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Essen fürs Chromosom

Autor:  Major
Mögt ihr Ordnung? Sicher, irgendwie.
Viele unserer Mitmenschen mögen auch Ordnung. Die Cola muss braun sein, das Auto am Samstag gewaschen werden und Männer und Frauen haben ihren Rollenbildern zu entsprechen. Das ist aber nicht damit getan, dass Frau lange Haare hat und Mann kurze, nein, das muss auch beim Grillen stark differenziert werden. Denn wer verschiedene Chromosome hat, muss auch verschiedene Sachen essen. So oder so ähnlich hat ein gewitzter Werbemensch einem Einkaufsmenschen von Edeka erklärt, deswegen sein Produkt ins Sortiment aufzunehmen.


http://antjeschrupp.com/2013/06/26/frauenbratwurst-mannerbratwurst-omg-edeka/

Und damit ist die Ordnung natürlich gewahrt. Frau isst magere Wurst und nur halb so viel, denn Frauen haben eine Figur. Männer essen fettere Wurst und doppelt so viel, denn Männer haben einen Körper und es ist nicht nur die Aufgabe des Mannes, haarig zu sein (zitat meines Mitstudenten), sondern seine Männlichkeit auch durch seinen Fleischkonsum zu bekunden. Das muss man(n) machen, weil... weil weiblich = schlecht und so. Und man will ja nicht schlecht sein. Sieht man ja auch in der sprache mit "herrlich" und "dämlich"... 

Ich finde Fleischfabriken ja pervers und Wurst hat mir noch nie geschmeckt, aber das gibt einem dann doch mal den Anreiz, direkt ins Kühlregal zu reihern.

Also dann: Guten Appetit.

Datum: 27.06.2013 15:34
Köstlicher Blödsinn. Danke für's Mitteilen!
Datum: 27.06.2013 16:29
ohje.. das wird langsam immer dreister..
aber "wir" kaufen's, wir kaufen's!

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Datum: 27.06.2013 22:57
> Sieht man ja auch in der sprache mit "herrlich" und "dämlich"...

Ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber: nö.
"Herrlich" kommt vom Wortstamm "hehr" und "dämlich" kommt vom Wortstamm "damisch" (schwindelig, wirr im Kopf) bzw. "damelen" (geistig neben der Rolle sein), bzw. mittelhochdeutsch "toum" = Dunst (siehe: benebelt), hat also mit "Dame" absolut nichts zu tun... o.o
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Datum: 28.06.2013 06:01
*Kinn auf Hand stütz*
Irgendwie komme ich bei dem Thema nicht mehr mit. OFfenbar bin ich zu leicht nicht zu beeinflussen. Für mich ist das Produkt an isch nur lachhaft, weils eh für mich absolut BÄH ist, Wurst zu grillen. Das Zeug it fett (und wenns noch so mager is) und schmeckt nie so gut, wie ein schönes stück Rindfleisch, Geflügel oder auch Fisch vom Grill - meine Meinung. Somit wär so eine Werbung für mich nur ein Lacher wert. Frei nach dem Motto: "Gesund und in Maßen essen ist "in", also müssen wir unsere Wurst irgendwie anders an den Mann bringen - versuchen wir es mal auf diese Art."

Und wo es grad um Rollen geht... hat sich noch keiner über die Grillsoßenwerbung beschwert? ôo

Allgemein frage ich mich momentan: kämpfen die Leute mehr um Gleichberechtigung oder gucken die Leute heutzutage einfach nur zu genau?

Ich jedenfalls habe mich noch nicht in eine Rolle gedrängt gefügt - nicht seit ich denken kann. Als Kind bekam ich HotWheels, weil ich die Autos interessanter fand als die Barbies. Trotz Oma, die erst versuchen wollte, mich umzuerziehen, bin ich Linkshänder - weil ich nicht wollte und meine Eltern das halt anders sahen als meine Oma. Ich hab nie gern Röcke getragen, also bekam ich Jeans - obwohl meine Mutter nur Röcke trägt. Und so gehts weiter und weiter.
Ist das ein "norddeutsches" Ding? Kann ja sein, daß wir hier oben eher mal die Schultern zucken und sagen "Wenn sie's/er's mag, soll er doch machen". Oder meine Familie und Umfeld sind einfach nur zu tolerant - so im nationalen Vergleich.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus?
Ah ja. Ich bin überzeugt, viele "Skandale" sind rein mediengesteuert und gerade bei sowas wie Lebensmitteln für Werbung mit einkalkuliert. Das hat weniger was mit Rollendenken zu tun als damit, daß diese Leute auf der Aktivistenwelle mitsurfen wollen. Die warten sicher nur darauf, daß da jemand aufschreit und ihre blöden Grillwürste diese Saison ins Rampenlicht zerrt.

Bitte nicht falsch verstehen... ich bin absolut für eine Gleichberechtigung, da ich so oder so danach erzogen worden bin, das Individuum zu betrachten und nicht sein Geschlecht, seine Rasse, sein Gewicht, seinen Beruf, irgendeine Orientierung, den Glauben oder mit welchem Klopapier er sich wo was abwischt. Biologisch ist es längst erwiesen, daß jeder Mensch ein Unikat ist, es sollte nirgendwo anders sein.
Trotz allem, um noch mal bei Lebensmitteln an zu kommen: Ohne Gruppenbildung keine Werbung, ohne Zielgruppen keine Produkte.

Ja Gleichberechtigung IST wichtig UND richtig! Solang man seinen gesunden Menschenverstand weiterhin gebraucht und nicht ins andere Extrem umschlägt - wie ich es zu Hauf online beobachte.

Meine zwei Cent dazu. =/ (Die Euros wollt ihr nicht, dann schreib ich euch ne Abhandlung >_<)
Chuck Norris ist Gott - und McGyver sein Prophet!

"We must question the story logic of having an all-knowing all-powerful God, who creates faulty Humans, and then blames them for his own mistakes." - Gene Roddenberry
Datum: 28.06.2013 07:55
Ohne Gruppenbildung keine Werbung, ohne Zielgruppen keine Produkte.
Ja, das sieht man auch schon am Preis. Die Frauenwurst kostet 8 Euro das Kilo, die Männerwurst 6. Warum sollte die teurer sein? Das kommt doch nicht von Produktion oder Inhalt, sondern allein, weil der Absatz nicht so hoch ist. Ohne diese Extrawurst würden Frauen auch die "Männerwurst" essen. Vielleicht nur eine, wenn sie dann satt sind. Was wollen sie da mit einer ganzen Packung, wenn sie die Würste dann alle selbst essen müssen? Für eine reine Frauengrillgruppe macht die Packung vielleicht Sinn, aber da würde ich dennoch die "Männerwurst" bevorzugen, weil die wenigstens gewürzt ist. Die Frauenwurst sieht aus, als würde sie nach nichts schmecken.

Ein bisschen diskriminierend finde ich das schon. Welcher Mann würde sich trauen, die "Frauenwurst" zu kaufen (weil er vielleicht auf sein Gewicht achtet oder ihm die andere ganz einfach nicht so gut schmeckt)? Und welche Frau kauft bei der Aufmachung der Packung die "Männerwurst"? Klar, gibt es immer Leute, die das nicht stört. Ich habe nichts gegen traditionelle Rollenbilder, aber der Sinn alles haarklein zu unterteilen in "für Frau" und "für Mann" erschließt sich mir nicht.
Datum: 28.06.2013 10:07
Oh je, jetzt gibt es auch schon Geschlechterwurst...
Ich persönlich fühle mich von solchen Produkten nicht beleidigt und aufregen mag ich mich ja auch nicht. Verstehen, dass sowas dennoch irgendwo problematisch ist, kann ich das aber. Das sollte wohl eher so eine Art Gag werden mit der Männer- bzw. Frauenwurst, geht aber schon etwas zu weit. Ich mag "richtige" ("Männer-") Wurst und will mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu mögen habe und was nicht.
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Datum: 28.06.2013 10:42
 Shivers

Ich weiß nicht, worauf du "norddeutsches Ding" beziehst, es erschließt sich für mich nicht. Es kann heißen: Norddeutsche stehen voll auf Rollen und verteidigen sie. Oder: Norddeutsche zetern den ganzen Tag auf Rollen herum. Oder: Norddeutsche erziehen ihre Kinder ohne Rollenbilder.

Ich bin norddeutsch und auch ein Autokind, rockfrei, aber weder rosa, noch blau, ich war grün und lila. Und ich hatte dennoch auch Barbies und Lego.

Als ich aufwuchs, war das alles kein großes Thema. Ein Kind war einfach ein kind. Heute hast du kein Kind mehr, heute hast du einen Jungen oder ein Mädchen, habe ich das Gefühl. Es ist uuuuultra wichtig und das geht mir einfach auf den geist.

Dass Wurst der totale wertlose Labber gegenüber einem anständigen Stück Fleisch auf dem Grill ist, dem muss ich dir sehr beipflichten. Ich habe nie verstanden, warum Wurst gegrillt wird. Und als jemand eine Hackbulette auf den Grill legte, musste ich meinen Mund wieder zuklappen.

Was mich angeht mit der Geschlechtertrennung: Ich will nicht in der Arielwerbung sehen, wie eine Frau einem Mann beibringt, wie man Wäsche wäscht. Jeder ist in der Lage, sich die Bedienungsanleitung durchzulesen. Ich will nicht sehen, wie lauter leicht bekleidete Damen um einen voll angezogenen Sänger herumtanzen und Dildos in der Hand halten, wovon man am ende erfährt, dass es musikwiedergabegeräte in dildoform sind. Durch ihre erscheinung kommt diese assoziation erst auf, das gerät an sich sieht einfach aus wie eine überdimensionale Gelatinekapsel. Ich will auch nicht in der Werbung sehen, wie sich eine zierliche nackte frau um einen astronauten klammert und damit das deo des mannes beworben wird.

Ich will nicht als Frau angesprochen werden. Ich will als Mensch angesprochen werden. Ich interessiere mich auch für den BMW 3er, obwohl ich keinen Bart habe oder eine tiiiiefe Stimme. Der Mann in der BMW-werbung ist so übermännlich, dass es mich als Mann wiederum so verletzen würde, wie es mich als Frau verletzt wie die Dildodamen da ihren Arsch wackeln.

MacRally
Inzwischen sind wir ja so weit, dass die Frau an der Kasse mit der Männerwurst als normal empfinden wird und der Mann mit der Frauenwurst als Schwuli beschimpft wird. Oder ihm vorgeworfen wird, kein "echter Mann" zu sein. Frauen dürfen auf der Männerseite herumwüten, aber Männer dürfen nix, was weiblich ist. Das Problem wird immer facettenreicher und ich sehe da schon eine Verfeindung aufkommen mit beidseitiger Fruststeigerung.

Chrishna
Natürlich entscheidet immer das Maß, wie sehr man sich mit der Gendersache auseinandersetzt darüber, wie sehr man sich aufregt. Man hat mich Zeit meines Lebens immer mal wieder in die Rolle der typischen Frau reinstecken wollen "mach den abwasch und ich bau deinen Schrank auf! nein, leg die Bohrmaschine weg, das ist nichts für dich!" und ich bin seit sehr vielen Jahren sauer darauf. Dann kommt hinzu, dass ich über meinen Bruder halb in einer Mischung aus Gender Studies und Philosophie drin stecke und einige Leute kennengelernt habe, die den Poststrukturalismus (wo wir einfach Menschen sind und nicht mehr Mann und Frau, da ist das Privatsache) bevorzugen. Was ich auch tu.


Ich sehe keine Signaturen. Deine auch nicht. Aber du siehst meine, Pech gehabt.
Datum: 28.06.2013 11:01
Hmmm, ich fühle mich im Alltag eigentlich nie in die Rolle einer Frau gedrängt. Mir fiele da jedenfalls spontan keine Situation ein. Meine Eltern haben mich als Kind auch "Jungs"-Spielzeug spielen lassen und von meinem allerersten gesparten Taschengeld habe ich mir eine Power-Rangers-Actionfigur gekauft. Barbies hatte ich auch, wenn auch nur wenige. Meine Möbel habe ich alle selbst aufgebaut; kein Problem. Hmmm, nee, mir fällt da wirklich nichts ein. Vielleicht kommt das, sobald ich angestellt bin (hoffentlich passiert das in absehbarer Zeit mal) und rausfinde, dass ich schlechter bezahlt werde als meine männlichen Kollegen... XD Ach nee, das ist ja nur ein Mythos.
Datum: 29.06.2013 01:28
> Frau isst magere Wurst und nur halb so viel, denn Frauen haben eine Figur. Männer essen fettere Wurst und doppelt so viel [...]
Widerspricht sich etwas. Eine Figur kommt nicht vom Hungern, sondern vom Essen. Oder von den Genen, aber das lasse ich mal außen vor ;)

> es ist nicht nur die Aufgabe des Mannes, haarig zu sein [...]
Mit meiner Halbglatze habe ich es wohl mit meiner Männlichkeit vertan. Verflucht! ;)

Und mal etwas ernster: Bloß, weil man ein Problem nicht am eigenen Leibe erlebte, muss es nicht geringer sein. Rassismus und Depressionen kenne ich hauptsächlich nur durch Freunde.
Oft erlebe ich auch, dass über den Begriff Misandrie gelästert wird, obwohl es zahlreiche solcher Beispiele gibt, nur eben weniger präsent als Misogynie.
"Zitate erfinden, eine hübsche Idee!" - Julia Karnick, Brigitte Nr. 24/2006, S. 11.
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Datum: 29.06.2013 03:54
Darf ich zu diesem Thema auch vorstellen:
Grillen für echte Kerle und richtige Mädchen

Vegetarisch ist für Mädchen und Mädchen essen vegetarisch! ECHTE KERLE essen STEAK! D8
Ceci n'est pas une signature.
Datum: 30.06.2013 01:51
> Und mal etwas ernster: Bloß, weil man ein Problem nicht am eigenen Leibe erlebte, muss es nicht geringer sein. Rassismus und Depressionen kenne ich hauptsächlich nur durch Freunde.

Liebster David, da hast du vollkommen Recht. Ich habe nur für mich darüber sinniert und bin dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich persönlich keine Probleme damit habe. Soll nicht heißen, man "solle sich nicht so anstellen" oder so :)


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