Zum Inhalt der Seite

You are not alone "Du bist nicht allein."

Kojiro und Tina
von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Die Mutmaßung

Kapitel 55
 

Die Mutmaßung
 

Nach der Fotoaktion vor dem Tor geht Tina direkt zum Spint und holt ihren Rollkoffer und die Tasche. Auf dem Rückweg zur Turnhalle kommt ihr der große Security-Mitarbeiter vom Einlass entgegen.

‚Oh, die hübsche Volleyballerin. Sie war die ganze Zeit bei den Trainern. Ob die das wissen? Weiß es überhaupt das Team? Ich hatte nicht den Eindruck. Irgendwie verhält sie sich die ganze Zeit seltsam.‘

Beide begrüßen sich kurz mit einem freundlichen „Hi“. Als sie dann an ihm vorbei gehen will bleibt er plötzlich stehen und spricht sie an.

„Sagen Sie, wann sagen Sie es dem Team?“, ist er dann doch neugierig.

Tina ist erstaunt und weiß überhaupt nicht wovon der Mann redet.

‚Was meint er?‘, sieht sie ihn nur fragend an. Er steht kaum einen Meter von ihr entfernt und sieht zu ihr herab.

Er schaut sich kurz um, ob jemand sie hören oder sehen könnte, niemand in der Nähe und sieht sie dann ernst an. „Na das mit Herrn Hyuga und Ihnen. Wie lange halten Sie es schon geheim?“

Plötzlich steigt Tinas Puls etwas an. Es ist ihr auf einmal unangenehm hier mit ihm, so alleine und dann weiß er von Kojiro und ihr? Woher das? Das kann doch niemand wissen. Warum fragt er dann auch noch danach? Was geht ihn das denn überhaupt an? Vorhin am Einlass dachte sie, er sei nett und habe sich nur etwas in sie verguckt. Doch das hat sie doch sofort aufgeklärt und nun? Nun steht sie hier plötzlich alleine mit diesem Riesen am Rand der Halle, denn sie wollte gerne den Nebeneingang nutzen, so wie früher auch. Der Eingang lässt sich mit dem Koffer besser nutzen, da es dann keine Stufen gibt.

Tina versucht cool zu bleiben und lässt sich ihre innere Unruhe nicht anmerken, denn wenn es eins gibt, was sie definitiv nicht leiden kann, dann ist es mit einem Fremden alleine zu sein.

Im Studio ist sie niemals alleine. Entweder sind andere Leute anwesend oder beim Privattraining ist Martin oder Andrea in unmittelbarer Nähe im Raum. Niemals alleine.

„Entschuldigung. Ich weiß nicht wovon Sie reden.“, spricht sie ernst und sieht ihn bestimmend an.

‚Sie leugnet es? Das ist seltsam. Warum dann das Armband? Sie könnte es ja auch selbst graviert haben und ist gar nicht mit Herrn Hyuga zusammen, sondern will ihm was anhängen? Ich wüsste zwar nicht warum sie als Profispielerin das machen würde, aber man weiß ja heutzutage nie. Vielleicht sieht sie der Tigerin nur ähnlich und nutzt das scharmlos aus und in Wirklichkeit gibt sie sich als diese aus, um dem Team irgendetwas anzuhängen. Immerhin kann sie doch gar keine Fußballer leiden. Vielleicht ist sie eine Betrügerin? Mir ist schon einmal so eine Dame durch die Lappen gegangen. Man kann nicht vorsichtig genug sein.

Ich habe schon die ganze Zeit so ein komisches Gefühl, dass mit ihr was nicht stimmt. Sie verhält sich seltsam. Wieso sollte sie ausgerechnet heute hier sein wollen? Ich habe noch nie davon gehört, dass Wakabayashi mit jemanden befreundet sein soll, die dann hier seit Jahren lebt. Und keiner weiß etwas davon? Das passt doch nicht zusammen.‘

„Ich dachte Sie würden es mir sagen, wenn wir alleine sind. Aber so machen Sie sich einfach nur verdächtig. Ich würde gerne Ihren Ausweis sehen. Den haben Sie vorhin sicher nicht vorgelegt, da Sie anonym bleiben wollten.“, ist er streng.

Tina ist etwas irritiert. Was hat der Mann plötzlich für Probleme mit ihr? Glaubt er etwa nicht wer sie ist? Oder ist er gar nicht so nett wie er vorhin schien und das ist seine Masche an ihre Adresse zu kommen? Sie ist sich extrem unsicher. Wie soll sie diese Situation denn nur einschätzen? Wie oft war sie schon mit Sicherheitsleuten im Kontakt, nicht nur die, die für ihre Sicherheit verantwortlich waren, sondern auch mit anderen und wie oft hat sie sich mit Andrea über die Ausbildungsmethoden unterhalten? Niemals hat sie von so einer seltsamen Art und Weise gehört, ohne dass vor allem Gefahr in Verzug sei.

„Wieso brauchen Sie meinen Ausweis? Was wird mir denn vorgeworfen?“, entgegnet sie ernst und bleibt ruhig.

„Ich habe den Verdacht, dass Sie nicht die Person sind, die Sie vorgeben. Wenn Sie wirklich Frau Fuchs wären würden Sie doch nicht plötzlich hier auftauchen. Sie kann gar keine Fußballer leiden. Warum sollte sie also mit jemanden wie Wakabayashi befreundet sein?“, wirft er ihr an den Kopf.

„Ist das jetzt Ihr Ernst? Nur weil ich den Kontakt zu Fußballen gemieden habe glauben Sie mir nicht wer ich bin?

Ich bin wirklich Bettina Fuchs. Fragen Sie mich doch was, was nur ich wissen kann.“

„Ich weiß selbst nur was alle lesen können. Dann erzählen Sie mir wieso Sie hier sind. Doch wohl nicht nur wegen eines Fitnessprogramms.“

Tina atmet tief durch und versucht ruhig zu bleiben und Zeit zu schinden, in der Hoffnung, dass irgendwann mal jemand vorbeikommt.

„Ich bin wie gesagt mit Genzo in Hamburg in dieselbe Klasse gegangen. Dann sind meine Eltern mit mir hergezogen und ich ging hier auf die Musashi und freundete mich daher mit Jun an. Jun hat übrigens unter anderen das Fitnessprogramm mit mir und Herrn Müller gemeinsam erarbeitet. Deswegen bin ich heute hier. Wir wollen es dem Team vorstellen.“, versucht sie zu erklären.

‚Hm. Klingt logisch. Er ist ja angehender Mediziner und will sich auf Sportmedizin spezialisieren.‘

„Und was ist mit Herrn Hyuga? Wieso halten Sie es geheim, wenn es wahr wäre?“, spricht er das Armbandthema an.

‚Wieso weiß er das überhaupt? Vor allem jetzt erst?‘

„Ich weiß gar nicht was Sie meinen. Wie kommen Sie denn darauf, dass da was wäre?“

Plötzlich fasst er ihren linken Arm an und hält ihn etwas hoch, so dass man die Gravur vom Armband genau erkennen kann.

Tina erschrickt und ihr wird plötzlich ganz kalt, eine unangenehme Kälte steigt in ihr auf. „Und was ist hiermit? Ist es wirklich von ihm oder haben Sie es sich selbst eingravieren lassen?“

Zeitgleich kommt jemand aus der Nebeneingangstür heraus und ruft nach ihr. „Bettina, wo bleibst du denn?“ Er wollte eigentlich nur nach ihr schauen warum es so lange dauert. Vor ihm bietet sich ein seltsames Bild. Der gestandene Mann sieht nur wie Tina von dem großen kräftigen Mann am Arm gepackt wird und ein entsetztes Gesicht macht.

Sofort stürmt er auf die beiden los und verlangt nach einer Aufklärung der Situation.

„Hey! Was ist hier los? Was fällt Ihnen ein Frau Fuchs anzufassen?!“, ist die dunkle kräftige Stimme von Trainer Mikami zu hören.

Der Sicherheits-Mann lässt sie sofort los und sieht ihn nur überrascht an.

‚Ist sie es etwa wirklich? Er hat sie eben vertraut mit dem Vornamen gerufen. Das würde er doch nie tun, wenn sie ihm nicht bekannt wäre.‘

„Bitte entschuldigen Sie, Frau Fuchs. Das war dann sicher ein großes Missverständnis. Sie scheinen sich wirklich zu kennen.“, spricht er sie nun betrübt an und versucht sich zu entschuldigen.

Tina ist trotzdem noch etwas irritiert, denn ihr ist gerade bewusst geworden, dass sie in diesem seltsamen Moment nicht mal daran gedacht hat sich zu wehren, denn eigentlich könnte sie das doch jetzt durch das Training mit Andrea und auch durch Yoko, welche ihr einige Karatetricks gezeigt hat. Aber sie war plötzlich wie erstarrt und hat überhaupt nichts gedacht. Es kam zu plötzlich, als er sie am Arm packte. Dabei hat sie sich doch schon oft gegen solche Männer gewehrt.

Herr Mikami ist verwundert. „Was hatte das zu bedeuten? Warum sollte sie denn nicht sie selbst sein? Wie kommen Sie denn darauf?“

Er zeigt mit dem Finger auf ihr Armband.

„Wegen der Gravur. Ich habe sie zufällig gesehen und dachte sie ist nicht die echte Frau Fuchs und will eventuell einen Ihrer Männer was anhängen. Wenn es wahr wäre, dann wüsste man es doch schon durch die Medien.“, versucht er sich aus der Affäre zu ziehen.

Mikami sieht in Tinas blasses Gesicht. So hat er sie noch nie gesehen und das irritiert ihn noch mehr. Ein ängstlicher Blick? Das kennt er ja überhaupt nicht. Auch damals hat er niemals so einen Ausdruck in ihren Augen gesehen. Tino, Tino war immer fröhlich oder ernst und stark, niemals ängstlich oder verletzt. Er sieht sie besorgt an.

„Alles okay, Bettina? Darf ich das Armband sehen, um die Situation aufzuklären?“ Sie nickt nur. Sie weiß, dass sie ihm vertrauen kann. Natürlich ist Herr Mikami sehr erstaunt als er die Gravur liest, aber dann lächelt er und wendet sich sehr bestimmend an den großen Mann.

„Das passt alles. Sie haben sich da in etwas verrannt. Bettina ist eine Freundin aus Deutschland. Wir kennen uns schon lange. Gehen Sie wieder an Ihren Posten und behalten Sie Diskretion! Ich möchte davon nichts in der Presse lesen, verstanden?! Weder von unserer Freundschaft noch von dem Thema was das Armband betrifft!“, deutet er auf das Armband.

Der Mann verbeugt sich und entschuldigt sich erneut.

„Natürlich. Es tut mir wirklich sehr leid. Ein Missverständnis. Ich war übervorsichtig, weil ich in jungen Jahren schlechte Erfahrungen mit einer Betrügerin gemacht habe. Es wird nicht wieder vorkommen.“ Dann sieht er zu Bettina.

„Es war falsch Sie zu berühren, das ging zu weit.“

Endlich kann Tina wieder etwas durchatmen und sie hat sich ein wenig beruhigt. Streng verschränkt sie die Arme vor ihm und sieht zu ihm während er sich noch vor ihr verbeugt.

„Sie hätten wissen müssen, dass man niemals jemanden alleine anspricht, wenn es einen Verdacht gibt. Sie hätten auch einfach einen der Trainer ansprechen können, statt mich anzugehen.“

Er sieht sie erstaunt an.

‚Wie Recht sie ja hat, das war nicht professionell.‘ Dann richtet er sich wieder auf und sieht nachdenklich zu ihr herab.

‚Sie hat sich eben ganz schön erschrocken als ich sie angefasst habe. Und nun ist sie wieder die Starke? Seltsam.‘

Tina schaut zu ihm auf und blickt ihn ernst an.

„Und glauben Sie ja nicht, ich hätte mich nicht gewehrt! Sie können von Glück reden, dass Herr Mikami genau im richtigen Moment kam.“

Kurz darauf wird wieder nach ihr gerufen.

„Meine Güte, was dauert denn so lange, Tina? Wir wollen langsam anfangen.“, ruft Genzo aus der Halle. Erstaunt sieht er die drei etwas weiter weg stehen und geht auf sie zu. Alle sehen zu ihm.

„Was ist denn los? Sind Sie nicht der Herr vom Security? Ist was passiert?“, sieht er verwundert zu ihm auf. Der Mann schaut nur erstaunt und sieht mehr als nur ein, dass er komplett falsch mit seiner Beobachtung lag. Er verbeugt sich kurz und verabschiedet sich.

„Ein dummes Missverständnis, Herr Wakabayashi. Ich gehe wieder an die Arbeit, entschuldigen Sie mich.“, sagt er, schaut zu Tina und dreht sich um.

Genzo sieht nur verwundert zu Tina. „Was meint er damit?“ Tina weicht aus. „Können wir später darüber reden? Ist ja nun alles geklärt. Lass uns reingehen.“

Dann greift sie ihren Koffer und will losgehen. Genzo stutzt und hält sie fest. „Wenn du ausweichst ist was. Was war los?“

Mikami mischt sich dann ein.

„Wie der Mann sagte, ein Missverständnis. Er hat ihr nicht geglaubt, dass sie sie ist. Nun ist aber alles geklärt.

Lasst uns reingehen.“
 

Kaum ist die Tür hinter den dreien zu, plappert Genzo los, nachdem er ihr den Rollkoffer abnimmt.

„Die Jungs sind schon alle aufgeregt und haben sich extra für dich beeilt mit Frischmachen.“ Tina grinst.

„Wirklich? Du meine Güte. Aber du hast ja auch nur Shirt und Hose an. Haben die anderen auch Privatkleidung an?“ Er schüttelt den Kopf.

„Nein, nur wir Keeper, weil unser Anzug eh so schwer ist. Jun hat schon gesagt, es ist besser wir ziehen die sauberen Auswärtstrikots an und wir Keeper nur kurze Sachen, damit das Gewicht stimmiger ist. Du wirst uns also in Weiß und nicht in Blau ertragen müssen.“

Plötzlich bleibt Tina stehen, berührt seinen Arm und schaut zu ihm auf.

„Ich bin extrem angespannt. Wenn du merkst, dass mir der Ton wegbleibt musst du uns helfen. Ich weiß noch nicht wie alle reagieren werden.“

„Mach dir keine Sorgen. Ich wurde schon ganz viel ausgefragt woher wir uns kennen und sie können es alle kaum erwarten dich endlich mal kennenzulernen.“

„Was hast du denn erzählt?“

„Die Wahrheit, dass wir in derselben Klasse waren. Mehr müssen sie ja nicht wissen. Du kannst ihnen aber allen trauen. Wir sind wirklich wie eine große Familie. Und durch dich wachsen wir noch enger zusammen. Und du hast doch auch noch uns, deine Freunde, die dich immer unterstützen werden, sollte es Zweifel bei jemanden geben. Aber wenn ich den Gesprächen so folge musst du dir gar keine Sorgen machen.“ Dann grinst er plötzlich.

„Mir tut nur Kojiro leid. Er muss sich ganz schön zusammenreißen bei den ganzen Gesprächen in der Umkleide und war fast nur unter der Dusche, statt mit uns rum zuquatschen.“

Er sieht verdutzt in Tinas Gesicht, wie sie etwas verlegen seinem Blick ausweicht. „Du erst wieder. Sowas musst du mir nicht erzählen.“ Ihr wird warm ums Herz und sie lächelt verlegen, während sie wieder weiterläuft. Vor ihr spielen sich gemeinsame Situationen mit Kojiro ab. Wenn sie nur das Wort Dusche hört wird ihr ganz warm.

‚Danke Genzo, die Aufmunterung habe ich gebraucht. Die Vorstellung alleine, dass sich Kojiro Gedanken darüber macht wie er es am besten anstellt erinnert mich daran wieso ich hier bin.‘

„Bringen wir es hinter uns.“, sagt sie motiviert und geht schneller voran in Richtung Mannschafts-Besprechungsraum.
 

Sie ist den Männern ein paar Schritte voraus. Plötzlich spricht Mikami seinen ehemaligen Schützling an.

„Du musst noch viel über die Liebe lernen. Du vergisst mit wem du redest. Solche intimen Details lässt man einfach weg. Wenn du sowas öfters vor ihr sagst, wird sie irgendwann nicht mehr so offen mit dir reden können. Immerhin seid ihr Männer Kollegen. Vergiss nicht, dass sie genau weiß was in so einer Umkleide abgeht. Ihr wart manchmal ein ganz schön grober Haufen, wenn ihr euch über Mädchen unterhalten habt. Das ist normal in dem Alter gewesen, aber du willst nicht wissen wie sich ein Mädchen dazwischen gefühlt haben muss.

Vergiss einfach nicht, dass ihr keine Kinder mehr seid.

Ach und noch was.

Herr Katagiri ist bereits im Bilde was Bettina und den HSV betrifft. Ihm ist vorhin selbst aufgefallen woher er ihren Namen auch noch kennt. Als er sie vor dem Tor gesehen hat fielen ihm wieder unsere beiden Verteidiger ein.

Mache dir also über ihn keinen Kopf. Er weiß auch was jetzt noch kommt.“

Genzo staunt nicht schlecht.

„Okay, alles klar.“, sagt er nur und dann folgen sie Tina in den Besprechungsraum.
 

Plötzlich wird es ganz leise und die Nationalmannschaft richtet ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihren charmanten Besuch.

Jun geht direkt auf sie zu und wünscht sie herzlich willkommen als neues Crewmitglied. Neben ihm gesellt sich die Sportmedizinerin Daniele, welche aktuell den eigentlichen Mannschaftsarzt vertritt.

„Hallo, ich freue mich endlich mal Ihre Programme genau ansehen zu können. Ich habe schon einiges gehört. Ich bin zurzeit nur Vertretung, da Urlaubszeit ist und mich Jun und Taro darum gebeten haben. Wir kennen uns aus Frankreich. Ich betreue die Männer also in ihrer eigenen Urlaubszeit.“, schmunzelt sie.

Tina lächelt zurück.

„Das ist schön, vielleicht können Sie sich nachher mal meinen Rücken ansehen. Ich habe heute noch ein Spiel und bin heute früh gestürzt. Dann muss ich nicht extra unangekündigt zu meinem eigenen Doc. Der Weg ist so weit.“

„Sehr gerne. Es wäre mir eine Ehre. Ich betreue ehrenamtlich eine Volleyball Mädchenmannschaft. Ich kenne mich also auch damit aus.“
 

Somit stellen sich Tina und Jun nun vor das Team und klären die Männer auf welche Möglichkeiten es gibt und auf welche Art sie einzeln betreut werden können. Tina ist zwar genau in ihrem Element, aber etwas aufgeregt ist sie schon. Natürlich kann sie sich unauffällig verhalten aber ihre Gedanken sind ganz woanders. Beim Anblick ihres Liebsten wird ihr warm. Auch das Auswärtstrikot steht ihm unwahrscheinlich gut.

‚Kojiro, dich mal komplett in Weiß zu sehen ist auch ein unwirklicher Anblick. Und dass du immer deine Ärmel hochkrempelst ist wohl dein Markenzeichen? Du weißt, dass du mich damit total ablenkst, aber würdest du es nicht tun, fällt es extrem auf. Du musst dich nur an den Plan halten, auch wenn es dir sicherlich sehr schwerfällt. Zuerst müssen wir die Programme vorstellen, danach hast du freie Bahn und suchst den passenden Moment selbst aus.‘

Tina versucht unauffällig jeden einzelnen nebenbei zu betrachten, während Jun die medizinischen Details und Notwendigkeiten der Datenerfassung erklärt. Dann ruft er Tsubasa und Genzo zu sich.

„Abgesehen von mir selbst sind die beiden ebenso bereits im Programm. Genzo wird von einem Facharzt in Hamburg betreut, welcher einmal monatlich die Daten an uns sendet. Bei Tsubasa ist es sein Facharzt, den er von Hawaii noch kennt. Er passt seine Methoden dem zusätzlich mit an, sodass er auch in Barcelona über ein Labor seine Werte weiterreicht.

Tina ist Diätköchin und erstellt für unser Team ein individuelles Kochbuch zusammen mit Rezepten und Nährwerttabellen, damit wir uns daran orientieren können. Jeder bekommt seinen eigenen Hefter, welcher nur auf ihn bezogen ist, aber als Team sind wir viel zusammen unterwegs und so können die Angaben auch mal an die Küchen vor Ort oder an unsere Familien gereicht werden, damit wir im Plan bleiben.

Tsubasa, was sagst du zu den Rezepten? Du bist ja nun kulinarisch immer verwöhnt worden. Du magst die brasilianische Küche und Tina hat dir speziell dazu was zusammengestellt.“

„Ja genau, ihr wisst ja, dass ich ab und an auch mal bei Rivaul zum Abendessen eingeladen bin. Seine Frau kocht nur brasilianisch, aber sogar ihr gefallen die Menüs und sie kocht sie für uns nach. Seinen Kindern schmeckt es auch.

Und ich fühle mich deutlich entspannter. Auch bei uns geht es mal extrem stressig zu, so sehr ich meinen Sport auch liebe, aber es gibt auch Tage, da habe sogar ich mal keine Lust zu spielen und geh nur Laufen und halte mich im Fitnessraum auf um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Seitdem ich das mache und mir dann einfach mal ein Stück Schokolade gönne bin ich deutlich entspannter.“

„Sag jetzt nicht wir dürfen trotzdem noch Schokolade essen? Was ist das denn für ein Speiseplan? Jeder meckert rum, wenn man nascht.“, kommt Ryo verwundert zu Wort. Tina bringt sich ein.

„Wenn es mal einen Heißhunger gibt sollte man es nicht zu sehr verdrängen. Wenn also jemand neben dem strengen Plan mal Lust auf ein dickes paniertes Schnitzel oder eine Tafel Schokolade hat, dann ist das durchaus okay. Wichtig ist, immer die gesamten Nährwerte eines Tages und der Woche im Kopf zu haben und eine Regelmäßigkeit zu beachten. Ich trinke auch gerne mal meinen Kaffee mit Zucker und Milch oder gönne mir ne Heiße Schokolade mit Schlagsahne, oder einen Eisbecher, alles Fett und Zucker, aber dann sind die nächsten Kaffeetassen wieder schwarz und ich trinke den Rest des Tages Wasser oder gönne mir dann nur einen Salat. So gleicht man es aus und kann sich trotzdem mal was gönnen. Es sollte nur nicht jeden Tag sein.

Wenn ihr unterwegs seid und keine Möglichkeit für die Umsetzung des Speiseplans habt gibt es Alternativen an Imbissbuden oder in Fastfoodketten. Die Ideen stehen dann alle in dem dicken Kochbuch, welches ich individuell für Ihr Team zusammenstellen werde. Anbei ist dort auch eine Nährwerttabelle.“ Sie zeigt ei9n Beispielbuch hoch und zeigt auf die hinteren Seiten.

Das Wichtigste ist bei den individuellen Plänen, dass sie genau eingehalten werden müssen. Sie bekommen jeder eine eigene Mappe in der ein Fitnessplan passend zu Ihrem Sport oder Beruf steht und genau auf diesen Plan und dem Energieverbrauch berechne ich meine Menüs. Es ist also wahnsinnig wichtig später bei der Facharztuntersuchung und dem persönlichen Gespräch mit ihm einen genauen Tagesablaufplan zu hinterlegen. Dazu sind auch die Trainer angehalten, Ihren Tagestrainingsplan aufzuschreiben. Niemanden außer dem Arzt werden die Daten oder die Inhalte des Plans gezeigt. Auch ich sehe sie nicht ein, denn das unterliegt seiner Schweigepflicht. Der Arzt stellt dann die Krafttrainingswerte fest, welche benötigt werden und für mich welche Energiezufuhr benötigt wird. Ich habe also am Ende nur ne Tabelle mit Zahlen und Ihren individuellen Vorlieben wie in diesem Falle die brasilianische Küche.

Herr Müller, als Sportwissenschaftler stellt die Trainingspläne zusammen und ich erstelle die Ernährungsberichte und Menüs.

Wie Jun schon sagte, wenn es bei der Untersuchung auffällt, dass es irgendwo einen Nährwertmangel gibt richte ich meine Pläne genau danach, um dies auszugleichen. Dazu gehören manchmal auch individuelle Smoothies oder Säfte, welche wir Volleyballerinnen zum Beispiel trinken müssen, da wir zu wenig Sonne abbekommen und hier in Tokio draußen ab und an stickige Luft herrscht. Es bringt also keine Punkte, wenn man solche Säfte zum Beispiel von einem Kollegen oder der Partnerin trinkt, nur weil sie lecker schmecken. Das bringt nur unnötig den Vitaminhaushalt durcheinander.

Fane zum Beispiel trinkt auch einen Saft, weil sie bei mir in der Küche viel in der Räumlichkeit steht. Tsubasa hingegen ist ständig draußen. Wenn es also solche Konstellationen gibt, dann müssen Sie es dem Arzt mitteilen, damit ich weiß wie ich für Partnerschaften und gleichem Haushalt alles zusammenbringen kann.

Dazu gibt es von mir und später vom Arzt einen Fragebogen, den Sie ausfüllen müssen.

Bei Jugendlichen gibt es dann oft zwei Bögen, einen für den Jugendlichen oder das Kind und einen für die Eltern, damit ich ihren Plan an die Familienabläufe anpassen kann. Wenn Sie also schon Kinder oder eine schwangere Partnerin im Haushalt haben, sind auch diese bitte anzugeben. Partner die auch im Programm sind suche ich dann aus meinen Unterlagen raus und füge ihre Pläne zusammen, damit es passt.

Genau deswegen ist es auch sinnvoll nicht nur eine Datenerfassung zu machen, sondern auch regelmäßig solche Infos weiterzugeben oder Werte zu erfassen. Deswegen bieten wir das Programm hauptsächlich als Abo an. Klingt seltsam, aber nur so können wir vor allem für Profisportler die besten Voraussetzungen schaffen und Ergebnisse erzielen.

Als Profis unterstehen Sie auf Wochen und Monategesehen unterschiedlichen Stressfaktoren, die ich dann mit beachten muss. Wenn also die Saison wieder beginnt oder eine Meisterschaft ansteht sind Sie in bestimmten Intervallen besonderem Stress ausgesetzt und benötigen eine angepasste Ernährungsplanung. Dazu komme ich aber, wenn es soweit ist.“

Kojiro hört sehr aufmerksam zu und in ihm macht sich Stolz und Freude breit. Endlich kann er seiner Bettina bei ihrer Arbeit zusehen und wie ihre Augen funkeln während sie voller Begeisterung von ihrer wichtigen Arbeit spricht.

‚Du weißt genau was du tust, Bettina. Und trotz der ganzen fachlichen Dinge kannst du es verständlich erklären.‘

Ryo ist begeistert und sieht zu seinen Freunden.

„Habt ihr gehört? Wir dürfen sogar naschen. Das Menü gefällt mir jetzt schon.“, äußert er spaßig.

Es meldet sich Shinichi zu Wort: „Was ist im Falle eines Sondertrainings? Also Ken und ich planen am Anfang der nächsten Saison ein Sondertraining zusammen mit Trainer Kira. Kann man denn die Pläne an diese kurze Zeit anpassen? Wir verbrauchen ja dann mehr Energie als sonst und sind anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt, da wir nicht in Tokio, sondern auf der Insel sind.“

„Eine sehr gute Frage. Ein Sondertraining ist immer mal wichtig für den Sport und da gebt ihr uns einfach ein paar Eckdaten der Trainingszeiten und Einheiten, damit wir vorab etwas berechnen können. Ich bin selbst ab und an auf Okinawa und kenne die Wetterbedingungen dort. Ich plane das in der Regel für mich selbst so, dass ich dann einige zusätzliche Dinge entweder weglasse wie Vitamin D oder dafür dann aber ein wenig mehr Energie zu mir nehme durch Milchprodukte, Fleisch oder Brot. Sagen Sie einfach Bescheid und ich stelle den Plan für solche Bedingungen zusammen.“

‚Oh, das ist mir jetzt auch neu. Wir haben wirklich noch viel voneinander zu lernen. Ich hätte jetzt zwar gedacht, dass sie dort Andreas Familie besucht, aber Sondertrainingseinheiten auf Okinawa sind mir neu. Jedoch, es muss ja einen Grund gehabt haben dort am Strand zu sein, wenn sie Andreas Bruder aus dem Wasser gezogen hat.‘, ist Kojiro sehr überrascht.

Tina erhebt den Zeigefinger.

„ABER! Was ganz wichtig ist bei einem harten Training, egal ob es fortlaufend ist oder nur für eine kurze Zeit: Schlaf! Plant bei besonders hartem Training 8 bis 10 Stunden Schlaf ein, am besten durchgängig. Im Notfall 6 Stunden und dann mal einen Mittagsschlaf. Ohne die Ruhe kommt ihr am Ende nie auf ein gutes Ergebnis und brecht irgendwann zusammen.“

Ryo lacht beherzt los und schaut dann zu Kojiro rüber.

„Na? Hast du gehört Kojiro? Das ist doch dein Part. Wenn dich mal wieder der Ehrgeiz packt, schlafen nicht vergessen. Nichts mehr mit trainieren bis zum Umfallen.“

Kojiro ist durch die ganze Situation heute so oder so schon sehr angespannt und muss sich sehr zusammenreißen, und nun kommt dieser Spaßvogel an und neckt ihn. Und dann auch noch vor Tina, in einem Moment wo er gar nicht wirklich darauf reagieren kann. Er verschränkt die Arme, um sich zu beherrschen und um die richtigen Worte zu wählen.

„Du redest zu viel!“, sagt er nur sehr bestimmend und sieht ihn ernst an.

Ryo jedoch checkt es nicht, dass dem Toppstürmer die Anmerkung unangenehm sein könnte. Er kann sich wiederum auch nicht wirklich vorstellen, dass Kojiro damit ein Problem hätte über so ein Thema zu reden. Warum auch? Es ist doch kein Geheimnis, dass er dort ab und an spezielle Trainingseinheiten hat und das gibt er auch stolz zu. Er wollte lediglich etwas Stimmung machen zwischen den ganzen ernsten Informationen.

„Aber stimmt doch. Ich frage mich sowieso all die Jahre wie du das immer durchhältst. Training bis zum Umfallen. Das kann doch gar nicht gut sein.“

‚Spinnt der jetzt etwa? Muss er sowas ausgerechnet jetzt rausplaudern? Seit wann ist es denn wichtig für ihn wie ich trainiere?‘, steigt Kojiros Puls an und er kann sich plötzlich nicht mehr zurückhalten. Die Anspannung im Raum ist einfach zu groß. Tina bemerkt seine Aufregung. Natürlich kann sie sich vorstellen, dass er so ein Typ Sportler ist wie sie selbst. Jemand der sich auspowert und mit voller Leidenschaft eine Idee umsetzen will. Es gibt Momente im Leben die man nutzen muss bis sie endlich wirklich funktionieren. Und bei diesen Bällen, die sie heute gesehen hat ist ihr klar, dass da nur ein hartes Sondertraining für gesorgt haben kann.

„Was gehen dich plötzlich meine Trainingsmethoden an?! Vielleicht solltest du das auch mal ausprobieren, damit du weißt wie befreiend sich das anfühlt sich einfach mal auszupowern und die Zeit um sich herum zu vergessen!

Oder glaubst du die Spezialschüsse kommen von ganz alleine?!“, brummt er ihn an und versucht sich wirklich sehr zurückzuhalten mit dem Tonfall und der Lautstärke. Immerhin ist Besuch anwesend. Tina macht sich ihre Gedanken und versteht Kojiros Reaktion vollkommen.

‚Ausgerechnet heute muss dieser Mann mit seiner lustigen Art einen Scherz auf deine Kosten machen. Er meint es sicher nicht böse, sondern will nur aufheitern. So war ich früher auch mal. Der Spaßvogel im Team. Ich glaube das Thema ist dir sehr unangenehm vor mir.‘, schmunzelt sie vor sich hin und bringt sich dann mit einem ernsten Ton ein.

„Ich glaube Sie haben da was falsch verstanden, Herr…?“, sie sieht Jun fragend an. „Ichizaki“, sagt er.

„Herr Ichizaki. Ich kann der Aussage von Herrn Hyuga nur zustimmen!“, sieht sie ihn streng an. Alle sind erstaunt, auch Trainer Kira ist total baff als er das hört. ‚Nanu? Was sind das denn für Worte?‘

Kojiro ist ebenso verdutzt. ‚Bettina, du äußerst dich dazu?‘



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (0)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.

Noch keine Kommentare



Zurück