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Wenn Musik nicht reicht

Ein Vogel, der nicht fortflog
von

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Goldhamster fällt den Vorhang

„Da drüben liegt sie!“
 

Buddy stolperte fast über eine Wurzel, als er durch den dunklen Wald zeigte.
 

Zwischen den Bäumen, halb im Schnee, lag eine kleine Gestalt.
 

Hannes’ Herz setzte einen Schlag aus.
 

„Az!“
 

Mit zwei schnellen Schritten war er bei ihr und ging sofort auf die Knie. Vorsichtig drehte er sie auf den Rücken.
 

Ihr Gesicht war blass.

Ihr Atem flach.
 

„Sie blutet stark“, sagte Buddy leise.
 

Hannes antwortete nicht. Seine Hände zitterten bereits, als er den zerrissenen Stoff ihrer Kleidung anhob und die Wunden sah.
 

„Verdammt…“
 

Tofu quietschte schwach neben ihr und kroch sofort auf Az’ Brust.
 

Hannes schluckte.
 

„Wir bringen sie ins Schloss. Sofort.“
 

Er hob sie hoch, als wäre sie federleicht, obwohl sein Rücken protestierte.
 

„Buddy, los!“
 

Sie rannten.
 

Der Wald rauschte an ihnen vorbei.

Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln.
 

„Hannes…“, begann Buddy vorsichtig.
 

„Nicht jetzt!“
 

Hannes’ Stimme war rau.
 

Er drückte Az enger an sich.
 

„Bleib bei mir, Kleines“, murmelte er. „Du hast doch immer so große Pläne… jetzt ist nicht die Zeit schlappzumachen.“
 

Als sie endlich das Schloss erreichten, war bereits Bewegung im Hof.
 

Lichter wurden angezündet.

Türen aufgerissen.
 

„Ein Arzt!“, rief Buddy.
 

Ein älterer Mann wurde aus seinem Zimmer geholt und sofort zu Az geführt.
 

Die nächsten Minuten fühlten sich an wie Stunden.
 

Verbände.

Wasser.

Blut.

Flüsternde Stimmen.
 

Schließlich richtete sich der Arzt auf.
 

„Sie lebt.“
 

Hannes’ Schultern sanken ein Stück.
 

„Die Wunden sind ernst. Sie hat viel Blut verloren und ist erschöpft. Sie braucht Ruhe.“
 

„Wann wacht sie auf?“, fragte Hannes leise.
 

Der Arzt zuckte leicht mit den Schultern.
 

„Wenn ihr Körper bereit ist.“
 

Dann ließ er Hannes allein mit ihr.
 

Das Zimmer war still.
 

Nur das leise Knacken des Kaminfeuers erfüllte den Raum.
 

Az lag im Bett, bleich, mit frischen Verbänden um Brust und Arme.
 

Tofu saß zusammengerollt auf der Decke und machte ab und zu ein leises, besorgtes Geräusch.
 

Hannes zog einen Stuhl heran und setzte sich neben das Bett.
 

Lange sagte er nichts.
 

Er betrachtete einfach nur ihr Gesicht.
 

Dann seufzte er.
 

„Du musst stark sein“, murmelte er schließlich.
 

Seine Stimme war leise, fast brüchig.
 

„Verdammt noch mal… ich brauch dich doch.“
 

Er fuhr sich durchs Haar.
 

„Du bist so ein Dickkopf.“
 

Ein kleines, trauriges Lächeln huschte über sein Gesicht.
 

„Komplett wie ich.“
 

Er lehnte sich etwas näher zu ihr.
 

„Weißt du… als ich ein Kind war, haben sie mich Goldhamster genannt.“
 

Er schnaubte leise.
 

„Weil ich klein war. Und irgendwie immer Glück hatte.“
 

Sein Blick wurde wieder ernst.
 

„Ich bin aus jedem Mist rausgekommen. Immer.“
 

Er sah auf ihre Hand.
 

Zögernd nahm er sie in seine.
 

„Du musst das auch schaffen. Du kommst doch nach mir…“
 

Seine Stimme wurde rau.
 

„Ich hätte… gern noch eine Chance, dein Vater sein zu können.“
 

Die Worte hingen schwer im Raum.
 

„Nicht nur so halb. Nicht nur irgendwie.“
 

Er schluckte.
 

„So richtig.“
 

Sein Daumen strich vorsichtig über ihre Finger.
 

„Ich möchte gern alles nachholen. Die Jahre. Den ganzen Mist.“
 

Ein langer Atemzug.
 

„Wir könnten uns streiten. Uns anschreien. Uns nerven.“
 

Ein schwaches Lächeln.
 

„So wie echte Familien das eben machen.“
 

Sein Blick wurde weich.
 

„Aber dafür musst du aufwachen.“
 

Er drückte ihre Hand ein wenig fester.
 

Tofu machte ein leises „Kjuu“ und kuschelte sich näher an Az.
 

Hannes blieb einfach sitzen.
 

Und wartete.



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