Thread: Wann ist ein Charakter wirklich OOC?
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Eröffnet am: 18.06.2025 16:42 Letzte Reaktion: 15.04.2026 16:55 Beiträge: 4 Status: Offen |
Unterforen: - Fanfic-Fragen |
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| Verfasser | Betreff | Datum | |||
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Cyrene |
Wann ist ein Charakter wirklic... | 18.06.2025, 16:42 | |||
| Nekoma | Wann ist ein Charakter wirklic... | 25.07.2025, 12:32 | |||
Hypsilon |
Wann ist ein Charakter wirklic... | 07.09.2025, 08:47 | |||
Cyrene |
Wann ist ein Charakter wirklic... | 15.04.2026, 16:55 | |||
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| Hallo. Ich habe jetzt schon ein paar Fanfictions zu unterschiedlichen Themen geschrieben und mich immer mal wieder gefragt: Wann ist ein Charakter tatsächlich OOC (out of Character)? Meine Überlegung war, dass das gar nicht so einfach zu bestimmen ist, denn 1. wenn der Charakter vollkommen alleine oder in Gesellschaft von sehe nahe stehenden Personen ist, kann es sein, dass er sich vollkommen anders verhält, als normalerweise üblich 2. unter Alkohol oder Drogen Einfluss benimmt sich ein Charakter tendenziell auch anders als gewohnt 3. Die Gedanken sind frei, die Gedanken und Handlungen eines Charakteres müssen nicht zwingend übereinstimmen In diesen drei Fällen würde ich nicht von OOC sprechen, außer die Vorlage für die Fanfiction gibt ganz klar vor 1. Wie die Person privat ist 2. Wie sie sich gegenüber vertrauten verhält 3. Wie sie sich betrunken,... verhält 4. Was sie im Normalfall so denkt Da man diese Dinge aber bei den meisten Vorlagen für Fanfictions, seien es Animes, Mangas, (Real) filme/-Serien oder Bücher von dem Charakter nicht erfährt, bzw. meist nur einen ganz kleinen Teil seiner Persönlichkeit kennen lernt, ihn nur in ganz bestimmten Situationen sieht oder über ihn liest, komme ich zu folgendem Schluss. Solange es plausibel ist, ist es nicht unbedingt gleich OOC einen Charakter "untypisch" handeln zu lassen. Ich würde mich freuen, wenn jetzt hier eine kleine Diskussion beginnen würde, denn ich finde das Thema spannend, vor allem deshalb, weil es immer noch so viele neue Fanfictions zu unterschiedlichen Themen gibt und man sich deshalb durchaus da rüber mal Gedanken machen kann. Viel Spaß mit diesem Thema, bin auf eure Antworten gespannt. |
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| Hey. Die Frage nach Out of Character wirkt auf den ersten Blick so simpel, beinahe mechanisch, und doch entfaltet sie, wenn man sich ihr achtsam nähert, ein ganzes Spektrum an Grautönen. Denn was ist ein Charakter, wenn nicht eine Chiffre für Widerspruch? Für Wandel, für Kontext, für Verletzbarkein. Ein Mensch – fiktional oder real – ist selten kohärent. Und doch erwarten wir von Figuren in Geschichten, dass sie es sind. Vielleicht, weil wir selbst es selten sein können, und die Literatur uns deshalb verlässlichere Identitäten verspricht. Du hast es schön aufgeschüsselt: Nähe, Rausch, innere Gedanken – all diese Räume sind Möglichkeitsräume. Sie öffnen Türen, durch die Figuren sich verwandeln dürfen, ohne sich selbst zu verlieren. Ich würde sogar sagen: Ein Charakter, der unter veränderten Umständen immer gleich reagiert, ist letzlich flacher als einer, der temporär aus dem Muster fällt – sofern es, wie du treffend bemerkt hast, plausibel bleibt. Plausibilität ist dabei vielleicht die eigentliche Grenze, nicht die bloße Textvorlage. Und Plausibilität setzt Vertrauen in die Intuition der Autorin oder des Autors voraus. Es verlangt ein Gespür dafür, was in dieser Fugur mitschwingt, auch wenn es im Original nie ausgesprochen wurde. Manche Facetten leben im Subtext, im Ungesagtem, im Blick zwischen zwei Panels. Und genau da beginnt für mich das Schreiben – im Zwischenraum des Canons. Letzlich glaube ich: Das, was oft als "OoC" kritisiert wird, ist nicht selten nur eine Einladung zum Perspektivwechsel. Vielleicht sogar ein Ausdruck der Hoffnung, dass eine Figur mehr sein darf als das, was sie im Original zu sein schien. Fazit, in klareren Worten: Ein Charakter ist nicht automatisch Out of Character, nur weil er sich anders verhält als in der Vorlage – solange sein Verhalten nachvollziehbar bleibt. Menschen zeigen sich je nach Situation, Nähe, innerem Zustand oder emotionalem Druck anders. Das gilt auch für Figuren. Wenn eine Geschichte gute Gründe liefert, warum eine Figur so handelt, wie sie es tut, und dieses Verhalten sich aus ihrer Persönlichkeit ableiten lässt – selbst wenn es ungewohnt ist –, dann ist das keine Schwäche, sondern eine kreative Erweiterung. Kurz gesagt: Nicht jeder Bruch ist ein Fehler. Manchmal ist er genau das, was eine Figur tiefer, menschlicher und glaubwürdiger macht. ;D Ich wollte nur einen Oneshot schreiben. Jetzt sitze ich hier mit drei Bänden und zu viel Kaffee. |
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| Zuletzt geändert: 25.07.2025 12:33:46 | |||||||
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| Hi^^ also ich finde ja, dass so ein OOC-Bruch manchmal auch recht spannend sein kann. Wie kommt es dazu? Das Thema der Plausibilität bleibt natürlich, es sollte schon irgendwo Sinn machen und es gibt ja auch so ne feine Sache, die sich "Character Development" nennt. Was macht der Charakter durch, ehe er so "OOC" handelt. Ist es dann wirklich OOC oder der natürliche Lauf der Entwicklung? Wenn diese Entwicklung plausibel ge- und beschrieben ist, finde ich den Mut zum OOC toll, wenn es einfach so passiert, dann fehlt mir etwas. Es sollte schon irgendwie nachvollziehbar sein. Bsp.: Wenn ein grundsätzlich zurückgezogener Charakter, der scheu jeglicher physischer und sozialer Anstrengung/Interaktion ist, dann ist es für mich vorerst schwer zu fühlen, wie dieser Charakter mit einer Big Gesture in der Öffentlichkeit ankommt. Wenn das aber alles durch Verzweiflung oder Überzeugung, weil er das erste Mal so fühlt, als wäre es das wirklich Richtige, rübergebracht wird, dann fällt das für mich unter Character Development - sofern die Beweggründe zu dem Charakter passen (auch da könnte man aufbauen). Klasse Diskussionsthema! Da kann man sich ja den Mund fusselig reden hihi Wer das Unsichtbare sieht, kann Bäume singen hören. |
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Hypsilon:> Hi^^ > > also ich finde ja, dass so ein OOC-Bruch manchmal auch recht spannend sein kann. Wie kommt es dazu? > Das Thema der Plausibilität bleibt natürlich, es sollte schon irgendwo Sinn machen und es gibt ja auch so ne feine Sache, die sich "Character Development" nennt. Was macht der Charakter durch, ehe er so "OOC" handelt. Ist es dann wirklich OOC oder der natürliche Lauf der Entwicklung? > > Wenn diese Entwicklung plausibel ge- und beschrieben ist, finde ich den Mut zum OOC toll, wenn es einfach so passiert, dann fehlt mir etwas. Es sollte schon irgendwie nachvollziehbar sein. > > Bsp.: Wenn ein grundsätzlich zurückgezogener Charakter, der scheu jeglicher physischer und sozialer Anstrengung/Interaktion ist, dann ist es für mich vorerst schwer zu fühlen, wie dieser Charakter mit einer Big Gesture in der Öffentlichkeit ankommt. Wenn das aber alles durch Verzweiflung oder Überzeugung, weil er das erste Mal so fühlt, als wäre es das wirklich Richtige, rübergebracht wird, dann fällt das für mich unter Character Development - sofern die Beweggründe zu dem Charakter passen (auch da könnte man aufbauen). > > Klasse Diskussionsthema! Da kann man sich ja den Mund fusselig reden hihi Hallo. Aus irgendeinem Grund wurden mir deine tollen Antworten hier nicht bei Presstart angezeigt, was sehr schade ist, denn so könnte ich sie erst jetzt zufällig entdecken. Vielen Dank für dein ausführliches Feedback, finde es toll, dass wir da offenbar ähnlicher Meinung sind. Ja, OoC ist nicht gleich CD und was plausibel, gut begründet/hergeleitet ist, fällt eher unter Zweiteres. Da gebe ich dir vollkommen Recht, wer OoC schimpft ist vielleicht nicht bereit oder in der Lage dazu, über das Bild, dass der Charakter im Original zeigt hinaus zu denken, was eigentlich schade ist, denn oft sind diese Charaktere vom Original Autor bewusst eindimensional gestaltet, da es sich häufig um Randfiguren handelt, die für oder gegen den Protagonisten/Antagonist en erschaffen werden. Aber trotzdem fällt dem aufmerksamen Leser/Zuschauer doch immer wieder auf, dass auch über diese Sidecharaktere Infos in der Original Geschichte gestreut werden, die zusammen mit seinem eindimensionalen Auftritt ein doch recht ausführliches dreidimensionales Bild zeichen können, vorausgesetzt man ist offen dafür, die Aufmerksamkeit eine kurze Weile vom Hauptcharakter zu lösen. Alles sehr spannend und etwas, dass ich in einigen meiner Fanfictions bescheiden gesagt zur Perfection geführt habe. Seto Kaiba und Jonouchi Katsuya, Sessomaru und Rin, Tatewaki Kuno, Sanji Vinsmoke und Lorenor Zorro. Alles eigentlich Nebencharaktere, denn man weiß, es geht eigentlich um Yugi Muto, Inuyasha und Kagome, Ranma Saotome oder eher Akane Tendo und Monkey D. Luffy, aber uninteressant sind diese "Nebencharaktere" deshalb trotzdem nicht, ganz im Gegenteil, ohne sie könnten die Hauptcharaktere nicht glänzen, sich nicht weiter entwickeln, nicht über sich hinaus wachsen und genau deshalb verdienen sie, das ein Fanfiction Autor wie ich zum Beispiel ihnen eine eigene Bühne, eine eigene Stimme verleiht. Zumindest sehe ich das so. Sind sie in diesem Moment OoC? Ganz und gar nicht, sie bekommen nur den Raum, den sie im Stille schon immer verdient haben. Vielen Dank für diesen tollen Austausch und zum Glück habe ich ihn letztlich, besser spät als nie, doch noch entdeckt. Lieben Gruß Cyrene Schreiben heißt für mich, Welten zu erschaffen – oder in fremde einzutauchen, diese und ihre Figuren wirklich zu verstehen und dabei jedes Mal selbst ein Stück zu wachsen. |



