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Irish Magic

von

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Prolog

Es war dunkel. Selten konnte man einen Stern blinken sehen. Die wenigen Menschen am Hafen Dubh Linns konnten das kleine Boot, welches die große Stadt im Schutze der Nacht erreichte, nicht sehen. Nur ein altender Mann, der auf einen Stock gestützt auf das Wasser sah, erkannte die Zeichen. Der Druide stand ganz ruhig im Schatten einer Laterne und wartete. Es gab nur noch wenige wie ihn! Früher, als die Druiden noch gerngesehene Gäste waren, war Irland fast ausschließlich von ihnen Bevölkert. Dann kamen die Christen. Sie vertrieben und schalchteten die Friede liebenden Druiden. Doch auch deren Zeit ist schon lange vorbei. Jetzt sind nur noch wenige gläubig. Die Druiden sind fast vergessen und die Christen haben schon lange ihre Macht verloren.

Im Flackern der Laterne schwebte der alte Mann in seinen Gedanken, bis ihn ein Laut wieder auf den Boden brachte. Vom kleinen Boot aus höhrte man ein röcheln. Auch ein leises wimmern war zu vernehmen. Der Druide verließ den sicheren Schatten und zog das Boot langsam zum Steg. In der kleinen Jolle lag eine kranke, aber wunderschöne Frau. Ihre blonden Haare waren lang und hatten einen rötlichen Stich. Schwitzend hielt sie ein Baby in ihren Armen. Der alte Mann half ihr an Land und stützte sie, bis sie an seinem kleinen Wagen angekommen waren. Er half ihr hinauf, stieg hinterher und brachte den Esel zur Bewegung. Für ein so kleines Tier, war er erstaunlich schnell. Nach wenigen Minuten waren sie am Stadtrand und keine fünf Minuten später passierten sie ein kleines Dorf. Hier hielten sie an und die Frau wurde in eine Hütte gebracht...

Ein paar Tage später war die Frau, trotz guter Verpflegung gestorben. Das kleine Mädchen, welches auf Wunsch ihrer Mutter Mona getauft wurde, wuchs bei den Taliesin-Druiden in der Nähe von Dubh Linn auf. Troyes, der alte Mann, der ihre Mutter fand, und seine Frau Gladys wurden Monas Zieheltern. Doch waren sie alt und es dauerte nur wenige Jahre, das auch Gladys starb. Mona und Troyes, welchen sie Großvater nannte, liebten einander heiß und innig und so gingen die Jahre dahin...

die Neue

Der erste Schultag war gekommen. Sakura ging ganz in ihren Gedanken verloren die Straßen Tokyos entlang. Die Sonne strahlte prächtig und es war heiß, wie selten. Bei solch einem Wetter hatte wohl niemand Lust zur Schule. Sie war das zweite Jahr auf der Junior-High. Aber jetzt wollte sie lieber im Park ein Eis essen oder ins Freischwimmbad gehen, nur bloß nicht zur Schule. Sie warf ihre langen lilanen Haare auf den Rücken und ging schleppend ihren Weg. In der Ferne hörte sie ein leises DONG!. Das war die Turmuhr. Also, musste es jetzt acht Uhr sein. Acht Uhr? In Sakuras Kopf ratterten die Zahnräder. Dann bekam sie einen riesen Schrecken und rannte los.

'Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt komme ich schon wieder zu spät!... Den Berg 'rauf. Um die Ecke. Verdammt! Dass schaff ich nie. Vielleicht... Das ist die Idee!' Sakura machte kehrt um und lief in eine kleine Gasse auf eine Mauer zu. Sie nahm Anlauf und sprang. Gott sei Dank, dass sie im Turnen so gut ist. Sie kletterte auf die Mauer und lief eine Zeit lang auf ihren Verzweigungen. Endlich sprang sie hinunter. Im Endspurt rannte sie um die letzte Ecke und auf den Schulhof. Dann ins Gebäude, in den zweiten Stock... Sakura bremste scharf. Beinahe hätte sie einen alten Mann umgelaufen. Er sprach mit der Lehrerin. Auf Zehenspitzen versuchte Sakura sie zu umgehen. Vielleicht haben die Beiden sie noch nicht bemerkt! Doch Pech gehabt...

"Sakura Seki!" Die Angesprochene zuckte zusammen und drehte sich um. Die beiden Erwachsenen guckten ihr in die Augen. Die Lehrerin streng und genervt, der Mann eher ruhig und amüsiert. Doch da war noch wer. Zwei große grüne Augen lugten hinter dem Mann hervor und schauten interessiert zu, was wohl passieren mochte.

"Du bist mal wieder zu spät!", meckerte die Lehrerin. "Geh auf deinen Platz. Und du machst dieses Jahr eine Woche den Klassenraum sauber, für jedes zu spät kommen. Hast du mich verstanden?" Kaum merklich nickte das Mädchen und verschwand hinter der Tür zum Klassenzimmer, wo sie genervte Gesichter empfingen. Sakura ging zu ihrem Platz, setzte sich hin und seufzte.

"Guten Morgen, Sake", hörte es Sakura neben sich verlauten. Sie drehte den Kopf nach links. Dort schaute ihr ein schwarz haariger Junge in die Augen. Als sie sich wieder nach vorne drehte grinsten sie zwei andere an. Einer mit sehr kurzen Haaren und einer mit Blondschopf.

"Na, verschlafen?", fragte der Schwarzhaarige.

"Geträumt?"

"Keine Lust?" Die drei Jungen guckten sie interessiert an.

"Ihr kennt mich zu gut!", erwiderte Sakura nur. Dann begann sie laut zu lachen. Die Anderen fielen mit ein. Es war jeden Morgen das Gleiche. Regelmäßig kam Sakura zu spät. Dann kam dieses Wortritual der vier Sandkastenfreunde, mit dem sie normalerweise den Unterricht vollends störten. Doch diesmal konnte die erste Stunde wohl nicht normal verlaufen, weil die Lehrerin noch nicht da war.

"Sag mal, Sake. Warum braucht Frau Ransho eigentlich so lange?", fragte der Kurzhaarige.

"Sie redet draußen mit so 'nem Greis. Scheint, als ob wir jemand Neues bekommen!", antwortete sie.

"WOW! Wie bekommen 'nen Greis?", ließ der Blonde verlauten. Die Anderen brachen in schallendes Lachen aus.

"Ich hoffe ihr amüsiert euch gut?" Die Lehrerin stand in der Tür und guckte das Chaos-Quartett streng an. Die Angesprochenen nickten ihr bestimmt zu. Frau Ransho seufzte nur und ging zu ihrem Pult. Dann drehte sie sich um und guckte auf den Gang.

"Mona. Du kannst ruhig herein kommen!", sagte sie nach draußen. Herein kam ein Mädchen mit grünen Augen. Ihre blond-roten Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Interessiert schaute sie sich in der Klasse um. Zuletzt blieb sie bei den Schülern stehen. Weil sie nichts sagte, ergriff Frau Ransho die Initiative.

"Das ist Mona Druì.", sagte sie zur Klasse gewand. "Sie kommt aus Irland, aus der Nähe Dublins. Ich hoffe ihr werdet sie in eure Klasse aufnehmen. Du kannst dich neben Ryo Dadoi setzen. Ich sag es zwar nur ungern, aber das ist der einzige freie Platz." erklärte sie zuletzt an Mona gewand. Diese ließ sich Zeit, während sie zu dem angewiesenen Platz ging. Endlich setzte sie sich neben den schwarzhaarigen Ryo. Sie drehte ihren Kopf gemächlich in seine Richtung und sagte in einem erstaunlich gutem Japanisch: "Tut mir ja leid, aber es scheint so, als ob ihr doch keinen Greis in eure Klasse bekommt!" Mit einem zuckersüßen Lächeln drehte sie sich wieder um und beachtete die völlig überrumpelte Mannschaft nicht weiter.
 

Die Stunde ging dahin. Mona schien eine recht gute Schülerin zu sein. Auch ihr Japanisch war als ob sie damit aufgewachsen wäre. Aber Frau Ransho schien sich nicht zu wundern. Als die erste große Pause kam, ging Joro Tepai zu ihr. Joro war Klassensprecherin und mochte das Chaos-Quartett nicht sonderlich. Nur an Ryo hatte sie einen Narren gefressen.

"Du hasst Glück, dass du neben Ryo-kun musst und nicht zu einem dieser Versager!", sagte sie zu Mona gewand, während sie Ryo einmal zuzwinkerte. Mona schaute kurz auf, taxierte Joro kurz und ließ sie dann links liegen. Ohne sie weiter zu beachten, schrieb sie weiter. Doch die Klassensprecherin ließ nicht locker.

"Falls du irgendwo nicht weiter kommst oder Hilfe brauchst, dann kannst du ruhig zu mir kommen. Immerhin bin ich Klassenbeste in den meisten Fächern!", sagte sie ziemlich langsam.

Mona ließ ihren Stift liegen und schaute zum ersten Mal richtig hoch.

"Mmmmh... Nicht weiter kommen und Hilfe brauchen... Berichtige mich, wenn ich mich irre, aber ist das nicht das Gleiche? Und was interessiert mich das, wie gut du in der Schule bist? Wenn ich Hilfe brauchen würde, würde ich schon jemanden finden, der mir alles erklärt. Und du scheinst ziemlich viel Geld zu haben! Woher weiß ich denn, dass deine Noten nicht erkauft sind?"

"Du wagst es..." Joro lief puterrot an.

"Hör' mal! Warum ignorierst du mich nicht einfach, genau so, wie ich dich ignoriere? Ich kann Reiche nicht ausstehen. Und schon gar nicht, wenn sie mit ihrem Geld angeben und glauben etwas Besseres zu sein. Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder lässt du mich in Ruhe und hast keine weiteren Probleme mit mir. Oder du versuchst weiter bei mir zu landen oder vielleicht mich fertig zu machen. Aber dann wirst du bei jedem Mal wieder auf die Schnauze fallen. Akzeptier mich oder ignorier mich. Es ist mir ehrlich gesagt gleich. Hauptsache ich muss mich nicht weiter mit dir plagen. Und wenn du mich entschuldigst: Ich hab' Großvater versprochen, dass ich hiermit bis heute Abend fertig bin und ich hab' noch ziemlich viel zu schreiben. Oder hast du dem noch was hinzuzufügen?... Gut, dann kann ich ja weiter machen!" Damit nahm sie ihre Feder wieder in die Hand und schrieb weiter. Ab und zu setzte sie die Feder ab und zählte etwas an den Händen ab oder murmelte Unverständliches in die Luft. Dann schrieb sie weiter. Aber sie ignorierte die perplexe Joro völlig.
 

Die Stunden gingen dahin. Bis es endlich Schluss war. Mona packte gemächlich ihre Sachen zusammen. Sakura und die Anderen hatten sich besprochen, dann gingen sie zu ihr. Sakura übernahm das Wort: "Hallo! Ich bin Sakura Seki. Aber nenn mich ruhig Sake. Der Schwarzhaarige neben dir ist Ryo Dadoi. Wir nennen ihn meist Dämon, auch wenn er das nicht sonderlich mag. Der mit den kurzen Haaren ist Ailin Meiwa. Und der Blonde Baji Tepai. Er...", doch Sakura kam nicht zu Ende.

"Oh man. Mir ist egal, was du von uns hältst, aber ich hab dich irgendwie ins Herz geschlossen. Man sieht selten Jemanden, der meine Schwester so erniedrigt. Also...", unterbrach Baji seine Freundin. Doch er sprach nicht zu Ende. Wahrscheinlich, weil er nicht wusste, was er sonst groß sagen sollte. Aber Mona unterbrach von sich aus die Stille.

"Freut mich. Ich bin Mona Druì. Ich hab nichts gegen Reiche oder Japanern an sich, falls du das glaubst. Und ich wollte deine Schwester nicht fertig machen. Seit ihr wirklich verwand? Aber naja, mein Mundwerk geht des öfteren mit mir durch. Also wenn ich dass so sagen darf: Die ist ja ätzend!", schloss die Irin.

"Du darfst!", kam es aus einem Mund von Sakura, Baji und Ailin. Mona schaute Ryo an. Sie waren inzwischen schon auf dem Schulhof. Mona wollte etwas fragen, doch sie kam nicht dazu. Vom Gebäude aus hörten sie eine Stimme rufen.

"Ailin! Ailin!", rief ein klein geratenes Mädchen, welches aus dem Haus heraus lief. Sie hatte dunkelblonde Haare und lachte in einem fort.

"Was ist denn los, Sunny-chan?", fragte Ailin.

"Du sollst für deine Mutter was vom Teeladen abholen. Hier ist genug Geld. Der Besitzer weiß schon Bescheid. Du musst nur das Paket nehmen und bezahlen. Und ich soll dich daran erinnern, dass du heute helfen sollst! So langsam musst du die ganzen Sachen ja Mal lernen!" Sunny gab Ailin Geld in die Hand und wollte verschwinden, doch da hatte sie Mona entdeckt. Sie ging auf sie zu und gab ihr die Hand.

"Hallo! Du bist neu, nicht wahr? Ich bin Yayoi Sanewara!"

"Ich dachte du heißt Sunny!", sagte Mona verdutzt.

"Abkürzung meines Nachnamens. Und es passt ansonsten gut zu mir! Wer bist du?"

"Oh! Entschuldige. Ich bin Mona Druì. Stamme aus Irland und bin erst vor kurzem hier her gezogen. Noch Fragen?"

"Ja! Was sind deine Hobbies?", grinste Sunny. "Aber dafür haben wir jetzt keine Zeit. Ich hab mich mit den Anderen verabredet und die warten schon auf mich!" Und weg war sie.

"Ich dachte das ist nur eine Junior-High.", überlegte Mona.

"Wieso? Ist es doch auch... Ach so. Du meinst, weil Sunny-chan so klein ist? Sie ist drei Jahre jünger als ich. Sie wurde früher eingeschult und hat Eine übersprungen.", erklärte Ailin.

"Oh man. Wenn ich noch einmal kleben bleib', dann bin ich in der gleichen Klasse, wie dieser Zwerg! Ich meine: Sie ist so alt, wie meine kleine Schwester!", gab Ryo von sich.

"Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Ich könnte dir Nachhilfe geben. Ist zwar schon knapp, aber vielleicht hilft es noch!", kam vom Schultor. Joro schien ihr Gespräch belauscht zu haben.

"Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Wir könnten ihr ein paar Styling-Tipps geben. Ist zwar schon knapp, aber vielleicht hilft es noch!", höhnte Mona mit ihrem zuckersüßen Lächeln. Die Anderen brachen in johlendes Gelächter aus. Joro gab nur ein "Versager!" von sich und verschwand hinter der Mauer. Mona beobachtete wieder Ryo. Er hörte auf zu lachen und blickte in ihre großen grünen Augen.

"Sag mal... Warum schaust du mich immer so an?", fragte er etwas verdutzt.

"Ach nichts...!", wich Mona aus. Die Anderen hatten das Gespräch bemerkt und guckten von Einem zum Anderen. Plötzlich begann Sakura zu grinsen.

"Oooooh! Da haben wir wohl ein neues Traumpaar gefunden!", witzelte sie herum.

"Na, wenn du meinst...", entgegnete Mona ihr trocken. Es wurde ganz still. Sie hatten jetzt Protestaktionen erwartet, aber keine Zustimmung oder Enthaltung!

"Nein. Ich hab mich nur gewundert.", klärte Mona auf.

"Gewundert?" Mit verständnislosem Gesicht wurde Mona von allen Seiten taxiert, während sie vom Schulhof herunter in Richtung Park gingen.

"Ryo-kun hatte die ganze Zeit nichts gesagt. Nicht, als ich mich setzte. Nicht, als Joro ihn versuchte anzumachen. Nicht, als ihr euch vorstelltet. Nicht, als wir ins Gespräch kamen. Ich dachte schon, er wäre stumm. Aber als er dann diese Bemerkung mit Sunny gemacht hat, hat mich das einfach gewundert. Außerdem ist er merkwürdig! Sag mal, wo gehen wir eigentlich hin?!" Die ganze Zeit war sie dem Quartett gefolgt. Diese waren aus reiner Angewohnheit in den Park zur Halfpipe gegangen. Dort in der Nähe war ein Baumhaus. Sie hatten es gebaut, als sie noch kleiner waren. Jedes Mal nach der Schule und auch sonst trafen sie sich dort.

"Ähm... Dort hin!" Ryo zeigte zu einer alten Eiche. Wenn man etwas genauer hinsah, konnte man erkennen, dass um ihren breiten Stamm eine Hütte war, die gut fünf Meter hoch thronte.

"Ryo, du Trottel!", schrie Baji plötzlich auf. "Sie ist noch nicht mal bei uns aufgenommen und du zeigst ihr sofort unser Hauptquartier! Hast du den Verstand verloren oder bist du krank?"

"Ich glaub' beides.", grinste Ailin. "Wegen ihr!" Er zeigte auf Mona. Sakura und Baji lachten laut los. Nach einiger Zeit fiel Mona mit einem grinsen ein.

"Ich hab' geglaubt, dass es nicht so schlimm ist. Immerhin habt ihr sie mit hierher geführt. Da dachte ich, dass wir erst gar nicht abstimmen brauchen.", rechtfertigte sich Ryo.

"Ach Dämon. Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen, wenn du dich auf den ersten Blick verliebt hast.", grinste Baji ihn an.

Doch Sakura brach das Thema ab: "Ailin-kun! Musst du nicht noch Besorgungen für deine Mutter machen? Der Teeladen macht bald Mittagspause. Dämon, heute ist doch Montag. Du sollst doch auf deine Geschwister aufpassen. Also hau ab, klar?" Die beiden Angesprochenen nickten, verabschiedeten sich und liefen dann in verschiedene Richtungen. Sakura schaute in die Augen Monas.

"Mmmmh. Nein, ich glaube Ryo-kun hat Recht. Bei ihr brauchen wir weder Abstimmung noch Prüfungen. Was meinst du, Baji-chan?" Der Angesprochene machte eine Geste der Desinteresse und ging zum alten Baum. Dort kletterte er auf den niedrigsten Ast und fummelte kurz im Astsystem über ihm. Nach keiner Minute fiel eine Strickleiter aus dem Geäst, die bis zum Boden reichte.

"Lust auf Skaten?", fragte er an das Mädchen mit den lilanen Haaren, welches unter ihm stand. Diese nickte. Also kletterte der blonde Junge flink die Leiter hinauf und schmiss zwei paar Skates hinunter. Dann sprang er mehr als klettern, um wieder hinunter zukommen.

"Wie nennen ihn auch liebevoll: Äffchen.", witzelte Sakura. "Was machst du, Mona-san?"

"Ich schreib' weiter. Ich muss wohl oder übel bis heute Abend fertig werden!" Mit diesen Worten setzte sich das Mädchen ins Gras und holte wieder ihre Sachen heraus. Ab und zu sah sie auf und bewunderte die Tricks, die Sakura und Baji auf der Halfpipe praktizierten. Eine Zeit lang fuhren die Beiden, bis sie sich wunderten, was Mona eigentlich die ganze Zeit schrieb. Sie fuhren zu ihr und schauten ihr über die Schultern. Es sah fast aus, wie ein Rezept. Überall waren Zahlen und Maßeinheiten. Der Rest bestand fast nur aus irgendwelchen unverständlichen Wörtern, noch dazu mit römischen Schriftzeichen! Die Beiden verstanden gar nichts. Sakura nahm ein Blatt vom Boden neben Mona und betrachtete es eine Zeit lang. Dort waren durchgestrichene Zahlen, kleine Rechnungen und ein paar von diesen Wörtern, manche durchgestrichen andere nicht.

"Sag mal Mona-san. Was, zum Teufel aber auch, machst du da eigentlich?", fragte sie schließlich.

"Ich hab mit Großvater gewettet. Er behauptet, man könnte kein Artykalinus ohne Edelweiß machen. Ich seh' das ganz anders. Und er sagte, wenn ich es schaffe bis heute Abend ein Rezept zu machen, was seine These wiederlegt, dann gibt er nach. Er möchte das dann dem ältesten Rat der Taliesin vorlegen, damit sie sich das ansehen. Wisst ihr, Artykalinus ist ein sehr wirksames Heilmittel. Es ist bis jetzt bloß keine Rezeptur ohne Edelweiß bekannt. Und Edelweiß ist nicht nur selten, sondern steht auch unter Naturschutz. Wenn ich es schaffe ein wirkungsvolles Rezept zu finden, dann wäre das großartig! Und Großvater erlaubt mir dann auszugehen mit wem ich möchte und wann ich möchte.", erklärte Mona ihren neuen Freunden.

"Sag mal, seit ihr irgendwie Physiker, oder Chemiker, oder nur Hobby-Ärzte?", stotterte Baji.

"Wir sind Heiler! Ach so. Ich hatte vergessen, dass ich aus dem Taliesin-Dorf stamme. Das ist ein Dorf in der Nähe Dublins, wo nur Druiden wohnen. Hauptsächlich Heiler. Die Taliesin sind eine der besten Heiler der Druiden! Und wir gehören halt dazu!"

Die Anderen nickten nur langsam und verwirrt. Mona schaute kurz auf ihr Blatt. Dann in die Luft. Wieder auf ihr Blatt. Man sah förmlich, wie sie nachdachte. Langsam öffnete sie ihren Mund. Dieses öffnen begann sich zu einem Lächeln zu verformen. Aus dem Lächeln wurde ein jubelnder Aufschrei.

"Ich glaub ich hab's!", schrie sie in die Gegend. Vorbeigehende schauten sich wütend nach der Lärmursache um. Doch das störte Mona wenig. Sie riss ein neues Blatt aus ihrem Block und begann fiebrig zu rechnen und zu kniffeln an. Sie strich hier was durch und dort was durch. Dann schrieb sie was neues hin und strich das wieder durch, bis sie irgendwann zufrieden auf das unentzifferbare Papier blickte. Stolz nahm sie ihr schon angefangenes Papier und brachte das Gekritzel in Reinschrift. Sakura und Baji schauten sich verwirrt an. 'Die war doch nicht mehr ganz normal! Dann passt sie ja wunderbar zu uns.', dachten die beiden fast gleichzeitig.

"So!" Mona packte ihre Zettel zusammen. "Jetzt könnt ihr mir skaten beibringen." Mit einem zufriedenen Lächeln sah sie ihre neuen Freunde erwartungsvoll an. Ihre Augen leuchteten aufgeregt. Da konnte man nicht ablehnen. Sakura zog ihre Skates aus und schlüpfte in ihre Schuhe. Dann gab sie Mona die rollenden.

"Die dürften dir passen. Ich schätze mal, dass bedeutete eben, dass du noch nie geskatet bist, oder?" Mona nickte. "Dann ist es wohl besser, wenn mindestens Einer richtige Schuhe anhat." Mona zog die Skates an und Sakura half ihr auf die Beine. Das war schon mal eine lange Prozedur. Dann nahm Sakura Monas Hände und zog sie langsam hinter sich her. Die Anfängern stand total wackelig auf den Beinen, aber lachte unentwegt. Baji rollte langsam hinterher und bekam sich nicht mehr ein, doch dass schien Mona nicht im geringsten zu stören. Sie sagte sie wüsste, dass es ziemlich lächerlich aussähe. Aber aller Anfang sei nun mal schwer und sie lerne schnell. Diese Behauptung schien sich zu bewahrheiten. Sie übten den ganzen Tag und am Abend konnte sie alleine fahren. Sie konnte sogar etwas schneller, als langsames laufen. Nur beim bremsen haperte es noch. Guter Dinge gingen die drei Abends nach Hause. Und Mona hatte ihre Wette gewonnen.

das Experiment

Am nächsten Morgen war Sakura mal wieder spät dran. Sie lief die Straßen entlang und, während sie am Damm entlang lief, kam sie an vielen kleineren und größeren Häusern vorbei. Sie lief bewusst diesen Umweg. Denn eines dieser Häuser mochte sie am aller liebsten. Es war das kleinste, welches an dieser Straße stand. Auf jeden Fall kannte sie kein kleineres. Es stand schon seit Jahren leer und Efeu rankte die Wände hoch. Viel Unkraut wuchs im Garten, aber hier und da war eine wunderschöne Blume zu sehen. Doch als sie an dem Häuschen vorbei kam blieb sie abrupt stehen. Der Garten war relativ ordentlich. Es war zwar noch Unkraut zu sehen, aber es wuchs in einer gewissen Ordnung. Die Fenster waren heil und die Tür hing in ihren Angeln. Wenn man ins Haus hinein schaute sah man Möbel und Lampen. Im Garten bewegte sich ein alter Mann, der gebückt mal hier mal dorthin ging. Anscheinend machte er Gartenarbeit. Nach einer Weile stellte er sich aufrecht hin und dehnte seinen Rücken. Er nahm einen Korb zu seiner Rechten in seine Hand. Dann ging er zur Haustür und öffnete sie nicht, bevor er Sakura freundlich zu nickte. Als er endlich im Flur stand rief er eine Treppe hoch: "Mona! Beeil dich endlich. Du kommst zu spät! Und hier steht ein junges Mädchen vor deiner Tür. Ich glaube sie kommt von deiner Schule!" Dann ging er in die Küche. Auf der Treppe erschien ein blondroter Kopf. "Ein Mädchen von meiner Schule?", fragte sie mehr zu sich. Das Mädchen stürzte die Treppe hinunter und lugte aus der Haustür. Sie hatte die Uniform erst halb angezogen und ein Brot hing zwischen ihren Zähnen.

"Sakura! Hallo. Nett, dass du mich abholst.", schrie Mona aus dem alten Haus. Dann lief sie wieder 'rein. Man hörte allerlei rumpeln, bis man ein "Tschüss Großvater!" wahrnehmen konnte und Mona, ihr Halstuch bindend aus dem Haus lief. Sie schnappte sich die Tasche von einer Bank und rannte auf Sakura zu.

"Guten Morgen, Sake. Nett, dass du mich abholst. Wir müssen uns beeilen. Wir sind spät dran.", begrüßte sie ihre Freundin, während sie Sake mit sich zog. Die Beiden rannten die Straßen entlang und nahmen Abkürzungen über Zäune, Mauern und fremde Grundstücke. Um ziemlich genau acht Uhr stürzten sie die Klasse hinein, direkt in Frau Ransho. Diese ging Knock-out. Als sie wieder auf den Beinen war, stand niemand hinter, vor oder neben ihr. Sie schaute sogar kurz nach oben! Dann blickte sie streng auf Sakura und Mona, die auf ihren Plätzen saßen, als ob nichts geschehen wäre.

"Sakura Seki! Mona Druì! Ihr seit zu spät. Eure Entschuldigung?", schrie sie los. Sakura wollte gerade den Mund öffnen, doch Mona war schneller.

"Wieso zu spät? Wir sind doch schon die ganze Zeit hier.", wiedersprach sie mit einer Unschuldsmiene, die man mit Lämmern vergleichen konnte. Alle guckten sie verwundert an. Doch Mona zuckte mit keiner Miene. Es sah wirklich so aus, als ob sie vollkommen davon überzeugt war. Frau Ransho kniff die Augen zusammen und ging langsam auf die Neue zu. Sakura zog sofort den Kopf ein und kniff ihre Augen zusammen. Sie kannte diese Geste zur Genüge! Doch Mona schaute neugierig auf ihre Lehrerin. Man sah ihr richtig an, wie gespannt sie war, wie Frau Ransho reagieren würde.

"Dein Großvater hat mich schon über deine Frechheiten aufgeklärt. Du scheinst in Irland ziemlich viele Freiheiten gehabt zu haben, da dein Großvater sehr wichtig im Dorf war. Aber bei mir nicht Fräulein. Wenn sie zu spät kommen, dann stehen sie dazu und nehmen sie ihre Strafe an.", zischte die Lehrerin fast.

"Tut mir ja leid. Aber ich hab' mich nicht gemeldet, dass ich zu spät bin. Fakto, bin ich nicht zu spät gekommen!", lächelte Mona.

"Nein, dass hast du nicht." Eine kleine Pause trat ein. "Einen Moment, junges Fräulein!", platze die junge Frau. "Halte mich lieber nicht zum Narren. Du wirst jetzt deine Strafe entgegennehmen."

"Und sie glauben wirklich, dass so etwas hilft? Aus welchem Jahrhundert kommen sie?", provozierte Mona.

"Wie bitte?"

"Das ist doch die einfachste Psychologie. Wenn sie mich bestrafen, hab' ich zwei Gründe, weitere Strafen zu provozieren. Erstens: Mich interessiert, was für Strafen sie bringen. All zu schwere dürfen es nicht sein, da es Gesetzte gibt. Aber immer wieder die Gleichen? Nein, das bringt auch nichts, weil ich mich mit der Zeit daran gewöhnen würde. Zweitens: Interessiert mich, ob sie es wirklich durchziehen, mich jedes Mal zu bestrafen. Ich kann ihnen jetzt schon versichern, dass ich harte Arbeit gewöhnt bin, ich in allem etwas positives finde und es den meisten auf die Dauer schwerer fällt mich zu bestrafen, als mich ab und zu Mal meine Freiheit ausleben zu dürfen.", erklärte das Mädchen mit ihrem zuckersüßen Lächeln.

"Und ich kann die erklären, warum ich dich weiterhin bestrafen werde.", warf Frau Ransho den Ball zurück. "Erstens: Mich interessiert wie weit man bei dir gehen kann, da du, wie du schon sagtest allerlei gewöhnt bist. Zweitens: Mich interessiert, wer von uns Beiden als erstes aufgeben wird."

"Gut. Wie wäre es mit einem kleinen Experiment?", fragte Mona ganz sachlich. Die Beiden Gegenüberstehenden lächelten sich berechnend an. Ohne ein Wort weiter zu sagen drehte sich die Lehrerin um und fing mit dem Unterricht an. Aber das ganze, ohne ihr saures Lächeln zu verlieren. Mona war einer der wenigen, die in dieser Stunde wieder zum Alltag fanden. Alles, während sie schelmisch in sich hinein lächelte.

Die Stunde verging und die Schüler gingen nach draußen. Sie hatten jetzt Sport. Mona hatte ihr inneres Lächeln noch immer nicht verloren. Die Chaos-Clique schaute sie unentwegt an. Nachdem sich alle umgezogen hatten, ging Baji kopfschüttelnd auf die Neue zu.

"Sag mal Mona. Bist du verrückt, oder was?"

"Warum?", wunderte sich die Angesprochene.

"Warum? Du fragst, warum?", reagierte Baji über.

"Das ist ganz einfach, Mona.", mischte sich Ailin ein. "Unsere Lehrerin ist verdammt gerissen. Und du gehst mit ihr eine Wette ein. Und wiedersprichst ihr sogar! Die Wenigen, die das versucht haben, sind alle kläglich gescheitert."

"Erstens: Ich bin schon gegen schlimmere "Gegner" eine Wette eingegangen. Zweitens: Es ist keine Wette, sondern ein Experiment, welches uns Beide brennend interessiert. Drittens: Ich bin doch nicht gescheitert, oder?" Mona ging den Sportplatz entlang, zu den anderen Schülern ihrer Klasse.

"Experiment ist ein anderes Wort für Wette. Im großen und ganzem ist das das gleiche.", meldete Ryo sich nüchtern zu Wort. Er ging desinteressiert an den Anderen vorbei und setzte sich auf die Bank.

"Ryo? Musst du das nicht abnehmen?", fragte Mona während sie sich zu ihm setzte. Sie zeigte auf ein goldenes Kreuz, was an seinem linken Ohr hing.

"Das kannste gleich vergessen!" Sakura setzte sich auf die andere Seite Ryos. In der Tür der Umkleidekabine konnte man Joro erkennen, die ein saures Gesicht aufsetzte. "Der Sportlehrer hat auch schon aufgegeben. Er will es nicht abnehmen. Frag mich nicht, warum. Das weiß keiner außer Dämon selbst! Ach Joro, wolltest du hier hin? Tut mir leid. Das hab' ich wohl zu spät gemerkt.", fügte sie noch hinzu, als Joro Tepai an ihnen vorbei ging. Diese warf die Haare zurück und setzte sich auf die andere Seite der Bank.

"Schwesterchen. Du guckst, als ob die Apokalypse eintritt. Ist deine Schminke etwa alle? Oder gar dein Haarspray?", veralberte Baji sein Zwilling. Die Anderen fingen johlend zu lachen ein.

"Gut das ihr so guter Dinge seit! Dann kannst einer von euch ja gleich mal zeigen, wie man den Ball oben hält.", sagte der Sportlehrer, der gerade angekommen ist.

"Wo ist der Ball?" Ailin sprang sofort auf. Seine Augen leuchteten aufgeregt. Der Lehrer warf ihn einen Fußball zu. Ailin nahm ihn mit seiner Brust an und mit Hilfe seiner Beine, Füße, Brust und Kopf hielt er den Ball in der Luft. Er zauberte herum, dass die Klasse so gebannt war, dass der Lehrer in seine Pfeife blasen musste, damit die Aufmerksamkeit wieder auf ihn ging. Er dirigierte die Jungs zu den Bällen und scheuchte die Mädchen auf die andere Seite des Platzes. Sie mussten Hochspringen. Mona hasste Leichtathletik und Sakura schien es nicht anders zu gehen. Die Beiden schauten immer wieder sehnsüchtig zu den Jungs.

"Sake? Der Ball ist inzwischen nicht mehr bei Baji. Du musst jetzt zu Ailin schauen!", sagte Mona sehr langsam und jede einzelne Silbe betonend. Die Angesprochene schaute Mona mit bitteren Augen an.

"Du bist dran.", sagte sie nur. Mit einem Lächeln auf den Lippen ging Mona zur Anlaufstelle. Der Lehrer kam auf sie zu.

"Du bist also Mona Druì?", fragte er.

"Jep."

"Hast du schon mal Hochsprung gemacht?"

"Ja. Und ich hasse es. Ich hasse Leichtathletik irgendwie im allgemeinen. Irgendwie hasse ich diesen ganzen Mädchenkram. Kann ich zu den Jungs?", Mona bewegte sich in Richtung Fußball, doch der Sportlehrer hielt sie fest.

"Frau Ransho hat mich schon gewarnt. Ich werde jetzt schauen, wie gut du bist. Und du wirst gefälligst machen, was man dir sagt. Der Lehrer ging wieder. Hinter seinem Rücken meckerte Mona still vor sich hin. Hinter sich konnte sie deutlich Joro hören, die behauptete, dass Mona bestimmt kein Leichtathletik mochte, das sie es nicht konnte. Ihre Freundinnen lachten laut auf, doch Mona hatte dafür nur ein Augenrollen übrig.

"Bereit?!", hörte sie die Stimme des Lehrers. Mona blieb nichts anderes übrig, als zu nicken.

"Los!"

Mona lief los. Sie war schnell. In einem Bogen lief sie auf die Matte zu und sprang. Sie flog höher und höher, drehte sich und landete wohlbehalten auf der Matte. Die Latte hoch über ihr wackelte nicht einmal. Sie war fast zwanzig Zentimeter über ihr geflogen. Sie ging wieder zu den Anderen, welche ganz still geworden sind. Als sie an Joro vorbei ging, lächelte sie und sagte:

"Falsch geraten. Ich mag es nicht, weil es langweilig ist." Wie schon so oft in letzter Zeit ließ Mona eine völlig überrannte Joro stehen. Sakura hielt sich den Bauch vor Lachen und auch die Jungs konnten sich nicht mehr halten. Aus Neugierde hatten sie zugeguckt, was Mona konnte. Als sie an ihnen vorbei kam, zwinkerte sie Ryo zu, welcher kaum merklich rot anlief. Er war es nicht gewohnt, dass ihn Jemand außer Joro anmachte. Und nie, war es so dezent!
 

Die Stunden vergingen und endlich war Schulschluss. Die fünf Freunde kamen aus dem Gebäude und wurden von Sunny begrüßt.

"Treffen wir uns heute, wie immer?", fragte sie sofort.

"'Türlich!", antwortete Baji.

"Wir bringen unsere Sachen am Dienstag immer nach Hause, ziehen uns um und treffen uns dann im Café, wo Ryo arbeitet. Wir bekommt da Rabatt und wir Mädchen auch des öfteren umsonst!", erklärte Sakura.

"Kommst du auch?", fragte Baji an Mona gewand.

"Ich hohl dich dann ab!", sagte Sakura, ohne die Antwort abzuwarten.
 

Eine Stunde später holte Sakura ihre neue Freundin ab. Sakura hatte eine schwarze Lederhose an, welche von einem Gürtel gehalten wurde. Dieser war mit einem silbernen Totenkopf als Schnalle verziert. Ihr Spagetti-Top dagegen war in einem hellen blau. Mona wiederum hatte einen schwarzem Ledermini an und ein grünes Top. Dazu schwarze Handschuhe! Sie gingen den Damm entlang, bis sie in die Einkaufstraße einbogen. Dort gingen sie wieder ein Stück und setzten sich dann in ein Café. Ryo war schon da. Er trug ziemlich alte und schäbige Klamotten, doch irgendwie passten sie zu ihm. Auch an ihm konnte man ein Totenkopf erkennen, diesmal auf dem T-Shirt. Ohne eine Bestellung aufzunehmen brachte er einen großen Eisbecher für Sakura. Dann fragte er, was Mona haben wolle. Kurze Zeit später brachte er eine große Schüssel mit Keksen und eine Kanne Saft. Mona inspizierte kurz die Kekse, warf einen in die Luft, fing ihn mit ihrem Mund auf, kaute kurz und fing dann an strahlend zu lächeln. Als sie endlich heruntergeschluckt hatte, sagte sie zu Ryo, dass die Kekse einfach genial schmeckten. Nach ein paar Minuten kamen auch Baji, Sunny und Ailin. Mona fiel auf, dass auch Ailin ein Totenkopf auf seinem T-Shirt hatte. Sunny und Baji dagegen hatten schwarze Kopftücher. Sakura fiel der Blick Monas auf und erklärte:

"Wir wurden früher immer Piraten genannt, weil wir die Anderen aus ihren Verstecken gejagt hatten. Und auch sonst nicht gerade manierlich mit ihnen umgingen. Das haben wir aufgegriffen und uns Piraten getauft. Wir alle tragen entweder Totenköpfe oder schwarze Kopftücher. Unser Haus hat auch ein Totenkopf und drinnen sind diverse Fahnen! In der Schule hat man uns aber verboten die Sachen zu tragen! Mona nickte kurz und aß dann ihre Kekse weiter. Nach einiger Zeit hatte Ryo Pause und er setzte sich mit einem Eis zu den Anderen. Sie redeten angeregt über alles mögliche, bis ein kleines Mädchen mit schwarzen Haaren auf sie zu kam. Sie stellte sich neben Ryo und zupfte daumenlutschend an seinem T-Shirt.

"Was ist denn los, Maja?", fragte er die Kleine.

"Papa sagt, du sollst auf mich aufpassen. Oma schafft das nicht und er hat keine Lust.", maulte sie.

"Ich muss aber gleich weiter arbeiten.", erklärte der große Bruder.

"Ryo...", jammerte sie auf einmal los.

"Möchtest du vielleicht ein paar Kekse?", schaltete sich Mona ein. Das Mädchen schaute erwartungsvoll auf Ryo.

"Mir macht das nichts aus. Ich hab früher des öfteren auf die kleinen im Dorf aufgepasst.", bekräftigte Mona schnell. Ryo seufzte kurz.

"Na gut. Aber benimm dich Maja!" das kleine Mädchen nickte freudestrahlend. Lächelnd half Mona ihr auf ihren Schoß und gab ihr eine Hand voll Kekse.

Ryo ging wieder an die Arbeit. Ab und zu hörte man Gemurmel wie: "Wenn ihr Papa das erfährt, dann bringt der mich um!"
 

Fast den ganzen Tag waren die Freunde im Café. Als sie gingen, bemerkte Mona, dass Ryo und das Mädchen in einer Wohnung direkt über dem Café wohnten. Baji und Ailin verabschiedeten sich und gingen in Richtung der Stadtmitte. Sunny wollte noch Blumen kaufen und Mona kam auf die Idee, dass es doch ganz interessant wäre zu wissen, wie das Blumenangebot in Tokyo ist. Sakura entschied sich die Beiden noch zu begleiten. Ein paar Häuser weiter war ein Geschäft, welches Sunny empfehlen konnte. Im Geschäft drinnen erfuhren sie die erste Überraschung. Joro Tepai war ebenfalls dort. Es gab ein paar giftige Blicke, aber Mona war so überwältigt, von der Angebotsvielfalt, dass sie Joro übersah. Sie sahen sich um, bis sie eine raue Stimme hörten.

"Kann ich euch behilflich sein?"

eine unglaubliche Begebenheit

"Kann ich euch behilflich sein?", fragte eine alte Dame hinter einem Tresen.

"Nein danke, Frau Dai. Wir schauen uns nur um!", sagte Sunny, während sie Regale durchstöberte.

"Oh, die kleine Sunny. Sie waren lange nicht mehr hier." Die alte Frau kam auf die Mädchen zu.

"Ich weiß, aber ich hatte viel zu tun. Darf ich ihnen meine Freunde vorstellen? Die lila haarige heißt Sakura Seki. Und die an den Regalen ist Mona Druì." Als Frau Dai Monas Namen hörte, wurde sie ganz blass. Sie sah in die grünen Augen Monas und wurde noch viel blasser als zuvor.

"Ist alles in Ordnung mit ihnen?", sorgte sich Sakura. Die Angesprochene nickte langsam, doch musste sie sich hinsetzen. Aaaah!!!! Ein plötzlicher Aufschrei durchfuhr den kleinen Laden. Mona lief zum Herd der Unruhe und fand Joro. Sie sah aus, als hätte sie einen Geist gesehen.

"Joro? Du machst dir deine Klamotten schmutzig!", bemerkte Mona kühl. Doch die auf dem Boden sitzende schien das nicht zu interessieren. Sie zeigte auf eine Stelle neben den Rosen. Mona verdrehte die Augen und langsam, ja eigentlich fast gelangweilt, schaute sie auf die Stelle, die ihr gezeigt wurde. Wie festgewachsen bewegte sie sich kein bisschen mehr.

"Was ist denn mit euch los?", fragte Sakura, während sie mit den anderen Beiden auf die Mädchen zu kam. Auch die drei schauten etwas verwirrt auf die besagte Stelle. Sakura und Sunny taten es Mona gleich. Sie blieben wie angewurzelt stehen.

"Was zum..."

"Dai Dai! Was machst du?", zeterte Frau Dai los.

"Entschuldigung Majo Dai, aber das Mädchen hatte mich so erschreckt, dass ich sichtbar wurde!", flemmte die Fee mit einer Unschuldsmiene, dass man hätte lachen müssen, wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre. Joro drehte ihren Kopf langsam in die Richtung, der alternden Frau.

"Sie ist... sie ist eine... sie ist eine... eine..."

"Hexe.", schloss Mona. Plopp!! Kaum das Mona ihren Satz beendet hatte, wurde aus Frau Dai ein kleiner grüner Klops mit großem Mund und Augen.

"Wow!", hauchte Sunny, während sie einpaar Schritte zurück stolperte.

"Das hast du wirklich toll hinbekommen Dai Dai!!! Jetzt bin ich ein kleiner grüner Klops!!!", jammerte das Wesen.

"Tut mir wirklich leid, Majo Dai! Das war keine Absicht!!!"

"Kann mir mal einer erklären, was hier eigentlich vor sich geht?", hyperventilierte Sakura. Mona zuckte mit den Achseln, aber wirklich ungewöhnlich schien sie das alles nicht zu finden...

"Wen jemand zu einer Hexe sagt, was sie ist, dann verwandelt sie sich in einen Hexenfrosch. Nur der, der es ausgesprochen hat, kann sie wieder zurückverwandeln. Und dafür muss sie eine vollwertige Hexe werden. Diesmal waren aber auch noch andere dabei. Das heißt wohl oder übel ihr alle müsst meine Schülerinnen werden. Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, dass ihr nicht weggelaufen seit. Die meisten machen das.

"Mit Staub an ihren Klamotten sieht Joro nicht perfekt aus, also kann sie doch nicht vor die Tür!", witzelte Mona mit ihrer kühlen Art und unbewegter Miene.

"Und wir werden wirklich Hexen?", strahlte Sakura. Als Majo Dai nickte, sprang sie in die Luft.

"Oh danke Joro! Das ist das einzige, was du je richtig gemacht hast!", jubilierte sie.

"Und was müssen wir tun um welche zu werden?", wurde Mona sachlich.

"Mitkommen...", grummelte Majo Dai nur und hüpfte davon. Sie gingen eine Hintertür hinaus und kamen in einen Garten. Hier war ein riesiger Baum in der Mitte und allerlei andere Pflanzen drum herum. Auch ein Brunnen war dort und ein kleines hölzernes Vogelhäuschen. Doch als sie näher an das Häuschen herankamen, sahen sie, das es gar nicht für Vögel gebaut war. Sie mussten alle nach einander hineingreifen und als sie ihre Hand heraus nahmen, hatten sie alle eine art Brosche in ihrer Hand. Majo Dai zeigte ihnen eine Melodie, die sie auf der Brosche nach spielten und als sie beendet war, hatte alle einen Hexendress an. Nach zwei weiteren Melodien erschienen Besen und Cracordion.

"Damit könnt ihr hexen." Majo Dai zeigte auf das Cracordion. "Für jeden Zauber verbraucht ihr Magicalballs.", erklärte sie weiter. "Das sind diese Kugeln da drinnen. Wenn sie alle sind, könnt ihr nicht mehr hexen. Aber keine Sorge! Ihr könnt bei mir welche verdienen! Ihr kommt nach der Schule und Samstag und Sonntag hier her und arbeitet!"

"Und was ist mit unserer Freizeit?", meckerte Sakura.

"Ich arbeite nicht. Ich mach mir doch nicht die Hände schmutzig und bediene andere. Das könnt ihr meinetwegen machen, aber ich kommen aus gehobenem Stand!" Sunny konnte ihre langjährige Freundin gerade noch festhalten, bevor sie sich auf Joro stürzte. Mona schien das alles nicht zu beachten.

"Tja, ihr habt doch noch eine andere Möglichkeit.", sagte sie deutlich. Hinter ihr wurde es ganz ruhig. Selbst Majo Dai war verwirrt.

"Was denn für 'ne andere Möglichkeit." Mona lächelte verschmitzt.

"Tja, entweder ihr arbeitet. Dan müsst ihr zwar was machen, habt aber immer genug Magicalballs!"

"Oder?..."

"Oder, ihr arbeitet nicht. Habt dafür aber auch keine Magicalballs und könnt nicht hexen. So einfach ist das!"

"Warum sollten wir dafür denn arbeiten? Sie sucht doch nur billige Arbeitskräfte!", gab Joro blasiert zurück.

"Guter Einwand.", gab Mona zu. Mit erhobenen Augenbrauen schaute sie Majo Dai an.

"Ich muss die Magicalballs kaufen! Und sie sind sehr teuer. Ich kann es mir nicht leisten sie zu verschenken. Außerdem kann ich so keine Menschen bedienen!"

"Besserer Einwand!", lächelte Mona. "Aber ich hab' eine Idee! Wir schlafen erst mal darüber und morgen haben wir uns entschieden, OK?"

Die Anderen nickten niedergeschlagen. Ohne ein weiteres Wort zu verstehen ging Mona wieder in den Laden und auf die Straße. Die Anderen liefen ihr nach.

"Ich werde nicht arbeiten!", bestimmte Joro. Dann holte sie ihr Handy heraus und ließ sich mit der Limousine abholen.

"Die tickt nicht mehr normal!", meinte Sakura nur. "Hey Mona! Du hast dich doch schon längst entschieden, oder?"

"Ich werde arbeiten.", antwortete Mona nur knapp.

"Du schienst aber nicht sehr überrascht zu sein!", bemerkte Sunny.

"Ich denke halt rational." Nach ein paar Straßen verabschiedeten sich Mona von den anderen und ging ihren Weg.
 

Zu Hause wurde sie schon erwartet.

"Hallo Mona.", begrüßte ihr Großvater das Mädchen. Mona ging in die Küche. Dort nahm sie eine Treppe nach unten in einen Raum voller Kräuter. Sie setzte sich an den kleinen Tisch, der dort stand und wartete darauf, dass ihr Großvater was sagte.

"Wie war der Tag?" Der alte Mann drehte sich um. Er sah das Mädchen, welches den Kopf nach unten geneigt hatte.

"Ich irre mich nicht, wenn ich sage das heute der große Tag war, nicht wahr? Die Zeichen sagten..." Er redete nicht weiter. Mona griff in ihre Tasche und holte das Tap heraus, dann legte sie es auf den Tisch. Müde und niedergeschlagen legte sie ihren Kopf auf den Tisch.

"Ach Troyes. Ist es das richtige, was ich tu? Es war nie vorher gesehen, dass ich Freunde finde, die mir so viel bedeuten. Und jetzt muss ich sie belügen."

"Gegen den menschlichen Geist kann nicht mal Lugh etwas ausrichten!", tröstete der alte Mann das Mädchen. Er nahm sie in seine starken Arme und die Beiden redeten noch lange in dem kleinen Keller. Bis in die Nacht herein.
 


 

kleiner Anmerk: ich weiß, diesmal ist es nicht wirkich lang, aber was hätte ich noch groß einbauen sollen?...

Totenkopfpartie

DIING!! DAANG!! DOONG!! Acht Uhr. Zwei Mädchen stürzten auf den Schulhof. Das eine mit langen lilanen Haaren versuchte ihre rotblonde Freundin vergeblich zur Eile zu drängen. Diese war abrupt langsamer geworden, als sie den Schulhof betreten hatte. Mona schlenderte langsam über den Schulhof und nestelte an ihrer Schuluniform herum, welche sie in der morgendlichen Eile nicht ordentlich und vorschriftgemäß zugeknüpft hatte. Sie blickte zum Klassenfenster hinauf, wo Baji und Ailin grinsend standen und kopfschüttelnd auf die Neue schauten.

"Sie scheint dieses Experiment ziemlich ernst zu nehmen.", lachte Ailin. Baji nickte.

"Hey Sake!", rief er auf den Schulhof herunter. "Du solltest dich beeilen. Ransho-sensei ist noch nicht da."

Die Angesprochene nickte. Sie rannte über den Schulhof und die Treppe hinauf in den Klassenraum.

"Ich bin nicht zu spät.", sagte sie ganz sachlich, als ob es keiner sonst bemerkt hätte.

"Falsch geraten, Seki! Im Falle von Abwesenheit der Lehrerin hat die Klassensprecherin, also ich, die Befugnis Regelwidrigkeit ins Klassenbuch einzutragen und es später dem Lehrer zu berichten.", sagte Joro triumphierend.

"Das geht aber nicht, wenn die Klassensprecherin, also du, das Klassenbuch nicht zur Hand hat.", sagte Mona, welche gerade gemächlich in das Zimmer spazierte, zum Pult ging und das Klassenbuch nahm. Sie öffnete es und ging lesend durch die Tischreihen zu ihrem Platz. Gerade als sie sich setzte, kam Frau Ransho in die Klasse. Sie war ganz außer Atem.

"Entschuldigt bitte, dass ich zu spät komme. Ich war im Stau stecken geblieben. Wo ist das Klassenbuch. Tepai?", keuchte sie.

"Mona Druì hat es entwendet, damit ich sie und Sakura Seki nicht eintragen kann, sensei.", meinte Joro theatralisch.

"Mona, gib mir bitte das Buch.", strengte Frau Ransho sich an ruhig zu bleiben.

"Kein Problem. Aber wirklich interessante Einträge darunter.", lächelte Mona, während sie der Lehrerin das Klassenbuch wiedergab. "Aber ich muss sagen, so funktioniert unser Experiment nicht. Wenn ich mich extra anstrenge die Vorraussetzung einzuhalten, dann müssen sie das auch tun. Es hieß, dass ich zu spät komme und nicht sie."

"Also gibst du zu, dass du nicht spätestens mit dem Klingeln in der Klasse warst? Dann kann ich dich ja eintragen."

"Aber ich war vor ihnen da. So geht das nun auch nicht."

"In solch einem Fall ist die Klassensprecherin befugt die Regelwidrigkeit einzutragen."

"Aber das hat sie nicht."

"Und du hast eben selber gesagt, dass du zu spät warst."

"Na, das hör' sich mal einer an. Ich habe lediglich gesagt, dass ich mich bemüht habe zu spät zu kommen. Davon dass ich das auch geschafft, war nie die Rede."

"Ich habe aber Fräulein Tepais Wort."

"Und sie haben meines. In diesem Fall steht es mein Wort gegen Tepai-sans. Im Zweifelsfall für den Angeklagten.", lächelte Mona zuckersüß. Grinsend setzte sie sich wieder auf ihren Platz und schaute die Lehrerin mit ihren großen grünen Augen an. Diese drehte sich nur um und stampfte wutentbrannt zu ihrem Pult.
 

Als die Stunde endlich zu Ende war, hielt Sakura es einfach nicht mehr aus. Sie war schon die ganze Stunde so hibbelig gewesen, dass sogar der sonst nicht aus der ruhe zu bringende Ryo sie anzischte.

"Das war ja einfach irre!", rief sie sofort, als Frau Ransho die Klasse verlassen hatte. "Das war schon das zweite Mal, dass du gegen sie gewonnen hast. Wie macht du das?"

"Ich denk' einfach nach, bevor ich etwas sage. Bei uns zu Hause haben sie uns von klein auf an beigebracht schnell und rational zu denken. Und natürlich auch immer das richtige zu sagen. Aber ich war denen immer zu vorlaut. Die meinen alle: Man redet so wenig wie möglich und nur dann, wenn es unbedingt nötig ist. Bei diesem so wenig wie möglich sprechen haperts bei mir noch. Was haben wir jetzt eigentlich?"

"Hauswirtschaft.", brummte Sakura.

"Was ist das denn?", wunderte die Neue sich.

"Da musst du kochen. Außer Ryo und Baji kann das keiner von uns so wirklich. Blöderweise muss Baji-kun mit seiner Schwester zusammen arbeiten. Na, wenigstens sind wir immer mit Dämon in einer Gruppe!"

"Hattest du das in Irland nicht?" Mona schüttelte den Kopf.

"Du glückliche.", jammerte Sakura.

"Ich weiß überhaupt nicht warum ich das hier lernen soll. Ich liebe kochen wirklich über alles. Naja, fast alles. Aber zu Hause haben wir einen Sternekoch und von dem hab' ich schon alles gelernt. Warum muss ich da noch so 'ne Pille Palle mitmachen?", meckerte Baji.

"Meine Familie ist total traditionsbewusst. Wenn es nach denen geht, und das wird es wohl auch, dann werde ich die Tempelanlagen erben und 'ne Frau heiraten, die mich den ganzen Tag bekocht. Warum sollte ich das denn auch noch lernen?", grollte Ailin.

"Das ist ja unglaublich. Ihr solltet euch mal selber hören. Außerdem weiß ich überhaupt nicht, was ihr habt. Kochen macht doch Spaß." Zwei völlig verwirrte Augenpaare schauten auf Mona, welche das nicht zu bemerken schien. Sakura richtete sich an ihre Freunde und ihre Lippen formten fragend das Wort 'Spaß?'.

"Sag bloß ich muss heute nicht alleine kochen.", freute sich Ryo.

"Musst du nicht. In unserer Gruppe werden heute acht Hände arbeiten.", sagte Mona bestimmend.

"Acht? Das schaffst du nicht, es sei denn, du meintest, dass du selber sechs besitzt.", meinte Ryo nur. Mona ging laut lachend in den Wirtschaftsraum und folgte Ryo in eine Kochecke. Drei Minuten später kam die Wirtschaftslehrerin herein und schob Sakura, Baji und Ailin vor sich her. Bestimmend bugsierte sie die Drei in die entsprechenden Kochecken.

"Du musst Mona Druì sein." Die Neue nickte. "Ich hoffe du bist fleißiger als die Zwei hier und lässt Ryo nicht allein mit der Arbeit." Sakura wollte gerade protestieren, doch überlegte sie kurz und nickte dann zustimmend.

"Oh, Ryo-kun wird nicht allein arbeiten. Machen sie sich da mal keine Sorgen.", lächelte Mona. Mit hochgezogenen Augenbrauen ging die Lehrerin wieder nach vorne.

"Mona-san? Was bedeutet dieser Blick?", fürchtete Sakura sich.

"Der bedeutet, dass ihr auch arbeiten werdet.", lächelte Mona weiterhin. Das Lachen aus Ailins Gesicht wich einen Augenblick. Dann schüttelte er bestimmt den Kopf.

"Das schaffst du nicht.", meinte er sich seiner Sachen gewiss.

"OK. Wenn ihr nicht mitarbeitet, dann werden Ryo-kun und ich keinen Handschlag tun." Wie um ihre Worte zu unterstreichen setzte sich Mona auf einen Stuhl und schaute die Anderen belustigt an.

"Mona, das ist Arbeitsverweigerung. Wir kriegen 'ne sechs.", machte Ryo sie auf den Harken aufmerksam.

"Die auch. Wenn ich an deren Stelle wäre, würde ich mir scharf überlegen, was mir wichtiger ist.", grinste Mona. Murrend nahmen sich die Zwei eine Schürze und schauten auf die Lehrerin.

"Mit unserer Freundschaft ist es aus!", grummelte Sakura. Lachend nahm sich Mona eine Schürze und gab den Kopfschüttelnden Ryo die Letzte.

"War das eben ein Lächeln, was über dein Gesicht huschte?", scherzte Mona. Ryo schaute sie etwas verwundert an, doch dann schüttelte er nur noch den Kopf und schaute ebenfalls zur Lehrerin.
 

In den beiden nächsten Stunden ging es drunter und drüber. Jetzt verstand Mona, warum Ryo immer allein gekocht hatte. Der Zucker für den Kuchenteig war ja noch halbwegs in der Schüssel gelandet, aber von dem Mehl will man gar nicht sprechen. Voller Eifer hatte Sakura die Tüte genommen, um den Inhalt, auf Monas Anweisung hin, in die Schüssel zu schütten. Sie wusste wohl nicht, dass Mehl nicht langsam aus der Verpackung gerieselt kam, wenn man es Kopfüber über die Schüssel hält, und dass es eine ziemlich staubige Angelegenheit war. Aber lange blieb das verschüttete Mehl nicht einsam. Nach ein paar Minuten hatte es Gesellschaft von Eier, Butter und diversen Gewürzen. Schließlich erbarmte sich Mona ihrer, bugsierte die Zwei auf ihre Stühle und zauberte in keinen fünf Minuten einen wunderbaren Kuchenteig, während Ryo die Schweinerei beseitigte.

"Oh man, Dämon! Da werden sich deine Geschwister aber freuen. Einen so leckeren Kuchen hatten sie schon lange nicht mehr.", schmatzte Ailin, während er mit Sakura die Schüssel ausleckte.

"Warum werden die sich denn über den Kuchen freuen?", ertönte Monas Stimme aus dem Ofen.

"Weist du, jedes Mal, wenn wir Hauswirtschaft haben, nimmt Dämon das Essen für seine Geschwister mit.", erklärte Ailin.

"Diesmal wohl eher nicht.", sagte Ryo leise. Alle guckten ihn fragend an.

"Naja, diesmal hab nicht ich das essen gemacht, sondern Mo-chan. Also steht es ihr zu. Ich werde dann für die Kleinen zu Hause was kochen, das geht schon.", erklärte er.

"Mögen deine Geschwister Schokolade?", fragte Mona nachdenklich.

"Natürlich mögen sie Schokolade. Wer nicht? Warum?", wunderte sich Ryo.

"Na, dann werde ich den Kuchen wohl mit Schokolade verzieren. Oder willst du lieber?" Ryo starrte sie ganz komisch an, während die anderen fast an ihrer Faust erstickten, weil sie ihr Lachen krampfhaft zu unterdrücken versuchten.

"Was soll ich bitte schön mit so 'nem großen Kuchen?", fragte Mona. "Großvater und ich werden den nie aufkriegen. Da kannst du ihn doch auch für deine Geschwister mitnehmen. Sie werden sich bestimmt freuen."

"Danke.", flüsterte Ryo.

"Hey Dämon. Was murmelst du da in deinen nicht vorhandenen Bart?", lachte Sakura.

"Jetzt hört endlich auf mich Dämon zu nennen.", grummelte dieser nur.
 

"Ist das Wahr?" Die Schule war endlich zu Ende und Sunny hatte ihre Freunde eingeholt.

"Ist was Wahr?", fragte Ailin.

"Na, dass Mo-san Frau Ransho nieder gemacht hat. Also mit Worten meine ich jetzt."

"Woher weist du denn das, Sunny-chan?", wunderte sich Sakura.

"Koji-kun, hatte es gehört, als er zum Lehrerzimmer ging. Nur weil er 'ne Scheibe mit 'nem Ball eingeschlagen hat, muss er gleich ins Lehrerzimmer. Das ist doch irgendwie krass. Naja, da hatte er halt gehört, wie Ransho-sensei mit dem Sportlehrer redete. Die ist total fertig.", endete Sunny ihre Story.

"Schade. Ich hätte nie gedacht, dass sie so schnell aufgibt. Ich dachte, sie wäre stärker.", jammerte Mona.

"Du bist wirklich verrückt. Irgendwie mag ich dich immer mehr.", staunte Baji. Lachend gingen sie vom Schulhof.

Kurz bevor sie sich trennen mussten, blieb Sakura wie angewurzelt stehen.

"Das hab' ich ja ganz vergessen.", rief sie aus.

"Was?", fragte Ailin etwas verwundert über dieses ungewohnte Verhalten.

"Wir können uns heute Nachmittag nicht treffen. Ich muss doch im Blumenladen arbeiten."

"Was?", fragte Ailin nun vollends verwundert.

"Du hast dich wirklich für's arbeiten entschieden. Das du so vernünftig sein kannst. Das ich mich so in einem Menschen irren kann.", brabbelte Mona vor sich hin.

"Wie, du arbeitest im Blumenladen?", staunte Baji.

"Na, der Blumenladen von Majo Dai. Der in der Nähe von Ryos Wohnung. Mir bleibt ja nichts anderes übrig, wenn ich... AU!!" Die kleine Sunny war ihrer Freundin hart auf den Fuß getreten und schaute sie wie eine Verrückte an.

"Was sie damit sagen wollte ist, dass sie dringend Geld braucht und Frau Dai so freundlich war ihr, mir und Mo-san einen Arbeitsplatz bei ihr zu verschaffen.", sagte Sunny schnell, jede Silbe betonend.

"Aber da sie diesen Mittwoch geschlossen hat, brauchen wir heute nicht hinzugehen.", fügte Mona lächelnd hinzu.

Die Jungs nickten nur langsam. Plötzlich hellte sich Bajis Miene auf.

"Dann können wir ja nach alt bewehrter Tradition Mona mit einer Party bei sich zu Hause willkommen heißen.", strahlte er.

"Du meinst, es ist fertig?", freute sich Sakura.

"Fix und fertig."

"Moment mal. Was ist fertig? Und könntet ihr vielleicht auch fragen, ob es bei mir überhaupt geht?", protestierte Mona.

"Willst du zu uns gehören, oder nicht?", meldete sich nun Ryo zu Wort.

"Ach du fällst mir jetzt auch in den Rücken? Vielen Dank."

"Keine Uhrsache.", entgegnete Ryo trocken. Mona seufzte.

"OK. Ich werde Großvater fragen. Wann?", gab sie sich schließlich geschlagen.

"Wir treffen uns in einer Stunde bei dir.", bestimmte Sakura schnell. Die Anderen nickten und alle gingen ihre Wege.
 

Eine Stunde später standen fünf Kinder vor dem kleinen Haus.

"Unglaublich, dass sie es in so kurzer Zeit renoviert haben.", staunte Baji. Die Anderen nickten. Der alte Großvater Monas hockte mal wieder in seinem Beet und pflückte hier und da ein Kraut, doch erst, als die Kinder kurz vor der Haustür standen und sich unschlüssig anschauten, blickte er auf.

"Ihr seid früh dran!", lächelte er freundlich. "Mona ist mit ihrer Arbeit noch gar nicht fertig, aber wenn ihr möchtet, könnt ihr zu ihr 'runter gehen." Die Kinder nickten. Der alte Mann nahm seinen Korb und öffnete die Haustür.

"Wo sollen wir denn unsere Schuhe hinstellen, Herr Druì.", fragte Sakura etwas unsicher. Der alte Mann sah sie verduzt an. Dann fing er an zu lachen.

"Ach, nennt mich doch bitte Großvater oder Troyes. Ich bin es nicht gewöhnt gesiezt zu werden. Eure Schuhe könnt ihr hier irgendwo hinstellen und Jacken und anderes Zeug erst mal auf die Stühle und den Tisch. Ihr müsst da so oder so wieder vorbei und unten ist es ziemlich eng!" Die Kinder nickten wieder.

"Ähm, Herr Dr... 'tschuldigung. Troyes. Was arbeitet Mona denn?", stammelte Ailin.

"Sie hilft mir aus unseren Pflanzen Arznei und Gewürze herzustellen.", erklärte Troyes.

"Wenn ihr schon da oben redet, könntet ihr wenigstens so freundlich sein und 'runter kommen, damit ich mitreden kann. Ich hör' doch so oder so jedes Wort!", hörten sie Monas Stimme aus dem Boden. Lächelnd führte Troyes seine Gäste in die kleine Küche und die Treppe herunter, in den Kellerraum. Dort stand Mona mit einer Schürze und bearbeitete verschiedene Kräuter mit einem Mörtel. Ryo schaute sich interessiert um. Überall hingen Kräuter und Blumen zum trocknen von der Decke. Auf dem kleinen Tisch und den Regalen standen diverse Körbe und Flaschen mit halb bearbeiteten Gemischen und fertigen Rezepturen. Auf einem kleineren Abstelltisch zerstreuten sich mehrere lose vollgeschriebene Blätter.

"Ihr müsst auch nicht lange warten. Ich bin gleich fertig. So.", sagte Mona, während sie den Mörtel beiseite legte und sich den Schweiß von der Stirn wischte. Dann nahm sie die Kräuter, schüttete sie in einen leeren Korb und stellte ihn auf die Fensterbank des kleinen Erkerfensters. "Ich bin fertig, dann können wir doch nach oben." Mit diesen Worten nahm sie sich die Schürze ab und hängte sie auf einen Harken.

"Warum machst du das denn nicht zu Ende?", fragte Sunny und zeigte auf Monas Korb.

"Ach, dass muss erst mal eine Nacht ruhen.", erklärte Mona beiläufig. "Kommt ihr?" Die Meute ging wieder nach oben in die Küche. Dort nahm Mona ein Tablett und stellte Gläser, eine Kanne Saft und eine Schüssel vollgestopft mit Keksen darauf. Das balancierte sie in den Flur, wo sie einmal gezielt gegen die Wand tritt. Darauf hin fiel an der Decke eine Klappe auf und eine Holztreppe rutschte herunter.

"Ich liebe alte Häuser.", lachte Mona und stieg auf den Dachboden. "Vergesst eure Sachen nicht!"

"Ich liebe es ganz und gar nicht wenn sie alte Häuser kaputt macht. Oder Häuser im allgemeinen.", grummelte Troyes und stieg wieder in den Keller hinab. Die Gäste wussten nicht ob sie jetzt lachen sollten und nahmen lieber ihre Sachen, um Mona zu folgen. Monas Zimmer beinhaltete den ganzen Dachboden, was ziemlich viel war. Sie hatte hier ein großes Bett, eine Sitzecke mit Couch, Sesseln und einem Tisch, eine riesige Regalwand vollgestopft mit Büchern, von denen einige schon sehr Antik aussahen, einen großen Schreibtisch und einen großen Kleiderschrank. Baji schaute sich erstaunt um.

"Kein Fernseher, kein Computer. Nur ein altes Radio.", bemerkte er.

"Großvater hält nicht viel von Technik. Er ist halt sehr traditionsbewusst. Du glaubst nicht wie lange ich gebraucht habe, um ihn zum Telefon zu überreden, oder gar zum Radio!", erklärte Mona. Sakura und Ryo gingen zu Monas Bett. Auf dem Nachttisch waren eine verzierte Holzflöte, ein altes Buch und drei Bilder. Das Eine zeigte Mona, Troyes und einen Jungen etwas älter als Mona. Das Zweite ein junges Paar im Hochzeitsdress. Und das Letzte eine junge hübsche Frau mit rotblondem Haar und leuchtend grünen Augen.

"Ist das deine Mutter?" Sakura zeigte auf die junge Frau und schaute die nickende Mona an.

"Sie ist wunderschön. Du siehst ihr total ähnlich. Wo ist sie gerade?", fragte sie. Mona lächelte ein wenig müde und verkrampft.

"Wo ist man, wenn man tot ist?", fragte sie zurück. "Sie ist ein paar Tage nach meiner Geburt gestorben." Mona schaute etwas seltsam. Um schnell das Thema zu wechseln zeigte Sakura auf ein anderes Foto.

"Sind das deine Großeltern?", fragte sie schnell. Mona lachte auf, was die anderen ein wenig irritierte.

"Ja, das sind Troyes und Gladys. Gladys ist vor vielen Jahren gestorben. Naja, sie war sehr alt geworden.", erklärte sie heiter.

"Und warum lachst du darüber?", wunderte sich Sunny.

"Nicht so wichtig. Und bevor du fragst, Sake. Auf dem letzten Bild der Junge heißt Kyle. Ein schrecklicher Typ, aber naja, er ist mit Großvater verwand, da kann ich schlecht was machen. Er meinte mich ständig bevormunden zu müssen, nur weil er ein paar Jahre älter ist. Und das Bild meiner Mutter hat Gladys gemalt. Wer die beiden Fotos gemacht hat, weiß ich allerdings nicht mehr.", sagte Mona sehr schnell.

"Von wem hast du die Flöte?", wollte Sakura unbedingt wissen. Mona und Ryo verzogen das Gesicht.

"Flöte!", sagte Ryo entsetzt.

"Das ist eine Okarina.", maulte Mona. "Und Großvater hat sie geschnitzt."

"Entschuldigung bitte. Es passiert nie wieder, dass ich eine Okarina mit einer Flöte verwechsle. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, was daran der Unterschied sein soll.", übertrieb Sakura und ließ sich auf das Bett fallen.

"Sag mal Mo-chan, was ist das für 'ne Sprache?", fragte Ryo schnell, bevor einer der Beiden noch was sagen konnte und zeigte auf das alte Buch.

"Welsh.", sagte Mona schlicht.

"Und wovon handelt das?", interessierte sich Ryo.

"Die alten Mythen und Sagen des 14. Jahrhunderts im englischen Raum."

"Warum kann ich bloß kein Welsh lesen.", trauerte Ryo. Sakura hatte dafür nur ein Augenrollen übrig, während die anderen lachten.

"Du hast einen wunden Punkt getroffen Mona. Wenn Ryo-kun eines interessiert, dann sind das Mythen und so 'n Kram.", seufzte sie.

"Und du kannst das Buch nicht lesen, weil du kein Welsh kannst.", überlegte Mona langsam. Bestimmt drehte sie sich um und ging zu ihrer Bücherwand. Den Kopf in den Nacken gelegt, huschten ihre Augen über die vielen Bücher.

"Ich hab' das irgendwo auch in Japanisch. Es ist zwar nicht so eine alte Ausgabe, aber besser als nichts. Das ist immerhin eines meiner Lieblingsbücher. Dieses und ein paar andere hab ich mir auf japanisch bestellt, um die Sprache ein wenig zu üben.", murmelte sie, während sie hier und dort neuere Bücher heraus kramte. Mit einem beträchtlichen Stapel schwankte sie zum Bett und donnerte ihn neben Ryo.

"Ich glaub das sind alle meine japanischen Bücher über Mythen und so. Bedien dich.", lächelte sie und setzte sich ebenfalls. Sie zog eine Schublade unter ihrem Bett hervor und entnahm ihr eine große Dose, die, wie die anderen später feststellten, Kekse beinhaltete.

"Notration.", schmatzte Mona erklärend.

"Oh man, bevor wir das vergessen.", sprang Baji plötzlich auf. Sakura erhob sich freudestrahlend und schaute erwartungsvoll auf ihren alten Freund. Dieser schnappte sich seinen Rucksack und angelte ein mehr schlecht als recht verpacktes Geschenk heraus. Dann ging er auf Mona zu.

"Es ist vielleicht nicht das am schönsten verpackte Geschenk, aber wir hoffen, es gefällt dir trotzdem.", sagte er und gab der skeptischen Mona freudestrahlend sein Präsent.

"Was ist das? Und warum bekomm ich das?", wollte Mona wissen.

"Pack aus!", drängte Sakura sie nur und beließ es dabei mit Erklärungen. Mona, immer noch skeptisch dreinblickend, öffnete das Geschenk und stockte. Es enthielt einen schwarzen Gürtel mit silberner Totenkopfschnalle und ein schwarzes Kopftuch.

"Willkommen bei den Piraten.", sagte Ryo nur. Die immer noch sprachlose Mona starrte freudestrahlend auf ihre neuen Sachen.

"Du solltest dich bei Baji und Dämon bedanken. Es war Dämons Idee, dir es sofort zu geben und Baji-kun hat das alles finanziert.", erklärte Ailin lächelnd. Mona sprang auf, küsste Baji und Ryo einmal auf ihre Wangen und rief immer wieder "Danke, danke, danke!" aus, während sie sich den Gürtel um ihre Hüfte schlang, ihre Haare öffnete und das Kopftuch umband.

"Jeder Zeit wieder!", scherzte Baji und bekam dafür von der wütend dreinblickenden Sakura einen schmerzhaften Tritt gegen sein Schienbein.

"Keine Sorge Sake, ich schnapp dir deinen Baji nicht weg. Ich muss zwar zugeben, dass er nicht schlecht aussieht, aber er ist ganz und gar nicht mein Typ. Ich finde blond langweilig.", erklärte Mona lachend. "Und, wie sieht's aus?", fragte sie schließlich und präsentierte sich drehend. Sunny nickte, Ailin machte eine überwältigte Geste, Ryo lief noch ein wenig roter an, als bei dem Kuss, Baji traute sich nicht irgendetwas zu sagen und Sakura grummelte ein "Gut." durch die Zähne hindurch. Mona schien das zu genügen.

"Sake. Ich sagte doch schon: Baji-kun ist nicht mein Typ. Du kannst ihn ganz für dich alleine haben.", lachte Mona wieder.

"Was geht mich das an, ob Baji dein Typ ist, oder nicht? Außerdem: Sag ihm das!", drehte Sakura auf. Grinsend drehte sich Mona um, schaute Baji direkt in seine Augen und sagte ganz sachlich: "Baji, du bist nicht mein Typ!"

Sie hörten ein lautes Knarren und schreckten alle auf. Troyes kam die Treppe hinauf mit einem zweiten Tablett voller Kekse.

"So, wie ich meine Mona kenne, hat sie schon alle Kekse aufgegessen, bevor jeder von euch mindestens einen hatte.", erklärte er lächelnd. Als er den noch fast vollen Teller sah, stockte er.

"Bist du krank Mona?", sorgte er sich. Das Mädchen lächelte ein wenig gequält und gab Troyes seine Dose.

"Ich hab meine Notration aufgegessen.", erklärte sie. Mit hochgezogenen Augenbrauen füllte Troyes die Dose wieder Randvoll auf.

"Sie hat länger gehalten als sonst. Ganze zwei Tage.", lächelte er.

"Du ist solch eine riesen Dose in weniger als zwei Tagen auf?", staunte Ailin nur.

"Ich mag Kekse halt.", schmollte Mona.

"Und ist dein Freund krank? Er ist so rot im Gesicht." Besorgt schaute Troyes auf Ryo, welcher darauf hin noch roter anlief. Sakura lachte plötzlich auf.

"Machen sie sich keine Sorge. Mona hat sich nur bei ihm bedankt." Sie wartete gespannt auf die Reaktion und war selber überrascht, als sie sah, wie Troyes das alles aufnahm. Langsam drehte er sich zu Mona um und schaute sie ermahnend an.

"Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du die Jungs und Männer in deiner Umgebung nicht verrückt machen sollst?", fragte er etwas lauter als vorher, wobei seine Stimme auch eine gewisse Vergnügtheit vermuten ließ.

"Ich habe im Übereifer meine angeborene Zurückhaltung vergessen." Mona schaute ein wenig bedröppelt drein.

"Wie immer.", murmelte Troyes, während er wieder nach unten ging. Monas unterdrücktes Gekicher wurde zu einem krampfhaft unterdrückten Lachen.

"Wie immer?", wiederholte Ailin fragend Troyes' Worte.

"Eine der vielen Gründe, warum ich in Irland so gut wie alles machen konnte.", erklärte Mona lachend, während sie sich wieder ihren Pferdeschwanz band.
 

Die fünf Freunde redeten und lachten noch lange, doch als es anfing zu dämmern, mussten sie sich schließlich verabschieden.

"Wir sehen uns Morgen!", rief Sakura und lief los, um die anderen noch einzuholen. An der nächsten Ecke wurde sie wieder langsamer.

"Eine wirklich komische Familie.", bemerkte Baji beiläufig.

"Ja, aber sind unsere normal?", fragte Sunny.

"Na, dass wüsste ich." Keuchend und lachend harkte Sakura sich bei Sunny ein und sie gingen ihren Weg.
 

"Du bist dir sicher, dass du sie nicht allzu lieb gewonnen hast?", fragte eine tiefe Stimme. "Du weißt, dass du sie belügen musst, oder ihnen die Wahrheit sagen musst."

"Aber was soll ich denn machen?", fragte eine leise traurige Stimme verzweifelt. "Ich habe es doch versprochen." Tränen rannen eine weiße Wange herunter, welche der alte Mann in der Dunkelheit nicht sehen konnte.

Lügen

kleiner Anmerk: In dieser FF geht es weniger um die magische Seite, wie bei DoReMi. Eher um die sozialen und anderen Probleme einzelner. An höchster Priorität stehen natürlich Monas Probleme. Aber auch die, der Anderen!!!
 

Eine Gruppe von lachenden, verwunderten und mürrischen Jungendlichen ging durch die Straßen. Die Schule war gerade zu Ende und Sakura war eingefallen, dass sie ja ab heute arbeiten musste. Und das auch noch mit Joro! Ihre gute Laune, welche zu dieser Zeit üblich war, war urplötzlich auf ihren Tiefpunkt gesunken. Mona und Sunny konnten darüber nur lachen. Ailin und Baji konnten sich darüber nur wundern. Wenn Sakura keine Lust hatte zu arbeiten, warum tat sie es dann? OK, die Anderen sagten, sie bräuchte dringend mehr Geld, aber Joro? Die Tepais waren einer der reichsten Familien in Japan und Joro hätte alles haben können, was sie nur wollte. Sie brauchte nur ihren Mund zu öffnen. Und für gewöhnlich tat sie es auch!!! Man wird die Mädchen wohl nie verstehen! Ryo war das alles egal. Er musste heute so oder so arbeiten. Dann wüsste er wenigstens, das er nicht der einzige ist. Sie bogen die Einkaufstraße hinein und Ailin und Baji verabschiedeten sich. Sie hatten beschlossen Fußball zu spielen, was Sakura noch mehr aufregte und Mona noch mehr zum lachen brachte. Die beiden Jungs dachten sich, dass es klüger wäre sich so schnell wie möglich von Sakura zu entfernen, sollen sich doch die Anderen mit ihr plagen. Sie hatten noch nicht den Bedarf zu sterben. Am Café verabschiedeten sie sich dann auch von Ryo und gingen die zwei Häuser zum "Magic Flower" weiter. Joro wartete schon schmollend an der Häuserwand. Auf die Frage, warum sie noch nicht drinnen war, hatte sie nur eine bissige Antwort parat.

"Nachher muss ich dann schon früher anfangen!"

Augen rollend gingen die drei Freunde ins Geschäft - Joro hinterdrein. Majo Dai wartete schon. Für die Zeit, in der die Kinder in der Schule waren, musste sie jemanden aus der Hexenwelt einstellen, der sich mehr als tollpatschig anstellte. Sofort bekamen die Vier Anweisungen von Majo Dai und jeder ging seiner Arbeit nach. Sunny hatte sich dazu bereit erklärt, die Blumen im Hinterhof zu pflegen, welche rund um den großen "Baum des Lebens", wie Majo Dai ihn nannte, gestellt waren. Mona und Sakura arbeiteten als Kundenbedienung und während der Laden leer war, kümmerten sie sich um die Blumen im Shop. Wie es sich herausstellte, war es etwas anderes, normale Blumen zu pflegen. Bei den magischen, musste man viel sorgfältiger umgehen. Und man musste mit vollem Herzen dabei sein und die Blumen und die Arbeit lieben. Mona schien dafür ein Händchen zu haben. Sie streichelte nur einmal ein Blatt und sofort strahlte die Blume auf - sie schien sich richtig zu freuen. Ihre Blätter und ihr Kopf richteten sich nach oben und ihre Farbe und Duft erfrischten und erstrahlten von neuem. Sakura dagegen musste sich richtig anstrengen, damit sich ihre Blumen auch nur ein wenig richteten. Aber Mona schien zuversichtlich zu sein, dass ihre Freundin den Dreh bald heraus haben wird.

Joro hatte das schwerste Los bekommen. Sie hatte sich regelrecht geweigert, sich um die Blumen zu kümmern - wohl mit der Meinung, dass sie sich dann die Hände nicht schmutzig machen muss. Nun trottete sie durch das ganze Haus und den Garten, mit Besen, Eimer, Lappen und Mopp und säuberte alles von Grund auf an.

DIING!! Der erste Kunde. Freudestrahlend ging Sakura auf den jungen Mann zu, der sich etwas unsicher umschaute.

"Kann ich ihnen helfen?", fragte sie freundlich ihr Gegenüber.

"Ähm... Ich hab' gehört, dass eure Blumen magische Fähigkeiten haben...", meinte der Kunde unsicher, wohl nicht ganz im klaren, ob er das wirklich glauben sollte. Sakura schaute sich fragend ihre neuen 'Schützlinge' an. Die sollten irgendwelche magischen Fähigkeiten haben?

"Jede Blume hat magische Fähigkeiten, aber mit der richtigen Pflege können diese noch verstärkt werden.", erklärte Mona lächelnd hinter ihrem Regal hervor.

"Wenn sie es sagt, wird es schon stimmen!", versicherte Sakura schnell und heftig.

"Gut. Wisst ihr...", der junge Mann lief rötlich an. "Ich wollte meiner Freundin einen Heiratsantrag machen und ihr dafür ihre Lieblingsblume kaufen. Und da dachte ich mir, wenn diese nun auch noch irgendwelche Fähigkeiten hat, dann ist das doch noch besser!" Er lächelte etwas nervös.

"Was ist denn ihre Lieblingsblume?", lächelte Sakura.

"Ähm... Margeriten!" Sakura dachte nach. Margeriten... Das waren doch diese weißen... Oder waren sie gelb? Ihr Kopf rauchte richtig. Mona schien das bemerkt zu haben und ging zu einem anderen Regal. Als sie wieder hervor kam, hatte sie einen Strauß Margeriten in ihrer Hand und noch einzelne Andere. Dann ging sie zum Tresen und werkelte dort herum.

"Margeriten sind sehr freundliche Blumen.", hörte man ihren Rücken sagen. "Man muss sagen, sie sind eine gute Wahl, um jemanden zu sagen, dass man ihn mag." Sie drehte sich um und hatte einen hübschen Strauß in ihren Händen. Er bestand hauptsächlich aus den weißen Margeriten. Aber einzelne gelbe, rote und lilane Blume waren auch dabei - alle relativ klein und unscheinbar. Das Zentrum bildete eine einzelne wunderschöne rote Rose. Und alles wurde von einem Servietten-Draht-Band-Gewirr zusammen gehalten.

"Ich habe noch eine Rose hinein getan. Immerhin ist sie die Blume der Liebe. Und die kleineren dazwischen lockern das alles noch ein wenig auf. Wenn sie einen Ring haben, könnten sie ihn auch in die Rose tun, so dass er nur heraus blitzt. Ich glaube das würde ihr bestimmt gefallen!", lächelte sie.

"Oh danke. Das ist ein toller Einfall. Ja, das würde ihr ganz bestimmt gefallen! Wie viel macht das?"

Ein paar Minuten später ging ein freudestrahlender, pfeifender Verlobter in Spe durch die Straßen und die Kasse war um einige Yen schwerer. Der restliche Tag verlief auch in diesem Kaliber und kurz vor Feierabend, saßen vier völlig erschöpfte Kinder im "Magic Flower". Majo Dai hüpfte noch zu ihnen, um mit ihnen zu sprechen.

"Das lief doch sehr gut, für den ersten Tag.", freute sie sich. Es kam ein leicht saures Grummeln aus Joros Ecke, doch niemand schien es zu bemerken.

"Ach und bevor ich es vergesse: Heute Nacht könnt ihr eure erste Prüfung versuchen. Um halb zwölf müsstet ihr dann hier sein."

"WAS? So spät? Ich bin jetzt schon fast am umfallen.", meckerte Joro sofort los.

"Also wenn du ewig auf dem zehnten Grad stehen bleiben willst, meinetwegen. Aber die Prüfungen sind nur Nachts!", grinste Majo Dai.

"Gut, dann brauche ich neue Magicalballs!"

"Sag bloß, du hast schon alle verbraucht Tepai-san!", staunte Mona.

"Natürlich. Ich musste doch meine neuen Kräfte erst einmal ausprobieren.", resignierte Joro.

"Aber alle?", warf nun Sakura herein.

"Ich wollte sehen, was für Frisuren ich mir alle machen kann. Und die Kostüme erst! Toll!", strahlte Joro.

Mona schüttelte den Kopf. "Ich würde meine Balls nie für solche nichtigen Belanglosigkeiten opfern." Majo Dai schaute auf. 'Balls? Hatte sie eben Balls gesagt? Eigenartig...' Doch sie verwarf ihren Gedanken wieder und verbannte ihn in die hinterste Ecke ihres Gehirns. Doch völlig hinausschmeißen konnte sie ihn nicht...

"Für jeden Tag, den ihr hier arbeitet, bekommt ihr einen Magicalball!", fasste sie sich wieder.

"Nur einen?", Joro schien dem Zusammenbruch nahe zu sein.

"Du solltest halt lernen mit deinen Kräften verantwortungsvoll umzugehen.", neckte Sunny. Bevor jemand noch irgendetwas erwidern konnte, gab Dai Dai jedem einen Magicalball. Alle ließen sofort ihre Cracordions erscheinen, um ihren neuen Magicalball darin verschwinden zu lassen. Nur Mona nicht. Sie holte ein kleines Säckchen heraus und verschloss ihren in diesem. Darauf hin spürte sie zehn fragende Blicke und erklärte, dass sie noch nicht gezaubert hätte. Lächelnd ging sie hinaus, wo ihr Ryo gerade entgegen kam. Er wollte sich erkundigen, wie der erste Tag verlaufen war. Mona schilderte ihm alles haarklein, bis die anderen schließlich auch heraus kamen. Sie verabschiedeten sich und gingen nach Hause...
 

Punkt zwölf Uhr standen vier Mädchen vor einem Brunnen, bereit das erste Mal in eine fremde Welt zu schreiten. Alle hatten eigenartige Kleider an. Eine lilahaarige ein passendes Lilanes, ein blondes Mädchen ein Weißes, das Gelbe trug die, mit den kurzen hellbraunen Locken und ein Schwarzgrünes das Mädchen mit den rotblonden Haaren. Neben ihnen schwebte eine Kehrschaufel, wo ein kleiner grüner Klops drauf saß und daneben eine winzige wunderschöne Frau. Nachdem das rotblonde Mädchen das Wasser im Brunnen auf Geheiß des Klopses berührte, leuchtete es auf und ein Tor erschien. Kaum dass alle durch waren, schloss es sich wieder.
 

Die vier Mädchen kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Sie waren durch ein Tor gegangen und sahen eine riesige Blumenwiese, wo sich ein kleiner Sandweg hindurch schlängelte. Doch sie gingen ihn erst gar nicht entlang. Schnell ließen sie ihre Besen erscheinen und flogen gemütlich die Wiese entlang, immer den Weg folgend. Plötzlich sahen sie ein kleines Häuschen - dort landeten sie. Es war Punkt zwölf Uhr, japanischer Zeit, als sich die zwei Prüferinnen den Mädchen als Mota und Mota Mota vorstellten. Sie beide sprachen sehr langsam, aber auch sehr freundlich! Die vier Mädchen mussten sich in Schulbänke setzten, welche die beiden alten Hexen erscheinen ließen und einen Bogen beantworten.

Dort stand nur ein einziger Satz: "Was liebst du am meisten?"

Sakura musste gar nicht erst lange überlegen. Schnell schrieb sie 'Ferien' auf ihren Bogen. Doch als sie ihn dann abgeben wollte, musste sie sich wieder hinsetzen. Es musste etwas Greifliches sein! Jetzt saß sie da und überlegte... Sunny und Joro überlegten auch krampfhaft. Mona musste sich ein lautes Lachen verkneifen, als sie Joro sah.

'Die scheint ja sehr hin und her gerissen zu sein. Kann sich wohl nicht zwischen Kosmetik und Lockenstab entscheiden... Aber warum etwas Greifliches? Ach, deshalb...'

Lächelnd schrieb Mona etwas auf ihren Zettel und wartete dann auf die Anderen. Sunny hatte sich letztendlich für Blumen entschieden, Joro für Salat. Sie würde sterben, wenn sie etwas fettiges essen müsste! Das war auf jeden Fall ihre Meinung. Jetzt saß nur noch Sakura da und starrte in die Luft.

"Ach, was soll's!", rief sie plötzlich auf. Schnell kritzelte sie etwas auf ihren Zettel und gab ihn ab. Mota und Mota Mota nickten, dann erklärten sie, dass jeder eine Woche ohne das Leben müsste, was sie auf den Zettel geschrieben haben. Drei Kinnladen fielen herunter, aber Mona konnte nur amüsiert schmunzeln.

"Das geht doch aber gar nicht!", verzweifelte Sunny. "Wie soll ich denn bei Majo Dai arbeiten, ohne mit Blumen in Kontakt zu kommen."

"Tja, dann haben wir wohl eine neue Putzfrau!", lächelte Mona nur.

"Eine Woche keine Reisbällchen. Das ist wie Entzug!" Sakura schien dem Weltuntergang nahe.

"Ich bin Vegetarierin. Was soll ich denn eine Woche essen, wenn keinen Salat?" Es war einer der wenigen Momente, wo die beiden Erzfeinde Seki und Tepai den gleichen Gesichtsausdruck hatten.

"So wollen sie doch nur testen, wie ernst es uns mit der Zauberei ist.", erklärte Mona immer noch lächelnd. "Wir sehen uns in einer Woche!" Mona schwang sich auf ihren Besen und wartete in der Luft schwebend auf die Anderen. Murrend machten sie sich auf den Weg.

"Ich werd' einfach nicht darauf achten, was die von mir wollen und ihnen in zwei Tagen ins Gesicht lügen. Ja, das mach ich."

"Sake, du kleines Dummerchen. Die werden das mitbekommen! Sie haben natürlich ihre Mittel und Wege, zu erkennen, wenn jemand schummelt!", lachte Mona.

"Warum bist du eigentlich so gut gelaunt? Ich möchte dich mal nach einer Woche ohne Kekse sehen.", meckerte Sunny.

"Wer sagt denn, dass ich Kekse auch aufgeschrieben habe?" Wie so oft spürte Mona, die fragenden Blicke hinter ihrem Rücken.

"Ich hab' mir so was schon gedacht, als sie sagten, es müsse etwas Greifliches sein. Also hab' ich etwas aufgeschrieben, was ich absolut hasse. Fast Food. Es wird für mich nicht all zu schwer, eine Woche ohne Fast Food zu leben. Immerhin tu ich das schon mein ganzes Leben lang!", lachte sie. Die Anderen konnte über diese Abgebrühtheit nur staunen. Wer hätte gedacht, dass dieses so nette, freundliche und zuvorkommende Mädchen so eiskalt lügen konnte und sich dafür nicht mal schämte. Nein, sie lacht sogar darüber!
 

"Sakura Seki! Vor die Tür mit ihnen. Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass ich sie ermahne! Und Fräulein Tepai. Wenn sie noch einmal einnicken, dann folgen sie, verstanden?" Ja, der nächste Morgen war überhaupt nicht gut angefangen. Die beiden Mädchen wurden tatsächlich schon des öfteren beim lauten Gähnen und einnicken erwischt. Als Sakura murrend die Tür hinter sich schloss, begrüßte sie eine übermüdete Sunny. Nur Mona schien guter Dinge zu sein.

Als es endlich zur Pause klingelte, kam Sakura gähnend in die Klasse getrottet. Verspannt ließ sie sich auf ihren Stuhl fallen und schloss kurz die Augen. Kurz bevor sie einnicken konnte, wurde sie von Baji in die Realität gerufen.

"Reisbällchen? Frisch gemacht. Davon wirst du bestimmt wieder wach.", lächelte er und reichte ihr die Schachtel. Freudestrahlend wollte Sakura hinein greifen, als sie den strengen Blick Monas bemerkte.

"Tut mir leid, Baji-chan. Heute nicht.", lächelte der Reisbällchen-Freak.

"Bist du krank?" Schnell beugte Baji sich zu ihr, um ihre Stirn zu fühlen. "Nein, scheint nicht so. Fieber hast du auf jeden Fall keines... Eigenartig. Joro hat kein Salat gegessen und du nimmst keine Reisbällchen an. Mädchen. Ich werde sie wohl nie verstehen. Dabei hab' ich sie extra für dich gemacht." Schmollend sah der blonde Junge auf seine süßen Reisbällchen hinunter.

"Mach dir nichts draus, Baji-kun.", lächelte Mona. "Es liegt weder an dir, noch an deinen Reisbällchen. Ich bin mir sicher, sie schmecken toll. Aber Sake und Tepai-san haben eine Wette eingegangen, dass sie eine Woche, ohne ihr jeweiliges Lieblingsessen auskommen können. Und keiner von den Beiden, möchte sich beugen. Das kannst du doch sicher verstehen!" Sakura schaute erstaunt zu Mona. Das war schon das zweite Mal, dass sie eiskalt gelogen hat. Ohne mit der Wimper zu zucken, hat sie lächelnd ihrem Gegenüber ein Lügenmärchen erzählt. Das erste Mal... OK, da waren es die beiden Prüferinnen. Sie kannten sich nicht wirklich. Aber dieses Mal. Baji war doch ihr Freund. Und auch die anderen beiden Jungs, welche diese Geschichte glaubten, log sie an. Warum fällt ihr das bloß so leicht? Nahm sie die Freundschaft nicht ernst? Nein, das konnte Sakura nicht glauben. Sie war doch immer so freundlich und lachte mit ihnen. Oder war das auch nur eine Lüge? Was war dann Monas wahres Gesicht. Und warum log sie? Wieder einmal wurde sie von Baji in die Realität geholt.

"Ist das Wahr? Nur eine Wette?" Sakura sah in diese azurblauen Augen und konnte ihm einfach nicht das Herz brechen und sagen, dass Monas Geschichte nicht stimmte. Etwas zögernd nickte sie. Unsicher lächelnd sah sie ihr Gegenüber an, welcher ihr Tief in die Augen sah. Schließlich seufzte er und ließ sich nach hinten fallen.

"Irgendetwas stört mich. Du sagst nicht ganz die Wahrheit, aber ich lass es erst mal gelten.", beschloss er. Mona und Ryo haben das alles schon gar nicht mehr mitbekommen. Der Schwarzhaarige hatte bemerkt, wie die Neue bei ihren Worten gelitten hatte. Irgendetwas machte ihr zu schaffen. Nun saß sie auf ihrem Platz und starrte ihr noch offenes Heft an. Doch wirklich sehen konnte sie es nicht. Sie musste nur irgendwo hinschauen, wo sie nicht Gefahr lief irgendwem in die Augen blicken zu müssen. Sie hatte es schon wieder getan. In ihr hatte es geschrieen, als die Worte aus ihrem Mund sprudelten. Es war genau wie damals. Sie log. In ihr wehrte sich alles, doch sie konnte den Wortschwall nicht bremsen. Und keiner konnte ihr ansehen, was sie bei diesen Worten durchmacht. Denn ihre Fassade war perfekt. Aber warum log sie? Sie wusste es einfach nicht. Damals war es, damit sie sich selber ihre eigenen Fehler nicht eingestehen brauchte. Doch diesmal? Warum diesmal? Hatte sie denn irgendeinen Fehler gemacht, außer die Lügen? Nein. Auf jeden Fall wusste sie es nicht. Vielleicht hatte sie es ja schon erfolgreich verdrängt... Je aus ihren Gedanken gerissen, spürte sie, wie sie beobachtet wurde. Als sie aufsah, blickten sie zwei dämonische Augen an.

"Hast du nicht mitgewettet?", versuchte Ryo seine Blicke zu erklären.

"Nein.", sagte Mona nur schlicht. Sie biss sich auf die Lippe. Langsam ging Ryo auf sie zu und schaute das zwei Jahre jüngere Mädchen an. Zwei Herzen schlugen immer schneller, für jeden Schritt, den Ryos Füße machten.

"Der Grund ist keine Wette." Ryo schaute das rothaarige Mädchen ernst an, welche überrascht den Blick erwiderte.

"Woher...?", hauchte Mona.

"Du hast gelogen. Und auch, wenn dein Äußeres nie darauf schließen ließ, deine Augen verrieten dich. Und deine Gebärden danach. Glaub mir, ich weiß, wie es ist jemanden anzulügen, den man mag." Zwei große Smaragde schauten in die ungewöhnlichen Augen des achtzehn Jährigen. "Ich werde nicht nach der Wahrheit fragen. Ich bin mir sicher, dass du deine Gründe hattest. Und auch, weil Sakura diese Lüge bestätigt hat. Gerade Sakura. Ihr ist die Wahrheit sonst immer wichtiger, als alles andere. Also muss es für euch beiden sehr wichtig sein. Aber versprich mir, dass du nicht mehr lügen wirst, klar?" Dankbar nickte sein Gegenüber.
 

Diese Woche, verging sehr langsam. Doch schließlich hatten alle es geschafft und um punkt zwölf wurden sie wieder von Mota und Mota Mota begrüßt. Sie alle hatten ihre Prüfungen bestanden. Und sie bekamen mehr, als nur einen bestandenen Grad. Jeder von ihnen erhielt eine auf sie abgestimmte Fee. Überrascht begrüßte Mona ihre neue Begleiterin namens Momo, welche sie freudestrahlend begrüßte. Sanft lächelnd sah Mona das kleine Wesen an. Ja, es hatte doch etwas für sich...
 

Als sie wieder zu Hause war, wurde sie fragend von einem alten Mann begrüßt.

"Keine Sorge, Troyes. Natürlich habe ich bestanden. Und schau mal..." Als Troyes die Fee sah, wurden seine Augen urplötzlich kalt und auch Momo schien sich nicht zu freuen. Ängstlich versteckte sie sich hinter Monas Schulter.

"Du brauchst doch keine Angst zu haben.", beschwichtigte Mona sie. "Du weißt doch, dass Großvater keiner Fliege etwas zu Leibe tut. Wir gehen wohl besser nach oben. Ein wenig schlaf kann uns allen nicht schaden. Gute Nacht!", lächelte Mona, die den Blick ihres Großvaters nicht bemerkt haben zu schien...

Lilly

Fast eine Woche war seit der ersten Prüfung vergangen. Die vier Mädchen haben sich in ihre Arbeit gut eingelebt und der Laden lief besser denn je. Auch die Feen machten schon große Fortschritte. Es war erstaunlich, wie ähnlich die Feen ihren Gegenstücken waren. Momo schien, genau wie Mona selbst, ein großes Talent für das Übernatürliche zu haben. Im Gegensatz zu den Anderen drei Feen hatte sie keine Schwierigkeiten sich unsichtbar zu machen. Und bei der Blumenpflege konnte nur Yaya, Sunnys Fee, es ihr gleich. Jojo schien sich eher um ihr Aussehen zu kümmern und genau wie Joro und Sakura, hatten sich Sasa und Jojo gerne in den Haaren, wobei Sasa meist im Vorteil war, da sie um einiges besser im normales raufen war. Dafür war Jojo besser in den sogenannten 'Mädchensportarten', wie turnen und tanzen. Ja, die vier benamen sich genau wie die Mädchen. Doch, wie immer am Mittwoch sollte um Schlag Mitternacht eine Prüfung stattfinden. Und diesmal wussten sie schon vorher, was kommt. Denn sie mussten vorher die Namen aller magischen und 'normalen' Blumen kennen. Tagelang lernten zwei Mädchen. Sunny schaute nur nebenbei in ein Heft oder Buch, um sich zu bestätigen und Mona sah das alles ganz gelassen. Sie hatte sich einmal ein Buch von Majo Dai ausgeliehen und las es sich einmal durch, um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich alle kannte. Danach nahm sie es nie wieder in die Hand.
 

Wie das letzte Mal wurden sie um zwölf Uhr erwartet, doch sie mussten noch weiter. Das war das erste Mal, dass die vier Mädchen das Königinnenschloss sahen, da die Prüfung im Schlossgarten statt finden sollte. Mona und Sunny kamen aus dem staunen nicht mehr heraus. Hier konnte man keine einzige Blume missen. Nein, jede auch noch so unscheinbare Blüte fand hier ihren Platz. Sakura und Joro hatten eher Augen für das Schloss. Ein einziges Mal dort wohnen... Natürlich, Joro kannte viele große Villen, die für andere wie Schlösser aussahen und auch Sakura, deren Vater schließlich einmal sehr reich war, war nicht neu in dieser Schicht, aber so ein großes Schloss und so wunderschön... Es sah aus, als ob es gerade von unten nach oben, innen wie außen frisch gebohnert war, so glänzte es. Doch wurden alle von Mota in die Realität zurückgeholt.

"OK.", sagte sie langsam. "Ich werde jedem von euch eine Blumen zeigen und derjenige muss dann sagen, wie sie heißt. Verstanden?" Vier Köpfe nickten langsam.

"Als erste die Lilane. Die da." Mota zeigte auf eine fast ein Meter hohe Pflanze, welche an ihrer Spitze ein Büschel von knallgelben Blüten hatte.

"Ähm... Rainfarn?", überlegte Sakura. Mota Mota nickte und zeigte erst auf Joro und dann auf eine eineinhalb Meter große rosa Pflanze. Zischend sog Joro Luft durch ihre Zähne.

"Hunds-Rose!", entschloss sie sich schließlich. Die Antwort war ein Kopfschütteln. Sie hatte nur noch einen Versuch.

"Dann ist es die Essig-Rose. Die hab ich beim üben immer verwechselt.", sprudelten die Worte aus ihrem Mund. Sie hatte bestanden. Jetzt war Sunny dran. Ihre Blume war ganze zwei Meter groß und hatte große trichterförmige weiße Blüten.

"Ufer-Zaunwinde aus der Familie der Windengewächse.", meinte sie nach kurzen Überlegen. Auch sie hatte bestanden. Jetzt war nur noch Mona da. Gelassen wartete sie, bis sich die beiden Prüferinnen entschieden hatten. Nach einer kurzen Zeit zeigten sie auf eine ein Meter große, gerade gewachsene rotlilane Blume.

"Gewöhnlicher Seidelbast - Daphne mezereum. Aus der Familie der Seidelbastgewächse - Thymelaeaceae.", sagte sie nüchtern und ohne Umschweife. Die Prüferinnen waren baff. So gut wusste noch niemand vor ihr bescheid. Selbst die Königin hatte ein wenig überlegen müssen, bevor sie auch die lateinischen Namen nannte.

"Ihr alle habt bestanden, aber wenn ihr wollt, dann könnt ihr noch versuchen, die nächste Prüfung zu überspringen.", acht Ohren wurden gespitzt.

"In diesem Garten gibt es eine Blume, welche das königliche Kind in sich trägt. Erst, wenn ein reines Herz sie berührt, kann sie geboren werden. Aber diejenige, welche sie erweckt, muss sich auch ein Jahr lang um das kleine Ding kümmern.", erklärten die Prüferinnen. Doch das schien den Kindern sichtlich egal zu sein. Sie alle machten sich getrennt auf den Weg. Sakura und Joro berührten einfach auf gut Glück ein paar Blumen, aber nichts geschah. Sunny ging überlegend durch den Garten. An dieser Blume musste doch irgendetwas besonderes sein. Immerhin war das Kind der Königin in ihr. Mona hingegen konnte man nicht ansehen, dass sie irgendetwas bestimmtes suchte. Sie ging durch den Garten und begrüßte vereinzelt eine Blume, wenn sie sich zu ihr hin beugte. Sie spürte, den Blick ihres Beobachters, doch kümmerte sie sich nicht darum. Lächelnd blieb sie stehen, als sie ein Feld voller Mohn sah. Sie liebte diese Blumen. Schon immer hatte sie eine besondere Beziehung zu Blumen gehabt, aber besonders zu Mohn. Sie wurde sogar nach dieser roten vergänglichen Blume benannt. Sie beugte sich nach unten und nahm einen Mohnkopf in ihre Hand. Sie trug ihn regelrecht, doch ohne die Blume zu beschädigen, geschweige denn den Blütenkopf abzureißen. Als sie aufblickte, sah sie eine Lilie. Irgendetwas störte Mona an der Blume, doch sie wusste nicht was. Langsam ging sie auf sie zu. Sie spürte, wie ihr Beobachter gespannt die Luft anhielt. Ob das... Langsam und wie in Trance streckte sie ihre Hand aus, bis sie die riesige Knospe berührte. Diese leuchtete augenblicklich auf und alle in diesem Garten sahen erstaunt zu Lichtquelle. Schnell liefen sie dorthin. Sie sahen Mona, die mit geweiteten Pupillen und leicht geöffneten Mund auf eine riesige frisch geöffnete Lilienblüte starrte, in welcher ein kleines Baby mit grünen Haaren lag. Unschuldig lachend streckte sie die kleinen Hände zu dem erstarrten Mädchen aus.

"Du hast sie tatsächlich erwecken können. Dein Herz muss wirklich außergewöhnlich rein sein."

Erschrocken drehten sich alle außer Mona um. Vor ihnen stand eine wunderschöne Frau, deren Gesicht von einem Schleier verdeckt wurde. Augenblicklich knieten sich Mota und Mota Mota hin.

"Wir haben nicht gewusst, dass ihr hier seid, meine Königin.", sagten sie. Nun drehte sich auch Mona um. Königin? Als sich ihre Blicke trafen, erschrak selbst die so gefasste Königin. Diese unglaublich strahlenden grünen Augen. Diese unwirkliche Farbe, welche eher an Smaragde erinnerte. Sie kamen ihr so bekannt vor... Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder gesammelt hatte. Langsam und anmutig schritt sie auf ihre Tochter zu und nahm das kleine Ding in ihre Arme.

"Ich hoffe ihr werdet gut auf sie aufpassen. Immerhin ist sie eine Prinzessin. Ich gehe doch richtig in der Annahme, dass deine Freunde dir helfen werden?" Die vier Mädchen nickten nur kurz.

"Ich habe nur Angst, dass sie nicht immer bei ihrer kleinen Ziehmutter ist. Immerhin kannst du nicht einfach mit einem Baby nach Hause kommen." Die Königin seufzte. Endlich hatte auch Mona sich wieder gefasst.

"Keine Sorge.", sagte sie, ganz als ob sie zu jemanden von der Straße sprach. "Ich werde das schon regeln. Großvater hat schon des öfteren jemanden aufgenommen. Das ist bei Dr... uns so üblich." Oh man, jetzt hätte sie sich fast verplappert. Leicht skeptisch schaute die Königin sie an. Obwohl der Schleier ihr Gesicht verbarg, konnte Mona doch spüren, was ihr Gegenüber dachte.

"Gut. Ich werde die einfach mal vertrauen. Aber deinen Namen möchte ich trotzdem wissen. Und natürlich, wie meine Tochter heißen soll. Die Namensgebung ist Sache der Ziehmutter.", sagte sie schließlich.

"Ich bin Mona. Und ich denke, ich werde sie Lilliet nennen. Der alte Name der Lilie passt doch, da sie aus einer geboren wurde.", lächelte sie. Die Königin nickte. Lilliet. Das passte. Ein zeitloser Name, welcher gütig, aber auch erhaben klang. Ja, an den Namen, würde sie sich nicht lange gewöhnen müssen.

"Ähm, Mo-san?", schaltete nun Sakura dazwischen.

"Was ist den Sake?", wunderte sich die Angesprochene.

"Lilliet klingt vielleicht toll und hat auch einen Sinn, aber in unser Gesellschaft...? Ich meine, willst du ihr nicht vielleicht einen Namen geben, der weniger exotisch klingt?", war die lila Haarige verunsichert.

"Wozu gibt es denn Spitznamen?", Mona überlegte kurz. "Lilly. Ganz klassisch die verkürzte Form. Passt in eure Gesellschaft und in meine Kultur." Bestimmte das junge Mädchen. Dafür war für sie die Diskussion beendet.

Naja. Lilly. Das ging ja noch. Sakura machte sich noch viele Gedanken, während sie nach Hause gingen. Lilly schien sich wirklich wohl bei Mona zu fühlen. Die Beiden lachten unentwegt. Und wenn Mona sich nur mal eine Sekunde nicht um die Kleine kümmerte, wurde diese sofort maulig. Mona hatte dafür nur ein Lachen übrig. Aber Mona hatte so oder so Grund zum Lachen. Immerhin musste sie nächsten Mittwoch nicht zur Prüfung. Sunny war sich fast sicher, dass sie sonst auch hätte überspringen können. Immerhin wusste sie nicht nur den Blumennamen und die Familie, sondern auch beide lateinischen Bezeichnungen...
 

Als Mona endlich wieder zu Hause ankam, wurde sie, wie so oft von einem fragenden Troyes erwartet. Doch sein Blick glitt schnell von fragend über überrascht zu kalt und berechnend.

"Wer ist das?", fragte er sofort, als er das schlafende Kind in Monas Armen sah.

"Das ist Lilly. Und bitte sei nicht so laut. Sie ist gerade erst eingeschlafen.", flüsterte Mona. Doch so leicht konnte sie den alten Mann nicht abwimmeln.

"Was zum Teufel... Was hast du wieder angestellt?", zischte der sonst so gutmütige Troyes.

"Jetzt reg dich nicht so auf!", stöhnte Mona augenrollend. Als Mona ihm erklärte, wer sie war, hellte sich Troyes Miene auf. Doch es war kein freundliches oder liebevolles Lächeln. Nein. Es war fast grimassenartig. Die Augen zu Schlitzen verengt, sah Mona ihren Großvater berechnend an. Sie nahm sich vor in nächster Zeit besser aufzupassen.

Schließlich wünschte sie ihm eine gute Nacht und verschwand mit Momo und Lilly nach oben. Dort zauberte sie erst einmal ein kleines Babybettchen herbei, wo sie Lilly behutsam hineinlegte.

"Ja. Ich muss besser aufpassen.", flüsterte Mona. Momo nickte bekräftigend. Sie wusste wohl, was ihre Freundin dachte. Die kleine Fee verschwand in ihrer Feenkugel und Mona schlüpfte nicht ins Bett, bevor sie die Dachluke von oben verschloss.

Troyes hörte das klicken vom Scharnier. Im dunkeln sitzend schielte er nach oben.

"Ich muss in nächster Zeit besser aufpassen." Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, saß er noch lange dort, ohne sich zu bewegen...

die Referenten

Oh, die Millie war heute seeeeehr fleißig ^^
 

Ich hoffe sie gefallen trozdem alle, auch wenn die drei kapitel fast alle am gleichen tag entstanden

waren. nur bei 'lügen' hab ich am vorigen tag schon etwas geschrieben, aber was soll s...

interessiert so oder so keinen, nischa?
 

schreibt bitte viele viele kommis!!! ich habe keine lust eine geschichte zu schreiben, die nur eine liest!!!
 

dieses kapi widme ich übrigens berit, die mich immer so fleißig kommentiert und AMW... keine

besondere bedeutung darin, aber immerhin^^
 


 


 

Am nächsten Tag wurde Mona nicht von Sakura abgeholt. Die kleine Hexe hatte sie früh morgens mit

einem Anruf aus dem Bett gescheucht und ihr einen anderen Treffpunkt gesagt, da sie noch etwas

erledigen müsste. Sakura war erstaunt, als sie die Ecke nannte, in der sich die Jungs sonst immer

trafen. Doch das Mädchen war so müde, dass sie es nur in ihrem Hinterkopf speicherte und dann

langsam ins Bad trottete.

Mona war schon sehr früh aufgestanden und schmierte sich nur schnell ein paar Brote, welche sie

unterwegs essen wollte, bevor sie sich ihre Tasche schnappte Lily auf ihren Arm nahm und sich von

ihrem Großvater verabschiedete. Ihre Brote verzehrend ging sie durch die Straßen, zum 'Magic Flower'.

Sie war sich sicher, dass schon jemand dort war. Blumen brauchten viel Pflege und sie warteten nicht,

bis man von alleine aufwacht. Außerdem müsste der Laden bald von der Teilzeitkraft geöffnet werden.

Sie wollte gerade die Tür öffnen, als sie eine vertraute Stimme hinter sich hörte.

"Der macht erst in zehn Minuten auf.", sagte Ryo. Verwundert sahen sich die beiden an. Ryo hatte fünf

kleine Kinder um sich herum, allesamt mit schwarzen oder dunkelbraunen Haaren. Aber Ryos

ungewöhnliche Augen hatte keiner. Mona erkannte die kleine Maja, welche ungeduldig an seiner

Schuluniform zupfte. Ryo dagegen wunderte sich, was Mona so früh hier machte - mit einem Baby in

ihrem Arm.

"Das ist Lilly", erklärte Mona lächelnd. "Ich wollte Frau Dai bitten auf sie aufzupassen, während ich in

der Schule bin. Großvater ist mir da doch ein wenig zu alt." Sofort biss sich Mona wieder auf die Lippen,

während Ryo sie ermahnend anschaute.

"Nein. Das ist nicht der wirkliche Grund, aber bitte frag nicht, ja?" Mona schaute ihn etwas unsicher und

scheu an. Dieser nickte nur kurz und Mona beeilte sich in den Laden zu kommen. Dort war gerade Majo

Dai dabei, die Ersatzkraft auszuschimpfen, weil sie zu spät da war. Bei diesem Anblick konnte Mona

sich ein lachen nicht verkneifen. Als Majo Dai sie verwundert anschaute, erklärte sie schnell, dass

Großvater viel zu tun hatte und deshalb nicht auf ein kleines Kind aufpassen konnte. Majo Dai sagte

schnell zu, dass sie auf das kleine Ding aufpassen würde, bevor Mona sich beeilte zu dem wartenden

Ryo zu kommen. An der Ecke warteten auch schon Baji, Ailin und zu Ryos erstaunen auch Sakura.

Gemächlich gingen die fünf Freunde zur Schule, wobei sie einen kleinen Umweg machen musste, um

Ryos Geschwister abzubringen.
 

"Mist" Mona war sofort stehen geblieben, als sie um fünf vor acht das Schulgelände betrat. Die Anderen

schauten sich fragend zu ihr um.

"Ich komm schon wieder nicht zu spät. Aber es wird bald regnen. Da hab' ich jetzt keine Lust draußen

zu warten.", stellte sie fest.

"Ist so oder so egal, ob du etwas später kommst. Wir haben in der ersten Sport!", lachte Ailin.

Langsam trotteten sie zur Sportanlage. Sakura wunderte sich, wie Mona darauf kam, dass es bald

regnen würde. OK, ein paar dunklere Wolken waren am Himmel, aber die hangen da schon etwas

länger. Warum sollte es ausgerechnet jetzt regnen? Aber Mona sollte recht behalten. Während sie sich

umzogen fing es urplötzlich zu gießen an. Der Lehrer versuchte gar nicht erst sie alle zum Geländelauf

zu scheuchen, was er eigentlich vorhatte. Seufzend bat er die Mädchen Schwebebalken und

Bodenturnmatte heraus zu hohlen. Die Jungs durften derweilen Basketball spielen.

Als alles fertig aufgebaut war setzten sich die Mädchen in einem Halbkreis um ihren Lehrer und

warteten auf seine Anweisungen, während die Tür aufging. Herein kam Frau Ransho mit einem jungen

kupferhaarigen Mann. Die Mädchen waren hin und weg. Nur Mona und Sakura nicht. Die Beiden waren

zu beschäftigt, sehnsüchtig beim Basketball zu zugucken.

"Entschuldige, wenn ich störe, aber ich muss euch wohl kurz unterbrechen. In den ersten und zweiten

Klassen werden ab heute zwei Referenten mit unterrichten. Der junge Mann neben mir heißt Kyle Miller

und wird im Sportunterricht dabei sein." Als Mona den Namen hörte, fuhr sie herum. Sie wurde noch

blasser, als sie schon war, als sie in Kyles russischgrüne Augen sah. Dieser legte den Kopf etwas schief

und grinste Mona diabolisch an. Als das Mädchen den Schreck überstanden hatte, wurden ihre Augen

zu kleinen Schlitzen. Funkelnd sahen sich die Beiden an. Doch die Lehrerin schien das gar nicht

bemerkt zu haben.

"Der junge Mann kommt aus Irland. Ich hoffe ihr werdet ihn genau so akzeptieren, wie die anderen

Lehrer."

Die Mädchen riefen wie aus einem Mund "JA!" in der Hoffnung, dass die eigene Stimme am lautesten

war und dieser süße Mann sie wenigstens eine Nanosekunde bemerkte. Von den Jungs kam eher ein

grollendes "Mmmh...". Sie hatten bemerkt, dass die Mädchen auf diesen Typen flogen und sahen nun

sehr niedrige Chancen bei einer zu landen. Die Chaos-Truppe sagte jedoch gar nichts. Sie sahen

erstaunt Mona an, die wutentbrannt den Neuen in die Augen starrte. So hatten sie das Mädchen noch

nie gesehen. Und auch dieser Kyle schien Monas Anwesenheit nicht gerade zu genießen.

"Jetzt aber weiter!" Der Sportlehrer rief wieder Ordnung auf. "Als erstes werden wir jetzt mal am Boden

Radschlagen. Fräulein Tepai? Würden sie bitte anfangen?" Lächelnd ging Joro an die Matte. Sie war sich

sicher, dass sie jetzt bei dem süßen Neuen punkten konnte. Immerhin war sie Klassenbeste im turnen.

Die ganze lange Matte lang machte sie perfekte Radschläge.

"Sehr gut. Die Nächste?" Ein Mädchen nach dem anderen gab ihr bestes, aber so gut wie Joro konnte es

tatsächlich keiner.

"Mona Druì?" Mona ging grummelnd zur Matte und wollte gerade anfangen, als sie unterbrochen wurde.

"Einen Moment bitte." Die Mädchen schmolzen regelrecht bei der tiefen Stimme Kyles. Nur Mona

schaute wütend auf. Sie schien zu wissen, was jetzt kommt.

"Ich bin mir sicher, das Fräulein Druì mehr kann, als nur ein paar Räder.", lächelte er boshaft. Die Jungs

hatten mal wieder aufgehört zu spielen und schauten nun genau so verwundert, wie die Mädchen, auf

die beiden Iren.

"OK. Druì? Dann mach etwas anderes. Wenigstens wir kommen weiter.", seufzte der Lehrer.

"Ich hätte da eine Idee. Wie wäre es mit dem Schwebebalken. So viel ich weiß findet Mona Bodenturnen

viel zu langweilig. Und wo wir schon dabei sind. Wie wäre es mit der Übung 22?", lächelte Kyle.

"Was für 'ne Übung 22?", fragte Der Sportlehrer zweifelnd.

"Mona weiß, was ich meine. Nicht wahr, Mona?" Die Angesprochene lächelte nur verkrampft. Tief

durchatmend stampfte sie zum Schwebebalken. Ohne große Schwierigkeiten sprang sie in dessen Mitte

herauf.

"Und vergiss deine Beinhaltung nicht." Immer noch lächelnd schaute Kyle belustigt auf das Mädchen.

Diese schloss ihre Augen, atmete noch ein mal tief ein und machte einen Flick-Flack. Doch dabei blieb

es nicht. Auf einer Stelle bleibend machte sie immer mehr davon und wurde immer schneller.

Schließlich stieß sie sich mit den Füßen ab und machte einen gestreckten Salto in der Luft mit einer

integrierten Schraube. Wohlbehalten landete sie auf ihren Füßen. Mit den Armen stellte sie wieder das

Gleichgewicht her. Als sie sicher stand sprang sie vom Balken und starrte ihn an. Als die beiden grünen

Augenpaare sich trafen, schnaubte sie auf.

"Zufrieden?", presste sie durch ihre Zähne hindurch. Das Lachen vom Angesprochenen wurde noch

breiter. Mona grinste ihn verkrampft an. Ihre Zähne immer noch zusammen gepresst. Sie ging wieder

an den Mädchen vorbei und setzt sich neben Sakura, welche nur ein erstauntes "WOW!" heraus bekam.

Dann tat sie es der ganzen Klasse nach. Sie starrte mit offenem Mund die Irin an. Das Glockenläuten

kam ihr gerade recht. Sie war als erste aufgesprungen und ging in die Umkleidekabine. Es war wohl das

erste Mal, das der Sportlehrer seine Klasse darauf aufmerksam machen musste, dass sie sich umziehen

konnte. Mona war schon dabei ihre Sportsachen in ihre Tasche zu stopfen, als die anderen Mädchen

herein kamen.

"Kyle-sensei ist ja so süß.", schwärmte Joro immer noch. Ein ungläubiges Schnauben von Mona war die

Antwort.

"Süß?", fuhr sie das blonde Mädchen an. "Dieser Kerl ist das dümmste Warzenschwein was frei

herumlaufen darf. Oh, wie ich Kyle hasse!" Bei diesen Worten öffnete sie die Tür, wo sie von einem

kupferfarbenem Kopf begrüßt wurde.

"Ich liebe dich doch auch, Kleines.", grinste Kyle. Mona schmiss die Tür zu, dass die Wände wackelten.

Verwundert wurde die Tür der Jungenkabine geöffnet und ein halbnackter Baji schaute verwundert in

den Flur.

"Du kannst froh sein, dass ich versprochen hab' dich nie wieder zu schlagen!", fauchte Mona nur, bevor

sie ganz nach draußen stapfte.

"Autsch." Kam daraufhin nur von einem belustigten jungen Mann. Auch Sakura kam nun heraus. Sie

wollte Kyle gerade etwas fragen, als sie Baji entdeckte - den Oberkörper frei. Sie lief tomatenreif an und

vergaß völlig, das Kyle immer noch im Raum war. Fast mechanisch drehte sie sich um und ging nach

draußen. Kyle schaute sie überrascht an. Dann drehte er sich mit hochgezogenen Augenbrauen zum

nun grinsenden Baji, welcher gerade die Tür wieder schloss. Auch er hatte den halbnackten gerade

reifenden Körper gesehen. Wieder fing er an zu lächeln. Diesmal aber eher liebevoll.

"Nicht schlecht..:", murmelte er vor sich hin, während auch er ins Freie trat.
 

Sakura beeilte sich durch den Regen zu kommen. Sie sah noch, wie Mona die Tür zum Haupthaus

hinein ging und beschleunigte ihre Schritte aufs neue. Keine Minute später sah sie Mona, die ihre Haare

schüttelte und, immer noch mit grimmigem Gesicht, ihre Schuhe wechselte. Wenn das Mädchen so

schaute, war sie zum fürchten. Schnell zog auch Sakura ihre Schuhe um und zusammen gingen sie die

Treppen hinauf in den zweiten Stock. Dort in das Klassenzimmer der 2-1 - ihr Klassenzimmer. Doch sie

waren nicht die ersten. Im Raum stand Frau Ransho, den Neuankömmlingen den Rücken zugewendet,

und sprach mit jemanden, den sie verdeckte. Mona ging schnurstracks in die hinterste Reihe und setzte

sich nicht, bevor sie ihre Tasche auf ihren Tisch knallte. Die beiden Erwachsenen sahen erstaunt auf

und erschraken ein wenig, als sie in Monas grimmige Miene sah. Doch das erstaunte Gesicht des

Gesprächpartners wechselte augenblicklich, als er erkannte, wer vor ihm war. Er tat etwas, was niemand

in dieser Situation erwartet hätte. Er lachte laut auf. Prustend ging er auf die Zähne knirschende Mona

zu, während sich an der Tür schon ein Stau gebildet hatte, weil jeder Angst hatte in Monas Blickfeld zu

kommen.

"Du hattest eben Sport?", fragte der junge Mann, mit den Bernsteinaugen.

Ein grummeln war die Antwort.

"Anscheinend hat Kyle eure letzte Rauferei noch nicht ganz vergessen...", fragte er Bauch haltend.

"Nicht ganz vergessen? Dieser verdammte... Arrgh! Mir fällt nicht mal ein Name für ihn ein, was auch

nur annähernd gerechtfertigt wäre. Aber alle Schimpfwörter, die es auf dieser Welt gibt, wären eine

Beleidigung für diese. Was machst du hier eigentlich Dylan?", gerade als Mona richtig warm gelaufen

war, bemerkte sie, wer eigentlich vor ihr stand.

"Hat Kyle nichts gesagt? Nein, wohl nicht. Ich bin der zweite Referent.", lachte der braunhaarige Mann

mit der Wuschelmähne. Augenblicklich hellte sich Monas Miene auf. Jauchzend sprang sie auf und

umarmte den etwas buffen Dylan, doch es dauerte nicht lange, das er die Umarmung erwiderte.

"Oh man, willkommen in Tokyo! Das ist ja irre. Dann kannst du Kyle ja ein wenig ins Gewissen reden!"

Dylans Miene verfinsterte sich augenblicklich.

"Hör mal, Mona. Du weißt selber, dass ich dich liebe, aber ich habe mich damals nicht zwischen euch

gestellt und ich werde es heute auch nicht. Ich werde mich nicht zwischen den beiden Menschen

entscheiden, die mir am wichtigsten in meinem Leben sind!", ermahnte Dylan die völlig unbeeindruckte

Mona.

"Willst du gar nicht wissen, was er getan hat? Sonst hat es dich doch immer interessiert.", meinte diese

nur nüchtern. Dylan hob eine Augenbraue. Er konnte nicht bestreiten, dass es ihn brennend

interessierte, was Kyle jetzt schon wieder getan hatte.

"Übung 22 auf dem Schwebebalken." Erwartungsvoll wartete sie auf die Reaktion und es kam nicht

anders, als sie es erwartet hätte.

"WAS? Das letzte mal hattest du dir deine beiden Beine gebrochen. Du wärst fast für immer beschädigt

geblieben. Und der erwartet allen ernstes, dass du das wieder versuchst? Er müsste doch wissen, dass

du es tun würdest. Du würdest dir doch nie eingestehen wollen, dass du etwas nicht kannst..." Mona

schaute ihn etwas resigniert an. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Doch ihre Chance kam gerade

ins Zimmer getappt. Grinsend öffnete Kyle die Schiebetür zum Klassenzimmer. Er wollte Dylan noch viel

Glück wünschen. Doch etwas war ihm da zuvor gekommen. Oder eher jemand. Erschrocken sah er, wie

Dylan vollkommen entsetzt von der grinsenden Mona zu ihm kam. Er machte sich auf eine Salbe von

Worten gefasst. Aber besser jetzt ausstehen, als später die doppelte Portion.

"Kyle!" Und schon ging es los. "Was hast du dir nur dabei gedacht? Wie konntest du Mona nur

auffordern, die Übung 22 zu machen? Ich bin enttäuscht von dir. Ich hätte dir wenigstens ein wenig

mehr Gewissen zugetraut. Wenn du nach Hause kommst, dann werden deine Sachen nicht mehr im

Zimmer sein. Du schläfst auf der Couch! Und bild dir bloß nicht ein, das du etwas zu essen bekommst.

Koch gefälligst selber." Die letzten beiden Sätze hatte Kyle schon gar nicht mehr mitbekommen. Die

Worte schlafen und Couch in einem Satz verhießen nie etwas gutes. War er wirklich zu weit gegangen?

Eigentlich wollte er doch ab heute Abend den süßen Wuschelkopf besser besinnen. Daraus wird wohl

nichts...

Wie ein begossener Pudel stand der Kupferhaarige auf dem Gang und starrte auf die geschlossene Tür.
 

Im Klassenzimmer war es ganz still geworden. Nur Mona grinste in sich hinein. Oh, wie sie solche

Szenen liebte. Nicht, das sie Schadenfreudig veranlagt war, oder sich gar über das Leid anderer freute.

Sie liebte es nur zu sehen, wie Kyle von anderen in den Sand gesteckt wurde. Und am liebsten, wenn

das Dylan tat. Auch, wenn sie dabei immer Mitleid hatte. Wegen dem Braunhaarigen, welcher bei so

etwas immer litt. Doch der schien es schon wieder vergessen zu haben. Lächelnd fragte er, was denn

auf einmal mit allen los sei. Ja, Mona war nicht die einzige, die eine perfekte Fassade um sich aufbauen

konnte.

"Sie kennen Mona?", fragte Frau Ransho überflüssiger Weise. Doch ihr war alles Recht, um diese

beklemmende Stille zu brechen.

"Ich glaube, sie hätten unsere Akten genauer lesen müssen. Kyle und ich kommen aus einem kleinen

Dorf in der Nähe Dubh Linns. Genau wie Mona. Außerdem ist Mona rund um die Hauptstatt mehr als

berüchtigt!", lachte der eben noch so Wütende.

"Wir kommen aus dem gleichen Dorf!", lachte nun Mona auf, die ihre schlechte Laune vollends

vergessen hat.

"Ich muss mich wohl noch für mein Verhalten eben entschuldigen.", nahm nun Dylan wieder das Wort.

"Und natürlich für Kyles vorhin. Wissen sie, die beiden sind zwei regelrechte Streithähne. Und manchmal

gehen sie weiter, als unbedingt nötig. Ich glaube, wenn jemand einen von ihnen nicht ab und zu

bremst, dann würden sie sich gegenseitig umbringen und gar nicht so genau verstehen, warum der

andere nun nicht mehr da ist. Ich glaube, sie würden sich nicht mal schuldig fühlen."

"Hey. Ich bin skrupellos, aber kein Unmensch.", empörte sich Mona. Mit ihrem Schmollmund, den sie

jetzt aufgesetzt hatte, bekam sie immer ihren Willen.

"Wissen sie, wenn sie sich so gut kennen, ist es wohl besser, wenn sie Mona nicht unterrichten. Sie

würden sie wohl bevorzugen.", meinte die Klassenlehrerin etwas unsicher. Jetzt war es an Mona und

Dylan erstaunt zu gucken. Warum bevorzugen? Doch endlich klickte es auch bei Dylan.

"Oh, sie missverstehen mich.", lachte er wieder auf. "Wir werden sie wohl eher härter ran nehmen, als

die anderen. Kyle, weil er Mona bis ans äußerste treiben will und ich, weil ich möchte, dass meine kleine

Prinzessin die beste der ganzen Klasse wird." Darauf hin hörten sie ein ironisches "Juhu!"
 

Die Stunde ging noch im Gerede unter, bis es zehn Minuten später klingelte. Niemand hatte bemerkt,

dass sie schon so lange mit einander geredet hatten.

"Tja, das war wohl unsere Musikstunde.", meinte Frau Ransho baff. Schnell war Dylan wieder auf Mona

zugegangen und zog eine große Schachtel aus seiner Tasche.

"Ich hab dir Kekse mitgebracht. Deine Freunde dürfen auch ruhig, wenn sie wollen." Das ließ sich

niemand zwei Mal sagen. Mit Freuden sah Dylan, dass Mona endlich richtige Freunde bekommen hatte.

Er hatte es sich so für sie gewünscht. Doch zu dieser Zeit? War es klug da Freundschaft zu schließen?

Eine Freundschaft, tiefer als alles andere? Es würde Mona und auch den Anderen bestimmt eines Tages

das Herz brechen. Das blondrote Mädchen schien zu bemerken, was in ihrem alten Freund vor sich

ging. Sie nickte ihm lächelnd zu und dieser verstand. Endlich nahm er sich auch einen Keks.

Vergessend, wer er eigentlich war und warum er hier war...

Streit (Part I)

Inzwischen sind sechs Tage vergangen, seit die beiden Referenten angefangen hatten. Kyle und Dylan waren in zwei Stunden zum Mädchenschwarm der ganzen Schule geworden. Ryo fand das ganz gut. Endlich hatte Joro jemand Neuen gefunden, den sie Nerven konnte. Ja, er fand es richtig gut. Baji sah das alles allerdings anders. Er hatte es immer genossen, wenn die Mädchen ihn umschwärmten. Er fand das toll! Außerdem konnte er so Sakura immer eifersüchtig machen, was er mehr als genoss. Das war wirklich doof. Mona konnte darüber nur lachen. Sie sagte nicht warum, aber aus irgendeinem mysteriösen Grund fand sie es äußerst komisch, dass gerade Kyle und Dylan Mädchenschwärme waren. Die beiden Betroffenen bemerkten es mit gemischten Gefühlen. Zum einen fanden sie es genau so belustigend wie Mona, gerade Kyle. Aber zum anderen fanden sie es gar nicht gut, wenn sie von Mädchen umschwärmt wurden. Ihnen war es unangenehm gegenüber den Lehrern, dass fast noch Kinder auf die Beiden standen. Aber es gab noch mehr Gründe...
 

Mit großer Belustigung hatte Kyle auch bemerkt, dass Mona sich kein Stück geändert hatte. Ihre Experimente fand er schon immer lustig. Er hatte es in früheren Zeiten ebenso getan. Dylan beobachtete das alles mit Stirnrunzeln. Er bezweifelte stark, dass Mona irgendwann erwachsen werden würde, genau so wie er es bezüglich Kyle bezweifelte.

Der Krieg zwischen Kyle und Mona ging ebenso weiter. Doch alles unter dem scharfen Blick Dylans, der aufpasste, dass keiner zu weit ging.
 

„Habt ihr schon das neueste gehört?“ Sunny war während der Pause mal wieder im Raum der 2-1, um mit ihren Freunden zu reden.

„Wir haben in letzter Zeit ziemlich viel gehört. Ob da jetzt auch deine Neuigkeit dabei war, wissen wir wohl erst, wenn du sie nennst!“ Es war ein typischer Spruch Bajis, der trotzdem noch äußerst Beliebt war.

„Ratet... Nein, darauf kommt ihr nie. Eine der Lehrerinnen bekommt ein Baby!“ Diese Neuigkeit hatte gesessen.

„Wer?“, kam es wie aus einem Mund.

„Das weiß ich nicht. Koji-kun hatte es aufgeschnappt, als er ins Lehrerzimmer musste! Das ist wirklich unglaublich, nur...“

„Ist er denn auch eine zuverlässige Quelle?“, wurde der Redeschwall von Ailin gestoppt. Er kannte das Temperament seiner Cousine mehr als genug und wusste, dass sie nicht aufhörte zu reden, wenn sie erst mal warm gelaufen war.

„Natürlich!“, empörte sich Sunny. Keiner außer Mona wusste, dass die Beiden seit den Sommerferien zusammen waren. Sunny hatte sich extra an Mona gewendet, da sie nicht so voreingenommen war, wie die anderen.

„Lass uns einfach Mal alle ausschließen, die unmöglich sind.“, schmunzelte Mona über Sunnys Empörung. „Bei den, die älter als vierzig sind, können wir es ruhig ausschließen, würde ich mal sagen.“

„Warum?“

„Es ist zwar nicht unmöglich, aber Frauen in diesem Alter wollen meist keine Babys mehr. Ist denn irgendeine der Jüngeren verheiratet?“

„Mazuki! Aber die kann keine Kinder mehr bekommen!“

„Woher weißt du das denn schon wieder, Sunny-chan?“

„Koji!“, sagte die Jüngste nur. Damit war alles klar. Er hatte es mal wieder aufgeschnappt, als er zum x-ten Mal zum Lehrerzimmer musste.

„Verlobt?“

„Nada!“

„Seit geraumer Zeit lädiert?“

Sunny schüttelte den Kopf.

„Wer bleibt denn eigentlich noch übrig?“

„Itama, Wakabaite, Ransho-sensei... Ach ja, Phu wird in drei Wochen vierzig. Ist sie auch auf der Abschussliste?“

„Knapp. Wir behalten sie im Hinterkopf.“

„Ich störe euer Gespräch ja nur ungern, aber ist euch eigentlich bewusst, dass ihr da in Privatsphäre eindringt?“, fragte Baji schnell an Mona und Sunny gewand.

„Baji-chan! Seit wann kannst du denn so schwierige Wörter wie Privatsphäre?“, freute sich Mona zu übertrieben, woraufhin sie sich einen wütenden Blick einfing.

„Seit wann stört die Beiden denn so eine Kleinigkeit?“, erwiderte Sakura nur.

„Ransho-sensei ist extrem hübsch.“, sagte Mona, ohne weiter auf die anderen einzugehen. „Mich würde es nicht wundern, wenn sie zig Verehrer hat! Aber ob sie einen von denen gleich ins Bett zerren würde? Da bin ich mir nicht sicher. Obwohl?...“, Mona schaute verträumt in die Luft, ohne weiter auf Bajis warnenden Blicke zu achten.

„Wakabaite? Na, ich weiß nicht... Aber so viel ich weiß, hatte sie letztens ein Blind-Date – ganz gut gelaufen.“ Da Sunny mit Abstand die jüngste an der Schule war und genau so niedlich wie hübsch aussah, war sie bei den Jungs recht beliebt und weckte sofort den Beschützerinstinkt. Über das ganze Viertel verteilt und ein wenig außerhalb hatte sie ihre ’Informanten’ und wusste deshalb eigentlich immer ganz gut bescheid, was gerade abging.

„Bei Itama bin ich allerdings ein wenig skeptisch. Ich glaub, die stirbt noch als alte Jungfer!“ Selbst Baji musste nach Monas Worten auflachen, doch es gefror schneller, als gedacht.

„Mona Druì!“, erklang die liebliche Stimme Frau Ranshos schrill im ganzen Zimmer.

„Ransho-sensei!“, Mona war sichtlich geschockt, gerade als Frau Itama hinter ihr hervorkam – die stellvertretende Schulleiterin! „Wie lange stehen sie schon da?“

„Seit der Sache mit der Abschussliste!“ Man konnte förmlich sehen, was Mona dachte. Pustekuchen, von wegen perfekte Fassade! Sie schloss die Augen und ließ ihren Kopf auf den Tisch fallen. Und noch mal. Und noch mal... Ruckartig schaute sie wieder nach oben.

„Entschuldigung?“, fragte sie unsicher. Doch bei den Blicken der beiden Lehrerinnen, gefror ihr unschuldiges Lächeln augenblicklich.

„Wir reden später noch darüber! Jetzt muss ich erst mal etwas anderes besprechen. Sie können ruhig hier bleiben, Yayoi. So viel ich weiß hat ihre Klasse jetzt ebenfalls eine Freistunde!“, meinte Frau Ransho. Sunny brauchte eine Weile, bis sie festgestellt hatte, von wem die Klassenlehrerin ihres Cousins sprach. Nur wenige nannten sie Yayoi! Erwartungsvoll setzte sie sich wieder auf den Stuhl, den sie vorher besetzt hatte. Sein Besitzer wurde ohne Rücksicht auf Verletzungen einfach wieder runtergescheucht.

„Gut.“, schmunzelte Frau Ransho. Nun nahm Frau Itama das Wort.

„Wie einige von euch bereits festgestellt haben,“, die Brillenträgerin schaute kurz zur Chaosclique. „Ist eine Kollegin unserer Schule schwanger. Eure Klassenlehrerin Frau Ransho wird die nächsten Monate zwar noch unterrichten, aber sie wird nach geraumer Zeit vertreten werden müssen. Ich bitte euch, sie in nächster Zeit nicht zu strapazieren!“ Bei den letzten Worten fixierte sie Mona, die völlig perplex dasaß und Frau Ransho ansah.

„Was ist mit unserem Experiment?“, fragte sie auf einmal lautstark.

„Das wird wohl oder übel ausfallen. Und zwar augenblicklich!“, lächelte Frau Ransho. Frau Itama wollte gerade losfragen, wovon sie reden, doch wurde sie von Mona unterbrochen, noch bevor sie anfangen konnte etwas zu sagen.

„Meinetwegen. Sie müssen nur zugeben, dass ich gewonnen habe und ich vergess’ die ganze Chose!“

„Also doch eine Wette!“, rief Baji aus. Er wurde nur eines flüchtigen Blickes gewürdigt, bevor Mona wieder zuckersüß lächelnd zu Frau Ransho sah. Diese lächelte zurück.

„Meinetwegen! Du hast gewonnen Mona und ich habe verloren. Bist du zufrieden?“ Ein breites Grinsen war die Antwort.

„Dann können sie ja endlich sagen, wer der Vater ist.“, meinte Mona nun fast sachlich, doch ohne ihre belustigte Miene zu verlieren. Der gesamten Klasse fiel die Kinnlade herunter, selbst Sunny und Sakura, die ja sonst nicht zimperlich waren, konnten es nicht fassen!

„Tut mir ja leid, aber das ist Privatsache! Du könntest höchstens raten, auch wenn ich nicht versichern kann, ob ich dich berichtige!“, Frau Ransho schaute lächelnd auf ihr Gegenüber, während die ganze Klasse das Zwiegespräch beobachtete. Mona überlegte kurz und die anderen dachten schon, es wäre endlich abgehakt, doch da hatten sie sich geschnitten. Eine Druì gibt niemals auf!

„Sono-sensei!“ Gespannt wartete sie auf die Reaktion des Schlagwortes. Und es war besser, als sie sich vorstellen konnte.

„Wie kommst du denn darauf?“, empörte sich die Lehrerin mit einem Gesicht, rot wie überreife Tomaten. Damit war für Mona die Sache glasklar. Herr Sono, der Sportlehrer, war der Vater.

„Ich wollte eigentlich erst mal alle männlichen Lehrer durchgehen, aber das ich gleich ins Schwarze treffe ist ja unglaublich!“, lachte sie auf. „Aber ich bin überrascht. Sono-sensei? Ich hätte gedacht, dass er nicht ihr Typ ist. Bis jetzt hatte ich noch nie falsch gelegen, aber diesmal wohl schon. Sono und Ransho. WOW!“ Bei den letzten Worten war die Irin immer leiser geworden und hauchte ihre Worte fast andächtig! Frau Ransho blieb nichts anderes übrig, als sich geschlagen zu geben.

„OK Mona. Du hast mal wieder gewonnen. Es ist Herr Sono!“ Plötzlich lachte die hübsche Lehrerin hell auf. „Wie kommst du darauf, dass Nita nicht mein Typ ist?“

„Nita?“, verwundert sah das Mädchen ihre Lehrerin an – dann klickte es bei ihr. „Ach, sie meinen Sono-sensei! Ich weiß nicht. Ich hätte gedacht, dass sie auf lustige und knuddelige Männer stehen.“

„Nita-kun ist lustig, es sei denn, er hat euch im Unterricht! Und wie kommst du eigentlich an diese Meinung über mich?“

„Naja, ich hätte gedacht, dass sie einen ähnlichen Geschmack wie ich haben. Und bei allem Respekt, aber mit Sono-sensei würde ich auch nicht ausgehen, wenn ich in seinem Alter und er der letzte Mann auf der Welt wäre!“ Mona erschauderte kurz bei dem Gedanken, doch bevor dieses Gespräch weiter ging, schaltete Frau Itama wieder ein, die die ganze Zeit völlig perplex daneben gestanden hatte und überlegte, wie eine Schülerin so offen über Lehrer reden konnte und warum Frau Ransho nicht eingriff – sie machte sogar mit und spornte Mona an!

„Ich störe eure angeregte Unterhaltung ja nur ungern, aber ich wunder mich, wie sie es einfach zu lassen können, dass ihre Schülerin so respektlos über Erwachsene und Lehrer redet!“, sagte sie spitz mit ihrer hohen Stimme.

„Jetzt regen sie sich doch nicht auf!“ Frau Ransho sah das alles sichtlich lockerer als Frau Itama. „Wir spaßen doch nur ein wenig miteinander und sie setzten sich doch immer dafür ein, dass unsere Schüler lernen ihre eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten!“

„Aber doch nicht in solchen Dingen!“, entrüstete sich Frau Itama. „Die Schüler haben nichts mit dem Privatleben der Lehrer zu tun und diese sollten sie auch nicht mit einbeziehen. Da könnte sich eine zu starke Bindung entwickeln, die nicht gut für das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist. Und ich muss wirklich befürchten, dass sie diese bei Druì schon entwickelt haben, so wie sie sich für sie einsetzten!“

„Ich setzte mich für sie ein, wie ich mich für jeden meiner Schüler einsetzte!“, erwiderte Frau Ransho freundlich, aber sichtlich genervt und angespannt.

„Wirklich.“ Frau Itama grinste fast diabolisch. „Sie würden also jeden ihrer Schüler erlauben, dass seine Schulkleidung nicht der Schulordnung entsprechend ist? Sie haben dafür extra dieses lange Formular ausgefüllt! Ich freue mich schon auf den Tag, an dem sie in den Schwangerschaftsurlaub gehen. Dann ist das Formular nämlich nicht mehr gültig.“

„Sie wissen, dass es ganz besondere Umstände in dieser Hinsicht sind. Ich weiß auch nicht alles, aber Herr Druì hatte mich darum gebeten, weil es so besser für Mona ist.“ Frau Ransho und Mona waren leichenblass geworden. Die Letztere hielt krampfhaft ihren einen Unterarm, der von den schwarzen Handschuhen bis zum Ellenbogen verdeckt war. Leicht abwesend schaute sie auf das Geschehen am Lehrerpult. Der Rest der Klasse schaute verwundert und irritiert zu Mona oder Frau Ransho; Sie alle hatten sich schon des öfteren gewundert, warum Mona es erlaubt war ihre Handschuhe immer zu tragen – selbst im Sportunterricht!

„Sagen sie, werte Kollegin, müssen sie nicht noch in ihr Büro? So viel ich weiß, haben sie noch eine Menge Termine, aber was weiß schon eine voreingenommene Schwangere?“, theatralisch legte Frau Ransho ihre Hand auf die Stirn und seufzte. Die spießige Andere ging sofort mit einem tötenden Blick von dannen. Frau Ransho sah ihr mit hochgezogenen Augenbrauen nach. Sie konnte diese Frau einfach nicht ausstehen und das beruhte auf Gegenseitigkeit – jeder im Kollegium wusste das. Schulische Besprechungen waren bis heute immer im Chaos geendet! Sie drehte sich zu ihren Schülern um, wo ihr Blick auf Mona fiel, die nun, leicht eingeschüchtert wegen den vielen Blicken, traurig auf ihren Tisch guckte. Lächelnd ging die hübsche Lehrerin auf das Mädchen zu, welches sie vom ersten Tag ins Herz geschlossen hatte. Sie hasste es sich einzugestehen, aber Frau Itama hatte recht: Frau Ransho mochte Mona tatsächlich lieber, als ihre anderen Schüler. Aber so was war doch normal, dass man einen lieber mochte, als einen anderen. Gefühle waren niemals neutral! Nur wusste sie, jetzt wo sie vor dem Mädchen stand, nicht, was sie sagen sollte.

„Ich wollte ihnen wirklich keine Schwierigkeiten machen.“, murmelte die Rothaarige.

„Hast du nicht. Wenn nicht wegen dir, dann streiten wir uns wegen irgend etwas anderem. Diese Paragraphenreiterin ist doch bloß wütend, weil ich nicht nur hübscher bin, sondern auch noch ein Kind mit dem hübschesten Kollegen bekomme!“ Mona musste lächeln.

„Er ist nicht mehr der Hübscheste, jetzt wo Dylan und Kyle hier sind.“, fiel das Mädchen wieder in ihre alte unbeschwerte Art zurück.

„Darüber lässt sich streiten.“, lächelte Frau Ransho. „So und jetzt muss ich wirklich los. Ich hab noch andere Klassen, die meine Umstände wissen wollen. Yayoi? Du sagst doch sicher deinen Klassenkameraden Bescheid, die in einem meiner Kurse sind?“ Wie zur Bestätigung salutierte Sunny im sitzen. „Gut. Na, dann macht’s gut. Wir sehen uns morgen!“ Ein wenig beschwingter als sonst ging Frau Ransho aus dem Klassenzimmer.

„Was haben wir jetzt noch gleich?“, fragte Sakura schnell, um die Gedanken und Blicke von Mona abzuwenden. Dankbar lächelnd schaute diese ihre Freundin an.

„Doppelstunde Kunst mit Dylan!“, antwortete Ailin. Ein paar Minuten später waren alle ersten und zweiten Klassen, die Kunst gewählt hatten, im Kunstraum. Die nächsten beiden Stunden vergingen wie im Flug. Alle hatten das Gefühl die Stunden wären zu Ende, kaum dass sie angefangen haben zu zeichnen. Mona legte die Bilder der Clique weg, als die anderen zu Dylan eilten.

„Dylan-sempai, können wir dich mal was fragen?“ Der Angesprochene nickte leicht verwundert.

„Was ist das für ein besonderer Umstand, dass Mo-sama ihre Handschuhe anbehalten darf?“ Jetzt wunderte sich Dylan noch mehr.

„Sagt bloß, euch ist es erst jetzt aufgefallen?“

„Ach Quatsch. Wir haben uns schon die ganze Zeit gewundert, aber wir dachten, dass sie es einfach aus Trotz trägt oder so. Aber Ransho-sensei hatte jetzt von solchem Umstand gesprochen, als sie sich mal wieder mit Itama in der Wolle hatte!“

„Und warum fragt ihr nicht Mona?“

„Du kennst sie doch wohl am besten. Dir müsste doch klar sein, dass sie es nicht so einfach rausrücken würde und wir möchten sie nicht zwingen, aber du weißt es ganz bestimmt und wir wollen es doch so gerne wissen, immerhin ist sie unsere Freundin.“

Der Wuschelkopf überlegte kurz, was er jetzt sagen sollte.

„Tut mir ja leid.“, entschloss er sich schließlich. „Aber wenn Mona es euch nicht sagen möchte, dann wäre es ihr gegenüber nicht fair, wenn ich es euch verrate. Bitte seid ein wenig nachsichtig mit ihr, aber sie braucht ihre Zeit, bis sie jemanden voll und ganz vertraut. Sie mag euch wirklich gerne, aber sie braucht halt ihre Zeit.“ Die Kinder nickten. Sie mochten das Mädchen doch so gerne, da könnten sie ihr gar nicht lange böse sein. Obwohl Mona immer so fröhlich tat, wirkte sie oft sehr gebrechlich und müde vom Leben – sie weckte selbst den Beschützerinstinkt der beiden Mädchen!
 

Jeder Tag nimmt einmal sein Ende und so auch dieser. Doch es gab ein paar Kinder, die gegen Mitternacht nicht in ihren Betten lagen. Genau genommen waren es vier Mädchen, die in eigenartigen Kostümen in einem kleinen Blumenladen standen. Die eine mit dem Baby auf ihrem Arm war nur mitgekommen um den anderen Glück zu wünschen. Und damit Majo Dai sich nicht langweilte. Diese durfte nämlich nicht mit zur Prüfung, da die drei Schülerinnen etwas alleine in der Hexenwelt finden sollten und damit sie nicht schummeln konnten, mussten sie alleine zu den beiden Prüferinnen – die Gabe der Telepathie konnten nur die wenigsten.

Jetzt waren die drei verschwunden und Majo Dai, Dai Dai und Mona machten es sich an einem kleinen Tisch gemütlich, wo sie Tee und Gebäck einverleibten, welche Mona mitgebracht hatte. Nach ungefähr einer viertel Stunde schreckten sie alle auf. War das nicht die Eingangsglocke, die da eben dingte? Mona beeilte sich nach unten zu kommen und nahm einen Besen in ihre Hand. Majo Dai schwebte auf ihrer Kehrschaufel lautlos zur Gegenüberliegenden Wand.

Etwas unsicher lugte Mona hinter ihrem Regal hervor. Da waren drei Gestalten im Gang, alle ohne Ausnahme größer als sie, was nicht äußerlich schwer war. Ihrer Schätzung nach, waren es drei Junge Männer – ungefähr in ihrem Alter, aber eher ein wenig älter. Sie schauten sich um. Wollten die etwa etwas mitgehen lassen? Lautlos schlich Mona zu den geheimnisvollen Ankömmlingen. Im sanften Mondlicht waren ihre Umrisse noch unheimlicher. Monas Hand klammerte sich um den Besenstiel. Schwer schluckte sie einmal. Sie holte aus und schlug einem von ihnen auf den Kopf. Er ging sofort Knockout. Jetzt kam Majo Dai ins Spiel. Aus dem Nichts ließ sie ein Netz erscheinen und fesselte damit die völlig irritierte Bande. Eine Wolke schob sich vom Mond weg und beschien die ganze Szenerie. Im Netz saßen Ailin, Ryo und der sich am Kopf haltende Baji.

„Wa... wa... was...?“, Mona bekam keinen ganzen Satz mehr zustande.
 

„Aua.“, jammerte Baji. Mona hatte schnell einen Eispacken hinter dem Tresen hervor geholt und legte ihn behutsam auf seinen Kopf.

„Tut mir wirklich leid, aber was macht ihr auch so spät noch hier?“

„Ailin-kun war sich sicher, dass Sunny-chan sich des öfteren aus dem Haus schleicht. Immer nachts um elf am Mittwoch. Und ich kann das gleiche von Joro behaupten. Es kam uns alles ein wenig spanisch vor, also sind wir ihnen gefolgt. Du glaubst ja gar nicht wie überrascht wir waren, als sie sich plötzlich mit dir und Sake trafen. Und dann auch noch in Richtung Dämon gingen. Oder eher zum ’Magic Flower’, wie sich herausstellte. Wir haben Ryo-kun geholt, der war so oder so noch wach. Tja, und als wir endlich hier unten waren haben wir uns erst nicht getraut herein zu gehen und später nicht getraut etwas zu sagen. Und dann hast du mir ein’s über’n Schädel gezogen und dieses Netz ist aus dem Nichts hervor gekommen und hatte uns gefesselt. Könntest du uns vielleicht jetzt mal erklären, was ihr hier macht, wo die anderen drei sind, wo Frau Dai ist, wo das Netz hergekommen ist und warum ihr tiefgefrorenes Eis hinter einer Theke habt, wo nie und nimmer ein Eisfach sein kann.“

„Ähm...“, Mona wusste nun überhaupt nicht mehr, was sie sagen sollte. Dann seufzte sie auf. „Na gut. Es ist wohl besser, wenn ich euch die Wahrheit sage.“ Majo Dai wollte gerade eingreifen, als sie Monas Hand sah, die ihr sagte ruhig zu sein. Mona schien eine Idee gekommen zu sein. „Wisst ihr, ihr haltet uns sicher für verrückt, aber wir haben hier im Garten eine Blume, die sich nur einmal öffnet und das bei Mondschein um Punkt Mitternacht. Und wir wollen es nun unbedingt sehen. Deshalb gehen wir immer Nachts hierher.“ Im Schein des von Wolken verdeckten Mondes konnten die anderen ihr Gesicht nicht sehen, sonst hätte Ryo sofort den Braten gerochen.

„Und warum immer nur Mittwochs?“, fragte Ailin skeptisch – er traute dem ganzen nicht so ganz.

„Die Blume lebt in einem Wochenrhythmus. Sie öffnet sich nur an dem Tag, wo sie auch eingepflanzt wurde. Und das war halt ein Mittwoch!“, sagte Mona schnell. Nervös kaute sie auf ihrer Zunge.

„Und wo sind die anderen?“, fragte nun Baji. Alleine das seine Schwester ihren Schönheitsschlaf aufgab, nur um eine Blume zu sehen, machte ihn skeptisch.

„Im Garten.“

„Frau Dai sicher auch“

„Ja.“, Mona wurde immer nervöser. Langsam spürte Ryo es in jeder Pore, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte. Mona log. Aber wenn er es sagen würde, käme Mona in Schwierigkeiten und die anderen würden wissen wollen, woher er das wusste. Sie würde ihn für verrückt erklären, wenn sie erführten, dass er so was spürte – quasi übernatürliche Kräfte hatte.

„Dann können wir sicher kurz mit ihnen reden.“ Mona wusste einfach nicht mehr weiter. Mit ihren Nerven auf dem Tiefstpunkt schaute sie erschrocken die drei Jungs an. Tief sog sie die Luft ein und hielt sie dann an. Gespannt und ängstlich, was jetzt geschehen würde. Und das Schlimmste trat ein.

„Majo Dai? Mona? Dai Dai? Wir sind wieder da!“

Streit (Part II)

der zweite Teil ist zwar wesentlic kürzer, aber ich fand es so am besten...
 


 

"Majo Dai? Mona? Dai Dai? Wir sind wieder da! Wir konnten zwar keine überspringen wie Mo-san, aber wir sind alle ein Grad weiter. Seid ihr noch da?" Mona stöhnte auf, als sie Sakura unverkennliche Stimme hörte. Und es kam noch schlimmer. Sie kamen in der vollen Montur in den Laden hinein, den Zauberstab noch in der Hand. Sakura sah erst gar nicht zum Eingang, sondern schaute die Treppe hoch und in die Nische, wo Lilly und Dai Dai noch waren.

"Wo sind die denn abgeblieben?" Jetzt sah sie Majo Dai in der Nähe des Eingangs schweben.

"Da bist du ja sensei. Aber warum bist du denn da oben? Und so leise? Freu dich doch mal, das wir einen Grad weiter sind. Und wo ist Mo-san eigentlich? Ach da i... Uhm... Ach du Scheiße!" Sakuras Redeschwall war urplötzlich abgebrochen. Endlich verstand sie auch, warum Joro und Sunny, welche die Meute sofort gesehen hatten, nichts gesagt hatten. Denn sie sah Mona mit Baji, Ailin und Ryo.

"Was zum...", Baji hatte endlich seine Sprache wiedergefunden, wusste nun aber nicht, was er sagen sollte. "Was geht hier eigentlich ab, verdammich noch eins? Nicht nur, dass Netze einfach so aus dem Nichts erscheinen und uns fesseln - wo ist es eigentlich abgeblieben? Lebt das auch in einem Wochenrhythmus? - und dass du Eis hinter einer Theke hervor holst und Kehrschaufeln an der Decke schweben. Nein, jetzt kommen auch noch meine Schwester und unsere beiden Mädchen aus dem Garten in einem mehr als eigenartigen Kostüm und einem noch eigenartigerem Stab, reden die Kehrschaufel mit Majo Dai an und sprechen von irgendwelchen geschafften Graden, die sie nicht wie du überspringen konnten. Noch dazu lügst du wie gedruckt, ohne das es dir irgendetwas auszumachen scheint! Und könnte bitte irgendjemand mal das Licht anmachen? Das geht total auf die Augen in diesem Halbdunkel." Weil keiner sich rührte und die Situation so oder so schon eskaliert war, schwebte Dai Dai zum Lichtschalter und betätigte ihn. Jetzt konnten die Mädchen endlich die Jungs sehen. Baji saß immer noch am Boden und kühlte seinen Kopf.

"Was ist denn mit dir geschehen?", Sakura war sichtlich geschockt von dem Anblick, den ihr Sandkastenfreund ihr bot.

"Mo-san hatte mir eines übergebraten. Mit einem Besenstiel." Alle Augen richteten sich nun auf die Neue, welche immer noch mitten im Gang stand und abwesend die Holzmaserung betrachtete, während sie auf ihrer Zunge rumkaute.

"Aber ich finde Baji-kun hat recht. Ihr schuldet uns mehr als nur eine Erklärung!", sagte nun Ailin.

"Wir sind Hexenschüler.", sagte Sunny schnell mit zusammen gekniffenen Augen, um die Reaktion ihrer Freunde nicht sehen zu müssen.

"Ha!", kam es nur ironisch vom Eingang. Zur Bestätigung schielte Joro zur Kehrschaufel, die sich langsam dem Boden näherte. Es erschien den Jungs ein kleiner grüner Klops, der ziemlich geschafft aussah.

"Wow. Was is'n das nun schon wieder?"

"Frau Dai?", erklärte Sakura nun etwas unsicher. Es gab einfach kein zurück mehr. Seufzend fing Majo Dai an, alles zu erklären. Anfangs wollten die Drei einfach nichts glauben und suchten überall nach dem Kabel oder der Fernbedienung, mit der man die vermeintliche Frau Dai steuerte, doch als sie endlich etwas zauberte, blieb ihnen einfach nichts anderes übrig. Die Jungs wurden in dieser Nacht ebenfalls Schüler des Klopses und wurden zur Arbeit abkommandiert. Nur Ryo musste nicht immer, da er im Cafe gegenüber schon arbeiten musste und Ailin konnte nicht jeden Tag, da er des öfteren Unterricht bei seinem Großvater hatte - immerhin erbte er eines Tages die Anlage und musste da eine Menge beherrschen! Doch die Drei hatten noch eine Sache glücklicher getroffen, als die Mädchen. Zauberer mussten keine Grade bestehen. Sie hatten so zusagen nur die Endprüfung, welche aber viel härter war, als die der anderen. Um zur eigentlichen Prüfung zugelassen zu werden, welche die gleiche war, wie die der anderen, mussten sie eine Vorprüfung bestehen, die nicht gerade einfach war!
 

Den ganzen Rückweg lang redeten die Freunde angeregt über alles und die Welt. Nur Mona war ruhig. Sie hing ihren Gedanken nach, welche sie seit der ganzen Chose beschäftigten. Die Anderen ließen sie.
 

Zu Hause angekommen begrüßte die Druidin ein leeres Haus, nur Momo war ein wenig ängstlich unter der Bettdecke. Verwundert ging Mona durch das ganze Haus, doch sie fand ihren Großvater nicht. Als sie endlich ihre Schuhe auszog, fanden sie ihren Platz neben einem leeren Fach, welches um diese Urzeit sonst immer gefüllt war. Immer noch in Gedanken ging sie nach oben in ihr Zimmer, schloss die Luke sorgfältig, legte Lilly in ihr Bettchen, trug Momo behutsam in ihre Feenkugel und legte sich selber in ihr eigenes Bett. Doch sie war noch lange wach. Selbst als sie die Tür des Hauses und die schweren Schritte eines alten Mannes hörte, lag sie still in ihrem Bett und schlief nicht ein...
 

Seufzend setzte Mona sich auf ihren Stuhl. Sie war sichtlich müde, doch war sie ohne Schwierigkeiten eine viertel Stunde zu früh in der Klasse angekommen. In der Ersten war zwar Sport dran, aber sie hatte ja noch genügend Zeit und warum sollte sie solange in diesem Wind warten, der draußen fegte? Da hatte sie nun überhaupt keine Lust zu. Als es endlich klingelte, schlenderte sie langsam nach unten, nahm ihre Sporttasche aus ihrem Spint und zog ihre Schuhe um. Dann ging sie immer noch langsam zur Sporthalle. Sie hatte nicht den dringenden Bedarf ihren Freunden in die Augen sehen zu müssen, nach dem was gestern abgelaufen war. Als sie endlich angekommen war, sah sie auch sofort die leicht schrägen Blicke der Anderen. Doch sie schienen ebenfalls nicht so dringend darüber reden zu wollen. Langsam gingen sie in die Umkleidekabinen und zogen sich um. Endlich in der Halle angekommen wollte sich Mona einfach auf einen der Bänke setzten, doch jetzt bewahrheiteten sich ihre schlimmsten Befürchtungen.

"Kann ich mal mit dir reden, Mo-chan?" Leicht verzweifelt drehte sie sich zu Ryo um. Doch als sie seine Augen sah, konnte sie einfach nicht anders. Seufzend nickte sie. Als sie wussten, dass niemand zuhören konnte, fing Ryo sofort an zu reden. Er schien richtig mitzufühlen. So viel Leidenschaft in dieser sonst so stillen und monotonen Stimme war man gar nicht gewohnt.

"Du hattest mir versprochen nicht mehr zu lügen.", fing er ohne Umschweife mit seiner Ermahnung an. Mona konnte ihm einfach nicht in die Augen sehen. "Sie mich bitte an, wenn ich mit dir rede. Du hast es mir versprochen und es schien mir nicht so, als ob es dir viel ausmachte. Wir sind deine Freunde, Mo-chan. Und zur Freundschaft gehört die Wahrheit. Natürlich konntest du uns nicht so einfach sagen, dass ihr Hexen seid, das verstehe ich ja, aber es schien schon fast Routine bei dir zu sein. Wir wissen einfach nicht, ob und wann wir dir trauen können. Bei dir weiß man nie, ob du lügst oder nicht. Wenn du wirklich unsere Freundin bist, dann lass das gefälligst sein." Immer noch sah Mona auf den Boden und Ryo verschwand aus ihrem Blickfeld. Als die Niedergeschlagene endlich wieder bei den anderen war, bemerkten es nur die wenigsten, weil sie gerade dabei waren Herrn Sono zu gratulieren. Kyle sah sie etwas anders an, als sonst. Nicht spöttisch oder amüsiert. In seinen Augen war nur ein einziges Gefühl vorhanden: Mitleid.

"Entschuldigung, wenn ich störe, Nita-sensei. Aber ich glaube Mona geht es nicht so gut. Ich gehe kurz mit ihr an die frische Luft." Der Angesprochene nickte nur kurz und Kyle nahm seine alte Freundin am Arm und zog sie aus der Tür. Die Chaos-Clique sah sich nur kurz an und war sich sofort einig. Sie würden ihr folgen. Draußen zerrte Kyle sie hinter die Schulmauer.

"Mona, warum hast du das schon wieder gemacht?" Die zweite Standpauke fing an und Mona wollte gerade abschalten, als Kyle weiter redete. "Du hörst mir jetzt gefälligst zu und denkst darüber nach. Ich weiß es kommt einen nicht gerade so vor, aber ich mach mir wirklich Sorgen um dich. Du wirst langsam genau so wie früher. Es kommt eine unangenehme Situation und du lügst. Man stellt dich zur Rede und du schaltest einfach ab. Wenn du ein Fehler machst, dann stehe wenigstens dazu. Jeder macht mal Fehler, aber man kann aus ihnen lernen. Ich habe wirklich Angst, dass du auf die gleiche Art davon läufst, wie letztes Mal." Mona schaute erschrocken zu ihm auf. Ihre Augen wurden langsam feucht.

"Ich werde nie wieder den gleichen Fehler machen wie früher.", zitterte sie.

"Das sagst du jetzt noch, aber was ist, wenn wir in ein paar Monaten wieder miteinander reden? Hör mal, wenn du Probleme hast, dann rede darüber. Dylan und ich nehmen uns gerne die Zeit und auch deine neuen Freunde, da bin ich mir sicher! Auch wenn ich nicht weiß, ob das so richtig ist."

"Was meinst du damit?"

"Ich freue mich wirklich für dich, dass du Freunde gefunden hast, aber... Du nennst sie Freunde, aber du lügst sie doch an und das ist keine wahre Freundschaft. Irgendwann musst du ihnen die Wahrheit sagen müssen und ich bin mir nicht sicher, ob du das auch kannst. Außerdem ist das nicht gerade die richtige Zeit, um Freundschaft zu bilden und das weißt du ganz genau." Mona konnte ihre Tränen einfach nicht mehr zurückhalten. Trotzig drehte sie sich um und schaute auf die vorbeifliegenden Blätter. Bei diesem Wind konnte man kaum die Straße erkennen!

"Mona du musst dich endlich entscheiden. Du hast drei Alternativen. Du kannst sie weiter anlügen und heile Welt spielen, ihnen die Wahrheit sagen, oder sie stehen lassen. Ich persönlich würde dir zu letzterem raten. Das wäre das beste für alle. Oder willst du dich unbedingt zwischen sie alle stellen und sie damit in Gefahr bringen?" Mona konnte einfach nicht mehr. Sie ging ein paar Schritte vorwärts - wollte alleine sein. Dann besann sie sich aber wieder und blieb stehen.

"Warum kannst du nicht einfach wieder so gemein sein wie früher. Das ist viel leichter für mich.", weinte sie.

"Mona. Ich weiß...", doch er wusste es nicht. Nicht was er sagen sollte und nicht was in dem Kopf dieses zerbrechlichen Geschöpfes vor sich ging. Es wurde auf einmal ganz still. Sie hörten nur ein Auto, was näher kam und den Wind, der die Sicht versperrte.

"Alles OK?", Kyle wusste die Antwort, aber diese Stille brachte ihn noch um. Das Auto war inzwischen schon ganz nah und er konnte Scheinwerfer sehen. Komisch, sie sind auf ziemlich der gleichen Höhe, wie Monas Silhouette. Auf der Gleichen? Stand Mona etwa auf der Straße? Das hätte sie doch bemerkt. Es sei denn... Plötzlich hörte er Reifen quietschen und ein leises Keuchen. Während die Scheinwerfer endlich zum stehen kamen prallte etwas schweres ungefähr einen Meter weiter auf den Asphalt.

"Mona!" Die Zuschauer und der Fahrer waren sichtlich geschockt. Kyle lief schnell zur Stelle, wo das Schwere aufgekommen war. Dort lag Mona. Sie blutete am Kopf. Ihre halb geschlossenen Lieder verbargen leere Augen. Eine einsame Träne rann noch über die kalte Wange...

Krankenhaus

Beep! Beep!
 

"Ein Wunder, dass sie überlebt hat!"
 

Beep! Beep!
 

"Schwere Gehirnerschütterung, drei gebrochene Rippen, zwei angebrochen, innere Blutungen,... Unglaublich!"
 

Beep! Beep!
 

"Diesmal wäre sie fast gestorben. So knapp war's noch nie!"
 

Beep! Beep!
 

Dylan und Kyle saßen in einem vollkommen weißen Raum neben einem Bett, wo Mona an diverse Geräte angeschlossen im Koma lag. Schon ganze drei Tage lag sie da, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. Nur ihr Herz schlug unregelmäßig, kam aber langsam wieder in seinen ursprünglichen Rhythmus. Die Blumen auf dem kleinen Tischchen waren schon fast verwelkt, doch die beiden Männer wollten nicht, dass sie verschwanden. Kyle war seid dem Unfall wie in Trance. Er gab sich die Schuld, dass das alles passiert war. Plötzlich hörten sie ein Stöhnen vom Bett aus. Sie sahen, wie Mona langsam ihre schweren Lider hob. Als erstes schaute sie sich um, dann bemerkte sie die Geräte, die an sie geschlossen waren.

"Wie lange war ich im Koma?", murmelte sie leise.

"Drei Tage. Wie geht's dir?", besorgt beugte sich Kyle zu ihr. Diese lächelte sanft.

"Bis auf die Kopfschmerzen ganz gut."

"Es tut mir so leid, Mona. Ich wollte doch nicht..." Mona schüttelte langsam den Kopf.

"Du hattest doch Recht."

Die Tür öffnete sich und herein kam der Stationsarzt. Er wurde bis eben gut eine halbe Stunde von der Chaos-Clique ausgefragt und war nun sichtlich geschafft. Die Kinder standen jetzt außerhalb des Zimmers an der Wand und horchten gespannt.

"Ah, sie sind wach?", freute sich der Arzt übertrieben ohne Rücksicht auf Monas Kopfschmerzen.

"Die Gardinen bleiben zu, dass Fenster kann ruhig auf.", stöhnte Mona nur routinemäßig.

"Was? Ach so... Wie geht's ihnen denn."

"Meine Kopfschmerzen haben sich in den letzten paar Sekunden verdoppelt.", witzelte Mona wahrheitsgemäß.

"Wirklich? Dann sollte ich sie lieber noch mal durchchecken." Der Arzt wollte gerade sein Stethoskop heraus holen, wurde aber von dem lächelnden Dylan gestoppt.

"Ich glaube kaum, dass es nötig wäre."

Der Arzt wunderte sich zwar, fand aber schnell seine Arbeit wieder. Er schien nicht der Hellste zu sein.

"Mmmh... Ja... Jetzt wo sie wach sind, können wir dann über ihre Medikamente sprechen, die sie in nächster Zeit nehmen sollten? Wegen den vielen Prellungen, sollten sie in nächster Zeit..."

"Heparin verträgt sich nicht mit den Medikamenten, die ich so oder so schon nehmen muss. Cumarine nur, wenn es in geringen Mengen verabreicht wird. Es sei denn, sie möchten mal life miterleben, wie die Nebenwirkungen aussehen. Sehr amüsant", Mona grinste ein wenig. "Auf jeden Fall für die anderen."

"Woher?", der Arzt schien mehr als perplex. Monas grinsen wurde noch breiter.

"Das ist immer so. Als erstes wird Thrombose angesprochen, dann kommen die Brüche und dann die inneren Blutungen oder die Organbeschädigungen."

"Ich habe in ihrer Akte schon gelesen, wie oft sie Unfälle dieser Art hatten, aber ich dachte, es wäre ein Fehler unterlaufen."

"Sie können medizinisches Irisch?", bewundernd lächelte das Mädchen den weißen Kittel an.

"Man hat einen professionellen Dolmetscher engagiert."

"Dieses Krankenhaus? Geht das in meine Rechnung?"

"Man hielt es schon für notwendig, bevor sie hier angekommen waren. So viel ich weiß, wurde es für alle Fälle schon in diverse Sprachen übersetzt, als sie noch in Irland waren." Mona hob ihre Augenbrauen, was ihre Kopfschmerzen wieder verschlimmerte.

"Ich werde sie erst mal in Ruhe lassen, aber ich muss sie nachher noch mal untersuchen und wir müssen über die weitere Therapie reden." Damit verließ der gestresste Arzt das Zimmer. Im Koma war diese Patientin ihm lieber. Sie schien mindestens so viel über Medizin zu wissen wie er - wenn nicht, dann mehr! Und ihre Freunde waren nicht gerade unangenehmer. Sie hatten zwar keine Ahnung von Medizin, fragten dafür aber umso mehr. Er freute sich schon auf den Tag, an dem er sie entlassen konnte. Jetzt erst mal einen Kaffe. Schnell ging er an der lauernden Meute vorbei und beeilte sich in die Mensa zu kommen.

Die Bande selber traute sich immer noch nicht hinein zu gehen. Als Sakura fragte, ob sie einen Kuchen und Kaffe wollten, bejahten die anderen das. Sie wussten, dass der Arzt wohl in die Mensa gegangen war. Nur Ryo zögerte kurz - auch er machte sich große Vorwürfe...
 

"Die Ärzte von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.", murmelte Mona.

"Mach ihm keinen Vorwurf. Das ist erst seine dritte Woche als richtiger Arzt und er hat heute das erste Mal die alleinige Verantwortung für diesen Flügel und seine erste Patientin ohne Hilfe anderer - und das bist ausgerechnet du! Kein leichter Fang.", ermahnte Dylan sie. Mona grinste wieder breiter, doch als sie Kyles Gesichtsausdruck sah, fror es augenblicklich ein.

"Kyle! Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen. Du hattest Recht. Ich muss mich entscheiden. Ich wusste es die ganze Zeit, aber ich wollte es nicht wahr haben. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll..." Mona seufzte leicht und schaute an die leere weiße Wand. Leer? Sie war ganz und gar nicht leer! Direkt vor ihrem Bett stand ein Tischchen mit diversen Blumensträußen. Manche waren schon am verwelken, aber andere waren erst am heutigen Tag gekommen. Ein Strauß fiel Mona in die Augen. Es war ein gänzlich verwelkter Mohnstrauß. Eine einzelne Blüte war noch rötlich gefärbt und das war ein Rosenkopf, der auf das Mädchen sehr einsam und traurig wirkte.

"Den hat Ryo dir mitgebracht!", erklärte Dylan, der dem Blick gefolgt war.

"Warum habt ihr ihn nicht weggeworfen? Er ist doch schon ganz verwelkt.", doch Mona kannte die Antwort.

"Du hättest uns umgebracht, wenn du es erfahren hättest!" Dylan wusste ganz genau, was Mona wollte. Ohne weiter darüber zu reden, ging er zum Tischchen, nahm den Strauß in die Hand und gab ihn mit einem Lächeln Mona. Jetzt schaute selbst Kyle wieder etwas glücklicher, aber auch gespannt. Er kannte es zwar zur Genüge, aber er liebte es immer wieder!

"Nun mach schon!", drängelte er schließlich, als noch nichts passiert war. Mona schloss die Augen und erinnerte sich an Mohn. Wunderschöne rote Blüten. Ein erfrischender Duft. Magie, die ein durchfließt, wenn man die zerbrechliche und doch eiserne Blume berührt. Der Strauß fing an zu glühen. Die Geräte zeigten plötzlich zwei Pulse. Einen schnelleren, der sich langsam beruhigte und einen neuen, der sich langsam aufbaute - bis sie im Einklang schlugen. Das ganze Schauspiel hörte augenblicklich auf. Mona atmete tief durch und schaute mit einem zufriedenen und sanften Lächeln die frisch erblühten vergänglichen Blumen an. Endlich hatte sie auch das kleine Schildchen gefunden. Es war ein schlichtes Weißes, wo in Ryos zackiger Schrift etwas drauf stand. Mona las es sich mehrmals durch und musste unwillkürlich immer breiter lächeln.

"Du wirst das bestimmt nie lesen, weil sie schon lange verwelkt sind, wenn du aufwachst und niemand, der normal im Kopf ist, so was liest, aber ich wünsche dir trotzdem eine gute Besserung. Vielleicht hilft der gute Gedanke ja auch etwas... Ryo"

"Ich hatte nicht Recht.", entschloss Kyle sich schließlich und riss Mona damit aus ihren Träumereien. "Na, die dritte Alternative ist nicht das Schlaueste. Du hast Freundschaft oder Liebe nie erfahren. Du hast dich immer von den anderen abgeschottet, um sie alle zu schützen. Aber wie kannst du dann Freundschaft und Vertrauen predigen? Wie sollst du für eine bessere Welt kämpfen, wenn du selber solche Gefühle und Situationen gar nicht kennst? Also wenn dir eine andere Möglichkeit einfällt: Bitte!" Die Jüngste und der Älteste in diesem Raum schauten leicht verwirrt auf den Kupferhaarigen. So vernünftige und gut überlegte Worte waren sie gar nicht von ihm gewohnt.

"Meinst du?", doch sie erfuhr nie die Antwort. Kaum, dass sie die Worte geendet hatte, klopfte es an der Tür.

"Können wir 'rein kommen?", Sakura lugte vorsichtig durch den Spalt und man konnte deutlich die Anderen sehen, die versuchten einen Blick in den Raum hinein zu erhaschen.

"Natürlich.", lächelte Mona auch wenn ihr etwas unbehaglich zumute dabei war. Sofort stürmte die Bande herein und schmiss Sakura fasst um.

"Wie geht's dir?", fragte Baji besorgt. Als Mona mit gut antwortete, seufzten alle erleichtert auf.

"Hör mal...", fing Sakura langsam an.

"Sake. Sag einfach, was du sagen möchtest und nimm auf mich keine Rücksicht."

"Heißt das, dass du jetzt einfach abschaltest?" Verwundert sahen die drei Iren Sakura an. Doch diese bekam einfach keinen Ton mehr heraus.

"Wir haben gelauscht, als du mit Kyle-sensei gesprochen hattest. Du weißt schon, bevor...", jetzt konnte auch Sunny nichts mehr sagen. Es wurde ganz still in dem vollen Zimmer. Auf allen Seiten wurden flüchtige Blicke getauscht.

"Schon OK.", durchbrach Mona schließlich die Stille. "Ich werde euch zuhören und mir Gedanken über eure Worte machen. Und ich werde mir alles anhören. Egal ob es mir gefällt, was ihr sagt oder nicht." Die Anderen waren sichtlich erleichtert das zu hören. Sakura sog noch einmal die Luft ein und fing dann endlich an mit der Sprache heraus zu rücken.

"Wir haben uns Gedanken gemacht und uns besprochen und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass du sicher deine Gründe hattest uns nicht die Wahrheit zu sagen." Wie sooft in letzter Zeit schaute Mona ein wenig bedröppelt aus der Wäsche. Sie war jetzt auf alles Mögliche gefasst gewesen, aber nicht auf das.

"Wir verstehen es zwar nicht, aber wir respektieren es, wenn du uns versprichst uns nicht mehr anzulügen. Wenn du etwas nicht aufklären möchtest oder dir etwas unangenehm ist zu sagen, dann kannst du uns einfach sagen, dass es nicht geht. Das ist OK.", erklärte nun Ailin.

"Wir... Es ist nur bei einer Sache wichtig, dass du uns da hier und jetzt die Wahrheit sagst.", sagte nun Ryo. Die Anderen wunderten sich zwar - sie hatten nichts weiter besprochen - aber es schien sehr wichtig für Ryo zu sein. "Ist deine Freundschaft uns gegenüber gelogen?"

"Nein. Ich mag euch wirklich sehr gerne.", bei den letzten Worten schaute Mona verlegen auf ihre Decke.

"OK, das reicht für mich. Da war kein Funken Lüge in deinen Augen, also sagst du die Wahrheit." Schon wieder war ein ungewohnter Enthusiasmus in Ryos Stimme. Aber plötzlich stockte er. Leicht verwirrt schaute er auf den Mohnstrauß, den Mona immer noch in der Hand hatte. Jetzt sahen auch die Anderen das Problem Ryos. Als erstes dachten sie, es wäre nur ein ähnlicher, aber dann sahen sie das kleine Schildchen mit Ryos unverkennlichen Schrift. Mona bemerkte die Blicke und wie so oft in letzter und nächster Zeit fühlte sie sich unwohl in ihrer Haut. Sie räusperte sich ein wenig.

"Ich habe einen... ganz besonderen Draht zu Blumen.", versuchte sie die ungewöhnliche Situation zu erklären.

"Besonders ist gut.", staunte Sunny nur.

"Ach...", Sakura schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. "Bevor wir es vergessen.. oder eher ich" Sie kramte in ihrer Tasche und holte Monas schwarze Feenkugel heraus in der Momo saß und gespannt wartete. Ohne weiter zu überlegen flog sie aus ihrer Behausung heraus und war damit auch für andere Augen sichtbar.

"Momo!", rief Mona freudig aus, was sie aber schnell bereute. Sie hatte ganz vergessen, dass Kopfschmerzen schlimmer werden bei hektischen Bewegungen und lauten Ausrufen. Mit leicht schmerzenden Gesicht begrüßte sie ihre Miniaturausgabe.

"Mona!" Ihre japanischen Freunde waren sichtlich geschockt, dass sie vor zwei Nicht-Zauberern so offen ihre Fee zeigte.

"Wir kennen Momo schon. Und wir wissen auch, dass ihr ebenfalls, genau wie Mona Hexen- und Zaubererschüler seit. Oder glaubt ihr im Ernst wir hätten nicht bemerkt, was mit den Blumen passiert war? Wir waren immerhin dabei! ... Ihr dürftet jetzt den achten Grad haben, oder?" Verwundert nickend beantworteten sie Dylans rhetorische Frage.

"Woher...?"

"Ach, wir hatten Momo schon des öfteren gesehen und Mona hat uns alles erklärt, so mit den Graden und so.", sprudelten die fröhlichen Worte aus Kyles Mund. Ryo schaute ihm tief in die Augen, was den älteren etwas rot anlaufen ließ. Irgendetwas stimmte nicht. Er log nicht, aber er sagte auch nicht die Wahrheit.

"Na, so ganz stimmte das nicht, aber so ähnlich.", murmelte Mona leise, aber deutlich. Das reichte den Anderen - immerhin hatten sie es versprochen...

Noch lange wurde geredet, doch irgendwann mussten Dylan und Kyle los. Sie verabschiedeten sich von allen, doch als Kyle Mona Tschüss sagte, flüsterte er ihr etwas ins Ohr, was sie zum Lachen brachte - ihre Kopfschmerzen waren mal wieder gestiegen.

"Darf man fragen, was..."

"Darfst du, Baji.", lächelte Mona. "Er hatte nur zum x-ten Mal bemerkt, was für wunderschöne und ungewöhnliche Augen Ryo-kun hat." Wie so oft wurde Mona unverständlich angeschaut, doch plötzlich hellte sich Sakuras Miene auf.

"Pass lieber auf, Dämon. Sonst passiert noch ein Missgeschick!" Alle bis auf Mona und Ryo lachten. Ryo fand es einfach nicht lustig - gerade weil der Scherz auf seine Kosten ging. Mona dagegen grinste nur in sich hinein. Die Anderen dachten, es wäre wegen ihren Kopfschmerzen, aber da irrten sie sich. Denn sie wussten gar nicht, wie Recht Sakura mit ihrer Bemerkung hatte...
 

Irgendwann geht jeder Tag zu Ende und dieser auch. Schweren Herzens verabschiedeten sich die Freunde. Mona musste noch ein paar tage länger bleiben, dass sagte auf jeden Fall der Arzt. Doch sie hatte jetzt ja Gesellschaft von Momo.
 

Ein paar Tage später wurde Mona in ein anderes Zimmer gebracht. Es waren drei Betten drin, doch nur eines war besetzt. Mona durfte wählen zwischen den beiden Freien. Das Eine war am Fenster und das Andere daneben an der Wand. Sie entschied sich für das Fensterbett. Immerhin waren ihre Kopfschmerzen nicht mehr so schlimm und so konnte sie nach draußen gucken. Direkt neben ihr war ein großer Baum, wo Mona die vielen Tiere beim herumtollen und arbeiten beobachten konnte. Ihr gegenüber und ebenfalls am Fenster lag ein Mann mittleren Alters. Er hatte ein gebrochenes Bein und rauchte am laufenden Band bei offenem Fenster. Er war ein wenig Griesgrämig, aber dafür sehr still...

Sie bekam oft Besuch. Natürlich von ihren Freunden, doch diese konnten oft welche sehen, die aus Monas Zimmer kamen. Als erstes dachten sie, es wären Besuche des Zimmergenossen und wunderten sich über den Zufall, dass sie alle sich auf Irisch unterhielten - er sah doch so asiatisch aus. Doch eines Tages sahen sie, wie drei von ihnen an Monas Bett saßen und sie alle sich ebenfalls auf Irisch unterhielten. Es war ungewöhnlich zu sehen, wie Mona in einer so völlig fremden Sprache redete. Mona sprach auch so wie immer - nur in einer anderen Sprache - doch hatte sie einen eigenartigen Gesichtsausdruck, den ihre Freunde nicht einordnen konnten. Ihr Besuch dagegen redete fast ehrfürchtig zu dem Mädchen. Als sie sahen, dass sie beobachtet wurden, lächelte Mona kurz.

"Later.", hauchte sie schnell und die drei Männer erhoben sich. Doch sie gingen erst, nachdem sie sich flüchtig vor Mona verbeugt hatten und irgendetwas unverständliches murmelten.

"Wer waren die?", fragte Ailin sofort.

"Alte Freunde aus meinem Dorf. Sie sind für längere Zeit hier in Japan."

"Und warum haben die so ehrfürchtig zu dir gesprochen?"

"Zum einen, weil Großvater Erzdruide und der Dorfälteste ist und zum Oberhaupt der Taliesin gehört. Den Anderen möchte ich nicht sagen.", leicht fragend schaute sie ihre Besucher an. Doch diese grinsten nur.

"Du bist ein Buch mit sieben Siegeln!", lachte Baji, während sie sich alle auf das leere Bett fallen ließen.

"Sag mal, hat einer von euch Dylan oder Kyle unten gesehen?", erwartungsvoll schaute sie auf die Fünf. Diese wunderten sich zwar, schüttelten aber den Kopf.

"So viel ich weiß, haben die noch Vorlesungen!", überlegte Sunny. Monas Miene leuchtete auf.

"Entschuldigt mich kurz!" Verwundert konnten sie jetzt zusehen, wie Mona aufsprang und zu ihrem Zimmergenossen ging, dort kurz mit ihm redete - nein, betteln trifft es eher - dieser ihr schließlich murrend etwas gab und sie freudestrahlend zurückkam. Sie setzte sich im Schneidersitz auf das Bett und öffnete ihr Fenster. Dann holte sie die Zigarette, die sie vom Mann bekommen hatte, heraus und kramte kurz in einer Schublade des Nachttisches.

"Es stört euch doch hoffentlich nicht?", fragte sie eher nebenbei, während sie sich die Zigarette ansteckte. Die Anderen schüttelten einmal stumm und langsam den Kopf.

"Das hab ich vermisst.", murmelte Mona nach dem ersten Zug. "Seid ich wieder bei Troyes wohne, konnte ich keine mehr rauchen. Nein, stimmt gar nicht. Vorher hatte Dylan mich auch des öfteren ermahnt." In Erinnerungen schwelgend schaute Mona mit leicht schiefem Kopf zu ihren Freunden.

"Wir haben gerade ein dunkles Geheimnis aufgedeckt.", staunte Baji. Mona wunderte sich. Wieso dunkel? Doch dann fiel endlich der Groschen. Ihr glockenhelles Lachen hallte durch den Raum.

"Das nennst du dunkel? Das ist..."

"...doch noch gar nichts.", beendete Kyle breit grinsend Monas Satz. Diese erschrak fürchterlich, als sie den jungen Mann in der Tür stehen sah. Hastig versuchte sie die Zigarette verschwinden zu lassen, doch es war zu spät.

"Lass sie doch an! Es wäre doch eine absolute Verschwendung sie jetzt wegzuwerfen! Außerdem ist Dylan noch bei seinen Vorlesungen!" Gelassen ging er in die Ecke und ließ er sich ebenfalls auf Monas Bett nieder.

"Erschrick mich nie wieder so.", seufzte Mona.

"Geht klar Kleines. Aber wo du gerade dabei bist. Kannst du mir kurz Feuer geben? Dylan hat meines eingezogen! Ich konnte zwar neue Ziesen auftreiben, doch Feuer? Nada! Keine Zeit bevor er es bemerkte!", meinte er eher beiläufig, während er in seiner Jackentasche herumfummelte und Mona ihm das Feuerzeug hinhielt.

"Es stört euch doch hoffentlich nicht?", fragte er ebenfalls nebenbei, als er das Feuerzeug aufschnappen ließ.

"Ist das eigentlich eher rhetorisch gemeint, oder ist das so 'ne Macke von euch?", fragte Sunny kopfschüttelnd.

"Beides!", kam es wie aus einem Mund von den Iren.

"Eines versteh' ich einfach nicht. Als erstes schlagt ihr euch fast die Köpfe ein und im nächsten Augenblick seid ihr ein Herz und eine Seele!"

"An sich sind wir sehr gute Freunde, Sake! Weißt du, er kennt mich schon seit ich ein paar Tage alt bin. Immerhin ist er der Enkel von Troyes! Ich weiß gar nicht, wie wir darauf kamen, aber eines Tages hatten wir uns fürchterlich gestritten und, auch wenn wir den Grund nicht mehr wissen, blieb das hängen. Im Nachgeben war noch keiner von uns wirklich gut! Es ist eigentlich eher solche Art Spiel, auch wenn es auf andere nicht so wirkt! Wir sind eine Art spielerische Todfeinde!", erklärte Mona lächelnd mit ihrer Zigarette im Mund.

"Wir sind uns in vielen Dingen absolut ähnlich.", sagte nun Kyle. "Wir beide rauchen und machen es uns gerne Mal mit einem Bier in der Hand vor'm Fernseher gemütlich; leider sind unsere - ich nenn' sie mal Mitbewohner - nicht gerade sehr tolerant diesen Themen gegenüber." Mona schmunzelte genüsslich über die Ausdrucksweise - im umschreiben der Tatsachen war Kyle schon immer gut! "Wir beide haben familiär mit Troyes zu tun, sind beide Druiden, auch wenn wir absolut verschiedene Wege eingeschlagen haben. Also ich weiß nicht. Heilen und Kräuter und so? Ist doch langweilig! Wir reden nicht sehr gerne über Gefühle oder Probleme, haben meistens eine perfekte Fassade und sind absolut vernarrt in Dylan." Bei den letzten Worten umspielte ein leichter Rotschimmer die Wangen und Kyles Augen glänzten ein wenig bei dem Gedanken. Mona dagegen musste sich immer mehr zusammen reißen nicht loszulachen. Es stimmte schon, was Kyle sagte und zwar ohne Ausnahme alles. Doch das Thema Dylan-Kyle war einfach etwas besonderes! Und die Gesichter, die ihre Freunde machten, ließen es ihr auch nicht gerade leichter fallen nicht laut los zu prusten.
 

Die sieben redeten noch lange über dies und die Welt und die beiden Iren rauchten zusammen fast zwei Schachteln auf - Mona nannte dies "Gelegenheits-Kettenrauchen!". Langsam wurde es dunkel und die beiden spitzen bei jedem noch so kleinen Geräusch die Ohren. Immerhin müsste Dylan auch bald kommen! Doch einfach aufhören und auf Nummer Sicher gehen, wollten sie auch nicht. Zum einen wollten sie jede dieser Sekunden genießen und voll und ganz nutzen und zum anderen... Wo wäre da sonst der Spaß?
 

Punkt fünf vor Sechs hörten sie alle Schritte auf dem Flur. Es waren eindeutig erwachsene und nur Einer oder Eine, auch wenn Ersteres eher zu traf.

"Dylan!" Wie auf Kommando drückten Mona und Kyle ihre Zigaretten aus, ließen die Stummel verschwinden und beseitigten die Spuren von noch offenen Packungen und Feuerzeug. Mit geübten Griffen brauchten sie nicht lange und der Verdacht stand nahe, dass ihnen solche Situationen schon zur Genüge "begegnet" waren. Kaum das sie fertig waren, wurde die Tür zum Zimmer geöffnet und Dylan schaute herein.

"Hallo! Ich wollte nur noch sehen, wie es meiner Prinzessin geht und Kyle abholen!", lächelte er freundlich. Doch dann stockte er. Mit geschlitzten Augen ging er zu Mona und Kyle und sah sich um - er schnupperte sogar kurz in der Luft herum wie ein Hund, der seine Witterung aufnimmt. Schnell hatte er alle Anzeichen entdeckt, die er brauchte. Von den leicht schwarzen Flecken auf der Fensterbank über die Unschuldsmienen der beiden Iren und dem verhaltenen Grinsen der Japaner bis zu dem offenen Fenster. Es passte alles zusammen. Wie eine wütende Mutter, die ihre Kinder beim naschen entdeckt hatte, stemmte er seine Arme in die Hüften und schaute Vorwurfsvoll seine alten Freunde an.

"Ihr habt mir versprochen nie mehr zu rauchen!", fing er augenblicklich an.

"Das ist so nicht ganz richtig. Du hast es uns verboten!", stellte Mona schnell richtig.

"Das kommt auf's gleiche hinaus! Mona, das verträgt sich nicht mit deinen Medikamenten. Bist du nun völlig auf den Kopf gefallen?"

"Alloha! Du redest Schwachsinn, wie immer, wenn du dich völlig unnütz aufregst. Die Medikamente vertragen sich wunderbar mit Nikotin. Kombiniert oder separat. Da gibt es keine Probleme!"

"Das ist unwichtig Mona. Du bist schon krank genug. Gerade mal über'm Berg und eigentlich nicht wirklich schon gesund und du rauchst. Willst du dich umbringen?" Mona hob ihre Augenbrauen und sah ihr Gegenüber mit einer Mischung aus Vorwurf, Fragen und Selbstverständlichkeit an. "OK, blöde Frage. Aber du Kyle. Du solltest endlich erwachsen werden. Du bist zwanzig, verdammt noch mal. Sei bitte einmal in deinem Leben vernünftig und animier sie nicht zu solchen Unsinn!" Die zwei schauten sich tief in die Augen und schienen sich im stillen zu streiten. Nach längerer Zeit stummen Anstarrens ging Dylan wutentbrannt zu Tür, doch kurz bevor er auf dem Flur stand, drehte er sich plötzlich um.

"Mona! Du kommst in ein neues Zimmer. In ein Nichtraucherzimmer voller kleiner Kinder! Kyle? Du schläfst auf der Couch." Boum! Mit einem lauten Knall schlug der braunhaarige die Tür zu und man konnte sein Stampfen noch von weitem hören. Kyle brauchte eine Weile, bis er verstanden hatte, was Dylans Worte bedeuteten. Abrupt sprang er auf und lief zur Tür.

"Auf der Couch? Dylan bitte warte doch. Überleg es dir doch bitte. Ich will nicht auf der Couch schlafen. Dylan!", hörte man nun vom Flur den verzweifelten Kyle.

"Autsch! Mama Dylan ist sauer!", kam nun trocken von Mona. Aus einem unerfindlichen Grund schien sie zu wissen, dass keiner der beiden Drohungen Dylans sich bewahrheiten würde. Und sie sollte Recht behalten! Doch Kyle hatte das schwerere Los gezogen. Er musste sehr viel bitten, betteln, Süßholzgeraspel und Überredungskunst anwenden, so dass er nicht des Nachts auf die Couch verbannt wurde.
 

Mona musste noch fast zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. Sie fühlte sich zwar nach ihren Aussagen pudelwohl und quicklebendig und machte auch einen genesenen Eindruck, doch der Stationsarzt wollte sie noch zur Beobachtung in der Klinik behalten. Die Anderen Mädchen machten in der zeit schon zwei weitere Grade und erzählten ihr Haarklein, wie es gelaufen war und was sie machen mussten. Selbst Joro kam einmal zu Besuch. Es war nur kurz und sie meinte, sie wäre nur als Vertretung der Klasse dort, aber zum einen waren schon alle ihrer Klassenkameraden und auch ein paar aus Sunnys Klasse, welche sie schon kennen gelernt hatte, zu besuch gewesen und zum anderen hatte Baji erzählt, dass sie sich wirklich Sorgen gemacht hatte!
 


 

to be continued...
 

edit: ich hoffe es hat gefallen *zitter

auch hoffe ich, dass diese Kyle-Dylan geschichte noch nicht zu offensichtlich ist. OK, wenn man mal ein wenig nachdenkt, dann müsste man eigentlich sehr schnell darauf kommen, aber hoffentlich war es nicht von anfang an zu offensichtlich. ich werde im nächsten kapi auf jeden fall noch weiter darauf eingehen!

falls ihr irgendwelche ideen zu neuen kapis habt, dann sagt sie doch bitte. mir gehen langsam die ideen aus...

und ne Prüfung für den dritten Grad breuchte ich auch noch. Mir fällt einfach nichts ein... T_T ^^'

schreibt mir doch bitte einfach einen kommi oder ne ens, falls euch was gescheites einfällt...
 

und kommentiert ohne hin bitte. möchte wissen ob se euch gefällt (falls es einer liest... T_T *seufz)
 

Krümel

Die Sache ist die...

Am Dienstag konnte Mona endlich wieder nach Hause und war damit am Mittwoch wieder in der Schule. Sie kam ein Buch lesend über den Schulhof getrottet. Als sie sich langsam und gemütlich die Schuhe umzog, kam gerade Joro herein. Die Beiden redeten nicht viel bis auf ein verhaltenes "Guten Morgen!", doch das reichte ihnen auch. Da Mona recht langsam mit dem Buch in der Hand ging, war Joro ein paar Minuten früher an der Tür, doch öffnete sie diese nicht. Denn sie hörte Stimmen aus der 2-1

"Hör auf! Was ist, wenn jetzt jemand 'rein kommt?", flüsterte die eine Stimme.

"Ach was. Die kommen doch jetzt noch lange nicht. Außerdem haben sie jetzt Frau Ransho und sie macht heute in einem anderen Raum unterricht!", meinte eine tiefere Stimme leicht verführerisch.

"Hör auf.", kicherte jetzt die Erste wieder. Joro konnte einen Schatten sehen, der sich zu einen anderen Schatten hinüber beugte und sie regelrecht ineinander verschmolzen. Mona kam jetzt endlich den Gang entlang und schien die Beiden Turteltauben nicht bemerkt zu haben. Joro wollte sie warnen, doch Mona war schon an der Tür und öffnete sie. Völlig desinteressiert ging sie an zwei überraschten Gestalten vorbei zu ihren Platz, während der eine langsam vom Lehrerpult rutschte.

"Könntet ihr so freundlich sein und eure Intimitäten wo anders ausleben. Immerhin wohnt ihr schon zusammen, da habt ihr doch genug Zeit für euch. Und falls ihr euch gar nicht zurückhalten könnt, im vierten Stock ist ein Zimmer, welches nie benutzt wird. Da könnt ihr euch hin verziehen. Ich habe ehrlich keine große Lust in eure Privatangelegenheiten gezogen zu werden. Außerdem verschreckt ihr die Anderen." Endlich schaute Mona von ihrem Buch auf. "Übrigens Kyle! Großvater möchte dich gerne sprechen. Du hast ihn noch nicht besucht, seid du hier bist und wenn ihr euch zufällig trefft, dann gehst du ihm aus dem Weg. Er möchte endlich wissen, warum du Jede, die er dir vorgestellt hatte, gleich nach dem ersten Date vor den Kopf stößt. Er ist der Meinung, er hätte langsam alle Typen Frau durch." Mona grinste leicht. "Ach Dylan! Du bist natürlich auch herzlich eingeladen."

Inzwischen hatte sich ein regelrechter Stau an der Tür gesammelt, da keiner an der völlig perplexen Joro vorbei kam.

"Geht klar Mona." Kyle fand langsam seine Sprache wieder. Völlig überrumpelt stand er da, Dylans Hand immer noch in der seinen. Doch plötzlich fing er an zu grinsen.

"Vierter Stock hört sich doch gut an." Mit leuchtenden Augen schaute er zu Dylan, der ein wenig rosa anlief. Mit einem sanften Lächeln im Gesicht wurde er von Kyle aus der Tür geschoben und in Richtung der Treppen gezogen.

"Das meinst du doch jetzt nicht im ernst, oder?", hörte man ihn noch sagen, bevor er die Treppen hinauf verschwand.
 

Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht schloss Mona ihr Buch und verstaute es in ihrer Tasche. Dann schaute sie zur Tür, wo noch immer die völlig perplexe Joro stand.

"Tu mir bitte einen Gefallen, Joe-san. Sag den Anderen bitte noch nichts. Sie werden sich zwar irgendwann outen müssen, aber dafür sind noch keine Zeichen zu sehen, also bitte..." Nüchtern schaute sie das blonde Mädchen an, welches nur stumm nickte. Die Meute hinter ihr hatte von alle dem nichts mitbekommen. Sie wussten nur, dass sie schon eine ziemlich lange Zeit an der Tür standen, welche von der Klassensprecherin - ihrer Meinung nach - völlig ohne Grund versperrt wurde und diese einfach nicht den Weg frei geben wollte. Mona nickte kurz zur Tür und das Mädchen schien langsam wieder in die Realität gefallen zu sein. Mit geröteten Wangen gab sie endlich die Tür frei. Sie wollte noch mit Mona reden, doch für sie schien die ganze Angelegenheit erledigt zu sein, denn die Irin sprach jetzt angeregt mit Baji, welcher mit der Menge ins Klassenzimmer getreten war, über dies und die Welt und schien die eben gewesene Situation vergessen zu haben. Lachend machten sie sich auf den Weg zum Videoraum, da sie dort mit Frau Ransho eine geschichtliche Dokumentation sehen sollten. Joro war erstaunt. Nicht nur wegen der Sache mit Dylan, Kyle und dem Zimmer, sondern auch wegen des Gesichtes und der Ausdrucksweise Monas. Sie kannte die nicht mehr ganz so Neue nur mit einem spöttischen Grinsen, dem zuckersüßen Lächeln oder einem glockenhellen Lachen. Nie sah sie ernst aus, es sei denn, wenn man sie etwas fragte, was sie nicht sagen wollte. Doch dann war es eher ein trauriges Ernst. Diesmal war es anders. Ihr ernstes Gesicht von eben war gebieterisch und einschüchternd. So unglaublich wie es auch klingt, aber es strahlte eine unglaubliche Macht aus, welche Joro nicht verstand. Es ließ keinen Wiederspruch zu, und doch war es sanft und gütig. Wenn es nicht so schwachsinnig wäre, würde Joro behaupten, dass es eben die Mimik einer Prinzessin oder gar einer Königin war!

Doch sie verwarf den Gedanken sofort in ihre hinterste Ecke. Schnell schüttelte sie sich einmal, um den Schwachsinn aus ihren Gedanken zu bekommen. Sie gabelte sich Eine ihrer Clique auf und brabbelte mit ihr, während auch sie sich auf den Weg in den Videoraum machten.
 

"Sag mal, was war denn heute Morgen mit Joro los?" Es war Pause und die Clique hatte sich auf ein Stück Gras gesetzt um dort ihre Lunchpakete zu verzehren und die wärmende Sonne zu genießen. Da Mona nicht antwortete, fragte Baji noch mal nach. Er verstand seine kleine Schwester einfach nicht mehr.

"Mona? Ich hab dich was gefragt. Was war mit Joro?", leicht zornig schaute er auf das rotblonde Mädchen.

"Ach du redest mit mir? Entschuldigung Baji-kun!", lächelte das Mädchen freundlich den völlig perplexen Baji an. Natürlich hatte sie bemerkt, dass Baji mit ihr redete, doch sie wusste einfach nicht, was sie sagen sollte.

"Sagen wir mal so: ...Deine Schwester war vor Geschichte in einer ihr vollkommen unbekannten und auch für jeden anderen eigenartigen und ungewöhnlichen Situation!", umschrieb Mona das Geschehene.

"Und das heißt im Klartext?", meckerte Baji los.

"Im Klartext heißt das, dass sie eben genau so blöd geschaut hat wie du jetzt gerade und auch nicht wesentlich mehr verstand."

"Was war denn los, Baji-chan?", fragte Sakura mit ihrer Unschuldsmiene.

"Meine kleine Schwester hat die Tür versperrt, so dass keiner ins Klassenzimmer konnte oder gar hinein sehen konnte und musste erst mal lange in die Realität zurück gerufen werden. Und auch sonst hat sie sich untypisch verhalten. Weder wie eine Tepai, noch wie eine Joro! Und da Mona mit ihr im Zimmer war, schätze ich mal, dass sie weiß, was los war. Vielleicht sollte ich ja Kyle oder Dylan fragen..."

"Warum denn einen von den Beiden?", fragte nun Ailin, während Mona wieder zu grinsen anfing.

"Die waren auch im Zimmer. Aber ich hab' nur gesehen, dass Kyle einen leicht geröteten Dylan aus dem Zimmer und die Treppen hinauf zog. Kyle sagte, dass der vierte Stock sich gut anhörte und Dylan fragte nur, ob er das ernst meinte. Dabei hat er zwar gelächelt, aber ist noch roter angelaufen. Und daraus werde ich schon gar nicht schlau. Also Mona? Was ist denn mit dir los, Mo-sama?" Alle Augen richteten sich auf Mona, die sich den Bauch hielt und sich anstrengen musste nicht laut los zu lachen.

"Entschuldigung...", kicherte Mona endlich. Aber sie bekamen nicht mehr heraus, ob es jetzt für ihr Verhalten oder für die fehlende Erklärung galt. Denn es klingelte und Mona hatte anscheinend nichts besseres zu tun, als ausnahmsweise mal nicht zu spät zu kommen.
 

"Druì ich muss mit dir reden!", kaum das Mona den Umkleideraum betreten hatte, wurde sie sofort von Joro abgefangen.

"Joe-san? Ich an deiner Stelle würde mich umziehen, sonst kommst du noch zu spät.", lachte Mona nur und verschwand in der Tür zur Turnhalle.

"Hatte sie Tepai g'rade Joe-san genannt?", absolut verständnislos schaute Sakura auf die Stelle, wo Mona vor kurzem verschwunden war. "Hey, Tepai! Was war heute morgen los?"
 

Als Sakura endlich in der Turnhalle angekommen und schaute sich sofort nach ihrer Clique um. Sie sah sie auch, wie sie gerade aus der Jungenumkleide kamen. Mona dagegen saß gemütlich neben Kyle und unterhielt sich mit ihm. Der Arzt, sowie Dylan und Kyle hatten ihr verboten Sport mitzumachen, bis sie vollends über den Berg war.

"Sie hat deine Schwester Joe-san genannt!", begrüßte Sakura den blonden Jungen, indem sie auf Mona zeigte.

"Joe-san? Und sie hat sich das gefallen lassen?", wunderte sich Baji. Ein Nicken war die Antwort.

"Hast du denn endlich heraus gefunden, was heute Morgen passiert war?", fragte nun Ailin.

"Nada!", war daraufhin die Antwort. "Sie meinte, sie hätte Mona versprochen nichts zu sagen. Seid wann gibt Joro denn bitte versprechen und hält sie auch noch? Und seid wann nennt Mona sie bitte Joe-san?"

"Sake! Reg dich ab!", hörten sie nun Mona lachen. Sie und Kyle schauten recht interessiert zu dem Mädchen, was nun ein wenig rötlich anlief. So arg wollte sie gar nicht Hyperventilieren. Doch Herr Sono riss sie alle aus ihrer kleinen Gedankenwelt. Er klopfte drei Mal in seine Hände.

"Kommt bitte mal alle her. Heute werden wir Volleyball spielen. Und zwar gemischt!" Ein murmeln ging durch die ganze Klasse. Es war selten, dass sie etwas gemischt in Sport machten. Doch man hörte nicht nur das verwunderte Gemurmel.

"Och menno!" Mona hatte ihre Arme verschränkt und schaute schmollend zum Lehrer.

"Das macht er mit Absicht.", grummelte sie noch, während sich Kyle sein Kichern nicht verkneifen konnte. Er war daran nicht ganz unschuldig. Aber das musste einfach sein, nachdem was heute morgen passiert war.
 

"Ich finde Sport war heute mal richtig toll!" Ein grummeln von Mona war die Antwort. Sie hatten gerade Kunst und konnten sich somit ungestört unterhalten. Doch Sakura machte es heute viel mehr Spaß die Irin zu ärgern.

"Ich meine nicht nur, dass wir endlich etwas gemacht haben, was Spaß macht. OK, vielleicht nicht gerade vollendet, aber Volleyball ist doch besser als dieser absolute Mädchenkram. Sondern wir haben auch nicht getrennt, sondern mit den Jungs zusammen gespielt. Wirklich schade, dass du nicht mitmachen konntest. Jetzt mussten wir zwei von den anderen mit zu uns nehmen. Aber da wir sehr gut sind, wollten die Jungs unbedingt in unsere Mannschaft. Da hat es doch glatt Spaß gemacht. Ja, heute war Sport..."

"Sakura Seki. Halt deine verdammte Klappe, verdammich noch eins!"

"Dann sag uns endlich, was heute Morgen passiert war!" Inzwischen schaute die ganze Klasse auf die Chaosclique, selbst Dylan, der diesen Kurs leitete schaute auf und wurde bei den Erinnerungen sofort rot. Mona dagegen platzte jeden Moment und das wollte Dylan auf jeden Fall verhindern. Gerade als er wieder zur Ordnung rufen wollte, klopfte es an der Tür und Kyle und Frau Ransho kamen mit einer Horde anderer in den Raum. Die fünf Mann große Truppe hinter den beiden waren alle ziemlich bieder angezogen und sahen auch nicht gerade mehr wie die Jüngsten aus.

"Dylan? Tut mir leid, wenn wir dich stören, aber die hier wollen dich inspizieren!", antwortete Kyle auf die unausgesprochene Frage.

"Ich dachte sie kommen erst nächste Woche!", stotterte Dylan.

"Eigentlich schon, aber die Termine wurden kurzfristig verschoben.", meinte die einzige Frau unter den Fünf und richtete ihre Brille. Dylan machte ein leicht gequältes Gesicht.

"Wer ist das Dylan-sensei?", fragte ein Mädchen mit blauen Haaren. Das gequälte Gesicht verkrampfte sich noch mehr. Die Fünf machten sich sofort Notizen auf ihre Klemmbretter.

"Das sind die Oberprofessoren aus meiner Uni. Sie wollen meinen Unterricht inspizieren. Das Resultat kommt in meinen Abschluss hinein.", erklärte Dylan immer noch leicht abwesend. Dafür bekam er einen unauffälligen Stoß in die Rippen von Kyle. Wieder machten sich die Professoren Notizen und Dylan wurde noch nervöser.

"Bitte macht einfach so weiter, wie bisher.", sagte Frau Ransho schnell, so dass die Situation nicht eskalierte. Alle machten sich wieder an ihre Arbeit. Die Professoren gingen durch die Reihen und schauten sich die Bilder an, fragten die Schüler über Dylan aus, oder auch Kyle, Frau Ransho und Dylan selber und machten sich unentwegt Notizen.
 

"Druì-sama?" Die Stunde war schon fast zu Ende und das blau Haarige Mädchen, welches Dylan nach den Professoren gefragt hatte, war zu Mona gekommen und schaute sie nun mit einem verlegenen Blick an.

"Was ist den...Ähm..."

"Kira. Kira Totanite. Aus der 2-2"

"OK. Was willst du?"

"Ich wollte dich fragen... Du kennst doch Dylan-sensei sehr gut, oder?" Mona nickte auf diese Frage. Die Professorin in ihrer Nähe spitzte ihre Ohren.

"Nu ja, ich wollte dich fragen, ob du ihm das hier geben kannst." Mit tomatenroten Gesicht zeigte Kira der Irin einen rosanen Brief.

"Ein Liebesbrief!", freute sich Sakura, während Mona ihn ein wenig resigniert betrachtete.

"Warum sollte ich das tun?", fragte sie nun endlich. Ein wenig verständnislos wurde sie angestarrt.

"Weil... Weil du ihn gut kennst. Und weil... Weil... Weil ich mich nicht traue..." Die schwarzblauen Augen Kiras schauten sie flehend an, doch sie wusste nicht, dass so was bei Mona wenig bewirkte.

"Hör mal. Das ist keine gute Idee.", sagte sie nur.

"Warum denn nicht?" Kiras Augen wurden langsam feucht. Alle im Umkreis von zwei Tischen schauten nun zu den beiden Mädchen - die eine kurz vorm heulen und die andere mit nüchternen Blick. Jetzt schaute der Rest im Raum hoch. Sie wunderten sich, warum das Geplapper auf einmal so still geworden ist.

"Zum einen ist da der Altersunterschied. Du dürftest ungefähr 16 oder 17 sein."

"Ich werde in zwei Wochen 16."

"Siehst du? Du bist sogar noch 15. Dylan ist 23! Meinst du nicht, der Altersunterschied ist ein wenig krass. Und beim besten Willen, aber Dylan wird sich nie in ein 15 oder auch fast 16 Jähriges Mädchen verlieben!"

"Du bist auch nicht viel älter."

"Will ich denn was von ihm?"

"Aber Kyle ist doch jünger, oder?", sagte nun ein Mädchen mit roten Haaren.

"Kyle ist 20! Ja. Aber das wird wohl auch nichts.", lächelte Mona inzwischen.

"Ach und warum? Das sagst du doch bloß, weil du etwas von den beiden willst!", zickte nun eine Braunhaarige herum.

"Na, das wär' ja noch schöner. Sie sind aber beide schon vergeben!"

"WAS?"

"Sie sind vergeben. Lädiert. Oder wie ihr es auch immer nennen wollt."

"Mit wem?", ein siegessicheres Lächeln bildete sich auf dem Gesicht der Rothaarigen. Sie war sich sicher, dass es nur eine Ausrede war.

"Tut mir ja leid, aber ich hab versprochen..."

"Ha!", meldete sich die Braunhaarige wieder. "Ich wusste doch, dass es nur eine dumme Ausrede ist, damit du die Beiden für dich hast. Man kann euch Verrückten doch alle nicht trauen."

"Darf man fragen, wen du mit uns verrückten meinst?" Monas Geduldsfaden riss allmählich immer stärker.

"Na, wenn du mit dieser Seki und ihren Jungs 'rum hängst, dann kannst du ja nicht anders sein. Du bist genau so verrückt, wie sie."

"Du kennst sie doch gar nicht richtig. Wie kannst du da behaupten, sie seien verrückt?"

"Ich würde sagen, ich kenne sie alle besser als du. Immerhin kenne ich Ryo und Baji schon seid dem Kindergarten. Man muss sagen, Baji war früher ganz nett. Aber Ryo war schon immer so. Eigenartig, unheimlich und abweisend. Einfach ein absoluter Freak!"

Mona war inzwischen aufgestanden. Ihr Herz pochte vor Wut wie selten ihre blitzenden Augen konnten einen Angst machen, hätte man darauf geachtet.
 

"Oh-oh!" Seid längerer Zeit beobachteten die Lehrer schon die Mädchen, doch jetzt fing es langsam an brenzlig zu werden. So schnell es ging versuchten Dylan und Kyle durch die Menge zu kommen, um Mona zu beruhigen bevor noch etwas schlimmeres als Wortgefechte passierte. Endlich waren sie durch und stellten sich zwischen die Streithähne und ihren Schützling.

"Mona. Bitte beruhige dich doch!" Doch Mona wollte sich gar nicht beruhigen. Schon lange hatte sie beobachtet, wie ihre Freunde von den Anderen behandelt wurden. Natürlich, sie versuchten alle an Mona heran zu kommen und ihr Freundschaft vorzugaukeln, doch Mona hatte sehr wohl bemerkt, dass sie nur versuchten sie auf ihre Seite zu ziehen und immer im Hinterkopf hatten, dass sie auch nicht ganz normal sein konnte, da sie immerhin mit der Chaostruppe befreundet war.

"Lass mich in Ruhe, Dylan! Ich versteh die einfach nicht. Sie machen eine absolut starke Freundschaft nieder und meinen sie selber seien perfekt. Aber schau sie dir doch mal an! Machen und tragen das, was der sogenannte Anführer will. Sie haben keinen eigenen Willen! Und dann machen sie jemanden nieder, der seine eigene Meinung gebildet hat und diese auch vertritt. Sie kennen die Anderen doch gar nicht. Wieso sind sie dann so gemein!" Die Chaostruppe schaute betreten zu Boden. Nur Ryo sah leicht Lächelnd zu Mona. Er wusste gar nicht, wie naiv ein Mensch sein konnte. Aber sie hatte schon recht.

"Soll das heißen wir seien dumm?" Hochnäsig wurde Mona von den Anderen Mädchen angeguckt.

"Das hast du gesagt! Mir ist es ehrlich gesagt gleich, wie ihr das nennt, aber dumm finde ich gar nicht mal so schlecht!", meckerte jetzt Mona mit einem leicht fiesen lächeln.

"Wir sind nicht dumm, verstanden?"

"Oh, wie Wortgewand du doch bist!", ironisierte Mona ihr Gegenüber. "Also ich weiß nicht, wie du so was nennst, aber wenn ich mich in Schwule verknall, dann nenn ich das dumm!"

"Was soll das denn nun schon wieder heißen?"

"Mona! Du hattest doch versprochen...", mit roten Wangen und verzweifelter Stimme schaute Dylan zu dem Mädchen. Diese hatte die Augen geschlossen und wartete, was passieren würde.

"Die... Die beiden... Die beiden sind...", alle waren geschockt und keiner brachte einen Ton heraus. Das einzige, was man in diesem Moment hörte war der Lärm vom Schulhof und das kratzen einer Feder. Begierig nichts zu vergessen kritzelte die Professorin auf ihr Klemmbrett.

"'Tschuldigung!", murmelte Mona wehmütig. Inzwischen hatte sie wieder ihre Augen offen und sah etwas zweifelnd in Kyles Gesicht. Irgendwie traute sie dem ganzen nicht so ganz. Das Dylan mal wieder knallrot geworden ist, war ja klar. Aber sie hätte erwartet, dass Kyle sauer auf sie war, oder wenigstens ein wenig böse und bissig schaute. Aber dem war nicht so. Er lächelte! Es war kaum zu glauben, aber in dieser Situation lächelte Kyle das Mädchen an, was ihn immer zur Weißglut brachte und das für diese Situation verantwortlich war.

"Irgendwann wär' es doch so oder so 'raus gekommen!", sagte er schließlich. "Ich glaube, bevor hier irgend'was noch absolut eskaliert, geben wir es lieber zu, oder?" Er schaute zu Dylan, der nach einiger Zeit den Kopf hob und nickte.

"Es stimmt, dass Kyle und ich schwul sind!" Das saß. Die Träumereien der Mädchen brachen endgültig zusammen und die Jungs, die es vorher nicht bemerkt hatten, wichen nun ein paar Schritte zurück. Da konnte Kyle einfach nicht mehr. Jetzt musste er lachen.

"Also, ihr braucht jetzt keine Angst zu haben. Ihr seid genau so gefährdet, wie die Mädchen. Mit anderen Worten gar nicht. Wir beide sind seit fünf Jahren zusammen! Dylan ist absolut treu und ich musste ihm versprechen, mit keinem mehr zu flirten. Es fällt mir zwar schwer, aber ich liebe ihn nun mal. Da bringe ich schon mal ein kleines Opfer."

"Kyle?", etwas scheu schaute Mona den um einiges größeren an. "Wo es dir eben doch so leicht viel. Könntest du dann bitte Großvater endlich sagen, dass du auf Männer stehst? Ich hab langsam keine Lust mehr ihn andauernd anzulügen!"

"Tut mir ja leid, meine kleine Prinzessin, aber ich möchte morgen gerne noch leben!"

"Dann sag es halt übermorgen. Bitte!"

"Ich werde es versuchen, aber ich kann dir nichts versprechen, OK?" Mona nickte. Das reichte ihr. Sie wusste, dass Kyle sein Versprechen halten würde.

DIING!! DAANG!! DOONG!!

"Oh, ich glaube die Stunde ist zuende!", Frau Ransho sah hier ihre Chance dem entstandenen Chaos Einhalt zu gewähren.

"Ehrlich gesagt ist die Pause zu Ende!", lächelte Dylan matt mit einem Blick auf die Uhr.

"Das war wirklich eine sehr interessante Inspektion.", meldete sich nun die Professorin zu Wort, die endlich zu Ende geschrieben hatte. "Ich denke das war genug ihnen den Abschluss zu vermiesen!" Sie lächelte diabolisch und schaute den blassen Jungen mit ihren vergrößerten Augen an. Sie nickte kurz den vier anderen Professoren zu, die ihr die Tür hinaus folgten.

Mona überlegte nicht sehr lange, bis sie schließlich ihr Säckchen mit den übrigen Magicalballs heraus holte und fünf vom Inhalt an die Luft fischte. Kyle hatte es bemerkt und lenkte Dylan schnell von ihr ab, damit er sie nicht erwischte. Er schien zu wissen, was sie vorhatte. Auch Ryo hatte es bemerkt. Immerhin beobachtete er sie schon die ganze Zeit. Mit einem leichten lächeln schaute Mona kurz, ob die Luft auch rein war und blickte dann auf ihre rechte Faust mit den Magicalballs drinnen.

"Irus Irus Lani Lani Manu! Dylans Ergebnisse sollen positiv sein!", flüsterte sie. Immer noch lächelnd schaute sie auf. Sie sah einmal in die Runde und bemerkte, dass niemand außer Kyle und Ryo bemerkt hatten, was eben passiert war. Kurz taxierte sie Ryo und zwinkerte ihn schließlich einmal zu. Mit ihrer rechten Hand strich sie sich einmal die Haare aus dem Gesicht und packte dann ihre Sachen zusammen. Ryo wusste gar nicht, wie ihm geschah. Er ließ sich einfach von den anderen mit nach draußen ziehen. Doch er sah nicht die Blicke, die ihm und den anderen zugeworfen wurden. Er sah nur Mona. Wie sie im Krankenbett saß und lachte. Wie sie sich den Schweiß von der Stirn wischte, nachdem sie die Kräuter weggestellt hatte. Wie sie schaute, als man ihre Mutter angesprochen hatte. Wie sie zuckersüß lächelte an ihrem ersten Tag. Wie sie sich die Haare aus dem Gesicht strich. Wie sie wutentbrannt auf Kyle blickte. Wie sie ihm zuzwinkerte. Wie sie sich freute, als sie die "Piraten-Utensilien" bekam. Und je mehr Bilder von Mona vor seinem inneren Auge erschienen, je wohler und wärmer wurde ihm...

Belohnung

Es hatte gerade zwölf Uhr geschlagen, da wurden die Mädchen auch schon von ihren Prüferinnen begrüßt. Die Anderen waren schon zwei Grade weiter als Mona. Sie musste sich also ranhalten. Während die Drei den vierten Grad machten, musste Mona durch das Hexenland ziehen und ohne Zauberei Magicalballs verdienen. Sie hatte da schon solche Idee. Von den anderen wusste sie, dass diese im Schloss nach Arbeit gefragt hatten und jeder nur einen Ball bekommen hatten. Es reichte zwar um die Prüfung zu bestehen, aber Monas Ziele waren höher gesteckt. Immerhin wollte sie zwei Grade überspringen! Da würde ein Einzelner nicht reichen. Da musste es schon mindestens ein Sack voll sein!

Gemütlich schlenderte sie den Weg entlang, doch ging sie am Schloss vorbei und bog etwa zehn Meter weiter auf einen kleineren Weg ab. Hier war der Boden nicht mehr ganz so eben und die Straße nicht gerade, aber Mona wusste ganz genau, wo der Trampelpfad hinführte. Bald kam sie in einen Wald, den die meisten Hexen und Zauberer nicht zu betreten trauen. Doch Mona ließ sich nicht von dem Dickicht beirren. Stetig folgte sie ihrem Weg und kam nach gar nicht so langer Zeit an einen Fluss. Der Weg endete hier, doch Mona verließ ihn einfach und folgte dem Fluss eine Weile zu einer kleinen alten Brücke. Man konnte deutlich sehen, dass sie schon lange benutzt wurde und auch in letzter Zeit passiert wurde. Mit traurigen Gedanken registrierte Mona, dass der Übergang immer seltener betreten wurde. Doch ging sie weiter ihren Weg über die Brücke und wieder in einen Wald. Keine fünf Minuten waren vergangen, da traf sie eine alte Frau, die sich erschöpft an einen Baum lehnte.

"Kann ich ihnen helfen?", sorgte sich Mona. Die Frau sah auf und erschrak ein wenig, als sie die smaragdgrünen Augen sah, doch fasste sie sich schnell wieder und deutete auf ein großes Bündel Reisig.

"Ich muss das ins Dorf bringen, aber ich bin alt und meine Muskeln müde. Ich muss mich nur kurz ausruhen, dann schaffe ich den Rest auch wieder."

"Hier!", Mona gab ihr eine kleine Flasche mit Wasser. "Es ist nicht mehr viel, aber ich denke es sollte genügen um sie wieder fit zu machen." Dankbar nahm die alte Frau das Fläschchen und trank es aus. Es war zwar nur ein Schluck, doch sie hatte das Gefühl, als ob wieder neuer Lebensmut in sie gefahren war. Sie wollte nun weiter und schaute nach ihrem Reisig, doch das Bündel lag nicht mehr auf dem Boden. Mona hatte es schon aufgehoben und band es sich nun auf den Rücken. Eigentlich wollte sie ja ins Magierdorf, aber die Frau tat ihr so leid, dass sie beschlossen hatte den Grad nächste Woche zu machen und ihr erst mal zu helfen.

"Kommen sie schon, oder sind sie noch zu müde?" Fragend schaute Mona auf die Frau, doch diese war schon aufgestanden und folgte Mona den Weg entlang.

"Es kommen selten Fremde hierher. Aber dein Gesicht kenne ich nicht, auch wenn es mir bekannt vorkam. Darf ich fragen, wer du bist und was du hier willst?"

"Ich heiße Mona und bin hier um den sechsten Grad zu machen! Aber das wird wohl warten müssen.", lächelte das Mädchen.

"Und warum gehst du dafür hierher?"

"Ich muss doch Balls verdienen, aber im Schloss kriege ich nur einen! Ich muss aber mindestens einen Grad überspringen, wenn ich die anderen langsam einhohlen möchte. Und da dachte ich, dass ich doch in den Dörfern nach Arbeit suchen kann und bei den Magiern gibt es immer was zu tun!" Nachdenklich wurde das Mädchen taxiert. Der Frau fiel der Armring auf, der eigentlich auf das Druidentum weißt. Den Verzierungen zu nach musste sie einen hohen Rang haben, aber bei den heutigen Menschen weiß man ja nie! Die rotblonden Haare und diese ungewöhnlich grünen Augen kannte die Frau, aber in einem anderen Zusammenhang. Man sah deutlich am Dress, dass sie eine normale Schülerin war, aber sie kannte sich erstaunlich gut aus! Kaum einer wusste von dem Magierdorf hinter dem Wald und eigentlich wurde er auch nur von Magiern betreten. Überhaupt, dass sie den Ausdruck Magier im Richtigen Zusammenhang nannte. Die meisten sagte doch immer "Hexe oder Zauberer druidischer Abstammung"! Und auch das Wort Balls wurde normalerweise nicht von Schülern genutzt. Irgendetwas stimmte an diesem Mädchen nicht...

Inzwischen waren Mona und ihre Begleiterin am Waldrand angekommen und die Sonne knallte auf die zwei Gestalten. Mona würde jetzt allzu gerne einen Schluck Wasser nehmen, doch sie hatte den Rest an die alte Frau vergeben. Sie konnten deutlich ein kleines Dorf erkennen, welches in einem grünen Tal lag. Doch heute war das Tal nicht grün - es war fast ausschließlich rot gefärbt. Mohn! Dachte Mona, während sie nach unten stolperte und friedlich aber auch müde lächelte. Plötzlich stolperte sie und schlug sich das Knie auf. Es war nicht schlimm nur eine Schramme, aber es blutete ein wenig und brannte fürchterlich. Doch Mona ließ sich nicht beirren. Von den Bewohnern schon längst bemerkt humpelte sie ins Dorf und lief das Reisigbündel neben eine Tür fallen, auf Geheiß der alten Frau. Ein alter Mann kam hustend aus dem Haus, wo Mona stand.

"Athàn! Du sollst dich doch schonen!", sorgte sich die alte Frau und geleitete ihren Mann auf eine Bank, wo er sich erschöpft röchelnd setzte. Langsam näherte sich Mona dem greisen Ehepaar und kniete mit verzerrten Gesicht vor dem Mann nieder.

"Das hört sich gar nicht gut an!", sagte sie sofort. Sie fummelte an ihrem Gürtel, musste aber feststellen, dass sie ihren Beutel zu Hause vergessen hatte. Wie doof kann man eigentlich sein?

"Ruhen sie sich kurz aus. Kann mir einer vielleicht kurz helfen?", sie schaute in die Runde. Fast das ganze Dorf hatte sich versammelt um den Neuankömmling zu besichtigen. "Ich brauche Thymian, Efeu und Sonnentau - am besten frisch. Außerdem heißes Wasser, zwei Schüsseln und 'nen Mörtel."

Die Leute berieten sich kurz und ein paar verschwanden für kurze Zeit. Als sie wiederkamen hatte sie die aufgezählten Sachen dabei. Ohne weiter zu überlegen nahm Mona die Kräuter und bearbeitete sie mit dem Mörtel. Als sie fertig war schüttete sie die Pflanzen in die zweite Schüssel und schüttete das heiße Wasser hinzu. Dann gab sie das dampfende Gebräu dem alten Athàn.

"Trinken sie das. Es wird ihnen gut tun.", lächelte das Mädchen freundlich. Blind vertrauend schluckte er den Tee hinunter und kaute an den Kräutern. Das Mädchen hatte recht. Es tat ihm gut!

"Ihrem Husten nach zu beurteilen haben sie Keuchhusten. Es ist nicht lebensgefährlich, aber in ihrem alter kann es ganz gut anschlagen. Sie sollte sich viel ausruhen. Aber am besten in der Sonne und an der frischen Luft. Die tut ihnen gut. Der Tee aus Thymian, Efeu und Sonnentau unterstützt die Heilung und lindert den Husten. Aber sie müssen ein wenig bei der Dosierung aufpassen. Zur Not können sie den Efeu auch weglassen - der ist schwach giftig.", erklärte das Mädchen langsam und deutlich, so dass der alte Mann sich auch alles merken konnte.

"Also doch!" Mona schaute verwirrt die Frau an, der sie noch vor kurzem geholfen hatte. "Du bist eine Druidin!"

"Eine Heilerin, um genau zu sein.", lächelte sie. "Mit vollen Namen heiße ich Mona Druì und bin bei Troyes aufgewachsen, der mich mein Wissen gelehrt hat."

Die Dorfbewohner waren baff. Natürlich hatten sie den Namen Troyes oder Druì schon gehört. Der Erzdruide war immerhin einer der Obersten der Taliesin und auch bei anderen Orden kein unbeschriebenes Blatt.

"Du müsstest doch wissen, dass es nicht ungefährlich ist offen zuzugeben eine Druidin zu sein!", ermahnte der alte Athàn.

"Ich denke bei anderen Druiden kann man eine Ausnahme machen."

"Woher..."

"Zum einen, weil dieses Dorf in der gleichen Richtung wie mein Zieldorf liegt - ein Magierdorf! Zum anderen sieht hier alles so aus, wie es mit beschrieben wurde. Das kleine Dorf im Mohntal! Außerdem kann man wohl davon ausgehen, dass Athàn, der Vater von unserem Anführer Kallàn, ein Druide ist, oder?", lachte Mona.

"Du bist nicht auf den Kopf gefallen. Aber von einer Druì kann man wohl nichts anderes erwarten."

"Sag das nicht zu laut.", lachte Mona auf. Sie musste da an einen ganz bestimmten Menschen denken... "Aber langsam muss ich los! Zurück kann man doch fliegen, oder wird man dann auch vom Schutzzauber erfasst?"

"Nein, nein. Zurück kann man fliegen, wenn es vom Dorfobersten genehmigt wurde und ich genehmige es dir gerne. Du kannst auch wieder kommen, wann du möchtest. Dir ist es erlaubt hier her zu fliegen!" Dankbar lächelnd verabschiedete sich Mona von Athàn.

"Warte einen Augenblick. Ich kann zwar keine Krankheiten heilen, aber ich kann Verletzungen ungeschehen machen!" Mit diesen Worten berührte er Monas Knie und die Verletzung war augenblicklich verschwunden - es brannte nicht mal mehr!

"Und du sollst noch für deine Hilfe belohnt werden. Du sagtest doch, dass du gerade deinen sechsten Grad machst und am besten überspringen möchtest, oder?" Mona nickte. "Ich denke, wenn jeder von uns dir einen Ball überlässt dürfte das genügen."
 

Lachend flog Mona in Richtung Schloss und Haus von Mota und Mota Mota. In ihrer Hand hatte sie einen prallgefüllten Sack mit Magicalballs. Wohlbehalten landete sie neben den beiden Prüferinnen, die gerade den anderen Drei sagten, dass sie den vierten Grad bestanden hatten.

"Oooh. Du bist wieder da. Das ging aber schnell.", sagte Mota in ihrer unverkennlich langsamen Art.

"Wo ist der verdiente Magicalball?" Schelmisch grinsend zeigte Mona den Sack.

"Mona, du solltest dir neue verdienen!", ermahnte Majo Dai die Irin.

"Die sind alle neu! Und sie hat sie aus freien Stücken geschenkt bekommen.", stellte Mota Mota fest. Alle machten große Augen, während Mona nur noch breiter grinste.

"Wie zum Teufel aber auch hast du das schon wieder angestellt?", Sakura bekam den Mund einfach nicht mehr zu.

"Ich bin halt durch's Land gezogen und hab mich nicht auf's Schloss fixiert.", erklärte Mona achselzuckend, aber immer noch grinsend.

Die beiden Prüferinnen berieten sich kurz.

"OK.", sagte Mota schließlich. "Wir haben beschlossen, dass du zwei Grade überspringen kannst. Also habt ihr alle jetzt den vierten Grad!"

"Ha! Und damit bin ich wieder gleich auf!", freute sich Mona.

"Darauf muss man erst mal kommen. Wir dachten eigentlich im Schloss findet man am ehesten arbeit.", dachte Joro laut nach.

"Überlegen ist gut, Joe-san! Aber handeln ist besser! Außerdem hatte es bei mir auch viel mit Glück zu tun.", lächelte Mona und beeilte sich ein wenig Vorsprung zu gewinnen, bevor Joro sie umbrachte.
 

"Und?", sie waren gerade wieder im "Magic Flower" angekommen, da fragte Baji, der mit den anderen beiden auf Lilly aufgepasst hatte, auch sofort, wie es gelaufen war.

"Wir haben alle den vierten Grad und Mona hat anstatt des angegeben einen Magicalball gleich einen ganzen Sack verdient - hat also zwei Grade übersprungen und hat damit ebenfalls den vierten Grad!", erklärte Sunny schnell und wartete gespannt auf die Gesichter ihrer Freunde. Sie wurde nicht enttäuscht! Mit offenen Mündern schauten die drei Jungs in Monas Richtung, die lachend den neuen prallgefüllten Beutel in die Höhe hob.

"Macht nicht solche doofen Gesichter, sondern freut euch für mich!"

"Wir freuen uns! Wenn wir das erst mal verdaut haben!", staunte Ailin.

"Was sind das für Verzierungen?", fragte nun Ryo.

"Die sind hübsch, oder? Das sind Stickerein von Magain. Sie sagte die Blumen und Blätter würden gut zu mir passen, weil ich doch den Tee für ihren Mann gebraut habe und es ihm jetzt viel besser geht! Ist deiner Frage damit genüge getan, Ry-chan?", lächelte Mona freundlich. Den anderen rauchte der Kopf von den vielen unverständlichen Informationen. Nur Ryo lief wieder ein wenig rosa an. Wie machte Mona das nur? Seid Jahren waren Ryos Gefühle abgestumpft und er hatte sie vollkommen im Griff; es war so leichter für ihn; aber Mona schaffte es ihn nur mit einem einzigen Blick verlegen zu machen. Es machte ihn fast Wahnsinnig, wenn Mona Sachen wir Ry-chan zu ihm sagte!
 

Als Mona fast zu Hause war, brannte noch Licht im Wohnzimmer. Sie öffnete die Tür und hörte sofort Stimmen. Sie zog sie ihre Hausschuhe an und wollte den Besuch begrüßen, doch hielt sie inne, noch bevor sie die Türklinke erreicht hatte.

"Wir müssen uns dringend etwas überlegen, wie es weiter gehen sollen. Langsam wird es immer gefährlicher. Wir brauchen dringend einen Plan. Ich glaube SIE ahnt was!", sagte die tiefe Stimme von Troyes. Doch heute klang sie nicht so liebevoll wie sonst, sondern eher bedrohlich.

"Ja, du hast recht wir brauchen einen Plan!", antwortete eine raue und kratzige Stimme.
 

"Dynas?" Mona verstand nicht, was hier vor sich ging. Sie war in ihrem Zimmer und legte Lilly behutsam in ihr Bettchen. Heute überprüfte sie doppelt und dreifach, ob alles auch wirklich geschlossen war. Sie ging ins Bett, doch lauschte sie noch lange in die Nacht hinein...

Künstlerpech und dessen Folgen (Part I)

tja, ma wieder eine doppelfolge... der zweite teil is schon in arbeit. wenn ich so weiter mache wird es nicht sehr lange dauern, bis ich ihn on setzten kann. aber ich habe beschlossen, ihn erst zu veröffentlichen, wenn ich für diese kapi nen kommentar hab!
 


 

Künstlerpech und dessen Folgen (Part I)
 

"Was soll man bloß mit zwei Stunden plus Pause anfangen, wenn man nicht vom Gelände darf?" Dylan war krank, deshalb fiel die Doppelstunde Kunst aus.

"Seit wann hält dich so was auf, Sakura-sama?", fragte Mona reichlich verwundert.

"Ransho sagte mir letztens ganz im vertrauen, dass sie in letzter Zeit keinen Nerv mehr hat Itama aufzuhalten. Im Klartext bedeutet das, wenn ich noch einmal unangenehm auffalle, flieg ich - oder werde auf unbestimmte Zeit suspendiert. Kommt eigentlich auch auf's gleiche hinaus. Meine Eltern lynchen mich! Früher konnten sie das Geld ja locker auftreiben, aber jetzt wo Dad seid ein paar Jahren arbeitslos ist... Aber selber Schuld, würde ich sagen. Wenn sie sich weigern eine niedrigere Stellung anzunehmen oder wenigstens ihren Lebensstandart ein wenig niedriger zu schrauben. Ich sag nur ein's: Doofheit!" demonstrativ verschränkte Sakura ihre Arme und ließ sich auf den Boden fallen.

"Dylan ist krank und hier kommt doch so gut wie nie jemand vorbei, oder?", fragte Mona in die Runde, während sie sich neben Sakura auf das Gras legte.

"Selten. Die meisten kommen hier nicht her, weil man die Glocke so schlecht hört, aber wen interessiert's, wenn wir etwas später kommen als die anderen? Uns oder die Lehrer auf jeden Fall nicht.", gab Baji desinteressiert in die Runde.

"Und die, die doch mal hierher kamen, meiden diesen Ort heute, weil wir hier immer sind!", grinste Ailin.

"Es sei denn ein Mädchen will uns einen rosa Brief mit Herzchen schenken! Warum fragst du?", lachte Baji nun.

"Weil ich vermeiden wollte von 'nem Lehrer erwischt zu werden!", murmelte Mona und holte Zigarette und Feuerzeug aus ihrem Rucksack.

"Du bist doch verrückt das die ganze Zeit mit dir zu schleppen, wo Itama dich doch auf'm Kieker hat!"

"Ach was, Baji-kun. Es wäre verrückt sie nicht mitzunehmen! Ich komm so selten dazu mich zu entspannen, da muss man jede freie Sekunde genießen!", murmelte Mona mit den Blick in den Himmel gerichtet.

"Sagt mal, wo ist Sunny eigentlich?", fragte Ailin nun schnell.

"Bei Koji. Und sie kommt gerade. Müsste gleich zu sehen sein." Als hätten sie auf Monas Stichwort gewartet, kamen Sunny und Koji um die Ecke. Während Sunny bestimmt zu ihrem Stammplatz ging, musste die ebengenannte ihren Freund mitziehen. Dieser hatte Angst vor der Reaktion Ailins, wenn heraus kommen würde, dass er mit seiner Cousine ausging. Auch wenn der Braunhaarige immer so cool tat. Jeder wusste wie sehr er sich um die kleine Sunny kümmerte und jeden zur Sau machte, der sie nur länger als eine Sekunde anschaute. Das er selber seine Begleiterinnen, wie er sie nannte, wie seine Unterwäsche wechselte, galt dabei nicht als Argument. Das sei etwas völlig anderes, sagte er immer.

"Hi, wie geht's?", ohne auf die Antwort zu warten, drückte sie Koji auf den Boden und setzte sich auf seinen Schoß. Ailin bemerkte das alles mit zusammengezogenen Augenbrauen. Endlich setzte sich Mona auf. Es war bemerkenswert anzusehen, wie sie es schaffte den um einiges größeren Koji von oben herab zu analysieren ohne aufzustehen. Freundlich lächelnd streckte sie ihre Hand aus.

"Ich bin Mona Druì. Es freut mich dich kennen zulernen, Koji Takada. Ich hab' schon viel über dich von Sunny gehört!", lächelte sie.

"Freut mich ebenso.", sagte die schon etwas tiefere Stimme Kojis und ergriff ebenfalls lächelnd Monas Hand. "Ich hab' mindestens genau so viel über dich von Sunny gehört, aber das du auf'm Schulhof rauchst, wusste ich nicht."

"Ein bisher einmaliges Erlebnis hier in Japan, was ich sofort wiederholen werde wenn ich Pause oder Ausfall hab und Dylan krank ist."

"Du bist also Koji." Ailin dehnte den Namen des grünschwarz Haarigen extra lang und taxierte ihn berechnend. Bei dem Blick des älteren lief Koji ein Schauer über den Rücken. "Darf man fragen, warum Sunny auf deinem Schoss sitzt?"

Man konnte förmlich spüren, wie Ailin sich anstrengte ruhig zu bleiben.

"Ähm... Meiwa-sensei.", stotterte der Junge eingeschüchtert. Er erinnerte sich gerade an einen seiner Freunde, der es vorgezogen hatte die Schule zu wechseln, nachdem er einmal mit Sunny ein Eis gegessen hatte und Ailin des Weges kam.

"Man Ai-kun. Jetzt reg dich doch nicht so auf! Außerdem, wenn du jemanden anschreien möchtest, dann mach das gefälligst bei Sunny. Immerhin hatte sie sich auf seinen Schoss gesetzt und nicht umgekehrt. Außerdem könntest du ruhig so freundlich sein und warten bis ich aufgeraucht habe und dann losbrüllen? Ich habe nicht den dringenden Bedarf, dass mich einer der Lehrer erwischt!"

"Mo-sama hat recht. Brüll gefälligst mich an und nicht Koji!", meckerte jetzt Sunny. "Ach übrigens. Damit du nichts in den falschen Hals kriegst: Wir gehen seit Mitte der Sommerferien! Und Mona hatte mir recht gegeben, dass es klüger wäre dir nichts zusagen."

Jetzt platzte Ailin richtig. Nicht nur, dass Sunny sich Mona anvertraut hatte und nicht ihm, die beiden gingen schon seit Mitte der Sommerferien und er wusste nichts davon!

"Sollte es dir nicht zu denken geben, dass Sunny zu Mona und nicht zu dir gegangen ist? Also ich an deiner Stelle würde mir Gedanken machen, warum!" Niemand hatte bemerkt, dass Kyle sie schon seit geschlagenen fünf Minuten beobachtete und so alles mitbekommen hatte. Niemand bis auf Mona.

"Ich dachte schon du kommst nie aus deinem Versteck. Ich denke wir hatten mal wieder den selben Gedanken!", lächelnd blickte sie nach oben, wo Kyle mit einer Zigarette im Mundwinkel auf sie herab schaute.

Sie redeten die ganze Stunde und Pause über dies und die Welt, bis Baji sie alle etwas fragte, was die anderen erstaunte.

"Sagt mal, wo wollt ihr eigentlich während der Projektwoche mitmachen?"

"Baji-chan? Biste krank? Oder hast du tatsächlich gerade gefragt, was wir machen werden. Ich dachte eigentlich wir machen 'ne Woche blau. Wie immer.", etwas perplex schaute Sakura ihren Freund an, der leicht rot anlief.

"Naja, meine Mutter bietet hier irgendwas an. Ich hab nicht so richtig zugehört, aber sie will so ihren Bekanntheitsgrad ein wenig fördern und auf sozial machen. Die drehen da gerade so eine Reportage über sie und sie meinte das käme ganz gut bei den Leuten an. Aber das heißt auch, dass sie mich zwingt dahin zu gehen. Und ich hatte gehofft, dass ihr mich das nicht alleine durchziehen lässt!" bittend sah der blonde Schönling seine Freunde nach der langen Rede an.

"Also, ich denke ich werde mich für die Schauspielgruppe eintragen.", sagte Mona plötzlich, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Als sie die unverständlichen Blicke spürte, lief auch sie rosa an. "Die werden Dornröschen spielen und das ist... ich mag das Märchen halt gerne." Am Schluss ihrer Rede wurde sie immer roter, sackte ein wenig in sich zusammen und redete bei jedem neuen Wort ein Stück leiser. Plötzlich lachte Kyle auf.

"Sag bloß, du liebst dieses Märchen immer noch. Mona du bist sechzehn! Und stehst immer noch auf Märchen. Das war dein Lieblingsmärchen als du vier warst!"

"Das ist schon mein Leben lang mein Lieblingsmärchen. Und auch wenn ich mal eine depressive Phase hatte, wo man es für mehr als unwahrscheinlich hält, war es immer noch meine Lieblingsgeschichte. Außerdem: Ein Mädchen braucht ihre Träume!", regte sich Mona auf.

"Hey, wenn ich da mitmache: Meint ihr, ich kann die böse Hexe spielen?", mit leuchtenden Augen schaute Sakura ihre Freunde an.

"Ich würde bestimmt eine Fee spielen müssen. Ich bin doch so wunderbar klein.", meinte Sunny sarkastisch.

"Heißt das, ihr macht auch mit?", es schien so, als wolle Baji in die Luft schweben. Leider schaffte er es dank der Schwerkraft nicht dieses Vorhaben in die Realität zu setzen.

"Meinetwegen.", meinte Ailin nur immer noch ein wenig sauer auf Koji. Ryo zuckte nur mit den Achseln. Ihn machte das gar nichts aus. Umso mehr Gründe er hatte nicht zu Hause sein zu müssen umso besser!

"Und was?" Ein wenig ratlos schauten sich die alten Freunde an. Sie hatten sich den Zettel, den sie bekommen hatten, erst gar nicht angeschaut und hatten so keine Ahnung, was alles angeboten wurde.

"Warum macht ihr denn nicht auch beim Schauspielen mit? Vielleicht müsst ihr ja nur eine Zofe oder eine der Feen spielen oder so! Also, die Jungs jetzt mal ausgenommen natürlich!", lachte Mona.

"Warum eigentlich nicht? Es gibt da viele Rollen, die eher nebensächlich sind und so gut wie keinen oder sogar gar keinen Text haben! Ist doch ganz praktisch! Und Mona? Was willst du machen? Die Prinzessin?", fragte Sakura.

"Weiß nicht. Ich hab zu Hause immer die Prinzessin gespielt, aber jetzt... Was anderes würde mir mal ganz gut tun, glaube ich."

"Aber Dornröschen! Du kennst den Text doch schon mehr als auswendig und bist richtig gut in der Rolle drin. Also ich an deiner Stelle würde die Prinzessin spielen!"

"Du kannst dich ja meinetwegen für die Rolle melden, wenn sie dir so toll gefällt, Kyle. Wäre eigentlich ganz lustig. Und Sunny als Prinz!" Alle lachten laut auf bei dem Gedanken. Ja, das wäre wirklich ganz lustig. Selbst Kyle und Sunny mussten mitmachen. Plötzlich schaute Kyle auf die Uhr.

"Wir müssen langsam los. Die Stunde fängt gleich an!" Allgemeines Gegrummel machte sich breit.

"Na kommt schon. Ich hab euch jetzt, also auf!" Seufzend machten sie sich auf den Weg. Kyle und Mona ganz hinten in der Schlange.

"Mona?", murmelte Kyle plötzlich leise, so dass nur das Mädchen ihn hören konnte. "Depressive Phase find ich gut. Langsam kriegst auch du es mit dem Umschreiben hin." Die beiden mussten lächeln.

"Und? Willst du wirklich nicht die Prinzessin spielen oder hast du es nur gesagt, dass du nicht ganz so kindlich rüber kommst?"

"Natürlich hätte ich nichts dagegen die Prinzessin zu spielen.", musste Mona lachen. "Aber was neues schadet doch keinem, oder?"

Lachend gingen sie weiter. Es war einer der wenigen Augenblicke, wo Mona nicht bemerkte, dass sie beobachtet wird und es war das Ende eines Anfang. Der Anfang der Unachtsamkeit und einer Tragödie, die unendliche Leben nehmen sollte.
 


 

DIING!! DAANG!! DOONG!! Endlich wieder Pause! Die Clique ging wieder an ihren Lieblingsplatz, wo sie so wunderbar ungestört waren. Auf jeden Fall normalerweise. Kaum dass sie ihr Gespräch begonnen hatten wurden die Freunde unterbrochen. Ein rotangelaufener Junge ging auf die Chaosclique zu. An seinen Körper klammerte er schüchtern eine Mappe.

"Entschuldigung?", wisperte er leise. Doch die anderen dachten gar nicht daran einen so langweiligen Menschen eines Blickes zu würdigen. Nur Mona, die den Jungen noch nie gesehen hatte lächelte ihm freundlich zu. Sie war überrascht, dass er noch roter anlaufen konnte.

"Was willst du denn?", fragte sie freundlich. Endlich schauten auch die anderen auf. Doch der Ankömmling brachte keinen Ton heraus. Er schaute nur trübsinnig und mit hochrotem Kopf auf seine Schuhe.

"Hallo Masei-kun! Was machst du denn hier?", fragte nun Sakura.

"Kennst du ihn?", fragte Baji die Überflüssigste aller Fragen.

"Er wohnt bei mir in der Straße.", erklärte Sakura. Doch so langsam ging ihr dieses Schweigen gewaltig auf die Mütze. "Wenn du nichts zusagen hast, Mesei-kun, dann kannst du gleich wieder verschwinden!" Die amethystfarbenen Augen wurden langsam feucht. Doch sein Herz klopfte viel zu sehr, so dass er sich einfach nicht regen konnte.

"Stell dir doch einfach vor, wir alle wären gar nicht da und du sprächest mit deinem Spiegel. Mir hilft so was immer!", bemitleidete Mona den Jungen.

Dankbar schaute der Angesprochene auf. Sein Gesicht wurde wieder ein paar Nuancen roter, dennoch redete er, starr auf den Baum hinter seinen Ansprechpartnern blickend, los.

"Ich wollte fragen, ob Druì-sensei mir Modell stehen könnte.", sagte er ganz schnell.

"Du bist Künstler? Cool! Mach ich doch gerne!", rief Mona sofort aus.

"Darf man fragen ob es einen bestimmten Grund hat?", meldete sich Ryo nun nüchtern zu Wort. Grinsend schauten die Anderen den Ältesten unter ihnen an. Nur Mona blickte ein wenig verwirrt.

"Es ist doch bald die Projektwoche und ich mach da bei der Kunstgruppe mit...", Masei redete nicht weiter, aber Mona schien zu verstehen.

"Dylan leitet doch die Gruppe, oder? Wenn ich mich richtig erinnere, dann sagte er, dass sie einen Menschen malen sollten, den sie mögen, bewundern, lie..." Jetzt redete sie auch nicht weiter. Denn jetzt war es an ihr so rot wie Masei anzulaufen. Mit offenem Mund starrten die anderen den rothaarigen Jungen an. Der schaute aber verschreckt zu Ryo, welcher seine ohnehin schon einschüchternen Augen bedrohlich zusammen zog.

"Mo-sama?", fand Ailin seine Sprache endlich wieder. "Warum sollte er denn jetzt schon anfangen, wenn es erst in einer Woche angefangen werden soll?"

"Oh, sie sollen vorher schon Skizzen sammeln und ein paar Portraits und so!", erklärte Mona in ihre unbeschwerte Art zurückfallend.

"Also meinetwegen kannst du mich gerne zeichnen. Aber ich hab eine Bedingung! Da ich viel zu tun hab, kann ich nur während der Pausen Modell stehen. Und ich habe auch nicht vor mich von den anderen zu entfernen. Also wenn du mich malen möchtest, dann musst du das schon hier machen!", sagte Mona nun in ihrer Art, die keine Wiederworte zuließ. Doch der Junge hatte anscheinend gar nicht vor zu wiedersprechen. Lächelnd setzte er sich hin, klappte seine Mappe auf, nahm Stift und Radiergummi aus seiner Tasche und fing sofort mit er Arbeit an. Völlig in seine Arbeit vertieft registrierte er gar nicht das drum herum, sondern sah nur Mona. Im siebten Himmel schwebend, bemerkte er auch gar nicht, wie Ryo das alles beobachtete.
 


 

Die Pause war schon zur hälfte verstrichen, als Ryo es einfach nicht mehr aushielt. Immer noch mit gefährlichen Augen stand er auf und ging weg, doch wurde er von Mona aufgehalten.

"Ry-chan. Wo willst du denn hin?" Aber Mona bekam keine Antwort. Ohne weiter auf sie zu achten, ging er um die Ecke und verschwand damit aus dem Blickwinkel der anderen.

"Was ist denn in den gefahren?", wunderte sich Mona zusehends.

"Tja, Mo-sama. Ich schätze mal, das ist deine Schuld!", lächelte Ailin sanft.

"Wieso meine?"

"Du bist so naiv. Hast du noch nie bemerkt, wie Ryo sich in deiner Nähe benimmt?"

"Normal?"

"Dann bist du entweder noch naiver als ich dachte oder du kennst ihn einfach wirklich nicht anders. Seit wir ihn kennen ist er gefühlsmäßig völlig abgestumpft! Genau wissen wir nicht warum, aber wir glauben das hat irgendwas mit seiner Familie zutun! Auf jeden Fall hat er so gut wie nie Gefühle gezeigt. Aber wenn du in seiner Nähe bist, dann ist er fast wie ein normaler Junge. Er zeigt Gefühle und Emotionen. Wahrscheinlich ist es eher unbewusst, aber es ist halt so!"

Mona hatte plötzlich einen ganz seltsamen Ausdruck. Die Anderen wussten einfach nicht, wo sie solch einen Blick einordnen sollten.

Es war ganz still geworden. Alle schauten ein wenig verwundert zu Mona. Selbst Shinja Mesei hatte mit seiner Arbeit aufgehört. Doch Monas sehnsüchtiger, verständnisvoller und nachdenklicher Blick änderte sich schneller als die anderen reagieren konnten.

"Mesei-kun? Kann ich mal schauen, wie es schon aussieht?", fragte sie erwartungsvoll. Doch der Angesprochene schüttelte heftig den Kopf.

"Erst wenn es fertig ist!", erklärte er wehmütig dem Hundeblick Monas. Geduldig setzte sich das Mädchen wieder hin und tat so, als ob es keine Unterbrechung gegeben hätte.
 


 

Ry-chan? Hab ich irgendwas falsch gemacht? Wenn ja, dann tut es mir leid. Ich wollte dich wirklich nicht verletzen!

Mona
 

Verwundert sah der Schwarzhaarige auf den Zettel, den Mona ihn zugesteckt hatte. Es war die letzte Stunde für sie und direkt nach der Pause konnten sie nicht sprechen, weil Mona mit dem Lehrer in die Klasse kam. Er schaute nach links, wo Mona zu ihm sah. Er musste lächeln bei dem traurigen Gesicht, was sie machte. Fast unbemerkt schüttelte er den Kopf.

'Warum sollte es denn deine Schuld sein?', dachte er in sich hinein. Endlich lächelte Mona auch und sah wieder zum Lehrer. Das Kopfschütteln hätte sie wahrscheinlich wirklich nicht bemerkt, wenn Ryo nicht so laut gedacht hätte...

Künstlerpech und dessen Folgen (Part II)

oki, jetzt hab ich mein kommi, jettzt kann ich den zweiten teil hochladen!

das mit den handschuhen wird vorraussichtlich erst in drei kapiteln annähernd erklärt, aber es kommt! das ist ein versprechen!!!^^
 

übrigens, das gilt jetzt für imma: es kommt erst dann ein neues kapi, wenn ihc min einen kommi hab!!!
 


 

"Guten Morgen allerseits!", gähnte Mona. Sie schloss kurz die Augen, öffnete sie wieder und blinzelte ein paar mal, bevor sie sich für das Gähnen entschuldigte.

Müde gingen sie weiter. Normalerweise sollten sie heute die ersten beiden Ausfall haben, weil Dylan ja nicht da war. Deshalb war es gestern Abend ein wenig länger geworden. Doch unverhofft ging früh morgens eine Telefonkette herum, dass der süße Ire wieder gesund sei und es ihm nicht ein mal im Traum eingefallen wäre, seine Stunden ausfallen zu lassen. Müde trotteten die Freunde die Straßen entlang und es kam mehr als ein mal vor, dass einer seine Müdigkeit kundtun musste.
 

"Gibt sie wieder her!"
 

Sie alle hörten ein leises schluchzen, was von einer Seitenstraße ausging, die ganz in der Nähe war. Sie beschleunigten ihre Schritte. Das Schluchzen wurde immer lauter und hämisches Lachen vermischte sich mit den Lauten des Vorigen. Die Freunde bogen um und sahen ein nicht schön anzusehendes Bild. Es waren drei große muskulöse Jungs, die eine ihnen vertraute Mappe hin und her schmissen. Zwischen ihnen sprang der kleinere und schmächtigere Shinja und versuchte die Mappe in seine Hände zu bekommen. Tränen rannen seine Wangen hinunter und seine Blicke wanderten immer wieder besorgt von der Mappe, die er nicht erreichen konnte, zu einer, die zerfetzt und zerrissen auf dem Boden lag.

"Da weint der Kleine!", grinste der größte von ihnen.

"Sag mal, wer ist eigentlich das Mädchen, was du immer zeichnest? Sie ist ja richtig niedlich. Viel zu schade für dich Pimpf! Wie wäre es, wenn du mir ein Date mit ihr verschaffst und dafür lassen wir dich in Ruhe, OK?" Doch Shinja antwortete nicht. Er sprang nur immer wieder hoch und versuchte vergeblich an seine Mappe heran zu kommen.
 

"Hey! Lasst ihn gefälligst in Ruhe!" Die Jungs drehten sich verwundert um und sahen in Monas wütendes Gesicht. Auch ihre Freunde waren erstaunt. Mona war mehr als zwei Köpfe kleiner als die Drei und traute sich dazwischen zu gehen!

"Na was für eine Überraschung! Das Mädchen von den Bildern. In Real sieht sie ja noch besser aus. Hallo Süße!" Einer der Drei ging langsam auf das Mädchen zu. Er hatte lange schwarze Haare und kam Mona seltsam bekannt vor. Er dachte wohl, dass er auf das Mädchen bedrohlich oder einschüchternd wirkte, aber da hatte er sich getäuscht. Wissend lächelnd schaute sie zu ihm hoch.

"Wo du mich doch anscheinend so toll findest, könntest du mir doch einen Gefallen tun!", sagte sie freundlich. Ihr Ansprechpartner zog horchend eine Augenbraue hoch.

"Was denn Süße?" Mona grinste.

"Lass Masei-kun in Ruhe, gib ihm seine Sachen wieder, entschuldige dich bei ihm, sag deinen Freunden, dass sie das gleiche tun sollen und verschwinde aus meinem Blickwinkel. Die Reihenfolge überlass ich dir. Ich hab heute meinen gütigen Tag!" Der freundliche Blick von dem Jungen hatte sich schlagartig geändert.

"Du bist wohl verrückt geworden Kleine!"

"Ach wie Schade. Ich dachte eigentlich ich bin ein wenig nachsichtig, aber anscheinend muss ich mir jetzt eingestehen, dass meine neugewonnene Güte doch nichts bringt. Mach ich es halt auf meine alte Weise."

"Und die wäre?", lachte der Junge. Freundlich aber auch bestimmend lächelte Mona den Schwarzhaarigen an.

"Brutaler!", sagte sie schlicht. Mit diesen Worten grub sie ihre Faust in seinen Magen. Dem Überraschten blieb gar nichts anderes übrig als sich vor Schmerz zu krümmen.

"Haut lieber ab. Noch bin ein sanftes Kätzchen. Aber ich kann noch härter. Also zieht Leine, verstanden?", zischte das Mädchen gefährlich. Es dauerte keine zwei Sekunden, da waren die Drei auch schon nicht mehr zu sehen. Kaum einer hatte bemerkt, dass Mona bei dem Schlag ein wenig mit Magie nachgeholfen hatte. Und kaum einer hatte bemerkt, dass Ryo sich in eine dunklere Ecke verzogen hatte, wo der Schwarzhaarige ihn nicht sehen konnte.
 

Mona ging langsam auf den schluchzenden Shinja zu und half ihm seine verstreuten Sachen zusammen zu holen.

"Alles in Ordnung?", sorgte sie sich. Der Rothaarige nickte. Er hatte überall Schrammen und blaue Flecke, sein rechtes Auge war violett gefärbt, seine Haare waren unordentlich und seine Schuluniform hatte kleine Risse. Es war ein erbärmlicher Anblick.

"Ist das alles?" Wieder nickte er. "Dann komm." Lächelnd half sie ihm auf und reichte ihm ein weißes mit Blumen besticktes Taschentuch, womit er sich die Tränen wegwischen sollte.

"Komm.", wiederholte sie liebevoll und gab Shinja einen kleinen Schubs.
 

Als sie aus der Gasse kam, sah sie ein wenig enttäuscht auf den blassen Ryo. Bei dem Blick, den er sich einfing, schaute er leicht beschämt in die andere Richtung und ging seines Weges. Die anderen folgten ihm. Jedoch während der Älteste schweigend und seinen Gedanken nachhängend voran gingen, bildeten die andere eine Traube um Mona und versicherten ihr immer wieder, dass das eben unglaublich war.
 

Es war schon lange nach acht Uhr als Mona und die Anderen den Gang zum Kunstraum entlang gingen. Sie waren schon fast an der Tür angekommen als sie von Frau Itama aufgehalten wurden.

"Sie sind zu spät! Geschlagene zehn Minuten!", schrie sie über den ganzen Flur. Verwundert wurde die Tür zum Kunstraum aufgeschoben und Dylans Kopf schaute heraus.

"Wo bleibt ihre Entschuldigung?", scharf sah die Schreckschraube in Monas Richtung doch ihr Blick schweifte auf Shinja ab, der kleinlaut und ziemlich ramponiert hinter ihr stand.

"Druì? Was haben sie mit Masei gemacht?", meckerte sie spitz.

"Tut mir ja leid sie zu enttäuschen, aber ich habe gar nichts gemacht!", antwortete Mona sachlich.

"Das sieht aber ganz anders aus. Sie kommen in mein Büro. Sofort. Alle miteinander."

"Ähm. Frau Itama.", mischte sich nun Dylan vorsichtig ein. "Ich kritisiere sie ja wirklich nur ungern, aber sie haben keinen Grund Mona zu beschuldigen. Und auf mich wirkt es eher so als ob Shinja bei ihr Schutz sucht, sie ihn also geholfen hatte. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Mona erst langsam ein wenig sauer wird, wenn andere ihr Gegenüber schon lange erdrosselt hätten. Sie ist nicht der Typ, der andere verprügelt."

"Das werden wir ja sehen. Benachrichtigen sie bitte die Erziehungsberechtigten." Mit diesen Worten ging sie in Richtung ihres Büros.

"Keine Angst, Dyl. Ich mach das schon.", flüsterte Mona noch beschwichtigend bevor sie wie die anderen der stellvertretenden Schulleiterin folgte.
 

Im Büro angekommen mussten sich die Kinder hinsetzten. Shinja wurde im Nebenraum von der Schulärztin versorgt und Frau Itama wartete im Vorraum auf die Eltern und Klassenlehrer. Die meisten redeten miteinander. Was jetzt mit ihnen passieren würde. Ob sie die Wahrheit sagen sollten und wenn nicht, was dann? Ob ihre Zuhörer ihnen glauben würden.

Mona dagegen hatte ein Bein auf dem Stuhl angewinkelt, ihre Arme um diesen geschlungen und lehnte ihren Kopf darauf. Sie beobachtete Ryo, der in einer Ecke stand und in sich hinein grübelte.

"Warum hattest du dich versteckt?", fragte Mona plötzlich. Die anderen, auch Ryo, schauten sie verwundert an. Sie hatte einen völlig klaren Blick und ihre Art zu sprechen war bestimmend. Es war so völlig anders als sonst. Nicht naiv, unbekümmert und unschuldig.

"Was meinst du damit?", fragte Ryo verwundert.

"Ach komm schon Ryo. Glaubst du wirklich ich hätte es nicht bemerkt? Du hattest dich in einer Ecke versteckt. Ich weiß, dass du Shinja nicht sonderlich magst. Keine Ahnung warum, aber ich weiß es. Aber er hat es doch trotzdem nicht verdient, dass man einfach zuguckt!"

"Du verstehst das nicht. Und es hatte nichts mit Masei zu tun." Er schaute wieder aus dem Fenster und beließ es damit dabei.

Plötzlich ging die Tür auf und Shinja kam herein. Er hatte überall Verbände und Pflaster. Auf die Frage wie es ihm jetzt ginge nickte er nur. Dann war es wieder still im Raum.

Keine Minute später kam Frau Itama mit mehreren Erwachsenen herein. Eine Rothaarige besorgte Frau unterhielt sich panisch mit der Ersten. Es folgten ihnen zwei Frauen, die sich gut zu kennen schienen. Beide waren perfekt gestylt, doch bei der mit den langen blonden leicht gewellten Haaren wirkte es professioneller als bei der lilablau Haarigen. Ihnen folgte Frau Ransho, die mit zwei traditionell angezogenen Frauen redete. Nach diesem Gespann kamen Dylan, Kyle und Troyes, die sich auf irisch ziemlich energisch unterhielten. Mona zählte immer wieder durch. Nach ihrer Rechnung fehlte einer. Sie konnte jeden vom Aussehen und Verhalten ihren Freunden zuordnen, aber für Ryo fand sie niemanden, doch dieser schien sich nicht zu wundern. Er schnaubte nur einmal hämisch und schaute dann wieder aus dem Fenster. Als die Rothaarige Shinja sah, schrie sie einmal spitz auf, kniete sich vor ihn und betastete ihn, als ob sie prüfen wollte ob auch wirklich alles dran war. Frau Itama ging um den Tisch herum und setzte sich auf ihren großen Sessel, von wo sie jeden genau fixieren konnte.

"Und jetzt möchte ich genau wissen, was hier passiert war. Warum haben sie das mit Shinja angestellt, Druì?", fragte sie sofort ohne Umschweife. Sie wurde von allen beobachtet, doch Mona blieb immer noch ganz ruhig.

"Wie ich ihnen schon einmal gesagt habe: Ich war es nicht. Ich hätte doch überhaupt keinen Grund dafür gehabt.", ohne eine Miene zu verziehen sah sie ihr Gegenüber an.

"Mona schlägt nicht einfach so andere, das habe ich ihnen schon einmal gesagt!", warf Dylan jetzt dazwischen. Frau Itama lächelte diabolisch und schaute in ihre Unterlagen. Es war eine Akte auf der "Druì, Mona" stand.

"Aus meiner Akte kann ich vernehmen, dass sie schon des öfteren andere zusammen geschlagen hatten und zwar ohne Grund.", lächelte sie sachlich.

"Nur weil der Grund nicht drinnen steht, heißt das noch lange nicht, dass es keinen gab. Es gibt gewisse Dinge, die man nicht gerne preisgibt, egal was auf dem Spiel steht."

"Also geben sie zu, dass sie in Irland des öfteren jemanden zusammengeschlagen haben."

"Haben sie sich nie geprügelt?" Frau Itama schüttelte den Kopf. "Wirklich nicht. WOW. Ich wusste, dass sie eigenartig sind, aber so schlimm? Von welchem Stern kommen sie?"

"Hör auf damit.", zischte Troyes schnell. Mona rollte nur die Augen, sagte aber nichts mehr.

"Sie war das wirklich nicht.", konnte man die leise Stimme Shinjas vernehmen. "Sie hatte mir nur geholfen."

"Sie können ruhig die Wahrheit sagen. Niemand wird ihnen böse sein.", Itama versuchte vergeblich nett und freundlich zu wirken, doch bei ihren böse glänzenden Augen war der Versuch erfolglos.

"Aber das ist die Wahrheit. Drei Jungen hatten mir meine Mappen weggenommen und mich in eine kleine Gasse gezogen, wo sie mich prügelten. Druì-sensei hat sie nur aufgehalten.", erklärte der Junge leise.

"Wie sahen die aus?", fragte Frau Itama scharf.

"Sie waren alle groß und die Uniformen waren von der Uni. Einer hatte schwarze lange Haare. Er war der größte und der stärkste. Ich glaube er war der Anführer und sie nannten sie Dadoi-sensei." Alle schauten sofort auf Ryo, der nicht so schien als ob er das mitbekommen hätte.

"Dadoi-sensei? Weißt du wer er ist, Ry-chan?" Aber Ryo bewegte sich immer noch nicht. Seinen Blick starr aus dem Fenster gerichtet beantwortete er Monas Frage nicht.

"Er war auf der Uni und hieß Dadoi, sagst du?", fragte nun Frau Ransho. Der angesprochene Shinja nickte. "Das dürfte hinkommen. Ryos großer Bruder dürfte auf der Uni sein."

"Kuso ist nicht mein Bruder.", war das einzige, was Ryo dazu sagte.

"Also war er es?" Ryo brummte nur, aber für alle war klar, dass es eine Zustimmung war.

Doch Frau Itama wollte sie noch nicht gehen lassen. Sie sagte zwar, dass die meisten gehen könnten, aber Mona sollte noch bleiben. Keiner bewegte sich.

"Ich habe mir die Bilder angesehen. Wirklich sehr gute Bilder, Masei." Shinja lächelte verlegen. Doch nach einer Weile schaute er erschrocken hoch. Er war in der kurzen Zeit noch viel blasser geworden.

"Sie haben alle Bilder angesehen?", fragte er mit seiner schüchternen leisen Art. Frau Itama nickte langsam lächelnd.

"Es war sehr interessant. Sie scheinen Druì sehr gerne zu zeichnen. Ich kann es sogar verstehen. Sie sieht zugegebener Maßen hübsch aus, auch wenn bestimmte Mädchen meiner Meinung nach hübscher sind. Wollen sie mal sehen, Druì?", fragte sie unschuldig. Ein wenig verwundert nahm Mona die Mappe an sich und blätterte sie durch. Dylan, Kyle und Baji schauten über ihre Schulter, die anderen versuchten mit Verrenkungen ein paar Blicke zu erhaschen. Es waren ohne Ausnahme Skizzen von Mona, die alle in der Schule entstanden waren.

"Die sind gut!", meinte Dylan nur erstaunt. Mona nickte.

"Ich wusste gar nicht, dass ich so hübsch bin.", scherzte sie trocken. Sie blätterte wieder um und wurde blass. Kyle sog scharf die Luft ein. Baji und Dylan ließen Laute der schlechten Überraschung von sich.

"Not good.", meinte Mona nur in ihre alte Sprache zurückfallend.

"Ah, wie ich sehe und höre sind sie auf der Seite angekommen, die ich so gerne mochte.", lächelte Itama ruhig.

"Darf ich mal sehen?", fragte Ransho freundlich und nahm sich die Skizze. Auch sie schien nicht sehr erfreut zu sein, auch wenn es bei ihr mehr Besorgnis war.

Jetzt wollten auch Troyes und Ryo wissen, was so schlecht und interessant war. Sie sahen ein Bild von Mona und Kyle. Mona lag auf dem Gras und schaute nach oben, wo Kyle sich nach vorne beugte um mit Mona sprechen zu können. Beide hatten je eine Zigarette im Mund und das Datum war eindeutig der vorige Tag.

"Tut mir leid, Druì-sensei. Aber du sahst da so glücklich aus und...", Shinja sprach nicht weiter. Er war den Tränen nahe.

"Schon gut, Shinja.", lächelte Mona freundlich und gütig.

"Du rauchst also wieder.", fragte Troyes kühl. Mona schaute auf.

"Ab und zu.", sagte sie.

"Du hattest es mir versprochen.", meinte Troyes unbewegt.

"Das stimmt so nicht ganz.", stellte Mona schnell richtig. "Du hattest mich gebeten und als das nichts brachte, hast du es mir verboten." Mona grinste leicht. "Das tolle daran ist, du kannst es mir gar nicht verbieten."

"Mona? Er ist dein Erziehungsberechtigter. Er kann es dir sehr wohl verbieten.", meinte Frau Ransho nur.

"Das ist so nicht ganz richtig. Ich bin sechzehn, also darf ich nach dem Gesetz rauchen. Außerdem hat Troyes mich nicht rechtlich adoptiert und jetzt wo ich sechzehn bin, kann er es mir auch nicht mehr in Japan verbieten.", erklärte Mona lächelnd. Im Raum war es ganz still geworden. Niemand bis auf die Iren wussten, dass Mona und Troyes nicht verwand waren. Und die beiden jungen Iren haben Mona noch nie vor anderen sagen hören, dass sie nicht verwand seien. Sie hatte sonst immer darauf bestanden, dass sie ihn Großvater nennen durfte. Nicht nur, weil es so üblich war, sondern auch, weil sie sich wie Großvater und Enkelin fühlten.

"Da hast du Recht. Verbieten kann ich es dir nur in meinem Haus und das tu ich auch. Aber das weißt du ja." Die beiden lächelten kühl und distanziert.

"Es ist für sie irrelevant, ob Herr Druì es ihnen verbieten kann oder nicht. Es ist auf dem Schulhof verboten zu rauchen!", lächelte Itama vergnügt. Mona biss sich auf die Lippen. Sie hatte gehofft die Sache aus der Welt zu schaffen, wenn sie Frau Itama von ihrem Vorhaben ablenkt.

"Gibt es irgendeine Möglichkeit, sie von einer schweren Bestrafung abzubringen?" In Monas Stimme konnte man leichte Verzweiflung wahrnehmen.

"Nein. Sie alle sind bis auf weiteres von der Schule auf unbestimmte Zeit suspendiert.", verkündete Itama vergnügt.

"WAS? Wieso wir alle?", kreischte Sakura auf.

"Weil ihr dabei wart und sie nicht aufgehalten hattet.", erklärte Itama.

"Aber sie wissen nicht, ob sie es nicht versucht hatten!", versuchte Ransho mit zitternder Stimme die Eskalation zu verringern.

"Ich weiß sie setzten sich immer voll und ganz für diese Truppe ein, aber diesmal wird es nichts bringen. Da können sie auch noch so lange Formulare ausfüllen. Sie alle haben nachweislich gegen eine wichtige Schulregel verstoßen. Wenn sie sie jetzt zu beschützen versuchen, stellen sie sich automatisch auf die Seite der Regelverletzung und ich habe die Befugnis sie ebenfalls von der Schule fristlos zu suspendieren. Das gleiche gilt auch für unsere beiden Referenten." Itama freute sich sichtlich immer mehr.

"Was sind sie bloß für ein Mensch.", flüsterte Mona verachtend. Sie hatte es mal wieder geschafft, dass es ganz still im Raum wurde.

"Wie bitte?"

"Sie haben mich schon verstanden. Sie haben einen Groll gegen mich. Keine Ahnung warum - ich habe ihnen meines Wissens nichts getan, aber meinetwegen - und sie haben das Recht mich zu suspendieren, da ich wissentlich gegen die Schulregeln verstoßen habe. Aber woher nehmen sie sich das Recht, meine Freunde für etwas zu bestrafen, was sie nicht getan haben? Woher nehmen sie sich das Recht sie zu verurteilen?" Vorwurfsvoll schaute sie zu der stellvertretenden Schulleiterin. Ihr Blick war wieder so seltsam geworden. Es war Vorwurf in ihm, aber auch Trauer und Unverständnis. Kyle musste lächeln. Langsam wurde Mona so, wie es die anderen sich immer erhofften.

"Da hat sie Recht.", sagte nun Frau Ransho. "Mich können sie natürlich auf unbestimmte Zeit suspendieren. Bei Mona geht laut den Schulregeln nur eine Woche und sie können sie von der Projektwoche ausschließen, aber ihren Freunden können sie nichts tun. Und da Dylan und Kyle hoffentlich an ihre Zukunft denken, werden sie sich nicht einmischen. Dann können sie ihnen auch nichts!", freundlich lächelnd sah sie ihr Gegenüber an. Diese lächelte nur verklemmt zurück. "Gut.", nahm Ransho wieder das Wort auf. "Dann können wir ja jetzt gehen. Kommst du Mona?" Das Mädchen nickte und folgte ihrer Lehrerin.
 

Sie waren schon auf dem Schulhof, als Mona etwas einfiel.

"Warten sie bitte einmal.", sagte sie kurz und ging zu einem der Tische. Dort holte sie Block und Stift heraus, kritzelte schnell etwas, riss den beschriebenen Zettel heraus und lief dann wieder zu Frau Ransho. Diese guckte zwar fragend, wusste aber, dass sie keine Antwort bekommen würde. Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht gingen sie vom Schulhof.
 


 

Schweigend gingen sie wieder in ihre Klasse. Sie konnten immer noch nicht glauben, was eben passiert war. Sie kamen zwar zu spät zum Unterricht, wurden aber nicht nach dem Grund gefragt.

Sie setzten sich hin und hingen ihren Gedanken nach. Eigentlich hatte Ryo jetzt nicht die richtige Stimmung, um beim Unterricht mitzumachen, aber er musste sich einfach irgendwie ablenken. Mehr mechanisch nahm er seine Sachen heraus, doch als er einen Stift nehmen wollte, stutzte er. In seiner Federtasche war ein Zettel, an den er sich nicht erinnern konnte. Verwundert öffnete er ihn und stutzte wiederholt. Er las ihn sich noch mal durch und musste lächeln. Obwohl kein ,Absender' drauf geschrieben war, wusste er sofort, von wem er war und wie er dorthinein kam.
 

Tut mir leid, was ich eben zu dir gesagt hatte...

Magie

viel handlung wird hier eigentlich nicht beschrieben (is auch nich viel vorhanden!!!), aber dieses kapi is trotzdem sehr wichtig für den weiteren verlauf. eigentlich besteht es fast nur aus gedanken und dialogen, oder eher zwigesprächen(!)^^

hoffe, es gefällt trotzdem!
 


 


 

"Bin wieder da!" Es war schon lange dunkel, als Mona nach Hause kam. Sie zog ihre Schuhe aus und ging schnurstracks nach oben, um müde in ihr Bett zu fallen. Mit halb geschlossenen Augen ließ sie den heutigen Tag noch einmal Revue passieren. Als erstes haben sie Shinja Masei, der mit Vorliebe Mona malende Künstler ihrer Schule, vor drei Schlägern gerettet. Ryo hatte sich vor deren Anführer versteckt, da er, wie sich später heraus stellte, sein Stiefbruder war. Dann kamen sie zu spät zum Unterricht und wurden von Itama, die Mona für den Zustand Shinjas verantwortlich machte, erwischt. Und dann hatte sie heraus gefunden, dass Mona auf dem Schulhof geraucht hatte und sie und Frau Ransho, die sich für Mona und ihre Freunde eingesetzt hatte, wurden der Schule verwiesen. Bei Mona war es nur für eine Woche plus der Ausschließung der Projektwoche, doch bei Frau Ransho war es auf unbestimmte Zeit und jeder wusste, dass Itama es so lange hinaus ziehen würde, bis sie in den Schwangerschaftsurlaub gehen würde.

Ohne es zu registrieren war Mona aufgestanden und stand nun vor dem Fenster. Seufzend öffnete sie dieses und setzte sich auf die Fensterbank, so dass ihre Beine nach draußen bummelten. Sie nahm sich Zigarette und Feuerzeug und qualmte in Gedanken schwelgend. In letzter Zeit rauchte sie wieder viel mehr, wohl weil sie immer so nervös und gestresst war. Sie überlegte, woran das liegen könnte, doch lange brauchte sie nicht dafür.

Dynas Einfluss wurde immer stärker und ihr Eigener schwand. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er seine Ideologie durchgesetzt haben wird. Mona lächelte gequält. Sie dachte an die Gesetze von Magannée und was sie bewirken würden.

,Aber wird er sie je durchsetzten können? Der Rat ist nicht dumm! Dynas leider auch nicht. Ja, er ist irre, aber nicht dumm!' Wieder seufzte sie und schaute zu den Sternen hinauf. Jeder Stern und jede Konstellation hat ihren Grund, ihre Bedeutung, ihre Magie. Ganz deutlich konnte Mona Orion sehen, den Krieger. Sie vertraute ihm, er würde sie beschützen - es war doch seine Pflicht als Krieger - aber er war soweit weg, dass sie auf sich allein gestellt war.

,Allein. Allein, wie der Mond. Einsam hängt er am Himmel. Als Trabant eines belebten Planeten. Er ist anders als die anderen Sterne, die von allein leuchten und sich vom Belebten entfernen. Er möchte auch zur Erde, doch er wird hier nie ankommen. Er ist anders, als alles andere. Die anderen Druiden vergleichen sich immer mit den Sternen und haben für jeden eine passende Konstellation, nur für mich nicht. Ich bin anders. Etwas Besonderes, aber gleichzeitig etwas Verachtungswertes.' Man hat sie mit Luna, dem Mond, verglichen. Sie sind sich sehr ähnlich. Mohn und Luna. In weiser Voraussicht hatte ihre Mutter sie nach den Beiden benannt. Aber auch, weil...

"Mona? Was machst du da?" Verwundert schaute die Angesprochene nach unten. Da stand Ryo, noch in seiner Schuluniform und mit Lilly im Arm.

"Die Tür ist offen. Komm doch bitte nach oben." Ryo nickte. Er verschwand aus dem Blickwinkel und man konnte das Quietschen einer Tür hören, dann das Tappen von Füßen auf der Treppe.

"Was machst du da?", fragte Ryo wieder als er neben Mona stand.

"Nachdenken.", kam es nüchtern von Mona. Sie schnipste den restlichen Stummel ihrer Zigarette hinaus und schloss das Fenster wieder.

"Bringst du mir Lilly? Die hatte ich ganz vergessen. Entschuldigung. Danke." Sie schaute nach oben, wo Ryo den Kopf schüttelte. Als er fragend angeguckt wurde, erklärte er:

"Natürlich bringe ich dir auch Lilly, aber das ist nicht der hauptsächliche Grund, warum ich hier bin. Wir haben uns Sorgen gemacht. Nachdem du heute morgen von der Schule gegangen bist, haben wir dich nicht wieder gesehen."

"Als erstes haben Ransho und ich sehr lange geredet. Und danach musste ich nachdenken. Ich bin des öfteren bei euch vorbeigekommen, konnte aber einfach nicht hinein gehen." Mona wunderte sich. Warum sagte sie das. Sie wollte es doch eigentlich keinem sagen. Warum erzählte sie dann Ryo alles. Der Achtzehnjährige war inzwischen auf der anderen Seite des Zimmers und legte Lilly in ihr Bettchen. Im Halbdunkel, was hier herrschte, konnte er wage verschiedene Verzierungen sehen, die alle sehr mystisch und alt aussahen. Lächelnd ging er wieder auf Mona zu und sah ihr tief in die smaragdfarbenen Augen.

"Das kann ich verstehen. Ich hätte auch viel nachdenken müssen. Und ich kann stolz auf dich sein." Verwundert schaute Mona ihn an. "Du hast nicht gelogen! Aber du hättest mir auch gar nichts vormachen können. Ich hab dich oft in unserer Nähe gespürt."

"Du kannst Menschen spüren?", interessierte sich Mona.

"Nicht direkt. Eher die Gefühle.", errötete Ryo.

"Deine innere Magie ist also ausgereift. Sind deine Eltern auch magisch?"

"Das bezweifle ich. Also bei meiner Mutter kann ich es ausschließen, aber mein Vater? Keine Ahnung."

"Warum...?", Mona fragte nicht weiter, doch Ryo wollte keine Geheimnisse mehr haben. Nicht vor Mona.

"Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Du musst wissen, dass meine Mutter früher einmal käuflich war. Sie hatte viele Kunden, aber sie ist sich ganz sicher, dass sie weiß, wer mein Vater ist. Normalerweise war es nie ohne Verhütung, aber er war ein Stammkunde und hatte seine Zeiten. Er bezahlte sehr gut und meine Mutter war auf sein Geld angewiesen. Eines Tages war er bei ihr und hatte keine Kondome mehr. Meine Mutter hatte ihr Letztes für den vorigen Kunden aufgebraucht und eigentlich hatte er immer eines bei sich, aber an diesem Tag halt nicht. Sie hat sich entschlossen auf das Risiko einzugehen. Sie sagt mir immer wieder, dass es die dümmste Entscheidung ihres Lebens war. Zwei Wochen später hatte sie erfahren, dass sie schwanger war. Als sie es ihm sagte, meinte er, dass er sie unter diesen Umständen nicht mehr mit seiner Gegenwart beglücken könnte. Wenn heraus käme, dass er Vater sei, wäre er aufgeschmissen, gerade weil die Mutter eine... Na, du weist schon."

"Warum wäre es so schlimm gewesen...?", fragte Mona verstehend.

"Er war Priester. Ein christlicher Priester. Er ließ eines seiner Kreuzanhänger für mich bei ihr. Als Andenken, sagte er. Dass ich nie vergesse, wer er war. Das ist mein Ohrring. Ich nehme ihn nie ab. Nicht gerade, weil ich ihn als meinen Vater respektiere, sondern eher als Ermahnung. Niemals so zu werden, wie meine Eltern."

"Aber ist Familie für dich denn nicht wichtig?", wunderte Mona sich.

"Ich sehe sie nicht als meine Familie an! Meine Familie sind meine Freunde."

"Wie hast du sie kennen gelernt?"

"Mit Baji war ich im Kindergarten. Er war eigentlich genau das Gegenteil von mir und Anfangs mochte er mich auch nicht. Aber er kannte Sakura halt. Ihre Eltern sind sehr gut befreundet und die beiden kennen sich schon aus der Wiege. Sakura war völlig anders, als die Anderen. Auch sie war nie sehr beliebt, weil sie sich nie wie ein Mädchen benommen hatte. Sie liebte Baggermatsch, Raufereien, Schneeballschlachten, Pirat spielen und solche Sachen halt. Sie sah mich alleine im Sandkasten sitzen und fragte mich, warum ich denn nicht mit den Anderen spielte. Sie wollten mich nicht dabei haben und das wäre OK, hatte ich geantwortet. Aber sie glaubte mir nicht. Sie zog mich ohne weiter zu fragen zu Baji und befahl ihm, dass ich mitspielen dürfte. Ihm blieb keine andere Wahl und wir drei wurden die besten Freunde. Ungefähr ein Jahr später zog Ailin mit seinen Eltern hierher, weil sein Vater die Meiwa-Tempelanlagen leiten sollte. Ailins Großvater hatte sich zur Ruhe gesetzt. Ungefähr ein halbes Jahr später starb er auch. Naja, er kam in unseren Kindergarten und konnte unsere Sprache noch nicht richtig. Du musst wissen, seine Mutter ist eine amerikanische Mischasiatin und er hatte bis zu dieser Zeit in New York - in Chinatown - gelebt. Er war sehr still und traute sich nicht die anderen anzusprechen, weil er Angst hatte etwas falsches zu sagen. Sakura sah das und ging mit ihrer offenen Art zu ihm. Sein Japanisch war wirklich grottenschlecht. Er konnte nur die Basiswörter und Sakura hatte immer gelacht, wenn er was falsches sagte. Sie hat uns alle praktisch adoptiert! Sunny kam später dazu, wenn Ailin auf sie aufpassen musste. Sakura und sie wurden sehr gute Freunde und auch wir anderen mochten sie sehr gerne. Ich glaube deshalb ist sie auch so frühreif. Sie war von Kindesbeinen an immer nur mit uns Größeren zusammen. Sie ist ganze fünf Jahre jünger als ich! Wusstest du, dass die Beiden mal zusammen waren?"

"Sunny und Ailin?" Mona verzog verwundert das Gesicht. Sie konnte sich nicht vorstellen mit ihrem Cousin zu gehen, wenn sie einen gehabt hätte.

"Sake und Ailin!", berichtigte Ryo sie lachend. Mona seufzte auf.

"Ich dachte schon... Nein, wusste ich nicht."

"Als sie Schluss machten musste Ailin ihr versprechen, dass er ruhig mit jeder ausgehen könnte, die er wollte, nur nicht mit Joro. Die beiden haben sich schon immer gehasst. Ich weiß gar nicht mehr, wie das angefangen hatte. Ich glaube das war, als sie alle eine Schlammschlacht gemacht hatten und Sakura aus versehen das neue weiße Kleid von Joro getroffen hatte. Es ging nie wieder ganz raus. Seit dem hat sich das immer weiter hoch geschaukelt." Mona lachte auf. Sie konnte sich bildlich vorstellen, was Joro für ein Gesicht machte, als sie die Schlammpackung abbekommen hatte. Friedlich lächelnd schaute das Mädchen zu Ryo hoch.

"Was ist denn?", fragte dieser, verwundert über den plötzlichen Sinneswandel.

"Machst du vielleicht einen kleinen Spaziergang mit mir, Ry-chan?", fragte sie in ihrer unschuldig naiven Art. Ryo lächelte sanft und nickte. Sie ergriff seine Hand und die beiden gingen über die Straße und über den Deich hinunter zum Strand.

"Und wer passt jetzt auf Lilly auf?", fragte Ryo nach einiger Zeit, in der sie schweigend nebeneinander hergegangen waren.

"Das macht Momo!", erklärte Mona. Sie schaute wieder nach oben zu den Sternen.

"Mona?", fragte Ryo schließlich, nachdem er sie eine Zeit lang beobachtet hatte. "Was meintest du vorhin mit: Deine innere Magie ist also ausgereift?"

"Ryo. Jedes Wesen hat Magie in sich. Die meisten wissen das nicht und können sie auch nicht spüren oder irgendwas ,Besonderes' machen. Aber es gibt auch welche, die Sachen machen können, die normale Menschen als ,abnormal' bezeichnen würden. Natürlich die Hexen und Zauberer. Bei denen ist das so was wie ein Geburtsrecht, es ist von Generation zu Generation weitergegeben worden. Aber es gibt auch welche, die haben das scheinbar ohne jeden weiteren Grund. Das sind Leute, wie du."

"Und du? Ich meine die Sache mit den Blumen..." Mona legte lächelnd einen Finger auf seinen Mund, um ihm zu bedeuten ruhig zu sein, und führte ihn bis zum Knöchel ins Wasser (Die Schuhe hatten sie schon vorher ausgezogen!). Sie stellte ihn so hin, dass er auf das Meer schaute, stellte sich hinter ihn und schlang ihre Arme um seinen Körper.

"Schließ die Augen, Ryo." Ryo gehorchte. Er hörte nur auf Monas Stimme und tat das, was sie sagte.

"Entspann dich! Du bist viel zu verkrampft... Ganz ruhig... Gut! Konzentrier dich auf das, was du spürst. Du musst es mit deinem inneren Auge sehen... Als erstes ist da das Wasser und die Strömung. Sie umgeben deine Beine und spülen den Sand unter deinen Füßen weg. Dann spürst du die Luft, die dich umgibt und den Wind auf deiner Haut. Versuche dir alles vor deinem inneren Auge vorzustellen. Nicht so, wie du es kennst - wie du es in Erinnerungen hast - sondern so, wie du es spürst. Folge der Möwe, die über uns fliegt. Du fliegst über's Meer in die Richtung der Sonne. Siehst du den Wal, der da aus dem Wasser springt? Folge ihm. Wir tauchen tiefer ins Wasser hinein und sehen Fische und Korallen." Plötzlich hörten sie ein lautes Dröhnen. Vom vorbeifahrenden Auto wieder in die Realität gerufen, konnte Ryo das Riff nicht mehr sehen. Er wusste gar nicht, dass dort ein Korallenriff war. So unberührt und wunderschön.

"Was war das?", fragte er Mona, die sich immer noch an ihm festhielt.

"Magie!", hauchte sie ihm ins Ohr. "Ich wollte dir zeigen, dass jeder Mensch Magie in sich trägt. Die Verwandlung-Pats, die wir bekommen haben, setzt diese Magie nur frei!" Sie lehnte sich an den Rücken Ryos und schloss die Augen.
 

Ryo musste schlucken. Er hatte eben noch über die Worte Monas nachgedacht und über das, was eben passiert war, als Mona sich plötzlich an ihn lehnte und sich näher an ihn drückte. Ihm wurde plötzlich ganz heiß und er spürte, wie er rot wurde. Er genoss diese Umarmung, aber er hatte auch Angst, was weiter passieren würde. In letzter Zeit hatte er viel nachgedacht und wusste jetzt, was mit ihm los war.
 

Mona öffnete schlagartig ihre Augen. Ryo hatte sich aus ihrer Umarmung ruckartig gelöst und ging ein paar Schritte von ihr weg.

"Ryo. Hab ich was falsches gemacht? Tut mir leid."

"Nein, es ist nicht deine Schuld. Es ist nur...", Ryo drehte sich um und sah die Verzweiflung von Mona. Er ging wieder auf sie zu und nahm ihr Gesicht in seine Hand. "Es ist nur, dass ich Angst habe, dass ich irgendwas tue, was ich später bereuen würde."

"Was meinst du damit?", wunderte sich Mona.

"Ich habe das Gefühl, dass du nicht sehr gut mit Gefühlen umgehen kannst." Mona nickte. "Ich hab immer wieder deine Unsicherheit gespürt, wenn Gefühle zur Rede kamen."

"Aber was hat das alles mit dir zu tun?", verstand Mona Ryos Worte nicht. Dieser verzweifelte langsam, aber es musste einfach raus. Und wenn jetzt nicht, wann denn dann?

"Mona, ich hab mich in dich verliebt und wenn du mich so umarmst, habe ich Angst, dass ich was falsches tu." Mona schloss die Augen. Sie hoffte, dass es alles nur ein böser Traum war, auch wenn ihr diese Worte aus unerfindlichen Grund wohl taten. Doch als sie die Augen wieder öffnete, stand sie immer noch am Strand und schaute auf den zerschmetterten Ryo.

"Ich...", wollte Mona anfangen, doch wurde sie je von Ryo unterbrochen.

"Nein, ist schon gut. Bitte sag nichts. Ich werde mich zurücknehmen und dir Zeit lassen. Ich hab doch bemerkt, dass du zur Zeit mehr als genug eigene Sorgen hast. Lass uns bitte einfach Freunde bleiben, OK?" Mona nickte. Sie wollte Ryo nicht als Freund verlieren. Aber irgendetwas in ihr drinnen wollte etwas anderes. Zum einen war da das Gefühl, dass es am Besten wäre, wenn sie alle im Stich lassen würde. Aber da war noch was anderes. Etwas, was etwas anderes wollte. Mona wusste nur nicht was...
 

Sie gingen wieder schweigend zurück. Ryo ließ es sich nicht nehmen Mona zur Tür zu bringen.

"Warte bitte noch kurz." Mona verschwand kurz im Haus und kam keine Minute später mit einer Mohnblüte in der Hand wieder.

"Das ist eine der Blüten von deinem Strauß! Ich möchte, dass du sie behältst. Meine Magie erhält sie am Leben!" Lächelnd nahm Ryo die Blume in seine Hand und verabschiedete sich von dem Mädchen seines Herzens.
 


 

Mona schaute ihm noch lange hinterher. Wie in Trance schloss sie die Tür, ging in ihr Zimmer, verriegelte die Klappe und ließ sich in ihr Bett fallen. Sie fuhr sich mit einer Hand durch ihr Haar und dachte noch lange nach...

von den Rechten und Höhenflügen eines Achtzehnjährigen (Part I)

"Sag mal Baji, was ist eigentlich mit dir los?" Mona schaute verwundert auf ihren blonden Freund, der den ganzen Tag schon so komisch war. Als erstes kam er viel zu spät zur Arbeit, weil er unbedingt mit seinem Chefkoch diskutieren musste. Er schaute immer wieder auf die Uhr. War unkonzentriert und nachlässig. Schon des öfteren hatte er heute noch mal nachfragen müssen, was der Kunde wünschte, weil er nicht richtig zugehört hatte. Er ließ andauernd irgendetwas fallen. Und dieser verträumte und abwesende Blick machte Mona ganz kirre. Entnervt schaute sie den sonst so aufmerksamen und heute so bescheuerten Charmeur in die Augen, welcher sofort leicht rötlich anlief. Auch die anderen schauten ihn auffordernd an. Nur Sakura musste grinsen. Sie schien den Grund zu kennen.

"Tut mir wirklich wahnsinnig leid. Das ist keine Absicht. Bin ich wirklich so schrecklich?", fragend schaute er seine Freunde an, die heftig nickten. "Tut mir wirklich leid. Es ist nur... Oh, ich bin so aufgeregt!" Hibbelig, wie er heute war, schlug er des öfteren wie ein Pinguin mit seinen Flachen Händen auf seine Oberschenkel. Ein Ausdruck der absoluten Vorfreude, wie die anderen wussten. So ein Bild war wirklich selten.

"Und warum?", hakte Mona weiter nach. Aber Baji war schon längst wieder im Land seiner Träume.

"Heute wird sein Motorrad geliefert und morgen kann er auch endlich damit durch die Gegend düsen.", erklärte Sakura bereitwillig für ihn.

"Ich kann euch ein Bild zeigen!" Die Worte "Motorrad" und "morgen durch die Gegend düsen" hatte ihn wieder auf den Boden zurückgeholt. Ailin pfiff gedehnt durch seine Zähne, als er das Bild vom schwarzen Motorrad sah.

"Das sieht verdammt teuer aus!", meinte er anrechnend.

"Stört das meine Eltern?", meinte Baji nur.

"Oh man. Wenn meine Eltern bloß das Geld dazu hätten...", jetzt war es an Sakura in Träumereien zu fallen. Baji sah sie mit leuchtenden Augen an. Man sah regelrecht, wie er sich bemühte kühlen Kopf zu bewahren und den Mut aufzubringen, sie zu fragen, was er schon den ganzen Tag fragen wollte.

"Wenn du möchtest... Vielleicht... Willst du gerne... Du könntest auf meine erste Tour mit kommen." Zum Schluss hatte Baji ganz schnell gesprochen und seine Augen geschlossen, dass ihm nicht schwindelig wurde bei dem Anblick von den leuchtenden lila Augen.

"Wirklich?" Sakuras Augen leuchteten wieder auf. Sie begannen mit der Sonne um die Wette zu strahlen, als Baji verkrampft nickte. Sakura hüpfte freudestrahlend davon und Baji atmete erleichtert aus.

"Ba-kun?", lächelte Mona scheinheilig, aber zuckersüß. Alle Augen richteten sich auf sie und Ryo wurde mal wieder ein wenig rosa um die Nase.

Lächelnd lehnte Mona sich ein wenig nach vorne.

"Ich empfehle eine Tour zum Strand mit Picknick.", flüsterte sie den nun roten Baji ins Ohr. Augenzwinkernd ging sie zu Sakura und man konnte sie hinter dem ersten Regal leicht auflachen hören.
 

"Sake?", mal wieder eröffnete Mona das Gespräch mit einer Frage. "Warum kann Baji sein Motorrad erst morgen fahren. Und ich dachte immer, dass man mit siebzehn kein Führerschein hat."

"Mona, du Dummerchen. Damit hast du deine Frage doch schon selber beantwortet!" Mona schaute ihre Freundin wie ein Auto an. "Baji wird morgen achtzehn. Er hat morgen Geburtstag!" Endlich klickte es auch bei Mona.

"Ach so! Das hab ich nicht gewusst. Jetzt hab ich gar kein Geschenk für ihn."

"Das geht schon in Ordnung. Wir schenken uns nie was! Natürlich manchmal, wenn man was gefunden hat, was der andere unbedingt haben muss, oder so. Aber im Regelfall nicht. Wir feiern lieber zusammen."

"Aber warum beschenkt ihr euch nicht?", verstand Mona mal wieder die Situation nicht ganz.

"Wir sagen immer, dass wir der Meinung sind, dass es falsch ist jemanden was zu schenken nur weil er Geburtstag hat! Also wir sind auch der Meinung, aber das ist nicht der wahre Grund, warum wir uns nichts schenken. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind einfach zu verschieden. Baji kann alles kaufen was er will. Er bekommt Unmengen an Taschengeld und muss noch nicht mal alles selber bezahlen. Früher war es bei mir auch fast in diesem Kalieber, aber heute eher wie bei Ailin und Sunny. Normal. Ryo dagegen hat so gut wie gar kein Geld. Seine Familie ist sehr groß und lebt von Sozialhilfe und dem Geld, was Ryo verdient! Daher..."

"OK, dass kann ich verstehen." Sakura lachte bei dem altklug verstehenden Gesicht, welches Mona jetzt machte und stellte ihre Pflanzenkrüge weiter um.

"Ach ja, das hätte ich glatt vergessen!" Sakura drehte sich noch einmal um und schaute in Monas fragendes Gesicht. "Es ist Tradition, dass wir Bajis Geburtstag bei "Ka-Lou" feiern. Wir treffen uns morgen um 22 Uhr an der Kreuzung!" Mona wunderte sich. "Ka-Lou"? Was war das denn nun schon wieder. Eine Bar, sehr wahrscheinlich. Mit diesem Schluss zufrieden, ging auch sie wieder ihrer Arbeit nach...
 


 

"Uuuäääh!!!" Baji gähnte laut und streckte sich ausgiebig. Heute war Samstag, also konnte er eigentlich ausschlafen, aber das hatte er nun gar nicht im Sinn. Denn heute war nicht irgendein Samstag. Heute war ein ganz besonderer Samstag. Heute war der Samstag, an dem Baji endlich achtzehn war. Heute war der Samstag, an dem er endlich Volljährig war und er offiziell seinen Führerschein hatte. Heute war der Samstag, an dem er mit Sakura seine erste Spritztour mit seinem Motorrad machte. Mit Sakura alleine. Das hatte er sich schon immer gewünscht. Sie kannten sich schon seit der Wiege. Aber wirklich alleine waren sie noch nie. Natürlich früher manchmal. Aber da war es ihm auch egal. Da waren sie nur die besten Freunde und haben zusammen im Sandkasten, Autos oder Bauklötze gespielt. Freudig grinsend ging er in sein Badezimmer. Nach ungefähr zehn Minuten kam er nur mit einem Badetuch um die Hüften geschlungen wieder heraus und öffnete eine andere Tür. Man konnte ein eigentlich normal großes Zimmer sehen - es war sein Kleiderschrank. Wie ein Fragezeichen schaute er sich um. Es war ja schon eigenartig genug, dass er als Junge mehr zum Anziehen hatte, als manches Mädchen, aber noch eigenartiger war es, dass er unter dieser riesigen Auswahl einfach nicht das richtige Outfit hatte. Fangen wir doch erst mal mit dem wichtigsten an. Das Kopftuch! Und wenn wir mit dem Motorrad unterwegs sein werden, wäre die Lederjacke wohl am besten. Und dazu? Moment mal, unter seinem riesigen Berg von Geschenken war doch auch eine schwarze Hose. Sie sah eigentlich sehr gut aus. Nachdem er sie ausgepackt hatte, machte er auch gleich ein Probeanziehen. Und er konnte ohne rot zu werden behaupten, dass er darin einen tollen Hintern hatte! Ja, das war eine gute Idee. Seine Füße waren überhaupt kein Problem. Wie immer müssten seine Lieblings Designerschuhe herhalten. Die weißen mit den blauen Streifen! Um das alles abzurunden wäre ein schlichtes Hemd doch nicht schlecht. Am liebsten würde er eines seiner Blauen anziehen, aber Baji wusste von Ailin, dass Sakura sein grünes Halbseidenes am liebsten mochte. Dann müsste das wohl herhalten. Zufrieden drehte er sich vor seinem Ganzkörperspiegel, wobei das drehen mehr als unnötig war, da es ein dreiviertel Kreisspiegel war. Er hätte bloß den Kopf ein wenig neigen müssen. Er kämmte sich noch einmal die Haare, band sein Kopftuch wie ein Stirnband um seinen Kopf und stylte alles noch einmal. Heute musste jedes Härchen perfekt sitzen!
 


 

Langsam öffnete Sakura ihre Augen. Sie hatte sich extra den Wecker gestellt, und trotzdem fast verschlafen. Nur der Gedanke an die heutige Spritztour weckte sie endgültig. Verschlafen trottete sie in das große Bad und duschte sich ausgiebig. Jetzt war sie wach. Während sie ihre Haare fönte, überlegte sie, was sie heute tragen sollte. Beim Motorrad fahren wäre es wohl am praktischsten, wenn sie ihre Haare hochband. Gesagt, getan. Keine fünf Minuten später zierte ihr Kopf ein hoher, mit einem blauen Tuch zusammengehaltener Pferdeschwanz. Hochstecken braucht bei diesen Haaren einfach zu lange! Sie schminkte sich noch schnell dezent - Baji mochte diese überschminkten Pseudo-Models nicht sonderlich! Sie trug rosa Lipgloss auf, so dass ihre Lippen glänzten, aber nicht bemalt wirkten. Dann nahm sie ihren blasslila Lidschatten und verteilte diesen auf der entsprechenden Stelle. Als Highlight färbte sie ihre oberen Wimpern noch schwarz und zog direkt unter ihrem Auge einen feinen schwarzen Strich. Dezent, aber trotzdem schick und gestylt. Beschwingt hüpfte sie wieder in ihr Zimmer und öffnete ihren Schrank. Die Lederhose mit den Feuerflammen, die bis zum Knie hoch züngelten. Der Totenkopfgürtel war ja klar. Dann das blaue Top, was aussah wie mit Wasserwellen. Und die schwarze, weiblich geschnittene Lederjacke. Sie betrachtete sich kurz im Spiegel, wobei sie immer wieder hoch hüpfen und sich verrenken musste, damit sie sich auch im Ganzen bewundern konnte. Zufrieden schnappte sie sich ihre Kette und das lila Tuch, welches sie um ihren Arm band, und verließ das Zimmer. Beides hatte sie mal von Baji bekommen. Das lila Tuch war eigentlich eher ein Zufall gewesen. Sie hatte sich am Arm verletzt - wenn man sich prügelt, kann so was schon mal passieren - und Baji wollte sie verarzten, hatte aber kein Tuch oder so dabei. Also lief er in den nächsten Textilladen und kaufte eines ein, wobei er darauf achtete, dass es auch das Lilane war, und band es sorgfältig an ihren rechten Oberarm. Seid dem trug sie es ununterbrochen, es sei denn, sie wollte schlafen. Die Kette bekam sie zum sechszehnten Geburtstag von ihm. Er bestand darauf, dass sie das silberne ,S' mit der dazupassenden feingedrehten Kette annahm. Es blieb ihr gar nichts anderes übrig. Außerdem hatte sie sich vom ersten Moment an in dieses kleine Schmuckstück verliebt.
 

Schnell lief sie die Treppe hinunter, durch das Wohnzimmer, in die Küche hinein. Dort wartete schon ein fertiges Brot auf sie und eine Jumbotasse Kaffee.

"Du siehst ja heute wunderschön aus, Sakura.", bemerkte Herr Seki mehr nebenbei, wobei er nur kurz von seiner Zeitung wegschaute. Frau Seki schenkte ihr viel mehr Aufmerksamkeit.

"Du solltest eine kleine Dauerwelle machen, Sakura Liebling.", meinte sie, während sie an den langen Haaren ihrer Tochter herumfummelte. Mit eine Handbewegung mit der man normalerweise lästige Fliegen verscheucht, versuchte Sakura ihre Mutter loszuwerden.

"Und deine Finger könnten auch mal zur Maniküre." Ratlos seufzend schaute sie auf die eigentlich ganz ordentlichen Finger, die sie eben noch verscheuchen sollten. "Aber für heute könnte ich ja schnell..." Weiter kam sie nicht.

"Mama? Nein! Ich gehe nicht zur Maniküre, nicht zur Pediküre, nicht zur Kosmetik oder deinen eigenartigen Dauerwellen-Fetischisten! Du hast mich einmal in meinem Leben zu so einem verrückten Menschen gezerrt und ich hatte drei Monate lang Psychologen Termine! Und wirklich geheilt bin ich immer noch nicht. Der Typ hat mich noch verrückter gemacht. Und dich... dich lass ich erst gar nicht an mein Aussehen. Kauf dir 'ne Puppe, wenn es dir Spaß macht, aber lass mich damit in Ruhe." Für Sakura war mal wieder klar geworden, warum sie ihren Vater bei weitem lieber mochte! Damit es nicht wieder in einen Streit ausartete, ließ sie ihren erst halb ausgetrunkenen Kaffee stehen, schnappte sich ihr noch unberührtes Brot und machte sich schnellstens aus dem Staub.

"Wenigstens trifft sie sich mit dem jungen Tepai. Eine gute Wahl... Oh nein! Sie hat ihre Turnschuhe angezogen!" Verzweifelt kam Frau Seki wieder aus dem Flur und setzte sich an den Tisch. Sie wusste einfach nicht mehr, was sie noch machen musste, dass ihre Tochter sich endlich wie eine junge Frau benahm -wenigstens wie ein Mädchen!
 


 

Immer noch in Träumen schwelgend war Baji die große Treppe hinunter gekommen und ging direkt in die Richtung der Küche. Auf seine Familie hatte er jetzt keine Lust. Er wusste schon, was da abgehen würde. Herr Tepai würde seinen Tee austrinken und ihm dann einen Vortrag über das Leben eines Achtzehnjährigen halten. Er kannte das schon zur Genüge. Jedes Mal, wenn er Geburtstag hatte, bekam er einen entsprechenden Vortrag von seinem Vater. Er hatte sich schon oft überlegt, ob Herr Tepai die Abende davor immer sorgfältig textete und es dann auswendig lernte, oder ob es ihm spontan einfiel. Er konnte sich beides gut vorstellen. Fakt aber war, dass bis jetzt noch nichts eingetreten war, was sein Vater ihm predigte. Außerdem, was solle sich schon an einem Tag ändern? Gestern schien es ja noch nicht so gewesen zu sein, dass er große Verantwortung tragen würde oder irgendetwas in der Art. Wenn sich schon beim älter werden etwas ändern würde, dann müsste er jeden Tag so einen Vortrag bekommen. Immerhin war er jeden Tag ein wenig älter geworden. Baji schüttelte sich. Es grauste ihm bei solch einer Vorstellung.

Er kam gerade an einem Filmplakat vorbei - die Flure waren voll davon -, wo seine Mutter zu sehen war. Die würde sehr wahrscheinlich um ihn herumtänzeln und hier und dort noch etwas richten. Dann würde sie mit ihren falschen Tränen in den Augen sagen, dass ihr kleiner Junge jetzt schon so groß sei und das alles so schnell gehen würde. Außerdem würde sie sich alt fühlen, jetzt wo ihr Junge schon erwachsen war. Sie liebte diese Auftritte.

Joro würde wohl einen Anfall bekommen, dass sie weniger Aufmerksamkeit bekommen würde als Baji, und sich schmollend in ihren Sitz flätzen, penibel darauf achtend, dass sie trotz allem perfekt aussah, bis sich ihre Eltern wieder um sie kümmerten.
 

Nein, darauf hatte Baji nun wirklich keine Lust. Also ging er in die Küche, wo seltsamerweise schon ein Kaffee und belegte Brote auf ihn warteten und die gesamte Dienerschaft, die zur Zeit in der Küche tätig war, "Happy Birthday!" rief. Lächelnd nahm er sich ein Brot und setzte sich an den mittleren Tisch, wo er Francois, dem französischen Chefkoch, bei der Arbeit zu sehen konnte.

"Sie ge'en 'eute mit der jungen Seki aus? Pickenig?", fragte er sofort. Baji nickte, wobei er ein wenig rötlich anlief. "Dann wird ihnen das 'ier bestimmt freuen!" Lächelnd hob er einen kleinen Rucksack hoch. Fragend schaute Baji hinein und erschien den anderen mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach einiger Zeit wieder.

"Oh man, danke Francois!" Dieser winkte nur kurz mit der Hand ab und kochte dann weiter.

"Sag mal, was kochst du da eigentlich alles?", wunderte sich Baji nach einiger Zeit.

"Wissen sie nischt? ...Ihre Mutter 'at 'eute Abend eine, ähm ...grand ...Party wegen ihre ...merde ...Geburtstag." Baji seufzte auf. Die große Überraschung! Das hatte er ganz verdrängt. Aber denken konnte er es sich eigentlich. Er hatte einen Entschluss gefasst.

"Dann verlängern wir das Picknick einfach und kommen erst um 22 Uhr wieder. Und dann bin ich ja so oder so weg." Francois lachte auf. So was hatte er sich schon gedacht. Er kannte Baji schon sehr lange und auch, wenn er den jungen Herrn gebührend anredete, waren die beiden doch sehr gute Freunde geworden. Francois hatte mit der Zeit eine Mischung aus Bruder- und Vaterrolle übernommen.

"Gut!" Baji war aufgesprungen, schnappte sich den Rucksack und noch ein Brot und grinste Francois schelmisch an. "Wir sehen uns dann morgen früh. Es sei denn du möchtest unbedingt bis spät in die Nacht wach bleiben. Und vergiss nicht meiner Mutter bescheid zu sagen!" Bevor noch irgendeiner etwas erwidern konnte, war er auch schon aus der Angestelltentür nach draußen verschwunden.
 

Er schlich sich schnell auf den Vorplatz, wo ein Nigel Nagel neues, frisch poliertes, schwarzes Motorrad der neuesten Klasse stand. Er brauchte auch gar nicht lange die Schlüssel suchen - die hingen schon startbereit im Zündschloss. Vorfreudig grinsend schwang Baji ein Bein über die Maschine und strich liebevoll über den glatten Lack. Er drehte an den Griffen und das Fahrzeug heulte auf. Er sauste mit einem positiven Kribbeln im Bauch die Auffahrt entlang, durch das große, weiße Tor, auf die Straße.

Baji hörte noch seinen Namen in einer künstlich süßlichen Stimme hinter ihm, aber er ignorierte es schlicht weg.
 


 

Sakura schaute mal wieder auf ihre Uhr. Langsam wurde sie nervös. Ob ihm etwas passiert war? Sie hörte ein dröhnen. Hoffnungsvoll sah sie die Straße entlang. Ein rotes Motorrad fuhr ihr entgegen und bog eine Straße weiter mit quietschenden Reifen ab. Das war schon das Fünfte! Sie ließ den Kopf hängen und setzte sich auf die Haustreppe. Es musste ihm etwas passiert sein! Er hatte sich schon um fünfzehn Minuten verspätet. Das war doch gar nicht seine Art. Wieder hörte sie ein dröhnen. Doch das es endlich Baji war, hatte Sakura schon lange aufgegeben. Das Fahrzeug hielt am Wegrand. Es war ein Schwarzes. Der Fahrer trug weiße, ziemlich teuer aussehende Turnschuhe mit blauen Streifen. Blaue Streifen? Freudig sah sie auf und schaute direkt in blaue lächelnde Augen.

"Baji!", rief sie aus, indem sie aufsprang und ihn stürmisch umarmte. Plötzlich wandelte sich ihre Laune von überschwänglich in beleidigt. "Warum kommst du erst jetzt?", meckerte sie. Der rötlich angelaufene junge Mann sah sie wehmütig an.

"Die Polizei hat mich angehalten."

"Bist wohl zu schnell vor deiner Mutter geflohen!", witzelte Sakura sofort. Doch Baji lief noch roter an.

"Nein... Eigentlich... Ich wollte... dich sehen!", murmelte er. Jetzt war es an Sakura rot anzulaufen. Mit glänzenden Augen sah sie auf ihren Sandkastenfreund.

"Wollen wir los?", fragte sie nach einiger Zeit stummen Anschweigens. Baji schien ganz froh über den Themenwechsel. Schnell nickte er heftig und machte Sakura hinter sich platz. Diese setzte sich so nah wie irgend möglich an Baji heran und umklammerte seine Hüften mit ihren Armen. Baji vergewisserte sich noch kurz, ob Sakura auch richtig saß und fuhr los.
 

Der Wind sauste ihr um die Ohren und ließ ihren langen Pferdeschwanz wie eine Schlange in der Luft fliegen. Es war ziemlich schnell. So schnell war sie noch nie gefahren. Aber Angst hatte sie nicht. Lächelnd klammerte sie sich näher an den blonden Fahrer. Sie vertraute ihm. Wenn er in ihrer Nähe war, dann müsste sie nichts befürchten. Sie wünschte sich, dass dieser Moment nie enden würde. Doch leider wurden ihre Hoffnungen abrupt zerstört, als Baji abbog und kurz vorm weichen Strandsand anhielt. Er holte Rucksack und Decke aus dem Fach unterm Sitz heraus und führte Sakura an einen schönen Platz, wo er die Decke ausbreitete und das Essen auspackte. Es war wirklich alles dabei, was das Herz begehrte. Gerade als Sakura die süßen Reisbällchen sah, machte das Ihrige Luftsprünge.
 

edit: Ha, ich hhab es endlich geschafft meinen compu dazu zu bewegen mich ins internet zu geleiten. ich hoffe ihr verzeit die laaaaaaaaaaaaaaaaaaange verzögerung. eigentlich hatte ich gar nicht vor eine doppelfolge zu machen, aber sonst wäre es viiiiiiiiiel zu lang geworden. zweiter part ist schon in arbeit und fast fertig. aso, sobald ich min. einen kommi hier hab, wird wahrscheinlich auch das andere auf dem weg sein!

Von den Rechten und Höhenflügen eines Achtzehnjährigen (Part II)

Die Beiden waren schon viele Stunden am Strand. Sie hatten einen kleinen Spaziergang gemacht, waren bis zu den Knien ins Wasser gewatet und hatten nach Muscheln gesucht. Jetzt saßen sie nebeneinander und schauten dem Sonnenuntergang zu. Nach gut einer halben Stunde träumen war aber auch dieser verschwunden. Seufzend ließ sich Sakura auf den Rücken fallen und sah zu den Sternen hinauf.

"Was hast du?", fragte Baji nach einer Weile.

"Ich weiß nicht. Mona sagte mal, dass jeder Stern und diese Bilder eine Bedeutung haben. Und das man Menschen denen zuordnen kann. Ich hab mich nur gefragt, wer ich da oben wohl wäre." Jetzt legte sich auch Baji neben sie und schaute hinauf. Einen Moment war es ganz still.

"Ich glaub ich wüsste mit wem ich dich vergleichen würde.", sagte Baji schließlich. Fragend schaute Sakura auf das Geburtstagskind. Sie sah, wie sich die Sterne in seinen Augen spiegelten und bemerkte erst gar nicht, dass er schon wieder redete.

"Kassiopeia! Nicht von der Art! Von der bist du das genaue Gegenteil. Aber... Sie war die schönste Frau ihrer Zeit und eine der schönsten der gesamten menschlichen Existenz." Langsam drehte Baji sein Gesicht zur Seite und schaute direkt in zwei glänzende lila Augen. Ihm wurde leicht schwindelig, als er seinen Herzschlag im gesamten Körper spürte. Er nahm auch die leicht geöffneten rosa Lippen wahr, die so sinnlich geformt waren, dass er nicht lange hinsehen konnte. Er fragte sich, wie sie wohl schmecken würden. Ein sanfter Hauch von Kirsche vermischte sich mit dem salzigen Geschmack, als Baji die Haare seiner Traumfrau umfasste. Langsam glitt seine Hand auf die gerötete, leicht warme Wange und zog ihr helles Gesicht näher zu seinem. Jetzt konnte er auch Sakuras schnellen Herzschlag spüren.

"Ich liebe dich Sake. Seit dem Kindergarten warst du die einzige, die ich je liebte.", hauchte er. Er zog sie nicht weiter zu sich. Er wollte sie zu nichts zwingen. Nicht Sakura. Bei den anderen war das was anderes gewesen. Jeder wusste, dass Baji nur seinen Spaß haben wollte und das er sich von seiner besten Freundin und großen Liebe ablenken wollte. Bei Sakura war es ja das Gleiche. Sanft legten sich ihre Lippen zu einem leichten Lächeln. Jetzt kam sie näher zu ihm. Gleichzeitig schlossen sie ihre Augen, als sich beider Lippen berührten. Sie schmeckte nach Kirschen und Vanille. Sanft verstärkte er den Kuss und forderte mit seiner Zunge Einlass. Wirklich lange musste er nicht drängeln, denn schon bald öffneten sich die sinnlichen Lippen und sofort spielte ihre Zunge mit. Sie erkundeten gegenseitig das fremde Arial und seufzten tief in sich hinein. Nach einem Moment der Ewigkeit lösten sie sich wieder voneinander.

"Ich liebe dich auch.", flüsterte die lila Haarige.

Sie hätten sich noch lange einfach nur Angucken können, aber schon bald mussten sie los, wenn sie rechtzeitig bei den anderen sein wollten. Friedlich mit sich und der Welt gingen sie wieder zum Motorrad, wo sie alles verstauten. Sakura freute sich auf die Fahrt. Hier war sie Baji so nah wie selten, aber gleichzeitig wünschte sie sich auch, dass der Moment im Sand nie geendet hätte. Warum bemerkt man bloß immer wie spät es ist, wenn es am schönsten ist?
 


 

Mit verschränkten Armen und einem Grummeln auf den Lippen schaute Mona auf die leuchtenden Buchstaben. !Ka-Lou! Karaoke für jedermann. Sie hasste Karaoke. Es war ja nicht gerade so, dass sie keinen Ton halten konnte, aber sie hasste es einfach.

"Sag ma', was ist denn mit dir los, Mo-chan?", fragte Ryo nach einiger Zeit grinsend. Er beobachtete sie schon eine ganze Weile und das Gesicht, welches Mona machte, belustigte ihn immer mehr.

"Warum sind Japaner bloß solche Karaoke-Fetischisten? Ich hasse Karaoke!" Kaum dass Mona ihren Satz beendet hatte, hörten sie ein lautes Lachen, welches ihnen ziemlich bekannt vorkam.

"Unsere kleine Prinzessin wird sich wohl nie ändern.", lachte Kyle in seinem typisch spöttischen Ton. Für diese Bemerkung fing er sich zwar einen vernichtenden Blick ein, aber das war es ihm wert. Langsam drehte sich Mona wieder zu Ryo.

"Was machen die hier eigentlich?" Doch das Glühen in Monas Augen war inzwischen so gewaltig, dass der arme junge einfach keinen Ton heraus bekam. Endlich erbarmte sich Dylan seiner, das die Party nicht vermieste.

"Wir wurden von den anderen eingeladen.", lächelte er müde. "Aber sag mal, wo ist denn unser Geburtstagskind?" Die Antwort darauf war schnell gefunden.

"Weißt du wo Sake ist?" Der Wuschelkopf antwortete mit einem Kopfschütteln auf Sunnys Frage, welche breit zu grinsen anfing. "Dann wissen wir beide nicht, wo die beiden sind!" Das verpustete auch Monas gespielte Säure.
 

Sie warteten jetzt schon zehn Minuten und so langsam konnten die anderen Mona nicht mehr bei Laune halten. Doch ein lautes Motorgeräusch ließ sie aufhorchen.

"Tut mir leid, dass wir zu spät sind, aber wir hatten die Zeit vergessen.", fing Baji schon anzureden, während er noch den Helm noch abnahm. Mona brauchte nur einen Blick auf die leuchtenden Augen und das sanfte Lächeln auf Sakuras Gesicht werfen um zu ahnen, was sie so abgelenkt hatte. Grinsend öffnete sie die Tür zum Ka-Lou.

"Auf Einzelheiten verzichten wir lieber. Lasst uns rein gehen!" Und verschwunden war sie.
 

Nur kurze Zeit später saßen sie an einem runden Tisch in der Ecke auf einer gemütlich gepolsterten, kreisförmigen Bank. Das Lokal war eigentlich ganz gemütlich. Es war zwar ziemlich dunkel und verraucht, aber das machten die Kerzen auf den Tischen und an den Wänden wieder wett. Die komplette Einrichtung war aus Holz und Lederpolster. Wie Mona später erfuhr war es ursprünglich das Inventar aus portugiesischen Handelsschiffen, welche renoviert wurden. Die Wände waren ebenfalls mit Holz verkleidet und hier und dort sah man wunderschöne Schnitzerein zur Verzierung. Und damit das alles nicht so langweilig aussah, konnte man Buddelflaschen, Netze mit Muscheln, welche die Decke zierten, und Teile von Fischen bewundern. In der einen Ecke war ein Tresen und daneben eine relativ große Bühne, wo eine Karaoke-Anlage platz fand.

"Das gleiche wie immer?", fragte ein dickbäuchiger älterer Mann, der wie ein ehemals kräftiger Seemann aussah, und holte Mona aus ihren Bewunderungsträumen. Ein allgemeines Nicken war die Antwort, wobei Baji sehnsüchtig die Getränkeliste für "vollständig Erwachsene" betrachtete. Aber ein strenger Blick Sakuras und er fiel mit ins Nicken ein. Nun drehte sich der Mann, welcher sich als Ladenbesitzer namens Lou herausstellte, mit erhobenen Augenbrauen zu den drei Iren.

"Zwei Bier und...", fragend drehte Kyle sich zu Dylan.

"Mona bekommt kein Bier, verstanden?", zischte dieser nur.

"Und ein Whiskey on Ice mit 'nem Schuss Zitrone für Dyl!", schloss der Kupferhaarige bloß amüsiert, ohne weiter auf die Proteste zu achten. Mona schüttelte nur den Kopf. Es war immer das gleiche. Dylan protestierte bei einem Bier für Mona und selber bestellte er sich immer die sogenannten harten Sachen. Sie wird die Welt wohl nie verstehen.
 

Keine fünf Minuten später hatten sie alle ihre Getränke, wobei Mona überrascht feststellte, dass kaum einer etwas alkoholisches bekam. Bei Sunny war es ja klar; Sie bekam eine Cola. Aber die anderen? Baji und Sakura hatten irgendwas buntes mit Schirmchen und Früchten, was sich als ein antialkoholischer Cocktail herausstellte. Ailin bekam ein Zitronenwasser. Nur Ryo hatte Cola-Rum, wobei der Hauptanteil dieses Gemisches wohl aus ersterem bestand. Für diese unverständliche Bestellung hatte Mona nur ein verzweifelt seufzendes "Prost!" übrig.
 

Sie beobachteten eine Weile die freiwilligen Sänger, wobei einer schiefer als der andere klang. Um elf hielt Sakura es schließlich nicht mehr aus.

"Ich will als nächstes!", bettelte sie Lou an, als er neue Getränke brachte. Mona war überrascht, als sich auf dem harten Gesicht des Besitzers ein freudiges, leicht erregtes Strahlen stahl. Er ging gerade wieder, als sich die Tür erneut öffnete. Der einzige Tisch, der noch frei war, war der neben der Clique und so kamen sie nicht umhin zu sehen, wer das Lokal betreten hatte. Ein keuchen entleuchte dem frischgebackenem Paar, als sich die Sekis, sowie Herr und Frau Tepai hinsetzten. Als schließlich auch noch Joro mit einem leicht angeekelten Gesichtsausdruck das Zimmer betrat, hörte man ein leicht wimmerndes Geräusch von Mona. Verzweifelt konnte sie nicht mehr die Augen von der neuen Truppe wenden und schließlich erklärte sie:

"Tut mir ja leid, aber das ist zuviel! Nicht nur, das ihr mich in eine Karaoke-Bar schleppt, jetzt kommt auch noch Joe-san hier rein." Sie seufzte ein tief und bekam einen entschlossenen Ausdruck. "Da hilft nur noch eins." Ohne weiter zu überlegen schnappte sie sich Dylans Glas und leerte es. Es war nicht mehr viel drinn, aber sie hatte so oder so schon nicht wenige Biere gekippt. Andere währen bei ihrem Intus schon lange umgekippt und die Clique befürchtete schon das schlimmste, aber sie war immer noch völlig normal. Mit grimmigen Gesichtsausdruck schaute sie auf ihr neues Bier. Sie wollte es gerade öffnen, als Dylan ihr zuvor kam und es auf die andere Seite des Tisches verbannte.

"Das reicht so langsam.", meinte er mit strengem Gesichtsausdruck. "Ich weiß, dass du viel aushältst. Mehr als jeder andere, den ich kenne, aber du bekommst jetzt nur noch Getränke für höchstens fünfzehnjährige. Verstanden."

"Dyl! Soll das Bier da jetzt etwa versauern?", meinte Mona nur mit einer du-spinnst-doch-wohl-total-Geste.

"Kyle bekommt es."

"Klar! Damit du heute nacht leichteres Spiel hast."

"Würdest du bitte mal damit aufhören deine schlechte Laune andauernd an mir oder Kyle auszulassen?"

"Und würdet ihr beide bitte aufhören die Laune hier zu vermiesen?", mischte sich Kyle schließlich mit einem gereizt höflichem Ton ein. Er erntete dafür zwar böse Blicke von insgesamt vie Augen, aber das war die Sache wert.

Inzwischen hatten die Neuankömmlinge auch schon ihre Getränke bestellt und schauten jetzt auf die alt eingesessenen Ka-Lou-Gänger und die Drei Iren. Doch noch bevor sie die anderen begrüßen konnten, begrüßte Baji sie auf seine Art.

"Was, zum Teufel auch eins, macht ihr hier?"

"Ach mein Schatz, du warst ja nicht zu unserer Party gekommen und deshalb wollten wir dich besuchen. Wir haben dich heute noch keine Sekunde zu Gesicht bekommen!" Baji schaute sie mit seinem das-hat-auch-einen-guten-Grund-Blick an, schwieg aber. Gerade zu dieser Zeit wurde Sakura aufgerufen. Sie wollte gerade freudestrahlend aufstehen, als sie on ihrer Mutter aufgehalten wurde.

"Du willst doch nicht wirklich hier singen?", stotterte sie verschreckt.

"Doch, ich denke schon!", war die einzige Antwort, die sie bekam. Und schon war Sakura verschwunden.

"Aber..:", stammelte Frau Seki ins Leere. "Aber sie wird sich da völlig zum Narren machen. Oh, wie kann sie mir das bloß antun?"
 

Doch was dann passierte ließ ihr nur noch ein ersticktes "Oh!" übrig. Kaum, dass die Massen begriffen, wer jetzt singen wird, ertönte ein lautes Jubelgeschrei und von Rhythmischem Klatschen begleitet, hörte man ein eintöniges "Sake! Sake!" Rufen. Alle Lichter gingen aus, was bei anderen Sängern nicht der Fall war, und bunte Spots erhellten die Bühne. In der Mitte stand Sakura mit einem sanften Lächeln auf den Lippen und wippte leicht im Takt des Intros.

"Welches Lied singt sie denn?", fragte Frau Seki nach einer Weile Zuguckens verzweifelt.

"Och, das ist jedes Mal verschieden.", erklärte Ailin freundlich. "Meistens singt sie ein Lied, welches ihre jeweilige Stimmung wiederspiegelt. Und wenn wir an Bajis Geburtstag hier ist, singt sie eigentlich immer ein Lied für ihn! Was wohl auch heute der Fall ist, wenn ich das Intro richtig interpretiere!" Die Freunde schmunzelten vergnügt. Immerhin hatten die Beiden kein Geheimnis daraus gemacht, dass ihre Freundschaft ein kleines Stückchen enger geworden ist.

Als Sakura schließlich anfing zu singen war es stiller als sonst irgendwo.
 

I can hear the heals clicking on the sidewalk

Beating to the rhythm of my heart

Caught up in you

You're the only on I want

I follow you home every night

Just to make sure that you get there alright

Baby it's true

Can't think of anything but you
 

And what I need baby

Is a little of you sympathy
 

CHORUS:

You got me on my knees

I burn throughout the night

And I can't live without your love

Won't you help me cure this overload

Won't you help me cure this overload
 

Oh you get me know

You see me everywhere that you go

Doesn't that say something

Obsession's taken hold of me

All because of you

You've got to see me through

Can't take another night alone without you

Honey it's true

I am so hung up on you
 

What I really need baby

Is a little of your company
 

CHORUS
 

What I really need baby

Is a little of your sympathy
 

CHORUS
 


 

"WOW! Was für 'ne Röhre!", staunte Mona nur, als das Lied geendet hatte. Frau Seki hatte derweilen einen sehr dramatischen Auftritt mit einer falschen Ohnmacht und wäre fast in Tränen ausgebrochen, als sie den Text hörte. Herr Seki schmunzelte dagegen über seine Tochter, sowie seine Frau. Und Baji war in einem Traumland angekommen. Als Sakura wieder am Tisch war legte sie ein siegreiches Lächeln auf, nachdem sie das Resultat beobachtet hatte. Um die Wirkungen noch zu verstärkten küsste sie Baji zu Begrüßung; Und wieder hatte sie Erfolg. Doch ihr Lied hatte auch noch weitere Auswirkungen. Die gesamten Liebespaare, die in diesem Raum waren, küssten sich oder schmusten oder taten irgendwas dergleichen. Und Kyle schaffte es sogar Herrn Tepai aus seiner Ruhe zu bringen, als er sich nach vorne beugte und auch Dylan seinen Kuss bekam. Und man muss gestehen: Es war kein flüchtiger ich-hab-dich-lieb-Kuss!
 

Plötzlich wurde Mona von Ryo, der neben ihr saß, angestupst. Als sie ihn fragend anguckte, nickte er zu Ailin, der - Überraschung! - neben Joro saß und sich angeregt mit ihr unterhielt. Den Gesprächsfetzen zu urteilen, versuchte er sie gekonnt von Sakura, und später Baji und Sakura, abzulenken. Doch da war noch etwas anderes. Es schien ihnen zu gefallen. Sie saßen nah bei einander. Joros überschlagenes Knie zeigte zu Ailin. Sie hatten ihre Köpfen ein wenig zu einander geneigt. Hatten ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Und wenn Mona nicht durch das Licht getäuscht wurde, dann hatten beide einen leichten rot Ton um die Nase. Fragend schaute sie wieder zu Ryo auf, der wissend lächelte.

"Ich hatte mich eigentlich nur gewundert, warum auch aus der Richtung ein starkes Gefühl der Zuneigung kam. Immerhin ist dahinter nur die Wand! Und meine lange gehegten Befürchtungen haben sich gerade bestätigt.", erklärte Ryo ohne einmal zu Mona zu blicken. Sie wusste, dass er ihren Blick gespürt hatte und ihr seid dem Abend am Strand nur ungern direkt in die Augen blickte.

"Lassen wir ihnen Zeit und stupsen sie nur ab und zu in die richtige Richtung.", flüsterte Mona leise. Endlich schaute Ryo zu dem Mädchen seiner Träume. Sie hatte wieder diese unglaubliche Aura, die er nicht definieren konnte. Es schien ihm fast so, als ob sie von innen heraus leuchtete. Auch spürte er, dass Kyle und Dylan sie bemerkt hatte und eine eigenartige Stimmung aufzeigten. Zum einen schienen sie glücklich darüber. Aber etwas Ehrfürchtiges hatte sich ebenfalls breit gemacht. Und da war noch ein Gefühl. Doch Ryo glaubte sich da zu täuschen. Denn er spürte Angst. Kyle und Dylan bekamen Angst vor Mona! Als er aufsah, bemerkte er gerade noch rechtzeitig, wie die Beiden sich vielsagenden Blicke zu warfen.
 

Nach gut einer halben Stunde verloren die Eltern des frischgebackenen Liebespaares die Nerven und gingen und Joro ging schweren Herzens mit. Doch auch die Freunde blieben nicht mehr lange. Um Ein Uhr hatten sie schließlich bezahlt (wobei man eher sagen muss, dass Baji die Rechnung übernahm und Lou so oder so mit dem Preis herunter ging, weil er durch Sakura immer volles Haus hatte) und sie gingen ihres Weges. Baji nahm seine Freundin natürlich wieder auf sein neues Gefährt und Mona war der Meinung, dass sie etwas vom Piratenversteck gehört hatte. Die anderen gingen dann den größten Teil gemeinsam. Es war erstaunlich, aber trotz der Mengen, die Mona gekippt hatte, war sie noch klaren Kopfes und ging keinen Deut schief. Bei Dylan dagegen sah es anders aus. Er hatte leichte Probleme und wurde von dem glücklichen, vorfreudigen Kyle nach Hause geschleppt. Mona murmelte noch so was wie: "Und er meint, ICH trinke zu viel!" und ging auch ihres Weges. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis die Anderen allein waren...
 


 

Als Mona nach Hause kam, war es außerordentlich still im Haus. Sie ging einmal durch alle Zimmer, fand jedoch niemanden. Doch auch als sie in ihr Zimmer kam, war da nichts ungewöhnliches. Momo und Lilly schliefen seelenruhig und hier und dort hatten sich ein paar von Lillys Sachen verstreut, aber sonst...

Sie räumte noch schnell alles auf und ging auch ins Bett, wobei sie noch lange nicht schlafen konnte...
 


 


 

edit: das lied heißt overload und ist von zappacosta (bei "dirty dancing"^^)

eigentlich wollte ich sakura "the best" (tina turner) singen lassen, wo sie dann richtig gegen ihre mutter geht, weil diese vorher sagte, sie könne nichts richtig machen und bla... aber ich hatte den text nicht und daher musste ich schaun, dass ich es anders deichsle. so hat sie ihre mutter nun mit herzinfarkt ins krankenhaus gesungen! So nen RICHTIG (aber richtig RICHTIG!!!) schmutzigen text hab ich leider auf die schnelle nicht gefunden. ich hätte nur eines gehabt, wo sie ganz am anfang gesagt hätte, dass sie gerne neben dem angesungenen im bett läge, aber da war der rest dann ziemlich lahm. daher: dieses lied!!!

Überraschung, Prinzessin!

Driing! Driing!
 

Es war am Sonntag um elf Uhr, als bei den Druìs das Telefon klingelte. Da Troyes immer noch nicht aufgetaucht war eilte Mona aus dem Kräuterkeller ins Wohnzimmer und nahm den Hörer ab.

"Druì?"

"Ah, guten Tag. Hier ist Frau Tepai. Bajis und Joros Mutter. Spricht da Mona?"

Mona bejahte verwundert. Aber umso länger sie zuhörte desto leichter wurde ihr ums Herz. Es schien so, als ob es doch noch eine tolle Woche werden könnte...
 


 

Am nächsten Tag trafen sich die Freunde um halb neun. Sie bedauerten zwar, dass Mona nicht mitkommen konnte, aber wenigstens könnte sie am Samstag, wo die Resultate jedem zur Schau lagen, die Aufführung sehen. Ohne viel Elan gingen sie den gewohnten Weg zur Schule.
 

Um punkt neun Uhr standen sie vor der Tür zur Aula und hatten die Hand auf den Knauf gelegt. Eigentlich wollten sie gar nicht hinein. Sie wollten da nicht wirklich mitmachen. Schließlich fasste Sakura einen Entschluss.

"OK. Ich gehe da jetzt rein. Aber wenn ich nicht die Rolle der Hexe bekomme, dann können sie die restliche Woche vergebens auf mich warten!"

"Das gleiche gilt für mich, wenn ich der König oder der Prinz bin.", sagte Baji und öffnete die Tür.

"Dito!", war das einzige Wort, was Ailin heraus brachte.

"Joro ist bestimmt die Prinzessin. Es wird Sake nicht schwer fallen sie zu verfluchen!", meinte Sunny und folgte den anderen. Der einzige, der ohne einen Kommentar die Halle betrat, war Ryo. Sie gingen den Gang entlang und schauten auf die Bühne. Ein paar Leute waren schon da und unterhielten sich angeregt über dies und die Welt. Eine Überraschung war Joro, die einwenig beleidigt auf einem Stuhl saß und finster hinter die Bühne schaute. Nach kurzer Zeit kam dann auch die Leiterin der Gruppe. Sie hatte lange blonde Haare, die sie in leichten Wellen umschmiegten. Ihre leuchtend blauen Augen strahlten, während sie sich mit jemandem Verdeckten unterhielt.

Als Baji sah, wer sie leiten sollten, machte er auf dem Absatz kehrt und stieß gegen seine Freunde.

"Oh nein. Nein, nein, nein, nein! Ohne mich!", stotterte er und versuchte sich einen Weg durch die anderen zu bahnen. Als ihn ein glockenklares Lachen wieder stocken ließ. Er drehte sich um und bemerkte mit offenem Mund, dass Mona neben seiner Mutter stand und sich kringelte.

"Was zum Teufel..." Baji schien ganz vergessen zu haben, dass er verschwinden wollte. Er sah wie gebannt zur Bühne und registrierte gar nicht so wirklich, dass er und Ryo von den anderen in deren Richtung gezerrt wurden.
 

"Ah, ich glaube wir sind jetzt vollzählig!", fing Frau Tepai freudestrahlend an. "Ich habe mich dazu bereit erklärt die Leitung der diesjährigen Theateraufführung zu übernehmen! Manche wundern sich jetzt bestimmt, warum Mona hier ist, da sie von Frau Itama ein Verbot bekommen hatte. Aber die gleiche Frau hat mir auch erlaubt für eine Hauptrolle jemanden geeigneten zu nehmen, der normalerweise nicht mitmachen würde. Das schließt keine ausgeschlossenen Schüler aus. Daher: Ich freue mich euch mitteilen zu können, dass Mona die Rolle des Dornröschens übernimmt. Ich hatte am Samstag eine nette Unterredung mit Herrn Druì und Herrn Miller und sie haben mir versichert, dass Mona nicht nur eine ziemlich gute Schauspielerin ist, sondern auch hervorragend in der Rolle der Prinzessin drin ist. Des weiteren muss ich vorweg noch sagen, dass zur Zeit eine Reportage über mich gedreht wird und hier daher eine Kamera und der dazugehörige Kameramann drehen werden. Bitte tut so, als ob er gar nicht da wäre. So das hätten wir auch. Dann möchte ich jetzt die Rollenverteilung bekannt geben. Oder sind noch Fragen?" Die Menge blieb stumm. Einige schüttelten sogar den Kopf. Mona stand immer noch feixend in ihrer Ecke und Joro beobachtete sie weiter griesgrämig. Jetzt wurde den anderen auch klar, warum sie so schlecht gelaunt war. Natürlich hatte Joro gedacht, dass sie das Dornröschen wäre.

"Gut, dann gebe ich jetzt die Rollen bekannt.", fing Frau Tepai wieder den Faden auf. "Fangen wir doch am besten mit den Hauptrollen an. Der Prinz! Da dachte ich mir Ryo Dadoi!" Es gab einiges Gemurmel, doch Frau Tepai ließ sich nicht beirren und fuhr ohne Umschweife fort. "Die Königin: Joro Tepai. Der König: Ailin Meiwa. Die Hexe: Sakura Seki." Man hörte ein lautes Jauchzen von Sakura und Baji, deren Wünsche in Erfüllung gegangen waren, und ein ebenso lautes Stöhnen von Ailin, der eigentlich nicht König sein wollte. Jedoch klang das Stöhnen ein wenig Halbherzig... "Die gute Fee: Yayoi Sanewara. ("Typisch!", warf Sunny ein.) Der Bote, der dem Prinzen die Geschichte erzählt: Baji Tepai. (Das Jauchzen verstummte schlagartig. Baji hatte Text bekommen!) Die restlichen sind Hofdamen, Mägde, Bedienstete und was es noch so alles gibt! Da könnt ihr euch selber aussprechen." Das Gemurmel fing wieder an. Alle fingen ihre Nachbarn an zu fragen, was sie sein wollte, oder erzählten ihrem Gegenüber die Traumvorstellung, die ihm vorschwebte.
 

Mona ging lächelnd auf ihre Freunde zu und schaute stumm zu ihnen hinauf. Dann sah sie Ryo an.

"Na, meinste das bekommen wir hin?", fragte sie feixend. Ryo nickte, wobei er wieder rot wurde. Er dachte an die letzte Szene. An den Kuss. Mona schien seine Gedanken zu erraten und lachte laut auf.

"Keine Sorge, Ry-chan! Meistens ist der Kuss nicht echt. Das wird immer so gedeichselt, dass es zwar echt aussieht, aber nicht wirklich ist!" Ryo schien sich wieder zu beruhigen, doch das hielt nicht wirklich an.

"Ich möchte es so authentisch wie möglich und deshalb werden wir zusehen, dass es ein richtiger Kuss wird! Deshalb habe ich auch zwei so gute Freunde wie euch ausgewählt. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ihr beide nicht schlecht ausseht!" Mona war bei dieser Ansprache schlicht weg der Mund aufgefallen. Sie dachte es wäre so wie immer! Aber ein richtiger Kuss? Und dann auch noch mit Ryo? Das konnte doch nicht gut gehen! Doch Frau Itama war wieder völlig in ihrer Rolle und redete zur ganzen Gruppe.

"OK. Eine Stunde Pause! In dieser Zeit sollt ihr euch überlegen, was ihr sein wollt. Am Ende der Sunde möchte ich jeden auf meiner Liste eingetragen haben. Wer zum Schluss noch keine Rolle hat, wird ausgelost!" Lächelnd drehte sie sich wieder um und wollte etwas zu den Freunden sagen, die ja alle schon eine Rolle hatten, aber eine fehlte. Mona hatte sich in dem entstandenen Unruhen aus dem Staub gemacht.
 

Sie lief keuchend über den Schulhof und hinein in das Hauptgebäude. Zielgerichtet lief sie das Erdgeschoss endlang zu den Fachräumen. Sie wusste ganz genau, wen sie jetzt brauchte.
 

Dylan war gerade fertig seine Gruppe einzuweisen, als die Tür aufgerissen wurde und Mona keuchend in der Tür stand.

"Problem!" war das einzige Wort, was sie rausbrachte. Aber der Ausdruck in ihrer Stimme und Gesicht reichte Dylan aus. Er entschuldigte sich schnell und ging mit Mona auf den Flur.
 

"What's the matter, Mona?", fragte der junge Mann ohne umschweife.

"She wants it real!"

"What?" Dylan verstand gar nichts mehr.

"Bajis mother! She wants the kiss is real! I shell kiss Ryo! OK, I'm Sleeping Beauty and Ryo is the prince, but... Why must it be real?" Dylan verstand gut, was in Mona vor sich ging. Sie hatte schon lange große Probleme mit Gefühlen und hatte noch nie jemanden aufrichtig geküsst. Selbst Troyes, der für sie immerhin wie ein Großvater war, hatte noch nie ein Küsschen auf die Wange bekommen. Noch dazu kam, dass sie Ryo wirklich gerne mochte. Der einzige Grund, dass sie das nicht offen zeigte, war, dass sie Angst hatte.

"Keep calm, little princess. I show, what we can do, OK?" Mona nickte. Alles war besser, als solch ein Fiasko, was ihr drohte. Plötzlich zeigte Dylans Mimik eine leicht autoritäre Härte. "Und du gehst jetzt gefälligst wieder in deinen Kurs, verstanden?" Mona lächelte kurz und lief wieder zurück. Sie wusste, dass Dylan das schon regeln würde.

Manchmal wünschte sie sich so zu sein wie er, oder wie Kyle. Sie konnten ihre Gefühle offen zeigen. Natürlich, bei Troyes gab es da schon fünf Jahre Verzögerung, bis er von den beiden erfuhr, aber inzwischen hat er sein grimmiges Einverständnis gegeben. Auch wenn das Gegenteil nicht viel bewirkt hätte...
 

"Was war denn mit Mona los?", Sakura sprach die Frage aus, die allen im Kopf spuckte, seit sie weggelaufen war. Allen, bis auf Ryo, der da schon so eine Ahnung hatte. Sie setzten sich auf ihr übliches Rasenstück und grübelten laut mit den anderen zusammen. Als Ryo auch nach zehn Minuten sich nicht geäußert hatte, wurde er von den anderen kritisch gemustert.

"Was ist los mit dir, Dämon? Haste etwa das Gefühl, dass Mona wegen dir den Kuss nicht wollte?", scherzte Baji, worauf hin er einen bösen Blick Sakuras einfing. Sie glaubte, er habe damit den Nagel auf den Kopf getroffen, musste aber schnell bemerken, dass sie damit falsch lag.

"Ach Quatsch.", Ryo schaute Baji ein wenig skeptisch an. "Ich kann sie bloß verstehen." Jetzt war es bei den anderen Ryo skeptisch anzugucken.

"Mona hat Angst vor Gefühlen! Und ihr müsst mir wohl recht geben, wenn ich sage, dass ein Kuss eine ziemlich emotionale und Gefühls betonte Sache wiederspiegelt!" Den Anderen fiel nun kein Gegenargument mehr ein, da Ryo ja schon irgendwie Recht hatte.

"Aber...", fing Sunny an, ließ es dann aber bleiben. Als sie jedoch den fragenden Blick in Ryos Augen bemerkte, führte sie ihren Gedanken seufzend zu ende. "Aber wie kommst du darauf, dass sie Angst vor Gefühlen hat?"

"Ryo weiß so was einfach!", hörten die anderen Monas Stimme aus ihrer näheren Umgebung sagen. Als sie sich umdrehten, sahen sie eine grinsende Mona, die gerade dabei war, sich neben den Schwarzhaarigen zu setzten.

"Warum so fröhlich?", fragte dieser nur, der sich nicht zu wundern schien, dass sie so ohne weiteres unbemerkt angekommen war.

"Mama-Dylan wird jetzt alles regeln!", sagte diese nur und ließ sich seufzend auf den Rücken fallen.
 

"Eigentlich Schade.", sagte sie nach einer Weile. Wie sooft wurde sie fragend angeguckt.

"Schade?"

"Naja, dass Kira nicht hier ist." Die Selbstverständlichkeit dieser Aussage verblüffte die anderen ein wenig.

"Wer zum Teufel ist denn Kira?"

"Sie ist die Cousine von Kyle. In Irland war sie meine beste Freundin. Naja, sie war meine einzige wirkliche Freundin. Das wird jetzt die erste Aufführung, die sie nicht mit erlebt!" Monas trauriger Blick wandelte sich Urplötzlich in ein Grinsen. "Sie ist mein Orion!" Mit einer gewissen Vergnügtheit bemerkte sie das Unverständnis der anderen.

"Dein Krieger? Sag ma Mo-chan, was bist du eigentlich, dass du einen Krieger hast!" Ryo sah das lachende Mädchen unverständlich an.

"Krieger ist vielleicht ein wenig viel! Nein, sie hat mich immer beschützt! Vor allem und vor jedem. Auf jeden Fall hat sie es versucht!"

"Wie alt ist sie denn?", fragte nun Sunny.

"16 ½! Aber sie sieht eher aus wie 18 oder 19 und benimmt sich wie eine schon lange Zeit Erwachsene!" Mona dehnte das Wort "lange" so stark, dass die anderen sich schon fragten, wie sie die nötige Luft bekommen hatte. Plötzlich lachte sie wieder auf.

"Ich glaube aber für Ry-chan ist es besser, dass sie nicht hier ist! Sie hätte ihn schon lange ins Krankenhaus bekommen und das gut mehrere male!" Mit lachenden Augen sah sie den großen jungen Mann an, der mal wieder rot angelaufen war.

"Vielleicht wär' ja alles anders gekommen, wenn sie nicht so oft weg wäre." Mona sah wieder verträumt gen Himmel. Sie dachte an damals und überlegte, was besser gewesen wäre. Beides hatte etwas für sich, aber auch etwas Entscheidendes dagegen.
 


 

Als die Clique wieder in die Aula kam, sprach gerade Dylan mit Frau Tepai. Er sah ziemlich erschöpft aus.

"Mona! Da bist du ja.", seufzte Dylan als er das Mädchen sah. Etwas ratlos sah er sie an. "Ich habe es jetzt schon diverse Male probiert, aber ich schaff es einfach nicht. Ich weiß nicht wer den größeren Dickschädel von euch beiden hat."

"Aber sonst zeigt deine Überredungskunst doch immer wahre Wunder, Dyl!", wunderte sich Mona offen.

"Hör mir mal zu, Mona.", mischte sich jetzt Frau Tepai wieder ein. "Ich habe dich hier mitspielen lassen unter der Bedingung, dass du alle meine Anweisungen befolgst. Wenn du das mit dem Kuss nicht hinbekommst, dann brauchst du morgen nicht wieder zu kommen. Was ich ehrlich gesagt sehr schade fände." Mona nickte müde. Dylan verstand ihre unausgesprochenen Worte und ging mit einem aufbauenden Lächeln. Auch die anderen gingen wieder auf die Bühne. Nur Ryo und Mona nicht. Mitleidend sah der Ältere sie an. Langsam und mit einem Lächeln auf den Lippen ging er auf sie zu. Wie vor einer Woche am Strand nahm er ihr Gesicht in seine Hand und sah ihr in die Augen. Und wieder hatte Mona dieses undefinierbare Gefühl im Magen.

"Hör mal Mo-chan. Es wird bestimmt nicht so schlimm. Es ist doch wie ein Küsschen unter Freunden!", meinte er ohne große Überzeugung. Ohne es recht zu merken, lächelte Mona ihr Gegenüber an. Sanft lächelnd kam er ihr immer näher. Mona dachte schon, er würde sie jetzt küssen wollen und ihr Herz fing schon an auszusetzen, doch Ryo berührte bloß seine Lippen mit ihrer Stirn. Doch selbst das brachte Monas Herz zum Rasen. Immer noch lächelnd sah er sie an.

"Mehr wird es auch nicht sein. Nur ein kleines wenig weiter unten." Unwillkürlich lachte Mona auf. Sie atmete noch einmal tief durch und ging dann zur Bühne. Sie wird wohl in den sauren Apfel beißen müssen. Und so lange es Ryo ist...
 


 

Die Proben verliefen eigentlich recht gut. Klar, anfangs war es noch ein wenig holperig, aber da konnten auch noch nicht alle ihren Text. Eigentlich wusste niemand so genau, was er tun sollte - bis auf Mona. Die glänzte schon am ersten Tag. Selbst beim Kuss versuchte sie ruhig Blut zu waren. Sie wandte eine alte druidische Methode an sich zu entspannen und stellte sich eine ruhige Blumenwiese vor, während sie darauf wartete, dass Ryo immer näher kam. Das klappte auch so ziemlich. Frau Tepai war vehement der Meinung, dass die Nervosität nach einiger Zeit nachließe. Dem war nicht so! Bei jedem neuen Versuch stieg Monas Nervosität um mindestens das doppelte an. Und das Ryo ihr zärtlich zuflüsterte sich zu beruhigen half auch nicht wirklich!
 


 

Als Mona am Mittwoch zur Aula ging war sie ziemlich überrascht, dass sie Ryo schon vorfand. Lächelnd setzten sie sich auf die Treppe und redeten ein wenig.

"Sag mal, Mo-chan. Warum magst du gerade dieses Märchen eigentlich so gerne. Du bist doch sonst auch nicht so kitschig!", fragte Ryo nach einer Weile.

"Ich weiß aber..." Mona hatte wieder ihren fernen und sehnsüchtigen Blick aufgelegt. "Bei Dornröschen ist alles nur ein Traum. Sie wartet darauf, dass sie aufwacht und dann ist sie in einem wunderschönen Leben. In gewisser Weise bin ich das. Ich wünsche mir so oft, dass alles nur ein böser Traum ist und ich aufwache und glücklich leben kann."

"Und warum kannst du das jetzt nicht?"

Mona überlegte lange, wie sie ihm die ganze Sache erklären konnte. Es war alles so kompliziert und vieles war ihr auch verboten zu sagen.

"Wusstest du, dass die Druiden so etwas wie ein separater Staat sind, der über die ganze Welt verteilt ist? Mit eigenen Gesetzten und eigener Regierung, in gewisser Weise." Ryo schüttelte verwundert den Kopf. Was hatte das alles mit ihr zu tun?

"Die Quasi-Regierung heißt bei uns Rat der Weisen. Ausgewählte Druiden sind dort. Sie fällen die wichtigen Entscheidungen und machen die Gesetze. Der Führer dieser Truppe ist der Oberste. Oder halt die Oberste. Das kommt darauf an."

"Ich versteh immer noch nicht, was das alles mit deiner Situation zu tun hat.", unterbrach Ryo das Gerede Monas.

"Weißt du, ich weiß nicht sehr viel über meine Eltern. Ich weiß, dass ich fast genau so aussehe, wie meine Mutter. Nur ein paar Kleinigkeiten unterscheiden uns. Naja, du hast ja das Bild gesehen. Ich weiß, dass sie Jade hieß und dass das hier ihr gehörte." Mona nahm ihre grüne Spange aus dem Haar und zeigte sie Ryo. Man konnte in der Halterung ganz deutlich "Jade" und ein Herz eingraviert sehen.

"So viel ich weiß, hat mein Vater ihr das geschenkt. Über ihn weiß ich auch nicht viel mehr. Sein Name ist Kallàn! Er war der Oberste des Rates. Aber seit knapp siebzehn Jahren ist er verschollen. Ich glaube er weiß gar nichts von mir. Aber was soll man mit dem Kind des verschollenen Obersten machen, wenn die unidentifizierbare Mutter gestorben ist? Ich bin zu Troyes gekommen und wurde eine Druì. Aber die Druiden hatten ein Problem. Sie hatten keinen Obersten mehr. Anfangs ging es noch. Aber als ich fünf war, wurden die Spannungen zu stark. Selbst im Rat konnte man sich nicht mehr einigen und die anderen brauchten einen Obersten, dem sie vertrauen können. Den Gesetzen nach muss ein ehemaliger Oberste aber den neuen segnen, bevor er sein neues Amt einnimmt. Und das Volk hätte nie jemand anderen angesehen. Es gibt nur eine einzige Ausnahme. Ein nachweislich Blutsverwandter kann denjenigen so lange vertreten, bis er wieder da ist. Also wurde ich zur Obersten der Druiden ernannt. Die Leute kamen zu mir mit ihren Problemen und ich sollte eine riesige gespaltene Gruppe wieder vereinen. Ich litt, aber ich sagte nichts. Ich wusste, was passieren würde, wenn ich zurück treten würde. Ich konnte zu niemanden mit meinen Problemen gehen und die anderen drückten mir die Ihrigen auf. Ich war fünf, verdammt noch mal. Von den meisten Sachen hatte ich doch keine Ahnung. Ich ging daran kaputt und jetzt..." Mona hörte auf. Sie verbarg ihr Gesicht in ihren Händen und schluchzte unerbittehrlich hinein.
 

Ryo verstand nun Monas Problem ein wenig besser. Es war zwar nicht alles, aber es war schon sehr viel. Jetzt konnte er anfänglich nachvollziehen, was in der kleinen Zerbrechlichen, aber mit so einer starken Persönlichkeit Ausgestatteten, vor sich ging. Sanft zog er die zusammengekrümmte Mona in seine Arme und zog sie an sich heran. Er strich ihr seicht über die nasse Wange und küsste sie auf die duftenden Haare. Mona genoss das. In den starken Armen fühlte sie sich sicher. Sie lehnte ihren Kopf an seine Brust und spürte seine Wärme, die er ausstrahlte. Langsam schloss sie ihre Augen und ließ sich einfach fallen. Mona wusste, dass sie ihm vertrauen konnte...
 


 

Der Samstag kam immer näher - und damit auch die Aufführung! Der Tag sollte mit der Theatergruppe eingeleitet werden und danach konnte man den ganzen Nachmittag die Resultate der anderen Gruppen bestaunen und die Essensstände der verschiedenen Klassen durchstöbern, bis Abends eine große Party stattfinden sollte. Mit Feuerwerk und allem was dazu gehört.
 

Den Schülern war freigestellt, was sie anziehen wollen, solange sie mindestens zwei der Schulfarben erkennbar trugen, also rot, schwarz oder weiß. Und Frau Itama machte den Schülern mal wieder klar, dass es nicht galt rote Unterwäsche zu tragen!
 

Als die Clique in der Aula ankam, war Mona wie sooft schon dort. Sie war jedes Mal als erstes da und half beim Aufbau oder aß genüsslich ihr Frühstück, während sie die Beine von der Bühne baumeln ließ.

Sie hatte eine Jeans an, die als Hotpants abgeschnitten war. Ihr mehr als lockeres, bauchfreies, weißes T-Shirt hing ihr schief über die Schultern und ließ den Blick auf schwarze Träger frei. Man konnte nicht genau sagen, ob diese von einem Top oder ihrem BH stammten, doch man ahnte es. Natürlich hatte sie auch den Totenkopfgürtel umgeschlungen. Sie guckte unentwegt auf einen Stuhl in der ersten Reihe ihr direkt gegenüber. Ab und zu machte sie eine Grimasse und man hörte ein kindliches Gekicher, welches den anderen mehr als bekannt vorkam. Als sie schließlich bei ihrer Freundin angekommen waren, sahen sie Lilly in einem ausgepolsterten und verzierten Weidenkorb, wie sie lachte und sich freute.

"Majo Dai konnte sie heute nicht nehmen und Troyes ist ja immer noch nicht wieder da. Und da dachte ich mir, dass sie heute doch mitkommen könnte. Während der Aufführung wird sich Dyl oder so um sie kümmern.", erklärte Mona sofort die unausgesprochene Frage.

"Und was ist, wenn er nicht will?", fragte Sunny. Mona lachte auf.

"Dem wird wohl nichts anderes übrig bleiben!" Ryo schmunzelte in sich hinein. Er wusste ja inzwischen, was Mona mit solch einer Aussage meinte.
 

Inzwischen wurde es auch immer voller. Und die Akteure mussten sich wohl oder übel umziehen. Sakura bekam ein langes schwarzes Gewand mit Umhang und sie wurde stark geschminkt. Ihre so oder so schon dicken Haare wurden noch auftoupiert und eine Fledermaus ähnliche Spange hinein gesteckt. Sunny dagegen hatte kitschiges rosa weißes Kleidchen an, welches über und über mit Tüll bestückt war. In ihre Haare kam eine übergroße rosa Schleife und ein kleines Diadem. Zu allem Überfluss wurde ihr noch ein rosa Püschel mit Stern oben drauf in die Hand gesteckt, welcher sich als Zauberstab entpuppte. Dazu kamen noch zwei glitzernde Flügelchen, gegen die sie heftig protestierte. Doch es hatte keinen Sinn. Mona hatte es besser getroffen. Sie hatte ein schlichtes himmelblaues Kleid an. Ihre schwarzen Handschuhe wurden gegen weiße getauscht (sie hatte auf mindestens bis zum Ellenbogen lange bestanden) und ihre offenen Haare schmückte ein Kranz aus rosa Blumen. Sie hatte nichts gegen ihr Kostüm!

Ryo hatte ein relativ schlichtes Kostüm bekommen. Es wunderte ihn, da er doch der Prinz war, doch er trug ein normales schwarzes Hemd mit einer roten Weste über. Seine Hose war ebenfalls schwarz und war noch nicht mal ¾ lang. Sie saß zwar relativ eng, aber sie war immer noch lang und gemütlich. Es wunderte ihn stark. Baji sollte einen leicht schäbig wirkenden Umhang tragen. Immerhin war er ein Reisender!

Genau so schlimm wie Sunny hatte es Ailin getroffen. Kaum dass er der Meinung war, das war so langsam, kam noch eine Schicht. Er trug eine weiße Strumpfhose (!), darüber eine schwarze, samtene Pumphose. Eine weiße Bluse mit Spitzenärmeln, darüber ein Wrack ähnliches Teil. Zu allem Überfluss kam noch ein roter Umhang, ein schweres Zepter, eine weiße Perücke und eine Krone dazu. Er sah wirklich zum Anbeißen aus. Joro war dagegen völlig zufrieden. Sie trug ein prachtvolles rotes Kleid, dazu Schmuck und ein Diadem. Ihre Haare waren kunstvoll hochgesteckt und sie war dezent, aber edel geschminkt. Man muss gestehen: Sie sah toll aus. Wie eine wahre Königin.
 

Doch Mona hatte Dylan immer noch nicht gesehen und hatte Lilly noch immer bei sich. Und eine Dornröschen mit einem kleinen Kind im Arm ging nun wirklich nicht. Gott sei Dank sollte die Darsteller auch die Programme verteilen. Und so konnte Mona an der Tür warten, bis der uninformierte Babysitter da war. Nach einer kurzen Weile kam er auch endlich. Er sprach gerade mit Herrn Sono. Dahinter war Kyle, der mit Frau Ransho sprach und... Mona konnte es kaum glauben. Die baldige Mutter sprach mit einer jungen Frau in einem grünen Kleid. Ihre kupferfarbenen Haare fielen in Wellen bis zur Hüfte. Ihre strahlend blauen Augen und ihre Hände unterstrichen ihre Worte.

"Kira!", schrie Mona plötzlich auf und lief zu dem Neuankömmling. Diese bemerkte das Mädchen, öffnete die Arme und empfing ihre langjährige beste und einzige Freundin mit einer Umarmung, wobei sie dir kleine Mona hochheben musste.

"Überraschung, kleine Prinzessin!", lachte Kira.

das Fest

"Kira!", schrie Mona plötzlich auf und lief zu dem Neuankömmling. Diese bemerkte das Mädchen, öffnete die Arme und empfing ihre langjährige beste und einzige Freundin mit einer Umarmung, wobei sie dir kleine Mona hochheben musste.

"Überraschung, kleine Prinzessin!"

"Was machst du hier, was machst du hier, was machst du hier?" Mona war so aufgeregt, dass sie ihre Frage mehrfach wiederholte. Kira grinste breit.

"Dich besuchen, dich besuchen. Sind damit alle deine Fragen beantwortet? Ach nein. Eine fehlt noch... Dich besuchen!" Mona machte einen Schmollmund und knuffte die gut ein einhalb Kopf Größere in die Hüfte. Dann lachten beide.

"Lass mich raten. Das ist bestimmt Lilly, nicht wahr?" Kira zeigte auf die kleine grünhaarige, die lachend die Arme nach Kira ausstreckte. Mona nickte.

"Ihr müsst auf sie aufpassen! Dornröschen hat kein Baby!", schreckte Mona plötzlich auf, als ihr einfiel, warum sie die ganze Zeit auf die Truppe gewartet hatte.

"Oh, ist die lieb.", machte Frau Ransho auf einmal. "Lilly, sagst du? Sag mal, Mona, kann ich sie nicht einmal kurz auf den Arm nehmen?"

"Sie können die gesamte Aufführung auf sie aufpassen und wenn ich unseren Essensstand betreue!" Frau Ranshos Augen glänzten. Behutsam nahm sie die Kleine in ihre Arme und kitzelte sie am Bauch. Lilly schien das zu gefallen. Sie lachte und zeigte unmissverständlich, dass sie die Lehrerin in ihr Herz geschlossen hatte.

Mona war mit dieser Reaktion vollkommen zufrieden. Erst jetzt viel ihr ein, dass Kira ihre besten Freunde ja nur von den Briefen her kannte. Ohne weitere Worte zuzulassen, zog sie das große Mädchen mit sich und stellte einen nach den anderen vor.

"Leute? Ich will euch vorstellen!" Ihre Freunde drehten sich um. Mona holte einmal tief Luft und brachte dann einen irren Wortschwall hervor. "Wenn ich euch dann vorstellen darf. Kira - Sunny. Sunny - Kira. Kira - Ailin. Ailin - Kira. Kira - Baji. Baji - Kira. Kira - Sake. Sake - Kira. Kira - Ryo. Ryo - Kira. Hab ich irgendwen ausgelassen? Nein, ich glaube nicht. Ach so! Das da hinten ist Joro. Die in dem irren Kleid!" Grinsend schaute sie hoch. Man wollte es gar nicht glauben, aber Kira schien alles verstanden zu haben.

Leise in sich hinein lachend verabschiedete sie sich von der aufgekratzten Mona. Diese musste sich jetzt mit den anderen zusammen auf den Auftritt vorbereiten. Die anderen suchten sich derweilen Plätze, von der sie eine schöne Übersicht hatten und sie neben einander sitzen konnten.
 


 

Die Aufführung war wirklich ein großer Erfolg. Alle waren perfekt in ihrer Rolle drin. Kira fiel auf, dass Sakura eine wirklich schaurig schreckliche Hexe abgab. Und auch die anderen waren super besetzt. Doch Mona glänzte mal wieder. Sie schaffte es ihre Rolle so gut wie kein anderer zu spielen und die anderen trotzdem nicht zu übertünchen. Das Publikum fieberte mit, als Dornröschen alias Mona sich mit der Spindel in den Finger stach und wie tot umfiel. Sie hatten Angst um Prinz Ryo, als er versuchte ins Schloss und durch die tödlichen Dornen zu gelangen. Und dann kam die große Szene. Kira fragte sich, wie sie es diesmal machen würden. Meistens hatte Mona als schlafende Sleepin' Beauty eine hautfarbenen Klebestreifen über die Mundpartie geklebt. Doch diesmal war es nicht der Fall. Sie bemerkte keine einzige Vorrichtung eines vorgetäuschten Kusses. Doch Ryo kam ihrer Prinzessin immer näher. Jetzt erst bemerkte sie die Nervosität der beiden. Sie wusste ja nicht, ob Ryo unter starkem Lampenfieber litt, aber Mona war nervöser als normal!

Auch Kyle schien das bemerkt zu haben. Er wurde etwas unruhig und drückte Dylans Hand ein wenig fester. Dieser strich beruhigend über die seine und lächelte ihm zu.
 


 

Mona konnte kaum glauben, was sie da tat. Warum hatte sie sich dazu breit schlagen lassen? Ryo war schon auf der Bühne! Er kam immer näher. Zum abhauen ist es jetzt wohl zu spät. Das einzige was sie konnte war abwarten...
 

Ryo bemerkte, wie es seiner Geliebten zumute war, doch er konnte doch jetzt nicht einfach aufhören. Und, auch wenn es egoistisch von ihm war, er freute sich jedes Mal, wenn sie diese Szene spielen mussten. So nah konnte er ihr sonst nie kommen. Na klar, in letzter Zeit schon ein wenig, aber ein richtiger Kuss ist doch etwas anderes...
 

Mona hatte ihre Augen zwar geschlossen, doch mit ihrem geistigen Auge konnte sie alles sehen. Sie sah, wie die anderen hinter der Bühne hervorlugten und zuguckten. Sie sah, wie Ryo den Prinzen einmalig zeigte. Er schaffte es dieser eigentlich sehr glatten Rolle ein warnsinnig starkes Charisma zu verleihen. Sie sah, wie er immer näher kam, sich hin kniete. Jetzt bräuchte sie nicht mal mehr ihr inneres Auge, um zu registrieren wo Ryo gerade war. Er beugte sich über sie und sie konnte seinen Atem spüren. Trotz ihrer Angst lag sie weiterhin entspannt auf ihrem Bett. Dieses Kribbeln in der Magengegend wurde immer unerträglicher. Ganz am Anfang waren es die sprichwörtlichen Schmetterlinge. Aber Mona hatte das Gefühl, dass diese harmlosen Wesen inzwischen zu Dinosauriern mutiert waren und nun in ihrem Bauch Unfug trieben.

Plötzlich spürte sie, wie Ryo einmal tief Luft holte. Ein sanfter Druck legte sich auf ihre Lippen und wurde immer stärker. Obwohl sie solche Angst hatte, war es ein wunderschönes Gefühl. Es war unvergleichlich...

Langsam schlang sie ihre Arme um seinen Hals und öffnete ihre Augen. Ryo zog sie nach oben, so dass sie aufrecht saß. Jetzt kam ihr Einsatz.

"Ich habe so lange auf dich gewartet. Endlich bist du da!"

"Endlich habe ich dich gefunden. Ich suchte schon so lange"...
 


 

Die Zuschauer fingen schon an aufzustehen, doch in einer Reihe hatte sich seit gut fünf Minuten keiner bewegt. Kira, Kyle, Frau Ransho und Herr Sono saßen stocksteif auf ihren Plätzen und trauten dem ganzen noch nicht so ganz. Wäre Dylan nicht gewesen, währen sie wohl angewachsen. Doch der Ire scheuchte sie alle auf und drängte sie nach draußen. Nach gut zehn Minuten kamen auch die Schauspieler wieder mit ihren normalen Klamotten heraus. Mona musste leicht schmunzeln, als sie die fassungslosen Gesichter der anderen sah.

"Was ist euch denn wiederfahren?", fragte sie ganz unschuldig. Doch die anderen spürten ganz genau, dass Mona immer noch ganz aufgewühlt war und kamen stillschweigend überein, dass sie nichts sagen werden und Mona nur weiterhin anstarren wollten.
 

Plötzlich verspürte Ryo einen scharfen Blick. Er brauchte gar nicht lange, um herauszufinden, wer ihn so taxierte. Kira hatte es geschafft sich endlich von Mona abzuwenden. Und die Kleine hatte Recht. Kiras Blick kann einem wirklich Angst machen.
 

Kira taxierte diesen Jungen, den Mona so gerne mochte noch nicht einmal eine Sekunde, als er sich zu ihr umdrehte. Doch sie wandte den Blick nicht ab. Sie wollte austesten, wer als erstes aufgab. Plötzlich hörte sie Monas glockenhelles Lachen. Sie hatte bemerkt, dass die beiden Menschen, die ihr am wichtigsten waren, sich böse Blicke zuwarfen. Es war genau das eingetroffen, was sie sich vorgestellt hatte. Inzwischen waren auch die anderen mit eingefallen. Und auch Kira musste Grinsen. Nur Ryos Miene blieb unberührt. Ein wirklich außergewöhnlicher Mensch.
 


 

Die Freunde waren jetzt schon an jedem Stand gewesen. Ryo und Kira haben stillschweigend eine kleine Wette abgeschlossen. Sie versuchten sich unermüdlich zu übertrumpfen und nach einer gewissen Weile hatte die über das gesamte Gesicht grinsende Mona einen riesen Stapel an Kuscheltieren und Fischen auf ihrem Arm. Die anderen mussten ihr die Sachen schon abnehmen, doch eine Sache, wollte sie die ganze Zeit bei sich haben. Einen rosa Plüschelefanten, den sie von Ryo bekommen hatte. Als dieser das sah, sprang er innerlich über den Fûjiyama. Doch als er erfuhr, dass Mona fand, der Elefant sei genauso wie er, verflog dieses Hochgefühl augenblicklich. Trotzdem fühlte er immer noch eine Art stolz, wenn er bemerkte, wie Mona dieses Lächerliche Kuschelgetier liebkoste und schmuste. Immerhin hatte sie ihn Ry-chan genannt!
 

Nach gut zwei Stunden mussten sie aber auch schon an den Stand. Mona hatte sich trotz ihrer offiziellen Ausschließung bereiterklärt den Klassenstand für eine Stunde zu betreuen. Die anderen haben dann geschaut, dass sie in die gleiche Schicht kamen. Sunny ging derweil mit Koji durch die Gegend. Auch die Iren und die beiden Lehrer, die wieder Lilly bei sich hatten, gingen ihres Weges...
 

Die eine Stunde war schon fast vorbei, als plötzlich ein schwankender Mann an den Stand der 2-1 kam. Er sah ungewaschen aus, trug alte Klamotten und roch stark nach Schnaps. Aber trotz allem konnte man vermuten, dass er mal sehr hübsch gewesen sein musste.

Alle gingen ihm aus dem Weg, doch Mona ließ sich nicht beirren. Obwohl ihr sehr unwohl zumute war, ging sie wie mit jedem anderen auch mit ihm um, als er sie ansah.

"Kann ich ihnen was anbieten?", fragte sie freundlich. Der Fremde lachte leicht irre.

"Ein hübsches Mädchen bist du.", nuschelte er.

"Vielleicht einen Kaffee?", lächelte Mona leicht verkrampft.

"Du willst doch ganz bestimmt mal kurz mit mir mitkommen, oder Schätzchen?" Schwankend versuchte der Fremde auf seinen Beinen stehen zu bleiben und gierte zu Monas Körper hin.

"Oder ein Stück Kuchen?" Mona war noch blasser als sonst geworden. Schwer atmend, versuchte sie ein kleines wenig zurück zu weichen, doch der Fremde packte sie am Arm.

"Du bist wirklich wunderschön."

"Lassen sie mich bitte los.", zitterte Mona.

"Warum sollte ich. Tief im inneren willst du es doch auch." Wieder lachte der Fremde irre. In Monas Kopf erschienen auf einmal Bilder.

Kalte blaue Augen, die sie gierig anschauten. Ein gehässiges Lachen. Ein dunkler Raum mit einem schäbigen Bett. Verschiedene Ampullen, Pulver und Tabletten. Ein brennender Raum voller leerer Flaschen.

Langsam lief ihr eine Träne über die Wange, doch das schien den Fremden nur noch in seinem Eifer zu steigern.

"Lass sie los!", nahm sie plötzlich Ryos scharfe Stimme wahr. Eine Hand ergriff die des Fremden und löste sie von Monas Arm. Diese sank auf den Boden. Inzwischen hatte Ryo sich zwischen die Beiden gestellt und sah den Mann wütend an.

"Misch dich nicht ein, Ryo." Der Fremde zischte den Namen gefährlich, doch dieser blieb entschlossen stehen.

"Hau hier sofort ab." Ryos Stimme war auf einmal so eisig und wütend, dass der Fremde plötzlich zögerte. Doch dann fing er sich wieder.

"Du willst mir befehlen? Vergiss nicht, was passiert, wenn ich wütend bin. Ich kann ja ausnahmsweise meine Wut nicht an die sondern an den Kleinen auslassen. Wie wäre es mit Maya?" Der Fremde wurde immer belustigter, als Ryo bei jedem neuen Wort blasser wurde.

"Lass die Kleinen aus dem Spiel." Ryos Stimme war schon lange nicht mehr so bedrohlich, doch man konnte immer noch eine gewisse Kälte spüren.

"Aber es wäre doch ziemlich amüsant, wenn nicht du verprügelt wirst, sondern du mit ansehen musst, wie deine geliebte Maya am Boden liegt.", lachte auf einmal eine ganz andere Stimme. Kuso, Ryos Stiefbruder, hatte sich lässig an einen Baum gelehnt und alles beobachtet.

"Es wäre doch mal ganz interessant zu sehen, wie Ryo spurt, wenn wir mal an die Kleinen gehen. Nicht wahr Vater?" Er grinste zu dem Fremden, der wohl Herr Dadoi sein musste. Dieser nickte verschlagen. Die beiden wandten sich wieder an Ryo, wobei Kuso immer näher kam. Jetzt war es an Ryo schwer zu atmen.

"Gehst du jetzt zur Seite?" Man konnte sehen, wie Ryo innerlich zerriss. Entweder lief er Gefahr, dass die Beiden Mona etwas antaten, oder sie würden der kleinen Maya wehtun. Was sollte er nun machen?

"Nein!", entschloss er sich schließlich.

"Ich sagte, du sollst bei Seite gehen, verdammter Hurensohn!" Mit diesen Worten auf den Lippen holte er einmal aus und schlug Ryo mitten ins Gesicht. Dieser taumelte zwar leicht, bewegte sich aber immer noch keinen Deut.

"Lasst Mona in Ruhe.", flüsterte er leicht benommen. Die Wut kochte in Herrn Dadoi hoch. Ohne weitere Vorwarnung holte er wieder aus. Ryo schwankte, schlug mit dem Kopf gegen die Tischplatte und blieb reglos liegen. Mona nahm das alles wie in Zeitlupe wahr. Dann ging alles ziemlich schnell. Mona drehte sie sich wutentbrannt zu Herrn Dadoi um. In der gleichen Nanosekunde schlug etwas unsichtbares hart gegen sein Gesicht und hinterließ eine klaffende Wunde direkt unter dem Auge. Die beiden Unruhestifter waren noch verwirrt, als Kira wie aus dem Nichts hervorkam und die beiden in Sekundenweise mit einer mörderischen Präzision zu Boden brachte. Die anderen konnten gar nicht so schnell gucken, wie alles geschah. Sie bemerkten nur, wie Ryo bewusstlos wurden, Mona sich umdrehte, Kira erschien und die beiden Dadois plötzlich am Boden lagen und sich vor Kiras Füßen krümmten.

"Ich rate euch eines!", sagte Kira scharf. "Wenn ihr jemanden bedroht, dann macht das niemals in der Nähe eines Orion. Und schon gar nicht mit seinem Schützling. Falls euch euer Leben lieb ist, rate ich euch, niemals wieder in Monas Nähe aufzutauchen. Habe ich mich klar ausgedrückt?" Die Beiden nickten beklommen. Sie erhoben sich nur langsam und versuchten sich gegenseitig stützend aus Kiras Blickfeld zu kommen. Diese drehte sich ausatmend um und schaute ob es Mona gut ging. Doch diese war inzwischen schon beim bewusstlosen Ryo und flüsterte unter Tränen seinen Namen. Kira kniete sich langsam neben ihre Freundin und suchte Ryos Puls.

"Er lebt noch und steht nicht unter Lebensgefahr.", stellte sie erleichtert fest.

Durch Mona ging eine Welle der Erleichterung.

"Das ist alles meine Schuld.", schniefte sie. "Ihr habt doch gesagt, dass es gefährlich ist, aber ich wollte ja nicht hören. Es ist alles meine Schuld."

"Mona! Du hast doch keine Schuld an seinem Vater! Ja, wir haben dir gesagt, dass es gefährlich ist und das ist es auch, aber trotzdem halten wir es für richtig was du tust. Alles, was du tust!", beruhigte Dylan Mona. Langsam schaute das verstörte Mädchen auf.

"Really? It's not my fault?"

"No, little princess!"

"Don't call me so." Ein schüchternes Lächeln stahl sich auf Monas Gesicht und vertrieb langsam die Tränen.
 


 

Langsam öffnete Ryo seine Lieder. Als sich seine Augen endlich an das strahlende Licht gewohnt hatten, bemerkte er recht schnell, dass er im Krankenzimmer der Schule war. Er verspürte einen stechenden Schmerz im Kopf und stellte verwundert fest, dass ein Gewicht auf seinem Bauch war. Er erhob sich leicht und konnte Mona sehen, die mit ihrem Oberkörper auf dem seinen lag und schlief. Er versuchte sich zu erheben, ohne dass sie aufwachte, doch schaffte es nicht so recht. Auch sie öffnete ihre Augen und blinzelte verschlafen. Als sie jedoch sah, dass Ryo wach war, spürte sie keine Müdigkeit mehr.

"Ryo! Du bist wach! Oh, bei Lugh, ich hab mir solche Sorgen gemacht. Wie geht es dir?" Ryo lächelte leicht. Doch das verging ziemlich schnell, als er sah, dass Mona anfing zu weinen.

"Es tut mir so leid.", schniefte sie. Ryo wollte etwas erwidern, doch Mona hatte sich schon in seine Arme geworfen und weinte unerbitterlich.

"Mo-chan. Es war doch nicht deine Schuld! Bitte mach dir keine Vorwürfe. Wenn dann muss ich mich entschuldigen. Es waren doch immerhin mein Stiefvater und -bruder! Bitte wein doch nicht!" Mona richtete sich leicht auf und schaute nun in Ryos Augen. Etwas schüchtern hob sie ihre Hand und umfasste damit ein paar Haarsträhnen an denen sie etwas abwesend herum spielte. Die andere tastete nach der einen Hand Ryos. Langsam kam sie Ryo näher. Sie stockte kurz ein paar Zentimeter vor ihm, fing sich dann aber wieder und küsste ihn sachte auf den Mund. Während sich beider Augen schlossen, fuhr Ryos freie Hand nach oben und hielt an ihrem Nacken. Sanft zog er sie näher an sich heran. Er spürte, wie Mona sich entspannte und ihren Mund etwas öffnete. Ryo verstand den Wink und stupste mit seiner Zunge an die Spitze von Ihrer. Diese fing an Ryos ein wenig zu umrunden und zu massieren. Nach einer halben Ewigkeit der Glückseeligkeit ließen sie wieder voneinander los und sahen in die glänzenden Augen des anderen. Monas Wangen waren leicht gerötet und ein sanftes Lächeln hatte ihren Mund ergriffen.
 


 

Erst fünf Minuten bevor das Fest anfangen sollte, kamen Mona und Ryo heraus. Sie schienen beide sehr glücklich, doch die anderen interessierte nur, dass es Ryo wieder gut ging.

Es war wirklich wunderschön geworden. Es brannte ein riesiges Feuer und ein buntes Feuerwerk vermischte sich mit den weißen Sternen. Dylan bemerkte leicht lächelnd, dass Mona, während sie das Wunderwerk der Naturwissenschaften bewunderte, Ryos Hand hielt und sich leicht an ihn lehnte.

Nachdem das Schauspiel beendet war, kam eine große Party. Ein DJ legte Musik auf und ab und zu spielte eine Schulband auf der Bühne. Die meisten befanden sich auf der Tanzfläche. Sogar Mona, die sich in solchen Momenten lieber zurückzog, schwang das Tanzbein. Völlig außer Atem gingen sie nach einer Weile zum Getränkestand, wo Kira, Kyle und Dylan saßen und sich unterhielten.

"Was willst du trinken, Ry-chan?" Mona betonte das "du" besonders, so dass man darauf kommen konnte, dass sie schon gewählte hatte.

"Mir egal. Muss es denn unbedingt ein Bier sein?" Ryo schien etwas verzweifelt. Anscheinend ging diese Diskussion schon etwas länger. Mona lächelte nur sanft.

"Wenn es kein Bier ist, dann wird es wohl ein Gin oder Wodka auf Eis oder..."

"Schon gut!", rief Ryo leicht genervt aus. "Cola-Rum." Mona klatschte einmal mit der flachen Hand auf die Bar, worauf hin ein junger Mann kam. Den Gerüchten zu urteilen, war es ein großer Bruder von einer der Organisatorinnen mit seinen Freunden, die hier die Bar verwalteten und damit ganz gut nebenbei verdienten.

"Ein Köpi und eine Cola-Rum!", sagte Mona ohne Umschweife. Der Junge nickte nur und verschwand einen kurzen Augenblick. Dann kam er wieder mit einer Flasche Köpi und einem Glas mit einer dunklen Flüssigkeit, von der man wohl ausgehen konnte, dass es Cola-Rum war. Mona schnappte sich nur die Flasche, ging zu Ryo und gab ihn einen flüchtigen Kuss auf den Mund.

"Du bezahlst!", lächelte sie verschmitzt und lief wieder auf die Tanzfläche. Ryo blieb gar nichts anderes übrig, als sein Portemonnaie heraus zu holen und den Barkeeper zu bezahlen. Die ganze Zeit spürte er die Blicke der Iren. Kyle etwas überrascht. Dylan nur wissend schmunzelnd. Und Kira gefährlich böse und leicht eifersüchtig. Er vermied es in ihre Richtung zu kommen, sondern beeilte sich lieber wieder in Monas Nähe zu gelangen.
 


 

Es war schon fast wieder morgens, als sich die Freunde beschlossen zu gehen. Sie waren eine der letzten, die noch da waren und so langsam wurde immer wieder die gleiche Musik auch langweilig.
 

"Bist du sicher, dass du wieder nach Hause musst? Was ist wenn..." Mona sprach nicht weiter, sondern schaute lieber besorgt zu Ryo auf.

"Aber was ist denn mit den Kleinen? Ich muss doch auf die aufpassen. Ich kann sie einfach nicht mit diesem Typen alleine lassen.", erklärte Ryo etwas bedauernd. "Es sei denn..." Monas Miene hellte sich wieder auf. Erwartungsvoll schaute sie auf.

"Ich könnte schnell nach Hause düsen und die Kleinen zu ihrer Oma bringen. Sie hätte sicher nichts dagegen!"

"Ich komm mit!" Doch Ryo schüttelte nur den Kopf. Es war ihm peinlich Mona in diese kleine verwahrloste Wohnung mitzunehmen, in der er wohnte. Doch Mona wollte einfach nicht nachgeben und mit der Zeit fanden sie einen Kompromiss. Mona wartete unten an der Straße, wenn Ryo die Kleinen abholte. Und die Großmutter wohnte auf der Strecke zwischen ihnen. Nach gut zehn Minuten warten gingen zwei Jugendliche mit einem Hort kleiner Kinder die Straßen entlang. Die Großmutter wohnte in der gleichen Straße, wie Mona, nur sehr am Anfang. Sie hatten Glück. Sie war gerade aufgestanden und hatte nichts dagegen die Kleinen erst mal zu sich zu nehmen. Sie konnte sich gut vorstellen, was ihr missratener Sohn mal wieder getan oder gedroht hatte.
 

Wieder zehn Minuten später schloss Mona die Tür zu ihrem Haus auf und ging schnurstracks zur Treppe. Auf die Frage, wo denn Troyes sei, antwortete sie etwas verbissen, dass er seit ein paar Tagen verreist war. Monas Miene und Gefühle straften ihre Worte Lüge, doch das war jetzt egal. Hauptsache die beiden waren alleine.

Es erstaunte Ryo, dass Momo schon mit der Wiege auf dem Weg ins Wohnzimmer war. Sie schien genauso wie Mona immer zu wissen, was vor sich ging und er hatte das ungute Gefühl, dass Mona per Telepathie Momo zu wissen gab, dass sie gerne in Ruhe gelassen werden würde, denn Momo schaute etwas merkwürdig. Doch sie gehorchte ohne Widerworte.

Aber was heißt "ungutes Gefühl"? Eigentlich konnte sich das für ihn doch nur positiv auswirken. Kaum, dass Mona die Falltür geschlossen hatte, ging sie auf Ryo zu und verwickelte ihn in eine Knäuel-Tat, in der sie zusammen geschlungen sich liebkosten und langsam ins Bett sanken...
 


 


 


 

hoffe es gefällt bis hier hin. mit der knäuel-tat meine ich natürlich, dass sie wie ein wollknäuel in einander verknotet diese "tat" (^^) machen...

falls es sonst noch irgendwelche vokalbel- oder sonstwaige fragen gibt, nur her damit...^o^

Medikamente

Medikamente
 

Als Mona aufwachte spürte sie eine warmen Körper um neben sich und einen starken Arm um sich. Langsam drehte sie sich um und sah Ryo beim schlafen zu. Er sah so unschuldig aus, wie er friedlich schlummernd lächelte. Mona fragte sich, was er wohl träumte und was ihn so glücklich machte. Leicht schmunzelnd schloss sie ihre Augen und küsste Ryo auf den Mund. Sie ließ ihre Gedanken fließen und schwebte in Ryo Geist.
 

Als sie ihr inneres Auge öffnete stand sie in einem unendlichweitem dunklem Raum. Hier gab es kein Licht. Nach einigem herumstöbern und wandern fand sie eine Art Tür, die auf eine mystische Weise leuchtete. Mona brauchte sich nur zu wünschen, dass sie aufgehen sollte, und schon schwang die Tür lautlos auf. Hier stand Ryo, der jemanden beobachtete. Mit leeren Augen schaute er auf Erlebnisse aus naher Vergangenheit. Monas erster Schultag. Die Hauswirtschaftsstunde. Mona, wie sie ihm zuzwinkerte, nachdem sie hochgesprungen war. Die Totenkopfparty. Der Tag, an dem Kyle und Dylan zu ihnen kamen. Alles Erinnerungen mit ihr selber.

Mit der Welt zufrieden öffnete Mona ihre Augen und sah wieder den schlafenden Jungen.

"Danke.", flüsterte sie lächelnd. Dann schlüpfte sie aus dem Bett, zog sich ihren Morgenmantel über die bloße Haut und ging nach unten. Momo war schon wach und fütterte gerade Lilly. Die beiden alten Freunde tauschten kurz Blicke, die alles erklärten und sagten und Mona ging weiter in die Küche, um Frühstück zu machen.
 

Ryo wurde sanft von einem wohligen Geruch geweckt. Es roch nach Kaffee und Brötchen. Dazu gesellte sich Monas Duft, der im gesamten Zimmer schwebte und speziell im Bett vorhanden war. Langsam öffnete er die Augen. Es war gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, dass sich die Falltür von selbst öffnete, Mona mit einem gefüllten Tablett herein kam und die Tür sich wieder von Geisterhand schloss. Als Mona sah, dass Ryo schon wach war, lächelte sie wieder zuckersüß, so dass es Ryo schwindelig wurde.

"Frühstück im Bett!", sang Mona sanft, setzte sich zu den jungen Mann und verwickelte ihn in einen langen Kuss.
 

Dieser Sonntag, war wohl der schönste in beider Leben. Sie waren fast die ganze Zeit alleine und gingen nur einmal zur Großmutter, um zu sehen, wie ob es mit den Kleinen ging. Sie meinte, dass die Kleinen ruhig länger bei ihr bleiben dürften. Sie würde alles regeln. Sie überlegte sogar, ob sie ihrem Sohn die Vormundschaft gerichtlich verbieten würde. Ryo lächelte kurz und bedankte sich dann zum x-ten Mal.
 


 

Am Montag traf sich dann die gesamte Clique wieder, um zur Schule zu gehen. Die anderen wunderten sich, warum Ryo mit Mona zusammen aus deren Richtung kam, aber dachten sich schon ihren Teil. Nachdem, was sie so bei der Party gesehen hatten...

Ailin und Sunny fehlten sich zwar ein wenig fehl am Platz, zwischen den vier Verliebten, aber immerhin waren sie nicht alleine und konnten sich so mit dem jeweils anderen unterhalten.
 

Endlich in der Schule angekommen war es das bis jetzt erste mal, dass Mona sich wundern musste. Normalerweise trödelten sie noch immer. Redeten und provozierten ein zu spät kommen sehr gerne. Doch diesmal spurteten alle so schnell sie konnten in die Klasse und setzten sich auf ihre Plätze. Normalerweise hätten sie jetzt Frau Ransho. Nun wurden alle Stunden und Pflichten der baldigen Mutter Frau Itama zugetragen. Das hieß auch, dass Itama erst mal die Klassenlehrerin war.
 

Um punkt acht Uhr ging die Tür auf und Itama trat ein. Und die nächste Überraschung traf ein. Die Klasse erhob sich und rief im Chor "Guten Morgen!". Dann warteten sie auf Itamas OK, dass sie sich wieder hinsetzen konnten. Was auch wieder wie eine Bewegung war. Selbst Monas Freunde machten da mit. Mit offenem Mund sah sich die Irin in der Klasse um. Kein Gekicher. Keine Abwesenheit. Keine Blicke in eine andere Richtung als die Tafel oder Itama. Jeder hatte seine Schreibsachen ordentlich vor sich liegen. Den Füller griffbereit.

"Überrascht, Druì?", wurde Mona aus ihrer Erstarrung gerissen. "Wie sie sehen habe ich die Klasse besser im Griff, als Ransho es je haben wird." Mona schaute nach oben, wo die vergrößerten Augen hinter der Brille sie anschauten.

"Ich muss gestehen, ja ich bin überrascht. Auch wenn mir das alles nicht gefallen will.", nickte das Mädchen. Itama grinste breit.

"Willst dich wohl nicht einordnen." Siegessicher schaute sie nach unten, wo ein freundliches Lächeln das Ihrige erfrieren ließ.

"Nein, das will ich nicht, aber nicht aus dem Grund, den sie meinen. Mich erinnert das alles nur an etwas, was ich nicht gutheiße."

"Was?"

"Hitlerjugend!" Monas klare Stimme brachte nun jeden ins Stocken. Die Lehrerin konnte nicht mehr lange in diese ehrlichen Augen blicken und wandte sich ab.

"Es bleibt ihnen wohl nichts übrig. Und nun zu den Regeln, die sie noch nicht kennen. Erstens: Wenn ich in den Raum komme, stehen sie auf, sagen mit den anderen zusammen "Guten Morgen!" und setzen sich erst wieder, wenn ich sie dazu auffordere. Zweitens: Wenn sie etwas zu sagen haben, dann melden sie sich. Drittens: Ich führe ab und zu mal einen unangekündigten Test durch, den sie lieber bestehen sollten. Viertens: Sie reden mich immer mit höflichen Ton und Frau Itama oder meinem Titel an. Fünftens..." Das ging gut zehn Minuten so weiter, die Mona interessiert, aber immer noch lächelnd, zuhörte, bis Itama schließlich bei Regel Nummer achtundzwanzig angekommen war. "Haben sie alles verstanden?" Monas lächeln wurde breiter. Langsam hob sie die Hand, was schon mehrere in Erstaunen versetzte, dann sagte sie in einem gespielt höflichen Ton:

"Natürlich habe ich verstanden, Frau stellvertretende Direktorin und stellvertretende Klassenlehrerin der 2-1. Aber das ist nicht der springende Punkt. Die Frage wäre eher, ob ich es auch alles so befolgen werde, wie sie sich das vorstellen, aber wie sie sehen, Frau stellvertretende Direktorin und stellvertretende Klassenlehrerin der 2-1, habe ich beschlossen dem Folge zu leisten und auf jede Regel bei jedem Schritt zu achten." Mona nahm ihre Hand wieder herunter und schaute freundlich lächelnd in das purpurrote Gesicht Itamas. Lächelnd schielte Ryo zu seiner Freundin. Er hatte erkannt, was Mona vorhatte und er war nicht der einzige, der stillschweigend beschloss mitzumachen.

Diese Stunde war ein Höllentrip für Itama. Die gesamte Chaosclique redete miteinander wie sonst auch. Aber sie hoben bei jedem Wort die Hand, bis sie nichts mehr sagten. Auch redeten sie Itama mit diesem lächerlichen Titel an. Und Sakura meinte zu beobachten, dass ein paar Mitschüler den Namen vor sich hinmurmelten, als wollten sie ihn auswendig lernen.

Als Itama sie dann darauf hinwies, versicherten sie ihr, dass sie nur die Regeln befolgten, was ja auch in gewisser Weise stimmte.

Endlich klingelte es und eine völlig erschöpfte Itama verschwand aus dem Klassenraum der 2-1, aus der ein schallendes Gelächter sie verfolgte.

Mona hatte es tatsächlich geschafft die gesamte Klasse und auch andere (wo Sunny sicher ihren Teil getan hatte) für sich zu gewinnen. Vergessen waren die Streitereien mit ihren Freunden. Es zählte nur noch Itama von ihrem Ross zu stürzen. Selbst Joro drang sich dazu durch und murmelte im Vorbeigehen ein "Nicht schlecht, Mona!" durch ihre Zähne.

Mona war binnen einer Stunde von der etwas eigenartigen Neuen zum Held der Nation aufgestiegen.
 


 

In der zweiten Stunde, also in Geologie, bemerkte Mona plötzlich etwas merkwürdiges. Ein stiller Junge mit unordentlichen Haaren, Augenringen, leeren Augen, schwarzen Klamotten und weißem eingefallenen Gesicht kam in die Klasse und setzte sich auf einen Platz, der bei ihrem letzten Besuch dieser Schule nicht existiert hatte.

Die anderen schienen sich nicht zu wundern, dass dieser Junge so mir nichts dir nichts in die Klasse marschierte und so tat, als ob er die ganze Zeit anwesend gewesen wäre.

"Das ist Masaru Itô! Er ist vor der Projektwoche neu dazu gekommen. Aber anscheinend sieht er das mit dem immer anwesend sein nicht so ernst, wie andere.", erklärte Sakura als sie Monas Blicke bemerkte. "Er fällt eigentlich nie auf. Weder, wenn er da ist, noch wenn nicht."

Mona fühlte sich durch diesen Jungen in ihre Vergangenheit zurück versetzt. Sie schien ganz genau zu wissen, warum er so eigenartig" war. Sie wollte ihm helfen, damit ihm nicht so etwas passierte wie ihr. Vorsichtig versuchte sie seinen Geist zu öffnen. Er war ein offenes Buch. Genauer gesagt: Er war ein leeres Buch. Nur hier und dort stand etwas hingeschmiert.
 

In Geologie sollten sie alle Zweiergruppen bilden. Es blieben nur wenige übrig. Die Chaosclique und Masaru Itô. Mona entschied sich schnell und meldete sich.

"Herr Bôkiju! Ich mach meinetwegen mit Itô-san! Ist das OK, Ryo?" Die letzten Worte flüsterte sie in Richtung des vor den Kopf gestoßenen Ryo. Es blieb ihm gar nicht anderes übrig als zu nicken. Es machte ihm ja nichts aus mit Ailin zusammen zu arbeiten, aber er wunderte sich, dass Mona mit Itô zusammen arbeiten wollte. Auch der Lehrer schien verwundert, doch er trug die Namen in seine Liste.

Lächelnd nahm Mona ihren Stuhl und Tasche und ging zu den Jungen.

"Hallo! Ich bin Mona Druì! Hoffentlich verstehst du mehr von Geo, als ich!" Masaru antwortete nicht. Mona zuckte mit den Schultern. "Gut, dann müssen wir uns wohl oder übel da rein arbeiten." Zum ersten Mal zeigte Masaru eine Reaktion. Verwundert sah er zu dem Mädchen, dass nun versuchte die Aufgaben für das Referat, das sie in der nächsten Woche abgeben sollten, einzuteilen. Sie war merkwürdig. Sie wollte freiwillig mit ihm zusammen arbeiten. Mit ihm! Und jetzt tat sie so, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. OK, sie war in seiner ersten Woche nicht dagewesen, doch die anderen hatten sie doch bestimmt schon "aufgeklärt" und auch sonst reichte sein Anblick um einen zu verschrecken. Aber sie war freundlich zu ihm. Sie behandelte ihn wie einen normalen Menschen. Wie jeden anderen Klassenkamerad auch. Erst jetzt fiel ihm auf, wie hübsch diese Mona war. Die ungewöhnliche Färbung der Haare und die unglaublich intensiven smaragdgrünen Augen, die immer verzweifelter wurden, als sie sich über den Text beugten.

"Die reden über Indien!", sagte er leise, nach einem kurzen Blick auf den Text. Mona schaute hoch. Ihre vollen Lippen formten langsam ein Lächeln.

"Hey, du verstehst ja doch etwas davon. Bei Lugh, ich dachte schon wir müssten richtig arbeiten. Erzähl mal! Was weißt du über Indien und was sollen wir eigentlich machen?" Fröhlich sah seine Tischnachbarin in seine Augen. Ja, sie war wirklich eigenartig, aber auch wunderbar.
 

Die restliche Stunde erklärte Masaru der Irin alles über Indien. Der Kerl war ein Genie! Er schien alles über dieses Land zu wissen. Mona war ganz hin und weg und bemerkte erst, als Masaru Anstalten machte einzupacken, dass die Glocke schon lange geläutet hatte.

"Hast du Lust auf 'nen Kaffee?" Masaru sah seine Geologie Partnerin merkwürdig an, bis er die Frage verstanden hatte. "Wir könnten Geo weiter machen. Oder reden. Oder einfach nur Kaffee trinken!"
 

Keine fünf Minuten später saßen die beiden in der Schulmensa und redeten bei Kaffee und Kuchen angeregt über dies und die Welt und schafften es noch nebenbei in Geologie weiter zukommen.

Doch sie wurden bald in ihrer Unterhaltung gestört, als Ryo zu ihnen kam. Er gab Mona einen Kuss zur Begrüßung, der etwas intensiver war, als unbedingt nötig.

"Wir wollen zum Basketballplatz. Kommst du auch?" Lächelnd schaute Mona auf. Sie hatte Ryo voll durchschaut. Doch trotzdem verneinte sie.

"Ich hab Masaru gesagt, dass wir diese Pause Kaffee trinken und ich halte mein Wort. Das weißt du doch, Ry-chan!" Ryo wurde etwas rot um die Nase. Er fühlte sich ertappt. Grummelnd ging er zu den anderen, die auf ihn warteten.

"Er ist eifersüchtig! Ah, so sieht er noch knuddeliger und unwiderstehlicher aus!"

"Ist er dein Freund?" Mona nickte. "Du liebst ihn, oder? Schon seit du hier bist?" (Masaru hatte inzwischen mitbekommen, dass auch Mona "neu" war) Mona überlegte lange was sie antworten sollte.

"Ja, ich liebe ihn.", entschloss sie sich schließlich. "Aber nein, nicht seit ich hier bin. Natürlich, er war mir aufgefallen. Und ich fühlte mich zu ihm hingezogen. Aber ich glaube damals war es noch keine Liebe. Es entwickelte sich nur langsam. Ich glaube, erst kurz bevor er mir seine Liebe gestanden hatte, hab ich mich wirklich in ihn verliebt. Aber ich konnte mit Gefühlen noch nicht umgehen. Naja, eigentlich kann ich es noch heute nicht, aber ich lerne."

"Du und nicht mit Gefühlen umgehen?"

"Masaru, meine nahe Vergangenheit war das schlimmste, was man sich vorstellen kann und noch heute ist nicht wieder alles im Lot. Ich habe tiefe Gefühle nie richtig wahrgenommen! Ich hatte Angst. Jedes mal, wenn ich welche gezeigt hatte, wurde ich oder der andere verletzt. Also verschloss ich mich. Ich habe nie gelernt mit Gefühlen umzugehen! Erst jetzt, wo ich nicht an jeder Ecke an irgendetwas erinnert werde, kann ich anfangen zu Leben. Aber wie gesagt, ich lerne noch!"
 


 

Erst, als die nächste Stunde angefangen hatte, traf Mona ihre Freunde in der Sporthalle wieder. Sie hatte die ganze Pause über mit Masaru geredet und er schien auch schon viel lockerer geworden zu sein. Er lächelte, wenn jemand einen Witz machte und antwortete so gut er konnte auf die Fragen des theoretischen Sportes.

Doch Sport auch treiben? So weit war er doch noch nicht. Aber Mona war zuversichtlich.
 

Eigentlich geschah nichts Erwähnenswertes, bis zur sechsten Stunde. Sie hatten wieder Itama und diese beobachtete Mona schon die ganze Zeit, in der Hoffnung ihr eines auszuwischen. Doch die Beobachtete hatte nicht die geringste Lust ihr einen Grund für's Rausschmeißen zu geben.

Immer um Punkt ein Uhr beendete Mona ihre Arbeit für ein paar Sekunden und nahm Tabletten mit einem Schluck Wasser. So auch diesmal. Auf so eine Chance hatte Itama bloß gewartet.

"In meinem Unterricht wird nicht getrunken, Druì!", sagte sie scharf, als ob sie das schon des öfteren erwähnt hätte.

"Entschuldigen sie bitte, aber ich muss meine Tabletten nehmen! Und das wissen sie.", meinte Mona ruhig, aber merklich angespannt.

"Es wurde nie gesagt, warum sie die nehmen müssen?" Die Antwort blieb aus. "Ja, das hab' ich mir gedacht. Ich habe nämlich Grund zur Annahme, dass sie die bloß nehmen, um uns Lehrer zu provozieren! Wahrscheinlich sind das auch keine Arzneimittel, sondern irgendwelche Brausetabletten. Wenn ich die also nicht konfiszieren soll, dann erklären sie mir, wogegen sie sein sollen. Und ich werde es nachprüfen!" Mona schaute verzweifelt ins Leere.

"Bitte! Ich..." Doch sie sagte nicht, was mit ihr war. Den Tränen nahe und ihre Unterarme umklammernd schaute sie zu Itama auf.

"Es ist wirklich wichtig!" Itama machte eine red-weiter-Geste, stierte aber weiterhin gierig in Monas Richtung. Diese wurde immer verzweifelter. Ryo spürte, wie sie kurz vor dem Zusammenbruch war und versuchte schreckliche Erinnerungen aus ihrem Kopf zu bekommen.

"Hören sie auf damit!" Erst als alle ihn anstarrten bemerkte Ryo, dass er stand, sein Stuhl auf dem Boden lag und er diese Worte gesprochen hatte. Er überlegte kurz, wie er die Sache herumdrehen konnte. Dann hatte er den rettenden Gedanken.

"Wenn sie der Meinung sind, es seien keine richtigen Arzneimittel, dann holen sie einen Arzt oder Apotheker hier her und der soll das überprüfen."

"Kann er nicht, Ryo!" Nach diesen Worten Monas machte Itama eine Gewinner-Miene. "Das Mittel ist nicht von einem Arzt verschrieben! Wir sind Heiler! Ich war bis jetzt nur wegen meinen Unfällen und Suizidanfällen im Krankenhaus, ansonsten hat mich nie ein Arzt gesehen!" Eine einsame Träne rollte über Monas bleiche Wange, doch sie sah den Schwarzhaarigen aus festen Augen an. Ihr Blick schweifte langsam zu der etwas irritierten Itama. Mona hatte einen Entschluss gefasst. Langsam griff sie in ihre Tasche und holte ein dunkles Gefäß heraus.

"Ich gebe sie ihnen unter der Bedingung, dass ich sie nach dem Unterricht wieder bekomme. Ich denke, wenn ich die Zusammensetzung oder die Dosis etwas ändere, dann kann ich auch andere Zeiten nehmen." Diabolisch grinsend nahm Itama das unscheinbare Gefäß an sich.
 


 

"Mona?" Die Angesprochene drehte sich genervt um. Da sie noch zum Lehrerzimmer musste, war sie so oder so schon spät dran. Sie hatte den Anderen gesagt, dass sie nicht auf sie warten sollten und Majo Dai bescheid sagen sollten, dass Mona gleich käme. Doch als sie in Masarus Gesicht sah, war sie doch ein wenig irritiert.

"Was meintest du denn vorhin mit Suizidanfällen?" Mona biss sich auf ihre Zunge. Sie war so verstört, dass sie nicht mehr darauf geachtet hatte, was sie wo und zu wem sagte.

"Masaru, ich... Ich red' nicht gerne darüber.", sie sah in mit einer Mischung aus entschuldigend und bittend an.

"Hast du die Tabletten denn wieder bekommen?" Mona musste etwas lächeln. Sie hätte fast vergessen, dass auch Masaru ähnliche Probleme hat, wie ihre früheren und sie daher verstehen konnte. Sie machte eine Zweideutige Geste mit ihrem Kopf und verabschiedete sich schnell, so dass Majo Dai nicht den dringenden Drang verspüren musste sie umzubringen.
 


 


 

edit: ah, etwas merkwürdig geraten. an sich könnte ich auch dieses kap und das nächste zu einem (also wieder ne doppelfolge^^) zusammenrotten, aba dazu hatte ich nicht den dringenden bedarf. hab schon sooooooo viele doppelfolgen...

aso muss ich mir wohl oder übel für s nächste kap nen neuen namen ausdenken.

übrigens: BRAUCHE DRINGEND (!) NE IDEE FÜR DEN DRITTEN GRAD! was sollen die da machen? ich hab KEINEN schimmer...

Tod

Ryo säuberte schon seit sieben Minuten ein und dieselbe Stelle, ohne dass er es realisierte. Besorgt schaute er auf die andere Straßenseite. Er sah durch das Fenster des "Flower Garden", wo seine Freunde versuchten ihrer Arbeit nachzugehen - genau so besorgt wie er.

Sie warteten schon über eine Stunde, doch Mona war nicht da...

Nach keinen fünf Minuten hielt Ryo es einfach nicht mehr aus. Schnur-Stracks ging er in den Laden seiner Meisterin, schnappte sich das Telephon und wählte eine Nummer. Er ignorierte die fragenden Blicke seiner Freunde, bis nach einer halben Ewigkeit endlich das beruhigende Klicken in der Leitung ertönte.

"Sekretäriat Mahami-High."

"Ist Mona Drui noch in Itamas Raum?" Ryo wartete erst gar nicht und verplemperte kostbare Zeit mit dem höflichen Dahergerede.

"Sie hat das Gebäude schon nach fünf Minuten verlassen." Es war nicht das erste Mal, dass Ryo dem Photographischen Gedächnis der Sekretärin dankte. Doch neue Furcht stieg in ihm auf. Wo war Mona? Nach einem flüchtigen "Danke" hängte er auf, um sofort eine neue Nummer zu wählen.

Er wartete schon zehn Minuten, doch er ließ es weiter klingeln.

"Mmh...", kam es plötzlich von der anderen Seite.

"Oh mein Gott!", die Anderen entspannten sich ein wenig, als sie Ryos Erleichterung spürten. "Mona was ist den passiert? Wir haben uns unendlich gesorgt!" Es dauerte eine Weile, bis die Antwort zögernd und leise kam.

"Ich... Ich war so... so wütend. Ich habe einen Spaziergang gemacht. Ich bin so müde... Ich wollte mich... Ich hab mich hingelegt." Ein wenig Stirnrunzelnd fragte Ryo ob es ihr denn gut ginge. Mona bejahte. Doch, obwohl er durch das Telephon ihre Gefühle nicht sehen konnte, wusster er, dass es nicht stimmte. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Doch er wusste einfach nicht was...
 

Kurz vor Feierabend kamen zwei seltene Gäste ins Café.

"Hey Ryo!", erschreckte Kyle den Schwarzhaarigen. Normalerweise konnte er jetzt ausschalten, weil da nur noch ein, zwei Gäste waren, die ihren Kaffee austranken.

"Weißt du wo Mona ist?"

"Zu Haus"

"Ach so. Warum arbeitet sie nicht? Wir wollten es ihr eigentlich heute sagen, aber dann müssen wir wohl warten. Wir kommen gerade vom "Flower Garden"."

"Sie schläft. Fühlt sich nicht gut. Was ist denn? Vielleicht kann ich es ihr ja sagen?"

"Mmmmmh..." Schläft? Fühlt sich nicht gut? Da stimmte was nicht. Da waren sich die Beiden einig. Plötzlich erinnerte sich Dylan, dass Ryo ja noch wartete.

"Naja, eigentlich können wir es dir ja auch sagen. Wir dachten uns, dass es besser wäre, wenn Mona es dir sagt, aber was soll"s? Du wohnst doch bei Mona solange Troyes nicht da ist. Was hast du für den Fall geplant, dass er zurück kommt, was nicht mehr allzulange dauern kann?" Ryo schüttelte den Kopf. Er hatte sich schon des öfteren den Kopf darüber zerbrochen. Eine Wohnung konnte er sich nicht leisten. Vielleicht könnte er eine Weile bei den Tepais wohnen. Bis er richtige Arbeit gefunden hat. Dylan und Kyle grienten sich an.

"Wir haben eine Idee! Über unserem Appartement ist eine Wohnung frei! Der Balkon hat eine Verbindung mit unserer Terrasse. So 'ne kleine Treppe."

"Das kann ich mir nicht leisten." Für einen kurzen Augenblick war da ein Hoffnungsschimmer. Doch jetzt ließ Ryo den Kopf hängen.

"Du kannst! Wenn du den Hausmeister machst, musst du keine Miete zahlen."

"Und was ist mit Esen? Und Gas? Und Strom?"

"Jetzt sei doch nicht so pessimistisch! Wir können beim Staat finanzielle Hilfe anfragen. Das wird erst mal reichen. Und in dieser Zeit kannst du einen Job suchen. Kleiner Tipp: Versuch's mal in sozialen Einrichtungen." Ryo schaute auf. Seine ungewöhnlichen Augen glänzten, als er von Dylan zu Kyle schaute - und wieder zurück.
 

Als er nach Hause kam, waren alle Fenster dunkel. Die Tür war verschlossen, aber Ryowusste, wo der Schlüssel war. So leise wie irgend möglich schlich er ins Haus und die Treppe hinauf.

Es brauchte nur ein paar Sekunden, bis seine Augen Mona erblickten - ihr blasses Gesicht hob sich besser denn je von der Dunkelheit ab. Obwohl es brütend warm hier oben war, zitterte sie und versuchte sich so gut wie möglich unter die Decke zu ziehen. Momo sah immer wieder besorgt zu ihr, während sie sich um Lilly kümmerte. Es war nicht das erste mal in dieser Nacht, dass sie Mona den kalten Schweiß abwischte.

Ryo bedankte sich bei der kleinen Fee und legte sie in ihre Kugel. Er würde sich die restliche Nacht um Mona und Lilly kümmern.
 

Am nächsten Morgen gingen de Beiden schon früh los. Mona war noch blasser als am Abend zuvor und beider Augen hatten dicke Ringe. Mona war immer wieder aufgewacht, ohne irgendetwas um sich herum zu realisieren und Ryo hatte nicht an seinen eigenen mehr als benötigten Schlaf gedacht und sorgte sich um ihr Wohlbehagen. Er wollte eigentlich, dass sie zu Hause blieb. Er hätte die Schule dann geschwänzt, doch das wollte Mona nicht. Sie sagte, die Schule würde sie ablenken und ließ keine weiteren Diskussionen zu. Also gingen sie sehr früh los - Mona konnte nicht all zu schnell gehen und wurde von Ryo mehr getragen als gestützt - und kamen fünf Minuten vor Beginn im Klassenzimmer an. Als die anderen ein paar Minuten später ankamen, sahen sie Ryo, der besorgt zu einer stillen und krank aussehenden Mona schielte. Der sonst so lebendige Glanz war vollenends aus ihren Augen verschwunden. Wenn sie denn mal aufblickte, sah man nur zwei leere grüne Pupillen.

Die Lehrer sahen, dass es Mona nicht gut ging und versuchten die Anderen so gut es ging von ihr abzulenken. Sie fragten sie nichts und standen nie in ihrer Nähe. Alle Lehrer machten es von sich aus. Alle bis auf Itama.

Am Anfang schien es, als wäre sie heute mal kein Teufel, doch dann...

"Drei Klammern auf, x minus vier, Klammer zu, zum Quadrat, mal 129.5, Klammer zu, durch, Klammer auf, 1865 minus 829, zwei Klammern zu, durch x, ist gleich, 4 durch x. Versucht euer bestes. An der Tafel will ich Magû, Suben, Magami und Druì." Jedes Mal, wenn sie jemanden aufrief, schmiss sie ein Stück Kreide zu ihnen, der es mehr schlecht als recht auffing. Auch zu Mona wurde ein Stück geschmissen, doch sie rührte sich nicht.

"Druì ich habe sie aufgerufen. Also nehmen sie ihre Kreide, oder soll ich ihnen Beine machen?" Langsam erhebte sich Mona und ergrif das kleine Stück auf ihrem Tisch. Sie konnte kaum auf ihren Beinen stehen - ihr gesamter Körper zitterte gefährlich. Ryo wollte gerade aufstehen, um ihr zu helfen, doch sie winkte dankbar lächelnd ab. Langsam ging si zur Tafel, wobei sie sich an den Tischen abstützte. Plötzlich stolperte sie und fiel zu Boden. Ihre Augen klappten zu und sie rührte sich nicht mehr. Da war nur noch ein Zittern ihres Körpers.

Durch den Raum ging eine geradezu greifbare Stille. Alle waren geschockt! Bis Ryo aufsprang und zu ihr lief.

Urplötzlich verwandelte sich die Stille in ein Raunen. Alle versuchten einen Blick zu erhaschen, doch Mona wurde gut von den Körpern in der ersten Reihe abgeschirmt.

Es dauerte eine Weile bis Ryo realisierte was wirklich passiert war.

"Schnell! Sagt Dylan oder Kyle bescheid. Nun beeilt euch doch!" Die Zwei, die der Tür am nächsten standen stürzten aus dem Zimmer.

Von den Mädchen kam ein gehauchtes und ein wenig programiert klingendes "WOW!", als Ryo seine Jacke auszog und Mona in diese wickelte. Nun hatten sie alle freien Blick auf den durchtrainierten Körper des jungen Mannes.
 

Als Dylan und Kyle in das Zimmer stolperten, wurde es sofort wieder still. Schnell bildete sich eine Gasse, durch die die Beiden zu Mona eilten, welche auf Ryos Schoß lag. Dylan sah die Symptome und es schaltete sofort.

"Gebt mir ihre Tasche!", befahl er mit scharfen Ton. Keine zwei Minuten später, war sie bei ihm. Er wühlte und wühlte, doch er fand nicht, was er suchte. Kurzerhand stülpte er die Tasche auf den Kopf. Es fielen Mappen, Stifte, eine lederne Börse und ein handbestickter Beutel mit Kugeln drin heraus.

"Wo sind ihre Tabletten?"

"Itama hat sie gestern konfisziert. Aber wir dachten, dass Mona sie wiederbekommen hat. Vielleicht hat sie sie nur vergessen?", meldete sich Masaru leise zu Wort. "Mona würde niemals ihre Tabletten vergessen." Dylan schaute auf - direkt in Itamas Augen.

"Sie wollte mir nicht erklären, wozu sie gut sein sollten. Also habe ich sie weggeschmissen."

"Bist du noch zu retten?" Kyle hatte nun völlig vergessen mit wem er sprach und ging auf Itama los. "Mona hat ihre Gründe nicht herauszuschreien, was sie hat. Sie ist sehr krank. Sie... Sie könnte sterben!" Die Stille, die diesen Raum erfüllte, war kaum auszuhalten.

"Sterben?", flüsterte Ryo. Seine Augen suchten angsterfüllt Hilfe. Sie fuhren durch den Raum und sahen nur hilflose und mitleidene Gesichter, bis sie bei Monas ausdruckslosem stehenblieben.

"Oh, ich meine nicht, dass sie sterben wird.", versuchte Kyle panisch die Situation zu retten. Er hatte ganz vergessen, dass Ryo, für den Mona sein Leben beudeutete, mit im Raum war. "Sie könnte nur... Die Chance ist wirklich sehr gering. Nur wenn sie ihre Medizin nicht nimmt."

"Dann macht schnell welche. Ich weiß das ihr das könnt. Dyl! Du bist doch auch Heiler. Wie Mona. Du musst wissen, wie man sie macht." Doch Dylan schüttelte den Kopf.

"Es ist ein wirklich sehr kompliziertes Rezept. Ich kenne nur zwei Menschen, die sie auswendig können und das sind Mona und Troyes, der ja nicht da ist... Ich glaub' zwar... Nein, ich bin sicher, dass sie das Rezept im Keller haben. Aber es braucht einen ganzen Mondzyklus!" Dylan war am Ende mit seinem Latein. Doch da war ja noch...

"Dylan: NEIN!", sagte Kyle plötzlich, als ob er genau wusste, was sein Lebenspartner sagte.

"Es ist besser, wenn wir da ein zweites Mal durchgehen, als wenn..." Seine Stimme versagte. Er schaute zu Mona, die sich nun regte. Zitternd hob sie ihren Arm und klammerte sich an Ryo. Er half ihr auf und sie konnte auch ein wenig stehen, doch ihre Augen blieben leer. Dylan überlegte nicht lange. Kurzerhand hob er die kleine Mona auf seine Arme und ging hinaus. An der Tür drehte er sich noch mal um und sah scharf in Kyles Augen. "Geh! Und beeil dich. Ich bin im Krankenzimmer." Er ließ keine Wiederworte zu.
 

Zwanzig Minuten später versuchte die Klasse dem normalen Unterricht nachzugehen - sie schafften es nicht. Jeder war mit seinen Gedanken bei Mona und dem Geschehenen. Kyle war schon seit fünf Minuten zurück. Sie hatten ihn über den Hof laufend gesehen. Viele schauten zu den Mitleid erregenden Ryo. Dieser war völlig runter mit den Nerven. Unverwandt sah er auf seinen Tisch, als ob er noch nie Holz zu Gesicht bekommen hätte.
 

Als die Stunde zu Ende war, stürzte die Clique über den Flur und als sie die Tür zum Krankenzimmer öffneten, lächelte ihnen Mona zu. Ihre Augen waren noch immer leer, sie war noch immer blasser als sonst und noch immer waren da ihre dicken Augenringe. Doch sie lächelte und saß still in ihrem Bett.

Nach einem Blick auf Ryos aufgelöstes Gesicht, stahl sich sogar ein leichter Glanz in ihre Smaragde.

"Es tut mir leid, dass ich euch solche Sorgen gemacht hab. Mir geht es gut... oder besser. Dyl sagte, du hast 'ne gute Chance die Wohnung über ihnen zu kriegen? Sie ist wirklich wunderschön!" Ryo nickte. Den Rest der Pause redeten sie über die Wohnung. Mona erklärte wie sie geschnitten war und wie die Umgebung aussah. Auch erzählte sie ein wenig über die Nachbarn und alles, was man sonst noch wissen könnte.

Doch sie erwähnte mit keinem Wort ihre Krankheit und die anderen wollte nicht fragen. Auch wenn sie es unbedingt wissen wollten, sollten sie noch nicht erfahren, was mit Mona los war.
 

Die Tage vergingen. Mona ging es wieder besser, auch wenn ihre extreme Blassheit und Augenringe nicht verschwanden. Auch ihr leicht stumpfer Ausdruck war stetig da. Sie sprach nicht viel und man sah sie selten lächeln, doch Dylan versprach, ssobald sie ihre Medizin wieder hätte, würde sich alles wieder normalisieren.

Ryo war inzwischen in die neue Wohnung gezogen. Sie war groß und fing viel Licht ein. Er hatte sogar das Glück, dass sie schon voll möbiliert war!

In der Schule verbrachte Mona viel Zeit mit Masaru. Dieser schien das mehr als zu genießen.

Ryo bemerkte das mit Unbehagen,doch er sagte nichts. Er vertraute Mona.
 

Jeden Tag gerieten Mona und Itama aneinander. Jeden Tag ermahnte Itama die Irin, dass sie ihre Handschuhe nicht tragen dürfte.Sie kam mit mehr als harten Strafen, doch Mona ertrug diese und die Schikane und kam jeden Tag mit den schwarzen Lederstücken wieder.
 

Mona sah immer sehr besorgt aus, wenn sie nicht wusste, wo Masaru war. Doch sie sagte nie warum. Eines Tages war Masaru mal wieder verschwunden. Kurz entschlossen stand Mona auf. Ohne weitere Erklärungen rannte sie durch die gesamte Schule - ihre eigene Gesundheitliche Verfassung ignorierend - und rannte und rannte.

Sie suchte nicht mit ihren Augen, das häte viel zu lange gedauer - sie suchte mit ihren Sinnen. Plötzlich blieb sie stehen. Dieser Teil der Schule wurde schon seit Jahren nicht mehr genutzt. Es war dunkel und staubig, doch das störte Mona nicht. Sie war schon an viel schlimmeren Orten gewesen. Langsam machte sie einen Schritt nach dem anderen. Nach ein paar Fluren öffnete sie eine Tür.

Sie sah Masaru auf dem Boden sitzen. Mit einem Feuerzeug erhitzte er einen Löffel, wo irgendein Zeug drin brodelte. Neben ihm lag eine Ampulle.

"Tu's nicht!", sagte sie leise, doch ihre Worte halten noch mehrfach von den Wänden wieder. "Nicht. Nicht. Nicht.", sagte sie.

Masaru schaute erschrocken auf. Seine Augen waren so leer wie Monas. Beide haten nur noch wenig Glanz. Doch bei Mona war es ein Glanz der Hoffnung - Masarus war nur noch der kleine Rest seinerselbst.

Seine Hände begannen zu zittern.Er brauchte es so dringend. Er könnte nicht mehr leben ohne es.

Er ignorierte Mona. Sie würde schon verstehen. Vorsichtig schüttete er die heiße Flüssigkeit in die Ampulle.

"Masaru!", obwohl Mona innerlich in Panik war, strömte ihre Stimme ruhig durch den Raum. Festen Schrittes ging sie auf ihn zu, doch Masaru ignorierte sie. Sie würde schon verstehen. Er war kurz davor die Spritze in seinen Arm zu jagen, da hielt es Mona einfach nicht mehr aus. Sie machte eine schnelle Bewegung mit ihrem Arm und die Ampulle flog ein paar Meter durch die Luft. Dort blieb sie unschuldig liegen. Masaru starrte unverwandt auf seine Hand und auf die Ampulle. Er wollte gerade zu ihr krabbeln, da machte Mona eine weitere Handbewegung und die Ampulle fing Feuer. Als die Flamme ein paar Sekunden später verloschen war, konnte man keine Spur mehr von irgendetwas erkennen.

"Was..." Masaru schien zu verstehen und starrte panisch zu Mona, die mit ruhigen Augen zu ihm hinab sah. Sie ging langsam auf ihn zu, dochl - obwohl er dem ganzen nicht traute und weg rennen wollte - konnte er sich nicht bewegen. Mona kniete sich vor ihm hin, so dass sie auf gleicher Augenhöhe waren.

"Ich versteh dich Masaru. Ich wusste es schon so lange - seit ich dich kenne. Aber du kannst nicht aus der Hölle fliehen, indem du durch eine andere wanderst."

"Du verstehst gar nichts. Du hast doch keine Ahnung von meinem Leben!"

"Nein, ich weiß nicht, was deine eigene private Hölle ist. Aber, wenn ich dich nicht verstehen würde, warum hab ich dann nie etwas zu den anderen gesagt?" Masaru sagte nichts. "Nein, ich weiß wirklich nichts von deinem Leben. Aber du kannst mir glauben: Das ist kein Ausweg!"

"Ich kann nicht mehr zurück.", murmelte Masaru, doch Mona hörte ihn nicht. SIe hatte gerade die kleine Tüte erblickt, in der noch immer das weiße Pulver war. Erinnerungen stiegen in ihr hoch. Und so deutlich wie schon lange nicht mehr, spürte sie dieses Verlangen.

Masaru bemerkte ihren Blick. Ja, Mona verstand ihn und nun wusste er auch warum.

"Also kann ich doch zurück?" Mona realisierte die Hoffnung in seiner Stimme und lächelte ihm müde zu. Sie nickte.

"Ja. Ich war viel tiefer gesunken."

"Aber du bist noch immer..." Masaru sagte nicht, was Mona noch immer war, doch Mona verstand.

"Ja, weil ich nie in ein Krankenhaus ging. Heute muss ich sagen, dass diese Entscheidung falsch war, aber damals... Die Situation wird immer schlimmer. Heute kann ich weniger denn je eine Auszeit nehmen."

Masaru hatte keine Ahnung, wovon Mona sprach, doch er fragte nicht. Man musste kein Genie sein, um zu bemerken, dass Mona zu sich selbst sprach.

"Kannst du es verschwinden lassen? So wie die Ampulle? Ich glaub das macht es einfacher."

Mona musste lächeln. So wusste sie doch, was Masaru meinte. Mit einem leisen Seufzer ließ sie die Tüte in ihrer Hand in kaltes Feuer aufgehen. Etwas in ihrem Herzen schrie und eine einsame Träne rann über ihre Wange, doch das war es wert.
 

Schweigend gingen die Beiden wieder zurück. Masaru sah des öfteren zu Mona. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sie mal genauso wie er war - sogar noch schlimmer, wie sie sagte. Doch das würde vieles erklären.

"Wirst du um professionelle Hilfe bitten?" Masaru erschrak ein wenig, als Mona die Stille mit ihrer Frage durchbrach. Er nickte, fragte sich aber auch gleichzeitig, ob sie ihm sagen könnte wie.

"Wenn du möchtest kann ich Dylan fragen. Er kennt sich sehr gut in sozialen Dingen aus. Er weiß bestimmt, wo du gute Hilfe bekommst."

Masaru blieb stehen. Woher wusste sie, was er dachte?

"Komm schon. Wir sind spät!", kam aus der nächsten Ecke eine Stimme, die keine Wideworte zuließ. Masaru lächelte und beeilte sich zu Mona zu kommen.
 

"Ihr seid zu spät. Ganze fünfzehn Minuten!" Es war als ob Itama die ganze Zeit gewartet hätte, bis Mona und Masaru in die Klasse kamen. Die beiden murmelten ein "'Tschuldigung" und wollten sich setzen, doch Itama schien heute gut gelaunt zu sein - sie hielt Mona auf.

"Druì!" Mona blieb stehen und drehte sich mit stumpfen und fast gelangweilten Ausdruck um. "Wie oft muss ich sie noch ermahnen ihre Handschuhe nicht in der Schule zu tragen? Gut. Das macht dann wieder eine Stunde nachsitzen und Säuberung des Klassenzimmers. Dazu kommt noch die Bibliothek putzen von heute Morgen. Das wird wohl ein langer Abend." Mona rührte sich nicht.Wie aus weiter Ferne sah sie zu Itama hoch. "Haben sie verstanden oder sind noch irgendwelche Fragen offen?"

"Darf ich mich dann setzen?" Itama schien kurz vor'm Explodieren zu sein, doch gab sie Mona das OK. Ryo wurde immer wütender. Warum verbrachte Mona zo viel Zeit mit diesem Masaru Itô? Und warum war sie immer so nervös, wenn er nicht da war? Was hatten sie gemacht, dass sie ganze fünfzehn Minuten zu spät kamen? Und er war sich vollkommen sicher, dass die beiden glücklicher waren, als zuvor. Warum? Hatten sie was miteinander? Er wusste, dass Itô in Mona verliebt war, aber Mona? Das würde er doch spüren, oder? Er wusste, dass sie unglaublich begabt in der Magie war. Vielleicht konnte sie auch ihre Gefühle nach außen sowie innen verschließen.
 

Seit zwei Tagen arbeitete Ryo nicht mehr im Café seiner Familie, sonder im Ganztageskindergarten, wo auch ein paar seiner Geschwister waren. Dazu musste er in eine andere Richtung gehen als seine Freunde. Wenn er schnell ging und Abkürzungen durch diverse Gärten und über mehrere Mauern nahm, hatte er gut zehn Minuten zeit. Diese wollte er nutzen, um mit Mona zu reden. Er wartete bis nur noch die beiden im Klassenzimmer waren und fing dann ohne Umschweife an.

"Was ist mit dir und Masaru?"

"Wovon redest du Ryo?", fragte Mona zurück, während sie die Tische abwischte.

"Ich meine, ob ihr was miteinander habt!" Endlich legte Mona den Lappen weg und schaute entgeistert zu Ryo hoch.

"Bist du noch zu retten? Wie kommst du darauf?... Wir sind bloß Freunde."

"Ach komm schon Mona. Du verbringst mehr Zeit mit ihm, als mit mir. Du bist nervös, wenn ihr nicht zusammen seit. Und heute kamt ihr 'ne ganze viertel Stunde zu spät! Und ihr wart glücklicher als sonst. Mona, ich bin nicht dumm. Also erzähl mir nichts vom Pferd, OK?"

"Du bist verrückt, Ryo. Ich habe nichts mit ihm und ich habe meine Gründe dir nicht zu sagen, warum ich mit ihm so oft zusammen bin. Ich dachte, du vertraust mir mehr. Leider muss ich gestehen, dass ich mich in dir getäuscht habe."

"Heist das du machst Schluss?" Mona antwortete nicht. Sie drehte sich bloß um und wrang ihren Lappen aus.

"Musst du nicht zur Arbeit?" Ryo schaute noch kurz zu Mona, die wieder angefangen hatte die Tische zu säubern.Gebrochenen Herzens drehte er sich um und rannte aus der Schule. Er konnte es einfach nicht glauben. Und verstehen schon gar nicht. Was war bloß geschehen?

Kaum das Ryo den Raum verlassen hatte, rannen heiße Tränen ihre Wangen herunter. Sie setzte sich auf den Boden und versteckte ihr Gesicht zwischen ihren Armen und angewinkelten Beinen.

"Ryo...", schluchzte sie zitternd. "Warum...?"
 

An diesem Abend hatten Kyle und Dylan Ryo und Kira zum Abendessen eingeladen.

"...und er hat es wirklich geglaubt!" Dylan stand hinter dem Herd und lachte über Kyles Geschichte, die er gerade beendet hatte. Ryo sagte nichts. Still krauelte er Kassiopaia, die dunkelgraue Katze der Beiden. Kira saß ihm gegenüber und sah ihn mit den unglaublich blauen Augen, die sie von Troyes geerbt hatte, an

"Was ist los, Ryo?" Ryo antwortete nicht. Er sah auf seinen Schoß, wo sich Kassiopaia rakelte. Er erschrak sich und hörte kurz mit seinen Streicheleinheiten auf. Grüne Augen. Kassiopaia hatte grüne Augen. Noch nie hatte er es so schmerzhaft realisiert wie in diesem Augenblick.

"Was ist mit Mona?", fragte sie plötzlich. Manchmal hasste er es richtig, dass Druiden immer alles wissen.

"Sie hat Schluss gemacht." Für Ryo war es klar, dass es nichts brachte etwas zu verheimlichen.

"Are you kidding?" Kyle war mehr als geplättet ob dieser Neuigkeit, aber als er Ryo in die Augen sah, konnte dieser sich die Antwort sparen. "Das kann einfach nicht sein. Ich meine, warum sollte sie das tun? Sie liebt dich wie sonst keinen."

"Masaru." Ryo war der Meinung, dass man da nicht mehr hinzuzufügen brauchte, als diesen so verhassten Namen. Und Liebe? Druiden schienen doch nicht alles zu wissen.

"Ryo ich glaube du hast da was falsch verstanden.", versuchte Dylan seine Oberste zu erklären. "Masaru hat Probleme. Ich weiß nicht, welcher Art sie sind, aber Mona wollte morgen mit mir darüber reden. Solange ich sie kenne hat sie sich immer um die anderen gekümmert. Ihr sind die Probleme anderer wichtiger, als ihre eigenen. Und sie ist schon durch viel durchgegangen. Daher kann sie auch besser helfen, wo andere versagen. Sie will Masaru bloß helfen."

"Sie hat es nie freiwillig gemacht." Ryo erinnerte sich plötzlich daran, was Mona ihm erzählt hatte. "Sie hat nie freiwillig geholfen. Sie hat es bloß als ihre Pflicht angesehen. Alles was sie sich je gewünscht hatte, war jemand mit dem sie reden kann. Jemand, der sich ihre Probleme anhört. Diesen Jemand hat sie in mir gefunden. Und das ist das Problem. Sie liebt mich nicht. Sie weiß doch gar nicht was Liebe ist."

"Ja, Mona weiß nicht was Liebe ist. Aber sie liebt dich, ohne es selber richtig zu wissen. Und das ist das größte Problem zwischen euch beiden."

Jetzt war Ryo erst recht konfus.

"Lass es dir mal durch den Kopf gehen und rede noch mal mit ihr."
 

Am nächsten Morgen saß Mona still auf ihrem Platz und schaute nicht auf, als Ryo mit den anderen in die Klasse kam. Sie war wieder blasser geworden und hielt verkrampft ihre Unterarme fest. Auch zitterte sie wieder.

Ryo wollte etwas sagen, wusste aber einfach nicht wo er anfangen sollte.

"Druì?" Kaum das Itama in den Raum gekommen war, rief sie die kranke Irin nach vorne. "Ich werde ihre Frechheiten nicht mehr dulden. Wo waren sie gestern nach der Schule? Sie sollten diesen Raum und die Bibliothek säubern. Sie haben diesem Raum zwar angefangen, aber was ist mit dem Rest? Und wo waren sie, als sie nachsitzen sollten?" Mona stand vor der Lehrerin mit gesenktem Kopf und antwortete nicht. "OK. Das reicht. Heute werden sie sich der Schulordnung gemäß anziehen. Also..." Itama wurde von einem zögerlichen Klopfen unterbrochen. Nach ihrem "Ja?" kam Kyle herein - ungewöhnlich traurig und mitgenommen.

Er flüsterte etwas zu Itama, die erbleichte. Mona schaute plötzlich auf und Ryo spürte ihre Aufgewühltheit, während sie Masarus leeren Stuhl betrachtete.

Itama schien Mona völlig vergessen zu haben, als sie sich von Kyle abwandte, um zur Klasse zu sprechen.

"Ruhe bitte! Ich habe eine Ankündigung zu machen. Es ist meine traurige Pflicht euch mitzuteilen, dass man Masaru Itô gefunden hat. Er ist tot!" Ein Raunen ging durch den Raum.Viele hatten noch gar nicht bemerkt, dass Masaru nicht Anwesend war. "Ruhe bitte. Ich möchte euch bitten alles zu fragen, was ihr dazu zu sagen habt. Ich werde versuchen sie bestmöglich zu beantworten. Ich denke so können wir Gerüchte am besten vermeiden. Also: Fragen?"

"Wo wurde er denn gefunden?"

"Eine Gasse in einer mehr als unangenehmen Gegend. Mehr braucht ihr nicht zu wissen."

"Was... Was ist denn passiert?"

"Es hat sich ergeben, dass Masaru schon seit zwei Jahren Drogen nimmt. Er hat eine Überdosis..."

"Goldener Schuss", flüsterte Mona mit Grauen. Ein wenig überrascht sah Itama zu ihr. Sie hatte wirklich ganz vergessen, dass Mona noch dastand. Doch wie sie sich plötzlich verendert hatte. Sie blasser denn je. Ihre Augen wurden wieder extrem stumpf und es sah so aus, als müsste sie sich übergeben. Kyle kniete sich vor ihr hin und sie kommunizierten auf einer anderen Ebene miteinander. Ohne die Augen von Mona zu nehmen, sprach Itama weiter.

"Ja, man nennt das den "Goldenen Schuss". Man vermutet aber, dass er es nicht freiwillig genommen hatte." Mona schaute auf um gleichdarauf wieder auf ihre Handschuhe zu starren. "Man weiß nicht warum, aber irgendjemand muss ihn wohl gezwungen haben. Ein Anhaltspunkt ist wohl, dass man die Spritze nicht gefunden hat." Langsam ließ sich Mona auf einen leeren Stuhl sinken. Noch immer starrte sie ihre Handschuhe an. Doch eines wunderte Ryo gewaltig. Er spürte keine Trauer um sie. Nur Schuldgefühle! Sie war erfüllt mit dem Wissen, dass sie Masarus Tod zu verschulden hatte. Wie in Trance öffnete sie die Schnallen ihrer Handschuhe und streifte sie vorsichtig ab. Ryo hatte sie noch nie ohne Handschuhe gesehen.

Selbst auf diese Entfernung konnte er deutlich die verschnörkelten Zeichen sehen, die auf ihren Daumen wie Efeu rankten.

"Was zum...", auch Itama hatte die geschockte Mona beobachtet und auch sie bemerkte die Tatoos, doch etwas anderes zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Mona hatte den ganzen Arm voller Narben. Winzig kleine Schnitte waren auf dem gesamten Unterarm verteilt. Ihre Venen waren dicker und verkrustet und hier und dort konnte man frische Einstiche erkennen.

Eine Träne fiel traurig auf dieses Schreckensbild.

"Doch Kyle.", schluchze Mona flüsternd. "Es ist meine Schuld. Ich dachte ich könnte ihm helfen und hab mit ihm geredet. Gestern hab ich ihn dazu gebracht aufhören zu wollen. Er wollte aufhören."

"Du glaubst sein Dealer hatte Angst er könnte ihn verraten und hat..." Mona nickte.

"Druì, sie haben gewusst, dass Masaru Drogen nahm und habn nichts gesagt? Es hätte Schlimmes passieren können. Es ist Schlimmes passiert! Sie hätten sich an uns wenden können. Dann hätte er professionelle Hilfe bekommen." Plötzlich lächelte Mona. Hämisch schnaubend schaute sie auf.

"Glauben sie wirklich, dass mein Ziel nicht ein Profi gewesen wäre? Aber ihr Weg bringt nichts. Man muss die Hilfe freiwillig annehmen und das wollte Masaru." Itama wollte gerade etwas sagen, doch da sprach Mona energisch weiter. "Mit ihrem Weg weiß jeder, dass man ein Junkie ist. Und ich kann ihnen versichern, das ist noch schrecklicher als die Welt der Drogen. Man flüchtet zurück. Und wenn man erst mal wieder angekommen ist, ist es noch schwieriger aufzuhören. Und jedes Mal wird es mehr."

"Ich frage mich, warum er das gemacht hat.", flüsterte Sakura aufeinmal. Die Klasse nickte.

"Ist das denn wichtig?" Mona war wohl die einzige, die es nicht interessierte und Kyle spitzte sofort seine Ohren. Vielleicht verstand er sie besser, wenn sie endlich mal etwas erzählt.

"Die Tatsache ist doch, dass er Probleme hatte. Das kann Familie, Freunde oder Liebe sein. Etwas temporäres oder dauerhaftes. Das ist irrelevant. Aber in diesem Augenblick denkst du, dass es niemals enden wird. Dann triffst du Jemanden, der dir sagt er habe den Ausweg aller Probleme. Und du denkst: Probieren schadet nie. Du entscheidest dich diesen Weg zu beschreiten. Und für einen Augenblick bist du im siebten Himmel. Du hast keine Probleme - keine Sorgen. Es ist... als ob man fliegt. Aber dann ist es verschwunden und du möchtest zurück. Mit der Zeit wirkt es immer weniger. Du brauchst mehr in kürzeren Abschnitten. Und irgendwann ist es verschwunden und du steigst auf härtere Sachen um. Und irgendwann hast du weder Geld noch Wertsachen, die du eintauschen kannst. Du willst wieder fliegen, aber du kannst nicht. Du fügst dir selber Schmerzen zu um irgendwas zu spüren. Du bist bereit alles zu tun... alles zu geben, nur um wieder fliegen zu können. Alles!

Es ist eine schrecklichere Hölle, als die vor der du fliehen wolltest. Aber du bist in eine Einbahnstraße gefahren. Jeden Tag - jede Sekunde wird es schlimmer. Du kannst aus einer Hölle nicht fliehen, indem du durch eine andere wanderst. Du bist gefangen in diesem Teufelskreis. Du kannst nicht entfliehen." Die letzten Worte flüsterte sie nur noch, doch wie eine Warnung blieb sie in den Ohren aller hängen. Monas ängstliche Augen verwanelten sich in ein mütterliches Lächeln. "Masaru war noch nicht so tief gesunken. Er hatte noch die Chance umzudrehen. Klar, es hätte Narben hinterlassen, aber er hatte noch eine Chance."

Zwar war Itama tief beeindruckt von Monas Geschichte, doch da war noch diese Frage, die sich tief in ihrem Herzen bewegte.

"Warum sind sie nicht zu jemanden gegangen?" Lächelnd schaute Mona auf. Sie wusste genau, wo Itamas Schuh drückte.

"Es ist nicht ihre Schuld. Es ist nur... Sie hätten den anderen alles haarklein erklärt. Sie hätten Masaru... Sie hätten ihn besonders behandelt. Das ist schrecklich. Es ist schrecklich, wenn alle wissen wie man ist. Sie versuchen dich 'normal' zu behandeln, aber jeder - gerade du selber - weiß, dass sie immer eines im Hinterkopf haben. Das ist der Junkie. Die mit den Drogen. Das ist... noch schlimmer als die Drogen selbst."

Ja, Kyle verstand sie jetzt besser, aber Itama hatte, ohne es zu wissen, Recht. Warum ist Mona nicht zu jemanden gegangen. Kyle und Dylan waren für sie da. Schon ihr ganzes Leben lang. Und nicht eine Sekunde war das anders gewesen. Dankbar lächelnd schaute Mona zu ihrem Cousin auf. Zum einen um zu trösten, zum anderen um getröstet zu werden lehnte sie sich an ihn und schlang ihre Arme um seinen Bauch. Kyle verstand den Wink und hielt sie fest.

Und gerade in diesem Augenblick erinnerte sich Kyle an etwas, was er dachte vergessen zu haben. Mona sagte es ihm als Gladys, seine Großmutter, starb, um ihn zu trösten. Damals war sie drei.

"Der Tod lauert überall und ist nicht immer gerecht. Aber so wie er trennt, so vereint er auch. Denn er wartet auf jeden von uns."
 


 

edit: wow, endlich fertig. auf dieses kap habe ich seit ein paar kaps drauf hingearbeitet... naja, handschriftlich war es ja shcon lange, aber das alles abtippen? und dann auch noch an einem compu, wo man auf die tastatur haemmern muss, um einen buchstaben zu schreiben. und mit englischer tastatur. das heisst. kein sz, keine umlaute und mehr. musste all diese buchstaben aus anderen texten rauskopieren. wisst ihr eigentlich wie bloes man sich vorkommt, wenn man unter google nach einen buchstaben sucht??? ich kann euch sagenn: seeeeeeeeehr!!!

mal sehen wie lang ich fuers naechste brauch...
 

edit 2: die matheaufgabe, die Mona an der tafel loesen soll, hab ich mir selber ausgedacht. das war ne arbeit... ich hab naemlich versucht eine nicht zu einfache, aber trotzdem loesbare aufgabe zu machen... versucht sie mal... das ergebnis ist recht interessant. (habe es erst berechnet, nachdem ich sie fertig hatte. hatte also nicht auf dieses ergebnis rausgearbeitet...)

aber die in worten aufzuschreiben ist auch ne lustige angelegenheit... naja, versucht sie mal und sag mir was ihr raus habt. am besten per ens. die ersten drei, die mir das richtige ergebnis schreiben kriegen je... sagen wir mal... acht karotaler...!!!

der Anfang vom Ende

Der Anfang vom Ende
 

Am Tag der Beerdugung Masarus goss es den ganzen Tag. Die gesamte Klasse war gekommen und ein paar andere aus der Schule. Jeder mit schwarzen Klamotten und Regenschirm. Doch eine fehlte. Egal wie stark Ryo sich auch konzentrierte, er konnte Mona einfach nicht aufspüren. Es war eine kurze Trauerfeier. Der Priester sagte ein paar Worte und die verstörte Frau Itô warf halbherzig eine halbvertrocknete Blume auf den schwarzen, einfachen Sarg, bevor sie mit dem vom Regen nassem Gesicht den Friedhof verließ. Langsam verlor sich auch die Trauergemeinschaft, doch es dauerte nur ein paar Sekunden, bis es ein einziges Standbild war, denn sie bemerkten die vier Personen am Tor.

Sie alle trugen weite Umhänge mit großen Kapuzen. Die kleinste Gestalt war vom strahlenden Weiß umhüllt mit silbernen Runen am Saum. Die zwei zu ihrer linken trugen graue Umhänge, einer mit einem silbernen Stern und Mond, der andere mit einer silbernen Blume. Zur rechten stand ein blaues Gewandt.

Langsam gingen sie durch die Trauergemeinschaft zum Sarg. Und noch viel langsamer nahm die Kleine ihre Kapuze ab. Sie zeigte ein blasses Gesicht, smaragdgrüne Augen und rotblonde Haare - Mona!

Sie kniete sich vor den Sarg und zog eine leuchtend rote Mohnblume heraus. Ryo spürte die Magie um die unscheinbare Blüte - ein unsterblicher Mohn! Vorsichtig legte sie ihr Abschiedsgeschenk neben die andere Blume, die den Sarg zierte und es schien als ob die Magie sich ausbreitete und die halbvertrocknete Pracht wieder erblüte.

Wie in Trance hob Mona ihre Hand vor ihr Gesicht, schloss ihre Augen und machte Zeichen mit ihren Fingern. Ryo bemerkte sieben Zeichen, die sie sieben mal wiederholte. Doch wer Mona ein wenig beocachtete bemerkte sofort, dass dieses Vorgehen antrainiert war. Das war nicht die Mona, die alle zu kennen glaubten. Nur Ryo hatte eine Ahnung was geschehen war. Denn es war wohl das erste Mal, dass er die Oberste der Druiden zu Gesicht bekam.

Schließlich stand Mona aud.

"Mögen dich die Götter auf dem Weg zur Anderswelt begleiten", murmelte sie. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter und sah, dass sie dem Graumantel mit den Himmelsgestirnen gehörte.

"Es war richtig hier her zu kommen.", sagte Kyles tiefe Stimme und zog Mona ein wenig an sich. "Komm! Wir müssen uns beeilen oder wir kommen noch zu spät zur Versammlung."

Mona nickte und drehte sich um. Dabei trafen sich ihre Augen mit ungewöhnlich gelbroten in der Menge und einen Augenblick stockte sie. Doch die Erinnerungen kamen schnell wieder auf und mit tiefer Trauer im Herzen ging sie entgültig.

In seinen Gedanken ohrfeigte sich Ryo selber. Seit Wochen wollte er mit Mona reden, doch er fand den Anfang einfach nicht. Und sie zu treffen war so oder so nicht gerade einfach. Sie war schon lange nicht mehr zur Arbeit erschienen und seit Ferien waren, konnte er sie auch nicht in der Schule antreffen. Er könnte zu ihr nach Hause gehen, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Und wenn er versuchte mit Kyle, Dylan oder Kira zu sprechen, die auch immer seltener zu Hause waren, sagten sie bloß, dass sie sich nicht einmischen wollen.

Doch er hatte eine Idee, wo er sie vielleicht treffen könnte...
 

Es sollte ein paar Tage dauern, bis sie alle Mona wiedersahen.

Es war in der Nacht, als die Mädchen den dritten Grad machten. Es war das erste Mal, dass auch die Jungen mitkommen durften und ihr erster Schritt in die magische Welt. Doch als sie aufbrachen war keine Mona in Sicht. Um fünf vor zwölf konnten sie einfach nicht mehr warten. Sie mussten aufbrechen. Doch als sie am Schloss ankamen gab es eine Überraschung für sie alle...

Hinter dem Schloss lag ein Wald - gut sichtbar vom Weg. Es war der Gleiche, durch den Mona gegangen war, um zur Druidensiedlung zu gelangen. Und aus ebendiesem Wald kam nun Mona spaziert. Neben ihr ging ein alter Mann auf einen Stock gestüzt - Athàn. Als sie die Königin sahen, die auf die Schüler vor dem Schloss wartete, verbeugte sich Athàn, auch wenn man dieses durch seine gebeugten Schultern kaum bemerkte und ging weiter.

Selbst die Königin sah verstört aus, doch fand sie sich als erstes wieder.

"Gut", sagte sie schließlich. "Ihr seid hier um euren dritten Grad zu machen, doch ihr selber müsst eigentlich kaum etwas tun. Wir werden die Magie eurer Feen überprüfen. Sie werden zwei Standartprüfungen machen müssen und zwei andere bestehen. Bereit?" Obwohl sie nickten, hatten die Mädchen Bedenken bei dieser Prüfung. Auf solch iene Hürde waren sie nicht vorbereitet. Doch Ryo war zu seinem eigenen Erstaunen nicht überrascht, dass Mona lächelte. Es war nicht das sanfte aufrichtige Lächeln, was er von ihr kannte, eher ein wissendes und - ja! - schelmisches! Das Klatschen Motas erweckte ihn plötzlich aus seinen Gedanken.

"OK.", sagte Mota Mota üblich langsam. "Alle Hexen in einer Reihe aufstellen. Die Feen schweben vor ihren Partnern. Bei drei soll sich jede Fee in ihren Hexenpartner verwandelt haben. Eins... Zwei... Drei...!" Ein leichtes Plopp! ertönte und es waren zwei Monas zu sehen, eine im Hexendress und eine in Civil. Die anderen Drei hatten ihre Augen geschlossen und versuchten sich zu konzentrieren. Plopp! Plopp! Plopp! Einer nach der anderen verwandelte sich in die Hexe, die hinter ihnen stand. Zum erstaunen ihrer Partner. Sie wussten bis dahin nicht, dass sie das konnten. Ein weiteres Plopp! ertönte und die Feen hatten sich in ihre übliche Form zurück verwandelt.

"Ausgezeichnet! Diesmal sollen alle Feen unsichtbar sein. Eins... Zwei... Drei...!" An sich war es das selbe wie zuvor. Momo schaffte es ohne Probleme und die anderen brauchten ein wenig länger Zeit bis sie es meisterten.

"Ich bin überrascht.", schmunzelte die Königin. "Doch das war nur die Basis. Die weiteren Prüfungen werden anspruchsvoller sein. Eure Feen soll sich verwandeln. Nicht in euch, dass konnte sie ehrlich gesagt von Anfang an, sindern in einen Gegenstand eurer Wahl. Mona? Du scheinst keine Schwierigkeiten gehabt zu haben. Fang bitte an."

Langsam gingen die beiden ein wenig vor.

"Momo?" Die Fee schaute zu ihrer Meisterin. "Machen wir etwas Langweiliges zu etwas Anspruchsvollerem, OK?" Momo nickte. "Uh... Wie wäre es mit einem... Klatschmohnstrauß?" Die Königin hob erstaunt ihre Brauen, sagte aber nichts. Mona machte eine kleine Handbewegung und Momo verwandelte sich Plopp! in einen roten Blumenstrauß. Die Mohnblumen strahlten in einem tiefen rot und es verbreitete sich ein wohlig süßer Duft. Kaum war Momo wieder in ihrer sonstigen Form, war das gesamte Schauspiel verschwunden.

"Sakura. Du bist die nächste. Und keine Angst! Es reicht etwas einfaches.", sagte die Königin noch immer tief erstaunt.

"OK... Etwas einfaches... Versuchen wir ein..."

"Sake?", unterbrach Mona die lauten Gedanken ihrer Freundin. "Überleg dir etwas, was du mit die selber assoziierst. Etwas was dir wichtig ist. Das ist einfacher. Sasa kann es! Du musst ihr nur vertrauen. Und dir selber." Lächelnd schaute die Königin zu Mona, doch dieses gefror. Gerade in diesem Moment sah Mona IHR ähnlicher als je zuvor...

"OK. Meine Kette!" Bei desen Worten umschlang Sakuras Hand wie automatisch das silberne ,S', welches ihr Baji geschenkt hatte. Sasa schloss wieder ihre Augen und nach ein paar Sekunden schwebte eine silberne Kette in der Luft, doch war es vom dunklem Silber und ein wenig krumm geformt.

Sunny versuchte eine Harke, doch hatte die anstatt eines Stieles den Kopf einer Schaufel. Und Joros Föhn versprühte kaltes Wasser anstelle heißer Luft.

Als nächstes sollten sie versuchen sich in ein lebendes Wesen zu verwandeln. Momo schaffte ohne Anstrengungen eine perfekte Katze. Sie hatte grüne Augen und ihr Haar war Orange mit braunen Streifen. Die anderen schafften zwar ein Tier, doch konnten sie nicht erkennen was es war, denn die Feen waren nur für eine Nanosekunde in dieser Form. Die drei waren zwar enttäuscht, doch sie alle waren der Meinung, dass sie ihre Partner nicht überstrapazieren wollten. Lieber einen Grad wiederholen! Wieder war es die Königin, die das Wort übernahm.

"Das war doch gar nicht mal schlecht. Ihr alle habt bestanden."

"Aber... Wir haben die Prüfungen doch nicht bestanden. Bis auf Mona!", wunderte sich Joro.

"Joe-san. Ich glaube du verstehst die Prüfungen falsch.", meldete sich Mona zu Wort. "Mir ist soeben ein Licht aufgegangen. Ich glaube die letzten Prüfungen waren nicht, ob sie sich verwandeln können, sondern Vertrauen in ihr Können und Selbstopferung für sie, indem man bereit ist einen Grad zu wiederholen. Wenn man es genau nimmt bin ich die einzige, die den Grad nicht bestanden hat!"

"Mona hat Recht, was die Prüfungen angeht, und das habt ihr alle mit bravour bestanden.", stimmte die Königin ihr zu. "Doch es gibt ein ABER! Monas Magie und die ihrer Fee ist unglaublich. Meines Wissens gibt es kaum einen Viertgrader, der diese Magie aufbringen konnte. Und auch manche Hexen haben ihre Schwierigkeiten. Normalerweise braucht es viele Jahre training. Und du hast den anderen wichtige Tipps gegeben, ohne die sie vielleicht nicht bestanden hätten. Mota und Mota Mota sind mit mir einer Meinung. Du wirst wohl mal wieder einen Grad überspringen. Wir wollen dich also das nächste Mal hier nicht sehen, verstanden? Doch ich bin noch nicht fertig. Wenn ihr die Hexenprüfungen bestanden habt, werdet ihr euren Hexenkristall erhalten. Solange werdet ihr dieses hier mit euch tragen." Sie brachte vier kleine Glasröhren hervor. "Für den dritten, zweiten und ersten Grad werdet ihr kleine Kugeln erhalten. Sie sehen aus wie eure Balls, doch ihre Magie ist um vieles größer. Wenn ihr alle beisammen habt, verwandelt es sich in einen Kristall. Jeder ist individuell und auf euch abgestimmt. Alles verstanden?" Die Hexen nickten. Bei diesem Zeichen schwebten die kleinen Glasgebilde zu ihren Hexen und - kaum dass sie sich berührten - strahlten sie in einem hellem Licht auf. Es dauerte eine kleine Weile, bis man wieder was sehen konnte. Man sah zwei Kugeln in Monas und je eine in den anderen Röhren.

"Ah, ihr scheint fertig zu sein." Erschrocken drehten sich alle um. Athàn war wieder da. Er wirkte müde, doch seine Augen strahlten. In seiner Hand hielt er einen kleinen Strauß aus Wildblumen.

"Für meine Frau!", antwortete er auf Monas fragenden Blick. "Wir wollen sie nicht warten lassen. Mmh, in meinen Gedanken kann ich schon das Essen riechen, was zu Hause auf uns wartet." Mit diesen Worten auf den Lippen ging er wieder auf den Wald zu, von Mona gefolgt. Plötzlich fasste Ryo einen Entschluss.

"Mona, warte!" Die Angesprochene drehte sich um. "Es tut mir leid. Ich... Ich war ein Idiot! Ich weiß... ich wusste, dass du nichts mit Masaru hattest. In meinem innerem. Aber ich war so Eifersüchtig. Du hast soviel Zeit mit ihm verbracht. Aber... du bist alles was mir wichtig ist... wofür ich lebe."

"Dann solltest du dir lieber etwas anderes suchen. Es ist nicht gut nur für einen Menschen zu leben."

"Ich weiß, aber ich kann es nicht ändern. Ich liebe dich."

"Dann kann ich dir nicht helfen." Mona drehte sich um und ging. Doch Ryo gab so schnell nicht auf. Er hielt sie an ihrer Schulter fest und drehte sie um, so dass sie ihn anschauen musste. Doch sie vermied gekonnt Augenkontakt.

"Warum sagst du das?"

"Du verstehst nicht Ryo..."

"Dann erklär es!"

"Ich..." Endlich schaute Mona auf - direkt in Ryos Augen. "Ich habe mehr für Masaru empfunden als nur Freundschaft." So schnell sie konnte drehte sie sich um und lief zu Athàn, der sie in seine Arme schloss und mit ihr fort ging. Ryo war sprachlos zurück geblieben.

"Armer Ryo... Warum macht Mona das bloß?"

"Was meint ihr, Königin?", fragte Majo Dai verwundert.

"Mona log. Sie liebte diesen Jungen nicht. Sie hegt tiefe Gefühle für Ryo - mehr als tiefe. Man kann es deutlich spüren."

"Und dann kommt noch, dass sie mit Athàn spazieren geht... In Richtung der Druidensiedlung." Von den anderen unbemerkt stand Majolin die ganze Zeit in einer Ecke und beobachtete die ganze Chose. Doch jetzt kam sie aus dem Schatten hervor, um ihren Kommentar zum besten zu geben.

"Was meinst du Majolin? Kennst du ihn etwa?", fragte ihre Brotgeberin. Majolin nickte bedenklich.

"Athàn ist ein ziemlich hohes Tier bei den Druiden. Es geht das Gerücht um, dass er der Vater Kallàns ist. Ihr wisst: Der ehemalige Oberste und..." Die Königin nickte schnell. "Er ist der Dorfälteste der hiesigen Druidensiedlung. Und er soll enge Verbindungen zur Druidenprinzessin haben."

"Druidenprinzessin?", fragte nun Sakura.

"Ein gefährliches Mädchen. Die Druidenprinzessin ist voller Hass und sehr mächtig. Sie befielt die Druiden."

"Da müssen deine Informationen falsch sein.", sagte nun Ryo, der inzwischen wieder bei den anderen stand und von Sunny umarmt wurde. "Ich habe keine Ahnung von dieser Prinzessin, aber ich kenne mich mit der Herachie der Druiden inzwischen ganz gut aus. Mona hat mir fiel erzählt. Derjenige der die Druiden ,befielt' - wie du es nennst - ist der sanfteste Mensch auf der gesamten Welt. Alles was sie will ist Frieden."

"Mona hat es dir erzählt? Woher sollte SIE das wissen?" Skeptisch und mit einem gewinnenden Grinsen schaute die Leibwächterin auf Ryo. Doch es war nicht der Schwarzhaarige, der sie wieder auf den Boden brachte.

"Also doch...", sagte die Königin. "Mona ist also doch Druidin." Verwundert schauten die anderen zu ihr. Sie hatte ihren Schleier abgenommen und man konnte nun deutlich ihr Gesicht sehen. Sie kam den Freunden bekannt vor, doch Ryo war der einzige, der wusste woher. Denn es war er, der das Bild am öftesten gesehen hatte. Das Bild auf Monas Nachttisch. Das Bild von Jade - Monas Mutter...
 

Es sollte gut zwei Wochen dauern, bis sie Mona wiedersahen. Es war der letzte Tag der Ferien. An diesem Tag machte die Schule immer ein Picknick im Park und so war es auch dieses Jahr.

Sie waren gerade auf dem Weg zum Park - für Joro war es seltsamerweise in letzter Zeit selbstverständlich, dass sie mit den ,uncoolen' zusammenhing - als sie Mona sahen. Sie sprach mit Kira. Neben ihnen staden Kyle und Dylan. Sie alle sahen etwas angespannt aus und waren definitiv mehr als müde.

"Kira..." Das kannst du nicht ernst meinen. So viele?", hörten sie Mona sagen. Sie fasste sich an die Stirn, als ob sie Kopfschmerzen habe.

"Doch.", antwortete Kira trüb. "Wir haben nur noch zwölf Orion mich eingeschlossen. Ich bin davon überzeugt, dass sie bleiben werden. Sie sind meine treuesten Anhänger, und deine. Sie haben dir von Anfang an geglaubt. Aber was sind zwölf gegen fünfzig, sechzig?"

"Kommt. Lasst uns wenigstens einen Tag off haben. Genießen wir das Picknick." Dylan nahm Kyles Hand uns legte den anderen Arm um Monas Schulter. "Gehen wir!"

Die Zuschauer waren mehr als konfus. Was das wohl zu bedeuten hatte? Es blieb ihnen nichts anderes ünrig, als den Iren zu folgen. Ryo spürte deutlich, dass Mona sich bloß Ruhe wünschte, doch sie befürchtete etwas schreckliches - auch heute. Und so ungerne er es auch zugab: Bisher waren Monas Befürchtungen immer zugetroffen! Sie hatte soetwas wie einen siebenundzwanzigsten Sinn, sie spürte einfach so gut wie alles und noch mehr.

Und Mona schien recht zubehalten. Er erwartete fröhliche und befreite Gefühle, umso näher sie dem Park kamen. Doch es wurde dunkler. Die Luft war erfüllt mit mit Angst und Schrecken. Und eine eiskalte, tiefschware Seele hatte seine Freude daran.

Die vier Iren waren inzwischen nicht mehr so gemeinseelig. Sie gingen schnellen Schrittes die Mauer entlang, bis sie sich endlich im Eingang befanden. Sie standen noch genauso geschockt wie da, als die anderen ankamen. Und was sie sahen war ein Grauenspiel.

Eine Hand voll Magier - allesamt in schwarzen Unhängen - quälten die Besucher des Parkes mit ihren übernatürlichen Kräften. In der Mitte des ganzem stand ein Mann mit silbernen Haaren und grauen Augen - die vergnügte Aura, die Ryp so deutlich spüren konnte.

In Mona brodelte eine unbändige Wut auf.

"Was geht hier vor?!", dröhnte ihre Stimme über den Platz. Es war urplötzlich Totenstill. Die Macht, die sie ausstrahlte, war fast greifbar und selbst für die normalsterblichen spürbar. Und man merkte deutlich, dass die Magier eingeschüchtert waren, doch wussten, dass sie Schutz bei dem Grauhaarigem finden konnten, der keine Angst vor Mona zu haben schien.

"Mona! Was machst du denn hier?" Lässig ging der Erwähnte auf sie zu.

"Ich habe dir eine Frage gestellt, Dynas!"

"Wir haben nur ein wenig Spaß. Das ist alles. Spielen einwenig als Zeitvertreib." Dynas lächelte diabolisch sein typisches Grinsen, was den anderen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Doch Mona blieb ganz cool. Sie schien des öfteren in solchen Situationen gewesen zu sein.

"Spaß? Spielen? Zeitvertreib? Du quälst Menschen!"

"Menschen? Du meinst wohl nicht lebenswürdige Kreaturen. Nicht Magier. Noch nicht mal Druiden? Warum sollte man sie beschützen? Sie sind doch nicht mehr als Spielzeuge für uns erschaffen."

"Es gab mal eine Zeit in der Druiden jedes Leben achteten und beschützten. Sie verglichen die zerbrechlichen Blumen mit dem Leben eines jeden einzelnen Wesens. Und es ist wahr! Das Leben ist zerbrechlich und man muss auf es achten."

"Du denkst zu phylosophisch Mona. Und du lebst in einer Traumwelt. Genauso wie diese Menschen, die du so liebst."
 

Von den anderen war Dylan derweilen zu der inzwischen hochschwangeren Frau Ransho geschlichen. Sie war völlig verstört. Schluchzend sah sie auf einen Haufen voller Schotter

"Alles in Ordnung mit dir?", flüsterte Dylan.

"Nita; er ist unter..." Aufgelöst zeigte sie auf den Haufen. Dylan ergriff kurzentschlossen die oberste Platte und hob sie an. Den Wink verstehend, zog Ransho daraufhin ihren Verlobten aus dem entstandenen Loch. Sein Puls schlug nur langsam und aus dem Loch kam gefährlich viel Blut.

"Er stirbt! Geh bitte bei Seite. Ich glaube ich kann ihm noch helfen. Ich bin zwar nicht so gut wie mein Vater, aber es sollte wohl reichen..." Dylan legte seine Hand auf die Wunde und konzentrierte sich. Gerade in diesem Augenblick bemerkte Dynas die ganze Chose. Doch sobald er realisierte, wer der Magier war, machte er nichts weiter als zuzugucken. Und eines wurde ihm mal wieder klar. Wenn Dylan jemanden heilte, sah er unwiederstehlich friedlich aus. Zu solch einem Augenblick wünschte er sich die Zeit zurück drehen zu können. Plötzlich leuchtete Nitas Wunde in einem warmen Licht auf und kaum war dieses verschwunden, war von ihr - hast du nicht gesehen - ebenfalls kein Zeichen mehr da.

"Wie hast du das gemacht? Das ist ja unglaublich.", flüsterte Frau Ransho andächtig.

"Mmmmmh... Aber immernoch bewusstlos. Mein Vater hätte ihn vollständig geheilt... Und wenn Troyes seine Magie noch hätte, er wohl auch." Dylan sprach mehr zu sich selbst, doch Ransho kam nicht drumherum mit zuhören.

"Magie?" Doch Dylan antwortete nicht. So schnell er konnte, drückte er Ransho auf den Boden und schmiss sich selber so flach wie möglich hin, denn ein Schwarm schwarzer Energiekugeln flog auf die Beiden zu.

"Aufhören!" Überrascht stellte Dynas fest, dass der Aufschrei von ihm selber kam. Mona musste einfach lachen.

"Menschen ändern sich also nicht?" Langsam ging sie auf den scheinbar jungen Mann zu. "In einem Punkt hast du gar nicht mal so unrecht. Du hast dich verändert. Aber nicht so sehr, wie du glaubst. In dir steckt noch immer etwas gutes. Und ich habe das Gefühl, dass dieser Teil die Form Dylans hat." Mona hatte wieder ihr so typisches zuckersüßes Lächeln aufgelegt.

"Doch dieses Misgeschick werde ich schnell ausgelöscht haben." Mona hatte für diese Bemerkung nur ein mitleidiges Lächeln übrig.

"Dyl sagte, dass du mal so lebenslustig warst und nett zu jedem. Warum hast du dich bloß von diesem Weg abgewandt?"

"Auf diesem Weg werde ich nie wieder Gefühle haben. Und das ist besser so. Ich werde nie wieder leiden. Nie wieder schwach sein!"

"Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche."

"Und was ist mit dir? Du hast dich deiner Gefühle entledigt und - Ja! - du hast gelitten. Weil du dich nie wirklich vom Licht abgewenden konntest. Doch jetzt bist du zurück gegangen und leidest! Du hast angeblich Freunde und musstest sie verraten und dich von ihnen abwenden. Du leidest! Denn du kennst mich. Das hier!" Er zeigte auf die Trümmer und die verschreckten Menschen. "Das ist erst der Anfang. Ich werde jeden einzelnen zerschmettern!" In seiner Hand zertrümmerte er einen Stein um es der stillgewordenen Mona bildlich zu machen. "Der Krieg ist nahe!" Dynas Augen leuchteten vor Vorfreude.

"Warum? Warum willst du meinen Freunden schaden?"

"Das ist der einfachste und unterhaltenste aller Wege, die dich zerstören. Denn du bist mein größtes Hindernis. Wenn du aus'm Weg bist, dann habe ich die apsolute Macht!"

"Dann lässt du mir keine andere Wahl. Die Warnungen sind vorbei. Ich werde augenblicklich vor den Rat treten und die unverzüglich alle Rechte nehmen." Doch Dynas hatte nur ein kaltes Lachen dafür übrig.

"Der Rat hat keine Macht mehr und du schon garnicht. Du hast die letzte Versammlung verpasst. Leider hat dich die Nachricht nicht mehr Rechtzeitig erreicht. Diese Botschafter sind auch nicht mehr dass was sie einmal waren... Ach ja, ich hab's ganz vergessen. Ich hab mich persönlich um ihn gekümmert.

"Du bist abgesetzt Mona! Ich bin der neue Oberste. Und ich habe unverzüglich die Gesetze Magannés in Kraft gesetzt. Und damit habe ich die Gewalt dich nach meinem eigenen Ermessen hier und jetzt zu bestrafen. Für Rebellion, Aufruf zur Rebellion und einfach nur, weil ich danach empfinde!" Bevor Mona noch reagieren konnte, hob Dynas seine Hand und schwang sie durch die Luft. Ohne dass er Mona berühren musste, erwischte sie schwarfe Luftwellen und sie flog ein paar Meter gegen die Mauer und auf den Boden, wo sie für einige Sekunden liegen blieb. Schweren Atems erhob sie sich. Aus einem Schnitt ihres Kopfes rann dickes Blut. Ihr gesamter Körper war blau und grün. Sie bemerkte einen eigenartigen Geschmack in ihrem Mund und spuckte die rote Körperflüssigkeit aus. An die Wand stützend stand sie da und unternahm nichts, während Dynas vergnügt auf sie zuging. Ryo wollte dazwischen gehen und auch die anderen waren startbereit, doch wurden sie von Kyle aufgehalten.

"Wir können nichts tun. So sind die Gesetze. Für Mona gibt es nur eine Möglichkeit und sie weiß das. Und keine Angst; SIE wird nicht sterben. Jade lässt sie nicht!" Verständnislos schauten sie zu Mona. Inzwischen war Dynas kaum einen Meter von ihr entfernt. Doch beide taten nichts, bis er auf zwei Meter heran gekommen war. Zu aller Überraschung lächelte Mona traurig.

"Du hast dich also für den falschen Weg entschieden." Mit diesen Worten streifte sie ihren Armreif ab, die sie als Druidin auswies. Ihre grimmigen Augen schauten auf. Sie hob ihre Hand Schulterhoch... Und Dynas flog von einem dumpfen Knall begleitet durch die Luft, auf eine Mauer zu, durchbrach diese und war von Trümmern und Schotter bedeckt.

"Der Krieg ist soeben näher gerückt als geplant.", keuchte er und verschwand im Nichts. Keine zwei Sekunden später waren auch seine Kompanen nicht mehr zu sehen. Doch für Mona war das kein Grund sich zu entspannen.

"Kyle!?", rief sie. "Mach alle bereit. Trommel so viele zusammen wie irgendmöglich. Ich möchte alle bei Morgengrauen bei Athàn haben.

"Dylan! Geh zu deinem Vater. Er soll alles vorbereiten, was er im Kopf hat. Und Magain soll so viele Schlafplätze wie möglich organisieren.

"Kira? Ich habe Informationen, dass Kallàn in den Bergen beim Schloss sein soll. Finde ihn. Geb ihm das hier." Sie nahm die grüne Spange aus ihrem Haar und drückte sie in Kiras Hand. "Sag ihm: Mona soll dir das von Jade geben. Genau diese Worte. Vertrau mir. Und nun geh. Versuch dein bestes. Wenn du ihn bis Morgen Sonnenuntergang nicht gefunden hast, dann komm zu uns. Wir brauchen dich."

Die drei Iren verbeugten sich vor Mona und verschwanden wie die anderen Magier zuvor - Kira mit ihrer Hilfe.

Noch immer gab Mona keine Ruhe. Sie drehte sich zu all den Leuten ihrer Schule um und schaute mitleidig in ihre Augen voller Angst. Sie überlegte erst garnicht lange und hob ihre Hand.

"Sleep'n forget", flüsterte sie und augenblicklich vielen die vielen Sterblichen in eine Art Trance. Nur Monas Freunde und zwei andere Sterbliche waren nicht betroffen - ein bewusstloser Lehrer und seine Hochschwangere Verlobte.

Und genau in diesem Augenblick brach Mona zusammen...
 


 

edit: hoffe es gefaellt euch! Das naechste Kap ist auch schon fast fertig! Muss es nur noch abtippen...

Erinnerungen

"Mona?" Langsam öffnete Mona ihre Augen, doch schloss sie sie sofort wieder. "Ich glaub' das Licht ist zu grell." Hörte sie eine sanfte, fremde und seltsam vertraute Stimme sagen. Auch spürte sie eine angenehme wärme um sich. Durch ihre geschlossenen Lieder bemerkte sie, dass jemand das Licht dimmte. Und wieder versuchte sie ihre Augen zu öffnen. Es war zwar noch immer hell, doch war es besser als zuvor. Sie nahm zwei verschwommene Gestalten war. Beide von großer Gestalt, doch während die Hintere eigentlich recht normal wirkte, strahlte die Vordere, die sich leicht über sie gebeugt hatte, in einem warmen Leuchten.

Langsam gewöhnten sich Monas Augen wieder an ihre Funktionen und die Gestalten nahmen Form an. Sie erkannte Majolin in einer Ecke des großem hellen Zimmers. Über sie hatte sich die Königin gebeugt. Sie trug ihren Schleier nicht und entblößte damit ihr Gesicht. Es war von ebenen weiß und ihre Augen strahlten wie Amethyste. Sie lächelte sanft, als sie Monas fragenden Blick sah.

"Auf den Rat Majo Dais haben dich die anderen hier her gebracht. Sie sagten die Heilung müsse so schnell wie irgendmöglich von statten gehen. Sie sagten nicht warum..."

Mona antwortete nicht. Sie schaute sich bloß um. Es war alles in einem eisblau gestrichen, mit verschiedenen Blüten und Blätterformen verziert. An den Wänden hingen Gemälde, doch eines zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Mona stieg langsam aus ihrem Bett und ging wie hypnotisiert auf das Bild zu.

"Mona. Ich glaube es ist nicht gut für dich, wenn du schon aufstehst.", sagte die Königin, doch Mona achtete nicht auf sie. Langsam aber stetig ging sie zur Wand, bis sie vor ihrem Ziel stand. Unter dem Bild war ein kleines Schild aus gravierten Gold.

"Die geschwisterlichen Prinzessinnen Jade und Yuki, gemalt von Léonard de Vince, königlicher Maler zu Schlosse.", las sie laut. Mit einem Lächeln, als ob sie sich an etwas erinnerte, kam die Königin ebenfalls zum Gemälde der beiden Mädchen.

"Sie stand damals genau wie du vor diesem Bild und hat das Schild gelesen. Damals sagte sie: ,ein kleines wenig geschwollen, was Yuki?'", sagte sie.

"Sie?"

"Jade, meine große Schwester.Das hier war ihr Zimmer. Du erinnerst mich in vielerlei Hinsicht an sie. Sie hatte genau wie du smaragdgrüne Augen und goldgelbes Haar, welches in Feuerrot überging. Aber ihr seid euch nicht nur vom äußerlichem sehr ähnlich. Ihr beide habt etwas mysteriöses an euch und eine seltene Magie und Macht schlummert in euer beider Herzen. Sie sollte eines Tages den Thron übernehmen, aber sie wollte es nicht. Ihr war es zu langweilig. Sie war ein Abenteurer und voller Lebenslust." Mona war ganz still geworden und schaute starr auf das Abbild Jades. Yuki tat es ihr gleich und musste leise lachen.

"Du glaubst garnicht wie überrumpelt ich war, als ich dich das erste mal sah. Nicht nur das du ihr so unglaublich ähnlich siehst, du heißt auch noch Mona. Der Name, den sie immer ihrer Erstgeborenen geben wollte. Nach dem Augenblick, wo sie Kallàn kennengelernt hatte. Mohn und Luna - kurz Mona. Denn sie waren am schönsten in dieser Nacht." Mona war immer blasser geworden.

"Kallàn? Eure Schwester ist die Jade, die Kallàn liebte?"

"Ja. Aber sie waren mehr als nur Geliebte. In der Nacht, als Jade weggelaufen war, sagte sie zu mir, dass sie heimlich nach druidischen Brauch heiraten würde. Sie wollte Druidin werden. Aber nun ist Schluss mit meinen Geschichten und ich stelle ein paar Fragen. Ich erwarte von dir, dass du sie wahrheitsgemäß antworten wirst. Was war passiert und warum musste die Heilung so schnell wie möglich ergehen?" Yukis Stimme war urplötzlich schärfer geworden. Doch noch immer antwortete Mona nicht. Sie begrüßte es, als es an der Tür klopfte und Majolin, die unbemerkt gegangen war, zurück kam.

"Königin? Wie ihr angeordnet habt, habe ich Monas Freunden bescheid gesagt, sobald sie aufgewacht war. Sie sind gerade angekommen." Yuki seufzte kurz.

"OK, lass uns gehen. Aber ich erwarte antworten Mona." Diese nickte stumm und folgte Majolin durch das Schloss in die große Halle, welche man betrat, sobald man durch das Eingangstor schritt.

"Mona!" Kaum, dass ihren ersten Schritt in die Halle beendet hatte, wurde Mona schon von ihren Freunden umrundet und umarmt. Doch sie achtete kaum auf das Geschehen. Sie schaute auf eine kleine Gruppe von einem knappen halben Dutzend. Sie alle trugen Kapuzenumhänge und fühlten sich sichtlich unwohl, doch standen sie still und richteten ihre Aufmerksamkeit zu Mona, die auf sie zu schritt.

"Mona. Wir sind so froh, dass es dir gut geht." Sagte einer in grauem Mantel mit tiefer Stimme.

"Seid ihr?", fragte Mona nur in ihrer monoton-skeptischen Art.

"Aber hallo!", antwortete die selbe Stimme. "Du glaubst gar nicht, wie beunruhigt wir waren, als du nicht zum Treffpunkt kamst. Wir haben Ryo aufgesucht und er sagte, was passiert war und wo du bist... Was ist los?"

"Warum habt ihr mir nie die Wahrheit gesagt?"

"Was meinst du, Mona?", fragte nun eine Frauenstimme in blauem Mantel.

"Die Wahrheit über meine Herkunft?! Ich habe gerade von der Königin erfahren wer Jade war und das sie mit Kallàn verheiratet war.Glaubt ihr wirklich ich sei so dumm und denke ihr wüsstet das nicht? OK, bei Kira, OK. Vielleicht sogar Kyle. Aber Troyes? Oder du Dylan? Gerade du. Du bist sein Bruder. Also halt' mich gefälligst nicht für dumm, OK?"

Der Blaumantel war nun völlig perplex und nahm ihre Kapuze ab - zum Vorschein kam Kira.

"Jade und Kallàn waren verheiratet und sie kam von hier? Das wusste ich wirklich nicht." Sie schaute skeptisch zu ihrer Rechten, wo ein großgewachsener Mann in weißem Umhang stand. Zu ihrer linken nahmen Kyle und Dylan ihre Kapuzen ab. Es gab einiges Raunen bei den älteren Hexen im Saal, doch niemand sagte etwas.

"Mona, bitte hör mich an.", sagte Dylan leise. "Inzwischen... Naja, schon etwas länger glaube ich, dass es ein Fehler war dir nicht die Wahrheit zu sagen. Aber... Er sagte immer du seist noch zu jung. Und... naja... Troyes hat noch nie falsch gelegen."

"TROYES?" Mona schien weniger geschockt, als wütend zu sein.

"Er dachte es wäre besser für dich..."

"Besser... Ist euch eigentlich klar wie viel ich besser verstanden hätte?... Was ich... vielleicht... nicht gemacht hätte? Ist euch klar... Oh mein Gott..." Mona war ganz still geworden. All die Tränen, die sie all die Jahre aufgestaut und unterdrückt hatte, flossen nun ungehindert. Athàn, der nun ebenfalls seine Kapuze abgenommen hatte, ging zu ihr und nahm sie in seine Arme.

"Ich habe Troyes so oft gesagt, dass du die Wahrheit wissen musst. Aber er wollte einfach nicht hören. Und wer weiß, vielleicht hätten wir uns eher kennengelernt. Ich hätte es begrüßt, doch du kannst die Vergangenheit nicht ungeschehen machen."

Zwischen den Schluchzern hörte man Monas leises lachen. Sie hob ihren Blick und schaute einem nach den anderen in die Augen. Zum Schluss blieb sue bei dem letzten noch Vermummten stehen. Genau wie sie selber sonst, trug er einen weißen Umhang mit silbernen Runen am Saum. Obwohl sie sein Gesicht nicht sehen konnte, wusste sie, dass auch er zu ihr sah. Sie kannte ihn nicht, auf jeden Fall glaubte sie das, doch kam er ihr seltsam bekannt vor. Und obwohl sie etwas seltsames um ihn spürte, war ihr wohl unter seinem Blick.

"Wir haben hier jemanden, der dich gerne kennenlernen würde, aber später.", flüsterte der alte Mann.

"Mona?", erinnerte sich Kira warum ihre Oberste - sie alle hier war. "Weiß die Königin schon was los ist? Du musst sie warnen!" Monas entschuldigend dreinblickender Blick ließ keine Fragen mehr offen.

"Muss ich denn...?" Wenn Blicke töten könnten.

"Darf ich fragen, wovor du mich warnen solltest?", schaltete sich nun Yuki ein.

"Erzähl ir alles. Alles! Aber halte es brief." Mona atmete einmal tief durch und machte sich fertig um, wie Dylan es verlangte, die gesamte Geschichte in kurz zu erzählen.

"Wo soll ich denn anfangen?", murmelte sie. Vertrauend lächelnd ging Yuki auf die kleine Druidin zu.

"Der Anfang mag helfen."

"Anfang ja... Der liegt ehrlich gesagt schon lange zurück. Eine halbe Ewigkeit bevor ich überhaupt auf der Bildfläche erschien. Von dem was ich in eurer Geschichte heute Morgen 'rausgehört habe, kanntet ihr Kallàn und ein wenig andere Druiden bestimmt auch. Naja, eigentlich kannte jeder, der unseren Obersten kannte, auch Dynas. So viel habe ich aus den Erinnerungen anderer herausgehört."

"Dynas!", rief Yuki aus. "Natürlich kannte ich ihn. Er war der beste Freund Kallàns. Und wenn ich mich nicht vollends irre war er an dessen Bruder interessiert. Dylan, glaube ich, war sein Name. Er sieht deinem Freund da sehr ähnlich."

"Das mag daran liegen, dass ich es bin. Freut mich dich wiederzusehen, Yuki. Aber das ist jetzt nicht so wichtig." Der eben noch so aufleuchtende Dylan wurde augenblicklich tot ernst, doch auch in gewissem Maße traurig. "Naja, wir waren lange ein Paar. Bis vor gut vierzehn Jahren. Das waren - ich würde sagen - knappe 150, 200 Jahre Partnerschaft!"

"Doch ich bin mir sicher, dass ihr da jetzt ein wenig abgescheift seid."

"Ehrlich gesagt..." Mona schielte kurz auf den wissend schauenden Dylan. "Nein. Das ist exakt, wo ich raus wollte. In dieser Zeit war Dynas - wie soll ich sagen - ein wunderbarer Mensch. Es machte ihm nichts, dass als Kallàn seinen Vater als Oberste ablöste, anstatt er selber. Doch dann trafen sich Dyl und Kyle. Und alles änderte sich. Für Dylan war es einfach ,ES'! Kyle war sein Deckel - ist es noch immer. Dyl machte Schluss mit Dynas. Dieser änderte sich. Sein Herz wurde dunkel und dunkler und dunkler. Er übte sich in schwarzer Magie und Hass. Und es dauerte nicht lange bis er versuchte sich selber auf den Thron zu setzen. Die letzten Jahre hatte er einen Komplott gegen die Oberste angesetzt. Er hat immer mehr um sich herumgesammelt und die Tatsache, dass die Oberste mehr als einen Fehler in ihrem Leben gemacht hat - viele in den jüngsten Tagen - half ganz gut mit. Doch Dynas hat sich verrechnet. Eine kleine Gruppe leistet Widerstand. Angeführt werden sie von einem Mädchen, welches die Druidenprinzessin genannt wird."

"Da müssen deine Informationen falsch sein.", sprach nun Majolin dazwischen. "Die Druidenprinzessin ist diejenige, die gefährlich ist. Gefährlich für alle! Und ich weiß, dass Athàn ein offener Anhänger von ihr ist." Doch zu aller Überraschungen lächelte Mona Majolin freundlich an.

"Du hast gar nicht mal so unrecht. Athàn ist ein offenes Mitglied der Prinzessin. Wie wir alle, die vor dir stehen. Und - Ja! - sie ist gefährlich. Oder kann gefährlich sein. Genau wie du. Wenn sie für ihre Überzeigungen kämpfen muss, dann wünsche nicht auf der anderen Seite zu stehen. Aber sie ist Pazifistin. Sie will nicht kämpfen. Seit Jahren versucht sie die Probleme auf diplomatischen Wegen zu lösen, doch was Dynas will ist Macht. Und es wird nicht enden, bevor er die Gesetze Magannées über die gesamte magische und druidische Welt gebracht hat; mit ihm an der Spitze!"

"Die Gesetze Magannées?" Die Lautstärke war von Stimmen angeschwellt. Magannée war auch unter den jüngeren Hexen ein Name.

Er war ein Tyrann wie kein anderer gewesen. Was in seiner Zeit galt war sein willkürliches Wort. Es benögtigte eines bitteren Krieges, in dem fast die Hälfte der magischen Welt ausgelöscht wurde, um ihn zu verbannen. Seit dem waren Druiden nicht mehr gern gesehen. Vor der Zeit des Krieges waren sie Gesetzgeber, Heiler, Ratgeber oder einfach nur gute Freunde. Doch danach wurden ihnen alle Rechte genommen. Mit der Zeit gab man ihnen welche, die den normalen Hexen glichen, doch der Hass auf Druiden und die Angst vor diesen blieb und der Krieg und dessen Folgen waren für immer in aller Hinterköpfe verbannt.

Plötzlich wurde Mona lauter und ihre Stimme überflog den gesamten Raum.

"Tatsache ist...!" Es wurde augenblicklich still und Mona wieder leiser. "Tatsache ist, dass Dynas bereit ist anzugreifen. Er könnte jeden Augenblick - jede Sekunde hier sein. Mit mehr als einem Folger, wenn man es so ausdrücken darf."

"Und du wolltest hier her kommen um mich zu warnen? Uns alle?" Mona nickte.

"Ich sehe nicht, warum wir einander hassen sollten. Ja, wir hatten - sagen wir - schlechte Zeiten, aber ich kenne euch und andere Hexen nun einige Zeit und gute Freunde meinerseits sind auf dem sicheren Weg welche zu werden. Und ich kenne noch mehr Druiden und mag und vertraue vielen von ihnen nicht mal halb so sehr wie Majolin. Und es ist nicht schwer zu erkennen, dass ich der Meinung bin, dass sie viel zu voreilig ist. Gerade in ihrer Position. Doch zuletzt sind wir alle doch menschliche Wesen, die Fehler machen und Gefühle haben!" Jetzt erhob sich Yukis Stimme.

"So traurig es auch ist und so verrückt es auch klingen mag, ich glaube und vertraue Mona. Ja, sie ist Druidin, doch sie hat Recht: Wir sind alle menschliche Wesen und man wird vielleicht als Druidin geboren, doch nicht als schlechter Mensch. Außerdem hatte meine Schwester mal etwas von einer Legende erzählt, die dieser Situation sehr ähnlich ist. Es ist Zeit, dass wir aus der Vergangenheit lernen und sie nicht wiederholen. Ich glaube es ist das Beste, wenn ihr eure letzte Prüfung so schnell wie möglich macht. Ihr könnt hier schlafen, wenn ihr wollt, morgen Mittag wird alles fertig sein."

"Kommst du mit?", obwohl ihre Stimme für einen Außenstehenden hoffnungsvoll klang, wusste Kira die Antwort schon, bevor sie ihre Frage auch nur gedacht hatte.

"Nein. Ich denke es gibt noch eine Menge fragen, die beantwortet werden sollten."

Athàn blickte kurz auf den noch immer vermummten Fremden.

"Ich würde ihn dir trotz allem gerne heute vorstellen. Und ich weiß, dass du möglichst keine neuen Geheimnisse bilden willst... und solltest..." Er schielte wieder zum Vermummten. "Was meinst du, Junge?"

Dieser nickte. Ein wenig zögernd hob er seine Hände und nahm die Kapuze ab. Er zeite blaue Haare und goldene Augen. Er schien sehr selbstebwusst gewesen zu sein, doch jetzt huschten seine Augen in gehetzter Ruhe durch den Raum. Es war offensichtlich, dass er frisch gebadet und rasiert war und beides schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr genossen hatte. Auch schien sein Umhang vor kurzer Zeit des öfteren gewaschen worden zu sein. Die silbernen Runen waren blass und halb ausgewaschen. Mona analysierte ihn mit interessiertem Blick. Sie schweifte kurz zu Kira ab und wieder zurück.

"Du bist Kallàn?!" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Kallàn nickte. Er betrachtete seine Nachfolgerin mit wahrer interesse.

"Kallàn?" Yuki ging langsamen Schrittes auf den Mann ihrer Schwester zu. "Du siehst haargenau wie damals aus. Aber dein Blick..."

Etwas schüchtern lächelte er sie an.

"Was soll ich machen... oder sagen? Ich fühl mich... unwohl zwischen all den Menschen, die mich damals ohne Grund verjagt und fast getötet hätten." In seiner Stimme lag keine Anklage, eher eine hervorgezwungene Ironie. Aus wahren Augen betrachtete er Yuki. "DU hast dich verändert. Du bist mehr als nur erwachsen geworden." Lächelnd schauten sich die beiden an. Schließlich seufzte er. "Ich glaube es ist besser, wenn ich bei meinem Vater schlafe, Yuki! Ich weiß doch selber, dass es viel zu besprechen gibt - sehr viel - aber es gibt Wichtigeres zu tun... Gerade zu dieser Zeit." Nun schaute er wieder zu Mona. "Ja, ich denke es ist gut, wenn du hier bleibst. Nicht nur, dass es Fragen zu beantworten gibt. Hier lannst du dich auch besser erholen. Aber ich möchte dir 'was wiedergeben. Ich habe es damals Jade gegeben und sie durfte damit machen, was sie wollte. Sie hat es dir vermacht und das ist gut so. Außerdem, was soll ich damit anfangen?" Er zog etwas aus seiner Tasche und drückte es in Monas Hand. Als sie sich berührten schossen Bilder und Gedanken - gesammelt in so vielen Jahren - durch beider Köpfe. Und Liebe und Verständnis für den anderen staute sich auf.

Ohne ein weiteres Wort, doch mit einem sanften Lächeln auf seinen Lippen, drehte sich Kallàn um und verließ die Halle. Die anderen Druiden folgten ihm.

Langsam öffnete Mona ihre Hand und musste nun ebenfalls lächeln. Fast wie in Trance band sie sich ihren üblichen Pferdeschwanz - wie immer schmückte die grüne Spange ihre Haare.
 

Mona stand auf einem Balkon. Ihre Gedanken schweifend schaute sie in das Land. Es war wunderschön.

Normalerweise konnte sie sich immer gut in andere einfühlen. Auch wenn sie andere Ansichten hatte, sie konnte den anderen verstehen. Sie war der Meinung, dass alles einen Grund hatte. Doch so sehr sie es auch versuchte, sie schaffte es einfach nicht mit Dynas. Ja, er war Machthungrig und - Ja! - auch tief verletzt und wütend auf die Welt. Doch wie konnte man diesen Frieden und diese Schöhnheit bloß zerstören wollen?
 

Yuki beobachtete sie schon seit einer ganzen Weile. Schon komisch... Jade stand immer genauso da. Und zu dieser enormen ähnlichkeit, kam kam nun auch noch diese Spange dazu. Ja, Kallàn hatte sie damals Jade zum Geburtstag geschenkt, doch wie passte Mona darein?

Ruhigen Schrittes ging sie auf die junge Magierin zu, bis sie neben ihr stand und ebenfalls in die Weite blickte.

"Es ist wirklich wunderschön hier.", flüsterte Mona. Yuki sagte nichts und schaute bloß auf Mona.

"Darf ich dir ein paar Fragen stellen?" Mona nickte. "Wo ist Lilly?"

"Ich befürchte sie ist bei Troyes."

"Befürchtest? Das hört sich nicht gut an."

"Es ist nicht gerade das, was ich mir wünsche..."

"Wer ist er?"

"Mein Großvater... Nein, er ist eigentlich mein Adoptivvater, aber ich nannte ihn so. Er ist der Großvater von Kyle und Kira. Du... IHR habt sie gesehen. Die beiden mit den kupferfarbenen Haaren."

"Ja, ich habe sie gesehen. Aber das erklärt nicht, warum du BEFÜRCHTEST, dass Lilly bei ihm ist."

"Wie gesagt: Ich nannte ihn meinen Großvater. Heute vertraue ich ihm nicht mehr. Auch wenn er für mich immer mein Großvater sein wird. Ich spüre, dass er sich verändert hat. Ein dunkler Schatten hat sich in sein Herz gelegt. Ich kann nicht sagen wie lange dieser schon gedeiht. Ich hatte - sagen wir mal - starke Probleme mit mir selbst. Aber ich befürchte es war schon lange... Vielleicht sogar seit Gladys Tod! Das wären dann gut 13 Jahre..." Eine verwirrte Panik machte sich in Yuki breit.

"Aber wenn Lilly bei ihm ist... Wie kannst du so ruhig sein?"

"Macht euch keine Sorgen. Auch wenn ich richtig liege, so ist Lilly doch in Sicherheit. Dynas und gerade Troyes wissen wie wichtig uns Lilly ist. Solange sie sie haben, haben sie ein Druckmittel. Das werden sie nicht aufgeben. Sie werden ihr nichts tun, aber sie werden sie auch nicht herausgeben, bis sich die alte Prohpezeiung erfüllt hat."

"Prophezeiung?" Müde lächelnd schaute Mona auf.

"Sie ist lang und alt und ich bin nicht die einzige, die glaubt, dass Lilliet etwas mit ihr zu tun hat." Yuki wusste, dass Mona nicht mehr über die Prophezeiung herausgeben würde und beließ es damit dabei.
 

Zu diesem Zeitpunkt kamen die anderen angehenden Hexen und Zauberer in den Raum. Ryo spürte, dass etwas Wichtiges vor sich ging und ermahnte die anderen leise zu sein. Diese wunderten sich zwar, folgten aber seinem Geheiß. Gerade als sie nah genug waren um alles verstehen zu können, fragte die Königin weiter.

"Diese Kira... Ihr Umhang und dieser Anhänger um ihren Hals... Ich kenne sie... Der blaue Umhang weist sie als Nichtmagierin und damit Orion aus. Der Anhänger als die Bester - der Anführer." Mona nickte langsam. "Mona! Wenn ich mich nicht irre dann sind Orion... Gefährlich... In einem mörderischen Sinne!"

"Orion SIND gefährlich - in einem mörderischen Sinne. Das bin ich auch! Aber ich glaube, ich weiß worauf du hinaus wolltest. Und du hast Recht. In allem, was du sagtest. Orion sind Auftragskiller der Druiden. Aber das ist nicht ihr einziger Job. Ich kann nicht verheimlichen, dass ich ihren Job... billige. Nicht mag, aber billige. Ich achte ihre Entscheidung ein Orion nach der Grundausbildung zu bleiben und Anführer dieser zu sein.

"Doch Orion sind nur unter anderem Auftragskiller. Sie haben gelernt das Leben zu achten. Sie versuchen es zu schützen. Für sie ist es heilig. Jeder Orion hat gelernt an einen - den wichtigsten Codex zu denken, wenn sie ihr Schwert ziehen. ,Versucht ihr Leben zu schützen. Nur wenn es keine andere Möglichkeit gibt, verwundet euer Gegenüber. Und wenn ihr euer Schwert gezogen habt, denkt nicht an das Leben, welches ihr zerstört; denkt an das Leben, welches ihr rettet.' Kira hat mich das auch gelehrt.

"In meinen und ihren Augen ist sie nicht in erster Linie EIN Orion. Sie ist MEIN Orion. Und zu aller erst, meine beste Freundin."

"Dein Orion? Was bedeutet das?"

"Wie gesagt, sie sind nicht nur Auftragskiller. Ihr wisst vielleicht, dass jeder Druide, der keine magischen Fähigkeiten besitzt zum Orion ausgebildet wird. Manche entscheiden sich diesen Weg weiter zu gehen, andere wählen einen Weg der Triade - Heiler, Gelehrter oder Barde. Wenn du dich dazu entscheidest Orion zu werden und in deinem Rang höher steigst, wirst du einem höher gestellten Druiden zugeordnet. Du wirst sein Beschützer - Leibwächter, wenn du so willst. Kira ist mein Orion. Sie ist mein Leibwächter und steht in direkter Linie unter meinem Befehl."

"Ich glaube Jade hatte mir mal versucht das zu erklären, aber damals war ich zu jung, um alles zu verstehen. Doch eines glaube ich zu erinnern. Jade sagte, dass der Anführer der Orion immer dem Obertsen zugeordnet ist."

"Das ist auch wahr!"

"Aber wenn Kira der Anführer ist und dein Orion, dann bist du..." Mona seufzte tief.

"Ja, ich bin die Oberste - war die Oberste um genauer zu sein. Dynas hat es vor ein paar Tagen letztendlich geschafft mich abzulösen, doch Kira weigert sich gegen den Rat sein Orion zu werden. Sie hat zur Zeit eine Menge Probleme, doch das ist ihr nicht wichtig. Sie hat keine Probleme damit ihren Posten aufzugeben, nur damit ihren Anhänger jemand anderen zu überreichen." Mona lachte leise.

"Darf ich fragen, wie lange du schon Oberste bist?"

"Klar. Elf Jahre! Damals war ich fünf. Meiner Meinung nach viel zu jung um soviel Macht zu erhalten. Naja, meine ,Reaktionen' - wenn du so willst - zeigen ja wie recht ich hatte."
 

Hinter ihnen hatte die anderen ihre Versprechen Ryo gegenüber vergessen.

"SIE ist die Oberste ALLER Druiden? Unglaublich!", war Sakura verblüfft. "Wusstest du das Ryo?"

"Ja! Sie hatte es mir erzählt. Aber eines wundert mich schon lange. Ich hatte es so verstanden, dass nur von Geburt an magische Druiden Oberste werden konnten."

Yuki hatte sich verblüfft umgedreht, doch Mona schaute noch immer starr hinaus. Eine warme Träne rann ihre Wange hinunter.

"Ich kenne Magie seit ich denken kann. Druiden machen... Nein, Druiden machten keinen Unterschied. Aber du hast Recht. Ich bin magisch geboren. Doch ich verlor meine Gabe.

"Ich brauche sie wieder. Ich war eine der wenigen, die etwas gegen Dynas ausrichten konnten." Es war ganz still im Raum geworden. Man konnte sogar die leisen Grillen der Welt zirpen hören.

"Bist du deshalb mit uns befreundet?", fragte Joro plötzlich. Und endlich drehte sich Mona um und schaute die anderen aus ehrlichen Augen an.

"Joro. Ich kannte und mochte euch schon bevor ihr magisch wurdet... die anderen... naja, du weißt wohl selber, dass wir kleine Startprobleme hatten..." Beide mussten in Erinnerungen lächeln.
 

Sakura schaute schon eine Weile zu Ryo. Bei seinem Blick zerbrach ihr Herz in tausend Stücke. Kurz entschlossen griff sie nach Bajis Hand und dieser verstand.

"Ich glaube wir müssen gehen... Kommt!" Vielsagend schaute er auf seine Schwester, Ailin und Sunny. Auch sie und die Königin begriffen. Yuki ging schnell aus der Tür und die anderen verabschiedeten sich noch von Mona. Nur Ryo stand auf der Leitung. So blieb Sakura nichts anderes übrig, als Ryo zurück zu schubsen und den Türschlüssel zu ergreifen.

"Wir lassen euch erstwieder raus, wenn ihr euch ausgesprochen habt. Mona! Sag die Wahrheit, auch wenn das Probleme verursacht!" Damit verschwand sie und schloss die Tür ab.
 

Schon eine halbe Ewigkeit starrte Ryo auf Monas Rücken. Schließlich ergriff er die Initiative.

Ruhigen Schrittes ging er auf sie zu.

"Mona! Ich..." Plötzlich drehte sich Mona um. Tränen rannen ihre Gesicht hinunter. Sie hob eine Hand und strich Ryos schwarze Strähnen aus seinem Gesicht.

"Es tut mir so leid.", flüsterte sie schluchzend. "Es ist nur... Ich habe solche Angst um dich. Es ist zu gefährlich für mich Freunde zu haben. Seh doch wo ihr reingerutscht seid. Dynas wird dich töten, wenn..."

"Er wird mich so oder so töten. Er weiß, dass du uns alle magst. Seh doch was er mit dem Park angerichtet hat!" Lächelnd schaute Mona auf.

"Ich hab dich so vermisst." Mehr sagte sie nicht. Sie stellte sich bloß auf ihre Zehenspitzen und verwickelte Ryo in einen langen Kuss.

Ihr war nun alles egal. Alles was sie wollte war Ryo zu spüren - in jeder Phase ihres Körpers...

der erste Grad

hier muss ich eine kleine Erklärung im Sinne eines Vorwortes geben... in diesem kap sind mehrere

Zeitsprünge, wenn es zu den Erinnerungen Monas kommt. Daher werde ich hier ne kleine Legende

geben (es ist ein wenig verwirrend...)
 

Ihre Erinnerungen sind im Präsens, als ob du sie gerade jetzt siehst, und Kursiv! Die verschiedenen

Abschnitte werden durch ein ~*~ getrennt.
 

Das ist alles bloß bei Monas Erinnerungen! Bei den der anderen (welche durchaus vorhanden sind) sind

sie wie normal erzaehlt und nicht im Präsens, aber keine Sorge, man kann trotzdem erkennen,

dass es Erinnerungen sind... ^^
 

kommen wir nun zur eigentlichen FF, der erste Grad :
 

Es war später Morgen als Sakura die Tür zu Monas Zimmer wieder aufschloss. Die Terrassentür war

noch immer offen und eine frische Morgenbriese ließ sich sachte auf dem Bett nieder. Sakura folgte ihr

und musste unwillkürlich lächeln. Ihr war klar, dass Mona und Ryo wieder versöhnt waren; mehr als nur

versöhnt. Ryo lag auf dem Bett und schlief friedlich. Das kleine bisschen Decke, was ihn noch bedeckte,

sagte ihr ziemlich genau wieviel er trug - oder eher nicht trug. Noch immer lächelnd und leicht rosa um

die Nase ging sie auf das große Himmelbett zu und sprach recht laut.

"Auf! Auf! Rise 'n shine! Und bitte bedeck dich."

Ryo sprang regelrecht auf, zog die Decke um sich, sobald er realisierte wer vor ihm stand und wieviel er

entblößte, und flüchtete ins Bad.

Sakura grinste breit.

"Wo ist Mona?", rief sie durch die Wand.

"Keine Ahnung. Die Tür war noch abgeschlossen?" Obwohl Ryo sie wohl kaum sehen konnte, nickte

Sakura. "Dann ist sie wohl die andere Tür 'raus."

Verwundert schaute sich Sakura im Raum um. Es erinnerte sie an Mona, obwohl sie wohl kaum mehr als

ein paar Tage hier gewesen war. Auch ihr Blick blieb an dem Gemälde der beiden Schwestern hängen.

"Wow! Die sieht Mona ja unglaublich ähnlich. Jade und Yuki. Moment mal... Jade? Den Namen hab ich

schonmal gehört..."

"Ja." Ryo kam endlich angezogen aus dem Bad. "Ja, sie sieht ihr ähnlich." Plötzlich schaute er zur

Terrasse. "Ich sagte doch, dass sie die andere Tür 'raus ist."

Nicht verstehend schaute Sakura ebenfalls zur Terrasse. Mona landete gerade.

"Wie... Was zum Teufel... Mona?"

"Oh, hey Sake! Also wenn du mich einsperren willst, dann musst du dir schon was besseres ausdenken!"

"Wie bist du hier hergekommen?"

"Gesprungen! Und wenn ich mir die Zeit genommen hätte, dann hätte ich auch meinen Besen rufen

können."

"Gesprungen?" Augenscheinlich nahm Sakura das alles nicht so selbstverständlich wie Mona und Ryo

und wie so oft in den letzten Tagen fing sie wieder an zu hyperventilieren. "Mona! Das ist hier der

fünfte Stock!" Ryo hob eine Augenbraue und schaute nachdenklich seine Freundin an.

"Sakura hat da 'nen Punkt! Das ist höher als sonst. Normalerweise war es immer bloß der zweite Stock...

oder das Dach eures Hauses und das ist nicht gerade hoch..."

"WAS!?" Sakura setzte sich baff auf das Bett.

"Ich musste vielleicht ein wenig Magie anwenden...", lachte Mona. Beschwingt ging sie zum Nachttisch,

nahm ihre Spange, sowie Magicalpad und ging zur Tür. "Ich habe Hunger! Kommt ihr?" Und

verschwunden war sie...
 

Der Morgen verging langsam und ruhig. Sie frühstückten alle gemeinsam im Garten. Doch redeten sie

nicht viel. Alle waren mit ihren Gedanken bei der letzten Prüfung. Sie wunderrten sich, was es wohl sein

würde. Und es war das erste mal, dass auch Mona unruhig war; was die anderen noch nervöser

machte...
 

Die Freunde standen schon eine Weile in der großen Halle, die sich langsam füllte. Kurz vor 12 kamen

eine Handvoll Druiden herein; allesamt mit Umhängen. Doch es war den anderen klar, dass mehr

draußen warteten. Um punkt Mittags kam die Königin herein gechritten. Und das Gemurmel, welches

während des Eintrittes der Druiden angeschwollen war, starb augenblicklich.

"Es freut mich, dass ihr alle hier seid.", fing die Königin ihre Rede an. "Diese jungen Hexen und

Zauberer sind hierher gekommen um den ersten Grad zu machen. Doch ihre Erwartungen werden wohl

nicht erwiedert werden, denn um den ersten Grad zu bestehen musst du keine große Magie aufweisen!

Du musst deine Ehrlichkeit beweisen. Ich werde einen Zauber anwenden, mit dem wir in eure Herzen

blicken können. Die gesamte Halle wird euer tiefstes Geheimnis sehen. Mona? Bist du in Ordnung?"

Nicht nur Yuki hatte plötzlich besorgt zu Mona geschaut. Diese war leichenblass geworden und drehte

sich panisch zu ihren druidischen Freunden um. Auch diese sahen nicht erfreut ob des Verlaufes der

Dinge aus. Doch keiner konnte es ändern, so drehte sich Mona mit einem kaum merklich geflüsterten

"Ja" um, auch wenn sie sich entschied, dass ihre Schuhe am würdigsten ob ihrer Interesse waren. Die

Königin nahm wieder das Wort.

"Gut. Hat noch jemand fragen?" Niemand antwortete. "Dann können wir ja anfangen. Der Zauber sucht

sich die Reihenfolge selber aus; ich kann nichts an ihr ändern. Bereit?" Ein allgemeines Nicken war die

Antwort. Die Königin fing an sich zu konzentrieren. Zwischen ihren Händen bildete sich ein Licht und -

Wusch! - war alles weiß um sie. Eine Tür kam langsam auf sie zugefahren und öffnete sich. Kaum das

sie hindurch waren, wurden Sunnys Augen leer - ihr Gesicht ausdruckslos.
 

Schatten gingen hier herum, die langsam Formen annahmen. Sie sahen Sunny auf dem Schoß eines

Jungen, der definitiv nicht Koji war. Die beiden schienen sehr vertraut miteinander. Endlich konnten sie

auch verstehen, was sie sagten.

"Komm schon Nataka!, sagte Sunny mit einer verführerisch süßen Stimme. "Mir ist egal wie, aber kannst

du sie nicht doch überreden? Wenn du es schaffst, gehe ich auch wieder mit dir aus." Endlich nickte der

Junge.

Die Szene änderte sich und wieder sah man Sunny einen Jungen verführen, so dass er etwas für sie

machte. Ähnliche Bilder kamen noch oft... Plötzlich war alles wieder weiß und Sunny schaute mit rosa

Wangen auf Ailin, der total baff war.

"Sunny ist dir ähnlicherm als wir alle je dachten, Ai-kun!", lachte Baji.

"Das war wirklich interessant." Auch Yuki schien mehr als nur baff zu sein...
 

Doch die nächste Tür erschien schnell und alle waren gespannt, wen es wohl als nächstes treffen würde.

Und wieder wartete eine Überraschung auf sie. Denn kaum, dass die Tür sich schloss, wurden Joros und

Ailins Augen ausdruckslos leer. Formen erschienen und es zeigte sich ein Rendez-vous zwischen den

beiden, welches schnell regelrecht intim wurde. Das Bild verschwand nach keiner Minute, doch viele

sollten es nie vergessen.
 

Das nächste Opfer war Sakura. Doch auch als sich ihre Tür wieder schloss blieb alles weiß.

"Unglaublich!", flüsterte Mona lächelnd. "Ich wusste, dass die Wahrheit für Sakura eines der wichtigsten

Dinge auf der Welt ist, aber das sie kein einziges noch so kleines Geheimnis hat, hätte ich nicht

gedacht."
 

Nun kam Ryo an die Reihe und was sie alle sahen war erschreckend. Es war im Apartement seines

Stiefvaters. Augenscheinlich war es noch zum Zeitpunkt als er und seine Geschwister dort wohnten. Ryo

war dabei sauber zu machen. Die kleinen spielten ohne Geräusche zu machen auf dem Boden oder

machten ihre Hausaufgaben. Sein Stiefbruder und -vater saßen mit je einem Bier in der Hand vor dem

Fehrnseher. Nach keiner Weile fing Kuso an sich zu langweilen und visierte Ryo. Als dieser nah genug

war, stellte er ihm ein Bein. Das Geschirr, welches Ryo trug, viel zu Boden und zerbrach. Augenblicklich

stand Herr Dadoi auf und schreite Ryo für seine Ungeschicklichkeit an. Dieser kümmerte sich kaum

darum. Er schickte bloß die Kleinen, die ihm gerade zur Hilfe eilen wollten, ins andere Zimmer und fing

an die Scherben zusammen zu kehren. Er wusste wohl was als nächstes passieren würde. Ohne

Vorwarnungen fing Herr Dadoi an auf Ryo einzuprügeln. Dieser wehrte sich nicht. Das Bild verschwand

und alles war in stilles Licht getaucht.

Yuki war total geschockt und schaute leichenblass zu Ryo, der inzwischen von Mona umarmt wurde.

Diese sah ihm in die Augen, strich seine Strähnen aus dem Gesicht und küsste ihn liebevoll verstehend.
 

Doch Bajis Tür fing schon an sich zu schließen und in seiner Erinnerung erschien eines der Zimmer

seines Hauses. Baji schielte durch einen Türspalt und sah seinen Vater mit einer wunderschönen Frau

stehen und mit ihr sich vermeindlich unbemerkt mit ihr unterhalten. Nach keiner Weile kamen sie sich

näher und küssten sich innig - es verweilte nicht lange. Denn Frau Tepai kam herein und ein höllischer

Streit artete aus, in dem schließlich das Wort "Scheidung" fiel. Baji schloss wie hypnotisiert die Tür und

die Vision verschwand.

"Oh mein Gott!", Joro war in Tränen ausgebrochen und schluchzte unerbitterlich in Ailins Arme.

"Baji?" Vorsichtig ging Sakura auf ihren Freund zu. "Wie lange..."

"Zwei Wochen!" Eine einzelne Träne fand ihren Weg aus seinen Augen.
 

Alle waren zutiefst betroffen, nur Mona nicht, denn sie wusste, dass sie jetzt dran war. Und ihre Tür

kam auch schon auf sie zugefahren...

Mona ging langsam auf sie zu und schritt mit geschlossenen Augen hindurch. Sie wollte nicht sehen,

was auf sie zukam, doch um sie herum war alles schwarz...
 

"Mona.", hörte sie Yuki sagen. "Du musst deine Augen schon öffnen, oder keiner kann etwas sehen!"

Langsam lichtete sich das Dunkel und die verschwommenen Figuren nahmen Gestalt an. Kaum, dass die

anderen etwas erkennen konnten, wurden Monas Augen leer. In der Vision sahen sie viele

Lebensabschnitte Monas in kurzer Reihenfolge.
 

Ein kleines Dorf; völlig leer. Alle haben sich auf dem Friedhof versammelt. Man kann Kyle ganz

deutlich im Center erkennen. Neben ihm steht Troyes. Doch vor den Beiden ist ein kleines Mädchen mit

kurzen blonden Haaren, die ins rote übergehen. Mona mit drei Jahren. Sie stehen an einem frischen

Grab auf welchen "Gladys M. Druì - geliebte Frau, Großmutter und Freundin" steht. Plötzlich fängt Mona

an zu sprechen. Und ihre leise Stimme klingt hell und rein und soll für immer in anderer Köpfe hängen

bleiben.

"Der Tod lauert überall und ist nicht immer gerecht. Doch so wie er trennt, so vereint er auch wieder,

denn er wartet auf jeden von uns!"
 

~*~
 

Mona redet hektisch mit Troyes.

"Ich kann das nicht, Großvater. Ich bin 5! Warum ich?"

"Mona. Wir brauchen einen Obersten. Das druidische System ist völlig außer Kontrolle geraten. Aber sie

werden niemand anderen anerkennen. DU bist Kallàns Tochter! Du bist die erste Wahl nach unserem

Gesetz, die Einzige, die sie annehmen werden. Und keine Angst, wir werden dir helfen."
 

~*~
 

Der Versammlungsplatz des kleinen Dorfes. Hunderte Menschen haben sich versammelt. Jemand tritt

auf eine Bühne im Center.

"Begrüßt unsere neue Oberste!", ruft er und alle jubeln und rufen "Mona! Mona!". Das kleine Mädchen

geht an Troyes Hand auf die Bühne, doch nahm sie alles bloß abwesend war.
 

~*~
 

Ein dunkles Zimmer. In einer Ecke sitzt Mona - ungefähr sieben Jahre alt - und hält ein Bild in ihrer

Hand.

"Mama. Mach das sie aufhören." Sie hebt ihre Hand und hält diese gegen ihre Schläfe. "Mach das sie

aufhören."
 

~*~
 

Eine kleine Küche. Durch die Tür hört man laute Stimmen. Plötzlich kam eine zehn Jahre alte Mona

aus der Tür gestürzt. Aus Wut schmeißt sie eine Vase auf den Boden. Wie programiert macht sie eine

Handbewegung und die Vase regeneriert sich wieder von selbst. Sie fängt an durch die gesamte Küche

zu stöbern und holt schließlich eine Flasche mit augenscheinlich hochalkoholischem Getränk hervor

und nimmmt einen Schluck.

"Mona? Ist alles in Ordnung?", hört man Troyes Stimme aus dem vorigen Zimmer.

"Ja!", ruft Mona. "Alles in Ordnung." Die letzten Worte sagt sie mehr zu sich selbst und nimmt einen

weiteren Schluck
 

~*~
 

Mona steht in einem staubigen Zimmer.

"Ich brauch mehr.", sagt sie zitternd. Aus einer Ecke kommt ein Mann mit kalten blauen Augen. In

seiner Hand hält er ein Päckchen mit einem weißen Pulver.

"Was kannst du mir bieten? Hast du inzwischen Geld aufgetrieben?" Mona schüttelt ihren Kopf. "Deine

Kette sieht wirklich wunderschön aus. Die würde dich bestimmt durch einen Monat bringen, wenn man

deinen Konsum betrachtet."

"Sie ist von meiner Großmutter." Der Mann dreht sich lächelnd um. Weiß er doch, dass Mona ihre

Entscheidung schon lange getroffen.

"Warte!" Ohne länger nachzudenken nimmt sie die Kette ab...
 

~*~
 

Mona steht wieder in dem Raum. Sie ist augenscheinlich ein paar Jahre älter. Der Mann steht

vergnügt vor ihr.

"Du hast kein Geld und keine Wertgegenstände. Was kannst du mir bieten? Du bist eine gute Kundin,

Mona. Meine Beste. Aber ich habe dir schon viele Vergünstigungen gegeben. Ich kann mir nicht leisten

dir was umsonst zu geben und du weißt, dass ich keinen Credit gebe - NIEMALS!"

"Ich weiß... Aber ich brauch es!" Mona schaut flehend auf. Der Mann geht auf Mona zu und streichelt ihr

sanft über ihr Gesicht.

"Ich habe dir eine dritte Möglichkeit schon vor langer Zeit angeboten. Es steht noch immer! Du bist

wirklich wunderschön." Mona schaut weg und geht ein paar Schritte zurück.
 

Durch Mona ging plötzlich ein Ruck. Ihre Augen waren noch immer leer, doch sie hielt ihren Kopf in

ihren Händen und fing an zu wimmern.
 

"Gut. Es ist und bleibt deine Entscheidung." Der Mann dreht sich um.

"Warte..." Mit einem gewinenden Lächeln auf seinen Lippen dreht er sich um und sieht wie Mona die Tür

hinter sich schließt.
 

~*~
 

Mona ist sechzehn. Sie ist in ihrem Zimmer, welches absolut dunkel ist. Sie sitzt auf dem Boden. Um

sie herum sind Flaschen und Tabletten verstreut. Eine Flüssigkeit läuft über den Boden. Neben ihr

brennt eine Kerze. Sie hat eine Ampulle mit einer Flüssigkeit in ihrer Hand und ist bereit diese in ihren

Arm zu jagen. Plötzlich taucht ein Licht auf und eine ausgewachsene Fee erscheint. Auch sie hat grüne

Augen und rotblonde Haare. Sie versucht Mona von ihrem Vorhaben abzuhalten. Mona schmeißt sie

kurzentschlossen an die Wand, wo sie liegen bleibt.
 

Durch Mona ging wieder ein Ruck.
 

"Lass mich in Ruhe, Momo.", murmelt Mona nur und jagt sich die Spritze in ihre Vene. Sie bleibt kurz

sitzen und fällt dann in Ohnmacht. Dabei stößt sie die Kerze um und der Holzfußboden getränkt in

Alkohol fängt Feuer.
 

Mona schrie plötzlich auf. Sie fiel auf ihre Knie und hilsickramkhaft ihren Kopf.

"Hör auf, Yuki!", kreischte sie. Eine Energiewelle kam von ihr und Yuki und mehrere andere wurden auf

den Boden geworfen.

Als sie ihre Augen wieder öffneten waren sie in der großen Halle. In der Mitte saß Mona auf dem Boden

und weinte unerbitterlich; auf die Worte ihrer druidischen Freunde, die zu ihr gelaufen waren und sie in

den Arm nahmen, nicht hörend.

"Es tut mir so leid. Es tut mir so leid." Diese immer wieder widerholenden Worte, waren das einzige, was

sie sagte. Inzwischen war auch Ryo bei ihr angekommen. Vorsichtig nahm er sie aus Kyles Armen und

hob ihr Gesicht an, so dass sie ihn angucken musste.

"Mona.", flüsterte er laut und deutlich. "Es ist nicht deine Schuld. Jeder wäre zusammengebrochen,

wenn er seine Last auf den Schultern hätte. Und du bekamst sie mit nur fünf Jahren aufgedrückt! Das

kann doch keiner aushalten. Es ist nicht deine Schuld."

"Ryo hat Recht, kleine Prinzessin. Wenn jemand Schuld hat, dann sind das wir.", stimme Dylan zu. Auch

Yuki und die anderen waren nun zu ihnen gekommen.

"Bist du in Ordnung, Mona?", fragte Yuki. Nach ein paar Minuten nickte Mona endlich. "Warum hast du

mich Yuki genannt?" Mona war nicht die einzige, die scharf Luft holte. Schließlich entschied sich Mona

zu antworten.

"Es... Es tut mir leid... Ich... Ich hab... nicht nachgedacht...?" Verzweifelt, aber vielsagend schaute Mona

in die liebevollen Augen ihres Gegenübers.

"OK... Ich lass es diesmal gelten... Aber Mona... Es tut mir leid! Der Zauber sagt eindeutig, dass du alle

Geheimnisse preisgeben musst und meine Magie sagt mir, dass da noch ein Geheimnis ist, welches

zumindest ich noch nicht kenne!"

"Ich kann nicht... Tut mir leid. Dann muss es der zweite Grad machen."

"Was grübelst du, Mona? Überlegst du, ob der zweite Grad genug ist?", wunderte sich Kira.

"Nein. Er ist genug solange ich nicht auf Dynas treffe. Es ist bloß... Warum hat der Zauber gezeigt, wie

ich Oberste wurde und die Beerdigung. Das macht keinen Sinn..."

"Ich denke, die Königin hat dich einfach in ihr Herz geschlossen!" Verwundert schauten alle zu Kyle.

"Du denkst...?"

"Sehr zweideutig Mona!... Was ich meine ist, dass der Zauber die ungewohnt starke Sympathie zwischen

euch gespürt hat und dich erklären wollte - warum du so gehandelt hast und was in dir vorgeht!" Mona

nickte schelmisch lächelnd.

"Er denkt!"

"Mona, wie wir sie kennen und lieben.", musste Kira lachen.

"Witzig! Sehr witzig!" Kyle war wohl der einzige, der sich nicht amüsierte. Woraufhin er ein Küsschen

von Dylan verpasst bekam.
 

Die nächste halbe Stunde verlief ereignislos. Bloß dass die anderen nun vollwertige Hexen und Zauberer

waren. Bei den Jungen geschah nicht viel - sie konnten bloß ihre Magie kontrollieren. Die Mädchen

dagegen bekamen ihren Kristall und ihr Dress, wie ihr Cracordion änderte sich.
 

Doch kaum war die halbe Stunde um, kam ein Orion in den Saal gestürzt und flüsterte etwas zu Kira. Ihr

Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig.

"Sie sind da!" War alles was sie herausbekam. Für zwei Minuten stand alles still - bis Mona reaslisierte

was das bedeutete.

Wie ein Blitz schoss sie aus dem Saal hinaus, wo sich eine größere Menge Druiden gesammelt hatte -

von den anderen dicht gefolgt. Man konnte in der Ferne Stimmen jubeln hören und eine enorme

Staubwolke kam schnell näher.

"Kyle. Dyl.", flüsterte Mona. "Ihr wisst was zu tun ist. Aber haltet es nicht bis zum letzten Augenblick.

Spart eure Energie. Ihr anderen macht euch bereit!"

Wie eine einzige Bewegung griffen alle Orion in ihren Mantel und zogen je ein oder zwei Schweter

heraus. Manche hatten auch zwei Stäbe mit je einer Speer änlichen Spitze; die andere Seite war so

präpariert, dass sie beide Stäbe zu einem langen Einzelnen umfunktionieren konnten.

Nur Kira war eine Ausnahme. Sie ergriff ihren Anhänger, den sie immer um ihren Hals trug, und riss ihn

ab.

Das Band, welches als Kette diente, verschwand augenblicklich im Nichts, kaum das Kira den Stein

berührte. Sie ließ den Anhänger los und er schwebte in der Luft.

"Magical black-sword of Orion - help 'n defend!" Ihre Worte klangen hell und klar durch die Luft und ihr

Anhänger fing an in einem grellen Weiß zu strahlen. Kira griff in diese Miniatursonne und zog ein

schwarzes Schwert mit blau-silbernen Schaft und Edelsteinen verziert heraus.

"Orion! Haltet euch an den Kodex!", orderte sie mit kräftiger Stimme an. "Versucht sie außer Gefecht zu

setzen, doch verschont ihr Leben so lange ihr könnt! Und wenn es sich nicht verhindern lässt, so denkt

nicht an die Leben, die ihr zerstört, aber an die, die ihr rettet!" Die paar Orion salutierten. Nun erhob

Mona ihre Stimme.

"Der Orionkodex gilt für uns alle. Werft nicht unnötig Leben weg - es ist kostbar; jedes einzelne! Sie

sind nicht im Herzen böse; sie wurden irre geführt."

Kaum dass ihre kurze Rede beendet war, rief sie mit stummen Worten ihr Cracordion. Sie ging auf

Dylan, Kyle, Kira und Kallàn zu.

"Ich hasse es gezwungen zu sein gegen unsere Brüder zu kämpfen."

"Ich weiß was du meinst.", flüsterte Kira zurück. "Ich wurde mit so vielen von ihnen zusammen

ausgebildet, oder habe gar an ihrer Ausbildung als Tutor teilgenommen. Manche sind noch meine

eigenen Tutoren."

"Es fühlt sich eigenartig an ausgerechnet gegen Dynas zu anzutreten. Ich meine, wir waren mal beste

Freunde. Wir gingen durch dick und dünn!", fügte Kallàn hinzu, wobei er mehr auf seinen zustimmend

nickenden kleinen Bruder sah.

Eine Weile war es still.

"Ich hasse das! Kämpfen! Krieg!", durchbrach Mona wie aus heiterem Himmel die Stille lautstark. Viele

Köpfe drehten sich zu ihr. "Ich mein': Familien, Freunde und ganze Dörfer werden auseinander gerissen

oder gar zerstört. Denkt doch mal daran, wie viele von ihnen ihr kanntet und liebtet und jetzt gegen

kämpft. Das ist nicht richtig!"

"Du bist Pazifistin!", stellte ihr Vater erstaunt fest. Die anderen Drei lächelten bloß.

"Ja, Mona, du hast apsolut recht.", stimmte Dylan zu. "Aber du weißt auch, dass du nicht kämpfen

musst."

Mona nickte, doch alles was sie sagte war: "Sie sind da."

Kyle und Dylan ließen verschnörkelte Stäbe mit je einem Kristall am Ende erscheinen. Sie machten eine

identische Bewegung und endeten mit den Steinen berührend.

"Alas Merìn!", riefen sie wie aus einem Mund und der Kampf begann.



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Kommentare zu dieser Fanfic (23)
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Von:  Laini
2005-04-05T15:00:50+00:00 05.04.2005 17:00
So,habs endlich geschafft es ganz zu lesen.^^
Ein schönes Kapitel und gut geschrieben.
Wie geht's denn weiter?*neugierigguck*
Kommen die zwei denn wieder zusammen?Hoffentlich...*hoff*
P.S:Les meine FF...Bitte!!
Von: abgemeldet
2005-02-20T05:14:03+00:00 20.02.2005 06:14
bin schon am abtippen!!! aber hab in letzter zeit kaum zeit...

naja, werd s schon schaffen...
Von:  Laini
2005-02-18T10:25:25+00:00 18.02.2005 11:25
Hab mir das Kapitel jetzt mal in aller Ruhe durchgelesen.
Und ich muss sagen,du machst mich immer neugieriger.

Hoffentlich geht es Mona bald besser...
Bin schon gespannt auf die Fortsetzung.(die hoffentlich bald kommen wird)
Von:  Laini
2004-12-11T18:49:00+00:00 11.12.2004 19:49
Noch kein Kommentar??
Dann bin ich halt die erste.

Diesen Teil fand ich toll,aber auch traurig.
Man hat mehr über Mona erfahren,was ich gut fand.
Aber das der Junge gestorben ist,fand ich sehr traurig.
Freue mich aber trotzdem auf den nächsten Teil.
Also,schreib bald weiter.
Von: abgemeldet
2004-11-28T18:31:36+00:00 28.11.2004 19:31
Sorry, Sorry Sorry!!! Habs einfach (trotz deiner ENS) verpennt! syr!^^'

Das war wie immer echt klasse!^^ Mach schön weida, es gibt in letzer Zeit so wenig gute FF's...

Bye Berit
Von:  Laini
2004-10-20T16:25:27+00:00 20.10.2004 18:25
Find deine FF klasse.
Freu mich schon auf das nächste Kapitel.
Von: abgemeldet
2004-08-22T19:27:32+00:00 22.08.2004 21:27
*lach*

meintest du vielleicht diesen teil?
>Er schaffte es dieser eigentlich sehr glatten Rolle ein warnsinnig starkes Charisma zu verleihen.<

wenn ja, dann hab ich mich bloß verschrieben. es sollte eigentlich >wahnsinnig starkes Charisma< heißen...
im eifer und der schnelligkeit, wie ich schreibe, vergess ich manchmal ein paar buchstaben oder schreib wörter so, wie ich sie spreche und denk nicht an die rechtschreibung...^^ >.<'

wenn es nicht dieser teil war, dann sag mir doch bitte welchen, dann kann ich schaun, was ich da meinte...
Von: abgemeldet
2004-08-22T19:07:35+00:00 22.08.2004 21:07
*gg* Na sowas!XDDDDDDD
Mach ma schön weiter so!^^

Ja, es gibt noch ne Frage zum Vokabular...Was ist ein "Warnsinn"? Ein Sinn zum Warnen?!
Das wüsste ich doch schon ganz gern...Ich glaub, das Wort gibts echt...-.- Aber in diesem Zusammenhang passts net...

Bye Berit
Von: abgemeldet
2004-08-12T12:10:48+00:00 12.08.2004 14:10
XDDDDDDDDDDDDDDDDD! Dornröschen mit nem Baby auf dem Arme....-.-
Das is lustig, dass Mona wenn sie aufgeregt is immer noch in Englisch brabbelt...

Mach schnell weida!^^

Bye Berit
Von: abgemeldet
2004-08-08T19:29:47+00:00 08.08.2004 21:29
Coooooooooooool!^^ Das Kapi war erste Sahne!^^
Mensch! So ne Mutter brauch ich auch!^^ Die bei jeder Kleinigkeit nen Herzinfarkt kriegt!XD

Mach bitte gaaaaaaaaaaaaaaaaaanz schnell weida!^^

Bye Berit


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