Zum Inhalt der Seite

Ein neues Turnier

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Der Morgen begann hektisch. Xenia wachte früh auf, die Erinnerungen an den gestrigen freien Tag noch frisch, doch heute wartete das Turnier. Ihr Herz schlug schneller, als sie sich auf den Weg zur Turnierhalle machte. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der WG und das ruhige Lächeln von Erina hatten ihr gutgetan – doch nun galt es wieder, fokussiert zu sein.

„Bereit?“, fragte Erina, als sie Xenia die Haustür öffnete.

Xenia nickte, die Hände um ihr Deck gekrallt. „Ja. Heute wird es ernst. Ich muss alles geben.“

Erina drückte kurz ihre Hand. „Vergiss nicht, ruhig zu bleiben. Du hast das Zeug dazu.“

________________________________________

In der Turnierhalle war die Spannung sofort spürbar. Zuschauer drängten sich, die Luft war voller Erwartung, und Xenia spürte das vertraute Kribbeln in ihrem Magen. Neben der Plattform stand Mai Valentine, die sich diesmal bewusst als Beobachterin positioniert hatte. Ihr charmantes Lächeln wirkte fast wie eine Beruhigung, doch Xenia wusste, dass Mai auch jede ihrer Strategien analysieren würde.

„Konzentriert bleiben“, murmelte Mai. „Kaiba beobachtet alles. Jede Kleinigkeit kann er nutzen.“

Xenia nickte stumm, legte ihr Deck aus und atmete tief durch.

________________________________________

Seto Kaiba erschien wie aus dem Nichts am Rand der Plattform. Seine Präsenz war unverkennbar: Arme verschränkt, kühler, abweisender Blick, der alles zu erfassen schien. Kein Wort, kein Lächeln, nur diese stille, dominante Ausstrahlung, die jeden anderen duellierenden Gegner einschüchterte.

Xenia spürte, wie ihr Puls schneller wurde, doch sie ließ sich nichts anmerken. Heute war sie vorbereitet. Heute wollte sie nicht nur reagieren – sie wollte agieren.

________________________________________

Das Duell begann. Seto eröffnete mit aggressiven Angriffen und komplizierten Strategien, die viele Anfänger leicht überfordert hätten. Xenia jedoch blieb ruhig, analysierte jede Karte, jedes Risiko. Sie setzte ihre eigenen Kombos gezielt ein und begann, die Aktionen von Seto zu antizipieren.

Mai beobachtete interessiert. „Gut. Du reagierst nicht nur, du kontrollierst das Tempo. Perfekt.“

Seto Kaiba, unverändert kühl und abweisend, nickte kaum merklich. „Interessant. Sie hat gelernt, nicht nur zu verteidigen… sie denkt mehrere Schritte voraus.“

Xenia spürte eine Mischung aus Adrenalin und Zufriedenheit. Seto war nicht nur ein Gegner – seine kühle Präsenz trieb sie an, jede Entscheidung perfekt zu machen. Jeder Blick, jede Bewegung schien sie zu analysieren, doch sie ließ sich nicht einschüchtern.

________________________________________

Das Duell erreichte seinen Höhepunkt. Seto setzte alles auf einen mächtigen, riskanten Angriff, der Xenia unter Druck setzen sollte. Doch Xenia reagierte schnell, zog die entscheidende Karte und konterte perfekt. Die Menge hielt den Atem an, bevor der Jubel ausbrach.

Seto Kaiba, immer noch kühl und abweisend, betrachtete Xenia mit einem leichten Stirnrunzeln, das mehr Anerkennung als Ärger ausdrückte. „Effizient. Kein Fehler. Sie hat sich verbessert… deutlich.“

Mai lächelte leicht. „Gut gemacht. Du hast ihn gezwungen, sich anzupassen.“

Xenia atmete schwer, ließ die Schultern sinken. Sie hatte nicht nur das Duell überstanden, sondern auch das Gefühl, Seto ein Stück näher auf Augenhöhe begegnet zu sein.

________________________________________

Zurück in der WG war alles ruhig. Erina bereitete Tee, während Xenia die Karten noch einmal sortierte. Der Alltag half ihr, wieder zu Boden zu kommen, doch in ihrem Kopf spielte sich das Duell noch einmal ab.

„Du bist stark geworden“, sagte Erina. „Und nicht nur als Duellantin. Du hast gelernt, Kontrolle zu behalten.“

Xenia nickte, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. „Ja… aber Seto Kaiba ist noch immer eine Herausforderung. Und das wird er bleiben.“

Die Sonne sank über Domino City, und die WG war erfüllt vom Duft des Tees, der Ruhe des Alltags und der leisen Nachwirkungen des Turniers. Xenia wusste, dass jeder neue Tag neue Duelle, neue Herausforderungen und neue Begegnungen mit Seto Kaiba bringen würde – kühl, arrogant, abweisend… und gleichzeitig faszinierend.
 

Der Nachmittag war ungewöhnlich still in der WG. Xenia saß am Schreibtisch in ihrem Zimmer, das Fenster leicht geöffnet, sodass eine sanfte Brise die Vorhänge bewegte. Vor ihr lag ein Brief – sauber gefaltet, formell, schwer. Ihre Mutter hatte geschrieben. Schon zum dritten Mal in diesem Monat.

„Du hast ihn noch immer nicht geöffnet?“, fragte Erina und blieb im Türrahmen stehen.

Xenia schüttelte den Kopf, ohne aufzusehen. „Ich weiß schon, was drinsteht. Es ist immer das Gleiche. Kritik. Vorwürfe. Und… irgendeine Lektion, wie ich mein Leben angeblich besser führen sollte.“

Erina trat ein, setzte sich aufs Bett. „Du solltest dich nicht fertig machen lassen. Sie weiß nicht, wie du wirklich bist.“

Xenia zuckte mit den Schultern und sah hinaus auf die Straße. Menschen gingen vorbei, das Leben draußen schien leicht, normal. Ganz anders als die Schwere, die sich jedes Mal in ihr breit machte, wenn sie an ihre Mutter dachte.

„Manchmal wünschte ich, es wäre anders“, flüsterte Xenia. „Aber seit Papa gestorben ist… hat sich einfach alles verändert.“

________________________________________

Ihr Vater war gestorben, als sie gerade einmal sechs Jahre alt war. Ein plötzlicher Unfall – und plötzlich war die Welt ein Stück dunkler geworden. Ihre Mutter hatte den Verlust nie richtig verarbeitet. Stattdessen hatte sie alles in sich hineingefressen, bis nur noch Bitterkeit übrig blieb.

Als Xenia acht war, hatte ihre Mutter erneut geheiratet. Ein Mann namens Kenji, freundlich, ruhig, vernünftig – das komplette Gegenteil der emotionalen Unruhe ihrer Mutter. Xenia mochte ihn. Er hatte nie versucht, ihr Vater zu sein, aber er war immer respektvoll und fair geblieben.

Doch ihre Mutter… war geblieben, wie sie war. Kalt, kritisch, distanziert.

Und je älter Xenia wurde, desto mehr prallten ihre eigenen Träume mit dem zusammen, was ihre Mutter für „richtig“ hielt.

________________________________________

„Also willst du den Brief gar nicht erst lesen?“, fragte Erina vorsichtig.

Xenia griff den Umschlag, drehte ihn zwischen den Fingern, als würde er brennen. „Ich weiß, was drinsteht. 'Xenia, du solltest mehr Verantwortung übernehmen. Xenia, du solltest nicht mit Erina zusammenleben, sie tut dir nicht gut.' Immer das Gleiche.“

Erina verzog den Mund. „Tja… immerhin bin ich konsequent in ihrer Meinung.“

Xenia lachte kurz, wenn auch schmerzlich. „Sie glaubt, du wärst ein schlechter Einfluss. Dass du mich… ablenkst. Oder verführst, unvernünftige Entscheidungen zu treffen.“

Erina legte ein Hand aufs Herz und tat übertrieben empört. „Ich? Ein schlechter Einfluss? Ich koch für dich, ich halte dir den Rücken frei und ich höre mir immer deine endlosen Strategien an.“

„Ich weiß.“ Xenia lächelte schwach. „Aber meine Mutter sieht nur… dass du freiheitsliebend bist, offen, laut, selbstständig. Alles, was sie nicht ist.“

„Genau deshalb kommen wir so gut klar“, entgegnete Erina sanft.

________________________________________

Xenia seufzte und legte den Brief schließlich beiseite. „Ich will nicht, dass sie wieder versucht, mein Leben zu kontrollieren. Ich hab mich entschieden auszuziehen. Ich hab mich entschieden, meinen Weg zu gehen.“

„Und du bist nicht allein“, sagte Erina. „Egal, was sie sagt.“

In diesem Moment vibrierte Xenias Handy. Eine neue Nachricht. Sie griff danach – und als sie las, stockte ihr der Atem.

Von: Mama

Wir müssen reden. Es geht um deine Zukunft. Und um Erina. Ich mache mir Sorgen. Bitte komm vorbei.

Xenia starrte auf den Bildschirm, das Herz schwer.

„Und? Was ist es diesmal?“, fragte Erina vorsichtig.

Xenia zeigte ihr die Nachricht. „Sie will, dass ich zu ihr komme. Natürlich geht es wieder um dich.“

Erina schwieg einen Moment, dann sagte sie ruhig: „Wenn du willst, gehe ich mit. Wenn du das nicht willst, gehst du alleine. Und wenn du gar nicht hingehen willst, dann gehst du nicht, Punkt.“

Xenia schloss die Augen. Ein Teil von ihr wollte hingehen – ein anderer wollte weglaufen.

________________________________________

Später am Abend, als sie zusammen am Tisch saßen und das einfache Abendessen genossen, das Erina gekocht hatte, schien die WG trotz der Schwere ein sicherer Ort zu sein. Ein kleiner Hafen im Chaos ihrer Vergangenheit.

„Weißt du“, sagte Erina schließlich, „deine Mutter hat vielleicht Angst, dich zu verlieren. Oder dass du Fehler machst. Aber am Ende ist es dein Leben, Xenia. Du musst entscheiden, wohin du gehst.“

Xenia nickte. „Ich weiß. Und ich glaube, ich muss ihr das sagen.“

Sie sah auf ihre Duellkarten, die ordentlich am Tischrand lagen. Das Turnier, die Strategien, Seto Kaibas kühle, abweisende Art – alles wirkte plötzlich klarer, greifbarer.

Xenia war dabei, ihren eigenen Weg zu gehen.

Und niemand – nicht einmal ihre Mutter – durfte sie davon abbringen.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (0)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.

Noch keine Kommentare



Zurück