Zum Inhalt der Seite
[English version English version]




Dobercorgi



Man sagt, dieses Pokemon sei klein und schwach. Aber es ist so brutal, dass es einem die Haare vom Kopf schnabbuliert. Awwwwww...

Bitte beachten!
Dieses Weblog spiegelt meine Meinung und meine Erfahrungen wider. Es ist nicht meine Absicht jemandem zu helfen, zu beeinflussen oder anzugreifen. Hier schreibe ich das, was aktuell mein persönliches Leben betrifft. Ich weiß, dass es für viele schwer verständlich, manchmal sogar zuwider ist. Sollte jemand mit meiner Ansicht nicht einverstanden sein, kann er einfach aufhören zu lesen oder einen Kommentar hinterlassen. Jedoch werde ich nur auf wenige Kommentare eingehen.

Ich gehe meinen eigenen Weg. Ich beobachte mich selbst und ziehe daraus Schlüsse. Diese müssen nicht für andere Menschen zutreffen. Für mein Leben jedoch tun sie es.

Digitaler Stress - Teil 7

Autor:  aeryo

Dieses Mal wird es ein sehr langer Eintrag. Noch länger als sonst? Ja. Weil ihr mich aber lieb habt, weiß ich, dass ihr das Herzchen drücken werdet. J Ich habe den Titel von digitale Demenz auf „Digitaler Stress“ umbenannt, weil der Konzentrations-, Gedächtnis- und Persönlichkeitsverlust nicht die einzigen Phänomene sind, die mir beim Konsum digitaler Medien begegnet sind. Es kann sein, dass sich der ein oder andere angegriffen fühlt.

Stress auf körperlicher Ebene

Sie kennen das: Ihr Nachbar hat eine neue Verschwörungstheorie über Adrenochrom und Sie nicht? Er sagt, die Eliten würden kleine Kinder in den Keller sperren, um ihnen Adrenalin abzuzapfen, aber Sie haben eine viel effektivere Methode? Wissen aber nicht, wie sie an das leckere Adrenochrom rankommen sollen, weil sie keinen Keller haben? Dann kaufen Sie jetzt: Stress!

Heute erkläre ich euch, warum sich die Echsenmenschen selbst töten würden, wenn sie ständig Adrenalin zu sich nehmen würden. Diese Verschwörung ist also Blödsinn. Ich beschreibe, wie Adrenalin und Cortisol im Körper wirken, warum beides krank machen kann und was Medien damit zu tun haben.

Anhand meiner eigenen Erfahrung und Meinung werde ich auch erläutern, welche Symptome bei einem Ungleichgewicht dieser beiden Hormone auftreten können. Weil mir kein Arzt mehr helfen kann oder möchte, begab ich mich selbst auf die Suche nach einer Lösung für meine körperlichen Probleme. Ich bin sonst nicht sehr fatalistisch eingestellt, aber wenn dieses Thema die ganze Menschheit betrifft, dann steuern wir auf die nächste Katastrophe zu, ohne es zu wissen. Zunächst aber gibt es trockenen Biologieunterricht.

Adrenalin

Stellt euch einen Menschen vor, der fröhlich durch die Straßen von Korschenbroich-Liedberg schlendert und sich plötzlich einem aus dem Zoo entlaufenden Löwen gegenübersieht. Schon seit Urzeiten hat der Mensch die Wahl zwischen Kampf und Flucht. In beiden Fällen schüttet unser Nebennierenmark Unmengen an Adrenalin aus.

Man braucht Adrenalin, wenn man vor etwas flieht oder kämpfen muss. Steht man einer Gefahr über, schaltet der Körper automatisch in den Stressmodus, egal für welche Option man sich entscheidet. Übrigens unterscheidet der Körper da nicht zwischen Eustress und Dysstress. Damit unser Menschlein vor dem Löwen wegrennen kann, gibt’s eine ordentliche Einspritzung von Adrenalin. Das hat zufolge:

  • Fett und Glycogen wird in Glucose umgewandelt, was den Muskeln einen Energieschub verpasst
  • Muskeln gehen in einen starren Modus über, um zum Beispiel schneller rennen oder kräftiger zuschlagen zu können
  • Allerdings werden dadurch auch bestimmte Denkvorgänge blockiert oder unterdrückt (Wie beim leeren Kopf in Prüfungssituationen)
  • Die Herzfrequenz wird erhöht, die Blutgefäße verengen sich
  • Eine bessere Blutgerinnung, falls man sich verletzt

All das sind Vorteile des Adrenalins. Es war also für den Menschen hunderttausende von Jahren überlebenswichtig, wenn er dem Löwen entkommen wollte. Diese Gefahren haben wir in der heutigen Welt nicht mehr. Stattdessen bilden wir uns heute Gefahren ein, wo keine sind. „Was denkt der wohl über mich?“ „Jetzt hat das Geschäft wieder nicht meinen Lieblingskäse! Das ist voll blöd!“

Oder wir suchen Gefahren gezielt, zum Beispiel in Videospielen oder Filmen. Auch da erlebt unser Körper die entsprechenden Stressoren. Es gibt auch andere Auslöser für erhöhten Adrenalinspiegel, wie ein verpasster Termin, eine Prüfung, der tägliche Gang zur Arbeit, Mobbing, die ständig lärmende Nachbarin, Informationsüberflutung oder das Klettern auf einen Turm bei Höhenangst.

Normalerweise baut sich aufgebaute Angst oder Wut schnell wieder ab und damit wird das überschüssige Adrenalin durch Cortisol umgewandelt. Bei ständiger Adrenalinausschüttung kommt das Cortisol aber nicht mehr hinterher. Außerdem wird die Erregungsschwelle ab der Adrenalin ausgeschüttet wird, immer schneller erreicht. Wie in dieser Grafik verdeutlicht:

Weil der Erregungszustand dauerhaft erhöht ist, führt die häufigere Überschreitung der Erregungsschwelle zu einer ebenso häufigeren Ausschüttung von Adrenalin. Dadurch steigt auch die allgemeine Erregungslage. Man gelangt immer leichter und schneller in den Zustand der Erregung. Es ist dann schwierig wortwörtlich „runter“ zu kommen. Das Cortisol kommt dann nicht mehr hinterher, das Adrenalin abzubauen. Dazu gleich mehr.

Menschen, die ständig in Alarmbereitschaft sind und deren Adrenalinspiegel dadurch chronisch höher liegt, zeigen pathologische Effekte des Adrenalins:

 

  • Ständig hoher Blutdruck
  • Ständig erhöhten Puls
  • Verkrampfte Muskeln
  • Magensäurebildung ist erhöht (Reflux)
  • Fortpflanzungs- und Verdauungsorgane arbeiten nicht mehr so gut
  • Lern- und Konzentrationsstörungen
  • Ruhelosigkeit
  • Spannungskopfschmerz (ausgelöst durch verkrampfte Muskeln in Nacken und Gesicht)
  • Infektanfälligkeit
  • Schlafstörungen
  • Massive Reizbarkeit

Cortisol

Cortisol kann nicht als direkter Gegenspieler des Adrenalins verstanden werden. Vielmehr ist es ein Hormon, um den Körper vor sich selbst zu schützen. Es besteht nämlich jederzeit die Gefahr, dass er sich zum Beispiel selbst auffrisst. Das klingt so brutal, wie es tatsächlich ist. Um dem entgegen zu wirken denkt sich die Hypophyse: „Ey, nee oder? Der Körper greift sich selbst an! Du da unten, mach was!“ Sie spricht die Nebennierenrinden an, die Cholesterin in Cortisol umwandelt. Es wird ca. 10 Minuten später ausgeschüttet. Dieses hemmt überschießende Reaktionen, die von körpereigenen Stoffen, also auch durch Adrenalin verursacht werden. Somit schützt es vor dessen ungünstigen Folgen. Normalerweise wird der Überschuss abgebaut und der Cortisolspiegel darf wieder sinken. Aufgabe erfüllt.

Während Adrenalin eine kurzzeitige Wirkung hat, steigt der Cortisolspiegel bei anhaltendem Stress längerfristig an. Cortisol ist auch abhängig vom Tagesrhythmus. Zwischen 6 und 7 Uhr ist der Spiegel am höchsten und hilft uns in den Tag zu starten. Darum ist ein Wachwerden in diesem Zeitraum empfehlenswert. Dauerhafte Verschiebung des Schlafrhythmus in den Tag hinein kann sogar hormonell schädlich sein. (Durch luzides Träumen kenne ich das Power Napping, aber es ist nicht so gesund, wie von den entsprechenden Fürsprechern behauptet.)

Kommt es zu Stress oder auch nur Aufregung bei einem Vortrag steigt der Cortisolspiegel. Das ist gut so, da so Zucker ins Blut freigesetzt werden kann. Kurzfristig hat das Cortisol einen sehr positiven Effekt auf Stress, gleich welcher Art:

  • Wiederaufbau der Blutzuckerreserven
  • Schutz vor Entzündungen
  • Schutz vor dem eigenen Immunsystem, damit die weißen Blutkörperchen keinen Teil des Körpers auffressen
  • In Verbindung mit Insulin: Lagerung von Fett für schlechte Zeiten
  • In Verbindung mit Melatonin: Steuerung der Chronobiologie und des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Übernimmt teilweise die Aufgabe des Adrenalins: Länger anhaltende Wachsamkeit durch freigesetzte Energie

Aber auch wenn der Cortisolspiegel längerfristig hoch sein kann, bricht die Produktion irgendwann plötzlich ab. Die Nebennierenrinde ist erschöpft. Fabrik geschlossen. Lediglich das einfacher zu produzierende Adrenalin kann weiter ins Blut gepumpt werden. Und genau darin liegt die Gefahr für den modernen Menschen.

Adrenalin und Cortisol – Bonny und Clyde

Bleibt der Stress (auch der angeblich „gute“ Eustress) dauerhaft, hat das langfristige Wirkungen auf den Hormonhaushalt. Wir werden heutzutage immer wieder bombardiert von Informationen, die uns in einen Erregungszustand bringen. Morgens der Stau, vormittags der Kollege, der das Regal mit kostbaren Elektroartikeln umkippen ließ, mittags nur ein schneller Snack, nachmittags plötzlich 20 Kunden auf einmal und der Chef ist zu Besuch, dann schnell Kinder von der Schule abholen, schnell Abendessen kochen, noch einkaufen, dann die Lieblingsserie mit ihren schockierenden Cliffhangern schauen, einige Gegner im Videospiel töten (Wortwahl!) und zum Schluss unbedingt versuchen zu schlafen. All das erzeugt keine großen, aber viele kleine Ausschüttungen im Körper.

Für eine Woche kommt der Körper noch gut mit dem erhöhten Adrenalin zurecht. Die Cortisol- und Adrenalinspiegel steigen gleichermaßen an. ABER: Dadurch dass die Nebennierenrinden irgendwann erschöpft sind, schaffen sie es irgendwann nicht mehr, Cortisol zur Eindämmung von Adrenalin herzustellen. Man spricht da von Nebenniereninsuffizienz. In der folgenden Grafik ist es deutlich dargestellt.

(Die tagesbasierten Schwankungen habe ich der Übersicht halber nicht mit eingezeichnet.) Man sieht hier, dass das Adrenalin immer weiter steigt, aber das Cortisol irgendwann nicht mehr hinterher kommt, es abzubauen.

Es entsteht nach längerer Zeit, in denen das Adrenalin im Körper frei wüten kann, eine ungeheure Vielzahl an Symptomen, die ganz und gar nicht mehr lustig sind. Zunächst äußert sich eine chronische Unterversorgung wie folgt:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • gefallene Stresstoleranz
  • Infektanfälligkeit
  • Herzrhythmusstörungen

Alles noch halb so wild, solang das Adrenalin wieder abgebaut wird. Auf Dauer kann das Adrenalin aber gewaltigen Schaden verursachen:

  • Die Eiweiße im Gehirn werden zur Energieversorgung gelöst. Es entsteht Gedächtnisverlust, ähnlich wie bei einer Demenz.
  • Dadurch auch weniger Erinnerungsspeicherung
  • Dadurch auch weniger Übertragung von Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis
  • Die freigesetzte Energie aus Glucose wird nicht wirklich verbraucht, sondern wandelt sich dann im Speicher des inneren Bauches als Fett um
  • Das Magen-Darmsystem wird heruntergefahren. Starker Harn- und Stuhlgang, bis hin zum Durchfall, sind die Folge. Einige kennen dieses Symptom aus der Schulzeit.
  • Dadurch entstehen leichter Geschwüre
  • Dadurch können auch weniger vitale Stoffe aufgenommen werden
  • Die Darmschleimhaut schwemmt auf und entzündet sich
  • Der Energiespareffekt fährt das Immunsystem runter. Wir sind sogar anfälliger gegenüber körpereigenen Lebewesen.
  • Der Wiederaufbau von abgebauten Zellen ist kaum noch möglich. Jeden Tag nutzen sich Milliarden Zellen ab. Unsere Haut wird im Normalfall alle vier Wochen ersetzt. Durch den dauerhaften Stressmodus wird das eingeschränkt.
  • Osteoporose: Nach gewisser Zeit wird sogar Knochen aufgelöst, um die letzten Energiereserven freizusetzen.
  • Blutgefäße verengen sich, Bluthochdruck entsteht, das Risiko für Herzinfarkte ist vielfach erhöht
  • Ständige Schmerzen in Nacken-, Schulter-, und/oder Rückenmuskulatur, Kopfschmerzen, Halsschmerzen
  • Schilddrüsenfehlfunktionen

Das Adrenalin kann jedoch auch nicht ewig nachproduziert werden. Sollte die Produktion enden, kann der Körper keine Energiereserven mehr freisetzen. Beim kleinsten Stress kommt es schließlich zur völligen Erschöpfungsreaktion: Der Burnout. (Auf körperlicher Ebene)

Auf diesem Gebiet wird erst seit wenigen Jahren geforscht. Es werden aber noch mehr Symptome vermutet, die bis zu der Annahme führen, ob andere, sonst einzeln stehende Krankheiten der ständig erhöhten Erregungslage geschuldet sein könnten. Stress scheint im Körper mehr auszulösen, als nur die akuten Symptome wie Herzrasen, die nach einigen Minuten verschwinden. Ich kenne viele, vielleicht sogar alle dieser Symptome. Einzeln gesehen mag man denken, sie könnten jeweils eigene Störungen darstellen. In ihrer Gesamtheit aber, führen sie auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurück.

Von nun an, beschreibe ich meine Erfahrungen und meine Meinungen. Ob alles wissenschaftlich haltbar ist, ist daher irrelevant. Denn ich stelle meine eigenen Vermutungen auf und anscheinend bin ich auf dem richtigen Weg. Wenn es mir dadurch besser geht, ist es mir egal, ob es Studien gibt, die es befürworten oder widerlegen. Es geht um meinen Körper. Mir muss es gut gehen. Trotzdem versuche ich meine Krankheit in einen logischen Kontext zu setzen.

Was für Auswirkungen hat Dauerstress auf meinen Körper?

Ich habe andauernd Videospiele gezockt, bei denen ich im Kampfmodus war. Ständig wollte ich jemanden besiegen. Und das mit immer größter Effizienz. Das heißt, ich rüste dann spezielle Items aus, verteile Fähigkeitenpunkte, skille meinen Charakter anders. Und ich wurde tatsächlich immer besser im Töten. (Wortwahl) Ich fällte einen großen Gegner nach dem anderen. Genauer sind es Videospiele, die darauf abzielen dem Spieler einen eigenen Spielstil zu entwickeln, ihm also einzuräumen, ein gewisses Ideal zu erzeugen. Da es aber gewissen Rahmenbedingungen unterliegt, ist das niemals möglich.  Der Spieler versucht seine Spielfigur so weit zu perfektionieren, bis er einen Gegner nach dem anderen besiegen kann. Immer schneller, immer stärker. Das erzeugt unentwegt in kleinen Dosen Adrenalinschübe.

Man kann sich das so vorstellen: Vermutlich ist jeder Gegner wie der Löwe, von dem ich anfangs sprach. Jeder Gegner ist für das Gehirn eine Gefahr, auch wenn wir wissen, dass diese Bedrohung uns nicht physisch schaden kann. Sogar wenn unsere Spielfigur so stark ist, dass sie jeden besiegen kann. Es gibt immer wieder einen kleinen Adrenalinschub, wenn wir eine Bedrohung beseitigen. Die Toleranzgrenze steigt wie oben gezeigt. Das Cortisol am Anfang auch, aber wenn man zuvor dauerhaftem Stress ausgesetzt war, ist es ja bereits am Boden.

Nun sind dies nicht die einzigen Stressoren. In der heutigen Welt löst in den meisten Menschen nahezu alles eine Adrenalin-Reaktion aus. Auch die Angst, etwas zu verpassen, baut gewaltigen Stress auf. Nicht nur, weil im MMORPG neue Rüstungen veröffentlich wurden oder weil man unbedingt die nächste Folge der Lieblingsserie schauen möchte. Es fängt bei einfachen Dingen, wie dem fehlenden Klopapier oder der Gemüseabteilung im Supermarkt an. Dabei wird man bereits von Rabatten getriggert. Wenn ein Stück Butter um 5 Cent gesenkt wird, dann hetzen viele Käufer dorthin, um noch ein Stück Butter zu ergattern.

All das sind Stressoren. Und es gibt unzählige weitere, die ich hier unmöglich alle aufzählen kann. Man kann also sagen, unsere Welt ist auf Adrenalin aufgebaut. Gewissermaßen haben diese Echsenmenschspinner also Recht. Nur, dass nicht die Elite Adrenalin braucht, sondern wir alle ständig mehr davon wollen. Es klingt unsinnig, aber der Mensch ist süchtig nach Stress geworden.

Ich kann es auch an mir selbst erklären. Nehmen wir an, ich zocke wie jeden Tag vor einigen Jahren 5 Stunden Guild Wars 2. In dieses Spiel muss man viel Zeit investieren, damit man ein Erfolgserlebnis erlebt. Einerseits machte es Spaß, andererseits aber war mein Körper ständig dem hohen Adrenalinspiegel ausgesetzt. Ich machte mich also von dem abhängig (Dopamin), was mir schadet (Adrenalin). Ähnlich in anderen Medien, wenngleich nicht in so hohem Ausmaß. Um Paracelsus zu zitieren, macht die Dosis das Gift. Selbst wenn ich den fünfstündigen Konsum dieses Spiels durch zehnstündigen Konsums meiner Serie ersetzt hätte, wäre der Spiegel des Adrenalins ständig angestiegen. Und: Ich bräuchte immer mehr. Ich hätte also eine Rüstung nach der anderen kaufen, eine Folge einer Serie nach der anderen bingen müssen, um auf ein gewisses Maß des Dopamins zu kommen. Damit die Angst vor dem Verpassen gemindert wird.

Ich habe zwei gewaltige Krankheiten, die man nicht näher beschreiben kann, damit ausgelöst. Im ICD sind sie nicht aufgeführt. Dreizehn (Fach-)Ärzte waren ratlos, was sie ist. Man kann sie jedoch mit ähnlichen Krankheiten umschreiben.

Krankheit 1: Mandelentzündung

Keine wirkliche Mandelentzündung, da diese ja von Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht wird. Heute weiß man: Mandeln sind sehr wichtig. Darum werden sie aktuell seltener entfernt als früher. Auch an meinen möchte kein Arzt rumschnibbeln. Diese Mandelentzündung schien von „innen“ zu kommen. Insbesondere spürte ich vor einem Ausbruch eine Verkrampfung der Rücken-, Nacken-, Brust- und Halsmuskulatur. Symptome von Adrenalinüberschuss und Cortisolmangel. Das ist meine Vermutung: Die dauerhafte Verengung der Blutgefäße und Starrheit der Muskeln, begleitet diese Abwehrreaktion des Körpers gegen sich selbst. Er versuchte sich gegen sein eigenes Adrenalin zu wehren. (Wodurch meine Krankheiten auch als autoimmun eingestuft wurden.)

Warum gerade der Hals? Auch eine Vermutung: Durch die Verkrampfung dort und in der Nähe der Schilddrüse, die ein wichtiger Mitspieler in Bezug auf Cortisol und Adrenalin ist. Bei einem nicht abbaubaren Adrenalinspiegel verursacht eine darausfolgende Schilddrüsenüberfunktion diese Symptome:

  • Ständige Kälte im Körper, besonders in den Fingerspitzen und der Nase.
  • Anfallartiges Auftreten von eigenartigen Muskelzuckungen
  • Erschöpfung trotz Ruhelosigkeit
  • Abgemagertes Erscheinungsbild und trotzdem anscheinend aufgeblähter Bauch (Siehe Cortisol)
  • Konzentrationsmangel
  • Symptome bessern sich kurzfristig bei schwerer körperlicher Arbeit

Ich vermute, dass diese nahen Drüsen das Adrenalin an dieser Stelle schnellstmöglich loswerden möchten. Das passiert an ähnlichen lymphatischen Organen am ganzen Oberkörper. Dort bin ich unter Stress ständig von Entzündungen geplagt. Im Ernstfall wie der scheinbaren Mandelentzündung aber, ströme ich dort einen gewissen Geruch aus. Teilweise unter starkem Schwitzen. Das riechen andere, aber auch ich selbst. Erst später, als ich einmal reines Adrenalin riechen durfte, dachte ich: „Moment mal. Das kennst du doch. Nur woher? Stimmt, wenn du diese grässliche Krankheit hast!“

Kann es also sein, dass massives Adrenalin, das durch fehlendes Cortisol nicht abgebaut wird, ausgeschieden werden muss? Und wenn es nicht geht, sammelt es sich, bis es zum massiven Ausbruch kommt?

In der Regel habe ich sehr merkwürdige Symptome bei der Mandelentzündung, die nicht so recht zu dieser passen. Fieber, manchmal bis zu 40°C. Hin und wieder auch darüber. Spasmen im Herz, ähnlich den Zuckungen in den Muskeln. Und ja, das ist sehr, sehr schmerzhaft. Einmal ließ es mich sogar „die“ Schwelle übertreten. Außerdem habe ich bei dieser Mandelentzündung keine Halsschmerzen und keine Schluckbeschwerden. Dafür aber krümme ich mich zusammen, wie bei einer Hirnhautentzündung, verliere mein Bewusstsein für Zeit, für alles, was um mich herum geschieht und habe Halluzinationen. Eine ähnliche Krankheit ist das Morbus Addison, die durchaus auch mal mit einer Meningitis verwechselt werden kann. Weil die Mandelentzündung nicht durch Erreger versursacht werden, stecke ich auch niemanden an.

Krankheit 2: Diverse Entzündungen in der Haut

Ich hatte in der Jugend, in der ich kaum mit Videospielen zu tun hatte, erstaunlich wenig Pickel. Dafür aber, als ich mit dem ersten Guild Wars begann. Zu der Zeit bekam ich auch meine ersten Pseudo-Mandelentzündungen. Mein ganzes Gesicht wurde fleckig. Auf meiner Brust bildeten sich viele, viele Pusteln. Einer der Ärzte fragte mich, ob ich viel mit Tieren zu tun habe. Nein. Hatte ich nicht. Es gibt aber Krankheiten die genauso aussehen, wenn sich der Körper gegen bestimmte Parasiten wehrt. (Ähnlich der Krätze) Und auch Tests bewiesen: Ich hatte keine Parasiten. Also nahm man an, es sei psychosomatisch. Damals war das noch relativ neu. Psychosomatik war ein Mythos, den die meisten Ärzte lieber ablehnten.

Immer mehr Symptome

Meine persönliche Mutmaßung ist folgende. Die Symptome verschwinden, sobald ich den Konsum bestimmter Videospiele wie Guild Wars, Diablo usw. sofort beende. Mein Körper wehrt sich gegen sein eigenes Adrenalin. Der Abbau von Giften erfolgt immer über Entzündungsreaktionen. Das ist auch gut und richtig, jedoch nur wenn es in Maßen abläuft. Bei mir hingegen war mein gesamter Körper entzündet. Er wehrte sich immer an den gleichen Stellen: Kopfhaut, Ohrenhaut, Bart, Hals, Brust, Rücken zwischen den Schulterblättern, Intimbereich, weiche Haut gegenüber von Gelenken, wie Achseln und Kniekehlen. Woanders gab es keine Reaktionen, was widersprüchlich ist. Es scheint jedoch alles mit den gleichen Körperteilen zu tun zu haben.

nsbesondere aber hatte ich an diesen Körperteilen, die verkrampft waren, extrem schuppige Haut. Eine Neurodermitis schloss man aus, weil die Haut anders aussah, als die drei Hautärzte jemals gesehen hatten. Auch die Blutwerte zeigten keine entsprechenden Werte. Auf Adrenalinüberdosis testen gestaltet sich schwierig, da man Adrenalin nur in sehr aufwendigen Tests nachweisen kann.

  • Ich konnte nicht mehr so klar denken. Außerdem verstand ich vieles nicht, was andere mir sagten. Es trat nicht nur Konzentrationsmangel auf, sondern ein Mangel an Verständnis für meine Umwelt. Alles wirkte wie ein Nebel.
  • Wenn ich etwas tat, dann schien es so, als würde es jemand anderes tun. Ich erkannte mich auch manchmal in Gesprächen oder Handlungen mit anderen Menschen nicht wieder.
  • Die Muskeln in meinen Augen wurden träge. Es dauerte länger, bis ich scharf sehen konnte. Außerdem hatte ich dadurch starke Kopfschmerzen.
  • Mein Herz hatte sehr oft Hüpfer
  • Auch meine Muskeln hatten sehr eigenartige Zuckungen gehabt, die weit über einen Tremor hinausgehen. Einzelne Muskeln, die unmöglich ohne umgebende Muskelgruppe bewegt werden können, haben in unangenehmen Rhythmen sogar sichtbar gezuckt. Das Körperteil hatte sich nicht dabei bewegt. Es war, als habe jemand einen Angelhaken in meinen Muskel gedrückt und an der Leine gezogen.
  • Ich war lustlos, unkreativ und verschob alles auf später. Das liegt nicht nur an diesen Videospielen, aber es verstärkte den Effekt. Ich vernachlässigte alles. Hausarbeit, soziale Kontakte, Bewegung, Hygiene. Sogar meine Hobbys wie das Malen. Ich hatte keine Lust mehr auf das, was ich liebe.
  • Bis ich 30 war, wurde ich nach dem Konsum – selbst nach einer halben Stunde – aggressiv gegenüber meinen Mitmenschen. Eines der Hauptmerkmale einer Sucht.
  • Ich war stark beeinflussbar, wodurch ich alles glaubte und auf mich anwandte. Somit entstanden auch abstruse Weltansichten und Fetische.

Was können wir daraus lernen?

Es ist gar nicht so lange her, da lernte ich, die Muskeln in meinem Gesicht zu entspannen. (Obwohl meine erste bewusste Meditation bereits 2011 stattfand) Nach dem Konsum dieser Videospiele sind besonders diejenigen Gesichtspartien verspannt, auf denen ich früher diese Entzündungen hatte. Beendete ich den Konsum komplett und entspannte in der Meditation diese Stellen, dann verschwanden die Entzündungen in wenigen Stunden! Das würde mir kein Arzt glauben.

Aber ich muss sofort einen drastischen Schritt tun, sonst bringt mich dieses Phänomen tatsächlich um. Jetzt sofort. (In diesem Weblog später, weil ich alle Artikel einige Tage in Word vorbereite) Augenblicklich muss ich den Konsum dieser Videospiele, Serien, Filme und Musik beenden. Ich darf sie nie wieder anrühren. Diesen Schritt plane ich schon sehr lang und es ist an der Zeit, ihn zu gehen. Das heißt nicht, dass ich gar nichts mehr an Medien konsumieren darf. Jedoch gibt es jetzt massive Einschränkungen. Allem voran darf ich keine Spiele mehr zocken, die Stress in mir auslösen. Spiele die keine Pause, sondern nur ein Kämpfen oder Fliehen ohne Unterlass gewähren. Aber auch solche, die ein ständiges Nachdenken verlangen, was als nächstes zu tun ist und welche Gefahren auf dem Weg zum Ziel lauern. Dazu zählen unter anderem:

Diablo II und III, Path of Exile, Streets of Rogue (da habe ich diesen Schritt das erste Mal geplant), Dead Cells, Animal Crossing, Starbound, Terraria, Minecraft, Disgaea 1-5, Subnautica, Guild Wars 1 (wo alles begann) und 2, Smash Bros., Pokemon, Soul Calibur, The Witcher 3, Far Cry, Just Cause, und alle sonstigen Rogue-like, Sandbox, Hack&Slay-RPGs und MMORPGs. Alles, was ich einmal so sehr geliebt und für das ich viel zu viel Geld ausgegeben habe.

Es bleibt nicht viel übrig. Nur solche, bei denen ich durchatmen (Hals!) kann, wie  Horizon Zero Dawn, die Xenoblade-Reihe, die beide grafischen Freiraum lassen, Zelda oder Super Mario und ganz simple Strategie wie YuGiOh auf der Switch. Aber ganz besonders auch eine Sache: NES- und SNES-Spiele im Switch-Emulator.

Ich will jetzt auf eine Sache hinaus. Diese Spiele hatten mich als Kind nicht krank gemacht. Ich habe sie gezockt, beiseitegelegt und bin dann zum Volleyballtraining gegangen. Und auch wenn ich mit meiner Cousine stundenlang Super Mario World gespielt habe, ging es mir danach gut. Es waren Spiele. Richtige Spiele. Die Frage ist, was sie ausgemacht hat. Vielleicht sogar die Limitation. Freiheit war damals ein Fremdwort im Videospiel. Selbst in Rollenspielen gab es nur eingeschränkte Möglichkeiten einen Charakter zu verbessern. Heute hingegen wird in immer mehr Spielen ein Crafting-System oder Verteilung von Skillpunkten angeboten, obwohl es nicht nötig wäre. Früher hingegen ging es nicht um die Fähigkeiten der Figur, sondern die des Spielers. Die Verbesserung der Figuren war nicht einmal tertiär.

Hypovereinsbank-Hypotenusen-Hypothese für die ihr mich gern schlagen dürft: Was wenn bestimmte Arten von Videospielen psychisch und körperlich krank machen, aber der Aufschrei gegen diese Annahme so groß ist, dass sich das niemand zu äußern wagt? Schließlich sind Videospiele ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor geworden, der andere Freizeitaktivitäten längst in den Schatten gestellt hat. Zu sehr fühlt man sich bei meiner Behauptung an diese weißen, alten, männlichen Spinner erinnert, die behaupten, Ego-Shooter wären der Grund für Amokläufe. Ich bin selbst weiß, männlich und nicht ganz so alt (34) und behaupte, bestimmte Videospiele machen krank.

Und nicht nur die. Alle Medien scheinen nur noch Stress zu verursachen. An immer schneller werdende Schnitte und lautere Geräusche kann man sich vielleicht noch gewöhnen. Aber ständig wird ein Feindbild gezeichnet. Sei es real in Nachrichten oder fiktiv auf Netflix. Stress erzeugt nachweislich automatisch eine Reaktion im Körper, die wir nicht exakt steuern können. Aber wozu wir fähig sind: Wir können entscheiden wie wir Stress begegnen.

Vor mir liegt ein Marathon aus Entscheidungen. Was will ich noch konsumieren? Natürlich lässt sich der Stress in anderen Situationen nicht abschalten. Aber indem der Pegel langsam gesenkt wird, kann der Körper sich an eine neue Balance gewöhnen. Natürlich, irgendwann sterbe ich sowieso und mich können auch andere Krankheiten treffen. Aber ich habe beschlossen, dass ich nicht mit dieser „Krankheit“ sterben will.

Als systemisches Problem mit Stress, Adrenalinüberschuss und Cortisolmangel betrifft es uns alle. Es gibt noch viele weitere Krankheiten, die dieser massive Stressinput auslösen kann. Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Aber bis eine Lösung präsentiert wird, dauert es lange. Sie wird von der Gesellschaft wahrscheinlich sowieso nicht akzeptiert, weil es bedeuten würde, dass wir auf große Teile unserer hart erarbeiteten(?) Unterhaltung verzichten müssten.

Dies ist auch die Quintessenz dieser Blogreihe: Wir sind nun selbst in der Verantwortung zu entscheiden, ob wir für flüchtige Zerstreuung und kurzlebige Unterhaltung unsere Gesundheit aufs Spiel setzen wollen. Das ist, was erwachsen bedeutet. Verantwortung für die eigene Psyche und Körper, übernehmen. Und auch mal auf das verzichten, was einem selbst und anderen nicht gut tut, egal wie viel Spaß es macht.

Bin ich es oder die anderen?

Autor:  aeryo

Eine bestimmte Krankheit habe ich seit 15 Jahren. Im nächsten (ausführlich recherchierten) Artikel über Digitale Demenz geht es um diese Krankheit. Einige werden sich ganz schön angepisst fühlen. XD Wahrscheinlich weil manche Leser von Blogs sich direkt angesprochen fühlen, obwohl es gar nicht die Intention des Autors ist. Ein ähnliches Phänomen habe ich heute an mir entdeckt.

Eines der Symptome ist der Ausfall der Zeitwahrnehmung. Ich wusste in dieser Woche nicht mehr, dass wir Ende November haben. Es ist nicht so, als würde ich Monate und Uhrzeiten verwechseln. Die Wahrnehmung dafür ist komplett abgeschaltet. Als fehlt die Information in meinem Gehirn. Ich weiß nur noch, dass ich diese Woche keinen Kontakt zu anderen Menschen hatte.

Heute war ich das erste Mal wieder draußen. Einkaufen. Im Laden dachte ich: Wieso sind die Leute so komisch drauf? Aber nicht die waren es, sondern ich! Meine Wahrnehmung, also ich, war durcheinander geraten. In der Woche verlor eine Menge Sinne. Auch die Empfindung dafür, wie Menschen sich heutzutage verhalten. Mir war der Sinn dafür abhanden gekommen, dass diese Menschen ihrem ganz alltäglichen Leben nachgehen. Und das nach nur einer Woche. Sofort fühlte ich mich an meine fünf Wochen bewussten Medienentzugs von 2012 erinnert. Danach war ich ja auch vom bloßen Bewegen des Mauscursors sofort überfordert, obwohl es für mich sonst normal war.

Mir kam daher in den Sinn: Was passiert, wenn jemand gar keinen persönlichen Kontakt mehr nach außen hat? Ich rede hier nicht von Schriftverkehr wie diesen Blog oder Messenger. Gemeint ist das Gespräch von Angesicht zu Angesicht oder mindestens die persönliche Anwesenheit zweier Personen. Entsteht dann ein latent vorhandenes Misstrauen gegenüber jedem Menschen? Schimpfen heutzutage so viele Leute über Nachbarn, Verwandte, Freunde sowie Fremde, weil sich der Mensch in der industrialisierten Welt immer mehr zurückzieht? Es ist sicher nicht der einzige Grund, jedoch scheint der Rückzug die skeptische Grundhaltung gegenüber den Mitmenschen zu verstärken.

Der Ansicht bin nicht nur ich, sondern auch viele Sozialpsychologen, wie die Einsamkeitsforscher an der University of Chicago John Cacioppo (†), Louise Hawkley und Jean Decety. Jedoch erlebe ich es jetzt am eigenen Leib. Genauer gesagt, verstehe ich es. Damals, zwischen 2010 und 2011 habe ich den kompletten Rückzug gelebt. Ich ging nicht mal mehr regelmäßig zum Einkaufen raus. Heute weiß ich, wie schrecklich es mir damit ging.

Inzwischen habe ich ein ganz neutrales Verhältnis zur Welt außerhalb meiner vier Wände. Ich gehe einkaufen, arbeiten, das übliche Blabla. Ich bleibe vom Naturell her weiter ein Eremit. Ich komme am Besten allein zurecht. Dennoch kann ich mich immer besser einfühlen, wie schädlich es ist, sich der Außenwelt zu verschließen. Das heißt nicht, dass ich mein abgeschiedenes Leben aufgeben muss.

Allein und zurückgezogen leben bedeutet nämlich nicht, den persönlichen Kontakt zu anderen Menschen unter allen Umständen zu meiden. Immer öfter merke ich, dass Schwarz und Weiß keine Gegensätze sein müssen. Selbst wenn man sich als Eremit einen langen Bart wachsen lässt, kann man immer noch Freude an und mit anderen Menschen haben.

Korrekturensohn, der - Teil II

Autor:  aeryo
Die Anwendung meiner Rechtschreibung basiert auf der letzten großen Reform 2006 bis 2017.
 
„Gibst du mir bitte das Trinken?“ Trinken ist ein substantiviertes Verb. Es beschreibt also den Akt des Trinkens. Es wird aber auch häufig als das Objekt missverstanden, auf denen sich das Verb anwendet. Man kann jedoch nicht das Trinken trinken. Denn wie will man auf eine Handlung die gleiche Handlung anwenden? Man würde auch nicht im Spaziergang spazieren gehen oder den Fernseher fernsehen. Für das Objekt gibt es also nur ein passendes Wort. Das, was ge-trunken werden kann, nennt sich Getränk. Man kann es stattdessen mit der Art des Getränks auch näher definieren, z.B. Saft, Bier, Wasser oder Urin. Für die allgemeine Beschreibung wird jedoch Getränk verwendet.
 
Das Wort „Trinken“ kommt einem vielleicht bei visueller Vorstellung des Akts des Trinkens leichter in den Sinn, statt das sprachlich sperrige „Getränk“. Deutsch ist eine sehr harte, kantige Sprache und manchmal versuchen selbst wir Deutschen sie weicher zu formen.
 

 
Zugegeben, diese Falschschreibung ist wie das, was sie beschreibt: Hässlich. Anders als die sozialen Gründe des „Trinkens“ führen hier  regionale Dialekte zu einer falschen Aussprache. Und frei nach dem Motto „Schreib‘ wie du es sprichst“, wandten viele die Falschaussprache in eine Falschschreibung um. Es wurden auch vergleichbare Fehler entdeckt: Freundlich wird zu freundlig oder gefährlich zu gefährlig.
 
 

 
Es gibt Menschen, die als einfältig und rückständig in der Gesellschaft gelten. Dafür hat sie einen Begriff entwickelt. Dieser stammt als Lehnbegriff aus dem Amerikanischen: Backwoodsman. Was hat der Wald (wood) damit zu tun?
 
Siedler beschrieben ihre Nachbarn hinter dem Alleghanygebirge als „die, die hinter dem Wald leben“. Richtig müsste es also so geschrieben werden: Hinterwäldler.
 
Wie diese Falschschreibung entstanden ist, weiß man nicht. Aber wie so oft scheint hier die Sprache ein Wörtchen mitzureden. Weltler klingt im Deutschen ähnlich wie Wäldler. Gerade in Regionen mit härterem Dialekt wird das D zu einem T umgewandelt.
 

 
Wenn etwas auf keinen Fall weniger als den niedrigsten Wert erreichen kann, dann verwendet man „mindestens“. Dem gleichgesetzt ist das Wort „zumindest“. Es hat exakt die gleiche Bedeutung. Wie in diesem Beispiel:
 
„Der Gewinn betrug dieses Quartal zumindest 34.000 Pokédollar.“
 
„Wir haben in diesem Quartal mindestens 34.000 Pokédollar Gewinn erzielt.“
 
„Zumindestens“ ist eine Vermischung beider Begriffe mit gleicher Bedeutung. Man sagt hier also etwas Doppeltes. Da etwas aber nur einmal den niedrigsten Wert erreichen kann, ist dieses Wort auch logisch nicht möglich. Solche Wortkreuzungen nennt man Kontamination und sind im deutschen Sprachgebrauch unzulässig, weil sie keinen Sinn ergeben.
 

Zeitgleich klingt zwar ähnlich, ersetzt aber in der Umgangssprache fälschlicherweise häufig gleichzeitig. Dabei haben beide Begriffe nichts miteinander zu tun.

Wenn zwei Dinge gleichzeitig geschehen, dann haben sie einen Schnittpunkt auf einer Zeitachse. Oder mehrere. Bleikugeln werden im selben Moment aus dem Fenster auf Menschen fallen gelassen. (Schnittpunkt ist hier auch der Startpunkt) Beide Kugeln treffen gleichzeitig Menschen. Galileo Galilei war ein heimtückisches Monster.

Zeitgleich hingegen funktioniert als Wort anders: Es beschreibt die Dauer zweier Ereignisse, aber nicht ihre Schnittpunkte in der Zeit. Lässt man die Bleikugeln zu unterschiedlichen Zeiten aus dem Fenster fallen, wird die Dauer ihres Falls trotzdem gleich bleiben. Zusammengefasst:

Gleichzeitig: Zwei Ereignisse überschneiden sich.
Zeitgleich: Zwei Ereignisse haben für das gleiche Ergebnis die gleiche Dauer.
 

Bisher ging es meist um Phonologie (Lehre von den Lauten), Semantik (Lehre des Wortinhalts) und Rechtschreibung. Demnächst wird auch der Syntax (Satzbau) hinzukommen. Mir berichteten einige von euch, dass sie Probleme mit "das und dass" haben oder wie man Apostrophe, Kommata und andere Satzzeichen setzt. Der Korrekturensohn hat schon einiges vorbereitet. Freut euch drauf. Und denkt dran: Am Ende schreiben wir eine Klausur. Oooooh jaaaa. Ich krieg voll den Ständer, wenn ich daran denke, meine Schüler zu quälen. (Mein Gott, das klingt total falsch. XD)

Digitale Demenz - Teil 6

Autor:  aeryo

Ich bin rückfällig. Zusammen mit einem Videospiel kehrte meine mediale Verwirrung zurück. Im Hintergrund lief ständig Youtube auf dem Fernseher, auf der Switch das Spiel. Darum geht es in diesem Artikel um den ersten Schritt, wie man das eigene Gehirn zurückerobert. Denn unser Bewusstsein gehört uns nicht mehr, wenn wir es von außen beeinflussen lassen. In diesem Fall das Medium. Weiter behandle ich die Erfahrungen, die man macht, wenn man sich das erste Mal bewusst beim Medienkonsum wahrnimmt.

Es kann passieren, dass uns auffällt, dass mit unserem Medienkonsum etwas nicht stimmt. Beispielsweise durch einen Schaden an uns, unseren Fähigkeiten, unserem Umfeld und unserem Alltag. Dann gilt vor allem eins: Wir müssen uns klar machen, dass wir ein Problem haben und es nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Wissen und Verständnis sind zwei unterschiedliche Dinge. Nur weil wir wissen, dass wir zu häufig auf Youtube, Netflix und Pornhub sind, heißt das nicht, dass wir verstehen, dass wir uns selbst schaden. Die Beobachtung unseres Konsumverhaltens, ist in der heutigen Zeit schwer. Genau die Medien nehmen uns die Beobachtung ab, deren Konsum wir eigentlich beobachten wollen.

Es ist jedoch wichtig, Medien nicht zu verteufeln. Man kann sie auch nutzen. Das ist der Unterschied zwischen Konsument und Produzent. Auch ein Produzent konsumiert, lässt aber daraus Neues entstehen. Und sei es nur ein persönlicher Mehrwert, der das Leben aufwertet. So wie diesen Blog. #Eigenlobstinktistaberlecker

Für allen möglichen Scheiß fragen wir Google oder Youtube. Für die ständige Zerstreuung schalten wir den Fernseher, Musik oder die nächste Folge unserer Lieblingsserie ein. Da(!) gilt es zunächst hinzuschauen. Nur beobachten, was wir in diesem Moment tun. In welchem Modus wir uns dabei befinden. Psychologische Grundsuche kann man später machen. Erst auf dem bewussten Erleben lässt sich ein Training zur Steigerung der geistigen Fähigkeiten aufbauen.

Was erkenne ich, wenn ich mich selbst beim Konsum beobachte?

Die folgenden Punkte sind Auffälligkeiten, die ich an mir selbst bemerkt habe, sobald ich begann, mich beim Spielen oder Schauen von Videos bewusst wahrzunehmen.

Zeit:                                                                           

Das dürfte jedem bekannt sein: Man sitzt für ein paar Minuten am Videospiel und plötzlich ist es draußen dunkel. Die Zeit verging so schnell. Denn unser Gehirn arbeitet beschleunigt, wenn es ständig Adrenalin und Dopamin ausgesetzt wird. (Vorsicht: Nicht durch Zufriedenheit bedingtes Serotonin ist der Auslöser für beschleunigtes Zeiterleben, sondern das daraus folgende Dopamin!) An mir fiel mir auf, dass ganze Tage ins Land strichen. Das, was ich mir fest vorgenommen habe, schob ich hinaus. Und weil am Abend dann nur noch eine halbe Stunde bis zu meiner üblichen Bettzeit verblieb, füllte ich sie mit belanglosem Quatsch auf Youtube. Denn ich sah keinen Sinn darin, mich in der letzten halben Stunde für etwas für mich Wertvolles zu beschäftigen. Das sind übrigens erste Anzeichen für eine Sucht. Solltet ihr dieses Phänomen an euch bemerken, empfehle ich euch, mehr und bewusster auf euch zu achten. Damit ist nicht zu spaßen. Bei Bedarfsfall wendet euch bitte an eine Suchtberatungsstelle. Nicht jeder ist so ein cooler Shaolin wie ich und kann sich selbst besiegen. XD

Aufmerksamkeit:

Wie schon im ersten Teil beschrieben, war die Initialzündung für diese Reihe die schwache Konzentration als ein wesentliches Merkmal für digitale Demenz. Wenn ich mich bewusst beobachte, dann erkenne ich Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Selbst in den Zustand der Beobachtung zu gelangen, gestaltet sich dann mühsam. Besonders nach längerem Konsum von ständig wechselnden Medien wie Youtube, viele Folgen einer Serie, verschiedene Songs, repetitive aber ähnliche Aufgaben in Videospielen. Je länger die Verwendung und je häufiger die wechselnden Medien auch zwischen den Geräten, desto stärker der Effekt. Selbst während des Konsums suchte ich dann ständig nach Abwechslung. Ich brach Videos und Musik mittendrin ab. Ein Spiel konnte ich nicht länger als ein paar Minuten spielen, weil meine Aufmerksamkeit schon wieder auf ein zukünftiges Ereignis in einem Medium gerichtet war. Es ist, als müsse man mehrere Pornos nebeneinander laufen lassen und selbst das wäre dann nicht genug.

Nach dem Konsum dauerte es eine gewisse Zeit, bis mein Maß an Konzentration auf ein gebräuchliches Niveau stieg. Mehrere Stunden nach einem monotonen Videospiel konnte ich keinen längeren Artikel ohne Unterbrechung schreiben. Ich musste sogar neben dem Malen Musik hören, damit meine Konzentration abnehmen konnte. Doch die Leistung blieb dabei auf der Strecke. Der Fokus auf eine Sache wurde immer wieder unterbrochen durch ein zweites, drittes und viertes Medium. (Musik, Fernsehen, Videospiel – in dieser Reihenfolge)

Gedächtnisleistung:

Vielleicht kennt ihr das. Euch fällt ein Wort nicht ein, obwohl es euch auf der Zunge liegt. Also schnell zum Smartphone gegriffen und nach Synonymen und Beschreibungen gegoogelt.

Wir lagern mit dieser Methode unsere Gedächtnisabfrage aus. (Der Hirnforscher Manfred Spitzer wurde für diese Äußerung oft kritisiert.) Die kognitive und mnemische (gedächtnisbezogene) Leistung nimmt ab, je länger und häufiger diese Abfrage auf einem Smartphone, statt in einer Fleischbirne stattfindet. Gerade mein sonst sehr starkes Kurzzeitgedächtnis, das mich bei den Mädels attraktiv machte, ließ schon vor einiger Zeit stark nach.

Und: Je mehr Informationen ich konsumierte, aber nicht produktiv umwandelte, desto mehr verlor ich die Erinnerung daran, was ich konsumiert habe. Die Informationsumwandlung in Reaktion und Handlung ermöglicht erst die Neuroplastizität.

Nennt man auch „Lernen“. Es hätte ein Buch, ein Song, ein Game oder ein Porno sein können. Ich wusste es nicht mehr. Selbst faszinierende Informationen, die meine Persönlichkeit entwickelt hätten, verloren ihre Wirkung. Irgendwann verstand ich selbst einfache Techniken nicht mehr, wie zum Beispiel wie man Penisse und Brüste malt. Die Grundlagen waren zwar vorhanden, aber ich hatte keinen Zugriff mehr darauf. Mein Gedächtnis war von zu vielen Informationen so verstopft, wie mein Darm nach Mamas Hackbraten.

Körper:

Manchmal erinnert mich mein eigener Körper daran, mich bewusst selbst wahrzunehmen. Durch eine Erektion, durch Hunger oder den einfachen Gang zur Toilette. Dann beobachtete ich mich, was ich da eigentlich tue. Und wie mein sonstiger Körper darauf reagiert. Insbesondere fällt dabei die Verspannung in meinen Muskeln auf. Die Schultern, der Hals und das Gesicht sind besonders betroffen. Bei anderen Menschen können es auch weitere Körperteile sein. Das führt so weit, dass mein Körper anscheinend psychosomatisch die Beschwerden steigert, bis ich mit meinem Verhalten aufhöre.

Es gibt tatsächlich Videospiele, bei denen ich mehr verkrampfe als bei anderen. Insbesondere solche, wo man in kurzer Folge viele Gegner mit größtmöglicher Effizienz besiegen muss. Beispiele: Diablo II, Path of Exile, Guild Wars oder diverse Online-Shooter. Bei diesen Medien verkrampft sich mein Hals so sehr, dass er richtig hart wird. Kann man auch mit den Händen fühlen. Anders als andere harte Körperteile, macht ein solcher Hals keine Freude. Besonders, wenn der Körper sich mit einer häufigen Mandelentzündung noch stärker bemerkbar macht. Die Ärzte konnten keine Bakterien, Viren oder Pilze als Ursache finden. Es steigerte sich so extrem, dass ich die Mandelentzündung alle zwei Wochen mit bis zu 41°C Fieber hatte. Trotzdem spielte ich während der Krankschreibung weiter fröhlich Guild Wars und wunderte mich, warum ich krank wurde.

Eine andere körperliche Auswirkung hat der Medienkonsum auf meine Sehschärfe. In der Regel kann ich äußerst scharf und kontrastreich sehen. Ich erkenne die Federn von Vögeln auf einem Kilometer Entfernung. Ja, das meine ich ernst. Aber nicht, wenn ich ständig Youtube oder ein Videospiel konsumiere. Warum? Die Linsen steuern nicht die Schärfe, sondern es sind die den Augapfel umgebene Muskeln, die das Auge strecken oder stauchen. Und je unbewusster und häufiger wir ein visuelles Medium konsumieren, desto mehr verkrampfen auch diese Muskeln. Vor allem, wenn wir den Blick nicht vom Bildschirm abwenden sind Kopfschmerzen und akute Sehstörungen Folgen. Damals, beim Nintendo 3DS sah ich nach dem stundenlangen Spielen sogar ständig Scanlines in meinem Sichtfeld. Sogar mein Gehirn hatte sich dieser Sicht also angepasst.

Es gibt noch weitere körperliche Symptome, die einen zu massiven Medienkonsum angezeigt haben. Da viele Menschen Psychosomatik aber noch als Fantasterei abtun, sollen meine ständigen Hautausschläge und Haarausfall nicht das Thema sein.

Was soll dieser Artikel?

Zum Glück fällt mir immer häufiger auf, was ich tue, während ich es tue. Nicht nur mein Körper als Ausstülpung meiner Psyche reagiert auf den ständigen, massiven Input. Auch mein Bewusstsein scheint sich zu trainieren, um sich immer mehr selbst wahrzunehmen. Es ist irre, zu was wir Menschen in der Lage sind. Wir können so viel machen, so viel erschaffen, aber viele zerstören sich selbst, indem sie ihr bewusstes Denken nach und nach abschalten. Heute gilt man als Exzentriker, wenn man diese dem Menschen ureigene Fähigkeit trainiert. Als Spinner oder Esoteriker wird man manchmal beschimpft, der den Boden unter den Füßen verloren hat. Aber mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen macht unflexibel. Man wird seinen Standpunkt nicht ändern, wenn man nur auf der bekannten Basis fußt. Es wird Zeit, dass der Mensch erkennt, dass sein jetziger Verbrauch nicht nur sich selbst schadet. Immer mehr Menschen erkennen ihre eigene Abhängigkeit von social media, Videospielen, Chats usw.

Digitale Medien sind nicht per se schlecht. Gut und Böse gibt es in dem Fall nicht. Es kommt immer darauf an, was man aus ihnen macht. Ob man sich nur berieseln lässt, immer mehr verschlingt und krank wird. Oder ob man, wie bei einem guten Sachbuch im Studium, den Konsum des Mediums in etwas Neues, Schönes und Großes verwandelt.

Korrekturensohn, der - Teil 1

Autor:  aeryo

Boah, ich kann dermaßen nerven mit meiner Besserwisserei! Und um das auf die Spitze zu treiben, liebe ich es, den Sprach- und Schriftgebrauch meiner Mitmenschen auf die Richtigkeit zu analysieren. Auch hier auf Animexx sehe ich viel verwendete Fehler, bei denen meine durchlauchte Literatenseele zusammenzuckt. ;D Trotzdem erwische ich mich selbst gelegentlich dabei, Fehler zu machen. Asche über mein Haupt.

Ich werde bei diesen Posts auf alle Rechtschreibreformen seit 1876 bis 2017 achten. Die Anwendung meiner Rechtschreibung basiert auf der letzten großen Reform 2006 bis 2017.


Der weit verbreitete und für mich persönlich schrecklichste Fehler im deutschen Sprachraum ist die Verwechslung von "als" und "wie". Wie in diesem Beispiel soll ein Vergleich ausgedrückt werden.

  • Falsch: "Der Mann hat weniger Haare wie die Frau."
  • Richtig: "Der Mann hat weniger Haare als die Frau."

Im falschen Satz würde das "wie" bedeuten, dass etwas gleich ist. Beide Personen haben gleich viele bzw. wenige Haare. Das Adjektiv wenig zeigt  haben Mann wie Frau wenig Haare. Vergleichende Adjektive sind immer gleich, darum wird "wie" verwendet. Ein "-er" nach dem wenig ist nicht möglich, außer man bezieht sich bei der Aussage noch auf eine dritte Person, mit der man die Anzahl der Haare erneut vergleichen müsste. Ungefähr so: "Der Mann hat genauso wenig Haare wie die Frau. Also weniger als der Durchschnitt."

Hat der Mann aber tatsächlich weniger Haare als die Frau ist das Verhältnis ungleich. Das nennt man Komperativ. Im Deutschen wird nach einem Komperativ immer "als" verwendet. Ein Komperativ wird immer aus dem Adjektiv (wenig) und "-er" gebildet.

Kurz gesagt: Ist etwas anders als beim Zielobjekt, verwendet man "als". Sind zwei Dinge gleich, verwendet man "wie". Wie dieser Fehler in der deutschen Sprache entstand, ist unbekannt. Er ist uralt. Sogar Goethe hatte ihn in Faust gemacht: "Da steh' ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor." Er verwendete hier ein gleiches und ungleiches Verhältnis gemeinsam. Das ist logisch nicht möglich, da etwas nicht gleich und ebenso mehr oder weniger sein kann.


Erstmals fand man das Wort "einzigst" in relativ modernen Zeitschriften, später in Büchern der Belletristik. Seitdem kam dieser Fehler immer mehr Einzug in der Umgangssprache vor. Dieses abnorm geartete Adverb sollte damals ausdrücken, dass etwas noch seltener als einzigartig ist.

Jedoch ist "einzigartig" bzw. "einzig" bereits die höchste Form der Seltenheit. Etwas, das einzigartig ist, gibt es nur einmal. Wie in diesen Beispielsätzen:

  • "Er ist der Einzige, der diesen Berg erklommen hat." - Niemand sonst betrat die Spitze des Berges.
  • "Es ist das einzige Mal, dass diese Blume blüht." - Die Blume blüht nur einmal in ihrem Leben.
  • "Das ist die einzige Möglichkeit, den Zug rechtzeitig zu erreichen." - Man kann den Zug nur in dem angezeigten Moment erreichen.

Eine gesteigerte Form ist bei all den Sätzen nicht möglich. Die Blume kann nicht mehrmals blühen, wenn es ihr nicht möglich ist. Der Zug ist nicht mehrmals zu erreichen. In der modernen Sprache verwechseln aber mittlerweile viele "einzig" mit "einzigst". Vermutlich ist es auf regionale Unterschiede der Sprache zurückzuführen. Auch hat das falsche Wort "einzigste" mehr Schwung in der Aussprache, während "einzig" wie abgeschnitten wirkt. Dennoch ist nur Letztes richtig.

Auch dieses Wort oder ähnliche Wörter, werden zu einem Superlativ ihrer Selbst gemacht. "Letzteres" kann nicht existieren, da das Letzte bereits das absolut abschließende Etwas ist. Würde etwas anderes zuletzt sein, wäre es nicht das Letzte. Ähnliche Fehler werden bei "optimal", "maximal", "minimal", "möglich" oder "falsch" gemacht. Das Optimale ist schon die bestmögliche Variante.


Gefällt euch diese Serie? Dann führe ich sie gern fort. Ich habe Hunderte von Fehler in Grammatik, Rechtschreibung und Aussprache gesammelt. Die wichtigsten möchte ich gern mit euch teilen. Gerade auf Animexx, wo es viel um das Schreiben geht, eignet sich eine Richtigstellung dieser häufig verwendeten Fehler.

Digitale Demenz - Teil 5

Autor:  aeryo

Langsam geht's schneller

Diesen Satz habe ich das erste Mal im Bio-SciFi-Horrorfilm "Life" gehört, jedoch bin ich mir sehr sicher, dass das Zitat von einem östlichen Geistlichen stammt.

Unsere von Medien geprägte Welt ist so schnelllebig, dass die Evolution nicht hinterher kommt. Schnelle Schnitte in den Filmen, keine Pause in Bildern und Musik zum Verweilen. Das menschliche Gehirn ist nicht für permanenten Input ausgelegt, der einer ständigen Veränderung unterliegt. Unsere Körper sind eben doch keine Maschinen.

Wer lernt, sein Leben zur Ruhe zu bringen, Pausen konsequent zu fühlen, den wird das Verhalten seiner eher hektischen Mitmenschen stören. Früher war ich auch so. Hektisch. Bisweilen heute noch.

Ständig wollte ich alles auf einmal erledigt haben. Ich ließ mir keine Möglichkeit zur Erholung und zur Pause - was, wie wir sehen werden, zwei unterschiedliche Dinge sind. Einerseits beeinflusst von meinen Menschen musste ich andauernd etwas tun. Ich hinterfragte alles auf seine Richtigkeit und war genervt, wenn etwas nicht sofort passierte. Auf der anderen Seite machten die Medien, die ich persönlich konsumierte, eine hektische Weise aus. In Quantität: Musik lief bei mir andauernd. Aber hingehört habe ich nie so wirklich. In Qualität: In Videospielen und Filmen waren Abläufe plötzlich, abgehackt und es war nicht möglich, über die abrupten Geschehnisse nachzudenken.

Beschleunigung macht uns langsam

Besonders auffällig scheint die rekursive Selbstwahrnehmung über andere Personen zu sein. Ich beobachte Menschen sehr gern, um auch Rückschlüsse auf mein Verhalten zu ziehen. Was mir besonders stark dabei auffällt: Je hektischer ein Mensch sein aktuelle Handlung vollziehen will, desto mehr Fehler macht er. Und daraus entstehen kaskadenartig weitere Fehler. An mir stelle ich es so fest: Obwohl ich bereits den Fahrfehler im Auto und das damit verbundene Grübeln überwunden haben müsste, beschäftige ich mich unbewusst weiterhin damit. Ein Fehler folgt dem nächsten, bis ich mich beruhigt habe und erkenne, dass ich mir Zeit lassen kann.

Denn warum eilen wir eigentlich? Welchen Zweck verfolgen wir damit, außer uns und unsere Umwelt in den Wahnsinn zu treiben? Und wieso eilen wir durch die Medien? Wozu gibt es überhaupt Speedruns auf Youtube? Wieso wollen wir eine Folge unserer Lieblingsserie nach der anderen schauen und  verdauen nicht erstmal das bisherige Erleben?

Missverständnis von Pause und Erholung

Der Mensch braucht Pausen. Unser Gehirn gestaltet sich ständig um. Gelerntes wird in Träumen reaktiviert um eine Rückkopplungsschleife zu erzeugen. Wir träumen symbolisch, was sich in unserem Leben verändert. (Wir verarbeiten nicht, was wir am Tag erlebt haben.) Und damit das Gehirn diesen Zustand einleiten kann, benötigt es Pausen von der entsprechenden Aktivität, wie der Kunst, Sport, ein Gespräch oder der Lieblingsmanga. Und diese Pause muss nicht unbedingt eine erholende, entspannende Aktivität sein. Erholung ist sogar nicht immer die beste Option. Erstaunlicherweise kann selbst konzentriertes Arbeiten für das Gehirn eine willkommene Pause von einer Serie bieten, um so einer Überlastung vorzubeugen.

In der ersten theoretischen Stunde der Fahrschule lernte ich, dass man bei Erschöpfung anhalten und an die frische Luft gehen soll. Pause. Durchatmen. Luft. Ein- und Ausatmen. Wieso also hetzen Menschen durch Einkaufsläden, durch die Straßen, durch Streamingdienste, durch Videospiele? Warum wollen sie möglichst viel auf einmal erleben? Es ist die Furcht des Verpassens. Es mag hanebüchen klingen, wenn ich Yoda zitiere, doch ist nicht abzustreiten, dass etwas Wahres daran ist, dass Furcht zu Wut, Wut zu Hass und Hass zu unsäglichem Leid führt. Vielleicht sollte man Wut und Hass auch als dringende, nötigende, eilende Lebensweise verstehen. Nicht zuletzt aber werden viele Menschen wütend, wenn ihnen in der Hektik Fehler passieren.

Langsam aber achten wir auf das, was wir tun. Unsere Konzentration wird fokussiert. Wir werden nicht vorsichtiger, dafür aber situationsorientiert. Wenn etwas Unvorhersehbares geschieht, können wir im langsamen Modus aktiv reagieren. Die Erwartungshaltung wird an Qualitätssicherung ausgerichtet, nicht nach zahlenmäßigen Output. Oder um meine Mutter zu zitieren: "Ganz egal, wie schnell die anderen Autos uns jetzt überholen, an der nächsten Ampel stehen wir eh wieder alle zusammen." Und so gut wie immer trifft diese Aussage tatsächlich zu. Wir müssen nicht eilen. Wir müssen nur sein. Uns selbst geschehen lassen.