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You are not alone "Du bist nicht allein."

Kojiro und Tina
von

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Martin Müller

Martin Müller
 

Kapitel 33
 

Er eilt die Treppe runter, geht zum Tisch und nimmt ab.

„Hyuga.“

„Hey Kojiro.“, hört er Tsubasas Stimme.

„Hi. Was gibt’s?“

„Unser Spiel wurde verschoben. Pierre hat eben angerufen und gesagt, sie würden erst gegen 15 Uhr kommen können, weil Cusavier noch seinen Jetlag ausschlafen muss.

Also zur Info. Ich weiß ja nicht wo du grade steckst, aber wann wolltest du denn heute kommen?“

„Okay, verstehe. Gut, dass er noch angerufen hat. Ich weiß dann Bescheid.

Ich bin bei Bettina.“

In der Zwischenzeit ist Tina ihm gefolgt und steht auch im Wohnzimmer.

„Sie müsste jetzt doch beim Training sein. Seltsam.“

„Woher weißt du von ihrem Trainingsplan?“

„Na seit Wochen redet sie davon, dass sie ein europäisches Team eingeladen hat. Morgen ist das Spiel. Dafür muss sie doch heute nochmal trainieren.“

„Das Spiel fällt leider aus.“

„Oh nein. Das ist ja gemein.“

Tina stellt sich vor Kojiro. „Ist das Basa?“, flüstert sie. Er nickt.

Sie reicht ihm die Hand. „Darf ich ihn sprechen?“

„Tsubasa, Bettina will mit dir reden.“

„Okay.“

„Hallo Basa. Du glaubst nicht was ich eben in den Händen hatte.“ Sie greift nach Kojiros Hand und hält sie sanft fest.

‚Oh, sie will es ihm erzählen?‘

„Du verwirrst mich. Woher soll ich das wissen?“

„Du musst raten. Wo bist du? Beim Training?“

„Na toll. Du weißt im Rätseln bin ich total schlecht. Ja beim Training.“

„Ich mache es dir einfach. Schau mal zu deinen Füßen runter. Was siehst du als erstes, wenn du runterschaust?“

Tina schaut fröhlich zu Kojiro auf.

„Hm, meine Stulpen?“

„Ne…als erstes, nicht erst auf dem Boden.“

„Du verwirrst mich. Hilf mir auf die Sprünge.“

„Hm. Na gut, noch ein Hinweis.

Wusstest du eigentlich, dass ich damals im HSV im Team die Nummer 9 war? Stephan war die Nummer 10.“

„Sag bloß…du meinst Kojiros Trikot?“, ist er völlig von den Socken.

‚Wow, Kojiro…sie freut sich ja richtig. Wie kommt es, dass du ihr so viel Mut schenken kannst? Ich habe das nicht geschafft. Sie wollte sich nie ein Spiel ansehen oder gar Fotos mit mir in meinem Trikot. Niemals. Auch Genzo hat es jahrelang versucht und dann gehofft, dass es klappt, wenn wir uns kennen.‘

„Gratuliere.“

Kojiro lächelt sie nur an. ‚Dass du dich darüber so freust und es ihm gleich sagen musst, das freut mich wirklich sehr.‘

„Und was hast du dabei empfunden?“, fragt er sensibel.

„Das erzähle ich dir, wenn wir uns das nächste Mal sehen.“

„Okay. Ich freue mich, dass es dir besser geht.“, antwortet Tsubasa mit glücklichem Unterton und verlangt nochmal nach Kojiro.

„Bis dann.“, sagt Tina nur kurz und gibt das Handy wieder an Kojiro.

„Ich weiß noch nicht wann ich genau kommen kann. Das hängt davon ab wann Cusavier aufwacht. Ich bringe ihn dann mit.

Aber da das Spiel dann eh erst 15 Uhr ist, hat er ja noch Zeit.“

„Stimmt. Dann bis dahin. Ach so, ich warne dich mal vor. Der Trainer hat schon die Aufstellung festgelegt.“

„Aha, und?“

„Er will eine Doppelspitze mit dir und dem Neuen, Yamamoto. Ab heute trainiert er mit und er will euch beide testen.“ Kojiros Blick ist etwas getrübt und er schaut plötzlich ernst.

„Was soll das denn? Muss das ausgerechnet heute bei diesem Spiel sein? Das hätten wir doch lieber erst vorher testen sollen. Ich weiß doch überhaupt nicht wie der Junge spielt.“, murrt er.

‚Nanu? Er klingt besorgt. Welcher Junge?‘, wundert sich Tina.

„Mach dir keinen Kopf. Stell dir einfach vor du spielt mit einer etwas jüngeren Version von Taro, mit ihm kommst du doch auch super klar.“

„Aber mit Taro habe ich schon damals in der Grundschule gespielt. Dann immer mit euch. Das ist kein Vergleich.

Sag ihm das ist besser im Training, nicht bei so einem Spiel. So war das Spiel heute nicht geplant. Einen Neuen sollten wir erst einspielen lassen und dann sehen wir weiter. Unterschätzt die Franzosen heute nicht, immerhin ist Cusavier diesmal dabei. An dem muss erstmal der Neuling vorbeikommen. Ich wollte heute etwas mehr Gas geben als gestern, ich habe mit Pierre ne Rechnung offen.“, erklärt er Tsubasa mit fester Stimme.

„Was ist denn los?“, fragt Tina plötzlich.

Kojiro hält das Mikrofon zu und antwortet.

„Herr Mikami will die Aufstellung heute ändern. Statt meines Partners Sawada will er Yamamoto mit mir in die Doppelspitze stellen. Wir haben jedoch noch nie zusammengespielt.“

„Shinichi? Was soll der in der Sturmspitze? Machst du bitte Freisprecher an?“, lächelt sie Kojiro an.

„So, ich nochmal. Was soll der Quatsch? Ist das ne Provokation von Herrn Mikami?

Shinichi ist kein Stürmer, er gehört ins Mittelfeld zu dir. Am besten links außen.“

‚Tina. Was ist jetzt los? Du willst dich mit mir wahrhaftig über Fußball unterhalten?‘, wundert er sich.

„Wieso? Er spielte in Frankreich auch vorne.“

„Mag ja sein, aber soweit ich nebenbei im Sport beobachten konnte, wenn die Jungs gespielt haben und auch als wir gegeneinander spielten, würde ich ihn gegen so ein starkes Team lieber weiter mittig einsetzen, weil er sehr gut zuspielen kann und einen Blick für das ganze Feld hat. Und am Rand, weil er geschickt dafür sorgen kann, dass der Ball nicht ins Aus geht und zurückspielen kann.

Deswegen.

Und wenn Mikami ihn ins Wasser schmeißen will, warum dann nicht dort oder vielleicht in der Verteidigung, damit er gegen Cusavier und Pierre antreten muss. Er ist eher der Typ, der geschickt die Bälle abfängt und nach vorne spielt oder je nach Möglichkeit selbst vorläuft. Er ist wirklich schnell. Wir mussten oft zusammen für die Benotung laufen, damit wir uns antreiben. Aber in der Schule hält er sich eh zurück. Er wird besser sein als ich es sehen konnte.“

‚Sie muss ihn ja gut in der Schulzeit beobachtet haben. Und dass sie so ohne Probleme über Fußball redet, das ist auch interessant.‘, stellt Kojiro erstaunt fest.

„Wieso denn Links?“, wirft Kojiro ein und sieht sie fragend an.

„Weil er beidfüßig spielt und eine starke Linke hat.“, erklärt sie.

‚Oh, das ist selten.‘, bemerken beide Profis.

„So, ich muss los. Also Basa, bespreche das mal mit Genzo, er wird Mikami umstimmen können.

Bis später.“

Kojiro legt auf.

Tina holt ihre Handtasche.

„Kojiro, sorry, dass ich mich da eben eingemischt habe. Aber ich hatte die Vermutung er will dir eine reinwürgen, meinetwegen.“

„Meinst du echt?“

„Zumindest hatte er das früher immer drauf. Wenn wir im Team gestritten haben hat er uns beim nächsten Spiel gezwungen zusammen zu spielen. So mussten wir auf Zwang miteinander klarkommen, damit wir das Spiel trotzdem gewinnen.“

„Oha.“, sagt er nur. ‚Das ist echt streng. Ich dachte immer mein Trainer in der Toho hat nur so seltsame Methoden drauf. Aber warum hat Mikami das nie bei uns gemacht? War es eventuell nie nötig? An sich verstehen wir uns ja alle zusammen auf dem Feld sehr gut. Und Genzo und mich kann er schlecht zusammenstecken. Wobei, innerhalt des Teams hatten wir selten Probleme miteinander. Entweder wir gehen uns aus dem Weg oder wir machen unseren Job.‘

Plötzlich gibt Tina ihm unerwartet einen Kuss. Dann berührt sie seine Wange und das Ohr und sieht ihn verliebt an.

„Danke Kojiro. Danke, dass du bei mir bist.“

‚Bettina, was ist denn jetzt auf einmal los? Wieso bedankst du dich bei mir?‘

„Nur weil du bei mir bist kann ich plötzlich wieder frei sein. Ich habe noch nie mit Tsubasa oder gar Genzo wieder so über Fußball sprechen können. Aber ich glaube…du…bist wirklich…mein Heilmittel.“ Sie fasst seinen Rücken und schmiegt sich an ihn. „Ich…lieb dich.“, gesteht sie glücklich und mit feuchten Augen. Dann küsst sie ihn leidenschaftlich und beide vergessen alles um sich herum. Seine Hände fassen in ihr weiches Haar und ihre Taillier und drücken sie fest an sich, sodass er ebenso ihre Wärme spüren kann.

‚Ach Bettina, ich liebe dich auch so sehr. Ich bin so stolz, dass du aus dir rauskommen kannst.‘
 

Nach ein paar Minuten der kleinen Zärtlichkeiten verlässt Tina das Haus und schnappt sich das Auto.

Sie fährt ein paar wenige Blöcke weiter und parkt bei Martins Fitnessstudio.

Als sie aussteigt schaut sie zum Bürofenster hoch. Direkt darüber leuchtet das große Schild mit dem Firmennamen „Fitnesscenter Martin Müller“.

Es erstreckt sich über drei Etagen und umfasst insgesamt 4000qm. Im Erdgeschoss befindet sich ein großes Sportgeschäft für Kleidung und Geräte, ein Kosmetikstudio, ein Frisörsaloon und eine Arztpraxis mit Hausarzt, Unfallchirurgen und eines Sportmediziners. Hinzu kommt eine kleine Schwimmhalle mit Sauna welche direkt mit dem Fitnessstudio verbunden ist.

In der ersten Etage befindet sich nach dem Empfangsbereich und einer Lounge das bereits bekannte öffentliche Haupt-Studio mit verschiedenen Geräten, dem Umkleidebereich inklusive Zugang zum Schwimmbad und dem Büro. In der obersten Etage ist ein zweites Studio mit verschiedenen Geräten und einige kleine Räume für Kundenbesprechungen und Privattraining. Es hat auch einen weiteren Saunabereich mit Terrasse für VIP-Kunden. Wenn Tina nicht gerade darauf aus ist etwas Wirbel ins Studio zu bringen, dann hält sie sich gerne und hautsächlich in der obersten Etage auf. Dort hat sie in der Regel ihre Ruhe und kann an allen Geräten nach ihrem Ermessen trainieren. Betreut wird sie dann meistens von Andrea oder wenn sie was zu bereden hat von Martin.

Tina nutzt den Nebeneingang und die Treppe, statt des Haupteingangs mit Rolltreppe und Lift. So steht sie direkt vor dem Büro ohne an der Information vorbei zu gehen. Das hat den Vorteil nicht von Kundschaft gesehen zu werden.

Sie klopft und Martin bittet sie herein.

„Na? Du wunderst dich sicher wieso ich heute so unerwartet da bin.“

„Oh ja. Du machst mich neugierig. Setz dich doch.“, bittet er ihr einen Platz an.

„Danke, ich muss stehen. Ich bin viel zu aufgedreht…ich muss nachher auch gleich an die Geräte. Kannst du mich dann betreuen? Hast du die Zeit?“

„Natürlich. Meine VIP-Kundschaft kommt erst nachmittags heute.“

„Gut. Nun erstmal bevor ich zum eigentlichen Anliegen komme.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.“ Sie schaut nachdenklich auf Martin, welcher hinter dem Schreibtisch sitzt, den Taschenrechner zur Seite legt und seine Akte zusammenklappt.

Ganz aufgeregt geht sie auf und ab und erzählt ihm vom gestrigen und heutigen Tag. Dass sie Besuch in der Schule hatte und ihrem alten Trainer ihr Geheimnis gestanden hat, die Beredung mit Genzo, dass sie dann ihre Klassenkameradin im Krankenhaus besucht hat und dann das Erlebnis im Betrieb mit Pierre und seiner Schwester und Mutter und natürlich, dass Kojiros Mutter ihn rausgeworfen hat. Ebenso berichtet sie von dem Unfall in Italien und dass Kojiros Kollege und Freund aktuell bei ihr zu Hause ist und heute noch das Spiel stattfinden soll. Sie muss ihm auch unbedingt davon erzählen, dass sie ohne Probleme Kojiros Trikot anfassen konnte. Sie hat es bisher noch nie an ihm gesehen, aber statt wie früher gleich die Ereignisse in der Gasse zu sehen, sah sie in ihrer Vorstellung nur, wie er es tragen würde.

„Und deswegen…Martin. Genau deswegen bin ich hier.

Als ich Herrn Mikami die Wahrheit erzählte, dann habe ich mich entschlossen mich bei ihm zu entschuldigen und zu bedanken. Das kann ich am besten, wenn ich ihm und seinem Team helfe.“

Martin ist ganz verwundert was auf einmal mit ihr los ist. Er hat noch nie erlebt, dass sie jemals so einen Redefluss hatte. Natürlich erzählte sie ihm ab und an was sie so erlebt hat, aber selten von einem ganzen Tag und mit so viel Elan und gleichzeitig Begeisterung und emotionalen Auf und Abs, dass er Mühe hat ihr zu folgen.

Dann ist er total verwundert was sie überhaupt mit diesem Trainer zu tun hat. Während Tina in Hamburg war und dort seines Wissens Fußball spielte, dachte er sie sei in einer Mädchenmannschaft gewesen. Dass sie direkt mit ihrem Bruder im selben Team war, ist ihm neu. Er hat das damals nie wirklich verfolgt, es hat ihn nicht so ganz interessiert, da sie eh weiter weg wohnten und er derzeit schon mit seinem Abi und Studium extrem beschäftigt war. Und warum sollte er sich für ein kleines Mädchen interessieren?

Und nun? Auf einmal plappert sie ihn voll mit Dingen von denen er das erste Mal hört und dann redet sie fast die ganze Zeit über Fußball und irgendwelchen Fußballlegenden. Wie kann das sein? Ist sie tatsächlich wieder so wie früher?

Wie an dem Tag an dem sie sich das erste Mal begegneten?

Damals in ihrer gemeinsamen Heimatstadt war Martin doch noch mit ihrem Onkel befreundet, der acht Jahre älter ist als Tina. Die beiden kannten sich von der Schule und machten zusammen ihr Abitur.

Als er beim 20. Geburtstag ihres Onkels zur Familienfeier eingeladen wurde lernten sie sich kennen. Die kleine quirlige Tina, die nichts anderes im Kopf hatte als Sport und Fußball. Er als Siebzehnjähriger hatte schon immer Interesse an Sport und war aktiv im Aikido und im Krafttraining. Das gab daher viel Gesprächsstoff bei der Feier mit Stephan und ihr. Beide zeigten ihm was sie so konnten und redeten ununterbrochen von ihren großen Helden und dass sie auch mal so weit kommen wollten. Die gemeinsame Begeisterung zum Sport ließ sie sich etwas anfreunden. Damals, bevor sie nach Hamburg zogen.

Danach hat er sie nur noch selten gesehen und ab und an getroffen, wenn die Geschwister am Strand spielten.

Nach Stephans Tod redete Tina nicht ein einziges Mal mehr davon oder von ihrer Zeit in Hamburg. Niemals redete sie von Fußball, außer es ging mal kurz um Genzo. Auch die Freundschaft zwischen Genzo und ihr hat er bisher anders empfunden. Er dachte die ganze Zeit, dass die beiden sich zum einem über die Schule kennen und zum anderen durch Stephan. Genzo war auch der Einzige, der damals zu Stephans Beerdigung als Freund kam. Sonst niemand. Nur die Familie. In der Familie verbreitete sich sogar das Gerücht sie hätte bereits einen Freund. Als Genzo dann zur Beerdigung erschien und Tina statt bei ihrer Mutter in seinen Armen stand und weinte, nahmen alle an, er sei ihr Freund. Es klärte sich dann zwar bald auf, aber trotzdem. Wie kann es sein, dass sie plötzlich von einer Woche auf die andere so eine Veränderung macht?

„Stopp! Halt!“, unterbricht Martin sie bevor sie noch mehr Informationen rausrückt.

Tina sieht ihn nur ganz verdutzt an.

„Jetzt atme mal tief durch und sag was ich jetzt damit zu tun habe? Wieso bist du hier?“

Tina bleibt stehen und schaut verwundert zu ihm.

„Ähm. Naja. Ich dachte, ich gehe zu ihm, also meinem damaligen Trainer, bitte um Entschuldigung und biete ihm als Danke an sein Team durchzuchecken. Ich würde ihm also unser Sportlerprogramm anbieten. Und das wollte ich heute Nachmittag machen, nach ihrem Spiel gegen die Franzosen. Dazu brauche ich meine Tasche mit der Waage und der mobilen Messlatte. Und meinen Ordner.“

„Du willst also das Nationalteam ins Programm aufnehmen? So wie die Rugbyspieler, die Volleyballer, die Baseballer und die Handballer?“

Tina nickt begeistert. „Genau.“

„Und du bist sicher, dass du das kannst? Auf ein Fußballfeld gehen und ein ganzes Team ansehen und um dich haben? Ganz alleine?“

Tina sieht ihn verwundert an. Dann verschränkt sie die Arme.

„Ich muss es ausprobieren. Und ich bin ja nicht alleine.“

„Also wenn ich nicht mitgehe bist du doch alleine.“

„Überleg doch mal. Das Team besteht aus Kojiro, Genzo, Tsubasa und Jun Misugi, kennst den noch? Und wen du noch nicht kennst, Ken. Ein Nachbar. Ich bin nicht alleine. Abgesehen davon müsste Fane da sein, sie hat doch deswegen extra Spätschichten gemacht, damit sie ihren Mann vormittags betreuen kann.

Ich will mir ja erstmal nur das kurze Spiel ansehen und wenn ich das kann ohne irgendwelche Probleme, dann kann ich sicher auch zum Team gehen. Wenn ich merke, dass es doch noch nicht geht, dann blase ich es ab.“

„Wenn du meinst. Du stehst ja so auf Adrenalin. Statt mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen, Bungee-Jumping oder deine Klippenspringerei zu veranstalten schaust du dir ein Fußballspiel an.

Erscheint mir jedenfalls sicherer zu sein.“, grinst er.

„Du bist gemein. Du weißt doch genau wieso ich das gemacht habe.“ Erstaunt sieht er sie an. Ohne jedoch darauf einzugehen sprechen beide alles durch und machen ihre übliche Arbeit.
 

Zur selben Zeit bei Tina zu Hause:

Kojiro läuft mit seiner Arbeit in der Hand im Wohnzimmer auf und ab. Das lange Rumsitzen macht ihn unruhig. Allgemein ist er kein Typ, der lange stillsitzen kann. In der Regel arbeitet er am PC im stehen und hat seinen Schreibtisch hochgestellt. Entweder das oder er liegt. Aber auch diese Liegephase hat er schon hinter sich.

Da kann er endlich die Gästezimmertür hören und schaut auf die Uhr. ‚Immerhin drei Stunden.‘ Er geht in den Flur und fängt seinen Freund ab.

„Na? Wie fühlst du dich jetzt?“

„Richtig gut. Jetzt fehlt nur noch ein richtiges Aufwachprogramm.“, meint er munter.

„An was hast du gedacht?“

„Naja was wir halt sonst auch machen, Einfach alle Gelenke und Muskeln aufwecken. Später können wir dann ja zu eurem Trainingsplatz gehen und unter anderem eine Runde laufen.“

„Darauf hätte ich jetzt auch Lust. Bettina hat hier zwar ein eigenes kleines Fitnesszimmer, aber die Geräte sind sicher alle nur auf sie eingestellt. Was sagst du zu einem Fitnessstudio? Hier ist ein sehr gutes in der Nähe. Ich kenne den Inhaber. Und ich kann dir gleich zeigen, dass Bettina „Meinen Ruhm“ gar nicht nötig hat.“, grinst er.

„Klingt gut. Dann lass uns dorthin.“

Beide gehen in die Küche um sich etwas zu trinken zu holen und Kojiro greift in den Kühlschrank zu der Karaffe und der Thermosflasche. Dann holt er noch eine Thermosflasche aus dem Schrank und befüllt ihn mit dem Kräuterwasser.

„Sieht lecker aus.“

„Ist es, hat Bettina heute Morgen mit frischen Kräutern aus dem Garten gemacht.“

Dann greift er zu seinem Telefon und ruft Tina an. Sie geht aber leider nicht ran. ‚Hm. Das ist ungünstig. Ich wollte sie vorwarnen, falls sie noch dort ist. Wobei sie sagte sie müsse nur was bereden und wollte dann zu ihren neuen Kunden.‘

Dann ruft er im Studio selbst an. Natürlich geht Andrea ans Telefon.

„Guten Tag, hier ist Hyuga, Kojiro Hyuga. Ich war neulich bei Ihnen.“

„Oh, ja. Guten Tag Herr Hyuga. Was kann ich für Sie tun?“

„Ich würde spontan mit einem Freund vorbeikommen. Wissen Sie ob Bettina noch da ist? Und ob Martin Zeit für uns zwei hätte?“

„Moment, ich glaube Tina ist schon wieder weg. Zumindest ist sie nicht mehr im Büro. Martin hätte in ca. dreißig Minuten wieder Zeit für VIP-Kunden. Möchten Sie im offenen Bereich sein oder lieber im privaten Bereich?“

„Moment.“

„Cusavier? Hast du ein Problem im öffentlichen Trainingsbereich zu sein?“

„Nö, ist ganz gut so, die Leute lenken mich ab von Viola. So ein wenig Spaß kann ich gebrauchen.“

„Wir kommen ins offene Studio.“

„Okay, womit wollen Sie beginnen? Dann kann ich es zeitnah reservieren und die anderen können sich darauf einrichten.“

„Ich denke mal wir werden eine Runde Radfahren und danach ein paar Gewichte heben.“

„Okay, alles klar.“

Etwa 20 Minuten später und nach einem schönen Spaziergang stehen die beiden vor dem Haupteingang des Studios mit ihren Sporttaschen in den Händen. Kojiro versucht erneut Tina zu erreichen, aber sie geht immer noch nicht ans Telefon. ‚Zu dumm. Wieso ist sie nicht erreichbar?‘

„Wirkt aber nett so mit der Rolltreppe.“, vermerkt der Franzose.

Oben angekommen gehen sie zur Anmeldung. Freundlich werden sie von Andrea begrüßt. „Herzlich Willkommen Herr Hyuga.“ Sie holt eine neue Anmeldung raus und trägt Kojiro in seine Akte ein.

„Herzlich willkommen. Und Sie sind?“, spricht sie englisch. ‚Er kommt mir sehr bekannt vor.‘

„Zedane, Cusavier Zedane.“

„Wow. Soviel Prominenz heute. Bitte tragen Sie sich hier ein.“

„Wissen Sie schon ob Bettina noch im Haus ist?“

„Leider nein. Sie ist entweder schon weg oder trainiert oben in den Privaträumen.“

„Ach so, es gibt noch eine Etage?“

„Genau. Oben befindet sich ein weiteres Studio mit Privaträumen und Umkleide. Dort sind in der Regel die Prominenten, wenn sie alleine sein wollen oder die Frauenkurse. Die speziellen Jugendkurse finden ebenso oben statt.“

„Verstehe. Martin hat an alles gedacht.“

„Nicht nur Martin, auch Tina. Sie hatte die Idee mit den Kinder- und Jugendkursen.“

„Ach so? Und wer betreut die Kids dann? Etwa auch Bettina?“

„Ja, aber zurzeit noch mit mir zusammen. Sie ist aktuell dabei ihre Trainerscheine zu machen. Hat Sie Ihnen das noch gar nicht erzählt? Deswegen doch damals das Psychologiestudium. Sie hatte ursprünglich vor in die Sportpsychologie zu gehen, um später die Jugendausbildung zu fördern. Nun macht sie erstmal die Trainerscheine.“

„Wir hatten bisher andere Dinge zu bereden. Aber interessant. Jetzt passt das zusammen. Nun gut. Sagen Sie Ihr bitte Bescheid, dass wir da sind, falls sie doch noch kommen sollte. Sie wissen ja, dass wir noch bedeckt bleiben müssen.“, spricht er leise.

Andrea nickt und schmunzelt. „Ja, ich kann es noch immer nicht glauben. Aber ihr passt so gut zusammen. Und unter uns. Sogar Martin akzeptiert Sie. Vor allem seit der Aktion neulich hier.“, grinst sie.

„Echt?“, staunt er.

„Na wir werden jetzt mal. Lange können wir nicht bleiben.“

Andrea bringt beide in die VIP-Umkleide und geht dann wieder vor zur Anmeldung.

In diesem Moment kommen Martin und Tina aus dem Treppenhaus zu ihr.

„Also doch. Du bist noch da, Liebes.“, freut sich Andrea und läuft auf Tina zu und beide umarmen sich. „Na Große? Wir haben uns ja ewig nicht gesehen.“, entgegnet Tina begeistert.

„Du lässt dich eindeutig zu wenig sehen. Wir müssen unbedingt wieder einen Weiberabend machen. Du musst mir so viel erzählen.“

„Ich hatte die letzten Tage zu viel um die Ohren. Ich wollte heute eigentlich trainieren, aber das Spiel morgen wurde abgesagt und ich wollte was mit Martin bereden. Nun nutze ich die Zeit und bin hier und habe mich etwas aufgewärmt. Ich wollte jetzt mit Martin ins Studio gehen, mich quasi mal wieder für die Fans sehen lassen.“

„Daraus wird nichts.“ Sie schaut sich kurz um, nicht dass doch jemand da ist. „Die zwei VIPs sind Hyuga und ein Freund von ihm. Sie ziehen sich gerade um.“

Martin und Tina machen große Augen.

„Ach. Kojiro und Cusavier sind hier? Der sollte doch noch etwas schlafen.“, meint Tina besorgt.

„Verstehe ich jetzt nicht. Um diese Zeit schläft doch keiner mehr.“, ist Andrea verwundert.

„Er kam heute früh mit dem Flieger. Deswegen.“

„Verstehe. Die Zeitverschiebung. Dir ist schon klar wen er da mitgebracht hat, oder?“

Tina grinst. „Ja, damals als ich im Kindesalter selbst noch gespielt habe kannte ich alle großen Spieler. Ich habe mir jede Biografie angesehen. Ich weiß genau wer Cusavier ist. Er ist zehn Jahre älter als ich und spielt schon seit der Junioren-Europameisterschaft 1996 in Juventus. Daher kennen sich die beiden sicher.“

„Besprecht das gerne noch, aber ich gehe jetzt zu ihnen. Schickt mir eine Nachricht wie ihr jetzt weitermachen wollt. Ich kann nicht euch drei betreuen und schon gar nicht, wenn ihr euch „nicht kennt“. Ihr wollt ja nicht auffliegen.

Tina, du sagst, ihr braucht nur die eine oder andere offizielle Begegnung. Das könnt ihr gerne hier nutzen, es passt, da er eh schonmal hier war und jetzt weiß, dass du hier ab und an bist und hier arbeitest. Den Kunden würde es also nicht seltsam vorkommen, wenn ihr zusammen gesehen werdet. Vor allem, wenn du eh eine Begegnung geplant hast heute, dann passt das doch.

Ich fang die beiden jetzt ab.

Schatz, du hast ihnen doch gesagt, dass sie auf mich warten müssen?“

„Natürlich, wie immer bei Promis.“



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