Geheimnisse
Kapitel 119
Geheimnisse
Es ist kurz ruhig.
„Äh, Hikari, ich will dir ja nicht zu nahetreten, aber hast du heute schon die neusten Sportnachrichten gelesen? Da gibt es seit heute Mittag Gerüchte über ihn.“, sagt eine Spielerin plötzlich ganz ruhig und mitfühlend. Hikari grinst etwas.
„Das sind keine Gerüchte. Er hat es mir schon gesagt.“
„Aber dann…dann habt ihr ja eine Fernbeziehung. Das ist doch doof.“, meint diese. Hikari atmet ganz tief durch und sieht ernst alle an.
„Nun gut, dann muss ich es euch wohl doch schon sagen. Ich darf es aber eigentlich nicht. Ihr müsst unbedingt dichthalten, sonst kommen wir alle in Teufelsküche.“ Akane stutzt.
„Was meint sie mit Fernbeziehung? Welches Gerücht?“
„Also, als die Frauen vom Torino-Team herkommen wollten gab es diesen Unfall mit dem LKW, Viola und Ludovica lagen im Koma. Nun ist es so, Violas Mann ist einer aus dem Juventus-Team in dem Hyuga spielt. Die beiden haben zwei kleine Kinder. Er ist französischer Nationalspieler und war bereits auf dem Weg hier her, um gegen das befreundete Japan-Team zu spielen. Also Takeshis Team hier. Sie wollten sich hier treffen. Tora und Kojiro fingen ihn ab und er flog dann gleich wieder zurück. Dann entschied er sich das Team zu verlassen und mit dem Profisport aufzuhören, um für seine Familie da zu sein.
Das war der ganze Auslöser. Takeshi ist Mittelfeldspieler wie er und da hat Juventus ihn sich sofort gekrallt, damit ihr Sturm, also Hyuga, einen Top eingespielten Mann an seiner Seite hat. Nur bevor die anderen Vereine davon Wind bekommen. So ist der Verlust im Team nicht zu groß.
Nun aber fehlen zwei Spielerinnen im Torino-Team, Viola ist die starke Angreiferin und Kapitänin und Ludovica ihre beste Zuspielerin. Beide fehlen nun. Als Martina, also Tinas Freundin im Team, bei der Besprechung dabei war und nebenbei ganz leise verlauten hat, man könnte sie doch nochmal aus der Schublade holen und fragen, denn sie wusste in dem Moment bereits, dass Tina mit Hyuga zusammen ist, ob sie kommen will, kam dann eins zum anderen. Man bat ihr also noch heute Nacht an zum Torino-Team zu wechseln. Und da ihr Trainer wusste, dass Ludovica die Einzige war, die Tinas Bälle zuspielen konnte, die sie ja brauchen, sollte sie eine Zuspielerin mitbringen. Und die werde ich nun sein, da Yoko nicht kann hat sie mich gefragt. Also werden wir euch beide verlassen und nach Turin gehen. Takeshis Transfer kam wie gerufen.“ Alle sind ruhig. Irgendwie kann gerade niemand etwas sagen.
„Du verlässt uns also auch? Und ihr habt beide bereits einen Transfer am Laufen?“, vermutet Akane.
„Richtig, aber der darf noch nicht bekannt gegeben werden. Sie müssen bis zum Saisonstart geheim bleiben. Du kennst das doch, manchmal gibt es solche Absprachen.“
„Wow, das ist der Hammer, echt.“
„Kann man so sagen. Tina hatte zuerst Angst mich zu fragen, weil ich ja in festen Händen bin und hat abgewartet als sie von dem Transfer von Takeshi erfuhr ob er ihn auch annimmt. Aber er musste, denn sein Verein konnte bei der Transfersumme nicht ablehnen und er ist jung und soll internationale Erfahrungen sammeln. Also auch für das Japan-Team ist es ideal, wenn die beiden in Europa miteinander gegen starke Gegner spielen.“
„Das stimmt. Die Italiener sind sehr stark.“ Akane ist etwas irritiert, aber sie lässt es sich nicht anmerken und hält die Hand vor sich in Bauchhöhe.
„Nun gut, jetzt aber! Lasst uns später reden. Dann wird dies hier unser letztes Spiel als komplettes Team. Oder Hikari? Du gehst doch gleich wie Tora nach Italien?“ Diese nickt nur und ist erstaunt, dass sie nicht mit ihr meckert.
‚Irgendwie ist Akane heute anders. Schon vorhin als ich sie alleine hier angetroffen habe war sie komisch. Gestern war sie noch total normal drauf.‘
Sie legt ihre Hand auf ihre, dann folgen die anderen und alle Blicke sind auf Akane gerichtet.
„Mädels, wir bleiben bei unserer Taktik. Es wird genauso gemacht wie wir es die Tage trainiert haben. Es wird nur eine kleine Änderung geben.“ Sie grinst.
„Da wir nun wissen, dass es unser letztes Spiel zusammen, wie auch gegen Tora sein wird, werden wir mehr als alles geben! Wir haben nur noch diese eine Chance sie zu besiegen. Und die nutzen wir. Ich weiß, dass sie einen neuen Ball für die Italiener aufhebt, aber wir werden sie in die Knie zwingen und ihr diesen neuen Ball entlocken, klar?!“ Es kommt ein einheitliches lautes Ja.
„Und einen Tipp habe ich auch für euch. Wir müssen diesmal alles aus uns rausholen. Stellt euch einfach vor, es geht um euer Leben. Es gibt nur ein Vorwährts, kein Zurück!“, macht sie klar. Alle sind erstaunt, dass sie plötzlich so einen Spruch äußert. Das war doch der Spruch von Tora selbst.
„Genau! Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen!“, haut die ehemalige Musashi-Spielerin raus.
Es klopft an der Tür.
„Ich bin es, Morisaki.“, kommt eine bekannte Stimme.
„Moment, Trainer.“, sagt Akane laut.
„Hört zu, wir dürfen ihm vermutlich auch nichts sagen. Also über Tinas Geheimnis und über Hyuga. Was meinst du Hikari?“
„Stimmt, ich weiß jetzt auch nicht was er weiß und wissen darf, er wäre sonst eben dabei gewesen. Herr Schmitt war da, aber er nicht. Morisaki weiß jedoch von unserem Transfer, aber das ist ja klar. Er wird es aber euch gegenüber natürlich nicht erwähnen. Also ihr wisst von nichts.“, erklärt sie sachlich.
„Das ist nur fair. Tora-san hat sich immer für uns eingesetzt.“
„Genau, jetzt sind wir mal dran. Sie behält unsere Geheimnisse für sich und wir ihres.“ Alle nicken ab.
„Wir sind soweit, Trainer.“, sagt Akane laut und der Trainer betritt den Raum.
„Na wie gut sind Sie drauf? Schaffen wir das heute?“, lächelt er sie motivierend an.
„Wir sind top fit. Wir können los.“, äußert Akane für alle zusammen.
„Eine Sache muss ich noch mit euch bereden. Das geht auch schnell.“, sagt er und schließt hinter sich die Tür. Alle sind gespannt, was mag es denn geben?
„Wir sollten unsere Taktik nochmal etwas überdenken. Frau Fuchs hat irgendetwas am Laufen. Hat von Ihnen irgendeiner mitbekommen warum wir jetzt ausgerechnet hier spielen müssen? Was stimmte denn mit der anderen Halle nicht? Ich habe das Gefühl, dass sie sich hier einen Heimvorteil erhofft. Und dann sind die Fußballer auf einmal als Zuschauer da, was soll das?
Ich bin zwar vorhin erst gekommen und habe mir die Halle angesehen und dann sehe ich, dass die alle da sind. Madam geht denen doch sonst immer aus dem Weg.“, murrt er und spricht sehr ernst und skeptisch zu den Frauen. Alle sehen ihn etwas verdutzt an. Wieso spricht er denn auf einmal so abwertend über Tina? Das hat er doch noch nie getan. Er hat bisher immer nur vor ihrer List oder ihren Taktiken gewarnt und versucht sie zu durchschauen, aber jetzt klingt es abwertend.
„Also soweit ich weiß ist der deutsche Verband da und die bestanden unbedingt darauf hier her zu kommen, weil die die Halle und die Schule von Tora-san ansehen wollten. Tora vermutet, die wollen versuchen sie noch zu überreden für die WM für Deutschland zu spielen oder sie zweifeln ihre Loyalität Japans gegenüber an. Irgendwas davon. Ihr gefällt das auch nicht.“
„Und wieso sehe ich da deutsches Personal rumhopsen? Hat sie etwa einer deutschen Cateringfirma den Vortritt gelassen? Wir haben vom Verband doch immer die gleichen Leute.“, murrt er wieder rum.
„Was ist denn mit Ihnen los? Wieso reden Sie plötzlich so abwertend über sie?“, mault Akane auf einmal rum und spricht ihre Gedanken aus.
„Ja genau, was soll das jetzt plötzlich? Das Catering ist ihre Gaststätte. Die andere konnte auf die Schnelle nicht hierherkommen und ihre liegt in der Nähe und da hat sie das schnell auf die Beine gestellt, dass die das übernehmen. Irgendwer musste es doch machen.“, erklärt Hikari.
„Ihre Gaststätte? Ich wusste gar nicht, dass sie eine hat.“, wundert er sich.
„Das weiß ja auch nicht jeder. Sie hat damals nach dem Tod ihrer Eltern die Gaststätte übernommen damit das Personal nicht auf der Straße steht. Deswegen hat sie doch die Uni verlassen, um eine schnelle Ausbildung zu machen und sie dann zu übernehmen. Sonst hätte sie auch bleiben können. Aber ihr Fach brachte ja nichts, da es nicht kaufmännisch war.“, vermerkt eine Spielerin.
„Und die Männer aus den Fußballteams sind hier, weil die sowieso hier waren. Die haben doch dieses Jahr ihr Urlaubs-Trainingslager hier und da kam die Info, dass alles her verlegt wurde. Da haben sie mitgeholfen die ganze Halle schick zu machen und nun sehen sie uns zu. Was ist daran das Problem? Das war doch sehr nett und nicht selbstverständlich.“, wird ihm erklärt. Er ist erstaunt.
„Das klang gestern Abend noch anders.“, murrt er plötzlich. Alle sehen ihn verwundert an.
„Was meinen Sie? Wieso gestern Abend?“, fragt Akane.
„Na mein Neffe spielt doch im Nationalteam. Er ist der dritte Keeper. Meine Schwester hatte gestern Geburtstag und er war natürlich auch da. Gut gelaunt war er jedenfalls nicht. Als wir dann fragten was los sei, dann erzählte er nicht viel, nur, dass sie als Team jetzt in diesem Fitnessprogramm sind. Gut, sind wir ja auch, ist eine tolle Sache, aber trotzdem war er irgendwie betrübt und hat sich verzogen. Er wolle angeblich nicht darüber reden. Eigentlich ist er eher der heitere Typ.“ Die Frauen sehen sich gegenseitig fraglich an.
„Und was hat das jetzt damit zu tun, dass Sie über Tora-san so herziehen?“
„Sagen wir mal so, ich habe ein Telefonat zwischen ihm und einem Mitspieler mitbekommen.“
„Worum ging es denn?“
„Es ging eindeutig um sie. Ich glaube er unterhielt sich mit seinem ersten Keeper, Wakabayashi. Sie sind befreundet und telefonieren öfters mal. Sie sprachen von irgendwelchen Lügen und Täuschungen. Dann fiel der Name Tina und irgendwas über ihren Bruder. Wakabayashi schien da etwas zu wissen und hat ihm dann von ihm erzählt. Aber seit wann bitte hatte sie Geschwister? Und wieso kann dieser andere Keeper davon wissen und ihm etwas über den Bruder erzählen? Das macht mich stutzig. Und dann kam Ryuga an und fragte mich ja vorher ob wir das Italien-Team ersetzen könnten. Das klingt doch alles seltsam, oder meinen Sie nicht?“ Die Frauen sehen sich erneut an.
„Naja, was ist dabei? Dann hatte sie eben einen Bruder. Ich hatte auch einen. Was hat das jetzt mit unserem Spiel zu tun? Sie taten eben als würde sie versuchen uns irgendwie reinzulegen, aber warum sollte sie das denn tun? Abgesehen davon, dass hinterhältige Maschen nicht ihr Ding sind, ist das Spiel doch in keiner Weise für irgendwen wichtig. Es ist ein reines Freundschaftsspiel und soll nur dem Zwecke des Trainings und der Unterhaltung dienen. Keine Wertung, wozu also flunkern? Das ergibt doch keinen Sinn. Sie kennen Tora-san nicht persönlich. Wenn Sie etwas über sie wissen wollen, dann fragen Sie sie oder den anderen Keeper selbst was das zu bedeuten hat.“, legt Akane fest.
„Ja genau. Was gehen uns private Sachen von Ihrem Neffen und Tora an? Er wird jetzt sicher auch zusehen und hat bestimmt sogar mitgeholfen. Das ist doch super.“
„Er war auf jeden Fall beim Helfen dabei, ich habe ihn gesehen. Die Männer trugen ja ihre Trikots noch und bei den Keepern war ein Morisaki dabei.“, erwähnt Hikari lobend. Akane erhebt das Wort.
„So, wir werden jetzt gehen und Tora-san so richtig fertig machen! Seid ihr dabei?!“ Alle rufen laut.
„Jawoll! Auf zum Angriff!“ Dann verlassen die Frauen zusammen die Umkleide und gehen voll motiviert in Richtung Halle. Der Trainer schaut ihnen verdutzt hinterher.
‚Was war das denn eben? Warum weichen sie mir aus? Die Frauen wissen doch was. Aber es scheint sie nicht zu stören. Nun gut. Dann ist es doch nicht so wie ich dachte. Man kann diese Frau so derart schlecht einschätzen. Ich bin erst seit einem Jahr Trainer in diesem Team. Mein Vorgänger ist in Rente gegangen und hat ein echt tolles Team hinterlassen. Soweit ich ihn verstanden habe war das Team vor ihrem Eintritt sehr zerrissen, stark, aber kein wirkliches Team. Ich kann mir das gut vorstellen. Saito ist eine sehr schwierige Person und ich verstehe immer noch nicht wie sie es schafft das Team zusammenzuhalten. In jedem anderen Team hätte ich sie niemals als Kapitänin akzeptiert.
Aber was hat es mit Frau Fuchs auf sich, dass die Frauen sie so in Schutz nehmen? Ich kenne sie persönlich nicht wirklich, nur durch die Spiele als knallharte Gegnerin. Beim Training jedoch hat man schon bemerkt, dass die Frauen sie mögen, aber als Gegnerin ist sie ihnen unberechenbar. Sie waren recht angespannt und trotzdem freuen sie sich auf das Spiel.‘
Er folgt den Frauen zum Spielereingang der gegnerischen Mannschaft.
Als Akane mit ihrem Team durch den Flur schreitet, öffnet sich am anderen Ende auf der Seite der Außenanlagen-Mannschaften eine Tür und vier Männer treten heraus. Dass die Frauen im Anmarsch sind, bemerken sie erst, als sie bereits auf dem Flur stehen. Voran Genzo und Pierre, hinter ihnen Karl-Heinz und Saito im sportlichen Zivil. Akanes Team staunt nicht schlecht, als sie durch den Flur sehen und Genzo mit der langhaarigen blonden männlichen Begleitung sehen. Saito erkennen sie nicht, da sie Akanes Vater nicht kennen. Sie nehmen nur einen großen sportlichen Japaner hinter Pierre wahr. Akane jedoch wundert sich, wieso ihr Vater mit Genzo und einem blonden Unbekannten unterwegs ist. Und dann kann sie hinter ihrem Vater eher unauffällig ein wenig einen Blondschopf wie eine hellblaue Schulter erkennen. Es ist auffällig, dass die Männer genau aus dem Raum herausgekommen sind in dem Karl-Heinz zuvor mit ihr alleine war.
‚Nanu, der Fremde, ist er das etwa da hinter Vater? Was hat das zu bedeuten? Ich kann doch sein Shirt sehen und etwas die blonden Haare.‘
Hikari kann Karl ebenso erkennen, aber sie weiß, dass sie sich zurückhalten muss. Sie weiß wie wichtig es ist, dass niemand erfährt, dass er hier ist.
‚Schneider, du musst dich vorsehen. Man darf dich doch nicht erkennen. Takeshi hat mir das ausdrücklich erklärt, dass du nur zufällig hier bist und man deine Schwester entführen wollte. Natürlich kannst du dir jetzt das Spiel nicht entgehen lassen.
Ach Takeshi, ist dir vorhin die Tasse etwa seinetwegen aus der Hand gefallen? Ich bin so froh, dass der Anruf dann kam. Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ja, du bist noch jung und hast bestimmt Angst, ich könnte mich doch in jemand anderen vergucken. Das verstehe ich, aber sei unbesorgt, mein Liebster. Es gibt privat keine Konkurrenz für dich, da kann jeder Schönling kommen, du stichst sie alle aus.‘, lächelt sie vor sich hin und folgt wie die anderen ihrer Anführerin.
Bei den Männern hingegen wird etwas getuschelt. Saito weist Karl sofort an sich hinter ihn zu stellen, damit man ihn nicht sehen kann.
„Sei vorsichtig, man könnte dich erkennen. Stell dich hinter mich. Mindestens der Trainer wird euch alle erkennen. Er ist mit dem Keeper Morisaki verwandt und kennt sich aus.“
„Oh, echt? Hat Tina nie erwähnt.“, meint Genzo überrascht.
„Er war nicht ihr Trainer, Morisaki hat das Team erst letztes Jahr übernommen. Er ist der Bruder seiner Mutter.“
„Mist, wir haben gestern Abend telefoniert. Er meinte nur, er sei bei seiner Mutter zum Geburtstag und wollte kurz mit mir reden. Ihn hat das zu sehr beschäftigt mit Stephan und er hat mich über ihn ausgefragt. Was ist, wenn er was bemerkt hat?“, brummt Genzo leise auf Japanisch.
„Genzo, rede Englisch in unserem Beisein. Das nervt echt.“, knurrt Karl hinter Saito hervor.
„Schlimm genug, dass ich mich hier verstecken muss wie ein Verbrecher. Wenn das Spiel vorbei ist, gehe ich.“
„Takeru, welche von ihnen ist denn nun Ihre Tochter?“, bringt sich Pierre ablenkend ein.
„Gleich voran die Nummer eins. Sie ist auch die Kapitänin und ihre stärkste Angriffsspielerin. Bettina wird es nicht leicht haben. Sie hat die letzten Wochen und jetzt die Tage sehr hart trainiert. Beide führen die Liga an mit ihren Punkten. Sie ist bewusst im Uni-Team geblieben, damit sie wieder Rivalen sind und die Teams in ihrer Leistung hochtreiben. Sie hätte lieber weiter mit ihr gespielt, aber Freunde können sie ja trotzdem bleiben.“, erklärt er ganz stolz.
„Sie ist sehr hübsch. Ihre Nummer Zwei aber auch, sehen beide aus wie Models.“, vermerkt er freundlich und möchte ihm eine Kompliment machen.
„Pierre, Nummer zwei kannst du dir schon streichen auf deiner Liste, die ist vergeben.“, neckt er ihn und grinst.
„Das war als Kompliment gedacht, weiter nichts. Und an wen ist sie vergeben?“ „Das ist Sawadas Freundin. Sie wird mit Tina in Italien spielen.“, erklärt er leise.
‚Saitos Tochter, stimmt, es hieß ja, sie spiele heute gegen Tina. Sie soll also sehr hübsch sein, sagt Pierre? Nicht dass sie es war, die Schönheit, die mir dieses seltsame Angebot gemacht hat. Ob ich doch einen Blick wage?‘ Saito bemerkt, dass Karl sich etwas zur Seite bewegt und stellt sich wieder vor ihn. Er ist zum Glück größer als er.
„Kein Risiko bitte. Wir warten hier und wenn das Team zum gegnerischen Einlass geht, können wir unbemerkt in die Halle.“
„Warum winkt sie nicht mal, wenn ihr Vater doch hier ist? Sie muss dich doch sehen.“, meint Pierre verwundert.
„Das ist aus Sicherheitsgründen so. Nur die Vertrautesten wissen, dass wir verwandt sind. Außer Tina wissen es auch keine ihrer Frauen.“ Genzo ist verdutzt.
„Warum das?“
„Um das zu verhindern was hier heute mit Frau Krause und Karl-Heinz passiert ist. Ich habe in Tokio durch meine Arbeit nicht nur Freunde.“ Alle drei sehen ihn erstaunt an. Inzwischen gehen die Frauen weiter und die Männer sind nicht mehr für sie im Sichtbereich.
‚Sie leugnen ihre Verwandtschaft zum Schutz?‘, ist Karl erstaunt.
„Ist das echt nötig? Liegt das daran, dass sie so bekannt ist?“, hakt Genzo nach. „Ja genau, sonst wäre es nicht so sehr nötig. Aber unser häufig vorkommender Name, macht es uns leichter. Sie sieht ihrer Mutter zu ähnlich, ich bin da weniger zu erkennen. Keiner würde es vermuten.“
„Verstehe.“
„Tina sieht auch aus wie ihre Mutter. Vom Vater hat sie gar nichts. Stephan sah wiederum genauso aus wie er.“, kommentiert Karl-Heinz leise und nachdenklich.
„Das gibt es wohl oft. Du hast Recht. Gesine war genauso hübsch wie sie.“, vermerkt Takeru lächelnd.
„Das stimmt total. Das kann man nicht leugnen.“, meint Genzo und grinst.
„Ist das echt so? Ich sehe meiner Mutter ähnlich. Aber von meinem Vater habe ich das sportliche Talent. Er war in seiner Jugend und auch etwas später noch Rugbyspieler. Er kam zwar nicht bis nach ganz oben, aber untere Liga immerhin. Als er das Erbe antreten musste, musste er dann aufhören. Keine Zeit mehr für den Sport, nur noch Verpflichtungen. Ihr wisst ja, Adel verpflichtet. Das ist halt sein Job.“, kichert er etwas, aber in Wirklichkeit findet er es traurig, dass sein Vater seine Leidenschaft für die Familientradition aufgeben musste.
„Wisst ihr was? Ich habe mich heute mit Bettina unterhalten und sie sagte, ich könne auch ohne die Familie auf eigenen Beinen stehen. Irgendwie hat sie Recht. Hätte es mein Vater gekonnt, dann hätte er es sicher viel weiter geschafft. Ihm fehlte ja schon die nötige Trainingszeit, um auf Höchstleistung zu kommen. Manchmal sagt er mir das sogar auf eine seltsame Art, wenn ich betrübt bin und mal wieder gegen einen von euch beiden verloren habe.“, lacht er dann und fasst sich an den Kopf.
„Das ist ja auch so. Du solltest dich spätestens nach dem Studium von deiner Familie trennen oder zumindest ausziehen. Einfach nur alleine wohnen. Das war das Erste was ich gemacht habe, als ich achtzehn wurde. Noch länger bei meinem Vater wohnen, das hätte ich nicht ausgehalten. Jeden Tag jahrelang auf dem Platz und dann privat immer zusammen. Das hat echt genervt. Wegen jedem Mist musste ich nach Geld betteln. Dabei war ich es doch, der das Geld reinbrachte. Natürlich verdiente er als Trainer ebenso super, aber letztendlich kamen die Werbeeinnahmen auf mein Konto, nicht auf seins. Ich war so froh endlich als Erwachsener behandelt zu werden und eigene Entscheidungen zu treffen.“, berichtet Karl stolz.
„Das stimmt. Ich bin auch gleich bei meiner Gastfamilie ausgezogen. Aber die waren wirklich lieb und auch als das mit Stephan war, da hatten die keine Probleme damit, dass Tina fast die zwei Wochen lang bei mir schlief. Zu Hause fiel ihr die Decke auf den Kopf.“ Karl sieht erstaunt zu ihm.
‚Was soll das heißen, sie schlief bei ihm?‘ Genzo bekommt sein Blick mit und grinst.
„Mach nicht so ein Gesicht. Wir sind nur Freunde, das weißt du.“, brummt er etwas.
„Sage mal, Genzo, dieser Sawada, ist er nicht erst zwanzig?“, bringt Takeru plötzlich ein anderes Thema zur Sprache. Genzo sieht ihn verdutzt an.
„Äh, ja. Er hat im Januar Geburtstag.“, stutzt er.
„Frau Kuraiko ist bereits fünfundzwanzig, nur mal so erwähnt.“, grinst er, aber setzt ein ernstes Gesicht auf. Alle sehen ihn an.
‚Sie kam mir gleich deutlich älter vor als er. Sawada, pass bloß auf. So ein Skandal kann euer Team nicht gebrauchen. Und diese Frau bestimmt auch nicht.‘, geht durch Karls Kopf.
„Oh, echt? Wusste ich nicht.“, flunkert Genzo etwas und tut als würde er nichts davon wissen. Takeru bemerkt sein Flunkern natürlich und denkt sich schon, er will es nicht sagen, weil er als Polizist neben ihn steht.
„Also ich bin privat hier und habe euch drei nie gesehen.“, sagt er dann nur mit einem ernsten Ton und geht voran Richtung Halle. Die drei sehen ihm verwundert nach und grinsen letztendlich vor sich hin.
„Habe ich es euch nicht gesagt, der sieht nur so bissig aus, aber er ist cool.“, meint Genzo leise. Karl schaut vor zu Saito.
„Du weißt schon, dass er dich noch hören kann, oder?“, sagt er dann belehrend. Takeru bleibt stehen und dreht sich zu ihnen um.
„Bettina hat Recht, was dich betrifft, Genzo.“, merkt Takeru an.
„Was sagt sie denn?“, wundert er sich.
„Dass du manchmal zu laut denkst.“, lacht er spaßig. Karl kann sich das Lachen nicht verkneifen.
„Das hat sich scheinbar nicht geändert, was? Immer frei raus mit den Gedanken. Ein Wunder, dass du überhaupt Geheimnisse behalten kannst.“ Genzo brummt ihn an.
„Es kann ja nicht jeder so eine Spaßbremse sein wie du. Du warst schon als Kind so in dich gekehrt, dass keiner so richtig wusste was du überhaupt denkst. Erst wenn es mal zur Sache ging, hast du deine Meinung laut verkündet und dann haben alle reagiert.
Und glaube mal nicht, dass ich immer alles sage was ich denke. Da würdet ihr euch aber umschauen. Ich weiß genau was ich für mich behalten muss.“
„Ach ja? Was denn zum Beispiel?“, provoziert er ihn. Karl-Heinz geht zu ihm und stellt sich direkt vor ihn und schaut ihm streng in die Augen. Genzo überlegt was er ihn antworten könnte. Er weiß, dass er sein Vertrauen als Freund erst wieder gewinnen muss. Immerhin haben sie doch nun beschlossen wieder neu anzufangen und es tut ihm selbst weh, dass er ihn so lange anlügen musste.
„Lass mal lieber. Ich wüsste jetzt auch nichts.“, möchte er seiner Provokation auszuweichen.
„Langweilig. Nun gut, es kann ja auch was Lustiges sein. So wie eben. Ein eher lustiger Gedanke, den man nicht unbedingt ausspricht.“, kommt ihn Karl entgegen. Genzo grinst.
„Hm, du hast Recht. Da gibt es tatsächlich was, etwas was ich gedacht habe als ich den ersten Tag in deinem Team war. Das ist zu komisch, aber ob du darüber lachen kannst weiß ich nicht.“, schmunzelt er.
„Dann lass mal hören. Wer weiß was du über unser Team gedacht hast, als dich die Jungs so herzlich empfangen haben.“ Genzo lacht etwas.
„Darum ging es gar nicht. Aber ja, ich habe mich am Anfang gewundert über die Konstellation des Teams.
Als ich vorhin Tina mit Marie zusammen gesehen habe, fiel mir dieser alte Gedanke wieder ein.“ Karl-Heinz stutzt. Was meint er denn? Was kann er bei seiner Ankunft gedacht haben und es hat mit Tina und Marie zu tun?
„Das verstehe ich jetzt nicht. Was ist denn lustig und es hat mit den beiden Frauen zu tun?“, bringt sich Pierre ein.
„Naja, als ich nach Deutschland kam saht ihr Europäer für mich doch eh alle gleich aus. Und als ich Tino im Flur begegnete und später dann das Team kennenlernte kam mir da ein seltsamer Gedanke. Mikami erwähnte bereits vorher schon, dass es im Team ein Bruderpaar gab. Tino sei einer davon.“
‚Genzo, was hast du gedacht? Mir gefällt nicht worauf du anspielst. Wir sahen alle gleich aus und du hast etwas gesehen?‘, brodelt es in Karl.
„Genzo. Ist schon gut. Behalte deinen Gedanken. Es klingt jetzt schon nicht lustig.“, lächelt er ihn an und berührt kurz seine Schulter. Genzo hingegen ist etwas irritiert.
„Was meinst du denn damit?“, wundert er sich. Dann sieht Karl ernst und spricht ihn leise auf Deutsch an.
„Egal was dein Gedanke war, behalte ihn bitte weiter für dich.“
‚Karl-Heinz, was willst du mir denn damit sagen? Was hat dein plötzliches Eingreifen zu bedeuten?‘ Karl-Heinz versucht etwas abzulenken und spricht Takeru an.
„Bleibt es bei unserer Abmachung von vorhin? Das was wir eben besprochen haben muss vorerst unter uns bleiben. Tina würde es im Moment vermutlich nur unnötig belasten.“
„Natürlich, es gehört zu meinen Ermittlungen und die Ratschläge kann ich gut gebrauchen. Ich werde den Fall selbst neu aufrollen.“ Karl nickt zufrieden und geht dann den Flur entlang zur Halle. Eru-Shido Pierre sieht ihm nachdenklich hinterher.
‚Was war das denn eben? So benimmt er sich nur, wenn er etwas zu verheimlichen hat. Aber was kann das sein?‘ Er kennt seinen Freund sehr gut. Oft ist es er selbst, den er ausbremsen muss. Was hat er zu Genzo gesagt, das fragen sich nun beide Herren, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und sehen sich an.
„Karl-Heinz!“, ruft Genzo ihm hinterher. Karl bleibt stehen und sieht zu ihm.
„Sei leiser!“, ermahnt er ihn ruhig aber ernst.
„Stimmt, sorry. Wir müssen uns beeilen, nicht dass wir jetzt Tinas spezielles Aufwärm-Training verpassen. Sie zeigt es in der Regel selten und heute wird es bestimmt so sein. Du musst es unbedingt sehen.“, grinst er und geht motiviert zu ihm und lächelt ihn an.
‚Was auch immer du hast Karl-Heinz, wenn es etwas ist, was Tina beschützt, dann bin ich dabei und helfe dir.‘
„Du willst sie nur beschützen, oder?“, flüstert er auf Deutsch. Karl nickt und lächelt zurück.
„Ich doch auch.“
„Das klingt interessant. Dann beeile ich mich. Ich habe mir vorhin schon einen tollen Platz ausgesucht. Mal sehen ob ich dort noch immer alleine stehe.“