Die ersten Unterschriften
Kapitel 113
Die ersten Unterschriften
„Und wieso bist du schon umgezogen?“
„Ach so, das ist etwas kompliziert. Es hat sich ergeben, dass ich bereits etwas trainieren konnte. Das erklärt Tora-san später alles. Ihr Team ist auch bereits da und hat noch schnell mitgeholfen die Halle fertig zu machen. Sie haben jetzt erst angefangen zu trainieren. Wir mussten doch tatsächlich noch alle schnell die Halle putzen. Aber es ist jetzt alles fertig. Du kennst sie ja, sie war schon immer ein Organisationstalent.“
„Das stimmt. Sie hat immer die Übersicht und weiß wie man die Leute anpacken muss, damit es gut abläuft.
Nun gut. Ich muss mir mal die Halle ansehen. Trainiert habe ich vorhin genug. Ich werde mich später umziehen, wenn alle da sind.“ Akane steht auf und geht zur Tür. Etwas zögert sie diese zu öffnen und dann aber macht sie es ruhig und schaut neugierig in den Flur. Niemand zu sehen und überall ist das Licht an.
‚Gut, er ist weg. Wer mag das nur gewesen sein?‘
Zeitgleich öffnet sich die Tür zum Trainerbüro am anderen Ende des Flurs, kurz vor der Notausgangstür. Durch den Versatz der Hallenwände kann man nicht komplett durch den Flur sehen, sondern man muss erst an den Zuschauer-Toiletten vorbei und dann erst gelangt man in den zweiten Hallenkomplex in dem die Fußballer Umkleiden und Büros sind. Der Haupteingang liegt genau dazwischen. Zwar kann man nicht sehen wer am anderen Ende ist, aber zu hören ist eine sehr vertraute Stimme.
„Opa, wo ist Mama?“, wird laut gesprochen. Dann ist eine zweite, diesmal dunkle vertraute Stimme zu hören.
„Sei nicht so laut, das ist unhöflich. Du kannst nachher beim Spiel rumschreien und deine Mutter anfeuern so laut du willst.“
„Amy, ich kann dich hören. Du bist wirklich laut.“, spricht sie laut genug, dass man sie hören kann. Akane läuft etwas zügiger und freut sich schon auf ihre Familie. Als sie sich erblicken, läuft ihre Tochter total begeistert auf sie zu. Dann umarmen sie sich herzlich und Opa Takeru sieht ihnen glücklich zu.
„Amy, meine Kleine. Wie war denn dein Tag bei Oma und Opa?“
„Opa hatte heute frei und war mit uns im Schwimmbad und dann waren wir im Zoo. Es war ganz toll. Wir müssen auch mal wieder hin, Mama.“
„Das kriegen wir sicher hin, ich habe nach dem Spiel endlich Urlaub.“
„Du musst Tina besiegen! Versprich mir das.“
„Du erst wieder. Sowas kann man nicht versprechen, das weißt du doch. Ich werde aber ganz doll an dich denken und ihr die Bälle nur so um die Ohren hauen. Was sagst du dazu?“
„Das schaffst du ganz bestimmt. Du wirst immer meine Nummer eins sein.“ Mutter Akane lächelt sie an.
„Danke. Ganz bestimmt. Aber auch wenn sie gewinnen sollte, ich habe etwas was sie nicht hat. Und das bist du. Meine Nummer eins bist du!“
Beide geben sich ein Küsschen. Amy liebt ihre Mutter sehr.
„Ach Mama, übrigens, Papa hat eine neue Freundin. Wusstest du das schon?“ Akane grinst.
„Nein, ist sie nett und hübsch?“
„Ja, das ist sie. Und sehr klug. Sie arbeitet im Krankenhaus und ist Ärztin.“
„Das freut mich für ihn, er kann ja nicht immer alleine bleiben. Dann pass gut auf ihn auf, wenn du ab morgen bei ihm bist und er endlich Urlaub hat.“
„Das mache ich.“
Zur selben Zeit im anderen Trainerbüro der Volleyballer der Musashi. Trainer Schmitt überreicht Tina ihren Transfervertrag. Sie ist angespannt, aber wahnsinnig froh, dass endlich alles laufen wird wie sie es sich erhofft hat. Das Büro ist gut gefüllt und sie steht mit Fane am Fenster und lächelt glücklich. Sie nimmt es entgegen und schaut neugierig hinein. Es sind einige Seiten zu lesen. Sie überfliegt es nur und versucht auf die wichtigsten Punkte zu achten. Dann atmet sie beruhigt durch und reicht es an ihren Rechtsanwalt weiter. Die Anwesenden sind alle noch immer erstaunt, wer plötzlich ihr neuer Rechtsanwalt ist. Anwesend sind neben ihrem Trainer der Verbandsvorsitzende, ein weiterer Herr vom Verbandsvorstand sowie die Vereins-Vorsitzende und drei weitere Vorstandsmitglieder des Tokio-Volleyballvereins.
Kudo sitzt am Tisch bei den anderen und geht sehr sorgfältig den Vertrag durch. Kurz zuvor legt er dem Verband den Managervertrag vor. Der Verbandsvorsitzende nimmt ihn an und blickt zu Fane und dann auf den Vertrag. ‚Diese hübsche junge Frau kommt mir bekannt vor. Aber ich kann sie nicht zuordnen. Nakazawa, Sanae Nakazawa. Hm, sagt mir nichts. Diesen Namen habe ich noch nie in Verbindung eines Managerjobs gehört.‘
„Frau Fuchs, welche Referenzen weist Ihre Managerin vor? Sie ist noch sehr jung, sind Sie sicher, dass sie ihrer Aufgabe gewachsen ist?“ Tinas Puls steigt etwas an.
„Wie bitte? Was hat der Job mit dem Alter zu tun? Es ist doch perfekt, wenn sie ständig Überall und Nirgends rumreisen muss, sollte man jung und fit sein. Ich kenne ihre Referenzen und sie sind für mich perfekt.“
Plötzlich erhebt Kudo seine Hand, während er weiter den Vertrag studiert. Tina weiß was das bedeutet. Sie soll nichts mehr sagen.
„Ich sage gleich was dazu. Zuerst eine Sache.“ Dann vergehen wenige Sekunden und er hebt seinen Kopf. Er schaut dann ernst zur Vereinschefin.
„Was bitte soll das hier heißen?
Sie verpflichtet sich den Sponsoren treu zu bleiben? Wenn Sie den Verein wechselt, wechseln auch diese Ihre Zuständigkeit.“
„Oh, da fragen Sie am besten Frau Fuchs selbst. Diese Klausel hat sie unserem Vertrag damals auch selbst zugefügt. Dass die Verträge trotz eines Wechsels erhalten bleiben sollen. Das was Sie da lesen haben wir mit den Italienern zusammen ausgehandelt.“
„Ja das stimmt. Bitte entschuldigen Sie, wenn wir noch nicht darüber reden konnten. Es kam nun alles so plötzlich.“, bringt sich Tina ein. Kudo lehnt sich zurück.
„Frau Fuchs, sind Sie sicher, dass die Italiener das wollen?“
„Das ist bereits mit Ihnen besprochen worden. Es betrifft auch nur diese zwei benannten Firmen. Die anderen fallen wie üblich weg.“
„Wir sollten kurz unter vier Augen reden.
Aber vorher kurz zum Managervertrag, Herr Kagejama.
Laut Ihrer Anforderung hier im Vertrag steht Frau Fuchs frei welchen Manager sie sich nimmt. Hier wird nicht vorgeschrieben welche fachlichen Anforderungen die Person haben muss, außer, dass sie Japaner sein soll, um die Aufgabe zu übernehmen.
Frau Nakazawa beherrscht mehrere europäische Sprachen und ist wie vorgeschrieben Japanerin, damit sie die Verbindung zwischen den Ländern aufrechterhalten kann. Daher müssen wir dazu weiter nicht eingehen.“
Herr Kagejama sieht Fane ernst an.
‚Bettina Fuchs, sind Sie sicher, dass Sie sich nicht verrennen und diesmal vorschnell entscheiden? Eine so junge Frau an Ihrer Seite ist sicher viel zu unerfahren für diese Aufgabe.‘
„Dürfen wir erfahren auf wessen Empfehlung Sie denn so schnell zu diesem Job gekommen sind? Was machen Sie aktuell, dass Sie so plötzlich mit dieser Aufgabe beginnen können?“, wird Fane vom Verbandsvorsitzenden etwas respektlos gefragt. Kudo hebt wieder die Hand, diesmal ist es an Fane gerichtet.
„Ich versichere Ihnen, nach meiner Überprüfung Ihrer Referenzen ist sie qualifiziert genug diesen Job mit vollstem Gewissen und Einsatz auszuführen. Sie bringt ausreichend Erfahrungen mit. Sie wollen doch wohl meine Kompetenz nicht in Frage stellen?“ Der Verbandschef murrt etwas. Ihm gefällt es allgemein nicht, dass Tina so plötzlich nicht nur den Verein, sondern sogar das Land verlässt. Ihm ist unwohl dabei, denn wer sagt ihm denn, dass sie nächstes Jahr wirklich für sie spielen wird, wenn sie so ein sprunghafter Typ ist. Und dann nimmt sie noch eine weitere Top-Spielerin mit ins Ausland, die ebenso im Ligasystem fehlen wird. Zwar wird Hikari als Japanerin nicht im Nationalteam fehlen, aber stutzig macht es ihn schon, dass eine Frau wie sie, die mitten im Studium steckt, ebenso plötzlich gehen will obwohl sie bereits mehrere Angebote abgelehnt hat und das Studium sowie das Modeln als Zweitjob als Grund vorzog.
Kudo steht auf und verlässt mit Tina den Raum. Sie gehen um die Ecke in das Beratungszimmer der Volleyballer.
„Bettina, was hat es mit den Sponsoren auf sich?“
„Tut mir leid, ich hatte keine Zeit es dir zu sagen und dann ist es mir entfallen. Also vor etwas mehr als zwei Jahren, also bevor ich beim Verein anfing hatte ich kurz vorher ein Projekt laufen und dazu brauchte ich Geschäftspartner und diese beiden Sponsoren haben sich dabei ergeben und wir werden weiter miteinander arbeiten. Damit es für Außenstehende nicht seltsam aussieht, sind sie auch für den Verein Sponsoren geworden und wir haben es in den Vertrag genommen. So bleiben wir uns gegenseitig vorerst vertraglich verpflichtet und wenn wir uns mal treffen, dann fällt das nicht so auf. Dann bereden wir für beide Geschäfte was erledigt werden muss. Erst wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind wird es eine offizielle Sache.“
„Was ist das für ein Projekt?“
„Das ist noch immer in Arbeit und streng geheim. Dir wollte ich es dann noch in Ruhe sagen und dann kam jetzt der Transfer zuvor.
Also ich bin dabei ein eigenes Label aufzubauen für den nationalen wie auch internationalen Markt. Das läuft dann über Onlineshopping weltweit und je nach Beliebtheit mit kleinen Filialen vor Ort.
Sportmode, Kosmetik, Fitnessgeräte und Bälle für verschiedene Team Sportarten. Also nicht nur Volleyball. Da ich mit den Firmen zusammen die Mode und diese neuen Bälle entwickeln lasse sind wir auf Jahre gebunden.“
„Hm. Klingt interessant. Darüber müssen wir uns nochmal gesondert unterhalten. Da gibt es viel zu beachten. Ich weiß, du denkst an alles und weißt was du tust, aber wir müssen diese Sache noch genauer besprechen. Gerade wenn es dann um Patente und ihre Rechte geht wird es immer schwer.
Nun gut. Wissen die Italiener davon?“
„Nicht von meinem Projekt, aber ich habe ihnen bereits diese beiden Partner angekündigt, dass sie persönliche Sponsoren sind und ich weiterhin verpflichtet bin. Deswegen habe ich von ihnen auch verlangt, dass sie in den Vertrag mit eingebunden werden, so wie beim Verein hier. Das ist okay für die, immerhin bringe ich für den Verein gleich zwei große Sponsoren mit. Eine schriftliche Zusage habe ich per Mail und weil sie selbst den Vertrag aufgesetzt haben. So wie er dort ist, haben sie ihn selbst verfasst. Dann ist auch dies schriftlich dokumentiert und ich kann weiterhin meine Werbung mit den Firmen machen wie geplant. Dafür soll jetzt auch der Vertrag dienen. Mehr ging ja auf die Schnelle nicht. Erstellt haben es die Italiener und unser Verein gemeinsam per Skype.“ „Was ist mit Hikari, ihr Vertrag wurde bereits unterzeichnet. Ich habe das ungute Gefühl, dass unser Verband nicht davon begeistert ist, dass ihr beide zeitgleich plötzlich geht. Ist dir das aufgefallen?“
„Natürlich, aber ist mir egal. Ich habe mir in den Jahren genug von denen gefallen lassen und jetzt will ich mal was von denen, also sollen die sich nicht so anstellen. Ich hätte ja schon vor zwei Jahren gehen können, aber da lehnte ich alle Angebote ab. Das müsstest du teilweise über die Presse bemerkt haben und von den anderen habe ich dir erzählt.“
„Das stimmt. Sie sollten dankbar sein, dass du mit Akane zusammen das Niveau im Land hochgehalten hast, damit der Nachwuchs angetrieben wird. Hast du etwas gegen sie in der Hand von dem ich nichts weiß? Nur zur Absicherung? Vielleicht auch später mal.“
„Meinst du das brauchen wir? Ich habe was, ja. Reicht das, wenn ich es dir kurz mitteile, wenn es nötig ist?“
„Ehrlichgesagt, wenn du mich an deiner Seite haben willst, Bettina, dann bin ich vorbereitet, das ist mein Trumpf, so wie ich deiner bin, meine Liebe. Ich kann kein Trumpf für dich sein, wenn du versäumst mir die richtigen Karten zuzuspielen.“, spricht er ernste Töne. Tina murrt etwas, aber verstehen kann sie es natürlich, denn sie würde es an seiner Stelle genauso sehen. Dann lächelt sie ihn an.
„Du hast Recht, du musst es ja eh für dich behalten. Ich muss mich erstmal daran gewöhnen einem Anwalt wirklich voll zu vertrauen.“
„Das ist gut, ich danke dir.“
„Als die Asienmeisterschaften waren, da gab es zwei Dinge Während der Trainingszeit und später danach.“
„Zum einen ein Rassismusvorwurf. Und zum Anderem sexuelle Belästigung.“ Sein Blick wird streng.
„Oha. Was ist passiert?“
„Als Akane wegen ihrer Verletzung im Trainingslager plötzlich komplett ausfiel stellte man mich dann doch mit auf die feste Angreiferliste. Vorher war ich für die Bank eingeplant, als Notreserve oder Geheimwaffe. Ich hatte neben ihr und Yako die stärksten Bälle und als Strategin kam ebenso niemand mehr an mich heran. Alles lief vorerst gewöhnlich. Unser Team konnte super zusammenwachsen und dann wurde vom Trainer mit dem Team zusammen ein Kapitän gewählt. Ursprünglich war ich ihre Wahl.“
„Oh, das hast du mir nie erzählt.“
„Dazu hatte ich meine Gründe. Mir war das doch auch völlig egal wer das macht, ich wollte nur mitspielen und meine Punkte machen.
Als der Trainer dem zustimmte und es in die Liste eintrug und weiterleitete, kam einen Tag später plötzlich Meldung vom Verband, von ganz oben. Also von den Herrschaften da drüben. Keiner hatte damit gerechnet. Dann wurde gemeckert und es könne doch nicht sein, dass eine Ausländerin Japan in Asien als Anführerin präsentiert. Wie sieht das aus und ich falle ja optisch eh schon aus der Rolle und immerhin war ich noch nicht lange in diesem Sport aktiv.“
„Hm, man hat dich zugelassen, aber Kapitän durftest du nicht sein? Ist ja nicht zu fassen. Dann hätten sie dich gleich ganz nicht ins Team lassen dürfen. Das wäre besser gewesen.“
„Auf jeden Fall, dann hätte ich eben Pech gehabt. Naja. Letztendlich wurde ich dann zur oberen Etage geladen, weil ich natürlich nicht klein beigeben wollte. Die Frauen wollten keine andere haben und appellierten darauf, mich haben zu wollen. Sogar wenn Akane noch geblieben wäre, hätten sie gerne mich gehabt.
Dann war ich beim Verbandsvorstand und sollte mich erklären. Die hielten jedoch an ihrer Meinung fest und ließen mir dann die Wahl. Entweder ich gebe ab oder ich gehe ganz.
Ich entschied mich natürlich auf den Posten zu verzichten. Es hätte nicht nur für mich, sondern auch für das ganze Team einen unnötigen Skandal bedeutet, wenn ich gegangen wäre und nun war ich da und im Stich lassen konnte ich sie ja auch nicht. So bestand ich aber darauf den Kapitän von mir aus zu bestimmen und dann wählte ich Yako, denn sie ist eine wirklich gute Partie und damals übergab sie mir den Posten und vertraute mir ihre Mädchen an. Das war dann mein Dank dafür. Sie sollte der Kapitän sein und die Frauen stimmten dem auch zu. Letztendlich sehe ich das Vorgehen aber eben mit meinen Augen. Ich habe mir wirklich genug gefallen lassen und dann kam das. Das war nur eines von vielen Situationen wo es um meine Herkunft oder meiner Optik ging.“
„Hm, das könnte man wirklich so sehen wie du sagst. Entweder du bist ein vollwertiges Mitglied des Teams oder eben nicht. Es beweist nur, dass man dich als Spielerin zweiter Klasse gesehen hat. Zum Glück wusste ich nichts davon, den hätte ich die Hölle heiß gemacht.“
„Deswegen habe ich dir auch nichts davon erzählt.“, schmunzelt sie.
„Und die andere Sache? Was war da?“
„Nach dem Turnier war vieles neu. Dann kam das mit meinen Eltern und die Trennung von Martin, der Stress mit meiner Familie und die Entscheidung doch zu bleiben.
Eines Tages wurde ich zum Verband gerufen und hatte ein persönliches Gespräch mit Herrn Kagejama. Alles lief ganz normal und ich freute mich auch so sehr, dass wir mal normal miteinander reden konnten. Vorher gab es immer nur irgendwelche Diskussionen. Er entschuldigte sich im Namen aller für die Kapitäns-Sache. Ich nahm sie zwar nicht wirklich an, aber er bemühte sich wirklich sehr. Ich glaubte er selbst war nicht die ausschlaggebende Person, dass das damals auf den Tisch kam. Der Grund der Einladung war die anstehende Olympiade. Als Ausländerin erfülle ich nur extrem knapp die Teilnahmebedingen.
Ich sagte ihm dann, dass das nicht schlimm ist. Dann kann ich eben nicht teilnehmen. Als ich mir dann die leere Kaffeetasse beim Aufstehen nahm und sie zur Bar zurückstellte, kam er zu mir und sprach mich nochmal an.“ Sie erinnert sich sehr genau an seine Wortwahl und was passierte und berichtet Kudo davon. „Ich weiß doch wie wichtig Ihnen die Meisterschaft ist. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass bereits die besten Sponsoren Schlange stehen werden, um Sie unter Vertrag zu nehmen. Die Presse wird sicherlich einen riesigen Wirbel um Ihre Bälle machen. Das wird Ihnen finanziell einen großen Auftrieb bescheren. Sie haben jetzt schon Ihre Fans, die wollen Sie doch nicht enttäuschen.
Das würde Ihnen noch mehr Erfolg einbringen und demzufolge auch einen höheren Marktwert für die Vereine. Sie wissen sicherlich was sehr erfolgreiche Sportlerinnen so verdienen können. Sehen Sie sich Frau Saito an, sie steht hier auf der obersten Linie und kann nur mit den Werbeeinnahmen mit einigen Baseballern mithalten.“
„Die Olympiade, das wäre schon ein Traum, aber mir wäre die kommende Weltmeisterschaft wichtiger und wenn es eh Probleme macht, kommt es nicht in Frage.“, antwortete ich nur.
„Wenn ich fragen darf, wieso haben Sie sich entschieden hier in Japan zu bleiben, statt nach Deutschland zurückzukehren, jetzt wo Sie die Uni verlassen haben?“, kam als Frage.
„Ich…bleibe für meine Freunde. In Deutschland habe ich nur noch zwei echte Freunde von damals und hier ganz viele. Außerdem will ich meine Mädels nicht im Stich lassen. Ich habe allen viel zu viel zu verdanken. Ich kann sie nicht im Stich lassen und das Personal meiner Eltern würde auch auf der Straße stehen. Das kann ich nicht zulassen. Deswegen werde ich statt des Studiums eine kaufmännische Ausbildung machen. Damit bin ich schneller fertig und kann die Gaststätte behalten. Trainerin für die Jugend mache ich nebenbei, dafür benötige ich das Psychologiestudium nicht. Und Vereine klopfen ja nun genug an der Tür, aber es wird Tokio, dann kann ich wieder mit Yoko spielen. Ihre ständige Fröhlichkeit habe ich vermisst und ich werde sie jetzt brauchen.“
Dann kam er mir näher und stand plötzlich hinter mir.
„Wenn Sie jetzt ohnehin entschieden haben hier in Japan zu bleiben, dann gebe ich Ihnen Rat. Unter gewissen Umständen kann man dafür sorgen, dass Sie zur Olympiade und auch zur Weltmeisterschaft können obwohl Sie jetzt nicht alle Voraussetzungen erfüllen, die Teilnahmen sind deutlich strenger als im Asien-Cup.“ Kurz darauf spürte ich plötzlich seine Hand an meine Hintern. Ich bin immer auf alles vorbereitet, aber da wir uns bisher nur in der Wolle hatten und er dann plötzlich so nett war, ist mir nie aufgefallen und hätte nie gedacht, dass er so ticken kann. Ich war entsetzt und in dem Moment kamen die alten Erinnerungen an den Überfall zurück. Da platzte mir der Kragen und ich schlug die Untertasse in meinen Händen mit der Hälfte auf die Tischkante und hielt ihm die Scherbe vor die Nase. Das machte einen Lärm und er erschrak sich sehr und konnte nichts mehr sagen. Damit hat er nicht gerechnet. Ich drehte mich um und konnte mich entfernen, ohne dass er nur eine Schramme abbekam. Ich wollte nicht das Risiko eingehen selbst als Täterin dar zu stehen, weil wir uns sonst immer zofften. Ihm Eine zu knallen wie sonst, kam also nicht in Frage.“
Egon ist fassungslos. Er hatte schon so viel mit diesem Mann zu tun, weil er viele Volleyballer und einzelne Vereine vertritt. In der Regel entgeht ihm so ein Profil nicht und wie kann das dann sein? Nie hat es Andeutungen gegeben oder jemand hat angedeutet, dass er so sein könnte. Wie man aus Tinas Erzählung her erkennt, nicht einmal ihr ist es aufgefallen, und sie ist immer sehr vorsichtig. Er weiß das. Ihr entgeht nichts. Aber scheinbar kann sich dieser Herr derart gut verstecken und verstellen, dass es keiner für möglich gehalten hätte.
„Wie ging das dann weiter?“
„Er musste mir versprechen, dass so etwas wie wieder vorkommt. Ich höre mich um und warne meine Frauen allgemein vor. Wenn mir was zu Ohren käme, dann landet es bei der Polizei.“
„Und es kam nie was, stimmts?“
„Genau. Ich war damals echt von den Socken, ich habe ihn nie so eingeschätzt. Stur und verbohrt, das bin ich aber auch, aber so ein unmoralisches Angebot oder was das werden sollte. Nein.“
Wenige Minuten später stehen sie wieder im Beratungsraum. Kudo legt den Vertrag mit den letzten Seiten auf den Tisch und legt den Kugelschreiber daneben. Tina unterzeichnet zuerst. Dann die Vereinsvorsitzende und nun ist der Verbandsvorsitzende dran.
„Tut mir leid, aber es will mir nicht in den Kopf. Denken Sie wir fühlen uns nicht ein wenig verschaukelt? Wie können Sie der Annahme sein ein einfacher Kochlehrling kann auf dem internationalen Markt für Ihr Ansehen sorgen und Sie der Öffentlichkeit verkaufen?“ Tinas Puls steigt plötzlich an und sie muss sich sehr zusammenreißen. Dann plötzlich platzt Fane selbst der Kragen. Sie sieht den Mann streng an.
„Was bilden Sie sich eigentlich ein? Ich könnte jeden Tag meine Zeit mit Reisen und Shopping vertreiben! Ich benötige weder den Job noch das Geld. Aber ich liebe mein Hobby und deswegen möchte ich eine richtige Diät-Köchin sein, für meine Familie. Ich bin nach dem Abitur ins Ausland gegangen und habe einem Sportmediziner und seine Schützlinge bei seiner Arbeit auf Hawaii unterstützt und Fitnesspläne sowie Ernährungspläne überwacht und versorgte die Männer. Dann war ich lange in Spanien und bin nur zurückgekommen, weil ich hier bei Frau Fuchs lernen wollte, weil ihr Koch, ein Sterne Koch und Diätkoch ist. Er ist einer der Besten aus Europa. So einfach ist das.
Ich spreche vier Fremdsprachen und werde mir nun auch Italienisch aneignen. Und was das Organisieren betrifft:
Ich habe viele Jahre in meiner Kindheit und Jugend bereits große Teams betreut, Verantwortung für ihre Versorgung und den Ablauf der Vereinsveranstaltungen gehabt. Das können mehrere Leute bezeugen. Das war ehrenamtlich und bedarf keinem Zeugnis oder Gehalt. Sogar hier an dieser Schule habe ich Frau Misugi beim Organisieren großer Veranstaltungen geholfen, wenn ihr Mann wichtige Spiele hatte. Das ist auch heute noch so, wenn sie Hilfe braucht im Verein ihres Mannes, dann fragt sie mich oder ich vertrete sie bei Krankheit. Herr Schmitt hier bei uns, kann meine damalige Anwesenheit bezeugen.
Und sogar jetzt stehe ich jeden Tag neben meiner Schule und der Arbeit hier im Trainingslager und betreue das Team.
Und nur nebenbei vermerkt, ich hatte ein super Abitur, aber studieren wollte ich nicht. Ich habe mich für die Ausbildung entschieden und später sehe ich weiter. Meine Ausbildung werde ich als Fernstudium weiterführen.“
„Was meinen Sie damit, dass Sie dieses Team hier im Lager betreuen? Jeden Tag?“, kommt von der Vereinschefin.
‚Wieso betreut sie dieses Team? Das sind doch Fußballer. Das verstehe ich nicht. Misugis Team betreuen und seiner Frau helfen? Hier stimmt doch was nicht.‘, geht ihr durch den Kopf. Dann schaut sie skeptisch zu Tina. Diese kichert etwas und bringt sich plötzlich ein.
„Nun unterzeichnen Sie endlich, Herr Kagejama. Die ehrenamtliche Arbeit von Frau Nakazawa beweist doch ihr Interesse am Sport und erklärt ihre Erfahrungen mit großen angesehenen Sportteams. In Zukunft wird sie statt für zwanzig Männer, nur für mich da sein. Und glauben Sie mir, wir werden auch unsere Differenzen haben. Ich habe sie aus drei Gründen ausgewählt. Erstens kann ich ihr vertrauen und weiß, dass Sie mit Ihnen zusammen meine perfekte Verbindungs-Partnerin sein kann. Zweitens, ihre Erfahrungen seit gut zehn Jahren kann ihr in dem Alter keiner vormachen und drittens, was noch viel wichtiger ist auch für Sie, sie ist die Einzige, die mich ausbremsen kann, sollte ich selbst mal Fehler machen oder mit meinem Temperament über die Stränge schlagen. Und das ist es doch, worum es Ihnen geht. Sie wollen mich unter Kontrolle haben, das schafft nur sie. Wir kennen uns schon lange genug und mit so einer Zicke lege ich mich ungern an.“, lacht sie dann. Fane schaut sie grimmig an.
„Hey, hallo?! Halt dich da bitte raus, ich kann mich selbst verteidigen.“, wundert sich diese. Beide Frauen ernten einen verwunderten Blick vom Vorsitzenden und dann grinst er plötzlich, greift erneut zum Papier und unterzeichnet.
‚So so, du wählst bewusst jemanden, die dich ausbremsen kann? Das ist erstaunlich. Es gibt also doch Leute vor denen du einknickst und denen du vertrauen kannst, schöne Bettina.‘
„Nun gut, fehlen nur noch die Unterschriften der Italiener, die sollten morgen eintreffen, aktuell sitzen sie im Flieger. Laut Flugplan kommen sie dann morgen gegen 13 Uhr an und kommen gleich zu uns zum Unterzeichnen. Sie müssten dann erneut mit Frau Nakazawa anwesend sein.“, meint er dann und legt den Stift hin.
„Wissen Sie schon wer von ihnen herkommt?“
„Beide Trainer Herr Esposito und Herr Jean-Baptiste, De Luca, der Vereinsvorsitzende, eine Dame aus der Presseabteilung und der Geldgeber. Frau Hikari Kuraiko ist bereits informiert, dass sie ebenso anwesend sein muss. Wir sehen uns also 13 Uhr bei uns. Vom Flughafen ist es ja nicht weit.“, erklärt er freundlich.
„Okay, das ist gut. Wieso der Geldgeber? Ich wüsste nicht, dass das üblich ist. Bleibt so ein Sponsor nicht im Hintergrund?“
„Das haben wir auch gedacht und gefragt. Er möchte sich unbedingt ein Bild von Ihrer Arbeit hier in Japan machen. Planen Sie also eine Rundtour mit ihm ein. Immerhin ist er derjenige, der diese Transfersumme möglich gemacht hat.“
„Was will er denn alles ansehen? Soviel zum Thema, mein letzter Tag vor dem Urlaub. Ich wollte nur zum Unterzeichnen kommen und dann meine Ruhe haben. Mein Flieger geht Übermorgen früh morgens gegen vier Uhr. Ich habe also nur noch einen Tag hier. Deswegen eilte das so.“
Kurz darauf klopft es an der Tür.