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You are not alone "Du bist nicht allein."

Kojiro und Tina
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Korrektur zum vorhergehenden Kapitel:

„Bettina, hast du sie zu ihm gebracht? Ist alles okay?“
„Ich muss noch auf Marie warten. Ich komme später nach. Karl ist nicht mehr hier, scheint sich ein anderes Hotel gesucht zu haben und treibt sich irgendwo rum. Ans Telefon geht er nicht.“
„Ach so, ich verstehe. Ich hätte mich auch gewundert, wenn er einfach wieder fliegt. Nun gut, wir werden sehen was noch kommt.
Dann werde ich zum Arzt runter gehen und danach zum Training fahren. Den Ausgleich kann ich gut gebrauchen. Mir tun schon die Knochen weh, weil ich mich kaum richtig auspowern kann.“, meint er spaßig.
„Das kenne ich nur zu gut. So ging es mir damals als ich herkam. Seit Tagen plötzlich kaum Bewegung und dann bin ich aus Frust stundenlang gelaufen. Das legte sich erst wieder als ich ins Team kam und regelmäßig in ein Studio ging. Wann genau ist eigentlich das Mittagessen geplant?“
„Oh, erst um 13 Uhr. So haben wir etwas Luft und danach hast du sicher noch Zeit für dein Training.“
„Okay, alles klar. Ja, das passt gut. Wenn ich dich abhole nicht wundern, ich bringe Marie dann mit. Später dann geht sie ins Lokal solange wir bei deiner Familie sind. Danach nehme ich sie mit zum Training. Sie will unbedingt bei mir bleiben heute.“
„Das kann ich mir vorstellen. So alleine würde ich sie auch nicht hier rumlaufen lassen, vor allem nicht ohne Englischkenntnisse. Dann bis dahin erstmal.“
Beide legen auf.
„Na das wird ja noch interessant mit euch. Ich kann das kaum glauben, du und der wilde Tiger…so so.“, grinst ihr Gegenüber.
„Bleib einfach nur bedeckt. Auch hier sag das keinem. Es hängt zu viel dran.“, macht sie ihm streng klar. Komplett anzeigen

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Ziele und Geheimnisse

Kapitel 73
 

Ziele und Geheimnisse
 

Etwa zehn Minuten zuvor steigt Kojiro mit heruntergezogener Kapuze und Sporttasche aus dem Transporter und geht ins Fitnesscenter. Als er den Anmeldebereich betritt erblickt er Martin. Er unterhält sich gerade mit einem Kunden und Andrea steht am Tresen und schaut zu ihm rüber. Sie gibt ihm ein Zeichen, dass sie zu ihm kommt.

Kurz darauf ist sie bei ihm und deutet erstmal an ins Büro zu gehen.

„Guten Morgen. Habt ihr wenigstens noch etwas schlafen können? Also wir haben beide kein Auge mehr zugetan. Der Tag war wirklich komisch.“, beginnt sie und schließt die Tür hinter sich.

„Guten Morgen. Es ging so, aber ich brauche in der Regel nicht so viel Schlaf.“

„Wieso bist du hier? Wo ist Tina?“

„Sie bringt unseren Besuch zum Hotel. Ich bin nur hier um meine Werte messen zu lassen. Die haben wir gestern nicht aufgenommen und dann hier bei der ganzen Aufregung vergessen. Tina sagt, sie müssen mit ihrem Gerät gemacht werden und nicht einfach nur bei ihr zu Hause. Und zum Arzt soll ich gleich gehen, weil wir ja übermorgen schon fliegen.“

„Alles klar. Stört dich das, wenn ich die Werte aufnehme? Wer weiß wann Tina kommt. Du kannst aber auch warten bis Martin Zeit hat, wenn dir das lieber ist.“

„Das stört mich nicht. Du machst es ja bei den anderen Kunden sonst auch, oder?“

„Genau. Hast du deine Sportsachen bei, die ihr alle gestern anhattet?“

„Ja, nur andere Farbe. Muss das so genau sein?“

„Ja. Alle hatten ihre Trikots an und wir rechnen dann bei jedem ein Grundgewicht ab. So sind die Maße genauer.“ Sie gibt ihm einen Schlüssel.

„Hier ist der Schlüssel für Raum 4, dort kannst du dich oben im VIP-Bereich umziehen. Ich komme dann nach und nehme die Werte auf. Danach ziehst du dich wieder um und gehst zum Arzt runter. Damit man dich nicht sieht, kannst du durch den VIP-Gang neben dem Lift gehen. Das ist die Tür zwischen Schwimmhalle und Sportladen. Es steht zwar drauf, dass es nur für Mitarbeiter ist, aber für dich ist es besser, damit du keinen Fans über den Weg läufst. Dann kommst du direkt bei Dr. Sato im Vorzimmer raus und kannst dich dort hinsetzen. Es kommt dann in der Regel zeitgleich eine Schwester und meldet dich an. So sitzt du auch nicht im normalen Wartezimmer. Du bekommst von mir dann eine Vorrangs-Anmeldung als VIP. Du musst zwar deine Krankenkassenkarte einlesen, aber die Rechnung geht nur an uns und dann von uns geht es mit unserem Anteil zusätzlich an den Verband. Tina ihre würde zum Beispiel an den Verein gehen. Und wenn du alles von dir selbst aus machst halt an dich und die Versicherung, wenn die das unterstützen. Einige geben einen Rabatt, da es ja gesundheitsfördernd ist.“

„Alles klar. Bis gleich.“, entgegnet er nur kurz und verschwindet dann durch die Tür.

‚Nanu. Hat er es so eilig?‘, wundert sie sich etwas.

Einige Minuten später klopft sie an die Tür zu Raum 4. Kojiro schließt auf und sie tritt herein.

‚Wow, jetzt sieht er irgendwie ganz anders aus. Ich habe ihn so bisher nur im Fernsehen gesehen, wenn er gespielt hat. Wie stolz er es trägt. Seine Art so überzeugt dieses Trikot zu tragen und dieser nachdenkliche und aufrichtige ernste Blick während er jetzt die Ärmel hochkrempelt. Ich glaube er würde am liebsten gleich aufs Spielfeld und gegen jemanden antreten, um seine Kräfte zu messen. Die letzten Tage waren sicher sehr anstrengend. Die Beziehung zu Tina bringt sicher seinen ganzen Tagesrhythmus durcheinander. Ich schätze ihn sehr organisiert ein. Und obwohl die Tage ihm sicherlich alles durcheinander bringen strahlt er eine wahnsinnige Ruhe aus. Auch gestern, diese Anspannung seinem größten Rivalen privat gegenüberstehen zu müssen war sicher der reinste Horror für ihn und trotzdem blieb er die ganze Zeit cool. Und auch jetzt, er hat es vermutlich eilig und trotzdem bleibt er gelassen.‘ Andrea lächelt und geht auf ihn zu.

„Du musst die Ärmel nicht hochmachen, das ist der Waage egal.“, lacht sie sachte. Er bleibt etwas ernst und antwortet nur trocken.

„Stimmt, ist so eine Angewohnheit.“ Dann stellt er sich schon auf die Waage und streckt die Arme aus.

„Wie lange dauerst das nachher beim Arzt so ca.?“, fragt er freundlich, aber im Gedanken. Andrea holt das Messband raus und beginnt sein Gewicht, die Größe und Armlänge zu notieren.

„Etwa eine Stunde, aber da du ja sicher in deinem Verein selbst eine komplette Tomografie machen lassen kannst und den Fragebogen bei Tina ausfüllen kannst, kannst du es auf fünfzehn bis zwanzig Minuten direkt bei Dr. Sato reduzieren. Die meiste Zeit nehmen der Fragebogen und die Tomografie ein. Sag dem Arzt einfach in welchem Verein du unter Vertrag bist und dass du dann von deinem Mannschaftsarzt die Daten zuschicken lässt. Da die Dateien jedoch so groß sind und du als Person zu empfindliche Daten hast, würde ich das Risiko nicht eingehen sie per CD und Post um die halbe Welt zu schicken. Innerhalb Japans geht das ja, aber der Weg ist zu riskant. Plane also lieber die Zeit für die Tomografie ein, aber den Ernährungsbogen und die Vorliebeabfragen kannst du ja in Ruhe mit Tina machen, denn wie ich sie kenne wird sie sich deine Menüs als erstes vornehmen, schon alleine, weil sie deine und ihre nun zusammenstellen und anpassen muss. So macht sie das bei Paaren immer, damit sie trotz verschiedener Vorlieben und Werte gemeinsame Mahlzeiten einnehmen können. Deswegen bei einem Team auch das Team-Kochbuch und die Ratschläge.“ Sie ist inzwischen fertig mit der Datenerfassung und Kojiro steigt von der Waage ab.

„Ich mache lieber gleich hier die Tomografie. Das ist mir lieber. Ich müsste sonst erst mit meinem Arzt diskutieren und wie du schon sagst, das Risiko ist viel zu groß, dass die Daten verloren gehen oder in falsche Hände kommen. So bleiben sie ja bei Dr. Sato und werden nur von ihm gesehen, richtig? Ganz normal als ärztliche Schweigepflicht?“

„Genau, Martin sieht sie auch nicht ein. Er bekommt nur eine Auswertung was bis zu welchem Maße trainiert werden muss, um entweder Defizite auszugleichen oder das was gut ist beizubehalten. Genauso Tina, sie bekommt von Martin dann nur ihren Anteil für die Nährwertberechnungen. Den Teil sieht Martin zwar auch, aber Tina kann zum Beispiel die Daten für die Muskulatur nicht einsehen, denn ihre Aufgabe sind nur die Menüs. Du musst also keine Angst haben, dass sie deine persönlichen Werte sehen könnte. Ich kenne die Werte von Martin auch nicht. Wozu auch? Ich muss nur wissen was er trainieren soll und achte ein wenig mit drauf, damit er trotz der Arbeit seine gute Kondition behält. Manchmal neigt er dazu seinen eigenen Plan zu ignorieren. Ich glaube du bist da deutlich disziplinierter als er.“, grinst sie. Kojiro ist erstaunt, dass sie ihn so einschätzt.

„Naja, diszipliniert kann man das nicht nennen. Bei mir ist es wohl eher eine Art Zielstrebigkeit. Ich bin so ein Typ der sich ein Ziel setzt, es anpackt und einfach durchzieht, egal was kommt. Bettina ist auch so ein Menschentyp, sonst wäre sie niemals so weit gekommen und hätte es hier nicht bis an die Spitze geschafft. Ohne Ehrgeiz und Zielstrebigkeit kommst du hier in Japan zu nichts. Aber sie hat es geschafft, ohne viele Umwege zu machen.“ Andrea sieht ihn überrascht an.

„Du kennst sie gerade mal eine Woche und kannst das alles schon erkennen? Ich bin erstaunt.“, sagt sie. Kojiro geht hinter die dunkelgraue spanische Wand und beginnt sich wieder umzuziehen.

„Man muss kein Genie sein, wenn man das japanische Schul-System kennt. Wer mit sechzehn Jahren herkommt, die Sprache und Kultur erst lernen muss, nach nur drei bis vier Jahren seinen Schulabschluss mit so guten Noten macht, dass es für eine Zulassung der Uni Tokios reicht und die schweren Aufnahmetests besteht und studieren darf, muss extrem hartnäckig sein. Nebenbei noch diese sportliche Leistung an den Tag legen um ganz nach oben zu kommen…das kann man doch nur bewundern. Außerdem war Volleyball für sie eine neue Sportart, das weißt du ja nun mittlerweile auch schon. Sich in der kurzen Zeit eine völlig andere Sportart anzueignen ist gar nicht so leicht, denn sie war ganz andere Trainingseinheiten gewohnt. Schon alleine mehr in Räumen als an der frischen Luft zu sein ist eine enorme Umstellung für Geist und Körper.

Also muss sie sich ebenso wie ich immer wieder neue Ziele gesetzt haben und blieb am Ball bis sie diese erreicht hat.“

„Du hast Recht, deswegen bewundere ich sie auch so sehr. Zwar kann man unsere Werdegänge nicht wirklich vergleichen, aber manchmal glaube ich sie hatte es schwerer als ich, nur anders. Ich habe so einiges über das Schulsystem gelesen. Durch die neue Arbeit mit den Jugendlichen hier habe ich mich etwas schlau gemacht. Wie erging es dir denn in dieser Eliteschule? Du hast es sicher auch nicht leicht gehabt. War es wirklich so schwer?“ Er legt sein Trikot wieder in die Tasche und zieht sich wieder an.

„Du hast dein Abitur im Camp gemacht, stimmts? Und dann bist du in die Staaten zum Studium bzw. auf diese Militärakademie?“

„Ja genau. In deiner Biografie steht, dass du ab der Mittelschule an der privaten Sport-Eliteschule Toho warst, durch ein Stipendium. Wie erging es dir dort?“

„Nun, im Gegensatz zum amerikanischen System mussten wir Sportler nicht nur ausreichend gute Noten schreiben, sondern auch einen vorgeschriebenen Durchschnitt haben. An den Regelschulen sind ja alle Noten soweit zwar möglich, aber nicht gut angesehen, also wenn wir an der Toho unter der Note Drei rutschten gabs Ärger. Alle hatten zum Jahresende mindestens die Note Drei auf den Zeugnissen zu haben, sonst wurde das Stipendium gestrichen. Aber der sportliche Druck war bei vielen Mitschülern derart hoch, dass sie auch diese Noten kaum halten konnten. Sie wussten, ohne Stipendium würden sie niemals eine Möglichkeit haben einen so hoch angesehenen Abschluss zu erreichen, denn hier ist es sehr wichtig von welcher Schule du kommst. Also Druck von Schule und von den Eltern, dann darf der sportliche Erfolg nicht fehlen. Abschluss mit Note Eins ist nicht gleichzusetzen mit dem Abschluss Eins zum Beispiel mit Bettinas bzw. Juns Schule. Die Musashi ist eine gute, aber normale öffentliche Schule. In der Wirtschaft und an den Unis wird zwischen den Schülern unterschieden. Das finde ich persönlich ungerecht, aber so ist es eben hier. Man urteilt nur nach Zahlen, statt nach wahrem Können oder Charakter. Jun wird genauso ein guter Arzt werden wie eventuell ein ehemaliger Mitschüler von mir. Aber nur weil beide an verschiedene Schulen gingen würden sie später auf dem Arbeitsmarkt unterschiedlich beurteilt werden. Mit den Unis ist es ähnlich. Eine Uni in einer Kleinstadt nebenan ist nicht so hochwertig im Abschluss wie die Todai hier in Tokio. Hier herrschen die härtesten Aufnahmetests.

Ich persönlich hatte zum Glück keine Probleme in der Schule, noch nie gab es da welche wegen der Noten. Probleme hatte ich eher anderer Natur.“, erklärt er ihr, tritt nun wieder hervor und sieht sie grinsend an.

„Ich musste lernen mein Temperament zu zügeln, das war schwerer als jede Klausur.“ Andrea grinst zurück.

„Das kann ich mir so richtig vorstellen. Ich habe das auch auf der Akademie lernen müssen. Aber du wusstest was auf dem Spiel stand und hattest sicher wieder ein Ziel vor Augen. Schon in so jungen Jahren?“ Er nickt.

„Genau. Ich wollte zuerst durch den Sport erreichen an eine Topp Schule zu kommen, das habe ich erreicht. Dann wollte ich einen hochwertigen Abschluss haben, um an den Unis angenommen zu werden. Im Sport wollte ich so schnell wie möglich oben ankommen, damit ich die Schulden meines Vaters begleichen konnte und meine Mutter nicht mehr so viel arbeiten musste. Immerhin sind wir vier Kinder und so üppig ist das Kindergeld nicht, schon gar nicht für die Schulen und Unis, die man besuchen will. Zwar ging ich nun an diese Schule und für meinen persönlichen Unterhalt wurde gesorgt, aber meine Geschwister hätten es nie gekonnt. Deswegen ging ich in der Oberschulzeit wieder nebenbei arbeiten und im letzten Jahr dann bekam ich ein Angebot vom besten Profiverein Tokios und nahm es eher an als geplant.“ Beide verlassen derweil den Raum und gehen Richtung Lift.

„Und dann? Wieso hast du nicht erst nach dem Abschluss dort angefangen? Du musstest doch sicher noch für die Aufnahmeprüfungen lernen.“

„Das kam durch die Arbeit meiner Mutter. Sie ist Krankenschwester und hatte einen zweiten Job. Eines Tages brach sie zusammen und fiel ins Koma. Ich machte mir Vorwürfe, weil ich schon längst hätte in der Profiliga spielen können, und hätte genug verdienen können, aber ich zog meinen Abschluss und die internationalen Wettkämpfe vor. Da ich entweder unterwegs oder selbst arbeiten war, bekam ich nicht mit wie schlecht es ihr wirklich ging. Da kam dann meine Managerin ins Spiel. Sie organisierte mit meiner Schule, dass ich den Abschluss noch mache, aber statt für die Schule zu spielen ging ich in die Profimannschaft. So konnte ich das gesamte Gehalt meiner Mutter ausgleichen und sie musste nicht mehr arbeiten gehen als es ihr wieder besser ging. Mit den Werbeverträgen und dem Transfer nach Italien konnte ich dann endlich unsere Schulden bezahlen, habe meiner Familie ein Haus bauen lassen und meine Geschwister konnten von da an in eine gute Privatschule gehen. Seitdem geht es ihnen deutlich besser und die drei können sich voll und ganz auf ihre Schule und auf ihren Sport konzentrieren und müssen sich nicht mehr sorgen. Somit hatte ich wieder ein Ziel erreicht.“, lächelt er ganz stolz. Der Lift endet im Erdgeschoss neben der Rolltreppe.

„Wow, du hast echt was durch. Und was ist dein nächstes Ziel?“, schaut Andrea zu ihm auf.

„Du bist aber auch neugierig.“, grinst er sie an.

„Habe ich dir nicht bei unserer ersten Begegnung gesagt, dass ich ein Fan bin, schon seit Jahren. Ich mochte als Kind schon Fußball und habe es neben Volleyball im Camp sehr gerne gespielt. Als dein enorm hoher Transfer in den Medien stand wurde ich aufmerksam, dass ein Japaner das schaffen konnte, wow. Und dann stand da noch du seist gerne auf Okinawa, das fand ich toll. Okinawa ist so schön. Diese Natur dort und die Luft, unverwechselbar. Wenn ich dort bin nehme ich mir Zeit und lege mich einfach nur auf die Wiese, sehe zum Himmel und schau mir das Wetter an, diese Wolken und wie schnell es umschwenken kann. Dieses Ungewisse macht es wahnsinnig spannend dort zu leben.

Seitdem habe ich versucht jedes Spiel zu sehen und fand deine Spielweise klasse. Du spielst mit deinem Team als wenn ihr auf dem Schlachtfeld steht. Immer voran, bedacht und ohne aufzugeben. Was hätte ich damals gegeben so eine tolle Truppe unter mir zu haben.“ Er sieht sie erstaunt an. Andrea öffnet die Tür zur Arztpraxis.

„Du kannst uns doch nicht mit einer Truppe unter deinem Kommando vergleichen. Deine Truppe steht immerhin in Lebensgefahr, wenn sie Einsätze hat. Wir spielen nur um die Ehre. Natürlich auch aus Spaß und Verbundenheit zueinander. Wenn ich aufs Tor zulaufe und Pech habe, es geht daneben, stehe ich auf und mache weiter. Das könnt ihr doch nicht machen, dann ist es aus, für immer.“

„Das mag so sein, aber euer Spiel wirkt immer als würdet ihr genauso ernst dabei sein. Auch wenn es nur ein Sport ist, wirkt es für mich, als würdet ihr kämpfen wie Soldaten.“ Er ist trotzdem erstaunt, dass sie solche Vergleiche macht.

„Was ist nun dein nächstes Ziel?“

„Bevor ich Bettina kennengelernt habe, wollte ich nur mein zweites Studium beginnen und abschließen und zuvor Torschützenkönig der nächsten Saison und der WM werden. Aber nun…wer weiß was die Zukunft bringt. Neben den beiden Zielen werden wir wohl erstmal lernen müssen zusammenzuleben. Das wird sicher noch sehr aufregend und dann sehen wir weiter. Letztendlich kann man nicht alles im Leben planen, aber versuchen was auch immer kommt, gemeinsam zu meistern.“, lächelt er.

„Das ist eine sehr gute Einstellung. Du meinst es also sehr ernst mit ihr? Du fühlst also wirklich so viel für sie, dass du jetzt schon weißt, dass du mit ihr für immer zusammen sein willst?“ Kojiro sieht sie ehrlich an.

„Natürlich, würde ich sonst das ganze Theater hier mitmachen? Ich hatte nie vor mich mal privat mit Schneider zu treffen, schon gar nicht auf diese Weise.“, murrt er plötzlich.

‚Das klingt sehr ernst und ehrlich. Ich denke nicht, dass es für ihn nur eine kurze Sache ist.‘ Kurz bevor sie ihn im VIP-Wartezimmer allein lässt, sieht sie ihn noch ernst an und berührt seine Schulter.

„Kojiro, pass gut auf sie auf. Ich freue mich so für euch beide und ihr passt so gut zusammen. Im Gegensatz zu Martin kannst du sie etwas in ihrem tatandrang und ihrem Temperament zügeln. Ich kenne Tina zwar erst seit gut sechs Monaten, aber so glücklich habe ich sie noch nie gesehen. Und wenn ihr erst in Italien seid, kann ich sie nicht mehr beschützen, Martin auch nicht. Er macht sich Sorgen wie es dort wird.“ Er schaut ernst, versucht sie zu beruhigen und fasst auch ihre Schulter.

„Du kannst dich auf mich verlassen. Ich will doch auch nur glücklich mit ihr zusammen sein. Ihr wird schon nichts passieren.“ Sie schüttelt den Kopf.

„Du verstehst mich falsch. Aber das kannst du ja auch nicht wissen. Nicht einmal Tina weiß es. Martin hat mir heute Nacht ein Geheimnis anvertraut. Er konnte vor Sorge nicht einschlafen und dann habe ich ihn doch ermutigt es mir zu sagen, warum er sich so sorgt.“ Beide nehmen ihre Hände runter und sie schaut ihm sehr ernst in die Augen.

„Hör zu, ich sage dir das nur, weil ich aus Berufswegen weiß, wie wichtig es ist, denn wenn man nicht weiß wieso es wichtig ist eine Person besonders zu schützen, dann ist man unvorsichtig. Ich muss dir diese Aufgabe nun übertragen.“ Er blickt sie skeptisch an und spricht streng.

„Wovon redest du? Welches Geheimnis?“

„Tina geht davon aus, dass Martin damals mit hergezogen ist, um sich beruflich fortzubilden. Es sei ein praktischer Effekt, dass er auf sie aufpassen konnte. Das ist aber eher umgedreht der Fall gewesen. Als die Sache mit ihrem Bruder passiert ist und ihre Familie endschied herzukommen, da baten sie ihn auf Knien sie zu begleiten. Zu diesem Zeitpunkt musste er nach dem Studium eigentlich zum Bund, in Deutschland gab es da noch eine Wehrpflicht. Es gab nur wenige Ausnahmen, die man erfüllen musste, um als junger gesunder Mann nicht eingezogen zu werden. Sie haben es dann so gedreht, dass es mit Absprachen bestimmter Leute so kam, dass er eine Art Zivildienst machen konnte und statt in irgendeinem Seniorenheim zu helfen wurde er als Personenschutz eingesetzt. In diesem Fall als Schutz für Tina. Das heißt, er war Zivildienstleistender über die Bunderwehr, aber musste auf Tina aufpassen.

Worauf ich hinaus will, ist, dass ihre Eltern Angst hatten, ihr könnte etwas passieren, weil die Ursache bei ihrem Bruder nicht genau klar war. Denn als sie damals noch in Rostock lebten und sie noch ein Kleinkind war, da gab es einen Vorfall. Tinas Mutter, sie und ihr Bruder wurden entführt. Was genau da los war weiß er auch nicht. Man hat sie zwar befreien können, aber kurz vor der Wende hat man die Täter erst gefunden. Leider konnte man sie nicht wegen Entführung dingfest machen, sondern hat sie wegen eines politischen Delikts festgenommen. Bis dahin mussten sie sich vor ihnen verstecken. Somit waren sie aber nicht lange im Gefängnis, denn durch die Wiedervereinigung der Länder hat man die politisch Gefangenen einige Monate darauf frei gelassen. Nun waren sie also wieder auf freien Fuß und ihre Eltern hatten Angst, man könne sich an ihnen rächen. Deswegen erzähle ich dir das. Tina weiß nur, dass sie sich als kleine Kinder damals verstecken mussten. Mehr weiß sie nicht. Die Familie hat deswegen damals noch zu DDR-Zeiten die Familiennamen und Vornamen ändern lassen, damit man sie niemals finden kann. Aber Martin weiß nicht ob diese Leute jemals wieder auftauchen könnten, ob sie noch leben, wie sie heißen oder was sie jetzt machen. Tinas Eltern haben die Namen mit ins Grab genommen.

Bisher war das kein Problem, aber wenn ihr nach Europa geht, werdet ihr in den Medien erscheinen und Tina sieht ihrer Mutter recht ähnlich. Deswegen musst du besonders auf sie aufpassen. Es kann nichts sein, aber man weiß es eben nicht. Sollte also doch mal irgendwas Außergewöhnliches sein, lass es mich sofort wissen.“ Sie holt einen Zettel heraus und gib ihn ihm. Er ist zusammengeklappt. „Bitte Kojiro, du bist der Einzige, der das machen kann. Sollte wirklich mal was sein, dann melde dich bei mir oder in extrem dringenden Fällen bei einen dieser Männer. Sie sind Verwandtschaft und in Italien und Deutschland stationiert. Hier kann ich immer helfen, aber dort nicht.“ Andrea drückt seine Hand zusammen, in den sie den Zettel gelegt hat.

„Bitte, versprich es mir! Im Notfall bei denen melden und den Code auf dem Zettel durchgeben. Hast du verstanden?! Meine Nummer hast du bereits.“ ‚Bettinas Familie wurde mal entführt? Ist sie deswegen so lange isoliert aufgewachsen? Hatte ihre Mutter deswegen Angst in kleinen dunklen Räumen? Das würde einen Sinn ergeben.‘

„Andrea, was erzählst du mir denn da?“ Mit einem sehr strengen Blick geht er auf ihre Erklärung und Bitte ein.

„Hör zu Andrea. Natürlich passe ich auf sie auf. Es erklärt einiges, was mir bisher aufgefallen ist, aber verlange von mir nicht, dass ich ihr davon nichts sagen werde. Ich stehe so gar nicht auf Geheimniskrämereien. Wir versuchen beide sehr offen miteinander umzugehen und das soll auch so bleiben. Aber vielleicht weiß Bettina ja mehr als ihr denkt? Martin sollte es ihr selbst sagen, damit sie es weiß. Glaube mir, das ist besser und er ist die Last los.“ Andrea sieht ihn ernst an.

„Bist du verrückt? Es ihr sagen? Das würde sie nur unnötig beunruhigen. Ich weiß nicht. Was meinst du damit ihr geht sehr offen miteinander um? Redest du jetzt von der Sache gestern mit Herrn Schneider?“ Er schüttelt den Kopf.

„Das ist nur ein Teil davon. Wir haben uns bereits über das Thema Namensänderung und ihrer Kindheit in Isolation unterhalten. Es hat sich zufällig ergeben, aber sie weiß bereits, dass eventuell jemand nach ihr suchen könnte. Sie wusste nur nicht genau wieso. Martin sollte bei Gelegenheit mit ihr darüber reden und dann fügt sich bestimmt noch etwas zusammen.“ Andrea nickt nun verständnisvoll.

‚Sie weiß es bereits? Wie kann das sein? Martin ging davon aus, dass sie gar nichts weiß.‘

„Nun gut. Ich melde mich dann jetzt an. Warte hier.“ Sie geht selbst zur Anmeldung vor und kommt dann wenig später wieder zu ihm.

„Du kommst gleich nach dem aktuellen Patienten ran. Viel Erfolg, Kojiro. Ich werde mit Martin darüber reden.“ Dann verlässt sie den kleinen Raum und geht wieder hoch zu den anderen Kunden.
 

Inzwischen sind Tina und Marie wieder unterwegs und gehen am großen Spielzeugladen vorbei. Da bleibt Marie plötzlich stehen.

„Warte. Können wir hier reingehen?“, spricht sie begeistert. Ihr ist der Laden vorhin schon aufgefallen und sie hat in das Schaufenster geschaut und etwas entdeckt. Den Clown fand sie ohnehin toll. Tina willigt unfreiwillig ein, aber was soll sie auch machen? So lange kann es nicht dauern. Heute ist sie trotz des schönen Morgens angespannt. Somit gehen sie in die Künstlerabteilung und Marie schaut sich völlig begeistert um.

„Wow, ist das eine Auswahl. Und wir sind doch nur in einem Spielzeugladen und nicht wirklich in einem Künstlerbedarf.“

„Da musst du dich hier dran gewöhnen. Alles ist hier etwas größer, wenn es um die Auswahl von bestimmten Produkten geht. Wir holen hier in der Regel unsere Büroartikel.“

Vor einem Regal voller bunter Stifte und Bleistiftschatullen bleibt sie stehen und greift begeistert nach ein paar Alkoholmarkern und Bleistiften sowie Kohlestifte. Dann geht sie zu einem Papierregal und schaut sich verzweifelt um. Einen schmalen Block entdeckt sie begeistert und schnappt ihn sich und dann fragende Blicke.

„Was suchst du denn? Du bist sicher andere Marken gewohnt.“

„Ich brauche Papier fürs Kohlezeichnen und Bleistift. Für die Copics habe ich schon gefunden, die habe ich auch. Am besten wäre etwas für Mixed-Media, aber ich weiß jetzt nicht, was hier von den Marken das bessere wäre.“

Tina gibt dem Verkäufer ein Zeichen. Sofort kommt er zu ihnen und berät. Sie übersetzt und dann greift er ins Fach und holt etwas passendes raus.

„Und feines Aquarellpapier brauche ich noch und schöne Aquarellfarben mit feiner Pigmentierung und Pinsel. Man weiß nie, was man hier so plötzlich entdeckt. Ich habe gerne alles bei mir. Eine gute japanische Firma. Darf gerne was Besonderes sein.“, erklärt sie. Der Verkäufer führt sie an ein anderes Regal und zeigt ihr die verschiedenen Farben. Marie entscheidet sich nach dem Austesten der Farben auf dortigem Papier für ein kleines Set mit drei Pinseln, einem faltbaren Wasserbecher und ein Farbenset mit zwölf Farbnäpfchen und integrierter Mischpalette.

„Oha, da hast du aber zugeschlagen. Willst du das jetzt die ganze Zeit mit dir rumtragen?“

Marie zückt an der Kasse stolz ihre Kreditkarte und bezahlt. Tina betrachtet ihr glückliches Gesicht dabei mit trüben Gedanken.

‚Ach Karl, ist das wirklich dein Ernst? Du schenkst ihr zur Volljährigkeit eine Kreditkarte? Ich hätte dir mehr Stil zugetraut. Und wieviel darf sie damit von deinem Konto oder einem eigenen Konto abheben? Glaubst du wirklich, dass sie damit auf Dauer glücklicher ist als, dass du sie besuchst? Sicherlich freut sie sich darüber, dass sie sich überall frei bewegen kann, aber ob ihr das wirklich wichtiger ist als deine Anwesenheit und dein brüderlicher Rat? Glaubst du im Ernst, du kannst alles mit Geld kaufen? Auch als eine Art Entschuldigung, dass du so weit weg bist von deiner Schwester und deiner Mutter? Als Trost schenkst du ihr statt Liebe und Zeit mit dir, nur Geld? Wenn Stephan das mit mir gemacht hätte, hätte ich ihm vermutlich eine geknallt. Ich hätte sein Geld niemals angenommen.‘ Voller Begeisterung packt Marie alles in ihre große Tasche, die sie bereits bei sich hat und kommt glücklich auf Tina zu.

„Wir können, ich habe, was ich für den Tag brauche. Fehlt nur noch eine Wasserflasche. Wo bekomme ich sowas her?“

„Wir haben im Studio Getränke. Da kannst du dir was einpacken.“

Kurz darauf stehen sie auch schon unten in der Sportboutique. Marie schaut sich begeistert um und entdeckt sofort die Poster und läuft darauf zu.

„Tina, ist ja Mega! Du hast hier eine eigene Abteilung? Und dann diese tollen Poster und der coole Aufsteller. Wow.“

Lee und Jacky sind erstaunt über die Kundin, die Tina angeschleppt hat und erkundigen sich.

„Guten Morgen Liebes, wer ist deine reizende Begleitung?“, kommt Lee auf sie zu.

„Guten Morgen. Eine Freundin aus Hamburg. Sie wird für eine Woche in Tokio bleiben.“, antwortet sie nachdenklich. Lee ist erstaunt, dass sie so zurückhaltend antwortet. Beide sehen Marie zu wie sie voller Begeisterung alle Bilder betrachtet und dann am Regal mit den Bällen die Bälle bewundert und danach geht sie zum Kleiderständer, an dem Tinas Trikots hängen. Neugierig hält sie sich eins an ihren Körper und betrachtet sich im Spiegel daneben.

„Wow, sieht das schön aus. Tina, du bist ja hier wie eine Heldin in diesem Laden. Alles signiert und dann so liebevoll eingerichtet und präsentiert.“, äußert sie begeistert und schaut sich dann zu ihr um.

„Sie hat euch gerade gelobt. Sie mag es wie ihr meine Sachen präsentiert. Und das aus einem Mund einer Künstlerin.“, lächelt sie fröhlich zu Lee und Jacky. „Oh wirklich? Das ist ja nett. Du kennst Leute. Sie erinnert mich an den Herren, der gestern hier war und einen Ball von dir gekauft hat. Er hat nach dir gefragt.“, erwähnt er vorsichtig seine Gedanken. Tina sieht ihn überrascht an.

„Das war sicher Karl-Heinz? Er hatte einen Ball bei sich.“ Lee ist ebenso erstaunt.

„Ja stimmt. Ihr seid euch also noch begegnet?“

„Ja, ne Vorwarnung wäre nett gewesen. Ich habe nicht mit seinem Besuch gerechnet.“, murrt sie ihn an. Er ist verwundert.

„War er etwa noch da als ihr gekommen seid? Wir wollten vor Kojiro nichts sagen und wir dachten auch, dass er längst wieder gegangen ist.“

„Ihr hättest es mir ja leise sagen können, ohne, dass er es mitbekommt. Dann wäre ich vorbereitet gewesen und hätte Kojiro vorwarnen können. Wir hatten vor Karl im Urlaub über uns zu informieren. Aber nun gut. Nun ist es erledigt. Und heute Nacht tauchte plötzlich auch seine Schwester auf. War er heute zufällig schon da?“ Lee schüttelt den Kopf.

„Wie jetzt? Nein, er kam heute nicht vorbei. Ich kann dich ja informieren, wenn er wieder auftaucht. Was meinst du mit seiner Schwester? Und woher kennt ihr euch überhaupt?“, kommt Lee entgegen. Jacky mischt sich auch ein.

„Und was meinst du mit „im Urlaub informieren“? Wieso musst du ihm mitteilen mit wem du zusammen bist?“ Tina schaut zu Marie.

„Ihr wisst doch, dass ich mit Genzo befreundet bin.“

„Nun gut, ja, aber das erklärt nur, warum ihr euch eventuell kennt. Aber wieso kommt er extra her, unangekündigt und will dich sehen?“, meint Jacky.

„Das ist etwas kompliziert. Ich war nicht nur mit Genzo befreundet, sondern auch mit ihm und irgendwie mit dem ganzen Team. Also…nun kann ich es euch ja sagen: Ich war damals mit beiden zusammen im selben Team. Mein Bruder und ich waren gut fünf Jahre lang im Profiteam der Junioren vom HSV. Ich als Keeper, mein Bruder als Verteidiger. Später kam Genzo dazu und er ersetzte mich im Tor und ich ging mit Stephan zusammen in die Verteidigung. Ich mochte beides. Ich gab mich die ganze Zeit als Jungen aus. Nur Genzo kannte mein Geheimnis. Eines Tages kam Karl auch hinter meine Verkleidung und wir hatten einen großen Streit. Letztendlich waren wir dann aber fast drei Monate zusammen. Heimlich natürlich. Das Team und unsere Eltern durften es nicht wissen. Ich wollte noch das Spiel gegen Japan mitmachen und dann wollte ich das Team ohnehin verlassen.“, erklärt sie schnell, als wenn sie es eilig hätte. Beide Männer sehen sie nur verdutzt an.

„Wie jetzt? Du hast bevor du nach Japan gekommen bist, professionell Fußball gespielt? Und du konntest mit solchen starken Jungs mithalten?“

„Du warst mit ihm zusammen? Jetzt bin ich aber platt.“

„Jap. Ich war auch damals bei der Europameisterschaft als Verteidiger für Deutschland dabei als wir das Finale gegen Frankreich gewannen. Die U15 1996.“

Beide schweigen.

„Danach kam Genzo ins Team. Er ging mit mir zusammen in dieselbe Klasse, daher kam er auch so schnell hinter meine Maskerade. Da wir uns jeden Tag viele Stunden gesehen haben hat das nicht lange gedauert.“

„Und was war dann? Wieso bist du nach Japan gezogen? Und was ist mit deinem Bruder? Ist der in Deutschland geblieben?“ Tina verschränkt die Arme und schaut zur Decke. Dort hängen ein paar Pappwolken und einige Bälle zur Dekoration.

„Er ist genau heute 1998 in den Fußballhimmel gegangen.“ Sie pausiert kurz.

„Es gab einen Überfall und wir wurden von Fans festgehalten und er hat es leider nicht überlebt. Ich musste alles mit ansehen. Deswegen, ihr Lieben, deswegen konnte ich jahrelang keine Fußballsachen mehr sehen. Ich konnte den Leuten nicht gegenüberstehen und sah stattdessen immer diese schrecklichen Bilder vor mir. Deswegen hängen hier auch keine Trikots rum oder andere große Fußballsachen. Deswegen wollte ich damals auch trotz der vielen Wünsche meiner Fans kein Kennenlernen zwischen dem Wilden Tiger und mir. Was wäre, wenn ich einem Fußballer gegenüberstehen würde, und ich hätte Schwäche gezeigt? Dann hätten meine Gegner gewusst, wie sie mich besiegen könnten. Ich habe nicht grundlos all die Jahre kaum Fern gesehen oder vieles ignoriert.

Deswegen habe ich Kojiro auch nicht erkannt, als er plötzlich in meinem Lokal auftauchte. Ich kannte weder sein Gesicht noch seine Werbung oder irgendwas. Nur den Namen, aber kein Gesicht oder äußerliche Merkmale dazu. Wenn ich gewusst hätte, dass er die Lösung ist, dass ich seitdem keine schlimmen Bilder mehr sehe, sondern nur das, was schön war…dann hätte ich vielleicht schon eher nach Italien gehen können. In ein Land, wo der Sport Fußball noch präsenter ist als in Deutschland. Aber damals wollte ich nur noch weg, ganz weit weg wo es nicht so viel gespielt wurde. Naja, das hat sich ja nun geändert.“ Es ist noch immer ruhig. Tina schaut inzwischen wieder zu Marie und die drei beobachten nachdenklich, wie die junge Frau sich durch die Sportsachen wühlt und ein Stück nach dem anderen betrachtet.

„Tina, unser aufrichtiges Beileid. Das erklärt natürlich vieles.“, sagt Lee leise und mit traurigem Ton.

„Und wenn ich fragen darf, was ist dann mit Herrn Schneider gewesen? Euer Kontakt brach ab, aber der zu Genzo nicht?“, wundert sich Jacky.

„Nun das war so…“ Tina erklärt kurz und knapp, wie es sich damals zugetragen hat und warum ihre Freundschaft zu Genzo so groß ist. Tina schaut wieder zu Marie.

„Marie, komm mal her. Ich möchte dir zwei Freunde von mir vorstellen.“ Sie geht langsam auf die drei zu und bleibt dann vor Tina stehen. Sie hat noch ein signiertes rotes Trikot in der Hand.

„Hello.“, verbeugt sie sich höflich vor den beiden Japanern. Sie tun es ihr gleich und entgegnen freundlich in Englisch.

„Guten Tag. Herzlich willkommen. Wir sind Lee und Jacky. Freunde von Tina.“

Tina übersetzt.

„Und das ist Marie Krause, die kleine Schwester von Karl-Heinz. Passt also bitte gut auf sie auf, wenn sie mal hier bei euch sein sollte.“

„Marie, du kannst den beiden hier genauso wie Martin voll vertrauen, wenn du mal Hilfe brauchst.“



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Von:  igorrrr
2026-05-04T04:54:41+00:00 04.05.2026 06:54
Habe es mir auf mein e- Book geladen ;D
Antwort von:  Megumi-san82
04.05.2026 12:26
Lese wie du willst, Hauptsache du hast Spaß. =)


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