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Während ich mich langsam wieder in Konoha eingewöhnte, beziehungsweise ja auch nirgendwo anders hingehen durfte in dieser ersten Zeit, erfuhr ich dann auch, was sich hier alles verändert hatte. Neben so ziemlich normalen Dingen, wie dass alle irgendwie älter geworden waren und sich Beziehungen und dergleichen ergeben hatten, war die größte und für alle unerwartete Veränderung der Kontakt mit den Drachenleuten.
Die kamen nämlich tatsächlich sozusagen von einem anderen Stern, aus einer Dimension, die bisher absolut niemand von uns auf dem Schirm gehabt hatte. Echte Drachen, also als eigene Wesen, nicht nur als Symbolfigur für Jutsus, gab es bei uns nicht, aber in dieser Zeit stellte sich ein Kontakt her, zu einer anderen Dimension, wo es sehr wohl welche gab.
Mit diesem Kontakt war eine weitere Veränderung einher gegangen, die mich dann auch direkt betraf, beziehungsweise Naruto, mit dem ich ja erst mal zusammen wohnte. Und zwar hatte sich Kyuubi verändert.
Er war plötzlich imstande, Narutos Körper zu verlassen und eine eigene Gestalt anzunehmen, die ein bisschen wie ein Babyfuchs aussah. Als ich das erste Mal sah, wie der Fuchs, der sich mir nochmals mit „Ich heiße Kurama, also nenn mich nie wieder Kyuubi!“ vorstellte, aus Narutos Körper heraus kam, hatte ich mich ordentlich erschrocken, aber Naruto schien es damit gut zu gehen. Er sagte, das sei schon ein paar Wochen lang so.
Kurama schien sich direkt durch den Kontakt mit den Drachen so verändert zu haben, er erzählte das einfach so: „Wenn wir Bijuu mit Drachen zusammen kommen, verwandeln wir uns in unsere jugendlichen Formen zurück und können uns aus der Versiegelung lösen, ohne dass unsere Träger Schaden nehmen.“
In der Dimension, aus der die Drachen kamen, gab es offenbar auch eine komplette eigene Welt, denn eines Tages erschien eine Gruppe von Menschen aus dieser anderen Welt bei uns im Dorf und wollte irgendwelche Dinge mit Tsunade besprechen.
Diese Leute sahen ziemlich anders aus als wir, benutzten seltsame Geräte, die wir hier noch nie gesehen hatten und hatten ein paar kleine Wesen dabei, die wir auch nicht kannten. Aber sie hielten sich sehr damit zurück, uns das alles zu zeigen oder damit anzugeben.
Ein älterer Herr, den sie „Professor Shirakashi“ nannten, führte die Gruppe an, und nachdem sie irgendwelche anderen Dinge allein besprochen hatten, rief Tsunade mich zu dem Gespräch dazu.
„Was gibt’s?“, fragte ich und versuchte, meine innere Aufregung zu überspielen.
„Dein Bruder ist ja bei uns im Gefängnis. Er möchte dich unbedingt sehen und es geht ihm gesundheitlich so schlecht, dass es dringend ist, dass du zu uns kommst und mit ihm sprichst“, sagte Professor Shirakashi.
„Was hat er denn?“, fragte ich und spürte einen eigenartigen Stich in mir.
„Wir wissen es nicht, aber es scheint eine Krankheit zu sein, die ihm seine Lebensenergie abzieht. Er sagt, wenn er dich gesehen hat und es dir besser geht, würde das helfen.“
„Ich bin okay“, sagte ich. „Und ja, ich habe auch mit ihm zu sprechen …“
„Dann kommst du in zwei Tagen mit uns, wir holen dich hier ab und zeigen dir den Weg. Das Gefängnis liegt in einem dimensionalen Spalt, innerhalb dessen eure Techniken nicht gut funktionieren, deshalb muss dich jemand begleiten“, erklärte der Professor.
Die zwei Tage bis zu diesem Termin verbrachte ich damit, langsam wieder mit den anderen aus unserem Jahrgang in Kontakt zu kommen, hauptsächlich mit Shikamaru und Kiba. Und da ich ja übergangsweise bei Naruto wohnte, und Sakura auch oft bei uns war, bekam ich mit, dass sich zwischen den beiden eine Art romantischer Beziehung entwickelt hatte.
Sakura hatte sich sehr verändert, sie war überhaupt nicht mehr die hibbelige, oberflächliche kleine Teenagerin, an die ich mich erinnerte, sondern deutlich klarer und vor allem viel, viel selbstbewusster geworden. Ich schrieb das vor allem Tsunades Einfluss zu, da ich wusste, dass sie bei dieser gelernt hatte. Dass sie jetzt mit Naruto ging, war mir sehr recht, denn so war ich raus aus ihrem romantischen Fokus, der mich immer so an ihr genervt hatte. Ich hoffte, dass wir einfach ganz normale Freunde wurden, Sakura und ich, denn ich mochte sie ja schon, aber eben nicht auf die romantische Art.
Diese neue Beziehung zwischen Sakura und Naruto war interessant zu beobachten, weil sie völlig anders war als das, was Sakura früher mir gegenüber an Verhalten an den Tag gelegt hatte. Sie himmelte Naruto nicht an, sondern war auf eine Art mit ihm zusammen, die sich aus meiner Sicht sehr geerdet und entspannt anfühlte. Die beiden waren wie wirklich gute Freunde, die sich aber eben ab und zu küssten und abends zusammen im Bett lagen.
Wenn Naruto irgendwie Dummheiten machte, stritten sie zwar laut und leidenschaftlich, doch die Verbindung zwischen ihnen hatte eine Stabilität, die sie immer wieder zusammenbrachte. Und ich fühlte mich echt gut dabei, das einfach zu sehen und nur der alte, neue Freund der beiden zu sein.
Am Abend vor dem geplanten Besuch im Gefängnis konnte ich nicht schlafen. Ich war unglaublich aufgeregt, die ganzen komplizierten Gefühle und die Verwirrung, die ich Itachi gegenüber empfand, hielten mich wach.
Naruto schlief schon, aber Sakura nicht. Sie drehte sich zu mir um, sah mich an und fragte dann: „Willst du reden, Sasuke?“
Ich nickte nur. „M-hm …“
Sakura stand auf, deckte Naruto wieder zu und kam zu mir auf meinen Futon, der auf dem Boden neben dem Bett der beiden lag. Ich setzte mich hin, sie sich mir gegenüber. Das Licht des Mondes schien herein und so konnte ich sie gut sehen.
„Du bist aufgeregt, ne?“, fragte sie.
„Ja …“, sagte ich. „Ich will … endlich wissen, was Sache ist.“
„Ob deine Eltern wirklich noch leben und so … Ja, das ist verständlich, dass du deshalb jetzt nicht schlafen kannst.“
„Ich glaube Itachi das. Er hat wohl keinen Grund mehr, zu lügen, oder? Wenn er wirklich so krank ist, wie sie sagen. Aber … ich hab Angst vor dem Gefühl, was kommt, wenn ich ihn morgen wieder sehe.“
„Dein eigenes Gefühl?“
„Ja. Ich … bin so dran gewöhnt, ihn zu hassen. Ich weiß noch nicht, was danach kommt.“
Sakura sah mich an, schien einen Moment nachzudenken oder nachzufühlen, um mich zu verstehen …
„Liebe, vielleicht?“, sagte sie dann. „Wenn er dich immer geliebt hat …?“
„Ich hoffe es. Und ich will es auch, ihn wieder lieben. Weil ich will, dass es irgendwann wieder gut wird, alles. Ich bin jetzt wieder hier, und ich will endlich ein richtiges Leben haben. Aber ich hab trotzdem irgendwie Angst.“
„Angst, weil es neu ist?“
Ich nickte. „Ja.“
„Ist das jetzt dein Ziel, Sasuke? Ein richtiges Leben hier?“
„Ja. Ich hatte dort in Orochimarus Versteck am Ende einen Moment, wo ich gespürt habe, dass ich endlich einen Weg gehen will, der so richtig Ich ist. Einen Weg, wo ich selbst mir folgen kann, und der sich auch richtig gut anfühlt. Ich weiß halt nur … irgendwie noch nicht, ob das geht, und wie.“
„Du hast uns, Naruto und mich. Und Naruto glaubt an dich.“ Sakura lächelte leicht. „Ich auch, übrigens.“
„Ich bin echt froh, dass du nicht mehr auf mich stehst“, sagte ich.
Und Sakura lachte. „Ich auch.“
„Naruto und du … ich finde das gut. Ihr wirkt so, als ob das wirklich passt“, sagte ich.
„Er ist schon ein bisschen dumm. Aber ich hab einfach gemerkt, dass ich … also, mit ihm als Freund bin ich selber stark.“ Sakura sah zu ihm hinüber, wie er schlief und leise schnarchte, und lachte wieder.
„Du bist viel selbstbewusster geworden, Sakura“, sagte ich und lächelte auch.
„Ja. Ich hab auch andere Ziele jetzt. Ich arbeite im Krankenhaus mit und lerne auch immer noch viel von Tsunade. Und ich bin eben auch so viel stärker geworden, auch innerlich. Früher … wusste ich gar nicht so richtig, wer ich bin, und jetzt weiß ich das. Und Naruto … er steht aufrecht und gleichauf neben mir, und das mag ich an ihm.“
Ich hatte das Gefühl, dass die kleine Sakura, die mich nur für mein Aussehen „geliebt“ und ständig angehimmelt hatte, durch eine coole, starke, neue Beste Freundin in meinem Leben ersetzt worden war. Eine, mit der ich auf einer anderen Ebene neu anfangen würde können. Mir gefiel diese neue Sakura auch. Und sie lernte mich jetzt auch neu kennen. War nicht mehr nur daran interessiert, wie ich aussah, sondern an mir als Person.
Sakura ging dann wieder ins Bett, aber ich lag noch eine ganze Weile wach. Dachte über sie und Naruto und Kakashi und unser Team nach, und dann an Itachi.
„Wir reden morgen, Bruder. Und dann wird’s wieder gut“, flüsterte ich in die Dunkelheit hinein. „Auch, wenn ich Angst habe. Auch, wenn es ein Scherbenhaufen ist. Aber vielleicht kriegen wir ein Kintsugi draus gemacht?“
