber in der selben Gewichtsklasse boxte.

Aber diesmal sprang sie mir nicht ins Gesicht, sondern überlegte es sich ernsthaft.

Gesagt getan, daheim angekommen wurde erstmal Mama aus dem Weg gegangen, und die Zeitung nach einem guten, aber

Minakos Taschengeld angemessenem Nachhilfelehrer durchforstet. Das war nicht einfach, denn für Nachtclubs

und Kleidung sollten auch noch ein paar Yen übrigbleiben.

In die nähere Auswahl kamen also ein alteingessesenes Lerninternat (gratis, verlangte aber lebenslange Mitgliedschaft

bei der Yakuza), Umino (wurde fast sofort wieder verworfen), ein Typ namens Shirizuki Hentai (ein stadbekannter,

nun, Hentai), und etwas Ominöses. Das einzige, was dastand war eine Zeile:
 

"Probleme mit Chemie, Liebe oder einem verhaßten Nachbarn? Rufen sie 888 - 134 - 527 an. Nach Urd fragen"
 

Ich fragte mich, ob das so eine gute Idee war. Niemand soll mich rassistisch nennen, aber der Name "Urd"

klang mir doch etwas nach.....nach..... naja.... eigentlich konnte ich das Gefühl nicht genau beschreiben,

sagen wir mal "exotisch" (So wie das Sushi gestern abend. Würg! Ich kann wahrscheinlich in zwei

Jahren immer noch keine feste Nahrung zu mir nehmen).

Minako, impulsiv wie immer, griff natürlich nach dem Telefonhörer.

"Ja, hallo. Ich rufe wegen der Zeitungsannonce an....."

Ich hörte bis hier einen Schrei aus dem Telefon.

"URD!!!!!" rief da ein etwas jung klingender Typ, und in seiner Stimme schwang ein Hauch Verachtung,

etwas Angst und eine Prise Resignation mit.

Minako sah auch etwas verdutzt drein.

Nach einer Weile schien dann jemand anderes den Hörer übernommen zu haben.

"Hallo? Spreche ich mit Urd-san?" versuchte Minako nochmals.

"Yup. An der Strippe." konnte ich mit meinem kätzisch scharfem Gehör verstehen.

Die Stimme war die einer Frau, auf jeden Fall, und in ihr schwang genug Erotik für ganze Hundertschaften von

Telefonsexangestellten mit. Ich wußte sofort: Hier waren böse - oder zumindest extrem unmoralische -

Kräfte am Werk.

"Ähm." machte Minako verunsichert "Also, ich habe ihre Annonce gelesen, und ich hab' da Probleme

mit Chemie.... und außerdem hasse ich meinen Nachbarn."

Ich bedeckte die Augen mit den Pfoten.

"Wo brennt's denn?" fragte die Frau am anderen Ende der Leitung.

"Also, ich bräuchte Nachhilfe in Chemie.... Geben sie auch Nachhilfe?"

"Aber sicher."

"Wieviel verlangen sie denn?"

"Das machen wir aus, wenn ich ..... mir ein Bild von deinen Problemen gemacht habe. Komm' am Besten mal vorbei."

"Äh, okay."

"Ich will mir nämlich auch mal ein Bild von dir machen. Du hast eine schöne Stimme."

Man konnte das laszive Lächeln, das die Dame aufsetzte, schon fast vor seinem geistigen Auge sehen. Oh, oh.

Minako, worauf hast du dich da nur eingelassen?

"Hi, hi, danke."

Irgendwer hätte nun eigentlich ein rauchiges Saxophon einspielen sollen, aber den Soundeffekter pennte offenbar

mal wieder.
 

******

"Ist es hier?"

"Ja, danke für's Mitnehmen, Mamoru!"

"Immer doch. Aber bist du sicher, daß sie in 'nem Tempel wohnt?"

Mamoru rückte seine coole Sonnenbrille zurecht, die ihm, wie ich fand, einen depperten Ausdruck gab, was auch

an einer Comicfigure namens (Achtung! Insidergag!) Janzon liegen konnte, die dieselbe Sonnebrille trug (Achtung!

Insidergag zuende!).

Minako und ich stiegen aus. Sie verabschiedete sich noch von Mamoru und ging dann auf den Tempel zu.

Naja, so schlimm konnte diese Urd nicht sein, wenn sie auf heiligem Boden lebte. Andererseits, nach einer Nonne

hatte sie nicht geklungen.

Minako schlenderte durch den Vorgarten (aus einem Schuppen in der Nähe kamen typische Mechanikergeräusche),

und klopfte an der Tür.

Das ganze Anwesen war erstaunlich gut gepflegt. Möglicherweise hatten die Leute hier einen Haufen Diener oder

verdammt viel Zeit und Muße.

Eine Sekunde später öffnete eine junge Frau die Tür. Sie war irgendwo in der Altersregion von 19

- 20 anzusiedeln, und eine echte Schönheit. Außerdem sah sie aus, als könne sie kein Wässerchen

trüben, was sie in meinen paranoiden Augen sofort verdächtig machte. Sie trug nicht ganz modische, aber

gut aussehende Kleidung und hatte seltsam bronzene Haare.

"Ja bitte?" fragte sie in einer glockenhellen Stimme, in der so viel Milde und Freundlichkeit mitschwang,

daß sich selbst mein Mißtrauen sofort verflüchtigte.

Allerdings war sie wohl kaum diese Urd, außer sie hatte etwas Kreide zu sich genommen (Ein Laster, dem ich

vor 4 Jahren auch verfallen war, denn das gab echt einen coolen Rausch. Probiert das NICHT daheim, Kinders!).

"Ich bin Minako Aino, und, ähm, ich bin wegen dem Nachhilfeunterricht hier...."

"Ach so! Komm doch herein!"

Wir betraten den Vorraum, und ich weiß nicht, wie es Minako ging, aber ich fühlte mich plötzlich

pudelwohl, obwohl ich eine Katze war und eigentlich eine Heidenangst vor Pudeln hatte.

"Oh, hallo." begrüßte mich die junge Frau. Sie hatte mich vorher nicht bemerkt, da ich mich

hinter Minako versteckt hatte - falls ein schneller Rückzug vonnöten gewesen wäre. Naja, naja.

Sie fing an, mich zu streicheln, woraufhin ich mich gezwungen sah, zu schnurren. Nein, es war nicht wie sonst,

wo man als Kater einfach schnurrt, um irgendeinem Menschen etwas zu Essen zu entlocken, nein, diesmal geschah es

ohne Hintergedanken. Das war komisch, da ich so normalerweise nur schnurrte, wenn mich Minako streichelte.

Das Mädchen stellte sich als Belldandy vor, und war nach eigenen Angaben Urds Schwester. Sie führte uns

in einen Raum, auf dessen Tür "Urds Imperium" geschrieben stand.

"Macht es euch bequem. Ich hole meine Schwester." lächelte Belldandy und bedeutete uns, einzutreten.

Das Innere des Raumes war recht luxuriös eingerichtet: Ein bequem aussehendes Bett, sicherlich groß

genug für 4 Personen stand an einer Wand. Durch ein großes Fenster konnte man in den Garten blicken.

An einer anderen Wand stand ein riesiger Schreibtisch, auf dem sich eine abenteuerliche Ansammlung von allerlei

Gerätschaften befand, die zur Grundausstattung eines jeden Chemikers gehörte - wenn man von König

Artus' Zeiten ausging.

Zudem befand sich auf dem Tisch ein Turm aus uralt aussehenden, dicken und wahrscheinlich auch abnormen Wälzern.

Neben dem Bett befand sich ein Nachtkästchen mit einer Lampe darauf, und vor dem Bett ein mittelalterliches

Lesepult, auf dem aufgeschlagen ein anderer Foliant stand.

In dem Zimmer befanden sich auch ein ziemlich antik aussehender Schrank.

Es roch hier etwas nach Weihrauch und anderen Kräutern, ein angenehmer, aber etwas sonderbarer Geruch.

Was jedoch meinen Blick zuerst auf sich lenkte waren drei Regale: Das erste war vollgepackt mit Spirituosen aus

aller Herren und Damen Länder, von Sake über Blue Curacao bis zu russischem Wodka, und dazu mit benutzt

aussehenden Mixinstrumenten.

In dem zweiten Regal befanden sich in großen und kleinen Einmachgläsern eine unüberschaubare Menge

von allerlei undefnierbaren Dingen: Manche sahen aus wie kleine Köpfe, andere waren eingelegte Kräuter,

in einem schwammen lange, haarige Stäbe (wohl Spinnenbeine), in einem anderen befanden sich Bienenknie, welche

ich dank meiner Zeit bei englischen Alchimisten ('Ne lange Geschichte) auch sofort als solche erkannte.

Das dritte Regal bog sich unter der Last von unzähligen Büchern. Die meisten waren von einer Art, die

ein modern erzogener Mensch als "Aberglaube" bezeichnen, aber dennoch drei Kreuze machen würde,

wenn sie wieder weg wären. Da waren kosmische und vormenschliche Werke wie die Pnkothischen Manuskripte, das

grausige Liber Ivonis, und auch das Al Azif des verrückten Arabers Abdul Al-Azhred! Andere Titel konnte ich

nicht oder kaum erkennen, da sie in seltsamen oder auch schon lange ausgebleichten Zeichen geschrieben waren -

so erkannte ich nach langem Nachdenken eine in isländischem Futhark geschriebene Ausgabe der Edda.

Habe ich schon mal erwähnt, daß ich 38 Sprachen fließend spreche, lese und schreibe?

Ich sprang auf das Nachtkästchen, um mir einen danebenstehenden CD-Ständer genauer anzusehen. Ich erkannte

einige der Bands, die Yuuichiro hörte, und die Rei am liebsten in ihren "Böses Juju" - Giftschrank

sperren würde.

Die meisten Bands hatten lustig klingende norwegische Namen, deren Bedeutung weniger lustig war, und die schwarz-weiß

angemalten Gesichter der Musiker, sowie die Liedertexte, deuteten weder auf durchschnittliche Folkbands, noch auf

humanistische Schulbildung oder auch nur eine christliche Taufe hin.

Bei all diesen unheimlichen Stoffen wird es niemanden verwundern, daß Minako fast zu Tode erschrak, als ihr

jemand von hinten die Hände auf die Schultern legte.
 

******

"Jacobite!" rief Rubeus.

"Ei, ja, Boss?" fragte der hessische Lakai.

"I hob an neien Plån, wie mir die Ärdä eroban könnän!"

"Äscht?"

"Jå! Mir wern mit ainer oiden chämischn Foamäl den Wäidundergong herbaifüan!"

"Ei, mid a schämische' Foarml? Wie solle' dä dés gehe'?"

"Gons ainfåch: Mir wern a bissel Schaamgummi, Paradeiser ound Schwammärl mit Oronschensåft

vermischan - des kriagt's hi!"

"Äh?"

"Jå, wos meinstan, warum's dös auf da Ärdn net zusammägebn?" fragte Rubeus "No,

gonz ainfåch: Woil dös die Wäid zasteart!"

"Ah, ja." lachte Jacobite, um Rubeus in Sicherheit zu wiegen - er hielt ihn schon lange für nicht

ganz da.
 

*******

Urd war nun wirklich gaaaaanz anders, als ihre Schwester. Während Letztere die Schönheit einer unschuldigen

Lilie auf dem Felde besaß, war Urd eher der klassische Vamp: Um etwaige Kleinkinder nicht zu verderben trug

Belldandy immerhin weite, elegante Kleider - Urd hatte kein solches Bestreben. Ihre Kleidung betonte jeden Zentimeter

ihre sinnlichen, Wasser-im-Maul-zusammenlaufen-lass-und-auf-den-Boden-sabber' - Körpers. Ihre Beine waren

länger als der Tokyo Tower (aus meiner Perspektive jedenfalls), ihre Brustpartie mußte sich hinter keiner

aus Shingos Hentai-Magazinen verstecken, und zu ihrem Gesicht mußte sich der Oberboß oben im Himmel

nach getaner Arbeit selbst gratuliert hatten (danach ging er wahrscheinlich einen saufen und verbrach Umino, aber

das gehört nicht hierher). Sie war braungebrannt und hatte hypnotische Katzenaugen. Insgesamt schien alles

an ihr ein ständiges "Komm' schon" auszudrücken, und ich vermutete, daß sie in 90% aller

feuchten Träume die Hauptrolle spielte. Sie war so ziemlich das perfekte Abbild einer femme fatale, eine Frau,

wie sie sich jeder Mann (Und Haruka, Rei und Michiru) wünschte.

Minako dachte offenbar genauso, denn sie netzte den Boden auch mit ihrem Sabber.

Urd seufzte und schloß unser beider Münder mit ihren wohlgeformten Händen.

"Ich wünschte, ich hätte 100 Yen für jedesmal, wo mir das passiert." murmelte sie.

Minako fing sich wieder einigermaßen; ich jedoch, der ich leider gegen die Pheromone, die Urd auszusenden

schien, nicht ganz so immun war, glotzte sie noch fröhlich weiter an, während mein Gehirn städnig

neue, nicht jungendfreie Szenarien ersann, die sich hauptsächlich um Urd und mich drehten - gut, manchmal

waren Minako und Usagi noch dabei.

"Also, äh, hallo erstmal!" lächelte Minako ihr schönstes Sailor V - Lächeln.

"Hm, hmmm. Hallo." sagte Urd, während sie sich Minako von allen Seiten besah "Wie alt bist

du?"

"Äh, 14."

"Nicht schlecht, nicht schlecht." lächelte Urd schief "Also, du bist wegen der Chemie-Nachhilfe

hier, nicht wahr?"

"Ja." grinste Minako breit.

"Könntest du ihm sagen, daß er den Boden nicht vollsabbern soll?"

Sie zeigte auf mich.

"Oh, äh, Artemis, hör' auf zu sabbern."

Urd sah etwas überrascht und sah mich genauer an.

"Warum trägt er einen Frauennam... oh, ist er einer von...." sie sah mich genauer und fing wieder

an, zu grinsen "Nein, ich denke nicht."

Sie können mir glauben, unter meinem Fell wurde ich ziemlich rot. Aber als Profi läßt man sich

sowas nicht anmerken.

"Na gut, fangen wir am Besten gleich an. Welchen Stoff nehmt ihr grade durch?"

"Tja." meinte Minako verlegen "Wenn ich das wüßte...."

"Oje. Ein ganz harter Brocken, was?"

Meine flusenhirnige Begleiterin nickte mit einem verschmitzten Lächeln.
 

******

"Diamänd! Der Wisemän - er wiel uns in die Suhpe spuckn!"

"Geh' spielen, Saphir. Ich hab' jetzt keine Zeit. Muß Rubeus ein bißchen quälen."

"Aba Diamänd...!"

Diamä....Diamond machte eine lässige Handbewegung, und sein Bruder verließ den Thronsaal.

Der Prinz hatte wirklich keine Zeit - er mußte immerhin seinen Lakaien Crimson Rubeus wieder mal nach den

neusten Plänen befragen.

Da legten sich plötzlich zwei Hände von hinten über seine Augen.

"Huh- huh! Rate, wer ich bin!"

Die einzige, die ein ähnliches blödes Zeug von sich geben konnte, und dazu noch in dieser unverwechselbaren

Stimme war Esmeraude.

"Esmeraude." meinte Diamond gelangweilt.

Er lächelte. Rubeus würde wohl noch etwas warten müssen. Er griff nach hinten, doch statt in Esmeraudes

weiche, schmusige Brustpartie begrabschten seine Hände stahlharte Brustmuskeln.

"Wa...?!"

"Ha! Die Esmeroud kånn I guad nåchmochen, ouda?"

"RUBEUS....!" knurrte Diamond und ballte seine Fäuste, daß die Knöchel weiß wurden.

"I hob an neien Plån. Mir wern die Wöid fanichtn - mit a chämischn Forml!"
 

******

Es stellte sich heraus, daß Urds Lehrmethoden zwar etwas unkonventionell waren ("Nun noch etwas Mandragora..."),

aber dennoch fruchteten: Jedenfalls ich lernte mehr über Drogen und Chemie als in sämtlichen Lehrgängen

beim MI6.

Leider hatten Urds weise Worte nicht denselben Effekt auf Minakos kaum vorhandenes Hirn. Dieses nämlich dachte

daran, wie sie Urd zu unmoralischen Dingen rumkriegen würde - man sah es an ihren Augen. Minakos Gehirn war

also voll mit diesem Thema ausgelastet, ja es rauchte förmlich, als sie die wenigen grauen Zellen, die sie

besaß, dem Zwecke der Anstrengung zuführte, und Urds Lehrsätze zerschellten an einer Wand aus 90%

Blödheit und 10% Libido.

Minako dachte wahrscheinlich im Moment etwas wie: "Ach würde sie doch nur etwas sagen, wie: Wenn du mir

diese Formeln runterbeten kannst, gebe ich dir einen Kuß."

Nein, das ist keine fixe Idee von mir. ich sehe es wirklich an ihren Augen!

"Wenn du mir diese Formeln runterbeten kannst, gebe ich dir einen Kuß." meinte Urd plötzlich.

Auhauahaua. Entweder hatte meine Präkognition, die ich seit den Hirnmanipulationen beim MI6 manchmal habe,

wieder zugeschlagen, oder Urd hatte Minakos Gedanken gelesen.

Sei's drum, Mina fing sofort an, verbissen zu lernen. Ich hatte sie noch nie so ausdauernd gesehen, nicht einmal

bei dem wöchentlichen Streit mit den anderen Senshi, welcher Junge nun am besten aussah.

Und siehe - Minako schaffte tatsächlich in einer Stunde, was Tausende vor ihr in dem Jahr bei ihrer Chemielehrerin

vergeblich versucht hatten: Sie eignete sich die Grundzüge der Chemie an, ohne ihr letztes Bißchen Intelligenz

zu verlieren (Die Tausend vor ihr hatten wenigstens noch bis zur ersten Hälfte Erfolg).

Selbst Urd schien beeindruckt zu sein. Dann aber erinnerte sie sich ihrer Abmachung. Offenbar wollte sie bescheißen

und nur auf die Wange und so, aber britisches Reflextraining hatte bei Mina seine Spuren hinterlassen, und sie

drehte blitzschnell ihren Kopf, so daß Urds Lippen die ihren trafen.

Ich wurde fast eifersüchtig.

Minako umarmte Urd.

Na gut, jetzt war ich eifersüchtig.

Da öffnete sich plötzlich die Tür.

"Urd, hast du...."

Der Ankömmling war ein kleiner Typ, vielleicht 20, mit einer zerwuschelten schwarzen Frisur.

"Ich will's gar nicht wissen." seufzte er und schloß die Türe wieder.

Minako störte das weniger, sie drückte sich noch fester an Urd. Da zog diese ihren Kopf zurück und

die selbsternannte Kriegerin der Liebe züngelte in der Luft herum.

"Na, na." grinste Urd "Du gehst ja ran wie Blücher."

"Wie wer?" fragte Minako verdutzt.

"Du hast in Geschichte wohl auch gepennt, was?" fragte Urd "Naja, also ich denke, für heute

hast du genug .... gelernt. Nächstes Mal behandeln wir die Auswirkung astraler Matrizen auf das vitale Netz

von Schwefel...."

Minako und ich schauten sie in etwa so an, wie Sie es würden, wenn sie ihren Freund oder ihre Freundin beim

intimen Liebesspiel mit Ihrem Goldhamster erwischten und alle beiden hätte drei Köpfe.

"Na gut.... also, nächstes Mal chemische Elemente." seufzte die weißhaarige Bombe.
 

******

"Artemis...." wisperte Minako in der Nacht und riß mich damit aus dem mühsam erreichten Halbschlaf.

Es war diese Art Halbschlaf, wie sie in heißen Sommernächten immer wieder vorkommt. Sie, als Mensch

(oder unterstelle ich Ihnen da was?), können sich jederzeit freistrampeln, aber wer ein Fell hat, kann nur

erdulden. Es war diese Art Halbschlaf, in der man weiß, daß man heute nach garantiert nicht mehr einschlafen

kann, also steht man normalerweise auf und holt sich ein Glas Wasser oder einen runter. Und dann ist man so wach,

daß man nur noch die Stunden bis zum Morgen zählen kann.

Wie gesagt, aus dieser Situation hatte mich Minako gerissen, und ich hatte ein Gefühl im Mund, als hätte

ich einen Spülschwamm gefressen oder wäre seit Jahren tot.

"Wassis?" fragte ich mit müden Augen.

Ein Seufzer von Minako verriet mir, daß gleich ein bestimmter Satz kommen mußte.

Gleich war es soweit. Gleich, GLEICH.

"Ich glaube, ich bin verliebt."

Ich stöhnte. Nicht, daß ich es nicht erwartet hätte (eigentlich hätte ich sogar eine Wette

darauf abgeschlossen), denn Minako verliebte sich in alles attraktive und wenigstens halbwegs humanoide, aber es

ging einem nach so vielen Jahren immer noch auf die Eier. Und zwar sehr.

"Minaaako." knurrte ich "Du verliebst dich in JEDES attraktive Wesen! Du solltest zum Psychiater!"

"Aber sie ist etwas ganz besonderes."

Sie umarmte ihr Kissen als Lover - Ersatz, was bedeutete, daß es verdammt ernst war.

"Das hast du bei Rubeus auch gesagt." murmelte ich und erinnerte mich an gewisse Nächte in der R-

Staffel.

"Aber das war tragisch - er war soweit weg...."

"Und 'n Schluchti." fügte ich müde hinzu.

Ich versuchte, auf meinen Schweiß zu blasen, um mich zu kühlen.

"Hör mal, über deinen Ostpreußischen Akzent regt sich auch keiner auf."

"Wat?" fragte ich, verfluchend, daß ich in erschreckenden Moment immer in diese Idiom zurückfiel.

Da half nur noch eins: Das Thema wechseln.

"Minako, wärum käif..... warum kaufen wir eigentlich keine Klimaanlage?"

"Artemis, ich bin spitz!"

Oh Scheiße. Jetzt nicht, Baby, ich mußte morgen früh raus, denn ich hatte einen Kampf gegen den

Straßenköter an der 47. auszufechten. Ich hätte abhauen sollen, aber die bleierne Müdigkeit

hing an meinen Beinen wie ein Powerlifter - Gewicht.

Wenn ich ganz still war, schlief Mina vielleicht ein, bevor sie ihren Gedanken zuende denken konnte (Ich war ja

das einzige männliche Wesen in 100 Metern Umkreis. Und möglicherweise stimmte diese Schätzung sogar.).

Ich verfluchte die langen Stunden, die mich noch vom erlösenden, kühl-bläulichen Licht der Illusionen

- zerschmetternden Morgensonne trennten. Na gut, blaues Licht fiel jetzt schon durch die geschlossenen Rolläden,

aber das war wegen eines Einbruchs mit Geiselnahme im Nachbarhaus.

"Artemis...." schnurrte Minako, wie damals, als sie die Ausbeute des Drogendezernats für Bonbons

gehalten hatte. Damals hatte sie die gesamte männliche Belegschaft für Monate ans Bett gefesselt (Lendenerschöpfung

lautete die Diagnose des pervers grinsenden exilbayerischen Arztes). Ja, England, das waren noch Zeiten gewesen,

keine schwülen Sommernächte, in denen die Grenze zwischen Leben und Tod für meinen Geschmack etwas

zu sehr verschwamm. Da war mir jeder 6 Monate - Winter in Nordschweden lieber.

Es fiel mir ein alter Song von einer von Makotos Platten ein - "Venus in the morning" - denn es war zwar

noch lange nicht Morgen, aber dafür lag Venus neben mir.

Venus rieb gerade ihren Kopf gegen meinen. Ihre Mutter hatte ihr das nie austreiben können, denn sie machte

das schon seit Jahren. Wenigstens war sie stubenrein.

"Laß' uns kuscheln." flüsterte sie mit einem schmusigen Unterton.

"Hä?! Spinnst du? Mir is' schon heiß genug!" knurrte ich.

Aber es half alles nichts: Sie drückte mich an sich, und ich spürte meine Rippen bröseln. Ich versuchte,

einen Ton rauszubekommen, aber es wurde nur ein erstickter Schrei.

Die Welt verschwamm vor meinen Augen und ich ertappte mich bei dem Gedanken, daß ich mich fragen sollte,

wie hoch meine Lebensversicherung war.

Da wurde plötzlich ein Stein gegen das Fenster geworfen und in der selben Sekunde lockerte sich der Griff

um meine Taille.

Minako stand verdutzt auf, rieb sich Augen und andere Teile, und öffnete den Rolladen, während sie mich

immer noch im Arm hielt wie einen Teddy mit zu großen Ohren.

Unten auf der Straße stand sie - Haruka Ten'ouh, und sie paßte sich hervorragend an den Müll und

die Abwässer, die in der Straße herumlagen an, genau so wie die (Tarn?-) Farbe ihres Jacketts.

Oh Gott, noch war ich so froh gewesen, Harukas Hackfresse zu sehen. Ich meine, sie war nicht Fisch(-auge), nicht

Fleisch(-auge? Naja.), und Gott hatte sich offenbar nicht entscheiden können, ob er sie nun zu Männlein

oder Weiblein machen sollte (Ga-gaaaack. Tschuldigung). Sie trug wieder mal ihre als Coolness getarnte Dummheit

zur Schau, neben dem schlecht sitzenden Jackett.

"Hey, wir gehen in einen Nachtclub! hast du Lust, mitzukommen?"

"Klaro!" rief Minako und war innerhalb von 5 Sekunden angezogen und geschminkt.

Auch wenn sie aussah, wie vom Bahnhof, und ich Haruka nicht lieb hatte, so war dies doch die Rettung.
 

******

Der Nachtclub war einer dieser Nachtclubs, der auch ohne weiteres in eine "Buffy- Der Vampirjäger"

Folge gepaßt hätte. Nun, normalerweise stand ich mehr auf die Bikertreffs, die ich in meiner wilden

Zeit frequentiert hatte, wo mehrere Harleys ständig um einen Scheiterhaufen fuhren, auf dem der Unglückselige,

der sich in unser Revier gewagt und nicht die Gangfarben getragen hatte, lichterloh brannte.

Nun, hier spielte man eher zum depressiven Tanze auf als zum Pogen, das Licht war mehr als gedimmt und ich stieß

mir den Kopf an mehr als einem lethargischen Typen an, von den Tussis, die auch in den Titty Twister gepaßt

hätten, ganz zu schweigen.

"Hey, Haruka." fragte ich "Wer spielt denn da? Moonspell?"

Andererseits sah die Gruppe auf der Bühne eher nach bierbäuchigen Deutschen Hooligans in Kostümen

aus dem Starlight Express aus.

"Rammstein heißen die." meinte Michiru, die ich zwar nicht angesprochen hatte, die aber dank antiautoriärer

Erziehung und dem Fehlen eines Mannes im Hause nichts von gutem Benehmen hielt.

Michiru - nun, ich hatte sie hübscher in Erinnerung gehabt. Aber Haruka färbte auch auf jede ab, die

sich zu lange mit ihr paarte.

Ach, wie sehnte ich mich nach den alten Zeiten zurück, als ich mit anderen Wahnsinnigen das Cernunnos-Zeichen

einem androgynen Sänger mit Fastellstimme entgegenstreckte, während der Typ neben ihm seiner verstellten

Sechssaitigen jammervolle Töne entlockte.

Ach ja. Finnland. da hatte ich mal ein Bier..... aber das gehört nicht hier her.

Der Sauhaufen, der außer mir eigentlich nur drei Leute - Haruka, Michiru und Minako - zählte, setzte

sich ins dunkelste Eck, womit ich keine Probleme hatte, denn als Katze steht man kaltlächelnd über so

was. Andererseits trübte der verdächtig nach Chemie stinkende Nebel, den man hier aus einem alten, verrostendem

Rohr reinpumpte, auch meine Sicht.

Mir fiel siedendheiß ein, daß wir hier auf den Ruinen eines ausrangierten Atomkraftwerks saßen,

aber meine Begleiterinnen hatten eh nix zu verlieren.

Haruka wurde durch die ein oder andere Mutation bestimmt auch nicht häßlicher, Minako konnte keine Hirnschäden

davontragen - sie hatte nämlich keins - und Michiru hatte sowieso grüne Haare (wie der Hulk).

Blieb nur noch ich. Aber ein Gentleman, der schon in den sturmgepeitschten Hochländern Südafrikas gegen

geheime Kulte gekämpft hatte, war hoffentlich gegen Radioaktivität immun, zumal selbst der Teufel meinen

Namen fürchtete.

Doch da riß mich auch schon die leckere Bedienung aus meinen Tagträumen.

"'Nen Zombie." bestellte Haruka, und ich hatte das Gefühl, daß sie die Worte grade noch so

raus brachte.

"Für mich ein Wasser." lächelte Michiru.

Die Musi hörte auf, zu spielen.

"Äh, in einem dreckigen Glas."

Rammstein rammten weiter. Nach den Tönen, die von der Bühne zu uns drangen, waren sie entweder geistig

zurückgeblieben, oder vergewaltigten live einen Ochsen.

"Ich hätte gern einen... ähhh...." fing Minako an.

"Nimm' 'nen Bacardi Cola. Und bestell' für mich 'nen Jim, und sie soll die Flasche dalassen."

".... und für meinen Kater 'nen Jim, und sie sollen die Flasche dalassen!"

Ich schlug mir geistig gegen die Stirne.

Nachdem wir unsere Drinks hatten, fing ich an, zu schütten, was ging, denn Alkohol half mir immer beim Einschlafen,

vor allem schlechter amerikanischer Whiskey (und Rachenputzer aus dem Bayerischen Wald, aber die bekomm' ich in

Japan so selten).

"Artemis, trink' nicht so viel. Sonst müssen wir dich nach hause tragen." meine Haruka.

"Büblein, noch ein solches Wort und die Sanitäter können DICH nach hause tragen." sagte

ich, während ich mir das 4. Glas in den Knorpel gab "Abgesehen davon trink' ich dich und dein Armyjackett

noch jeden Abend unter den Hocker."

"Grrrrr." knurrte Haruka "Willst du's ausprobieren?"

"Klar. Aber bist du schon 18?"

Irgendwie fühlte ich mich jetzt an Usagi und Rei erinnert.

"Artemis...." sagte Minako.

"Angst um mich? Hey, ich sauf' noch weiter, wenn man IHR hier schon den Magen auspumpt. Ich hab' mir schon

mit Fernfahrern Whiskey unter die Rippen geschüttet, als Haruka-chan noch mit 'ner Wunderkerze um den Weihnachtsbaum

gelaufen ist."

"Nein, nein! Sieh' mal da drüben."

Ich äugte in die Richtung von Minakos Zeigefinger, und da stand doch tatsächlich Urd.

"Hm?" machte Haruka und blickte auch dorthin.

Dem nachfolgenden Schlucken und stärker werdenden Schweißgeruch konnte ich a) entnehmen, daß Haruka

sich wohl selbst für Urd bereit fühlte, und b) daß ihr Deo versagte.

Irgendwie scheint die Gute ein AGS-Syndrom zu haben, denn solche Schweißbildung ist für eine normale

Frau unmöglich.

"Haruka, du schwitzt wie ein Schwein." wies ich sie höflich darauf hin, doch sie nahm mich nicht

mal wahr.

Ich kreuzte beide Finger, daß Urds Freund hier auftauchen und Haruka auf die Nuß geben würde,

weil sie seine Freundin angelechzt hatte.

Das passierte jedoch leider nicht.

Dann sah Urd uns auch, lächelte, und kam auf uns zu.

Ich hörte Harukas und Minakos Herz bis zu mir klopfen. Michiru war weniger hormongesteuert, oder vielleicht

sah sie auch ihre Hoffnungen auf einen flotten Dreier mit Mina und Haruka schwinden.

"Hallo." begrüßte uns Urd in ihrer Stimme, die wohl schon einige Gläser Medizineralkohol

gesehen hatte.

"Hallo." lächelte Haruka, und in diesem Moment sah sie so blöde aus, daß ich anfing,

so breit zu grinsen, wie eine Edamer - Katze.

Dabei sah ich nun wieder so blöde aus, daß Mina und Michiru anfingen, zu grinsen, was wahrscheinlich

den Eindruck vermittelte, wir würden uns hier amüsieren.

"Darf ich mich hierhersetzten?" fragte Urd.

Man sah es Haruka an, wenn kein Stuhl freigewesen wäre, hätte sie Michiru von dem ihren geschmissen und

ihn Urd angeboten.

Jaja, wo die Liebe hinfällt.

Urd hatte aber einen Platz gewählt, der sie gefährlich nahe an Harukas Grabsch - Zone brachte, aus der

ich mich schon am Anfang dieses Abends entfernt hatte. Haruka war nämlich manchmal - wenn ihr keiner zusah

- ziemlich infantil und knuddelte mich genauso gerne wie Minako. Nur daß ich es atens nicht genauso gerne

mit mir geschehen lasse, ich habe sie nämlich nicht lieb, und btens ist sie viel stärker als Mina.

"Und? Willst du uns nicht vorstellen?" fragte sie Minako.

Dabei lächelte sie Haruka an, die das prompt für eine Anmache hielt. Ich wußte es besser: Ich hatte

nur einmal ein solches Lächeln gesehen, und zwar bei einem Wolf, kurz bevor er seinen Wärter zerfleischte.

"Also, das ist Haruka Ten'ouh, und das ist Michiru Kaioh. Und das ist Urd, meine Nachhilfelehrerin in Sachen

Chemie."

"Ihr scheint gute Freundinnen zu sein."

Haruka blickte auf Michiru.

"Jaaaaaaaa....." meinte sie dann gedehnt.

Michiru sah etwas geschockt aus.

Nun entpackte Haruka jeden einzelnen Trick über's Frauen-Anbaggern, den sie aus Men's Health hatte (Ich weiß

das, weil ich das Magazin immer schnorre): Sie verstellte ihre Stimme in testosteronige Tiefen, so daß alle

noch etwas fröhlicher wirkten (außer Michiru). Dann befolgte sie auch den Tip "Schnecken stehen

auf Tierliebhaber", indem sie mich mal an sich drückte.

"Habt Dank für jene Gunstbezeugung, aber ich lieb' euch dennoch nicht, mein Herr." flüsterte

ich in ihr Ohr.

"Fotze." zischte sie zurück.

Michiru wurde mit zunehmender Späte immer verkniffener, und Haruka schien kurz davor zu sein, sich auf Urd

zu stürzen. Diese merkte das natürlich und fing an, mit der geschlechtslosen Bishonen - Imitation zu

spielen. Hemd aufknöpfen (Kein BH, versteht sich von selbst), Hand auf Hand, Beinwrestling, die ganze Palette.

Der Alkohol floß in unüberschaubaren Mengen, aber wir brachten Haruka dazu, uns einzuladen ("Frauen

stehen auf großzügige Männer"). Die einzigen, die noch halbwegs klar sahen, wer vor ihnen

saß, waren ich und wahrscheinlich noch Urd. Haruka hätte wahrscheinlich nicht mehr aufs Klo rennen können,

wenn sie hätte kotzen müssen, während Michirus glasiger Blick wohl wahrscheinlich zwei Urds wahrnahm.

Die Ausdauer, mit der sie mit gefletschten Zähnen auf ihre Rivalin blickte, ohne zu blinzeln, war fast unheimlich.

Ich versuchte, diese Situation zu entschärfen, schließlich war ich im September geboren und so, wie

Minako, eine waschechte Waage. Das bedeutete, daß ich hübsch war (kein Gel&aum,

wenn sie hätte kotzen müssen, während Michirus glasiger Blick wohl wahrscheinlich zwei Urds wahrnahm.

Die Ausdauer, mit der sie mit gefletschten Zähnen auf ihre Rivalin blickte, ohne zu blinzeln, war fast unheimlich.

Ich versuchte, diese Situation zu entschärfen, schließlich war ich im September geboren und so, wie

Minako, eine waschechte Waage. Das bedeutete, daß ich hübsch war (kein Gelächter, bitte), künstlerisch

begabt (Hey, haben Sie sonst schon mal einen Kater gesehen, der schreibt?) und gerechtigkeitsliebend (sonst hätte

ich meinen Job als soziales Chamäleon und Rocker nie aufgegeben, um beim MI6 zu malochen und würde heute

noch irgendwelche Passanten im Hyde Park verprügeln). Bei Mina hatte man die Gerechtigkeit vergessen, dafür

konnte sie aber gut singen und hatte eine beneidenswert schlanke Taille.

"Hey, Michiru." fing ich an. Ich hatte noch keine Ahnung, wie ich ihr beibringen sollte, daß Urd

hübscher war als sie und daß selbst die doofe Haruka das bemerkte, aber irgendwie mußte es gehen.

"Hm?" knurrte sie mich an.

"Ich will ja nicht nölen, aber wie wär's, wenn du Haruka irgendwie klarmachst, daß sie dich

doch besser mehr ansehen soll, unter'm Tisch quasi. Und wenn dir das zu heavy ist, dann leg doch deine Hand auf

ihre oder so was. Ihr seid doch sonst nicht so schüchtern." flüsterte ich und setzte geistig hinzu

"Wenn's darum geht, Leute abzuschrecken."

(Anm.d.Autors: Hm, mir gefällt die Richtung, in die sich diese Szene bewegt, ganz und gar nicht. Vielleicht

sollte ich manches einfach ausblenden.)

Nun, Michiru nahm meinen Vorschlag lächelnd zur Kenntnis. Zwar war ich der Meinung, daß sie was besseres

als Haruka verdient hatte, aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich.

Michiru streckte sich etwas, wobei man - natürlich ganz zufällig, in ihren Ausschnitt sehen konnte, was

einen Kellner neben uns zu Boden gehen ließ.

Technischer KO, sozusagen.

An einem kaum wahrnehmbaren Beben des Tisches merkte ich, daß sie ihre schon fast eklig langen Beine in Richtung

ihrer Lovemachine ausstreckte.

Ein Zucken Harukas und ein darauf folgender seliger Gesichtsausdruck zeigte, daß Michiru ihr Handwerk, Verzeihung,

Fußwerk, wohl verstand.

Haruka sabberte. Trotz dieser Abomination auf Gottes Erde kuschelte ich mich in mein eigenes Fell und suhlte mich

in meinem Gerechtigkeitsempfinden, dem nun mal wieder Genüge getan worden war.

Andererseits, war es gerecht, daß Doofnuß Haruka die stramme Michiru kriegte? Es war wohl Gottes Wille.

So eingedickt in gutem Gewissen döste ich davon, zumal ich die Augen verschließen wollte, vor dem, was

sich Michiru da antat.

"Oh wie süß! Artemis ist betrunken und eingenickt!" seufzte Minako.

Nein, nein, nein. Irgendwer im Himmel gönnte mir heute wohl meinen Schlaf nicht. So erwachte also wieder der

Macho in mir, und ich öffnete die Augen, um der Flasche wieder etwas zu huldigen.

"Ich bin nicht besoffen." murrte ich Minako an.

Haruka hatte inzwischen echte Probleme, sich zwischen Sexbombe Urd und ihrer einzige wahren Liebe (bisher), Michiru,

zu entscheiden. Es bereitete mir tierisch viel Spaß, ihr dabei zuzusehen.

So tranken wir also weiter, während Urd sich ins Fäustchen lachte und uns niedere Wesen (das stand in

ihrem Blick) beobachtete. Mann, was für eine Nacht.

Schließlich standen nur noch ich und Urd.

Minako sabberte friedlich die Tischplatte voll, und Michiru versuchte Haruka aus dem Alkoholkoma zu bekommen, weil

sie alleine nicht mehr laufen konnte.

Tja, die alten Wikinger wären auf unseren Verbrauch an Gebranntem und Gebrautem stolz gewesen. Ich machte

mir ernsthaft Sorgen, ob Haruka's Portemonnaie diesen Nierenschlag verkraften würde.

"Oje." sagte Urd "Artemis, ich schätze, du mußt mir sagen, wo Minako wohnt."

"Miau?" versuchte ich, sie zu täuschen, obwohl man schon so dumm, wie Haruka sein mußte, um

bisher noch nicht mitgekriegt zu haben, daß ich sprechen konnte.

Mit einer überraschenden Kraft hob Urd Minako, die sich fallen ließ, wie eine nasse Haruka, vom Sitz,

und trug sie Richtung Ausgang.

Die Nacht schien mir noch nicht zu Ende. Noch lange nicht. Und jetzt fragte ich mich zum ersten Mal, wieso ich

Tage habe, an denen ich mich anhöre wie ein manteltragender Held aus einem Film Noir.
 

******

Um ungefähr 3:00 Uhr früh, also mitten in der Nacht, kamen wir bei Minakos Haus an. Inzwischen hatte

Urd erfahren, daß ich ein sprechender Kater war und eine Vorliebe für schwarzhaarige Schlampen hatte.

Mehr aber nicht. Man mußte schließlich nicht jedem auf die Nase binden, daß man vom Mond stammt,

als es dort noch ein Königreich gab, das schon lange untergegangen war, noch bevor die glorreichen Türme

von Atlantis die Wolken zerstießen und die barbarischen Horden von Hyperborea die Ozeane rot mit dem Blut

der Magier von Mu färbten.

"Hier?" fragte Urd.

"Hm-hm." Ich nickte.

Ich betete, daß Minako Mam schon in Morpheus' Armen lag - oder in wessen auch immer, Hauptsache wir hatten

auf dem Flur freie Bahn.

Urd tippte an das Schloß, und die Türe schwang geräuschlos auf. Offenbar war sie doch mehr als

die durchschnittliche femme fatale, die ein Author ins Fanfic bringt, weil ihm nichts Besseres einfällt.

Auf Zehenspitzen schlichen wir in Minakos Schlafzimmer.

Ich konnte auch übermüdet sein, aber es sah einen Moment so aus, als würde Urd 2 Millimter über

dem Boden schweben.

"Geschafft." hauchte ich, als Urd die Tür geschlossen hatte.

Diese hatte Minako inzwischen auf's Bett gelegt und kreiste ihren Kopf mit einem Knacken.

"Hä, hä. Die wird morgen einen ganz schönen Kater haben." grinste ich, und diese Erkenntnis

war das Einzige, was mich den Alkohol, der in meinem Gedärm rumorte, vergessen ließ.

"Artemis, dreh' dich um." sagte Urd.

"Hä?"

"Na, soll sie in dem Fummel da schlafen? Ich muß sie in ihren Schlafanzug stecken."

"Lady, jetzt übertreiben sie." motzte ich "Wir kennen uns schließlich seit Jahren!"

Urd zuckte mit den Schultern und fing an, Minako zu entkleiden. Dann zog sie ihr den Schlafanzug an, wobei sie

Minakos Gewicht nicht weiter zu stören schien. Na gut, sie war nicht gerade schwer, aber 45 Kilo mit einer

Hand und ausgestrecktem Arm - da tat mir persönlich schon vom Zuschauen die Schulter weh.

"Hm. Nicht schlecht." grinste Urd, als sie Minakos Brüste sah.

"Sie sollten mal ihre Freundin Makoto sehen...." grinste ich verträumt.

"Die, der der Freund weggelaufen ist?"

"Sagen Sie bloß, Makoto nervt Sie auch dauernd!" sagte ich erstaunt.

"Nicht direkt. Nenn' mich einfach gut informiert. Außerdem kannst du mich duzen, ich tu's ja auch."

"Okay, Frau Informiert. Ich leg' mich auf's Ohr, die Tür finden S... findest Du ja auch alleine. Nacht."

Ich legte mich hin, wobei allerdings die Körperwärme eines zusätzlichen menschnegroßen Wesens

im Zimmer meinem Schlaf nicht gerade zuträglich war. So konnte ich folgenden Dialog verfolgen:

"Wo bin ich?" lallte Minako.

"Daheim. Jetzt schlaf." antwortete Urd und stand auf.

Dem folgenden Geräusch entnahm ich, daß sich Mina wieder an Urd festgeklammer hatte.

"Ich liebe dich." lallte Minako weiter.

"Is' klar." meinte Urd.

Oh Gott, noch so eine Soap Opera. Naja, wenigstens zwei Frauen.

"Du nimmst mich nicht ernst." weinerte Sailor V.

Urd seufzte irgendwas, und dann zog Minako sie mit ins Bett.

"Jetzt reicht's aber, Minako! Es ist wirklich heiß genug hier drin, da mußt du nicht auch noch

heiß werden!" zischte ich, denn im bett wurde es inzwischen so warm wie unter der Motorhaube eines Trucks

in Wyoming.

Minako antwortete nicht, sondern kuschelte sich lediglich enger an Urds wohlgeformten Körper, und das in einer

Art, daß ich auf Urds Rippen keine Versicherung mehr abgeschlossen hätte.

"Mir reicht's. Ich schlaf' auf dem Dach!" verkündete ich und sprang aus dem fenster.

Dann kletterte ich die Dachrinne hoch. Hier draußen war es zwar hell, aber wenigstens ruhig und etwas kühler.

Auf dem Dach saß eine bekannte Gestalt.

"Mamoru?" fragte ich ungläubig "Was...?"

"Usagi und Rei." grummelte er.

"Ich verstehe."

Stille.

"Nacht, Artemis."

"Nacht, Mamoru."
 

******

"Boss! 'S gibt in ganz Altbayän keine Pilze mehr!" rief Jacobite, den Tränen nahe.

"Ha! Suach weida! De Schwammärl san dös Wichtigste!"

"Ei, Boss! Was sinne eigentlich Paradeiser?"

"No, Paradeiser eben!"
 

******

Am nächsten Morgen fühlte ich mich, als hätte man mich mit einer Gitarrensaite erwürgt. Ich

ließ Mamoru noch schlafen, denn er hatte eine harte Nacht hinter sich und sah wirklich fertig aus. Selbst

im Schlaf hatte er noch den Gesichtsausdruck eines Mannes, dem man etwas, was er lange nicht wahrhaben wollte,

ohne Rücksicht auf Verlust ins Gesicht gesagt hatte.

Ich kletterte also die Dachrinne hinab, und da ich Minakos Zimmer erstmal meiden wollte, hüpfte ich in die

Küche.

"Morgen." begrüßte mich Urd.

Sie sah ziemlich ausgeschlafen aus, und trug nur einen weißen Spitzenslip und ein Herrenhemd. Wenn ich nicht

so kaputt gewesen wäre, hätte ich wohl wieder gesabbert, aber diesmal hätte ich wohl kaum wieder

aufgehört. Jemals.

Urd ging zum Kühlschrank.

Kaum hatte sie ihn geöffnet, als Minakos Mutter hereinkam.

"Mein Gott..." murmelte ich zu mir selbst.

"Oh, guten Morgen. Sie müssen Minakos Mutter sein." lächelte Urd.

Minakos Mutter lächelte nicht. Sie sah genaugenommen eher aus, als wolle sie Urd abknallen, wenn sie eine

Waffe hätte, aber so beschränkte sich die Gewalt, Verwirrtheit und die Enttäuschung einer 38-jährigen

Massenmörderin auf ihre Augen.

"Ich bin...." fing Urd an, aber da war Mam schon wieder verschwunden.

"Da gibt Ärger." weinte ich "Und so früh am Morgen! Was hab' ich denn nur verbrochen!"

"MINAKO!" hörte man Mam bis hier runter brüllen "WER IST DIESES MONSTER IM HERRENHEMD?

UND WO HAT SIE DAS HEMD ÜBERHAUPT HER?!"

"Oje. Sie reagiert leicht über, was?" fragte Urd.

Also, wenn ich meine 14-jährige Tochter in Verbindung mit einem halbnackten Pornostar antreffen würde,

würde ich vielleicht, möglicherweise, auch ein bißchen überreagieren. Insofern war Mams Reaktion

vollkommen verständlich.

"Ich denke, ich sollte versuchen, die Wogen etwas zu glätten." seufzte Urd.

"Ich denke, daß ist keine gute Idee...:" warf ich ein.

"Hey, Kleiner, vertrau mir. Ich mach das nicht zum ersten Mal." grinste Urd selbstsicher.

"Ach ja? Seit wann darfst du mich Kleiner nennen?" Langsam wurde mir diese Frau suspekt.

Und mal ganz abgesehen davon hatte sie mich an meiner empfindlichsten Stelle gepackt. Meiner Größe.

Und da durfte mich keiner packen. Jetzt war ich beleidigt, und das würde ich sie auch spüren lassen.

Natürlich, Urd rangierte für mich auf der Liste der Personen, mit denen man sich besser nicht anlegt,

es sei denn, man möchte seine eigenen Schmerzgrenzen erforschen, oder das Leben ist einem sowieso nichts mehr

wert. Zu diesen Personen gehörten auch Rubeus und der Michellin-Reifen-Mann.

Urd also ging nach oben, und ich vermutete im Stillen, daß sie jeden Moment von Mam wieder runtergescheucht

werden würde.

Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Also stieg ich die Stufen hinan und setzte mich heimlich, still und leise an die Türschwelle.

Wie erwartet hatte Minako zwei Kater (mich und den alkoholinduzierten), und so antwortete sie etwas unverständlich

auf die Keifereien ihrer Mutter.

Gut, zu ihrer Verteidigung muß ich sagen, daß Urd nicht unbedingt der Umgang wäre, den ich mir

für meine Tochter wünschen würde..... jedenfalls nicht, wenn sie nur ein Herrenhemd und 'nen Schlüpfer

trägt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man streitende Frauen besser alleine läßt, und so machte ich

einen Spaziergang zum nächsten Internet Café, wo ich zum SMOF - Chat surfte, wo man mich allerdings

schon mal rausgeschmissen hatte (wegen meiner Vulgärsprache. Ich wollte da jemanden "in den ArXXX treten"),

und verbrachte so frohe Stunden mit dem Beschimpfen des Generalstabs der deutschen Moonies.

(Anm.d.Authors: Nehmt mir das jetzt nicht übel. Ich bin müde.)
 

******

"Paradeiser? Hammer net." meinte der Bayer hinter dem Tresen.

Jacobite war verzweifelt. Er konnte nirgendwo die Schwammerl, geschweige denn diese ominösen Paradeiser, auftreiben.

Vielleicht hätte es ihm geholfen, wenn er mehr über dieses Stoffe gewußt hätte, als ihren

Namen.

"Versuchen's 's moi im Gmüaslodn. Des hier is a Schreibwornlodn." meinte der Verkäufer.

Na gut, es stand zwar "Schreibwarenladen" auf dem Schild, aber die Einheimischen wußten es wohl

besser.

Aber was war ein "Schreibworn"? Und noch wichtiger, was war ein "Gmüas"?
 

******

Ich kam nach Hause, da man mich wieder aus dem Chat geschmissen hatte. Das Haus stand noch, was ein gutes Zeichen

war.

"Mam hat Urd rausgeschmissen!" heulte Minako.

"Das Leben kann so grausam sein." grinste ich, da ich jemanden, der mich klein nannte, ungefähr

so viel vermisste, wie eine Magenverstimmung.

Minako schniefte nur. Offenbar ging es ihr ziemlich nahe, und das Statement, das sie gestern abend abgegeben hatte,

war nicht nur aus Rausch und Hineinsteigern entstanden.

Aber war das mein Problem?

"Artemis, du mußt mir helfen!"

Oh ja. Es war mein Problem.

Aber wer war ich, ihrer Mutter zu widersprechen?

"Hör mal, Minako, deine Mutter wird sich schon was dabei gedacht haben. Vielleicht hat sie ein bißchen,

äh, überreagiert, aber wer kann ihr das verdenken?"

"ICH!"

"Also, Minako, weißt du....."

Ich suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, die Story weiterzuführen. Irgendwie mußte es doch

eine Möglichkeit geben.....

Da klopfte es an der Türe.

"Hallo?" fragte Makoto, als sie ihren Kopf reinsteckte.

"Hallo." schniefte Minako.

"Hey Mina, was ist denn mit dir los? Gestern warst du noch das blühende Leben."

"Weißt du, Mako, ich hab' mich verliebt...."

"Aha. Glückwunsch." grinste Makoto.

"Aber sie....."

"SIE?!" fragte Makoto halb erschreckt "Doch nicht etwa Haruka?"

"Gottseidank nicht." meinte ich.

"Meine Nachhilfelehrerin. Und Mam hat etwas in den falschen Hals gekriegt...." erklärte Minako.

"Ihre Frau Nachhilfelehrerin stand halbnackt in der Küche...." verbesserte ich.

"Moemnt, moment mal!" Makoto hielt sich den Kopf "Minako hat was mit ihrer Nachhilfelehrerin...

die halbnackt in der Küche stand.... Jedenfalls, wenn ich das richtig auf die Reihe kriege."

Wir nickten.

"Ihr erwartet doch nicht, daß ich euch das abkaufe?"

Wir nickten.

"Oh Mann." seufzte Makoto.

"Außerdem hab' ich sie wohl etwas..... begrapscht...." sagte Minako beschämt und drückte

ihre Zeigefinger zusammen.

"Sehr gut gesagt. Wahrscheinlich hat sie immer noch Druckstellen." motzte ich.

"Ich war betrunken!" verteidigte sie sich.

"Kann ja.... jedem mal passieren." lächelte Makoto, aber die große Schweißperle auf

ihrer Stirn verriert, daß sie Minako nur beruhigen wollte... oder eifersüchtig war.

"Dir ist doch klar, daß ich jetzt sehr viel Liebe brauche." schluchzte Minako.

"Oooooohhhh." Machte Makoto und wiegte sie etwas ihren Armen.

"Danke, Mako." lächelte Minako.

"He, ich habe auch etwas Liebe nötig." schnurrte ich.

"Vergiss es." meinten Mina und Mako im Chor.

"Also, Minako, wenn du eigentlich schuld an diesem ganzen Zeugs warst, dann solltest du vielleicht deiner

Mutter das erklären." sagte Makoto dann.
 

******

Es klopfte. Belldandy ging zur Tür.

"Hallo." lächelte sie eine halbnackte Urd an.

Genaugenommen war das einzige, was sie trug ein Slip und ein ungebügeltes Herrenhemd.

"Urd... was ist passiert?" fragte Belldandy.

"Frag' lieber nicht."

Urd ging direkt zum Kühlschrank und nahm eine Dose Bier heraus, die sie runterschüttete.

"Wah! Urd, tu' dir was über!" kreischte Keiichi, als er sie sah.

"Was denn los, Kei? Noch nie 'ne nackte Frau gesehen?" fragte Urd uninteressiert.

"Nein, ich meine ja! Ich meine...."

Belldandy sah ihn etwas seltsam an.

"Ahhh!" Keiichi hielt sich den Kopf.

Banpei sah das als Gefahrenquelle an und benutzte sein neues Wasserwerfer - Programm, wobei er die Küche dem

Erdboden gleichmachte.

"Ein ganz normaler Tag. Wie schön." dachte Urd.

Da klopfte es erneut.

"Ja bitte?" fragte Belldandy.

Vor der Tür stand ein fast glatzköpfiger, sehr braungebrannter Typ mit Brille und einer bös aussehenden

Uniform. Er hatte einen schwarzen Halbmond auf der Stirn.

"Ei, Gude." begrüßte er sie "Haben Sie Schwammerl oder Paradeiser?"

"Bitte?"

"Ach veagesse' Sie's. Gruß daheim."

Er drehte sich um und löste sich langsam in Luft auf.

"Wer war das?" fragte Urd.

"Urd, was sind Schwammerl und Paradeiser?" fragte Belldandy irritiert.

"Pilze und Tomaten." antwortete Urd und nahm einen weiteren Schluck Bier "Österreichischer

Dialekt."

"Komisch, er klang eher nach Hesse." murmelte Belldandy.

Sie schloß die Türe, und sofort klopfte es wieder.

Belldandy öffnete wieder; Urd fragte sich, wie sie so ruhig bleiben konnte.

"Hal...." fing Belldandy an, doch da ergriff sie der junge blauhaarige Mann schon am Kragen.

Er trug eine blaue Jacke mit Saphirpins und weiße Hosen, so daß er aussah, wie vom Love Boat. Außerdem

hatte er auch einen schwarzen Halbmond auf der Stirn.

"Wou is' Diamänd?" fragte er verzweifelt und schüttelte Belldandy ordentlich durch "Där

Wiseman - äa will uns b'schaißen!"

"Bitte?"

"Diamänd!" er schüttelte sie noch etwas heftiger "Wo is' Diamänd!"

Dann war es Urd genug und sie trat ihm von der Seite gegen den Kopf, ohne Belldandy zu treffen.

"Hey, Kei! Ich möchte nur EINMAL sehen, daß DU irgendwelche Typen, die Bell zu nahe kommen, umhaust!

Warum muß daß immer ich machen?"

"Was ist?" rief Kei von weiter hinten im Haus.

Inzwischen hatte sich der junge Mann wieder aufgerappelt und bemerkte, daß er hier wohl an der falschen Adresse

war.

"Diamänd! Diamänd!" rief er und verschwand.

"Armer Mensch." seufzte Belldandy.

Urd hingegen sah ihr Bier mißtrauisch an und prüfte das Verfallsdatum.

Keiichi kam mit einem Schraubenzieher im Mund aus seiner Werkstatt.

"Also Urd, wenn soll ich umhauen?" fragte er.

Urd ließ eine tiefen Seufzer heraus und schloß die Tür.

Dann klopfte es wieder.

"Zur Zeit passiert ein bißchen viel von diesem Twilight Zone - Zeug." murmelte sie.

Draußen stand Belldandy, sah die Belldandy an, die neben Urd stand, zuckte mit den Schultern und verschwand

mit einem hörbaren "Plopp!"

"Ha...hast du das auch gesehen?" fragte Urd.

"Was?" fragte Keiichi.

Urd schmiß die Bierdose hinter sich, wo sie von Banpei und seinem Müllmann - Programm aufgesammelt wurde.

"Ich leg' mich hin."

Da klopfte es nochmals. Urd schloß eine leise Wette mit sich selbst, wer es diesmal sein könnte. Sie

tippte auf die 3 Geister der Weihnacht, oder auch Jack Nicholson.

Aber sie verlor die Wette, denn es war Minako.

Sie verbeugte sich und sag beschämt aus.
 

******

"Ich wollte mich entschuldigen, für gestern Nacht. ich bin normalerweise nicht so."

"Ja, genau." murmelte ich.

Irgendwie war es mir unangenehm, Minako so unterwürfig zu sehen. Immerhin war sie ja eine Sailorkriegerin.

"Was war denn gestern Nacht?" fragte Belldandy Urd.

"Ich bin mir nicht sicher, ob du das genau wissen willst....." lächelte diese.

"Ich, äh, war etwas, naja, betrunken, und habe, ähm...." stotterte Minako "Verzeihen sie

mir, Urd-sama?"

"Schleim, schleim." dachte ich.

"Ja klar. Aber hör' auf, mich zu siezen. Man kommt sich ja vor, wie im Ministerium."

Minako war glücklich, das merkte man an ihrem Lächeln, wobei sie nur die oberste Zahnreihe entblößte

(so wie Al Bundy). Das tat sie nur, wenn sie glücklich war.

"Also, dann bis nächsten Freitag." sagte Urd "Chemische Elemente, nicht vergessen."

"Jahaa!" sang Minako förmlich.

Dann tänzelte sie nach Hause. Irgendwie kam ich mir ein bißchen blöde vor, weil ich mich als Zyniker

nicht für sie freuen konnte. Vielleicht war ich wegen Haruka, Michiru und Freddie Mercury allerdings auch

schon etwas vorgeschockt, was homoerotische Beziehungen anging. Und von meinem Gefängnisaufenthalt, nicht

zu vergessen (20 Jahre lang war ich die Braut von einem gewissen Johnny, einem 2 Meter Riesen mit Einzelkämpferausbildung.

Zum Glück war ich besser, so daß unsere Ehe nur auf Papier besteht).

Minako hingegen war, wie gesagt glücklich wie ein Backfisch. Und das, obwohl sie vor zwei Stunden vor ihrer

Mutter sämtliche Schuld auf sich geladen hatte, was ein für sie sehr ungewöhnliches Märtyrertum

darstellte, vor allem da die voraussehbaren 6 Wochen Stubenarrest und Internetverbot auch prompt eintrafen.

Aber die Menschen sind ja dafür bekannt, welchen Mist sie bauen, wenn sie verliebt sind, und daß sie

dafür dann alle möglich Entschuldigungen finden.

Als Kater hat man es da weitaus besser.

So gingen wir also nach Hause. Minako balancierte auf allen Möglichen Zäunen und Mauern, was ich gut

fand, da ich ihr da unter den Rock schauen konnte. Die Anwohner hingegen fanden es weniger lustig, und einer, ein

passionierter Jäger, hatte sogar eine Ladung Schrot für uns übrig.

Aber heute konnte Minako durch nichts aus ihrer kindlichen Freude gerissen werden. Sie fluchte sogar mit einem

Lächeln auf den Lippen, und als wir daheim ankamen, ging sie freiwillig in ihr Zimmer, wo sie dann wieder

ihr Kissen an sich drückte.

Langsam machte ich mir Sorgen. Normal war sie ja noch nie gewesen, aber DAS?!

Außerdem befürchtete ich ein baldiges Ende jenes Glücksgefühls, denn wie hatten es schon die

mittelalterlichen Barden ausgedrückt?

"Lib one Leyd mag nit sin."

Für die weniger medievalistischen: Liebe ohne Leid kann net sein.

Für mich als Zyniker, sowie für den Rest der nichtverliebten Menschheit war das eigentlich klar, bloß

die Verliebten kriegten es irgendwie nie mit, und stürzten dann prompt in ein tiefes Loch.

Da kam ohne Vorwarnung plötzlich Usagi reingestürmt und fing an, Minako gewalttätig zu schütteln.

"MINAKO!" rief sie "DU MUßT DAMIT AUFHÖREN! Es gibt doch genug nette Jungs.... Du endest

noch, wie Rei!"

Offenbar hatte Makoto gepetzt. Aber Usagi mußte gerade reden: Wenn sie nicht mit Mamoru zusammen wäre,

wäre sie garantiert Harukas Seitensprung. Was fanden eigentlich alle an der? Wahrscheinlich mußte man

dazu ein Mädchen sein.

Abgesehen davon, hatte mir Mamoru ja gestern Nacht einige pikante Details über Usagi und Rei erzählt.

"Usagi, und wie war das mit Rei und dir gestern Nacht?" fragte ich.

"Artemis, du sollst mir nicht immer in den Rücken fallen!" beschwerte sich Usagi "Außerdem

war ich betrunken!"

"Oh, Verzeihung Majestät." sagte ich und machte einen Diener.

Warum mußte ich eigentlich von lauter Homos umgeben sein? Ich muß mal ein Wörtchen mit Naoko reden....

Frauen sind ja noch ästhetisch, aber Männer.... wäh! Und Haruka - doppelt wäh!

"Also, Minako, auf jeden Fall werden wir dich in allem, was du tust, unterstützen..... auch wenn es unmoralisch

und abnormal ist."

"Da bin ich froh." sagte Minako, aber ihr Ton verriet, daß sie es nicht war.

Klar, wer wäre schon froh, wenn Usagi ihn unterstützt? Mamoru und Rei mal ausgenommen.
 

******

"Ogottogottogott!" machte Jacobite.

Er hatte bisher weder Gmüaslädn, Schwammerl, noch Paradeiser gefunden, ja, er wußte nicht mal,

was diese Dinge überhaupt waren. Da half nur eines: Rubeus hinhalten.

"Ei, Boss!" lächelte er verschlagen.

"Jå?"

"Ei, isch hab' des Zeusch ausfindig g'macht."

"Primå!" rief Rubeus.

"Aber, äh, de Lieferung, de dauert a bissel."

"Ha! Wie longe?"

"Ähm.... 2 Woche'?"

"Wås?!" tobte Rubeus "Dös is ja da rainste B'schiß! Da heast ma uff!"

"Und was solle ma denn da mache'?"

"Ha! Ärstmoi müaß ma den Diamänd hinhoitn! Dann schaug' mer weida!"

"Diamänd! Wo is' Diamänd!" rief Saphir, der ohne besonderen Grund in die Szene lief, und übrigens

schon ganz heiser war.

"Ja, schaug I aas, ois ob I des wüaßt?" fragte Rubeus den Bruder des Prinzen.

"Rubäus, du mußt mir helfen! Der Weismän! Er will uns betrügn!"

"Hua! Dös woaß I längst, aba dea Diamänd glaabt dir dös nie!"

"Wir müssen was tun!" weinte Saphir.

"Jetzat loß di net so gehn! Geh' ma erstamoi aan saafen, dånn schaug mer weida."

"Ja, okay." schniefte Saphir.
 

******

Die nächste Nachhilfestunde ging schleppend vor sich, was auch an dem deprimierenden Sommergewitter liegen

konnte, das sich über Tokyo ergoß. Mein Instinkt sagte mir, daß nur das Böse für ein

solches Wetter verantwortlich sein konnte.

Denn dieses Gewitter war übellaunig, das wußten halbwegs intelligente Wesen, wenn sie gen Himmel sahen.

Ich hatte ihm schon einen Namen gegeben: "Wolfgang", nach Minakos senilem Sportlehrer. Das hatte dem

Gewitter wohl nicht gefallen, denn kurz, nachdem ich ihm seine Taufe bekanntgegeben hatte, schüttete es mit

einer Macht, die an unnützer Gewalt bestenfalls dem neuen Van Damme - Film gleichkam.

Vielleicht lag Minakos Unfähigkeit, selbst die simpelsten Formeln zu Papier zu bringen auch daran, daß

sie, wie üblich, gegen eine Naturgewalt in einem Volleyballduell verloren hatte. Diese Naturgewalt trug den

Namen Walküre vom Bismarck und war mit 230cm Stockmaß die größte 14 Jährige deutsche

Austauschschülerin, die das Junior College jemals beglückt hatte. Sie hatte eine Schulterbreite von (offiziell

bestätigten) 160cm, Pickel auf dem Rücken und eine so tiefe Stimme, daß selbst die toughen Jungs

aus der Abschlußklasse sich in die Hosen machten, wenn sie nahte.

Ihre Eltern waren erzkonservativ, prä-'42, wenn ich mal so sagen darf, weswegen Walküres Nacken auch

immer sauber ausrasiert war. Sie war bei einem glatzköpfigen Typen untergekommen, dessen richtigen Namen keiner

wußte, und der im Junior College nur als Siegfried bekannt war. Dieser hatte in seinem Spind ein Bild eines

bekannten deutschen Asozialen hängen (Und damit meine ich nicht Guildo).

Auf jeden Fall, Walküre war eine Sportskanone sondergleichen (lag vielleicht an den Pillen die sie schluckte),

und berühmt für ihre Erfolge im Herrenfußball, im Boxen und im Volleyball.

Sie war in jeder Hinsicht das Gegenteil von Minako: Häßlich wie die Nacht, kurzhaarig, durchtrainiert,

und unbeliebt (sie haßte es, sich mit den "asiatischen Untermenschen" abzugeben), obwohl sie mich

als "arischen Bruder" grüßte (Bin halt weiß geboren). Allerdings war sie noch viel blöder.

Außerdem hatte sie ein AGS - Syndrom.

Nun, Minako verlor regelmäßig im Volleyball gegen sie, was sie sehr wurmte, aber zeigte, daß auch

den Bösen so manches Mal ein Sieg gegönnt ist.

Und deshalb war Minako nach Sport immer ein wenig unausgeglichen. Aber das nur am Rande.

Wie gesagt, die Nachhilfestunde wollte nicht so recht laufen und kam dann auch zu einem eher unbefriedigenden Ende.
 

Urd hatte natürlich Verständnis für Minakos schlechte Laune, und so beließ sie es bei einigen

mahnenden Worten.

Dann schickten wir uns an, zu gehen. Nun änderte sich Minas Laune schlagartig, und man sah ihr an, daß

sie lieber noch eine Stunde Chemie büffeln würde, als a) von Urd getrennt zu sein und b) durch die monsunartigen

Sturzbäche nach Hause zu laufen.

Sie wartete förmlich auf ein göttliches Zeichen, vielleicht einen Engel oder so was.

Als nach 10 Minuten das göttliche Zeichen immer noch auf sich warten ließ, seufzte sie schwer, nahm

sich murmelnd vor, in Reis Schrein das nächste Mal etwas mehr zu opfern, und nahm ihren Regenmantel.

Als sie jedoch vor die Tür trat, fuhr ein Blitz 2 Meter vor ihr in die Erde.

Erschreckt sprang sie einen Satz zurück und riß Keiichi (den Jüngling mit dem verstrubbelten Haar)

mit sich zu Boden.

Ich konnte mich täuschen, aber ich hatte den Eindruck, als ob der Brandfleck einen Pfeil darstellte, der in

den Tempel zeigte, und unter dem stand:

"Dann bleib' doch in Rambos Namen bei ihr, Minako."

Und zwar in Kanji. Wenigstens auf die Götter war heutzutage noch Verlaß.

"Ähm." meinte Minako zu Belldandy und drückte ihre Zeigefingerspitzen gegneinander.

"Na gut." lächelte diese "Du kannst natürlich die Nacht über hierbleiben."

Minako grinste glücklich und ging, um ihre Mutter zu benachrichtigen. Ich bezweifelte, daß ihr das gefallen

würde, aber was sollte sie schon machen, zumal in den Nachrichten gerade gesendet wurde, daß der Chiba

Distrikt durch alle möglichen Katastrophen von der Außenwelt abgeschnitten war. Normalerweise war das

Schicksal nicht so direkt.

Ich blickte zu Urd, doch diese grinste nur geheimnisvoll zurück.

Seltsam, sehr, sehr seltsam. Wahrscheinlich war sie vom Dunklen Königreich oder sowas. Aber Minako und ich

hatten schon Schlimmeres überlebt.
 

******

"Mei Brins, mia hom a Problem. Aas maim Plån wiad doch nix."

"Nghaaaaa!" stöhnte Prinz Diamond "Nicht genug, daß mein Bruder mit einer Alkoholvergiftung

in der Krankenstation liegt..."

"Mei, da Bua vetraagt hoid nix." zuckte Rubeus mit den Schultern.

"Also, wie war das jetzt mit deinem Plan?" wechselte Diamond das Thema.

"Oiso, mia kriag'n des Zeig, des ma braichtn, nimma rächtzeidig. Dös haißt...."

"Was?"

"Plån B."

"Plan B? Was ist Plan B?"

"Mia schickern ernah an nein Youma."
 

******

Während Minako mit stiller Vorfreude darauf wartete, daß Urd das Zimmer betrat. räkelte ich mich

auf dem mir zur Verfügung gestellten Kissen.

Minako hatte es in einem seltenen Anfall von Intelligenz geschafft, die Bewohner des Hauses davon zu überzeugen,

daß gar kein anderes Zimmer als das von Urd für ihre Übernachtung in Frage käme. Ich stellte

mich dem natürlich nicht in den Weg, schon allein weil Keiichi irgendwie immer so aussah, als würde ihn

ein unnatürlicher Vorfall wie ein sprechender weißer Kater in den schon lange an seine Haustür

klopfenden Wahnsinn treiben.

Ich fragte mich, wie Belldandy es mit so einem Häufchen Elend aushielt, aber möglicherweise lag das nicht

in seinen Genen, sondern an Urd und Skuld, Belldandys niedlicher aber nerviger kleiner Schwester. Da sie ständig

einen Hammer mit sich herumtrug, sagte ich ihr das besser nicht ins Gesicht.

Aber zurück zur Geschichte. Wir saßen also in Urds gemütlichem Zimmer, Minako auf einem Futon (auf

dem sie, jede Wette, nicht die Nacht verbringen würde), ich auf dem Kissen, während wir der Dinge harrten,

die da kommen mochten. Ich hoffte, daß es eine Schale Milch mit Whiskey war, Minako bestand aber auf Urd.

Und Minako sollte auch recht behalten, denn nach einer halben Minute kam Urd rein, die sogar noch weniger trug

als sonst: Ein Neglegé (Anm.d.Autors: Schreibt man das so?) mußte für die Nacht reichen, obwohl

es ziemlich luftig aussah (aber jede Wette, sie würde es eh nicht lange anbehalten).

Mein Instinkt rief mir zu, daß die perversen Hardcore Pornos, die sich Mutoki immer anschaute, genauso anfingen,

bloß, daß da statt mir immer noch der Bruder / Bodybuilder / Haushund mit anwesend war. Mutoki sah

sie sich immer mit seiner Schwester und dem herzkranken Vater an - Family Entertainment, aber vielleicht wollten

sie auch nur schnell erben.

"Was starrt ihr so?" riß Urd mich aus meinen Gedanken.

Ein Blick auf Minakos Gesichtsausdruck verriet mir, daß sie auch gerade an Pornos gedacht hatte.

Urd warf sich ins Bett.

"Sagt mal...." sagte sie, als wir sie immer noch anstarrten.

"Gute Nacht." meinte ich und rollte mich zusammen. Natürlich hielt ich die Ohren gespitzt, denn

ich wollte mir Minakos Annäherungsversuche nicht entgehen lassen.

Verdammt, ich hatte meine Spicecam vergessen. Machte nichts, mußte ich mich eben auf mein photographisches

Gedächtnis verlassen. Es würde mir gute Dienst in diesen einsamen Nächten auf See erweisen.

Urd schnippte mit den Fingern worauf das Licht aus, und einige strategisch gut plazierte Kerzen an gingen. Ein

weiterer Schnipper und der CD Player fing an, sanfte Musik zu spielen.

"Mann, wie macht sie das?" dachte ich, aber ich sagte: "Miau."

(Anm.d.Authors: Legen Sie nun ihre schummrige Lieblingsmusik auf - der Author empfiehlt 4000 Rainy Nights von Stratovarius,

zu finden in der Heavy Abteilung des CD Händlers ihres Vertrauens. Ach ja, das wird jetzt nicht Hentai. Höchstens

näherungsweise.)

In dem schummrigen Licht konnte ich als Kater gut sehen wie Minako mit Schlafzimmerblick aufstand und sich zu Urd

begab. Als hätte diese schon darauf gewartet umarmten sie sich und Minako gab ein halb schnurrendes, halb

stöhnendes Geräusch von sich.

Ein seltsames Gefühl machte sich in meiner Zwerchfellgegend breit. Und nein, es war nicht Gelächter,

das wartete, herausgelassen zu werden.

Lange Zeit hielten sie sich still, bis Minako wieder die Initiative übernahm und Urd küsste, wie letztes

Mal. Dieses Mal aber erwiderte Urd den Kuss leidenschaftlich

In dem dämmrigen Kerzenlicht bedeckte Urd Minakos Anlitz mit Küssen, und diese drückte sie noch

fester an sich. Minakos Augen waren halb geschlossen und sie lächelte wie in einem Traum, aus dem man nicht

gerne aufwacht.

Die beiden schienen mich vergessen zu haben. Hä, hä.

Urd drückt Minako sanft in eine liegende Position. Dann legte sie sich auf sie und küsste sie nochmals.

Minakos Reaktion darauf war, sie mit Armen und Beinen zu umarmen.

Nach einiger Zeit rollte Minako sich dann in die entgegengerichtete Position, so daß sie auf Urd lag. Sie

legte ihren Kopf auf ihre Brust und schloß die Augen. Sie seufzte glücklich.

"Ich hab' dich lieb." schnurrte sie und drückte Urd noch fester an sich.

Na gut, das war vielleicht nicht poetisch und rhetorisch ausgefeilt, aber sie war ja auch erst 14.

Urd küßte sie als Antwort und streichelte ihr Haar, wobei sie sie noch immer umarmt hielt. Minako rieb

ihren Kopf an Urds Brustpartie. So lagen sie dann einige Zeit und ich vermutete schon, Mina wäre eingeschlafen,

aber dann regte sie sich wieder. Wieder küßte sie Urd, und diese fing an, zu grinsen, als sie einige

Spielchen mit ihren Zungen abhielten.
 

******

"Termyte!" rief der frischgebackene Youma.

"Hua! Hear zua, du gähst jetza nåch Tokyou, und mochst a bisserl Rabatz!" befahl Rubeus.

"Termyte!"

"Ei, glaubst' der haddich verstande'?" fragte Jacobite.

Rubeus zuckte nur mit den breiten Schultern.
 

******

"Usagi!" rief Luna und versuchte, die schlafende Blondine ins Wachsein zu schütteln.

Wie erwartet war sie zu schwach dazu.

"Was is' denn, Luna?" fragte Usagi aber dann schließlich schlaftrunken.

"Ein Dämon! Schnell, du mußt dich verwandeln!"

"Mann, können das nicht die anderen erledigen? Ich bin hundemüde..."

"USAGI!"

Luna fuhr ihr scharfen Krallen aus und zog sie einschüchternd über einen der Hasenköpfe auf Bunnys

Bettdecke, der daraufhin in Streifen geschnitten wurde.

"Wah!" rief Usagi "Ich verwandel' mich ja schon!"

Gesagt getan, Usagi verwandelte sich in die allseits vergötterte Kriegerin für Liebe und Gerechtigkeit,

und lief zum Tatort.

Dort warteten schon Sailor Merkur, Mars und Jupiter, aber von Venus war kein Röckchen zu sehen. Aber für

lange Fragen war keine Zeit: Eine menschengroße Termite mit dem Kopf einer häßlichen Frau machte

sich daran, den Tokyo Tower zu fressen.

"Igitt! Insekten!" kreischte Sailor Moon.

"Keine Sorge, in der nächsten Staffel sehen die Dämonen wieder besser aus!" beruhigte sie Sailor

Merkur.

Inzwischen versuchte Luna, Sailor Venus zu erreichen.....
 

******

Ich wachte von einem Piepsen auf. Was konnte das sein? Eine Rohrpostbombe? Unwahrscheinlich. Eine Ninja - Ratte?

Schon eher.

Aber die Ninja - Ratte hatte nicht mir einer Katze im Haus gerechnet. Ich sprang leichtfüßig von meinem

Kissen - und riß die Nachttischlampe mit runter.

Unten aufgekommen renkte ich meine Schultern wieder ein und erkannte, daß das Piepsen nicht von einer fernostasiatischen

Kampfratte stammte, sondern von Minakos Intercom.

"Hallo?" krächzte ich.

"Artemis, komm schnell!" hauchte Luna in mein Ohr "Der Tyokyo Tower wird gerade aufgefressen! Hol'

Minako!"

Ich blickte zu Minako, die friedlich in Urds Armen schlummerte. Inzwischen hatten beide nichts mehr an. Möglicherweise

würde sie sich recht töricht vorkommen, wenn ich sie aufweckte.

"Äh, Luna, das geht jetzt schlecht..." meinte ich.

"Wieso, was ist denn?"

"Also, sie ist beschäftigt..."

"Um 1 Uhr nachts?!"

"Äh...äh....ja."

"Dann reiß' sie von ihrem Lover weg! Wir haben jetzt andere Sachen zu tun als das Kamasutra!"

Ich fragte mich, woher Luna diesen messerscharfen Verstand hatte. Selbst aus meinen unzusammenhängenden Floskeln

konnte sie sich ein Bild von der Situation machen.

"Minako, aufwachen!" wisperte ich.

Mit Minako wurde ich fertig, wenn sie gerade aufgeweckt worden war, aber wer wußte schon, wie Urd auf eine

gestörte Nachtruhe reagierte?

Minako jedenfalls reagierte nicht.

"Hey, wach' auf, du Trantüte!" zischte ich.

Nichts.

Entweder war sie tot oder es war eine Portion Valium mit im Spiel. Ich trommelte auf ihrem Kopf herum und sprang

ihr ins Genick, aber selbst das half nichts. Von meinem Veitstanz wurde allerdings Urd wach.

"Was gibt's?" fragte sie.

"Oh, äh, gut geschlafen?" lächelte ich.

"Ich schlafe eigentlich nie." lächelte sie zurück.

"Was auch immer...." murmelte ich.

Urd sah mir in die Augen.

"Ein Dämon greift den Tokyo Tower an?" sagte sie mit einer hochgezogenen Augenbraue "Und Minako

ist Sailor Venus?"

Wie MACHTE sie das? Hatten die Nachbarskinder wirklich recht, und man konnte in mir lesen wie in einem Buch? Vielleicht

war's auch ASW oder etwas ähnlich Finsteres. Ich wollte mich da nicht festlegen.

"Lassen wir Minako doch einfach schlafen."

Urd stand vorsichtig auf, Minako schlief immer noch wie eine Leiche, und öffnete ihren Schrank. Dann kruschte

sie etwas darin herum.

"Was wird das denn?" fragte ich.

"Wirst du gleich sehen.... Wo hab' ich ihn denn? Ah....da!"

Urd hielt etwas hoch, was ich trotz kätzischer Nachtsichtigkeit nicht genau erkennen konnte. Es war jedenfalls

länglich.

"Das ist jetzt nicht die richtige Zeit für einen Dil...." fing ich an.

"Pscht!" machte Urd "Ich muß mich konzentrieren..... wie ging das denn jetzt noch mal......"

Sie vollführte einige Gesten in der Luft.

"Jetzt, genau!"

Sie hielt das längliche Ding über ihren Kopf.

"Macht der Terranebel! Mach' auf!"

Und dann verwandelte sie sich in einer Lightshow, von der ich nur die Hälfte sah, weil ihre nackige Figur,

die da durch die Airbrushnebel tanzte, bei mir ein Nasenbluten titanischen Ausmaßes hervorrief, das mich

kurz bewußtlos machte.

"Artemis! Artemis!" rief sie und watschte mich zurück ins Reich der Lebenden.

"Du bist auch eine Sailorkriegerin?" fragte ich, während ich etwas Blut von meiner Schnauze kratzte.

"Unter anderem." grinste Urd "Also, gehen wir."
 

******

Der Kampf ging mehr schlecht als recht von sich: Sailor Moon war mal wieder als Erste gefällt worden. Rei,

Ami und Makoto fanden sich alle in Termytes Klauen wieder, wo sie von ungezogenen Tentaklen begrapscht wurden.

"Tentakel...." seufzte Rei glücklich.

"Weg! Weg! Weg!" rief Makoto, und bemerkte dann, daß die Tentakel doch tatsächlich aussahen,

wie... ja wie..... ja echt......

Und da sie so ähnlich aussahen trat sie versuchsweise gegen einen. Das hatte den gewünschten Effekt:

Termyte ließ sie los und wimmerte nur noch. Aber dann richtete er sich wieder auf und war richtig sauer.

"TERMYTE!" rief er, und in dem Ton, in dem er es sagte, schwang seine ganze Wut, seine ganze Verachtung

und seine ganze Libido mit, was den Sailors eine Gänsehaut verpaßte.

"Toll, jetzt hast du ihn echt sauer gemacht." maulte Ami.

"Die armen Tentakel....." seufzte Rei.

"Ihr Luschen!" Sailor Jupiter rümpfte die Nase "Wir sind schließlich nicht zu unserem

Vergnügen hier! Donnerschlag!"

Doch Termyte knockte sie aus, bevor sie irgendwas machen konnte.

Da flog eine Rose. Termyte ergriff sie im Flug und schleuderte sie auf Tuxy zurück, der deshalb von der Laterne

kippte, auf der er stand.

"Es ist unverzeihlich, daß du tust, wonach dir die Tentakel stehen..." ertönte da plötzlich

eine Frauenstimme, deren Besitzerin sich wohl mal mit einer Flasche Scotch und Papis Zigaretten auf der Toilette

eingesperrt hatte "Im Namen der Erde werde ich die bestrafen!"

"Wer?" fragte Ami.

Die Silhouette einer gutgebauten, langbeinigen Frau stand auf einem Hochhaus in der Nähe.

"WOW! Sieht die gut aus!" sagte Rei, ganz Rei-untypisch.

"Termyte?" meinte Termyte ganz kleinlaut.

"Aus dem Weg, Mädels! Hier kommt Sailor Terra!"

Und da sprang Sailor Terra vom Dach der Hochhauses, direkt für Termyte.

Artemis kam keuchend hinterher.

"Nich' so schnell....häh...häh!"
 

******

Eine Ausdauer hatte die, da konnte sich Usagi ein oder zwei Scheiben von abschneiden. Natürlich kam ich mal

wieder zu spät. ich werde wohl langsam alt.

Da stand Urd schon in ihrem dunkelgrauen Fuku. Ich war mal auf ihre Extrawaffe gespannt.

"Urds patentierter Mitternachts - Schmetterschlag!"

Aha. Ein bißchen länger als die gemeinhin bekannten Spezialangriffe.

Zwischen Urds ausgestreckten Fäusten bildeten sich schwarze Energieblitze, die nicht gut aussahen, eher böse.

Diese warf sie dann auf Termyte, der jedoch auswich.

"Öh?" machte Urd und wurde von dem Youma von den langen Beinen gefegt.

"Verdammt! Bin aus der Übung!"

Sie sprang wieder auf die Beine.

"Urds patentierter Morrigan Planetenzermalmer!"

Sie hob die rechte Hand, über der sich eine weiße Kugel, um die schwarze Blitze zuckten, bildete. Das

ganze warf sie dann auf Termyte, der drüber sprang (zuviel Streetfighter gespielt), und als die Kugel hinter

ihm auftraf, verwandelte sie das dorten stehende Auto in Antimaterie, die aber schnell wieder verschwand.

"JETZT REICHT'S!" eine dicke Zornader war auf Urds Stirn zu sehen "Schicksals-Säbelblitze!"

Und nun warf sie eine ganze Legion purpurner Energieblitze, die sich ihr Ziel selbst suchten, und so den Youma

innerhalb von 2 Sekunden in etwas verwandelten, was stark nach Wienerwald aussah, von der Nachbarschaft ganz zu

schweigen. Die Sailor Senshi konnten sich dank ihrer durch die Transformation erhöhten Reflexe hinter diverse

Scheunentore, Autos oder Häuser werfen, und bekamen nichts ab.

Urd besah sich stolz lächelnd das Ausmaß der Zerstörung, das ihre Angriffe hinterlassen hatten.

"War das nicht etwas..... übertrieben?" fragte Sailor Mars, die hinter einer Kawasaki hervorlugte,

deren Besitzer man wohl demnächst ins Sanatorium einliefern konnte, da Klinge aus purer Energie im Tank und

in den Reifen steckten.

"Ach was. Ich weiß schon, wie man mit dem Pack umgehen muß." Meinte Sailor Terra schwer atmend.

Dann sparng sie in bester Anime-Tradition nach hinten weg und verschwand.

"Hab' ich was versäumt?" fragte Tuxedo Mask, als er aus einer Mülltonne kletterte.
 

******

"Also, danke, daß ich bei ihnen übernachten durfte." Minako verbeugte sich höflich.

Ich grinste.

Zum Abschied umarmte sie Urd nochmals. Dann trennten sich die beiden, es war ja auch nur für eine Woche. Urd

blieb noch etwas stehen und lächelte uns nach.

"Bis nächste Woche, Venus!" rief sie schließlich.

"Ja, bis näch.... VENUS?!"

Minako sah mich etwas mißtrauisch an.

"Äh, hehehehe... hehehe!" lachte ich.

Und so ging ein weiteres Kapitel in der Saga meines Lebens zu Ende, eines das etwas typischer war, als das Erste,

da Besäufnisse und Sachschäden vorkamen. Alles in allem änderte sich natürlich nicht viel:

Rubeus war immer noch da, um uns die Woche zu vergällen, obwohl er auch diesmal offiziell für besiegt

erklärt worden war, Mamoru soff immer noch mit Yuuichiro, und Reis Großpap war immer noch ein Perverser.

Aber wenigstens hatte Minako jetzt Nachhilfe in Chemie, das war ja auch schon was.

Und das war jetzt ein schöner Schlußsatz.
 

THE END
 

Okay, ihr kennt ja die Email Adresse: okami@gmx.net

Jetzt, wo ich am Ende bin, denke ich, daß ich vielleicht eine klitzekleine Hentaiszene noch hätte einbauen

sollen...... aber naja, vorbei ist vorbei.

Warum ich Urd ausgerechnet zu Sailor Terra gemacht habe? Atens war nur noch die Erde frei, und btens war Urd ja,

bevor sie in der Edda von good ol' Snorri zu einer Norne "abgeschwächt" wurde, neben einer Schicksalsgöttin

auch die Erdgöttin.....

Aber genug Religionsgeschichte für heute.
 

Special Thanx to:

Armadeus (His fanart still sucks / Sie nannten ihn Dorian....), Gonzo ("Den hol' ich mir!" / "Du

Batschack, du graisliger!"), Helmut "BGC" Naughton (Meister of Rocketjump), Fufuranky (Fischauge!),

Manfred "Pate" Kirsch, Etti ("Jaaa, kraß!"), Basti, Jacob "Wings of Honneamise"

Menzler ("Dieser Anime hat wohl einen eher hintergündigen Humor."), Hans (Er spielt einmal pro Tag

Quake.... von 7 Uhr - 17 Uhr...), Beck (Guitarrero No. 2), Temco (für Dead or Alive), und allen, die ich mal

wieder vergessen habe
 

Die "Tausend Dank" für musikalische Untermalung meiner Autorentätigkeit gehen an:

STRATOVARIUS & EINHERJER

untitled
 


 


 

Die Artemis Akten 3
 

von Warlock, the wolf in human guise
 

Jupiter Tiger 1 - KÖNIGIN DER KARATEBOXER

(Ryu - Thema einspielen)
 

Der Smog lag über der Stadt wie ein ausgelutschtes Fruchtbonbon. Ich weiß, ich sollte nicht so reden,

da ich Fruchtbonbons selten lutsche, sondern viel lieber zerbeiße. Außerdem gehen mir langsam die Metaphern

aus.

Gestatten, Artemis. Genau, ohne Nach-, Zu-, und Kosename. Warum ich so eine männliche Stimme habe? Nun, weil

ich ein Mann bin. Ob ich etwa einer von DENEN bin?

Mitnichten, sonst würde ich statt mit einer Blondine mit Motoki kuscheln. Mal abgesehen von dem Ausrutscher

im Knast, wo ich mit einem gewissen Johnny, einem 2 Meter großen Einzelkämpfer verheiratet war. Gottseidank

hatte der lieber mit dem Heizkörper geknutscht.

Aber das gehört nicht hierher.

Nun, wie am Anfang jeden Tages war es auch diesmal Morgen, und wie leider nicht zu Anfang jeden Tages waren auch

gerade Ferien.

Genau, die Langen.

Ferien sind so etwas wie die Entschuldigung des Schicksals für ein versautes Leben. In den Ferien hat jeder

gute Laune, die Mädels tragen meistens kurze Röcke, jeder ist bis nach 12 Uhr auf, und in den langen

Sommerferien kann man wunderbar mit dem Rücken auf dem Asphalt liegen, einschlafen, und sich dann wie eine

zu selten gewendete Frikadelle fühlen. Ahhhh, ja.

Auf jeden Fall, Minako, ich und die anderen, auch die Rennsemmel Chibi-Usa, die noch nerviger war, als ihre Mutter

(wahrscheinlich, weil sie nicht so gut gebaut war), wir gingen also gerade in der Stadt herum. Und zwar gingen

wir in der Frühe, weil es gegen Mittag so heiß wurde, daß man auf der Veranda Enten braten konnte

(Was unsere Nachbarn auch taten).

Wir schlenderten nichtsahnend und müßig die Straße entlang und ahnten nichts Böses, als es

Makoto plötzlich riß.

Wir blickten auf und bemerkten ein rotes Plakat, auf das irgendein Talent zwei offenbar spastische Kickboxer gekritzelt

hatte. Ob das Absicht war, oder ob nur irgendein Schmierfink seinen Trieb ausgelebt hatte, war aus meiner Perspektive

nicht festzustellen, und so wie die anderen aussahen aus der ihren auch nicht.

"Wow!" rief Makoto so verzückt, als hätte sie Metallica überfahren "Ein Karatewettkampf!"

Sie las das Geschreibsel genauer.

"Moment...... der erste Preis ist die Macht über die gesamte Erde?" fragte sie.

"Wie heißt denn das Turnier?" fragte Ami.

"MORTAL KOMBAT!" rief plötzlich ein Typ, der durch die Straßen lief.

"MORTAL KOMBAT!" schalte es ihm entgegen, als er um die Ecke kam.

Innerhalb von Minuten schien ganz Tokyo mit erhobenen Fäusten in der Gegend herumzurennen, und "MORTAL

KOMBAT!" zu brüllen.

"Kommt mir bekannt vor." Meinte Usagi und strengte ihr Hirn mächtig an, ohne zu bedenken (wie auch),

daß bei der letzten Sauftour mit Minako Tausende ihrer hundert Gehirnzellen den Ersäufungstod gefunden

hatten.

"Also, wenn es um die Welt geht, wird die Konkurrenz ziemlich hart sein, oder?" meinte Rei.

"Stimmt...." murmelte Makoto.

"Ach was!" rief Minako "Das sind alles Männer, und wenn Mako mit dem Oberkörper wackelt,

fallen die eh alle um!"

Wir alle fielen um, obwohl, das möchte ich betonen, nur ICH ein Mann war.

"Sag' mal, warum bist du eigentlich so ecchi?" fragte Ami halb erschreckt.

"Angeborenes Talent, und dann noch ihre Nachhilfelehrerin." Meinte ich.

"Moment, es heißt doch, daß Leute sich ähnlicher werden, wenn sie lange zusammenleben..."

dachte Usagi laut.

Plötzlich zog sie Chibi-Usa und Luna weg.

"Dann ist Artemis auch ein ganz schlimmer Finger! Bleibt weg von ihm!" kreischte sie.

"Du, das war jetzt unpassend." Knurrte ich "Schmeißt du etwas Rosen weil du mit Mamoru zusammen

bist?"

"Das ist was anderes!"

"Da könnte sie recht haben. Ich fi.... Minako ja nicht." dachte ich, aber ich sagte "Miau."

"Könntet ihr jetzt mal Ruhe geben?" keifte Rei.

Makoto schien hin- und hergerissen zwischen einem längeren Krankenhausaufenthalt oder dem Gewinne auf der

einen und schönen Sommerferien auf der anderen Seite.

"Ich hab's!" rief sie "Ich frag' meinen Sensei!"
 

******

Makotos Sensei war ein alter Penner, den nur niemand aus dem alten Gebäude, in dem er hauste, schmiß,

weil er jeden zusammenschlug, der es versuchte.

Abgesehen davon war der leicht rundliche, irgendwie an Reis Großvater erinnernde Karatemeister die Nettigkeit

selbst, auch wenn er Makoto beim Duschen zuguckte (Aber wer will ihm das verübeln? Auch ich fröne diesem

Laster).

Makoto befragte ihn also nach seinem weisen Rat und er brummte etwas, wie immer, wenn er mit einer unerwarteten

Frage konfrontiert wurde. Heute brummte er allerdings noch etwas lauter als sonst.

"Makoto, ich will ehrlich zu dir sein." Sagte er schließlich "Du bist nicht meine erste Schülerin

die mich nach dem Mortal Kombat fragt."

"Echt?"

"Ja. Nur hat ihn bisher niemand, den ich kenne überlebt. Man hat mir die Einzelteile meiner Schüler

immer mit einer Mitleidsmeldung zurückgeschickt."

Makoto schluckte. Wir anderen auch. Bei mir lag's daran, daß ich den gut versteckten Schokoriegel von Makos

Lehrer gefunden hatte.

"Au weh." Meinte Minako.

"Gibt es denn keinen Weg..." versuchte es Makoto.

"Ich sehe, dein Kampfgeist strahlt wie eine Sonne, Grashüpfer. Wenn du im Mortal Kombat teilnehmen willst,

geh' nach Okinawa, zu Go Habayashi. Er wird dich lehren, was selbst ich dich nicht lehren kann."

"Wird er mich trainieren, so daß ich gewinnen kann?" fragte Makoto mit leuchtenden Augen.

"Nein. Aber ich bezweifle ernsthaft, daß dich noch irgendwas umbringen kann, wenn du seine Trainingsmethoden

überstehst."

"Ah, ja....."

Dann stand Makoto auf.

"Warte noch, Makoto."

In der Stimme des alten Mannes schwang Trauer mit.

"Ja?"

"Es war schön, dich gekannt zu haben."
 

******

"Ha! Dea Mordel Koumbät!" rief Rubeus "I wead ean gwinna!"

"Was?" rief Jacobite "Ei, hast du denn jetzt total de Verstand verlore'?"

"Naa. I hob Leit, die mi treanirn wern!" lächelte Rubeus.

Er nahm sein Handy und tippte eine lange Nummer ein.

"Küß' die Hond. Is da Arnold zu sprechan?" fragte er "Sagn's eam, da Rubeus wui ean sprechan!"

So ging das noch eine ganze Zeit weiter, bis Rubeus auch M. Bison, König Rau und Dolph Lundgren überzeugt

hatte, ihn zu trainieren.

"Sou, dös worn die bästn, die i kähn und i kähn ainigä. Und wönn i den Mordel

Kombät gwunna hob.... donn g'heagt ma d' Wöid! Hahahahaha!"
 

******

Zwei Tage später saßen wir in einem Flugzeug nach Okinawa. Usagi hatte kurzerhand Mamoru überredet,

ihr die Schlüssel für sein dortiges Ferienhaus zu vermachen, dann hatten wir alle unsere Sachen gepackt

und den Flieger genommen.

Ehrensache, alle Sailors wollten dabei sein, wenn Makoto trainierte, um sie psychisch zu unterstützen, sie

zu preisen (wenn sie eine Übung schaffte), oder sie zusammenzuscheißen (wenn sie versagte).

Ich natürlich auch.

Der Flug war angenehm turbulenzlos, und nach ein paar Stunden kamen wir trotz der Kunstflugkünste des Piloten

auf Okinawa an.

Sofort als wir aus dem Flieger stiegen schlug uns die brütende Hitze entgegen, so brütend, daß

selbst die Mücken einen Mittagsschlaf hielten, anstatt, wie es ansonsten Brauch war, auf uns Neuankömmlinge

einzustechen.

Aber die Hitze machte nicht nur den Insekten, sondern auch den höheren Wirbeltieren zu schaffen - oder sollte

gar das gesamte Flughafenpersonal an Sommergrippe erkrankt gewesen sein?

Wir konnten es kaum erwarten, in das vollklimatisierte Taxi nach Shuri zu hüpfen.

"Mannomann!" keuchte Usagi "Ist das hier immer so heiß?"

"Ja." Sagte der Taxifahrer einsilbig.

Ich verkniff mir jeden Kommentar.

"Sagen Sie, wissen Sie, wo ich einen gewissen Go Habayashi finden kann?" fragte Makoto.

"Nö." meinte der Taxifahrer.

In Shuri angekommen fahndeten wir erstmal nach diesem Go, und in einer Kneipe fanden wir dann auch jemanden, der

ihn kannte.

"Go Habayashi? Der lebt in To, 2 km von hier. Aber warum fragt ihr?" fragte der feiste, fettleibige Wirt.

"Er soll mich trainieren." Sagte Makoto.

Dem Wirt kippte die Kinnlade herunter, ein Gast spuckte seinen Sake auf den Boden und der Kneipenpapagei bekam

einen Herzinfarkt.

"Du willst WAS?!" fragte der Wirt nochmals.

"Bei ihm trainieren..." meinte Makoto.

"Na dann...." seufzte der Wirt "Überleg' es dir lieber nochmal... in deinem Alter gibt es wichtigere

Dinge, als sich die Knochen zerbröseln zu lassen."

Er zeigte auf einen schluchzenden Typen in einer Ecke. Er hatte seltsam steife Hände und sah aus, als wäre

ihm ein Lastwagen über's Gesicht gefahren.

"Das ist Mato Mifune." Wisperte der Wirt.

"Der Karatechampion?" fragte Makoto aufgeregt.

"Er war es..... er wollte bei Go trainieren, und jetzt hat er zwei Plastikhände, und, naja, mit seinem

Gesicht kann er auch keinen Blumentopf mehr gewinnen."

Er zeigte auf einen anderen, einen alten, verkniffen aussehenden Mann.

"Der da hinten hat seine beiden Söhne verloren, die gegen Go gekämpft haben... zusammen. Seitdem

will er nichts mehr von Kampfkunst wissen."

"Oh." Schluckt Makoto, den anderen hatte es die Sprache verschlagen.

"Und seine Söhne waren wirklich gut aufeinander eingespielt... man sagte, sie wären zusammen so

gut wie 10.000 Kämpfer." Nickt der Wirt und beendete seine Geschichte.

Uns war nun allen etwas schwummrig zumute, als wir die Kneipe verließen, und selbst Makoto war es anzusehen,

daß sie sich ernsthaft überlegte, ob sie wieder zurückfahren sollte.

"Äh, Makoto.... vielleicht ist das Training doch ein bißchen zu hart...." meinte Ami, unsere

selten gehörte Stimme der Vernunft.

"Nein!" sagte Makoto da "Soll ich etwa wieder zurück nach Hause, in der Gewißheit, daß

ich vor etwas davongelaufen bin? Niemals!"

Das war sehr heroisch, aber wie vieles Heroische auch furchtbar dumm. Dennoch fühlte ich mich gezwungen, zu

applaudieren.

Und zwei Stunde später standen wir am Pier von To, wo nur ein alter, knochiger Fischer saß und offenbar

seit 100 Jahren auf einen Fisch wartete.

"Go Habayashi?" antwortete er zahnlos auf unsere Frage "Klar, der is' da draußen!"

Er zeigte auf's Meer, wo ein Fischerboot als schwarze Masse am Horizont zu erkennen war.

"Hm. Na gut, dann wart' ich eben." Sagte Makoto trotzig und setzte sich hin.

Der alte Fischer konzentrierte sich nun nicht mehr auf die aus Schrottteilen zusammengebaut Angel, wie ich bemerkte,

sondern auf Makotos Oberkörper.

Naja, es waren ja seine Zähne. Oh Moment, er hatte ja nur noch zwei. Makoto mußte ihm was anderes ausschlagen.

"Makoto..." sagte Minako und griff die Brünette am Kiefer, wobei sie ihr ins Gesicht starrte.

"Was ist?"

"Warte..... ich möchte mich gerne an dein Gesicht erinnern, wenn ich dich wiedersehe."
 

******

"Jå schaug! Da Rubeus!" rief Arnold Schwarzenegger.

"Servus, Arnie." Grüßte ihn Rubeus.

"Warum hast du uns herbestellt?" wollte Dolph wissen.

"Ia soid mich tränirn. Füa den Mordel Kombät!"

Die Trainer in spe beratschlagten sich kurz.

"Nun gut. Aber billig wird's nicht." Grinste König Rau.

"Ei, wer biss'n du?" fragte ihn Jacobite, der die Vorstellung verpennt hatte.

"Ich bin Rau."

"Ei, isch bin ehä tough. Aber rauh is' auch gut." Grinste Jacobite, womit er sich keine Freunde

machte.

"Dös is mai Lackai. Weaft's eam an Knocha zu!"

Danach führte Rubeus seine Trainer in seinen Trainingssaal, wo sich die Chromhanteln nur so stapelten. Auch

ein schwerer Sandsack hing herum.

"Ja mei!" rief Arnold entsetzt "Mit wos duast'n du Bånkdrücka!"

Er ging zu Rubeus' Bankdrückgewicht, schnaufte kurz ein, besah es sich von der anderen Seite und schnaufte

dann aus.

"Dös is ja gaa nix!"

"Ha!" rief Rubeus und spannte seine Physis an "Is' dös aa nix?"

Arnold biß sich auf die Zunge, Rau lachte gellend heraus. Dolph und Bison waren zu cool, um sich etwas anmerken

zu lassen.

"Ich bin nicht beeindruckt." Sagte Bison schließlich.

"Da muaßt schwerare Hontln nehma! Weil, so wia doß das du jetzat mochst, wiad dös ja nie

was!"

Rubeus kickte ein Steinchen weg und war beleidigt.

"Aber dafür sind wir ja jetzt da - fangen wir gleich an!" rief Dolph und schlenzte Rubeus auf die

Bank "Arnie!"

"Probier' amoi dös!"

Arnold schleppte in jeder titanischen Hand zwei 15 Kilo Scheiben an, die er zu Rubeus' Bankdrückgewicht hinzufügte.

"Wennst' dös net drückst, zermoimtst da's Gnack. Suach's da aas."

"Ei, des sin' hundertdreissisch Kilo!" keuchte Jacobite.

"Jå. Dös benutz' I zum Aafwärmn."
 

******

Kurz vor Sonnenuntergang tuckerte Gos Kahn wieder am Pier ein. Ich war als psychische Stütze bei Makoto verblieben,

ganz abgesehen davon wollte ich mir nicht mit ansehen, wie die anderen über Mamorus Bude herfielen...... und

dort vielleicht unanständige Dinge machten. Verdammt, warum war ich hier geblieben?!

Von Bord sprang ein barbrüstiger, etwa 150cm großer Mann, garantiert über 60, und für dessen

Muskulatur die Bezeichnung "wurzelartig" eine höhnische Untertreibung gewesen wäre: Wie Taue

lagen alle einzelnen Muzskeln übergroß und aufgepumpt unter der wahrscheinlich papierdünnen und

von Adern und stahlharten Sehnen durchzogenen, wettergegerbten Haut, die zu allem auch noch sonnenverbrannt war.

Gos bauchmuskeln sahen aus, als hätte er sich Autoreifen unter die Haut setzen lassen, und sein Nacken ging

bis über seine beiden Ohren. Er hatte weißes, langes, strähniges Haar, einen ungepflegten Bart

und trug nasse, chinesische Hosen.

Nachdem er von Bord, zog er barbarisch anmutende Drahtnetze vom Schiff, und so, wie seine Arme vom Bizeps abwärts

aus aussahen, zog er die Dinger selbst mit 200 Kilo Nutzlast noch mit den Händen aus dem Wasser. Näher

betrachtet waren sie offenbar aus Gitarrensaiten gemacht.

"Sind sie Go Habayashi?" fragte Makoto.

"Wie viele als Fischer verkleidete Powerlifter laufen denn auf Okinawa sonst noch rum?" dachte ich, aber

sagte "Miau."

"Ja." Gab Go zurück.

"Ich bin Makoto Kino." sie verbeugte sich "Ich will von ihnen lernen."

Er hielt kurz inne, würdigte Makoto eines ganzen Blickes und drehte sich dann wieder um.

"Geh' wieder spielen, Kind." Sagte er dann.

"Hey!" rief Makoto wütend "Meinen sie, ich hab' den ganzen Weg von Tokyo bisher hierher zum

Spaß zurückgelegt?"

"Dann legst du ihn eben nochmal zurück."

"Es geht um den Mortal Kombat! Ich will ihn gewinnen!"

"Ha, ha, ha." Lachte er langsam, fies und profihaft.

Da tat Makoto etwas, was ich ihr sofort ausgeredet hätte, wenn ich es schnell genug mitgekriegt hätte:

Sie holte aus, und schlug voller Wut zu.

Vielleicht war es der lange Flug gewesen, vielleicht der Hitzschlag, ich weiß es nicht. Aber ich schloß

die Augen, denn bald würde wohl Makotos lebloser Körper in die japanische See klatschen.

Dann, in Sekundenschnelle, öffnete ich sie wieder, denn mein altruistischer Helfertrieb hatte wieder die Oberhand

gewonnen.

Makoto hatte verfehlt, nicht daß ich etwas anderes erwartet hätte, und Go hatte seine Faust in ihrer

Magengrube versenkt. Das sah nicht gut aus, das können sie mir glauben.

Makoto brach zitternd zusammen und spuckte einen Schwall Blut aus.

Außer dem Gekeife der Möwen (wohl Anfeuerungsrufe für Go) und ihrem leisen Wimmern war nichts zu

hören.

Ich packte meinen ganzen Mut am Schlawittchen, da er sich durch die Hintertüre meines Hirns hatte verabschieden

wollen.

"Okay, Mister." Sagte ich, und fühlte mich wie in den Zeiten, als ich noch Passanten im Hyde Park

überfallen hatte "Das war meine Freundin, die sie da verkloppt haben."

Go schien sich nicht daran zu stören, daß da ein Kater mit ihm sprach. Er sah auf Makoto und schien

auf irgendwas zu warten.

Langsam kam wieder Leben in sie. Sie richtete sich auf, langsam, sehr langsam, aber wenigstens lebte sie noch.

Auch wenn sie offenbar ihr linkes Bein nicht richtig bewegen konnte.

"Hören sie mal..." fing ich wieder an.

"Schnauze!" knurrte Go.

"Selber Schnauze!" knurrte ich zurück, obwohl ich meine Füße schon zum Fliehen wandte

und das Gefühl hatte, daß meine guten Tage endgültig vorbei waren. Auch meine anderen Tage waren

jetzt wohl gezählt.

Und da stand Makoto wieder. Es wäre zwar zynisch gewesen zu sagen "in all' ihrer Pracht", aber wie

gesagt, sie stand.

"Nun gut." Go wandte sich zum Gehen "Wenigstens kannst du einstecken. Komm mit."
 

******

"Dös is aba schwear!" schnaufte Rubeus.

"Ned redn. Drückn." Wies ihn Arnold an.

Rubeus drückt die 60 Kilo nochmals sauber aus dem Nacken, wobei seine Schultern ein unangenehmes Geräusch

machten.

"Okay. Dös wår gnug füa heit. Du muaßt a no Technikn üam!"

Seufzend legte Rubeus mit seiner letzten verbliebenen Kraft das Gewicht zurück auf die Ablage.

"Komm her." Befahl Dolph "Ich werde dich in die Kunst des Kyokushinkai-Karate einweisen, und will

dich prügeln, bis dein Innerstes außen ist."

"Probia's!"

Und das tat Dolph dann auch. Jacobite wollte kaum hinsehen, als er Rubeus die Kicks um die Knie knallte, daß

es nur so krachte. Es krachte sogar so laut, daß selbst Rubeus' Gnadengesuche und Schmerzensschreie übertönt

wurden.

Und dann mußte Bison ihn mit Psycho Power wieder zusammenflicken.

"Gut. Nach diesem Intermezzo bringe ich dir die Lowkicks bei, die du soeben spürtest."

Rubeus nickte schwach.

"Bringt das Schlagpolster!"

Innerhalb von Sekunden befand sich ein sündteures Kwon-Schlagpolster in Dolphs Händen.

"Zu weich." Meinte er nach einem Testschlag und packte Bisons Beinschienen mit hinein. Nun war das Gerät

zwar etwas unförmig, aber härter.

"Aber erst Trockenübungen." Sagte Rau zu Rubeus "Stell' dich in Kampfstellung."

Rubeus tat, wie ihm geheißen.

"Måkllous, ouda?"

Rau grinste breit.

"Ouda net?!"
 

******

Nachdem Makoto eine unbequeme Nacht auf dem Boden von Gos Hütte verbracht hatte, fing er in aller Frühe

mit dem Training an, was bei ihm erstmal einen Strandlauf beinhaltete, noch vor dem Frühstück.

Natürlich war Makoto, der von Muttern eingebleut worden war, daß das Frühstück die wichtigste

Mahlzeit des Tages war, etwas schwach auf den Beinen und hechelte ihrem neuen Sensei hinterher. Auch ich, alt und

fett geworden, hatte meine Schwierigkeiten, mit dem Kerl mitzuhalten.

Nach 20 km war immer noch kein Ende abzusehen, und ich hatte das Gefühl, inzwischen mindestens dreimal um

die Insel gelaufen zu sein.

Makoto kam nun kaum noch im Schrittempo vorwärts.

"Ich...kann...nicht...mehr...." keuchte Makoto, doch Go schien sie nicht zu hören.

Nach einem weiteren Kilometer verschwamm meine Sicht und ich fühlte mich bereit, zu sterben. Meine Beine knickten

ein, meine Lungen taten einen letzten, rasselnden Zug.... und dann fiel Makoto auf mich.

Das holte mich wieder zurück, denn ein Leichtgewicht war unsere Makoto trotz täglichem Training nun wirklich

nicht, jedenfalls nicht für meine porösen Rippen.

"Makoto! Geh' runter!" winselte ich.

Sie gab keine Antwort, sondern versuchte, sich mit einem Liegestütz hochzudrücken, was sie jedoch nicht

mehr schaffte.

"Müde?" hörte ich Gos Stimme in der mich umgebenden Schwärze "Dann machen wir jetzt

was anderes."

Er hob Makoto mit einer Hand hoch (sah etwas blöde aus, da er zwei Köpfe kleiner war) und setzte sie

auf den Boden.

"100 Liegestützen." sagte er dann.

"BITTE?" rief Makoto.

"Hundert Liegestützen." Wiederholte Go sanft "Du auch, Katze."

Ich verfluchte meine Kollegialität. Wie stellte er sich das vor, Liegestütze ohne Ellenbogen?

"Ich schaff' aber nur 60!" protestierte Makoto.

"Für jede weniger als 100 brech' ich dir einen Knochen."

Makoto schluckte. Ich auch.

Und dann fingen wir an. Ich tat mein Bestes, und hoffte, daß Go das auch so sah.

"Sauberer." Sagte Go immer zwischendurch "Bis ganz runter."

Schließlich war Makoto mit ihrer 100 fertig, bei mir waren es gerade 10 geworden (Ich wiederhole: OHNE ELLENBOGEN!),

und Go sah mich so abschätzig an, als würde er mich nicht mal für würdig erachten, gemoscht

zu werden. Er sollte mal mit seinem Biolehrer über die Anatomie von Felidae sprechen.

Dann liefen wir zurück und aßen unser Frühstück. Ich war ja an rohen Fisch gewöhnt, auch

zum Frühstück, aber Makoto sah so aus, als würde sie das Zeug gleich wieder hochwürgen. Einen

guten Koch würde Go wohl nie abgeben, es sei denn, jemand würde ihm beibringen, daß man rohen Fisch

zumindest häuten muß, bevor man ihn verspeist.

Nachdem wir uns den Magen vollgeschlagen hatten (ich mehr, Makoto weniger), kam die zweite Trainingseinheit: Nochmal

Liegstütze. Auf den Knöcheln, mit den Ellenbogen am Körper, den Beinen auf einer Tonne und den Fäusten

auf zwei Backsteinen.

Diesmal wurde ich freundlicherweise nicht dazu gezwungen, mitzumachen.

So beobachtete ich also, wie sich Makotos Trizepse mit Blut füllten und aufschwollen, und der Schweiß

in unbeschreiblich erotischer Weise ihren Körper herunterlief.

Ich weiß, ich weiß. Ich bin ein Ferkel.

Dann aber bekam mein Hormonspiegel einen empfindlichen Schlag versetzt, als ich mich umdrehte, denn da bearbeitete

Go gerade einen hölzernen Zylinder, den er wie einen Sandsack an einem Baum aufgehängt hatte. Ja, richtig,

das Ding war pures, reines Holz (Japanische Zeder, wenn ich nicht irre), und Go schlug und trat dagegen, daß

ich mir schon vom Zuschauen blaue Flecken holte.

Dann brach Makoto nach 40 Liegestützen zusammen und war erstmal nicht mehr ansprechbar. So konnte ich sie

also auf die Show, die Go darbot, nicht hinweisen.

Schließlich kam sie aber wieder auf die Beine.

"Jetzt du." Sagte Go und zeigte auf den Holzzylinder.

"Hä?" machte Makoto.

"Schlag' dagegen!" flüsterte ich.

Sie sah mich an, als hätte ich hohes Fieber.

"Der Kater hat recht. Schlag' dagegen." Befahl Go mit etwas mehr Nachdruck.

Makoto machte sich bereit, wobei sie einen Gesichtsausdruck trug, der zeigte, daß sie sich schon von ihren

Gliedmaßen verabschiedet hatte, aber immer noch hoffte, daß irgendwer aus dem Gebüsch springen

würde, mit den Worten "Ha, ha! Sie sind "Vorsicht, Kamera!" zum Opfer gefallen! Das ist gar

kein Holz sondern täuschend echt gefärbter Schaumstoff!"

Aber niemand sprang aus dem Gebüsch, und so versuchte Makoto ihren ersten Schlag.

Kronsch!

Au, das tat weh.

Makoto dachte offenbar genauso, wenn man nach dem Veitstanz urteilte, den sie aufführte.

"Au! Auaaaa! Meine Hand!" rief sie, und ich empfand fast Mitleid mit hier.

Aber nur fast, denn den Teil des Hirns, der das Mitleid enthält, hatte man mir im Verlauf eines Army-Experiments

rausgeschnitten, um mich zur perfekten Kampfmaschine zu machen.

Dann haben die Kerle gemerkt, daß ich nur ein weißer, kleinwüchsiger Kater bin, und mich laufen

lassen.

"Herzeigen." Go griff sich ihren Arm und untersuchte ihre Hand, während sie weiterstrampelte "Das

is' nich' mal 'ne Knöchelquetschung. Weitermachen!"

Makoto nickte mit einer Träne im Auge.

Kronsch, Kronsch, Kronsch, Kronsch!

Nach einer Minute lag Mako am Boden, und sie konnte die Tränen des Schmerzes gerade noch zurückhalten.

Das mit dem Mortal Kombat war nicht ihre schlauste Idee gewesen, aber jetzt war wohl nicht der Zeitpunkt, ihr das

zu sagen.

"Makoto? Kann ich irgendwas für dich tun?" fragte ich besorgt.

"Begrab' mein Herz unter einer Linde...." wimmerte sie "Artemis, das ist das Ende. Ich komm' hier

in 'nem Rollstuhl raus!"

"Auf! Der Tag ist noch jung!" rief Go und schüttete ihr einen Eimer Wasser drüber.

Offenbar waren die Geschichten, die man über ihn erzählte eher noch untertrieben. Ich fragte mich, wie

er es geschafft hatte, sämtliche menschlichen Regungen zu unterdrücken, und ob ich das von ihm lernen

konnte.

Mit knackenden Gelenken und zittrigen Knien stand Makoto auf.

Go hatte sich inzwischen eine kleine Bambusmatte um den Unterarm geschnallt.

"Schlag' dagegen." Sagte er.

Makoto tat, wie ihr geheißen, denn eine Bambusmatte war gegen den Holzschlägel eine reine Erholung.

Doch auch hier war Go nicht mit ihr zufrieden.

"Härter. Schneller." Sagte er.

Obwohl er den Arm ganz ausgestreckte hatte, konnte Mako ihn kein bißchen bewegen, wenn sie auf die Bambusmatte

drosch.
 

******

"Hua! Ha!"

Rubeus schlug mal wieder den selben Combo gegen Dolphs Schlagpolster.

"Härter! Mehr Hüfteinsatz!" knurrte dieser.

Rubeus nickte und schlug nochmals.

"Schon besser." Grinste Dolph.

Er nahm das Schlagpolster weg.

"Jetzt ich! Jetzt ich!" drängte sich Bison vor Rau "Also, jetzt stärken wir deine Chi

Kräfte."

Er hielt ein Stück Pappe hoch.

"Stell' dich an die Wand dahinten. Du schlägst solange in die Luft, bis du die Pappe in Flammen setzen

kannst."

"Wos wuist? Dös is ja paranormaai!"

Aber Rubeus beugte sich trotzdem, nachdem Bison nicht mit dem Zaunpfahl aber mit seinen Fäusten gewunken hatte.

Rubeus kam sich etwas blöde vor, als er da so in die Luft schlug.

"Du mußt GERADE schlagen! Dreh' die Faust nicht zu früh ein! Ellenbogen am Körper! Daumen

nach außen! Und halt dich gefälligst gerade, du bist nicht Axel Schulz!" meckerte Rau.

Schließlich schaffte es Rubeus mit äußerste Anstrengung, und nachdem er schon in einer Lache Schweiß

stand, die Pappe zum Flattern zu bringen.

"Naja, naja...." murmelte Bison "Gut, machen wir erstmal eine kleine Pause."

Er klatschte in die Hände, worauf Esmeraude in einem Krankenschwester-Outfit erschien.

"MASSIEREN!" befahlen die versammelten Lehrer und zeigten auf Rubeus.

"Und benutzt dabei dieses streng geheime, Mannes-, Körper- und Knochenkraft steigernde Öl."

Meinte Dolph und zwinkerte ihr zu, wobei er ihr eine Ampulle Undefinierbares reichte.

Rubeus legte sich auf die Massagebank, und Esmeraude fing an, ihn zu massieren. Obwohl sie, ähem, starke Hände

und Unterarme hatte (besonders die Adduktoren..... kann sich jetzt jeder seinen Teil denken), war es nicht einfach,

Rubeus' verspannten Rücken wieder hinzubiegen.
 

******

Nach 3 Stunden war das Schnellkraftraining beendet und Makoto am Boden.

"Antreten zum Mittagessen." Grummelte Go.

Kochen konnte er offenbar doch, denn das Curry schmeckte ausgezeichnet. Wahrscheinlich war es allerdings Fertigfraß.

Nachdem wir uns also vollgefressen hatten und Makoto auch ihre Hände wieder spüren konnte (leider, denn

jetzt setzten die Schmerzen ein), behandelte Go ihre geschundenen Knochen mit einer chinesischen Arznei, die Fett

abbaute (deshalb verzichtete er nach kurzem Zögern darauf, es an ihrer Brustpartie einzusetzen), die Muskeln

kräftigte, etwaige innere und äußere Verletzungen in Rekordzeit heilte und außerdem die Haut

geschmeidig und wohlriechend machte - offenbar benutzte er selbst sie nicht.

Obwohl sich Makoto jetzt etwas besser fühlte, sah man ihr an, daß sie bezweifelte, den Tag als menschliches

Wesen zu beenden.

"Na gut. Zeit für etwas Kata." Sagte Go.

Er ging auf einen großen Platz in der Nähe des Hauses. Er war mit festgestampfter, staubiger Erde bedeckt.

Die Sonne brannte, und diesmal half uns nicht mal Drei-Wetter-Taft.

"Ich zeige dir jetzt die erste Kata des Chien Quan. Ihr chinesischer Name ist mir entfallen, aber er bedeutet

so etwas wie Blutiges Schwert."

Ja, ja. Immer schön den Kopfschutz tragen.

Er machte eine Serie von Bewegungen vor, die nach meinem Dafürhalten in einem echten Kampf nichts taugen würden

- wären da nicht die weißlich-blauen Energieklingen gewesen, die sich um seine Gliedmaßen bildeten.

"Das krieg' ich nicht hin!" rief Makoto entsetzt.

"Die Chi muß zu einer tödlichen Klinge werden!" befahl Go, aber das half ihr natürlich

auch nicht weiter "Stell dir vor, die Energie tritt aus deinen Händen und Füßen aus, und wird

zu einer Stahlklinge, wenn du anspannst!"

Makoto sah etwas verwirrt aus, probierte es aber trotzdem. Natürlich versagte sie kläglich, aber wer

wollte ihr das schon hinreiben.

Go sah natürlich erzürnt/enttäuscht aus, aber wahrscheinlich hatte er nur schlechten Sake getrunken

oder so was. Oder er war so geboren worden - überhaupt, so ein Gesicht (?) konnte auch nur eine Mutter lieben.

Nach 2 weiteren Stunden gaben Makoto und Go es erstmal auf. Makoto roch nun ziemlich nach Schweiß, trotz

des Öls und obwohl Frauen ja normalerweise weniger streng riechen als Männer. Go schien davon unbeeindruckt

zu sein, auch wenn es mich fast umhaute.

"Sparring." Maulte er einsilbig, und Makoto und ich wurden bleich.

"Ohne Handschuhe?" fragte Makoto kleinlaut.

"Wo kommst du überhaupt her? Handschuhe sind was für Boxer und Weicheier!" brüllte Go

in seinem brachialen Baß.

"Ich mein' ja nur...." Makoto bekreuzigte sich.

Stimmt - eine Kreuzigung wäre angenehmer gewesen als das, was nun folgte. Obwohl Go sich offensichtlich zurückhielt,

konnte Makoto kaum einen Schlag abblocken, geschweige denn Gegentreffer anbringen. Durch die "Blöden

Messer", wie ich die Chi Klingen kurzerhand getauft hatte, waren ihre Unterarme schon nach kurzer Zeit von

tiefen Schnitten ubersäht. Das würde bestimmt in unschöne Narben ausarten. Ihr Kopf war Gott sei

Dank noch ganz, denn sie war Gos Spaltschlag ausgewichen, der dafür einen jungen Baum hinter ihr in zwei Hälften

geteilt hatte. Mal ehrlich, ich hätte lieber gegen Mike Tyson im Ring gestanden, auch wenn Go offenbar nicht

die Absicht hatte, eines von Makos Ohren abzubeißen. Andererseits, daß er sich zurückhielt schien

ihm ins Gesicht geschrieben.

"Makoto! Tritt ihm in die Eier!" rief ich.

Und das tat sie auch, so fest, daß ich mich abwandte, da sich mir das Mitagessen die Kehle hochdrängte.

Wenn es nicht Go gewesen wäre, den sie da getroffen hätte, hätte man den Typen wohl aus dem Genpool

streichen können, da seine Weichteile durch die Schädeldecke rausgekommen wären. Go allerdings,

der offenbar überall hart war, zuckte nicht mal.

Stattdessen schlug er zu. Gerade, hart und ansatzlos direkt ins Gesicht, Zeige- und Mittelfingerknöchel auf

die Nase.

Dann zuckte auch Makoto nicht mehr.

Das Mädchen war ungefähr 5 Meter nach hinten geworfen worden und sah aus, als hätte sie ein Büffel

umgerannt.

Ihre Augen waren zwar offen, doch sie schien nichts mehr wahrzunehmen. Nur die flache, aber immerhin anwesende

Atmung hielt mich davon ab, das Bestattungsinstitut anzurufen, denn obwohl dies hier der Hinterwald war, wußte

ich, daß sich ein solches Unternehmen in der Nähe von Go Habayashi florieren würde, der Fliegen

mit einem Blick zu töten vermochte, und Elefanten mit einer Backpfeife.

Bei Makoto deutete alles daraufhin, daß sie durch puren Zufall einem Schädelbasisbruch entronnen war,

aber ich wettete, daß sie morgen vor Kopfschmerzen nicht mal mehr reihern konnte. Go ließ sie liegen.

Wahrscheinlich war dies wieder einer seiner Tests - wenn sie überlebte, war sie hart genug für die nächste

Trainingseinheit, wenn nicht......

Nein, Makoto durfte nicht als Fischfutter enden! Sie war die Einzige, die kochen konnte, einen Brustumfang von

über 90 cm hatte und zulangen konnte, wenn Not am Manne war! Außerdem hatte sie sich aufopferungsvoll

um mich um Minako gekümmert hatte, als wir an der Grippe erkrankt waren.

Andererseits konnte ich nicht herausfinden, was genau ich für sie tun konnte, da sie auf meine Fragen nur

mit einem leeren Blick antwortete.

Ich versuchte alles: Ich läutete selbst einen Gong, was auf sie als Wettkampfsportlerin normalerweise einen

revitalisierenden Effekte hatte - es half allerdings nichts. Nein, da mußten andere Mittel her. Fluchs eilte

ich Go hinterher und krallte mir seine gesamte chinesische Wunderapotheke. Dann lief ich wieder zu Makoto zurück

und rieb sie mit allem ein, was da an Salben so drin war. Entgegen allen Erwartungen ging es ihr sofort besser,

was mich froh machte. Nicht so froh machte mich allerdings, daß Go stinkesauer war, daß ich seine Medizinen

verbraten hatte.

Und das zeigte er mir auch. Wie, das weiß ich nicht genau, ich sah nur noch eine Faust auf mich zurasen,

und als ich wieder aufwachte, saß ich auf einer Wolke.

"Du bist noch nicht soweit." Meinte dann eine tiefe Stimme.

Und dann fand ich mich in meinem Körper wieder..... allerdings konnte ich nur noch meine Augen bewegen, und

diese zeigten mir, daß sich meine Gliedmaßen in Positionen befanden, über die ich laut gelacht

hätte, wenn ich das noch gekonnt hätte. Ich konnte mich nicht mal mehr auf meine Hinterbeine wuchten,

ganz abgesehen davon, daß ich dann nämlich auf der Fresse gelegen wäre (ich sagte ja, abstruse

Winkel), konnte ich keinen einzigen Muskel mehr bewegen.

Es tat übrigens nicht mal weh. War wohl der Schock. Oder meine nerven hatten irreparablen Schaden erlitten.

Das machte aber gar nichts, denn so wie ich dalag, konnte ich mich wohl eh für den Rest meines nun tragisch

kurzen Lebens nicht mehr bewegen.

Ich vertraute auf die Selbstheilungskräfte meines Körpers und versuchte, zu schlafen, was ich aber nicht

schaffte, da ich meine Augen nicht mehr schließen konnte.

Dann kam Makoto vorbei und sah mich etwas belämmert an.

"Laß' uns tanzen." Dachte ich, aber sagte: "......"

Nein, nicht mal das, ich konnte ja nicht mal meinen Mund öffnen.... Oh, er war schon offen. Auch gut, konnte

ich ihn eben nicht mehr schließen.

Makoto sagte wohl irgendwas, aber meine Ohren waren auch hörunfähig. Schließlich packte sie mich,

drehte meinen Kopf, meine Vorderpfoten und meine Wirbelsäule mal nach rechts, dann nach links, und irgendwann

spürte ich endlich wieder Schmerzen.

Kennen Sie das Gefühl, wenn sie aus Versehen mit dem Kopf auf einem Arm geschlafen haben, und der Blutkreislauf

unterbrochen wurde, so daß sie ihn nicht mehr bewegen können?

Nun, ich spürte nicht mal das. Aber ich konnte wieder atmen, was mir Hoffnung gab. Dann durchzuckte ein greller

Schmerz meine Hinterläufe und ich erkannte, daß mein Steißbein wohl gebrochen war.

Naja, Makoto bekam mich mit dem Shiatsu wieder halbwegs hin, aber meine rechte Schulter zuckt heute noch, wenn

ich mich nicht darauf konzentriere, sie ruhig zu halten. Aber im Großen und Ganzen ward ich nun wieder zusammengeflickt.

Und dann breitete Mako die ersten guten Nachrichten des Tages vor mir aus:

1. Der Mortal Kombat wurde wegen einer Geschlechtskrankheit Shao Kahns, die dieser sich von Sheeva eingefangen

hatte, um 4 Monate verschoben.

2. Den Abend hatte sie frei, weil Go sie nicht in seiner Hütte schlafen lassen wollte.
 

Mit anderen Worten, wir konnten heute abend die anderen im Mamorus Klause nerven.
 

******

"Nå guad, fia heid is gnua." Lächelte Arnold wohlwollend.

Rubeus lächelte schwach und wartete darauf, daß ihm jemand die Hantel, die er zum engen Bankdrücken

benutzt hatte, abnehmen würde.

So nett war aber keiner, und daher mußte er sich selbst anstrengen.

"Gut. Ab unter die Dusche!" befahl Rau, und Rubeus folgte seinem ausgestreckten, aufgedunsenen Zeigefinger

in den Duschraum.

Dort konnte er dann, da er allein war, richtig jammern. Eigentlich wußte er nicht, worüber, denn seine

Arme und Beine spürte er ja nicht mehr, konnte also nicht sagen, ob sie schmerzten oder nicht. Auch sein Torso

fühlte sich an, als würde er nicht zu ihm gehören.

Als aber die heißen Wasserstrahlen der Dusche über seinen aufgepumpten Körper floßen, spürte

er erstens die Legionärskrankheit, und zweitens, seine Muskeln wieder.

Er verkniff sich einen Schmerzensschrei, wer weiß, mit welchen Mitteln ihn die da draußen sonst morgen

noch quälen würden.

Im Moment fühlte er sich nach einer richtig fetten Pizza mit Knödeln, einem Sechserpack Cola und einem

Bounty. Er fragte sich, ob er schwanger war, verwarf aber den Gedanken wieder.... das war nach der Massage höchsten

Esmeraude - hä, hä.

Naja, für Essenswünsche hatte er seinen Lakaien.

Und so wurde dieser in den HL geschickt, nachdem Rubeus der Dusche entsprongen war. Arnold schüttelte über

Rubeus' Essenswünsche nur unverständlich den Kopf, aber Dolph klärte ihn auf, daß Kampfsportler

nun mal so was aßen. Eigentlich aßen sie alles, was gerade so da war. Und wenn nichts da war, kauften

sie das Fetteste, kalorienreichste Zeug, ihr Körper braucht das nämlich, um die Wogen eines harten Trainings

zu glätten und für die morgige Schlacht gegen den Sensei gewappnet zu sein.

Und so ließ sich Rubeus, nachdem er außerordentlich gut und kalorienreich gefr... gespeist hatte, in

sein frisch überzogenes Himmelbett fallen und war nach kurzer Zeit eingepennt. Nicht mal Esmeraude, die nach

der Massage noch Nachschlag haben wollte, konnte den trance-ähnlichen Zustand unterbrechen, und zog beleidigt

wieder ab.
 

******

Wir fanden Mamorus Haus ziemlich bequem, da Usagis Karaoke-Versuche weithin hörbar waren. Von außen

sah das Domizil ja ganz schick aus..... ich fragte mich, wie lange, und vor allem, obe es innen noch genauso aussah.

Dann übernahm eine andere Stimme, wofür ich erst dankbar war, aber dann erstarrte ich, was nur zum Teil

an meinen unprofessionell eingerenkten Knochen lag:

Da sang Haruka doch tatsächlich "Cold as Ice" von Foreigner.

Nicht, daß ich das Lied nicht mochte, es war immerhin Rock'n'Roll, und nicht der Elektro-Müll der heutzutage

in Charts gespielt wird, nein, vielmehr haßte ich den Sänger.... Verzeihung, die Sängerin.

Haruka war, wie stadtbekannt, dumm wie Windows 95. Manche Leute nahmen an, daß sie einfach aus Coolness manchmal

nicht auf Fragen antwortete - in Wirklichkeit verstand sie die Fragen nicht. Wenn sie also eine Frage wie "Wie

heißt du?" nur schief blickend beantwortete, war das nicht Coolness, sondern Hilflosigkeit. Deswegen

war auch Michiru das Sprachrohr des Duos und Haruka für die Drecksarbeit verantwortlich, und wie üblich

wurde sie dem Subjekt ihrer Arbeit - Dreck - äußerlich immer ähnlicher. Andererseits konnte das

auch Zufall sein, denn so viel arbeitete sie ja nun wirklich nicht. Sie erinnerte mich sowohl an Jefferson, als

auch an Marcy aus "Eine Schrecklich Nette Familie", denn, wie gesagt, sie lag Michiru einerseits auf

der Tasche, aber andererseits war sie sogar nach Expertenmeinung nur auf dem Papier und zwischen den Beinen ein

Mädchen. Ich tippe ja immer noch darauf, daß sie sich während ihrer Sportlerkarriere mit Hormonen

vollgepumpt hat.

Aber zurück zur Story: Inzwischen war "Rock'n'Roll Dreams Come Through" aufgelegt, und da es die

alte Jim Steinman-Version war, vermutete ich, daß sie Mamorus Schallplattensammlung des 20 Jahrhunderts gefunden

hatten. Und ich fragte mich, wieviele von ihnen (den Senshi) wußten, daß die Sammlung auf 20 Mille

geschätzt wird, und wieviele (von den Platten) als Scherben auf dem Tisch lagen.

Außerdem roch ich, daß der Alkohol, wie schon in Episode 2, in Strömen floß, die dem Oktoberfest

alle Ehre gemacht hätten. Naja, wenigstens waren die Mädels dann besoffen, was sich bei ihnen immer in

"Wenig anhaben" äußerte. Das würde dann auch Harukas Anwesenheit erklären, die,

daß muß ich zugeben, einen sich öffnenden BH auf 600 km Entfernung wahrnimmt. Ich frage mich,

wie Michiru es mit ihr aushält, aber möglicherweise tut sie es ja gar nicht und vergnügt sich ab

und zu mit Setsuna, wenn Haruka wieder einem sich öffnenden BH gefolgt ist.

Wir klingelten also. Makoto trug eine Sonnenbrille um ein blaues Auge zu verbergen, was aber, um 22 Uhr, keine

gute Idee war, um die Aufmerksamkeit von sich zu lenken - Wenn sie auf meinen Rat gehört und nur ein Bikinitop

angezogen hätte, hätte ihr garantiert niemand ins Gesicht geschaut. Aber wer hört schon auf einen

gutgemeinten Rat, heutzutage? Naja....

Also, Ami öffnete. Nach den roten Strichen auf ihrer Nase zu urteilen, war da viel Alkohol mit im Spiel. Außerdem

trug sie nur einen Slip, was mich noch mehr zu der Annahme veranlaßte, daß hier gebechert wurde, bis

die Toilette schwamm. Oh ja, ich erinnerte mich gut, was beim letzte Senshi-Besäufnis vor sich ging, an Usagi

Geburtstag - und das füllte mich mit Vorfreude.

(Anm. d. Authors: Merken: Lemon schreiben!)

Aber so bemerkte keiner Makotos Sonnebrille.

Das Wohnzimmer sah aus, als hätten die Franzosen darin eine Revanche für Waterloo gefordert. Mamos Plattensammlung

war Gott sei Dank noch relativ heile, aber es war nur eine Frage der Zeit bis man hier schamlos genug wurde, um

das alte Spiel "Wieviel verträgt Vinyl?" zu spielen.

Außerdem roch es hier wie eine Mischung aus "Sauna" und "Bettuch eines schwitzenden, pubertierenden

Jungen", was allerdings wahrscheinlich an Harukas neuem Eau de Cologne lag. Ich nannte es "Fliegenfalle",

da mir der französische, extrem teuer klingende Name immer wieder entfiel. Ich bemerkte, daß auch Setsuna

anwesend war. Sie war noch halbwegs da, allerdings war Minako voll wie eine Haubitze.

Ich dachte einen Augenblick an die Nachbarn ,aber die waren in Urlaub gefahren, wie mir Michiru, die auch noch

nüchtern war, versicherte.

Minako hob mich hoch und drückte mich an sich, wie immer, wenn sie besoffen oder in kindischer Stimmung, oder

wenn ihr kalt war. Nicht daß mir das nicht gefallen hätte, Minako war ja nicht das, was man gemeinhin

als "flach" bezeichnet (das war Haruka), aber die Fahne, die sie hatte, raubte mir fast das Bewußtsein.

Und ich bin einiges gewöhnt. Als ehemaliger Barkeeper in einer Trapperkneipe in Alaska muß man hart

im Nehmen sein.

"Du bist so süüüß!" maunzte sie und küßte mich auf die Schnauze.

Sie war sternhagelvoll, na klar. Usagi , die es sich auf Setsunas Schoß gemütlich gemacht, und sich

an ihre ausladende Brust geschmiegt hatte, wohl auch. Makoto hielt Ausschau nach einem Fluchtweg, aber da wurde

ihr schon das Mikro und eine Platte von Slayer in die Hand gedrückt.

"Weg da!" rief ich und grabschte mir beides "Das ist meine Musik!"

Und dann ließ ich meiner in den langen Jahren als Roadie von Nuclear Blast Records gestählten Röhre

freien Lauf. Seit mir Cronos auf einer Sauftour beigebracht hatte, wie man seine Stimme richtig thrashig verstellt,

war ich immer wieder der Partygag, vor allem da ich den Bass dieses Herren in solcher Weise nachahmen konnte, daß

sogar treue Venom-Fans getäuscht wurden, und dachten, der Meister persönlich würde für sie

von einem Drahtzaun aus "Black Metal" spielen.

Naja, gute Augen hatten sie ja meistens nicht, vor allem nach 6 Kästen Bier.

Aber weiter: Ich kotzte mir also zu Reign in Hell den Kehlkopf raus, und nach anfänglichem Zögern fingen

Rei und Setsuna an, zu headbangen. Minako und Usagi stimmten mit ein.

Wie erwartet konnten weder Ami, noch Haruka, noch Michiru mit dieser Art Musik etwas anfangen, aber Michirus Fuß

wippte gefährlich hin und her.

Als dann auch noch meine patentierte Luftgitarre drankam, als das Solo gespielt wurde, hielt es keinen mehr, und

die ganze Gruppe war am bangen und pogen.

Doch auch dieser Song mußte zu Ende gehen, und vor meinem nächsten Exzess brauchte ich erstmal etwas,

um meine Kehle zu ölen, aber als dann "School's Out" kam, war ich sofort wieder am Mikro.

Ja, ja, der gute Alice. Hab' seine Lederjacke immer noch - er kam nie zurück, um sie sich wieder zu holen.

Aber nach einer Tour durchs Kiez vergißt man so manches.

Und dann hatte ich endlich Zeit meine geschundenen Stimmbänder mit etwas Hochprozentigem zu belohnen. Der

Strohrum kam da gerade recht: Zwei tiefe Schlucke und das Halsweh war verschwunden. Wenn man's nicht gewöhnt

war, sah danach die Welt auch wieder ganz anders aus. Und wenn man's ganz und gar nicht gewöhnt war, war das

nächste, was man sah, der Krankenwagen von innen, oder auch der Sensenmann, je nach persönlichem Karma.

Inzwischen hatte sich die Party mehr oder weniger im Sande verlaufen, da jede in den Armen einer anderen lag. Wenn

Mamoru wüßte, was Usagi mit Setsuna so alles anstellte....

Makoto war zwar noch nicht ganz betrunken, aber zu übertrainiert, um sich gegen Rei und Minako wehren zu können.

Nur ich ging mal wieder leer aus. Luna pennte nämlich.

Aber so war das halt. Mal wieder ein kaltes Bett heute nacht. Bemitleiden Sie mich bloß nicht.
 

******

Der nächste Tag war ein typischer Tag danach, wie er von Buch- und Filmindustrie immer wieder gerne für

Film- oder Buchtitel mißbraucht wurde: Das Bad war erstmal stundenlang besetzt, weil jeder reihern und sich

danach etwas frischmachen wollte. Allerdings schien nur Ersteres von Erfolg gekrönt gewesen zu sein. Jedenfalls

waren alle ziemlich blaß um die Nasenspitze, als ich Frühstück machen mußte. Warum? Versteht

sich doch wohl von selbst: Katerfrühstück.

Ein paar Vitamintabletten im Wasser halfen den meisten über das chemisch induzierte Stimmungstief, aber da

wir gestern den Kühlschrank leer gefressen hatten, mußten die anderen ihren schlechten Magen mit kaum

mehr als Pringles und labbrigem Toast (so zu, daß wir den gegessen haben waren wir nämlich selbst gestern

abend nicht gewesen) ertragen.

Ich hatte jahrelange Erfahrung mit dem bösen Alk, und so war ich am Frischesten von allen. Keiner beneidete

Makoto, die wieder zurück zum Training mußte.

Sie raffte sich nach 2 Gläsern Schnaps (das einzige, was noch da war) dann doch noch auf, während die

anderen gerade Strohhalme zogen, wer von ihnen zum Einkaufen gehen und seine Zombie-Fratze der Öffentlichkeit

präsentieren mußte.

Mir war das natürlich sackegal.

Makoto torkelte also in Halbtrance zurück zum Trainingsplatz, wo Go ihrer schon harrte.

"Sei'n sie nich' so hart mit ihr - sie hatte die Nacht durchgesoffen." Meinte ich, entlockte ihm aber

nur ein sadistisches Grinsen.

"So, so. Kater, was?" fragte er und Makoto nickte mit einem müden Lächeln.

Er ging ins Haus und ich fragte mich, was für einen teuflischen Plan er nun wieder ausgeheckt hatte. Er kam

mit zwei Kugeln und einer Flasche Wasser wieder. Die Kugeln, sie waren braun/gelb/grün, löste er in dem

Wasser auf, das anfing, zu rauchen.

"Trinken." Befahl er.

Makoto nahm die Flasche, hielt sich die Nase zu und kippte das Zeug runter.

Kurz darauf wurde sie puterrot, und fing an, zu zittern.

"Was haben Sie ihr da gegeben?" fragte ich.

"Ein altes chinesisches Kraut...... Ihr Herz läuft nun auf Hochtouren, und in spätestens 10 Minuten

ist der Alkohol ausgeschwitzt..... früher hab' ich das Zeug benutzt, wenn ich keine Lust auf laufen hatte,

denn es haut den Kreislauf echt hoch."

BUMM!

Und Makoto hatte es umgehauen.

Go verabreichte ihr mal wieder einen Eimer kaltes Wasser, wodurch sie wieder zu sich kam.

"Liegestützen." Befahl Go.

Makoto fing an, zu pumpen, mit Gos Hand im Genick.

Und so ging das dann Wochen-, ja monatelang. Ich kam nicht umhin, Makotos Ausdauer (und andere Dinge an ihr) zu

bewundern. Schließlich schaffte sie es sogar, dem Holzschlägel einige zu verpassen, ohne sich was zu

tun. Und ihre Liegestützenzahl steigerte sie auf 190. Nun waren ihre Arme zwar ansehnlich, aber nicht mehr

mädchenhaft.

Auch ihre Knöchel veränderten sich: Sie waren am Ende ziemlich platt und mit einer Hornhaut bedeckt,

die andere Leute am Fuß haben - wenn sie täglich über Reißnägel laufen.

Ja, und sogar an den rohen Fisch gewöhnte sie sich. Sie pflegte auf dem Dach von Gos Hütte zu sitzen

und genauso grimmig zu kauen wie ihr Sensei. Sie wurden sich tatsächlich immer ähnlicher, denn bald fing

auch Makoto an, von mir Liegestütze zu verlangen.

Ja, es war eine schöne Zeit.

******
 

Nach mehreren Monaten harten Trainings war Rubeus so weit fortgeschritten, daß er die unterste Stufe erreicht

hatte, mit der seine Lehrer zufrieden waren: Er zerriß ohne eine Gesichtsregung Gitarrensaiten, und schaffte

140/300/320 (Bankdrücken/Kniebeuge/Kreuzheben). Außerdem machte er Crunches mit Esmeraude auf der Brust.

Seine Muskeln waren definiert, seine Knochen waren hart wie Metall, und die Nerven in seinem Körper machten

höchstens ein böses Gesicht, wenn ihnen ein Stahlträger in die Quere kam. Außerdem war Rubeus

nun ständig von schwarzen Blitzen umgeben, dank Bisons Chi-Training.

Kurz gesagt, besser konnte er bis zum Mortal Kombat kaum werden. Doch erst ein Übungskampf gegen einen gefangenen

Kämpfer.

"Bereit?" fragte Rau.

"I bin b'reit g'bor'n worn!"

Bison teleportierte nun Rubeus' Gegner her, einen blöd gedroschenen Karateka mit Stahlnoppen an den Handschuhen,

einer Narbe über der Brust und einer Dragonball - kompatiblen Frisur. Hinten auf der Hose stand "Kazuya"

Der Typ griff sofort mit einem Kreistritt aus der Drehung an, doch Rubeus duckte sich drunter und verpaßte

ihm gleichzeitig einen Schlag gegen den Solarplexus und einen gegen das Knie des tretenden Beines. Darauf folgte

ein Lowkick gegen die Innenseite des anderen Knies, und Kazuya mußte zu Boden.

"Wor dös ois?" fragte Rubeus.

Kazuya sprang wieder hoch und griff erneut, diesmal mit dem Flash Punch Combo. Rubeus wich zur Seite aus und umkreiste

seinen Gegner. Dann sprang er Kazuya mit dem Knie in den Rücken und riß ihn dann zu Boden, wo er ihn

mit Schlägen eindeckte.

Kazuya war somit Geschichte, ebenso wie sein Gesicht.

Rubeus machte seine Siegesgeste - er schwebte in der Luft, umgeben von schwarzer Energie und ließ ein irres

Lachen erschallen (hatte sich Bison ausgedacht).
 

******

"Nun werde ich dir das letzte Geheimnis des Chien Quan enthüllen: Unseren Super Move." Meinte Go.

Inzwischen hatte Makoto schon gelernt, diese Chi-Klingen zu erzeugen, auch wenn sie in ihrem falle aus Elektrizität

bestanden und deshalb etwas instabiler als die ihres Senseis waren.

Go stellte sich etwas abseits von uns, und wir gingen aus Instinkt ein paar Schritte zurück. So ein Super

Move war nämlich etwas ungeheuerliches, jedenfalls in Streetfighter.

"Jetzt paßt auf: Durch eine spezielle Atemtechnik nehme ich das Chi zwischen Himmel und Erde in mich

auf."

Ich verstand zwar nur in Ansätze, was er meinte, aber die Atemtechnik hörte sich an wie das Aufstoßen

eines Malariakranken.

Das rote Licht, das vom Erdboden in seinen Körper drang, und das blaue Licht, das von oben kam, akzentuierten

seine Worte jedoch in cooler Weise.

Go atmete dann rasselnd ein, worauf sich die beiden Lichter in seinem Hara trafen und dort in einader übergingen.

Das ganze sah eher nach 60'er Disco als nach Super Move aus, jedenfalls nach meiner unmaßgeblichen Meinung.

"ONIKIRIZAN!" rief Go plötzlich und vollführte einen Rising Uppercut, wobei er in ein bläulich-rotes

Kraftfeld gehüllt war, und auf einer sichtbaren blau-roten Linie gen Himmel stieg. Und stieg. Und stieg.

Bis er nur noch Fliegendreck vor den weißen Wolken war.

Nach 20 Sekunden kam er schließlich wieder unten an.

"Also, üb' das mal. Es muß natürlich schneller gehen."

Aus seinem Munde hörte sich das immer so einfach an.

Also übte Makoto. Und übte, und übte, und übte. Aber das Beste, was sie zustande brachte, war

ein rotes Flimmern um ihre Beine.

"Naja, Ryu hatte im original Streetfighter ja auch keinen Supermove - das paßt schon." Meinte ich.

"Fotze!" knurrte Makoto und preßatmete weiter.

Ich streckte ihr die Zunge raus und ging in Gos Hütte.

Morgen war er also, der Mortal Kombat, jedenfalls nach dem Kalender. Dann würde sich das Schicksal der Welt

entscheiden.

Ich gähnte.

Die Welt konnte weder viel besser, noch viel schlechter werden. Ich meine, Gott wird schon einen Grund gehabt haben,

hieraus kein Paradies zu machen, denn sonst würde ja niemand mehr in den Himmel wollen, die Folge wären

dann böse Leute und nach 300 Jahren Hell on Earth, mit anderen Worten heute.

Makoto kam herein, und unterbrach meine philosophischen Gedankengänge.

An ihrem Gesichtsausdruck und daran, daß sie mich zertreten wollte, erkannte ich, daß sie es wohl nicht

geschafft hatte.

"Ah, ich kenn' dich doch, Makoto! Du hast sie wieder alle in die Tasche gesteckt!" maunzte ich.

Und dann lief ich weg, so schnell ich konnte.
 

******

"Mako-chan! Mako-chan! Mach sie fertig und geh ran!"

"Könntet ihr warten, bis ich im Ring stehe?" fragte Makoto.

"Wir üben nur unseren Cheerleader-Auftritt!" grinste Rei "Und nun, Mädels: Die Pyramide!"

Ich schaute weg, damit mir der Haufen kletternder und herunterfallender Mädchen aus dem Gesichtsfeld kam.
 

"Wir haben gestern sogar die ganze Nacht geübt, wie ...äh... wie.... wie wir dich aufwärmen

könnten!" hörte ich Minakos Stimme.

"Äh, danke!" hörte ich Makotos Stimme.

Wir saßen also auf diesem Geisterschiff, zusamen mit Fightern aus aller Herren Länder und deren Trainern.

Kost und Logis glänzten durch Abwesenheit, aber so war das nunmal. Auf der Einladung hatte auch gestanden:

Bitte bringen Sie für die Seereise ihre eigene Verpflegung mit.

Da aber die meisten Kampfkünstler Kleingedrucktes aus Passion nicht lasen, oder zu dumm dazu waren, war die

Reeling mit fischenden Karatekas gesäumt, die alle eine eiligst aus den herumliegenden Holzteilen und Seilen

gebastelte Angel ins Wasser hielten.

Mir war das wurscht, ich war aus meiner Zeit im Knast gegen Hunger, Durst und Kälte fast immun, auch wenn

ich es liebte, mich zu beklagen. Minako tat dann alles..... WIRKLICH alles..... um mich wieder glücklich zu

machen. Sie kochte sogar für mich, und hatte es darin inzwischen zu einer gewissen Fertigkeit gebracht.

Aber zurück zum Mortal Kombat.

Nach ca. 6 Stunden Seereise kamen wir auf einer komischen Insel an. Sie hatte etwas von der Cote d'Azur und etwas

von Hawaii, aber die offenbar auf ein totalitäres Staatssystem hinweisenden Flaggen am Strand, und die von

hohen Bergen gesäumte Bucht, die mich an "Vergessene Welt" erinnerte, ließen nicht die rechte

Urlaubsstimmung aufkommen.

Also, wir Leute sprangen dann aus dem Schiff an den Strand und folgten dem ausgeschilderten Weg.

Wir kamen nach einiger Zeit zu einem Palast, der dem Archiv von Boris Vallejo entsprungen hätte sein können.

Bloß die nackten Tussis und die häßlichen Krieger fehlten. Aber mein Gefühl sagte mir, daß

das schleimige Drachenwesen nicht fern, die Kampfsportler die häßlichen Krieger und Makoto die halbnackte

Tussi waren, oder jedenfalls bald sein würden.

Wir wurden von üppig gebauten (Brust) Dienerinnen und noch üppigeren (Arme) Palastwachen empfangen, die

uns auf unsere Zimmer führten.

Die waren jedoch eigentlich gar nicht nötig, denn der MK fand in einer Raum-Zeit-Schleife statt, so daß

wir uns aufwärmen konnten, und sobald wir am Ring standen nicht mehr müde, hungrig oder kalt wurden.

Das war an sich schon geil, aber wahrscheinlich sündhaft teuer.

Also ging man gleich zur Tagesform über: Aufbautraining und anabole Spritzen im palasteigenen Gym. Nachdem

die dortigen Wachen weggeprügelt worden waren, übernahmen die schwitzenden, muskulösen Kampfkünstler

die luxuriösen, verchromten Geräte.

Schon bald roch es hier penetrant nach Männerschweiß und der Unterhose eines Pubertierenden.

Makoto ließ sich davon jedoch nicht aufhalten und war schon bald in dem Teufelskreis Bankdrücken, Kniebeugen,

Kreuzheben gefangen.

Doch auch diese eine Aufwärmsession mußte zu Ende gehen, auch wenn sie in dem luxuriösesten Gym

stattfand, das die Anwesenden bisher besucht hatten - so ging der Abschied auch nicht ohne Tränen vonstatten,

vor allem ein bärbeißiger Kickboxer aus der Kosakei wollte sich kaum von der Hantel trennen.

Und so standen wir bald vor dem Ring in der Raum-Zeit-Schleife, dicht gedrängt neben anderen Fightern aus

Ländern, deren Namen ich mir nicht merken konnte. Aber Makoto war die Einzige, die ihren eigenen Fanclub mitgebracht

hatte.

Die Senshi trugen noch kürzere Röcke als sonst, was mir sehr angenehm war, und sie versuchten sich als

Cheerleader, was ungleich unangenehmer war.

Aber trotzdem: Makotos erster Kampf ging gegen einen holländischen Kung Fu Meister.

Dieser trug gefährliche Holzschuhe, die er aber, wohl wegen Dummheit, vor dem Kampf auszog. Erst später

erfuhr ich, daß alle Kämpfer irgendetwas aus ihrem Land tragen mußten, der Übersichtlichkeit

wegen. Deshalb also hatte Makos Karategi diesen roten Fleck hinten drauf.

Makoto machte mit dem drahtigen Möchtergern-Shaolin kurzen Prozeß. Go konnte nicht mal "Mach's

spannend!" rufen, so schnell fegte sie ihn auf die Bretter. Genaugenommen mit einer Jabgeraden wie aus dem

Bilderbuch, die durch seinen Block geschnitten hatte, wie ein Diamant durch Pellkartoffeln.

"Hua." Hörten wir da eine grausig bekannte Stimme mit einem noch grausigeren Akzent hinter uns.

Das stand tatsächlich Rubeus! Und seine Kung Fu Uniform deutete darauf hin, daß er nicht nur als Hausmeister

hier war.

"Sou, ihr kempft oiso aach mid?" fragte er "Dös wiad g'schmackig!"

"Keiner Weibergeschichten!" rief da ein blonder Muskelmann, er hätte Dolph Lundgrens Zwillingsbruder

sein können, und zog den Rothaarigen weg.

Ich konnte mich täuschen, aber war er breitschultriger geworden seit unserer letzten Begegnung?
 

******

Makoto metzelte ihre Opfer mit einer Leichtigkeit, daß selbst Go grinsen mußte, zum ersten Mal seit

seiner Geburt. Ob Ringer, Karateka, Thai Boxer oder Profi Wrestler, keiner stand länger als eine halbe Minute.

Das war natürlich toll. Leider besiegte Rubeus seine Gegner in durchschnittlich 2 Sekunden, was darauf hindeutete,

daß er auch ein bißchen trainiert hatte. Vor allem die Typen, die in seiner Ecke waren, die kamen mir

schon etwas seltsam vor: Ein Typ mit goldenem Hörnerhelm und einem Gesicht wie ein Blumenkohl, ein geisteskranker

Diktator, Dolph Lundgren und Arnold Schwarzendegger.

Das waren offenbar seine Trainer. Und ebendies veränderte unsere Taktik. Go versuchte zum Beispiel, ein Taxi

zurück nach Okinawa zu ergattern, was ihm aber nicht gelang. So mußte er sich die Ringschlacht eben

antun.

Also, Makoto und Rubeus pflügten durch das Heer an Herausforderern wie ein Virtua Fighter Profi durch unerfahrene

Tekken-Spieler.

Und am Ende standen sie dann gegeneinander.... der letzte Kampf des Abends, wenn man das in dieser Zeitschleife

so nennen konnte, Hauptgericht und Dessert zusammen, die Schlacht der Schlächte.......
 

MAKOTO VS. RUBEUS
 

Go hielt Makoto das erste und Zweite Ringseil auseinander, damit sie durchsteigen konnte. Rubeus betrat den Ring

auf seine Weise: Er sprang von der Umkleidekabine auf's oberste Seil, wo er einen einhändigen Handstand vollführte

und dann mit einer dreifachen Schraube im Ring landete.

Auf dem Ringrichter. Der Ansager hüpfte mit vor Angst benässten Beinen aus dem Ring.

Das war aber nicht so schlimm, denn es war ja ein Kampf ohne Regeln, also war der Ringrichter eher Formsache, auch

wenn er nun etwas unförmig war.

"Hua! Makoto Kino!" fing Rubeus an "Den gånzen Obend hob i draaf gwoaded, dia main duachdräniaden

Badie zu zoang, dör die fanichtn wiad! Echt tåff!"

"Äh?" machte Makoto.

"Jå wos moanst'an dua, wårum i dös b'scheiade Leiberl då trog?!"

Er tippte sich auf die Kung Fu Uniform, die er sich darauf mit einer Handbewegung vom Leib riß.

"Ooooooh!" machten Go und ich.

"MUSKELN!" sabberten Minako, Usagi und Rei.

Makoto schluckte nur.

Vor uns stand der neue, improved Rubeus, der ekligste, sehnigste Haufen Muskel, den ich in meinen Leben je gesehen

hatte - gegen ihn war Johnny dünn und schlaksig gewesen, wenn auch gut drei Köpfe größer:

Jeder einzelne Muskel war an dem 6 Fuß Körper von Rubeus zu sehen, gerade so als habe man ihm die Haut

abgezogen und auf die reinen Muskeln Hautfarbe aufgetragen. Und daß er ein Ringseil zerriß, bewies,

daß das nicht nur gut aussah, sondern auch leistungsfähig war.

Dann spannte er an, und seine Muskulatur sprengte die Maßstäbe normaler Sterblichen. Selbst Arnold konnte

sich ein anerkennendes Lächeln nicht verkneifen, und Makoto, die auf solche Hardbodies stand, vergaß

für einen Augenblick Training und Kampf, und pure Lust trat in ihre Augen.

"HEY!" Go watschte sie ab "DER DA GEGNER! DU TÖTEN! SONST DICH TÖTEN!"

"Äh, ja, klar." Meinte Makoto.

"I hoff du bist guad draaf, doß dös a långer Kåmpf wiad!" grinste Rubeus und knackte

mit seinem Nacken.

Der Gong ertönte, und beide gingen in Kampfstellung.

Sofort griff Rubeus an, mit einer Geschwindigkeit, die man ihm mit dieser Masse nie zugetraut hätte, und traf

Makoto voll ins Gesicht, so daß ihr Kopf sich gefährlich nach hinten bog. Er setzte mit drei Schlägen

gegen den Kopf und einem Magenhammer nach, der von einem Kreistritt im Sprung gefolgt wurde. Makoto wurde in die

Seile geschmissen und federte zurück.

Rubeus wich seitlich aus und erwischte sie mit einem Seitwärtskick in die Rippen und mit einem Ellenbogenschlag

auf die Wirbelsäule.

Makoto ging keuchend und spuckend zu Boden.

Naja, sie würde es überleben. Go hatte sie schlimmer vertrimmt.

Sie rollte sich nach vorne und sprang auf die Füße. Sie attackierte Rubeus mit Halbkreistritten gegen

Knie und Torso, die Rubeus aber einfach so wegsteckte.

"Hahahaha! So wiad dös nix!" lachte Rubeus, sprang nach vorne und machte einen Uppercut mit der

Handfläche, der Mako in die Luft wirbelte. Als sie wieder runter kam, schmetterte er sie mit einem Axtkick

wieder auf die Bretter, die sich bogen.

Die anderen Senshi verbargen ihre Gesichter. Diese Luschn.

"Mako! Geh ran!" riefen Go und ich wie aus einem Mund.

Makoto drehte sich am Boden, wobei sie Rubeus die Beine wegkickte. Dieser kam jedoch mit einem Rückwärtssalto

wieder auf die Beine.

"Hiryu Kyaku!" rief Rubeus und kam sofort mit sechs Seitwärtskicks in Folge nach vorne, wobei er

Makoto fast durchrannte. Dem Ganzen folgte ein weiterer Axtkick, dem Makoto auswich und Rubeus mit einem Ellenbogenschlag

auf's Schulterblatt traf, wozu noch ein Kniestoß kam. Dann bekam sie ihn in einen Würgegriff. Rubeus

spannte alles an, und Makoto wurde von einer Energiewelle weggeschleudert.

Sie kam jedoch wieder mit einem doppelte Kreissprungkick zurück, der diesmal von Chi geschwängert war,

doch Rubeus verschwand einfach und tauchte hinter Makoto wieder auf, die ihn dann mit einer Backfist ins Gesicht

erwischte. Das machte ihn aber eher sauer als verletzt und er revanchierte sich mit einem Magenhammer und einem

Ellenbogen auf's Kreuz. Als Makoto am Boden lag, erhielt sie noch einen Tritt in den Nacken, konnte aber noch in

Rubeus' Gemächt kontern.

"Hahahaha!" lachte Rubeus "Du bist gånz schön hårt, aber dös kriag i scho

hi!"

Makoto sparng akrobatisch auf die Füße und griff mit einer Box-Kombination an, doch Rubeus machte sich

nicht einmal die Mühe, zu blocken. Er trug nicht mal Nasenblute davon. Dann packte er Makoto am Hals, hob

sie mit einer hand über seine Kopfhöhe und schmiß sie zu Boden.

Dann ertönte der Ringgong und die beiden Kontrahenten mußten sich trennen. Da die erste Runde nichts

erbrachte hatte, würde nun in der zweiten Runde bis zum Ende gekämpft... und wenn ich "Ende"

sage, meine ich "Ende".

"Verdammt! Ich schaff' ihn nich'!" fluchte Makoto und spuckte einen Zahn aus "Und schau' mich nich'

so an, Usagi. Das macht mir Angst."

"Sag' Go, er soll das Handtuch werfen!" wimmerte Ami.

"Ich habe keine Handtücher - Tod oder Sieg lautet die Devise, denn das ist ein echter Kampf." brummte

Go.

"Ich sitz' wie ein Schutzengel auf deiner Schulter!" brüllte ich Makoto ins Ohr "Jetzt geh'

da raus und tritt Arsch!"

Und da ertönte, wie auf Kommando der Gong.

Makoto fing diesmal mit einem eingesprungenen Punch an, der auch traf, und dann wendete sie eine der Chi Techniken

an: Ein Uppercut mit der Innenhandkante.

Rubeus wurde davon überrascht und trug eine fette Wunde über den ganzen Körper davon.

"Dös is wia a Schwead!" kombinierte er.

Dann traf ihn Makoto mit einem absolut präzise in die Rippen gezielten Vorwärtskick, und Rubeus knickte

sogar etwas in der Magengegend ein.

"Dös konnst bessa." sagte er schließlich.

"Hagane Jo Ken!" rief Makoto und eine Kuppel aus Slash-Energie bahnte sich ihren Weg von ihr aus durch

den Ring. Rubeus blieb einfach stehen. Er bildete ein Energiefeld um sich, das ihn etwas vom Boden weghob, und

so machte ihm die Kuppel nichts aus.

"HA!" rief er und warf einen Feuerball aus dunkler Materie, die Makoto voll in die Brust traf. Sie wurde

in eine Eckke geschmettert und kam nicht mehr hoch.

"Dös war's woul."

"Kann....nicht....atmen...." keuchte Makoto und hielt sich die Rippen.

Ihre Atmung ging kaum und Schweiß und die Angst vor einem Erstickungstod standen ihr im Gesicht. In ihren

weit aufgerissenen Augen stand der Ausdruck des nahenden Todesengels.

"Mako! Mako!" rief Usagi, doch sie reagierte nicht und versuchte krampfhaft, irgendwie wieder mit dem

Atmen anzufangen.

"Duad's weh?" grinste Rubeus schief "Nyahahahahaha!"

Oh Mann, jemanden so zu sehen ging selbst einer Bärennatur wie mir an die Nieren. Makoto kippte nach Luft

schnappend nach vorne um.

"Verdammt." Zischte Go und der Blick in seinen Augen verriet, daß er jetzt liebend gerne in den

Ring steigen und Rubeus den Kopf zerschmettern würde.

Ich hingegen blieb cool genug, mich an die Lehren des chinesischen Kampfsportlehrers beim MI6 zu erinnern. Das

einzige was die Körperfunktionen wieder hochtreibt ist ein starker Schmerz.

Also sprang ich ihr - Kopf voran- ins die Nieren.

Das tat zwar weh, aber der Schmerz war offenbar tatsächlich genug, um ihre Körperfunktionen wieder auf

Touren zu bringen. Und ich hatte jetzt Kopfschmerzen.

Sie kam mit zittrigen Knien wieder auf die Beine.

Rubeus war sofort bei ihr und rammte ihr den Ellenbogen in die Seite. Sie war nun wieder in der Ecke und Rubeus

schenkte ihr nach allen Regeln des Boxsports ein wie noch nie vorher jemand.

Sie nahm in einer Geste der Abwehr die Fäuste hoch, aber seine Fäuste schlug sie überall, wo sie

gerade keine Deckung hatte. Dann riß Rubeus ihre Hände beiseite und verpaßte ihr den fiesesten

Uppercut, den ich jemals gesehen hatte, direkt auf die Kinnspitze. Als die Faust mit ihrem Gesicht Kontakt bekam,

sah es für einen Moment so aus, als würde ihr der Kopf vom Hals gerissen werden, und ihr Augen traten

hervor, so ungefähr wie bei einer Leiche.

Rubeus grinste und setzte mit dem selben Arm gleich noch einen Rising Uppercut hinterher, der Makoto schnurstracks

nach oben beförderte, auf der selben Höhe wie Rubeus.

"Jetz' is' Sense!" rief er und drückte in der Luft Makotos Kopf nach unten.

"Evil Star Sickle!" rief er mit einem irren Unterton und trat einen Backflipkick, direkt in Makotos Gesicht.

Ihre Augen waren kurz vor dem Aufprall weit aufgerissen und das trockene Brechen eines oder mehrerer Knochen konnte

man bis hier unten hören. Rubeus' Fuß war von dunkler Energie umgeben, als er Makoto in die Hölle

beförderte.

Er kam auf den Beinen auf, während Makoto auf dem Kopf landete und liegenblieb. Blut rann ihr aus Nase, Ohren

und Mund, ihr linkes Auge war in den Kopf hochgerollt und ihr rechtes war starr. Tränen flossen aus beiden.

"Dös woa goa nix!" lachte Rubeus "Hwahahahahahaha!"

"Mako! Mako!" Usagi schüttelte ihre Freundin.

Makoto reagierte nicht.

"Oh nein..." schniefte Usagi.

Minako und die anderen bekamen keinen Ton raus. Und auch ich war jetzt mit meinem Latein am Ende.

"Dös Böse hat gwunna!" rief Rubeus "Und ich bin da Herr da Wöid!"

Makotos linkes Auge rollte ob dieser Worte wieder zurück. Ihre Pupille war offen. Sie hustete Blut.

"Mako! Du lebst!" riefen die Senshi und weinten vor Freude.

Makoto schien das gar nicht wahrzunehmen, sondern drückte sich mit zitternden Armen und Beinen hoch. Sie schniefte

etwas, aber kam auf die Beine.

Go grinste breit.

"Ich bin noch da...." sagte sie leise, mehr zu sich selbst, mit gesenktem Kopf und von Schniefen unterbrochen.

"So? Du läibst noch? Guad...... du host mein' Respekt. Um ihn dia z'b'weisen, werd' I die mit meiner

wåhren Macht zerschmeddan!"

Er sammelte alle seine Energie für einen letzten Schlag. Makoto stand nur noch in stummer, trauriger Erwartung

da.... zu mehr war sie nicht mehr fähig.

Ein schwarzer Sturm braute sich um Rubeus zusammen, und Bison grinste. Das war es wohl, das wahre, endgültig

Böse. Selbst Go und ich wichen einen Schritt zurück.

"Woaßt wos?" rief Rubeus mit zwei Stimmen "I wui d' Wöid går net...... I wui Zastörung!

Nix soi mehr übrigbleim, wenn I featig bin! Koa Gott, koa Deifäh, nur no' dös Chaos der Nichtexistenz!

Dann is' ois guad!"

Offenbar hatte das Böse noch rechtzeitig vor dem finalen Schlag seinen Tribut gefordert.

"Will er uns umbringen?" fragte Ami.

"Nein...." zischte Go "Er will die Ordnung des Universums selbst vernichten...."

"Du bist nua a Wuam. Und wia an Wuam wird' i di zadredn! DARK DEVIL CHANNEL!"

Makoto wurde von eine Woge purer Schwärze eingehüllt.

"WOS?!" rief Rubeus, als sie danach immer noch stand.

"He." Grinste sie zerschlagen und blickte ihn entschlossen an "Wenn ich schon diejenige bin, die

die Chance hat, dich zu besiegen.... will ich mir das doch nicht entgehen lassen...."

Sie ballte beide Fäuste und führte sie zu ihren Hüften, worauf sie Gos Atemtechnik benutzt.

"DARK FORCE SPIRE!" rief Rubeus, und Makoto wurde in eine Säule aus Bösartigkeit eingeschlossen.

Doch irgendwie schien sie von innen heraus zu leuchten, ein Licht das immer größer wurde.

"Was, was, was?" fragte Dolph.

"Verdammt! Hadoko!" rief Bison.

"Hado...was?" fragte ich.

"Die Hadoko-Tradition aus China...." murmelte Setsuna.

"Ich spüre..... die Kraft.... von Wasser und Sturm.... von Bäumen und Wolken..... von Tieren und

Menschen..." hörte ich Makotos Stimme, obwohl sie nichts gesagt hatte.

"Die Kraft von Himmel und Erde." Grinste Go, und wie üblich hatte keiner eine Ahnung, was er meinte,

außer wahrscheinlich Makoto, aber die redete nicht.

Blaue Energiekugeln sanken von irgendwo oben auf Makoto herab, und rote kamen von irgendwo unten herauf, um sich

zu weißen zu verbinden, wenn sie Makoto berührten.

Sie streckte beide Arme aus.

"Das ist es...... die Kraft des Lebens und des Todes!" rief sie.

Offenbar zu viele Kopftreffer.

Blitze fingen an, um sie zu zucken, und weiße Energieringe schwirrten um sie.

"Maista, wos is dös?!"" rief Rubeus.

"Hadoko...... ergib' dich besser." Meinte Bison.

"Wos?"

Makoto schaffte es unter größter Anstrengung, die Energie zu verdichten. Sie sammelte sie zwischen ihren

Handflächen.

"Ja! Makoto, benutze die Energie gegen ihn!" rief Go.

"HA....DO......TENCHI.......HAKUSHO!" brüllte Makoto aus Lungenkräften und warf einen weiß-blauen

Energieball auf Rubeus.

"Hua! Wen dös mei Schicksal is'....." lachte Rubeus und breitete seine Arme aus "Dann bin ich

da Nächsde dea stiabt!"

Der Energieball traf ihn voll und umhüllte ihn kurz, bevor er durch ihn durch ging und verschwand. Rubeus

fiel mit geschlossenen Augen zu Boden.

"YEAH! Mako, du hast ihn gef.....!" rief ich.

"Mako!" Usagi und Minako kamen zeitgleich angerannt und rannten ihre Freundin fast um, die ohnmächtig

in ihre Arme fiel.

"Gut gemacht." Lächelte Go.
 

******

"WAH! I konn's nimmer!"

Rubeus versuchte zum fünfzigsten Mal, seine schwarze Macht zu benutzen.... und zum fünfzigsten mal versagte

er.

"Und woaßt wos, Jacobite? I wui's a gaa nimmer b'nutzen... da gonze Haß is weg..... wia in am

schlechten Anime!"

"Dann besorg die 'nen neuen Job." Sagte Diamond "Du bist gefeuert."
 

******

"Und Mako? Wie geht es dir?" fragte Ami.

"Besser. Es geht mir jeden Tag besser." Grinste sie Makoto schief unter all den Bandagen an.

"Sie hat eine bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit. Fast unheimlich... schon nach 3 Tagen waren ihre

Rippen wieder zusammengewachsen." sagte der Arzt

"Ja, ja. Unsere Makoto." grinste Rei.

"Und, was hast du jetzt vor?" fragte ich.

"Ich..." Makoto blickte auf ihre Hand und ballte sie zur Faust "Ich werde jemanden suchen,.... der

stärker ist, als ich..... der mich Hadoko lehren kann...."
 

THE END
 

Hua, dös woas!

Rubeus ist ab, wer kommt nun? Naja, da wären noch das Amazonentrio, und die Starlights brauchen auch noch

ihr Fett ab....

Hymns of praise, money and Sailor Senshi to okami@gmx.net
 

Special Thanks to:

Armadeus (Headbanging Man), Fufuranky (Marillion-Man), Basti, Beck (Ist die Klampfe wieder ganz?), Helmut "BGC"

Naughton (Der Mann, den sie "Half Life" nannten), Gonzo (rausgegammelt), Manfred, Jacob "Wings of

Honneamise" Menzler
 

Das extra dicke Dankeschön für die musikalische Untermalung geht an, dadamm:

Blind Guardian, Anthrax, Einherjer, Rhapsody, Hammerfall, Bolt Thrower und Angra!

Die Artemis Akten, Teil IV
 

- Calling all stations -
 

von Warlock, the wolf in human guise
 


 

Der Smog lag über der Stadt wie ein zu lange zu heiß gewaschener Wollpulli. Ich weiß, ich

sollte nicht so reden, da ich weder Pullis trage, noch sie wasche, sondern eigentlich ganz

zufrieden mit meinem Fell bin. Artemis ist mein werter Name und der Ihre interessiert mich

nicht die Bohne. Sie sollen das hier schließlich nur lesen. Warum ich einen Frauennamen trage?

Fragen sie mich das lieber nicht, denn eine Antwort muß ich ihnen leider schuldig bleiben. Nur

soviel: Es hat weder was mit meinem Geschlecht, noch mit meiner sexuellen Orientierung zu

tun. Also, wie gesagt, der Smog lag. Ich auch, denn um 3 Uhr morgens pflege ich mich noch

einmal rumzudrehen und trotz der Sägeversuche meiner Bettnachbarin Minako noch die eine

oder andere Pulle Morpheus zu bekommen. Nicht daß es einfach wäre, denn sehen sie, Minako

hat die Angewohnheit, so laut zu schnarchen, daß man unser Haus schon mit dem Flughafen

verwechselt hat, wenn sie am Abend zuvor Curry gegessen hatte. Was so ziemlich jeden

Abend ist.
 

Also, während Minako versuchte, mich um meinen sauer verdienten Schlaf zu bringen, ging

das Radio an, das irgendeine sadistische Seele, wahrscheinlich auch Minako, auf 3 Uhr früh

gedreht hatte. Ach ja, ich erinnerte mich: Sie wollte ganz früh auf sein, um noch Karten für das

Three Lights Konzert zu bekommen. Obwohl sie die Sänger näher kannte, hatte sie keine

Freikarte bekommen (was zumindest für den rudimentären Intellekt dieser amöbenartigen

Wesen spricht). Und obwohl sie sie näher kannte war sie noch ein Fan von ihnen. Verstehen

Sie mich jetzt nicht falsch - ich hasse Pop. Mit jedem Haar, und das sind bei mir eine ganze

Menge. Aber wenigstens bringe ich Pop noch ein Gefühl entgegen, und für die Musik (?) die

diese drei androgynen, leicht angeschwuchtelten, ja, wie soll ich sie nennen, Musiker trifft es ja

nicht, Menschen auch nicht.... also, der Einfachheit halber, diese Drei machten Musik, für die

mir selbst mein uneingeschränkter Haß zu schade war. Trotzdem, Minako und die anderen

Senshi, bis auf Haruka (und obwohl ich Haruka, wie jederfrau und -mann weiß, nicht lieb

habe, ist sie mir deshalb etwas sympathischer... ich mache jetzt die Witze über sie zumeist

hinter ihrem Rücken.), standen auf diese Art Durchfall mit Gitarre. Obwohl, bei Setsuna und

Chibi-Chibi wußte ich's nicht so genau, bei Chibi-Chibi, weil sie zu blöd (pardon, jung) war,

und Setsuna, weil sie bisher die Musik noch nicht gehört hatte - manchmal wünschte ich mir,

ich könnte mit ihr tauschen, vor allem, wenn Minako ihr Lieblingslied rauf- und runterspielte.

Also, wo war ich?
 

Ja genau, beim Radio. Schon erschallte die Stimme von Masatoshi Iko, dem Herren und

Gebieter der 3 Uhr Sendung, über den Äther, und so wie er sich anhörte, hatte er sich gerade

eine Pulle Suff gegeben, um in Form zu sein. Durch seine ständig Obszönitäten von sich

gebende Stimme wachte nun jeder, der noch nicht von Minakos Versuchen, das Sägewerk

arbeitslos zu machen, geweckt worden war, auf. Was genau genommen nur Minako war.

"Morgen Artemis!" grinste sie mir entgegen und ich bemerkte, wie jeden Morgen, daß ihr

unmenschlicherweise der Mundgeruch fehlte, der den Rest der Erdbevölkerung jede Früh auf's

Schnellste von einander trennte. Um Überbevölkerung zu verhindern, so meine Theorie. Wie

jedoch gesagt, Minako roch nicht stärker aus dem bodenlosen Loch, das sie Mund nannte, als

sonst. Also nicht. Zuerst mußte ein Frühstück her. Muttern war noch nicht ganz bei sich, da

Minako sie schon um1 Uhr geweckt hatte, und konnte nur zitternd die Kaffetasse halten,

weswegen Minako selbst zu Pfanne und Gewürzen griff. Also, da das Frühstück die wichtigste

Mahlzeit des Tages war, mußte es leicht, aber nahrungstechnisch perfekt sein... nach meiner

Theorie. Minako sah das alles ganz anders: Spiegeleier, drei an der Zahl, eine Menge Speck,

mit der man mich bis zu meiner Rente hätte verpflegen können, Milch, Orangensaft,

Pfannkuchen, und hinterher noch fünf Bananen. Ich fragte mich, wo sie das hinfraß, und

warum ihr beim Husten nicht mal ein unverdautes Hühnerbein aus dem Mund fiel. Die

Mengen, die sie verschlang, ohne dick zu werden, waren fast monströs. Vielleicht hatte sie ja

einen Bandwurm. Oder aber, sie nahm - genetisch verwöhnt- nur an den richtigen Stellen zu.

Wie auch immer, an mich dachte keiner, und so stibitzte ich mir einen Streifen Speck, als

Minako nicht hinsah, und versuchte, mich nicht beim Kauen erwischen zu lassen. Minako

summte ein Lied der Three Lights. Ich fragte mich, warum ausgerechnet ich mit dem treusten

Fan der Three Lights zusammenleben mußte. Keine noch so schöne Frau war das wert. Ich

bekam schon Schüttelfrost, wenn Minako die ersten Töne eines solchen Liedes anstimmte, und

zwar erst tertiär wegen ihrer Sangeskünste: Hauptsächlich wegen der drei Tuntenbären, die

sich da vor meinem geistigen Auge tummelten, und einen Brechanfall imminent machten, und

dann wegen der abnormen Dreiklänge, die sie zwar auf ihren Instrumenten, aber nicht mit ihrer

Stimme zusammenbrachten. Für jemanden wie mich, der ein absolutes Gehör besitzt, ist das

natürlich hundertmal schlimmer, als für einen normalen Menschen, äh, Kater. Auch heute

erschallte wieder ein solcher Anschlag auf jeden denkenden Menschen. In den Liedern ging es

meist um Liebe, Leidenschaft, und alles, was dazu gehört. Das gefiel Minako natürlich

besonders, dieses "was dazugehört", auch wenn die Piepser auf der CD das jeweilige Lied

noch mehr versauten, als es die Three Lights je geschafft hätten. Allerdings gaben sie den

Platten immer eine ganz besondere Note. Minako gröhlte die ausgepiepsten Worte, vor allem

im volltrunkenen Zustand, natürlich fleißig mit, und am liebsten auf offener Straße. Aber ich

schweife ab.
 

Nachdem wir also gefrühstückt hatten, die eine mehr, der andere weniger, zog sich Minako

um (der einzige Lichtblick heute), und schleppte mich, obwohl ich mich mit Krallen und Pfoten

wehrte, zur Ticketverkaufsstelle, wo schon eine Horde meist übergewichtiger Mädchen darauf

lauerte, daß der Ticketstand geöffnet würde. So ängstlich, wie der Verkäufer aussah, würde

das noch etwas auf sich warten lassen - klar, wer wird schon gern von Furien mit einem

Durchschnittsgewicht von 80 Kilo plattgewalzt? Jedenfalls verkrümmten sich mir ob der

Vorstellung, daß, wenn alle Three Light Fans so aussahen, es auch nur noch eine Frage der

Zeit war, bis Minako in ähnlich hefe-artiger Weise aufging, alle Gedärme, so daß ich fast das

Streifen Speck wieder von mir gegeben hätte, in den weit geschnittenen Ausschnitt einer noch

weiter geschnitteneren Nilpferd-Imitation, deren grünlippiges, überschminktes Gesicht meinen

Innereien einen solchen Schock versetzte, daß der Speck drin- und mein Herz stehenblieb. Ich

vertraute auf Minakos Kampfkünste, die sie sich von Jackie Chan und Makoto abgeguckt

hatte, die uns hoffentlich heil durch diese Büffelherde (ohne Büffel beleidigen zu wollen)

bringen würden. Es war schon abstrus, wie breit eine Taille werden konnte. Vor den Mädchen

(?) hier jede es wohl jede mit dem momentanen Yokozuna aufnehmen können, und sie alle

waren ähnlich attraktiv wie jener. Und beiden sagte man das besser nicht ins Gesicht.

Gottseidank endeten hier aber die Ähnlichkeiten, denn die Elefanten hier trugen nicht nur einen

Mawashi sondern Kleidung in Übergröße und ekelerregenden Farben, die nicht mal Haruka

angezogen hätte, selbst wenn man ihr Geld dafür gegeben hätte. Es war das nackte Grauen,

nein, gottlob waren sie nicht nackt, weshalb ich meine Augen zukniff und mich an Minako

drückte. "Ooooh! Was für eine süße Katze!" rief ein Mädchen, das kaum noch über seine

aufgequollenen Wangen blicken konnte und deshalb Ähnlichkeit mit einer Dogge hatte - auch

von der Körperbehaarung her erinnerte nur wenig an ein menschliches Wesen.

Gleich...GLEICH!
 

"Darf ich sie mal halten?"
 

Ich hatte es gewußt. Und Minako würde mich, wie üblich, nicht verteidigen, und ich mußte

mein nacktes Leben wieder durch Klauenarbeit retten. Aber diesmal bezweifelte ich ernsthaft,

ob meine natürlichen Waffen durch die Schwarte dringen würden - verfehlen konnte ich

allerdings nicht. "Er ist ein er. Ja, klar, du darfst ihn halten."
 

Minako übergab mich blöde grinsend an Free Willy. Dann umfing mich gnädige Ohnmacht.

Als ich wieder zu mir kam, lag der Ticketverkäufer neben mir, und sein Stand wurde von den

Tussis geplündert. Minako hielt sich wacker und ergatterte Karten für allen anderen Senshi.

Ich wurde von der Wolke Billig-Parfüm, das mir von der Stampede, die den Ticketverkäufer

überrollt hatte, fast gleich wieder ohnmächtig, doch Minako hob mich hoch und wir verließen

beide lächelnd (Ich wegen eines Deliriums, Mina wegen den Karten) den Schauplatz.
 

******
 

"Wißt ihr, ich habe nachgedacht..."
 

Tigerauge stellte ob dieser weltbewegenden Nachricht sein Whiskeyglas auf den Tresen. "Na,

das ist ja was ganz neues." Gähnte Falkenauge.
 

"Ob wir heiraten sollen? JAAAA!" Fischauge schmiß sich an den blondgelockten Schönling,

oder besser gesagt, an seinen muskulösen Arm. "Laß das, du kleine Schwuchtl!" fauchte

Tigerauge und Fischauge wich verwirrt und traurig zurück. Während Fischauge also schniefte,

fuhr Tigerauge fort.
 

"Was bekommen wir eigentlich dafür, daß wir für diese mit Faltolin gebadete Tunte arbeiten,

Leute?" "Du meinst Zirkonia?" fragte Falkenauge "Du hast recht.... eine widerliche Haut hat

sie.... wenn es eine Sie ist." "Ich rede jetzt nicht von Hauttypen - obwohl das ein interessantes

Thema ist -, sondern von unserem Gehalt. Wir kriegen nämlich keins. Selbst unseren Sprit

müssen wir selbst bezahlen." Meinte Tigerauge. "Stimmt." Fischauge schwenkte seinen

Cocktail herum "Nicht mal Geld für den billigsten Fusel bekommen wir, und müssen immer

alles auf Pump kaufen." "Deshalb brauchen wir einen Nebenverdienst." Erklärte Tigerauge

seinen Plan "Und ich hab' da schon was: Wir gründen eine Band!" "So?" fragte Falkenauge

etwas mißtrauisch "kannst du denn ein Instrument spielen?" "Ich hab' mal ein Gitarrenbuch

gesehen!" meldete sich Fischauge zu Wort "Das kann ja nicht so schwer sein." "Na gut....

Falkenauge, du gehst ans Schlagzeug, dazu muß man nichts können.... ich spiel' dann Bass,

das ist auch einfach. Und dann brauchen wir noch Texte die in das Herz des Publikums

dringen...." ".... und - wuppdich! - steht die Plattenfirma vor der Tür." Fuhr Falkenauge fort.

"Wow! Ich werde sein wie Madonna! Oder die Spice Girls!" seufzte Fischauge. "Ich kenne

zwei gute Gründe, warum nicht....." Falkenauge grinste charmant und blickte auf Fischauges

Brustpartie. "Ach ja?!" keifte dieser gekränkt.
 

"Erstens singt Tigerauge und zweitens machen wir Rock'n'Roll..... mit diesen Poppern will ich

nichts zu tun haben...." "Kannst du denn singen, Tigerauge?" fragte Fischauge.
 

"Ich...äh....ähm...." druckste Tigerauge herum.
 

"Er war mal beim Knabenchor, aber weil da alle schwul waren, ist es ihm peinlich." Lächelte

Falkenauge hilfsbereit. "Stimmt gar nicht! Ich bin nicht schwul, und war es auch nie!" brüllte

Tigerauge. "Also, wie auch immer." Sagte Falkenauge und nippte wieder mal von seinem Glas

"Wo kriegen wir die Instrumente her?" Die sich breitmachende Stille zeigte, wie gut diese

Frage war. "Wir könnten Zirkonia um einen Vorschuß bitten." Meinte Fischauge. "Vorschuß

auf was? Wir bekommen ja kein Gehalt." Grunzte Tigerauge. "Ich weiß! Ich weiß!" meldete

sich Fischauge "Wir verkleiden euch beide als Profi Wrestler! Da ist massig Geld in dem

Geschäft!"
 

******
 

Eine halbe Stunde später standen wir vor Usagis Haus, wo sich der Rest der Bande mit

Minako treffen und ihr die Karten abnehmen wollte. Diese Horde Schulmädchen benahm

sich... naja, wie eine Horde Schulmädchen, wenn es um die Three Lights ging. Während die

Mädels also über typische Mädelthemen redeten, zum Beispiel, ob Yatens Arsch der beste war

(meine Meinung nach war Yatens Arsch jedenfalls der fetteste), ging ich in Ruhe Usagis

Fernsehzeitschrift durch. Ich wußte nicht genau, nach was ich suchte, aber die großbusige

Blondine auf dem Cover hatte mich geradezu magisch angezogen. Auf jeden Fall stolperte ich

über folgende Meldung: "Haben Sie eine Band, aber ihr größter Fan sind Sie selbst? Dann

machen Sie bei unserem Musikwettstreit mit! Der erste Preis ist eine eigene Radiostation!"

Dann standen da noch ein paar nebensächliche Regeln drunter. Schien so, als ob die Typen

zuviel Geld hatten. Wow, eine eigene Radiostation. Das bedeutete Groupies, Kohle und vor

allem massig Arbeit, war also nichts für mich. Andererseits..... aber ich fragte mich, wer wohl

mit einem weißen Kater in einer Band spielen würde. Zugegebenermaßen hatte ich zwar etwas

Erfahrung in der E-Ukulele, aber das war's auch schon. Singen konnte ich zwar auch gut, aber

ein Kater am Mikro würde wohl eher Heiterkeit auslösen. Mein Blick wanderte zu Minako.

Sie konnte gut genug singen, und war auch hübsch genug, um wenigstens das männliche

Publikum von einem weißbefellten Lead-Gitarristen abzulenken. Und schon hatte mein Hirn

ohne mich zu fragen den Entschluß gefaßt: ICH mußt zu diesem Wettkampf, und ICH mußte

ihn auch gewinnen. Das letzte Mal als ich mich so übergangen gefühlt hatte, war an einem

Märzabend im Gefängnis gewesen, als ein 2-Meter-Einzelkämpfer namens Johnny verkündet

hatte, daß ich nun sein Eheweib sei. Daß ich weder weiblich war, noch primäre oder sekundäre

Geschlechtsmerkmale des schönen Geschlechts aufwies, schien ihn nicht weiter zu stören, und

da wir im Gefängnis immer schnell bei irgendwelchen Sachen waren, wurde ich tags darauf

selbst von Wärtern mit "Frau Bökelbrock" (so Johnnys Nachname) angeredet. Daß ich ihm

immer eine verpaßte, wenn er zu nahe rankam, und er mich deshalb mit dem Heizkörper des

Billiardzimmers betrog stand auf einem anderen Blatt. Aber wo war ich? Ach ja.
 

Also, ich überlegte dann noch etwas: Yuuichiro spielte leidlich gut Bass, fehlten also noch der

Rythmusgitarrist und der Schlagzeuger. Vor allem mit Letzterem war das so eine Sache: Die

Arme mußten gut dick, das Schlagzeug teuer und der (ohne Zweifel ihm gehörende)

Proberaum gut isoliert sein, sonst würde es nix werden. Aber bisher hatten genug Bands diese

Anfangsprobleme überstanden, warum also nicht auch jene, die ich eben aus einer Laune

heraus zimmerte? "Artemis, du schaust so komisch." Meinte Mina "Als hättest du was vor."

"Wir werden die Welt erobern! Die Frauen werden für uns die Beine breit machen, und jeder

sonst uns zu Füßen liegen - uns, den ROCKERN!!!!" dachte ich, aber sagte "Miau." Minako

nahm mich auf den Arm. An diesem Ort, so nahe ihrer hervorstechendsten Merkmale (neben

ihren schönen langen Beinen, ihrem knackigen Hintern und ihren großen Augen) konnte ich

immer am besten nachdenken.
 

******
 

"1....2.....3......."
 

"Aufhören! Ihr kriegt die Instrumente ja umsonst!" schrie der Verkäufer verängstigt, nachdem

er an eine Messerwerf-Wand gekettet worden war. "Warum denn nicht gleich?" grinste

Tigerauge "Falkenauge, Fischauge, sucht euch was aus. Und vergeßt meinen Bass und die

Amps nicht." "Geht klar!" schallte Fischauges weibische Stimme zurück, während er und

Falkenauge durch die sündteuren Gerätschaften kruschten. "Paßt auf, um Gottes Willen!" rief

der Verkäufer "Die Fender ist noch von Jimi Hendrix!!!" "Nur die Ruhe, Verkäuferchen. Wir

sind gleich wieder weg." Grinste Tigerauge. Fischauge und Falkenauge hatten entweder ein

gutes Gespür bewiesen oder auf die Preise geschaut, denn das Equipment war vom

allerfeinsten. Und dann teleportierten sich die Drei wieder zurück in ihre Taschendimension.
 

******
 

"Du willst WAS?!" fragte mich Minako.
 

"Du hast ganz richtig verstanden - wir gründen eine Band, mit der wir Geld und eine eigene

Radiostation scheffeln werden." Meinte ich "Is' alles schon geplant. Du machst die Vocals, ich

spiel' Gitarre, Yuuichiro...." "Gitarre? DU?!"
 

Ihr Gesichtsausdruck verriet, daß sie mich nicht ganz ernst nahm, aber ich bedeutete ihr mit

einer abschätzigen Geste, zu schweigen. "Du hast mich schon richtig verstanden. Wir werden

größer als die Three Lights, denn wenigstens kannst du singen......" "Artemis, hör' auf, gegen

die Three Lights zu schimpfen!" keifte Minako "Außerdem werd' ich nicht singen. So. Da hast

du's." "Da hast DU 'n verfräggtes Messer, Spritze. Zwischen die dritte und die vierte Rippe."

Dachte ich, aber sagte "Miau." Irgendwie mußte ich sie umstimmen, diese Idee wurde immer

fixer. "Minako, dir entgehen Tausende von willigen Jungs und Mädels, Groupies genannt, die

nur Eines von dir wollen." "Das wollen sie jetzt schon."
 

Toll. Damit war mein stärkstes Argument bereits auf Tauchstation gegangen. Ich hätte es

machen sollen, wie es in der Grundschule verlangt wird: Mit dem schwächsten Argument

anfangen. Aber nun war's zu spät, dritte Chance vorbei, sozusagen, oder wie das in dieser

ulkigen deutschen Spielshow hieß. Traurig trug ich meine Träume von Minako in enger

Lederkleidung zu Grabe, und fing an, bitterlich zu weinen. Ich tat das nicht oft -

genaugenommen erst zweimal: Einmal als Johnny mir alle vier Beine gebrochen hatte, damit

ich nicht weglaufen konnte, und das zweite Mal zehn Minuten später (Mehr sag' ich nicht).

"Artemis, laß das! Ich kann's nicht sehen, wenn du weinst!" schniefte Minako "Ich fang auch

gleich an... schnieeef......." "Wie willst du das wissen, du hast mich eh noch nie heulen

gesehen." Dachte ich, während ich meinen durch die ungewohnte Anstrengung geschwollenen

Tränendrüsen weiterhin Sturzbäche entlockte, die eine Gruppe vietnamesischer Touristen für

einen Wasserfall hielt, und fleißig knipste - na gut, nicht direkt, aber sie hätten geknipst, wenn

welche dagewesen wären. "Na guhuhut!" heulte Minako "Dann sing' ich eben!"
 

Da das war, was ich wollte, hörte ich sofort auf, zu flennen. Aber dann fehlte trotzdem noch

der Schlagzeuger. Auf modernes Elektrogekloppe Marke Münchhausen, oder wie diese Bands

hießen, wollte ich mich, nachdem ich im 2. Teil Rammstein gehört hatte, nicht verlassen. Ein

Drummer hatte aus viel Fleisch und Blut zu bestehen. Einen Keyboarder brauchten wir auch

noch, aber Rei würde mit etwas Sake leicht zum Unterschreiben des Vertrages zu bewegen

sein. Und dann fehlte noch der Rythmusgitarrist, also hatte ich noch eine ganze Menge zu tun.
 

******
 

Ein Inferno aus Melodik und Heavyness durchflutete die Bar des Amazonentrios. Ein

Gitarrensolo, gespielt von Fingern, die...... noch nie eine Gitarre in den Händen gehalten

hatten. "Ähhhhh..." machte Tigerauge.
 

"Ääääääääähhhhhhh......" machte Falkenauge.
 

"Was ist?" fragte Fischauge verunsichert "War das zu langsam? Hab' ich irgendwo einen

Fehler gemacht? Sagt schon!" "Bist du dir sicher, daß du nie richtig Gitarre spielen gelernt

hast?" wollte Tigerauge mißtrauisch wissen. "Ja, klar!" gab Fischauge zurück.
 

"Er muß ein Naturtalent sein!" grinste Falkenauge selig.
 

"Fischauge, du bist der Schlüssel zu unserem Erfolg." Tigerauge legte Fischauge nach ein paar

Sekunden Selbstüberwindung den Arm um die Schultern "Da kann sich Yngwie Malmsteen

einsargen lassen." "Also Jungs, dann mal los!"
 

Falkenauge setzte sich hinters Schlagzeug.
 

"Spielen wir einfach mal drauf los." Schlug er vor.
 

Jeder drehte seinen Verstärker also bis zur Rotglut auf, und bald erfüllte ein fetter, brachialer

Metalsound die Taschendimension. Man hörte Tigerauge zwar kaum, weil das Mikro zu

schlecht war, aber es hörte sich trotzdem schon ganz passabel an. Es klang sogar leicht jazzig.

"Stellt eure Amps etwas leiser, sonst hören wir Tigerauge ja nicht." Keifte Falkenauge. Gesagt

getan, und nun tönte auch Tigerauges Organ hörbar über den Äther. Es war zwar wegen des

jahrelangen Whiskeykonsums nicht mehr ganz clean, aber als Tenor hatte Tigerauge schon mal

beste Voraussetzungen, um Sänger zu sein. Natürlich sang er vorerst unzusammenhängende

Strukturen, denn die Mühe, einen Text zu schreiben, war allen dreien bisher noch unbekannt.

"Leute, Leute, wir brauchen einen Text!" rief Fischauge, dem das auch schon aufgefallen war.

Tigerauge schnappte sich einen Stift und Papier und fing an, mit einem kratzenden Geräusch

darauf rum zu kritzeln. Nach 3 Minuten stand er zufrieden auf. "Was haltet ihr davon?" fragte

er stolz.
 

"Tja..... mit deiner Handschrift kann ich nichts anfangen." Gab Fischauge zu, während er das

Blatt vor und zurück bewegte "Wo ist oben?" "Banausen!" knurrte Tigerauge.
 

"Naja, Hauptsache, du kannst es lesen..... wir müssen ja nicht singen." zuckte Falkenauge mit

den Schultern. "Also, kurz gesagt geht es in diesem Text um Ehre, Blut, Brüderlichkeit und

Schlachtentod." erklärte Tigerauge pathetisch, mit Tränen in den Augen. "COOL!" rief

Falkenauge.
 

"Ich weiß nicht... ist das heute modern?" Fischauge kratzte sich am Kopf. "Schlag' du einfach

mal die Saiten an." befahl Tigerauge "Und du, Falkenauge, schlägst die Drums zu Brei." "Zu

Befehl!" Falkenauge salutierte und setzte sich wieder hinter das Schlagzeug. Und dann fingen

sie wieder an, zu spielen.
 

Inzwischen bekam das Amazonenquartett mit, daß hier geprobt wurde, denn sie waren gerade

aus dem Mittagsschlaf hochgeschreckt. Mit blutunterlaufenen Augen schlichen sie ins Reich

des Trios, wo ihnen ein Sound um die Ohren wehte, daß Junjun fast einen Tinitus davontrug.

Japanischer Power-Thrash, ja, ja. Pallapalla zog schließlich den Stecker raus, wodurch Vesves

und Cerecere beim Headbangen gestört wurden. "Hey!" rief Fischauge erbost "Ich war gerade

mitten in meinem Solo!" "Vertschüßt euch, ihr Bamsn!" knurrte Tigerauge.
 

"Genau! Hier üben echte Männer!" fügte Falkenauge hinzu.
 

"Echte Männer?" fragte Pallapalla und zeigte auf Fischauge, der rot anlief. "Äh.... vertschüßt

euch einfach!" Tigerauge zeigte auf die Tür "Und kommt nicht wieder!" Obzwar das

Amazonenquartett von Tigerauges leicht schwuler Stimme nicht beeindruckt war, hielten sie

es für besser, Falkenauges gerade erst gepumpten Bizeps nicht herauszufordern und vergingen

sich.
 

******
 

"Ich kann's nicht glauben..... er spricht....." lallte Yuuichiro. "Ja, ja." Sagte ich "Jetzt hör' mir

zu..."
 

Seit Stunden versuchte ich, den apathischen Wischmop in Menschengestalt davon zu

überzeugen, seinen Bass aus dem Schrank zu holen. Leider hatte ich nicht bedacht, daß er

bisher noch nicht gewußt hatte, daß ich sprechen kann. Naja, wußte er es eben jetzt. Leider

reagierte er darauf in einer etwas doofen Weise. Leider wie so ziemlich jeder. "Reiß' dich

zusammen!" ich wollte ihm schon links und rechts eine einbatschen, aber ich erinnerte mich

gerade noch rechtzeitig daran, daß ich nur Pfoten und keine Hände besaß. Vielleicht würde

ihm die frische Luft etwas gut tun. So steckte ich ihn also wie einen sabbernden Fünfjährigen

in seinen Ausgehanzug und schubste ihn auf die Straße - und glauben Sie mir, das war gar

nicht so einfach. Stock und Hut hatte er zwar keinen, aber ich war mir sicher, daß er welche

bräuchte, denn sie würden ihm ganz famos stehen. Dieser Gedanke brachte mich auf ein altes

Kinderlied. Der Text geht so:
 

"Wir folgen jetzt dem Pupuran, denn der schafft immer Bailey's ran Er füllt uns ab, mit Bier

und Schnaps, dann kotzen wir ihn platt
 

Komm, Pupuran, spiel' dein schönes Lied, für jeden von uns der doppelt sieht Für jeden, der

einen sitzen hat, dann kotzen wir dich platt
 

Dies ist ein schönes Lied, in dem sich's nur um's saufen dreht, Trotz Zirrhose erste

Bürgerpflicht, solang', bis der Letzte bricht
 

Komm Pupuran, trink' einen mit auf Ex, mit Feigling, Bacardi oder Beck's Den Alk, den ham'

wir niemals satt, darum kotzen wir dich platt"
 

Oder irgendwie ähnlich. Warum gerade Stock und Hut mich darauf brachte? Keine Ahnung.

Aber wenigstens wußte ich nun, was diese Sandkasten-Fidel-Castros im Sailor Moon S Movie

da gesungen hatten. Yuuichiro erholte sich zwar an der Luft nicht besonders gut, aber daß ihn

ein Lastwagen fast überrollte, war ein guter Gegenschock, der ihn wieder ins Land der

Lebenden zurückbrachte. Kurze Zeit und zwei Biere später saßen wir wieder im Tempel und

ich legte Yuuichiro meinen Plan dar. "Artemis?" fragte er schließlich mit zugekniffenen Augen.
 

"Ja?"
 

"Kannst du wirklich sprechen, oder bin ich verrückt?"
 

"Macht das 'nen Unterschied?" grollte ich.
 

"Hast recht." Yuuichiro zuckte mit den breiten Schultern "Also, wie war das? Ich soll Bass

spielen?" "Genau. Also, üb' fleißig."
 

"Ja, äh, und was?"
 

Yuuichiro hatte mich mit seinem retardierten Hirn und der daraus resultierenden mangelhaften

Beherrschung der eigenen Muttersprache nichtsdestotrotz darauf gebracht, daß wir weder

Text noch Melodie hatten. "Ähm... laß' das mal meine Sorge sein. Üb' einfach." Schwitzte ich

und machte mich dünn. So lief ich also durch die Straßen Tokyos, schaute diesem und jenem

Mädchen unter den Rock, ließ mich bei Angelo mal wieder kostenlos durchfüttern, indem ich

den alten, kranken Straßenkater markierte (Ach ja, Italiener haben ein gutes Herz - auch wenn

ich manchmal vermeine, Angelos Bedienungshilfe die Nummer für den Tiereinschläferer

wählen zu sehen.), wodurch ich es mir mit Minako und Luna wieder zwei Tage lang

verscherzte (Ich sage nur: Spaghetti Aglio e Olio), immer auf der Suche nach einer Inspiration.

Dann kam ich an einem Zeitschriftenladen vorbei. Dann schlug mich etwas nieder: Nein, nicht

das Foto von Minako auf dem "Schoolgirls get naked" Magazin, auch nicht der benietete

Stiefel des Verkäufers, sondern die Muse. Dank Emanzipation und sexueller Revolution war

wohl auch hier der Kuß out, und die Peitsche in. Naja, egal, ich hatte jedenfalls meine

Inspiration: Die wirbelnden Farben auf "Raver aktuell", die offenbar von einem motorisch

gestörten, blind geborenen und LSD-süchtigen Kleinkind gemalt worden waren, gibbten meine

Hirnwindungen so zu, daß sich mein logischer Verstand weinend ausschaltete und ich

erleuchtet wurde: Mein Geist zischte mal kurz ins Nirvana, unterhielt sich mit Jimi Hendrix

und flog wieder zurück in die Nußschale, die ich Kopf nenne. Doch genug der blumigen

Umschreibungen: Ich lief nach Hause, immer einen bestimmten, göttlich inspirierten Riff vor

mich in murmelnd, weswegen mich die Leute ganz schön blöde ansahen. Sollten sie. In drei

Wochen würde ich reich sein, und mir von ihnen sie Pfoten lecken lassen. Daheim riß ich

meine alte Gitarre hervor, die unter einer Tonne von Kleidungsstücken zufrieden vor sich

hinrottete, grabschte mir mein Notenpapier (in das Minako ihre Butterstullen einwickelte) und

fing an, zu spielen. Na gut, meine Finger waren etwas eingerostet, aber es lief noch gut genug,

daß ich den Riff komplett auf Papier übertragen konnte, bevor mein logischer Verstand die

Erleuchtung am Schlafittchen packte und rausschmiß. Darüber war sie ziemlich sauer und kam

bis heute nicht wieder. Dieses plötzliche Gefühl unsagbarer Verdummung rief Minako auf den

Plan, die gerade aus der Dusche kam. "Hallo Artemis." sagte sie und kickte einen Volleyball

weg, der aus reinem Glück nicht durch das Fenster flog, sondern nur eine Topfpflanze zu

Boden riß. Egal, in dem Saustall, in dem Minako wohnte, fiel das nicht weiter auf. 20cm nach

der Zimmertüre begann der Urwald, das kann ich Ihnen sagen, und was man alles Unheiliges

unter Minakos Bett hervorziehen konnte, wage ich nicht zu schreiben. Auf jeden Fall, ich ließ

mich diesmal nicht davon beeindrucken, daß sie das Handtuch fallen ließ, als hätte sie

vergessen, daß ich männlich bin, denn in meinem Kopf rumorte es wie sonst nur nach dem

Genuß von zwei Flaschen Wodka. Während Minako nackend auf und ab stolzierte, rangen

sich meine Gehirnwindungen einen Text zu dem Riff ab. Dann kam mir eine Idee. Warum ließ

ich mich nicht von dem Körper Minakos inspirieren? Ich konnte es so schweinisch und peinlich

machen, wie ich wollte, denn ich mußte es ja nicht singen. Gesagt getan, nach zwölf

Versuchen hatte ich alles, was ich haben wollte, auf Papier. "Was schreibst du da?" fragte

Minako, die sich was übergetan hatte (einen weißen Seidebademantel). "'Nen Text." sagte ich

lapidar.
 

"Laß' sehen."
 

Sie riß mir das Papier aus den Pfoten und grinste breit, als sie mein verschnörkeltes Kanji

entzifferte. "Das soll ich singen? Ist gebongt." Sie lächelte mich an "Ja, ja, wer hätte gedacht,

daß unser Artemis ein solches Ferkel ist." "Das Lied ist über dich." Grinste ich ebenso breit

wie sie "Ich dachte, da du gern über dich redest, singst du vielleicht auch gern über dich.....

aber selbst wenn nicht, du hast eh keine andere Wahl! Hahahahaha!" Und dann verließ ich das

Zimmer bevor sie mir einen Volleyball draufzündete.
 

******
 

Nach 1 Stunde waren die drei Augen so weit, daß sie schon mal eine kleine Probe vor

Publikum starten wollten. "Junjun.... komm' mal her...." lächelte Tigerauge süß.
 

"Was.... was wollt ihr?" fragte Junjun verängstigt.
 

Falkenauge grinste nur böse und zog einen Strick straff.
 

Zehn Minuten Später ward Junjun an einen Barhocker gekettet. "Hör's dir mal an.... wir

wollen deine ehrliche Meinung!" sagte Fischauge. Und dann legten die Drei los: Ein

ohrenbetäubendes, treibendes Stahlgewitter, die Heirat von Melodie und schwarzmetallischer

Härte drang da fett produziert (dank des sauteuren Mischpultes) aus den mannshohen Boxen.

Junjun wippte unwillkürlich mit dem Fuß im Rhythmus. Obwohl sie keinen Schimmer hatte,

was Tigerauge da ins Mikro kotzte, es war irgendwie..... groovy. Es rockte ganz amtlich, das

mußte sie zugeben. 4 Minuten später waren der Song und die Band am Ende.
 

"Und?" fragte Fischauge, da Tigerauge seine Stimme verloren hatte. "Krieg' ich ein

Demotape?" fragte Junjun mit glänzenden Augen. "Klaro!" grinste Tigerauge, der nach einem

kräftigen Schluck aus der Pulle wieder in halber Zimmerlautstärke reden konnte. Nachdem

Junjuns Gelüste befriedigt worden waren, griff Tigerauge nach einer Zeitschrift, die achtlos auf

der Bar lag. "He, Jungs!" rief er heiser "Hier können wir 'ne Radiostation gewinnen." "Ay

famos!" Fischauge schnalzte mit der Zunge, als er Tigerauge über die Schulter schaute. "Wir

werden endlich GELD bekommen..... und Mädels...." Falkenauge weinte vor Freude. "Und

Jungs!" lächelte Fischauge selig.
 

"Los, Tigerauge! Schreib' noch ein paar Texte! Fischauge, schreib' noch einige Riffs!" befahl

Falkenauge. Beide wetzten die Federn und griffen sich etwas Papier.
 

"Oh ja, wir steigen ganz groß ein! Bwahahahahaha!" lachte Falkenauge, die Fäuste in die

Hüften gestemmt.
 

******
 

"Was hab' ich da eigentlich unterschrieben?" fragte Rei.
 

"Nichts weiter..... Nur einen Vertrag als Keyboarderin auf Lebenszeit." Säuselte ich, während

ich das Pergament säuberlich aufrollte und siegelte. "WAS?????"
 

"Na, du hättest dir vorher eben alles gründlicher durchlesen sollen." Ich zuckte mit den

Schultern "Ach ja, willkommen im Club." Rei blickt mich ausdruckslos an.
 

"Schau nicht so! Überleg' dir lieber, wo wir noch einen Drummer und einen

Rythmusgitarristen herkriegen." "Mein Opa hat mal Schlagzeug gespielt....." dachte Rei laut.

"Prima. Bereite ihn vor."
 

Mit diesen Worten ging ich, um einen Rythmusgitarristen aufzutreiben. Draußen in Tokyo

wartete ich wieder auf einen Wink des Schicksals, das mir schon so oft im Leben geholfen

hatte. Diesmal ließ es aber auf sich warten. Ich setzte mich also traurig blickend auf eine Stufe,

so traurig, daß einige Leute sogar ein paar Yen fallen ließen. Das war blöd, denn ich konnte

die Dinger nicht mal in die Hand nehmen. Aber dann kam mir doch wieder göttliche

Einmischung zu Hilfe: Ich hörte aus einem Hochhaus harte Chords a la Stratovarius klingen.

Da wartete mein Rythmusgitarrist. Ich lief also los - und voll gegen die Tür.
 

Zehn Minuten später kam ich wieder zu mir.
 

Die Tür stand offen, da irgendein Depp vergessen hatte, sie wieder zuzumachen. Na gut, mein

Glück. Ich lief ins Haus und folgte den Akkorden. Diese kamen aus einer Wohnung, an der ein

bekannter Name stand: "Haruna" Das konnte ja wohl kaum Usagis Englischlehrerin sein, oder?

Andererseits, es sind immer die, die man am wenigsten verdächtigt. Aber es gab nur einen

Weg, das herauszufinden - ein Katzenweg. Ich fing also an, an der Tür zu kratzen und

herzzerreißend zu miauen, als hätte ich melonengroße Hämorrhoiden. Mein Plan ging auf. Die

Tür auch.
 

Und da stand tatsächlich die Frau Haruna, die wir alle kennen. Nur hatte sie diesmal nichts

ganz so konservatives an. Aber warum sie gerade jetzt ein nasses T-Shirt trug, wird mir wohl

für immer verschlossen bleiben. Außerdem hatte ich jetzt keine Zeit, ihre Kanonenschläge zu

bewundern. "Sie!" rief ich "Sie sind unsere Rythmusgitarristin!"
 

Sie schlug die Tür zu.
 

Vielleicht hätte ich sie schonend darauf hinweisen sollen, daß ich sprechen konnte. Jetzt war's

zu spät. Ich erinnerte mich an eine uralte Impossible Mission Folge, die ich erst vorgestern

gesehen hatte, und so hielt ich Ausschau nach einem Luftschacht. Betend, daß sich da drin

keine rasiermesserscharfen Ventilatoren waren, kletterte ich rein. Und siehe! Innerhalb von

Sekunden war ich in der Wohnung. Nun hatte ich Gelegenheit, endlich den alten Streit

zwischen Minako und Usagi zu klären, der sich darum drehte, ob Haruna-sensei natürlich

brünett oder gefärbt rothaarig war. Sie war beides, was zwar im Moment keine Sinn ergab,

aber mein Gott, was im Hinblick auf Mina und Usagi tut das schon (Okay, außer daß Mamoru

Usagi Rei vorgezogen hat)?
 

******
 

"Wir brauchen irgendwas, um unseren Sound exotischer zu machen!" fiel es Fischauge wie

Schuppen von den Händen. Tigerauge und Falkenauge stöhnten wegen dieses Geistesblitzes.

Wann war bei Fischauges Einfällen schon mal was Gutes rausgekommen? "Und an was, äh,

denkst du da?" fragte Tigerauge, obwohl er wußte, daß er es bereuen würde. Vor seinem

geistigen Auge spielte sich grauenerregende Vorstellung einer Tuntenshow ab, und davon

verlor er fast das Bewußtsein. "Na, zum Beispiel.....äh......" fing Fischauge an.
 

"Ich weiß!" rief Falkenauge "Da gibt's eine Band namens Jethro Tull, die haben einen

Flötisten. Das klingt total cool." "Au ja! Flötenspielen ist gut!" rief Fischauge sofort und ging

auf die Knie. "Ich meinte eigentlich ECHTES Flötenspielen...." ein Schweißtropfen kullerte

Falkenauges Stirn herunter. "Toll. Und wo sollen wir unseren Flötenmann herkriegen?" fragte

Tigerauge. "Ich habe schon gedacht, ihr fragt nie!" grinste Falkenauge überlegen "Habt ihr

euch schonmal die alten Sailor Moon Staffeln angeschaut?" "Nö." grunzte Tigerauge "Ich hab'

genug mit dieser hier zu tun." "Also.... da ist ein Typ namens Ail! Und der spielt ganz gut

Flöte!" erklärte Falkenauge "Und mit dieser Maschine, die ich von Zirkonia geklaut habe,

werden wir ihn herbringen." Er zog ein kleines Kästchen hervor, dessen Farbgebung darauf

hindeutete, daß es vom Amazonenquartett angestrichen worden war. In Gelb stand darauf

"Endgegnerbeschwörungskasten", und dann war da noch ein Ring, an dem ein Zettel hing:

"Hier ziehen". "Äh, und wie benutzt man das Teil?" fragte Tigerauge.
 

Falkenauge bedeutete ihm zu schweigen, stellte einen Hebel auf Sailor Moon R und zog an

dem Ring. Mit einem lauten "Poff" erschien ein rothaariger Typ mit Armeehosen, einer dünnen

Lederrüstung, muskulösen Armen und einem schwarzen Halbmond auf der Stirn. "Hua." Sagte

er.
 

"Bist du Ail?" fragte Falkenauge.
 

"Wos bin i?"
 

"Dann brauchen wir dich nicht. Kscht."
 

Er zog nochmal an dem Ring, und Rubeus verschwand.
 

"Aber der war doch SÜß!" quengelte Fischauge.
 

Falkenauge zog nochmals an dem Ring, und dann erschien ein gutaussehender, grünhäutiger,

blauhaariger Elf. "Öh?" fragte Tigerauge "Ist unser Monitor im Eimer, oder was?" "Nö, der

gehört so. Ist ein Außerirdischer." Beruhigte ihn Falkenauge. "Süüüüüüüüüß!" quietschte

Fischauge.
 

"Wer.... wer seid ihr? Wo bin ich?" fragte Ail mit zitternde Stimme "Und warum hängt dieser

blauhaarige Typ an meinem Bein?" "In dieser Reihenfolge: Wir sind das Amazonentrio, du bist

in unserer Taschendimension, und er hängt an deinem Bein, weil er schwul ist." erklärte

Falkenauge. "Äark!" kreischte Ail und riß sich los.
 

"Laß' ihn in Ruhe. Was soll er denn von uns denken?!" Mit diesen Worten hielt Tigerauge

Fischauge zurück.
 

******
 

"Und feste! Ziiiiiiieeeeeeeeheeeeeeeeeeeeen!"
 

Es war unglaublich, mit welcher Urgewalt Haruna-sensei sich widersetzte, von Yuuichiro aus

ihrem Appartement gezogen zu werden. Denn Yuuichiro war vielleicht doof, aber nicht der

Schwächste. "Hilfe! Vergewaltigung!" kreischte sie, doch dies war eine Großstadt, niemand

würde ihr helfen. "Wir wollen Sie doch nur als Rythmusgitarristin!" erklärte ich. "Öh?" Sie ließ

los "Warum habt ihr das nicht gleich gesagt?" In diesem Moment konnte Yuuichiro ihr unter

den Rock schauen und fiel, selig grinsend, mit Nasenbluten um. Was für ein Weichei. "Ich hab'

es versucht." Antwortete ich der Lehrerin.
 

"Laßt uns die Harleys satteln!" rief Fräulein Haruna, und ich konnte nicht umhin, zu bemerken,

daß wir gar keine hatten. "Na gut, dann äh...... gehen wir ein Stück." Grinste sie verlegen. Und

so hatten wir unsere Bandmitglieder zusammen und konnten endlich mit Proben anfangen.
 

******
 

"Na, dann laß' mal hören, was du so drauf hast!" grinste Tigerauge. Ail nickte.
 

Er setzte die Flöte an die Lippen und spielte ein ästhetisch wertvolles, fröhliches Dideldum.

"Geht das auch härter?" gähnte Falkenauge unbeeindruckt.
 

"Jetzt hör mal....." fing Ail sauer an.
 

Er stampfte sogar mit dem Fuß auf, was er sonst nur selten tat, da es auf seinem

Heimatplaneten als sicheres Zeichen angesehen wurde, daß man ein bisexueller,

alkoholkranker Bauarbeiter war. Und er war weder ersteres, noch zweiteres, und als

Bauarbeiter hatte er das letzte Mal vor 100 Jahren gejobbt. Er wischte sich das Haar aus dem

Gesicht und spielte etwas anderes. Es war....... kryptisch..... mystisch..... gruselig........ Auf

jeden Fall paßte es nicht in die Charts. "Ich liebe es." Grinste Tigerauge.
 

Zehn Minuten später ward auch ein brüderlicher, blutrünstiger Text gedichtet, und schon

ging's los, nachdem Ails Flöte an einen übriggebliebenen Verstärker angeschlossen worden

war. Durch die Flöte bekam alles einen unerwarteten, mittelalterlichen Touch, und klang

richtig cool. Sämtliche Artisten des Mitternachtszirkus wurden von den harten, epischen

Klängen herbeigelockt, die bei den Schizophrenen unter ihnen Visionen von Bardentum,

Lanzengang, Zauberei und Schlachten zwischen längst vergessenen Königreichen hervorriefen.

Kurz gesagt hörte es sich an, wie ein Liebeskind von Blind Guardian und Einherjer. Und so

begab es sich, daß die Musikusse eifrig beklatscht wurden. Und dann, ja, dann riß mit einem

fiesen Geräusch Fischauges übellaunige D-Saite. Pech gehabt. "SCHXXXE!" rief Fischauge

und danach folgten noch einige Wörter, die sich weigern, geschrieben zu werden. Alle sahen

ihn entsetzt an, und nur Tigerauges Reflexe verhinderten, daß er seine Gitarre zerschlug. "Was

nun?" fragte Falkenauge.
 

"Hier." Sagte Tigerauge und riß sich eines seiner vollen, langen, dicken Haare aus. Fischauge

nahm es und spannte es ein - und siehe! Das Haar paßte wie angegossen. Und so konnten sie

weiter spielen und erdichteten noch einige zukünftige Klassiker wie "Gods of the Sword",

"Epic of two Worlds", ihren Ausflug ins Black Metal - Genre "H(rte du min streng ryke?" und

das etwas spanisch angehauchte Instrumental "El Theatralo". Alle fühlten sich nun bereit, es

auch der Konkurrenz zu zeigen.
 

******
 

"Zwo...drei...vier!" rief ich und schlug in die Saiten, daß es Jimi Hendrix im Grabe riß. Der

göttliche Riff, den er mir vermacht hatte, tat seine Wirkung, und alle standen nur noch mit

offenem Mund da. "Artemis..... wo hast du so spielen gelernt?" fragte Minako. "Roskilde."

Antwortete ich "Also nochmal. Minako, du singst den Text, den ich dir gegeben habe." "Der

ist aber peinlich und versaut."
 

"Eben." Grinste ich "Also, zwo, drei....."
 

"Halt mal, halt mal!" rief Yuuichiro "Ich muß noch meinen Verstärker einstellen. Spielt mal

alle irgendwas." Wir taten, wie uns geheißen.
 

"Moment.... nur einer allein, ich hör' mich ja gar nicht......" Schließlich waren aber auch diese

Klippen umschifft.
 

"Hey, gehört das so?" fragte Reis Großvater, der stilecht mit Noppenmanschetten und

beketteter Lederjacke erschienen war, und fingerte an seinem Highhead herum "Und die Snare

krieg' ich auch nicht unter!" "Brauchst du nicht!" knurrte ich "Drisch einfach irgendwas

runter." "Wie ging nochmal A-Moll?" fragte Frl. Haruna und griff C. "So! Und so!" heulte ich

"1. Bund H, 2. Bund G, 2. Bund D!" "Äh, hehe, danke!"
 

"Also, geht heute noch was?" keifte Rei.
 

Ich brachte sie mit einem feurigen Blick zum Schweigen.
 

"Okay, ihr Mimosen! Alles senkrecht?" fragte ich bedrohlich. "Jaaaaaa...." schallte es mir

unenthusiastisch zurück.
 

"Zwo, drei, vier......"
 

Und diesmal paßte es: Opas Schlagzeug ließ ein Stahlgewitter los, das sich mit den beiden

Gitarrenaufbauten in der Luft über uns prügelte, und sich dank Yuuichiros Baß-Fundament als

wohliges kribbeln im Linoleum bemerkbar machte. Ja, die Nachbarn (Mozartfans) dürften uns

heute noch in Erinnerung haben. "Minako! Fang an zu singen!" zischte ich so laut ich konnte,

während Rei mit ekstatischen Kopfbewegungen ihr Keyboard vergewaltigte "Ich...... trau' mich

nicht....."
 

Und schlagartig hörten wir auf, zu spielen.
 

"MÄDEL!" weinte ich.
 

"Also..... jeder macht hier seinen Job, bloß du nicht!" gab Reis Opa zu bedenken, der mit dem

einen Stick in seinem Ohr herumpopelte. "Hmph!" machte Minako und wandte sich zum

Gehen.
 

Doch sie hatte nicht damit gerechnet, daß ich Makoto angeworben hatte, jeden, der hier

abhaute wieder reinzuwerfen, solange ich nicht mein OK gab. Zehn Minuten später hatten sich

alle Gemüter wieder beruhigt. "Also, das Ganze vor voooooorn." Meinte ich, und versuchte,

alledem etwas Gutes abzugewinnen, was mir aber nicht gelang. "Ich..... ich muß mich

außerdem noch einsingen. Und ich hab' Kopfweh von der lauten Musik." Jammerte Minako.

"Wir können dich auch in den ArXXX fiXXXX, vielleicht hast du dann Lust." Dachte ich,

aber sagte: "Miau." Hmmm, sah so aus, als würde der alte Artemis langsam wieder

zurückkommen, der vor dem man die Kinder versteckte, wenn er die Straße mit seiner Gang

runterkam. Man dankte Gott wenn der alte Artemis nur die Wertsachen mitgenommen hatte.

Ja, ja, das waren Zeiten gewesen, damals. So vergingen also nochmals 15 Minuten, in denen

wir andächtig Minakos Stimme und ihrer Interpretation der Three Lights lauschten. Und dann

fetzten wir los. Niemand konnte die arglosen, zufälligen Zuhörer vor dem warnen, was auf sie

zukam. Ich will es mal so beschreiben: Wir hätten bei dieser Probe gleich unser erstes Video

drehen sollen, denn der göttliche Riff pflügte auf Düsenjäger-Lautstärke durch Tokyo. Unsere

Lichter fingen an, zu flimmern, die Scheiben sprangen raus und seltsame Lichterscheinungen

wehten ums uns. So ähnlich wie bei Highlander I am Ende, nur viel, viel cooler. Am Ende des

3-Minuten-Stückes konnte man uns wegschmeißen. Also, unsere Ausdauer mußte besser

werden, sonst würde das erste Konzert auch gleichzeitig unser Todestag sein. Dann, als mein

Gehirn zaghaft den Versuch startete, auszuwerten, was noch besser zu machen sei, fiel mir

etwas auf: Meine Intuition, die ich so sehr haßte, da sie mir etwas Weibliches gab, hatte sich

nicht getäuscht: Die Leute, die ich mir gekrallt hatte, waren wohl die Besten, die ich in so

kurzer Zeit hatte bekommen können. Wir waren besser als Metallica. Jedenfalls sahen wir

besser aus. Und Yuuichiro? Nun ja, wenn man ihn in Armani-Klamotten stecken würde, würde

er vielleicht etwas her machen. "Jungs und Mädels, das war Weltspitzenklasse!" lobte ich

meine Band, die es mit einem müden Lächeln hinnahm "Aber unsere Ausdauer muß besser

werden. Ab morgen werden wir alle hart trainieren!" "Artemis, ich bin für einen Co-Sänger!

Ich komm' mir blöde vor, so allein auf der Bühne!" moserte Minako. Natürlich. Ich wunderte

mich nicht, denn es war ja mein Leben. Wir brauchten also noch jemanden...... möglichst

androgyn..... blond....... dumm genug um auf meine Versprechungen hereinzufallen.....
 

******
 

DING-DONG!
 

"Michiru mach du auf.... ich hab' 'n Kater...." murmelte Haruka faul. "Was soll ich aufmachen?

Du hast doch gar keine Hose mit Reißverschluß...." gähnte Michiru und drehte sich auf die

andere Seite. DINGDONGDINGDONGDINGDONG!
 

BAMM-BAMM-BAMM-BAMM!
 

CRASH!
 

"Du, Haruka."
 

"Hm?"
 

"Ich glaube, da tritt wer unsere Tür ein."
 

Sekunden später stand die ganze Belegschaft im Schlafzimmer der Beiden. "Mitkommen."

Befahl Artemis, als Yuuichiro Haruka aus den Federn riß. "Was'n los?" fragte diese

übernächtigt.
 

"Willst du bei uns singen?" Ja? Danke." Sagte Artemis, winkte und Haruka wurde von

Yuuichiro und Reis Großvater, der angezogen war, als wäre aus der Geisterbahn

ausgebrochen, aus dem haus geschleppt. Michiru konnte nur übernächtigt und verwirrt

zusehen. Dieser Zustand änderte sich auch nicht, als Minako erklärte: "Keine Angst - wir

wissen, was wir tun!"
 

******
 

"Ja, wir wollen uns für den Wettbewerb anmelden. Was meinen Sie, warum wir ein

Schlagzeug mit uns rumschleppen?!" Der Beamte sah etwas geschockt und rückte seine

übergroße Nickelbrille zurecht. "Können wir's jetzt runterlassen?" fragte Fischauge schwach.

"Ja, ja. Schmeißt es da in die Ecke." Sagte Falkenauge souverän, aber dann schnell "Nicht

schmeißen - das war übertragen gemeint!" Fischauge war sich nicht sicher, welche Ecke er

meinte, aber da in drei Ecken grimmig aussehende Metaller, schwul aussehende Boybands und

sexy aussehende Girlies saßen, lud er das Schlagzeug nach kurzem Zögern in der vierten Ecke

ab. "Äh, das Schlagzeug wird gestellt." Sagte der Beamte, nachdem der Papierkram erledigt

war. "Das ist mein Spezialschlagzeug." Lächelte Falkenauge gehimnisvoll. "Naja, es ist ihre

Sache."
 

"Wow, seht euch diese Loser an!" meinte Ail und zeigte auf eine Gruppe von vier pickellosen,

blonden Teenagern in Netzhemden "Die haben ja nicht mal lange Ohren!" "Äh, wir haben ein

Problem..." sagte Tigerauge "Wie heißt unsere Band? Das muß man nämlich hier eintragen...."

Stille. Alle überlegten.
 

"Ähm...." murmelte Ail "Wie wär's mit......Hammerfall?"
 

"EY!" rief eine hohe Stimme aus dem Eck mit den Metallern in den schwarzen Lederjacken

"So heißen wir schon!" "Und was ist mit Stahlgewitter?" fragte Fischauge.
 

"Denkt nach..... haben wir einen einzigen deutschen Text?" motzte Falkenauge. "Ich hab's!"

rief Tigerauge "Dead Moon! Zu irgendwas muß der Zirkus ja gut sein!" "Dead Moon... Dead

Moon featuring Ail...... ja, das hat was. Was meint ihr?" nickte Falkenauge. "Schick." Lächelte

Fischauge, und Ail gab ihnen Thumbs up. Tigerauge kritzelte also den frisch gekürten

Bandnamen in die dafür vorgesehene Zeile.
 

******
 

"Beeilt euch!" rief ich.
 

Wir hatten in den letzten Tagen gut geübt, und einige zukünftige Perlen des

Rock/Speed-/Power Metal erschaffen, um die uns selbst Blind Guardian beneidet hätten. Nun

sollte es nicht daran scheitern, daß wir zu spät zur Anmeldung kamen. Hier machte sich

Haruka bezahlt - als preisgekrönte Hundert- und Tausendmeterläuferin war sie die erste und

meldete uns an. Hach, das Line-up hörte sich richtig nach Ruhm und Erfolg an: HEIRS OF

STEEL ARE:
 

Artemis - Lead Guitar, Thrash Vocals
 

Minako Aino - Clean Vocals
 

Haruka Tenou - Backing Vocals & Choirs
 

Yuuichiro the Black - Bass
 

Haruna Sakurada - Rythm Guitar
 

Grandfather - Drums, Percussion
 

Rei Hino - Keys
 

Ich weiß, ich weiß - aber Yuuichiro und Reis Opa wollten es sich nicht nehmen lassen, sich

Künstlernamen geben zu lassen. Naja, es klang zwar billig, aber solange sie ihren Job machten.

"Artemis? Macht ihr Black Metal?" wollte ein vorwitziger Schwede, auf dessen Shirt

"Hammerfall" stand, wissen. An seiner Jacke klebte ein Namensschildchen, auf dem "Jesper

Strömblad" stand. "Nö - das ist mein Kater." Grinste Minako.
 

"Äh, ja." Antwortete Jesper und vertschüsste sich.
 

"He, die da drüben - die kenn' ich doch!" rief Rei und zeigte auf vier uns wohlbekannte, leicht

angeschwuchtelte Herren. "Herr Torajima!" rief Minako überglücklich, während ich das

Gesicht in den Pfoten barg. "Örk?! Ihr auch hier?" fragte Tigerauge.
 

"Laß' sie - die haben eh keine Chance!" grinste Ail.
 

"Braucht ihr eine ein?!" rief Yuuichiro und krempelte sich die Ärmel hoch. "Kommt doch - du

und dein zierlicher Bizeps!" rief Falkenauge und winkte ihn heran. "Auseinander!" rief die

Security und holte aus.
 

Nun gut, bis zum Konzert waren es noch drei Stunden, während der die eine Hälfte der hier

Anwesenden versuchte, die Konkurrenz zu killen (weswegen man sich als Musiker besser in

großen Gruppen bewegte), und die andere nervös Fingernägel kaute. Halt, nicht ganz! Eine,

nämlich Minako, lief herum und holte für Rei einige Autogramme. Mein Tagesplan sah

folgendermaßen aus:
 

Was essen - aufs Klo gehen - Fingerübungen - aufs Klo gehen - aufwärmen - aufs Klo gehen -

Minako belästigen - Lieder nochmal durchgehen - aufs Klo gehen. Ob ich nervös war? Nö.

Naja, vielleicht ein bißchen.
 

"OH GOTT!" rief da unsere Rythmikerin " MEINE D-SAITE IST GERISSEN!" Alles

schwieg betreten. Während die Boygroups, die nur den Synthie und vielleicht noch den Mund

eines Bandmitglieds am eigenen Unterleib gewöhnt waren, eher verständnislos schauten,

blickten die Rocker mit unverhohlenem Mitgefühl auf Haruna. Naja, am Ende fand sich doch

noch eine Lösung. Der fette Gitarrist einer Crossover-Band lieh ihr seine zweite Klampfe aus.

Der mußte Geld wie Heu haben. Und dann ging's los. Wie erwartet zogen wir eine der letzten

Nummer, hatten also noch genug Zeit, um so richtig beschissen nervös zu werden. Als erstes

waren die Boygroups dran, und mit einem grimmigen Grinsen bemerkte ich, daß alle bis auf

eine vorzeitig von der Bühne gepfiffen wurden, da ihre Capoeira-Einlagen zu holprigem

Gesang führten, den auch die versteckten Mischer unter der Bühne nicht verdecken konnte.

Die Band die nicht weggepfiffen wurde hieß "Yak-4-U", wobei ich mir nicht sicher war, für

was das Yak stand: Für das Gesicht des Leadsängers oder für den Hintern der

Backgroundtänzer. Und schließlich waren unsere Feinde dran, die den wohlklingenden Namen

"Dead Moon" trugen, und was soll ich sagen - sie waren gar nicht mal schlecht. Eigentlich,

und wenn ich es hätte zugeben dürfen, hätte ich sogar gesagt, daß sie verdammt gut waren.

Sie schafften es, den schmalen Grat zwischen Epik und Komik nur ansatzweise

herunterzukullern, und die Metaller im Publikum bedankten sich auch dafür. Vor allem die

blauhaarige Tunte, Karpfennase oder wie er hieß, ließ ein unglaubliches Fingerspiel an der

Gitarre erkennen. Ich bekam fast einen Orgasmus, aber das gehört nicht hierher. Sagen wir

mal, daß seine Riffs selbst Yngwie Malmsteen die Pommes aus dem Mund hätten fallen lassen.

Aber schließlich waren wir dran, und ich stellte mir diese Fragen: Würden wir die schwulen

Amazonen schlagen können?
 

Würden wir den Nerv des Publikums treffen?
 

Würde ich den Gig aushalten, ohne auf's Klo zu müssen?
 

Wie ging A-Moll noch mal?
 

Und so gingen wir auf die Bühne, äußerlich die Erben des Stahls, innerlich nach ihrer Mama

schreiende Babies. "Artemis, ich muß mal!" fiepste Minako.
 

"Jetzt isses zu spät. Stirb." Dachte ich, aber ich sagte "Verkneif dir's!" Haruka schluckte einen

Kloß im Hals runter, man sah es ganz deutlich (und ich hatte ihr noch gesagt: Nicht noch

vorher zum Essensstand rennen. Aber hört IRGENDWER auf mich? Nein! NEIN! Ist wie ein

Gesellschaftsspiel.). "Also.... wir spielen jetzt Divine -äh- Passion, genau, Divine Passion!"

Gaaaanz toll.
 

Reis Großpap spuckte auf die Snare und gab vier Töne vor.
 

Also jetzt - alles oder nichts!
 

Und der göttliche Riff hatte mich wieder! Und er tat seine Wirkung: Selbst die Boybands

fingen zaghaft an, zu bangen, während sich Minakos lustvolle Stimme durch den Raum ergoß.

Reis Opa kam wie durch ein Wunder nicht aus dem Rhythmus und schlug wie ein Besessener

auf die Felle ein. Und als ich einen Blick zu Haruna-sensei warf, betete ich, daß ihre Saiten

nicht rissen, denn sie hackte in ihre Klampfe, daß es nicht mehr schön war. Nach 3 Minuten

hatten wir den Song dann zu Ende, und auch das Publikum war an selbigem: Mein Plan, daß

Minako leicht bekleidet auf der Bühne herumtollen, und damit von etwaigen Verspielern

ablenken sollte, war voll aufgegangen. Leider lenkte sie auch Haruka ab, aber mein Gott, was

war schon perfekt in dieser Welt? Jedenfalls kam nun der zweite, mehr heavymäßige Song,

"Night of the Wargod" (mein Text), in dem ich nach einem verträumten Intro richtig die

Kreissäge herausholen konnte. Und schon fingen die ersten an, zaghaft zu stagediven. Ich war

zwar kein so guter Gitarrist wie Welsohr, oder wie er hieß, aber dafür hatte meine Musik mehr

Leidenschaft und Gefühl, und verursachte Massenschlägereien. Ja, es war wie früher, als ich

noch Roadie bei Nuclear Blast Records war. Nach dem dritten Song waren wir dann total

kaputt, aber am Ende angelangt. Man streckte uns das Cernunnos-Zeichen entgegen, was

schon mal ein gutes Zeichen war - bis auf "Dead Moon" hatte man bisher jeder Band den

Stinkefinger entgegengestreckt und unflätige Worte gerufen. Ich war zuversichtlich, morgen

schon ein Millionär zu sein. Dann kam die Preisverleihung.
 

"Also, äh, das ist so....." hörte man von oben aus der Schiedsrichterkabine, die mit

kugelsicherem Glas ausgerüstet war "Also, äh, (Pistolenschuß; neue Stimme) Wir müssen

einen Stich zwischen Yak-4-U, Dead Moon und Heirs of Steel machen. Jede Band noch ein

Lied, bitte." Oh Gott! Noch ein Lied? Hatten wir überhaupt noch eins? Überall betretene

Mienen, aber Gott sei dank nicht nur bei uns. Als erstes waren Dead Moon dran, die mit ihrer

Version von "Born to be Wild" zwar nicht schlecht waren, aber ohne Orgel doch deutlich an

Klasse verloren. Das hatten sie wohl auch gemerkt, denn sie saßen nun bitterlich weinend in

ihrer Garderobe. "Auf geht's!" rief ich.
 

Auf der Bühne kam mir dann der rettende Einfall - Venus von Shocking Blue. Das hatten wir

zwar nie geübt, aber es war ein solcher Ohrwurm, daß wir es ohne Probleme hinbrachten. Ich

meine, hinbringen mußten. Ein Solo war schnell aus dem Stegreif gespielt, und so hatten wir

uns locker aus der Affäre gezogen. Yak-4-U hingegen trumpften auf, man hatte fast den

Eindruck, als hätten sie gewußt, daß so etwas passiert. Naja, am Ende bekamen sie dann auch

den Pokal von dem vierfingrigen, tätowierten Preisrichter überreicht. Natürlich waren wir

sauer. Natürlich waren wir gekränkt. Aber da ich nach einem Gespräch mit dem Sänger wußte,

daß sich das Yak im Namen nicht auf tibetanische Rinder sondern auf Yakuza bezieht -

eigentlich ganz einfach- waren wir natürlich auch still und verkrümelten uns. Dead Moon

wollten es aber wissen, und so artete das Konzert in die größter Prügelei seit dem

Boxeraufstand aus. So etwas hatte Japan noch nie gesehen: Volksaufstände, Plünderungen,

Karambolagen, es war einfach alles perfekt. Und naja, bald saßen wir alle wieder zu Hause und

bliesen Trübsal. Bis auf Yuuichiro, der die nächsten Wochen im Krankenhaus verbrachte, da er

unter einen Panzer des eiligst eingeschalteten Militärs kam.
 

******
 

"Wie hat das Ganze eigentlich angefangen?" fragte Tigerauge und schüttete den Whiskey

runter. "Wir hatten kein Geld." Half Falkenauge.
 

"Haben wir jetzt eigentlich welches?"
 

"Nö. Von dem Geld, das wir für die Instrumente bekommen haben, haben wir uns Sprit

gekauft." "Also alles beim Alten." Seufzte Fischauge.
 

"Nicht ganz - wir haben mehr zu trinken." Grinste Falkenauge "Das langt für das nächste

Jahrtausend, stimmt's Ail?" "Zzzzzzz......."
 

"Armer Ail..... er hält einfach nichts aus!" seufzte Tigerauge "Naja, einer geht immer noch!

Prost!" "Prost!"
 

"Dito!"
 


 

- THE END -
 

Geld, Macht und noch mehr Geld an okami@gmx.net
 

Special Thanks to:
 

Armadeus ("Ich war mal Totengräber!"), Basti (mit dem absoluten Gehör), Fufuranky ("Hey,

mit der Hand, auf die ich nicht schaue, kann ich's spielen..... aber bei der, auf die ich schaue,

verspiel' ich mich dauernd!"), Gonzo (LARP), Arco (Du trägst den Namen eines Hundes!),

Helmut (23), Doris ("Da kommt jetzt gleich ein Trouble mit Flügeln!"), Manfred (der alte

Streuner), Beck (Woohoooo! / "Jetzt spielen wir "Tace" von Heroes del Silencio.... (Stille) Na

gut, das war ja für den Anfang ganz okay."/ "XXX, XXX wir fahr'n auf's Land und XXX

Vieh!"), Etti und jedem, den ich vergessen habe!

Die Artemis Akten, Teil V
 

Für eine Handvoll Kuchen
 

- featuring the Anime stars Urd (AMG!) and Faust von Münchhausen (URO) -
 

Der Himmel lag über der Stadt wie ein gesprengtes Reisebüro. Ich weiß ich sollte nicht so

reden, denn es ist schon einige Zeit her, daß ich mein letztes Reisebüro gesprengt habe.

Artemis ist der werte Name. Ja genau, wie diese Göttin. Ob ich Hormone nehme? Nein, ich bin

als ganzer Mann geboren worden, und mein Name ist wohl nur ein grausamer Scherz, so wie

mein bisheriges Leben. Aber man soll ja nicht undankbar sein: Schließlich bin ich durch

abstruse Zufälle mit den niedlichsten und langbeinigsten Mädchen von Tokyo

zusammengekommen und mit einer, der blondesten und attraktivsten teile ich seit Jahren Bett

und Küche. Oder ich würde es, wenn ich ihr Schnarchen aushalten könnte. Aber wie gesagt,

man soll ja nicht undankbar sein. Ich lag gerade auf meinem Rücken auf meinem Schlafkissen,

als Minakos Wecker Rudi-chan einen perversen Ton von sich gab und uns so mitteilte, daß er

nun gestorben war. Nun gut, man soll mir nicht vorwerfen, daß ich zimperlich oder irgendwie

gefühlsbetont handeln würde, aber daß Rudi, mein treuer Freund und Erretter vor Minakos

Schnarchkrankheit mich gerade jetzt verlassen würde, jetzt im Herbst, wo Minako wegen

Erdstrahlen, Sterneinwirkung oder purer Bösartigkeit am lautesten schnarchte, verpaßte mir

einen harten Schlag - wie damals, als ich Mike Tyson sagte, Gefängnis würde schwul machen.

Trotz sofortiger ambulanter Behandlung (Makoto renkte mir den Kiefer wieder ein), hatte ich

in Nacken und Gesicht Rheumaanfälle, wenn es kälter wurde. Ja, ich war ein Veteran

unzähliger Ballsprengungen und Saalschlachten. Nicht, daß mir das auch nur etwas Respekt

einbrachte, bei diesem Pack, das als Sailor Senshi bekannt war. Andererseits, ein Blick auf ihre

miniberockten Körper, und ich vergaß all meinen Groll und genoß. Ich bin sicher, daß es Ihnen

auch so geht, jedenfalls wenn Sie männlichen Geschlechts und nicht verkehrt herum sind - aber

selbst dann gibt es ja Haruka, nicht wahr? Wie gesagt, für Rudi hatte es sich ausgeweckert.
 

Aber wenigstens hatte er auch heute noch seine Pflicht wahrgenommen und Minako

aufgeweckt. Diese blickte ihn, oder besser gesagt, den rauchenden Trümmerhaufen, der von

ihm übrig war, an, zuckte mit den schmalen aber dennoch anziehenden Schultern und warf ihn

weg. Nicht mal ein Begräbnis für Rudi. Gut, sie hatte ihn nie besonders gemocht, aber ich

hatte ihren Goldfisch Adolf wegen seiner politischen Überzeugungen auch nie gemocht, aber

als der starb, war noch ein Heldenbegräbnis in der Toilette drin gewesen. Und da traf es mich

wie aus heiterem Himmel. Es war mir, als würde Rudis Seele mir noch etwas zurufen, bevor

sie sich auf den Weg zum Swatch-Himmel machte. Heute war der 22. Oktober, Minakos

Geburtstag - und ich armer Tropf hatte kein Geschenk. Und so wie Minako schaute,

erwartungsvoll nämlich, wehte der Geruch des nahenden Todes um meine Nüstern. Ich tat nun

das, was jeder Mann in meiner Situation getan hätte: Ich stellte mich schlafend. Minako tanzte

aus dem Zimmer, um sich zu waschen. Ich hingegen flitzte zum Telefon und klingelte Makoto

wach, die um diese Uhrzeit samstags gewöhnlich noch schlummerte. "Wasn los?" murrte sie

mir entgegen.
 

"Minako - Geburtstag - ich kein Geschenk!" stammelte ich mit vor Angst zugeschnürter Kehle

in den Hörer. "OH GOTT!" rief Makoto, die die Lage mal wieder voll checkte "Ich auch

nicht!" "Nicht ausflippen, nachdenken!" sagte ich beruhigend "Überleg' dir was, was sie gern

hat, was man aber schnell kriegt, und was nicht viel kostet!" Die nächsten zwei Minuten

arbeiteten unsere noch müden Hirne auf Hochtouren. Letztes Jahr hatte ich ihr eine

Familienpackung Kondome gegeben - die war schon wieder weg. Ob sie sie auch ihren

nächtlichen Streifzügen aufgebraucht oder Wasserbomben draus gemacht hatte, entzog sich

meinem Wissen und war mir im Moment auch völlig egal. "Ich weiß! Ein Kuchen!" rief

Makoto schließlich.
 

"Tolle Idee! Wie schnell kannst du einen backen?"
 

"Ähm, gar nicht...... Usagi war gestern hier und die Küche sieht aus, als hätten wir jemanden

darin verbrannt...." So wie ich Usagi kannte entsprach das möglicherweise der Wahrheit. Wir

brauchten also ganz schnell einen besonderen Kuchen her, einen großen, delikaten, reich

verzierten, sonst würden wir das Morgen nicht mehr erleben, oder es würde jedenfalls nicht

mehr erlebenswert sein. "Oh ihr Götter!" murmelte ich, nachdem ich aufgelegt hatte "Ich war

immer ein guter Sünder, also jetzt tut ihr auch mal was......" Das Telefon klingelte. Offenbar

hatte sich das wer zu Herzen genommen. Ich nahm ab.
 

"Schloß Aino, sie sprechen mit der diensthabenden Torwache." sagte ich so flapsig wie

möglich. "Hey, du guter Sünder. Nur 5 Worte: Yakuza Bäckerei, West Side Tokyo." sagte

eine Stimme, die so feminin klang, daß ich sofort jemandem danken wollte, daß ich ein Mann

war. "Urd? Bist du das?" fragte ich zaghaft.
 

"Nö, Satan Klaus."
 

Ich lachte nicht.
 

"Also, wir treffen uns in 20 Minuten an der Juuban U-Bahn. Hey, das reimt sich richtig gut."

Ich legte auf.
 

"Und bring' Makoto mit." sagte die Wählscheibe mit Urds Stimme, worauf ich einen Satz nach

hinten in die Chipstüte von gestern abend machte.
 

******
 

Düdeldidüt. Düdeldidüt. Düdeldidüt.
 

"Hey Tigerauge! Dein Wecker klingelt!" gähnte Falkenauge.
 

Tigerauge krabbelte unter seinem Barhocker hervor.
 

"Oh Gott, langsam werde ich zu alt für so was." krächzte er "Was haben wir gestern eigentlich

gemacht?" Düdeldidüt.
 

"Ich schätze mal gesoffen, so viele Flaschen wie hier rumliegen. Ach Gott, du siehst ja

furchtbar aus." Falkenauge strich seinem Kollegen durch die Haare.
 

"Du solltest dich mal wieder kämmen!"
 

"Ach ja, du Dragonball-Verschnitt?!"
 

"Das war jetzt herb."
 

Düdeldidüt.
 

"Macht doch mal das Ding aus! Ich will schlafen!" quäkte Fischauge "Ärk, in was lieg' ich

da?!" "Riecht nach Gin...." meinte Falkenauge professionell.
 

"Hmmmm. Hier steht, daß eine Minako Aino heute Geburtstag hat..... Au, mein Kopf." Sagte

Tigerauge "Ja, so ein Notebook-Wecker ist schon ungemein praktisch..... aber wer ist Minako

Aino?" "War das nicht diese blonde Husche um die ihr euch mal geprügelt habt?" fragte

Fischauge, während er versuchte, nicht auf irgendwelchen leeren Flaschen auszurutschen.

"Ach ja. Minako..... so jung......" sagte Tigerauge verträumt. "Und schon so erfahren....."

schnurrte Falkenauge.
 

"Igitt, Frauen. Ich glaube, ich muß übeln." Bemerkte Fischauge trocken. "Du hast eben keinen

Geschmack! Ich meine, wer steht denn hier auf schmalbrüstige Spastiker?" fuhr Tigerauge ihn

an. "Mamo-chan ist kein Spastiker!"
 

"Aber dafür doppelt schmalbrüstig!" grinste Falkenauge und gab Tigerauge Fünf. "Hmpf. Ich

geh' duschen!" Fischauge drehte sich um und stolzierte weg. "Es ist zwar nicht meine Art,

meinen Ex-Freundinnen mehr zu schenken als giftige Worte, aber wer weiß, vielleicht krieg'

ich sie ja heute rum?" murmelte Tigerauge. "Ich sage: Teilen. Wir sind schließlich Freunde."

Sagte Falkenauge. "Ach?!"
 

"Na gut. Erst du, dann ich." Gab der Rosahaarige schließlich nach. "Abgemacht - aber was

schenken wir ihr?"
 

"Uns?" fragte Falkenauge.
 

"Ich glaube du leidest noch an Restalkohol!"
 

"Ja, das kann sein!"
 

"Fragen wir Fischauge! Der ist ja fast ein Mädchen!" Tigerauge schnippte mit den Fingern

"Aber dazu müßten wir ihn unter der Dusche stören. Igitt!" Beide seufzten.
 

"Alt sind wir geworden, Tigerauge." Schluchzte Falkenauge "Früher hätten wir so was

kaltlächelnd gemacht, um ein Mädchen ins Bett zu kriegen...." "Oder auf den Küchentisch....."
 

"Oder unter die Dusche...."
 

"Oder auf die Schulbank....."
 

"Oder nur dazu, sich zu bücken...."
 

Sie seufzten noch einmal.
 

"Na gut! Dann opfere ich mich eben." Sagte Tigerauge tapfer, aber mit brechender Stimme.

"Das ist wahrer Mut!" meinte Falkenauge anerkennend "Aber geh' kein Risiko ein - zieh' dich

lieber zurück, wenn er anfängt, an dir rumzugrabschen!" Tigerauge ging zum Badezimmer,

schluckte, ging wieder zwei Schritte zurück, drehte sich wieder um und betrat dann die Höhle

des Löwen, äh, Fisches. Lange Zeit war es verdächtig still, und Falkenauge fing schon an,

Fingernägel zu kauen. Aber schließlich kam Tigerauge wieder aus dem Bad, bleich und etwas

zittrig, aber mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen. "Du hast es überlebt!" rief

Falkenauge und legte ihm den Arm um die Schultern "Ich schulde dir was!" VesVes kam kurz

herein, sah die Szene, grinste blöd und verzog sich wieder. "Was hat er gesagt?" fragte

Falkenauge neugierig.
 

"Naja, das Übliche halt. Schmuck, Blumen, Zuckerwerk...."
 

"Na, das hätten wir uns auch selber denken können." Grummelte Falkenauge "Wieviel Kohle

haben wir eigentlich noch?" Tigerauge griff in seine Hose, kruschte etwas darin rum und zog

ein Bündel Geldscheine heraus. "Mein Notgroschen." Versicherte er dem etwas angewidert

schauenden Falkenauge "Du hast übrigens ein Stück Fingernagel auf der Zunge." Während

Falkenauge schluckte, zählte Tigerauge seine Ersparnisse. "75.000 Yen." Grinste er "Das

sollte genügen. Wir kaufen ihr irgendwas aus Straß, und den Rest versaufen wir!" "HEY!" rief

das Fischauge, erbost, triefend naß und nackend. "ÄÄÄÄÄÄRRRRRRRAAAAAAK!" rief

Falkenauge "TU' DIR DOCH WAS UM!" "Ich bin blind! Ich bin blind!" heulte Tigerauge.
 

"Einem Mädchen kauft man nichts aus Straß!" knurrte Fischauge böse "Auch nicht dieser

Husche Minako!" "Äh, du tropfst den Boden voll, Fischi." Meinte Pallapalla, die sich zum

Kühlschrank geschlichen hatte, um eine Flasche Whiskey abzustauben. "HEY! Was glaubst du,

was du da machst?!" brüllte Tigerauge sie an. "Ich dachte, du bist blind?"
 

"Nicht wenn mein Alk in Gefahr ist..... ach so, Johnny Walker..... den könnt ihr haben, aber

kotzt eure Bude voll, ja?" Pallapalla sah ihn etwas entgeistert an und ging.
 

"He, wollt ihr nicht auch noch den Jägermeister?" rief ihr Tigerauge hinterher. "Also, ihr kauft

ihr was Schönes, klar? Irgendwas Teures, aber es darf nicht protzig sein. Es Muß romantisch

sein!" röhrte Fischauge in Falkenauges Gesicht, während dieser sich vor seinem triefenden

Körper hinter einem Barhocker versteckte. "Tigerauge, laß uns kündigen! Diese Zustände sind

nicht tragbar!" rief Falkenauge in den höchsten Tönen. Tigerauge reagierte schnell und riß

einen Wandteppich herunter, den er Fischauge umwarf. "Puuuuhhh!" keuchte Falkenauge

"Das war knapp."
 

"Also, gehen wir mal in die Menschenwelt und sehen uns um." Schlug Tigerauge vor. "Ich

komme mit! Sonst versauft ihr ja doch noch alles!" meinte Fischauge.
 

******
 

West Side Tokyo, der wildeste Westen von Japan, sozusagen. Ich hatte viele Gerüchte gehört,

Gerüchte von der Art, die man nicht unbedingt nachprüfen will, wenn es sich vermeiden läßt.

Als gesichert galt, daß es hier zum guten Umgangston gehörte, mit dem Gegenüber von hinter

einem Revolver zu verhandeln, und daß alle okkulten Phänomene, die die Welt bedrohten, hier

ihren Ursprung hatten. Als Folge waren die Einwohner die wohl zäheste Brut des Planeten

Erde. Irgendwie fühlte ich mich nicht so sicher, in der Gesellschaft von zwei sexy weiblichen

Wesen, die wenig anhatten. Klar, mit einem wurde ich vielleicht fertig werden, aber mit einer

ganzen Gang? Das hätte ich wohl nicht mal zu meiner besten Zeit geschafft. Zu allem Überfluß

hatten es weder Urd noch Makoto für nötig gehalten, sich der gängigen West Side Mode

anzupassen, trugen also keine Klamotten wie von der Heilsarmee. Sie erinnerten eher an

irgendwelche hippen, total drogensüchtigen Rockstars aus den 80ern, was in der nach

Splatterpunk riechenden Gegend, die wir durchwanderten aber auch nicht ganz unpassend

war. Trotzdem hätte ich lieber eine abgesägte Schrotflinte unter dem Mantel und zwei

Klappmesser im Stiefel gehabt, nur für den Fall der Fälle. Andererseits standen aber die

Chancen, daß uns die Bevölkerung für tough hielt (wir gingen schließlich ohne sofort

erkennbare Waffen umher), recht gut. Es war zwar erst Oktober, aber die Straßen erinnerten

mich an Leningrad im Winter '44, als die Deutschen die Stadt besetzt hielten. Die

kannibalistischen Tendenzen standen den Typen, die hier lebten, ins häßliche Gesicht

geschrieben, genauso wie die ballistischen Tendenzen in die nur mühsam verborgenen

Schulterhalfter. Urd bewegte sich hier, als wäre sie hier geboren, Makoto war etwas nervös,

und ich, der ich bereits Bandenkriege in solchen Gegenden miterlebte hatte, machte mir fast

die Beine naß, aber ließ mir nichts anmerken. Ein Mann, der in einer solchen Situation

Schwäche erkennen ließ, hatte wenig Chancen noch auf beiden Beinen um die nächste Ecke zu

kommen, ein Kater, der Schwäche erkennen ließ, landete wahrscheinlich im nächsten

Kochtopf. Schließlich begab es sich, daß wir nach dem Weg fragen mußten. Vielleicht wollte

Urd uns auch nur einfach beeindrucken, indem sie schnurstracks auf den fiesesten Hund in

einer Rotte fieser Hunde zuging und nach der Yakuza Bäckerei fragte. Ich ging, ganz der

Macho, der Urd nichts zutraute, mit, und Makoto wollte aus Angst vor Scharfschützen oder

Messerstechern nicht allein auf der Straße stehenbleiben und ging auch mit. "Hey,

Asphaltgesicht!" fing Urd an.
 

Der Typ wußte sofort, daß er gemeint war, denn er war ja auch der Häßlichste. "Wo geht's

hier zu Yakuza Bäckerei?"
 

Wortlos deutete der Mann eine Straße hinab, die noch dreckiger war als die Blicke, die Urd

und Makoto zugeworfen wurden. Ohne sich zu bedanken ging Urd in die angegebene

Richtung und wir folgten ihr. Und dann passierte es: Makoto wurde von uns getrennt, und

zwar durch zwei Typen mit Lederjacken, die beide aussahen, als hätten sie zwei Bandwürmer

und eine Vorliebe für Viertklässler. Ohne Zweifel waren die Beiden an sprechende Katzen

gewöhnt, und mit dem nahenden Tod vor Augen schritt ich, cool wie immer, auf sie zu.

Denken Sie daran: Wenn Sie es cool tun können, und nicht cool, dann tun Sie es cool. Auch

wenn es ums Sterben geht. "Na, ihr Arschkarten des Genpools?" begrüßte ich die Beiden, die

mich ansahen "Wohl zu lange auf dem Klo gelebt, was?" Wohlgemerkt nahm ich an, daß Urd

mir den Rücken stärken oder wenigstens meinen Sarg aus Kirschholz bezahlen würde. Die

beiden schauten nur verdutzt. Ich hatte schon gewonnen. "Laßt mein Mädchen in Ruhe."

Knurrte ich und sah die Beiden an, als wollte ich mir mit ihnen den Hintern abputzen. Das

lenkte sie lange genug ab, daß Makoto sie versemmeln konnte. "Dein Mädchen, hm?" fragte

Urd mich später.
 

"Naja, mir fiel grade nichts anderes ein." Zuckte ich mit den Schultern. Schließlich waren wir

am dreckigen Ziel unserer Reise, der Yakuza Bäckerei. Dem Straßentalk zufolge konnte man

hier innerhalb von zwei Stunden alles bekommen, was irgendwie gebacken werden konnte,

vorausgesetzt, man konnte den Preis zahlen. Der Bäcker schärfte gerade ein Rasiermesser auf

seiner Zunge, als wir eintraten. "Eine Torte bitte. Groß und festlich. Der Preis spielt keine

Rolle." Befahl Urd, und der Bäcker nickte. "Und machen sie Schokoladenherzchen drauf.

Und, äh, Lakritzen." Sagte ich, wohl wissend, daß Minako diese verschmähte und sie so für

mich übrigbleiben würden. "Und schreiben sie drauf: Für die Süßeste von uns allen!" meinte

Makoto, woraufhin ich und Urd sie etwas überrascht anschauten. "He, he." Lachte sie

schüchtern.
 

"Eine Torte!" rief der Bäcker in den Hinterteil des Ladens. Als er sich wieder umdrehte, hielt

ihm Urd ein Schwert unter die Nase. Er drehte sich ohne Gefühlsregung zurück.
 

"Mit Schokoherzen, Lakritzen und einem Schriftzug: Für die Süßeste von uns allen. In

VivaldiD." "Guter Junge." Grinste Urd.
 

"Sonst noch was?"
 

"Das wär's." sagte Makoto.
 

"Geben sie mir noch ein Schokoladencroissant." Sagte ich.
 

*******
 

"Wie wär's mit einem Negligé?" fragte Fischauge.
 

"ARGH! Wir haben einen Diamantring, rote Rosen....." fing Falkenauge an. "...... 1000 Yen

pro Rose, ein Stück vom echten Kreuz...." fuhr Tigerauge fort. ".....und kaum noch Geld!"

knurrte Falkenauge.
 

"Ach kommt schon, Jungs! Eins geht immer noch, wie ihr so zu sagen pflegt. Und übrigens

das mit dem Kreuz....." "Ich wollte ihr was Besonderes schenken!" verteidigte sich Tigerauge.

"Du weißt ja nicht mal, ob sie Christin ist!" warf Falkenauge ein. "Gut, schmeiß' ich's halt

weg!"
 

Sprach's und warf es in einen Papierkorb. Es machte sich ein leises Donnergrollen breit. "Na

gut, was kaufen wir ihr denn noch?" murmelte Fischauge, während er die Auslage eines

Unterwäscheshops betrachtete. "Eigentlich wär's mir lieber, wenn sie keine Unterwäsche

trägt." Protestierte Tigerauge. "Na klar. Aber es geht um's Prinzip." Sagte Fischauge.
 

"Ach so."
 

"Da! DAAAAA! Das kleine Schwarze!" kreischte Fischauge "Oh wow! Also ICH würde für

das Ding töten!" "Sexy." Pflichtete ihm Falkenauge bei.
 

"Also, mir langt's, wenn sie mir....."
 

"Maul halten und kaufen!" keifte Falkenauge.
 

"Ja wenn ihr mich schon so nett bittet."
 

Und schließlich war alles gekauft und das Geld erschöpft.
 

Schmollend saß Tigerauge an der Bar und nippte verstockt an seinem Martini. "Mein schönes

Geld... alles futsch! Früher hat's das auch nicht gebraucht, da haben sich die Mädels um mich

geprügelt!" "Da warst du auch noch jünger." Grinste Fischauge böse.
 

"Seh' ich da eine Falte?" fragte Falkenauge.
 

"Wo? Wooo?" kreischte Tigerauge und hüpfte spastisch zum Spiegel "Von wegen Runzel! Ihr

seid mir ja schöne Freunde! Ihr kriegt gleich was in die Runzel!" Da kam auch schon, wie auf

Bestellung, das Amazonenquartett herein. Alle sahen etwas bleich aus. "Na, wie war der

Whiskey?" grinste Tigerauge fies, worauf sie ihn nur mitleiderheischend aus blutunterlaufenen

Augen anblickten. "Oh! Seht euch das an!" meinte Selesele und zeigte auf die Unterwäsche.

"Mann! So was hätt' ich auch gerne!" keuchte VesVes ehrfürchtig. "Für wen ist denn das?"

fragte Pallapalla.
 

"Für Fischauge?" fragte Junjun.
 

"Sonst noch was, ihr Bamsn?!" rief Falkenauge "Nein, 's ist ein Geburtstagsgeschenk

für....äh.... eine Freundin." "Oooooch. Falki hat eine Freundin!" quietschte die ganze

Belegschaft. "Und Tigerchen? Bist du schon vergeben?" fragte Vesves.
 

"Irgendwie sind die lästig." Knurrte Tigerauge.
 

"Das ist echte Seide... wowie!" seufzte Junjun und strich über den Stoff. "Ich wünschte, ich

hätte auch einen Freund." Schmollte Vesves. "Naja, wir haben ja uns." Lächelte Selesele,

worauf die anderen drei rot wurden. "Entzückend. Zündet euch an, ja?" fuhr Falkenauge sie

an.
 

"Geht spielen, aber laßt uns in Ruhe." Sagte Fischauge.
 

"Nur wenn ihr uns auch so was schenkt! Wir zeigen uns auch erkenntlich!" schallte es dem

Trio entgegen. Fisch- und Falkenauge wichen zurück, Tigerauge hingegen grinste nur. "Na

gut." Er schnalzte mit der Zunge.
 

"Und von was, bitteschön?" fragte Falkenauge.
 

Tigerauge nahm wortlos sein Bandana ab und riß ein darin eingenähtes Geldbündel heraus.

"Nochmal 60.000. Sollte genügen." Er fächelte sich damit Luft zu. Falkenauge schaute ihn

entgeistert an.
 

"Mein Notnotgroschen." Erklärte Tigerauge.
 

"Aha." Nickte Falkenauge verständnislos.
 

Grinsend verschwand das Amazonenquartett.
 

"Seid ihr Satyrn oder so was?" fragte Fischauge.
 

"Also, für mich Vesves, für dich Selesele....." rechnete Falkenauge, ohne aufzusehen "He,

Fischauge! Willst du auch eine? So 'ne Chance kriegst du nie wieder. Stell die einfach vor, es

wären Jungen." "Mit der Figur?" warf Tigerauge ein.
 

"Vergeßt es!" brüllte Fischauge "Naja....... Junjun, okay?" Die beiden anderen nickten sich

wissend grinsend zu.
 

******
 

Stolz trug Makoto die Torte vor sich wie die Bundeslade. Noch ein paar Schritte und wir

waren aus der West Side. "Naja, das ist ja ganz gut gelaufen!" sagte ich frohen Mutes. Dann

fuhr irgend etwas Schwarz-Grünes aus der Erde in die Luft und riß Makoto mit sich. Ich und

meine große Klappe.
 

"Die Torte! Die Torte!" rief ich und fing das fallende Gebäck mit meinem Rücken auf. "HE,

DU SPACK DA OBEN!" rief Urd zu dem irgendwie ungesund aussehenden Typen, der in der

verschmutzten Tokioter Luft levitierte und Makoto in den Armen hielt. "Ich bin Faust von

Münchhausen." Sagte er in einer testosterongeschwängerten Stimme, die meine Zirbeldrüse

zum Kräuseln brachte. "Da hast du 'ne Faust!" hörte ich Makoto noch rufen, dann ein Knall

und der Typ schmierte ab. Kurz vor der sanften Liebkosung des japanischen Asphalts fing er

sich aber wieder. Makoto wurde von einem grünen Leuchten umgeben und fiel in Ohnmacht.

"Dieses Mädchen wir....."
 

"Jetzt wird nicht lang geredet!" rief Urd und blastete ihn von Makoto weg, die dabei viel

Kleidung verlor. So, wie Urd guckte, war das in ihrem Sinne gewesen.
 

Doch der Fäustling rappelte sich wieder hoch.
 

"Oh, für einen Menschen hält der ganz schön viel aus." Meinte Urd anerkennend. Ich

versuchte, Makoto wieder zu beleben, aber da ich von ihren sekundären Geschlechtsteilen zu

sehr abgelenkt wurde, funktionierte es nicht so richtig. Währenddessen zog Faust einen Stein

aus dem Mantel, der verdächtige Ähnlichkeit mit grünem Kryptonit hatte. Sogleich erschien

ein heulender grüner Dämon, häßlich wie Uminos Pyjama, der ihm zu Diensten war. "Mach'

sie alle!" dröhnte Faust.
 

Der Dämon drehte sich um, und als er Urd sah, die ihn nickend anlächelte, ging er vor

Münchhausen auf die Knie und bettelte. "Bitte, nicht gegen DIE da! Wie wär's denn mit dem

weißen Kater?" Ich fauchte, was aber nicht ganz soviel Eindruck machte, wie die magische

Energie, die sich um Urd sammelte. Faust vernichtete den Grünling aus einer

Kurzschlußhandlung heraus und finsterte Urd an. "Ich laß' dir den ersten Schlag." Lächelte sie

mitleidig, während Faust die dunklen Energien der Hölle sammelte, die jedoch kurz vor Urd

verpufften. Dann griff sie an und Faust ging in Flammen auf, während er gleichzeitig im- und

explodierte. Das sah nicht besonders appetitlich aus, und selbst die anderen Bewohner der

West Side rangen mit ihrem Frischverdauten. Schließlich war von dem Bösewicht nur noch ein

kokelndes Häuflein Elend übrig. "Gehen wir." Grinste Urd, und wie durch ein Wunder wachte

Makoto auf. Als sie sah, auf was ich sah, schlug sie mich blöd.
 

******
 

Mit einem Eisbeutel wachte ich auf Minakos Geburtstagsparty auf. "Tschuldige." Grinste

Makoto schüchtern "Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist." "Ja, ja. Wo ist die Torte?"

fragte ich.
 

"Haben wir schon gegessen. Sie war seeeehhhhhr lecker!" grinste Minako glücklich "Danke,

Artemis!" Sie küßte mich auf die Nase.
 

Mein Leben, eben.
 

"Hallooooo!" rief eine schwule Stimme.
 

Alle verstummten, bis auf meinen Magen, der knurrte müde vor sich hin. Und da standen sie

tatsächlich in der Tür, die beiden Augen. Falkenauge und Tigerauge, und holla, sie hatten ein

Geschenk dabei. Und die sündteuren roten Rosen, von der ich Luna eine zu unserem ersten

Rendezvous mitgebracht habe, und die ich Minako am Valentinstag vor die Tür lege, mit

einem Zettel auf dem irgendein Schmus von heimlichen Verehrern, kirschroten Lippen und

Augen wie der Sternenhimmel steht. Romantisch? Nein, ich bin Traditionalist.
 

Auf jeden Fall, die beiden Augen, die ihren Freund Forellenknie, oder wie er hieß, offenbar

daheim gelassen hatten, bedeuteten Ärger. Das war aber wohl nur mir klar, denn sie wurden

herzlichst aufgenommen. Na gut, das was sie Minako mit einem eindeutigen Grinsen

schenkten, bedurfte keiner weiteren Erklärung. Es war nicht ein Splitter des echten Kreuzes,

obwohl ich einen solchen schon seit jahren suchte, aber es war ja nicht mein Geburtstag, als es

war kein Splitter, sondern eine sündteuer und sündig aussehende Unterwäsche. Mit den

Worten "Danke, probier' ich gleich mal an!" verschwand Minako in ihrem Zimmer. Die

beiden Herren grinsten, als wäre das Teil eines abscheulichen Planes. Ich grinste auch, weil ich

Minako kannte. Urd grinste auch, auch weil sie Minako kannte. Und schließlich passierte das,

worauf wir vier gewartet hatten. Die beiden wurden in Minakos Zimmer gebeten und kamen

lange, lange Zeit nicht mehr heraus. "Ich wette 10.000, daß die beiden sind danach total

kaputt!" rief ich in den Saal. "Halte!" antwortete, wie nicht anders zu erwarten, die doofe

Haruka. "Haruka, du bist doof!" sagte sogar Michiru "Artemis weiß bestimmt, was er da zu

erwarten hat!" "Bin nicht doof...." schmollte Haruka und schob die Unterlippe vor. "Doch."

Stimmte Rei mit ein.
 

Schließlich kamen die beiden Augen wieder raus, schwer gezeichnet von unmäßiger

körperlicher Anstrengung, aber offenbar triumphierend. Sie mußten sich zwar gegenseitig

stützen, aber trotzdem schienen sie tatsächlich mit Minako fertig geworden zu sein. Sie hätte

vorher nicht so viel Torte essen sollen, verdammt! "Artemis, her mit der Kohle." Haruka

streckte ihre gierige, häßliche Pratze aus. "Moment!" fauchte ich und schlich zu Falkenauge.
 

"Hey, Falco." Sagte ich "Wollt ihr euch 5.000 verdienen?"
 

Ich hatte mit Haruka vorher um 10.000 Yen gewettet.
 

"Ja, nach dem Shoppingexzess wär' das gar nicht schlecht." Meinte Tigerauge. "Ihr müßt nur

so tun, als ob ihr jetzt total kaputt und müde wäret." Grinste ich. "Was? Unsere Männlichkeit

verleugnen sollen wir?" fauchte Tigerauge. "Geld, Tigerauge, Gee-heeld." Flüsterte

Falkenauge mit Nachdruck. "6.000." sagte Tigerauge.
 

"Na gut."
 

"Ooooooohhhhhhh, wir werden wirklich zu alt für so was...." lamentierte Tigerauge und stütze

sich schwer auf Falkenauge. "Jaaaaa, diese jungen Mädchen sind zuviel für uns alte Herren,

koff, koff." Hustete Falkenauge. "Nicht übertreiben." Flüsterte ich.
 

Gramgebeut und säbelbeinig humpelten die Beiden aus dem Haus. Man hatte den Eindruck,

daß sie sich öfter alt und schwach geben würden, um irgendetwas unangenehmen zu

entkommen. Naja, das war die Sache ihre Bosses. Nachdem das Ganze geritzt war und ich

immerhin noch meine 4.000 eingesackt hatte, und alle Partygäste verschwunden waren und ein

Schlachtfeld wie damals in der Normandie zurückgelassen hatten, ging ich in Minakos

Schlafzimmer, wo sie friedlich schlummerte und deckte sie zu. Ja, so war ich, im tiefen Inneren

meines Herzens ein Profi, aber ein treusorgender. "Artemis, hab' ich geschlafen?" fragte

Minako, kurz erwachend. "Ja, so gut scheinen die beiden ja nicht gewesen zu sein." Dachte

ich, aber sagte: "Ja. Schlaf' weiter, 's ist schon spät. Gute Nacht." Minako drehte sich auf die

andere Seite und tat, wie ihr geheißen. Ich ging seufzend hinaus. Das war ja mal wieder ein

Tag gewesen. Und er ging ja noch weiter, wie mir schauderhaft klar wurde, als ich zwei

Sturmgeister sah, die den Schweinestall in Wohnzimmer und Küche beseitigten. "Hey,

Artemis." Sagte Urd von hinter mir.
 

Ich drehte mich um, während die beiden geister nach getaner Arbeit verschwanden. "Yup?"
 

"Ich hab' hier zwei Eintrittskarten für das Blind Guardian - Konzert heute abend, mit

Backstagepässen, die uns zum anschließenden Saufgelage mit der Band verpflichten." Grinste

das weißhaarige Sexsymbol und fingerte zwei Karten hervor. "Scharf." Grinste ich "Worauf

warten wir noch?"
 


 

- THE END -
 

Ein schönes Ende, wa? Geld, Ruhm, Ehre und Macht an okami@gmx.net Gut, war vielleicht a

bissel kurz, aber ich hab' noch 'ne Facharbeit am Köcheln.
 

Special Thanx to:
 

Armadeus (Der Vierte des Amazonentrios), Gonzo ("Der Con wird sooo cool!"), Etti ("Du

bist kei' Checker, du bist einfach a Depp!"), Fufuranky (Wie steht's mit dem Keyboard?),

Helmut (UT), Hans, Basti (Simon 2) und alle anderen von Psychomachia (We are Legion!),

Beck, Manfred (Sailor Moon - Hasser!)

Die Artemis Akten, Teil VI
 


 

Die Artemis Akten, Teil VI
 

Miss Tokyo
 

- von Warlock, the wolf in human guise -
 

Der Himmel lag über der Stadt wie zwei Artisten nach einer mißglückten Panzerrolle.

Ich weiß, ich sollte nicht so reden, da ich noch nie eine Panzerrolle vermasselt hatte, denn ich habe noch nie eine gemacht.

Artemis ist mein Name, aber ich gebe nichts darauf. Sie hoffentlich auch nicht, denn ich bin ein Mann. Obwohl, sprechender, weißer aus dem Mondkönigreich wiedergeborener Kater würde es eher treffen. Auf jeden Fall, es war wieder einer dieser Tage. Es war Herbst, und es war kalt.

Minako wußte das natürlich auch, weswegen sie mich nicht im warmen Zimmer ließ, sondern mich, immer modebewußt, als Pelzstola zweckentfremdete. Die Schals, die sie hatte, waren ihr nicht chic genug, so daß ich mich um ihre Hals legen mußte. Bewegen durfte ich mich natürlich nicht, und wehe, ich zitterte. Daran, daß auch ich menschliche Bedürfnisse habe, wie zum Beispiel auf's Klo gehen, dachte sie wie üblich nicht, als sie die Beweglichkeit meiner Wirbelsäule wie jedes Jahr an die Belastungsgrenze brachte und mich um ihren Hals wand.

Manchmal fragte ich mich, ob ich ihr nicht sagen sollte, daß sie mich vielleicht so um ihren Hals binden sollte, daß mein Bauch zu jenem zeigte. Die Ringerbrücke in der Horizontalen, die ich nämlich jetzt vollführte, war nicht nur etwas unbequem, sondern setzte auch meine Weichteile der unbarmherzigen Kälte oder den unbarmherzigen Tritten von Minakos kampfsportelnden Mitschülern aus. Wenn sie mich andersrum rumgebunden hätte, wären zwar meine Pfoten immer noch verknotet gewesen, aber wir hätten beide was davon gehabt.

Übrigens war ich früher mal gefeierter Kraftdreikämpfer, aber seit Minako mich um ihre Hals band, hatte ich einen so schlechten Rücken, daß ich von Kniebeugen und Kreuzheben mit Gewichten über 2 Gramm nur träumen konnte.

Aber es hatte nicht nur Schlechtes: So konnte ich zum Beispiel mit ansehen, was alle männlichen Bewohner Tokyos für abenteuerliche Verrenkungen machten, wenn Minako an ihnen vorbei war. Gesten und temporäre geistige Retardierung waren eindeutig - man konnte froh sein, daß es nicht Sommer war. Im Sommer mußte Minako laut Staatsbeschluß einen Umweg zur Schule machen, da der normale Weg sie an einem Altersheim vorbeiführte, und die Herzanfall-Rate der nicht mehr ganz vitalen Greise in aufsehenerregende Höhen schoß.

Aber wie gesagt, es war Herbst und kalt und regnerisch. Während ich die Tropfen zählte, die auf meinen entblößten Bauch fielen, und betete, daß wir in der Nähe einen guten Tierarzt hatten, und daß mir meine Prostata keine Probleme machen würde, hüpfte Minako zur Schule. Sie hatte, dank ihrer Schuluniform, schon recht abgehärtete Haxen.

Und schließlich kamen wir dann auch in die Schule, wo es gottseidank etwas wärmer war, und betraten das Klassenzimmer, das für den heutigen Tag unser Heim und Schlachtfeld sein würde. Der einzige Lichtblick heute war Usagi, deren niedliche Dummheit wie immer mein Herz erwärmte. Außerdem legte mich Minako ab, und mit einem Knacken bog ich meine Wirbelsäule wieder in die richtige Form zurück. Gut, daß ich viel Milch trank, denn so waren meine Knochen immer gut drauf.

Und da erhob sich auch schon ein Schatten, der das Licht meiner in der Wärme des Zimmers und der Nähe der Senshi wie eine gewässerte Semmel aufgeqollenen Wonne sofort wieder verdeckte. Es waren besser gesagt drei Schatten, nämlich die von Seiya, Yaten und Taiki.

"Halooo-hooo!" riefen Minako und Usagi wie aus einem Mund.

Ich fragte mich, was die beiden an diesen drei Provinzschwucken fanden, aber naja, Usagi fand ja auch Mamoru attraktiv.

Ich rollte mich, wie ich es in der Schule zumeist tat, um Minakos Beine, da ich so meinen Schlaf nachzuholen gedachte, den Minako mir mit ihren Schnarchattacken geraubt hatte.

Aber es sollte wohl nicht sein.

"He, Kater." Redete mich Seiya an.

"Ja, meine Kleine?" dachte ich, aber sagte "Miau."

Ich sagte das müde und gelangweilt, denn vielleicht würde er so verstehen, daß er mir endlich aus den heute ohnehin spärlich gesähten Sonnenstrahlen gehen sollte, aber wie man bei jemandem mit einem Ziegelstein als Hirn nicht anders erwarten konnte, verstand er die leichte Andeutung in meiner Stimme nicht.

"Lass' uns etwas Spaß haben."

Er zog ein Wollknäuel aus der Tasche.

"Laß' uns etwas Whiskey haben. Du zahlst." Dachte ich, aber sagte: "Miau."

Er ließ das Knäuel vor meinen Augen herumhüpfen, als wäre es einer der Three Lights beim Tanzen.

"Ja, schön. Soll ich dich jetzt damit aufhängen oder was?" dachte ich, aber sagte "Fauch!"

"Schlecht gelaunt, was?" meinte er etwas enttäuscht und steckte das Knäuel wieder ein.

"Artemis...." meinte Minako vorwurfsvoll.

Nun, ich machte jetzt meine Augen zu und versuchte, einzunicken.

Ich erwachte wieder von einem rüden Fußtritt in die Magengrube. Für einen Moment dachte ich an meinen ersten Tag im Gefängnis, wo man mich verdroschen hatte, da ich den anderen ihren Spaß lassen wollte. Sie hatten genau 20 Sekunden, um sich daran zu erfreuen, daß ich am Boden lag, denn kurz danach lagen sie alle auf der Krankenstation. Bis auf Freezy Jimmy, der mit der Weisheit eines Exiljamaikaners darauf verzichtet hatte, einen Fremdling aus Nirgendwo zu vermöbeln, und Ice Tea, den Rapper, der mich als "Weißen Brother" ansah, da ich ihn unter den Tisch saufen konnte und ihn im Basketball geschlagen hatte.

Und da ich mich so daran erinnert fühlte, biß ich herzhaft in den Fuß, da ich heute auch noch kein Frühstück gehabt hatte.

"AAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!" brüllte Minako als wäre jemand dabei, ihr eine Brustwarze abzunagen.

"WAS IS' LOS?!" überbrüllte der Lehrer sie noch.

Und dann sah er mich.

Sofort fing er an, zu schimpfen, wie ein Waschweib, daß man keine Tiere mit in die Schule nehmen dürfte, und wie schlecht die Welt im Allgemeinen und Minako im Besonderen seien. Ich gähnte herzhaft, und zum Dank wollte er an mir am Ende der Rede ein Exempel statuieren.

Er griff mich und war im Begriff, mich aus dem Fenster zu schmeißen.

"NEEEEIIIIIIIN!" rief Minako.

Gut, daß sie auch mal aus ihrem gottgegebenen Phlegma erwachte.

Taiki schaltete schnell.

"Ich geb' ihnen 12 Mille, wenn sie ihn mir geben!" rief er, um bei Mina durch Errettung ihres treuen Haustiers Punkte zu sammeln.

Alle Mädchen in der Klasse sahen ihn verträumt an.

"Na gut. Aber dann bleibt er bei dir, klar?!" knurrte der Lehrer.

Taiki kam mit offenen Armen auf mich zu.

Ich sprang in die Tiefe.
 

******

"He!" rief Aluminium Siren nach ihrem Füller.

Nicht daß das wen interessiert hätte, denn sie "He!"te heute schon den ganzen Tag durch das Bürogebäude und verhinderte so sowohl mit ihrem Aussehen, als auch mit ihrer Stimme, die geregelte Arbeit der männlichen Belegschaft.

"HALT DIE FOTZE, DU XXXXXXXXX!" brüllte Lead Crow aus ihrem Büro.

Stille. Dann Schluchzen.

Lead Crow ging um die Ecke und sah, daß dort Siren kniete und todtraurig auf einem Taschentuch herumkaute. Sie heulte wie ein Schoßhund.

"Du magst mich nihihicht....." schniefte sie, und Sturzbäche, die den Marianengraben hätten füllen können, entströmten ihren Augen.

"Ich hab's nicht so gemeint." seufzte Lead Crow und umarmte sie.

Inzwischen hatten Iron Mouse und Nyanko ihre Arbeitsplätze verlassen, um nach dem Ursprung der Geräusche zu suchen.

Nyanko fand die beiden als Erste.

"Ooooohhhhh!" rief sie verzückt "Auf DAS steht ihr also!"

Und schmiß sich gleich dazu.

"He, runter von mir!" rief Lead Crow "Haaaaahhhh..... nimm' deine Hand da weg!"

"Uiui!" grinste Siren "Lass' deine Hand, wo sie ist, Lead Crow!"

Besagte Dame zog ihre Hand sofort wieder weg. Und da kam auch schon Iron Mouse des Weges.

"Ich will's ja eigentlich nicht wissen..... aber was macht ihr da eigentlich?" fragte sie.

"Girl Action!" rief Tin Nyanko und versuchte, Crow's Oberteil aufzuknöpfen.

"Gar nichts!" knurrte Lead Crow und versuchte, Nyanko's Hände von ihren Knöpfen fernzuhalten.

"Jaaaaaa....." seufzte Siren und hielt Crow's rechte Hand unter ihrem Rock fest.

"Willst du mitmachen?" fragte Tin Nyanko.

"HE, SEHT EUCH DAS AN!" rief ein Angestellter, der verpickelte Utsude Hiroshi aus Büro 223 "GIRL ACTION!"

Nach ca. 10 Minuten war das Schauspiel vorbei, Nyanko und Siren lagen lächelnd auf dem Boden, Lead Crow hatte feuchte Hände, was zusammen mit ihrer hitzigen Natur in Dampf resultierte, und Iron Mouse stand mit einem seltsamen Gesichtsausdruck daneben.

Schließlich entlud sich das, was sich in ihr angestaut hatte:

"WÄÄÄÄÄÄH! HIROSHI HAT MIR AN DEN HINTERN GEFASST!"

Um einen kreativen Hänger des Autors zu vertuschen, wehte ein Stück Papier durch ein Fenster herein. Selbige hatten sich automatisch geöffnet, da die männlichen Angestellten in Situationen wie der vorherigen zu übermäßiger Schweißbildung neigten.

Es wehte in Iron Mouse's Gesicht.

"Gib' mal her!" keifte Lead Crow und schnappte sich den Wisch.

"Hmmmm..... Miss Tokyo....... 1. Preis 100.000 US $ !!!!"

"Wowie!" rief Siren "Mit soviel Geld könnten wir unseren eigenen Sender aufmachen!"

Jede der anderen sah sie ob dieses plötzlichen Geistesblitzes geschockt an.
 

******

"...... 100.000 US DOLLAR!" hörte ich Minako rufen.

Der Geschmack von Geld in meinen Ohren weckte mich wieder auf, und so wurde mir bewußt, daß ich in einer Stellung gelandet war, die für Wesen aus dieser Dimension nur mit einer vorherigen Schädigung der Wirbelsäule einhergehen kann.

Ich lag unter einer Linde, soweit ich sah, und versuchte, mich zu erheben. Das klappte ganz gut, aber mein Rücken hatte nun Ähnlichkeit mit dem eines Dackels. Es fühlte sich an, als wäre meine Wirbelsäule an einem Punkt zwischen den Schulterblättern einmal um 180 Grad gedreht, halb abgerissen und dann so gelassen worden.

"Miaooooo." Klagte ich.

"Hallo, Artemis!" grinste Minako.

Ich grinste zurück, aber mit mehr Sarkasmus.

"Sieh' mal!" sie hielt mir einen Zettel vor die Nase "Ich habe gerade beschlossen, Miss Tokyo zu werden!"

"Schön, aber haben da nicht auch einige Schiedsrichter mitzureden?" fragte ich, während ich meinen Unterleib in Gegenrichtung auf die Fahrbahn einer Dampfwalze legte und mich mit den Vorderpfoten unter dem Pausenbrot des Klassenfettsacks verkeilte. Eine Minute und ein unheimliches Knacken später waren meine Wirbel wieder normal. Dann rannte ich volle Wucht gegen den Klassenfettsack, bzw. sein Hinterteil, um meine Wirbel wieder zusammenploppen zu lassen. Bis heute hat es gehalten, aber seitdem kann ich, wenn ich meine Ohren nach außen drehe, einen rumänischen Polkasender empfangen.

So schleppte ich mich also zu Minako, wobei ich allerdings vergessen hatte, daß sie mich wieder als Schal zweckentfremden mußte, der Mode zuliebe, und so meinen Rücken erneut auf's Mieseste strapazierte.

Natürlich gab ich keinen Laut von mir, denn wenn ich eins gelernt hatte, dann, daß man vor Minako keine Schwäche zeigt. Es nützt nichts.

Die Schule war inzwischen aus, so daß Minako schnurstracks zu dem Büro ging, wo man sich zur Wahl der Miss Tokyo bewerben konnte.

Dort erlebten wir eine Überraschung: Offenbar hatten die anderen Senshi die selbe Idee gehabt, um an Ruhm, Reichtum und Männer zu gelangen.

Sie begrüßten sich herzlich, obwohl sie ja technisch gesehen Gegnerinnen waren.

Meiner unmaßgeblichen Meinung hatten die Fünf beste Chance auf den Sieg. Der Rest der hier anwesenden Wesen ging kaum als Menschen durch, geschweige denn als holde Weiblichkeit. Gut, einige angenehme Ausnahmen waren schon vertreten, aber ich wollte jedenfalls nicht mit den Schiedsrichtern tauschen. Ich mag nämlich keine Orangenhaut.

Während die Senshi schnatterten, benutzte ich meine neu erworbene Fähigkeit und lauschte rumänischer Polkamusik. Die war zwar nicht gut, aber besser als Frauenthemen. Vor allem ist es ja bei Damengesprächen peinlich, als Mann dann über seine Meinung gefragt zu werden. Entweder man hat keine Ahnung, um was es eigentlich geht, oder aber man wählt von zwei, drei Sachen die falsche Möglichkeit und gilt als verrohter Erbe der Vandalen.

Also hörte ich Musik.

"Geh'n wir, Artemis!" meinte Minako, nachdem sie sich angemeldet hatte und trat mir in den Rücken, um jene Forderung zu verstärken.

Dadurch hatte meine Wirbelsäule nun endgültig die alte Form wieder. Den Polkasender konnte ich aber immer noch hören.

Der Weg nach Hause verging wie im Flug, da wir ja nur 3 Blocks weiter wohnen.

"Mami, ich bin wieder daaahaaaa!" rief Minako.

Keine Antwort, aber am Spiegel hing ein Zettel, auf dem irgendwas von Essen im Kühlschrank und Liebe, Mami stand.

Minako ging also in die Küche, und ich folgte ihr, da mein Magen nicht auf die allmorgendliche Visualisierung eines Frühstücks hereingefallen war und knurrte wie der Nachbarshund.

Minako war offenbar etwas aufgeregt, da sie heute nur drei Portionen zu sich nahm. Vielleicht täuschte sie aber auch nur Appetitlosigkeit vor. Jedenfalls konnte ich so die restlichen vier Portionen für mich beanspruchen.

"Arteeeeeemis....." quengelte Minako.

"Oh Gott, warte doch wenigstens, bis ich fertig gegessen habe." Dachte ich, aber sagte: "Miau."

"Ich bin zu häßlich für diesen Wettbewerb!" heulte sie.

Natürlich wollte sie jetzt, was typisch für Frauen ist, etwas hören wie "Nein, du bist wunderhübsch!", oder "Gegen dich verblassen sogar Venus und Freya, wenn sie übereinander gestapelt in einer Hentai-Szene vorkommen!". Hüten sollte man sich als Mann allerdings vor einem durchschnittlichen "Du siehst gut aus.", denn bei Frauen ist es wie bei Köchen: Alles, was an Lob ankommt und weniger als extradimensional magnifiziös ist, ist bestenfalls durchschnittlich. Deswegen kaufen Frauen auch immer die teuersten Kleider. Bei durchschnittlichen Komplimenten, die das weibliche Wesen nicht auf mindestens die selbe Stufe wie eine Göttin stellen, denkt jenes weibliche Wesen. man will ihr nicht sagen, daß sie häßlich wie die Nacht ist, weswegen man es in höflicheren Wendungen verpackt - genau so wie wenn sie zu einem Mann sagen, er wäre nett. Auf jeden Fall, wir Männer sind da um einiges verträglicher, nicht zuletzt, weil wir gewöhnt sind, daß man an uns rummeckert, seien es nun Freunde in freundschaftlicher Beleidigung, der Boss oder gar die Freundin höchstselbst.

Aber zurück zur Geschichte.

"Du bist nicht zu häßlich, nein du bist wunderschön, so wie Venus! Wenn du bei diesem Wettbewerb mitmachst, fällt die Jury von den Stühlen, geblendet von deiner Anmut, Grazie und deiner Figur!" sagte ich aufmunternd

"Danke, Artemis." Sagte Minako und küßte mich auf die Schnauze.
 

******

"Ich mach' bei der Miss Tokyo mit, ich mach' bei der Miss Tokyo mit!" sang Fischauge.

"Mir ist schlecht." Murmelte Tigerauge.

Falkenauge sah ihn mitleidig an.

"Nun komm' schon, alter Freund. Nimm' dir Fischauges Schwulitäten nicht so zu Herzen."

Er klopfte ihm auf die Schulter, die breite.

"Wegen ihm haben meine Magengeschwüre Magengeschwüre!" greine Tigerauge "Ich laß' mich versetzen!"

"Etwa nach Beteigeuze zu Rehauge und Holzauge?" fragte Falkenauge.

"Stimmt - da überleg' ich's mir noch mal." Schauderte Tigerauge.

"Was denn, was denn!" protestierte Fischauge "Die Beiden waren doch immer sehr nett."

"Ja, in dieser bestimmten Weise, in der auch du nett bist." Knurrte Tigerauge.

"Du findest mich also nett?" fragte Fischauge und kam näher.

Tigerauge fiel zitternd zu Boden, wo er sich in Fötalstellung begab und hin und her wippte. Dabei sang er ein Kinderlied.

"Tigerauge! Tiger...." versuchte Falkenauge "Keine Reaktion. Es hat ihn wohl wirklich erwischt."

Da flog auch schon Zirkon herfür, um dem Trio, oder besser gesagt, den beiden ansprechbaren Mitgliedern des Trios, Zirkonias Wahl des nächsten Opfers mitzuteilen.

"Na, wen haben wir denn da?" fragte Falkenauge und grapschte sich das Foto.

Es zeigte ein junges Mädchen mit grauem Haar, grauen Augen und einer Sonnenbrille, das einen etwas deplaziert aussehenden Nadelstreifenanzug und einen dazu passenden Hut trug.

"Das ist ja wohl eher was für Tigerauge!" meinte Falkenauge fast angeekelt.

"Die ist mindestens 20." Platzte Fischauge nach einem kurzen Blick heraus.

"Ach ja? Und woher nimmst du diese Gewissheit?" meckerte Falkenauge.

"Weibliche Intuition."

Dagegen konnte der Muskelmann mit der rosa Dragonball - Frisur nicht viel sagen, also sagte er auch nichts.

Tigerauges Anfall endete circa zwei Minuten später.

"Da. Neues Futter." Sagte Falkenauge lapidar und schmiß ihm das Foto hin.

"Zirkonia scheint langsam mal Geschmack zu bekommen - die ist ja richtig knuffig." Grinste Tigerauge, während ihm ein Sabberfaden aus dem Mundwinkel troff "Honto! Honto!"

"Du bist ekelerregend!" würgte Falkenauge "Mach dich lieber auf die Socken, anstatt hier alles vollzusabbern!"

Tigerauge sah seinen Kumpan nur abschätzig an und verflüchtigte sich dann mittel Salto Mortale durch ein Dimensionstor.

******

"Tut mir leid, wir brauchen keine Zwölfjährigen." meinte der Schreiberling nüchtern, kalt und emotionslos, während er seine Zigarette ausdrückte.

"Häh?!" fragte Iron Mouse "Ich bin eine erwachsene Frau!"

"Ja, ja, Kind. Geh' wieder spielen."

"Jetzt hör'n sie mal!" Lead Crow schlug mit den Knöcheln auf den Tisch, daß sich dieser bog "Auf dem Personalausweis steht's, auf dem ärztlichen Attest steht's, und sie wollen allen Ernstes behaupten, daß Nezu keine 18 ist?!"

"Passen sie doch auf ihren Blutdruck auf, Teuerste!" meinte eine alte, dicke Frau, die sich für ihre 83 noch sexy genug vorkam, bei einer Miß-Wahl mitzumachen.

"Passen Sie lieber auf, sonst gibt's eine auf die Knackwurst!" tobte die Rothaarige weiter "Und überhaupt, für welche Wahl tragen Sie sich überhaupt ein?! Für die zur Miß Geburt?!"

Mit einem indignierten Laut verschwand die ältliche Dame.

Lead Crow wandte sich mit dem Lächeln einer Gewinnerin wieder dem Schreiberling zu.

"Sie nehmen SIE ja auch, obwohl sie das Hirn einer 5-Jährigen Topfpflanze hat - ohne Topfpflanzen beleidigen zu wollen!"

Sie zeigte auf Siren, die nichts hörte, da sie mit einem JoJo beschäftigt war.

"Na gut, na gut. Aber hören Sie bitte auf, hier herumzubrüllen."

"ICH BRÜLLE NICHT! SIE WOLLEN GAR NICHT WISSEN, WAS PASSIERT, WENN ICH BRÜLLE!" zeterte Lead Crow.

Eingeschüchtert schrieb der Schreiberling auch noch Nezu auf die Teilnehmerliste. Er fragte sich, ob dieses Monster da vor ihm einen Freund hatte, denn wenn ja, hätte er ihn bemitleiden müssen. Wahrscheinlich war er Schuhverkäufer.

Das Team von Galaxia verließ das Gebäude.

"Wow, Lead Crow, dem hast du's ja ganz schön gegeben." Meinte Nyanko anerkennend.

"Naja...." lächelte Lead Crow etwas verschüchtert.

"Gibst du's mir a-hauch?" fragte Nyanko mit einem entzückenden Augenaufschlag, worauf Lead Crow etwas erbleichte, von Iron Mouse, die alles mitgehört hatte, ganz zu schweigen.

"ICH STEH' NICHT AUF SO WAS!" knurrte Lead Crow.

"Wie willst du das wissen, wenn du's noch nie probiert hast?" hielt Nyanko dagegen.

Doch bevor etwas Ernstes passieren konnte, zum Beispiel, daß Lead Crow die Hand ausrutschte - ihr stählerner rechter Haken war im ganzen Sender berüchtigt, seit sie den Wettermann (ehemaliger Weltmeister im Halbschwergewicht) niedergeschlagen hatte - entschärfte Siren die Situation.

"Geh'n wir ein Eis essen?" fragte sie.
 

******

"Wo sind wir hier?" fragte Tigerauge.

"Keine Ahnung!" fauchte Falkenauge, der sich entschlossen hatte, seinem Compadre zu folgen, da man den ja nicht alleine rumlaufen lassen konnte "Unser Teleport hat wohl wieder Mist gebaut!"

Die beiden standen in einem mittelgroßen Raum mit Bänken und Tischen an den Wänden, einem großen Tisch halbrechts und einer Couch vor diesem.

Außerdem war hier noch eine Bühne, auf der sich vier auf KISS geschminkte Typen die Seele aus dem Leib spielten.

Naja, "spielten" war übertrieben, sagen wir lieber, sie schrabbten und prügelten. Allerdings entlockten sie ihren Instrumenten doch einige rockende Akkorde, aber die Soli, die der von der Bemalung offenbar von Alice Cooper kopierte Leadsänger seiner Fender entlockte, waren erbarmungswürdig, genauso wie sein Verzerrer und seine Vocals.

"Mann, sind die scheiße!" lachte Falkenauge.

Aber naja, KISS waren eigentlich auch scheiße, seit 20 Jahren, und daran störte sich keiner - lag es vielleicht an der Schminke?

Tigerauge antwortete übrigens nicht; er hatte gerade einen Hippie mit regenbogenfarbigem Poncho und einen Glatzkopf, der aussah, wie aus so 'nem neumodischen MTV-Video, von der Tanzfläche geschubst und headbangte.

Dann war der Song plötzlich zuende. Sofort hechtete ein dünner, großer, blonder, aber nicht besonders holder, Jüngling von der Couch zum Mischpult, um diverse Einstellungen daran vorzunehmen.

Die anderen Leute auf und um die Couch - zwei Mädels, die Falkenauge nicht alt genug waren, ein großer Typ, der aussah wie Mamoru, und ein unrasierter Typ mit einer ungesunden Körperhaltung - trugen einen Gesichtsausdruck, der zwischen "Das kann doch nicht wahr sein!" und "Oh Gott, es ist wahr!" schwankte.

Eine Gruppe von halbseiden aussehenden Individuen an einem Tisch hinter Falkenauge machte sich offenbar über die Band lustig. Zwei von den Typen, die da saßen, hatte er schon mal mit Fischauge zusammen schäkern gesehen, wenn er sich nicht irrte.

Sodann schepperte der breite Drummer sein noch breiteres Drumsolo herunter, und dann folgte noch ein Song.

Daß der blonde Jüngling sich vorher mit dem Mischpult abgequält hatte, hatte offenbar nichts gebracht, denn die Grunzvocals des Sängers gingen in einem Brei aus Bass und Gitarre unter (Nicht daß es besonders schade gewesen wäre), und der Keyboarder hätte ebensogut sein Instrument einfach ausstecken können.

Aber mein Gott, so war das nun mal live.

Falkenauge empfand fast Mitleid mit den vier auf der Bühne.

Als sie dann noch in eine etwas zu schräge Version des Wizard von Uriah Heep einstimmten, kräuselten sich Falkenauges Zehennägel und er schnappte sich Tigerauge.

"Laß' uns gehen." Meinte er lapidar und zog ihn durch ein neues Teleportloch.
 

(Anm. d. Autors: Weitere Highlights des Abends und darauffolgenden Tages: Meine H-Saite ist gerissen, wir spielten mit dem Gedanken, Sebastian Beck in der Mitte zu zerbrechen, unsere drei improvisierten Songs waren besser als die Sachen, die wir geprobt hatten, schlechter Singtag, schlechter Haartag, Tracklist vergessen, sturzbesoffen auf Whiskey, leichte Alkoholvergiftung, ganze Nacht am Reihern....... aber verdammt, ich würd's wieder tun! Und dafür, daß wir erst 13mal zusammen geprobt haben, war's ganz passabel!)
 

******

"A E I O U."

Minako übte deutliche Aussprache und grazile, gerade Haltung, indem sie mit einem Stapel Bücher auf dem Kopf vor mir herumstolzierte und ständig irgendwelchen Schwachsinn intonierte.

Währenddessen klang, als eine Art "Training Montage" für Arme, "I was made for loving you" von KISS aus dem Boxen des CD-Players, was alledem eine etwas surreale Atmosphäre gab.

Um mich dieser nicht ganz zu ergeben, las ich mir durch, was alles von den Teilnehmerinnen erwartet wurde.

"Hmmmmm..... Bikinirunde - schon gewonnen." Hakte ich geistig den ersten Punkt ab "Urks....... Allgemeinbildung - schon verloren....."

Und so ging ich Punkt für Punkt durch, bis ich mir sicher war, daß gutes Aussehen heutzutage kein Garant mehr für Erfolg war.

"Minako, du weißt schon, daß du die Grundzüge deiner Muttersprache, sowie das kleine Einmaleins beherrschen mußt?" fragte ich etwas verunsichert.

Minako schaute mich giftig an.

"Schon gut, war nur 'ne Frage." Zuckte ich mit den nicht vorhandenen Schultern.

Und weiter ging's mit dem Training: Nun übte Minako den AEH (Aufmerksamkeits-Erheischenden-Hüftschwung), und das Gehen mit Stilettos - nein, keine Messer, hochhackige Schuhe.

Ich tat mir das nicht weiter an, sondern ging nach unten, um mir einen Cognac einzuschenken, mir einen Borschtsch zu kochen, und meine Lieblingssendung im Fernsehen anzusehen.

Den Borschtsch kochte ich nach dem selben Rezept, nach dem wir kurz nach dem 2. Weltkrieg irgendwo in der Kosakei da hinten, Sibirien glaub' ich, unseren Kumpanen Ivan, einen Pelzwilderer und Schwarzbrenner aus Omsk, zubereitet hatten, da wir nix zu essen hatten, außer eingeschmuggelten Jeans und Tigerfellen. Ivan hatte nämlich die Karte falsch herum gehalten, wir hatten uns verirrt, und naja, er mußte halt dran glauben, so wie es im Vertrag stand.

Auf jeden Fall kochte ich also das rote Zeugs, ohne Ivan, aber dafür mit einer Pulle Wodka und viel Rindfleisch, so daß ich innerhalb von einer halben Stunde ein leckeres Fresschen zusammenhatte - fast Fast-Food. Dann noch den Dreiviertelliter Cognak auf ex runtergeschüttet, und schon machte mir der Herbsttornado da draußen, der wohl schon die ersten Todesopfer, darunter Godzilla (der flog grade am Fenster vorbei... vielleicht war's aber doch nur der Cognak), auf der Kappe hatte, gar nichts mehr aus.

Und während Al Bundy seinen Lieben mal wieder die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und seiner Lieben im Besonderen erklärte, aß ich Borschtsch ohne Russisch- aber mit Schwarzbrot, und erfreute mich meines farbenprächtigen Rausches, den ich wohl wieder über der Kloschüssel ausschlafen durfte.

"Arrrrrrtemis........." hörte ich da eine bekannte Stimme verstohlen schnurren.

Sofort klingelten alle noch nicht alkoholgetränkten Synapsen meines Hirnes auf Hochtouren, was meinen Rausch vertrieb.

Müde und zitternd drehte ich mich gen Tür, wovon ich die Stimme vernommen.

Da stand Minako am Türpfosten, fest an jenen geklammert, und das in einer Weise, daß man es nicht beschreiben kann, jedenfalls nicht, wenn man nicht mindestens 12 Helle inne hat.

Sie war überschminkt und trug einen weißen Bademantel. Ob da noch was drunter war, war mir im Moment unklar. Der Borschtsch lief mir nur so aus den Mundwinkeln, wie jedem männlichen Wesen in der Nähe: Der steinalte Goldfisch (nein, nicht Adolf, der andere), der schon hier gelebt hatte, als das Haus gebaut worden war (Er war ein Meister der Kampfkunst, weswegen er noch kein Gastspiel in meinem Magen gehabt hatte) fiel nämlich mit Herzinfarkt um.

Minakos Parfüm ließ in mir schwermütige Gedanken an jene Dinge aufkommen, die ich verpaßt hatte, als ich mit Johnny wegen unsittlicher Schlägerei im Karzer saß. Da war nämlich gerade Damenabend gewesen, und selbst Pa "Pferdegebiß" Hunshock, ein südtexanischer Bluegrass-Musiker von 890 Jahren und einer atemberaubenden Häßlichkeit, die jeder Beschreibung spottete, bekam noch eine ab.

"Und? Bin ich lasziv genug?" fragte Minako.

"Äh-häh....." nickte ich, da mein Gehirn nicht mehr richtig funktionieren wollte.

Ja, ja, niedergestreckt von weiblicher Tücke, kennt man ja. Konnte man auch von dem Goldfisch sagen.

Aber wer wollte schon mit einem Goldfisch verglichen werden, auch wenn dieser ein Meister der Kampfkunst war? Ich ganz bestimmt nicht. Also erholte ich mich schnell wieder.

Minako grinste mich an.

"Ich wage zu bezweifeln, daß die da Türstöcke rumstehen haben." Gab ich zu bedenken und löffelte meinen Borschtsch weiter.

"Das nicht, aber goldene Stangen!" sagte Minako mit einem verschwörerischen Augenaufschlag.

"Klar!" grinste ich sarkastisch.

"Neee, echt! Ich hab' mich schon davon überzeugt!"

"Öh? Wirklich?"

"Ja, wenn ich's dir doch sage!" nickte Minako energisch "Das ganze findet sowieso in einem ehemeligen Lokal statt, Golden.... Golden....... emmmm........"

"Golden G-String?" half ich.

"Ja! Woher weißt du das?"

"War mal Stammkunde. Aber als der Türsteher angefangen hat, die Möbelei aufzufressen, auch wenn noch Leute draufsaßen, wurde es leicht ungemütlich da drin."

"Wieso hat er das gemacht?" fragte Minako.

"Hatte was mit 'ner Wette zu tun. War viel Geld und die Yakuza mit im Spiel. Ähem......... Schon mal Borschtsch gegessen?"

"Also, eigentlich würde mich die Yakuza mehr interessieren...."

"ÄHEM, also der Borschtsch, ja der Borschtsch, also der.... der ist echt gut!"
 

******

"Wo ist sie denn nur, diese Nezu?" weinte Tigerauge und ließ sich an einem Laternenpfahl nieder.

"Laß' dich nicht so gehen!" fauchte Falkenauge "Die Leute halten dich noch für einen Penner."

"Aber einen gutaussehenden!"

"Penner bleibt Penner!"

"Ach, laß' mich doch in Ruhe!"

Tigerauge dreht sich herum und schmollte.

"Hey, Tigerauge!" rief Falkenauge "Da - da hinten! Da geht sie!"

"Was? Wo?"

Und tatsächlich! Da hinten lief das Mädel rum! Zusammen mit drei anderen wohlgeformten Damen!

"Falkenauge...." grinste Tigerauge.

"Tigerauge....." grinste Falkenauge.

"Denkst du das, was ich denke?"

"Jau - laß' uns etwas Ramba-Zamba machen, bevor wir unsere Mission erfüllen!" Falkenauge machte eine rüde Geste.

"Kann uns ja auch niemand verdenken - wir sind so lange mit Fischauge zusammen, daß unsere Männlichkeit gelitten hat!"

"Püh, vielleicht deine."

"Grrrrr." Knurrte Tigerauge.

"Aber laß' uns jetzt nicht streiten. Für die da langt's noch allemal, oder ich will ab jetzt Usagi heißen!" grinste Falkenauge.

Und so stiefelten die beiden den Angestellten von Galaxia hinterher, immer jedwege Deckung wie Mülltonnen, Bäume und parkende Autos ausnutzend. Dabei entwickelten sie ein derartiges Talent für Verrenkungen, daß selbst ein Kinderwagen als Deckung herhielt.

"Ich fühl' mich so beobachtet." Murmelte Lead Crow.

"Klar - Nyanko starrt auch schon die ganze Zeit auf deinen Hintern." Meinte Siren.

"WAAAAAAAS?!" keifte Lead Crow und fing sofort an, zu fluchen wie ein Kutscher.

"Whoa! Kennt die dreckige Wörter!" flüsterte Falkenauge und erbleichte.

"Nun ja. Im Bett ist das ja nicht schlecht." zuckte Tigerauge mit den Schultern.

Und dann kam die Mutter des Baby's im Kinderwagen und verscheuchte die beiden.

"Dabei war das Mädchen so niedlich." Seufzte Tigerauge.

"Jetzt reicht's aber! Du bist ja fast so schlimm, wie der Franzose da drüben!" schimpfte Falkenauge und zeigte auf einen schnurrbärtigen Typen, der gerade versuchte, ein Schulmädchen zu bestechen.

"Iesch bin kein Franßos'! Iesch bin Belschiér!" schallte es zurück.

"Was auch immer. Auf jeden Fall solltest du unser Ziel nicht aus den Augen verlieren!" belehrte Falkenauge seinen Freund.

"Okay. Die Blauhaarige und Nezu für mich, die Beiden anderen für dich." Sagte dieser nach kurzem Überlegen.

"Hm. Einverstanden. Wie packen wir's an?" fragte Falkenauge "Auf die Harte?"

"Nö, die Menschen sind da immer soooo empfindlich." Meinte Tigerauge und tippte sich gegen die Lippen "Wir müssen uns irgendwas anderes einfallen lassen. Hörst du mir überhaupt zu?"

"Wenn ich ehrlich sein soll, nein. Ich starre gerade auf den Hintern von der Rothaarigen, also stör' mich jetzt bitte nicht. Ich träume." Sagte Falkenauge und leckte sich über die Lippen.

"Du kleines Ferkel!" grinste Tigerauge.

"Da redet der Richtige!"

"Ach ja! Wer gräbt denn hier immer Mumien aus?" keifte Tigerauge.

"Wiegenräuber!"

"Ödipus!"

"Kinderschreck!"

"Altenheim - Spanner!"

Beide blickte zufällig nach rechts, wo die Mädels nun NICHT mehr waren.

"Sie entwischen uns! Sie entwischen uns!" kreischten beide wie kleine Mädchen und liefen ihnen affektiert nach.
 

******

"Welchen Badeanzug soll ich nehmen, Artemis? Oder doch lieber den String?" fragte mich Minako unentschlossen.

"Miau." antwortete ich.

"Was heißt hier Miau?! Das ist doch wieder typisch Mann!" schmollte sie "Na los! Ich will eine Antwort, sonst gibt's heute abend keine Streicheleinheiten!"

"Miau heißt hier und heute im speziellen, daß ich besser nicht antworte, weil wir auf der belebtesten Einkauf- und Vergnügungsmeile von Tokyo sind, und nicht jeder Depp wissen soll, daß ich ein wiedergeborener Mondkater bin." Lächelte ich charmant und neben uns fiel die Verkäuferin in Ohnmacht.

"Oh, äh....." machte Minako.

Wir waren gerade dabei, Minako ein komplett neues Outfit zu verpassen, da ihr altes nicht lasziv genug war. Sagte sie jedenfalls. Für Schuljungen und alte Männer hatte es gereicht, aber ob es die Jury beeindrucken würde, war wahrlich fraglich.

"Oh Mann!" meine Hausblondine klatschte sich gegen die Stirn "Ich hab' ganz vergessen, daß ich heute Volleyballtraining hab'!"

Und das nahm sie immer sehr genau. Also, alle zur Auswahl stehenden Anzüge gekauft (mit Mamis und meiner Kreditkarte, denn Mamis war nach dem ersten Badeanzug erschöpft) und nach hause gewetzt. Dort erhielt ich den ehrenvollen Auftrag, Mutters Kreditkartenrechnung über Internet zu frisieren, während Minako dasselbe tat (sich frisieren), und dann ihre Sportel-Kluft in ihre Tasche schmiß. Dann noch schnell mich, Glücksbringer und Maskottchen, gepackt und ab ging's ins Tokioter Sportzentrum, wo man alles von Atemi bis Zulu Schlammcatchen lernen konnte, also auch Volleyball.

Die U-Bahn war heute mal wieder so überfüllt, daß ich mir vorkam, wie ein Blatt Papier ganz unten in der HP Deskjet-Packung, aber alles hatte ein Ende, also auch diese Fahrt, und nachdem Minako rituell begrapscht worden war, verließen wir die dunklen Hallen dieses typisch japanischen Dungeons.

Ich kenne mich übrigens noch heute nicht da unten aus und verlasse mich auf Minako, die einen erstaunlichen Orientierungssinn hat.

Also, wir betraten das Tokioter Sportzentrum. Es war ein wahrhaft gigantischer Komplex, nach Vorlagen von Masamune Shirow gebaut, und erfüllte mich immer mit Ehrfurcht wenn ich dorthin ging. Außerdem gab es viel nacktes Fleisch zu sehen, da mich Minako immer mit in die Umkleide nahm, so daß ich mich an schlanken Frauenkörpern sattsehen konnte. Diesmal war sogar Makoto in der Umkleide, denn sie wollte ein Match gegen den Besten des hiesigen Karate-Clubs bestreiten.

Schließlich kamen wir dann in die Volleyballhalle, zwanzig Minuten zu spät.

Während Minako ihren fuchtigen Trainer beruhigte, beobachtete ich die wippenden Oberweiten der andere Volleyballschülerinnen. Ich kann ihnen sagen, wenn sie ein kleines, knuffiges Tier sind und irgendwann nach Tokyo kommen, dann sehen sie sich diese Show an.

Allerdings gab es auch hier einen Tropfen Wermut, der meine kochenden Hormone in die Arktis schickte: Brünhilde von Bismarck, deutsche Austauschschülerin und häßlich wie die Nacht. Das affenartige Gesicht einer Angehörigen der arischen Herrenrasse schweifte müde und mit dem Blick einer Totgeborenen, um nach ihrer Lieblingsgegnerin, meiner Minako, Ausschau zu halten.

"Frrrrräulein Minako." rief sie so abgehackt wie mein Herzschlag "Spielt gegen mich!"

Dabei rollte sie mit den Augen, daß einem Angst und Bange wurde. Das Licht spiegelte sich auf ihrer dank DNP (Anm.d.Autors: Droge, die den Fettverbrauch durch Ankurbelung des Kreislaufes hochtreibt. Nachteil: Es besteht eine große Chance, daß man von innen raus verbrennt. Wird übrigens auch als Insektenvertilgungsmittel und als Grundstoff für TNT verwendet. Dachte nur, ich kläre euch auf.) schweißnassen, von Adern überzogenen, hochroten Stirn, kurz unter ihrem 3-Millimeter-Haarschnitt, den sie sich Gerüchten zufolge mit der Heckenschere selber machte. Außerdem brachte er ihre Überaugenwülste a la Guile gut zur Geltung.

Während mein Magen nun heftigst gegen dieses Wesen vor mir rebellierte, nahm Minako wie jedesmal die Herausforderung an, und wie jedesmal würde sich auch verlieren.

Ich blickte schnell auf Akiko, Himeko und Asako, die drei Mädchen mit dem größten Brustumfang im Raum (nach Minako natürlich), um mich von dem Bullen in Mädchengestalt da abzulenken.

Meine Befürchtungen, daß Minako verlieren würde, bestätigten sich auch, und das, obwohl Brünhilde zweifellos die Böse war: Nach einem auf den Körper gezielten Schmetterball, der diese Bezeichnung auch verdiente, galt für Minako der technische KO: Sie konnte dem Ball zwar ausweichen, wurde aber von der Druckwelle gegen die nächste Wand geworfen.

Man kam sich vor wie im zweiten Weltkrieg.

Ich schlich zu Minako um ihr als Geste des Mitleids das Gesicht zu lecken, wie wir Haustiere es ja gemeinhin machen. Ich hätte ja gern was anderes geleckt, was ihr sicher besser getan und gefallen hätte, aber es waren ja noch andere Leute da und es mußte nicht jeder wissen, daß hinter der Stirn mit dem Halbmond ein hochintelligenter Geist seine Kommentare von sich gab.

"Ach danke, Artemis." Schniefte Minako.

"Ha-ha-ha!" lachte Brünhilde abgehackt, und in diesem Moment hätte ich diesem Produkt von Bruder und Schwester was wichtiges abgehackt, aber mein Katana war daheim in der Prunk-Saya. Ich hatte es vom Kaiser wegen wichtiger Verdienste um seine Familie erhalten, und ich konnte auch damit umgehen.

Der Rest der Volleyballstunde verging eher weniger actionreich, bis auf das Match Minako vs. Mila. Letztere war eine großäugige, offenbar magersüchtige und deshalb eher unattraktive Tussi aus Kyoto, doch Minako zeigte ihr, wo der Hammer hing, und warum Tokyoter Volleyball als härteste kontaktlose Sportart bezeichnet wird, bis auf Tennis.

Also, danach ging es wieder in die Umkleide, wo ich nun die schweißnassen, trainerten, gerundeten Körper der Spielerinnen beim Duschen, scherzen, und, naja, eben Umkleiden beobachten konnte. Dann aber steckte mich Minako in ihre Sporttasche und lief nach Hause.

"Oh Gott! Sportsocken" dachte ich und hielt mir die Nase zu.

Minako roch zwar nicht so penetrant nach Männerschweiß wie Brünhilde (außer nach einer Nacht, in der sie mal wieder weggeblieben war), aber Frauenschweiß war schlimm genug, und ich bekam auch eine volle Ladung ab. Dazu kam die brütende Hitze in der Tasche. Ich fiel hin, während mein Hirn "Living in the Past" von Jethro Tull abspielte, und sich vor meinem geistigen Auge Minako, Usagi und Makoto auszogen, Hasch rauchten und sich dann miteinander vergnügten, das ganze vor quietschgrünen, saftigen Straßenlaternen und auf rosarotem Sträußelkuchen. Ich fiel und fiel, und lag schließlich in Minakos BH (den sie hier gelagert, aber nie angezogen hatte), um mein altes leben auszuhauchen. Wär' sicher ein schöner Tod gewesen, aber dann holte mich Minako doch wieder an die frische Luft. Das Licht der Abendsonne blendete mich etwas, aber ich erholte mich schnell wieder.
 

******

"So und was nun?" fragte Tigerauge "Sie arbeiten beim Fernsehen!"

Die beiden standen vor einem leicht heruntergekommenen Gebäude an dem "Ginga TV" stand.

"Schön - die sollen besonders schamlos sein." Grinste Falkenauge und rieb sich die Hände.

Da tauchte plötzlich Zirkon auf und übermittelte ein holographisches Bild von Zirkonia.

"WAS MACHT IHR DENN?!" rief diese "LOS! HURKHA! ARBEIT! HOLT MIR PEGASUS, ABER FLOTTIKOWSKI!"

"Halt's Maul....." wisperte Tigerauge.

"Na primstens!" knurrte Falkenauge "Jetzt dürfen wir wieder unsere Männlichkeit hinten anstellen."

Tigerauge schmollte nur.

"Also, geh'n wir rein..... wir erwischen sie garantiert noch." Falkenauge wank seinem Genossen und beide gingen in das Gebäude.

"Biddä?" fragte der unglaublich asoziale Portier.

"Wir, äh, wir..... wollen Nezu ins Bett kriegen." druckste Falkenauge herum.

Tigerauge schob ihn weg.

"Was dieser VÖLLIG FREMDE hier sagen will, ist, daß wir für den Abenteuerfilm...ähm..... der "Tiger von Baghdad...."

"Du siehst zu viele Eroll Flynn-Filme!" zischte Falkenauge.

"Ha! So ein Film wird gar nicht gedreht!" rief der Portier, sprang hinter seinem Tresen hervor und zog eine abgesägte Elefantenflinte.

"Aber BITTE...." meinte Tigerauge.

"STERBT, PACK!" rief der Portier und schoß.

Nur den durch jahrelange Zirkusakrobatik geübten Reflexen verdankten es die Beiden, noch mit heiler Haut davon zu kommen.

"Tora Sho!" rief Tigerauge und leitete den Gegenangriff mit einem Tiger Uppercut ein.

Der Portier wurde zurückgeworfen.

"Hunting Hawk!" rief Falkenauge, sprang von der Wand ab und trat den Portier feste, als dieser noch in der Luft war und deshalb nicht blocken konnte.

"Ein Bundy-Schwur auf unsere Juggle-Combos." Meinte Tigerauge.

"Heeeeeeyyyyy....... Juggle-Combos!"

Und dann enterten sie das Treppenhaus. Jenes erinnerte frappierend an ein inzwischen indiziertes Spiel (namens Resident Evil). Inzwischen kam der Portier KO geschlagen wieder auf dem Boden auf.

"Gruselig hier drin." sagte Falkenauge erbleichend.

"Aber am Ende warten die Tussis." Grinste Tigerauge furchtlos und schritt voran.

"Stimmt - manchmal muß ein Mann eben tun, was ein Mann tun muß." Sagte Falkenauge zu sich selbst und folgte dem blondgelockten Schönling.
 

******

"Puuuh, bin ich geschafft! Jetzt nur noch schlafen." Sagte Minako.

Das war etwas seltsam, da sie ja schon die ganze Schulzeit über geschlafen hatte, aber naja, es war ja Minako. Lag wohl auch daran, daß in jeder Schule Leute vom Königreich des Dunklen sitzen, die den Schülern die Energie absaugen.

(Anm. d. Autors: Bei uns ist es der Kunstlehrer - und wir haben Beweise! Ich sage es mal mit Faust: "Was hinkt der Kerl auf einem Fuß?")

Minako warf also ihre Kleidung in die Abgründe ihres Wandschrankes und balancierte dann durch die Schutthaufen in ihrem Zimmer. Schließlich war sie an ihrem Bett angekommen und schmiß sich hinein, daß die Federn perverse Geräusche von sich gaben.

"Artemis, komm, kuscheln!" befahl sie.

Im Herbst und Winter war ihr nämlich meistens kalt. Das konnte durchaus daran liegen, daß sie nur im Sommer Schlafanzüge trug...... aber wer wollte ihr das schon sagen? Etwa die Spanner, die allabendlich unser Haus belagerten und eine Lungenentzündung riskierten? Oder ich, der ich dann immer an ihrer Brust schlafen durfte, um sie zu wärmen? Machen Sie sich nicht lächerlich.

So war es auch diese Nacht. Wir wärmten uns gegenseitig. Naja, eigentlich wärmte nur ich, und zwar mich und wie gesagt gleichzeitig auch Minako.

Und so schliefen wir also ein. Und es dauerte nicht lange, als uns ein Geräusch in der Gasse unter uns weckte.

"Heda, Ruhe!" rief Minako schlaftrunken und schmiß als Drohung noch ihr Schmusekissen aus dem Fenster.

Kurz darauf hörten wir vertrautes Fluchen.

"Mamoru?" fragte Minako mißtrauisch und machte das Fenster auf. Da sie ja nix anhatte, pfiff ihr der kalte Nachtwind nur so um die Lenden. Mir war Mamoru wutzegal, so daß ich noch im warmen Bettchen lag,

"Was ist denn los? Bist du besoffen und findest den Weg nach hause nicht mehr?" fragte Minako nach unten.

"Also, Usagi und Rei haben mich aus meiner Wohnung geschmissen, um, wie sie es ausdrücken, ihre Freundschaft zu vertiefen."

Aua.

"Und nun wollte ich, wie jedesmal, wenn das passiert, auf euer Dach klettern, um dort zu schlafen. Und besoffen bin ich auch. Und die Leute des Wirtes sind hinter mir her, weil ich die Zeche nicht bezahlen konnte."

"Wir leiden mit dir." Murmelte ich ungehalten.

"Und warum willst du ausgerechnet auf unser Dach?" fragte Minako mißtrauisch.

"Weil man von da in die Umkleidekabine eines Striplokales schauen kann. Außerdem ist die Luft da oben gut."

"WAAAAS?!" rief Minako "Ich muß auf's Dach! Ich muß auf's Dach!"

"Wegen der Luft?" fragte Mamoru.

"Nein, du Dummerl! Wegen des Striplokales!"

"Da strippen aber nur Frauen." Nuschelte Mamoru.

"Ja und?" fragte Minako verständnislos.

Da ich jetzt sowieso nicht mehr schlafen konnte, folgte ich den beiden anderen auf's Dach, wo es zwar saukalt, aber dafür ruhig war.
 

******

"VERDAMMT!" fauchte Tigerauge "Seit Stunden krauchen wir hier rum, und finden nicht mal den zweiten Stock!"

"So langsam krieg' ich Hunger." Maulte Falkenauge.

"Und ich muß schon seit Stunden mal für kleine Unterendgegner." Knurrte Tigerauge.

"Da hinten ist ein Fenster." Grinste Falkenauge hilfreich.

"He, manchmal bist du gar nicht so blöd." Lächelte Tigerauge und näherte sich dem Fenster.

"HEY! Du willst doch nicht da raus schei.........?!"

"Nein, natürlich nicht. Aber wir könnten uns doch als Fassadenkletterer betätigen." Grinste der Blonde.

"Oho. Du bist doch kein blondes Dummchen."

"Danke."

"Bitte, bitte." Winkte Falkenauge ab.

Und so kraxelten die Beiden aus dem Fenster und hingen nun an der Fassade von Ginga TV, die dank des Zustandes des Gebäudes genug Griffmöglichkeiten bot. Die Sterne wandten sich mit Abscheu ab, als das Amazonenduo nun in spastischer Weise dem Gipfel entgegenklomm.

"Brrrrr....." sagte Tigerauge "Frisch hier draußen. Und dann noch mein kurzes Leiberl!"

"Wir ham's ja gleich geschafft."

Und wahrlich! Sie erreichten den zweiten Stock. Tigerauge schlug das Fenster ein, beide sprangen hinein, und nachdem der große Blonde mit den schwarzen Schuhen sich die Glassplitter aus dem Arm gepflückt hatte, ging's auch schon weiter.

"Hmmmm.... eigentlich hat es ja wohl nicht mehr viel Sinn, hier bei Nacht und Nebel umherzuschleichen." Meinte Tigerauge.

"Ach Quatsch! Ich kannte mal einen Typen, der hat auch beim Fernsehen gearbeitet. Und der hat die Nächte immer durch gemacht." erwiderte Falkenauge.

"Ahhhhh so. Und du hast daheim mit dem Essen auf ihn gewartet und dir deine Falkenaugen ausgeweint, wenn er nicht kam." Grinste Tigerauge.

"Du hast gleich zwei BLAUE Augen!" knurrte Falkenauge und schwang seine Faust.

Plötzlich ertönte ein Klacken. In einem montonen Rhythmus, der Falkenauge an den Rande des Wahnsinns gebracht hätte, wenn der nicht an seine eigenen Pömps gewöhnt gewesen wäre.

"Wa.....was ist das?" fragte Tigerauge, der dieses Glück nicht hatte und der nur von seiner Willenskraft davon abgehalten wurde, durchzudrehen und einen Ententanz aufzuführen.

"Das sind..... Frauenschuhe." Meinte Falkenauge nach kurzem hinhören "Pfennigabsätze."

"Mit anderen Worten, da kommt eine Frau." Schloß Tigerauge und schlug sich in die Hand.

"Äh, nicht unbedingt. Ich trag' ja auch Frauenschuhe."

"Aber es gibt nur einen Falkenauge. Und kein Zufall kann so dumm sein, dein Gegenstück aus einer Paralleldimension gerade jetzt gerade hier abzuladen!" nickte Tigerauge.

"Wahrscheinlich hast du recht..... also, machen wir uns bereit, vielleicht ist es ja diese Nezu!" murmelte Falkenauge.

Die Beiden stellten sich strategisch genial auf, so daß sie die Pfennigabsatzträgerin von zwei Seiten schnappen konnten.

"Weißt du Falkenauge, ich habe nachgedacht..... haben wir ein Schicksal? Hat das Universum ein Schicksal?" fragte Tigerauge philosophisch.

"PSCHT!" hallte und spritzte es ihm entgegen "Da kommt se!"

Und als sich eine Silhouette mit gerundeten Formen zwischen sie begab, sprangen die Beiden sie an.

"HEEEEEEE!" brüllte Lead Crow "Ihr beiden Tunten! Habt ihr'n Schatten?! Runter, Himmel, ArXXX und Leistenbruch!"

"Die Falsche!" winselte Tigerauge "Verdammt, verdammt, verdammt!"

"Oh, cool!" rief Falkenauge "Es ist die Rothaarige! Tigerauge, das heißt, daß ich zuerst dran bin!"

"Ja, laß' es dir einrahmen." Maulte Tigerauge.

"Ich zuerst! Ich zuerst! Näh, näh, näh, näh-näh, näh!" feixte Falkenauge gehässig.

Dann wandte er sich wieder ihrem Opfer zu.

"Du zuerst?! Siehst ja noch schwuler aus, als der Andere! Was willste überhaupt von mir!"

"Ich, meine Dame bin a)tens nicht schwul, und b)tens, daß ich zuerst dran bin, heißt, daß, äh, ähm....." fing Falkenauge an "Ach, fangen wir einfach an."

Tigerauge drehte sich als höflicher Mensch, dem Privatsphäre kein Fremdwort war (dank Fischauge hatte er nämlich keine), um und schloß die Augen.

Zuerst hörte er das wohlige Geräusch von sich öffnenden Knöpfen, dann das noch wohligere eines sich öffnenden BHs und dann ein lautes, ungesundes "FLATSCH!", direkt neben sich.

"Hä?" machte er und öffnete die Augen.

In der nächsten Sekunde sah sein rechtes Auge einen gegen die wand gedepperten Falkenauge mit einem Veilchen. Sein linkes nahm gerade noch einen linken Schwinger wahr, und dann wurde es Nacht.

"He, Sie! Erst Hiebe, dann Liebe, oder was?" fragte Falkenauge.

"Nur Hiebe!" erwiderte Lead Crow "Dein Kumpel scheint ja nicht viel auszuhalten!"

"Vorsicht! Ich habe den schwarzen Gürtel in Shuri-Te, den zweiten Meistergrad in der Vogelform des Shaolin Kung Fu, und außerdem bin ich gut beieinander!" Falkenauge spannte seine mächtige Muskulatur an.

"Und ich bin auch wieder da!" Tigerauge sprang auf die Füße und renkte sich seinen Kiefer wieder ein.

"Ha! Sehen wir mal, wie eure Chop Suey Moves sich gegen gutes altes Boxen ausnehmen!"

"Aber.... aber, wir können doch keine Frauen schlagen!" protestierte Tigerauge.

"Gut, es macht noch mehr Spaß, Wehrlose zu vermöbeln."
 

******

Plötzlich spürte ich etwas - drei große Kampfgeister, dich sich auf einen Kampf vorbereiteten.

"Artemis, ist was?" fragte Minako.

Das hörte ich allerdings kaum, da sich meine Ohren mit epischer Schlachtenmusik füllten, wie üblich wenn zwei aufeinander losgingen, die auch was draufhatten. Manchmal kam ich mir vor wie der Highlander, aber das wäre schlecht gewesen: Ich hätte ja dann dieses Leben bis in alle Ewigkeit führen müssen, denn wer außer Ozzy Osbourne köpft schon kleine, pelzige Viecher? Viel lieber war mir ein Heldentod, oder wenigstens einer in den Armen einer schönen Frau. Aber bis dahin muß ich mich noch ein Weilchen gedulden, denn mein Herz tut es immer noch.

"Ich muß weg." Sagte ich so pathetisch wie möglich, denn ein solches Bonbon an erlesenen Kampftechniken, wie sie wohl gerade gegeneinander abgefeuert wurden, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

So rannte ich also los. Das Gefühl war aus der Westside gekommen, woher auch sonst, und die war bei Nacht sicherer als bei Tag, denn bei Nacht trieben sich nur 4 große Gefahren herum: Die Zombiearmee von der 45., dieser grünlich-schwarze Magier namens Faust von Münchhausen, ein Typ, der aussah wie M. Bison nach einer Abmagerungskur und der den Friedhof eines gewissen Masakado suchte, und dann noch jene, die aus den verschiedensten Gründen diese drei besiegen wollten.

Ich lief also vorbei an einem Typen mit punkiger schwarzer Frisur, der gerade gegen einen cyberpunkig aussehenden Herren (weiße Haare, Nußknackergesicht, Holzbein) mit "Suikakujyu" auf der Lederjacke kämpfte, wobei mir irgendwelche Geistergestalten und Feuerbälle um die Ohren flogen, die der Typ mit den schwarzen Haaren mit den Worten "Kamehame-Ha!" gleich im Dutzend losließ.

Vorbei ging es auch an einer Abenteurergruppe, die die Zombiehorden herausgefordert hatte. Ich legte eine kurze Pause ein, um die Magierin vor einem Ogerskelett zu beschützen, was mir 920 Erfahrungspunkte einbrachte.

Trotzdem - keine von diesen hyper-pathetisch-epischen Schlachten hatte meinen Kampfsinn so klingeln lassen wie weiland Minakos Wecker (Sie hat jetzt übrigens einen Neuen: Er heißt Stalin und ist Kommunist).

Da bemerkte ich ein Feuerwerk aus Chi und Blut, das von einem Fernsehsender namens Ginga TV emporloderte.
 

******

"Tora Sho!" rief Tigerauge verzweifelt.

"Tornado Crow Upper!"

Lead Crow hielt mit ihrem eigenen Dragon Punch - Verschnitt, der durch einen Tornado a la Joe Higashi verstärkt wurde, und Tigerauge nur so durch die Luft sausen ließ.

Falkenauge machte einen Diving Hawk, doch Lead Crow konnte ausweichen und klopfte ihm auf die Nieren, aber da auch die muskulös waren, tat es ihm nichts.

"Wir sollten endgültig abtreten, Falkenauge. Wir werden von einer FRAU fertig gemacht!" weinte Tigerauge.

"Noch sind wir nicht besiegt!" rief Falkenauge "Juggle Combo!"

Da Lead Crow keine Beat 'em Ups spielte, und daher nicht wußte, was dieser Ausdruck bedeutete, traf sie der nächste Angriff unvorbereitet. Tigerauge schlitterte ihr in Beine, und während sie flog setzte Falkenauge einen Spiraling Hawk (aka Hurricane Kick) hinterher.

Die Übungsstunden bei Heihachi hatten sich doch bezahlt gemacht.

Übrigens achteten beide peinlich darauf, ihre Gegnerin nicht ins Gesicht zu treffen. Gentlemen, wahre Gentlemen.

Die Beiden hatten sich etwas Zeit erkauft, während Lead Crow durch die Luft segelte.

"Was machen wir eigentlich hier?" fragte Falkenauge "Wir wollten doch diese Nezu haben!"

"Also, ich geh' und such' sie - du hältst dieses Mannweib auf!" keuchte Tigerauge und hüpfte spastisch die Treppe nach unten hinunter.

Im Erdgeschoss traf er auf Artemis.

"Hi, Tigger." Sagte dieser "Was geht?"

"Ich such' eine Tussi namens Nezu und oben prügelt sich Falkenauge mit einer Rothaarigen. Aber sonst geht's eigentlich ganz gut!" grinste Tigerauge.

Er zeigte Artemis das Foto.

"Hast du sie irgendwo gesehen?"

"Nö." Sagte Artemis.

"So, ich muß weiter!" grinste Tigerauge und lief los.

"Ich sollte meine Saufkumpane vorsichtiger aussuchen." Seufzte Artemis und verzog sich wieder.

Inzwischen bekam Falkenauge von Crow die Hucke vollgehauen. Es setzte links-rechts Kombinationen, wie sie Mike Tyson nicht besser hingekriegt hätte. Falkenauge hatte es nur seiner Nehmerqualitäten und der schlechten Technik von Lead Crow zu verdanken, daß er noch stand. Schließlich aber traf ihn ein mächtiger Uppercut, der ihn auf schnellstem Wege nach unten beförderte.

"So, jetzt aber ins Bett." Sagte Lead Crow "Muß ja mit Nezu zum Schönheitswettbewerb - da darf mein Teint nicht leiden."

Falkenauge hörte das übrigens noch, bevor alles schwarz um ihn wurde.

Als er seine Augen wieder aufmachte, fand er sich in einer dreckigen Straße wieder. Seine Geldbörse war futsch und er hatte eine Tätowierung auf seinem Hintern. Außerdem fühlte er sich, als wäre er unter eine Planierraupe gekommen.

Andererseits wußte er, daß Nezu bei einem Schönheitswettbewerb eingeschrieben war. Es bestand nun die Chance, daß es der selbe war, bei dem auch Fischauge sein gräßliches Haupt erheben würde. Aber um sicher zu sein, brauchte er erstmal die Teilnehmerliste.

So stand er also auf, ignorierte die Schmerzen, die ihm das bereitete, und humpelte zur nächsten U-Bahn-Station.
 

******

"Gibt's was Neues?" fragte ich Minako, als ich gähnend die Treppe herunterkam.

"Ja..." sie blickte von der Zeitung auf "Der Typ, der die Mitgliederliste für den Schönheitswettbewerb aufbewahrt hat, ist von drei Tunten brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt worden."

Irgendwas klingelte in meinem Kopf, aber ich schob das auf den Fusel, den ich mir gestern nacht noch gegeben hatte. Ich trottete zum Kühlschrank, wo mich eine Überraschung erwartete: Er war nämlich nur halbleer.

"Mina, bist du krank oder so was?" fragte ich "Da ist ja noch was zum essen drin!"

"Ich muß abnehmen." Kam die Antwort.

Ach ja. Klar.

Mal ganz abgesehen davon, daß Minako bei ihrer Kerntemperatur von mindestens 50 Grad sowieso alles verbrannte, bevor es überhaupt in den Magen gelangte, war eine Abmagerungskur auch deswegen nicht ratsam, weil man erfahrungsgemäß nur an den falschen Stellen abnimmt, das kann ihnen jede(r) erzählen, der/die es schon mal versucht hat.

Also lag es wieder an mir, dem treuen Hauskater/Kuscheltier/Personal Trainer/Futterneider/Mentor/Advocatus Diaboli Minakos, ihr das wieder auszutreiben.

"Hier." Sagte ich und stellte ihr einen Teller mit Curry hin "Essen."

Minakos Blick nahm eine erschreckende Gelbfärbung an und ihre Eckzähne verlängerten sich, wie immer, wenn sie mit ihrer Leib- und Magenspeise konfrontiert wurde. Sie konnte da so wenig widerstehen wie Dracula bei frisch gewaschenen Jungfrauenhälsen.

Das Gemetzel tat ich mir aber nicht an. Ich ging ins Wohnzimmer, wo Mutter gerade ihre Müdigkeit mit Kaffee zum Aufgeben brachte. Ich nutzte die Gelegenheit, unserer Ernährerin meine Gunst zu beweisen.

Mit anderen Worten, ich strich lasziv schnurrend, wie wir Katzen es gemeinhin tun, um den Menschen das Gefühl zu geben, sie hätten bei uns etwas zu melden, um Mutters Beine. Diese waren schlank und haarlos, so daß es mir nicht mal unangenehm war, ganz anders als bei dem Frauen-Rugby Club in der West Side, wo sich alle Tussis alle 2 Stunden rasieren mußten. Allerdings bekam ich dort immer ein ganzes Steak, so daß ich es manchmal auf mich nahm, um die Brückenpfeiler, die diese Frauen (?) Beine nannten, zu streichen.

"Hallo, Artemis." Lächelte sie müde und setzte mich auf ihren Schoß, wo ich anfing, mich zu verhalten, als wäre ich gerade 3 Tage alt, mit anderen Worten, so süß und niedlich wie ich konnte.

Bei uns war es so etwas wie eine Symbiose: Mir brachte es regelmäßiges Futter ein, und bei Minakos Mutter, deren Namen ich mir bis heute nicht merken kann, baute es den Streß ab, den ihre Tochter bei ihr verursachte, und rettete sie so vor einem zu baldigen Ende durch Herzanfall oder so. Ja, ich bin schon ein toller Hecht.

"Mami, hab' ich dir schon erzählt...." fing Minako an, und Mutters Hände verkrampften sich.

Eine solche Einleitung lief nämlich fast hundertprozentig darauf hinaus, daß irgendwas Unangenehmes kam. Trotzdem schaffte es Mutter immer wieder, wenigstens ihr Gesicht nicht zu einer Grimasse des Schreckens zu verziehen, sondern ruhig zu blicken. Andererseits drückte sie mir gerade die Luft ab. Ich nahm ihr das nicht übel, denn wer mit Minako zusammenlebte konnte gar nicht so dickfellig sein, daß er oder sie keine Psychosen davontrug.

Oder würden Sie mich etwa normal nennen?

"Ich mach bei einem Schönheitswettbewerb mit!"

Sofort lockerte sich Mutters Griff, kurz bevor mein Kehlkopf bleibenden Schaden genommen hätte. Mutter atmete hörbar auf - wenigstens war das nichts, was uns wieder die Polizei auf den Hals hetzte, die bei uns fast Stammgäste waren, da Minako es weder für nötig befand, wenigstens alle 48 Stunden etwas von sich hören zu lassen, noch, geltende Gesetzte und Moralkodices zu beachten. Aber, mein Gott, die eigene Familie konnte man sich nicht aussuchen, und ich durfte mich gar nicht aufregen, da ich mehr oder weniger freiwillig hier war. Und ohne Minako würde mein Leben, glaube ich, so langweilig und farblos sein, daß es gar nicht mehr lebenswert wäre.

"Schön, Schatz." Sagte Mutter eine typische Mutter-Alliteration "Wann denn?"

"Nächste Woche!" grinste Minako "Ich bin ja so aufgeregt!"

Mutter allerdings grinste nicht. Denn wenn Minako ihr so etwas sagte, folgte 100%ig gleich darauf irgendwas, was sie von ihr wollte.

"Was willst du?" fragte Minakos Mutter professionell-ruhig, mit steinernem Gesichtsausdruck.

"Dein kurzes, blaues Kleid." Sagte Minako im selben Ton, mit dem selben Gesichtsausdruck.

"1000 Yen Leihgebühr am Tag." Sagte Minakos Mutter, immer noch emotionslos.

"Keine Leihgebühr. Ich mach' für 2 Wochen den Abwasch." erwiderte Minako in der gleichen Weise.

Minakos Mutter sah mich fragend an.

"Na los, na los! Nimm an!" zischte ich.

"Gut." Sagte Minakos Mutter während sie mich streichelte.

"Dann ist es also abgemacht." Sagte Minako.

Und ich kam mir vor wie ein Mafia-Kater.
 

******

"Ja, wo zum Rambo ist die Liste!" fluchte Falkenauge.

"Du solltest nicht mehr so viele Kriegsfilme sehen." Meinte Tigerauge "Ich mache mir etwas Sorgen um dich, seit du mit Dreck verschmiert einen Hinterhalt für Pallapalla gelegt und ihr das Messer an den Hals gesetzt hast. Und dann hast du sie angeschnauzt, wo ihr Kommandant wäre. Die Arme hat vor Angst geheult."

"Bäh." Falkenauge streckte ihm beleidigt die Zunge raus.

"Versteh' mich nicht falsch: Ich meine, gut gemacht, aber deine Rambo-Imitation ist unter aller Kanone."

"Wie auch immer, wo ist die Liste?" Falkenauge wummerte seine Faust auf den Tresen "Ich hab' sie HIER hingelegt!"

"Vielleicht hat sie Fischauge." Sagte Tigerauge.

Und wie auf Kommando trat besagter Herr ein. Er war angezogen, nun ja, wie.... also, äh.... er trug:

- ein schenkellanges, beiges Kleid

- Overknees und Turnschuhe

- Zuviel Schminke

"Ha!" rief er "Diese Tussis bei der Schönheitskonkurrenz haben KEINE Chance gegen mich! Alle totaaal unattraktiv."

Er wedelte die Liste in seiner Hand herum.

"Gottseidank ist die Jury nicht homo...." murmelte Falkenauge und griff sich das Papier "So, mal sehen...... he, die Sailor Senshi machen mit!"

"Oooooh....." murmelte Tigerauge "Hoffentlich tragen sie Miniröcke!"

"Du, ich glaube die tragen ausschließlich Miniröcke - steht hier in den Regeln!" grinste Falkenauge nach einem kurzen Blick auf die Rückseite.

Da schwirrte auch schon Zirkon herbei und wie immer konnte sich Falkenauge gerade noch beherrschen, ihn nicht zwischen seinen Händen zu zerpatschen.

Ein Hologramm von Zirkonia erschien auf dem Tresen, direkt in einer Whiskeylache.

"Habt ihr Pegasus schon gefunden?" kreischte sie.

"Ist der Abstürz-Bildschirm von Windows 95 grün?" fragte Tigerauge.

"Äh, nein."

"Na, sehen Sie."

Zirkonia stand offenmündig da, während sich das Trio scheckig lachte.

"Der war doch gut, oder?" fragte Tigerauge schallend.

"Ja, da fallen selbst Zirkonia die Runzeln runter!" wieherte Falkenauge.

"Seid ihr auf LSD, oder was?" röhrte die Angesprochene "Jetzt hört mal zu, ihr Provinzschwuchteln, wenn ihr euch noch einen Fehlschlag erlaubt, dann könnt ihr mit Jimi Hendrix Murmeln spielen! Haben wir uns verstanden?"

"Sie waren.... nicht zu überhören." Gähnte Tigerauge.

"Ja, ja, was immer Sie sagen." Fischauge feilte sich seine Nägel.

"Hat da wer was gesagt?" fragte Falkenauge, der an einer Salzstange knabberte "Ich dachte, ich hätte meinen Namen gehört."

Zirkonias rechtes oberes Augenlid zuckte gefährlich.

"Gehen Sie mal zum Arzt. Könnte Parkinson sein." Grinste Tigerauge gemein.

"Übrigens, der Urlaub, den ihr euch letztens genommen habt.... den werde ich von eurem Gehalt abziehen."

"Aber... wir kriegen kein Gehalt!" sagte Fischauge.

"So? Dann werde ich wohl die Bar pfänden müssen....."

Stille.

Fischauge fing leise an, zu weinen.

"Sie sind das bösartigste Geschöpf unter der Sonne. Unter jeder beliebigen Sonne." Spuckte Tigerauge.

"Ich weiß." Grinste Zirkonia böse "Over and out."

"Sie wird das doch nicht wirklich tun, ich meine, die Bar pfänden?" fragte Falkenauge ängstlich.

"Hey, bangemachen gilt nicht!" rief Tigerauge.

"Ich hab' euch ja gesagt, diese Weltenrettung kommt uns noch mal teuer zu stehen." Schluchztre Fischauge.

"Hatten wir denn eine Wahl?" fragte Tigerauge.

"Und noch wichtiger: Interessiert das Zirkonia?" fragte Falkenauge.
 

******

"Artemis, hier oben kneift's so!" quengelte Minako.

"Ich hab' dir ja gesagt, daß du noch im wachsen bist! Aber du hörst ja nicht auf mich." Rief ich "Und jetzt haben wir den Dreck im Schachterl!"

Makoto lag derweilen in einer Badewanne, in der auch Usagis Teddybär und eine kleine SD-Ami mit Taucherbrille schwammen. Alle drei sangen Banana Boat. Und zum Schluß kamen noch Mamoru und Seiya ins Zimmer und verkündeten ihre Heiratspläne, woraufhin Usagi ihre Verlobung mit Setsuna auflöste. Haruka stand grinsend in der Ecke und las eine Fernsehzeitschrift, an deren einem Eselsohr Chibi Usa aufgehängt war, und....."

"ARTEMIS!" brüllte man mir da sanft ins Ohr.

"Oh, wie, was, wer und vor allem wieso?" fragte ich.

Ich hatte mich total in Minakos Bettzeug verwurschtelt und konnte mich nicht mehr bewegen. Es war ungefähr 1 Uhr früh und Minako sah mich genervt an.

"Du gebärdest dich wie ein Stier beim Kastrieren." sagte sie vorwurfsvoll und das saß "Und ich kann da einfach nicht schlafen, dabei muß ich doch morgen in Topform sein!"

Ich machte drei Kreuze, daß das eben nur ein Traum gewesen war und schwor mir, nie wieder ein ganzes Steak mit Röstkartoffeln und Speck vor dem Schlafengehen zu essen.

"Ich verspreche, mich zu bessern." Lächelte ich schamhaft "Kannst du mich jetzt wieder auspacken?"

"Ich will's versuchen." Sagte Minako sanft und zog vorsichtig an einer Ecke der Decke, worauf sie mir die Luft abschnürte.

"Oh, sorry!" lächelte sie.

Und schließlich, um 5 Uhr früh, lagen wir wieder neben einander und versuchten, einzuschlafen. Nur leider hatte uns das (Ent-)fesselungsspielchen so erhitzt, daß das nicht so einfach war. Minako strampelte sich frei. Dann war es ihr wieder zu kalt und sie zog die Decke wieder hoch. Dann war es ihr wieder zu heiß und, na, Sie wissen ja, wie das so vonstatten geht.

Aber wir hatten wohl doch etwas geschlafen, sonst hätte uns das extra schrille Klingeln des Weckers nicht so unvorbereitet getroffen.

Minako brummte und drehte sich auf die andere Seite.

"Es hilft nichts, Mina.... du mußt raus...:" sagte ich, fand aber nicht mehr die Kraft, an ihr zu rütteln.

"Mag net." War ihr einziger Kommentar.

Doch wir hatten ja noch den Notfallplan.

"Minako, Seiya steht vor der Tür und trägt nichts außer einem Kondom!" rief Minakos Mutter von unten.

Ich spürte nur noch einen Windhauch, und dann, daß ich allein im Bett lag.

"Alle Achtung..... eine Viertelsekunde." Hörte ich Mutters leicht sadistische Stimme sagen.

"Gemein.... nur ein Trick...." Minako klang, als hätte sie sich das Herz gebrochen.

"Na hör mal - gestern hast du mir gesagt, ich solle dich so wecken!"

"Trotzdem gemein!"

Ich legte mich wieder auf's Ohr und träumte süß.

Gerade, als ich dabei war, Honig von einer mir bis dato unbekannten Rothaarigen zu lecken, wurde ich allerdings wieder schamlos geweckt. Minako war nämlich dabei, ihr Outfit für die Konkurrenz zusammenzustellen, und daß man dabei nicht leise sein kann, versteht sich ja wohl von selbst.

"Gutes Timing...." knurrte ich, war aber wenigstens halbwegs wach.

"Hmmmm?" machte Minako, mal wieder nix gecheckt.

Sie hatte eine Käsesemmel im Mund, also verstand ich nichts von dem Lied das sie in der alten Tradition der Arbeiterklasse beim packen sang. So hörte es sich irgendwie pakistanisch mit einem Einschlag italienisch an, aber das konnte schlecht sein, da Minako weder das eine noch das andere phonetisch kannte, geschweige denn Volkslieder der jeweiligen Sprache singen konnte.

Schließlich war alles handlich verpackt und es ging zum Schlachtfeld. Natürlich mußte ich mit, obwohl mir das Bett jederzeit lieber war als leichtbekleidete Tussis, ob als Ablenkungsobjekt, wenn Mina beim Singwettbewerb die falsche Note traf, als Bestechung für den sodomistischen Preisrichter, als Notration für die große Pause, als Schmerzmittel bei Nervosität (einfach zerdrücken und in Wasser auflösen) oder als Knutschtier (zum Herzen im Falle eines Sieges), ich wußte es nicht und hatte das Gefühl, daß das auch besser so war.

Und so stapfte Mina entschlossen aus dem Haus, die Sporttasche und mich unter'm Arm, die Tonband-Fanfaren, die Mutter abspielte, im Hintergrund.
 

******

In der Umkleidekabine ging es zu, wie bei einem Bierfest: Es wurde, gelacht, gescherzt, gedrängelt, gegrabscht und weiß der Geier was sonst noch, was ich nicht mitbekam.

Es war bisher ganz gut gelaufen: Man hatte Minako noch nicht rausgeschmissen und wir hatten sogar die Örtlichkeiten des Wettbewerbs gefunden. Und nun saß ich mit den Senshi von 5 Spiegeln, während sich alle schön machten, auf daß den Kampfrichtern die Augen rausfallen würden.

"Artemis, ich bin aufgeregt...." sagte Minako.

"Ach Gott, du bist doch eh die Schönste...." sagte ich aufmunternd "Gut, Makoto hat vielleicht Größere, aber das ist ja nicht alles."

"Was is'?" fragte Makoto.

"Ach nichts!" sagte ich ganz schnell.

Sie sah mich drohend an und ich versteckte mich unter Minakos Stuhl.

Die erste Runde war die Bikini-Runde, und meiner Ansicht nach hatte Minako da die besten Chancen, ihre Punkte in unmenschliche Höhen zu schleudern. Schließlich hatte sie den AEH seit ihrer Kindheit perfektioniert. Da konnten die anderen einfach nicht gegen anstinken.

Nach einiger zeit kam ein Typ herein, schwuler als das Amazonen Trio, ja sogar noch schwuler, als der Modedesigner, den Sailor Moon mal gerettet hatte. Mich schauderte.

"Mädchens, Mädchens, es geht looo-hoooos!" gackerte er in einer Tonlage, die bei mir wichtige Teile schmerzen ließ.

Dann scheuchte er sie auf die Bühne.

Und wupps war ich ganz allein. Ich hatte nicht mal was zu essen, auf's Klo konnte ich auch nicht, da die Türklinke zu hoch war, aber wenigstens lag noch ein Flachmann herum, von einem Mädchen, das sich noch etwas Mut antrinken wollte, bevor es losging. Leider war er leer, aber das bedeutete nur, daß Minako schon mal eine ernstzunehmende Konkurrentin weniger hatte.

Ich tat, in Ermangelung von etwas Besserem, das, was jedes Haustier in dieser Situation getan hätte: Ich schlich im Kreis herum, als hätte ich Leibgrimmen, dabei war ich nicht mal nervös. Aber irgendwie mußte ich ja die Zeit rumbringen.

Schließlich, ich weiß nicht, wieviel zeit vergangen war, aber ich hatte schon einen kleinen Graben in den Fußboden gewalkt, kamen die Mädchen zurück.

Die Senshi auch, und alle blickten böse auf Makoto, die selbstsicher lächelnd zu ihrem Platz stolzierte.

"Wer hat denn gewonnen?" flüsterte ich in Minakos Ohr.

"Makoto." Knurrte diese "Sie hat sich einfach vorne auf die Bühne gestellt und ist auf und ab gesprungen. Die Jury meinte erst, sie bräuchten gar keine Andere mehr sehen, die Siegerin stehe schon fest, aber der zweite und dritte Platz mußten ja auch noch ausgelost werden."

"Und?" fragte ich hoffungsvoll.

"Ja, ja, ich bin Nummer 2." Winkte sie ab "Und Rei Nummer 3."

"Makoto, schäm' dich." Zischte ich, als ich an ihr vorbeikam.

"Tja, ich hab' eben Talent!" grinste sie.

"Was kommt eigentlich als Nächstes?" fragte Usagi.

"Durch eine hochkomplizierte Apparatur wird der Sex Appeal gemessen." Sagte der Schwule, während er ihre Haare machte.

Tja, das würde wohl ein Duell zwischen Rei und Minako werden, wobei ich Rei allerdings keine Chancen einräumte. Aber bei der Bikinirunde hatte ich mich ja auch getäuscht. Jetzt hieß es nur, zu hoffen, daß die Allgemeinbildungsrunde ausfiel.

Und schon ging's wieder los. Diesmal ging ich aber mit, da ich keine Lust hatte, wieder so lange zu warten.

"Nummer 1: Aino Minako." Sagte eine ätherische, körperlose Stimme.

Sobald Minako auf die Bühne kam, erhob sich ein wüstes Pfeifkonzert, aus dem man einige undeutliche Anmachen heraushören konnte. Einige hielten Plakate hoch, wie: "Minako 3:16", "Minako, sei die Mutter meiner Kinder" und "Steve Austin is God."

Naja, der Letzte hatte sich wohl in der Veranstaltung vertan.

Minako wurde unter eine goldene Kuppel geführt, das Ding, das den Sex Appeal messen sollte.

Man schaltete das Teil an.

Es machte einen kurzen Pfeifton und das Maschinchen fing an, zu rauchen. Dann flogen einige Funken.

"Mehr als 76.000 kriegt das Ding nicht hin." Sagte einer resignierend und ein weißgekleideter Wissenschaftler, offenbar der Erfinder, lief auf die Bühne und stieß Minako beiseite.

"Mein Baby!" heulte er wie eine Banshee "Was haben Sie dir angetan?"

"Also, was is' jetzt?" rief einer aus dem Publikum.

"Naja, meine Damen und Herren...." schwitzte der Moderator, ein pickeliges Monster aus der Hochschule "Eigentlich ist die menschenmögliche Punktzahl bei 10.000....... Halbgötter kommen nach unseren Berechnungen höchstens auf 40.000....."

Minako riß ihm das Mikro aus der hand.

"Und ich bin Minako Aino, die Göttin der Liebe! Hahahahahaha!" lachte sie ins Mikro.

"MI-NA-KO! MI-NA-KO! MI-NA-KO!" rief das Publikum wie in Trance.

Es erinnerte mich an eines dieser Sektentreffen. Zu allem Überfluß fiel nun noch ein Lichstrahl durch das Deckenfenster und tauchte Minakos Anlitz in güldene Flammen.

Sie wurde dann von der Bühne geholt, als die Typen in der ersten Reihe anfingen, auf die Knie zu gehen und irgendwelche Gesänge anzustimmen.

"Tja, die Runde geht wohl an dich." Grinste ich.
 

******

"UWWWWWÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHIÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHH!"

"Jetzt hör schon auf zu heulen, Fischauge!" keifte Falkenauge zornig, worauf Fischie tatsächlich still war.

"Daß du bei der Bikinirunde disqualifiziert wirst, hättest du dir gleich denken können!" zischte Tigerauge giftig.

"Du hast da halt nix." Falkenauge tippte ihm an die Brust "Wenn ich mir dagegen diese Makoto ansehe..... das ist ein Prachtweib! Dagegen kommst du halt nicht an, sieh es ein!"

"Ihr seid so lieb." Knurrte Fischauge.

"Ja, schlag' mich, wenn ich falsch liege!" zuckte Tigerauge mit den Schultern "Jetzt laßt uns lieber diese Nezu suchen, sonst pfändet Zirkonia tatsächlich noch unsere Bar."

Die drei schlichen sich - in menschlicher Verkleidung, in der sie aber noch genug auffielen - in die Umkleidekabine.

Keiner da.

"SUUUUPER!" lachte Tigerauge so leise es ging "Endlich klappt mal was!"

"Tja, das wird Zirkonia so gut gefallen, daß sie uns Urlaub gibt!" meinte Falkenauge.

"Urlaub hatten wir ja erst. Und ihr wißt, was da so alles von der Bühne ging." sagte Fischauge finster.

"Ach, jetzt schmoll' nicht!" Falkenauge zog ihm die Mundwinkel nach oben "So ist's besser, sonst blickst du ja trüber als ein Faß Guiness."

"Wir verstecken uns da in dem Schrank." Tigerauge zeigte auf ein Designermöbel "Und warten bis Nezu vorbeikommt."

"Und dann schlagen wir ZU!" Falkenauge schlug sich in die Hand "Genial."

Und so quetschten sich die Drei in ihr abenteuerlich geformtes Versteck.

"AHHHH!" kreischte Tigerauge, als sie endlich drin waren "Falkenauge, nimm deinen Finger aus meinem Auge."

"Gerne, wenn du deine Hand zwischen meinen Beinen wegnimmst."

"Das bin ich nicht!"

"FISCHAUGE!" röhrten beide.

"'Tschuldigung!"

"Still jetzt, da kommt wer!" zischte Tigerauge.

Dem Getrappel draußen nach zu urteilen, was da eine ganze Kolonne Weiblichkeit unterwegs, die sich sogleich auch schnatternd und gackernd niederließen.

"Ist das heiß hier drin...." stöhnte Tigerauge leise.

"Ich hab Atemnot...." weinte Falkenauge vor sich hin.

"Fischauge, siehst du was?"

"JAAAAA!" Fischauge hampelte etwas herum "Da steht sie, direkt vor uns! Wir können sie gar nicht verfehlen!"

"Dann los, auf drei!" Tigerauge zitterte vor Aufregung.

"Beeil' dich mit dem Zählen, ich ersticke!" gab Falkenauge zu bedenken.

"Meine Herren! Eins, zwei.... DREI!"

Die Schranktür ging auf.

Nichts bewegte sich, aber das Amazonentrio sah in mindestens 2 Dutzend verdutzte Gesichter. Sie steckten fest.

"Scheiße!" fluchte Tigerauge "Der ganze Überraschungseffekt im Eimer!"

"Laßt mich raus! Laßt mich raus!" Fischauge versuchte, sich durch die Schranktür zu zwängen.

"Das war wirklich eine tolle Idee, das mit dem Schrank." Giftete Falkenauge "Ich würde klatschen, aber ich weiß nicht, wo meine Hände sind."

"Kann ich helfen?" fragte Nezu, die in einem lilanen Badeanzug vor ihnen stand.

"Oh Gott, ist das peinlich!" jammerte Falkenauge.

"Ja, zieh' uns raus!" brüllte Tigerauge.

Nezu zog an Fischauges Arm und mit einem Ploppen kamen sie frei.

"Wurde auch Zeit!" rief Tigerauge "Und jetzt werfen wir einen Blick in deinen schönsten Traum!"
 

******

"UNOS..... DUOS..... TRES!" hörte ich eine mir wohlbekannte, schwule Stimme rufen.

Ich und die Senshi, wir blickten uns um.

Ja, da war das Amazonentrio. Und sie guckten sich gerade wieder einen Spiegel an, den einer niedlichen grauhaarigen Zwölfjährigen.

Ich lief hin.

"Also, das sind alle möglichen Leute drin...." sagte Falkenauge, der sich den Traum gründlich besah "Eine Schwarzhaarige mit Katzenohren, ein blauhaariges Dummchen und diese rothaarige Husche.... aber leider kein Pegasus."

"Püh!" machte Tigerauge "Da haben wir uns ganz umsonst angestrengt."

"Hallo, Babies!" rief da eine Rothaarige hinter ihnen.

"He, Leute, was geht ab?" fragte ich, als ich nahe dran war.

"Hallo, Artemis." Sagte Fischauge, während hinter ihm seine Freunde von der Tussi mehr als nur ein bißchen vermöbelt wurden.

"Na, Fischie." Sagte ich "Wieder kein Pegasus?"

"Naja...." lächelte er und wurde rot.

"Jetzt reicht's mir aber!" knurrte Tigerauge hinter ihm "Falkenauge, mir schwant langsam, daß DIES überhaupt keine Dame ist!"

"Recht hast du." Sagte Falkenauge und spuckte einen Zahn aus "Also dürfen wir richtig zuschlagen."

"Nach dir, alter Freund." Tigerauge ließ dem anderen den Vortritt.

"Macht mich hier mal einer los?" brüllte die Grauhaarige.

"Mir gefällst du so eigentlich...." grinste eine Schwarzhaarige mit Katzenohren "Siren, hilf mir mal."

Eine Blauhaarige kam und die Beiden schleppten Holzwand und Niedliche in ein Hinterzimmer. Dann schmissen sie die Tür zu.

Ach ja, die Rothaarige war inzwischen KO.

"Fischauge, ab nach Hause." zischte Tigerauge.

"Na, ein andermal." Zuckte der Blaue mit den Schultern und warf mir einen Kuß zu, dem ich gekonnt auswich.

Und dann verschwanden die Drei mal wieder per Rückwärtssalto.

"War was?" fragte Minako, als ich wieder zurückkam.

"Nichts, was der Rede wert wäre...." winkte ich ab.

Und so ging es in die nächste Runde.

Auf der Bühne wurden die Teilnehmerinnen durchgezählt.

"Da fehlen 4?!" rief der Zähler ungläubig.

"Hm?" machte einer aus der Jury "Also, wenn die keine Lust haben, hab' ich auch keine Lust mehr."

Er stand auf und ging.

Die anderen Jury-Mitglieder sahen uns an, als hätten wir etwas furchtbar falsch gemacht - und gingen auch. Nur die Zuschauer blieben bei uns. Sie kamen mit langen Zähnen auf Minako zu, und Mako mußte sie erst vom Eingang wegprügeln, ehe wir gehen konnten.

Und dann kam da noch der Spießrutenlauf zur nächsten U-Bahn Station - heute war, oh großes Glück, der Wandertag der Realschule für Gangsta aller Art, die sich natürlich über unsere Senshi hermachen wollten. Allerdings machte sich dann Makoto über sie her. Ich wüßte manchmal wirklich nicht, was wir ohne sie täten.

"So ein Mist." Sagte Rei, als wir in der U-Bahn saßen "Ich hätte so gern das Geld gewonnen. Außerdem haben sie unsere Kleidung versteckt."

"He, glotzen Sie nicht so, sonst drück' ich Ihnen die Augen raus!" brüllte Mako einen Typen an, der die Vier Grazien sabbernd betrachtete.

Einige ältere Herren packten schnell wieder ihre Fotoapparate weg.

"Also, ich find' diese Unterwäsche ja total chic." Meinte Usagi.

"Ja, war bestimmt sauteuer." Grinste Minako.

"Es sind Bikinis, mein Gott, keine Unterwäsche!" rief ich.

"Ach, ist doch eh alles das Selbe!" winkte Usagi ab.
 

- THE END -
 

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Special Thanks to:

Armadeus (Falkenauge / "Woooow, Mimi, Baby!" / "ICH BIN NICHT SCHWUL!"), Frankie (Fischauge - leider verhindert! / "Der war sooooo süß!"), Basti (Der Türöffner / "Das muß LEICHT aussehen!"), Gonzo (Der Chauffeur / "Ja, mäh, wenn ma scho mit langen Haaren rumläuft..."), Helmut (SFX-Mann / "Ich hab denen FÜNFMAL gesagt, sie sollen auf Loop stellen!"), Doris (Die Schminkerin), Manni (Der Statist / "Alle Mädchen in blauen Kostümen sehen geil aus!" / "Wir ham' 'n Gonzo verloren!"), Matze (Tücher-Trockner/ "Ey, Gonßo, waß gibt'ß 'n ßu ßaufen?!!"), Jacob, Etti (Nach dem Genuß von "In 80 Träumen um die Welt": "Wem fällt denn SO was ein?! Ist ja abartig!"), Sascha (Zirkonia für zwei Sätze/ "Pressen!"), Nina ("Das Amazonentrio hat jetzt, in dieser Sekunde, einen Auftritt!" - hat wohl trotz der sexy Stimme keinen interessiert. Banausen!), Lars ("Macht's einfach, was ihr wollt. Ich harre dann der Dinge, die da kommen mögen."), Steffi ("Fragt mal den Lars.") und dem Rest des Animagic-Organisationsteams, Janina, Miriam, Birte (Fischauge für gefährliche Szenen / "Wir schaffen das schon - notfalls müssen wir eben improvisieren." So ein Gottvertrauen möchte' ich auch haben.) und all' die anderen auf der Animagic, die ich vergessen hab': Sorry, es waren einfach zu viele! ^_^;;
 

 

 



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Kommentare zu dieser Fanfic (4)

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Von:  Anju
2006-07-14T16:29:18+00:00 14.07.2006 18:29
Hach, nach langer Zeit ist es wieder ein Genuss diesen herrlich fiesen Humor zu lesen, die fantastischen Metaphern, die Sensibilität des Autors für überflüssige Situationen...*zergeh*
Diesen Teil kann ich besonders empfehlen, da er eine ziemlich groovige Idee hat, nämlich die "Heires of Steel".
Nach all dieser Zeit immer noch meine Lieblingsfanfic.
Gibt es den Autor noch? Vielleicht unter einem neuen Nickname? (will gerne persönliche Groupie werden ;))
Von: abgemeldet
2002-07-16T07:44:00+00:00 16.07.2002 09:44
Die beste Parodie auf Jupiter die man sich denken, gute Idee
mit dem Mortal Combat turnier! ;)
Von: abgemeldet
2002-07-16T07:42:44+00:00 16.07.2002 09:42
Schwer zu sagen welche der Akten die Beste ist, aber dieser
Teil hier ist wirklich spitze, besonders die Szenen im
Nachtclub.
Von: abgemeldet
2002-07-02T20:00:03+00:00 02.07.2002 22:00
Das darf doch nicht der letzte Teil gewesen sein, oder!
WARLOCK? Ich WILL MEHR.
Im Ernst, deine Parodien sind definitiv die besten im Ganzen
AnimexxFanficDjungel. Sympatischer ist Artemis sonst nirgends.


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