@abgemeldet:
Erstmal: Keine Sorge. ;) Ich denke, diese Diskussion befindet sich auf einem ganz normalen und doch recht sachlichen Niveau. Ich verstehe schon, dass du nicht jedesmal „Ich denke/Ich meine“ davorschreiben willst, aber wenn du es jetzt nochmal explizit gesagt hast, ist das noch besser – man sollte sich da lieber verständigen, bevor hanebüchene Missverständnisse entstehen.
Ich für meinen Teil fühle mich nicht geärgert. :)
Zuerst einmal zu den beiden Agnostizismus-‚Typen‘:
Ich stimme dir zu, es gibt diese Arten von Agnostikern sicherlich – aber nicht nur diese beiden, sondern noch unzählige andere. Oder ‚Mischformen‘. Zum Beispiel den, der Gott nicht erklären will, weil er meint, das würde den menschlichen Geist übersteigen oder überfordern.
So starr in zwei Typen trennen würde ich das jedenfalls nicht.
Zum 50/50-Agnostiker, wie du ihn nennst, kann ich nichts Konkretes sagen – einfach, weil ich nicht so denke, und weil es mir widerstrebt, so zu argumentieren. Das ist einfach nicht meine Denkweise. Zuviel Schema, zuviel Genauigkeit. Zuviel Wahrscheinlichkeit und zu wenig Möglichkeit, wenn du so willst.
Für mich ist diese Art zu Denken einfach zu … einfach, und hält zu wenig Möglichkeiten und Wege offen.
Jetzt zur Logik:
Meiner Meinung nach ist Logik tatsächlich subjektiv. Ich glaube, dass alle Gesetze, die der Mensch [synonym verwendet für ‚die Menschheit‘] aufgestellt hat, seiner Art zu denken entsprechen, sodass sie für den Menschen nachvollziehbar sind. Wir haben Gesetze aufgestellt – ob nun Naturgesetze oder Mathematik oder auch nur Sprache – die für uns nun allgemeine Gültigkeit haben und die wir nicht in Zweifel ziehen – obwohl sie einfach existieren, weil wir Menschen sie so definiert haben.
Das heißt nicht, dass diese Gesetze nicht existent sind. Beispiel Schwerkraft: Die existiert, das ist empirisch beweisbar. Aber erst der Mensch hat sie „Schwerkraft“ genannt, erst der Mensch hat ein Gesetz aufgestellt – und dann haben wir da noch das Problem der empirischen Beweisbarkeit. Die ist auch nur gültig, wenn wir von Menschen gemachten Strukturen, Systemen und Gesetzen folgen.
Logik untersucht Argumente hinsichtlich ihrer Struktur. Sind die Argumente für den Menschen schlüssig, rational und nachvollziehbar, so sind sie logisch. Wenn sie nicht nachvollziehbar sind, sind sie unlogisch. Aber hier scheitern wir an unserem ‚beschränkten‘ Verstand, an unserer Subjektivität. Subjektiv betrachtet sind diese logischen Argumente logisch, weil WIR sie verstehen und weil WIR ihnen diese Logik sozusagen ‚aufdrücken‘.
Objektive Logik gibt es nicht, einfach, weil vollkommene Objektivität unmöglich ist. Und deshalb halte ich es für den falschen Ansatz, Gott mit unserer nicht objektiven, sondern subjektiven Logik beweisen zu wollen – denn WENN es einen Gott gibt (falls), den man beweisen können soll, dann entzieht er sich meiner Meinung nach der subjektiven Logik und ist eventuell nur objektiv beweisbar, was aber dem Menschen nicht möglich ist.
Puh, ich hoffe, es ist in etwa ersichtlich, was ich meine. :)
Das heißt: Ja, ich stelle Logik grundsätzlich in Frage. Aber versteh mich nicht falsch: Das bedeutet nicht, dass ich mich jetzt weigere, Mathematik zu lernen, oder an Naturgesetze zu glauben. Es heißt auch nicht, dass mein Alltag deshalb eingeschränkt ist [Im Alltag bin ich Ignostikerin ;)]Es bedeutet einfach, dass ich [in einer philosophischen Diskussion wieder dieser] ersteinmal GRUNDSÄTZLICH Derartiges in Zweifel ziehe, weil ich der Meinung bin, dass der menschliche Verstand nunmal beschränkt ist. Und dass wir Menschen oft blindlings solchen aufgestellten Gesetzmäßigkeiten folgen, ohne sie auch nur einmal zu hinterfragen.
Ja, man kann sagen, ich bin ein bisschen nihilistisch. ;)
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