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Rare Couples

von

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Echte Gefühle - (Tea/Miho)

Tea Gardner saß allein im Musikraum der Domino High School. Die letzten Sonnenstrahlen des Nachmittags fielen durch die Fenster und legten goldene Muster auf die schwarzen und weißen Tasten des Flügels. Ihre Finger glitten langsam über die Melodie, die sie seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf bekam.

„Du spielst traurig.“

Tea hielt inne. Sie erkannte die Stimme sofort.

Miho Nosaka lehnte im Türrahmen, die Arme locker verschränkt und mit diesem ruhigen Blick, der Tea jedes Mal nervös machte. Anders als die meisten Mädchen an der Schule war Miho nie laut oder aufdringlich gewesen. Sie wirkte eher wie jemand, der Dinge bemerkte, die andere übersahen.

„So schlimm?“ fragte Tea und lächelte leicht.

Miho trat näher. „Nicht schlimm. Ehrlich.“

Tea rückte ein Stück zur Seite. „Willst du dich setzen?“

Miho nickte und setzte sich neben sie auf die Klavierbank. Für einen Moment sagte keine von beiden etwas. Nur die Stille des Raumes und das entfernte Rufen einiger Schüler auf dem Schulhof begleiteten sie.

„Du denkst oft an andere Menschen“, sagte Miho plötzlich. „Aber selten an dich selbst.“

Tea sah sie überrascht an. „Seit wann analysierst du mich?“

„Seit ich gemerkt habe, dass du lächelst, obwohl du eigentlich erschöpft bist.“

Tea spürte, wie ihre Wangen warm wurden. „Du bist gefährlich aufmerksam.“

Miho lächelte schwach. „Nur bei dir.“

Das Herz in Teas Brust stolperte über diesen Satz. Sie versuchte, etwas Schlagfertiges zu erwidern, doch ihr fiel nichts ein. Stattdessen blickte sie auf die Tasten.

Miho hob vorsichtig ihre Hand und legte zwei Finger auf eine der Klaviertasten. Ein einzelner Ton erklang.

„Bring mir etwas bei“, sagte sie leise.

Tea drehte sich zu ihr. „Klavier?“

„Nein.“ Miho sah ihr direkt in die Augen. „Wie man so offen sein kann wie du.“

Die Luft zwischen ihnen wurde plötzlich schwer und gleichzeitig seltsam leicht. Tea konnte nicht wegsehen. Miho auch nicht.

Dann lachte Tea nervös. „Das klingt schwieriger als Klavierspielen.“

„Dann brauche ich wohl viele Unterrichtsstunden.“

Diesmal musste Tea wirklich lachen. Und Miho lächelte so ehrlich zurück, dass Tea für einen kurzen Moment alles andere vergaß — die Schule, die Turniere, die Erwartungen.

Es gab nur sie beide.

Und als ihre Hände sich zufällig auf derselben Taste trafen, zog keine von beiden sie zurück.
 

Der einzelne Ton verklang langsam im Raum, doch weder Tea noch Miho bewegte sich.

Teas Herz schlug viel zu schnell. Sie wusste nicht, ob Miho es hören konnte, aber der Gedanke machte sie nur noch nervöser. Ihre Finger lagen noch immer unter Mihos Hand — warm, ruhig und erstaunlich sanft.

„Du ziehst deine Hand nicht weg“, bemerkte Miho leise.

Tea hob den Blick. „Du aber auch nicht.“

Ein kaum sichtbares Lächeln erschien auf Mihos Lippen. „Vielleicht will ich das gar nicht.“

Diese direkte Ehrlichkeit traf Tea völlig unvorbereitet. Bei den meisten Menschen musste man zwischen den Zeilen lesen. Miho dagegen sprach ruhig aus, was sie fühlte, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Tea spürte, wie ihre Gedanken durcheinandergerieten. „Du machst mich nervös.“

„Ist das schlecht?“

„Nein“, gab Tea sofort zu — vielleicht etwas zu schnell.

Miho schien das zu gefallen.

Draußen wurde es langsam dunkler. Das Licht im Musikraum sprang automatisch an und tauchte den Raum in ein weiches Orange. Für einen Moment wirkte alles unwirklich still.

„Tea.“

„Hm?“

Miho sah sie nachdenklich an. „Darf ich dir etwas Ehrliches sagen?“

Tea nickte langsam.

„Am Anfang dachte ich, du wärst einfach nur beliebt.“ Miho senkte kurz den Blick. „Immer freundlich. Immer voller Energie. Jemand, den alle mögen.“

Tea lachte schwach. „Das klingt irgendwie oberflächlich.“

„Das dachte ich ja auch.“ Miho sah wieder zu ihr auf. „Aber dann habe ich gemerkt, dass du Menschen wirklich wichtig nimmst. Selbst wenn du selbst traurig bist.“

Tea wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.

Sie war es gewohnt, andere zu unterstützen. Joey, Yugi, all ihre Freunde — sie hatte immer versucht, stark für alle zu sein. Aber nur selten hatte jemand bemerkt, wie anstrengend das manchmal war.

Miho bemerkte es.

Und genau das machte diesen Moment gefährlich.

Oder vielleicht besonders.

„Du schaust mich schon wieder so an“, murmelte Tea.

„Wie denn?“

Tea wich ihrem Blick aus. „Als würdest du mehr sehen als andere.“

Miho antwortete nicht sofort.

Stattdessen hob sie langsam ihre Hand von den Klaviertasten — nur um anschließend vorsichtig Teas kleine Fingerkuppe zu berühren.

Ganz leicht.

„Vielleicht tue ich das“, sagte sie leise.

Tea hielt unwillkürlich den Atem an.

Sie wusste nicht, wer den Abstand zwischen ihnen zuerst verringerte. Vielleicht beide gleichzeitig. Jedenfalls war Miho plötzlich so nah, dass Tea den Duft ihres Shampoos wahrnehmen konnte.

Keine von beiden sprach mehr.

Und kurz bevor sich ihre Stirnen beinahe berührten, erklang plötzlich ein lautes Poltern auf dem Flur.

„HEY TEA, BIST DU HIER DRIN?!“

Joeys Stimme.

Tea fuhr erschrocken zurück, während Miho die Augen schloss und seufzte.

„Perfektes Timing“, murmelte sie trocken.

Tea begann nervös zu lachen und hielt sich die Hand vor den Mund. „Oh mein Gott.“

Die Tür flog auf.

Joey blieb mitten im Schritt stehen.

Er sah Tea. Dann Miho. Dann ihre roten Gesichter.

Eine lange, gefährliche Stille entstand.

„…Oh.“

Miho verschränkte langsam die Arme. „Wenn du jetzt irgendetwas Lautes sagst, werfe ich dich aus dem Fenster.“

Joey hob sofort beide Hände. „Ich hab GAR nichts gesehen.“ Er machte einen Schritt rückwärts. „Absolut nichts.“ Noch ein Schritt. „Ich existiere eigentlich gar nicht.“

Dann zog er die Tür wieder zu.

Von draußen hörte man nur noch:

„YUGI!! DU GLAUBST NICHT, WAS ICH FAST GESEHEN HABE—“
 

Tea ließ den Kopf gegen das Klavier sinken.

„Das war’s“, murmelte sie. „Morgen weiß die ganze Schule Bescheid.“

Miho blieb erstaunlich ruhig. „Nein. Nur Joey.“

Tea hob langsam den Kopf. „Das ist schlimmer.“

Für einen Moment sahen sie sich an — und plötzlich mussten beide lachen. Erst leise, dann richtig. Die ganze angespannte Stimmung löste sich in diesem einen Moment auf.

„Ich glaube, ich habe Joey noch nie so panisch gesehen“, sagte Tea grinsend.

„Er wirkte, als hätte er versehentlich ein geheimes Ritual gestört.“

Tea wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Naja… vielleicht hat er das.“

Das brachte Miho zum Schweigen.

Die Wärme zwischen ihnen kehrte sofort zurück. Nicht mehr so hektisch wie zuvor — eher vorsichtig. Ehrlicher.

Miho lehnte sich leicht gegen das Klavier. „Willst du, dass ich gehe?“

Tea antwortete nicht sofort.

Eigentlich wäre das einfacher gewesen. Einfach nach Hause gehen. So tun, als wäre nichts passiert. So tun, als hätte ihr Herz nicht jedes Mal schneller geschlagen, wenn Miho sie ansah.

Aber sie wollte nicht, dass dieser Moment endet.

„Nein“, sagte sie schließlich leise. „Bleib noch ein bisschen.“

Miho lächelte kaum sichtbar. Trotzdem wirkte dieses kleine Lächeln auf Tea gefährlicher als alles andere.

„Okay.“

Die Schule war inzwischen fast leer. Man hörte nur noch entfernte Schritte irgendwo im Gebäude. Tea spielte gedankenlos ein paar ruhige Töne auf dem Klavier, während Miho neben ihr sitzen blieb.

Es fühlte sich seltsam natürlich an.

„Darf ich dir auch etwas Ehrliches sagen?“ fragte Tea irgendwann.

Miho nickte.

Tea atmete tief durch. „Du machst mir Angst.“

Miho blinzelte überrascht.

„Nicht auf eine schlechte Art“, fügte Tea schnell hinzu. „Du… kommst mir einfach zu nah.“

„Zu nah?“ wiederholte Miho ruhig.

Tea nickte langsam. „Normalerweise verstecke ich Dinge ziemlich gut. Aber bei dir habe ich das Gefühl, dass ich nichts verstecken kann.“

Miho sah sie lange an.

Dann sagte sie etwas so leise, dass Tea es fast nicht hörte.

„Vielleicht will ich nur, dass du dich nicht verstecken musst.“

Teas Brust zog sich zusammen.

Niemand hatte je so mit ihr gesprochen.

Nicht mit dieser Ruhe. Nicht mit dieser Geduld.

Miho streckte langsam die Hand aus. Diesmal zögerte Tea nicht. Ihre Finger verschränkten sich vorsichtig miteinander.

Kein dramatischer Moment.

Keine großen Worte.

Nur Wärme.

Tea bemerkte erst jetzt, wie angespannt sie die ganze Zeit gewesen war. Mit Miho neben sich fühlte sich plötzlich alles ruhiger an.

Miho betrachtete ihre verbundenen Hände. „Das hier gefällt mir.“

Tea lächelte leicht. „Mir auch.“

Wieder entstand Stille.

Doch diesmal war sie nicht unangenehm.

Miho hob schließlich den Blick. „Tea.“

„Hm?“

„Wenn Joey morgen etwas sagt…“

Tea stöhnte sofort auf. „Bitte erinner mich nicht daran.“

Ein seltenes, echtes Grinsen erschien auf Mihos Gesicht.

„…dann würde ich trotzdem nichts bereuen.“

Tea wurde augenblicklich rot.

„Du kannst solche Sachen nicht einfach sagen!“

„Warum nicht? Sie stimmen.“

Tea versteckte ihr Gesicht hinter ihrer freien Hand. „Du bist unfair.“

„Und du bist niedlich, wenn du verlegen bist.“

Tea gab ein Geräusch von sich, das irgendwo zwischen Empörung und Überforderung lag, während Miho sie mit unverhohlener Zuneigung ansah.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte Tea das Gefühl, dass jemand sie wirklich sah.

Und sie merkte langsam, dass sie Miho vielleicht genauso ansah.
 

Am nächsten Morgen fühlte sich Tea, als würde sie auf einer Bühne stehen.

Und zwar ohne vorbereitet zu sein.

„Du läufst seit zehn Minuten im Kreis“, bemerkte Miho ruhig.

Tea blieb mitten auf dem Schuldach stehen. „Weil das eine Katastrophe wird! Joey wird schreien, Tristan wird dumme Kommentare machen und Yugi—“

„—wird sich wahrscheinlich einfach für euch freuen“, ergänzte Miho.

Tea hielt inne.

„…Ja, wahrscheinlich.“

Miho trat näher und nahm vorsichtig ihre Hand. Mittlerweile fühlte sich das schon fast selbstverständlich an, auch wenn Teas Herz dabei immer noch jedes Mal verrücktspielte.

„Wir müssen es niemandem erzählen, wenn du noch nicht bereit bist“, sagte Miho leise.

Tea schüttelte sofort den Kopf. „Nein. Ich will nicht so tun, als müsste man es verstecken.“

Miho sah sie einen Moment lang an — warm, ruhig, beinahe stolz.

„Dann machen wir es zusammen.“

________________________________________

Eine Stunde später saßen Yugi, Joey und Tristan wie immer im Schulhof.

Joey redete gerade viel zu laut über ein Duel-Monsters-Match vom Vorabend, während Tristan halb zuhörte und Yugi versuchte, zwischen beiden zu vermitteln.

„—und dann zieht der Typ ernsthaft Mirror Force! Komplett lächerlich!“

„Joey, du beschwerst dich jedes Mal über Mirror Force“, sagte Tristan.

„WEIL DIE KARTE UNFAIR IST!“

„Hey“, sagte Tea plötzlich.

Die drei sahen gleichzeitig auf.

Miho stand neben Tea. Ihre Schultern berührten sich leicht.

Yugi lächelte sofort. „Guten Morgen, ihr zwei.“

Joey verengte bereits misstrauisch die Augen. „…Warum wirkt ihr beide so nervös?“

Tea tauschte einen kurzen Blick mit Miho.

Dann atmete sie tief durch.

„Wir wollten euch etwas sagen.“

Tristan hob eine Augenbraue. „Okay… das klingt ernst.“

Miho blieb erstaunlich gelassen. „Tea und ich sind zusammen.“

Stille.

Absolute Stille.

Yugis Augen wurden groß.

Tristan blinzelte.

Joey starrte sie an, als hätte sein Gehirn gerade aufgehört zu funktionieren.

Dann sprang er plötzlich auf.

„ICH WUSSTE ES!“

Der ganze Schulhof drehte sich zu ihm um.

Tea schlug sofort beide Hände vors Gesicht. „JOEY!“

„ICH HAB DOCH GESAGT, DASS ICH FAST WAS GESEHEN HABE!“

„Du machst es schlimmer!“

Tristan begann schallend zu lachen. „Moment mal— deshalb wart ihr gestern im Musikraum so seltsam?!“

Tea wollte spontan verschwinden.

Yugi dagegen stand auf und lächelte vorsichtig. „Also… seid ihr jetzt wirklich ein Paar?“

Tea sah kurz zu Miho. Miho nickte leicht.

Und plötzlich fühlte sich die Antwort gar nicht mehr beängstigend an.

Tea lächelte. „Ja. Sind wir.“

Yugis Gesicht wurde sofort weich vor Freude. „Das ist wunderbar.“

„Danke, Yugi“, sagte Tea erleichtert.

Tristan grinste breit. „Okay, ehrlich? Das passt irgendwie perfekt.“

Joey zeigte dramatisch auf sich selbst. „Und keiner bedankt sich bei MIR, obwohl ich das als Erster bemerkt habe!“

Miho verschränkte die Arme. „Du hast fast eine Tür eingetreten.“

Tea begann wieder zu lachen. Dieses Mal ohne Nervosität.

Einfach glücklich.

Yugi trat näher. „Seid ihr beide glücklich?“

Miho antwortete zuerst.

„Sehr.“

Tea spürte sofort, wie ihre Wangen warm wurden. Trotzdem nickte sie.

„Ja“, sagte sie leise. „Sehr sogar.“

Für einen kurzen Moment wirkte alles leicht.

Joey jammerte weiter im Hintergrund darüber, dass niemand seine „detektivischen Fähigkeiten“ würdigte, Tristan machte sich darüber lustig und Yugi lächelte einfach nur zufrieden.

Und mitten in diesem chaotischen Schulhof stand Tea neben Miho, ihre Hände heimlich ineinander verschränkt.

Nicht versteckt.

Nicht mehr.
 

Die Nachmittagssonne tauchte den Schulhof in warmes Licht, während Joey immer noch laut diskutierte.

„Ich sag euch doch, ich hätte professioneller Ermittler werden können!“

„Du hast einfach nur zufällig die Tür geöffnet“, sagte Tristan trocken.

„INSTINKT, Tristan.“

Tea schüttelte lachend den Kopf. Neben ihr stand Miho ungewöhnlich still. Als Tea zu ihr aufsah, bemerkte sie den kleinen, nachdenklichen Ausdruck in ihren Augen.

„Alles okay?“ fragte Tea leise.

Miho nickte leicht. „Ja.“

Aber Tea kannte sie inzwischen gut genug, um zu merken, dass da noch etwas anderes war.

„Komm kurz mit?“ fragte Miho schließlich.

Tea spürte sofort wieder dieses nervöse Kribbeln im Bauch. „Oh. Okay.“

Joey machte ein langgezogenes „Ohoooo“, bevor Tristan ihm gegen die Schulter schlug.

„Lass sie in Ruhe.“

Miho führte Tea weg vom Schulhof, durch den ruhigen Korridor hinter der Turnhalle bis hinaus zu den Treppen auf der Rückseite des Gebäudes. Dort war fast nie jemand.

Der Wind bewegte leicht Teas Haare.

„Du bist heute still“, sagte Tea vorsichtig.

Miho lehnte sich gegen das Geländer. „Ich denke nur nach.“

„Über uns?“

Ein kleines Nicken.

Tea trat näher. „Schlechte Gedanken?“

„Nein.“ Miho sah sie direkt an. „Eher das Gegenteil.“

Dieser Blick machte Tea sofort wieder weich.

Miho atmete leise aus. „Ich bin nicht besonders gut darin, Gefühle zu zeigen.“

Tea lächelte sanft. „Du bist besser darin, als du glaubst.“

„Vielleicht.“ Miho senkte kurz den Blick. „Aber bei dir fühlt sich alles… intensiver an.“

Teas Herz schlug schneller.

Der Wind wurde leiser. Oder vielleicht hörte sie einfach nichts anderes mehr.

Miho hob langsam ihre Hand und strich Tea eine Haarsträhne hinters Ohr. Die Bewegung war vorsichtig, beinahe ehrfürchtig.

Tea hielt unwillkürlich den Atem an.

„Du machst das schon wieder“, murmelte sie nervös.

„Was?“

„Mich so ansehen.“

Miho trat einen kleinen Schritt näher. „Und wenn ich nicht aufhören will?“

Tea wusste nicht mehr, was sie antworten sollte.

Sie spürte nur noch Mihos Nähe. Ihre ruhige Stimme. Ihre warme Hand an ihrer Wange.

Und diesmal wich keine von beiden zurück.

Tea schloss langsam die Augen, genau in dem Moment, als Miho ihre Stirn kurz gegen ihre legte.

„Darf ich?“ fragte Miho leise.

Tea nickte sofort.

Der Kuss war sanft.

Zögernd am Anfang, als hätten beide Angst, den Moment kaputtzumachen. Doch schon nach wenigen Sekunden entspannte sich Tea vollkommen. Ihre Finger krallten sich leicht in Mihos Ärmel, während Miho vorsichtig ihre Hand hielt.

Nichts daran fühlte sich falsch an.

Im Gegenteil.

Als sie sich langsam voneinander lösten, blieb Tea ganz nah bei ihr stehen, ihre Stirn noch immer gegen Mihos gelehnt.

Beide waren rot im Gesicht.

„…Wow“, flüsterte Tea schließlich.

Ein seltenes, ehrliches Lächeln erschien auf Mihos Lippen. „Ja.“

Tea begann plötzlich zu lachen — dieses leichte, glückliche Lachen, das sie nie zurückhalten konnte.

„Ich glaube, mein Herz explodiert.“

„Das wäre unpraktisch.“

Tea grinste sofort. „Miho! Das sollte romantisch sein!“

„Ich versuche es.“ Miho wirkte dabei vollkommen ernst.

Das brachte Tea nur noch mehr zum Lachen.

Dann zog sie Miho plötzlich selbst näher und küsste sie ein zweites Mal — diesmal mutiger.

Und irgendwo im offenen Fenster der Turnhalle erklang plötzlich Joeys Stimme:

„ICH SCHWÖRE, ICH SUCH EUCH NICHT MAL ABSICHTLICH!“
 

Tea fuhr sofort auseinander und versteckte ihr hochrotes Gesicht hinter beiden Händen.

„JOEY!“

„Ich kann das erklären!“ rief Joey panisch aus dem Fenster der Turnhalle. „…Okay, eigentlich nicht!“

Miho hingegen blieb erstaunlich ruhig. Sie sah nur langsam zum Fenster hinauf.

„Wenn du in den nächsten fünf Sekunden nicht verschwindest“, sagte sie mit gefährlich ruhiger Stimme, „werde ich kreativ.“

Joeys Kopf verschwand augenblicklich wieder nach innen.

„ICH WAR NIE HIER!“

Stille.

Dann hörte man Tristan im Hintergrund lachen und irgendwo dazwischen Yugis entschuldigende Stimme.

Tea begann so heftig zu lachen, dass sie sich am Geländer festhalten musste. „Warum passiert uns das ständig?“

Miho seufzte leise. „Vielleicht sind wir verflucht.“

„Romantischer wird’s heute wohl nicht mehr.“

Miho drehte sich wieder zu ihr um. „Da bin ich mir nicht sicher.“

Teas Herz machte sofort wieder einen Sprung.

Es war unfair, wie Miho mit nur einem Blick sämtliche vernünftigen Gedanken aus ihrem Kopf löschen konnte.

„Du solltest nicht solche Dinge sagen, wenn du mich direkt ansiehst“, murmelte Tea.

„Warum?“

„Weil ich dann vergesse, wie man normal spricht.“

Das kleine Lächeln, das Miho daraufhin zeigte, war inzwischen Teas Lieblingsblick geworden.

Miho nahm vorsichtig ihre Hand. „Dann musst du eben nicht normal sein.“

Tea sah sie für einen Moment einfach nur an.

Wie hatte Miho es geschafft, so wichtig für sie zu werden? Noch vor wenigen Wochen hatten sie sich kaum allein unterhalten. Und jetzt fühlte sich jede Minute ohne sie plötzlich seltsam leer an.

Tea trat näher und lehnte den Kopf leicht gegen Mihos Schulter.

„Das hier gefällt mir“, sagte sie.

Miho antwortete sofort. „Mir auch.“

Der Wind bewegte ihre Haare, irgendwo hörte man das entfernte Geräusch eines Zuges, und für einen langen Moment standen sie einfach nur zusammen dort.

Ohne Stress.

Ohne Erwartungen.

Nur sie beide.

„Tea?“

„Hm?“

Miho zögerte kurz — was bei ihr selten vorkam.

„Ich glaube… ich verliebe mich wirklich in dich.“

Teas Atem stockte.

Keine großen dramatischen Worte.

Keine übertriebene Romantik.

Nur ehrliche, ruhige Wahrheit.

Und genau deshalb traf es Tea mitten ins Herz.

Langsam hob sie den Kopf und sah Miho an, als hätte die Welt gerade aufgehört, sich zu drehen.

„Du kannst sowas doch nicht einfach sagen“, sagte sie mit einem völlig überforderten Lächeln.

„Zu spät.“

Tea lachte. Dann wurde ihr Blick weicher.

„Dann sage ich eben auch etwas Ehrliches.“

Miho wartete ruhig.

Tea drückte ihre Hand etwas fester.

„Ich glaube nicht, dass ich mich nur verliebe“, sagte sie. „Ich glaube, ich bin es schon.“

Für einen seltenen Augenblick wirkte Miho sprachlos.

Und genau dieser Ausdruck ließ Teas Herz noch schneller schlagen.

Miho hob langsam ihre freie Hand an Teas Wange.

„Du bist unglaublich“, murmelte sie.

Tea grinste sofort verlegen. „Ich weiß.“

„Lügnerin.“

„Vielleicht ein bisschen.“

Miho schüttelte leicht den Kopf — und küsste sie erneut.

Diesmal ohne Zögern.

Warm, ruhig und voller Gefühl.

Und selbst wenn Joey irgendwo im Schulgebäude wahrscheinlich gerade eine emotionale Krise hatte, war Tea das in diesem Moment vollkommen egal.



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