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~ Gou Hiwatari ~

Hiwatari Legacy Story
von

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Der finale Countdown

Nachdem Gou den Speisesaal verlassen hatte, um seiner eigenen Zukunft entgegenzugehen, blieb eine Atmosphäre zurück, die man nur als „elektrisierend angespannt“ bezeichnen konnte. Das Klirren von Besteck auf den Tellern klang in der hohen, holzgetäfelten Halle fast wie ein Hammerschlag. Graham, der die Situation mit einer Präzision erfasste, die nur jahrzehntelange Erfahrung hervorbringen konnte, war bereits unterwegs. Er hatte mit einem unauffälligen Nicken seiner Assistenten dafür gesorgt, dass für die jüngeren Hiwatari-Kinder...Ayumi, Ren und Sayuri...umgehend zusätzliche Gedecke und eine kindgerechte, aber dennoch exklusive Mahlzeit serviert wurden.

​Es war ein bizarrer Kontrast: Während das Team um Gou...Violeta, Emilia, Seiya und der sichtlich gezügelte Ryan...an ihren Stühlen klebte, als fürchteten sie, jede falsche Bewegung könnte ein Gewitter heraufbeschwören, genossen die drei jüngeren Hiwatari-Geschwister ihr Abendessen mit einer fast schon entwaffnenden Natürlichkeit.

​Nami leistete Schwerstarbeit. Sie spürte das nervöse Flimmern im Raum und setzte alles daran, es mit ihrer warmen, fröhlichen Art zu durchbrechen. Sie unterhielt sich lebhaft mit Violeta über deren Training, fragte Ren nach seinen technischen Projekten und lachte über Sayuris eifrige Erzählungen von der Reise. „London ist wirklich aufregend, findet ihr nicht?“, sagte sie mit einem Lächeln, das in die Runde strahlte und kurz bei den Teammitgliedern verweilte. „Es ist so schön, dass ihr alle zusammen seid. Das Teamwork ist doch das, was am Ende zählt, oder was meint ihr, Seiya?“

​Seiya Miyazaki, der von Nami direkt angesprochen wurde, schreckte fast ein wenig zusammen, antwortete dann aber höflich und sichtlich bemüht, den Bann zu brechen. Doch das restliche Team blieb gehemmt. Die bloße Präsenz von Kai Hiwatari am Kopfende des Tisches wirkte wie ein unsichtbares Gravitationsfeld, dem sich niemand entziehen konnte.

​Kai selbst sagte kaum ein Wort. Er saß da, ein Glas Wasser vor sich, und beobachtete das Treiben mit einer analytischen Ruhe, die fast schon eine physische Last im Raum war. Er war kein Gast, der sich in den Vordergrund drängte, aber sein bloßes Dasein sorgte dafür, dass niemand mehr wagte, auch nur ein kritisches Wort über Gous Verhalten oder das Training kurz vor dem Finale zu verlieren. Er wirkte wie ein Raubtier, das seine Jungen beobachtet...diszipliniert, aufmerksam, aber für den Moment völlig in sich ruhend.

Als das Abendessen endlich seinen formellen Abschluss fand, war die Müdigkeit bei den Jüngeren kaum noch zu übersehen. Graham, der die Szenerie wie ein unbestechlicher Schatten beobachtete, trat lautlos aus dem Hintergrund hervor, als ob er die Situation bereits im Voraus kalkuliert hätte.

​„Madame, Master Kai“, begann er mit seiner üblichen, tadellosen Höflichkeit, „darf ich die Herrschaften beim Aufbruch in ihre Gemächer unterstützen? Das Gepäck wurde bereits nach oben gebracht“

​Nami, die gerade noch ein Lächeln für eine völlig überforderte Emilia übrig hatte, nickte dankbar. Während Ren und Ayumi sich noch bemühten, ihre Fassung und eine gewisse kindliche Würde zu bewahren, sah man Sayuri an, dass sie ihren Kampf gegen den Schlaf bereits verloren hatte. Die Siebenjährige schwankte als sie vom Stuhl auf stand auf ihren Beinen wie ein junger Baum im Sturm, ihre Augen waren trüb und ihre Bewegungen fahrig.

​Bevor die Kleine drohte, den Halt auf dem glatten Parkett des Speisesaals zu verlieren, war Kai bereits bei ihr. Mit einer Selbstverständlichkeit, die jeden Kontrast zu seiner unnahbaren Haltung während des Essens bildete, beugte er sich herab und nahm Sayuri mit einem einzigen, geschickten Handgriff auf den Arm. Sayuri, die sich instinktiv an seinem Revers festklammerte, lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Kaum hatte sie die vertraute Wärme ihres Vaters gespürt, fielen ihre Augenlider zu. Schon nach wenigen Sekunden, noch bevor Kai den Saal verlassen hatte, war ihr gleichmäßiger, tiefer Atem das einzige Geräusch, das von ihr ausging.

​Graham übernahm diskret die Führung. Er lotste die Familie durch das Labyrinth der hohen Gänge von Davies Hall, wobei er sicherstellte, dass Ren und Ayumi sicher ihre eigenen Zimmer erreichten, die sich in diesem alten Herrenhaus wie kleine, private Inseln anfühlten. Er öffnete ihnen die Türen und achtete darauf, dass alles Nötige für die Nacht bereitstand.

​Nami begleitete Kai, der Sayuri sicher in ihr Zimmer trug. Als sie das kleine Mädchen behutsam in die Daunendecken betteten, war es ein Moment purer, familiärer Stille, der in starkem Kontrast zu der noch immer im Haus schwelenden Anspannung des restlichen Teams stand.
 

​Erst als die Zwillinge in ihren eigenen Zimmern versorgt waren und Sayuri fest in ihrem Bett schlummerte, zog sich das Ehepaar in die Davies Suit zurück. Graham verneigte sich kurz vor ihnen, ein Ausdruck stiller Anerkennung in seinem Blick, und ließ die beiden dann allein. Dieser kurze Weg durch die nächtlichen Korridore von Davies Hall war wie eine Schleuse gewesen, die sie endgültig aus der Rolle der „Hiwatari-Oberhäupter“ in die Stille ihrer eigenen, privaten Welt entließ.

Wenig später...in der Stille ihrer Suite in Davies Hall, war das einzige Geräusch das ferne Ticken einer Standuhr und das ferne Rauschen der Londoner Innenstadt welches durch das offene Fenster drang. Kai stand am bodentiefen Fenster, ein Glas schweren Rotweins in der Hand, und blickte hinaus auf die weitläufigen, im Mondlicht silbrig schimmernden Gärten. Er hatte bereits die Kleidung abgelegt und stand nur noch in Jogginghose bekleidet da.

​Nami trat lautlos an ihn heran. Sie legte ihre Hand sanft auf seinen Rücken und spürte die Wärme die er ausstrahlte. „Du hast ihn heute Abend gerettet, Kai“, sagte sie leise. „Dein Auftreten im Speisesaal... es hat ihm den Raum gegeben, den er brauchte, um wieder zu sich selbst zu finden. Es war richtig Hiromi mitzunehmen. Ich bin sicher, dass sie wieder zu sich gefunden haben“

​Kai schwieg einen Moment, sein Blick blieb starr auf den Horizont gerichtet. Dann stellte er das Glas auf den kleinen Beistelltisch und drehte sich langsam zu ihr um. Seine roten Augen, die vorhin noch wie glühende Kohlen auf Ryan Hunt gerichtet waren, wirkten nun müde, aber tiefgründig und sanft.

​„Er ist wie ich, Nami“, begann er, und seine Stimme war so tief und rau, dass sie direkt unter ihre Haut ging. „Er glaubt, dass Stärke bedeutet, die Welt allein auf den Schultern zu tragen. Dass Gefühle eine Schwachstelle sind, die man ausmerzen muss, um unbesiegbar zu sein. Er hat diesen Stolz von mir...und diesen verdammten Dickkopf.“

​Er machte einen Schritt auf sie zu und nahm ihre Hände in seine, seine Finger umschlossen die ihren mit einer festen, besitzergreifenden Zärtlichkeit.

​„Ich habe mich heute Abend einmal mehr in ihm gesehen. Den Kai, der früher dachte, er bräuchte niemanden. Aber dann sah ich dich an... und mir wurde wieder klar, dass ich ohne dich niemals der Mann geworden wäre, der heute hier steht.“ Er hielt inne, sein Blick suchte den ihren, und zum ersten Mal seit langer Zeit war keine Spur von der kühlen Maske des Tachiwari-Vorsitzenden mehr zu sehen.

​„Meine Liebe zu dir ist das Fundament von allem, was ich bin. Du bist das Licht, das meine Dunkelheit im Zaum hält, genau wie Hiromi es jetzt für Gou tut. Vergib mir bitte weiterhin...wenn meine besitzergreifende Art wie so oft...die Überhand nimmt.“

​Er hob eine Hand und strich ihr eine silberweiße Locke aus dem Gesicht, seine Berührung war so zart, als fürchtete er, sie könnte zerbrechen. „Ich liebe dich mehr, als ich jemals in Worte fassen kann. Diese Familie, dieser Zusammenhalt... das ist dein Werk. Und ich werde alles tun, um dieses Licht zu schützen...für uns und für unsere Kinder.“

​Nami spürte, wie ihr Herz bei seinen Worten überlief. Es war selten, dass Kai sich so verletzlich zeigte, dass er die Mauern um sein eigenes Inneres so weit einriss. Sie lehnte ihre Stirn gegen seine und schloss die Augen, während sie die tiefe Verbundenheit spürte, die sie seit Jahren zusammenschweißte.

Sie lächelte, ein sanftes, wissendes Lächeln, das ihre Züge im hellen Licht des Mondes erstrahlen ließ. Sie löste eine Hand aus seinem Griff und legte sie flach auf seine Wangen, wobei ihr Daumen zärtlich über die markante Linie seines Kiefers strich.

​„Kai“, hauchte sie, und in ihrer Stimme schwang eine tiefe Zärtlichkeit mit. „Vielleicht merkst du es selbst gar nicht mehr, aber ich sehe es in jedem deiner Blicke, ich fühle es in der Art, wie du mich hältst, und in der Sicherheit, die du dieser Familie gibst. Du musst nicht befürchten, dass ich es jemals bezweifle, wie sehr du diese Worte wirklich meinst...“

​Sie blickte ihm tief in die Augen.

​„Ich liebe dich, Kai. Und ich liebe dich genau so, wie du bist“, fuhr sie fort, während ihr Blick in seinen roten Augen versank. „Ich weiß, warum du manche Dinge so tust, wie du sie tust. Ich kenne die Last, die du trägst, und die Mauern, die du zum Schutz um uns alle errichtest. Ich habe dich schon immer so geliebt wie du bist...mit all deiner Stärke und auch mit deiner Kühle, weil ich weiß, welches Feuer darunter für uns brennt.“

​Sie legte ihren Kopf kurz an seine Schulter und genoss den Moment der vollkommenen Zweisamkeit, bevor sie wieder zu ihm aufsah.

​„Ich bin so froh, dass du diese Reise vorgeschlagen hast“, gestand sie leise. „Dass es deine Idee war, so spontan aufzubrechen... das war genau das, was Gou gebraucht hat. Es hat ihm gezeigt, dass er nicht nur ein Erbe ist, sondern ein Sohn, für den sein Vater alles stehen und liegen lässt. Du hast heute bewiesen, dass Familie bei dir immer an erster Stelle steht, egal wie groß die Tachiwari-Corporation auch wachsen mag.“

​Kai schloss für einen Moment die Augen und atmete den vertrauten Duft ihres Haares ein. Die Anspannung der letzten Tage schien endgültig von ihm abzufallen. Er legte seine Arme fest um ihre Taille und zog sie an sich, während die Stille der Suite sie wie ein schützender Kokon umhüllte.

​„Solange ich dich an meiner Seite habe“, murmelte er gegen ihr Haar, „gibt es keinen Kampf, den ich nicht gewinnen kann. Und keinen Weg, den ich nicht für unsere Kinder ebnen würde.“
 

Nami lächelte ehe sie ihm einen sanften Kusd auf die Wange gab.

​„Du bist seit einer Woche wieder so nachdenklich, Kai“, stellte sie leise fest, als sie ihre Hand sanft auf seinen Arm legte. „Du grübelst viel mehr als sonst. Selbst hier in London, wo eigentlich alles unter Kontrolle ist.“

​Kai sah sie an, und in seinen roten Augen lag eine seltene Offenheit, die nur sie jemals zu sehen bekam.

​„Ich mache mir manchmal Sorgen“, gab er mit einer für ihn ungewohnten Aufrichtigkeit zu. „Sorgen, dass du denken könntest, ich nehme all das hier... deine Treue, deine Liebe zu mir... als etwas Selbstverständliches hin. Dass ich den Fokus zu sehr auf die Tachiwari-Corporation oder das Erbe der Hiwatari lege und dabei vergesse, dir zu zeigen, dass du mein ganzer Mittelpunkt bist.“

​Nami musste lächeln.

​„Kai, sieh uns doch mal an“, sagte sie neckend und ließ ihren Blick zwischen ihnen hin- und herwandern. „Wir kleben doch ständig aneinander. Ob im Garten, im Salon oder wenn wir uns hierher zurückziehen...wir sind fast nie getrennt. Dass du dir überhaupt Gedanken darüber machst, ist schon der beste Beweis dafür, wie sehr du mich schätzt. Wir hängen so sehr aneinander, dass sich sogar die Kinder ständig über unser Rumgeschmuse beschweren“

​Sie strich ihm mit dem Daumen über die Wange und blickte erneut in seine intensiven Augen. „Außerdem...“ Sie machte eine kurze Pause, ihre Stimme wurde eine Nuance tiefer und sanfter. „...ich liebe diese besitzergreifende Art von dir immer noch. Ich liebe es, wie du mich ansiehst und wie du mich hältst. Gerade wenn es gepaart ist mit dieser Leidenschaft und der Zärtlichkeit, die du nur mir zeigst...das ist genau der Kai, den ich vor so vielen Jahren geheiratet habe und den ich heute noch mehr liebe als damals.“

​Kai spürte, wie der Knoten in seinem Inneren sich bei ihren Worten vollends löste. Er legte seine Hände an ihre Wange und zog sie in einen langen zärtlichen Kuss.

​„Du bist meine Konstante, mein Schatz“, flüsterte er gegen ihre Stirn, und seine Stimme war nun vollkommen frei von der Schwere des Tages. Nami legte ihre Hände über seine.

„Und du meine...für immer.“

Während Nami Kais vertrauten Duft einatmete und seine warme Nähe genoss, überkam sie plötzlich ein herzhaftes Gähnen, das sie nicht einmal mehr hinter ihrer Hand verbergen konnte. Ihre Augenlider wurden schwer, und ein kurzer Blick zur massiven, kunstvoll geschnitzten Standuhr in der Ecke des Raumes bestätigte ihre Erschöpfung: Es war gerade einmal 20:25 Uhr. Der lange Flug, die Aufregung des Tages und die Ankunft in einer neuen Zeitzone forderten nun unerbittlich ihren Tribut.

​Kai, der ihre Müdigkeit schon seit einer Weile beobachtete, schmunzelte leise. Die Anspannung der letzten Stunden war aus seinem Gesicht gewichen und hatte einem Ausdruck von sanfter Fürsorge Platz gemacht. Bevor Nami auch nur reagieren konnte, glitt sein Arm unter ihre Kniekehlen und sein anderer legte sich fest um ihren Rücken. Mit einer fließenden, beinahe mühelosen Bewegung hob er sie hoch.

​Nami stieß ein überraschtes, leises Auflachen aus, das jedoch sofort in ein zufriedenes Seufzen überging, als sie sich in seinen starken Armen einkuschelte. „Kai...“, murmelte sie schläfrig, während ihr Kopf auf seine Schulter sank.

​„Da ist wohl jemand dem Jetlag endgültig verfallen“, neckte er sie leise, während er sie mit sicheren Schritten Richtung Schlafzimmer trug. Er spürte, wie sie sich an ihn schmiegte, als wäre sie bereits halb im Traum verloren. „Du bist erschöpft, mein Schatz“

​„Und du?“, fragte sie mit geschlossenen Augen, ihre Stimme kaum mehr als ein zittriges Flüstern. „Bist du nicht auch... müde?“

​Kai ging an der Bettkante in die Knie und legte sie behutsam auf die weichen Kissen, doch er behielt seinen Arm noch einen Moment lang schützend um sie. „Sobald ich den Kopf hinlege, werde ich definitiv innerhalb von wenigen Minuten eingeschlafen sein“, antwortete er leise und strich ihr eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn. „Soll ich dich noch ein wenig in den Schlaf streicheln, mein Schatz?“

​Er wartete einen Moment auf eine Antwort, doch es blieb still. Als er zu ihr hinunterblickte, sah er, dass Nami bereits in einen tiefen, friedlichen Schlaf gefallen war...noch bevor er sie richtig in die Decken hatte einhüllen können.

​Ein tiefes, zufriedenes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er betrachtete sie einen Augenblick lang in der Stille des Raumes, das Mondlicht zeichnete ihre wunderschönen Gesichtszüge weich nach. Er wusste, dass morgen ein langer, fordernder Tag auf sie alle warten würde, aber in diesem Moment gab es nichts, das wichtiger war als diese Ruhe. Er stand auf löschte das Licht, legte sich vorsichtig neben sie und spürte, wie auch ihn die angenehme Erschöpfung einholte, während er sie sanft in seine Arme zog. Innerhalb weniger Atemzüge war es auch im Zimmer von Kai und Nami vollkommen still.
 

Der nächste Morgen in Davies Hall brach mit einer kühlen, englischen Klarheit an. In einem der kleineren, gemütlicheren Frühstückssalons hatte sich die Familie versammelt ein seltener Anblick von familiärer Normalität in dieser prunkvollen Umgebung.

​Als Gous Teammitglieder den Raum betraten, hielten sie kurz inne. Die Szenerie, die sich ihnen bot, war das genaue Gegenteil der frostigen Stimmung des Vorabends. An einem großen, reich gedeckten Tisch saßen Gou und Hiromi eng beieinander, als hätte es die schmerzhafte Distanz nie gegeben. Hiromi reichte Gou eine Tasse Tee, ihre Finger berührten sich dabei, und der Blick, den Gou ihr zuwarf, war alles andere als der eines distanzierten Team-Captains.

​Ryan Hunt, der als Erster das Wort ergriff, verschluckte sich beinahe an seinem Orangensaft. „Ich dachte, das wäre... erledigt?“, flüsterte er sichtlich verwirrt in Richtung Seiya. Die Überraschung stand dem gesamten Team ins Gesicht geschrieben. Sie hatten erwartet, dass ihr Captain heute Morgen mit noch kälterer Miene auftreten würde, doch was sie sahen, war ein Gou, der wirkte, als hätte er eine enorme Last von seinen Schultern abgeworfen.

​Nami und Kai beobachteten die Szene mit einem amüsierten, aber zufriedenen Lächeln vom Kopfende des Tisches. Die Kinder wirkten ebenfalls gelöst; Sayuri saß auf einem Stuhl, die Beine baumelnd, und erzählte Ayumi und Ren eifrig von ihrem Traum, während Graham, wie ein unsichtbarer Geist, für das perfekte Timing bei den Speisen sorgte.

​Plötzlich öffneten sich die schweren Doppeltüren mit einem leisen Klicken. Lord Eric Davies trat ein. Er sah mit seinem silbrig weißen Haar und den magentafarbenen Augen so aristokratisch aus, wie man es nur von einem Mann seines Standes erwartete. Sein Blick war kühl, als er den Raum scannte, doch sobald er die Familie erblickte, wandelte sich sein Gesichtsausdruck in ein sanftes, aristokratisches Lächeln.

​„Guten Morgen“, sagte Eric mit seiner sonoren, ruhigen Stimme. Er schritt zielstrebig auf Nami und Kai zu, wobei er seine aufrechte, kraftvolle Haltung beibehielt. Er legte Nami kurz die Hand auf die Schulter und nickte Kai respektvoll zu. „Ich sehe, die Atmosphäre hier hat sich über Nacht merklich gewandelt.“

​Er setzte sich an den Tisch und richtete seinen Blick dann auf das Team, das noch immer etwas unsicher beisammen saß. „Genießen Sie die Ruhe, meine Damen und Herren. Es ist ein Privileg, im Hause Davies zu frühstücken, aber noch größer ist das Privileg, mit jemandem wie Gou im Team zu arbeiten, der wieder mit vollem Fokus bei der Sache ist.“

​Kai lehnte sich leicht zurück, sein Blick war aufmerksam, aber völlig entspannt. „Das Finale wird kein Spaziergang, Eric“, sagte er leise, wobei er den Blick kurz zwischen Gou und seinem Team hin- und herwandern ließ. „Aber wie man sieht, sind sie bereit. Wenn man das Fundament wieder richtig ausgerichtet hat, kann man jeden Sturm überstehen.“

​Nami lächelte. „Es wird ein langer Tag, Onkel Eric. Aber heute haben wir den Rückenwind, den wir so dringend gebraucht haben.“

​Das Frühstück entwickelte sich in eine Richtung, die niemand erwartet hätte. Der Respekt gegenüber Kai war ungebrochen, doch die Anwesenheit von Lord Eric und die offensichtliche Harmonie zwischen Gou und Hiromi sorgten dafür, dass die jungen Blader nach und nach ihre Hemmungen ablegten. Die Gespräche wurden lebhafter, das anfängliche Zögern wich einem echten Teamgeist, während Kai und Nami, die wie eine unerschütterliche Einheit am Kopfende des Tisches saßen, das Geschehen mit einer stillen Souveränität überwachten. Sie wussten, dass sie ihre Rolle als Oberhäupter in diesem Moment perfekt ausfüllten: Sie waren nicht nur die Unterstützung für ihre Kinder, sondern auch das Fundament, auf dem dieser gesamte Erfolg aufbaute.
 

Das Frühstück in Davies Hall neigte sich dem Ende zu, und während die Sonne nun in voller Kraft durch die hohen Fenster des Saales schien, wandelte sich die Stimmung im Raum erneut. Die anfängliche Erleichterung über die wiedergefundene Harmonie zwischen Gou und Hiromi machte nun der zielstrebigen Vorfreude auf das anstehende Finale Platz. Doch für Kai und Nami war dieser Vormittag mehr als nur die Vorbereitung auf einen sportlichen Wettkampf; es war der Moment, in dem die Hiwatari-Oberhäupter wieder ihre geschäftlichen Rollen einnehmen mussten.

​Kai erhob sich, sein Blick kurz zu Gou gewandt, dem er ein kaum merkliches, aber vielsagendes Nicken der Anerkennung schenkte. Er tauschte einen kurzen, bedeutungsvollen Blick mit Nami. Sie wusste, was das bedeutete: Es war Zeit.

​„Wir werden für einige Stunden abwesend sein und dann im Finale in einer der VIP Logen Platz nehmen. Graham wird dafür Sorge tragen, dass der Rest unserer Kinder ebenfalls dort mit uns zusammenfindet.“, erklärte Kai mit seiner gewohnt kühlen, aber verbindlichen Stimme, die jeden Zweifel an der Wichtigkeit ihrer Aufgabe im Keim erstickte. „Das Finale ist nicht nur eine Frage des Könnens auf dem Beystadium, sondern auch der Organisation dahinter. Ich erwarte von euch allen volle Konzentration.“

​Während der Rest der Familie im Anwesen blieb, machten sich Kai und Nami auf den Weg in die Londoner Innenstadt. Das Treffen mit den Organisatoren der Weltmeisterschaft fand in einem beeindruckenden Konferenzzentrum statt, das Eleganz und geschäftliche Strenge ausstrahlte.

​Als sie den Tagungsraum betraten, spürte man augenblicklich eine Veränderung in der Luft. Die Verantwortlichen, die bereits anwesend waren, verstummten. Es war unübersehbar: Der „Hiwatari-Clan“ war nicht gekommen, um nur zuzusehen oder diplomatische Höflichkeitsfloskeln auszutauschen...sie waren gekommen, um Dominanz zu zeigen.

​Stanley Dickenson, der für die offizielle Organisation des Turniers verantwortlich war, kam ihnen sogleich mit einem breiten, sichtlich erfreuten Lächeln entgegengeeilt. „Kai! Nami!“, rief er aus und schüttelte Kai kräftig die Hand, während er Nami eine respektvolle Verbeugung anbot. „Ich bin vollkommen entzückt, dass Sie beide die lange Reise auf sich genommen haben. Ihre Anwesenheit verleiht diesem Finale ein ganz anderes Gewicht. Es ist ein Privileg, Sie hier in London begrüßen zu dürfen.“

​Doch die Überraschungen des Tages waren damit noch nicht zu Ende. Inmitten der geschäftigen Runde der Offiziellen entdeckte Nami ein bekanntes Gesicht. Ray Kon, der vor einigen Tagen angereist war, um sein Team, die New White Tigers im Finale zu unterstützen, stand ein wenig abseits. Als er Kai und Nami bemerkte, trat er mit seinem gewohnt ruhigen Lächeln auf sie zu.

Kai, dessen Gesichtszüge bei den geschäftlichen Gesprächen noch maskenhaft starr gewesen waren, entspannte sich sichtlich. Ein seltenes, echtes Funkeln trat in seine roten Augen. „Ray“, sagte er, und seine Stimme hatte nun jenen rauen Unterton von echter Verbundenheit, der nur bei Menschen durchbrach, die ihn seit Jahrzehnten kannten. Er trat einen Schritt vor, reichte Ray die Hand und schmunzelte.

​„Es ist verdammt lang her“, fügte Kai hinzu, und man konnte in seinem Tonfall hören, wie sehr er es schätzte, Ray hier zu wissen.

​Nami trat neben ihren Mann und legte eine Hand auf seinen Unterarm, während sie Ray mit einem herzlichen, strahlenden Lächeln begrüßte. Sie war diejenige, die die formelle Distanz der Umgebung vollends durchbrach. „Ray, es ist so schön, dich endlich wiederzusehen!“, sagte sie herzlich und umarmte ihn kurz. „Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, wann wir euch endlich in London über den Weg laufen würden.“

​Sie löste sich wieder und blickte ihn neugierig und liebevoll an. „Wie geht es Mariah? Und wie ist unsere kleine Lin? Sie muss ja mittlerweile schon fast genau wie Sayuri aus dem Gröbsten heraus sein, oder?“

​Ray lachte, ein ehrliches, warmes Lachen, das die strenge Atmosphäre des Konferenzzentrums für einen Moment völlig vergessen ließ. „Mariah lässt euch beide herzlich grüßen. Sie hat sich furchtbar geärgert, dass sie diesmal nicht mitkommen konnte, aber Lin hält sie ordentlich auf Trab. Sie wächst viel zu schnell, Nami. Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht.“

​Er machte eine kurze Pause, und ein fast verschmitztes, aber auch hoffnungsvolles Leuchten trat in seine Augen, als er den Blick kurz zwischen Kai und Nami hin- und herwandern ließ. „Um ehrlich zu sein... Mariah und ich sind gerade dabei, unser Glück vielleicht noch ein wenig zu vergrößern. Wir versuchen es mit einem zweiten Kind.“

​Nami strahlte ihn an, und ihre Augen begannen vor Freude zu leuchten. „Oh, Ray, das ist ja wundervoll! Das sind wirklich großartige Neuigkeiten. Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass es bald klappt!“

​Kai nickte Ray zustimmend zu, und in seinem Blick lag eine tiefe, stille Anteilnahme. „Das ist ein guter Weg, Ray“, sagte er ruhig. „Es gibt nichts, was einen mehr erdet als die eigene Familie. Wenn ihr Unterstützung braucht...egal welcher Art...weißt du, dass du dich jederzeit melden kannst.“

​In diesem Moment war die „Diplomatie des Erfolgs“ nur noch ein Hintergrundrauschen. Die Verantwortlichen des Turniers, die das Trio beobachteten, wirkten fast irritiert. Sie hatten erwartet, das Hiwatari-Oberhaupt in einem Machtspiel zu sehen, doch stattdessen sahen sie einen Mann, der sich offen und herzlich mit einem alten Freund über das Leben, Kinder und die Zukunft unterhielt. Es war eine machtvolle Demonstration: Wer so treue Freunde an seiner Seite hatte, musste in keinem Wettkampf mehr befürchten, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Kai und Nami wirkten in ihrer Einheit mit Ray nicht nur wie geschäftliche Größen, sondern wie ein Bollwerk aus Vertrauen und Beständigkeit.

Ray lächelte bei Kais Angebot dankbar, doch dann wurde sein Blick etwas nachdenklicher, als er den Blick über die große Halle schweifen ließ, in der die Vorbereitungen für das Finale in vollem Gange waren.

​„Das Finale wird ohnehin ein interessantes Kapitel“, begann Ray und wandte sich wieder an das Ehepaar. „Meine New White Tigers sind gut in Form, aber ihr habt ja sicher die letzten Runden im Fernsehen verfolgt, oder? Es ist beeindruckend, wie sich das Niveau in diesem Jahr gesteigert hat.“

​Nami tauschte einen kurzen, ehrlichen Blick mit Kai aus. „Um ganz ehrlich zu sein, Ray, die letzten Wochen im Tower waren... intensiv. Wir hatten so viel mit der Corporation zu tun und der Fokus lag – was Gou angeht – so sehr auf dem eigenen Team, dass wir kaum dazu kamen, die anderen Kämpfe im Fernsehen zu verfolgen.“

​Ray schmunzelte verständnisvoll. „Das hatte ich mir fast gedacht. Dann ist euch wohl auch nicht aufgefallen, dass einer der Blader in meinem Team eine sehr direkte Verbindung zu eurer Familie hat.“

​Kai zog leicht eine Augenbraue hoch, seine Aufmerksamkeit war sofort geschärft. „Was meinst du damit, Ray?“

​„Tian Wong“, antwortete Ray und deutete auf einen jungen Athleten, der am anderen Ende des Raumes gerade mit einem Offiziellen sprach. „Er ist der Sohn von Maylin und Lee.“

​Nami hielt mitten in der Bewegung inne, ihre Augen weiteten sich vor Überraschung. „Maylin? Aber... ich wusste gar nicht, dass sie und Lee...“

​„Sie haben geheiratet“, ergänzte Ray ruhig, wobei er den Blick kurz senkte. „Ich habe es wohl nie explizit erwähnt, weil ich weiß, dass es zwischen euch und Maylin eine... nennen wir es komplizierte und unschöne Vergangenheit gab. Ich wollte das Thema einfach nicht forcieren, wenn ihr mich nicht explizit danach gefragt habt.“

​Kai blieb vollkommen ruhig, doch in seinem Blick lag eine plötzliche, tiefe Konzentration. Die Erwähnung der gemeinsamen Vergangenheit mit Maylin ließ kurz das Echo alter Kämpfe und Spannungen aufblitzen, doch er unterdrückte jede Regung. Er betrachtete Tian Wong, der nun ebenfalls in ihre Richtung blickte. Der dreizehnjährige hatte eine disziplinierte Haltung, die an die besten Zeiten von Rays Training erinnerte.

​„Er ist also bei den New White Tigers“, stellte Kai fest, seine Stimme neutral, aber mit einem Unterton von neuem Interesse. „Das macht das Finale am Abend nicht nur zu einem sportlichen Vergleich, sondern zu einer Familienangelegenheit, von der wir nichts wussten.“

​Nami erholte sich schneller von der Überraschung. „Es ist eine kleine Welt, Ray. Und es ist schön zu hören, dass es Maylin gut geht.“ Sie legte ihre Hand wieder auf Kais Arm, um ihn zu erden. „Vielleicht ist dieses Finale ja die Gelegenheit, alte Kapitel endlich als das zu sehen, was sie sind: Vergangenheit.“

​Kai nickte langsam, während sein Blick bei dem jungen Tian Wong verweilte. Die geschäftliche Atmosphäre war vollends der Realität gewichen...der Welt ihrer Freunde und Verwandten, die ihre eigenen Wege gegangen waren. „Möge der Beste gewinnen“, sagte Kai schließlich zu Ray, und diesmal schwang in seinem Tonfall ein ehrlicher Respekt mit, der über die geschäftliche Diplomatie weit hinausging.
 

Ein paar Stunden später...

Es war 14:00 Uhr, als Kai und Nami die exklusive VIP-Loge im Stadion betraten. Die Atmosphäre war bereits elektrisierend, das dumpfe Grollen der Zuschauermassen drang gedämpft durch die schalldichten Scheiben. Die Vorfreude auf das Finale, das in genau sechzig Minuten beginnen sollte, lag schwer in der Luft.

​In der Loge hatten sich bereits Graham, die Kinder und Lord Eric Davies eingefunden. Als Kai und Nami den Raum betraten, änderte sich die Stimmung sofort. Sayuri, die vor Energie nur so sprühte, rannte auf ihre Eltern zu und wurde von Nami mit einem strahlenden Lächeln in die Arme genommen.

​Kai hingegen steuerte direkt auf Graham zu, der wie eine Statue im Hintergrund stand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Kai musterte ihn mit einem prüfenden Blick, der keine Details ausließ. „Graham“, begann er mit einem Anflug von Strenge, „ich hatte ausdrücklich angeordnet, dass du dich innerhalb dieser drei Wochen hier ein wenig ausruhen sollst. Du siehst nicht aus, als hättest du auch nur eine Minute geschlafen.“

​Graham neigte den Kopf, sein Gesichtsausdruck blieb vollkommen ungerührt. „Master Kai, ich kann Ihnen versichern, dass ich meine täglichen Ruhephasen exakt nach Ihrem Wunsch gestaltet habe“, antwortete er in seinem gewohnt trockenen, fast schon monotonen Tonfall. „Während ich Davies Manor und Davies Hall inspizierte, habe ich mich äußerst effizient ausgeruht. Ich habe mich lediglich der kleinen Notwendigkeit gewidmet, die Staubkörner auf jeder Oberfläche...selbst auf den filigransten Statuen...zu zählen. Eine sehr meditative Tätigkeit, ich versichere Ihnen Sir, das war höchst erholsam.“

​Kai verdrehte unmerklich die Augen, während ein fast unsichtbares Lächeln über seine Lippen huschte. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit dem alten Butler zu diskutieren.

​Währenddessen hatte Nami sich Lord Eric Davies zugewandt. Der Aristokrat wirkte in der noblen Umgebung der Loge völlig in seinem Element. Er erkundigte sich höflich nach ihrem Befinden, doch das Gespräch wandte sich schnell ihrer Cousine zu. „Und Lumina?“, fragte Eric und strich sich über sein akkurates silbernes Haar. „Wie ergeht es ihr und Tala in diesem hektischen Shinjuku?“

​Nami lächelte bei der Erwähnung von Lumina. „Ihr geht es fantastisch, Onkel Eric. Sie ist glücklicher denn je. Tatsächlich versuchen Tala und sie gerade, ein Kind zu bekommen...sie sind in dieser Hinsicht sehr zuversichtlich.“

​In dem Moment, als die Worte ihre Lippen verließen, erstarrte Nami. Sie sah Erics Gesicht, das vor Überraschung förmlich erstarrte; seine magentafarbenen Augen weiteten sich einen winzigen Bruchteil, bevor er die Haltung eines Mannes wahrte, der durch nichts aus der Fassung zu bringen war.
 

​~Wieso sag ich sowas denn?~
 

schoss es Nami durch den Kopf, und sie hätte sich für ihre Offenheit am liebsten selbst ohrfeigen können. Das war ein so intimes Detail, und sie hatte es in einer flüchtigen Sekunde einfach ausgeplaudert.

​Eric räusperte sich leise, die aristokratische Maske fest zurück an ihrem Platz, doch das Funkeln in seinen Augen verriet eine fast überbordende Begeisterung. Er beugte sich ein Stück vor. „Das... nun, das sind in der Tat sehr erfreuliche Neuigkeiten, Nami. Lumina ist also bereit für den nächsten Schritt.“ Er machte eine kurze Pause, die Haltung perfekt aufrecht, und sah Nami mit einem prüfenden, aber sanften Blick an. „Und bei Euch? Ist die Familienplanung im Hiwatari-Anwesen nun endgültig abgeschlossen, oder darf man in naher Zukunft noch weitere Überraschungen dieser Art erwarten?“

​Nami spürte, wie eine leichte Röte ihre Wangen hinaufkroch, während sie sich kurz zu Kai umsah, der gerade noch damit beschäftigt war, Grahams „Ruhemodus“ zu kommentieren, ehe ihr Blick wieder leicht peinlich berührt zu ihrem Onkel zurückkehrte.
 

Nami hatte gehofft, das Gespräch über ihre Familienplanung sei im Trubel untergegangen, doch Kais scharfe Sinne ließen ihr keine Chance. Als sie spürte, wie seine Hände plötzlich fest und besitzergreifend ihre Taille umschlossen, wusste sie, dass er...mal wieder...jedes Wort gehört hatte. Sie warf ihm einen herausfordernden Blick über die Schulter zu, ein stilles Spiel der Provokation...doch die Reaktion, die sie erntete, ließ sie innerlich innehalten.

​Kai sah zu Lord Eric hinüber, ein amüsiertes, aber bestimmtes Lächeln auf den Lippen. „Bitte bring meine Frau nicht auf dumme Gedanken, Eric“, entgegnete er ruhig. „Vier Kinder sind mehr als genug, um das Anwesen in Atem zu halten.“

​Eric, der aristokratisch gelassen an seinem Drink nippte, erwiderte trocken: „Ach, Kai, bei dem Platz, den ihr beide im Anwesen habt, würde ein fünftes Kind das Gleichgewicht wohl kaum erschüttern. Eine große Familie ist das größte Erbe, das man hinterlassen kann...leider, hatten meine Frau und Ich das Pech, nicht noch mehr Kinder als Lumina, in die Welt setzen zu dürfen....“

​Nami spürte, wie sich Kais Griff um ihre Taille minimal veränderte, als er sich wieder ihr zuwandte. Sein Blick war nicht mehr der des kühlen Geschäftsmannes; er war überraschend weich, beinahe verletzlich. Er hob langsam ihre Hand und drückte einen zärtlichen, fast andächtigen Kuss auf ihre Knöchel.

​„Das kann schon sein“, murmelte er, und seine Stimme war leicht brüchig. „Aber... ich will meine Frau nie wieder so hilflos sehen, wie ich es in den Momenten der Geburt erlebt habe. Dieser Anblick... das hat mich jedes Mal innerlich zerrissen. Das war eine Belastung, die ich kein weiteres Mal ertragen kann...und ihr auch nicht zumuten will“

​Nami erstarrte. Sie starrte ihn aus großen, staunenden Augen an. Dass Kai, der stets die Kontrolle verkörperte, sich von seiner Angst um sie so offen angreifbar zeigte, war etwas, das er ihr gegenüber...was dieses Thema betraf...noch nie in Worte gefasst hatte. Es war ein tiefes Geständnis von Liebe und menschlicher Schwäche, das ihn in ihren Augen nur noch menschlicher und wertvoller machte....als er ohnehin schon war.

​Bevor sie jedoch darauf reagieren oder ihm ihre eigenen Gefühle dazu offenbaren konnte, bemerkte sie, wie er die Maske der Professionalität wieder leicht über sein Gesicht gleiten ließ. Er entzog sich dem intimen Moment, indem er das Thema mit einer geschickten Handbewegung zu den Monitoren im Raum lenkte.

​„Aber...lassen wir doch das Thema...“, sagte er und wies mit einer Kopfbewegung auf die Übertragung in der Arena, „das Aufwärmtraining hat begonnen. Das Finale gegen die New White Tigers wird eine taktische Meisterleistung erfordern. Gou und sein Team müssen jetzt zeigen, ob sie das, was sie die letzten Wochen gelernt haben, unter diesem Druck erneut abrufen können.“

​Er hatte das Thema tatsächlich gewechselt, doch Nami spürte noch immer das Brennen seiner Lippen auf ihren Knöcheln. Die Stille, die er ihr nun entgegnete, war kein Verschließen...es war ein geschützter Raum für ein Geheimnis, das nun zwischen ihnen stand und ihre Bindung auf eine Weise festigte, die kein Wort hätte ausdrücken können.

Sie drückte kurz seine Hand, die noch immer an ihrer Taille lag, um ihm zu zeigen, dass sie ihn verstanden hatte, und wandte ihren Blick ebenfalls der Arena zu. Das Finale stand unmittelbar bevor.



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von: haki-pata
2026-03-16T15:15:51+00:00 16.03.2026 16:15
Wie klein die Welt manchmal ist. Und wen man alles so trifft.
😊

Gou hat endlich seinen fehlenden Teil. Und Hiromi den ihren.
Den beiden nicht weniger, als die Ewigkeit.

Antwort von:  Soralina
16.03.2026 16:19
Schön, dass dir die Story jetzt besser zu gefallen scheint xD danke für deinen Kommentar ♡


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