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Nur ein Spiel

von

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Alte Feinde

So kampfbereit wie noch nie bäumte sich der Heroe auf, hier vor der Pforte in eine gespenstische Dimension und ahnte nicht, wie hell sein Lebenslicht in gerade jenem Moment leuchtete, jenem bedeutungsvollen Moment, wo er nichts anderes tat als seine Bestimmung als der Träger göttlichen Mutes zu erfüllen. Er wartete zielsicher, ließ die magische Pforte nicht aus seinem Aufmerksamkeitsfokus, wagte nicht einmal zu blinzeln.

Auch Zelda, die in dem Augenblick mit dem Bogen in der Hand und Pfeilen in einem Köcher, den sie sich umgehängt hatte, wiederkam, sah die Veränderung in ihrem Heroen, diesen Funken Ehrlichkeit mit sich selbst, dass es vielleicht gerade Kämpfe waren, die ihn zu seinem wahren Ich formen konnten. Dieser beinahe beißende Ehrgeiz in seiner kampfbereiten Haltung schickte Zelda eine Gänsehaut über ihren Rücken, erinnerte es sie mehr als sonst an den Helden aus der verlorenen Zeit. Link war nicht einfach nur vorbereitet für den Krieg, er lebte darin auf, verkörperte den legendären Mut, sodass es sie fröstelte. Zelda nahm einen schnappenden Atemzug und wurde das Gefühl einer herben Ahnungslosigkeit nicht los. War irgendetwas in ihm geschehen, als er in das Götterreich eintrat? Hatte ihn diese Erfahrung mental verändert? Er registrierte seine Prinzessin, nickte, aber widmete sich ununterbrochen dem Tor in eine verkohlte Welt der Dämonen. Gerade deshalb sah er wohl nicht die neue Form von Verwirrung und Besorgnis in ihren edlen Gesichtszügen. Sie versuchte sich von seiner kriegerischen Form loszureißen, und spürte eine bewundernde Anziehungskraft sich überall in ihren Venen einnisten, erinnerte sie an Momente der Vergangenheit… ihrer und Links Vergangenheit… an Augenblicke, die nur ihnen beiden gehörten…

„Zelda, bleib‘ zurück!“, entkam seinen Lippen mit einer Gewalt und einem düsteren Klang, der sie erschreckte. Sie trat zögerlich rückwärts, spürte ihr Herz stolpern.

„Link… ich…“, benommen schlichen undeutliche Worte aus ihrem Mund. Zeldas Herz trommelte quälerisch vor Angst und Hilflosigkeit.

„Du hast diesen Bogen zur Verteidigung, nicht mehr!“, rief Link und erwartete bedingungslose Folgebereitschaft.

Natürlich wusste sie das. Es war sein Kampf, seiner allein, das war es, was er für sich erwartete. Ein Teil in ihm hatte auf den Feind gewartet, seit er die Verletzungen beim Zocken erduldet hatte.

„Wirst du mir helfen die anderen zu beschützen…“, sprach er dann ruhiger und schenkte ihr ein kurzes, leises Lächeln, zu kurz als es zu erinnern, aber die kampfbereite blonde Schönheit neben ihm nickte. Sie wünschte, sie hätte ihn berühren können, bevor der Feind sie erreichte, aber sie verstand auch, dass es ihn gerade massiv ablenken würde. Sie seufzte, formte Worte der Zuneigung in ihren Gedanken, die sie doch nicht sagen konnte und sprach stattdessen: „Bitte sei vorsichtig…“

„Immer“, erwiderte er und deutete ihr an, diesen Ort zu verlassen. Und Zelda rannte mit zusammengekniffenen Augen aus dem Haus, hetzte in den Garten, wo ihre Freunde warteten.
 

Und gerade da erloschen überall in der alten Straße der Erinnerung die Lichter, das schwindende Licht belegte die stürmische Nacht mit einem Fluch von Dunkelheit und Pech. Irgendwo ging ein Knall nieder, lärmte mit schrillem Getöse durch den peitschenden Regen und stank nach verbrannten Leitungen, nach Qualm und Schwefel. Weitere Blitze zuckten über den Himmel, ließen das große Wohnzimmer in dem Haus der Braverys aufflackern, und das gleißende kurze Licht benetzte auch Links tiefblaue Augen, diese herben blauen Augen, die wie jene einer Bestie zu leuchten schienen. Einmal mehr machte sich der Heroe kampfbereit, als der magische Strudel sich verformte, in die Länge zu dehnen schien und irgendwo in den Tiefen der Vibrationen sah er sie, zwei Gestalten, die sich in langsamen, fauligen Schritten in seine Richtung bewegten. Ein winziger Teil in seinem Inneren hatte gehofft, dass sich die Pforte vielleicht noch schloss, dass die Stabilität in die andere Dimension zerbrach, aber dies war ein Wunschtraum. Ein neuer Kampf stand an, den er mit allen notwendigen Mitteln bestreiten musste und der ihn für das, was noch folgen würde, formte. Er sah die beiden schemenhaften Wesen sich nähern, klein und verhutzelt waren ihre Gestalten, alt und knorrig… und je näher sie kamen, umso deutlicher war der Irrsinn der Existenz zweier dämonischer Kreaturen, die Eis und Feuer beherrschten. Erneut wiederholte sich ein alptraumhafter Kampf im Bann zweier gegensätzlicher Elemente. War es Fügung oder nur ein unerklärlicher Zufall, dachte Link. So wie in Irland kämpfte er nun gegen Feuer und Eis…

Sie schritten näher, zwei Bräute der Finsternis und Ziehmütter des Bösen. Niemand wusste um ihre Herkunft, denn sie waren Meisterinnen der Verschleierung. Niemand würde sie erinnern, denn sie waren auch Meisterinnen der ältesten Form der Hexerei, einer grausamen und menschenfeindlichen Praxis. Ihre Häupter waren nun erkennbar, bleich und doch alt wie verdorrte Baumrinde, weißes, dünnes Haar hing in Fetzen über schmalen, alten Köpfen… Altersflecken und Warzen in großer Zahl entstellten die vermeintliche Herkunft jener Wesen aus einem alten Stamm der Gerudos. Denn Gerudofrauen waren beinahe entsetzlich schön, immer eine Augenweide, attraktiv und begehrenswert mit trainierten Körpern, vollen Hüften und straffen Brüsten, selbst im Alter waren jene begnadeten Frauen wunderschön und hoch angesehen… jenen Respekt und Achtung unter allen Völkern Hyrules hatten die beiden Fratzen, die Link hämisch in ihre Aufmerksamkeit zogen, lange verspielt.

Schleichend, beinahe humpelnd, traten die beiden durch die Pforte, in langen Leinengewändern mit Mustern und Symbolen der Gerudo. Zauberwerke aus Metall schmiedeten versteckte Waffen an dürren Armen und Beinen, Hexenwerk in Gestalt von mit Edelsteinen besetzten Ohrringen hingen an langgezerrten Ohrläppchen. Ihre Körper waren alt und verbraucht, kaum ernst zunehmen als Gegner eines jungen agilen Helden wie Link es war… wäre da nicht ein verschmähter Durst nach Rache in böswilligen Blicken aus goldenen Augenpaaren… und wäre da nicht ein mordlüsterner Funke in beiden Gesichtern. Sie zischten, als sie ihren Kontrahenten entdeckten, Laute wie sterbende Eulen gepfählt von Jägern.

Link trat einen Schritt zurück, wusste die Gefahr nicht zu unterschätzen und wartete auf seine Chance, würde niemals so leichtsinnig sein sich mit brüllendem Getöse in diese Schlacht zu werfen. Diese beiden Feinde waren mächtiger als es den Anschein nahm, mächtiger und erbarmungsloser als so mancher Alptraum.

Denn er wusste ganz genau, wer vor ihm stand. Ihre Welt als Mütter des Bösen wurde einst durch einen Helden zum Einsturz gebracht. Und sie kannten nur eine Sprache… die Sprache der Rache. Vor Link traten Kotake und Koume, zwei uralte Kreaturen der Finsternis, genährt von den Schatten dunkler Gelüste, uneins mit der eigenen Existenz hatten Kotake und Koume jegliche Freude und Zufriedenheit ihrer gerudoianischen Wurzeln verleugnet. Und sie waren hier, in dieser Wirklichkeit, und beide besaßen einen alten knorrigen Besen, der über ihre Rücken geschnallt war. Trotz der Dunkelheit in dem Wohnzimmer schienen ihre Körper zu glühen.

Sie zischten morbide, so laut und schrill, dass das Glas des Wohnzimmermobiliars klirrte und vibrierte, sie riefen, richteten ihre Gestalten in die Höhe, streckten sich. Verschlagen richteten sie dunkle Blicke aus ihren faltigen Gesichtern in Links Richtung. „Wir haben sie gesehen!“, zischten sie gleichzeitig, als wären sie nur eine einzelne Gestalt, wohlwissend, welche Sprache der Erde Link verstehen konnte, wohlwissend, wie sie ihn beeinflussen konnten. „Sie lebt!“

Und da endlich realisierte Link, wovon sie sprachen. Ihn traf das Entsetzen mit voller Wucht. Sie sprachen von Zelda, hatten sie genauso wie ihn über ein Fenster in die finstere Zwischenwelt beobachtet.

„Das Blut Hylias ist noch am Leben und unser Lord wird bereichert sein!“ Ihre schrillen, kratzigen Stimmen zerfetzten die letzte eingebildete Sicherheit für Zeldas Leben in Links Gemüt. Er zog das Schwert vertikal hinab, sodass es den Boden krachend berührte, das Feuer legendären Mutes entzündete sich einmal mehr in seinen Adern. Er war bereit zu kämpfen und bereit seine Prinzessin bis zum Blut zu verteidigen. „Niemals wird Ganondorf erfahren, dass sie am Leben ist. Niemals werde ich zulassen, dass ihr entkommen könnt!“, fauchte er entschlossen. „Kämpft, ihr alten Hexenweiber!“

Sie zischten und kicherten, schnippten in Sekundenbruchteilen mit ihren langen, dürren Fingern und glitten geschmeidig näher, ihre verbogenen, nackten Füße berührten den Boden nicht, was Link verdeutlichte, dass sie ihre Besen kaum benötigten. Dies waren alte, gruselige Hexen, barbarisch, schändlich, so wie die düsteren, kinderhassenden Weiber in berühmten Märchen.

Und sie kannten keine Furcht. Schwarze Magie erfüllte ihre entweihten Leiber bis in die letzte Zelle, selbst der Tod war für sie nur eine Illusion, und Link war nicht der erste Held, der sie ins Jenseits geschickt hatte. Unentwegt säten sie Chaos, erfüllten düstere Prophezeiungen und vergifteten Wesen in ihrem Einflussgebiet.

Hämisch grinsend schwebten sie näher, umkreisten den Heroen gemächlich, tänzelten hier in der sturmbeladenen Nacht über Schicksalshort, wo Blitze niederkrachten. Doch Link rührte sich keinen Zentimeter, seine leuchtenden Augen beobachteten seine Kontrahenten wie als zerrannen die Sekunden in einem verlangsamten Modus. Link blieb kühl und konzentriert, ließ sich zu keiner unbedachten Bewegung verführen. Die Hexen kicherten einmal mehr. „Wer sagt, dass du gegen uns kämpfen musst“, sprach die Hexe, deren Gewandung eisblaue Töne verriet. „Und wer sagt, dass wir gegen dich kämpfen müssen“, sprach die andere, jene Hexe, deren Ohrringe eine feuerrote Farbe trugen, ein kleines Brodeln in der Dunkelheit, wie winzige Kerzen.

„Was wollt ihr?“, sprach Link besonnen, während die Hexen sich schwebend um ihn wanden und erneut kicherten. Ihre Stimmen glichen wie ein Ei dem anderen, unmelodisch, schief, aber kaum zu unterscheiden.

„Wir können dich verschonen und auch deine Freunde“, geiferten sie, während sie sich im Kreis um den Heroen bewegten. Lautlos und tanzend. „Gib uns nur das Blut Hylias! Und ihr alle seid verschont!“

Link war so entsetzt über dieses Angebot eines Handels, dass er kurz blinzelte und seine kampfbereite Stellung aufgab. Wussten diese Weiber eigentlich, wer vor ihnen stand? Er war die Wiedergeburt des Helden der Zeit, er trug ein Gesicht von Mut, Loyalität und Gerechtigkeit. Es würde eher der Weltenstrom zusammenbrechen, als dass Link jemals die Prinzessin Hyrules verraten oder hintergehen würde. Er zuckte mit den Gesichtsmuskeln angesichts jenes ekelerregenden Gedankens.

„Wie wäre es, Held. Nur ein kleines Opfer und schon bist du frei.“

Link schluckte, vielleicht weil sie es so formulierten. Dachten sie wirklich, er würde sich in Zeldas Gesellschaft wie im Gefängnis fühlen? Das Leben, das er wählen musste, ob früher oder auch heute, und all die Verpflichtungen, Grausamkeiten und Bedrohungen, waren nicht Zeldas Schuld oder Zeldas Fluch. Es war die unabdingbare Erkenntnis, dass es in Hyrules Geschichte den einen Helden geben musste um das Böse zu bannen. Weder hatte Zelda, noch ihre einstige Göttlichkeit als Hylia den irrsinnigen Kampf gegen Ganon zu verantworten. Sie waren beide darin verstrickt, das Gute und das Böse. Freiheit gab es in diesem Schicksalsrad nicht, nicht für die einzige Seele Hyrules, die das Bannschwert führen konnte.

„Was seid ihr für verdorbene Kreaturen… beinahe lächerlich“, sprach Link, weder zornig laut, noch ruhesuchend. Seine Stimme war fest und entschlossen, verriet den Ehrgeiz diesen Kampf zu führen. „Was glaubt Ihr, wer ich bin“, sprach er und machte sich für den Angriff bereit. „Eher sterbe ich als meine Prinzessin zu verraten.“ Link sprach die Worte mit so viel Vertrauen, dass die Hexen augenblicklich ihren Reigen beendeten, vor ihm zurückwichen und seine heroische Erscheinung mehr und mehr realisierten. Ja, vielleicht nahmen sie ihn tatsächlich nicht ernst genug. Ein Held mit T-Shirt und kurzer Hose, nichts weiter als ein Schwert in der Hand, war sicherlich nicht der Gegner, den sie gewohnt waren.

„Den Tod kannst du haben, Bursche!“, schimpften sie, so schrill, dass dieses Mal alle Glasscheiben im Raum zerborsten und Link durch eine lärmende Druckwelle, die beide Wesen aufbauten, zurück geschleudert wurde. Er hatte Mühe sein Schwert in der Hand zu halten und sich einigermaßen abzufangen, als er an der hintersten Wohnzimmerwand aufschlug, kurz zu Boden sank und gerade noch erkennen konnte wie die Dienerinnen der Finsternis auf ihre Besen stiegen. Link erhob sich keuchend und hechtete hinter den Hexen her, die schrill und fluchend, beinahe gackernd wie Hühner auf ihren Besen ritten. Sie schufen sich ihren Weg aus Eis und Feuer und hoben die Hintertür aus den Angeln. Link hetzte hinter ihnen her, rannte ohne Zweifel mit seinem Schwert in der Hand aus dem Haus in die vom Regen erfüllte Dunkelheit, welche über der Kleinstadt hing, folgte stur dem Kampf, folgte seiner unaufhaltsamen Bestimmung.
 

Lärmend schwebten die Hexen in den Garten seines Elternhauses, jubelten über ihre neu gewonnene Freiheit, schwebten mehrfach im Kreis in den Lüften, genossen die feuchte, kühle Luft, den prasselnden Regen und das reinigende Gewitter über ihren alten Köpfen. Kichernd donnerten sie über Hecken und Sträucher hinweg, flogen über Äste und über die Wiesen, die hinter dem Haus der Braverys lagen. Schnellen Schrittes rannte Link mit seinen durchgeweichten Turnschuhen durch das hohe Gras hinter seinen Feinden her, während Tausende Gedanken durch seinen Kopf schossen. Wie sollte er Kotake und Koume besiegen? Wie sollte er sie überhaupt auf den Boden befördern, da sie sich immer höher in die Luft begaben? Wussten sie, wo sie sich befanden und dass die verlassene Kirche, wo Ganondorf hauste, nur wenige Kilometer weit weg lag?

Link spürte den kühlen Regen sich an seinen nassen Haaren entlang seilen, während er weiterrannte und in der Hitze dieses beginnenden Kampfes die kühlen Temperaturen kaum bemerkte. Der Schatten einer frostigen Erinnerung hing über ihm, während er das Gras unter den Schuhen knirschen hörte… So fein wie trockenes Steppengras, das unter seinen Stiefeln raschelte… wie oft war er über das alte Gras von Hyrules Steppe gehetzt, das Schwert blutig und benutzt… dann, als die Welt für ihn ohne Lichter war…

Und während Link seinen Feinden folgte, suchten seine Augen messerscharf die Umgebung ab. Denn er wusste, dass sich Zelda und seine Freunde irgendwo hier versteckten. Er betete innerlich zu Hylia, dass die Hexen jene nicht finden würden. Geschmeidig vollführten Kotake und Koume ihre alten rituellen Zaubertänze hoch in der regenüberströmten Luft, als ein greller Blitz niederzuckte und beide den Donner verhöhnten. Sie lachten überdreht, schienen sich an der energetisch geladenen Nacht zu erfreuen, bejubelten die stürmische, nebeltrunkene Finsternis. Und sie stimmten in die alte Urgewalt des Donners mit ein, ließen in einem Anflug von eigener Verherrlichung ihre Magie werkeln. Kotake ließ den Regen gefrieren, sodass er wie winzige Pfähle aus Eis zu Boden krachte. Link wich gekonnt aus, rollte sich über den matschigen Boden, und erblickte hoch oben Koume, die ein kleines Inferno aus Flammen aus den Fingerspitzen ihrer rechten Hand brodeln ließ, sodass es den Regen verdampfte. Sie lachten und erfreuten sich an ihrer uralten Magie der Gezeiten…

Link wusste aus einem inneren Gefühl heraus, dass diese beiden Wesen zu weitaus mehr Chaos imstande waren als er es in einem Konsolenspiel erlebt hatte. Link spürte es mit seinen Heldensinnen und ahnte, dass Koume Vulkane entzünden konnte, während Kotake eine Welt aus Eis erschaffen würde, wenn man sie nicht davon abhielt. Der Drache in Irland war eine Ameise im Vergleich zu diesen beiden dämonischen Kreaturen… Der Drache in Irland war nur gezüchtet, Kotake und Koume hatten an die vier Hundert Jahre Erfahrung in ihrer niederträchtigen Magie…

Und wie sie sich mit ihren Besenstielen in die Luft bohrten, die Winde hoch oben ihnen Untertan zu werden schienen, da ahnte Link auch, dass die Welt nicht vor ihnen sicher war. Wenn er die Hexen nicht hier und jetzt stoppte, würden sie der gesamten Welt verkünden, wer sie waren und sie würden kaum Halt davor machen ihre schier grenzenlose Magie aus Feuer und Eis an Unschuldigen auszulassen.
 

Sie schienen in ihren Bewegungen nun den Waldrand anzusteuern, wofür Link dankbar war. Wenn sie dort ihre Verwüstung anrichteten, gab es nicht viele Beobachter und vielleicht nur wenige Verluste… Nach Atem ringend, die nasse Kälte in seinen Lungen schlitzend, hetzte Link hinter seinen Feinden her und sah plötzlich in der nahezu undurchdringbaren Finsternis und dem verschwommenen Schatten der Bäume einige Gestalten, die sich ebenfalls hektisch bewegten. Sein Herz machte einen nervösen Satz, als er begriff, dass Zelda, seine Schwester und seine Freunde ausgerechnet dort versuchten Schutz vor dem Bösen zu finden. Links Füße bewegten sich schneller, als er die Hexen in ihrem perversen, die Dunkelheit huldigenden Reigen beobachtete. Kotake und Koume durften niemals in die Nähe von Zelda und seiner Freunde gelangen! Quälende Sorgen schlängelten sich Links Venen hinauf, veranlassten Nerven und Muskulatur sich fiebrig anzuspannen. Er wollte nach Zelda und den anderen rufen, wollte sie warnen, aber ahnte auch, dass er sie damit in noch größere Gefahr brachte.

Die Geduld verlierend und atemlos begann Link nach den dämonischen Weibern, die den Himmel auszulachen schienen, zu rufen. Er brüllte die Namen seiner Feinde in die Nacht, forderte sie auf sich ihm endlich zu stellen und nicht nur Katz und Maus zu spielen.

„Ihr seid Feiglinge!“, donnerte Links Stimme durch den Regen… mit dem prasselnden Reigen erklang seine Stimme beinahe metallisch. „Stellt euch mir zum Kampf, ihr feigen Hexenweiber, anstatt auf euren kläglichen Besen zu flüchten.“ Link versuchte sie zu provozieren, hoffte, sie durchschauten seine Ziele nicht. Er hob das Schwert vertikal in die Höhe, leuchtend wie die Hoffnung, als weitere Blitze über Schicksalshort niedergingen und die vielen Häuserreihen erhellten. Die Klinge summte durch den Regen, zerschnitt den Sturm, als flohen die Gesetze der Erde vor ihr… Langgestreckt hielt er das Schwert immer ausdauernder in die Höhe und für wenige Sekunden war es als fürchteten sich die Tränen des Himmels vor der glimmenden Waffe, vor dem richtenden Stahl…

„Es braucht mehr als deine unverblümte Herausforderung in den Genuss unseres Spektakels zu gelangen, Held“, zischte Koume und ließ drei Ringe aus Feuer in Richtung des Waldrandes schlittern. Innerhalb von einem zerrinnenden Augenblick knallten die Feuerringe nieder, vernichteten brennend und zugleich zu Asche verkohlend drei junge Laubbäume.

„Es braucht mehr als deine unverblümten Worte für einen Kampf gegen uns“, folgte auch Kotake und feuerte drei Speere aus Eis, ebenfalls in Richtung des Waldes, wo Links wertvollsten Freunde warteten, die Menschen, die ihm so nah am Herzen lagen, dass er es zerreißen spüren würde, sollte ihnen etwas zustoßen. Auch die Speere aus Eis zerrissen drei Bäume, hoben jene aus den Wurzeln und zersprengten Holz, Blattgrün, Knospen…

Ob die Ziehmütter des Bösen die Anwesenheit von Zelda und den anderen bereits spürten? Warum sonst sollten sie den Waldrand mit ihrer Magie überfluten? Als der Regen noch heftiger niederging, ein eisiger Luftzug sein durchgeweichtes grünes T-Shirt erfasste, schnellte Link nun ebenfalls in Richtung des Waldes… die kalte Luft, erfüllt von schwefelsauren Ablagerungen der zerberstenden Magie der Hexen, schlitzte in seinen Lungen…

Es machte keinen Sinn, Kotake und Koume hatten schlichtweg kein Interesse ihn zu vernichten, polterten auf ihren Besenstielen durch die Finsternis als war für sie ihre Existenz nur ein Tanz durch die Lüfte. Sie genossen ihre Macht und Überheblichkeit und alles, was für sie von Bedeutung war, schien Rache, Verletzung und Verwüstung zu verbreiten, dennoch verboten sie sich die Vernichtung des einen Helden… Link realisierte dies. Kotake und Koume waren Ganondorf hörig bis ins Blut, den verteufelten Genuss den einen Helden zu töten, würden sie ihrem Meister niemals entreißen. Ihn quälen, seine Seele brechen… aber sie würden ihn nicht töten.
 

Als die Sekunden zerrannen und die Welt von dem Sturm gepeinigt wurde, hetzte Link vorwärts wie ein letzter Krieger in der Leere und Trostlosigkeit verzweifelter Endzeit. In Sekundenbruchteilen machte er die Menschen aus, die er mit allen Mitteln beschützen würde, entdeckte Maron und Rick sich unter einem breiten, gefallenen Baumstamm versteckend, beobachtete Sara und Mike, die in einer Kuhle im Erdreich hockten, frierend, wimmernd… und Link spürte seine Prinzessin wachsam, mit dem zum Schuss bereiten Bogen in der Hand sich vor den anderen erhebend, als wollte sie jene beschützen. Bewunderung für Zeldas Opferbereitschaft und eine marternde Sorge um sie rangen in seinem Inneren… Verteidigte sie tatsächlich die anderen? War sie wirklich so mutig und opferbereit? Noch nie hatte der grünbemützte Jugendliche sie so erlebt, noch nie hatte sie diesen tosenden Stolz in ihm entfacht. Zelda war einfach überwältigend… eine tadellose Kämpferin, so leidenschaftlich und ehrgeizig, dass ihn der wärmende Gedanke an ihre Tapferkeit den Regen kaum spüren ließ. Verdammt, dachte Link, wie nur sollte sie jemals verstehen, wie sehr er sie wertschätzte, für alles, was sie war, selbst in ihrer Verzweiflung bewunderte er sie…
 

Link wusste nicht, ob die anderen ihn bemerkt hatten, sehr wohl jedoch beobachteten seine Freunde die Hexen in ihrem magischen Treiben, fürchteten sich davor von jenen Kreaturen entdeckt zu werden. Und der Heroe verstand, dass Zelda den Bogen benutzen musste, um sich und die anderen zu verteidigen, auch wenn das bedeutete, dass sie sich preisgab. Kotakes und Koumes magische Geschosse knallten unentwegt nieder, vernichteten das Unterholz mit zerreißenden, sterbenden Lauten, erzeugten faulige Gerüche in der schweren Luft, verpufften den Regen, sodass die Szenerie mit hässlichen Dampfwolken überflutet wurde… und für Zelda gab es kein Zurück, egal, in welchem Tempo Link versuchen würde sie vor den Zugriff der Hexen zu bewahren. Die alten Ziehmütter Ganondorfs würden sie entdecken!

Mit zappelnder Aufruhr in seinem Herzen rannte Link in den Waldverschlag hinein, spürte stechende Zweige von Tannennadeln in seinem Gesicht schlitzen, als er über umgefallene Baumstämme sprang, ein Schrei seiner Kämpferstimme glitt über das Schlachtfeld… Seine Stimme musste auch in Zelda endgültig den Mut entfacht haben das Schicksal dieser Nacht mit zu bestimmen. Denn sie hielt den Bogen nun noch zielsicherer, versuchte unter Aufbietung ihrer gesamten Konzentration Ruhe in sich zu sammeln, alle unsicheren Faktoren dieser Umgebung, des Sturmes, ihrer Nervosität von dem Bogen fernzuhalten… Sie spürte Links Zorn im Angesicht des Sturmes, seinen Groll angesichts der feigen Hexen, die nichts weiter taten als sich in die Lüfte zu erheben und in ihrer unfairen Übermacht das Kampfgeschehen belächelten. Und diesen Irrsinn duldete die vergessene Prinzessin nicht, sie hatte keine Wahl als sich einzumischen, auch wenn Link dies nicht gutheißen würde.

Sie spannte den Bogen mit aller Kraft, überlegte sorgfältig, während auch sie den kühlen Regen niedertrommeln hörte. Ein Tropfen rann über ihre Nasenspitze als sie abwog, welche der Hexen mehr Schaden anrichtete… welche der Hexen von ihrer Position aus einfach zu treffen wäre. Und tatsächlich flog die feuergiftende Koume um einiges niedriger als ihre eisbeschwörende Schwester und sauste auf ihrem Besen immer näher.

Es würde ihrem Heroen nicht gefallen, das wusste Zelda… es war eine einfältige Option… und vielleicht das Dümmste, was sie in ihrem kurzen Dasein auf dem Planeten Erde je getan hatte. Aber wer sollte es sonst tun? Link hatte keine Chance diese Hexen in den Lüften anzugreifen. Es war an ihr das Kampfgeschehen zu lenken… Und mit einer naiven Hoffnung, ließ die kampfbereite Prinzessin den Pfeil durch die Lüfte tanzen. Der Pfeil verfehlte nur knapp das Ziel. Zugleich spannte sie den nächsten, dachte an keine Konsequenzen, ignorierte die plötzliche Erschrockenheit der feuermächtigen Hexe, die noch nicht verstanden hatte, was hier geschah. Zelda nutzte den Moment der Überraschung, ignorierte auch das Entsetzen eines schreienden Heroen, der sich unvermittelt in ihre Richtung begab. Mit aller Zuversicht, die sie aufbringen konnte, sauste der nächste Pfeil durch die Luft, bohrte sich überraschend durch die immer kälter werdende Nacht und zerfetzte wuchtig das alte morsche Holz, auf dem Koume ritt…

Die Hexe schien leblos niederzufallen, kam knackend zu Boden und blieb zunächst reglos im nassen Gras liegen.
 

Links Herzschlag trommelte ihm bis zur Kehle, als er sich sortierte, seine Prinzessin dort in der Dunkelheit erblickte und sich verbot über die Situation nachzudenken. Er musste diese Situation nutzen, den Kampf fortführen… und so legte er alle Kraft, die er besaß in seine flinken Beine, rannte, sodass schleimiger Matsch bis zu seiner Hüfte spritzte. Mit pfeifenden Atemzügen und dem singenden Stahl in der Hand trat der Held vor Koume, sah sie sich lallend erheben und fixierte ihn mit einer neuen Form von belächelnder Verachtung. Sie kicherte, klopfte sich die Nässe von ihrem Gewand, warf schmieriges, graues Haar zurück, als die sturmbesudelte Nacht von mehreren Blitzen erhellt wurde.

„Worauf wartest du, Held?“, kreischte sie, wollte sich an der Klinge laben, und den Heroen in einem weiteren Spektakel verhöhnen, während Kotake hoch in den Lüften Kreise drehte, unbeeindruckt, teilnahmslos.

Giftig sah die Hexe ihm entgegen, lachte immer lauter und wartete auf einen Schwertstreich ihres Vernichters. Beinahe mitleidig sah Link auf die Kreatur hinab, die beschmiert mit Matsch am Boden kroch, sich knackend aufrichtete und doch nur durch eine brutale, böswillige Energie am Leben war. Koume war so alt, das ihre Gelenke mit jeder Bewegung zerborsten, ihr Herz mit jedem Schlag zerriss… Und für eine Sekunde sah Link, was diese Kreatur wirklich war. Ein von bösen Energien genährter Knochenhaufen mit alter, faltiger Haut. Da war keine Seele mehr, kein Blut.

„Tu‘ es endlich, Held!“, schimpfte sie, griff mit dieser morschen Hand an die neue Klinge, die er von Leon Johnson erhalten hatte.

„Richte mich“, zischte sie, als sehnte sie sich nach dem Tod. Aber Link erkannte auch den schelmischen Wahnwitz in ihren goldenen Augen, sah Trotz und Hass so deutlich blitzen, obwohl die Nacht über der Welt lag. Und doch hatte auch Link keine Wahl, er hatte nur diese eine Chance. Er hob die silbern schimmernde Waffe in die Höhe. Wie eine Sternschnuppe funkelte sie in dieser durchtriebenen, gespenstischen Nacht, als er den jungen Stahl mit einem Schrei, der alle Zweifel verdeckte, in den kratzigen, knorrigen Leib der Hexe stieß.

Er war ihrem alten Gesicht so nah, dass er ihren schwefligen Atem riechen konnte, erwartete, dass er den böswilligen Lebenswillen in ihren goldenen Augen erlöschen sehen würde. Aber da war keine Veränderung. Kein Leben, das dem Tod verfiel. Kein Tod, der über Koume kam. Stattdessen brachte sie ihre staubtrockene Kehle zum Schwingen, schickte einen röhrenden Laut durch die Nacht, der Tiere aus dem Unterholz scheuchte… eine Schar großer Vögel, krächzend, entkam den Wipfeln, zehn Rehe oder Hirsche hetzten aus dem Wald über die matschigen, grünen Wiesen. Und Koume lachte, griff mit beiden Händen an das Schwert und hielt es mit einer übermächtigen Kraft, die den Heroen erschreckte. Ihre dürren, langen Finger wanden sich wie knorrige Zweige um den scharfen Stahl, saugten sich fest wie Zecken.

„Wir sind nicht lebendig genug um getötet zu werden, du junger Narr!“, sie spuckte, während sie sprach und spuckte winzige glühende Körnchen in Links Gesicht, sodass er augenblicklich zurückwich. Er konnte kaum seine Waffe zurückfordern, als er die Eishexe auf ihrem Besen im Sturzflug näherrauschen spürte. Sie zog gehässige Bahnen in Richtung Erdboden, sodass Link mit einem Rückwärtssalto ausweichen musste. Link brannte innerlich vor Entsetzen und Demütigung. Wie sollte er die Hexen ausschalten, wenn sie sich mit dem Schwert kaum bezwingen ließen? Sie zischten mit ihren fauligen, kratzigen Stimmen, hielten sich nun beide erneut am Boden auf. Koume zog das Schwert jauchzend aus ihrem Leib und ließ es achtlos in den Matsch fallen… Vielleicht aus Sympathie für den Verlust des Besen ihrer Schwester, stieg auch Kotake hinab… Sie waren übermächtig, warum auch sollten sie sich noch in die Lüfte erheben, wo ihre Opfer keine Waffen besaßen sie aufzuhalten.

Mit Tausenden Gedanken in seinem jugendlichen Kopf wog Link seine Optionen ab, hörte sein aufgeregtes Blut rauschen. Der Rhythmus in seinen Venen glich dem Schlagen des Donners… mit jedem Schritt über den durchgeweichten Boden, schoss ihm ein weiterer Zweifel in den Kopf. Eine erneute Idee, erneuter Zweifel… Jede Option, die ihm einfiel diese Kreaturen zu bezwingen, verlief ins Leere. Er kniff die Augen zusammen und tat das einzige, was er noch konnte. Sich zu den anderen begeben, sich wie ein Schutzschild vor seine Freunde erheben und innerlich zu Hylia beten für ein Licht in dieser scheußlichen Dunkelheit…

Er erreichte Zelda mit einem schwachen, erleichterten Seufzen, griff nach ihrer Hand, aber wohl kaum aus Zuneigung, eher, weil er ihr mit einer schnellen Bewegung den Bogen und die Pfeile abnahm. Er ließ die Feinde, die auf dem Feld wenige Meter weiter tänzelten und erneut mit magischen Geschossen spielten als wären es Seifenblasen, nicht außer Acht.

„Warum hast du dich eingemischt… ich will, dass du dich zurückhältst, wenn ich dies von dir verlange!“, raunte er. Er wusste, es war nicht fair seinen Ärger über diesen kaum zu gewinnenden Kampf an ihr auszulassen. Aber er konnte ihr Einmischen nicht gut heißen, auch wenn er es verstand.

Das kleine „Ich…“ kam stockend aus Zeldas Mund, aber sie nickte in der Schwärze.

„Selbst wenn ich falle, ich erdulde nicht, dass du…“, und plötzlich sah er die hervorquellenden Tränen in Zeldas Augen in den niedergehenden Blitzen schimmern, die ihn bestürzten und erneut über seine Worte nachdenken ließen. Wie nur konnte er dies von ihr verlangen… Sollte sie etwa zusehen, wie er am Boden zusammenbrach, sein Körper zersplittert…

„Entschuldige…“, murmelte Link dann träge. Es war nicht die Zeit sich gegenseitig in Vorwürfe hinein zu reden, nicht jetzt. Zelda blieb sprachlos, als Maron, Rick, Sara und Mike in dem Unterholz näherhetzten, ermüdet und ausgelaugt voller Angst und Zweifel. Sie zitterten, warfen Link in der Dunkelheit unsichere Blicke zu. Auch ihre Welt musste in dem Augenblick, als die Hexen diese Realität befleckten, zerbrochen sein.

„Beim Deku“, sprach Sara. „Was machen wir jetzt nur…“ Sie versuchte sich zu sortieren, und obwohl sie über Links Schicksal mehr wusste als sie bisher verraten hatte, so wurde sie gerade von Angst und Mutlosigkeit bezwungen. Sie hatte nicht mit einem Angriff gerechnet, nicht auf diese Weise. Mike blieb sprachlos, während Marons beginnendes Wimmern durch den Wald echote. Rick versuchte sie zu trösten, drückte das weinende Mädchen an sich und murmelte beruhigende Worte in ihre Ohren.

„Link, hast du irgendeine Idee, wie wir hier heil herauskommen können?“, meinte Sara gefasst. Link seufzte und versuchte seine eigene Anspannung mit Atemzügen herunter zu regeln. Es war etwas anderes lediglich seine Prinzessin beschützen zu müssen. Jetzt in dieser Situation Angst um seine Freunde und seine Schwester zusätzlich zu spüren, ließ ihn zornig werden. Er würde diese Hexen niemals auch nur in die Nähe seiner Freunde lassen! Er konnte kaum antworten und versuchte seine Unruhe abzuschütteln.

„Link“, sprach Zelda dann, versuchte ebenfalls Ruhe zu finden. „Es gibt nur eine Option…“ Und es war die Art und Weise, wie sie es sprach, gefasst, sicher und deutlich, dass er genau ahnte, was sie vorhatte. Ihre Stimme unterband jegliches Gefühl für eigene Ängste und Sorgen. In dieser Tonlage erklang seine Prinzessin kühl und gebieterisch, und sie würde stur ihrem Weg folgen. „Ich werde mich ihnen noch einmal zu erkennen geben“, sprach sie.

„Den Teufel wirst du“, zischte Link. Seine Stimme donnerte beinahe bedrohlich nieder. „Ich werde nicht zulassen, dass du dich ihnen auslieferst.“

„Link hat Recht“, sprach Sara überraschend. „Du bist unser einziger Vorteil, wenn sie Ganondorf berichten, dass du noch am Leben bist, haben wir schon verloren.“

„Ich habe nie behauptet mich ihnen auszuliefern, aber ich könnte sie ablenken, soweit, dass ihr fliehen könnt.“

„Und dann?“, sprach Link ungeduldig. Es war nicht nur Zeldas Einmischen oder die Sorge um seine Freunde, weshalb er nur noch gereizt auf ihre Worte reagieren konnte… Er realisierte es… den versteckten Groll sich selbst gegenüber. Das Gefühl, er würde sie erneut im Stich lassen, so wie er es in einem alten Leben getan hatte.

Schließlich war es Rick, der das Wort erhob und seinem besten Kumpel beipflichtete. „Ich stimme mit Link überein, das ist eine dumme Idee. Wir werden eine weitere Möglichkeit in Betracht ziehen“, und plötzlich schienen alle Anwesenden sich von Ricks ruhigen Worten anstecken zu lassen. Er redete mit einer Selbstsicherheit, die auch den vergessenen Heroen verwunderte, als wäre Rick ein Befehlshaber, der genau wusste wie man Schlachten plante. „Wir werden uns aufteilen und alle in unterschiedliche Richtungen fliehen. Erinnert ihr euch an das Zeldaspiel?“ Er ließ nur eine kurze Pause und erklärte weiter. „Sollten wir Kotake und Koume sich nicht einfach gegenseitig attackieren lassen?“

Das war absurd, dachte der Heroe. Sollten sie tatsächlich vor den Hexen auf und ab laufen, sodass jene wild um sich herumschossen in der Hoffnung sie würden sich versehentlich gegenseitig vernichten. Das funktionierte nicht in der Realität!

„Und wenn nicht, können wir sie zumindest verwirren“, ergänzte Rick, während er der verängstigten Maron über den Rücken strich. Seine Stimme war so ungemein stark und besonnen, fast so, als war er sich der Gefahr kaum bewusst oder war es gerade deswegen?

„Nein…“, sprach Link, der sich an einen der alten Bäume gelehnt hatte und mit wachen, scharfen Blicken die Hexen beobachtete. Ricks Option war vielleicht die beste, wenn so viele von ihnen am Leben bleiben sollten wie nur möglich, aber das kam für Link nicht in Frage. Er würde diesen Kampfschauplatz erst dann verlassen, wenn seine Freunde alle, ausnahmslos, in Sicherheit waren. Marionettenhaft hockten Kotake und Koume in der Finsternis, schwebten schließlich gemächlich näher. „Ich werde nicht riskieren, dass einer von euch von ihnen erwischt wird“, setzte er mit Nachdruck hinzu. Da war Vorwurf in seinem standhaften Blick, so unübersehbar leuchteten seine Heldenaugen wie blaue Flammen in der Nacht. „Ich werde die Hexen mit dem Bogen in Schach halten, während ihr euch noch tiefer in den Wald begebt und von hier verschwindet. Ich folge euch so schnell ich kann.“ Da war dieser eisige Zorn in Links Augen, selbst in der Finsternis war jener erkennbar, sodass niemand an ihm zweifeln konnte.

„Und du bist dir wirklich sicher, Brüderchen?“ Sara zitterte in der zunehmenden Kälte, ihre Stimme nur noch heißer. Sie vertraute ihm, sie vertraute auf seine legendären Fähigkeiten.

Link nickte, umklammerte den Bogen und die wenige Pfeile. „Geht!“, ordnete er an. Seine Freunde verabschiedeten sich mit stillen Blicken, leisen Schluchzen und Seufzen. Nervös trotteten sie vorwärts, als Kotake und Koume im Hintergrund immer lauter zürnten, verruchte Worte einer alten Hexensprache in die Nacht brüllten… und da ahnte Link auch, warum sie sich die letzten Minuten sonderbar still verhalten hatten. Sie sammelten ihre Kräfte für noch gigantischere Attacken. Ob sie in der Lage waren tatsächlich ein riesiges Meer aus vernichtenden Flammen und Eis über Schicksalshort zu entfachen?

Sara und die anderen stapften ängstlich vorwärts, nur Zelda bewegte sich keinen Zentimeter. Sie rührte sich nicht, schien erstarrt mit Unwillen.

„Zelda, bitte, bitte geh‘!“, flehte er beinahe. Er konnte sich nicht erneut mit ihr streiten, nicht schon wieder. Wenn dies seine letzten Minuten mit ihr waren, wollte er sie nicht mit kränkenden Worten vergeuden.

„Ich kann nicht…“, sprach sie. „Link, ich kann es einfach nicht!“ Ihr Blick ging zu Boden, als ein trübsinniger Schatten in ihren Gesichtszügen auch Link traf. Er spürte Zeldas Besorgnis, ihren Wunsch ihm beizustehen. Er sah Gefühle in ihrem Blick, Gefühle der Zuneigung, die ihn beinahe verwirrten. Sie machte keinen Schritt zur Annäherung, dafür verbot sie sich ihre eigene Gefühle auf eine zu strenge Weise. Aber sie würde Link seinem Schicksal nicht überlassen, nicht in jener verhängnisvollen Nacht, nicht nachdem die Heilerin Dinafa vor wenigen Stunden düstere Prophezeiungen über Opfer und Liebe ausgesprochen hatte.

„Der Kampf gegen das Böse ist auch meiner“, erklärte sie leise… es entsprach zwar der Wahrheit, war aber nicht der Grund, warum Zelda sich weigerte zu gehen. Link durchschaute sie vielleicht sogar… zumindest akzeptierte er, dass sie ihn jetzt nicht zurücklassen würde. Egal, was Link auch tat… er könnte zürnen, er könnte durchdrehen, sie würde ihn in diesem Kampf nicht alleine lassen. Und vielleicht war es ohnehin zu spät…

Kotakes und Koumes Schrecken wuchs mit jeder weiteren Sekunde. Beißend wurde die Luft um Zelda und Link, der Regen verdampfte, noch bevor er weiterhin auf die feuchten Wiesengräser trommeln konnte. Die Ansammlung einer magischen Attacke ließ unsichtbare Teilchen in den Lüften vibrieren, schwingen… Die Äste und Zweige der sonst so stummen Bäume raschelten als wollten die alten Seelen der Laubgeschöpfe gehört werden.

„Wir müssen etwas unternehmen“, sprach Zelda entschlossen. „Sie werden versuchen ein Flammen- und ein Eismeer anzurichten. Wenn sie ihre magischen Kräfte sammeln, bleibt von ganz Schicksalshort nichts mehr übrig!“ Link hielt in seiner einer Hand den Bogen fest umschlossen, mit der anderen ergriff er die Hand seiner Prinzessin, beinahe zärtlich. „Was geht dir durch den Kopf?“, murmelte er, fühlte sich ruhiger als war eine Welle der Sanftheit über seine angespannten Schultern geschwappt.

„Auch wir verfügen über magische Attacken, Link.“ Mit Ehrgeiz und Vertrauen gelangten die Worte über Zeldas blutrote, trockene Lippen. Das konnte Zelda nicht wirklich mit in die Waagschale bringen, oder?

„Aber wir können diese nicht kontrollieren!“, entgegnete er.

„Wir haben keine andere Wahl.“

„Wie wahr…“, stutzte der Held und rang sich zu einem dämlichen Grinsen. Wenn sie beide diese Nacht untergingen, dann mit allem, was sie an Würde besaßen!

„Gut.“

„Gut!“
 

Hand in Hand rannten Zelda und Link vorwärts, hinein in den Kampf, geboren für diesen unendlichen Widersinn ihrer Existenzen hetzten sie hinein in die magischen Böen, die über die Felder wehten, zogen wie zwei letzte Krieger in diesen verhängnisvollen Alptraum, mutig und irgendwie befreit. Link konnte kaum begreifen, wie er sich fühlte. Alles, was er spürte, war diese Unentrinnbarkeit, ein Einssein mit seinem Schicksal ohne Zweifel. Er war verdammt… er war hoffnungslos verdammt, hier wo das Böse wartete und das Schicksal auf Messers Schneide stand. Er war gemeinsam mit Zelda verdammt… und doch fühlte es sich gut an. Sie an seiner Seite zu wissen. Das Brodeln seiner Bestimmung zu spüren. Die nahende Vernichtung und den möglichen Sieg…

Einmal mehr flackerte der Puls der Zeit für den einen Heroen und einmal mehr verlangsamte sich die Welt um ihn herum, hier, wo die Schwere der durchgeweichten Kleidung über seinem Körper juckte, er Dutzende feine Rinnsale schmutzigen, schweißdurchtränkten Wassers hinabtropfen spürte. Zeldas Hand in seiner… wohlig und wärmend, das einzige warme Gefühl in dieser wahnsinnigen Nacht prophezeiter Fügungen. Sein Blick verlor sich auf ihrem kämpfenden Erscheinungsbild… ihr nasses, gefärbtes Haar, das in der schmelzenden Luft wirbelte. Ihre saphirblauen, ernsten Augen, mit besorgten Blicken suchte sie den Mut in seinen. Ihre zierlichen, besorgten Gesichtszüge, vom Regen befeuchtet… und doch so unendlich schön… Ein leuchtender Stern in tausenden Erinnerungen…

Und diese schönen Züge in ihrem Gesicht bewegten sich zu einem ausdrucksstarken Lächeln, einem, das Link kannte und in so vielen Erinnerungen Lebendigkeit erfuhr. Ein Lächeln der Ergebenheit mit eigenen Fehlern und Ängsten, bereit und wunderschön. Zelda lächelte immer so versteckt und geheimnisvoll, wenn sie sich ihrem Schicksal ergab… dann, als sie sich entschied in Hyrule zu bleiben für Tausende Jahre, war dieses stille Lächeln das letzte, was Link von ihr gesehen hatte. Er wusste nichts von dieser Erinnerung… er spürte nur einen schmerzhaften Stich, als Zelda seine Hand losließ und ihre Schritte leicht nach Westen führte. Sie hetzte immer schneller weiter, als Link ihre Absicht erkannte. Sie wollte ihm eine neue Chance geben als Held aus diesem überfälligen Kampf hervorzugehen, und spielte nun doch den Lockvogel, präsentierte sich als Zielscheibe im fallenden Gewand des stinkenden Regens.

Mit schneidendem Lachen erhoben sich beide Hexen, beendeten ihre instinktiven Beschwörungsformeln und schwebten über dem Boden. Vielleicht war es, weil sie den Helden tatsächlich unterschätzten, vielleicht auch nur, weil sie sich für ihn tatsächlich kaum interessierten, oder weil sie sich danach sehnten an der legendären, machtvollen siebten Weisen Rache zu nehmen, Kotake und Koume konzentrierten sich nur mehr auf die Prinzessin des Schicksals, die tapfer und leise lächelnd ihr Tempo drosselte, einfach nur da stand, wo der Himmel weinte. Zelda warf einen stillen Blick zu ihrem Helden, der endlich die Pfeile durch die Luft zischen ließ, betend, er könnte jene mit seiner eigenen Magie füttern, auch wenn er nicht wusste wie. Tatsächlich durchbohrten die wenige Pfeile die Hexen mit knackendem, Gewebe zerfetzendem Reigen, aber Kotake und Koume blieben unbeeindruckt. Die Pfeile zerstießen die Herzen beider Hexenweiber, aber auch dies zeigte keine Wirkung… Der Lebenswillen der dämonischen Brut war ungebrochen… ihr Vernichtungswille ungebremst…
 

Erneut versagte er in dem, was er doch tun musste. Er versagte darin die Magie zu nutzen, die er schon in Irland eingesetzt hatte! Wütend knallte Link den Jagdbogen seines Vaters in den stinkenden Matsch, widerstand dem Wunsch seine Fäuste in den Erdboden zu rammen und hetzte so schnell ihn seine Beine tragen konnten in Richtung seiner Prinzessin.

Erhaben thronte sie dort… hob ihre Hände spielerisch in die Höhe, konzentrierte sich auf die Stimme ihrer eigenen, tosenden Macht. Sie spürte sie… spürte, wie sich der Zauber vergessener Reiche durch ihre Venen schlängelte, verlockend und neu war es… die Magie in ihrem Inneren war so jung auf dieser Erdenwelt, dass sie sich wie ein Neugeborenes vor der Welt ängstigte. Zelda spürte die Macht in sich wachsen und doch brach sie nicht hervor… Es kitzelte in ihren Händen, goldene Flocken einer uralten Kraft, flüsternd, singend.

Zelda schloss die Augen, als Kotake und Koume beide ihre verschlingenden Strudel erbarmungsloser Energie in ihre Richtung schickten. Alles, was nun noch über die Wiesen dröhnte, war das Rauschen von Feuerringen und Eisspeeren…
 

Link rannte, er rannte so schnell wie noch nie in seinem Leben, hörte für kurze Augenblicke das Erstarren der Zeit, hörte einen leidvollen Gesang in dem alten Wesen, mit dem er auf ewig verbunden war… und unterlegt zuckte ein kleiner Herzschlag, hetzend neben seinem. Zu kurz um die Wahrnehmung zu realisieren, zu groß war die Gefahr hier wo die kalte Nässe ihn und seine Prinzessin lähmte. Und je weiter er hetzte, umso vernichtender wurde die Erkenntnis, dass er verloren hatte. Er würde Zelda nicht mehr erreichen. Er würde das Licht in seinem Leben nicht vor diesem Wahnsinn beschützen können…

Versagen… einmal mehr schlitzte das Wort in seinem schmerzenden Kopf.

Versagen… und mit dem grausamen Versagen platzte ein dünner Faden des Gleichgewichts in ihm, erinnerte ihn an eine Zeit, die verblasste… Bilder eines hylianischen Heeres über gestorbene, grüne Wiesen ritten sie dahin, erfüllten Links Geist mit noch mehr roher Gewalt… Schwerter zersplitterten, Schilde zerbrachen unter dem Alptraum riesiger Monsterheere… feurige Tornados gruben sich fressgierig in das alte Land, während riesige Hagelkörner das Leben unter sich begruben.

Versagen…
 

Die Sekunden schlichen dahin als fürchteten sie sich vor dem Herren des Mutes, erstarrten beinahe, als die Geschehnisse der letzten Monate wie ein vergessenes Leben vor Links Innerem Gestalt annahm und sich mit Bildern eines vergessenen Daseins vermischten. Er sah Zelda verblassend vor sich, die Prinzessin aus seinen verlorenen Träumen, das Mädchen, das ihn mit diesen geheimnisvollen Blicken aus himmelblauen Augen verehrte. Dieses begehrenswerte Lächeln, traurig… aber irgendwo auch heilsam.

Sein Schrei hallte durch die Luft, als ein Spektakel aus rotglimmenden und eisblauen Farben über die Wiese schoss, eine donnernde, sich vereinigende Attacke dieses wunderschöne Mädchen erfasste, und sich strudelartig um jene einsame Prinzessin des Schicksals band… immer tosender, heftiger, brutaler. Link spürte die Wucht der Attacke, wurde gewaltvoll nach oben befördert und landete einige Meter weiter im eisigen Matsch. Er erhob sich mit einem Rinnsal Blut, der über sein Gesicht lief, als er Zelda schreien hörte. Er ignorierte mögliche Wunden und rannte erneut in Zeldas Nähe, kämpfte gegen die magische Böe aus Eis und Feuer, warf sich mit seinem gesamte Körper vorwärts. Die glühende Attacke erhellte die Wiesen vor der Kleinstadt, als ging bereits die Sonne auf…

Und als er ihre so schöne glockenhelle Stimme, deren süßen Klang er sich in Zweisamkeit so herbeigesehnt hatte, sich in diesen flehenden Schrei verwandeln hörte, zerriss es den letzten Funken Konzentration, Ausdauer und Anstand in ihm. Zeldas schriller Schrei zerriss das letzte bisschen jenes verträumten Jugendlichen, der Link noch vor einem halben Jahr gewesen war. Seine Seele brach… nur um sich zu einem kriegerischen Ich zusammenzusetzen.

Denn dieses Ereignis durfte nicht sein. Wie oft musste er noch an sein Versagen erinnert werden? Wie oft besudelte er mit diesem Versagen sein wohl ältestes Ideal, das ihm gebot Zelda auf ewig zu beschützen? Wie oft musste er die Grausamkeit peinigender Wahrheiten noch ertragen… diesen Irrsinn seiner Welt, die er als Spiel erlebt hatte… oder war dies alles doch nur ein Spiel?
 

Und das war vielleicht der letzte Gedanke, der sich zweifelnd durch Links Seele schlich… der letzte Gedanke, bis sich der Schrecken der erbarmungswürdigen Finsternis in dieser Nacht wegwaschen würde so wie der Regen den Unrat der Welt mit seinen Ergüssen ertränkte. Denn in seinen tiefblauen Augen, wo der kämpferische Sturm tobte, entschwand eben jener heraus. Und noch etwas entschwand, alles, was ihn ausmachte an Zärtlichkeit, Unschuld und Menschlichkeit. Er rief Zeldas Namen als floh seine Stimme vor der Erkenntnis zu spät zu sein und doch hörte er den Klang seiner Worte nur von weitem. Link hetzte über den eiskalten Untergrund, wo noch immer Kotakes Eisspeere zarte Gräser zerstückelten, und doch war jeder seiner Schritte leergefegt von Emotionen…

„Zelda!“, brüllte er durch den von Eismagie und Feuerfontänen beherrschten Regen, sodass auch seine Freunde, die den Weg durch den Wald suchten, in ihren Bewegungen stoppten und den Rückweg einschlugen. Der Name der Prinzessin des Schicksals entkam seinen Lippen wie eine machtvolle Beschwörungsformel, immer und immer wieder. Und als sich die weitreichende Energieattacke auflöste, die Überbleibsel jener Kraft eine riesige Schneise über die Felder gezogen hatten, war das Ausmaß von Kotakes und Koumes verheerender Magie zu erahnen… Glimmend und glitzernd verpufften die letzten Reste der Flut aus Eis und Feuer, als Zelda, inmitten von glühender Asche und klirrendem Eis, zusammenbrach…
 

Als er sie erreichte, nur mehr still, kaum ein Gefühl auf seinen aufgeplatzten Lippen, kaum ein Gefühl in seiner Seele, die sich wie ein winselndes Kind in seinem Inneren verschlossen hatte, ließ er sich einfach auf seine nackten Knie sinken, ignorierte den Matsch und die schlitzenden Reste der vernichtenden Magie auf seiner Haut. Sorgsam drehte er Zeldas wunderschönes Antlitz zu sich, dann als sein Bewusstsein immer mehr zu schwinden schien. Wie in Trance strich er braungefärbte, eisnasse Haarsträhnen aus einem blassen, bezaubernden Gesicht ohne jeglichen Harm, streichelte über ihre geschlossenen Augenlider. Beinahe gnädig war das Schicksal nun, da es Zelda in eine besitzergreifende Ohnmacht geschickt hatte. Jetzt, da sie ihre Kraft wie ein Pulverfass entladen hatte um sich selbst vor den Attacken der Hexen zu schützen. Zelda war ohne Harm… sicher… behütet. Sie würde, nun da sie ihre verlorene Magie aus Hyrule erneut einsetzen konnte, niemals wieder schwach und hilflos sein.

Lange Augenblicke zogen an Link vorüber, in diesem glücklichen Umstand, dass Zelda ausgerechnet heute in der unnötigen Auseinandersetzung mit Preston ihre vergessene Magie heraufbeschworen hatte… Augenblicke voller Trance, die sich über seine Sinne erhoben…

Zelda lebte… und gerade deshalb war ihm egal, dass Kotake und Koume noch immer im Hintergrund ihre schaurigen Lieder sangen. Er nahm das bewusstlose Mädchen auf seine Arme, nun noch deutlicher mit einem leeren Blick in seinen tiefblauen Augen… Er stapfte mit schweren Schritten vorwärts, ignorierte die beiden Hexen… Er trug seine Prinzessin weiter durch den strömenden Regen, als Dolche aus Eis und Bälle aus Feuer niedergingen… Aber aus irgendeinem Grund trafen sie den Heroen nicht, der mit leerem Blick und andächtig seine bewusstlose Zelda auf den starken Armen balancierend weiter trat. Sie wetterten ihre böswilligen Zaubersprüche durch die Nacht, zischten, aber es schien, als hörte Link sie nicht. Sein Bewusstsein war besiegt von seinen eigenen Dämonen, so als hätte er einen Fuß in die Abgründe seiner eigenen Seele gesetzt.
 

Und in der stoischen Leere seiner tiefblauen Augen tanzte gnädig und reif nur ein einziges, noch junges Bedürfnis… wuchs mit jeder Sekunde, auch dann als Link seine bewusstlose Prinzessin ohne Worte in die Obhut seiner Freunde entließ. Er erreichte sie in dem eisigen Nebel über den Feldern, doch sie erreichten Link im Gegenzug nicht mental. Er war in einer Welt fern abseits, in einem Zauber gnadenloser Kriege entschwunden um das zu beschützen, das seine Seele zusammenhielt. Sara versuchte auf ihn einzureden, aber er blickte wie durch sie hindurch. Rick packte seinen besten Freund an den Oberarmen, und doch konnte er ihn damit nicht erreichen. Link war nicht mehr der verträumte, junge Kerl mit der sanftmütigen Erscheinung, er folgte nur noch still dem einen Bedürfnis in sich aus diesem Kampf hervorzugehen, stärker, mutiger, heroischer. Er folgte der einen unaussprechlichen Wahrheit in sich… Er war für den Kampf gemacht. Ein Werkzeug des Krieges und des Stahls…

Mit sicheren Schritten, drohend, schwer, trat Link zurück in das Auge des Gefechtes, geradewegs hinein in die Böen aus eisträchtiger und feuerbrünstiger Magie. Weil er es musste… und weil er es wollte. Dieser Kampf war nur eine weitere Prüfung… Zielstrebig lief er hinein in die Gefahr, todesmutig, augenscheinlich leichtsinnig… wäre da nicht der winzige Funken einer gewaltvollen Aura, die mit jedem weiteren von Links Schritten in seinem Dasein niederschlug und wäre da nicht eine Bereitschaft in seinen Augen, die erschreckte. Die Bereitschaft zu töten, ein haltloses Beben von Hass und Zorn, kriegerisch, verboten. Er trat zu seinem Schwert in den triefenden Matsch, ergriff die Klinge, eine Waffe, die mehr als jede andere Waffe vorher mit ihm verbunden war. Er hob sie in die Höhe als ein leidenschaftliches Symbol seiner heroischen Anklage. Seine tiefblauen Augen funkelten wie ein gnadenloser Richter in der Nacht der Stürme… Er blinzelte nicht, als er seine Klinge ein weiteres Mal in die Höhe streckte, das Herz des Stahls leidvoll summte. Es knackte, als um Link herum die Blitze zuckten und der Donner der Welt grollte… doch diesmal war da jene Magie, die über den Verlauf des Kampfes entscheiden würde. Das silberne Schwert in Links Hand sang, begann zu leuchten wie eine gleißende Sonne im jungen Erdzeitalter. Und da endlich stoppten die alten Hexen in ihrem Reigen, zischten nun in noch schrägeren Tönen, erkannten eine Qualität in ihrem Vernichter, den sie außer Acht gelassen hatten.

„Wer bist du, Bursche?“, brüllten sie. „Wer hat dich erschaffen?“ Kotake und Koume stoppten in ihren Bewegungen, fielen schwächelnd nieder. Sie erkannten innerhalb von Sekundenbruchteilen, dass die Anklage in Links scheinbar leeren Blicken nur die gelassene Übermacht einer starken Persönlichkeit war. Sie erkannten ihn nun, den einen Helden Hyrules, zischten und doch bewegten sie sich kaum. Der Heroe klagte sie an, erschuf ein Netz der Starre, beendete den Wahnsinn dieser Nacht mit einer unheimlichen Natur. Und als Kotake und Koume begriffen, dass sie sich nicht mehr wehren konnten, zankten sie nur noch lauter, grölten krächzende Laute in die versteckte Welt der Sterne über dem Sturm.

Eine vergessene Magie schuf sich ihren Weg in diese Welt und Link war die Brücke. Er klagte die Hexen an, ohne dass er redete. Er lähmte sie, sodass sie weder ihre Magie einsetzen noch irgendwohin flüchten konnten. Mit dem Angriff auf Hylias Blut hatten sie ihr Schicksal besiegelt…

Und das allererste Mal in der Geschichte von Kotake und Koume, in dieser entstellten, sinnlosen Existenz, in dem von bösen Essenzen genährten, leblosen Fratzen war da ein Ausdruck von Angst vor der Hölle. Das allererste Mal wussten sie, dass sie nach der Vernichtung auf dieser so unscheinbaren Erdenwelt nicht mehr zurückkommen würden. Sie schrien wie hysterische Kinder, brüllten Formeln alter Magie in die Welt und doch war jeder böswillige Keim erloschen, erstickt von der lähmenden Macht des Guten.

„Nein, das darf nicht sein! Lord Ganondorf“, röchelten sie, als der junge Heroe gemächlich nähertrat, sein Gesicht nur ein Schatten von Beherrschtheit und befehlender Kapitulation. Es war vorbei, der Alptraum dieser Nacht fiel nieder durch die Hand des einen Helden. Mit einem richtenden Schwertstreich, scharf und erfüllend, zog er beide Köpfe der Hexen von den Körpern, durchtrennte das böse Leben, tötete die dunkelsten Gelüste. Unwirklich fielen die Häupter der Hexen in den eisigen Matsch, zerfielen zu Asche in Sekundenbruchteilen, erst dann folgten die fallenden Körper, vermischten sich in ihrem glühenden Zerschmelzen mit frischem, stinkendem Schlamm.

Und als von Kotake und Koume kein Härchen mehr übrig war, ließ Link das Schwert fallen und stand einfach nur da. Eine ungewöhnliche Aura ging von ihm aus, die seine Freunde spüren konnten. Und diese vom Kampf durchtränkte Aura war stark, ehrfürchtig und unheimlich stark…
 

Der junge Held blickte in den Himmel, wo jener sein verheißendes Ergießen, seine stürmische Wut abflauen ließ, so wie der Zorn einer alten kriegerischen Entität aus Links Bewusstsein flüchtete… Und als in Schicksalshort endlich wieder Lichter leuchteten, von irgendwoher der Notstrom rauschte und die Straßenlampen den Ort erhellten, ja, in dem Augenblick ließ sich Link knackend auf den Boden sinken und atmete schwer. Er zitterte, fühlte sich überall unsagbar kalt, so durchgefroren wie noch nie in seinem Leben. Als wäre das Leben aus seinen Gliedern gewichen und kämpfte nun verbittert in jede einzelne Zelle zurückzufinden, spürte er einen stechenden Schmerz überall, riss ihn nur noch weiter zu Boden. Mühevoll stemmte er seine Hände in den kalten Matsch, war dankbar für zumindest diese Empfindung und versuchte jenen krampfartigen Schmerz mit seiner Atmung zu beherrschen. Er wusste nicht, was er getan hatte, verstand die Welt nicht mehr, als er um sich blickte und das Gewitter sich entladen hatte und sogar erlaubte die Sterne am Himmel leuchten zu sehen. Nur schwerlich kroch die erschütternde Erinnerung zurück in seine Gedankenwelt. Seine Freunde und er waren geflüchtet… vor Kotake und Koume!

Der einprägsame Name seiner Prinzessin entkam seinen rauen, leicht aufgerissenen Lippen, als er seinen Körper mit Schwindelgefühlen in die Höhe brachte. Sein Kopf schmerzte wie wild und sein Puls raste so schnell, das seine Adern schmerzten, sein Herz pumpte qualvoll und ermüdend. Dann rief er nach ihr, nach seiner Seelenverwandten mit aller Zärtlichkeit und einer wiedergewonnenen Verträumtheit, die ihn doch auszeichnete, ihn zu sich selbst führte.

Plötzlich riss ihn eine bekannte Stimme aus seinen Gedanken und er fühlte eine warme Hand auf der Schulter, eine beruhigende Hand, die den zermürbenden Schmerz in jeder Faser seines Körpers heilte. Sara sah ihn aufmunternd an, berührte sein schweißnasses Gesicht mit ihrer anderen Hand, nahm Anteil an der Verzweiflung, die Link überrannte. Er wusste nichts von dem, was er gerade getan hatte, aber er fühlte sich scheußlich, innerlich überfordert… und irgendwie… tot. Seine Schwester zog ihn in eine wärmende Umarmung. Wie nur konnte sie so warm sein inmitten der Nässe und der Grausamkeit dieses Schlachtfeldes? Mit einem Schluchzen sank Link in sich zusammen, ließ den Kopf auf Saras Schulter ruhen und konnte sich nicht vorstellen jemals wütend auf sie gewesen zu sein. Er erinnerte sich an die Einzelheiten des Abends, daran, dass Sara so viele Dinge vor ihm verschwiegen hatte. Doch jetzt, nach dem Kampf, war dies alles so belanglos… und unwichtig. Das Leben war zu kostbar um seiner kleinen Schwester dies nachzuhängen.
 

„Es gibt wohl einige Dinge, die du uns erklären musst“, murmelte Rick, der sich ebenfalls annäherte und es war die Art und Weise, wie er es sprach, erhellend und anteilnehmend, dass Link etwas Kraft finden konnte sich von dem eben Erlebten zu distanzieren. Er löste sich aus Saras Umarmung, dankend.

„Wo ist Zelda“, war das erste, was er sagte. Er konnte kaum realisieren, dass Zelda bei Maron und Mike im Schatten der Bäume auf ihn wartete. Es erschien ihm, als arbeiteten seine Sinne nur noch verlangsamt, als erfuhr er die Welt in einem angetrunkenen Zustand.

„Sie ist unverletzt, Link, aber noch bewusstlos, hinten am Waldrand bei Maron und Mike“, erklärte Sara wissend. Ja, sie wusste alles… „Kein Wunder, sie hat ihre Kräfte, die sie noch nicht verstehen kann, wie ein explodierendes Pulverfass wüten lassen. Es hat sie schlichtweg überfordert, sie braucht nur etwas Schlaf.“

Link nickte, als das Mondlicht über die Felder wanderte und die Nacht sich von der Gewitterbrunst erholte.

„Die Hexen…?“, murmelte Link, noch immer benommen. Etwas sprachlos blickten Rick und Sara zu Boden. „Kotake und Koume sind vernichtet, Link. Du warst es“, erklärte Sara und versuchte es mit einem aufmunternden Lächeln. „Du kannst dich nicht erinnern?“

Er seufzte und wischte sich dünne Blutflecke von den Lippen, dann sah er auf, mit diesem durchdringenden Blick aus seinen tiefblauen Augen. Etwas melancholisch wanderte sein Blick gen Horizont. „Ich weiß noch, dass Zelda von der Hexenmagie erfasst wurde, dann… dann ist da nichts mehr.“ Er erhob sich, spürte eine aufkommende Übelkeit über sich hereinbrechen und einen hetzenden Puls, der seine Adern pochen ließ. Etwas in ihm hatte ihn überschwappt wie eine Flutwelle ein wehrloses Boot auf offener See. Etwas hatte ihn kontrolliert, gefangen genommen und zu einem Krieger gemacht, der nur dem Summen des Stahls folgte und die Schärfe und Grausamkeit erbarmungsloser Verwüstung kannte. Erneut eine ungewollte Herausforderung, dachte er. Erneut ein Problem… Hatte er nicht gerade genügend offene Fragen zu lösen?

Ein neuer Trübsinn folgte ihm wie ein kleiner Keim im Schatten des leuchtenden Mondes, während Link so untypisch in beinahe humpelnden Schritten zum Waldrand steuerte. Matsch und trockenes Wiesengras hing überall an seinem Körper, sodass er erschreckend mitgenommen aussah, und dann erreichte er Maron, Mike und seine bewusstlose Prinzessin.

„Ist es vorbei?“, sprach Mike leise, während Maron, die einst so fröhliche Farmertochter, leise wimmerte.

„Ist es…“, antwortete Link und tat nichts anderes als Zelda auf seine zitternden Arme zu nehmen. Selbst in ihrer Ohnmacht war sie so wunderschön… Sie hatte nicht einmal Schmutz im Gesicht, die porzellanweiße Haut ihrer Arme und Beine schien im Mondlicht zu schimmern. Und als Link sie hielt, spürte er mehr Wärme von ihrem Körper ausgehen als von sich. Sie fror nicht, war völlig gesund und im Einklang mit ihrer Physis, während der Heroe sich kaum standhaft halten konnte… wohin nur war seine Kraft?

Und auch der Gedanke, dass er heute Abend versagt hatte sie vor dunklen Kreaturen zu bewahren, wandelte sich in Bitterkeit und Schmerz. Wenn nicht die grausame Natur in ihm Oberhand gewonnen hätte, wäre dieser Abend vielleicht mit den schlimmsten Verlusten überhaupt für Link ausgegangen. Er fühlte sich schwach und ausgelaugt, aber er würde seine Prinzessin mit seiner verbliebenen Sturheit zurück in sein Elternhaus tragen, über die nasse Wiese… durch die sich erhellende Nacht. Der Sonnenaufgang war über den Wipfeln der Bäume fast schon zu erahnen mit zarten pastellenen Farben, die den Mond zur Rückkehr zwangen.

Trotzig trat Link vorwärts, mit stoßweisen Atemzügen einen Schritt vor den anderen. Rick half der verzweifelten Maron beim Aufstehen und führte sie mit tröstenden Worten zum Haus zurück. Auch Sara und Mike folgten, sortiert und gefasst. Beide hatten vermutlich schon sehr viel länger mit übernatürlichen Gegebenheiten zu tun, folgten schweigend, als erste Strahlen der Morgensonne über die Welt fielen. Sie waren reinigend, und so wohltuend warm wie das Licht wenn die Dunkelheit fiel…
 

Zurück im Haus der Braverys brachte Link seine noch immer schlafende Prinzessin in sein Bett und sank einige Augenblicke an der Bettkante nieder. Er schloss die Augen mit immer brutaler werdenden Kopfschmerzen und suchte etwas Halt in Zeldas Nähe, nicht ahnend, dass gerade sie vor wenigen Stunden auf diese Weise bei ihm saß. Er überprüfte ihren Zustand sorgfältig, ihren Puls, suchte nach Verletzungen, die er nicht fand. Obwohl er mit allen Sinnen spüren konnte, dass es ihr gut ging, drückte er Zeldas zarte Hände gegen seine Lippen und murmelte ehrfürchtige, aber irgendwo auch unsinnige Worte des Verzeihens in das von grauen Schatten erfüllte Zimmer. Erneut rüttelte ein altes Bewusstsein an mentalen Ketten. „Ich… bitte dich um Vergebung… Prinzessin… meine Prinzessin… ich habe dich im Stich gelassen… ich habe versagt…“ Seine Stimme ging in der leichten Düsternis seines kühlen Zimmers unter, ließ auch diese Worte nur mehr verschwommen hallen…
 

Als erste erweckende Lichtstrahlen in Links Zimmer fielen, trat er mit noch immer pochendem Schädelweh hinab zu seinen Freunden, die sich leise im Esszimmer unterhielten. Sie waren zum Teil fassungslos, ausgelaugt oder durcheinander. Link erzählte ihnen schließlich alles, restlos alles über seine und Zeldas Geschichte, alles, was in seinem Wissensbereich lag. Er saß hier, entblößt in allen Zweifeln und Unsicherheiten, mit Scham und Schuldgefühlen vor den einzigen Menschen, die es verstehen konnten, vor seinen Freunden. Sie hörten verständnisvoll zu, versuchten zu begreifen wie schwer die Bürde sein musste, die Link trug. Es machte keinen Sinn mehr zu schweigen, über sein Schicksal, über das Böse, die heile Welt hatte sich vor den Jugendlichen in dieser Nacht mit dem Sturm aufgelöst. Auch Sara berichtete im Gegenzug, dass sie insgeheim nach dem unerklärlichen Angriff auf Links Leben durch Skelettritter nachgeforscht hatte und dass sie sich an Ines Schattener bezüglich ihrer Fragen gewandt hatte.

„Link, es tut mir leid“, sprach Sara schließlich, den Kopf gesenkt und voller Reue, aber auch Mitgefühl. Auch sie wirkte verschmutzt, übermüdet mit lila Augenringeln. Genauso wie die anderen hatte sie, nachdem sie in das Haus zurückgekehrt waren, sich hier ins Wohnzimmer begeben und einfach nur hingesetzt. „Ich kann so gut verstehen, dass dich mein Schweigen sehr wütend gemacht hat“, setzte sie hinzu. Sie drückte ihre Hände in den Schoß, suchte dort nach dem Stoff ihrer Hose um eine Beschäftigung für ihre nervösen Finger zu haben. „Irgendwann wusste ich bei all den schlimmen Geschehnissen nicht mehr, wie ich dir sagen sollte, was ich herausgefunden hatte… und als du dich mit Zelda versöhnt hast, ich wollte euch einfach nicht…“

Der junge Heroe saß erschöpft und lethargisch auf dem Sofa, beschmiert mit Matsch und ein paar Kratzern im Gesicht, Prellungen an den Armen und Beinen, sah er beinahe unheimlich aus, während Sara ihren Standpunkt erklärte. Er war dem ganzen Wirrwarr um das, was war und sein sollte, schlichtweg müde. Er war auch zu müde um noch länger wütend zu sein, er war einfach überfordert, weil er nichts von dem entscheidenden Kampf gegen Kotake und Koume wusste, nichts, absolut gar nichts.

Er blickte seiner kleinen Schwester mit einem versteckten Grinsen entgegen, es war halbherzig, aber anders wusste er gerade nicht mit diesen Schuldgefühlen Saras umzugehen. „Ich bin nicht mehr wütend, Sara“, sprach er nachdenklich, aber gelassen. „Ich bin einfach nur… überfragt. Ich kann dir nicht so lange böse sein“, setzte er hinzu, schloss dabei die Augen und wurde von einer von ihrem Platz hüpfenden Sara in die Arme gezogen. „Du bist mein großer Bruder, egal, wer du einmal warst. Du bist mein bester Freund, warst es immer. Ich werde immer für dich da sein!“, sprach sie fest und sicher, sie umarmte Link beinahe behütend. Er seufzte in der Umarmung, dankbar nickte er. Es tat so gut zu wissen, dass er mit diesen ganzen Zweifeln nicht mehr alleine war. Warum nur hatte er die letzten Monate sich alles alleine aufbürden müssen? Er streichelte Saras braunen Hinterkopf und blickte sie durchdringend an. „Aber eines hätte ich gerne gewusst…“ Und Links tiefblaue Augen musterten Mike, der auf der Eckbank am Tisch saß, eindringlich. „Warum hast du dich entschieden Mike einzuweihen… ich verstehe ja, er ist dein Freund, und es hat auch nichts mit dem Streit zu tun, den ich und Mike einmal hatten.“

Doch da erklärte jener diesen Umstand eher abtuend. „Sagen wir es so, ich habe es eher unabsichtlich herausgefunden.“ Mike hatte einen langen Kratzer in seinem Gesicht, wo seine lachsfarbenen Haare zum Teil über seine Sommersprossen fielen. Mike wirkte gerade nicht so unscheinbar und irgendwie auch unwichtig, wie Link ihn in all der Zeit gesehen hatte, nun ja, er hatte ihn wohl eher vermieden. Seine Besorgnis und sein Bemühen um Sara, auch dass er sich ihr gegenüber unglaublich loyal verhalten haben musste, beeindruckte Link in dem Augenblick. Er hatte sie sogar verteidigt. Mike verschränkte die Arme, es war ihm anzusehen, dass er nicht die falschen Worte sagen wollte.

„Das ist richtig“, sprach Sara. „Eigentlich wollte ich genauso wie du nicht, dass andere Menschen eingeweiht werden.“

Link gab sich nicht völlig mit der Erklärung zufrieden und ahnte, dass Sara mit noch weiteren Zweifeln zu kämpfen hatte, aber er spürte auch, dass es nichts mit ihm zu tun hatte, dass es okay war und dass es für ihn keinen Grund gab für Misstrauen oder Sorgen… nicht in jener Hinsicht.

Link erhob sich, spürte immer mehr, wie die Erschöpfung in Gestalt von vielleicht Hundert unsichtbaren Gewichten über seinen Schultern drückte, zumindest fühlte es sich so an.

Er reichte Mike Kilhagen die Hand, eine lange schon überfällige Geste, endlich konnte Link mit ihm auf Augenhöhe die Streitereien in der Kindheit ausräumen. Eigentlich wussten beide nicht einmal, warum sie überhaupt so aneinander geraten waren… wegen Sara?

„Ich danke dir, dass du für Sara da warst“, murmelte Link. Es war so ritterlich und beinahe weise, dass der junge Heroe auf seinen alten Feind aus Kindergartentagen zuging. Mikes Gesicht wurde rot wie Kirschen. Er hatte nicht mit einem Friedensangebot gerechnet. Verlegen schüttelte er die starke Hand des Heroen. „Das hab‘ ich gern gemacht“, meinte Mike, seine beinahe bübische Jungenstimme stockte ein wenig.

„Es war trotzdem nicht selbstverständlich“, murmelte Link. „Ich hoffe, wir können die kindische Feindschaft von damals endlich ruhen lassen.“ Mike nickte erfreut, das erste Mal traten die beiden in Augenhöhe voreinander. Wie seltsam doch die Welt war… Sie mussten erst einen Kampf gegen übermächtige Gegner ausfechten, um den Wert von zwischenmenschlichen Begegnungen anzuerkennen und alte Feindschaften zu begraben…
 

Gerade da kam Rick zurück in den Raum, er hatte, nachdem Link ihnen im Schnelldurchlauf die Geschehnisse des halben Jahres berichtet hatte, eine erschöpfte und verängstigte Maron in das Gästezimmer gebracht.

„Wie geht es ihr?“, murmelte Link und kam nicht umher sich trotzdem schuldig zu fühlen. Erneut war Maron in die Kämpfe verwickelt worden, und sie war nicht darauf vorbereitet, sie war für Verwicklungen mit übernatürlichen Dingen zu gutmütig, und vielleicht auch zu schwach und unschuldig.

„Es geht schon wieder, sie ist innerhalb weniger Minuten eingeschlafen“, meinte Rick und atmete tief durch. „Was für ein verdammter Abend!" In Ricks rehbraunen Augen stand noch immer eine herbe Verzweiflung. Sicherlich wusste er seit geraumer Zeit über Links Träume und seine merkwürdigen Erlebnisse Bescheid, aber sich in einer vom Bösen bedrohte Welt zu wissen, verlangte ihm alles ab. Auch Rick sah furchtbar mitgenommen aus, seine Kleidung teilweise zerfetzt, sein Haar mit Schlamm besudelt. Er ließ sich am Esstisch nieder und trank mit einem Zug ein Glas von dem Rotwein, der noch übrig war. Er war kein Freund davon seinen Kummer mit Alkohol zu bezwingen, aber gerade jetzt, brauchte er es.

„Ich bin… so verdammt froh, dass du diese Hexen besiegen konntest“, sprach er, müde und ausgelaugt. „Ich weiß, du hörst das sicherlich nicht gerne… aber du bist einfach der Held, den diese Welt braucht… der eine Held…“ Rick drückte seine Lippen aneinander, erzeugte damit ein teilweise unsicheres Lächeln. Dennoch… in seinen Augen blitzte Bewunderung und Stolz ein Freund des Heroen aus Hyrule zu sein.

Link schüttelte innerlich den Kopf, erinnerte sein Pflichtgefühl mit herber Frustration. „Wenn ich nur wüsste… was mit mir passiert ist.“ Ja, er war der Held aus Hyrule, er sollte ein Bezwinger des Bösen sein, geboren aus Rechtschaffenheit, dem Guten verpflichtet. Dass er auf eine grausame Weise gewütet hatte, Kotake und Koume einfach die Köpfe vom Leib gesäbelt hatte, hing wie ein kalter Schatten über ihm.

„Egal, was es war, wir müssen alle dankbar dafür sein“, entgegnete Rick. „Dein Blackout, ich nenne es einfach mal so, war notwendig.“

„Du meinst, ich muss dankbar sein für diese Düsternis in mir?“

„So würde ich es nicht bezeichnen, Link. Du weißt noch nicht, was das war. Wichtig ist nur, es hat uns alle beschützt!“, sprach Sara und versuchte beinahe zwanghaft der Situation etwas Gutes abzugewinnen. Natürlich war es gut, dass sie alle wohlauf waren, natürlich war der Ausgang irgendwo gut… aber es hatte auch einen sehr üblen Preis.

„Ich weiß nur nicht, ob es etwas Gutes ist, wenn ich die Kontrolle dabei verliere…“ Link seufzte und schien immer mehr in sich zusammenzusinken. Einmal mehr schwappte eine Welle der Müdigkeit über ihn hinweg, ließ ihn beinahe einnicken.

„Wie auch immer…“ Rick grinste dann. Er versuchte die Situation runter zu schaukeln. „Wir sollten endlich etwas Ruhe finden, wir sind alle fix und fertig.“ Alle Anwesenden seufzten auf diese Worte und nickten zustimmend, beinahe erleichtert. Musste Rick es erst ansprechen, dass jeder der Freunde die Erlaubnis verspürte endlich schlafen gehen zu dürfen. Einmal mehr blickte Link durch die Runde, sah diese vertrauten Gesichter mit wohlwollenden, erleichterten Gesichtszügen, mit dieser riesigen Unterstützung ihm und Zelda gegenüber, dachte daran, wie glücklich der Umstand doch eigentlich war, dass sie alle diese Nacht überlebt hatten… alle unverletzt… alle ohne weitere Schrecken. Auch wenn es ihm schwer zu schaffen machte, dass eine unbekannte Stimme in ihm, genährt durch alptraumhafte Düsternis die Kontrolle an sich gerissen hatte, so war Link erneut unheimlich dankbar. Denn einfach so hätte er die Hexen kaum bezwingen können… und an die Konsequenzen, wenn jene entkommen wären, wollte Link nicht einmal denken. Ein zaghaftes Lächeln trat auf sein erschöpftes Gesicht, ließ den tapferen jungen Mann durchschimmern, der er doch war und der selbst im Gefängnis seiner selbst eine stetige Rechtschaffenheit behalten würde.
 

Es war fünf Uhr in der Früh. Rick und Link bauten so gut es ging die Tür wieder zusammen, während Sara und Mike das Wohnzimmer säuberten. Es war so viel passiert, dass die erschöpfte Meute einfach kein Auge zu machen konnte, auch wenn sie versucht hatten in den Schlaf zu finden. Der trübsinnige Held hatte gerade einen Schraubenzieher in der Hand, als seine Prinzessin die Treppen hinunter gestolpert kam. Augenblicklich trat er zu ihr hinüber, drückte sie so innig an sich, dass Zelda nach Luft schnappte. Sie war noch zu müde um eine solche Attacke der Zuneigung zu verarbeiten und zu müde, als dass sie ihre sonst so selbstverständliche Mauer gegen tiefe Empfindungen aufbauen konnte. Sie umarmte ihren Heroen ebenfalls, drückte ihre zarten Hände an seinen durchgeschwitzten Nacken und seinen von Schlamm bedeckten Hinterkopf, was ihn überraschte. Sie streichelte ihn… seufzte erneut.

„Dass du mir nur immer so viele Sorgen bereiten musst, du Dummerchen...“, sagte Link leise und lächelte schwach. Es tat so gut Zeldas Trost zu spüren.

„Dass du dich nur immer in solche Gefahren bringen musst, du leichtsinniger Taugenichts...“, erwiderte sie, versuchte das Verlegenheitsrot in ihrem Gesicht zu unterdrücken. Erst dann löste sie sich aus der Umarmung, schob ihre Hände vor die Brust und blickte nervös zu Rick, worauf Link meinte, als würde er ihre Gedanken lesen: „Sie wissen Bescheid, Zelda, über alles...“

„Wirklich alles?“

„Ja, alles und jede Einzelheit...“ Links erleichterter Blick sagte ihr, dass es für ihn okay war, dass sie die Geheimnisse nun wussten. Dennoch… da war ein Funken Bitterkeit in ihm, in seiner starren Haltung, in dem Zucken seiner Augenbrauen und in diesem schönen Tiefblau seiner Augen. Zelda kannte ihn zu lange als dass sie seine wahren Bedürfnisse und Einstellungen zu diesem Thema übersehen könnte. Sie spürte es, er war nicht im Reinen mit sich selbst…

„Zumindest alles… was ich über unsere Vergangenheit weiß… und es ist genug.“

„Ich verstehe…“, sprach sie und beobachtete Rick, der ihr ein wohlwollendes Grinsen schenkte, sah Sara und Mike verstohlen entgegen, die ebenfalls nickten.

„Wo ist Maron?“

„Sie ist eingeschlafen…“, erklärte Rick. „Zum Glück… der Angriff, die Flucht, es hat sie überfordert. Sie muss das alles erst verarbeiten.“ Zeldas Gesichtszüge entspannten sich, als sie verstand und den Ausgang dieser Schlacht erahnte. Sie sah es in den Gesichtern der anderen, an Links Gestik und Mimik, dass er bereit gewesen war Kotake und Koume zu töten.

„Ist mit dir alles in Ordnung? Du siehst erschöpft aus“, sprach Zelda an ihren Heroen gerichtet.

„Ich bin okay“, sagte Link und wendete sich ab. Er wollte ihr nicht erzählen, zu welcher Kampfmaschine er mutiert war, als er glaubte, ihr wäre etwas zugestoßen. Er hätte es sich niemals mehr verzeihen können, wären Zelda oder seine Freunde verletzt worden.

„Als ich sah, dass die Hexen mich treffen wollten, habe ich meine Kräfte genutzt. Du brauchst dir wegen mir keine Sorgen mehr zu machen, Link.“ Sie versuchte ihm eine Last von der Seele zu nehmen, aber spürte deutlich, dass ihn noch weitaus mehr als der Angriff von Kotake und Koume bedrückte.

„Link?“

„Ich werde mir immer Sorgen um dich machen“, murmelte er und half dann Rick wieder bei der Tür. Zelda wusste, dass er etwas Abstand brauchte, nun ja, eigentlich Ablenkung brauchte, um sich selbst in diesem Chaos wieder zu finden. Sie nickte schwach und half Sara und Mike beim Aufräumen.



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