Ein unvergessliches Geschenk!
Ein unvergessliches Geschenk!
„Kagome? Kannst du bitte kommen?“ Überrascht blinzelte das junge Mädchen und lauschte der Stimme ihres Vaters. Nach der Bitte erhob sie sich artig von ihrem Schreibtischstuhl, auf dem sie eben noch gesessen hatte und für die nächste Prüfung in wenigen Tagen lernte. Eilig lief sie die Treppenstufen hinunter und betrat das Wohn- und Esszimmer. „Brauchst du was, Papa?“, wollte der Teenager wissen. Von klein auf hatten ihre Eltern großen Wert auf ihre Erziehung gelegt. Für das ältere Paar war es nicht immer leicht. Sie arbeiteten hart, um ihrer Familie zumindest etwas bieten zu können. „Wir wollten dir das hier schon mal geben“, lächelte ihr Vater sie an. Verwundert schaute sie auf das Kuvert, welches ihr von ihrer Mutter überreicht wurde. „Ich weiß, dass es noch etwas früh ist. Aber wir dachten, vielleicht könntest du schon einmal mit deinen Freundinnen darüber sprechen und vielleicht zusammen hingehen“, fügte diese noch an, während Kagome nicht schlau aus den Worten ihrer Mutter wurde. Vorsichtig öffnete sie deshalb den Umschlag und bekam große Augen.
„Oh mein Gott“, kreischte sie laut auf. Dabei hatten ihre Eltern ein Schmunzeln auf den Lippen, während sie den Umschlag an ihre Brust drückte und im Wohnzimmer auf und ab hüpfte. „Scheinbar gefällt dir dein vorzeitiges Geschenk“, lachte ihr Vater. „Gefallen… es ist großartig“, fiel Kagome ihm um den Hals. „Dann wird es dich sicher freuen, wenn du siehst, dass es keine gewöhnliche Konzertkarte ist.“ Mit geweiteten Augen begutachtet Kagome die Karte erneut. Diese las sie sich Zeile für Zeile immer und immer wieder durch. „Ich darf Tessaiga kennenlernen“, hauchte sie ehrfürchtig und konnte ihr Glück kaum fassen. Ihre Eltern hatten ihr tatsächlich Backstagekarten für ihre Lieblingsband besorgt. Sie konnte die Jungs treffen und tatsächlich einige Worte mit ihnen wechseln. Etwas, was Kagome sich niemals hatte erträumen lassen. „Das wird jedoch dein einziges Geburtstagsgeschenk bleiben müssen“, kam es leicht traurig von ihrer Mutter. „Das ist egal. Ich bin euch so dankbar“, schüttelte Kagome ihren Kopf.
Ihre Eltern sollten sich nicht grämen, weil sie ihren Kindern nicht immer alles bieten konnten. Kagome hätte sich auch über eine neue CD gefreut, ihre Lieblingsband nun sogar treffen zu können, war mehr als ein unglaubliches Geschenk für die bald fünfzehnjährige.
Drei Wochen später!
Kurz lugte Inuyasha in die Veranstaltungshalle und entdeckte die wartenden Menschen in dem großen Raum. Sein Herz begann augenblicklich schneller zu schlagen, der Puls raste förmlich. Auch nach Jahren auf der Bühne hatte sich daran nichts geändert. Inuyasha war immer noch vor jedem Auftritt zum Zerreißen angespannt. „Bist du bereit?“, hörte er seinen besten Freund und Bandkollegen fragen. Zusammen hatten sie vor einigen Jahren die Chance genutzt und sich bei einer Castingagentur beworfen. Nach mehreren Tests und Votings wurde eine Band zusammengestellt, zu seiner heimlichen Freude hatte es auch sein bester Freund damals in diese geschafft. Verschiedener konnten die vier Jungs wirklich nicht sein und dennoch waren sie über die Jahre zu einem eingespielten Team herangewachsen. „So bereit wie noch nie.“ Kurz überprüfte Inuyasha nochmal sein Outfit. Seine Bandkollegen brachten sich schon einmal in Position. Die Jungs tauschten kurze Blicke aus, liefen anschließend unter tosendem Applaus und lauten Rufen auf die Bühne.
„Hallo Tokio!“, begrüßte Inuyasha die vielen Menschen im Saal. Nach einer großen Tournee war dieses Konzert der krönende Abschluss. Die Halle bebte. „Es freut uns sehr, dass ihr alle heute gekommen seid und wir hoffen natürlich, dass euch die Show gefallen wird“, übernahm Koga das Wort. Anschließend fing auch schon die Musik im Hintergrund an lauter zu werden. Die Jungs begaben sich auf ihre Position. Inuyashas Blick wanderte nochmals über die Menschenmassen, ehe die Klänge des neuen Songs zu hören waren. Nur noch die Lichter sah er vor sich und ließ sich vollkommen im Klang der Melodie fallen.
Aufgeregt wartete Kagome darauf, in den hinteren Teil der Veranstaltungshalle gebracht zu werden. Nach einem wirklich atemberaubenden Konzert wurde sie umgehend von den anderen Konzertbesuchern abgeschirmt. Sie wusste wie begehrt ihre Karte war. Selbst ihre Freundinnen Eri und Ayumi waren neidisch auf sie gewesen. Bei jedem Konzert gab es nur eine von den seltenen Backstagekarten. Ihr Vater musste wirklich schnell gewesen sein und eine Menge Glück gehabt haben, diese überhaupt zu bekommen. Nun stand Kagome hier. Mit wild pochenden Herzen und flauem Gefühl in der Magengegend. “Du kannst nun kommen, die Band erwartet dich schon“, kam ein Mitarbeiter auf sie zu. Kurz schloss sie ihre Augen und atmete einmal tiefer durch. Nach kurzem Zögern folgte sie dem jungen Mann. Sie wurde einen langen Korridor entlanggeführt. Ein bisschen unsicher wurde Kagome schon. Sie war alleine und dazu noch ein Mädchen. Sie würde in einen Raum mit erwachsenen Männern sein und dennoch war sie einfach zu gespannt, wie die Band wirklich war.
„Hey Jungs, euer heutiger Gast ist hier.“ Mit großen Augen und angehaltem Atmen blieb Kagome in der Tür stehen. Ihrer Lieblingsband gegenüberzustehen und ihnen so nah zu sein, war unglaublich. „Hey, komm doch rein“, kam Inuyasha direkt auf sie zu. Ausgerechnet ihr Liebling. „Wie heißt du?“, blieb er vor ihr stehen. „Ka... Kago… me“, stotterte sie. In seiner Gegenwart schaffte sie es einfach nicht normal zu antworten. „Ich bin Inuyasha, du kannst mich aber Inu nennen“, stellte er sich lächelnd vor und das obwohl ihm sicher bewusst war, dass Kagome jeden von ihnen genau kannte. „Komm... wir quatschen ein bisschen.“ Kurz zuckte sie zusammen, als er ohne zu zögern seinen Arm um ihre Schulter legte. Doch diese kleine Berührung war unglaublich. Erst jetzt realisiert sie wirklich, dass sie ihre Lieblingsband tatsächlich traf und ihnen hunderte Fragen stellen konnte.
„Was machst du so?“ Interessiert lauschte Inuyasha der jungen Frau. Ihre anfängliche Anspannung schien sich mittlerweile gelegt zu haben. Sie plauderte mit ihm und den Jungs, als würde sie nie etwas anderes getan haben. Hatte Shippo sogar dazu überreden können, ihr ein paar Tricks am Bass zu zeigen. Sie hatte auf jeden Fall etwas Besonderes an sich. Schließlich war Shippo seine Gitarre doch heilig. „Hauptsächlich noch Schule, aber ich helfe auch oft im Laden meiner Eltern aus“, erklärte sie ihnen lächelnd. Inuyasha hatte also mit seiner Vermutung recht. Sie war noch nicht über zwanzig, wie die meisten ihrer Fans. „Später möchte ich aber Ärztin werden“, machte sie gleich weiter. Es schien wirklich ihr Traum zu sein, da ihre Augen so unglaublich leuchteten bei dieser Erzählung. „Das klingt toll. Muss aber auch anstrengend sein“, schlussfolgerte Miroku, der es zu Schulzeiten schon nicht immer genau mit dem Lernen nahm. „Ja manchmal schon. Aber eigentlich auch ganz cool“, kicherte Kagome.
Mittlerweile schien sie sich wirklich wohl bei den vier Männern zu fühlen. „Eigentlich siehst du nicht so aus, als würdest du auf Rockbands stehen.“ Das hatte sich Inuyasha auch schon gedacht. Kagome passte mit ihren Klamotten nicht wirklich ins Bild als Rockstarfan. Ihre schwarze, enge Hose mit Rissen war auch schon das Einzige, was wirklich danach aussah. Das Oberteil, welches sie trug, wirkte brav in dem hellen Cremeton und zeigte nicht allzu viel von ihrer hübschen Figur, die nur leicht angedeutet wurde. Piercings oder Tattoos hatte er an ihr ebenfalls noch keine entdecken können, auch wenn das nicht hieß, dass sie vielleicht nicht doch ein paar versteckt hatte. „Nur weil man etwas gerne hört, muss man nicht gleich danach aussehen. Außerdem habt ihr schon ein paar Schmusesongs rausgebracht“, konterte Kagome selbstsicher. Sie ließ sich auf jeden Fall nicht so leicht unterkriegen und hatte mit ihren Worten durchaus recht. „Stimmt. Auch wenn die eher auf unseren Loverboy gehen.“
Kurz verdrehte Inuyasha seine Augen und hatte schon geahnt, dass dieser Spruch kommen würde. War er doch der Einzige, der zurzeit in einer öffentlichen Beziehung lebte. Dass diese im Moment eher schwierig war, vertuschte sein Manager jedoch gekonnt. Kikyo und er waren schon früh in ihren Karrieren zusammengekommen und hatte gemeinsam den Gipfel erreicht. Beide waren mittlerweile Stars, die aus der Musik und Modewelt nicht mehr wegzudenken waren. Doch genau das hatte auch seine Tücken. Die beiden sahen sich selten, führten keine normale Beziehung. Jeder seltsame Blick wurde sofort mit Spekulationen versehen. Für die Band und ihr Image war es gut, dass zumindest einer seine Beziehung offen legte. Miroku hielt seine Beziehung versteckt und Shippo und Koga waren begehrte Junggesellen. „Hört auf mit dem Quatsch“, widersprach Inuyasha deshalb. Auch sie hatten oft ihren Beitrag zu den verschiedensten Songs getan, schrieben die Jungs diese doch immer zusammen und hätten sie diese also mies gefunden, wäre der Song nie aufgenommen geworden.
„Vielleicht mag ich sie deshalb so gern“, kamen diese Worte schüchtern und leise über Kagomes Lippen. Ihre Wangen waren leicht gerötet und irgendwie fand Inuyasha es ziemlich süß, wie sie versuchte, den Blicken der Jungs auszuweichen. „Wir wollen auch langsam los. Kommst du, Inuyasha?“, wollte Miroku von ihm wissen, nachdem dieser einen kurzen Blick auf sein Handy gemacht hatte und wohl feststellen musste, dass die Zeit für das Fantreffen deutlich überschritten war. Die Jungs verbrachten diese Abende nach einem Konzert oft zusammen, um sie gemeinsam in einer Bar ausklingen zu lassen. Doch diesmal wollte Inuyasha noch etwas bleiben, auch wenn das Fantreffen schon etwas länger dauerte, als es eigentlich geplant war. „Ihr könnt schon vorgehen. Ich bleib noch ein bisschen hier“, winkte Inuyasha ab. Er wollte gerne noch etwas mit Kagome quatschen. Irgendwie mochte er ihre Art.
„Aber lass dir nicht zu lange Zeit. Wir warten nicht ewig“, klopfte Miroku ihm auf die Schulter. „Es hat uns sehr gefreut dich kennenzulernen, Kagome“, richtete er seine Worte an die junge Frau. „Ich glaube... mich viel mehr“, stand Kagome brav auf und wurde von den Jungs nochmal umarmt. Kurz darauf waren sie auch schon verschwunden. „Und... willst du mir jetzt etwas mehr über dich erzählen?“, hakte Inuyasha grinsend nach und hatte wirklich Interesse an dem, was die junge Frau sonst noch so machte. Er wollte mehr erfahren, außer dass sie die Schulbank drückte und gelegentlich für ihre Eltern arbeitete.
„Willst du sonst noch etwas wissen?“, fragte Kagome lächelnd, nachdem sie Inuyasha etwas aus ihrem Leben erzählt hatte. Mittlerweile war es schon ziemlich spät. Der Teenager sollte sich langsam auf den Weg nach Hause machen. Ihren Eltern hatte sie zwar geschrieben, aber ihnen lediglich erzählt, dass sie noch etwas bei ihrer Freundin bleiben wollte. Löblich war dies nicht. Jedoch würde ihr Vater sich einfach zu viele Sorgen machen, wenn er wüsste, dass sie hier mit einem fast doppelt so alten Mann saß und über ihr Leben sprach. „Du meinst, du hättest die Karte von deinen Eltern zum Geburtstag bekommen. Wann hast du deinen Ehrentag?“, kam es interessiert von ihm. Mittlerweile saßen die beiden sich zugewandt auf der Couch gegenüber. „Ähm... heute“, gestand Kagome leise, weil es ihr doch irrsinnig peinlich war dies vor ihm zuzugeben. „Ach ernsthaft? Na dann herzlichen Glückwunsch, zu diesem Anlass muss man doch anstoßen.“ Kurz zuckte Kagome zusammen, als er sich ohne Vorwarnung vorbeugte und sie leicht in eine Umarmung zog.
Danach richtete er sich auf und schnappte sich zwei Gläser. Die dazugehörige Flasche Whiskey hatte er schnell gefunden. Beides war schnell auf dem Tisch vor der Couch gestellt. So richtig wusste Kagome nicht, ob sie wirklich etwas von diesem haben wollte, doch uncool wollte der Teenager auch nicht wirken. „Nochmal... alles Gute“, reichte Inuyasha ihr das Glas. Kurz zögerte sie und nahm dennoch nach wenigen Sekunden einen Schluck. In ihrem Hals brannte es augenblicklich furchtbar und wirklich schmecken tat es dem Teenager auch nicht, dennoch setzte sie ein Lächeln auf und hoffte inständig, dass das Glas bald leer sein würde. „Willst du mir auch von dir erzählen?“, wollte Kagome nach kurzem Zögern wissen. Der Alkohol half ihr ihre letzte Verlegenheit abzulegen. Bis jetzt hatte sie ihm ihr Leben geschildert. Von dem jungen Mann wusste sie nur Dinge, die sie aus den Zeitschriften oder Interwies erfahren konnte.
„Über mich gibt es nicht viel zu sagen. Ich wohne hier in Tokio mit meinen Jungs unter einem Dach, bin ständig am Reisen und mache unheimlich gerne Musik.“ Kagome kicherte bei der Bemerkung, da sie sich sehr gut vorstellen konnte, dass es wirklich nicht so einfach war, sich von diesem Job loszureißen. „Ich finde es toll, wenn man das, was man liebt, machen kann“, gestand Kagome, die noch nicht ganz sicher war, ihren Traum Ärztin zu werden umsetzen zu können. „Ich glaube, ich muss auch langsam mal los“, meinte sie, obwohl sie noch sehr gerne etwas mehr Zeit mit ihrem Idol verbracht hätte. Doch sie war fünfzehn und konnte eben nicht einfach so die ganze Nacht wegbleiben. „Schade…“ Mit großen Augen sah sie ihn an, der sanft mit seiner Hand ihre Wange berührte. „Ich dachte, wir quatschen noch ein bisschen“, kam er ihr mit diesen Worten näher. Kagome spürte wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. „Du hast schöne Augen“, flüsterte er und sah sie mit einem Intensiven Blick an. „Ähm… danke…“
So recht wusste Kagome nicht, was dies alles zu bedeuten hatte. Doch schon nach einem kurzen zögern, kam Inuyasha ihr noch näher, neigte seinen Kopf etwas und legte anschließend seine Lippen auf ihre. Kagomes Herz setzte einige Schläge aus und begann zu rasen, als sie langsam diesen doch zärtlichen Kuss erwiderte. „Vielleicht quatschen wir auch nicht nur.“ Noch immer war er ihrem Gesicht so nah. Sie konnte den Geruch seines Aftershaves wahrnehmen. Alles fühlte sich plötzlich so surreal an. „Du bist wirklich sehr hübsch.“ Kurz wanderten seine Augen über ihren Körper. Kagome fand die Komplimente wirklich schön. Dennoch war sie vollkommen hin und her gerissen. Doch wirklich lange nachdenken konnte sie nicht. Inuyashas Lippen lagen nach wenigen Sekunden wieder auf ihren. Diesmal deutlich feuriger und nicht mehr ganz so zärtlich. Seine Zunge fuhr über ihre Lippen und bat um Einlass, den Kagome nur zurückhaltend gewährte.
All dies hier war für sie das erste Mal. Sie hatte noch nie einen Mann geküsst und nun ihr Idol zu küssen war einfach ein Traum, den sie nie zu träumen gewagt hatte. Zärtlich begannen ihre Zungen miteinander zu tanzen. Inuyashas Hand fuhr von ihrer Schulter hinab zu ihrer Hüfte und weiter zu ihrem Po. Mit einem leichten Grinsen zog er sie näher zu sich. Kagomes Hand berührte Inuyashas Brustkorb. Sie fühlte den schnellen Herzschlag unter ihren Fingern, während der Kuss, den sie sich schenkten immer feuriger wurde. Kurz löste er diesen und leckte sich leicht über die Lippen. Kagome konnte in seinen Augen sehen, dass er vermutlich mehr wollte. Und auch sie fühlte etwas Neues durch ihren Körper jagen. Etwas Aufregendes, das sie zuvor noch nie verspürt hatte. „Inuyasha? Bist du immer noch da drin?“, hörte sie eine tiefe Stimme. Kurz darauf wurde diese auch geöffnet und ein streng aussehender Mann sah die beiden an.
„Was machst du hier?“, wollte er sofort aufgebracht wissen. Doch wirklich zu kümmern, tat Inuyasha dies allem Anschein nach nicht. „Kagome hat heute Geburtstag. Ich habe ihr gratuliert und bringe sie jetzt nach draußen. Mach dir also nicht ins Hemd“, kam es mit einem Grinsen von Inuyasha. Dass Kagome wohl so rot wie eine Tomate war und ihr zuvor geschehenes nicht verbarg, schien ihn nicht zu kümmern. Er erhob sich von der Couch und reichte Kagome seine Hand. „Komm ich zeig dir den Weg. Wir sehen uns morgen, Totosei“, lief Inuyasha mit ihr am Arm an dem älteren Mann vorbei, nachdem sie sich erhoben hatte. Die Stimmung, die bis eben noch geherrscht hatte, war vollkommen dahin. Zumindest dachte Kagome dies. „Hast du Lust noch mitzukommen?“, hörte sie die Frage und sah überrascht zu dem jungen Mann, der keine Anstalten machte sich von dem Mädchen zu lösen.
„Wohin?“, wollte Kagome verwirrt wissen. In eine Disco würde sie aufgrund ihres Alters nicht kommen und zugeben, dass sie erst fünfzehn war, war für sie ausgeschlossen. „In das Hotel da. Die haben unglaubliche Zimmer“, grinste Inuyasha. Kurz schluckte Kagome schwer. Was dies bedeutete, konnte sie sich schon ausmalen. Vielleicht war sie noch sehr jung, aber nicht dumm. Kein Mann führte eine Frau in ein Hotelzimmer ohne Hintergedanken zu haben. Und wenn es nicht ihr Idol wäre, würde sie bestimmt nicht mitgehen. Doch sie schwärmte nun mal für diesen jungen Mann. Nie hätte sie sich erträumen lassen, ihm jemals nah zu kommen. „Sehr gern“, antwortete sie deshalb, ohne lange darüber nachzudenken. Für sie gab es nichts schöneres, als Zeit mit ihrem Idol zu verbringen, auch wenn das bedeuten würde, dass sie ihm ihre Jungfräulichkeit schenken würde.
Ein unbekanntes Gefühl!
Ein unbekanntes Gefühl!
Maskiert und mit Kagome im Arm betrat Inuyasha das Luxushotel, das sich direkt neben der Veranstaltungshalle befand. Nachdem Kagome ihre Zustimmung gegeben hatte, hatte er keine Zeit mehr verloren. Er war unglaublich erregt von der jungen Frau. Das Totosei ihm dazwischengefunkt hatte, hatte ihn wirklich wütend gemacht. Er hatte den Abend bereits abgeschrieben, bevor er Kagome gefragt hatte, ob sie mit ihm kommen wollte. Das sie zugestimmt hatte, erfreute ihn sehr. „Hallo. Ich bräuchte ein Zimmer für diese Nacht, bitte“, stellte er sich an die Rezeption. Der missbilligte Blick auf Kagome zeigte natürlich, dass sie nichts von solchen Kunden hielten. „Ich glaube, ich muss nicht bitten“, schob er sich den Schal ein Stück tiefer, um sein Gesicht zu enthüllen, weil keine Anstalten gemacht wurden, nach einem Zimmer zu suchen. Wenn der junge Mann da soeben vor sich hatte, dürfte er erkannt haben. „Bleibt die junge Frau über Nacht?“, wurde anschließend höflich gefragt. Kurz sah Inuyasha zu Kagome, sie wirkte so eingeschüchtert, wie am Anfang des Treffens. „Ja. Und das bleibt unter uns.“
Schnell hatte Inuyasha ein paar Scheine gezückt. Der Angestellte nickte verstehend. Immerhin sollte niemand erfahren, dass Inuyasha soeben mit einer jungen Frau im Hotelzimmer verschwand. „Zimmer 906. Ganz oben“, wurde ihnen die Schlüsselkarte über den Tresen geschoben. Dankend nahm Inuyasha diese an und führte Kagome zu einem der Fahrstühle. Zu gern hätte er die junge Frau einfach an die Fahrstuhlwand gedrückt und sie wieder geküsst. Doch noch musste er sich beherrschen, in wenigen Minuten würden sie in ihrem Zimmer ankommen und dann konnte er endlich das tun, was er eigentlich schon im Backstageraum gerne getan hätte. Ihr ganz nah sein und endlich seinen Kummer vergessen.
Mit klopfenden Herzen betrat Kagome das Hotelzimmer. Inuyasha folgte ihr und schloss die Tür hinter sich. Das Zimmer war wirklich wunderschön. Kagomes Aufregung wurde nur noch größer, als sie das riesige Bett im angrenzenden Schlafzimmer erblickte. „Wollen wir vielleicht erstmal Duschen?“, sprach er sie an. Dabei zog er sich schon mal die schwarze Mütze vom Kopf und die Lederjacke aus. „Ähm… du kannst sie gerne für dich haben“, kam es unsicher von ihr. Noch nie war sie zuvor einem Mann derart nah gekommen. Sich jetzt sofort vor ihm zu entblößen, empfand sie als komisch. „Ich hätte dich aber gerne dabei.“ Nach diesen Worten drückte er seine Lippen wieder auf ihre. Nachdem er den Kuss beendet hatte, schnappte Inuyasha sich ihre Hand und zog sie ins Badezimmer, welches wirklich atemberaubend war. Eine große Badewanne befand sich in dem geräumigen Raum. Ein Ganzkörperspiegel hing an der gegenüber liegender Wand. Zwei Waschbecken und einige Pflanzen machten das Bild perfekt. „Willst du dich nicht ausziehen?“
Überrascht wandte Kagome sich zu ihm um und bekam große Augen, als sie sah, dass der junge Mann bereits ausgezogen vor ihr stand. Schamgefühl war hier definitiv Fehlanzeige. „Oder soll ich dir dabei helfen?“, grinste er sie frech an. Schnell hatte Inuyasha den Wasserhahn aufgedreht und sich wieder zu ihr gedreht. Mit einem Lächeln ging er auf sie zu. Ihren Blick konnte sie einfach nicht von seinem Körper abwenden. „Gefalle ich dir?“ Mit dem Zeigefinger unter dem Kinn hob er ihr Gesicht leicht an. Kagome war unfähig etwas zu sagen. Diese ganze Situation überfordert sie ungemein. Sie wusste nichts mit sich anzufangen. Dafür schien er genau zu wissen, was er wollte. Fordernd legten sich seine Lippen wieder auf ihre. Seine Hände wanderten wieder ihre Seiten entlang und zogen sie dicht an seinem Körper. Sie spürte seine wachsende Männlichkeit. Die Aufregung in ihr stieg immer weiter an.
Dem Mädchen wurde heiß und kalt zugleich, als er damit begann ihr vorsichtig die Bluse hochzuschieben. Nur kurz trennten sich ihre Lippen, um sich dieser zu entledigen. Kagome sah verunsichert auf Inuyashas Brust. Sie kannte die Bilder seiner Freundin, wusste wie viel attraktiver diese war und vor allem weiblicher als sie. Sie war eben schon erwachsen. „Ich weiß, dass Kikyo…“
„Stopp… Kikyo hat hier nichts verloren. Ich bin mit dir hier. Du löst jetzt gerade diese Empfindungen in mir aus. Du bist wunderschön und sexy“, stoppte Inuyasha ihre Worte direkt und bestimmt. Ihre Hände, mit denen sie soeben versuchte ihren Oberkörper zu verstecken, löste der junge Mann vorsichtig. Eine von ihren Händen führte er zu seiner Männlichkeit. Ihre Finger legte er um diese und umfasste ihre Hand. „Glaubst du... das würde klappen, wenn du mir nicht gefallen würdest?“, hakte er nach und ein kurzes, leisen Stöhnen entkam seinen Lippen, als er vorsichtig Kagomes Hand auf und ab gleiten ließ. Fasziniert sah sie ihm dabei zu. Erst nach ein paar Minuten löst er seine Hand wieder und öffnete ihre Hose, während ihre Hand weiter auf seiner Männlichkeit ruhte. „Ich stell nur schnell das Wasser aus.“
Kurz gab Inuyasha ihr einen Kuss, bevor er sich von ihr löste. Kagome wurde unterdessen mutiger. Alleine zog sie sich ihre Hose aus und stand nun nur noch in Unterwäsche vor dem jungen Mann. „Warte... das mache ich.“ Er schien sich wirklich zu freuen, ihren BH öffnen zu können. Mit einem geübten Handgriff war dieser von ihrem Oberkörper verschwunden. Kurz kam ihr der Gedanke bei wie vielen Frauen er dies schon gemacht hatte, doch diesen verwarf sie schnell wieder. Jetzt zählte nur noch das Hier und Jetzt. Und im Moment wollte sie nichts mehr als ihm so nah wie keinem anderen zu kommen. Mit angehaltem Atem ließ sie es zu, dass er ihr das Höschen vom Körper streifte. Ihr war klar, dass es nun kein Zurück mehr gab.
Leicht schwappte das Wasser über den Beckenrand, als Kagome sich vorsichtig an Inuyashas Brust lehnte. Zusammen waren die beiden in die Wanne gestiegen. Sanft zog er die junge Frau noch näher an sich. Er war wirklich überrascht, wie leicht ihm diese Berührungen fielen. Auch jetzt konnte er seine Finger nicht bei sich behalten. Andächtig fuhr Inuyasha über ihre Oberweite und massierte diese leicht. Ein leises Seufzen war von ihr zu hören, was in seinen Ohren wie Musik klang. Ein wenig begab sich seine freie Hand auf Wanderschaft. Zärtlich fuhr er über ihren Bauch bis hin zu ihrer Hüfte und weiter zu ihrer empfindlichen Stelle. Nur langsam begann Inuyasha damit diese zu massieren und ihren Hals zu küssen. Er hatte durchaus bemerkt, dass Kagome extrem zurückhaltend und schüchtern zu sein schien. Vermutlich war sie sich immer noch nicht sicher, ob sie es wagen sollte, ihm so nah zu kommen. Diese Angst wollte er ihr mit seinen Berührungen nehmen.
Behutsam und sanft strich Inuyasha immer wieder über ihre Mitte. Kagomes Atmung wurde abgehakter. Ihre Augen hatte die junge Frau geniesserisch geschlossen und ihren Mund leicht geöffnet. Inuyasha beobachtete jede ihrer Bewegungen, konnte seine eigene Erregung nur schwer unter Kontrolle halten. Er wollte diese junge Frau so sehr, wie schon lange keine Frau mehr. Inuyasha löste seine Lippen von ihrem Hals, drehte ihren Kopf leicht zu sich. Feurig legte er seine Lippen auf ihre. Ein heißes Zungengefecht begann. Zeitgleich wanderte seine Hand zwischen ihre Körper. Er wusste, dass er die Lust nicht mehr lange in Zaum halten konnte. Jedoch wollte er sie nicht überfordern. Leicht begann er sich selbst zu stimulieren und keuchte immer wieder in den Kuss. Die ganze Atmosphäre war einfach unglaublich aufgeheizt. Kurz bohrten sich ihre Nägel in seinen Oberschenkel, als er ohne Vorwarnung mit einem Finger in sie eindrang.
Inuyasha würde lügen, wenn er sagen würde, dass ihm dies nicht noch mehr erregte als er es eh schon war. „Kagome…“, keuchte er abermals. Er wollte sie und auch Kagome schien nicht mehr länger warten zu wollen. Sie drückte seine Hand von ihrer empfindlichen Stelle, richtete sich auf und präsentierte ihm ihren wohlgeformten Hintern. Doch dieser Anblick war nur von kurzer Dauer, da sie sich zu ihm um drehte und ihn leidenschaftlich küsste. Mit einem leichten Grinsen zog er sie wieder an sich. Kagome setzte sich, so gut es in der Badewanne möglich war, auf seinen Schoß. Erregt rieb er seine Männlichkeit an ihrer Mitte und drang mit einem Stöhnen in sie ein. Kagome krallte sich an ihm fest und keuchte wimmernd auf. Noch nie hatte er so ein gutes Gefühl verspürt, wenn er mit einer Frau verbunden war.
Definitiv löste sie in ihm seltsame Gefühle aus. Gefühle, die er als unglaublich empfand. Keuchend begann er damit sie immer wieder aus zu füllen. Er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Viel zu lange musste er sich beherrschen. Jetzt gerade wollte er nur noch das Stöhnen dieser jungen Frau hören und ihren lustverschleierten Blick sehen, sobald sie mit ihm ihren Höhepunkt erreichte.
Müde öffnete Inuyasha seine Augen. Für seinen Geschmack war es viel zu früh, vor allem nach der letzten Nacht. Er hatte sich schon lange nicht mehr so verausgabt, doch das junge Mädchen hatte ihn richtig gefordert, nachdem sie das ausgiebige Bad gemeinsam genossen hatten und ihr Liebesspiel im Bett fortgeführt hatten. Doch genau dieses Mädchen hatte eben dafür gesorgt, dass Inuyasha aus seinem Schlaf erwacht war. Still und heimlich schien sie sich aus dem gemütlichen Bett stehlen zu wollen. Das war etwas, was ihm gar nicht gefiel. „Hey… Wo willst du hin?“, kam es völlig verschlafen über seine Lippen. Müde rieb er sich über die Augen, während sie ihn vollkommen geschockt ansah. „Ähm… ich muss nach Hause“, gestand sie ihm zögernd und nestelte an ihrer Bluse herum, die sie sich bereits wieder angezogen hatte. „Ach komm… ich dachte eigentlich, wir könnten das von gestern Abend wiederholen. Ich fahr dich danach ganz bestimmt nach Hause“, stieg Inuyasha nun ebenfalls aus dem wirklich komfortablen Bett.
Anders als sie war er jedoch splitterfasernackt. Langsam ging er auf Kagome zu und blieb direkt vor ihr stehen, während sie beschämt den Kopf von ihm wegneigte. „Ich bin schon viel zu lange weg“, versuchte sie nochmal einen ziemlich mageren Ausweg zu finden. Jedoch ließ er sich davon wenig überzeugen. Mit seinen Fingern griff er unter ihr Kinn und drückte es vorsichtig nach oben. „Es wird nicht lange dauern versprochen. Und danach bring ich dich gleich nach Hause“, verkündete Inuyasha mit einem leichten Grinsen auf seinen Lippen, ehe er ihre Lippen wie schon am Vorabend mit seinen bedeckte. Nur wenige Sekunden hielt sie seinen Zärtlichkeiten stand. Ihre Arme wanderten in seinen Nacken, während er seine Finger über ihren noch bekleideten Körper fahren ließ. Dies würde er jedoch gleich ändern. Mit einem leichten Grinsen öffnete er schnell wieder die Knöpfe ihrer Bluse. Zu groß war seine Vorfreude, sie gleich wieder hautnah spüren zu können. Sodass das Kleidungsstück in Windeseile wieder von ihrem Körper verschwunden war.
Ziemlich schnell stoppte Kagome ihn in seinem Handeln, als ein Handy fordernd zu klingeln begann. Erschrocken sah sie auf ihr Handydisplay, als sie es aus ihrer Hosentasche gezogen hatte. „Schlechte Nachrichten?“ Kurz lugte Inuyasha auf das Display und sah ‘Papa’ auf diesem stehen. „Ähm… ich muss jetzt wirklich los“, drückte sie ihn nun gänzlich von sich. Kurz darauf hatte sie auch schon ihre kleine Tasche geschnappt und die Bluse wieder angezogen. „Danke für diesen unvergesslichen Abend“, bedankte sich die junge Frau bei ihm und gab ihm noch einen Kuss auf die Wange, ehe sie fluchtartig den Raum verließ. Inuyasha fühlte sich richtig dämlich, da er gehofft hatte, noch etwas mehr Zeit mit ihr verbringen zu können. Doch scheinbar hatte sie andere Pläne. Frustriert schmiss er sich wieder auf sein Bett und griff ebenfalls nach seinem Handy. Auch er hatte bereits einige Anrufe in Abwesenheit auf diesen. Verständlich, denn er hätte doch schon vor über einer Stunde bei den Proben sein sollen. Doch diese waren ihm herzlich egal gewesen.
Nachdenklich betrachtete er das Foto, welches er am Vorabend von Kagome und sich geschossen hatte. Sie lagen gemeinsam im Bett und er hatte seine Arme um ihre zierliche Gestalt gelegt. Beide lächelten in die Kamera. Dieses Bild würde wohl das Einzige sein, das ihn daran erinnerte, wie schön diese Nacht gewesen war. Denn auch wenn er diese Nacht wirklich genossen hatte, Kagome würde er wohl nie wieder sehen und irgendwie tat ihm dies jetzt schon leid.
Zum Wohle der Band!
Zum Wohle der Band!
„Wie bitte?“ Fassungslos und wütend kamen diese Worte aus Inuyashas Mund, nachdem er zuvor mit seinem Manager ein ernstes Gespräch geführt hatte. „Inuyasha... noch einmal: Eine Trennung von Kikyo steht außer Frage und dein kleines Abenteuer vergiss mal besser ganz schnell wieder“, wiederholte er das zuvor gesagte streng. Schon vor ein paar Wochen hatte er sich einiges diesbezüglich anhören müssen. „Totosei... auch für dich zum Mitschreiben: Dass ich eine Nacht mit einer anderen Frau verbracht habe, hat nichts damit zu tun, dass ich mich von Kikyo trennen will“, versuchte Inuyasha erneut an den Verstand seines Managers zu appellieren. „Aber ich kann nicht mehr mit ihr zusammen sein“, stellte er deshalb abermals klar. In den letzten Wochen hatte er wirklich versucht über Kikyos Fehltritt hinwegzukommen. Doch am vergangenen Abend war für ihn alles nur noch schlimmer geworden. Er hatte Kikyo mit einem anderen Mann im Bett erwischt, ausgerechnet mit ihrem Bodyguard.
Ein weiterer Vertrauensbruch über den Inuyasha einfach nicht mehr hinwegsehen konnte und wollte. Definitiv vertraute er ihr nicht mehr und diesem Mann noch weniger und ohne Vertrauen konnte man in seinen Augen keine normale Beziehung führen. „Es ist für das Image der Band und deines einfach wichtig, dass du an der Beziehung festhältst. Ich bin mir sicher, dass ihr das noch einmal hinbekommen werdet und für diesen Zweck habe ich bereits einen Termin bei einer Paartherapeutin ausgemacht. Morgen um diese Zeit sitz du zusammen mit Kikyo bei dieser und ihr redet über eure Probleme.“ Mit geweiteten Augen und schüttelndem Kopf hatte Inuyasha dem Worten seines Managers gelauscht. Entweder wollte oder konnte Totosei ihn nicht verstehen. „Klar… alles nur im Interesse der Band. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass das bisschen Gerede etwas an unserer Beziehung retten könnte“, konnte sich Inuyasha diesen Kommentar nicht verkneifen.
Dennoch würde er den Termin wahrnehmen, nur um ihm deutlich zu zeigen, dass nichts ihre Beziehung retten konnte. Was mit ihm und seinen Gefühlen war, war ihnen ja ohnehin vollkommen egal.
„Kommst du mit in den Park?“ Seufzend schloss Kagome ihr Mathebuch und richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihre beiden besten Freundinnen. „Ich muss leider sofort nach Hause“, kam es bedauerlich von ihren Lippen. Zu gerne wäre sie mit ihren Freundinnen in den Park gegangen. Doch noch hatte sie Hausarrest. Schon vor Wochen hatte sie eine ordentliche Rüge von ihrem Vater bekommen, nachdem sie einfach die Nacht nicht zuhause verbracht hatte. Um dem Teenager gehorsam beizubringen, hatte ihr Vater ihr scheinbar lebenslänglichen Hausarrest ausgesprochen. Noch zeigte ihr Vater keine Gnade. Doch bereuen tat Kagome diese Nacht immer noch nicht. Sie hatte den Abend sehr genossen, so viele neue Erfahrungen machen dürfen und sich wirklich gefreut, diese mit ihrem Idol erlebt zu haben. „Will dein Vater ewig sauer sein? Ich meine, nur weil du bei einer Freundin übernachtet hast?“, schüttelte Ayumi ihren Kopf. Kurz biss sich Kagome auf die Unterlippe, da sie ihre Freundinnen in Bezug auf diese Nacht angelogen hatte, genau wie ihre Eltern.
„Vielleicht. Er ist wirklich wütend auf mich gewesen. Ich habe ihm aber versprochen, nie wieder unangekündigt bei einer Freundin zu schlafen“, verdrehte Kagome ihre Augen. In der Zwischenzeit hatte die Jugendliche ihre Schulsachen zusammengesucht und sich mit ihren Freundinnen auf den Weg gemacht. „Langsam sollte er sich damit auseinandersetzen, dass du erwachsen wirst“, pflichtete Eri bei, die von ihren Eltern deutlich mehr Freiraum bekam, als ihre beiden Freundinnen. „Nicht jeder hat so tolle Eltern wie du“, murrte Ayumi sofort, da ihre Eltern um einiges strenger waren. „Eigentlich wollten wir uns heute die neue CD von Tessaiga holen. Aber ohne dich macht es keinen Spaß die neuen Songs kennenzulernen“, seufzte Ayumi. Auch Kagome hätte die CD gerne bekommen. Durch ihr wirklich großzügiges Geschenk war dafür leider kein Geld übrig. „Wir haben sie doch erst vor Wochen live auf der Bühne gesehen“, winkte Kagome daher ab. Auch ihre Freundinnen waren damals beim Konzert gewesen, doch anderes als Kagome waren sie gleich nach der Veranstaltung von ihren Eltern abgeholt worden.
„Ich bin immer noch total frustriert, dass du wirklich die Möglichkeit hattest die Band kennenzulernen.“ Über Eris Aussage musste Kagome wirklich schmunzeln. Schon als sie damals ihr Geburtstagsgeschenk verkündet hatte, waren ihre Freundinnen neidisch auf sie gewesen. Am Montag war Kagome förmlich von ihnen gelöchert worden. Nur zu gerne hatte sie von den einzelnen Bandmitgliedern gesprochen. Noch immer war sie wie beflügelt, auch wenn ein wenig Enttäuschung mitschwang. Nach dieser Nacht hatte Kagome kurzzeitig gehofft, Inuyasha irgendwann wiedersehen zu können. Diese Hoffnung wurde mittlerweile im Keim erstickt. Eine Social Media Plattform mit seinem Namen hatte sie nicht ausfindig machen können, auch nur in der Schule danach suchen können. Leider hatten ihre Eltern ihr auch sämtliche Elektronische Geräte gestrichen. Eine Handynummer hätte Kagome ohnehin nicht gehabt. Ihr Traum von weiterem Kontakt war also ausgeträumt. Zudem wurde sie von der Realität eingeholt.
Immer wieder hatte Kagome glückliche Bilder von Kikyo und Inuyasha in den Zeitschriften erblicken müssen. Ein schmerzhafter Anblick, wenn man bedachte, das sie vor wenigen Tagen die Nacht mit ihm verbracht hatte. Doch ändern konnte sie es nicht, ihr blieb nur die Erinnerung an eine unvergessliche und unglaubliche Nacht und einen besonderen Moment, den sie ewig in Ehren halten würde.
Missmutig setzte sich Inuyasha auf die Couch, die ihm angeboten wurde. Deutlich zu sehen war dabei der Abstand, den er zu seiner noch Freundin hielt, die ebenfalls auf der Couch platznehmen sollte. „Wie kann ich ihnen helfen?“, wurden sie freundlich angesprochen, als keiner der beiden auch nur eine kleine Anstalt machte zu sprechen. „Wenn sie mich fragen, gibt es nichts mehr, wo sie uns helfen können“, kam er daher zur Sache. Demonstrativ verschränkte er seine Arme vor der Brust. Er hatte keine Lust hier zu sitzen. In seinen Augen war die Beziehung nicht mehr zu retten. Kikyos Vertrauensbruch war für ihn etwas, dass er nicht verzeihen konnte. „Inuyasha, bitte. Zumindest hier könntest du deine störrische Art einmal sein lassen“, forderte Kikyo, die in den letzten Tagen einige Streitgespräche mit ihm geführt hatte. „Störrisch? Ich bin störrisch, weil ich nicht einsehe, dass meine noch Freundin einen anderen Mann knallt und das nicht zum ersten Mal?“, knurrte er sie förmlich an.
Die vergangenen Tage hatten nichts an seiner Wut gemindert. Immer wieder waren ihm die Bilder von Kikyo auf diesem Möchtegern Naraku in den Kopf geschossen. Eine Bekanntschaft, die er nie hätte machen wollen. „Und wer hat mich dazu getrieben?“, warf Kikyo ihm gleich vor. Inuyasha glaubte sich verhört zu haben. „Wie bitte? Jetzt soll ich auch noch schuld sein, dass du deine Beine nicht zusammenlassen kannst?“, kam es fassungslos über seine Lippen. „All die Wochen hast du mich allein gelassen. Und dann kommst du endlich zurück nach Tokio und du bist nur noch im Studio. Du liebst mich doch überhaupt nicht mehr“, machte sie ungehalten weiter mit ihren Vorwürfen. „Damit könntest du sogar recht haben“, platzte es aus ihm, der im Moment wirklich nicht wusste, ob er Kikyo noch immer liebte. „Ich denke nicht, dass Inuyasha sie nicht mehr liebt“, mischte sich die Paartherapeutin in das Streitgespräch ein, nachdem sie das Paar einige Minuten still beobachtet hatte.
„Ihre Reaktion ist ziemlich heftig. Sie sind wütend und verletzt, was bei so einem Vertrauensbruch natürlich verständlich ist. Dennoch zeigt es mir auch, dass sie sie noch lieben“, machte sie einfach weiter. „Wie kommen sie darauf, dass er mich noch liebt. Als Inuyasha und ich uns kennengelernt hatten, war alles so perfekt. Dinnerabende, gemeinsam Auftritte, gelegentliche Geschenke und tolle Abende zu zweit. Doch davon ist nichts mehr übrig“, verschränkte nun auch Kikyo trotzig ihre Hände. Inuyasha verdrehte auf ihre Aussage hin seine Augen. „Besonders Geschenke“, konnte er es sich nicht verkneifen zu sagen. Mit der Zeit war Kikyo wirklich anspruchsvoll geworden mit dem, was sie von ihm haben wollte. „Kikyo, sie müssen verstehen, dass sie im Alltag angekommen sind. Ihre Beziehung besteht schon seit mehreren Jahren. Ihre Nähe ist zur Gewohnheit geworden. Sie müssen lernen die Zeit mit Inuyasha wertzuschätzen und zu genießen“, versuchte die Therapeutin der jungen Frau zu erklären. Den Kopf schüttelnd glaubte Inuyasha nicht, dass es was bringen würde.
„Und Inuyasha… sie müssen wieder lernen Kikyo zu vertrauen. Sie sind zusammen groß herausgekommen und haben eine Beziehung in der Öffentlichkeit geführt. Die Privatsphäre und auch die Zweisamkeit ist damit unweigerlich eingeschränkt worden“, forderte sie auch ihn zum Nachdenken auf. „Öffentlichkeit hin oder her. Kikyo hat mich betrogen. Nicht mit irgendwelchen fremden Männern, sondern mit ihrem Bodyguard, dem Mann den sie überall hin mitschleppt. Und anstatt sich von ihm zu trennen und sich einen neuen zu suchen, besteht sie darauf, dass er ihr Bodyguard bleibt“, stellte er klar. Dieser Umstand machte es ihm ziemlich schwer. Inuyasha hätte ihr den Fehltritt verzeihen können, weil er nicht wusste, wer dieser Mann war. Er hatte gehofft, dass es ein Einzelfall gewesen war. Doch mittlerweile hatte ihn die bittere Realität eingeholt. „Ich kann natürlich beide Seiten verstehen. Kikyo fühlt sich in seiner Nähe sicher. Ihnen wiederum ist er nun ein Dorn im Auge. Doch eine gut funktionierende Beziehung kann nur entstehen, wenn sie sich gegenseitig vertrauen und unterstützen“, versuchte sie zu verdeutlichen.
„Ich werde ihnen ein paar Hausaufgaben geben.“ Misstrauisch schaute Inuyasha die Frau an. Ihr Lächeln gefiel dem jungen Mann absolut nicht. „Entfachen sie wieder das Feuer in ihrer Beziehung. Gehen sie aus und entdecken sie ihre Sexualität neu“, forderte sie das zerstrittene Paar auf. „In einer Woche würde ich sie gerne zu einer weiteren Sitzung einladen. Ich möchte ihnen jedoch auch deutlich sagen, dass dies nur ein Versuch ist ihnen zu helfen. Sie beide allein haben die Verantwortung daran, ob es funktioniert oder nicht. Ich bitte sie jedoch eins zu bedenken. Sie haben schon viel zusammen durchgemacht. Werfen sie dieses Glück nicht wegen eines blöden Fehltritts weg“, bat sie die beiden. Wirklich glücklich über den Verlauf des Gesprächs war Inuyasha nicht. Er hatte keine Lust über sich und seine Beziehung nachzudenken. Doch solange Totosei keine Einsicht zeigte, musste er wohl oder übel zu diesen Gesprächen kommen, die seiner Meinung nach nichts an seiner Einstellung ändern würden.
Ein schlimmer Verdacht!
Ein schlimmer Verdacht!
„Na, wie geht es dir?“ Mit einem Lächeln auf den Lippen sah Kagomes Mutter in das Zimmer der Jugendlichen. Aufgrund einer Magendarmgrippe war diese am heutigen Tag von der Schule zuhause geblieben. „Mir ist noch ziemlich schlecht, aber gebrochen habe ich zum Glück nicht mehr“, richtete sich das Mädchen in ihrem Bett auf, zuvor hatte sie versucht etwas zu schlafen, dies aber aufgegeben aufgrund der Übelkeit. „Ich habe dir einen Tee gemacht. Vielleicht hilft dir der ja.“ Vorsichtig stellte ihre Mutter die heiße Tasse auf den Nachttisch ab und schaute besorgt ihre Tochter an, welche wohl immer noch ziemlich blass um die Nase war. „Ich glaube, wir sollten doch zum Arzt gehen“, kam es fürsorglich über ihre Lippen. Kagome hatte sich am Morgen geweigert einen Arzt aufzusuchen. Erst vor wenigen Tagen hatte Sota genau das selbe. Daher war sie sich sicher, dass die Medikamente ihres Bruders und ein paar Tage Ruhe schon ausreichen würden, um wieder gesund zu werden.
„Mama… jetzt mach dir doch nicht solche Sorgen. In ein paar Tagen ist das sicher überstanden. Bis dahin bleibe ich eben im Bett und lerne etwas für die nächste Prüfung. Bei Sota war es doch auch schnell wieder vorbei“, versuchte die Jugendliche ihre Mutter zu beruhigen. Schon vor wenigen Tagen hatte ihr Vater viel allein im Laden der Familie übernehmen müssen, weil ihre Mutter auf Sota geachtet hatte wenn Kagome in der Schule war. Nun fiel auch Kagome aus und konnte ihm nicht helfen. „Wenn du meinst. Sollte etwas sein, dann ruf bitte im Laden an. Ich bin sofort wieder hier“, strich ihre Mutter ihr über die Wange. „Ja, mach ich. Jetzt geh Papa bitte wieder helfen“, bat sie ihre Mutter. Ihr Vater hatte schon genug Stress im Laden, bestimmt würde er froh sein, wenn zumindest seine Frau ihm aushelfen würde. Ihre Mutter schien dies ähnlich zu sehen. Sie erhob sich mit einem resignierten Gesichtsausdruck. Vermutlich wäre sie viel lieber bei ihrer Tochter geblieben und hätte diese gesundgepflegt.
Doch der Laden sorgte für ihren Lebensunterhalt und auch wenn es schwer für sie war ihre Tochter allein zu lassen, sie waren nun mal auf jeden Yen angewiesen. „Ich sehe später nochmal nach dir und halt dich bitte von Sota fern“, bat ihre Mutter sie. Nickend bestätigte Kagome die Bitte ihrer Mutter. Sie hatte ohnehin nicht vor ihr Bett zu verlassen, ging es ihr doch im Moment wirklich nicht gut.
Frustriert lag Inuyasha auf der großen Couch im Wohnzimmer. Nach dem Besuch des Managers hatte er sich auf diese verzogen. An Arbeit war für ihn an diesem Tag nicht mehr zu denken. „Was machst du da?“, lehnte sich Miroku fragend über die Couch und schaute ihm dabei ins Gesicht. „Nichts…“, antwortete Inuyasha mit leicht genervtem Ton. Dass er seine Beziehung nicht beenden durfte und auch noch eine blöde Paartherapie machen musste, machte ihn unendlich wütend. „Ach und deswegen liegst du hier mit einem bösen Blick und starrst an die Decke. Welche Laus ist dir über die Leber gelaufen?“, wollte sein bester Freund wissen. Dabei umrundete er die Couch und hob seine Beine leicht an, um sich setzen zu können. „Totosei“, kam es frustriert über Inuyashas Lippen. „Er lässt nicht zu, dass ich mich von Kikyo trenne, und diese Therapie bringt auch keinem etwas, außer dass sie meine Zeit stiehlt“, gestand er seinem besten Freund.
Miroku wusste bereits, dass es zwischen seiner Freundin und ihm nicht besonders gut lief. „War doch irgendwie klar. Ihr seid das Traumpaar der Band. Zusammen aus der normalen Schicht aufgestiegen und von Anfang an zusammen.“ Kurz verdrehte Inuyasha die Augen. „Aber es passt nicht mehr. Miroku... sie hat mich mehrmals betrogen und ich soll jetzt auch noch das Feuer der Leidenschaft wieder mit ihr erwecken.“ Ein Vertrauensbruch, den er einfach nicht hinnehmen konnte, nicht mehr. Seinen eigenen Fehltritt hatte er nicht vergessen. Das Foto erinnerte ihn jeden Tag daran und dennoch hatte es nichts geändert. Nur weil er dasselbe getan hatte, fühlte es sich nicht besser an. „Ich kann dich ja verstehen. Kikyo hat dich betrogen und das ist etwas, dass du niemals verzeihen kannst. Aber du weißt auch, dass Totosei recht hat. Es würde der Band schaden, wenn du dich trennst. Irgendjemand packt immer über die Hintergründe aus“, seufzte Miroku.
„Du bist also auch der Meinung, dass ich mit ihr zusammenbleiben muss“, seufzte Inuyasha, der sich von seinem besten Freund etwas anderes erhofft hatte. „Ich meine ja nur, dass du vielleicht wirklich über die Gründe nachdenken solltest. Du weißt, dass Kikyo und ich nie die besten Freunde werden. Aber du musst schon verstehen, dass du sie die letzten Monate wirklich vernachlässigt hast.“ Sein bester Freund führte Inuyasha vor Augen, was er bereits selbst eingesehen hatte. „Das ist noch lange kein Grund fremd zu gehen“, grummelte Inuyasha, der ebenfalls das Gefühl vermittelt bekommen hatte, nicht genug zu sein. „Vielleicht solltet ihr wirklich nochmal bei Null anfangen. Die Bitte deiner Therapeutin hast du ebenso noch nicht erfüllt“, erinnerte Miroku ihn an die Aufgabe, dass er eigentlich wieder mit Kikyo ausgehen sollte. „Vielleicht hast du recht. Aber ich bin immer noch der Ansicht, dass ich den Verrat nicht vergessen kann.“
Auch wenn Inuyasha sich eigentlich nicht umstimmen lassen wollte. Kikyo und er waren nun mal schon seit Jahren ein Paar und ganz so leicht, wie Inuyasha sich das wünschte, fiel es ihm nicht alle Gefühle für die junge Frau zu vergessen.
Zwei Wochen später
Gelangweilt lauschte Kagome dem Lehrer bei seinem Unterricht. Wirklich darauf konzentrieren, konnte sie sich nicht. Obwohl die starke Übelkeit langsam abgeklungen war, fühlte sie sich immer noch nicht sonderlich gut. „Wie ihr hier anschaulich sehen könnt, ist dies ein Bild von den weiblichen Geschlechtsorganen“, zeigte ihr Klassenlehrer auf die verschiedenen Bilder an der Wand. Im Moment drehte sich alles im Unterricht über die Sexualität und den Körper der Menschen. Die männlichen Schüler in ihrer Klasse machten sofort blöde Witze. Manchmal wusste Kagome nicht, ob sie sich wirklich mit fünfzehnjährigen jungen Männern in einem Klassenzimmer befand. „Jungs, bitte. Das sollte auch für euch wichtig sein. Immerhin sorgen genau diese Organe dafür, dass Frauen später ein Kind austragen können. Im besten Fall eures. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass keiner von euch jetzt schon ein Kind haben möchte, zumindest hoffe ich dies“, fuhr ihr Lehrer dazwischen und sorgte dafür, dass endlich wieder Ruhe im Klassenzimmer herrschte.
Kagomes Augen weiteten sich erschrocken. Ihr Lehrer hatte soeben etwas gesagt, dass in ihr sofort eine unendliche Übelkeit aufkeimen ließ. „Bitte, Kagome“, seufzte der Lehrer, als sie eilig ihre Hand erhob. „Dürfte ich bitte kurz auf die Toilette?“, bat sie ihn deshalb schnell und hielt sich bereits den Bauch, der unangenehm krampfte. „Geht es dir den nicht gut?“ Nur mühsam schüttelte Kagome ihren Kopf. Die Übelkeit wurde immer stärker, auch ihr Lehrer schien zu verstehen, dass er sie besser gehen lassen sollte. „Eri... kannst du bitte mit Kagome gehen?“, bat er ihre Freundin. Kagome sprang unterdessen schon von ihrem Sessel auf, hatte sich ihre Schultasche geschnappt und lief schnellen Schrittes aus dem Klassenraum. Gerade noch rechtzeitig schaffte es die Jugendliche auf die Toilette. Würgend hatte sie sich über die Toilettenschüssel gebeugt. „Kagome…“, kam es besorgt von Eri und sie kniete sich neben sie. Sie hatte die Haare eilig zusammengefasst, um diese vor einem Unheil zu bewahren. Eri reichte ihr ein Taschentuch, damit Kagome sich den Mund abwischen konnte.
„Was ist denn nur mit dir los?“, wollte Eri besorgt wissen, nachdem Kagome die Spülung betätigt hatte. „Ich habe wahrscheinlich nur etwas falsches gegessen“, winkte Kagome ab, da sie ihrer Freundin nicht unnötig Sorgen bereiten wollte. Ihre Vermutung konnte sie unmöglich mit ihr besprechen. Wenn es wirklich stimmen sollte, würde für Kagome ein Albtraum wahr werden, der mit einem Traum begonnen hatte.
„Inuyasha ist ihr neuer Song eine Liebeserklärung an ihre Freundin?“ Kurz schluckte Inuyasha schwer. Er stand zusammen mit den anderen und Kikyo vor einer lächelnden Reporterin. „Der sollte alle Liebenden ehren“, wich er geschickt der eigentlichen Frage aus. Ausnahmsweise hatte nicht er für den neuen Song gesorgt. Miroku hatte den Großteil übernommen. Doch da Kikyo und er immer noch in der Öffentlichkeit das perfekte Paar waren, schlussfolgerten natürlich alle, dass er für diesen Liebessong zuständig gewesen war. „Sie singen in dem Song, dass sie zusammen alles tun können. Steht denn vielleicht der nächste Schritt an?“, wollte sie weiter wissen. Inuyasha musste sich wirklich beherrschen, um nicht verneinend den Kopf zu schütteln. Auch wenn er sich mittlerweile wirklich Mühe gab, wirklich gut lief es immer noch nicht zwischen dem einstigen Traumpaar. „Inuyasha und ich wollen uns noch etwas Zeit mit dem nächsten Schritt lassen. Im Moment sind wir voll mit unserer Karriere beschäftigt. Aber irgendwann wird es natürlich eine Traumhochzeit geben, nicht war mein Schatz?“
Mit einem zuckersüßen Lächeln sah Kikyo ihn an und drückte sich noch weiter an seine Seite. Den Arm hatte er nach wie vor um ihre Taille gelegt. Am liebsten hätte Inuyasha nein gesagt, doch dies wäre wohl keine gute Idee. „Natürlich, irgendwann“, antwortete er deshalb artig. Beinahe krampfhaft lächelte er dabei. Kurz drückte Kikyo ihre Lippen auf seine, nachdem er seine Aufmerksamkeit auf sie gerichtet hatte. Ein Gefühl, das ihm äußerst unangenehm war, durchfuhr den jungen Mann. Seit Wochen hatte das junge Paar so gut wie keine Zärtlichkeiten mehr ausgetauscht. Der Kuss fühlte sich unglaublich fremd an. „Sie haben sich relativ jung kennengelernt und auch ganz am Anfang ihrer Karrieren, glauben sie, dass genau das ein Erfolgsrezept ihrer Beziehung ist?“ Kurz sah Inuyasha über seine Schulter und hoffte, das einer seiner Bandkollegen dieses Verhör beendete, doch diese waren ebenfalls mit eigenen Interviews beschäftigt. „Ich glaube, dass es für uns ziemlich gut war. Immerhin haben wir zusammen einiges erreicht. Das schweißt zusammen und sorgt dafür, dass eine ordentliche Basis geschaffen wurde.“
Zu gerne hätte Inuyasha bei Kikyos Worten gekotzt. So zu lügen, ohne überhaupt rot zu werden, war absolut ekelhaft. Schließlich lief es im Moment alles andere als gut. Sie machten Fortschritte, doch noch war die Beziehung nicht gerettet. Immer wieder kamen sie in ein neues Tief und mussten Rückschläge durchstehen. Ob ihre Beziehung wirklich Bestand hatte, konnte man wirklich noch nicht sagen. „Wir müssen nun leider auch weiter“, entschuldige er sich, da er keine Lust hatte noch mehr Lügen hören zu müssen oder noch weiter verhört zu werden. Mit etwas Nachdruck zog er Kikyo an der Hüfte von den Reportern weg. Für ihn würde dieser Abend schon die reinste Tortur werden, da musste er sich selbst nicht noch mehr mit ein paar blöden Fragen quälen.
Nervös wartete Kagome darauf, dass die Mittagspause beginnen würde. Noch am Abend war sie in einen Drogeriemarkt gelaufen, um sich einen Schwangerschaftstest zu holen, nachdem sie ihren Kalender durchforstet hatte und mit großem Entsetzten wirklich festgestellt hatte, dass sie tatsächlich seit einigen Tagen überfällig war. Doch Zuhause hatte sie ihn unmöglich machen können und auch die Minuten zwischen den verschiedenen Unterrichtsstunden hätten nicht ausgereicht, um ihr Gewissheit zu verschaffen. Erleichtert erhob sie sich deshalb, als es endlich zur Pause läutete. „Wollen wir gleich in die Kantine?“, wollte Eri von ihr wissen. „Ich gehe noch schnell auf die Toilette, komme aber gleich nach.“ Kagome konnte es nicht gebrauchen, dass Eri oder Ayumi sie nun begleiten würden, schließlich würde dies bei ihren Freundinnen nur Fragen aufwerfen. „Ok, sollen wir dir schon mal was zu essen mitnehmen?“, wollte Ayumi von ihr wissen. Verneinend schüttelte Kagome ihren Kopf.
Seit dem Vortag und ihrer Vermutung war ihr vollkommen der Appetit vergangen. „Mein Magen ist immer noch etwas rebellisch“, versuchte sie sich zu erklären und lief mit ihren Freundinnen den Flur entlang. An den Toiletten trennte sich der Weg der jungen Frauen. Mit klopfenden Herzen ging Kagome in eine der Kabinen. Zögernd zog sie den Test aus ihrer Schultasche. Sie schaute auf diesen und hoffte sehr, dass sie sich irrte. Mit zitternden Händen öffnete sie die Verpackung und las sich die Beschreibung gut durch. Anschließend führte sie die Anweisungen penibel genau durch. Den Test legte sie einfach verdeckt auf ihrer Schultasche ab. Nun musste sie drei Minuten darauf warten, bis ein Ergebnis erscheinen würde. Unruhig rutschte sie auf den Toilettensitz hin und her. Drei Minuten konnte unendlich lange sein, wenn man auf etwas wartete. Kurz lugte sie auf ihr Handy und griff danach zitternd nach dem Test, nachdem der Timer abgelaufen war. Zögernd drehte sie den Test um. Augenblicklich kämpfte sie mit den Tränen, als sie das Ergebnis, das nur zu deutlich auf dem Test angezeigt wurde, erblickte.
Ihr Albtraum war wahr geworden. Das positive Ergebnis bestätigte ihre Vermutung zusätzlich. Kagome war schwanger. Dies hätte niemals passieren dürfen, noch nicht. Es dauerte einige Minuten, bis sie sich etwas beruhigt hatte. Den Test versteckte sie wieder in ihrer Schultasche. Sie würde diesen einfach auf ihrem Heimweg entsorgen. Völlig fertig lief sie durch die Schulflure und drückte ihre Schultasche fest gegen ihre Brust. Ihre Freundinnen warteten bereits an einem der Tische in der Kantine auf sie. „Schau mal, Kagome.“ Auffordernd zeigte Eri ihr einen Artikel. Kagomes Augen wanderten über die Überschrift.
Traumpaar bald vor dem Altar?
Bei dem Gelesenen musste Kagome schwer schlucken. „Inuyasha und Kikyo werden vielleicht bald heiraten. Ich finde es toll, dass die beiden so eine harmonische und intensive Beziehung führen. Hoffentlich werdet ihr beide auch bald so eine Beziehung führen“, freute sich Eri über das Glück ihres Idols, doch für Kagome war diese Schlagzeile wie ein Schlag ins Gesicht. Während ihre Welt sich soeben in einen Albtraum verwandelt hatte, schien Inuyasha sein Märchen zu leben. Ein Leben in dem weder sie, noch dieses kleine Wesen in ihr einen Platz haben würde.
Gerüchteküche!
Gerüchteküche!
Drei Wochen… so lange war es nun her, dass Kagome von der Schwangerschaft erfahren hatte. Wirklich damit zurechtkommen, konnte die Jugendliche noch nicht. Sie hatte sich immer noch niemanden anvertraut. Die Wahrheit traute sie sich nicht ihren Eltern zu sagen. In der Schule hatte ihre Leistung nachgelassen und das obwohl ihre Leistungen in der Unterstufe so wichtig für sie waren. Den letzten Test hatte sie total verhauen. Sie konnte sich einfach nicht mehr auf ihren Schulstoff konzentrieren. So wie jetzt saß sie nur vor ihren Büchern und verstand kein Wort, das in diesen geschrieben stand. „Kagome?“ Erschrocken zuckte das Mädchen zusammen, als ihre Mutter ihr eine Hand auf die Schulter legte. „Entschuldige, hast du was gesagt?“, wendete sie sich ihrer Mutter zu. „Was ist denn los, Kagome? Seit Tage wirkst du vollkommen unkonzentriert und abwesend.“ Ihre Mutter war nicht die Einzige, die bemerkt hatte, dass ihre Tochter nicht ganz bei der Sache war. „Alles ok, Mum. Ich habe im Moment nur ziemlich viel, um das ich mich kümmern muss.“, versuchte Kagome ihre Mutter zu beruhigen.
Auf keinen Fall wollte sie mit ihrer Mutter über ihre Schwangerschaft sprechen. „Du machst dir viel zu viele Gedanken um deine Zukunft, Kagome. Du hast noch fast zwei Jahre, um eine endgültige Entscheidung zu treffen, auf welche Oberschule du gehen willst. Nimm dich etwas zurück und versuch das Leben etwas zu genießen. Irgendwann wenn du eigene Kinder hast, wirst du es bereuen, dass du immer so hart gelernt hast und nie richtig gelebt.“ Bei den Worten ihrer Mutter musste die Jugendliche schwer schlucken. Ihre Mutter konnte nicht ahnen in wie weit das wirklich auf das junge Mädchen zutreffen würde. „Vielleicht hast du recht… ich mache mir zu viele Gedanken“, stimmte sie ihrer Mutter zu. Kagome hatte in Biologie gut aufgepasst. Sie hatte die zwölfte Woche noch nicht erreicht und man wusste nie was passieren würde. Vielleicht war die Schwangerschaft nicht intakt. Sie würde ihr Kind nie kennenlernen und alles würde so sein, als hätte diese eine Nacht nie existiert.
Es war hart so zu denken… doch Kagome wünschte sich, dass sich ihre Probleme in Luft auflösen würden und sie endlich wieder ruhig schlafen konnte.
„Haben sie meinen Rat befolgt?“, fragte die Therapeutin mit einem Lächeln auf den Lippen. Inuyasha verdrehte bei diesen Worten die Augen. Er hatte es wirklich versucht. War sogar noch am Vorabend mit Kikyo schick Essen gewesen. Doch wirkliche Leidenschaft war zwischen dem einstigen Traumpaar nicht aufgekommen. „Sagen wir… es war schon mal besser“, ergriff ausgerechnet Kikyo das Wort. „Kikyo bitte“, murrte Inuyasha, der es einfach nicht ausstehen konnte, über seine Beziehung reden zu müssen. „Was stört sie so, Inuyasha?“, wollte die ältere Frau sofort von ihm erfahren. „Es geht sie einfach nichts an“, machte er deutlich. In seinen Augen machte es keinen Sinn, seine Probleme mit einer wildfremden zu besprechen. Streitigkeiten und Differenzen sollten untereinander ausgetauscht werden. „Was genau? Ihre Beziehung? Ihr Sexleben? Oder sind sie einfach wütend, dass ich sie analysiert habe?“ Mit verengten Augen sah er die Frau an. Ihre Wortwahl passte ihm nicht.
„Ich bin einfach der Meinung, dass fremde Menschen nicht über jemanden urteilen sollten“, stellte Inuyasha deshalb klar. Ihm passte ihre Art im Allgemeinen nicht. „Inuyasha… diese Frau versucht unsere Beziehung zu retten. Oder willst du mir sagen, dass es dir egal ist?“, mischte sich auch Kikyo ein. Inuyasha versuchte wirklich über seinen Schatten zu springen und ihr zu verzeihen. Doch alles hörte sich immer so leicht an. „Ich habe keine Lust mehr“, machte er deshalb deutlich. Ohne zu zögern, stand er auf. Er braucht ein paar Minuten für sich, um nachzudenken und seine Gefühle zu ordnen. In den letzten Wochen wurde er förmlich in jeder Minute ausgehorcht. Ihm wurden Ratschläge gegeben, die ihm nicht geholfen hatten. Inuyasha hatte sich eingestanden, dass Kikyo ihm trotzdem nicht egal war. Doch sein Schmerz über den Verrat saß tief. Inuyasha war immer noch verletzt und nun musste er sich anhören, dass es ihm egal wäre. Ihm der hier mitgekommen war, obwohl er diese Therapie nicht für nötig gehalten hatte.
„Schau mal, Kagome…“, flüsterte Eri leise diese Worte und hatte ihren Blick auf ein junges Mädchen gerichtet. Soweit Kagome sich erinnern konnte, war sie in einer Parallelklasse von ihr. Wirklich kennen tat sie das Mädchen jedoch nicht. „Hast du schon das Neuste gehört?“, mischte sich auch Ayumi in das Gespräch ein. Was genau ihre Freundinnen damit meinten wusste Kagome nicht. Sie hatte die letzten Tage einfach so viel im Kopf, was um einiges wichtiger war. „Wieso seid ihr denn so aufgeregt?“, wollte die Jugendliche deshalb von ihren Freundinnen wissen. „Hast du es echt noch nicht gehört?“, kam es sofort fassungslos von Eri. „Was soll ich gehört haben?“, fauchte Kagome sie an, da sie auf dieses Katz- und Mausspiel keine Lust hatte. Es war einfach nur mühsam. „Yuka, das Mädchen dort.“ Kagome verdrehte ihre Augen, als Ayumi mit dem Finger auf die Jugendliche zeigte. „Sie hat einen Braten in der Röhre.“
Wild hustend rang Kagome nach Luft, nachdem sie sich beim Trinken verschluckt hatte. „Und der Typ hat sie auch noch sitzen gelassen“, schüttelte Eri ihren Kopf. Einen kurzen Moment sah Kagome zu dem Mädchen. Es wirkte unsicher und etwas unbeholfen. Bestimmt hatte sie die gleichen Sorgen wie Kagome. „Wie kann man nur so blöd sein. Ich meine... jeder Trottel weiß doch, dass man ein Kondom benutzen sollte“, schüttelte Eri verständnislos den Kopf. Ihre Freundin hatte bereits ein reges Sexualleben. Manchmal fragte sich Kagome wirklich, ob ihre Freundin wirklich fünfzehn war. Zwischen ihr und Ayumi lagen Welten. „Gut... vielleicht nicht alle. Ihr zwei Nonnen wisst das sicher auch nicht. Aber versprecht mir bitte das, wenn es so weit ist, ihr wisst schon, wo die Dinger draufgehören.“ Kagome war sprachlos. Ihre beste Freundin machte sich über ein fremdes Mädchen lustig. Sie sah, wie ihre Mitschüler reagierten. Das Gerücht schien bereits die Runde gemacht zu haben. „Wisst ihr überhaupt, ob es die Wahrheit ist?“, überkam Kagome die Wut.
Alle schienen sich an dem Gerücht zu ergötzen, doch keiner hinterfragte die Realität. „Komm mal runter, Kagome“, kam es gleich verwirrt von Eri. „Ihr habt keine Ahnung. Ihr wisst nicht, was wahr ist oder was passiert ist. Glaubt ihr, dass euer Verhalten diesem Mädchen irgendwie hilft?“, machte sie ihrem Ärger Luft. Yuka schien es unterdessen nicht mehr auszuhalten. Beinahe fluchtartig hatte sie die Mensa verlassen. „Yuka wird ganz andere Sorgen haben, als sich noch um eure blöden Sprüche zu sorgen“, machte Kagome weiter. „Für heute könnt ihr mir gestohlen bleiben.“ Wütend schnappte sich Kagome ihr Tablett. Wirklichen Hunger hatte sie ohnehin nicht gehabt und nun war ihr der Appetit vollkommen abhandengekommen. Für ihre Freundinnen schien eine Schwangerschaft in diesem Alter etwas Lustiges zu sein, etwas das man doch verhindern konnte und was ein No-Go war.
Kagome war sich sicher, dass sie zum Gespött der Schule werden würde, sollte auch nur eine Person von dem Baby erfahren. Sie musste es geheim halten und am Ende allein damit fertig werden, so jung Mutter zu werden.
Gedankenversunken starrte Inuyasha auf den kleinen See im Park. Er ließ die vergangenen Wochen und Monate noch einmal Revue passieren. Mittlerweile hatte er wirklich darüber nachgedacht. Es war nicht nur Kikyos Schuld, dass alles so gelaufen war. Er hatte ebenso Fehler gemacht. Zu sehr hatte er sich nach ihren Bedürfnissen gerichtet, ihr jeden Wunsch erfüllt. Als er keine Lust mehr darauf hatte, hatte er einfach begonnen sie zu vernachlässigen und ihre Wünsche zu ignorieren. Nie hatte er seine Wünsche geäußert. Ihr nie gezeigt, was ihm wichtig war und vor allem, dass es sich für ihn nicht richtig anfühlte. Er hätte über seine Bedenken sprechen müssen. Doch er hatte geschwiegen. Er hatte Angst. Angst davor, alles kaputt zu machen. Kikyo war glücklich gewesen, auch wenn er es nicht war. Irgendwann hatte sie ihre Nähe und Wünsche bei einem anderen Mann ausgelebt und Inuyasha… er hatte dies ebenfalls getan. Kagome war sein Ventil gewesen. Sie hatte so unschuldig gewirkt, nichts von ihm gefordert und am Ende hatte er sie einfach benutzt, um sich besser zu fühlen.
„Willst du hier ewig sitzen?“ Überrascht schaute Inuyasha zu seinem Bruder. „Was machst du denn hier, Sess?“, wollte er leise wissen, hatte sich aber wieder dem See zugewandt. „Rin und ich haben unsere Eltern besucht. Und was machst du hier?“, stellte Sesshomaru die Gegenfrage. Vorsichtig setzte er sich neben dem jungen Mann. „Habe nachgedacht“, gab Inuyasha leise zu. „Kikyo und ich haben im Moment ein paar Probleme“, machte er weiter. „Hätte mich auch gewundert, wenn das nicht irgendwann so gekommen wäre“, pflichtete der Ältere ihm bei. „Willst du sie klären?“, wollte er anschließend wissen. „Ich weiß es nicht. Kikyo und ich haben uns so viel zusammen, aber auch alleine aufgebaut. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir uns dabei aber verloren haben“, gestand der Jüngere seufzend. „Ein kleiner Teil in deinem Herzen liebt diese Frau abgöttisch. Dein Kopf jedoch scheint langsam zu realisieren, dass etwas gründlich in die falsche Richtung läuft.“ Damit hatte Sesshomaru sicher recht. Im Moment lief alles den Bach runter. Inuyasha musste sich entscheiden.
„Sess… hättest du Rin verziehen, wenn sie dir fremdgegangen wäre?“, richtete Inuyasha die Frage an seinen Bruder. Für ihn war es ein bitterer Vertrauensbruch. Manche Menschen konnten diese jedoch verzeihen und vor allem überwinden. „Ich hätte es versucht. Rin und ich haben viel zusammen erlebt. Es hat uns stärker gemacht. Und es läuft nicht immer alles vollkommen perfekt. Aber ich liebe diese Frau. Sie ist mein Kryptonit und wird es immer sein. Egal wie verletzt ich sein würde… ich könnte sie nicht aufgeben.“ Seufzend nahm Inuyasha diese Worte zur Kenntnis. Für Sesshomaru war Rin alles. Doch war auch Kikyo Inuyasha so wichtig? Der junge Mann schwankte immer noch. „Für dich ist doch eigentlich nur wichtig, ob du es schaffst, dass einfache und gewohnte aufzugeben. Kikyo war schon lange keine Traumfrau mehr für dich.“ Kurz schluckte Inuyasha schwer. Sein Bruder hatte durch aus recht. Inuyasha liebte die Gewohnheit. All der Trubel in seinem Leben war schon aufregend genug. Zuhause wollte er sich sicher fühlen. Demnach wollte er keine Veränderung.
„Inuyasha… manchmal sind Veränderungen gar nicht so übel“, klopfte sein Bruder ihm auffordernd auf die Schulter. „Und manchmal sollte man einfach alles so lassen wie es ist“, murmelte dieser, als er sich zusammen mit seinem Bruder erhob. „Vielleicht“, zuckte sein Bruder mit den Schultern. Sesshomaru würde ihm keine Meinung aufzwingen. Er war neutral ihm gegenüber. Obwohl er Kikyo nicht ausstehen konnte, hatte er sie nie angegriffen. Er hatte mit Inuyashas Entscheidung gelebt und ihm alle Freiheiten gelassen. Vielleicht würde Inuyasha irgendwann seine Entscheidung bereuen. Doch noch war er nicht bereit, sein gewohntes Leben aufzugeben. Er würde Kikyo zum wiederholten Mal verzeihen und ihr noch eine Chance einräumen. Doch ihm war ebenso klar, dass er an sich arbeiten musste. Er musste über das Sprechen, was ihn beschäftigte und vor allem ehrlich zu sich und Kikyo sein.
Kleine Unwahrheiten und große Probleme!
Kleine Unwahrheiten und große Probleme!
Drei Monate später
„Dankeschön.“ Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen bedankte sich Inuyasha bei der Bedienung, die ihnen soeben ihren Wein serviert hatte. Allen Annahmen zum Trotz, hatte er es wirklich noch einmal mit Kikyo versucht. Noch war nicht alles wieder beim Alten. Inuyasha hatte viele Gespräche geführt, nicht nur mit ihr, sondern auch seine Familie hatte er immer wieder um Rat gefragt. Nach langem Zögern war er wirklich dazu bereit, ihr endgültig zu verzeihen. Auch weil Kikyo respektierte, dass er ein Problem mit Naraku hatte. Kikyo hatte seinen Wunsch erfüllt und Naraku war nur noch selten an ihrer Seite. Ebenso wie sie keinen weiteren Kontakt mehr hatten. Trotzdem blieb immer dieser kleine Rest an Angst. Diesen wollte er an dem Abend endgültig entsagen. Zusammen mit Kikyo war er in ein schickes Restaurant gegangen. Die beiden wollten einen romantischen Abend verbringen. Inuyasha hatte einige Tage hart geschuftet, um sich den Abend frei zu nehmen.
Die Vorbereitung auf ihre neue Tour stand bereits an, schon in wenigen Monaten würden sie wieder auf der großen Bühne stehen. Er wollte ihr zeigen, dass er ihr wieder völlig vertraute. Er wollte ihr wieder näher kommen. Ihr zeigen, dass er sie liebte. Seine Gefühle waren nicht mehr so verwirrt. Er wusste, dass sie ihm sehr wichtig war. Auch wenn es nicht immer einfach war. „Auf einen wunderschönen Abend“, ergriff er das Glas, nachdem auch Kikyos Glas gefüllt war. „Auf einen wunderschönen Abend“, lächelte seine Freundin ihm entgegen. Inuyasha hoffte wirklich, dass er dies in wenigen Stunden ebenfalls noch sagen konnte und sie endlich einen richtigen Neuanfang wagen konnten.
Mit einer ruckartigen Bewegung wich Kagome ein paar Schritte zurück, nachdem ihr Bruder sie freudig umarmt hatte. „Was hast du denn?“, wollte der kleine Junge sofort wissen. „Ich habe mich nur erschreckt“, wich sie der eigentlichen Frage aus. „Du bist komisch“, murrte Sota sofort los. Für ihn war Kagomes Verhalten wohl wirklich komisch. Doch sie konnte nicht anders. Ihr Bauch wuchs mittlerweile stetig und sie hatte alle Mühe ihren kleinen Babybauch zu verstecken. Ihr Kleidungsstil hatte sich komplett geändert. Weite Shirts und Pullover waren momentan ihre besten Freunde geworden, die engen Tops und kurzen Röcke beinahe gänzlich aus ihrem Kleiderschrank gewichen. Ihre Hosen bekam sie kaum noch zu. Der Teenager wusste nicht, wie sie die Schwangerschaft weiter verstecken sollte. Im Sportunterricht achtete sie penibel darauf, dass niemand sehen konnte, wie sie sich umzog. Die kleine Wölbung zeigte deutlich, was mit ihrem Körper geschah.
Frühere Zärtlichkeiten mit ihrer Familie hatte sie nun vollkommen eingestellt. Das Risiko, das ihre Eltern oder gar ihr Bruder die Bewegung des Babys spürte, war einfach zu hoch. Seit einigen Wochen spürte sie die leichten Bewegungen. Eines Abends war Kagome geschockt gewesen, als sie die sanfte Berührung gespürt hatte. Gleichzeitig war sie unglaublich fasziniert von dem Erlebten gewesen. Die Hälfte der Schwangerschaft hatte sie schon geschafft. In wenigen Monaten würde sie dieses kleine Wunder zur Welt bringen. Kagome las so viel wie möglich über dieses Thema. Sie musste viel über Geburten lernen. Sie wollte und konnte in kein Krankenhaus gehen. „Mama… Kagome ist schon wieder so komisch.“ Erschrocken weiteten sich Kagomes Augen. „Sota“, fuhr sie ihren Bruder an. Ihre Mutter hinterfragte Kagomes Verhalten ohnehin schon dauernd und beäugte sie misstrauischer. Kagome hatte das Gefühl, sie beobachtete sie unaufhörlich. Ganz besonderes bei ihr passte Kagome auf, keine Fehler zu machen. Ihre Mutter hatte bereits zwei Schwangerschaften überstanden. Sie kannte die Symptome und die körperlichen Veränderungen sehr gut.
Die Morgenübelkeit hatte Kagome gut verstecken können. Immer wieder mit dieser gekämpft. Doch mittlerweile waren diese Unannehmlichkeiten verschwunden und sie fühlte sich gut. Nur die Luft blieb ihr bei Anstrengung langsam weg. „Kagome bitte... Was ist mit dir los?“, kam ihre Mutter seufzend in ihr Zimmer. „Nichts. Könnte ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen“, fauchte Kagome wütend. Ihre Hormone waren ohnehin schon komplett durcheinander. Das Mädchen reagierte oft über oder konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. „Nichts? Du ziehst dich immer mehr zurück und redest nicht mit uns. Was soll das, Kagome?“, hakte ihre Mutter aufgebracht nach. „Gar nichts. Ihr könnt mir doch ohnehin nicht helfen“, schob sie sich wütend an ihrer Mutter vorbei. Sie brauchte dringend frische Luft und etwas Abstand zu ihrer Familie, die sie im Moment nicht sonderlich gut ertragen konnte.
Tief atmete Inuyasha durch, lag steif in seinem Bett und starrte auf einen belanglosen Punkt an seiner Decke. Kikyo kuschelte sich unterdessen an seine nackte Brust und fuhr mit ihren Fingern zärtlich über seine Haut. „Das war schön“, flüsterte sie leise. Inuyasha erwiderte auf ihre Worte nichts, da er sich einfach nicht in der Lage dazu fühlte. Für ihn waren die vergangenen Momente mehr als komisch gewesen. Seit einer Ewigkeit hatte er keinen Sex mehr mit Kikyo gehabt, diesen sogar eher gemieden oder verhindert. Er hatte sich einfach nicht wohl bei dem Gedanken gefühlt, sie zu berühren. Am heutigen Abend wollte er sich einen Ruck geben und über seinen Schatten springen. Doch wirklich schön hatte es sich nicht für den jungen Mann angefüllt. „Ich würde gerne duschen gehen“, kam es von ihm und er schob Kikyos Hand deshalb bestimmt von seinem Körper. Er fühlte sich schmutzig und wollte nur noch den Schweiß von seinem Körper waschen.
„Alles ok?“, wollte sie mit zusammengekniffenen Augen wissen. „Es ist einfach nur warm und ich will nicht so verschwitzt hier rumliegen“, meinte er entschuldigend. Wirklich zu glauben, schien sie ihm nicht, sie rollte lediglich mit ihren braunen Augen. „Ich geh wohl nach dir in die Dusche“, murmelte sie frustriert. „Bis gleich“, verschwand er schnell aus seinem Zimmer, bevor sie doch noch auf die Idee kommen würde mit ihm zu duschen. Er brauchte einfach ein paar Minuten für sich, um etwas nachdenken zu können. Das Vergangene hatte ihn doch wirklich verwirrt.
„Du musst froh sein, dass die Sommerferien beginnen.“ Kurz zuckte Kagome erschrocken zusammen. Eilig drehte sie sich von der Peron weg, die sie soeben angesprochen hatte, hatte sie doch gedacht, dass sie bereits allein in der Umkleide sein würde. „Es ist doch jeder froh, dass die Ferien bald beginnen“, kicherte Kagome nervös und zog schnell die weite Bluse über ihren Körper. „Ein Mädchen, dass im Sommer eine Schwangerschaft versteckt, wohl am meisten.“ Kurz erstarrte Kagome und drehte sich anschließend zu Yuka um. „Woher weißt du es?“, seufzte sie mit gesenktem Kopf. Es war ihr unangenehm und vor allem wusste sie nicht, was sie verraten hatte. „Du weißt, dass ich ebenfalls schwanger bin? Du hast dich verändert und ich habe auch mitbekommen, was du zu deinen Freundinnen gesagt hattest“, setzte sich Yuka auf die Bank und lächelte sie glücklich an. „Wie weit bist du?“, wollte sie nun wissen. „Einundzwanzigste. Und du?“, fragte Kagome nach und ließ sich ebenfalls auf die Bank nieder.
„Wow… und da machst du echt noch bei Sport mit? Was sagt denn dein Arzt dazu? Meiner hat mir schon vor Monaten eine Befreiung gegeben. Ich bin übrigens in der Neunzehnten, auch wenn man durchaus davon ausgehen könnte, dass ich schon weiter bin“, kicherte Yuka, die mittlerweile wirklich gut damit zurechtkam, dass alle über sie sprachen. „Ähm…“, kam es verlegen von Kagome. Yuka war für ihre mittlerweile sechzehn Jahre eine vorbildliche Mutter. Sie nahm Arzttermine wahr und hörte auf den Rat ihrer Ärzte. Kagome hingegen hatte noch immer keinen Arzt aufgesucht und würde dies wohl auch bis zum Schluss nicht tun. „Weißt du schon, was es wird?“, frohlockte Yuka und schien wirklich glücklich darüber zu sein, mit jemanden über Babys sprechen zu können. „Nein... ich war noch nicht beim Arzt“, gab Kagome schließlich kleinlaut zu. „Was? Bist du wahnsinnig? Du bist doch jünger als ich und hast damit ebenfalls eine Risikoschwangerschaft. Was sagen denn deine Eltern dazu“, kam es gleich schockiert von Yuka.
„Meine Eltern wissen es nicht, genauso wie der Vater“, flüsterte Kagome leise. Sprachlos starrte Yuka sie an und musste wohl erstmal verdauen, was Kagome ihr soeben offenbart hatte. „Ich… oh gott... und was willst du machen, wenn dein Bauch noch größer wird, oder die Geburt einsetzt?“, fragen sie nach, die Kagome selbst nicht beantworten konnte und deshalb mit den Schultern zuckte. „Weitere Kleidung tragen und noch mehr Bücher über Geburten lesen.“ Dass es waghalsig war, wusste sie selbst, doch noch mehr Angst hatte sie vor der Reaktion ihrer Eltern. „Und danach? Sagst du einfach zu deinen Eltern, du hast das Baby gefunden? Oder was willst du damit machen?“, hakte Yuka nach und hielt dabei ihren Bauch mit beiden Händen fest. „So weit habe ich noch nicht gedacht. Weißt du, was es für ein Schock war, zu erfahren, dass ich schwanger bin?“, verteidigte Kagome sich. Vorwürfe konnte sie nun wirklich keine gebrauchen. „Ja, das weiß ich. Nicht gerade toll, oder?“, pflichtete Yuka ihr bei, die ja leider ebenfalls in dieser misslichen Lage steckte.
„Ich will das Baby behalten. Ich weiß nur nicht wie. Mein Vater wird ausrasten. Wir haben ohnehin schon nur sehr wenig Geld und nun noch ein Baby“, beruhigte sich Kagome langsam wieder. „Ich kann deine Sorgen gut nachvollziehen. Ich hatte auch unendlich viel Angst vor der Reaktion meiner Eltern, doch sie haben ganz anderes reagiert als erwartet, sie wollen mir helfen und freuen sich schon darauf, bald ihr erstes Enkelkind in den Armen zu halten“, strich sie Kagome vorsichtig über die Schulter. „Ich bin mir sicher, dass auch deine Eltern nicht so schlimm reagieren werden. Ja, du hast einen Fehler gemacht. Und lange geschwiegen. Aber vielleicht ist deine Situation nicht mehr ganz so aussichtslos. Du hast mich, ich freue mich, wenn ich mit jemanden über das Baby sprechen kann. Wenn du willst, gebe ich dir auch meine Nummer. Du kannst mich jederzeit anrufen und wenn du doch mit deinen Eltern sprechen willst, kann ich gerne dabei helfen“, bot Yuka ihre Hilfe an.
Kagome war erstaunt darüber. Sie kannte das Mädchen kaum, hatte sie nur ab und an gesehen und nun bot ihr genau diese so viel Hilfe an. „Warum machst du das?“, wollte Kagome daher wissen. Sie hatte sie schließlich auch allein lassen können oder sie eben auffliegen lassen. Sie hätte nicht mehr allein all das Gespött auf sich gezogen. „Weil ich dich auch beneide, aber auch weiß wie sehr du gerade leidest und zu zweit kann man manch Päckchen einfach leichter tragen“, lächelte Yuka zaghaft sie an. „Ich überlege es mir, ja?“ Kagome würde sich ernsthaft damit auseinandersetzen, sie würde überlegen, was sie machen wollte und vorallem würde sie darüber nachdenken vielleicht doch ihren Eltern von der Schwangerschaft zu erzählen. „Gern und wie gesagt, ich bin schon froh mit einer in meinem Alter über die kleinen Unruhestifter in unseren Bäuchen reden zu können“, lachte Yuka fröhlich auf und zum ersten Mal seit Monaten hatte Kagome das Gefühl nicht mehr ganz so allein auf dieser Welt zu sein. Und wer weiß… vielleicht würden sie und Yuka wirklich gute Freundinnen werden.
Und plötzlich bist du da!
Und plötzlich bist du da!
Elf Wochen später
Erschrocken zuckte Kagome leicht zusammen und griff sich reflexartig an ihren kleinen runden Bauch. Doch schon wenige Sekunden später war der Schmerz wieder verschwunden. Vorsichtig atmete sie aus und schaute sich anschließend aufmerksam im Klassenzimmer um. Niemand schien etwas bemerkt zu haben. Erleichtert atmete sie daher aus. In den letzten Monaten hatte Kagome ihre Schwangerschaft erfolgreich verstecken können. Niemand ahnte, dass die fünfzehnjährige bereits im Anfang vom achten Monat schwanger war. Hilfestellung hatte ihr auf jeden Fall der doch recht kleine Babybauch gegeben und die Winteruniform ihrer Schule, die zu Kagomes Erleichterung ziemlich weit gewesen war. Doch langsam näherte sich das Ende ihrer Schwangerschaft. Sie wusste noch nicht, was sie machen sollte. Auch ihre Eltern wussten nichts von der Schwangerschaft, die sie bis jetzt versteckte. Yukas Rat mit ihren Eltern zu sprechen hatte Kagome nicht über sich gebracht, dafür oft mit Yuka gesprochen und sich heimlich mit ihr getroffen.
Kagome hatte einfach zu viel Angst vor ihrer Reaktion gehabt, sie wären ohnehin ausgerastet, und für eine Abtreibung hatten sie kein Geld, zu spät wäre es ohnehin bereits dafür gewesen. Auch ein weiteres Kind würden sie nur schwer durchbringen können, dass wusste sie ganz genau. Kagome wusste, wenn das Kind geboren war, musste sie sich von diesem trennen. Um kein Aufsehen zu erregen, hatte sie auch keine Arztpraxis aufgesucht. Sie hatte einfach enorm viel über Geburten gelesen. Demnach wusste sie, dass es sich bei den momentanen Schmerzen um Senkwehen handeln musste. Ihr Körper bereitete sich auf die Geburt vor und sie selbst, versucht so viel wie möglich darüber zu wissen, schließlich würde sie diese genau wie die Schwangerschaft allein und ohne Hilfe durchstehen müssen.
„Da bist du ja endlich!“ Freudig umarmt Inuyasha seine Mutter, nachdem er diese in den letzten zwei Monaten nicht gesehen hatte. „Wie war die Tour?“, wollte sie sofort neugierig wissen. Inuyasha war zusammen mit der Band durch einige Städte in Japan gereist und hatte dort mehrere Konzerte gegeben. „Cool. Die Leute waren echt der Hammer“, gestand Inuyasha begeistert. Die Tour hatte er wirklich genossen. „Das ist schön. Dein Vater kommt bestimmt auch gleich von der Arbeit.“ Zusammen mit seiner Mutter setzt er sich an den Esstisch. Nach der Tour hatten seine Familie und er immer ein Ritual. Gemeinsam nahmen sie eine Mahlzeit zu sich und sprachen über das Erlebte. „Wann kommen Sesshomaru und Rin?“, wollte er deshalb von seiner Mutter wissen. „Sollten gleich da sein. Vorhin meinte Rin, dass sie schon losgefahren sind“, freute sich die ältere Frau, die es schon immer gern hatte, ihre Familie um sich zu haben. Durch seine berufliche Laufbahn war dies leider nicht mehr ganz so oft der Fall.
„Perfekt, ich habe nämlich schon Hunger“, grinste Inuyasha, der natürlich sofort gerochen hatte, dass seine Mutter eines seiner Lieblingsgerichte gekocht hatte. „Das habe ich mir schon gedacht“, kicherte sie direkt. Nur wenige Sekunden später wurde die Haustür erneut geöffnet. Sein Vater betrat mit seinem Bruder die große Wohnküche. „Hallo“, kam es auch wenige Augenblicke später von Rin, die freudestrahlend in den Raum trat. „Hey.“ Kurz umarmte ihn seine Schwägerin und nahm anschließend neben ihm Platz. „Da wir jetzt alle da sind, hole ich mal das Essen“, stand lächelnd seine Mutter auf. Inuyasha erhob sich ebenfalls, um ihr zu helfen. Gemeinsam brachten sie die verschiedenen Töpfe zu dem Tisch. Erst danach setzten sich die beiden wieder an den Tisch. „Guten Appetit“, wünschte sich die Familie, ehe sie damit begannen sich über die Köstlichkeiten herzumachen und den Hunger zu stillen.
Seufzend drehte sich Kagome auf den Rücken. Zuvor hatte sie vergeblich versucht in den Schlaf zu finden. Doch an diesen war im Moment kaum zu denken. Vorsichtig begann Kagome damit immer und immer wieder über ihren kleinen Babybauch zu streicheln. „Was hast du denn?“, flüsterte sie leise und spürte, wie das Baby wild gegen ihre Hand trat. Kurz bildete sich ein Lächeln auf ihren Lippen. Sie fand es noch immer unglaublich schön, ihr Baby zu spüren. Sie erinnerte sich noch immer genau an den Moment, als sie ihr Baby das erste Mal gespürt hatte. Sie hatte damals in einer Prüfung gesessen. Die federleichte Berührung hatte sie anfangs erschreckt. Erst später hatte sie realisiert, was passiert war und worum es sich dabei gehandelt hatte. Mittlerweile waren die Kindsbewegungen deutlich stärker und auch intensiver. Kurz schloss Kagome ihre Augen und hatte noch immer Krämpfe. Tief atmete sie durch, nachdem die Kontraktion vorbei war.
An diesem Tag waren diese besonders unangenehm gewesen. Kagome hatte wirklich damit zu kämpfen gehabt, diese zu verbergen. Vorsichtig drehte sie sich wieder auf die Seite. Kagome schloss ihre Augen und hoffte, dass sie in dieser Nacht wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekommen würde. Immerhin würde morgen wieder ein langer Schultag auf sie warten und diesen musste sie wenigstens mit ein paar Stunden Schlaf überstehen.
„Entschuldigt.“ Seufzend ließ sich Inuyasha wieder auf seinen Sitzplatz fallen. Zuvor war er durch einen Anruf seines Managers aus einem Gespräch gerissen worden. „Ich dachte, du und Kikyo seid getrennt?“ Eilig steckte Inuyasha sein Handy, das er zuvor auf den Tisch gelegt hatte, wieder ein. „Naja… wir haben eine Therapie gemacht und versuchen es doch noch mal miteinander“, kam es beschämt von ihm, der seinem Bruder nichts von der weiteren Entwicklung erzählt hatte. „Aber auf dem Bild saht ihr doch richtig niedlich aus, sieht aus, als hätte euch die Therapie wirklich geholfen“, freute sich Rin, die wohl seinen Sperrbildschirm gesehen hatte. „Oder ist das etwa deine neue Freundin?“, wollte sie anschließend neugierig wissen. Auch seine Mutter beäugte ihn neugierig. „Zeig doch mal her“, bat sie ihn. Doch Inuyasha schüttelte nur seinen Kopf. „Das ist doch nur ein Bild. Und das Bild vergisst du besser gleich mal wieder“, stellte er schnell klar.
Eigentlich hatte er dieses Bild von sich und dem Mädchen nur als Andenken als Sperrbildschirm eingestellt. Für ihn war dieser Abend sehr besonders gewesen. Sie war der erste Fan, mit dem er sich eingelassen hatte, bis jetzt auch der Einzige. Inuyasha wollte sie in guter Erinnerung behalten, wenn er sie schon nicht wiedersehen konnte. „Aber warum denn?“, protestierten die beiden Damen am Tisch sofort. „Weil es nur ein Foto ist.“ Für ihn war dieses Foto eben nur eine Erinnerung. Längst vergangen und nicht relevant. „Schade… dabei würde ich es dir so gönnen, dass du endlich wieder glücklich bist“, seufzte Rin. Doch im Moment war Inuyasha zufrieden mit seinem Leben. Die paar Auftritte mit Kikyo konnte er mittlerweile deutlich besser ertragen. Ihre Beziehung zueinander war immer noch angespannt. Nähe und Zärtlichkeiten waren immer noch schwierig für ihn und dennoch versuchte er immer mehr auf seine Freundin zuzugehen.
Selbst die Therapeutin war froh über die Entwicklung, auch wenn es wohl noch ein langer Weg werden würde, bis das Vertrauen wieder aufgebaut war. Bei dem Paar dauerte alles etwas länger. Er hatte seine Band, viele Auftritte und viel zu wenig Zeit, um allein Kikyo und seiner Familie gerecht zu werden. Er musste erst ein Mittelmaß finden, um allen gerecht werden zu können. Inuyasha glaubte nicht, dass er Kikyo jemals wieder vollkommen vertrauen konnte und wenn dies eben bedeutete, dass er immer mit einer gewissen Unsicherheit kämpfen musste, würde er eben lernen mit dieser umgehen zu müssen.
Schwer atmend hielt Kagome das kleine Baby im Arm und sah vollkommen erschöpft auf dieses. Nachdem die Nacht nicht besonders gut gewesen war, hatte sie am Morgen einen Riesenschreck bekommen. Beim Aufstehen war ihre Fruchtblase geplatzt. Viel zu früh und doch unaufhaltsam wusste Kagome was dies zu bedeuten hatte.Nur mühsam hatte sie sich daraufhin angezogen und ihren Eltern die heile Welt vorgespielt. Zusammen mit ihrem Bruder war sie in die Schule aufgebrochen. Nach kurzem Fußweg hatte sie sich bei Sota entschuldigt und war ohne groß Nachzudenken zu Yuka nach Hause gelaufen, die aufgrund der Schwangerschaft bereits freigestellt von der Schule gewesen war. Sie hatte einfach Angst davor, die Geburt alleine überstehen zu müssen. Das Mädchen hatte ihr ohne zu überlegen die Tür geöffnet, sie bis eben so gut sie konnte unterstützt. Zur Kagomes Erleichterung waren Yukas Eltern bereits auf der Arbeit gewesen, als sie bei ihr angekommen war. Stunden hatte sie unter permanenten Schmerzen gelitten, diese so gut sie konnte veratmet und Wehe um Wehe überstanden.
Nun endlich hatte sie ihr Kind in den Armen. Das kleine Mädchen war einfach perfekt. Ihre schwarzen Haare waren leicht gelockt und die Augen wie ihre eigenen in einem wunderschönen Braun. Das leise Wimmern des Babys halte durch den Raum. Mit zittrigen Händen öffnet sie ihre Bluse und legte das kleine Mädchen an ihre Brust. Kräftig begann diese gleich daran zu saugen. „Was machen wir jetzt, Kagome?“, hauchte Yuka und sah fasziniert auf das kleine Mädchen in ihrem Arm. Kagome sah der Kleinen dabei zu, wie es an ihrer Brust saugte. Vorsichtig strich sie über ihre kleine Stirn. Erschöpft lehnte sie ihren Kopf an die Wand. Die Geburt war wahnsinnig anstrengend gewesen, anstrengender als sie es erwartet hatte. „Kannst du mir etwas Kleidung leihen?“, atmete Kagome durch. Kagome musste sich beeilen, wenn sie verhindern wollte, dass Yukas Eltern sie mit dem Kind erwischen würden. Auch die Eltern ihrer Freundin wussten nichts von Kagomes Schwangerschaft, Yuka hatte wie versprochen Stillschweigen bewahrt.
Mit wackeligen Beinen erhob sich Kagome aus der großen Badewanne, nachdem die Kleine gesättigt war. Sie musste sich und das Baby säubern. Auch die Kleidung und Decken mussten die beiden Mädchen entsorgen, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Eilig zog sie deshalb ihre Kleidung aus und entledigte sie sich dieser. Yuka hatte unterdessen das kleine Mädchen an sich genommen und hielt es sicher in ihren Armen. „Willst du sie wirklich weggeben?“, hauchte sie traurig. Auch Kagome ging es nicht anders, doch sie hatte keine Wahl. Nachdem sie die Rückstände der Geburt in einem Tuch beseitigt hatte, ließ sie in der Badewanne Wasser einlaufen und reinigte diese etwas, bevor sie sich langsam hineinsetzte. Sie achtete darauf, dass dieses nicht zu warm war, um dem Baby nicht zu schaden. „Ich kann sie nicht behalten, Yuka“, flüsterte Kagome leise, nachdem Yuka ihr das Baby wieder übergeben hatte.
Vorsichtig wusch sie sich und dem Baby das Blut und den Schweiß ab. Erst als die Kleine vollkommen sauber war, wickelte sie diese wieder in ein Handtuch, welches Yuka ihr vorbereitet hatte. Mit dem Büdel lief sie zusammen in das Kinderzimmer von Yukas Baby. Schnell kramte Yuka im Kleiderschrank nach einem Body und einem Strampler, sowie einer dicken Decke, die sie vor wenigen Wochen besorgt hatten und bei Yuka deponiert hatten. Vorsichtig zog sie diese dem kleinen Mädchen an. Ein kleines Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Das Mädchen sah einfach wunderschön aus. Tränen sammelten sich in ihren Augen, denn sie wusste, dass sie dieses wunderschöne Geschöpf nicht behalten konnte. Kagome nahm eine Decke, wickelte die Kleine wieder darin ein. Yuka hatte unterdessen die beschmutzten Decken und Kleider in einer Tüte verstaut.
Mit einem mulmigen Gefühl verließen Kagome und Yuka zusammen das Haus, mit dem Baby. Kagome wusste, dass dieser Weg schwer war, doch sie musste ihn gehen, wenn sie wollte, dass es ihrer Tochter gut gehen sollte.
„Hey…“ Fassungslos drehte sich Shippo zu der Person um, die ihn soeben unsanft angerempelt hatte. Sein Einkauf lag nun vollkommen auf dem Boden verstreut. Die Person war mittlerweile aus seinem Blickfeld verschwunden. Kopfschüttelnd kniete sich Shippo auf den Boden und begann damit seine Einkäufe einzusammeln. Doch lange damit beschäftigen konnte er sich nicht. Ein leises Wimmern, welches kurz darauf zu einem Brüllen wurde, zog seine Aufmerksam auf ihn. Mit großen Augen sah er auf das kleine Büdel, das vor ihrer Haustür auf den Boden lag. Eilig erhob er sich und lief auf das Baby zu, welches weiterhin laut schrie. „Was…“ Erschrocken drehte er sich wieder zur Straße. Schwer schluckend wendete er sich wieder dem Baby zu. Vorsichtig hob er dieses auf seine Arme. „Moroha…“, flüsterte er, als er die Karte las, die auf dem Bauch des Babys lag.
In Windeseile sammelte Shippo seine Einkäufe auf und lief anschließend in das Wohnhaus, in welchen er und seine Bandkollegen zusammen lebten. „Leute?!“, rief er laut nach diesen. Immerhin hatten sie ein Problem, von welchen dringend alle wissen mussten. „Woher hast du das Baby?“, kam Koga sofort auf ihn zu. „Baby?“, folgten Inuyasha und Miroku verwirrt ihrem Bandkollegen. „Das lag vor unserer Haustür“, verließ es schockiert seine Lippen. „Bitte… wieso nimmst du es mit herein?“, wollte Koga fassungslos wissen. „Was hätte ich denn machen sollen? Draußen ist es saukalt und die Mutter war weit und breit nicht zu sehen. Hätte ich sie sterben lassen sollen?“ Erschrocken sah Shippo auf das kleine Bündel, in welchem das Baby mittlerweile ruhig schlief. „Was ist das?“, wollte Inuyasha wissen und deutete auf die Karte, die bei dem Baby gelegen war. „Die lag bei ihr.“ Vorsichtig überreichte Shippo ihm die Karte.
-Ihr Name ist Moroha, kümmere dich um sie.-
Las Inuyasha laut vor und schaute auf das schlafende Baby. „Soll das etwa heißen, dass dieses Baby einem von uns gehört?“, kam es sichtlich ungläubig von Koga. „Sieht ganz so aus… und was machen wir jetzt?“, murmelte Miroku, der wohl genau wie all die anderen in diesen Raum nicht wusste, was sie jetzt machen sollten.
Völlig überfordert!
Völlig überfordert!
„Was machen wir jetzt?“ Gemeinsam mit seinen Bandkollegen stand Inuyasha vor der Couch, auf diese hatten sie das Baby abgelegt und starrten weiterhin entgeistert auf dieses. „Was sollen wir schon machen? Wir rufen die Polizei... immerhin hat irgendjemand dieses Kind ausgesetzt“, griff Koga bereits zu seinem Handy. Doch schneller als er die Nummer wählen konnte, hatte Miroku ihm dieses schon entrissen. „Bist du bescheuert? Wenn das jemand mitbekommt, sind wir in aller Munde und das nicht gerade mit positiven Meldungen“, fauchte er sofort seinen Kumpel an. Mit diesen Worten hatte Miroku bestimmt recht. Es würde bestimmt alles andere als gut aussehen, wenn herauskommen würde, dass ein Kind vor ihrem Haus gelegen hatte. „Wir rufen erstmal die Sicherheitsfirma an. Es kann doch nicht sein, dass die nicht mitbekommen haben, wie jemand vor unserer Tür ein Baby abgelegt hat“, seufzte Inuyasha. Manchmal fragte er sich, wieso sie überhaupt ein sündhaft teures Überwachungssystem hatten, wenn es immer wieder vorkam, dass wildfremde Menschen vor ihnen standen oder ihnen Pakete vor die Tür legten, in diesem Fall jedoch ein Baby.
„Gute Idee, vielleicht können sie uns gleich sagen, wie die Mutter aussah und wohin wir es bringen müssen“, atmete Shippo erleichtert aus. Vermutlich würde dies alles sein, wenn das Baby erstmal wieder bei seiner Mutter war. Schnell hatte Inuyasha deshalb die Nummer der Sicherheitsfirma gewählt und hörte sich an, was diese zu sagen hatten. Doch was er hörte, machte ihn nicht besonders glücklich und auch nicht schlauer. „Sie konnten nicht sehen, wer das Baby vor die Tür gelegt hat. Sie wollen mir aber gleich einen Ausschnitt des Videos schicken“, seufzte er und bekam in diesem Moment ein Video zugeschickt. „Da ist ja gar nichts zu erkennen“, kam es geschockt von Miroku. Nun wundert es Inuyasha nicht mehr, dass sie häufiger Geschenke bekamen. Die Bildqualität war einfach miserabel, weshalb man nur eine vermummte Gestalt erkennen konnte, zu ihrer Erleichterung sahen sie nur wenige Sekunden später Shippo, der das kleine Bündel angenommen hatte. Das Baby lag also nicht lange vor ihrer Tür.
„Die Frau, mit der ich zusammengestoßen bin“, flüsterte dieser plötzlich leise. „Welche Frau?“, wollte Miroku sofort wissen. „Als ich vorhin nach Hause kam, bin ich mit jemanden zusammengestoßen. Ich habe mich noch über sie geärgert, weil sie mir nicht beim Einsammeln geholfen hat, und dann habe ich sie gefunden. Das muss ihre Mutter sein“, schlussfolgerte Shippo, damit konnte er durchaus recht haben. Zwischen dem Hinlegen und Auffinden waren nur wenige Minuten vergangen. „Und wie sah sie aus?“, wollten seine Bandkollegen gleich wissen. Immerhin würde dies vielleicht Klarheit bringen. „Keine Ahnung. Ich habe sie nur ganz kurz gesehen und da hatte sie eben diese Kapuze auf“, zuckte Shippo mit seinen Schultern und zerstörte damit die Hoffnung auf eine baldige Lösung. „Dann müssen wir es anders herausfinden. Wer von euch hatte vor ungefähr neun Monaten Sex mit einer Frau?“, schaute Inuyasha in die Runde. „Inuyasha... wir sind Männer und die haben nun mal gerne Sex… jeder von uns hatte vor neun Monaten mit irgendwem Sex.“
Dass seine Bandkollegen keine Kinder von Traurigkeit waren, hatte Inuyasha schon vorher gewusst, dass diese ihnen jetzt jedoch Probleme machen würde, hätte er niemals gedacht. „Das kann gut sein. Aber einer von uns ist der Vater und eins weiß ich ganz sicher… ich bin es nicht, denn Kikyo war niemals schwanger“, stellte er daraufhin klar. Denn er hatte vor neun Monaten nur mit einer Frau Sex und diese hatte ganz sicher kein Kind geboren.
„Wo warst du?“ Erschrocken zuckte Kagome zusammen, als sie die Haustür geschlossen hatte. „Ich war nach der Schule eine Runde spazieren“, wendete sie sich anschließend ihrer Mutter zu. „Ich hatte unheimliche Kopfschmerzen und brauchte etwas frische Luft“, log sie einfach schnell. „Du kannst doch nicht einfach so verschwinden. Kagome wir haben uns Sorgen gemacht. Du warst nicht zu Hause, als wir kamen und telefonisch warst du auch nicht erreichbar“, warf ihre Mutter ihr vor. Kagome wusste, dass sie ihre Eltern wütend gemacht hatte. Doch sie hatte einfach ein paar freie Minuten oder besser gesagt Stunden gebraucht. Als sie ihr Kind vor Inuyashas Tür abgelegt hatte, brach es ihr fast das Herz. Sie hatte die Augenblicke alleine gebraucht, um sich wieder zu beruhigen. „Es tut mir leid. Kann ich bitte auf mein Zimmer?“, bat sie ihre Mutter. Der Gedanke an ihr Kind, brachte sie den Tränen nah.
„Kagome was ist denn los?“, wollte ihre Mutter wissen und kam nun ein Stück auf sie zu. Besorgt legte sie ihre Hand an Kagomes Schulter. „Nichts… nichts ist los. Ich habe Kopfschmerzen und möchte alleine sein“, fuhr sie ihre Mutter an. Kagome konnte diese Fürsorge im Moment nicht ertragen. Sie wollte in Ruhe gelassen werden. „Aber…“
„Lass mich einfach in Ruhe“, schüttelte Kagome die Hand ihrer Mutter ab und lief eilig die Treppen nach oben. Mit einem lauten Knall warf sie ihre Zimmertür zu. An dieser ließ sie sich hinuntersinken. Sie fühlte sich schrecklich. Sie hatte ihr Kind ausgesetzt. Etwas, das sie sich niemals verzeihen können würde.
„Was sollen wir da nur nehmen.“ Völlig überfordert waren Inuyashas Augen über die Auswahl der Windeln gewandert. Zusammen mit Miroku war er in einen Laden gefahren, nachdem in dem heimischen Wohnzimmer ein kleines Missgeschick passiert war. Schnell hatten die vier Männer begriffen, dass sie nicht wirklich für ein Baby ausgestattet waren. Koga und Shippo kümmerten sich um Dinge, die nicht unbedingt sofort benötigt wurden. Hoffentlich bestellten sie ein Bett für die Kleine. Miroku und er wollten sich unterdessen um dringende Dinge kümmern. Vermummt hatten sich die beiden Männer auf den Weg gemacht. Doch von dem breiten Angebot waren beide ziemlich überrumpelt. Keiner von ihnen hatte sich jemals mit dem Thema Baby beschäftigt. Dieses Thema war für die Männer noch in ziemlich weiter Ferne. „Wir brauchen Hilfe“, stellte Miroku fest, der ebenfalls keinen Plan hatte. „Wir sollten jemanden Fragen“, seufzte Inuyasha. Suchend liefen sie durch den großen Markt.
„Entschuldigung, könnten sie uns vielleicht helfen?“, bat er eine Mitarbeiterin, nachdem sie diese gefunden hatte. „Natürlich, was brauchen sie denn?“, kam es höflich von dieser. Kurz schluckte Inuyasha schwer. „Wir brauchen alles für ein Baby“, mischte sich Miroku ein. „Wie alt ist das Baby?“ Erschrocken sahen sich die beiden Männer an. „Ähm… vielleicht zwei oder drei Tage?“ Verwirrt sah die Verkäuferin sie an. „Sie wissen nicht, wie alt das Baby ist?“, hakte sie nach. „Doch… also die Kleine ist zwei Tage alt. Sie ist das Kind meiner Schwester, die vollkommen überrascht Mutter wurde“, dachte sich Miroku eine Geschichte aus. „Ok… gut wie groß ist denn das Mädchen? Wenn sie sagen überraschend, meinen sie wohl, sie haben keine Kleidung und sonst irgendwas für das Baby?“, schien sie ihm die Geschichte abzukaufen, auch wenn es ungewöhnlich sein musste, dass eine Frau nicht bemerken würde, schwanger zu sein.
„Nichts, wir brauchen dringend alles“, lächelte er die junge Frau an. Diese machte sich sofort auf den Weg durch den Markt. „Bist du dir sicher, dass wir das alles brauchen?“, flüsterte Inuyasha seinem besten Kumpel zu, als er sah, was alles in dem Einkaufswagen gelandet war. „Wir wissen nicht, wie lange das Baby bei uns bleibt. Wir sollten auf alles vorbereitet sein“, flüsterte er zurück und versuchte keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Ich denke, das sollte alles sein, zumindest für heute Abend. Sie sollten jedoch unbedingt noch mehr Kleidung besorgen und ebenso Bodys und Söckchen, da es im Moment schon ziemlich kalt ist“, schob sie den beiden Männern einen überfüllten Einkaufswagen hin. Sprachlos sah Inuyasha auf die vielen Sachen. „Dankeschön, natürlich werden wir uns bald um die restliche Ausstattung bemühen“, bedankte sich Miroku. Er schien wirklich einen kühlen Kopf zu behalten. „Danke“, kam es ebenfalls rasch von Inuyasha.
Nur wenig später zahlte er die Rechnung und lief mit den vollen Tüten wieder zurück nach Hause, in der Hoffnung, dass dieser Albtraum bald enden würde.
Vorsichtig setzte sich Kagome auf ihren Sitzplatz. Nach der gestrigen Geburt hatte sie am heutigen Morgen leichte Schmerzen, die ziemlich unangenehm waren. „Ist alles ok?“, kam Eri gleich besorgt auf Kagome zu. „Ja… habe ich viel verpasst?“, wollte Kagome wissen. Immerhin hatte sie am Vortag zum ersten Mal in ihrem Leben die Schule geschwänzt. „Eigentlich nicht. Ich fürchte nur, dass du dafür noch Ärger bekommen wirst“, seufzte Eri. Kagome hatte gehofft, dass ihr Fehlen nicht so schlimm gewesen war. Doch scheinbar sah das Ihr Klassenlehrer anders. „Miss Higurashi… schön, dass sie uns heute mit ihrer Anwesenheit beehren. Ich würde gerne nach dem Unterricht ein paar Worte mit ihnen wechseln“, kam in diesem Moment ihr Lehrer in den Klassenraum. Eri sah Kagome mit einem mitleidigen Blick an. „Natürlich“, antwortete Kagome ihrem Lehrer.
In den letzten Wochen war er immer wieder auf sie zugekommen, um mit ihr zu sprechen. Von der einstigen guten Schülerin war nicht mehr viel übrig. Durch die Schwangerschaft hatte sie kaum noch Zeit zum Lernen gehabt. Sie musste sich doch vorbereiten, um möglichst viel über die Geburt zu wissen. Ihre Noten waren daher bei der Zwischenprüfung nicht mehr ganz so gut ausgefallen. Etwas, was ihren Lehrer schon die letzten Wochen beschäftigte. Nun ihr plötzliches Fehlen. Kagome war sich sicher, dass dieses Gespräch nicht ganz so prickelnd ausfallen würde und machte sich schon jetzt auf das Schlimmste gefasst.
„Wie siehst du denn aus?“ Mit großen Augen sah Inuyasha auf Shippo, der irgendwie total fertig zu sein schien und an der Kaffeemaschine stand. „Wo sind die anderen?“ wollte er wissen und schaute sich im großen Wohnbereich um. Auch wenn alle ihre eigenen kleinen Wohnungen im Haus hatten, hatten sie in diesem Haus auch Räume, die sie sich teilten, um ihrer Kreativität freien laufen lassen zu können. „Die kommen später wieder“, zuckte Inuyasha mit den Schultern, da er nicht genau wusste, wohin die Jungs verschwunden waren. „Dann musst du Moroha nehmen“, murmelte Shippo, wendete sich ab und lief wieder aus dem Wohnzimmer. „Was?“, wollte Inuyasha wissen, da Shippo doch die Kleine über Nacht bei sich gelassen hatte. Ein möglicher Grund, warum er nun so fertig aussah. „Inuyasha, sie hat die ganze Nacht geschrien. Ich weiß nicht mehr weiter und will nur noch schlafen“, erklärte Shippo, als sie zusammen in den Wohnbereich liefen.
„Ich kann heute aber nicht auf sie aufpassen“, entgegnete Inuyasha, denn Kikyo würde noch vorbeikommen, um etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Nach der Tour, die sie nicht zusammen verbracht hatten. „Das ist mir egal. Ihr habt mir die Kleine gestern Abend aufs Auge gedrückt. Ihr hattet alle einen ruhigen und erholsamen Schlaf und den habe ich mir nun auch mehr als verdient.“ Vorsichtig hob er das kleine Mädchen von der Couch hoch. Im Moment schlief sie friedlich, Inuyasha konnte sich jedoch gut vorstellen, dass sich das bald ändern könnte. „Hier bitte schön“, überreichte er Inuyasha das Baby. Etwas überfordert wusste dieser erst nicht, wie er es überhaupt halten sollte. „Und jetzt raus hier… ich kann die Kleine heute nicht mehr sehen.“
Mit etwas Druck schob Shippo ihn aus dem gemeinschaftlichen Wohnbereich und schmiss anschließend die Tür laut ins Schloss. Etwas, das nicht nur Inuyasha erschreckte, auch das kleine Mädchen in seinen Armen war plötzlich wieder hellwach und mehr als schlecht gelaunt.
Unangenehm!
Unangenehm!
„Wo warst du gestern?“, forderte Kagomes Klassenlehrer sie auf ihm ihr unentschuldigtes Fehlen zu erklären. „Ich hatte gestern wahnsinnige Kopfschmerzen.“ Kagome wusste, dass es ein kläglicher Versuch war, ihre Abwesenheit zu erklären. „Wieso kommst du nicht in die Schule? Kagome, wir haben hier eine Krankenstation und auch deine Eltern hatten bestimmt eine Kopfschmerztablette für dich.“ Schwer schluckte Kagome. Vielleicht hätte sie sich doch in der Schule melden sollen, wenn auch aus den falschen Gründen. „Ich… ich habe vergessen es zu melden, entschuldigen sie“, kam es reumütig von ihr und sie hatte ihren Kopf gesenkt. Sie wusste, dass sie in den letzten Wochen nicht ganz da war. Vor dem, was am Vortag geschehen war, hatte sie einfach viel zu viel Angst gehabt. „Kagome, ich muss ehrlich zu dir sein. Wir sind uns noch nicht sicher, ob wir dich in die nächste Schulstufe versetzen. Es kann durchaus sein, dass du diese Klasse noch einmal wiederholen musst.“
Mit geweiteten Augen sah sie ihren Lehrer an. „Warum?“, wollte Kagome wissen. Gut ihre Leistung hatte nachgelassen, doch eine Fehlstunde hatte sie bis zum gestrigen Tag keine gehabt. Trotz des Stresses hatte sie immer versucht mitzukommen, wenn auch nicht wirklich erfolgreich. „Kagome… du hast im Sportunterricht fast vollständig gefehlt in diesem Schuljahr und das ohne Entschuldigung, um die dich dein Lehrer mehrmals gebeten hatte. Deine Eltern konnten wir leider nicht erreichen.“ Schwerer schluckte sie. Am Anfang der Schwangerschaft hatte sie noch am Sportunterricht teilgenommen, zumindest solange, bis Eri ihr kleines Bäuchlein gesehen hatte und sich darüber lustig gemacht hatte. Wäre sie weiter in den Unterricht gegangen, hätten wohl alle von Ihrer Schwangerschaft erfahren. „Kann ich irgendetwas machen, damit ich doch noch versetzt werde?“, wollte Kagome in Erfahrung bringen. Ihre Schwangerschaft war vorüber. Die Kleine war ein paar Wochen zu Früh gekommen. Sie hatte noch gut zwei bis drei Monat, um ihre sportliche Leistung auszugleichen und die Weihnachtsferien um wieder Kraft zu tanken.
„Ich könnte noch einmal mit deinem Sportlehrer sprechen. In zwei Wochen findet noch ein Sportturnier statt, wenn du dich da anstrengst und alles gibst, könnte ich ihn vielleicht überzeugen. Aber Kagome, ich mach das nur, wenn du mir versprichst wirklich mitzumachen.“ Verstehend nickte Kagome. Zwei Wochen waren nicht mehr lange, dennoch wollte sie ihre Chance nutzen und sich wieder vollkommen auf ihre schulische Laufbahn konzentrieren.
„Scht.“ Auf und ab laufend versuchte Inuyasha, das kleine Mädchen in seinen Armen zu beruhigen, wirklich klappen tat dies leider nicht. Seit Stunden schrie sich die Kleine die Seele aus dem Leib. Mittlerweile hatte er alles versucht, um die Kleine ruhig zu bekommen. Doch nichts hatte wirklich gefruchtet. „Bitte hör auf zu schreien“, flehte er die Kleine an. Vorsichtig hatte er sie hochgehoben und sah ihr in das schreiende Gesicht. Mittlerweile hatten ihre Wangen eine deutliche Röte angenommen. Ihre Wangen zierten dicke Tränen, die Inuyasha irgendwie leid taten. Im Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als das sie ihm sagen würde, was sie wollte. Zu seinem Unglück läutete es in dem Augenblick auch noch an der Haustür. Ein kurzer Blick zur Uhr zeigte ihm, dass es sich dabei um Kikyo handelte. Nur widerwillig lief er die Treppen hinunter und schaukelte die Kleine in seinen Armen ein wenig.
Kurz atmete Inuyasha durch und öffnete die Tür. Wie erwartet stand Kikyo in dieser und hatte ihre Augen bereits auf das Kind in seinem Arm gerichtet. „Was macht das Kind in deinem Arm?“, trat sie angewidert durch die Tür. „Das ist die Tochter eines Freundes, ich pass heute auf sie auf“, erklärte Inuyasha die Situation, auch wenn es nicht wirklich der Wahrheit entsprach. So ganz gelogen war es im Endeffekt nicht. Einer von seinen Kumpels musste der Vater der Kleinen sein und Inuyasha hatte sich an diesem Tag ihrer angenommen. Alleine würde wohl keiner von ihnen mit dem Baby zurechtkommen. Die vier hatten sich schon immer bei sämtlichen Angelegenheiten unterstützt, vielleicht würden sie später gute Onkels für die Kleine werden, zumindest wenn sie irgendwann herausfinden würden, wer wirklich der Vater war. „Und die Schreierei geht dir dabei nicht auf die Nerven?“, zog Kikyo ihre Augenbrauen hoch. „Nein… ist förmlich wie Musik in meinen Ohren.“
Ihr diese Genugtuung zu geben und zu bestätigen, dass es ihm doch mittlerweile zu viel war, würde er niemals zulassen. Natürlich nervte ihn das Geschrei der Kleinen. Dennoch gab es auch schöne Momente. Wenn sie ihn so wie am Vorabend mit ihren großen Augen ansah. Ein Genuss in den Kikyo vermutlich niemals kommen würde, wenn er ihre Abneigung gegenüber der Kleinen begutachtete. „Komm, Moroha… wir gehen in mein Zimmer“, sagte er deshalb zu der Kleinen. Was Kikyo nun machte, konnte ihm egal sein. Vielleicht machte sie wie die letzten Male ihre Sportübungen, wirklich interessiert an ihm oder besser der Kleinen schien sie ohnehin nicht zu sein.
„Was machst du da?“ Überrascht stand Kagomes Mutter in der Tür. Sie hatte ihre Tochter wohl dabei beobachtet, wie Kagome einige Übungen gemacht hatte. „Ich muss am Sportfest Punkten“, seufzte Kagome. Wirklich gut dabei fühlte sie sich nicht. Sie hatte immer wieder starke Krämpfe, dennoch mühte sich die Fünfzehnjährige ab. Laufen war ihr noch nicht möglich, eigentlich sollten sich Mütter nach einer Geburt etwas schonen. Kagome hatte dafür keine Zeit und eine Mutter war sie auch nicht mehr. Sie hatte die Kleine weggegeben und wusste nicht, ob es ihr gut ging. Doch darüber durfte sie sich nun keinen Gedanken machen. Sie musste sich zusammenreißen, wenn sie niemanden enttäuschen wollte. „Übernimm dich bitte nicht, Kagome. Du siehst schon ganz blass aus.“ Kurz kniete sich ihre Mutter vor sie und fühlte ihre Stirn. „In den letzten Wochen siehst du wahnsinnig erschöpft aus. Vielleicht sollten wir doch zu einem Arzt gehen.“ Sorge entdeckte Kagome in den Augen ihrer Mutter. Doch wie schon in den letzten Wochen schüttelte Kagome ihren Kopf.
„Mama... ich bin mir sicher, dass es mir bald wieder gut geht“, lächelte sie ihre Munter an. In ein paar Wochen hatte sich ihr Körper sicher wieder erholt. Eine Schwangerschaft war nun mal zum Ende hin anstrengend, zumindest war sie es das für Kagome gewesen. Sie hatte schlecht geschlafen und oft Rückenschmerzen gehabt. In wenigen Wochen hatte Kagome Ferien und dann konnte sie sich endlich etwas ausruhen. „Wenn es nicht bald besser wird, gehen wir zum Arzt, ob du willst oder nicht Kagome“, meinte ihre Mutter klar und deutlich. Doch Kagome war sich ziemlich sicher, dass sie diese Drohung nicht erst nehmen musste.
„Hast du es schon mit einem Fläschchen versucht?“ Verwundert blickte Inuyasha zu Shippo, welcher wohl endlich ausgeschlafen hatte. Zumindest wirkte er um einiges besser gelaunt als noch vor ein paar Stunden. „Vor einer Weile ja.“ Hatte er doch bereits versucht der Kleinen ein Fläschchen zu geben. „Dann probiere es wieder. In der Nacht wollte sie auch nicht ständig trinken“, lächelte Shippo. Vorsichtig setzt er sich zu den Beiden ins Bett und sah fast schon verliebt auf das kleine Mädchen. „Du magst sie“, merkte Inuyasha an. „Sie ist nun mal zuckersüß. Obwohl sie ein kleiner Schreihals ist.“ Vorsichtig nahm er die kleine Hand von Moroha. „Was meinst du… wie können wir die Mutter finden?“, wollte Inuyasha wissen und wandte sich ebenso an die Kleine, die es wohl im Moment wirklich toll fand, die beiden Männer anzusehen. „Ich glaube, ich schreibe die Damen an, die in den fraglichen Zeitenraum passen, so viele waren es ja nicht… zumindest nicht bei mir.“
Das hatte Inuyasha sich bereits gedacht. Immerhin war Shippo nicht gerade der Aufreißer, anders als Koga, der wohl weit mehr Frauen beglückt haben könnte. „Weißt du denn überhaupt noch mit wem du geschlafen hast?“, hakte Inuyasha nach, immerhin war es doch schon einige Monate her. „Ich glaube, dies bekomme ich noch hin“, zuckte Shippo mit den Schultern. Ganz so sicher schien er sich jedoch nicht zu sein. „Würdest du es schlimm finden, wenn du der Vater wärst?“, fragte Inuyasha weiter. Er war sich ziemlich sicher, dass Koga nicht ganz so begeistert sein würde, plötzlich Vater zu sein. Immerhin hatte er schon am Vorabend seinen Unmut gezeigt. Kurz schien Shippo zu überlegen. „Nein. Ich kann es dir nicht erklären, aber eigentlich würde ich es schön finden.“ Inuyasha hatte sich dies schon gedacht, da er seine Blicke deuten konnte, die er der Kleinen schenkte. Inuyasha hoffte wirklich, dass die Kleine von Shippo war und einfach nach ihrer Mutter kam.
„Ich würde es dir auch wünschen. Ich würde natürlich der beste Onkel werden“, grinste Inuyasha und würde sich tatsächlich für seinen Bandkollegen freuen. Er hatte aufgrund eines Unfalls leider keine wirkliche Familie mehr, auch wenn sie sich mittlerweile alle sehr nahe standen.
„Brauchst du noch was, Mama?“, fragte Kagome, nachdem sie ihr zuvor dabei geholfen hatte, alles für den heutigen Abend vorzubereiten. Ihr Großvater hatte an diesem Tag Geburtstag und ihre Mutter hatte wie üblich ein kleines Dinner für ihn vorbereitet. In wenigen Minuten würde dieser sicher hier ankommen. Ihr Vater hatte ihn bestimmt schon abgeholt, nachdem er seinen Laden geschlossen hatte. „Nein, was hast du denn mit deiner Bluse gemacht?“ Skeptisch wurde sie von ihrer Mutter an gesehen. Verwirrt ließ Kagome ihren Blick an sich hinab wandern und entdeckte den Fleck, der sich über ihrer Brust gebildet hatte. „Oh Gott“, hauchte sie leise. Sie hatte einfach nicht damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte. Auch die Brustschmerzen hatte sie weitestgehend verdrängt. „Ich habe wohl etwas verschüttet und meine Bluse hat gelitten“, beschämt wandte sie ihren Blick ab. „Ich gehe mich umziehen“, schob sie hinterher.
Schnell eilte sie die Treppen nach oben und kramte in ihrem Kleiderschrank nach einem neuen Oberteil. Fix hatte sie eine schwarze Bluse herausgeholt und ebenfalls einen neuen BH gefunden. Kurz sah sie sich in ihrem Zimmer um, da sie sich die beschmutzten Kleidungsstücke ausgezogen hatte. Sie biss sich auf die Unterlippe. Jetzt wo sie mit nacktem Oberkörper in ihrem Zimmer stand, merkte sie erst, wie sehr ihre Brust wirklich spannte. Nur vorsichtig griff sie an ihre Oberweite und fühlte, wie schwer diese mittlerweile war und ebenso prall. Mit dem Milcheinschuss hatte sie einfach nicht gerechnet, doch jetzt lief sie förmlich aus. „Scheiße“, kam es frustriert von ihr und sie griff nach ihrer alten Bluse und wischte sich die Milch von dieser. Danach zog sie sich ihren neuen BH an. Ihr Blick wandert zu ihrem Nachtschrank. Eilig griff Kagome nach einer Taschentuchpackung, die auf diesem lag. Von diesen zog sie ein paar aus der Packung und stopfte diese in ihren BH, um einen weiteren Unfall verhindern zu können. Anschließend zog sie ihre Bluse wieder über und besah sich ihr Aussehen im Spiegel.
„Alles ok?“, kam vorsichtig ihre Mutter in ihr Zimmer und musterte Kagome genau. „Ja… alles Tipptopp“, entgegnete sie und lief eilig an ihrer Mutter vorbei. Kagome hoffte, dass ihre Mutter noch nicht so lange an ihrer Tür gestanden hatte, immerhin hatte diese bereits zwei Schwangerschaft durchgemacht und kannte die unangenehmen Situationen nur zu gut. In den nächsten Wochen musste sie wirklich aufpassen, wenn sie nicht wollte, dass ihre Mutter doch noch mitbekam, dass sie im zarten Alter von dreiunddreißig bereits Großmutter geworden war.
Ärger auf ganzer Linie!
Ärger auf ganzer Linie!
„Schau mal, Moroha.“ Lächelnd drehte sich Inuyasha mit der Kleinen im Arm zu Miroku und Koga um. Die beiden Männer hatten den Tag über alle möglichen Möbel für ein Baby besorgt. Der Wickeltisch stand bereits aufgebaut im Wohnzimmer, während das Kinderbett soeben von den beiden Männern aufgebaut wurde. „Wisst ihr beide eigentlich, wie bescheuert ihr ausseht?“, schüttelte Koga seinen Kopf. Er war immer noch mehr als genervt von dem Baby, welches im Moment zufrieden in Inuyashas Armen lag. Nach einem neuen Fläschchen hatte sich die Kleine zum Glück wieder beruhigt. „Was willst du damit sagen?“, hatte Shippo seine Augenbrauen hochgezogen. „Ihr seht aus, als würdet ihr vollkommen verknallt sein. Leute die Kleine ist erst ein paar Tage hier und ihr führt euch wie verknallte Vollpfosten auf“, schüttelte er erneut seinen Kopf. Wirklich nachvollziehen konnte Inuyasha dies nicht. „Du würdest sie auch gernhaben, wenn du ihr eine Chance geben würdest“, war Inuyasha sich sicher, immerhin hatte er am heutigen Morgen auch nicht damit gerechnet am Ende des Tages doch glücklich zu sein.
„Ich will aber nicht. Versteht ihr es nicht? Wir bauen der Kleinen hier gerade ein Nest und in Wirklichkeit wird sie in ein paar Tagen nicht mehr bei uns leben“, verständnislos warf er einen Teddy über seine Schultern. „Was hast du eigentlich? Einer von uns oder besser du oder Shippo seid zu einem hohen Prozentsatz der Vater der Kleinen. Ob du es willst oder nicht… sie wird ein Teil von uns bleiben“, konterte Inuyasha. Immerhin würde die Kleine zu ihnen gehören, egal von wem sie war. „Erstens… ich bin es sicher nicht. Ich weiß nämlich, wie man ein Kondom benutzt und wer garantiert uns nicht, dass nicht du oder Miroku die Väter seid? Zweitens… wir sind Rockstars… wie stellt ihr euch eine Tour mit Baby vor? Sollen wir sie uns bei einem Auftritt auf den Rücken binden?“ Fassungslos sahen Miroku und Inuyasha ihren Bandkollegen an.
„Ich habe Sango nicht betrogen. Also lass mich gefälligst aus dem Spiel“, stellte Miroku direkt klar. „Kikyo hat auch kein Kind bekommen. Bei der wäre es ohnehin auch besser, wenn sie sich niemals fortpflanzt“, murmelte Inuyasha, hatte ihre Reaktion doch deutlich gemacht, was sie von dem Baby gehalten hatte. Selbst ihr Besuch war nur von kurzer Dauer gewesen, da Moroha sie doch zu sehr genervt hatte. „Wie auch immer… mir gehört dieses Kind bestimmt nicht.“ Wütend schmiss Koga dem Schraubenzieher beiseite und verließ anschließend den Raum.
„Klasse, du bist schon besser geworden“, lächelte Eri, nachdem sie einen kurzen Blick auf die Stoppuhr geworfen hatte. Zusammen mit ihr und Ayumi trainierte Kagome nach der Schule für das Sportfest. Durch die Schwangerschaft hatte sie einiges an ihrer Kondition verloren. Kagome stand keuchend vor ihr. „Na immerhin“, wischte sie sich den Schweiß von der Stirn. „Ich verstehe immer noch nicht, warum du nicht einfach diese blöde Entschuldigung nachbringst“, zuckte Eri mit ihren Schultern. Sie sah natürlich, dass Kagome sich abrackerte. Wirklich gut fühlte sich der Teenager dabei jedoch nicht. Selbst Yuka hatte ihr bereits eine Standpauke gehalten, mit der sie sich am Wochenende getroffen hatte. Genervt griff sich Kagome an den Unterbauch. Seit der Geburt waren vier Tage vergangen, dennoch hatten die Unterleibsschmerzen nicht aufgehört.
Im Gegenteil, Kagome hatte das Gefühl, das sie immer schlimmer wurden, genau wie die Blutungen, die sie seit der Geburt hatte. Auch ihre Brust schmerzte bei jeder Berührung und fühlte sich furchtbar hart an. Das Laufen machte ihre Schmerzen nur noch stärker. Kagome hatte ihrem Körper kaum Ruhe gegönnt. Ihr Körper schien das nicht sonderlich gut zu finden. Doch sie hatte keine andere Wahl. In der Schule musste sie verhindern, die Klasse zu wiederholen, und zu Hause darauf achten, dass ihre Mutter nichts herausbekam. Seit dem Abendessen hatte Kagome bemerkt, dass ihre Mutter sie mit Argusaugen beobachtete. Vermutlich hatte sie einen Verdacht, wollte sich jedoch vorher noch Gewissheit verschaffen, ehe sie Kagome ansprechen wollte. Für Kagome bedeutete dies jedoch, alles zu geben und sich nichts anmerken zu lassen.
Augenrollend betrat Koga das Wohnzimmer, da er in den letzten Tagen immer wieder dieses Bild vor sich ertragen musste. In letzter Zeit ging er seinen Bandkollegen aus dem Weg, aber vor allem dem kleinen Mädchen, welches seine Bandkollegen abwechselnd herumtrugen. Im Moment schien Inuyasha Babydienst zu haben, weil er doch schlafend auf der Couch lag. Auf seinen Bauch lag das Baby, welches ebenfalls friedlich schlief. Kurz beugte sich Koga über die beiden, besah sich die Kleine genau. Immer noch war es für ihn unvorstellbar, dass vielleicht er der Vater dieses Mädchen sein könnte. Klar gab es äußerlich Ähnlichkeit. Die Kleine hatte wie er schwarzes Haar, doch dies war auch schon das Einzige, dass die beiden sich teilten. Wenn er nur dieses Merkmal heranziehen würde, konnte auch Miroku der Vater sein, schließlich hatte dieser ebenfalls schwarze Haare. Koga hatte sich nie Gedanken um ein eigenes Kind oder Familie gemacht. Er wusste nicht einmal, ob er überhaupt ein Baby haben wollte.
Doch wenn er die Kleine so ansah und in ihr schlafendes Gesicht schaute, fand er sie eigentlich ganz süß. Kurz lugte Koga auf Inuyasha, der noch immer im Land der Träume verweilte. Zögernd biss er sich auf die Unterlippe. Sein Bruder war vor wenigen Wochen Vater geworden und ging in seiner Rolle voll auf. Bestimmt konnten die beiden Kinder gute Freunde werden, zumindest wenn sie sich irgendwann kennenlernen würden. Doch aus einem irgendwann, konnte man doch auch ein jetzt machen. Entschlossen schnappte sich Koga daher das kleine Mädchen. „Wollen wir mal an die frische Luft, Moroha?“, fragte er das kleine Mädchen, das soeben ihre kleinen Äuglein öffnete. Schnell hatte er sich in den Flur begeben. Moroha legte er auf der Ankleide ab und zog sich eilig seine Winterjacke an. Kurz sah er sich im Flur um, Winterkleidung oder eine Babyschalle für die Kleine hatten sie nicht.
Notgedrungen packte er das kleine Mädchen deshalb unter seine Jacke und achtete darauf, dass sie genug Luft bekam und verließ mit ihr still und leise das große Haus, um sich vielleicht noch ein paar Tipps für die Kindererziehung zu holen.
„Inuyasha, wach auf.“ Müde drehte sich Inuyasha auf die Seite, kuschelte sich weiter in das Kissen. „Inuyasha, wach auf! Wo ist Moroha?“ Ruckartig riss Inuyasha seine Augen auf, als Miroku den Namen des kleinen Mädchens erwähnte. Eilig richtete er sich auf und sah sich verwirrt um. „Moroha?“, flüsterte er leise und sah erschrocken auf den Boden, auf welchem er das Mädchen zum Glück auch nicht entdeckte. „Genau, Moroha… wo ist sie?“, fuhr Shippo seinen Freund an. „Ich weiß nicht. Ich habe die Nacht kaum geschlafen und mich mit ihr hier nochmal hingelegt“, gestand Inuyasha. Eigentlich hatte er nur sie beruhigen wollen und sie hinlegen, doch dabei schien er selbst eingeschlafen zu sein. „Inuyasha… du solltest auf sie aufpassen und sie nicht verlieren“, schüttelte Shippo seinen Kopf. „Ich habe sie nicht verloren… sie kann doch noch nicht mal laufen“, stellte Inuyasha schnell klar. Immerhin hatte er nicht geplant einzuschlafen.
„Leute… wir müssen die Kleine finden. Es gibt ja nicht so viele die einfach in unser Haus kommen können und ein Baby mitnehmen würden“, kam es relativ ruhig von Miroku. Gemeinsam machten sich die drei Männer auf die Suche nach dem kleinen Mädchen. Selbst in ihren privaten Räumen suchten sie sämtliche Stellen ab. „Das kann doch gar nicht sein“, seufzte Inuyasha, nachdem sie auch nach einer halben Stunde keine Spur von der Kleinen gefunden hatten. „Inuyasha… denk nach. Hast du sie irgendwo mitgenommen und sie dort eventuell vergessen?“, forderte Shippo ihn zum Nachdenken auf. Doch Inuyasha schüttete resigniert seinen Kopf. „Ich war nirgends. Ich habe den ganzen Vormittag hier mit ihr auf der Couch verbracht“, deutete Inuyasha auf das Möbelstück. Er konnte sich wirklich nicht erklären, wohin Moroha verschwunden sein könnte. „Was seid ihr denn so panisch?“ Überrascht drehten sich die drei Männer zu Koga um, der das erste Mal seit Tagen mit ihnen sprach.
„Moroha.“ Erleichtert lief Inuyasha auf das kleine Mädchen zu, holte sie aus der Babyschalle und drückte sie fest an sich. „Wieso hast du Moroha?“, wollte Shippo sofort wissen und strich der Kleinen behutsam über die Wange. „Inuyasha hat hier auf der Couch gepennt, die Kleine war wach und ich dachte, ein bisschen Frischluft tut ihr gut“, zuckte Koga mit den Schultern. „Wie bitte? Du wolltest doch nichts mit ihr zu tun haben? Und woher hast du die Babyschalle und die Klamotten?“ wollte Miroku wissen. „Ach man… sie ist ja eigentlich ganz süß. Das bedeutet aber nicht, dass ich davon ausgehe, dass ich der Vater bin. Und die Sachen habe ich von meinem Bruder“, teilte Koga ihnen mit. „Wie dein Bruder? Du willst uns doch nicht sagen, dass Ginta von der Kleinen weiß?“, kam es schockiert von Inuyasha.
Schließlich hatten sie bis jetzt kein Wort bei jemanden über die Kleine verloren. „Keine Sorge, er denkt, dass sie einem Freund gehört und ich darauf aufpasse“, winkte Koga ab. So richtig glauben konnten die drei Männer diesen Sinneswandel nicht, doch vorrangig war nun erstmal, dass Moroha wieder hier war und ebenso gesund und munter zu sein schien.
Gekonnt schnappte sich Kagome die Kiste mit fischen Äpfel und wollte diese nachfüllen, wie sie es immer tat. Zusammen mit ihrer Mutter hatte sie die heutige Schicht im kleinen Laden der Familie übernommen. Meist half Kagome Freitag nachmittags und samstags in diesen aus, um auch ihren Eltern eine kleine Auszeit zu gönnen. Diese Arbeit hatte Kagome auch immer gerne gemacht, sich in der Schwangerschaft auch nicht davon abhalten lassen. Sie begann damit die Äpfel nachzuschichten, hatte die Kiste zwischen Bauch und Regal eingekeilt und diese mit ihrem Bein stabilisiert. Durch den Druck auf ihren unteren Bauch, fuhr jedoch plötzlich ein stechender Schmerz durch ihren Körper. „Kagome…“, besorgt kniete sich ihre Mutter neben sie, nachdem Kagome die Äpfel mit einem lauten Lärm hinuntergefallen waren. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt sich der Teenager den Bauch. „Was hast du?“, wollte ihre Mutter mit Sorge in der Stimme wissen. „Alles gut“, atmete Kagome vorsichtig aus.
Nur langsam begann sie damit die ganzen Äpfel, die nun auf dem Boden verteilt waren aufzusammeln. „Das ist doch nicht normal, Kagome“, kam es unverständlich von ihrer Mutter. „Doch, Mama… ich habe einfach nur meine Tage bekommen“, log sie sich zusammen. Immerhin hatte ihre Mutter mitbekommen, dass Kagome sich Hygieneartikel gekauft hatte. „Du hattest noch nie solche Schmerzen. Ich denke wir sollten wirklich zum Arzt“, machte ihre Mutter ihr klar. „Nein… Mum, ich blamiere mich doch nicht, nur weil ich ein paar Krämpfe habe“, wehrte sich Kagome. Ein Arztbesuch würde ihrer Mutter alles offenbaren, etwas das niemals passieren dürfte. „Ich gehe in die Pause“, verkündete sie nach einigen Momenten. Ein paar Minuten durchatmen würden ihr bestimmt guttun, vor allem nachdem sich die Schmerzen nur langsam verzogen und Kagome immer noch total aufgewühlt war.
„Was soll das denn?“, kam es schockiert von Inuyasha und sah zu der Kleinen, die mit großen Augen auf die Rassel in Shippos Hand schaute. „Koga?“, rief er deshalb laut. Geduldig wartete er darauf, dass dieser zusammen mit Miroku in das Wohnzimmer kam. „Was gibt’s?“, fragte dieser auch gleich. „Wer hat ihr die Windel angezogen?“, wollte Inuyasha wissen, immerhin hatte das kleine Mädchen die Windel verkehrt an. „Ich… stimmt was nicht?“, hakte Koga nach. Augenrollend schüttelten Shippo und Inuyasha ihren Kopf. „Du hast sie ihr falsch angezogen. Kein Wunder, dass die Windel ausgelaufen ist“, murrte Inuyasha, der auf seinem T-Shirt immer noch die Spuren des Missgeschickes trug. „Was erwartet ihr? Sie hatte eine volle Windel. Ich habe mich total überwinden müssen sie überhaupt zu wechseln. Hinsehen wäre da mehr als ekelhaft gewesen“, verteidigte sich Koga. Die Männer waren wirklich fassungslos, mussten doch auch sie sich überwinden der Kleinen die Windel zu wechseln.
„Deshalb musst du dich doch trotzdem ordentlich kümmern“, stellte Shippo klar, der immer besonders auf Morohas Wohl achtete. „Ihr könnt schon froh sein, dass ich den Zirkus hier mitmache“, kam es auch sofort eingeschnappt von Koga. Kritik war schon immer schwer von ihm zu ertragen gewesen. „Welchen Zirkus?“ Eilig stellten sich Inuyasha und Shippo vor das kleine Mädchen. „Sango…“, kam es ebenfalls panisch von Miroku, als er seine Freundin erblickte. „Schön, dass du wieder hier bist. Komm wir gehen schon mal in mein Zimmer“, versuchte er die junge Frau davon zu überzeugen zu gehen. Doch diese hatte, denn Braten bereits gerochen und wollte sich so schnell nicht geschlagen geben. „Ich will sofort wissen, was hier gespielt wird“, schob sie seine Hand von ihrer Schulter. Sie lief an Koga vorbei, der eilig den Blick abwandte. „Was versteckt ihr da?“, forderte sie von den beiden Männern zu wissen.
Shippo und Inuyasha starrten sich einige Augenblicke an, traten jedoch kurz darauf zur Seite und gaben Sango so die Möglichkeit Moroha zu sehen. „Was ist das denn?“, fragte sie und sah mit großen Augen auf die Kleine. „Ein Baby“, kam es geistreich von Inuyasha. „Das weiß ich. Aber warum habt ihr es. Und wo verdammt nochmal ist die Mutter?“, hakte sie deutlich schärfer nach. Seufzend sahen sich die jungen Männer an. Sie wussten, dass sie nun auspacken mussten. „Wir wissen nicht, wo die Mutter ist. Die Kleine lag vor fast einer Woche vor unserer Haustür“, gestand Shippo ihr die Wahrheit. Sango sah ihn fassungslos an. „Vor fast einer Woche? Und ihr Idioten habt es nicht für nötig gehalten, die Polizei zu informieren?“, machte sie ihren Ärger Luft, trat näher an das Kind heran, um es zu begutachten. „Sango… das hätte nur für Ärger gesorgt. Wir dachten, dass wir die Mutter ausfindig machen und sie ihr zurückgeben“, versuchte Miroku die Wut seiner Freundin zu mindern.
„Die Mutter finden? Sagt mir nicht, dass einer von euch ihr Vater ist“, schien auch sie mittlerweile zu verstehen, warum die Männer das Baby versteckten. „Das kann doch nicht euer Ernst sein. Bevor ihr ihre Mutter ausfindig macht, werdet ihr erstmal einen Test machen, wer von euch überhaupt der Vater ist“, knurrte sie förmlich. Inuyasha sah, wie sein bester Freund erleichtert ausatmete. „Koga und Shippo haben sicher nichts dagegen.“ An Sangos Blick ahnte Inuyasha jedoch schon, dass es Sango anders sah. „Oh ja… die beiden vielleicht nicht. Aber du mein Freund wirst genauso wie Inuyasha zum Test antreten und Gnade dir Gott, falls dieses süße Geschöpf von dir ist… warst du die längste Zeit mein Freund gewesen“, stellte sie in einem deutlich zischenden und strengen Ton klar und zeigte unmissverständlich, dass es hier für keinen der vier Männer einen anderen Ausweg gab.
Unwissenheit schützt vor Pflichten nicht!
Unwissenheit schützt vor Pflichten nicht!
„Ich kann nicht fassen, wie viel Glück ihr Vollidioten hattet“, seufzte Sango erleichtert, nachdem sie Moroha eingehend untersucht hatte. „Sie ist gesund?“, hakte Shippo sofort nach. „Kerngesund. Selbst ihr Nabel hat keine Entzündung, er wurde sogar ziemlich professionell abgetrennt. Die Kleine muss aber sofort nach der Geburt zu euch gebracht worden sein“, kam es nachdenklich von ihr. „Wieso verdammt nochmal habt ihr mich nicht gleich geholt? Leute ich bin Ärztin auf der Kinderstation. Wie kommt ihr eigentlich auf die Idee alles zu ignorieren und die Kleine zu behalten?“, forderte sie eine Erklärung von ihnen ein. „Moroha würde doch nur in ein Heim kommen. Sollte ihre Mutter sie zurückhaben wollen, hätte sie doch niemals eine Chance. Und außerdem finde ich, haben wir das doch super hinbekommen“, stellte Inuyasha klar. Immerhin war die Kleine gesund und dazu noch super süß. „Das kann gut sein. Aber sie hat eine Straftat begangen. Dass ihr sie gefunden habt, war reines Glück.“
„Nein… sie war noch da, als ich kam. Ich bin mir sicher, hätte sie keiner bemerkt, hätte ihre Mutter sie nicht liegen lassen“, dementierte Shippo auch sofort Sangos Annahme. „Na schön. Dennoch ist es strafbar. Ihr habt die Pflicht es zu melden“, forderte Sango. Doch dies würden die vier Männer sicher nicht tun. „Sango… das gibt nur böse Schlagzeilen. Lass uns erstmal den Vaterschaftstest machen und dann die Mutter suchen. Solange gib uns bitte noch Zeit. Finden wir die Mutter nicht, melden wir das natürlich der Polizei“, bat Miroku seine Freundin um etwas Geduld. „Einverstanden. In drei Tagen habe ich wieder Schicht im Krankenhaus. Ich werde dort Tests mitnehmen und jeder von euch gibt mir dann eine DNA-Probe von sich“, zeigte sich Sango nachgiebig. Wirklich begeistert war sie dennoch nicht von dem Verhalten der Männer. „Was macht ihr eigentlich in drei Tagen?“, wollte sie anschließend wissen.
Verwirrt sahen die Männer die junge Frau an. „In drei Tagen?“, fragte Koga nach. „Scheiße… das Konzert“, machte es auch in diesem Moment bei Inuyasha Klick. „Genau… das Konzert von dem mir Miroku schon vor Wochen erzählt hat. Dadurch dass ich arbeiten bin, kann ich die Kleine unmöglich nehmen. Und mitnehmen könnt ihr sie ebenfalls nicht, der Lärm wäre eine Qual für sie. Vielleicht hat ja Kikyo Zeit, um auf sie aufzupassen?“, verschränkte Sango die Arme vor der Brust und hatte diese Frage nachdenklich an die Männer gestellt. „Lieber nicht... Kikyo scheint Moroha nicht gerade prickelnd zu finden“, schüttelte Inuyasha auch sofort seinen Kopf. „Sie kennt sie schon? Und ich nicht?“, kam es gleich schockiert von Sango. „Du warst eben auf einer Tagung… und ein Baby ist wohl das Letzte, das man am Telefon vorstellen sollte“, verteidigte sich Miroku, wenn auch etwas schwach.
„Naja… da hast du wohl Recht, trotzdem habt ihr ein Problem und das wird nicht gerade einfach zu klären“, seufzte Sango, die genau wusste, welche Herausforderung die vier Männer vor sich hatten und die sie noch nicht berechnet hatten, immerhin war es nicht immer einfach Beruf und Baby miteinander zu verbinden.
Mühsam richtete sich Kagome in ihrem Bett auf. Geschlafen hatte sie in den letzten Tagen kaum. Die Bauchschmerzen hatten seit dem Wochenende zugenommen und waren nun permanent da. Kagome hatte sich in den letzten Tagen desöfteren Schmerztabletten aus dem Medikamentenschrank ihrer Familie geholt. Doch der Vorrat war aufgebraucht. Kagome musste nun ohne Schmerzmittel auskommen. Langsam lief sie die Treppe hinunter. Am heutigen Tag sollte eigentlich das Sportfest stattfinden, für dieses hatte sich der Teenager schon fertig gemacht. „Morgen“, begrüßte sie ihre Familie eher träge. „Guten Morgen. Alles in Ordnung?“, wollte ihr Vater wissen und schaute von seiner Tageszeitung zu ihr auf. „Ja klar. Ich habe nur keine Lust auf das Sportfest“, versuchte Kagome die Situation zu überspielen. Kagome nahm im Stehen einen Bissen ihres Brotes, das ihr ihre Mutter vorbereitet hatte.
„Ich muss auch los. Eri und ich treffen uns noch, um uns warm zu machen.“ Gelogen war dies nicht. Die beiden Mädchen wollten sich gemeinsam vorbereiten. „Kagome..“ mit einem seltsamen Blick sah ihre Mutter sie an. „…viel Glück.“ Wünscht ihre Mutter ihr schließlich. Kagome hatte das Gefühl, das ihre Mutter ihr etwas anders sagen wollte, doch wirklich Zeit um ein ausführliches Gespräch mit ihr zu führen hatte sie nicht, schließlich musste sie dafür Sorgen Ihre Schulische Laufbahn in Ordnung zu bringen.
„Hey, Mum…“, hatte Inuyasha etwas nervös seine Mutter angerufen. Nachdem sie in etwas mehr als einer Stunde bei einem Konzert sein mussten und die Männer keine Lösung gefunden hatten, war Inuyasha auf die glorreiche Idee gekommen, die Kleine zu seinen Eltern zu bringen. „Was ist los? Hast du nicht gleich ein Konzert?“, wollte sie sofort besorgt wissen. Inuyasha biss sich kurz auf die Unterlippe. „Ähm… genau das ist auch der Grund, warum ich anrufe“, druckste er etwas herum. Immerhin musste er seinen Eltern gleich eine Beichte ablegen. „Kann ich euch etwas bringen und ihr passt ein paar Stunden darauf auf?“, umspielt er den Umstand, dass er ihnen in wenigen Minuten hoffentlich ein Baby bringen durfte. „Naaa... Natürlich…“, kam es verständlicherweise überrascht von seiner Mutter. „Perfekt, ich komme sofort hoch, bin schon vor eurem Haus“, freute er sich und legte daraufhin auf. „So, Moroha… für heute bist du in besten Händen“, lächelte er die Kleine an.
Schließlich hatte seine Mutter zwei Kinder großgezogen und dies ziemlich erfolgreich. Gekonnt schnallte er die Kleine ab, da er mittlerweile darin ein bisschen Übung hatte. Die vier Männer wurden immer routinierter im Umgang mit dem Baby, wenn auch noch lange nicht perfekt. Eilig lief er in das Wohnhaus und fuhr mit dem Fahrstuhl in das oberste Stockwerk, in welchem seine Eltern wohnten. Etwas angespannt lief er auf die offene Wohnungstür zu, in der bereits seine Mutter stand. Mit offenem Mund und großen Augen schaute sie auf das kleine Mädchen in der Babyschalle, die er trug. „Das ist das Ding?“, fragte sie fassungslos auf Moroha zeigend, als er einfach an ihr vorbeilief und die Kleine auf dem Esstisch abstellte. Vorsichtig holte er sie aus der Babyschalle, um sich von ihr verabschieden zu können. „Inuyasha…“, schaute Izayoi immer noch auf das Baby in seinen Händen.
„Ok… im Schnellverfahren… Moroha ist unser WG-Baby und da wir heute alle zu diesem Konzert müssen, sind wir euch unendlich dankbar, dass ihr heute auf sie aufpasst“, überreichte er die Kleine an seine Mutter. „Sei brav. Ich komm dich später wieder abholen.“ Kurz gab er der Kleinen einen Kuss auf die Stirn. „Danke“, lächelte er seine Mutter an und gab ihr ebenso einen Kuss auf die Wange. Anschließend lief er einfach aus der Wohnung, da Inuyasha doch dringend zu einem Konzert musste, auf welchem er bestimmt schon sehnsüchtig erwartet wurde.
Leise wimmernd wandte sich Kagome in ihrem Bett. Nachdem Kagome das Sportfest halbwegs gut überstanden hatte, war sie direkt nach Hause gelaufen. In ihrem Zimmer hatte sie sich sofort in ihr Bett zurückgezogen. Die Schmerzen waren mittlerweile unerträglich. Sie hielt sich ihren Bauch und versuchte vergebens eine Stellung zu finden, in welcher die Schmerzen halbwegs erträglich waren. Doch egal wie sie sich positionierte, nichts linderte ihre Schmerzen. Kalter Schweiß stand auf ihrer Stirn, als sie sich mühsam aus ihrem Bett erhob. Sie wusste, dass diese Schmerzen nicht mehr vergehen würden. Nur langsam ging sie aus ihrem Zimmer. Ihr war schwindlig und irgendwie auch übel. Vorsichtig ging sie Stufe für Stufe die Treppe hinunter. „Mama?“, fragte sie leise und lehnte sich am Türrahmen an, um sich zu stützen. „Ja?“, drehte sich ihre Mutter um und ließ vor Schreck das Küchenmesser fallen, das sie beim Kochen verwendet hatte.
„Kagome… setz dich...“ Eilig war ihre Mutter zu ihr gelaufen und hatte sie vorsichtig an den Tisch geführt. „Ich will doch zum Arzt“, flüsterte Kagome mit schwacher Stimme. Sie fühlte sich komplett benebelt. Alles in ihrem Körper schmerzte. „Du hast hohes Fieber. Warum bist du denn nicht schon früher gekommen?“, wollte ihre Mutter wissen, immerhin hatte sie schon einige Tage bemerkt, dass sich Kagome nicht sonderlich gut fühlte. „Ich musste doch zum Sportfest“, gestand die Jugendliche leise. Hätte sie doch ohne ihre Teilnahme dafür gesorgt, sitzen zu bleiben und das hatte sie auf keinen Fall gewollt. „Wegen einem Sportfest riskierst du dein Leben? Kagome denk doch bitte einmal an deine Gesundheit. Ich rufe jetzt Papa an und wir fahren ins Krankenhaus“, seufzte ihre Mutter. Ihr Vater war schnell informiert und Kagome hoffte wirklich, dass ihr bald geholfen werden konnte.
„Koga… sie wurden kürzlich in der Stadt mit einem Baby gesichtet. Darf man den gratulieren?“ Erschrocken sahen die jungen Männer sich an, als ein Reporter ihren Bandkollegen diese Frage stellte. Auch Koga war von dieser vollkommen überrumpelt. „Ähm… nein… das Baby ist der Sohn meines Bruders. Ich habe nur einen kleinen Ausflug mit meinem Neffen gemacht“, rettete sich Koga galant aus der Misere. Erleichtert atmete Inuyasha aus. „Schade, aber natürlich herzliche Glückwünsche an ihren Bruder.“ Nickend nahm Koga dies zur Kenntnis. Auf so eine Frage waren sie wirklich nicht vorbereitet gewesen. In den letzten zwei Wochen waren die Männer beinahe permanent mit der Kleinen zuhause gewesen. Ihnen war bewusst, dass sie ständig beobachtet wurden, einfach so einen kleinen Spaziergang mit dem Baby würden sie also nicht so einfach machen können. Auch beim Einkaufen würden sie wohl in den nächsten Wochen unheimlich aufpassen müssen. Zu ihrer Erleichterung gab es jedoch auch Onlineshops, die für das Alltägliche herangezogen werden konnten.
Dennoch war ihnen wohl allen gerade vor Augen geführt worden, dass sie nicht so einfach herumlaufen konnten. Sie mussten sich dringend darum kümmern herauszufinden, wer die Mutter war und dieser im besten Fall ihr Kind wiedergeben. Was danach passieren würde, wusste keiner von ihnen. Sie hatten das Mädchen bereits in ihre Herzen geschlossen. Sollte Moroha in Zukunft wirklich zu ihrer Mutter ziehen, würden sie diese bestmöglich unterstützen, wenn auch im Geheimen. Gewissheit würden sie wohl erst in ein paar Tagen haben, wenn Sango die Testproben bei ihnen entnommen hatte und sie ihnen das Ergebnis verkünden würde. Doch solange mussten sie sich gedulden und vor allem dafür sorgen, dass keiner etwas von dem kleinen Mädchen erfuhr.
„Das sieht nicht gut aus. Sie haben eine hochgradige Gebärmutterentzündung und eine Brustdrüsenentzündung. Wie lange haben Sie die Schmerzen schon?“, kopfschüttelnd schaute ihre Ärztin auf die Testergebnisse. Zuvor war Kagome umgehend, nach ihrem Eintreffen in der Notaufnahme, in ein Behandlungszimmer gekommen. Ihre Mutter hatte sie gebeten draußen zu warten, schon allein, weil diese nichts von der Schwangerschaft und Geburt erfahren sollte. „Etwas über eine Woche. Ich dachte, dies sei normal“, gestand Kagome leise, da sie doch keine Ahnung hatte, wie es sich nach einer Schwangerschaft und Geburt anfühlte. Seufzend sah sie die Ärztin an. „Wann hast du entbunden und wo?“, wollte sie einfühlsam von ihr wissen. Bei der Untersuchung wurde natürlich festgestellt, dass Kagome bis vor kurzem noch Schwanger gewesen war. „Vor etwas mehr als zwei Wochen. Im Badezimmer meiner Freundin“, kam es leise von Kagome. Sie merkte deutlich, dass die Ärztin nicht wusste, was sie sagen sollte.
„Wieso bist du nicht ins Krankenhaus gekommen?“, kam es schockiert von dieser. Wahrscheinlich hatte sie wohl nur selten mit Menschen zu tun, die ihre Kinder allein zur Welt brachten. „Weil niemand wusste, dass ich Schwanger war“, offenbarte sich Kagome der Ärztin, sie hatte ohnehin Schweigepflicht und durfte niemanden davon erzählen. „Wie hast du es geschafft, zu verbergen, dass du schwanger bist?“, fragte sie weiter nach und wollte Kagome scheinbar wirklich verstehen. „Es ist Winter… dicke Kleidung und ein zum Glück kleiner Bauch“, zuckte Kagome mit der Schulter. Auch sie war wirklich überrascht gewesen, dass sie nicht aufgeflogen war. „Wo ist das Baby?“, hakte die Ärztin nach. Vermutlich dachte sie, dass Kagome diesem etwas angetan haben könnte. „In Sicherheit. Ich habe es nach der Geburt sofort abgegeben.“ Leichte Tränen bildeten sich in Kagomes Augen. In den letzten beiden Wochen hatte sie versucht zu vergessen, was passiert war und dass sie ein Kind hatte. Kagome vermisst das kleine Mädchen und wünschte sich, dass alles anders gekommen wäre.
„Ich weiß nicht, ob ich dir das glauben kann. Aber mir bleibt vorerst nichts anderes übrig. Aber eines ist klar, du musst hierbleiben. Du bekommst die nächsten Tage viele Medikamente, die hoffentlich bald anschlagen. Erst wenn es dir wieder besser geht, kannst du wieder nach Hause.“ Erschrocken weiteten sich Kagomes Augen. „Nein… ich muss nach Hause“, wollte sich Kagome eilig von der Liege erheben. Jedoch landete sie mit schmerzverzerrtem Gesicht und kniend auf dem Boden. „Du kannst nicht gehen. Die Medikamente müssen dir Venös verabreicht werden. Kagome… ich kann dich verstehen, aber wenn du jetzt gehst, wird es nur noch schlimmer und dann kann dir vielleicht niemand mehr helfen“, kniete sich die junge Ärztin zu Kagome hinab und versuchte beruhigende auf sie einzusprechen. „Aber… ich kann das nicht meiner Mutter sagen“, schüttelte Kagome vehemend den Kopf. Ihre Mutter würde es niemals verstehen. „Wir müssen ihr auch nicht alles sagen. Das Wichtigste ist, dass du dich behandeln lässt“, lächelte sie.
Langsam half sie Kagome dabei wieder auf die Beine zu kommen. „Ich werde mit deiner Mutter sprechen. Der Kollege hier wird dir erstmal einen Venenzugang legen und anschließend werden wir dich auf die Station bringen. Du wirst sehen. Alles wird gut“, machte ihr die junge Frau Mut. Kagome hatte wirklich das Gefühl, dieser Frau vertrauen zu können und hoffte wirklich, dass sie Wort hielt und ihrer Mutter wirklich nicht die ganze Wahrheit erzählen würde.
Ein leiser Verdacht!
Ein leiser Verdacht!
„Du bist ja noch wach, Moroha.“ Mit einem Lächeln nahm Inuyasha das kleine Mädchen seinem Vater ab und knuddelte sie ein paar Sekunden durch. Nachdem der Abend doch noch gut gelaufen war, hatte er sich sofort auf den Weg gemacht, um die Kleine bei seinen Eltern abzuholen. „Findest du es richtig, jetzt einfach so zu gehen?“, wollte seine Mutter mit verschränkten Armen wissen. „Ich muss nach Hause?“, zuckte Inuyasha mit den Schultern. Immerhin hatten auch seine Bandkollegen bereits nach der Kleinen gefragt. Sicher wollten auch sie ein bisschen Zeit mit ihr verbringen, hatten sie doch am heutigen Tag nur wenig Zeit für sie gehabt. „Ich denke, du kannst noch ein paar Minuten länger bleiben und uns erklären, was das zu bedeuten hatte“, kam es streng von seinem Vater und mit Blick auf das kleine Mädchen in seinem Arm. „Die Kurzfassung? Moroha lag vor etwas über zwei Wochen vor unserer Haustür. Seitdem versuchen wir uns bestmöglich um sie zu kümmern. Doch heute hat es einfach nicht geklappt. Also brauchten wir jemanden der auf sie aufpasst”, erklärte Inuyasha beiläufig.
Er hätte sich denken können, dass seine Eltern fragen hatten, vor allem nach der Aktion am frühen Nachmittag. „Sie lag wo? Warum habt ihr sie behalten?“, kam es auch sofort fassungslos von seiner Mutter, verständlich wenn man bedachte, dass sie ihre Kinder abgöttisch liebte. „Ihr ging es gut. Sango hat sie mittlerweile untersucht. Mit ihr ist alles in Ordnung. Das Einzige, was wir nicht wissen, wer ihr Vater ist und die Art von einer Schlagzeile brauchen wir wirklich nicht“, gestand er die Lage. Immerhin hatten sie den Test noch nicht durchgeführt. Sango würde wohl erst in ein paar Tagen Zeit für einen Besuch bei ihnen finden. „Ihr glaubt, dass sie von einem von euch ist? Kann sie etwa deine Tochter sein? Hast du mit einem Groupy geschlafen?“ An diesem Abend schien er seine Mutter nur noch fassungsloser zu machen, etwas das Inuyasha noch nie geschafft hatte.
„Nein… nein… die Kleine muss von Shippo oder Koga sein. In ein paar Tagen werden wir auch Klarheit bekommen und dann ihre Mutter suchen und ihr die Kleine wiedergeben“, schüttelte Inuyasha eilig seinen Kopf. Dass er durchaus schon einmal eine Nacht mit einem Fan verbracht hatte, musste er seinen Eltern ja nicht auch noch auf die Nase binden. „Ich muss jetzt aber auch los. Es ist spät und sie sollte wohl lieber ins Bett“, verabschiedete er sich bei seinen Eltern, wirklich zufrieden sahen diese nicht aus, doch im Moment hatte Inuyasha einfach keinen Bock weiter mit ihnen über die momentane Situation zu sprechen.
„Und wie kann das sein?“, schaute Kagomes Mutter fragend zu der Ärztin, die soeben erklärt hatte, was bei Kagome im Argen lag. Die Schwangerschaft und Geburt hatte sie jedoch nicht erwähnt. Kagome hatte sie um stillschweigen gebeten, als ihre Mutter kurz nach Hause gefahren war, um ihr einige Sachen zu bringen. Nun verlangte sie jedoch Antworten, schließlich war es nicht unbedingt gewöhnlich, dass ein Teenager eine Gebärmutterentzündung bekommt, dazu noch so eine schwere, wie Kagome sie hatte. „Ihre Tochter… hat OB’s verwendet. Nachdem sie jedoch einen vergessen hatte zu entfernen, hat dieser eine schwere Infektion nach sich gezogen und diese ist in ihre Gebärmutter gewandert. Es ist nicht schön, aber behandelbar. Kagome muss einige Tage hier verbringen und wir werden ihr Medikamente verabreichen, die ihren Gesundheitszustand wieder in die richtigen Bahnen lenkt.“ Kurz schluckte Kagome schwer und hatte bei dem Blick auf sich schon mit dem Schlimmsten gerechnet.
„Muss Kagome mit Spätfolgen rechnen?“, wollte ihre Mutter besorgt wissen. Kagome verdrehte bei dieser Aussage ihre Augen, da sich ihre Mutter doch unnötig Sorgen machte. „Nein. Ich gehe stark davon aus, dass ihre Tochter keine Einschränkungen haben wird. Nur auf OB’s sollte sie in den nächsten Wochen besser verzichten“, lächelte die junge Ärztin sie an und gab ihr mit dieser Aussage einen kleinen Seitenhieb, aufgrund ihrer vorangegangenen Taten. „Ich müsste sie nun leider bitten zu gehen. Es ist schon spät und ihre Tochter muss sich wirklich auskurieren“, bat die Ärztin ihre Mutter zum Glück relativ schnell. So konnte sie zumindest nicht noch mehr unangenehme Fragen stellen. „Ich komm Morgen gleich nach der Arbeit wieder. Und sei schön artig.“ Kurz küsste sie die Stirn des Teenagers, ehe sie schweren Herzens ihre Tochter im Krankenhaus zurückließ.
„Dankeschön“, hauchte Kagome, nachdem sich die Tür hinter ihrer Mutter geschlossen hatte. „Auch bei Fünfzehnjährigen habe ich eine Schweigepflicht. Ich denke trotzdem, dass du mit deinen Eltern sprechen solltest. Ich werde jetzt gehen, wir sprechen uns aber noch“, kam es schon beinahe tadelnd von der Ärztin. Bestimmt würde sie Kagome noch etwas auf den Zahn fühlen, doch vorerst war diese erleichtert, dass ihr kleines Geheimnis noch nicht ans Licht gekommen war.
„Und wie lange wird es nun dauern, bis die Testergebnisse da sind?“, wollte Inuyasha wissen, nachdem er einen Schluck Wasser genommen hatte. Das Stäbchen hatte sich einfach furchtbar in seinem Mund angefüllt. Sango hatte jedoch wirklich Wort gehalten und alle vier Männer um eine Speichelprobe gebeten, Widerworte oder Verweigerung hatte sie nicht dulden lassen. „Zwei bis drei Tage. Ich muss die Probe ins Labor schmuggeln“, steckte sie auch das letzte Teststäbchen in eine durchsichtige Tüte. Zuvor hatte sie diese sorgfältig beschriftet und packte diese in ihre Handtasche. „Sobald ich das Testergebnis habe, sage ich euch natürlich Bescheid“, versprach sie. Die Jungs nickten mechanisch. In den letzten Wochen hatten sie sich an das kleine Mädchen gewöhnt. Bestimmt würde es eine Umstellung für sie werden, wenn die Kleine nicht mehr bei ihnen wohnen würde. Sie hatten viel über sich, aber auch über Kinder gelernt. Nicht immer war es einfach.
Schlaflose Nächte und lautes Geschrei gehörten, wie auch die schönen Stunden, in denen man das Baby einfach nur verträumt ansah, mit zu den Momenten, die man als Elternteil miterleben durfte. Ganz würden sie die Kleine jedoch nicht aus ihrem Leben streichen. Sie würden sie weiterhin zu sich nehmen und mal auf sie aufpassen, wenn ihre Mutter einmal eine Auszeit für sich brauchen würde und sie es zeitlich einrichten konnten. „Mach das. Und lass dich nicht zu sehr ärgern auf der Arbeit“, verabschiedet sich Mirkou wieder von seiner Freundin. Sango musste am heutigen Tag noch in die Nachtschicht. Dass das Paar überhaupt einmal Zeit für sich hatte, kam wirklich selten vor. Doch damit schienen beide gut klarzukommen und Inuyasha war sich auch ziemlich sicher, dass sich Sango keine Sorgen machen musste, dass eventuell doch Miroku der Vater der Kleinen sein könnte.
Sein bester Freund schwärmt ohnehin nur von seiner Freundin, auch wenn er auf Flirts gerne einging, gab es nur sie für ihn. Doch wer am Ende wirklich der Vater der Kleinen war, würde sich zum Glück bald herausstellen und dann würden wohl noch mehr Herausforderungen auf sie zu kommen.
„Na wie siehts aus?“, kam lächelnd die junge Ärztin in das Krankenzimmer von Kagome. Sie hatte sich sofort das Klemmbrett geschnappt und ihre Notizen am heutigen Tag überprüft. „Sehr gut, die Medikamente schlagen an“, freute sie sich sichtlich und auch Kagome war froh, dass die Schmerzen immer besser wurden. „Zum Glück. Kann ich denn bald wieder nach Hause?“, wollte das junge Mädchen sofort wissen. Ihre schulfreie Woche im Krankenhaus zu verbringen, fand sie nicht gerade prickelnd, vor allem weil Weihnachten vor der Tür stand und dieses würde Kagome gerne zuhause feiern. „In den nächsten Tagen überprüfen wir deine Werte noch. Aber wenn alles so gut weiterläuft, würde ich sagen, dass du in drei oder vier Tagen wieder nach Hause kannst.“ Seufzend ließ sich Kagome wieder in ihr Kissen fallen, als ihr bewusst wurde, dass daraus wohl nichts werden würde. Laut Anweisung der Ärzte sollte sie sich schonen.
Der Tag war einfach unendlich lange und tot langweilig. Kagome las permanent oder lernte bereits etwas für das neue Schuljahr. „Eigentlich bist du selbst schuld. Du hättest schon viel früher zum Arzt gehen sollen“, tadelte die Ärztin. Mittlerweile wusste Kagome dies selbst. Nach der Geburt hatte sie sich vollkommen falsch verhalten. Sie hatte sofort Sport gemacht, OB’s benutzt und auf die Anzeichen ihres Körpers überhaupt nicht geachtet. „Willst du mir erzählen, wie du das alles eigentlich geschafft hast?“ Mit seltsamem Blick zog sich die Ärztin einen Stuhl an ihr Bett. Im Moment lag Kagome alleine im Zimmer. Die Besuchszeit war längst vorüber. „Müssen sie nicht irgendjemanden helfen?“, wollte Kagome das Gespräch abblocken. Doch so leicht schien es ihr die Ärztin nicht zu machen. „Gerade nicht. Außerdem trage ich meinen Pieper“, zuckte sie mit den Schultern.
„Was wollen sie wissen?“, gab sich Kagome deshalb geschlagen. Sie würde ohnehin keine Ruhe geben, bis sie erfahren würde, was passiert war. „Alles. Wie hast du es geschafft, deine Schwangerschaft zu verbergen?“ Unzufrieden presste Kagome ihre Zähne aufeinander. „Als ich merkte, dass ich schwanger bin… habe ich alles dafür getan, um diese zu verstecken. In der Schule habe ich eine Knieverletzung vorgetäuscht. Zuhause weite Kleidung getragen und zusätzlich auf Körperkontakt verzichtet. Dass ich nur einen kleinen Bauch hatte, hat mir dabei unglaublich geholfen und natürlich der kommende Winter“, erklärte Kagome ausführlicher. Immerhin hatte dies wohl verhindert, dass jemand von der Schwangerschaft erfahren hatte. „In welchem Monat warst du?“ In ihrer Stimme schwang ein bisschen Sorge mit. Vielleicht dachte sie, dass ihr Kind nicht mehr lebte. „Im Achten“, nahm Kagome ihr deshalb die Sorge. „Wie hast du die Geburt überstanden?“ Kurz verdrehte Kagome ihre Augen. Diese Ärztin war wirklich mehr als neugierig. Vermutlich gehörte dies jedoch zu ihrem Job.
„Ich habe viel darüber gelesen, ok?“, versuchte Kagome das Thema schnell abzuhaken. Sie erinnerte sich nicht gern daran, da sie immer noch Probleme damit hatte, dass sie ihre Tochter abgegeben hatte. „Warst du ganz allein?“, ließ die Ältere jedoch nicht locker. „Nein… ich war nicht ganz alleine. Als meine Fruchtblase geplatzt war, bin ich zu meiner Freundin gegangen und habe mit ihr zusammen die Kleine im Badezimmer zur Welt gebracht. Meine Eltern wären ausgerastet und für ihren Vater war ich ohnehin nur ein kleines Abenteuer, nicht mehr als eine nette Bettgeschichte.“ Langsam hatte Kagome wirklich genug. Je mehr sie über die damalige Situation ausgefragt wurde, umso mehr Wut kam in ihr hoch. „Es war also ein Mädchen? Bereust du es, dass du sie weggegeben hast?“ Frustriert wendete Kagome ihren Blick ab. Sie wollte diese Frage nicht beantworten. Sie hatte ihr Kind schon geliebt, als sie noch nicht auf der Welt war.
Kagome tat es immer noch wahnsinnig weh nicht zu wissen, wie es Moroha ging. „Kagome... ich weiß, dass du wütend bist. Ich muss dich aber noch etwas ganz Wichtiges fragen. Du hast gesagt, dass dein Kind in Sicherheit ist. Ich habe mal recherchiert. Im letzten Monat wurde kein Mädchen abgegeben, in keiner Klinik. Wo ist dein Kind?“, wartete die Ärztin angespannt auf eine Antwort. Doch diese würde sie nicht mehr bekommen. Kagome hatte genug von der Befragung. Sie wollte ihre Ruhe. „Ich lass nicht locker, Kagome. Ich will wissen, wo dein Kind ist und was du mit ihr gemacht hast“, stellte die Ärztin klar. Doch für heute schien sie aufzugeben. Sie erhob sich seufzend von ihrem Stuhl und schob diesen wieder an den Tisch zurück. Kagome war egal, was diese Frau von ihr dachte. Sollte sie doch denken, dass sie ihrem Kind etwas angetan hatte. Sie kannte sie nicht und würde sie wohl auch nie kennenlernen.
Mit einem gemischten Gefühl sah Sango auf das Bild, das sie soeben geschossen hatte. Das Mädchen, das darauf zu sehen war, schaute stur aus dem Fenster des Zimmers. Kagomes plötzliche Sturheit machte sie misstrauisch. Sie wusste nichts über das Kind. Nur das es sich um ein Mädchen handelte. Etwas, das in ihr ein ungutes Gefühl auslöste. Moroha würde ungefähr in das Zeitfenster passen, in welchem auch Kagome entbunden hatte. Sie hatte parallele gezogen und die Ähnlichkeit zu Moroha erkannt. Sango hoffte, das ihr Verdacht falsch war. Doch wenn sie recht hatte und wirklich Kagome die Mutter von Moroha war, musste einer der vier Männer sie kennen. Für diesen Zweck hatte sie das Foto heimlich aufgenommen. Sango hoffte jedoch inständig, dass es nur ein blöder Zufall war und sie nur Gespenster sah. Denn ein riesiger Skandal würde auf die vier Männer zukommen, wenn herauskam, dass eine fünfzehnjährige von einem von ihnen schwanger gewesen war.
Albtraum?!
Albtraum?!
Seufzend sah Sango auf Moroha. Nach ihrer Nachtschicht in der Klinik hatte sie ihrem Freund einen kleinen Besuch abgestattet. Dieser kümmerte sich am heutigen Tag um das kleine Mädchen. Die anderen waren auf einer kleinen Messe, von welcher Miroku sich durch eine erfundene Erkältung drückte. Mittlerweile hatten die Jungs ihr kleines Lügengerüst gut organisiert. Die Kleine war permanent versorgt, wenn auch mehr schlecht als recht und noch hatte niemand mitbekommen, dass ein Kind oder besser ein Baby bei den vier jungen Männern wohnte. Ihren Verdacht hatte sie noch nicht geäußert. Doch je länger sie Moroha anstarrte, desto mehr fielen ihr Ähnlichkeiten zu ihrer Patientin auf, welche sich im Moment noch im Krankenhaus befand und am heutigen Morgen ziemlich schlechte Laune gehabt hatte. Das dunkle Haar und auch die Rehbraunen Augen waren einfach unheimlich ähnlich. „Ist sie nicht niedlich?“, lächelte Miroku, der bemerkt hatte, dass Sango das kleine Mädchen die ganze Zeit angestarrt hatte. Ihr Freund schien sein Herz für Kinder entdeckt zu haben.
„Ja…“, flüsterte Sango, da sie die Kleine doch ebenfalls ziemlich süß fand. Der Gedanke, dass ihre Freunde sich in ziemliche Schwierigkeiten gebracht hatten, machte ihr Angst. Würde Kagome tatsächlich die Mutter sein, würde es zu einem noch größeren Skandal kommen. Immerhin war Kagome gerade fünfzehn Jahre alt und das auch noch ein paar Monate. Die Schwangerschaft wäre somit höchstwahrscheinlich kurz vor ihrem fünfzehnten Geburtstag entstanden. Ob jedoch vierzehn oder fünfzehn war vollkommen egal. Sie alle waren über fünfundzwanzig. Ein Alter, in dem es strafbar war, mit einem Teenager zu schlafen. „Ist alles in Ordnung?“, wollte Miroku besorgt wissen. „Ja“, nickte Sango mechanisch. Ihr Verhalten war bestimmt seltsam für ihren Freund. „Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Moroha kann unmöglich von mir sein. Du brauchst also keine Ähnlichkeiten mit mir zu suchen“, versuchte er sie zu beruhigen. Wenn er nur wüsste, warum sie sich wirklich solche Gedanken machte. „Das wird sich ja bald herausstellen“, lächelte Sango verhalten.
In wenigen Stunden würden die anderen Bandmitglieder zurückkommen. Sango würde sie dann mit ihrem Verdacht konfrontieren. Bis dahin wollte sie sich jedoch noch etwas hinlegen. Vorausgesetzt, dass sie einschlafen konnte und nicht permanent über die ganze Situation nachdachte.
„Hey, Mum“, begrüßte lächelnd Kagome ihre Mutter. „Wie geht es dir, mein Schatz?“, wollte diese sofort wissen. „Ganz ok. Mir ist nur wahnsinnig langweilig“, murrte Kagome. Der Krankenhausaufenthalt wurde immer anstrengender. Der Teenagerin ging es immer besser. „Gott sei Dank. Ich dachte wirklich, dass es fast zu spät gewesen wäre“, kam es erleichtert von ihrer Mutter. Kagome schüttelte auf diese Bemerkung den Kopf. Ihr Zustand war zwar nicht gerade gut gewesen, als sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war, doch lebensgefährlich noch lange nicht. „Mum… es ist eine Entzündung. Das überlebt man doch“, stellte sie deshalb klar. Immerhin ging es ihr schon jetzt wieder deutlich besser, wenn auch noch ein unangenehmes Ziehen im Unterleib zu spüren war. „Du nimmst das alles viel zu leicht, Kagome. Es hätte durchaus anders ausgehen können“, mahnte ihre Mutter sie. Kagome ließ dies unkommentiert. Immerhin hatte ihre Mutter ihren Standpunkt schon die letzten Tage klar gemacht.
So oft es ging, verließ ihre Mutter mittags das Geschäft, um ihre Tochter zu besuchen und ihr ein paar selbst gekochte Speisen vorbeizubringen. „Ich habe heute dein Lieblingsgericht gekocht“, ließ ihre Mutter die Diskussion ruhen. Sie stellte die Schüssel auf den kleinen Tisch in ihrem Zimmer ab. Gemeinsam nahmen Mutter und Tochter an diesem Platz. Kagome öffnete die Schüssel. Sie freute sich sehr, dass ihre Mutter immer wieder diese Mühen auf sich nahm. Schließlich fiel nun auch Kagome als Unterstützung für ihre Eltern aus und in den wenigen Tagen, wo die Schulen geschlossen blieben, war es immer besonders voll im kleinen Laden, hatten die Leute doch dort oft viel Zeit, um einkaufen zu gehen und noch die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. „Danke, Mama“, bedankte sich Kagome. Genüsslich nahm sie einen Bissen das leckere Tempura. Kagome liebte die verschiedenen gebackenen Teigtaschen. Vor allem jetzt, wo das Essen im Krankenhaus doch eher fad schmeckte und wenig gewürzt wurde.
„Weißt du schon, wann du das Krankenhaus wieder verlassen kannst?“, wollte ihre Mutter in Erfahrung bringen. Bestimmt würde sie ihr noch einige Kleidungsstücke vorbeibringen, wenn sie noch länger bleiben musste. „Die Ärztin von der Aufnahme meinte, dass ich bestimmt noch zwei oder drei Tage hierbleiben muss. Aber ich schätze, dass ich spätestens bis zum Schulstart wieder raus bin“, seufzte Kagome, die wirklich nichts Gutes daran sah, immerhin würde sie so einige Tage der lang ersehnten Ferien im Krankenhaus verbringen. Dennoch hatte sie keine andere Wahl, wenn sie keinen Rückfall der Entzündung riskieren wollte. „Ich hoffe wirklich, dass du aus deinen Fehlern gelernt hast. Aber ich bin auch froh, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. Ich muss leider auch los. Ich verspreche dir aber schon bald wieder zu kommen.“ Verstehend nickte Kagome. Sie war schon froh wenigstens eine kurze Zeit ihre Mutter sehen zu können. „Mach dir nicht so einen Stress. Und wenn ich wieder fit bin, kann ich gerne ein paar Schichten zusätzlich übernehmen“, schlug Kagome ihrer Mutter vor.
Ihretwegen hatten ihre Eltern nun eine Menge Stress, den sie ihnen gerne erspart hätte. „Das werden wir sehen. Jetzt ist erstmal wichtig, dass du wieder gesund wirst“, strich ihre Mutter ihr über den Kopf. Sie gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn, bevor sie Kagome alleine zurückließ, und diese hoffte, dass sie doch vielleicht schon eher nach Hause durfte.
Angespannt nahm Sango einen Bissen des gekochten Abendessens, welches sie für die Jungs und sich zubereitet hatte. Nachdem die Jungs wieder nach Hause gekommen waren, hatten sie abgemacht sich schnell etwas zu essen zu machen. Dieses genossen sie in Stille. Irgendwie schienen alle ihren eigenen Gedanken nachzugehen. „Möchte noch jemand Ramen?“, fragte sie in die Runde, nachdem sie bemerkt hatte, dass die Teller der Männer bereits leer waren. Kopfschüttelnd lehnten die jungen Männer ab. Sango begann damit die Teller zusammenzusammeln, nachdem sie keinen weiteren Bissen mehr hinunterbrachte. Die ganze Situation zerrte an ihren Nerven. Seit Jahren waren diese vier Männer ein wichtiger Teil in ihrem Leben. Dass es jetzt so eine Situation gab, beschäftigte sie sehr. Kaum hatte sie aufgeräumt, fasste sie sämtlichen Mut zusammen. „Jungs, habt ihr ein paar Minuten für mich?“, bat Sango die vier Männer um ihre Aufmerksamkeit. Angespannt stand sie an der Arbeitsfläche angelehnt und schaute auf die Männer. „Klar. Hast du etwa schon das Ergebnis?“, wollte Shippo neugierig wissen. „Noch nicht.“
Kurz atmete Sango tief durch. Sie wusste, dass sie mit diesem Gespräch ihren Job riskieren würde. Doch sie brauchte Klarheit und vielleicht war ja doch alles anders als gedacht. „Was ist los, Sango. Du warst schon heute Morgen ziemlich seltsam?“, fragte Miroku sie nochmals. Normal war sie nicht so zurückhaltend und nachdenklich. Normalerweise preschte Sango mit ihren Gefühlen vor, doch die ganze Situation war einfach extrem prekär und vor allem nervenaufreibend. „Ich mach mir einfach Gedanken. Ich mein… das Auftauchen von Moroha müsste euch doch viel mehr beschäftigen als mich. Doch ihr macht fast auf Happy Family und denkt nicht mal an die Konsequenzen“, fing sie dieses Gespräch einfach an. Immerhin nahmen die Jungs die Situation einfach hin, ohne groß etwas zu unternehmen, um die Mutter zu finden. „Wir denken an die Konsequenzen. Immerhin hat Shippo schon einige Frauen kontaktiert“, wehrte sich Miroku sofort. „Außerdem sorgen wir doch dafür, dass Moroha immer versorgt ist und es ihr an nichts fehlte“, pflichtete Inuyasha bei. Doch scheinbar war den Jungs nicht klar in welcher Situation sie sich soeben befanden.
„Merkt ihr eigentlich noch was? Die Kleine wird nicht ewig so klein bleiben. Sie wird wachsen. Sie wird in den Kindergarten gehen müssen und irgendwann auch in die Schule. Wie lange denkt ihr, dass ihr dieses Versteckspiel noch durchziehen könnt? Ich meine die Kleine kennt die Außenwelt noch nicht mal“, warf Sango ihnen vor. „Deshalb werden wir ja dafür sorgen, wenn wir wissen, wer der Vater ist, dass die Mutter die Kleine wieder nimmt“, stellte Koga klar. „Was ist, wenn nicht? Was wenn die Mutter die Kleine nicht nehmen kann. Nehmt ihr sie dann auf Konzerte mit? Ihr habt doch im Moment Glück, dass ihr nicht irgendwo herumtouren müsst. Dass Totosei euch eine kleine Pause gönnt. Doch irgendwann müsste ihr wieder los. Und dann könnt ihr sie nicht mehr verstecken“, machte Sango ihnen die Situation deutlich. Sie konnte Moroha nicht in der Weltgeschichte herumführen, vor allem da sie keine Papiere für sie Kleine hatten. „Dafür finden wir schon eine Lösung. Meine Eltern haben schon mal auf sie aufgepasst.“
„Mein Bruder würde sie sicher auch nehmen“, pflichtete Koga Inuyasha bei. Sango fühlte sich wie im falschen Film. Die Männer schienen wirklich keine Einsicht zu zeigen. „Ich glaube, ihr werdet noch ein böses Erwachen haben. Mit einem Kind wird das Leben nicht leichter und ihr seid nicht erwachsen genug, um diese Situation alleine zu meistern“, schüttelte Sango ihren Kopf. Immerhin waren die vier keineswegs wirklich erwachsen. „Ich habe eine Frage. Vor einigen Tagen habe ich eine Patientin aufgenommen. Sie hatte eine schwere Gebärmutterentzündung, schuld daran war eine Geburt“, offenbarte sie den Männern. „Und du denkst diese Frau könnte Morohas Mutter sein?“, wollte Miroku mit hochgezogener Augenbraue wissen. „Vielleicht. Ihr Kind ist nicht bei ihr. Sie hat es zusammen mit einer Freundin in deren Badezimmer geboren und mir mitgeteilt, dass das Kind in Sicherheit ist“, zuckte sie mit den Schultern. „Ich werde euch jetzt ein Foto zeigen. Gnade euch Gott, seid ehrlich zu mir, wenn ihr das Foto seht“, forderte sie von den Männern. Suchend scrollte sie durch ihre Fotos.
Mit einigen Schritten war sie an den Tisch getreten und legte das Handy mitten auf den Tisch ab. Die vier Männer schauten gespannt auf dieses. „Kagome…“, hauchte Inuyasha. Zumindest einer schien das Mädchen schon mal zu erkennen. „Du kennst sie?“, fragte sie leicht fassungslos. Immerhin hatte sie bis eben gehofft, sich zu täuschen. „Wir kennen sie alle. Sie hat vor zirka einem Jahr ein Fantreffen geschenkt bekommen. Wir haben uns einige Zeit gut mit ihr unterhalten, bis wir feiern gehen wollten, wie immer nach den Konzerten“, machte Miroku ihr deutlich. „Von einem Treffen wird man nicht schwanger“, stellte Sango fest und verschränkte die Arme vor der Brust. „Das wissen wir auch. Aber Kagome war beim Feiern nicht dabei“, zuckte Shippo mit den Schultern. „Moment… sie nicht und Inuyasha auch nicht. Hast du nicht damals noch etwas mit ihr tratschen wollen?“, richtete Koga seinen Blick auf Inuyasha. Dieser war komischerweise mucksmäuschen still geworden, als er das Bild gesehen hatte. „Sag mir nicht, dass du wirklich mit ihr in der Kiste warst?!“, kam es schockiert von Miroku.
Auch Sango wartete gespannt auf seine Antworte. „Naja… vielleicht habe ich etwas mehr mit ihr gemacht als gesprochen“, druckste dieser leise herum. „Etwas mehr? Du hast sie flachgelegt. Bist du deshalb am nächsten Tag zu spät zur Probe gekommen?“, wurde Koga nun lauter. „Man ja. Ich habe mit ihr geschlafen. Aber ich war damals so verletzt. Kikyo hat mich damals betrogen und ich dachte, dass ich mich besser fühlen würde, wenn ich sie ebenfalls betrog“, verteidigte sich Inuyasha. „Und da hast du nicht verhüttet?“, kam es schockiert von Sango. „Nein… davon war doch auch nichts geplant. Ich habe sie geküsst und irgendwie kam eines zum anderen. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass Kagome die Pille nimmt.“ Dass es nicht so war, war ihm jetzt wohl auch klar geworden. „Na dann, herzlichen Glückwunsch… es gibt wohl nur einen der Morohas Vater sein kann“, kam es bissig über Kogas Lippen. Verständnislos schüttelte Sango ihren Kopf. Sie griff sich an die Stirn, mittlerweile hatte sie unheimliche Kopfschmerzen.
„Ich kümmere mich darum. Ich rede mit Kagome. Sag mir einfach, wo sie ist, und ich erledige das“, seufzte Inuyasha. Scheinbar hatte er den Ernst der Lage noch nicht erkannt. „Ich glaube, du verstehst noch immer nicht. Kagome wird die Kleine nicht zurücknehmen und für dich sehe ich auch schwarz. Hast du eigentlich eine Ahnung wie alt Kagome ist? Ich bin Ärztin auf der Kinderstation… wie alt denkst du kann Kagome sein, wenn ich sie aufgenommen habe?“, wollte Sango genervt wissen. Langsam hatte sie das Gefühl mit einer Mauer zu sprechen. „Keine Ahnung. Das ist aber nicht wichtig. Ich spreche mit ihr und dann ist gut“, winkte Inuyasha ab und hatte vermutlich die kleine Andeutung nicht verstanden. „Nicht wichtig? Jetzt sag ich dir mal was… Kagome ist fünfzehn Jahre alt. Hat beinahe im Alleingang diese Geburt durchgestanden und jetzt willst du ihr auch noch dein Kind aufs Auge drücken, weil du Karriere machen willst? Was ist mit ihrer Zukunft. Hast du darüber schon einmal nachgedacht“, platzte Sango nun endgültig der Kragen.
Eilig schnappte sie sich ihre Jacke. Im Moment brauchte sie dringend Abstand und frische Luft, vielleicht würde es den Männern auch dabei helfen, ihre Lage endlich zu verstehen und sich selbst um eine Lösung zu kümmern.
Eine späte Einsicht!
Eine späte Einsicht!
Vorsichtig setzte sich Inuyasha an seinen Bettrand. Dabei schloss er seine Augen und atmete tief durch. Nachdem Sango wutentbrannt das Haus verlassen hatte, hatte er sich in sein Zimmer zurückgezogen. Inuyasha hatte einfach ein paar Minuten für sich gebraucht. Die neuen Erkenntnisse musste er erstmal verdauen. Wenn Sango recht hatte, war er überraschend Vater geworden. Etwas mit dem er überhaupt nicht gerechnet hatte. Dass Kagome auch erst fünfzehn Jahre alt war, hatte ihn ziemlich überrascht. Nur langsam kamen ihm die Konsequenzen in den Sinn. Kagome war minderjährig und er ein erwachsener junger Mann. Sein unüberlegtes Handeln hatte nicht nur Folgen, sondern war auch strafbar gewesen. „Wir müssen reden“, wurde seine Zimmertür geöffnet. Resigniert öffnete Inuyasha wieder seine Augen. Koga stand mit wütender Miene im Türrahmen und schaute auf ihn. „Was willst du?“, wollte Inuyasha wissen. Lieber wäre er noch ein paar Minuten allein geblieben, um überlegen zu können, was er nun machen wollte.
„Du hast mit einem Kind geschlafen. Weißt du, was das für uns bedeutet?“, fauchte er ihn an. Inuyasha verdrehte auf diese Aussage seine Augen. Ein Kind war Kagome definitiv nicht mehr gewesen. „Kagome ist kein Kind mehr. Ja sie ist vielleicht fünfzehn, aber ich hatte keine Ahnung“, wehrte sich Inuyasha sofort. „Du hast uns wochenlang in dem Glauben gelassen, dass nur Shippo und ich ihr Vater sein können, dabei hattest du ebenfalls Sex mit einer anderen Frau“, knurrte Koga förmlich. „Hey… kommt mal runter“, kamen nun auch Shippo und Miroku in sein Zimmer. Ersterer hielt Moroha im Arm, die scheinbar entschieden hatte kein Schläfchen mehr zu machen. „Wieso soll ich runterkommen. Seit Wochen hören ich und Shippo ständig, dass nur einer von uns ihr Vater sein kann und nun stellt sich heraus, dass unser Saubermann hier ebenfalls fremdgegangen ist“, spuckte Koga förmlich aus. Er schien wirklich rasend vor Wut.
„Fremdgehen kann man das nicht bezeichnen. Kikyo und ich waren damals doch ohnehin nur noch zum Schein zusammen und wirklich viel gebessert hat sich an unserer Beziehung ohnehin nichts“, verteidigte sich Inuyasha. Schon damals hatte es schon in der Beziehung der beiden gekriselt. Er hatte Kikyo eins auswischen wollen, wie sehr er das geschafft hatte, hatte er bis vor wenigen Minuten nicht geahnt. „Ach… und das ändert was? Du bist ihr Vater, nicht wir“, schüttelte Koga den Kopf. „Das kann schon sein. Aber wir wissen doch nicht mit Bestimmtheit, dass Kagome ihre Mutter ist. Außerdem habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass Kagome die Mutter von Moroha sein könnte. Immerhin war unsere Nacht keine neun Monate her“, gestand Inuyasha. Als Moroha vor ihrer Tür gelegen hatte, hatte er kurz daran gedacht, es jedoch verworfen, als er feststellte, dass erst knapp acht Monate vergangen waren. Ein Fehler den er wohl nie wieder machen würde.
„Na immerhin scheinst du dich gut an diese Nacht erinnern zu können“, rollte Koga mit seinen Augen. Er wirkte jedoch deutlich ruhiger als noch vor ein paar Minuten. „Was willst du jetzt machen? Kagome ist fünfzehn, sie kann ihre Tochter nicht allein großziehen“, fragte Miroku ihn. Inuyasha zuckte mit seinen Schultern. Er hatte noch nicht die Zeit gehabt zu überlegen. „Egal wofür du dich entscheidest. So wie jetzt kann es nicht weitergehen. In ein paar Wochen fangen wir mit unserer neuen Tour an und dann muss die Kleine irgendwo anders unterkommen”, machte Koga ihm klar. Inuyasha wusste selbst, dass Moroha nicht mit auf die Tour konnte, auch wenn er sie unheimlich vermissen würde. Doch ein Kind war einfach nicht gut aufgehoben, zwischen Bass und Schlagzeug. „Ich weiß… Und ich kümmere mich darum“, hauchte Inuyasha, der vor allem für Moroha eine gute Lösung finden wollte.
Schließlich sah alles danach aus, dass sie seine Tochter war und für sie würde Inuyasha sein letztes Hemd geben, damit es ihr gut ging.
Tief atmete Sango durch und schaute auf den kleinen See, der sich ganz in der Nähe vom Haus ihres Freundes befand. Hier war sie schon öfter gesessen, wenn sie einmal etwas Zeit für sich brauchte. Ihren Mantel drückte sie sich enger an ihren Körper. Gerade zu den Abendzeiten wurde es immer kälter. Die frische Luft tat dennoch gut, um einen klaren Kopf zu bekommen. Sie war noch immer unheimlich wütend auf Inuyasha. Er war einfach verantwortungslos mit der Situation umgegangen und hatte überhaupt nicht an die Folgen gedacht. Verstehen konnte Sango dieses Verhalten nicht, doch schon öfter hatten die Jungs ihr bewiesen, dass sie noch lange nicht erwachsen waren. „Darf ich mich setzten?“ Tief atmete Sango durch. „Es tut mir leid, Sango“, kam es nach kurzem Warten über Inuyashas Lippen. „Was tut dir leid?“, sah sie ihn an. Für Sango gab es so viel, was sie ihm vorwarf, für das er sich entschuldigen sollte.
„Alles. Ich habe nachgedacht. Du hast recht. Ich habe nicht an Kagome gedacht. Mir kam doch nicht mal in den Sinn, dass ich Morohas Vater sein könnte“, erklärte Inuyasha ihr und setzte sich mit etwas Abstand auf die Bank. „Weißt du… Kikyo und ich… das läuft schon länger nicht so gut. Die Therapie hat nichts an unserem Problem geändert. Ich kann ihr einfach nicht mehr zu hundert Prozent vertrauen“, gestand er ihr kleinlaut. „Das wussten wir. Aber dass du so hinterhältig bist?“, wollte sie verständnislos wissen. „Ich…“
„Was du? Du hast immer gesagt, sowas ist nichts für dich. Ich dachte ernsthaft, dass du der Einzige bist, der in dieser Runde ganz sicher sein kann, nicht ihr Vater zu sein. Verdammt, Inuyasha… ich dachte, Miroku ist ihr Vater.“ Tränen sammelten sich in ihren Augen, die Sango mühsam versuchte zu verstecken. In den letzten Tagen hatte sie immer wieder diese Horrorszenarien vor ihren Augen ablaufen lassen. Miroku als Vater von Moroha gesehen. Etwas mit dem sie einfach nicht umgehen hätte können. Doch nun sah alles ganz anders aus. Inuyasha gab förmlich zu, dass Moroha von ihm sein könnte und das Testergebnis würde dies wohl nur bestätigen. „Ich weiß... aber… damals, als ich gemerkt habe, das Kikyo mich betrügt tat es einfach unheimlich weh. Ich habe gedacht, wenn ich mit Kagome schlafe, würde ich mich besser fühlen. Ich wollte es ihr unter die Nase reiben und mich an ihrem Leid ergötzen.“
Sango hörte die Reue in Inuyashas Stimme. Sie kannte ihn gut, war seit Jahren mit ihm eng befreundet, gerade deswegen schockierte es sie, so dass er diesen Schritt gegangen war. „Du hättest dich trennen sollen. Reinen Tisch machen und aufhören mit diesem Schmierentheater“, seufzte Sango. Sie hatte nie verstanden, warum Inuyasha das alles mit sich machen ließ. „Ich habe es versucht. Ich habe mich von ihr getrennt. Doch für die Öffentlichkeit soll es angeblich besser sein, wenn wir noch als Paar gelten und irgendwann habe ich einfach nachgegeben und eine blöde Therapie gemacht, die meine Gefühle nicht ändern kann. Kikyo und ich haben beinahe keinerlei Berührungspunkte mehr und dennoch werde ich sie einfach nicht los. Ich liebe sie nicht mehr… nicht mehr wie früher und dennoch schaffe ich es einfach nicht offen mit ihr zu sprechen“, seufzte Inuyasha. „Ich will was von dir wissen. Hat dir die Nacht mit Kagome etwas bedeutet?“, wollte Sango noch in Erfahrung bringen. Sie wollte ihren besten Freund verstehen.
Doch dieser blieb erstaunlich still, fast so, als würde er wirklich über ihre Worte nachdenken müssen. „Ich habe sie nicht vergessen“, kam es nach einigen Minuten von ihm. Sango war dies Antwort genug. Zumindest für den Moment. „Wenigstens war sie letzten Endes kein Spielzeug für dich“, meinte sie und stand resigniert von der Bank auf. „Ich muss los. Die Nachtschicht wartet auf mich“, verabschiedete sich Sango, sie ließ Inuyasha zurück und hoffte wirklich, dass er nun genau überlegte, wie er diese Situation bewältigen konnte.
„Hallo“, betrat lächelnd Kagomes Ärztin ihr Zimmer. Wie üblich griff sie als erstes nach ihrer Patientenmappe. Sorgfältig flogen ihre Augen über die Zeilen. „Das sieht doch ganz gut aus. Ich denke wirklich, dass du Morgen entlassen werden kannst, somit mache ich dir wohl das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich dir machen könnte. Vorausgesetzt du nimmst deine Medikamente brav weiter und schonst dich“, zog sie ihre Augenbraue skeptisch nach oben. „Ich verspreche es“, kam es jedoch schnell nickend von Kagome. Sie wollte nichts sehnlicher als endlich aus diesem Krankenhaus zu verschwinden. „Ich hoffe, du hältst dich wirklich daran“, kam es leicht schmunzelnd von der Ärztin. Wirklich ehrlich sah es in Kagomes Augen nicht aus. Am heutigen Tag wirkte sie etwas geknickt. „Heute sind sie gar nicht so neugierig wie sonst“, amüsierte sich Kagome, vielleicht fand auch die Ärztin es nicht toll an diesem Abend Nachtschicht zu schieben.
In den letzten Tagen hatte sie immer wieder nach ihrer Tochter gefragt. Doch am heutigen Abend schien sie kein Interesse daran zu haben. „Ich denke, ich habe meine Neugierde bereits gestillt.“ Verwundert sah Kagome zu der Ärztin. Wirklich schlau war sie aus ihrer Antwort nicht geworden. „Sie denken also nicht mehr, dass ich mein Kind umgebracht habe? Oder an irgendeiner Brücke liegen gelassen habe?“, zog Kagome skeptisch die Augenbraue hoch. „Ich habe nie gesagt oder gedacht, dass du dein Kind ungebraucht hast. Wie kommst du auf so einen Blödsinn?“, wollte sie schockiert wissen. „Na so wie sie gefragt haben?“, zuckte Kagome mit den Schultern. Immerhin hatte sie immer und immer wieder nachgehakt. „Ich habe mich eben dafür interessiert. Schließlich ist es nicht alltäglich, dass man eine junge Mutter als Patientin hat und ihr Kind ist nirgends zu finden.“ Kurz rollte Kagome mit den Augen.
Natürlich gab es nur wenige Frauen, die so handelten wie Kagome. Doch sie hätte Moroha nichts bieten können. Bei Inuyasha hatte sie wenigstens die Chance auf ein gutes Leben. „Ich bin zwar immer noch verwirrt und wirklich gut heißen kann ich dein Handeln nicht. Ich bin aber froh, dass es Moroha gut geht.“ Kagomes Körper verspannte sich, ihre Atmung wurde schneller, als die Ärztin diese Worte scheinbar unbedacht ausgesprochen hatte. „Warten sie. Woher wissen sie ihren Namen?“, stoppte Kagome sie, als diese im Begriff war den Raum zu verlassen. „Welchen Namen?“, wollte sie sofort verwirrt wissen, als sie sich zu Kagome umdrehte. „Moroha… sie haben meine Tochter eben Moroha genannt. Woher wissen sie wie meine Tochter heißt.“ Sprachlos sah die Ärztin Kagome an und benetzte kurz ihre Lippen. „Er hat sie abgegeben? Er hat sie wirklich hier abgegeben.“ Tränen sammelten sich in Kagomes Augen. „Warte… ich...“
„Ich dachte er würde sich um sie kümmern. Wieso hat er sie einfach weggeworfen wie ein Stück Müll. Sie ist doch seine Tochter“, liefen ihr nun die Tränen über die Wangen entlang. Sie hatte so gelitten, immer wieder mit sich gekämpft und sich selbst Mut zugesprochen, dass es richtig war, Moroha bei ihrem Vater zu lassen. Doch nun zu hören, dass ihre Ärztin den Namen ihres Kindes kannte und Moroha scheinbar vollkommen alleine war, brach ihr das Herz. Sie hatte sie abgegeben, um ihr ein besseres Leben bieten zu können, doch diese Hoffnung wurde ihr soeben geraubt und tat unheimlich weh.
Ein lang ersehntes Wiedersehen!
Ein lang ersehntes Wiedersehen!
Hilflos sah Sango zu der Teenagerin, welche weiterhin in ihr Kopfkissen weinte. Nachdem sie unbedacht einfach den Namen ihrer Tochter ausgesprochen hatte, hatte Kagome falsche Schlüsse gezogen. „Er hat sie einfach weggeben“, hörte Sango immer wieder diese Worte. Ihre Versuche die Situation zu klären waren vollkommen ins Leere gelaufen. Kagome war für sie nicht mehr ansprechbar und nahm ihre Außenwelt scheinbar nicht mehr wirklich wahr. Langsam zog sich Sango deshalb aus dem Zimmer zurück. Ein blödes Wort hatte gereicht, um Kagome zu brechen. Erst jetzt merkte Sango, dass Kagome ihr Kind nicht leichtsinnig weggegeben hatte. Sie liebte ihre Tochter und wollte nur das Beste für sie, doch scheinbar war sie der Ansicht gewesen, dass sie allein das nicht schaffen konnte. Seufzend zog Sango ihr Handy aus der Hosentasche.
Im Moment fiel ihr einfach nichts ein, um Kagome dieses Missverständnis erklären zu können. Kurz haderte sie mit sich, drückte schließlich dennoch auf den grünen Knopf und wählte die Nummer. Mit dem Handy am Ohr sah sie noch einmal in das Zimmer. Kagome weinte immer noch, etwas das ihr unheimlich leidtat. „Ja?“, hörte sie fragend aus dem Hörer. „Bist du zuhause?“, wollte sie ohne Begrüßung wissen. „Wo sollte ich sonst sein? Es ist Heiligabend, die Jungs und ich machen uns wie jedes Jahr einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher“, kam es auch sofort überrascht zurück. „Pack Moroha ein und komm ins Krankenhaus!“ Eine Bitte war dies nicht, eher ein Befehl. Sango konnte Kagome nur so zeigen, dass es Moroha gut ging. Vielleicht freute sie sich auch ihr Baby wiedersehen zu können. „Und das so schnell wie möglich“, seufzte sie noch und legte auf.
Immerhin musste sie sich genau überlegen, wie sie Inuyasha und Moroha ins Krankenhaus schleusen konnte, ohne dass sie entdeckt wurden und sie ihren Job verlor.
Schnell schnallte Inuyasha die Babyschale ab und hob Moroha samt dieser aus seinem Wagen. Nach Sangos Anruf hatte er die Kleine sofort angezogen, sich etwas verkleidet und war losgefahren, dass es mitten in der Nacht war, war ihm egal. Sango hatte besorgt gewirkt, vielleicht stimmte doch etwas mit der Kleinen nicht oder mit Kagome war etwas passiert. Was sie von ihm wollte, konnte er sich sonst nicht erklären. Sango hatte seltsam geklungen, etwas dass ihn doch etwas nervös machte. „Inu“, hörte er ihre Stimme. Kurz sah er sich auf dem großen Parkplatz um, auf welchem zum Glück kaum noch Autos standen, so hatte er Sango schnell im Halbdunkeln ausfindig gemacht. Mit schnellen Schritten lief er deshalb zu seiner besten Freundin. „Wieso sollte ich mit Moroha kommen?“, fragte Inuyasha sie sofort. „Ich erkläre dir alles später. Jetzt komm erstmal mit“, forderte Sango ihn auf. Inuyasha folgte ihr sofort, da er nicht länger als nötig mit dem kleinen Mädchen in der Kälte stehen. Vorsichtig liefen sie durch die Gänge. Sango sah sich immer wieder um.
Erst als sie im Schwesternzimmer ankamen, entspannte sie sich etwas. „Also… was willst du von mir? Hast du das Testergebnis bekommen? Bin ich doch nicht ihr Vater?“, wollte Inuyasha angespannt wissen. Immerhin hatte er die letzten Stunden damit verbracht zu akzeptieren, dass er höchstwahrscheinlich Morohas Vater war. „Ja... Nein… du musst mir helfen“, stotterte Sango verwirrt. „Ich muss dir helfen? Dazu musste ich Moroha um so eine Zeit wecken, einpacken und unbedingt kommen?“, kam es kopfschüttelnd von ihm. Das kleine Mädchen hatte er derweil mit ihrer Babyschale auf dem Tisch abgestellt und wiegte diese sanft, damit die Kleine wieder in den Schlaf fand. „Sango, ich finde das nicht gerade toll. Es ist spät, kalt und regnet. Nicht gerade das beste Wetter, um mit einem drei Wochen alten Baby die Landschaft zu erkunden“, fügte Inuyasha an, als er Moroha abschnallte und langsam hochhob. Neugierig blickte ihn die Kleine an, auf ein ausgiebiges Schläfchen schien sie keine Lust mehr zu haben.
„Was sollte ich den machen. Kagome liegt in ihrem Bett und weint ohne Ende. Und das ist meine Schuld.“ Überrascht sah Inuyasha seine beste Freundin an. „Kagome… sie ist noch immer hier?“, hinterfragte er ihre Aussage, da Inuyasha doch gedacht hatte, dass sie mittlerweile entlassen worden war. Schließlich hatte Sango angedeutet, dass Kagome bereits vor einigen Tagen aufgenommen worden war. „Ja… ich habe ausversehen Morohas Namen erwähnt. Und plötzlich weint sie fürchterlich und glaubt, dass du sie abgegeben hast“, griff sich Sango an die Stirn und schien ihren Fehler wirklich zu bereuen. Inuyashas Herz begann stark zu schlagen. Seit beinahe neun Monaten hatte er Kagome nicht mehr gesehen. Er kümmerte sich um ihre Tochter und nun war er nur ein paar Meter von ihr entfernt. „Kannst du Moroha zu ihr bringen? Ich glaube, sie vermisst ihre Tochter“, bat Sango ihn. Inuyasha schluckte einmal schwer.
Natürlich hätte er ein Gespräch mit Kagome geführt, doch so schnell hatte er damit nicht gerechnet. Es wäre ihm lieber, wenn er sich auf dieses Gespräch vorbereiten könnte, doch nun musste er wohl in den sauren Apfel beißen und sich seiner Vergangenheit stellen.
Tiefer vergrub Kagome ihr Gesicht im Kissen, nachdem sie bemerkt hatte, dass jemand neben ihr platzgenommen hatte. Nach ihrer bitteren Erkenntnis fühlte sie sich furchtbar. „Kagome… ich glaub du hast da was falsch verstanden.“ Schlagartig riss sie ihre Augen auf. Ihr Herz begann schneller zu schlagen. So lange hatte sie seine Stimme nicht mehr gehört und sich damit abgefunden, ein Abenteuer gewesen zu sein. Nur langsam drehte sie ihren Kopf in seine Richtung, nur um zu überprüfen, ob es nicht doch ein Traum war, seine Stimme zu hören. „Inuyasha…“, hauchte sie und konnte ihren Augen kaum trauen. Wirklich sprachlos wurde sie jedoch erst, als sie ein leises Wimmern hörte und anschließend das kleine Mädchen in seinen Armen entdeckte. „Moroha…“, wandte sie sich schluchzend von den beiden ab. „Sango meinte, dass du denkst, dass die Kleine nicht mehr bei mir ist“, sprach er sie an.
Doch mit seinem Auftauchen bewies Inuyasha ihr soeben das Gegenteil. Moroha lebte bei ihm und so wie es aussah kümmerte er sich hervorragend um sie. „Wer ist Sango?“, wollte sie verwirrt wissen, dabei sah sie ihn das erste Mal wieder richtig an. Immerhin kannte sie niemanden mit diesem Namen. „Die Ärztin, die dich behandelt. Sie ist meine beste Freundin und außerdem die Freundin von Miroku. Sie ist es auch, die mir von dir erzählt hat, und mich zusammen mit Moroha hierhergebracht hat.“ Nun verstand Kagome, warum die Ärztin den Namen ihrer Tochter kannte. Kagome war sich so sicher gewesen, dass er die Kleine samt der Decke und dem Zettel im Krankenhaus abgegeben hatte. „Willst du sie mal halten?“, fragte er und zögernd nickte Kagome. Sie war wirklich nervös, weil sie ihre Tochter seit fast vier Wochen nicht mehr im Arm gehalten hatte. „Sie ist größer geworden“, stellte Kagome fasziniert fest. „Und schwerer“, kicherte sie, nachdem Inuyasha ihr das Baby in ihre Arme gelegt hatte.
Verliebt sah Kagome auf ihre kleine Tochter. Sie hatte sie unendlich vermisst, doch Ihre Entscheidung war die Richtige gewesen. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass du schwanger geworden bist? Ich hätte dir doch geholfen“, wollte Inuyasha nach einigen stillen Minuten in Erfahrung bringen, in denen sie nur ihre Tochter angesehen hatte. Kagome biss sich auf die Lippe. „Du hast gewusst, wo ich wohne. Warum bist du nicht zu mir gekommen, als du gemerkt hast, dass du schwanger bist?“, forderte Inuyasha eine Erklärung. Seufzend atmete sie tiefer durch. „Wärst du gekommen oder hättest mir zugehört? Ich meine wir hatten eine Nacht miteinander verbracht und das kam dabei raus“, antwortete sie und blickte wieder lächelnd auf das Mädchen in ihrem Arm, auch er hatte seine Augen auf Moroha gerichtet. „Bist du dir auch ganz sicher, dass ich der Vater bin?“, hakte Inuyasha leiser nach und schien ihr nicht ganz zu vertrauen.
Kagome bekam einen leichten Stich in ihrem Herzen. Dass er so von ihr dachte, tat wirklich weh. „Ganz sicher. Du warst der Erste und Einzige, den ich so nah an mich herangelassen hatte.“ Dieses Geständnis schien ihn etwas zu schockieren. Vermutlich hatte er damit nicht gerechnet, doch ihr war es egal. Im Moment war sie einfach glücklich ihr kleines Mädchen erneut in den Armen halten zu können, ein Gefühl das sie nie wieder zu Träumen gewagt hatte.
Mit mulmigem Gefühl saß Inuyasha neben Kagome. Seine Schulter berührte beinahe ihre, dennoch fühlte es sich an, als würden Welten zwischen den beiden liegen. „Hast du Probleme mit deiner Verlobten wegen Moroha?“, kam diese Frage fast schon flüsternd über ihre Lippen. „Nein. Kikyo hat mit ihr ohnehin nichts zu tun“, schüttelte er schmunzelnd seinen Kopf. „Aber… sie weiß von ihr? Oder?“, schaute sie ihn verwirrt an. Bestimmt war sie überrascht, dies von ihm zu hören, immerhin lebte Moroha beinahe vier Wochen bei ihm. „Sie kennt sie, weiß aber nicht, wer ihr Vater ist. So wie wir bis heute Mittag auch nicht.“ Beschämt sah Kagome weg. „Ich hätte deinen Namen dazu schreiben sollen“, flüsterte sie und hatte wohl erst jetzt verstanden, dass er nicht alleine in diesem Gebäude wohnte. „Es tut mir leid, dass ich euch solchen Ärger gemacht habe“, entschuldige Kagome sich bei ihm. Doch seiner Meinung nach, gab es nichts wofür sich Kagome entschuldigen musste.
„Lass gut sein. Ich habe dir eine Menge angetan. Sango hat mir erzählt, wie du die Kleine zur Welt gebracht hast“, winkte Inuyasha ab. Bevor er diesen Raum betreten hatte, hatte er ein ausführliches Gespräch mit seiner besten Freundin geführt und musste zugeben, dass er Kagome wirklich für sehr stark hielt. Sie hatte mit nur fünfzehn Jahren ein Kind zur Welt gebracht und das auch noch beinahe im Alleingang. Wirklich schlau war das zwar nicht gewesen, aber Inuyasha hatte Fehler gemacht, allen voran damit, dass er keinen Gedanken an Verhütung verschwendet hatte. „Kagome... ich weiß, dass es doof ist. Aber… kannst du Moroha bitte wieder zu dir nehmen?“ Er wusste, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war, doch in wenigen Wochen würde Inuyasha wieder auf die Bühne müssen, Moroha würde einfach nicht mitkönnen. „Sie muss auch nicht sofort bei dir wohnen. Aber in ein paar Wochen vielleicht. Erstmal würde es gut sein, wenn du sie besuchen könntest oder hin und wieder ein paar Stunden auf sie aufpasst“, schob er hinterher.
Auf diese Weise wollte er ihr etwas Zeit geben, um besser mit der Kleinen umgehen zu können.
Direkt hatte Inuyasha bemerkt, dass sie bei der Frage erstarrt war. „Ich kann nicht. Es tut mir leid, aber ich kann nicht“, schüttelte sie vehement ihren Kopf. „Was?“, hakte er nach, immerhin sah er doch, dass sie ihre Tochter sehr liebte. „Meine Eltern wissen nicht, dass ich eine Tochter habe oder schwanger war. Ich kann jetzt nicht mit einem Kind ankommen und sagen, dass sie zu mir gehört“, gab sie leise zu. Inuyasha glaubte sich verhört zu haben. Eine Geburt alleine durchzustehen, fand er schon merkwürdig, aber eine komplett verheimlichte Schwangerschaft war doch nochmal um einiges schockierender. „Wenn Kikyo sie nicht mag… können die anderen nicht auf sie aufpassen? Vielleicht lässt sie sie ja bleiben, wenn du sie nicht den ganzen Tag hast“, zog Kagome scheinbar wieder eigene Schlüsse aus seiner Frage.
„Kagome… Kikyo hat damit rein gar nichts zu tun. Ich werde in ein paar Wochen wieder auf der Bühne stehen. Meine Tour startet durch Japan und da kann ich Moroha nicht mitnehmen. Kikyos Meinung interessiert mich nicht die Bohne“, stellte er daraufhin klar. Selbst wenn Inuyasha mit Kikyo Streit haben sollte, würde er seine Tochter niemals im Stich lassen. „Ich weiß, dass es eine schwierige Situation ist. Vielleicht finden wir jedoch eine Lösung, mit der wir beide gut leben können. Ich wünsche mir, dass Moroha dich kennenlernen kann und mit dir Zeit verbringt. Und ich glaube, dass auch du ein Teil ihrer Familie sein willst“, gab sich Inuyasha einsichtig. Er konnte Kagome nicht zwingen ihre Tochter wieder an sich zu nehmen. Er musste sich ebenfalls überlegen, ob es nicht vielleicht doch noch eine andere Lösung gab, mit der Kagome einverstanden sein konnte. Vielleicht würden sie beide einen Abstrich machen, doch ihrer Tochter zur Liebe musste sie sich zusammenraufen.
„Vielleicht… doch erstmal muss ich wieder gesund werden und die Zeit wird zeigen, wie ernst du deine Worte meinst und ob wir eine Lösung finden“, seufzte Kagome. „Ich glaube, ihr solltet nun auch besser gehen. Es ist spät und die Kleine muss schließlich irgendwann ins Bett.“ Kurz gab sie ihr einen Kuss auf die Stirn. Inuyasha verstand, dass es für sie keine einfache Situation war, doch er würde sich bemühen, vor allem zum Wohle ihrer Tochter. „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder und… frohe Weihnachten, Kagome“, verabschiedet er sich deshalb zögernd von ihr, als Moroha wieder in seinen Armen lag und schon am Einschlummern war. „Bis dann und euch auch frohe Weihnachten“, winkte ihnen Kagome mit einem schwachen Lächeln, als er aus dem Zimmer trat und hoffte, dass seine Worte von eben wirklich der Realität entsprechen würden.
Unsicherheiten!
Unsicherheiten!
„Und hat sich Kagome wieder beruhigt?“ Nur zögerlich nickte Inuyasha auf Sangos Frage hin. Nach dem kurzen Treffen mit Kagome war er ziemlich nachdenklich, irgendwie aufgewühlt. Er konnte ihre Gefühle verstehen, dennoch hatte er den Schmerz in ihren Augen gesehen, als sie Moroha in ihren Armen gehalten hatte. „Kannst du mir einen Gefallen tun?“, bat er Sango deshalb einfach. Durch den ganzen Trubel hatte Inuyasha vergessen, dass er überhaupt keinen Kontakt zu Kagome aufbauen konnte. Da er nicht wusste, wo sie wohnte, und eine Telefonnummer hatte er auch keine von ihr. Schnell hatte er deshalb einen kleinen Block erspäht. Mit Moroha im Arm lief Inuyasha auf den Tisch zu und schnappte sich anschließend noch einen Stift. „Könntest du diesen Zettel bitte Kagome geben? Sie wird doch morgen entlassen und so könnten wir vielleicht etwas über Moroha sprechen“, bat er Sango ihr den Zettel zu geben, auf welchem sich in sauberer Schrift seine Handynummer befand.
Eigentlich gab er seine Nummer nicht einfach weiter, nur wenige hatten seine private Handynummer. Doch Kagome war die Mutter seiner Tochter. Vielleicht würde sie gerne mehr über sie erfahren oder auch ein weiteres Treffen anstreben. Sie hatte definitiv nicht so gewirkt, als wäre ihr der Abschied leichtgefallen. Inuyasha war sich sicher, dass sie sich bei ihm melden würde, und vielleicht konnten sie doch gemeinsam eine Lösung finden, um Moroha bestmöglich versorgen zu können. „Denkst du wirklich, dass das eine gute Idee ist?“, fragte Sango zweifelnd nach, nachdem sie einen Blick auf das Geschriebene geworfen hatte. In manchen Dingen war Sango einfach überfürsorglich. Wahrscheinlich wollte sie Kagome einfach vor unangenehmen Situationen schützen. „Sie ist Morohas Mutter. Ich glaube nicht, dass sie wirklich nichts von ihr wissen will. Wenn Kagome es möchte, soll sie die Chance haben, ihr Kind kennen zu lernen“, stellte er deshalb klar.
Für ihn würde dies jedoch bedeuten, dass er sich in Geduld üben musste. Er würde Kagome die Entscheidung überlassen müssen und einfach hoffen, dass ihr Moroha wirklich nicht egal war. Denn wenn Inuyasha ehrlich zu sich war, war er doch etwas nervös und verunsichert, ob er es wirklich schaffen konnte, ein Kind zu erziehen und seine Karriere fortzusetzen, ohne dass eines von beiden darunter leiden musste.
„Bist du wahnsinnig? Hast du mal auf die Uhr gesehen?“, wurde Inuyasha nicht ganz so nett an der Haustür empfangen. Mit einem zischenden ‘Psst!’ hatte er seinen Bandkollegen eilig klar gemacht leise zu sein. Nach dem Besuch bei Kagome, war Moroha einfach im Auto eingeschlafen. Verständlich wenn man bedachte, dass es bereits kurz nach elf war. „Wo warst du? Und warum hast du Moroha mitgenommen?“, wollte Miroku gleich leise und aufgebracht wissen. Doch Inuyasha deutete seinem besten Freund zuerst an, das kleine Mädchen in ihr Bett bringen zu wollen. Vorsichtig stellte er deshalb das Maxicosi ab, kniete sich vor dieses, um Moroha so sanft wie möglich herausnehmen zu können. Kurz hielt er seinen Atem an, als sich das kleine Mädchen leise murrend bemerkbar machte. Zu seiner Erleichterung schlief sie jedoch unbekümmert weiter. Schnell hatte er sie daher an seine Brust gedrückt und lief mit der Kleinen in sein Schlafzimmer, in welchem sich am heutigen Abend das Bettchen des Mädchens befand.
In den letzten Wochen hatte sie jeden Abend wo anders übernachtet, schon allein dass alle Bandmitglieder genug Schlaf bekommen konnten. Ob Seine Bandkollegen dies immer noch machen würden, jetzt wo sie wussten, dass er Morohas Vater war? Diese und noch einige Herausforderungen musste er nun wohl erstmal überstehen. Doch noch war Inuyasha zuversichtlich, vor allem jetzt wo er Moroha in ihrem Bettchen friedlich schlafen sah. Lange konnte er sich dennoch nicht an ihrem Anblick erfreuen. Seine Bandkollegen hatten Fragen und diese würde er wohl oder übel beantworten müssen.
„Moroha schläft.“ Fast schon selbstverständlich verließen diese Worte Inuyashas Mund, nachdem er von seinem Zimmer in das Wohnzimmer gelaufen war. Kurz überprüfte er die Einstellung des Babyphones und stellte es anschließend auf den Couchtisch, um einen guten Blick darauf zu haben, anschließend setzte er sich auf die Couch. „Also… wo warst du?“, wollte Miroku nun endlich wissen. Ein leises Seufzen entkam Inuyasha. „Ich war mit Moroha bei Kagome“, gestand er leise. Das Treffen war nicht ganz so gelaufen, wie er sich dieses vorgestellt hatte. Inuyasha war sich sicher, dass seine Bandkollegen ebenfalls ziemlich frustriert sein würden. „Das ist doch klasse. Wann holt sie die Kleine ab?“, kam es wie erwartet freudig von Koga, der sich trotz allem nichts sehnlicher wünschte, als dass das kleine Mädchen bald aus ihrem Haus verschwand. Doch diesen Traum musste er ihm wohl oder übel zerstören. „Gar nicht. Sie möchte die Kleine nicht wieder zu sich nehmen“, stellte Inuyasha deshalb zügig klar. Er konnte deutlich sehen, wie das Lächeln auf Kogas Gesicht verschwand.
„Das kann die doch nicht bringen? Sie muss das Kind zurücknehmen“, schoss er fassungslos hinterher. „Sie muss gar nichts, Koga. Kagome ist fünfzehn. Sie hat ihren Eltern nichts von der Schwangerschaft erzählt. Sie hat die Geburt ganz alleine gemeistert. Ich kann sie nicht zwingen, dass sie Moroha wieder zu sich nimmt.“ Mittlerweile hatte Inuyasha Kagomes Situation verstanden und seine Bandkollegen mussten ebenso verstehen, dass Kagome dies nicht leichtfertig gemacht hatte. „Aber du musst, oder was? Sie hat uns einfach das Kind vor die Tür gelegt und gehofft, dass wir uns um sie kümmern. Was hätte sie gemacht, wenn wir nicht solche Idioten gewesen wären?“, machte Koga einfach weiter seinem Ärger Luft. Tief atmete Inuyasha durch. Manchmal musste er sich wirklich beherrschen, um Koga nicht eine zu knallen. „Koga, hör jetzt auf. Ich kann verstehen, warum Inuyasha Kagome nicht zwingen will. Wir sind Erwachsen und können durchaus eine Lösung finden. Kagome ist fast noch ein Kind. Sie muss erst selbst erwachsen werden, bevor sie so eine große Verantwortung übernehmen kann“, versuchte Miroku an Koga zu appellieren.
„Lösen? Ich sage euch, wie wir dies lösen. Morgen bringst du die Kleine in die Babyklappe und alle sind wieder glücklich.“ Bei Kogas Worten bekam nicht nur Inuyasha große Augen. Auch Shippo und Miroku schienen fassungslos zu sein. „Das werde ich nicht. Moroha ist meine Tochter und das wird sie auch bleiben. Finde dich damit ab, oder geh“, stellte Inuyasha sofort klar. Für den heutigen Abend hatte er wirklich die Schnauze voll. Ohne noch ein Wort zu sagen, stand er von der Couch auf. Auf Kogas Gesellschaft konnte er getrost verzichten, da fühlte er sich doch deutlich besser, wenn er seine Tochter beim Schlafen beobachten konnte.
„Hier sind noch die Dokumente, die du bitte deinem Hausarzt übergibst. Er wird noch einmal in ein paar Tagen deine Blutwerte überprüfen und wenn alles passt, mit dir zusammen langsam die Medikamente absetzen.“ Kurz sah Kagome auf diese und schaute dann zu der jungen Ärztin. „Sollten sie nicht schon längst zu Hause sein?“, konnte es sich Kagome einfach nicht verkneifen. Immerhin hatte sie in der letzten Nacht Nachtdienst gehabt. Normalerweise wechselte das Personal immer morgens um sieben. Mittlerweile war es jedoch schon nach zehn. Kagome durfte nach einer abschließenden Untersuchung endlich wieder nach Hause und würde in wenigen Minuten von ihrer Mutter abgeholt werden. „Ob du es glaubst oder nicht… da werde ich jetzt auch hingehen“, kicherte die Ärztin und schien deutlich bessere Laune zu haben als noch am Vorabend. Kagome hatte in den letzten Tagen vieles mit ihr besprochen. Sie hatte ihr Wort gehalten und ihrer Mutter nichts von ihrem Kind erzählt.
„Danke, nochmal“, bedankte sie sich deshalb. Doch dieses Dankeschön sollte nicht nur für ihr Schweigen sein. Ihre Ärztin hatte ihr ermöglicht, ihr Kind noch einmal zu sehen. Für Kagome etwas, dass sie unglaublich genossen hatte. „Immer wieder gern. Wenn du irgendwann mal wieder Probleme hast, kannst du gerne zu mir kommen. Du weißt ja jetzt, wo du mich finden kannst“, bot sie ihr netterweise an. Doch Kagome hatte nicht vor, sie noch einmal aufzusuchen. Sie hatte ohnehin schon so viel für sie getan. „Ich soll dir das hier geben.“ Kagome starrte auf den zusammengefalteten Zettel, den Sango, wie sie am Vorabend erfahren hatte kannte, ihr etwas unsicher hinhielt. „Inuyasha meinte, vielleicht möchtest du Moroha noch einmal sehen. Du kannst ihn jederzeit anrufen oder schreiben“, erklärte sie noch leise. Kagome war unentschlossen. Sie hatte gemerkt, wie weh es ihr tat, ihre Tochter wieder abgeben zu müssen.
Kagome wusste nicht, ob sie das noch einmal überstehen würde. „Ich kann deine Sorgen verstehen. Inuyasha ist erwachsen, steht im Rampenlicht und ist manchmal echt kindisch. Aber er ist ein guter Kerl. Er bemüht sich und will, dass Moroha dich ebenfalls irgendwann kennenlernen kann. Er weiß, aber auch dass er dich zu nichts zwingen kann und überlässt deshalb dir die Entscheidung, ob und vor allem wann du das will.“ Auch die netten Worte ließen Kagomes Unsicherheit nicht verschwinden. Sie kannte Inuyasha nicht, hatte ihn vor dieser Sache nur aus den Medien gekannt. Doch der Mensch dahinter war bestimmt nicht derselbe wie derjenige der auf der Bühne stand. Sie hatte Angst, dass sie sich öffnete, es vielleicht doch probierte und am Enden bitter enttäuscht wurde. Ein Klopfen ließ Kagome aufhorchen. Nur wenige Sekunden später betrat ihre Mutter mit einem Lächeln das Zimmer.
„Wie ich sehe, hast du schon alles gepackt“, kicherte sie, als sie Kagomes Taschen auf dem Bett vorgefunden hatte. „Ja. Frau Hiraikotsu hat mir nur noch die Krankenhausberichte für den Hausarzt mitgegeben“, lächelte Kagome und griff eilig nach dem Zettel, den die Ärztin immer noch in der Luft hielt. „Brauchen sie noch etwas von meiner Tochter?“, wollte ihre Mutter in Erfahrung bringen. „Nein. Sie soll sich noch etwas schonen und die Medikamente weiter einnehmen. In ein paar Tagen sollte die Entzündung vollständig abgeklungen sein. Ich wünsche dir eine gute Besserung.“ Erleichtert hörte Kagome ihre Mutter seufzen. Auch von ihrer Schulter war wohl bei dieser Nachricht einiges abgefallen. „Na dann sollten wir ganz schnell nach Hause, bevor sie dich doch noch ein paar Tage hierlassen wollen.“ Kagome konnte der Aussage ihrer Mutter nur zustimmen. Sie verstaute die Dokumente in ihrer Reisetasche und wollte diese schon vom Bett nehmen, als sie auch schon ein lautes Räuspern hinter sich hörte.
Langsam trat Kagome einen Schritt zur Seite und überließ ihrer Mutter nur ungern das Schleppen ihrer Sachen. Doch im Moment wusste Kagome, dass es besser war, sich nicht mit ihrer Mutter anzulegen. Sie ließ ihr ihren Willen und war sich bewusst, dass sie auch die nächsten Tage zu Hause ein wachsames Auge haben würde. „Auf Wiedersehen“, verließ es Kagomes Lippen, als sie das Krankenzimmer verließ. Kagome steckte ihre Hand in ihre Jackentasche und spürte dabei das Papier, welches sich unter ihren Fingern befand. Sie hatte es einfach ohne darüber nachzudenken an sich genommen, als ihre Mutter den Raum betreten hatte. Doch jetzt, wo sie wieder darüber nachdenken konnte, stieg ihre Unsicherheit wieder an. Vielleicht wollte Inuyasha wirklich, dass sie Moroha kennenlernte. Doch seine Worte vom Vorabend gingen ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte gewollt, dass sie Moroha zu sich nahm.
Was wenn er nur das von ihr wollte und sich letzten Endes nicht mehr von ihr erhoffte. Konnte ihm Kagome wirklich vertrauen? Nach allem, was sie seinetwegen durchgemacht hatte. Schnell schüttete sie ihren Kopf. Sie wollte nicht über etwas nachdenken, das ihr nur Kopfschmerzen verursachte. Im Moment wollte sie sich nur darüber freuen, dass sie endlich wieder zu ihrer Familie nach Hause durfte.
Auch Idole haben Angst!
Auch Idole haben Angst!
Nachdenklich sah Inuyasha auf das leere Blatt Papier. Doch wirklich eine Idee für einen neuen Song hatte er immer noch nicht. Normalerweise fiel ihm das Schreiben wirklich leicht, doch am heutigen Tag lief einfach nichts nach Plan. Moroha war den ganzen Tag über mürrisch, schrie viel und war kaum zu beruhigen. Jetzt wo sie ihr Schläfchen endlich machte, wollte er sich an einem neuen Song probieren, ehe die Kleine wieder aufwachte und hoffentlich bessere Laune hatte. Doch dieses Mal wollte es einfach nicht funktionieren, vielleicht war er viel zu müde oder die ganze Situation setzte ihm doch mehr zu, als er zugeben wollte. Die Stimmung in der Wohngemeinschaft war noch immer ziemlich angespannt. Koga und er redeten kein Wort miteinander. Inuyasha hatte sich Großteils in sein Zimmer zurückgezogen, kümmerte sich beinahe alleine um Moroha. Nur manchmal nahmen ihm Shippo und Miroku die Kleine ab. Meist nur wenn er sie bat, sie zu nehmen, um Duschen gehen zu können. Er versuchte so gut es ging mit dem Kind allein klarzukommen, immerhin schafften alleinerziehende Mütter das auch.
Inuyasha war wirklich enttäuscht. Er hatte gehofft, dass seine Freunde die Kleine genauso ins Herz geschlossen hatten, vor allem Koga hatte wirklich begonnen sich um sie zu kümmern. Dass er Moroha nun wirklich los werden wollte, hatte ihn wirklich verletzt. Zudem machte ihn zu schaffen, dass Kagome noch keinen Kontakt zu ihn aufgenommen hatte. Er hatte wirklich damit gerechnet, dass sie sich schon nach wenigen Tagen mit einer Nachricht bei ihm melden würde. Seufzend öffnete er die Schublade seines Schreibtisches. Das Blatt Papier, das sich in diesem befand, legte er einfach über seinen jämmerlichen Versuch einen neuen Song zu schreiben. Inuyasha hatte damit begonnen eine kleine Aufstellung zu machen, wie er Moroha versorgen konnte. Doch auch hier war er schon nach wenigen Sätzen nicht weitergekommen. Schon für den kommenden Tag würde er keine Lösung haben, um Moroha nicht allein lassen zu müssen. Sie mussten zu einem Pressetermin, um ihre neue Tour zu promoten.
Dorthin konnte er die Kleine natürlich nicht mit nehmen, ebenso konnte von seinen Bandkollegen niemand einfach so von dem Termin fernbleiben. Demnach musste er sich was einfallen lassen. Vor allem jetzt, wo es für ihn bald wieder auf Reisen gehen würde. Kurz sah er auf das Wort, das ihm am Vorabend plötzlich in den Sinn gekommen war. Doch genau dieses sorgte bei ihm für einiges an Bauchschmerzen. - Eltern - ein Wort, welches auf ihn zutraf und von dem niemand etwas wusste, außer seine Bandkollegen. Doch um die Tour ruhigen Gewissens über die Bühne bringen zu können, musste er wohl oder übel zur Beichte antreten. Und das am besten noch am selben Tag, wenn er Moroha morgen nicht alleine lassen wollte. Ein Schritt, der dem jungen Mann wirklich schwerfiel. Schließlich würden seine Eltern sicher geschockt sein, wenn sie von seiner Unachtsamkeit erfuhren.
Konzentriert schrieb sich Kagome die Zeilen von der Tafel ab. Der Lehrer hatte ihnen einige Informationen an die Tafel geschrieben, die für die nächsten Prüfungen relevant sein würden. „Bist du fertig, Kagome?“, kam Eri lächelnd auf sie zu. Kagome machte ihr Buch zu und schaute zu ihrer Freundin auf. „Ja, wollen wir noch etwas zusammen lernen?“, fragte Kagome ihre beste Freundin. Immerhin standen trotz der vergangenen Ferien bald einige Tests an. „Klar. Wollen wir zu mir?“, wollte sie wissen, nachdem Kagome ihre Schultasche fertig gepackt hatte. „Gern, ich muss nur zusehen, dass ich zum Abendessen wieder zu Hause bin“, machte Kagome gleich klar. Durch ihre Erkrankung wollte ihre Mutter nicht, dass sie sich im Laden beteiligte, um ihren Bruder kümmerte sie sich allerdings wieder. Sota würde den Nachmittag bei einem Freund verbringen und sie konnte sich um ihre Schulunterlagen kümmern. „Ich finde es immer noch unglaublich, dass du selbst im Krankenhaus deine Hausaufgaben erledigt hast.“
Verständnislos schüttelte Eri ihren Kopf. Von ihrem Besuch in der Klinik hatte sie dieser natürlich erzählt, hatten sich die Mädchen doch an Neujahr zum Schreinbesuch getroffen und gequatscht. Wie auch ihren Eltern hatte sie dieser den wahren Grund natürlich verschwiegen. „Mir ging es doch schon nach wenigen Tagen wieder deutlich besser. Meine Mutter hat mir meine Unterlagen nur gebracht, weil sie gesehen hatte, dass es mir wirklich besser ging“, lachte Kagome über Eris Bemerkung. In den letzten Tagen hatte sie sich noch geschont. Durch die gestrige Untersuchung hatte sie endlich die erhoffte Befreiung. Kagomes Werte waren endlich wieder vollkommen in Ordnung. Das Antibiotikum musste sie langsam absetzen und aus ihrem Körper ausschleichen lassen. Sie durfte langsam wieder anfangen Sport zu machen und vielleicht würde ihre Mutter sie auch bald wieder in dem Laden aushelfen lassen. „Trotzdem. Du hattest eine schwere Krankheit und vernachlässigst die Schule nicht.“
Für Kagome war dies jedoch selbstverständlich. In der Schwangerschaft hatte sie immer wieder die Schule vernachlässigt. Nun sollte sich alles ändern. Kagome wollte ihren Zukunftstraum wieder in den Mittelpunkt rücken. Sie wollte schon seit Jahren Ärztin werden. Menschen helfen, die wirklich auf Hilfe angewiesen waren. Für diesen Traum hatte sie schon immer viel gelernt. Nun wo es langsam darum ging, in die Oberstufe zu kommen und abermals Aufnahmeprüfung zu schreiben, musste sie alles geben. In wenigen Wochen würde ihr letztes Jahr an ihrer Schule starten und in diesem musste sie sich noch mehr anstrengen als ohnehin schon. Sie wollte ihren kleinen Rückstand so gut es ging aufholen. Ablenkungen waren dabei nur hinderlich. „Wenn wir bei mir sind, können wir uns zusammen die neue Single von Tessaiga anhören.“ Bei dem Namen der Band musste Kagome unweigerlich schwer schlucken. In den letzten Tagen hatte sie den Gedanken an den jungen Mann, an der Front der Band, vollkommen verdrängt.
„Wenn du möchtest“, flüsterte Kagome deshalb. Seit fast einem Jahr hatte sie keine Schlagzeile oder Songs von der Band beachtet. Zu sehr tat es weh immer und immer wieder mit ihm konfrontiert zu werden, für ihre Freundin würde Kagome jedoch weiterhin den Fan spielen, schon allein um keinen Verdacht zu schöpfen.
Mit klopfenden Herzen wartete Inuyasha darauf, dass seine Mutter Moroha und ihm die Haustür öffnete. Nachdem er sich doch etwas Zeit gelassen hatte, hatte er sich letztendlich doch dazu überwinden können seine Eltern mit seiner Tochter zu besuchen. Dass sie die Großeltern der Kleinen waren, würden sie wohl oder übel am heutigen Abend erfahren. „Hey… ihr beiden“, kam es nach kurzer Freude relativ nüchtern von seiner Mutter. Sie schien sich nicht wirklich über den Besuch von Moroha zu freuen. „Moroha und ich wollten euch mal wieder besuchen.“ Mit einem Lächeln betrat er die Wohnung seiner Eltern. Schnell hatte er die Kleine abgestellt, um sich selbst seiner Jacke entledigen zu können. „Das sehe ich. Rin und Sesshomaru sind ebenfalls gerade zu Besuch.“ Kurz hielt Inuyasha in seiner Bewegung inne. Sein Bruder und dessen Frau versuchten schon einige Jahre ein eigenes Kind zu bekommen. Inuyashas Mut, den er sich so mühsam gesammelt hatte, verschwand ganz plötzlich wieder.
„Ist doch toll… ich habe die beiden ja schon etwas länger nicht mehr gesehen“, fing er sich jedoch schnell wieder. Irgendwann musste er es aussprechen, vielleicht würde er ein paar Minuten allein mit seinen Eltern sein können, um ihnen offenbaren zu können, dass sie bereits ein Enkelkind hatten. Seinen Bruder und dessen Frau wollte er mit dieser Nachricht nicht gleich schockieren, lieber wollte er erstmal abwarten, wie seine Eltern darauf reagieren würden. „Schaut mal wer hier ist“, kündigte seine Mutter die beiden sofort an, nachdem er Moroha aus der Babyschale geholt hatte. Mit einem zurückhaltenden Lächeln betrat Inuyasha das Wohnzimmer. Moroha hatte er an seine Schulter gelegt. „Das man dich in so kurzer Zeit so oft sieht. Und Moroha hast du auch wieder mitgenommen“, freute sich zumindest sein Vater über ihren Besuch. „Jetzt tut mal nicht so, als würde ich nur alle heiligen Zeiten zu euch kommen“, verteidigte sich Inuyasha.
Auch in den stressigen Monaten, wenn er auf Tour war und beruflich viel beschäftigt, versuchte er so oft es ging zumindest seine Eltern zu besuchen oder sich wenigstens telefonisch zu melden. „Du weißt doch, wie ich das meine. Komm gib mir die Kleine mal“, stand sein Vater gleich von der Couch auf. Zumindest er schien es sicher nicht so schlimm zu finden, wenn er Opa sein würde. Inuyasha schöpfte etwas Mut, obwohl ihn der Blick seines Bruders etwas verunsicherte. „Sie ist heute nicht so gut drauf“, warnte er seinen Vater etwas vor. Schon am Morgen war Moroha ziemlich mürrisch gewesen. Nach ihrem ersten Schläfchen war sie noch mürrischer und wirklich besser war ihre Laune noch immer nicht geworden. Immer wieder weinte sie bitterlich und war nur schwer zu beruhigen. „Ich habe zwei Söhne großgezogen, den ersten sogar fast im Alleingang, glaubst du, ein weinendes Kind macht mir Angst?“, belächelte sein Vater die Situation. Wenn es nach Inuyasha ging, konnte sein Vater sie gern länger behalten.
Am heutigen Tag war er wirklich an seine Grenzen gekommen. Der Song, der einfach nicht entstehen wollte und Morohas ziemlich schlechte Laune waren wirklich nicht leicht zu kombinieren. „Wieso hast du ein Baby mit?“, kam es recht schnell verwundert von seinem Bruder, nachdem Inuyasha sich neben seinen Vater auf die Couch gesetzt hatte. „Lange Geschichte“, winkte Inuyasha ab. Sein Bruder würde es bestimmt unmöglich finden, wie es dazu kam, dass Moroha zu ihm gekommen war. „Wir haben Zeit. Wir wollten ohnehin heute bei unseren Eltern übernachten.“ Kurz sah Inuyasha zu Moroha. „Moroha wurde vor unserer Tür abgelegt“, gab er schließlich zu. „Wie abgelegt? Hat ihre Mutter sie einfach ausgesetzt?“, kam es sofort fassungslos von Rin. Mit dieser Reaktion hatte er bereits gerechnet. „So würde ich das nicht sagen. Shippo hat sie an sich genommen und ihr ging es wirklich gut. Das hat Sango uns noch bestätigt“, verteidigte Inuyasha Kagomes Entscheidung.
Natürlich hätte es anders enden können, doch Inuyasha war sich sicher, dass Kagome ihr Kind nicht unbeobachtet hatte lassen. Hätte es ewig gedauert, hätte sie Moroha bestimmt wieder an sich genommen. „Das ist doch unverantwortlich. Vor allem warum hat man die Kleine bei euch abgelegt? Es gibt doch Babyklappen, wenn man sich schon nicht um das Kind kümmern will“, machte Rin weiter, hatte aufgrund ihres eigenen Kinderwunsches kein Verständnis für die Situation. In Inuyasha kam langsam etwas Unbehagen hoch. Rins Reaktion war heftiger, als er sich vorgestellt hatte. „Weil einer von uns ihr Vater ist. Ihre Mutter wollte, dass Moroha es gut hat.“ Kurz war zumindest Rin sprachlos. Vielleicht ratterte es bereits in ihrem Kopf. „Habt ihr denn schon ein Ergebnis?“, wollte seine Mutter nun interessiert wissen. Immerhin hatte er seinen Eltern Bescheid gegeben, dass sie nun doch einen Vaterschaftstest durchführen hatten lassen.
„Jetzt mach dem Jungen doch nicht so einen Druck“, nahm sein Vater ihn in Schutz. Vielleicht hatte er bereits einen leisen Verdacht. Doch Inuyasha traute sich im Moment nicht, ihnen die Wahrheit zu sagen. „Ich finde es immer noch unverständlich, wie man sein Kind nur aussetzen kann. Wenn man kein Kind will, soll man doch gefälligst verhüten“, schüttelte Rin immer noch schockiert ihren Kopf. Bei Inuyasha steigerte diese Aussage jedoch die Anspannung. Aus einem Reflex heraus nahm er seinem Vater Moroha einfach wieder ab. Sie gab ihm Sicherheit und mit ihr war er um einiges ruhiger. „Vielleicht machen es ihr aber auch die Lebensumstände schwer. Ich bin mir sicher, dass ihre Mutter sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat“, versuchte er klarzumachen, dass nicht immer alles so einfach war. „Deshalb ja verhüten“, schüttelte Rin den Kopf. „Vielleicht hat auch der Vater den Fehler gemacht“, kam es nun etwas spitzer von Inuyasha. Dass Rin so extrem die Mutter angriff, ohne die Situation zu kennen, machte ihn wütend.
„Du regst dich so über ihre Mutter auf, aber der Vater scheint dir vollkommen egal zu sein“, machte er ihr klar. „Entschuldige. Aber ich wünsche mir so sehr ein Kind und dann wird dieses wunderschöne kleine Mädchen einfach vor eurer Haustür abgelegt“, kam Rin endlich wieder zur Besinnung. „Kümmert ihr euch gemeinsam um die Kleine?“, wollte Sesshomaru wissen. „Ja… eigentlich schon. Im Moment kümmere jedoch ich mich hauptsächlich um sie.“ Zu seiner Ernüchterung schien die Kleine nun wieder schlechte Laune zu haben. Mit einem lauten Schrei machte sie wieder auf sich aufmerksam. Seufzend stand er von der Couch auf und lief mit dem kleinen Mädchen im Arm im Wohnzimmer seiner Eltern hin und her. „Moroha, bitte… ich weiß nicht, was du willst“, flehte er seine kleine Tochter frustriert an. Doch das Flehen schien sie nicht sonderlich zu beeindrucken, denn sie weinte bitterlich weiter und lief in ihrem kleinen hübschen Gesicht bereits rot an.
„Vielleicht hat sie Bauchschmerzen“, machte ihn seine Mutter darauf aufmerksam. Sie kam auf ihn zu und nahm ihn die Kleine ab. Liebevoll legte sie das Mädchen auf ihren Arm und schaukelte sie leicht. „Koliken sind in diesem Alter nicht unüblich. Die Bauchschmerzen sind sicher schlimm“, erklärte seine Mutter ihm. Von ihrer Lebenserfahrung konnte er bestimmt noch einiges lernen. „Ich muss wohl noch viel lernen“, seufzte er, weil er absolut keine Ahnung hatte. „Wenn man Vater ist, lernt man nie aus, Inuyasha. Du wirst noch einige Male an deine Grenzen kommen und dennoch wirst du deine Kinder lieben, egal was für Fehler diese irgendwann einmal machen werden.“ Nickend bestätigte Inuyasha die Aussage seines Vaters. „Moroha ist meine Tochter. Sie ist der Fehler, den ich niemals rückgängig machen kann und will. Tut mir leid, dass ich euch nichts davon gesagt hab“, flüsterte er leise und sah zu seiner Tochter, die langsam etwas ruhiger wurde.
Vielleicht würde er nicht immer die richtige Entscheidung treffen und an seine Grenzen kommen, Moroha würde er dennoch niemals eintauschen wollen. Egal wieviel Angst er vor der gemeinsamen Zukunft hatte.
Rückhalt!
Rückhalt!
Erleichtert verließ Kagome die Wohnung ihrer besten Freundin. Nachdem die beiden beschlossen hatten gemeinsam zu lernen, waren sie wie abgemacht zu Eri gegangen. Zu Kagomes Unmut hatte Eri kein Erbarmen mit ihr gehabt. Drei Stunden lang hatte sie sich die neue Single von Tesaiga anhören müssen. Aufs Lernen konzentrieren hatte sie sich deshalb nicht können. Immer wieder war ihr der junge Mann ins Gedächtnis gerufen worden. Seine Musik hatte sich nicht verändert, sie mochte sie immer noch sehr, nur die Erinnerung, die mit seinen Songs hochkamen, wollte sie am liebsten für immer vergessen. Die Nacht an ihrem Geburtstag kam ihr wieder in den Sinn. Sie war vollkommen geblendet gewesen. Kagome war damals einfach so glücklich, ihre Lieblingsband kennenlernen zu können. An mögliche Folgen hatte sie nicht gedacht. Doch jetzt fast ein Jahr später war sie erwachsener geworden.
Sie war nicht mehr so Naiv wie Eri, die immer noch hoffte eine Backstagekarte für die kommende Japantour zu bekommen. Sie hatte diesen Genuss schon erlangt und war am Ende bitterlich enttäuscht worden.
„Seit wann weißt du, dass du Morohas Vater bist?“, wollte seine Mutter nach der vergangenen Beichte wissen. Tief atmete Inuyasha durch, langsam wurde ihm diese Fragerei wirklich zu mühsam. „Seit knapp einer Woche. Sango hat mir das Testergebnis mitgeteilt.“ Kurz sah Inuyasha zu Moroha, von der er vor wenigen Tagen die endgültige Bestätigung erhalten hatte, dass sie seine Tochter war. Wirklich daran gezweifelt hatte er jedoch ohnehin nicht mehr, nachdem Kagome ihm gebeichtet hatte, dass er ihr einziger Partner gewesen war. Die Kleine schlief mittlerweile friedlich in den Armen seiner Mutter. Sie schien wirklich ein Händchen dafür zu haben, Kinder zu beruhigen. „Und wieso kommst du erst jetzt?“, wollte sie kopfschüttelnd wissen. Inuyasha verdrehte bei dieser Aussage seine Augen. „Wieso? Wie würde es euch gehen, wenn ihr plötzlich erfahren würdet, dass ihr eine kleine Tochter habt, von der ihr eigentlich ausgegangen seid, dass es die Tochter eines eurer Bandkollegen ist?“ machte er seine Situation deutlich.
Für ihn war es anfangs ein Schock gewesen, als er erfahren hatte, Morohas Vater zu sein. Damit musste er erstmal selbst umgehen lernen. Mittlerweile hatte er es akzeptiert und freute sich wirklich darüber. „Wie konntest du nicht wissen, dass du vielleicht der Vater bist? Hast du am Tag der Zeugung so viel gesoffen?“ Die Worte seines Bruders schmerzten Inuyasha. Natürlich hätte er es ahnen können und wenn er ehrlich zu sich war, hatte er gehofft, dass er nicht der Vater war. Letzten Endes hatte er es einfach verdrängt. „Ich hatte keinen Kontakt mehr zu Kagome. Wir haben uns nur einmal getroffen. Als die Kleine vor der Tür lag, waren knapp acht Monate vergangen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie ihre Mutter ist“, gestand er. Schließlich hatte er nicht damit gerechnet, dass Moroha etwas zu früh das Licht der Welt erblickt hatte. „Du kannst dich noch genau daran erinnern, wann das war?“, staunte Rin. „Hast du sie jemals vergessen?“, warf sie noch fragend hinterher.
Inuyasha wandte seinen Blick ab. Er musste ihnen ja nicht alle Details verraten. „Du hast sie echt nicht vergessen. Läuft es deshalb so schlecht mit Kikyo?“, wollte Rin neugierig in Erfahrung bringen. Überrascht von ihrer plötzlichen Nähe, zuckte Inuyasha zusammen. „Nein… Kikyo und ich… das hat schon vorher nicht mehr so gut funktioniert. Von meinem kleinen Seitensprung und dessen Folge habe ich ihr noch nichts erzählt.“ Den wahren Grund, weshalb ihre Beziehung momentan eher kriselte und Kikyo nur sehr selten mit zu ihnen kam, hatte er seiner Familie nie genannt. Es war ihm einfach peinlich gewesen, zugeben zu müssen, dass sie neben ihm einen anderen Mann gehabt hatte. „Aber du hast Kikyo mit ihr betrogen, richtig? Sie hat dir so viel bedeutet, dass du deine Beziehung für sie aufs Spiel gesetzt hast.“ Rin war schon immer eine aufdringliche Person gewesen, zumindest wenn sie etwas wollte. Im Moment schien sie es toll zu finden, ihn ins Kreuzverhör zu nehmen.
„Ja, ich habe Kikyo mit ihr betrogen. Zu der Zeit gab es Kikyo nicht für mich. Ich habe es genossen und erinnere mich gerne daran zurück. Aber Gefühle waren da nicht im Spiel. Ich habe mich einfach meiner Leidenschaft hingegeben und gemerkt, dass es mit Kikyo nicht mehr so ist, wie es einmal war.“ Diese Aussage musste Rin reichen, mehr würde er nicht zu dem Thema sagen. „Du hast sie aber mittlerweile wieder getroffen?“, bohrte Rin weiter. „Ja… einmal“, seufzte er und hoffte, dass die Neugierde von Rin bald gestillt war. Gerne hätte er Kagome noch einmal getroffen, doch das lag nicht in seinen Händen. „Ich wollte, dass sie Moroha wieder zu sich nimmt. Wir gehen bald auf Tour. Zehn Wochen werde ich in ganz Japan unterwegs sein. Die Kleine kann unmöglich mitkommen, vor allem weil niemand von ihr weiß.“ Für sein Dilemma hatte Inuyasha immer noch keine Lösung und das sorgte bei ihm schon jetzt für unglaubliche Kopfschmerzen.
„Du hast keinen inneren Kreis. Keinen sicheren Hafen. Du solltest dir ganz schnell so einen zulegen.“ Verständnislos sah Inuyasha Rin an. Er verstand nur Bahnhof. „Was redest du da? Kreis und Hafen, was soll der Mist?“, machte er seine Verwirrung deutlich. „Der Innere Kreis. Er besteht aus Menschen, die dir helfen können. Sie bestehen meist aus den Großeltern oder den Geschwistern. Sie springen ein, wenn mal ein paar Stunden keiner der Eltern verfügbar ist. Sess und ich wollen demnächst in eine Kinderwunschklinik gehen. Für den Fall, dass es gut läuft, ziehen wir in dieses Gebäude. Heute hatten wir eine Besichtigung. Wir bilden unseren Kreis, um möglichst abgesichert zu sein.“ Geduldig hatte sich Inuyasha die Worte angehört. Sein Kreis war ziemlich klein. Bestand vorerst nur aus Miroku und Shippo. Rin überlegte intensiv, wie sie es hinbekommen könnten, anders als er der von seiner Vaterschaft überrollt wurde. „Ich brauche keine Stunden… sondern Wochen“, schüttelte er seinen Kopf.
„Dann bau dir deinen Kreis aus. Du könntest uns fragen, ob wir dir helfen. Auch Izayoi und Toga werden nicht nein sagen. Vielleicht ist auch Kagome bereit, die Kleine an den Wochenenden zu nehmen. Oder mal unter der Woche, wenn sie frei hat. Ein Kind ist oft ein Familienprojekt. Ich würde mich jedenfalls freuen, auf sie aufpassen zu können“, sprach Rin und betrachtete lächelnd Moroha. Für sie muss es unheimlich schwer sein, zu sehen, dass Inuyasha ein Kind hatte, welches sie sich so sehnlichst wünschte. Dennoch bot sie ihm ihre Hilfe an. „Kagome kann die Kleine nicht nehmen. Sie ist mit Schule beschäftigt und ihre Eltern sind streng“, dachte er laut nach. „Schule?“, fragte sein Vater entsetzt. „Ähm… Uni... ich meinte Uni… und ihre Eltern sind sehr konservativ. Sie wissen nichts von der Kleinen, weil sie der Meinung sind, dass man verheiratet sein muss, um eine Familie zu gründen“, reimte sich Inuyasha schnell eine Geschichte zusammen.
Hoffentlich war dies glaubwürdig rübergekommen. Sollten seine Eltern erfahren, wie alt Kagome wirklich war, würde er wohl eine Menge Ärger bekommen. „Sie muss ziemlich gut gewesen sein. Eine Schwangerschaft zu verstecken, ist nicht einfach. Trotzdem kann sie dir sicher helfen. Sie muss sie ja nicht zu sich nehmen. Vielleicht passt sie einfach so mal etwas auf sie auf. Und mit deinen Bandkollegen wirst du ebenso sprechen müssen. Hol dir so viele Leute wie möglich“, bat ihn Rin. „Das werde ich wohl müssen. Und wenn du willst, kannst du gleich morgen einen ganzen Tag mit Moroha verbringen. Ich habe nämlich einen Termin wegen der Tour und allein zuhause lassen, kann ich sie nicht“, lächelte Inuyasha verunsichert. Immerhin war er ursprünglich genau für dieses Anliegen hergekommen. „Ich dachte schon du fragst nie. Und keine Sorge, die zehn Wochen bekommen wir auch irgendwie über die Bühne“, freute sich Rin auf ihre neue Aufgabe.
Selbst Inuyasha war froh über die Situation. Langsam bildete sich ein Plan und vielleicht konnte er es wirklich schaffen, auch wenn er sich wünschte, dass Kagome sich doch noch meldete. Hatte seine Tochter doch ein Recht darauf, ihre Mutter kennenzulernen. „Ich sollte besser heim. Es ist spät und Moroha soll nicht ewig in deinem Arm schlafen“, meinte er und nahm seiner Mutter die Kleine ab. Gemeinsam liefen sie in den Flur. „Dann bis morgen, ihr zwei“, verabschiedet sich seine Mutter. „Und noch was. Melde die Kleine ordnungsgemäß an. Sie soll kein Schattenkind sein, schließlich gehört sie zu unserer Familie“, fordert seine Mutter, als er sich gerade die Jacke angezogen hatte. „Versprochen“, versicherte er ihr, küsste sie noch einmal auf die Wange zur Verabschiedung und verließ anschließend erleichtert mit seiner Tochter die Wohnung seiner Eltern.
„Herzlichen Glückwunsch, Yuka“, freute sich Kagome für ihre Freundin, von der sie vor wenigen Stunden ein Foto mit einem Baby geschickt bekommen hatte. Der kleine Junge sah wirklich niedlich aus und genau wie Moroha hatte er dunkles welliges Haar. „Danke. Aber du hättest mich mal echt über die Schmerzen aufklären können… ich dachte ich müsste sterben.“ Kagome konnte förmlich das Augenrollen in der Stimme ihrer Freundin hören. „Tjaaa… dann hättest du wohl einen Rückzieher gemacht“, kicherte Kagome, die mit Yuka durchaus das Thema Kaiserschnitt durchgegangen war. Zu ihrer Freude hatte sich ihre Freundin für eine natürliche Geburt entschieden, nachdem sie erst nicht so sicher war. „Hast du dich schon entschieden?“, wollte Yuka in Erfahrung bringen, mit welcher sie bereits über die letzten Entwicklungen gesprochen hatte. Nachdenklich starrte Kagome an ihre Zimmerdecke, musste erstmal über diese Frage nachdenken. In der Dunkelheit konnte sie nicht viel erkennen.
Es war bereits nach Mitternacht. Eine Zeit, in der sie schon seit Stunden im Land der Träume verweilen sollte. Doch an Schlaf war für den Teenager nicht zu denke gewesen und die freudige Nachricht ihrer Freundin hatte sie unbedingt noch beantworten wollen. Nachdem diese noch wach gewesen war, wollten die beiden Freundinnen wenigstens ein kurzes Gespräch miteinander führen. Seit dem Nachmittag bei Eri dachte sie immer zu an Inuyasha und ihre kleine Tochter. Sie wusste, dass er sie gut behandelte. Dennoch machte sie sich Sorgen um sie. Von Eri hatte Kagome erfahren, dass die Tour über zehn Wochen gehen würde. Eine lange Zeit, vor allem wenn man ein kleines Kind bei sich hatte. Vorausgesetzt Inuyasha würde Moroha mitnehmen. „Nicht wirklich“, gestand sie nach einer kurzen Überlegung. Von Yuka war nur ein leises Seufzen zu hören. „Was hast du zu verlieren Kagome? Du würdest dein Kind aufwachsen sehen“, appellierte Yuka an sie.
Schon seit Tagen hing sie ihr in den Ohren, hatte natürlich mitbekommen, wie schwer es Kagome gefallen war, Moroha gehen zu lassen. Yuka war die Einzige, die wusste wer Morohas Vater war, auch wenn sie anfangs richtig schockiert war, stand sie immer noch hinter Kagome. Inuyasha hatte gewollt, dass sie die Kleine zu sich nahm. Würde Inuyasha sie weggeben, weil es für ihn einfach zu stressig war? All diese Gedanken kreisten unaufhörlich in ihrem Kopf. Als sie Moroha zu ihm gebracht hatte, hatte sie nicht an seine Karriere gedacht. Sie hatte einfach die Chance für ihre Tochter gesehen, ein besseres Leben zu haben. Die damit verbundenen Konsequenzen für die Band oder seine Karriere hatte sie vollkommen vergessen. Nicht nur ihr Traum Ärztin zu werden, war durch die Geburt von Moroha in Gefahr geraten. Auch Inuyashas Leben hatte sich um hundertachtzig Grad gedreht. Durchzechte Partynächte oder Welttournee waren nicht mehr so einfach möglich.
Kagome hatte sich die Freiheit herausgenommen, sich das Leben einfach zu machen. Sie hatte die Kleine abgegeben, ohne mit ihm darüber zu sprechen. Inuyasha hatte es im Moment bestimmt nicht leicht. Er musste ein Kind großziehen, hatte seine Karriere und musste versuchen all das miteinander zu kombinieren. „Du hast recht. Ich will Moroha kennenlernen, sie aufwaschen sehen und ihr ab und zu kleine Geschenke machen“, gab seufzend Kagome dies zu. Sie war keine Mutter, die ihr eigenes Kind vergaß. Sie liebte Moroha mehr als ihr eigenes Leben, auch wenn sie nicht bei ihr lebte. „Dann verlier deinen Mut nicht und schreib ihm. Du kannst nur gewinnen Kagome“, freute sich Yuka sichtlich über diese Entscheidung. Ebenso war Kagome erleichtert, da sie sich doch nicht mehr mit dieser Frage den Kopf zerbrechen musste. Erschöpft richtete sie sich auf und verabschiedete sich von Yuka, um ihren Plan schnellstmöglich in die Tat umzusetzen, bevor sie vielleicht doch wieder ihren Mut verlieren würde. Sie lehnte sich mit dem Rücken an das Kopfende ihres Bettes.
Mit einer einfachen Handbewegung entsperrte sie ihr Handy. Direkt ging sie in den Chatverlauf und öffnete ein neues Fenster. Kurz schluckte Kagome. Sie wusste nicht, ob sie es wirklich tun sollte. Immer wieder fing sie einen Text an zu schreiben, löschte diesen jedoch schon bald wieder. Egal was sie schrieb, es gefiel ihr einfach nicht. Ihr fiel es einfach nicht leicht die richtigen Worte zu finden. Tief atmete sie durch. Vor neun Monaten hatte sie auch ganz locker mit ihm sprechen können. Warum sie sich nun so schwer tat, ihm eine einfache Nachricht zu schicken, war ihr noch nicht ganz klar. Noch einmal sammelte sie all ihren Mut zusammen und tippte eine einfache Nachricht. Kurz flogen ihre Augen über die zwei kurzen Zeilen.
-Ich möchte Moroha auch kennenlernen.
Lass uns noch einmal reden.-
Mehr stand nicht in der Nachricht und dennoch klopfte Kagomes Herz wild in ihrer Brust, als sie auf den Button senden drückte. Für sie war dieser Schritt unglaublich schwer gewesen und dennoch fühlte sie sich unendlich erleichtert. Da sie doch so die Chance bekommen würde, ihre Tochter aufwachsen zu sehen.
Eine wichtige Entscheidung!
Eine wichtige Entscheidung!
Eilig lief Inuyasha die Treppen zu der Wohnung seiner Eltern hinauf. Nachdem Rin ihm zugesichert hatte, dass sie am heutigen Tag auf Moroha achten würde, hatte er sich bereits am Morgen auf den Weg gemacht. Zu seinem Unmut war er ziemlich spät dran. Durch den relativ raschen Aufbruch am Vorabend hatte er sein Handy liegen lassen. Zu seinem Leidwesen hatte Moroha ausnahmsweise ziemlich lange geschlafen. Verständlich wenn man betrachtete, wie anstrengend der Vortag für sie gewesen sein musste. Auch in der Nacht war sie einige Male aufgewacht, weshalb auch Inuyasha alles andere als ausgeschlafen am Morgen war. „Tut mir leid für die Verspätung“, entschuldigte sich Inuyasha ziemlich eilig und schob sich an seiner Mutter vorbei, als diese ihm die Tür geöffnet hatte. „Inuyasha, jetzt sei mal nicht so hektisch“, schüttelte seine Mutter den Kopf und betrachtete ihn dabei, wie er Moroha zügig auszog.
„Ich habe keine Zeit, Mama. In zwei Stunden fängt diese Promogeschichte an und ich muss noch ins Studio und in die Maske“, erwiderte er sofort. Er hoffte wirklich, dass die Maskenbildner Wunder bewirken konnten. Durch den Schlafentzug seiner Tochter, sah er zum Fürchten aus. Unter seinen Augen zeichneten sich tiefe Augenringe ab. Er fühlte sich erschöpft. Dennoch musste er am heutigen Tag alles geben. „Sei schön brav, Moroha. Ich werde ihre Hilfe noch öfter benötigen, also zeig dich von deiner schönsten Seite“, flehte er seine Tochter an, auch wenn es keinen großen Sinn machte. Er wusste mittlerweile gut, wie nervtötend und anstrengend Babys sein konnten. Hoffentlich hatte sie dieses Mal einen besseren Tag als am Vortag. „Ich denke, wir zwei bekommen das schon ganz gut hin. Mach dir einen schönen Tag und ehe ich’s vergesse… dein Handy“, lächelte Rin, als Inuyasha ihr das kleine Mädchen überreichte.
Wirklich wohl fühlte er sich dabei nicht. Rin kannte Moroha kaum. Sie wusste nicht, wie sie einschlief oder was sie mochte. Am liebsten hätte Inuyasha ihr seine Tochter sofort wieder abgenommen. Doch so gern er dies auch täte, heute hatte seine Karriere den Vorzug. „Ich hole dich später ab. Ich habe dich lieb, Moroha“, verabschiedet er sich mit einem Kuss auf die Stirn von seiner Tochter. Rin begleitete ihn zusammen mit ihr noch zur Tür. Nur zögernd lief er die Treppen hinunter und starrte kurz auf die Tür, die sich soeben geschlossen hatte. Er wusste, dass Moroha in guten Händen war und Notfalls wäre er jederzeit erreichbar. Dennoch fühlte sich dieser Abschied in seinen Augen unglaublich falsch an. Doch damit musste er wohl oder übel lernen umzugehen, da er nun mal Verpflichtungen hatte und diese musste er für ihr Wohl wahrnehmen.
Seufzend legte Kagome ihr Handy wieder auf ihren Schreibtisch. Denn ganzen Tag über hatte sie immer wieder ihre Nachrichten überprüft. Doch eine Antwort auf ihre Nachricht war noch nicht eingetroffen. „Alles in Ordnung?“, wollte ihre Mutter von ihr wissen, nachdem sie zuvor an ihrer Zimmertür geklopft hatte. „Ja…“, lächelte Kagome, auch wenn ihr im Moment nicht wirklich danach war. Vielleicht hatte er es sich doch anders überlegt, weil sie zu lange mit ihrer Entscheidung gezögert hatte. Immer wieder kam ihr dieser Gedanke in den Sinn. Die Nachricht hatte sie schon vor einigen Stunden abgeschickt. Doch scheinbar hatte er keine Lust diese zu lesen. Noch immer konnte sie keine blauen Häkchen sehen, obwohl ihre Nachricht zugestellt war. „In letzter Zeit wirkst du irgendwie nachdenklich. Gibt es irgendetwas, über das du mit mir sprechen willst?“, setzte sich ihre Mutter auf ihr Bett. Noch immer saß Kagome an ihrem Schreibtisch und hatte ihren Blick erneut stur auf die Lernmaterialien gesenkt.
„Nein. Alles super“, wandte sich Kagome abermals ihrer Mutter zu. „Hör mal, Kagome. In deinem Alter hatte ich meinen ersten Freund. Ich weiß, dass Beziehung nicht immer einfach sind und manchmal auch weh tun. Wenn du Liebeskummer hast, kannst du gerne mit mir darüber sprechen. Vielleicht hilft dir das“, versuchte ihre Mutter nochmal ein Gespräch mit ihr zu führen. „Oh nein…. Ganz sicher nicht. Ich habe keinen Liebeskummer, dazu bräuchte ich erstmal einen Freund und den habe ich auch nicht“, schüttelte Kagome vehement den Kopf. Ihr Leben war ohnehin schon wahnsinnig kompliziert. Ein Freund war wirklich das Letzte, was Kagome im Moment wollte. „Es ist wirklich alles super Mama. Ich habe einfach im Moment ziemlich viel um die Ohren. In ein paar Monaten sind die Abschlussprüfungen und ich muss unbedingt zusehen, dass meine Noten besser werden. Ich muss auf jeden Fall an die Shikon, sonst kann ich meinen Traum Ärztin zu werden vergessen“, versuchte Kagome ihren Stress zu erklären.
Dieser spielte natürlich auch bei ihrer momentanen Situation mit. Doch Kagome hatte eben nicht nur Schulstress. Sie war eine Teenagerin, die vor wenigen Wochen ein Kind geboren hatte. In ihrem Kopf schwirrten so viele Dinge umher. Schule, die Gedanken an Moroha, Jobben und der ewige Druck alles unter einen Hut zu bekommen, zerrten an ihren Nerven. „Vielleicht muss es nicht gleich die Shikon sein. Es gibt so viele andere Schulen, deren Oberstufen dich perfekt vorbereiten könnten. „Nein. Shikon ist die Beste und ich will da unbedingt hin“, stellte Kagome klar. Immerhin hatte sie für dieses Ziel immer hart gearbeitet und ihren Traum nie aus den Augen verloren. Sie musste es einfach schaffen. Deshalb würde Kagome alles geben. Sie würde ihren Rückstand aufholen und zeigen, dass ein Mädchen wie sie es zu etwas bringen konnte. „Übernimm dich bitte nicht. In einer halben Stunde gibt es Essen und diesmal lass ich dich nicht vom Tisch aufstehen, bevor du etwas gegessen hast“, seufzte ihre Mutter.
Kagome rollte bei dieser Aussage nur mit den Augen. Ihre Mutter machte sich viel zu viele Sorgen. Sie würde schon nicht verhungern, nur weil sie mal ein oder zwei Tage nichts zu sich nahm.
„Da bist du ja, Alter“, erleichtert atmeten seine Bandkollegen auf, nachdem Inuyasha es gerade so geschafft hatte pünktlich zu sein. Durch die Ankündigung, dass die Band heute einen Liveauftritt hatte und das anschließende Interview, waren massig Leute vor dem Fernsehstudio gestanden. Inuyasha hatte sich von seinem Securitymitarbeiter an der Meute vorbeiquetschen lassen müssen. Doch nun war er endlich fertig. Seine Klamotten waren gewechselt, das Gesicht mit einer Menge Makeup beschmiert und er nach einigen Tassen Kaffee etwas munterer. „Moroha abzugeben hat etwas länger gedauert“, erklärte er die Situation. Im Normalfall fuhren sie immer gemeinsam zu solchen Anlässen. Durch Moroha hatte sich alles etwas verändert. „Willst du, dass jetzt wirklich jedes Mal abziehen? Zuspätkommen und dich auf die Kleine ausreden. Sieh es doch ein, Inuyasha, bei einer richtigen Familie hätte sie es doch tausendmal besser“, fing Koga sofort wieder an, seinen Unmut kundzutun.
„Ich bin Morohas Familie. Sie braucht keine neue. Die können ihr doch ohnehin nicht das geben, was sie braucht. Ich kann ihr wenigstens eine gute Zukunft bieten“, stellte Inuyasha gleich protestierend klar. Moroha war seine Tochter und diese würde er niemals jemand anderen überlassen. „Wenn du den Job noch lange hast. Du wirst schon noch einsehen, dass ein Kind nicht zu unserem Leben passt.“
„Hey Leute. Schluss jetzt. Wir sind hier, um für die neue Tour zu werben und nicht um jeden mitzuteilen, dass Inuyasha Vater geworden ist. Dieses Thema müssen wir vorerst auf später verschieben. Jetzt müssen wir performen und das möglichst ohne, dass ihr zwei Streithähne euch den Kopf einschlagt“, kam es deutlich von Miroku und stellte sich zwischen die beiden diskutierenden Männer. Inuyasha wusste, dass sein bester Freund recht hatte. Hier war nicht der geeignete Ort dafür, sich mit Koga über dieses Thema zu streiten. Ein intensives Gespräch mussten sie dennoch irgendwann führen. „Jaja schon gut. Ich weiß schon, was ich zu tun hab“, winkte er daher ab. Er war kein Anfänger mehr, der sich auch mal öffentlich mit Koga gestritten hatte. Er hatte aus den Schlagzeilen und den Standpauken gelernt. Er würde diese Show durchziehen, egal wie aufgeladen die Situation innerhalb der Band gerade war.
„Lasst uns lieber schnell zur Bühne gehen“, murmelte er, nachdem er einen kurzen Blick auf sein Handy geworfen hatte. Auf diesem waren so einige Nachrichten und Anrufe, die er, bis eben nicht bemerkt hatte. Vieles erschien ihm unwichtig. Anrufe von Bandkollegen, Manager oder seinem Bodyguard. Was ihm wirklich Interessierte waren die Nachrichten von Rin. Mit Moroha lief zum Glück alles bestens. Sogar einzelne Bilder hatte sie ihm geschickt. Lächelnd lief er daher seinen Kollegen hinterher. Nur kurz antwortete Inuyasha mit einem Daumen nach oben. Viel mehr Zeit blieb ihm einfach nicht. Trotzdem wollte er noch schnell die anderen Nachrichten checken. Eilig flogen seine Augen über die verschwommenen Namen. Verwirrt runzelte er die Stirn, nachdem er eine Nummer entdeckte, die er nicht kannte. Auf diese drückte er, öffnete dadurch den Chatverlauf und blieb schlagartig stehen. Sein Herz machte einen kleinen Sprung, nachdem er gelesen hatte, was darinstand. Zu seinem missfallen stellte er fest, dass Kagome diese Nachricht schon vor einiger Zeit abgeschickt hatte.
Er musste ihr später unbedingt antworten, doch zuvor musste er die Show hinter sich bringen. Seine Bandkollegen sahen ihn nur mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Bringen wir die Halle zum Beben“, lief er lächelnd auf sie zu. Kagomes Nachricht hatte ein Hochgefühl in ihm ausgelöst. Die Müdigkeit war vollkommen verschwunden und er fühlte sich einfach nur unglaublich glücklich.
Leicht angespannt lugte Kagome auf ihre Uhr. Noch immer hatte sie keine Nachricht von Inuyasha erhalten, dafür von einer ihrer besten Freundinnen, die soeben den Liveauftritt von der Band schaute. Sie schwärmt von dem neunen Album und freute sich schon riesig darauf, dass sie die Band bald wieder hautnah sehen konnte. Mahnend biss sich Kagome auf die Unterlippe, schnappte sich die Fernbedienung und schaltete das Gerät ein. Kurz zappte sie durch die Kanäle. Jedoch hatte sie schon nach einigen Sekunden den richtigen Sender gefunden. Wie wohl ihre beste Freundin bei sich zu Hause, starrte Kagome gespannt auf den Bildschirm. „Ist das immer noch deine Lieblingsband?“, kicherte ihre Mutter, setzte sich zu Kagome und lauschte der Stimme des Moderators. „Ihre Musik ist immer noch toll“, zuckte Kagome mit den Schultern, auch wenn es wohl viele Mädchen gab, die wesentlich sprunghafter waren als sie. Man konnte heute etwas total lieben und schon am nächsten Morgen war es einem egal.
Kagome war noch nie so gewesen. Sie war nun mal eine treue Seele, die trotz allem noch unglaublich Herzklopfen hatte, wenn sie die Band und allen voran ihren Frontmann sehen konnte. „Vielleicht kannst du irgendwann wieder auf ein Konzert, zumindest wenn du das möchtest“, strich ihre Mutter über ihr Haar. Kagome nickte mit ihrem Kopf. Vielleicht würde sie irgendwann wirklich wieder auf eines ihrer Konzerte gehen, doch im Moment war ihr dies nicht wichtig. „Irgendwann womöglich“, lächelte sie daher. Währenddessen lauschte sie dem Interview und freute sich einfach darüber, sie nach so langer Zeit wieder sehen zu können, ohne ein schlechtes Gefühl dabei zu haben.
„Und Inuyasha, wollen sie ihre bezaubernde Verlobte eigentlich mit auf ihre große Tour durch Japan nehmen?“ Staunend sah Inuyasha zu dem Moderator, der ihm soeben diese Frage gestellt hatte. Mit dieser hatte er auch schwer zu schlucken. Bis jetzt hatte sich das gesamte Interview um die anstehende Tour gedreht. „Ähm… nein“, schüttelte er bestimmt den Kopf. Nie wieder würde Kikyo zusammen mit ihm auf eine Tour gehen. „Und das wird sie nie wieder“, schob er nach wenigen Sekunden hinterher. Seine Bandkollegen wandten demonstrativ ihre Blicke ab, da sie wohl ahnten, was nun kommen würde. „Kikyo und ich führen sehr unterschiedliche Karrieren. Wir haben beide gemerkt, dass unsere Berufe nur schwer zeitlich im Einklang zu bringen sind. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, nicht mehr gemeinsam auf Touren zu gehen. Auch unsere Verlobung ist im Moment auf Eis gelegt. Kikyo und ich wollen uns erstmal auf unsere Karrieren konzentrieren und irgendwann, wenn die Zeit reif sein sollte, den nächsten Schritt zusammen gehen.“
Diese Worte gingen Inuyasha wahnsinnig leicht über die Lippen. Schließlich waren sie nicht vollkommen gelogen. Seiner Meinung nach war es längst überfällig den Menschen zu erzählen, dass es keine Verlobung geben würde. Der Moderator schien wirklich schockiert zu sein, vermutlich hatte er bereits die nächste Schlagzeile gewittert. Doch aus dieser würde erstmal nichts werden, weil sich durch Moroha Inuyashas Leben vollkommen verändert. Im Moment zählt nur sie für ihn und genau zu dieser wollte er unheimlich gern wieder zurück. Sie einfach in den Arm nehmen und sie nie wieder los zu lassen.
Erleichterung!
Erleichterung!
Fassungslos starrte Kagome auf den Bildschirm. Sie sah das Lächeln des jungen Mannes und konnte es immer noch nicht glauben, was er soeben selbstsicher in die Kamera gesprochen hatte. „Waren die beiden nicht kurz davor zu heiraten?“, fragte ihr Mutter schulterzuckend. Auf ihre Frage nickte Kagome nur mechanisch. Sie war wirklich schockiert, davon erfahren zu müssen, dass Inuyasha seine Hochzeit erstmal auf Eis gelegt hatte. Natürlich wusste sie, dass er nicht treu gewesen war, vielleicht hatte auch Moroha einen Teil dazu beigetragen, dass sich das einstige Traumpaar zu dieser Entscheidung durchgerungen hatte. Kagome tat es irgendwie leid, dass ihre Naivität für so viel Chaos in seinem Leben gesorgt hatte. „Ich bin müde. Ich gehe auf mein Zimmer und leg mich hin“, meinte sie und stand von der Couch auf. Sie hatte aufgrund der vergangenen Nacht schon einen ziemlichen Schlafentzug. Kagome hatte ohnehin nicht vor gehabt, lange vor dem Fernseher zu sitzen.
Nach dem Lernen und dem Abendessen hatte sie einfach etwas abschalten wollen. Durch ihre beste Freundin war sie neugierig geworden, hatte sich insgeheim gefreut, die Band wieder einmal Singen hören zu können. Durch Inuyashas Offenbarung war Kagome jedoch nun vollkommen überfordert. Sie fühlte sich furchtbar. Auf ihre Nachricht hatte der junge Mann ebenfalls noch nicht geantwortet, vermutlich hatte er im Moment ganz andere Sorgen. Vielleicht hatte er aber auch einfach die Schnauze gestrichen voll. Sie hatte nicht nur seine Karriere in Gefahr gebracht, sondern auch seine Beziehung kompliziert gemacht. Etwas das wohl niemand wirklich toll finden würde. Daher konnte sie es verstehen, wenn er doch keine Lust mehr hatte, sie öfter sehen zu müssen. Doch noch gab Kagome die Hoffnung nicht auf. Inuyasha hatte ihr selbst angeboten ihre Tochter besser kennenzulernen.
Vielleicht musste nur etwas Gras über die Sache wachsen und in wenigen Wochen würde die Welt schon ganz anders aussehen, zumindest hoffte Kagome dies wirklich. Den Moment hatte sie doch sehr genossen, ihre Tochter wieder in den Armen halten zu können und würde dieses Gefühl gerne noch einmal erleben wollen.
Mit einem erleichterten Atemzug ließ sich Inuyasha auf die Couch fallen. Er musste zugeben, dass er nicht damit gerechnet hatte, wie anstrengend diese Reporter sein würden. Trotz der neuen Tour und der daraufhin folgenden Promotion waren plötzlich nur noch seine Beziehungsprobleme das Thema gewesen. Inuyasha hatte wirklich Mühe gehabt, das Thema zu umgehen und wieder auf die Tour zu richten. Er wollte einfach kein weiteres Aufsehen erregen. Die Beziehung war im Moment nicht einfach und mehr musste die Öffentlichkeit nicht erfahren. „Kannst du mir mal sagen, was das gerade sollte?“, wurde die Tür mit einem lauten Knall aufgerissen. Totosai, der Manager der Band stand mit hochrotem Gesicht und wütender Mine vor ihm, schien überhaupt nicht begeistert darüber zu sein, dass Inuyasha sich über seinen Kopf hinweggesetzt hatte. „Wie lange hätte ich dieses Schauspiel deiner Meinung nach noch mitmachen sollen? Kikyo und ich wollen nicht heiraten. All diese Interwies zum Thema Hochzeit waren einfach nur nervig“, konterte Inuyasha, der schon einige Male zu der angeblichen Hochzeit befragt worden war.
Bis zum heutigen Abend hatte er dieses Spiel jedoch immer brav mitgespielt. Er wollte, dass sein Manager verstand, dass es keinen Sinn machte, weiter etwas zu bereden, was vielleicht niemals stattfinden würde. „Das war nicht die Abmachung, Inuyasha. Du hast dich dazu bereit erklärt mit Kikyo zusammen zu sein, ihr habt eine Therapie gemacht und ich dachte, diese wäre auch positiv gewesen. Und jetzt kommst du mit sowas um die Ecke und erzählst allen, dass es keine Hochzeit geben wird? Kikyos Managment hat mich soeben kontaktiert und mir die Hölle heiß gemacht“, fuhr Totosai ihn an. Doch Inuyasha juckte das relativ wenig. Er fühlte sich einfach erleichtert und auf Diskussionen hatte er ohnehin keine große Lust mehr. „Bereit erklärt? Ernsthaft? Nennst du ‘auf gar keinen Fall trennst du dich’ sich bereit erklären eine Therapie freiwillig zu machen? Kikyo und ich… das hat schon seit Monaten nicht mehr richtig funktioniert”, fuhr Inuyasha ungehalten fort.
“Alles, was zwischen uns noch gelaufen ist, war ein jämmerlicher Versuch diese Beziehung zu erhalten und wirklich Beziehung würde ich es immer noch nicht nennen. Ich habe mich von ihr distanziert, weil sie etwas mit meinem alten Bodyguard hatte, oder sollte ich besser sagen noch immer hat?“, knurrte er wütend weiter, da Inuyasha ziemlich sicher war, dass Kikyo immer noch eine Affäre hatte, auch wenn sie diese mittlerweile besser versteckte. Mit der Zeit hatte er natürlich mitbekommen, um wenn es sich bei der Affäre seiner Freundin handelte. Vielleicht auch deshalb verzichtete er gerne auf die Anwesenheit des Mannes, der immer noch ein Schäferstündchen mit seiner Freundin hatte. Es wundert ihn wirklich, dass dieser die Klappe gehalten hatte, als Inuyasha mit Kagome damals aus dem Raum verschwunden war. Vielleicht hatte er Kikyo auch davon erzählt und diese hatte es einfach hingenommen, so wie Inuyasha es nun hinnahm, dass sie ihre gewünschte Nähe bei einem anderen Mann suchte. Jedenfalls war es ihm egal, er hatte schon längst einen Schlussstrich gezogen.
Die Beziehung würde ohnehin nicht mehr dieselbe werden. Kikyo und er hatten sich gegenseitig verletzt, sich hintergangen und waren nicht dazu fähig, alle Differenzen zu klären. Durch Moroha würden diese wohl auch nicht kleiner werden. Im Moment war Inuyasha glücklich mit dem, was er hatte. Er liebte die Kleine mehr als jede andere Frau, die jemals in sein Leben getreten war. An sie würde vermutlich in den nächsten Jahren keine Frau heranreichen. „Ich habe dir damals schon gesagt, dass du nicht so engstirnig sein sollst. Jeder geht irgendwann mal fremd in diesem Business. Lern damit zu Leben und leg dir ein dickeres Fell zu.“ Wütend verengt Inuyasha seine Augen bei dieser Aussage. „Jeder? Es gibt auch noch Menschen, die an Treue glauben. Denen es wichtig ist seinem Partner vertrauen zu können. Ich will nicht hinter jedem Mann einen potentiellen Nebenbuhler sehen”, merkte er an und verengte noch mehr die Augen.
“Und wenn du der Meinung bist, dass solche Werte in dieser Welt nichts verloren haben... dann such dir bitte einen neuen Sänger für deine nächsten Auftritte. Denn ich habe keine Lust mehr jemanden zu spielen, der ich eigentlich gar nicht bin.“ Mit einer Menge Wut im Bauch war Inuyasha von der Couch aufgestanden. Seine Bandkollegen hatten bis dato kein Wort verloren. Sie hatten die Situation einfach still verfolgt und wohl schon auf das Donnerwetter gewartet, das eben auf ihn eingeprasselt war. „Inuyasha…“
„Lass steck, Miroku. Ihr denkt doch auch, dass ich es nicht gebacken bekomme“, hinderte Inuyasha seinen besten Freund daran weiterzusprechen. Am heutigen Abend konnte er getrost auf weitere Standpauken verzichten. Viel lieber verbrachte er seine Zeit damit, seine Tochter in den Armen zu halten und beobachten zu können. Entschlossen griff er daher nach seiner Lederjacke. Draußen war es immer noch sehr kalt und er hatte nun nur noch eines vor, schnellstmöglich zu seiner Tochter zu kommen.
Ungeduldig betätigte Inuyasha die Klingen, nachdem er ohne Umwege direkt zu der Wohnung seiner Eltern gefahren war. Das Surren, welches daraufhin erfolgte, signalisiert ihm, dass er den Flur betreten konnte. Schnellen Schrittes lief er die Treppen empor. Noch am Morgen war er diese drei Stockwerke mit einem mulmigen Gefühl hinuntergelaufen. Nun freute er sich einfach seine Tochter wieder zu sehen. „Hast du sie noch alle?“, wurde er jedoch ziemlich unsanft von seiner Schwägerin begrüßt, nachdem er die etlichen Stufen erklommen hatte. Inuyasha konnte ihre Laune nur wenig nachvollziehen, als er an ihr vorbei in die Wohnung lief. „Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“, wollte er deshalb verwirrt wissen und sah sich vom Flur aus schon mal im Wohnzimmer um. Seine kleine Tochter konnte er in diesem jedoch leider nicht entdecken. „Welche Laus? Hast du mal auf die Uhr gesehen? Ich habe gerade eine Stunde damit verbracht, Moroha ins Bett zu bringen“, stellt Rin mit finsterer Miene klar.
Ein Seufzen drang aus seiner Kehle. Er hatte in seiner Wut einfach nicht darüber nachgedacht, wie spät es mittlerweile eigentlich geworden war. Es war bereits halb zehn. Das Interview und die anschließende Diskussion hatten um einiges mehr Zeit in Anspruch genommen, als er es erwartet hatte. Moroha schlief um diese Zeit natürlich meistens schon. Inuyasha und auch seine Bandkollegen hatten in den paar Wochen versucht einen Rhythmus aufzubauen, mit dem auch sie gut leben konnten. „Sorry… war sie wenigstens brav?“, wollte er ernüchternd wissen. Gerne hätte er seine Tochter einfach in den Arm genommen und vergessen, was heute so alles passiert war. Sie jedoch unnötig aus dem Schlaf zu holen, wollte er ihr nicht zumuten. „Ja. Hin und wieder etwas Bauchschmerzen, aber das haben wir gut in den Griff bekommen“, kam es deutlich ruhiger von Rin. „Du hast deine Beziehungsprobleme öffentlich gemacht. Wirklich begeistert sahen die anderen aber nicht aus“, mischte sich auch Sesshomaru in die Unterhaltung ein.
Inuyasha hätte es eigentlich wissen müssen, dass sie seine Offenbarung mitbekommen hatten. Immer wenn er einen Auftritt hatte, nahm seine Mutter diese auf oder sah sich den Liveauftritt persönlich an. Je nachdem wie sie es zeitlich einrichten konnte. Selbst zu Konzerten hatte sie seinen Vater schon des Öfteren mitgeschleift, nur um wie ein Teenager vor der Bühne auf und ab zu hüpfen und die Band zu feiern. „Ist es denn so schlimm, wenn ein Mann zugibt, dass nicht immer alles rosig läuft und man mal auch Schritte zurück macht? Kikyo und ich haben uns vor Monaten für eine Therapie entschieden und dennoch mussten wir immer wieder feststellen, dass es nicht wie früher ist. Klar wir sind noch ein Paar, aber wirklich Freude hat daran wohl keiner. Bestimmt sieht sie es ebenfalls als Erleichterung an, wenn sie nun nicht mehr ständig mit Fragen zur möglichen Hochzeit bombardiert wird“, zuckte er mit den Schultern.
Eigentlich hätte er es lieber gehabt, Kikyo schon im Vorfeld mit zu teilen, dass er nicht mehr bereit war, auf diese Fragen lügen zu müssen. „Schlimm nein. Ich bin nur überrascht, welchen Mut du auf einmal aufgebracht hast. Vor Monaten hast du noch geknickt hier gesessen und uns erklärt, was du machen könntest, und nun hast du scheinbar ohne Abstimmung einfach deine Beziehungsprobleme offen verkündet. Versteh mich bitte nicht falsch, aber das war ohnehin schon mehr als überfällig.“ Bei den Worten seines Bruders verdrehte Inuyasha nur seine Augen. Er wusste, dass Kikyo und Sesshomaru nie richtig warm geworden waren. Sein Bruder würde ein Ende seiner Beziehung ziemlich freuen. „Jaja… ich weiß, dass du Kikyo hasst. Aber ich habe sie irgendwann mal auch wirklich geliebt“, schüttelte Inuyasha seinen Kopf. „Wo ist Mum?“, wollte er anschließend von den beiden wissen. Immerhin hatten sich die drei im Wohnzimmer breitgemacht, von seinen Eltern war jedoch nichts zu sehen, auch wenn er sich sicher war, dass die beiden bestimmt noch nicht schliefen.
„Bei Moroha. Wir haben kein Babyphone und wechseln uns dadurch ab. Heute Mittag habe ich bei ihr im Zimmer gelegen. Dad ist schon im Schlafzimmer.“ Überrascht weiteten sich seine Augen, so fürsorglich kannte er seinen Bruder nicht. „Du bei Moroha?“, kam es ihm deshalb verblüfft über die Lippen. Immerhin hatte sein Bruder am Vorabend wenig bis kein Interesse an seiner Tochter gezeigt. „Ja, ich bei Moroha. Als einziger Onkel muss ich die Kleine auch etwas verwöhnen“, zuckte dieser lediglich mit den Schultern. Inuyasha war wirklich überrascht, dass sein Bruder so über die Kleine dachte. „Na mal sehen. Ich werde mal nach den beiden schauen“, meinte er und erhob sich von der Couch, auf die er sich zuvor für einige Minuten gesetzt hatte. „Ich sage mal gute Nacht. Ich denke, die Kleine und du bleiben ebenfalls über Nacht“, kicherte Rin, die wohl ahnte, dass Inuyasha die Kleine nur ungern hier alle übernachten lassen wollte.
„Hey, Mum“, leise schlich sich Inuyasha in das Zimmer, um Moroha nicht zu wecken. Seine Mutter lag am Rand seines Jugendbettes, da sie die Kleine doch in seinem alten Zimmer schlafen gelegt hatte. „Hey“, begrüßte ihn seine Mutter ebenso leise. Sie drehte sich mit Moroha im Arm zu ihm, scheinbar hatte er durch seinen Krawall doch dafür gesorgt, dass seine Tochter nicht mehr im Land der Träume verweilte. „Habe ich sie geweckt?“, wollte er dennoch zögernd wissen, denn das kleine Mädchen gähnte ihn müde entgegen. „Vielleicht. Sie hat generell ziemlich unruhig heute geschlafen. Sie ist es eben nicht gewöhnt, dass ihr Papa nicht bei ihr ist“, lächelte seine Mutter und stand etwas umständlich von dem Bett auf. „Ich nehme an, dass du hier schläfst.“ Nickend bestätigte er dies, jedoch hatte er nur noch Augen für seine kleine Tochter. „Wir sollten uns zumindest ein Reisebettchen besorgen. Moroha braucht schließlich einen Platz zum Schlafen, wenn sie hier mal übernachten muss“, bemerkte seine Mutter, denn es war alles andere als Ideal, die Kleine in seinem Bett übernachten zu lassen.
„Irgendwann. Heute bin ich einfach froh, sie in meiner Nähe zu haben“, setzte sich Inuyasha auf sein Bett. Moroha sah ihn mit großen Augen an, schlafen würde die Kleine in den nächsten Stunden bestimmt nicht so leicht. Doch schlimm fand er dies nicht, weil er seine Tochter den ganzen Tag unheimlich vermisst hatte. Er genoss es, sie in seinen Armen zu halten und einfach ihr Gegluckse zu hören, wenn sie nach seinem Finger griff. „Gute Nacht“, wünschte Inuyasha ebenfalls seiner Mutter eine erholsame Nacht, hatten sie sich diese bestimmt verdient. Er würde noch etwas mit Moroha spielen und sie hoffentlich müde machen, doch zuvor hatte er noch eine Idee. Schnell kramte er sein Handy aus der Hosentasche, nachdem er Moroha dabei auf dem Kopfkissen abgelegt hatte. Vorsichtig legte er sich neben sie. Im Zimmer war es recht dunkel, nur das Licht des Handys gab etwas Helligkeit ab. „Was hältst du davon, wenn wir deiner Mama ein Bild von uns schicken?“, fragte er seine Tochter, auch wenn diese nicht antworten konnte.
Mit einem Lächeln drückte er Moroha einen Kuss auf den Hinterkopf und drückte anschließend auf Aufnahme. Kurz betrachtete er das Bild, es sah wirklich niedlich aus, wie sie in die Kamera lugte, während er ihr einen Kuss gab. Schnell tippte er noch ein paar Wörter zu dem Foto und schickte es gleich an Kagome. In der Hoffnung, dass sie dieses Bild freuen würde und sie schon bald regelmäßig solche Bilder austauschen würden.
Wichtige Gespräch und geplatzte Träume!
Wichtige Gespräch und geplatzte Träume!
Mit einem Lächeln sah Kagome auf das Foto, das Inuyasha ihr am Abend zuvor zukommen hat lassen. Kaum konnte sie sich davon losreißen. Moroha sah wirklich niedlich auf dem Foto aus. Kagome freute sich wirklich, dass Inuyasha sein Wort halten wollte, dennoch hatte sie im Moment keine Zeit, um die Bilder ihrer Tochter verliebt anzustarren. Kagomes Zukunftsgespräch stand kurz bevor. In wenigen Minuten hatte sie ihren Termin bei ihrem Klassenlehrer, der mit ihr über ihre Möglichkeiten sprechen würde. Auf Kagomes Zettel standen nur gute Universitäten und ja, leider auch einige private Universitäten. Wenn Kagome es wirklich an ihre Wunschuniversität schaffen wollte, musste sie alles geben und zusehen, dass sie, wenn möglich ein Stipendium erhielt. Anders würde es wohl kaum umsetzbar für ihre Eltern sein, diese zu bezahlen. „Miss Highurashi kommen sie bitte?“, bat sie ihr Klassenlehrer. Ihr Herz klopfte etwas schneller, da sie wirklich nervös war. „Du willst Medizin studieren?“, lächelte ihr Lehrer sie an, als sie sich gesetzt hatten und er ihre Unterlagen schon einmal durchgelesen hatte, da sie vor ihrem Termin bereits ihre Wünsche notiert hatte.
„Es wäre mein Traum“, gestand sie, die schon immer gerne Menschen hatte helfen wollen. „Ein hohes Ziel und deine Wunschuniversitäten sind keine einfachen Unis. Du musst Bestnoten vorweisen und ebenso müssen deine Eltern einiges finanziell stemmen“, kam es ziemlich besorgt von ihm. „Meinen sie, ich kann es schaffen?“, wollte sie hoffnungsvoll wissen. Immerhin war es ihr größter Traum. „Deine Noten haben sich in den letzten Wochen wieder massiv verbessert. Dennoch wird es nicht einfach. Ich denke jedoch, du hast wirklich gute Chancen, es auf eine gute Oberstufe zu schaffen und anschließend deine Wunschuni. Du bist ein cleveres Mädchen Kagome und strebsam. Trotzdem wird es nicht leicht werden, auch wenn ich dir das Beste wünsche“, machte ihr ihr Lehrer zu ihrer Erleichterung Mut. Kagome wusste, dass sie noch einiges für ihren Traum erreichen musste, doch diese Worte gaben ihr Hoffnung und diese wollte sie um jeden Preis weiterleben lassen.
„Du wolltest mich sprechen?“, setzte sich Inuyasha lustlos auf den Stuhl vor dem Schreibtisch seines Managers. Totosei hatte ihn am Morgen aus dem Bett geworfen und ihn zu einem dringenden Gespräch gebeten. „Ich denke, wir sollten dringend noch einmal über die Geschehnisse von gestern Abend sprechen“, kam es mit strenger Miene von Totosei. „Ach... müssen wir das? Du stellst die Band und alles andere über die einzelnen Menschen. Ich bin keine Puppe mehr, Totosai. Jahrelang habe ich mich deinen Vorstellungen gebeugt. Als Kikyo und ich zusammenkamen, hast du mir geraten es öffentlich zu machen. Du hast es als Sprungbrett für uns benutzt. Doch damit ist jetzt Schluss, Totosai, ich werde nie wieder eine Beziehung so in die Medien ziehen. Nicht mehr auf deine Worte hören. Wenn du das nicht akzeptieren kannst… gibt es mich nicht mehr“, stellte Inuyasha klar. In der letzten Nacht hatte er viel über sich und über seine Karriere nachgedacht. Er hatte gemerkt, dass er immer nur das gemacht hatte, was andere von ihm verlangt hatten, doch damit würde nun Schluss sein.
„Willst du wirklich deine Karriere einfach so wegschmeißen?“, wollte sein Manager fassungslos wissen. „Es geht hier nicht um wegschmeißen. Ich habe absolut gar keine Lust mehr darauf, eine Marionette zu sein“, warf der Sänger ein. „Inuyasha… jetzt handle doch nicht voreilig. Es ging mir nie darum, dass du eine Marionette bist. Ich wollte immer nur das Beste für dich und die anderen“, versuchte Totosai sein Handeln zu erklären. „Das Beste? Totosai, du hast mich gezwungen eine Beziehung öffentlich am Laufen zu halten, obwohl diese schon seit Monaten nicht mehr richtig funktioniert hat“, begann Inuyasha ihm nochmals verständlich zu machen, warum er dieses Theater nicht mehr mitmachen wollte. „Das war vielleicht nicht richtig. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass du dein Handeln vorher mit mir abgesprochen hättest“, seufzte Totasai, dem die plötzliche Offenbarung der Beziehungsprobleme des einstigen Traumpaares wohl einiges an Schwierigkeiten eingebracht hatte. „Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nicht mehr. Kikyo immer wieder in den Himmel zu heben und auf verliebt zu machen war einfach nicht mehr möglich. Als der Typ mich gefragt hat, ob sie bei der Tour dabei ist, war es nicht mehr möglich.“
In diesem Moment hatte er einfach reagiert. Durch Moroha hatte Inuyasha sein Denken geändert. Sie war ihm das Wichtigste geworden, auch wenn sie erst vor ein paar Wochen in seinem Leben aufgetaucht war. „Wie auch immer. Deine Aktion hat uns wirklich in Schwierigkeiten gebracht. Ich werde versuchen mit Kikyos Manager eine vernünftige Lösung zu finden und vor allem eine Glaubhafte für die Öffentlichkeit. Ich bitte dich nur in den nächsten Tagen kein weiters Interview zu diesem Thema zu geben“, bat ihn Totosai, der wohl alle Hände voll zu tun hatte. Für Inuyasha war diese Forderung kein Problem. Er wollte ohnehin nicht weiter über seine Beziehung zu Kikyo sprechen, selbst jetzt nach den Schlagzeilen hatte sie es nicht für nötig gehalten, sich bei ihm zu melden. „Darüber mach dir mal keine Sorgen. Ich habe wichtigere Dinge zu erledigen und diesen würde ich mich nun auch gerne wieder widmen“, stellte er deshalb klar. Immerhin passten soeben nach wie vor Rin und sein Bruder auf seine kleine Tochter auf. „Wir sehen uns bei den Proben“, meinte er und erhob sich von seinem Sitzplatz.
In wenigen Tagen würden wieder anstrengende Proben stattfinden, ihre Auszeit war beinahe vorbei. Inuyasha wollte die letzten Tage noch mit seiner Tochter genießen, ehe er wieder einige harte Wochen vor sich haben würde, in denen er nur wenig Zeit für sich selbst und noch viel weniger für seine Kleine haben würde.
„Mama, Papa kann ich kurz mit euch sprechen?“, wollte Kagome nach dem Gespräch mit ihrem Lehrer nun mit ihren Eltern reden. Immerhin würden sie einen großen Teil ihrer Zukunft finanzieren müssen, etwas das Kagome in den letzten Wochen und Monaten beinahe komplett verdrängt hatte. Auch wenn sie immer noch auf ein Stipendium hoffte, einfach würde dieses bestimmt nicht werden. „Natürlich, was gibt es denn?“, wendete sich ihre Mutter Kagome zu. „Kann Papa auch dabei sein? Ich würde gerne in Ruhe mit euch sprechen“, bat sie ihre Mutter. Schließlich mussten einige wichtige Entscheidungen getroffen werden. Auch ihr Vater musste ihren Plänen zustimmen, wenn Kagome an ihrer Traumuni angenommen werden würde. „Natürlich. Keil? Kannst du mal kurz kommen?“, rief ihre Mutter in den Flur, nachdem sie sich ihre Hände an einem Handtuch abgewischt hatte. Ihr Vater kam auch nur wenig später in die Küche und schaute fragend zu den beiden Frauen. „Kagome möchte kurz etwas mit uns besprechen. Hast du Zeit?“, lächelte ihre Mutter.
Kagome wusste, dass ihre Bitte nicht einfach werden würde. Ihre Familie hatte ohnehin nur wenig finanzielle Möglichkeiten und ein Studium würde zusätzlich einiges fordern. Die ganze Familie würde wohl deutlich zurückstecken müssen, um alles finanzieren zu können, vorausgesetzt war jedoch, ihre Eltern würden ihrem Vorhaben zustimmen. „Um was geht es denn?“, wollte ihr Vater von ihr wissen, als die drei am kleinen Esstisch platzgenommen hatten. „Ich hatte heute ein Beratungsgespräch mit meinem Lehrer“, fing sie einfach das Gespräch an. In wenigen Wochen würde sie mit ihren Eltern weitere Gespräche mit diesem führen müssen. Bis dahin wollte sie schon einiges geklärt haben. „Oh, sag bloß, du musstest schon eintragen, was du zukünftig machen möchtest?“, kam es überrascht von ihrem Vater, der schon immer ein wenig schusselig war. In seinem Stress hatte er wohl vergessen, dass Kagome erst vor wenigen Tagen über das bevorstehende Gespräch berichtet hatte.
„Keil… das hat Kagome doch erst erzählt“, stupste ihre Mutter ihn gleich in die Seite, zumindest ihre Mutter schien sich wenigstens an dies erinnern zu können. „Ja, musste ich. Ich habe mit ihm über die Möglichkeiten gesprochen und er hat mir einige Informationsblätter gegeben.“ Zur Unterstreichung legte Kagome ihren Eltern die Unterlagen vor. „Medizin?“, kam es überrascht von ihrer Mutter. Kagome hatte bis dato nie über ihre Pläne gesprochen. „Ja… ich habe schon seit einigen Jahren immer wieder überlegt, was ich gerne machen würde. Ich liebe den Umgang mit Menschen und würde ihnen gerne helfen können“, berichtet sie mit strahlenden Augen. Ihre Eltern schienen von dem Vorhaben jedoch eher weniger angetan zu sein. „Medizin bedeutet jedoch auch ein langes Studium und vor allem müsstest du eine sehr gute Oberschule besuchen.“ Bei diesen Worten drehte ihr Vater einige der Broschüren in seinen Händen. Er las sich einige der Informationen durch.
„Ich weiß. Die Aufnahmeprüfung sowohl an den Oberstufen als auch den Unis sind ziemlich anstrengend und herausfordernd. Mein Lehrer meinte jedoch, dass ich es durchaus schaffen könnte an meiner Traumoberschule angenommen zu werden. Aus meinem Tief habe ich mich bereits herausgearbeitet und meine Noten sind wieder sehr gut. Ich wollte mit euch schon jetzt besprechen, wie wir das in Hinblick finanziell angehen können“, sprach sie das Thema an, das wohl hauptsächlich über ihre Zukunft entscheidend sein, würde. „Ein Studium ist sehr teuer und du wirst auch noch relativ lange damit beschäftigt sein. Vielleicht fangen wir lieber mal klein an und du besuchst eine Kurzuni“, Versuchte ihre Mutter Kagome einen anderen Vorschlag zu machen, auch sie schien nicht unbedingt glücklich über ihre Entscheidung zu sein. „Deswegen möchte ich doch jetzt mit euch darüber sprechen. Ich weiß, dass wir schon jetzt kaum über die Runden kommen. Für meine berufliche Zukunft müssten wir unseren Gürtel noch enger schnallen. Doch dieser Beruf würde mich wirklich interessieren und ich würde mich besonders anstrengen, um das Studium schnellstmöglich zu beenden und euch finanziell unterstützen zu können. An einer Kurzuni kann ich meinen Traumberuf nicht erlernen“, erklärte sie, da Kagome nur mit einem regulären Studium Ärztin werden könnte.
Wenn Kagome die Kurse anders verteilte und mehr Prüfungen in den Semestern ablegte als vorgegeben waren, könnte sie ihr Studium deutlich früher beenden. Somit konnte sie die anfallenden Kosten etwas mindern. „Das hört sich wirklich gut an, Kagome. Wir sind die letzten Menschen, die dir bei deinem Traum im Weg stehen würden. Doch ein Medizinstudium können wir dir leider nicht finanzieren und auch deine Wunschoberschule ist finanziell einfach nicht machbar.“ Geschockt sah Kagome zu ihren Eltern, nachdem diese ihren Plan abgelehnt hatten. „Warum?“, wollte sie mit zittriger Stimme wissen. Kagome hatte so viel für ihre Eltern getan, passte immer und immer wieder auf ihren Bruder auf oder half ihm Laden, wenn Hilfe benötigt wurde. Dass ihre Eltern sich nun ihren Plänen entgegenstellten, war für den Teenagern ein wahrer Schock. „Kagome, versteh doch. Wir müssen nicht nur deine Zukunft im Auge behalten. Auch Sota hat alles recht der Welt seine Träume zu verwirklichen. Wenn wir alles, was wir haben in dein Studium stecken, würde für Sota nichts mehr übrigbleiben“, versuchte ihre Mutter ihr einfühlsam zu erklären.
Kagome verstand, was sie meinte. Jedoch wollte sie dies nicht hören. „Wenn du wirklich mit Menschen arbeiten willst… kannst du doch auch vielleicht eine Ausbildung zur Pflegerin machen oder eine Krankenschwesterausbildung. Diese würden weniger kosten und du würdest viel schneller ins Berufsleben einsteigen können“, probierte ihr Vater nun sein Glück. Doch für Kagome war alles, was sie sagten, eine große Enttäuschung. Sie hatte immer alles anstandslos ertragen, nie etwas gefordert und nun nicht ihren Traum leben zu dürfen, machte sie unendlich traurig. „Vielleicht habt ihr Recht. Ich muss nicht unbedingt Studieren, um Menschen helfen zu können. Ich werde nochmal über alle Möglichkeiten nachdenken.“ Diese Worte mit einem Lächeln auszusprechen war unendlich schwer für den Teenager. Sie hatte gehofft, dass sie wenigstens bei ihrem Traum Unterstützung bekommen würde. Doch dieser Traum war soeben zerplatzt und wenn Kagome mit sich ehrlich war, hatte sie diese Nachricht bereits erwartet. Leider hatte sie nicht das Glück, reiche Eltern zu haben.
Doch dass sie ihren Traum aufgeben musste, bevor sie ihn überhaupt gelebt hatte, machte sie unendlich traurig.
Neue Zukunftspläne!
Neue Zukunftspläne!
Dankend verneigte sich Kagome vor dem Lehrerzimmer, nachdem sie zuvor ein weiteres Gespräch mit ihrem Klassenlehrer geführt hatte. Sie hatte mit ihm ihre Möglichkeiten neu besprochen und sich neues Material für ihre neuen zukünftigen Pläne geholt. Kagomes Traum Ärztin zu werden, war in eine weite Ferne gerückt. Natürlich konnte sie immer noch versuchen, ein Stipendium zu bekommen, doch dieses würde schwer werden, vor allem wenn sie nicht auf die aufbauende Oberschule gehen konnte. Kagome konnte durch die finanzielle Lage in ihrem Elternhaus auch keine Paukschule besuchen. Sie müsste alles auf eigene Faust irgendwann nebenbei erlernen, leicht würde ihr dies bestimmt nicht fallen. „Auf Wiedersehen“, verabschiedete sich Kagome im Anschluss. Seufzend lief sie den Flur entlang zurück in das Klassenzimmer und durchblätterte nebenbei die neuen Folder. Wirklich glücklich mit diesen war das Mädchen nicht. Sie würde zwar eine Ausbildung im Gesundheitswesen erlernen können und Menschen ebenso helfen, aber Altenpflegerin oder Krankenschwester waren nun mal nicht ihre favorisierten Berufe.
„Was hast du da?“, wollte Eri sofort wissen, nachdem sie wieder an ihrem Schreibtisch Platz genommen hatte. „Nur neues Infomaterial… falls es mit der Wunschuni und der Oberschule doch nicht klappen sollte“, versuchte Kagome ihren Weg zu erklären. Ihre beiden Freundinnen schienen darüber ziemlich verwirrt. „Krankenschwester und Pflege? Wolltest du nicht Ärztin werden?“, fragten sie nach, da sie einige der Broschüren selbst durchforsteten. „Ja… aber wenn das nicht klappt… will ich wenigstens schon mal Optionen haben“, lächelte Kagome, die ihren Freundinnen von der finanziellen Situation bei sich zuhause nie etwas erzählt hatte. Eri und Ayumi waren nicht besonders arm, ein Konzertticket war für sie nur ein kleines Geschenk, anders als für Kagome, die sich vor fast einem Jahr unglaublich über die Karte gefreut hatte und dafür auf vieles verzichtet hatte. „Na wenn du meinst. Ich glaube aber, dass es nicht so schlecht für dich laufen wird. In ein paar Wochen haben wir die ersten Aufnahmeprüfung und dann gehen wir alle zusammen auf die Shikon und haben Spaß“, zuckte Eri mit ihren Schultern.
„Ja… du hast bestimmt recht“, flüsterte Kagome leise, die natürlich noch immer die leise Hoffnung hatte, doch noch an die Shikon gehen zu können, auch wenn sie nicht mehr ganz so zuversichtlich war, wie ihre beiden Freundinnen.
„Wir müssen mit Inuyasha reden“, nahm Miroku am großen Esstisch im Gemeinschaftsraum Platz. Seine Bandkollegen saßen bereits an diesem, genossen ihre Mahlzeit und quatschten etwas. Das Gespräch war jedoch schnell vergessen, als Miroku sich zu den beiden Männern gesetzt hatte. Seit Tagen hing der Haussegen im Bandhaus gewaltig schief. Inuyasha war beinahe ausgezogen, wohnte mit Moroha zwischenzeitlich bei seinen Eltern. „Warum sollten wir? Der ist doch ohnehin auf dem Egotrip“, stellte Koga sofort auf stur. Mit ihm hatte Miroku durchaus eine harte Nuss zu knacken. Er war immer noch mächtig angepisst auf Inuyasha. Er konnte die Wut seines Freundes ja verstehen, dennoch mussten sie eine vernünftige Lösung finden, wenn sie noch weiterhin eine Band sein wollten. „Kapierst du es nicht? Inuyasha will die Band verlassen. Das ist keine Kleinigkeit“, versuchte Miroku an seinen Verstand zu appellieren. Immerhin würde der Austritt des Frontmannes für mächtig Wirbel sorgen.
„Soll er doch. Mit Moroha kann er ohnehin nicht mehr Teil der Band sein“, verschränkte Koga die Arme vor seiner Brust. Shippo hingegen schien durchaus geknickte zu sein. „Wieso nicht? Die letzten Wochen hat doch auch alles prima geklappt“, wollte Miroku interessiert wissen. Immerhin hatte Inuyasha in der vergangenen Woche keine der Bandproben verpasst und Moroha hatte er dabei nie mit in den Proberaum nehmen müssen. „Miroku… ein Baby auf der Bühne? Oder wo würdest du sie während der Tour in zwei Wochen parken?“, verdrehte Koga seine Augen. „Ich habe nicht gesagt, dass es einfach wird. Falls du es vergessen hast… vor ein paar Wochen konnte sich keiner von uns vorstellen, sich um ein Baby zu kümmern, wir waren hilflos und komplett überfordert und trotzdem haben wir es hinbekommen… weil wir ein Team waren. Und genau dieses Team müssen wir wieder werden. Ja, Inuyasha hat einen Fehler gemacht, aber der hätte dir auch passieren können. Und nur mal so nebenbei… ich vermisse die Kleine schon jetzt unheimlich und hätte nichts dagegen, wenn sie bald wieder ihr wunderschönes Stimmchen hier in diesem Raum trällern würde“, machte Miroku seinem Ärger Luft.
Immerhin sprach er damit nur die Wahrheit aus. Vor wenigen Wochen waren sie total überfordert gewesen, da keiner Ahnung davon gehabt hatte, wie man sich um ein Baby kümmerte und dennoch hatten sie instinktiv so viel richtig gemacht. Sie hatten sich um Moroha gekümmert und die Kleine in ihr Herz gelassen, egal wer zu diesem Zeitpunkt ihr leiblicher Vater gewesen war, doch daran musste er Koga wohl leider wieder erinnern und hoffen, dass dieser irgendwann begriff, dass es ohne den Frontmann auch ganz bald für ihre Karriere bergab gehen könnte.
„Darf ich vorstellen… Moroha Takahashi“, zeigte Inuyasha stolz die Geburtsurkunde seiner kleinen Tochter seiner Familie. Nach längerem hin und her auf den Ämtern hatte er diese tatsächlich ausgestellt bekommen. „Immerhin etwas, dass du hinbekommen hast“, kicherte Rin, die natürlich darauf gedrängt hatte, dass die Kleine endlich offiziell im Melderegister eingetragen wurde. „Jaja… aber diese bescheuerten Ämter“, fluchte Inuyasha, der einiges an Geld ablegen musste, um überhaupt eine Urkunde zu bekommen. Dadurch dass Moroha eine Hausgeburt war und auch keine Dokumente von der Schwangerschaft vorzulegen waren, war es durchaus schwierig gewesen, ihre Existenz zu erklären, vor allem weil er Kagome komplett aus der Sache herausgehalten hatte. „Du hast wirklich Mutter unbekannt eintragen lassen?“, stand Rin wenige Sekunden später der Mund offen. „Was hätte ich den tun sollen?“, zuckte Inuyasha mit den Schultern. Immerhin hätte er auch einige Dokumente von Kagome benötigt und wäre vielleicht doch nach außen gedrungen, dass er eine Tochter von einer fünfzehnjährigen hatte, von der auch seine Familie nichts wusste.
„Zumindest ihren Namen angeben“, schüttele Rin den Kopf. „Tja… jetzt steht es so in den Papieren und ich finde das gar nicht so schlimm“, schnappte sich Inuyasha die Dokumente wieder. „Ich muss nochmal ins Haus. Moroha werde ich mitnehmen“, verkündet er, der nur noch ein paar neue Klamotten für sich und die Kleine holen wollte. Durch seinen vorübergehenden Einzug lief sein Leben um einiges runder. Seine Mutter kümmerte sich rührend um ihre Enkelin, auch wenn sie anfangs nicht ganz so angetan von dieser war und ebenso schien Rin einen Narren an Moroha gefressen zu haben. Beinahe jedes Wochenende verbrachten sie und Sesshomaru in der Wohnung seiner Eltern und halfen, wo sie nur konnten. Diese Hilfe würde er auch bald benötigen, in wenigen Wochen startete ihre Tour durch Japan, sofern er wirklich an dieser teilnehmen würde. Die ganze Situation stresste den jungen Vater enorm. Er hasste Streit und wollte diesem am liebsten aus dem Weg gehen.
Doch wirklich eine Idee, wie diese ganze Miesere geklärt werden konnte, hatte er immer noch nicht gefunden, besonders weil nicht nur er dazu bereit sein musste, über seinen Schatten zu springen.
Gekonnt parkte Inuyasha in die Parklücke in der Garage und stieg aus dem roten Audi aus. Moroha hatte er mit ein paar gekonnten Griffen aus dem Auto geholt. Langsam, aber sicher wurde er immer schneller in der Ausführung mancher Tätigkeiten. „Auch mal wieder da?“, hörte er und ein Seufzen drang aus seiner Kehle. Mit Koga hatte er wirklich nicht zusammenstoßen wollen. Daher lief er einfach mit seiner Tochter im Arm an seinem Freund vorbei. „Keine Sorge… wir bleiben nicht lange“, versuchte er ihm seine Angst zu nehmen. Eigentlich hatte er doch nur vor ein paar Sachen für sie beide zu holen. „Dann solltest du dir etwas mehr Zeit nehmen. Die anderen und ich hätten gerne ein Gespräch mit dir.“ Misstrauisch beäugte Inuyasha seinen eigentlichen Kumpel. Seit Tagen hatten die beiden kaum ein Wort miteinander gesprochen, meist nur gestritten. Das ausgerechnet er ihn um ein Gespräch bat, war wirklich seltsam. „Wenn du meinst“, seufzte er deshalb.
Immerhin schienen seine Freunde einen Schritt auf ihn zuzumachen. Zumindest wollte er sich an hören, was seine Freunde zu sagen hatten. Gemeinsam machten sich die beiden Männer auf den Weg in das Wohnzimmer. Shippo und Miroku warteten schon in diesem auf ihn. Inuyasha setzte sich den beiden Männern gegenüber, platzierte Moroha so auf seinem Schoß, dass sie wenigstens etwas herumschauen konnte. „Was wollt ihr?“, wollte er schnell das Gespräch beginnen. Schließlich war es bereits abends und er musste wieder zu seinen Eltern fahren. „Wir sind der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann. In ein paar Tagen beginnt unsere Japantour. Der Streit muss ein für alle Mal geklärt werden“, versuchte Miroku die Situation zu erklären, auch ihm schien es langsam zu bunt zu werden. „Welchen Streit? Dass der Typ da verlang, dass ich Kagome die Kleine bringe und damit ihre Zukunft zerstöre? Oder dass ich sie doch besser gleich ins Heim abschiebe?“, wollte Inuyasha seinen Unmut kundtun. Genau deswegen hatte es unheimlich zwischen ihnen geknallt.
„Wir können dich ja verstehen. Aber ein Kind passt nun mal nicht in unsere Welt. Nicht so wie wir sie führen“, versuchte Miroku an ihn zu appellieren. „Du bist also genau der gleichen Meinung?“, hakte Inuyasha völlig entsetzt nach. Wenigstens von Miroku hätte er gedacht, dass er Moroha ebenfalls in sein Herz geschlossen hatte. „Nein. Ich sage nur, dass du es nicht leicht haben wirst.“ Doch für Inuyasha hatte sich das ganz anders angehört. „Ihr wollte es einfach nicht verstehen. Moroha ist meine Tochter… mein Fleisch und Blut. Ich werde sie niemals im Stich lassen oder weggeben. Ich wollte nie Kinder… dachte sowas braucht man nicht, um glücklich zu sein. Doch wenn ich jetzt in ihr kleines Gesicht schaue und wie sie mich ansieht… kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, wie ich ohne sie leben kann“, entgegnete er und betrachtete lächelnd Moroha, die zufrieden mit ihren kleinen Händchen seinen Finger umgriffen hatte.
Noch vor fünf Wochen hätte Inuyasha ohne mit der Wimper zu zucken nein auf die Frage, ob er Kinder wollte, gesagt. Doch nun wo er Vater war, hatte sich alles komplett geändert. Selbst weitere Kinder wollte er jetzt nicht mehr ausschließen, wenn er die richtige Partnerin an seiner Seite hätte. Denn mit Kikyo würde er niemals glücklich werden. Das hatte er mittlerweile verstanden. „Das glauben wir dir. Und auch wir haben gemerkt, dass ein Kind die Sichtweise komplett ändern kann. Moroha hat uns einiges an Nerven gekostet und vermutlich sind wir auch um Jahre gealtert… aber auch wir vermissen sie unheimlich“, gestand Miroku kleinlaut. Inuyasha ließ seinen Blick durch die kleine Runde wandern. „Was wollt ihr mir damit sagen?“, wollte er misstrauisch wissen. „Dass du wieder hier einziehen sollst. Wir kriegen die Kleine schon groß… nicht perfekt, aber wir bekommen das zusammen schon hin“, überraschte ihn ausgerechnet Kogas Aussage.
„Wir haben einen Plan erstellt. So bekommt jeder von uns genügend Schlaf und trotzdem kann Moroha immer versorgt werden“, legte Shippo ihm einen ausgearbeiteten Plan vor, in welchen nicht nur die jungen Männer, sondern auch Sango und seine Familie vermerkt waren. „Ihr wollt mir bei der Erziehung helfen?“, wollte Inuyasha sicher gehen, dass er alles verstanden hatte. „Ja. Bei Touren müssen natürlich mehr Leute mitarbeiten. Vielleicht musst du auch Kagome hin und wieder auf sie aufpassen lassen. Aber wenn wir es gut Timen… können wir die Japantour gut über die Bühne bringen. Wir haben nicht jeden Tag Konzerte. Wir müssten viel pendeln und einiges umstrukturieren… aber machbar wäre es.“ Inuyasha war wirklich sprachlos. In den letzten Tagen schienen seine Freunde wirklich über vieles nachgedacht zu haben. „Also was sagst du? Ziehst du endlich wieder ein?“, wollte Miroku wissen. „Was sagst du, Moroha… geben wir den drei Idioten noch eine Chance?“, fragte er grinsend seine kleine Tochter, die einfach nur ein lautes Quietschen von sich gab, welches er einfach als ‘Ja’ deutete.
„Gut. Aber sollte ich merken, dass ihr Moroha nicht gut behandelt… sind wir schneller weg, als ihr schauen könnt“, lächelte Inuyasha, der sich wirklich freute in seinen besten Freunden endlich wieder Unterstützung gefunden zu haben.
„Er ist sooo niedlich“, lächelte Kagome und schaukelte den kleinen Sohn von Yuka. Nachdem diese sich endlich wieder besser fühlte, hatte Kagome ihr kurzerhand einen kleinen Besuch abgestattet. „Du hast auch eine kleine Tochter, die bestimmt genauso niedlich ist.“ Bei Yukas Aussage stockte Kagome leicht. Sie wusste, dass Yuka recht hatte. Doch bis auf ein paar Bilder, die Kagome von Inuyasha bekommen hatte, hatten die beiden keinen weiteren Kontakt zueinander gesucht. „Ich glaube, dass es einfach nicht möglich ist“, seufzte Kagome, die mit Yuka natürlich schon über ihr aufeinandertreffen gesprochen hatte. „Du musst ihm doch nur schreiben oder anrufen“, machte sie ihr Mut, wie schon so oft in den letzten Wochen. „Irgendwann… und du widerholst das Jahr wirklich?“ wechselte Kagome geschickt das Thema. Tat es doch noch immer weh, auch wenn sie ihre Tochter kaum kannte. „Ja... für Shinja ist es einfach besser.“ Yuka nahm ihr den Kleinen ab und strich ihm vorsichtig über den Kopf.
„Du solltest auch nochmal darüber nachdenken. Du bist nicht schlecht, Kagome. Du kannst es zumindest mal versuchen an deine Wunschschule zu kommen. Vielleicht kannst du mit einem neuen Nebenjob auch dafür sorgen, dass mehr Geld zuhause ist“, wollte Yuka ihr helfen. „Ich weiß nicht. Ich würde dann im Laden fehlen“, pflichte Kagome bei, die sich über diese Möglichkeit natürlich ebenfalls den Kopf zerbrochen hatte. „Ganz ehrlich… lass dir deine Zukunft nicht versauen. Dann müssen deine Eltern halt umstrukturieren… aber du könntest deinen Traum leben“, zuckte Yuka mit den Schultern. Doch für Kagome war diese Entscheidung nicht einfach. Sie müsste ihre Eltern vor eine große Herausforderung stellen. Sie würde sie im Stich lassen und noch wusste Kagome nicht, ob sie dies wirklich übers Herz bringen konnte.
Ein schwieriger Schritt!
Ein schwieriger Schritt!
Dick packte Inuyasha Moroha in ihren neuen Anzug ein, den er extra für sie hatte machen lassen. Gemeinsam mit ihr hatte er vor einen kleinen Ausflug zu machen. Nachdem Kagome sich trotz weiterer Bilder nicht bei ihm gemeldet hatte, hatte er vor sie mit Moroha zu besuchen. Natürlich verkleidet und mit etwas Abstand, durfte doch niemand erkennen, wer Kagome da mit einem kleinen Mädchen besuchte. „Willst du jetzt los?“, wollte Koga wissen und besah sich den Anzug, der den Schriftzug ihrer Band trug, genau. „Man kanns auch übertreiben“, schüttelte er daraufhin den Kopf. Nachdem Moroha offiziell zu seiner Familie gehörte, wollte Inuyasha sie auch mehr in die Band integrieren. Mit Fanartikel hatte er sie bereits reichlich ausgestattet und auch ihren Kleiderschrank hatte er dank des Internets und seiner Schwägerin reichlich bestückt.
„Sie gehört nun mal zur Band. Und als Mitglied muss man eben auch passende Kleidung haben“, flötete er förmlich, der Moroha in dem schwarzen Overall einfach nur niedlich fand. „Jaja… sieh zu, dass du mit Kagome sprichst. Auch sie muss mithelfen, wenn wir das nächste Monat überstehen wollen“, schob Koga Inuyasha offensichtlich aus der Tür, als dieser Moroha in den Kinderwagen gepackt hatte und sie ordentlich für den Winter einpackte. „Mach dir mal keine Sorgen. Ich werde mit ihr sprechen und dann wird alles schon seinen Lauf nehmen. Und sobald ich zurück bin… werde ich auch endlich mit Kikyo sprechen“, winkte Inuyasha ab. Am heutigen Tag würde er wohl zwei ernste Gespräche führen müssen. Doch für seine Tochter würde Inuyasha mittlerweile alles tun.
Mit einem Seufzen betrat Kagome den Schulhof. Sie war wirklich erleichtert, dass sie endlich den Schultag hinter sich gebracht hatte und nun das Wochenende vor ihrer Tür stand. „Hast du schon was für das Wochenende geplant?“, wollte Eri von ihr wissen. „Nein. Ich werde meinen Eltern im Laden helfen“, schüttelte Kagome jedoch ihren Kopf. Seitdem sie mitgeteilt bekommen hatte, dass sie nicht auf ihre Wunschschule gehen könnte, hatte sie sich in die Arbeit geflüchtet. Sie übernahm einige Arbeitsstunden und hoffte so, vielleicht doch noch das nötige Geld zusammen zu bekommen. Half Kagome mal nicht in dem Laden ihrer Eltern, versuchte sie so viel wie möglich zu lernen. Denn auch wenn die Chancen gering waren, so hoffte sie immer noch, dass ihre schulischen Leistungen doch noch für ein Stipendium ausreichen würden. „Ich muss jetzt auch los. Wir sehen uns Montag“, verabschiedete sie sich von ihren Freundinnen. „Bis dann“, winkten ihr Eri und Ayumi zu, nachdem Kagome sich einige Schritte von den beiden entfernt hatte.
Seit Tagen fühlte sie sich komisch, wenn sie mit den beiden zusammen war. Fast schon so, als wäre sie außen vor. Sie quatschten beinahe nur noch miteinander. Kagome hatte immer mehr das Gefühl, dass sie keine richtigen Freunde waren. Und wenn sie ehrlich mit sich war… hatte sie diese Annahme schon sehr lange. Eigentlich waren Eri und Ayumi ihre besten Freundinnen und dennoch hatte sie ihnen nicht anvertraut, dass sie Schwanger war, oder wer der Vater von ihrem Kind gewesen war. Vielleicht hatte sie es aus Selbstschutz damals entschieden. Ihre Reaktion auf Yukas Schwangerschaft hatte sie schockiert. Dadurch hatte sie auch aufgezeigt bekommen, dass nicht alle Freundschaften ehrlich waren. Kagome war sich ziemlich sicher, dass ihre Freundschaft irgendwann zerbrechen würde. Wirklich schade fand sie das nicht mehr. In Yuka hatte sie eine echte Freundin gefunden und manchmal war es besser nur wenige Freunde zu haben als hundert Falsche.
Auch wenn Kagome lange für diese Einsicht gebraucht hatte, war sie mittlerweile froh, dass sie diese Lektion bereits gelernt hatte. Denn manche Menschen machten diese Erfahrung nie und sie hatte sie schon in jungen Jahren gemacht.
Aufmerksam beobachtete Inuyasha die Szene vor seinen Augen. Kagome hatte sich soeben von ihren Freundinnen verabschiedet und lief allein in eine Richtung, während die beiden jungen Frauen eine andere einschlugen. Für seinen Plan war dies von Vorteil. Schließlich wollte er ungestört mit der Schülerin sprechen. Tagelang hatte er Sango ausgequetscht, um wenigstens ein paar Informationen zu ihr zu bekommen. Doch mehr als ihre Schule hatte sie nicht verraten. Kagome sollte selbst entscheiden, ob sie ihm mehr erzählen wollte. Wirklich prickelnd hatte er es nicht gefunden. Vor allem, weil er nun fast zwei Stunden in diesem kleinen Café gegenüber der Schule gewartet hatte, bis sie endlich die Schule verlassen hatte. Mit einer schnellen Handbewegung winkte er die Bedienung heran, um möglichst schnell zahlen zu können. Moroha zog er unterdessen bereits an, um schnell verschwinden zu können. Zu seiner Freude klappte alles wie am Schnürchen, sodass er eilig die Verfolgung aufnehmen konnte, um hoffentlich ein vernünftiges Gespräch mit Kagome zu führen.
Kurz blieb Kagome stehen und schaute sich unauffällig um. Sie hatte das Gefühl, verfolgt zu werden. Schon seit ihrer Schule hatte sie dies. Vielleicht bildete sie es sich auch nur ein. Kagome musste durch einen dunklen Park, um nach Hause zu gelangen. Im Winter keine schöne Strecke, wenn man bedachte, dass es kaum beleuchtet war. „Hey.“ Mit einem lauten Schrei zuckte sie zusammen. „Psst. Du weckst Moroha noch auf“, zischte es plötzlich hinter ihr. Bei der Erwähnung des Namens ihrer Tochter runzelte Kagome die Stirn und drehte sich vorsichtig um. Zu ihrer Überraschung blickte sie in zwei goldene Augen, welche ihr sehr, bekannt vorkamen. „Was machst du denn hier?“, konnte sie es sich nicht verkneifen. Immerhin hatte sie nicht mit Inuyasha gerechnet. „Ich dachte, Moroha und ich besuchen dich mal. Leider ist sie vorhin eingeschlafen“, kratzte er sich etwas nervös am Hinterkopf. Und woher weißt du, wo du mich finden kannst?“, wollte sie wissen.
Immerhin hatte sie ihm nie gesagt, welchen Weg sie gehen musste oder wo sie wohnte. „Sango hat mir den Namen deiner Schule verraten und naja… ich habe mich etwas auf die Lauer gelegt. Ich wollte ein paar wichtige Dinge mit dir besprechen.“ Leicht nickend hatte sich Kagome seine Antwort angehört. „Da vorne ist ein Spielplatz mit einer Bank. Wenn du willst, können wir uns da hinsetzen und etwas quatschen“, deutete sie zu dem kleinen Spielplatz. In der Dunkelheit würden sie dort ungestört sein und etwas reden können. „Gern“, lächelte er und schien sich sichtlich zu freuen, dass Kagome zu einem Gespräch bereit war. Doch was genau der junge Mann von ihr wollte, konnte sie sich nicht erklären. schließlich hatten sie schon seit Tagen kein Wort mehr miteinander gewechselt. Doch das Gespräch war ihm so wichtig, dass er extra auf sie gewartet hatte und Kagome wollte sich wirklich anhören, was er mit ihr besprechen wollte.
Noch einmal überprüfte Inuyasha, ob Moroha noch tief und fest schlief, und setzte sich anschließend neben Kagome, die bereits auf der Bank platzgenommen hatte. Sie hatte ihn aufmerksam beobachtet. Er hatte wirklich Herzklopfen bekommen und Sorge, etwas falsch zu machen. Eigentlich völlig unnötig, immerhin hatte Kagome nicht mehr Ahnung von Babys als er selbst. „Du wolltest etwas mit mir besprechen?“, fing sie nach wenigen Sekunden ein Gespräch mit ihm an. Kurz schluckte er. Irgendwie war er unheimlich nervös. „Ja. Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, aber die Band und ich werden in Kürze für ein paar Wochen eine Japantour machen“, erklärte er und spielte nervös mit seinen Fingern. Dabei sah er in den Kinderwagen in dem Moroha friedlich schlief. „Ja“, antwortete sie knapp und irgendwie kühl. „Die meiste Zeit haben wir abgedeckt. Mit ein bisschen Planung schaffen wir es sogar, ein paar Tage selbst zu übernehmen“, machte er weiter, da er Kagome doch um etwas bitten wollte.
„Die meisten? Hört sich so an, als würde es Lücken geben“, traf Kagome gleich den Nagel auf den Kopf. Schließlich hatten sie stundenweise Probleme Moroha optimal versorgt zu bekommen. „Ein paar ja. Ein paar Tage sind stundenweise keine Personen verfügbar, die auf Moroha aufpassen können.“ Misstrauisch beäugt Kagome ihn. Schien schon im Kopf zu verarbeiten, was er ihr gerade erzählte. „Und jetzt soll ich die Stunden füllen?“, fragte sie direkt nach. Dumm war sie nun wahrlich nicht, doch das hatte er schon lange gewusst. „Vielleicht. Meine Eltern versuchen in Wechselschichten zu arbeiten. Sango nutzt ihre freien Tage und mein Bruder mit seiner Frau versuchen so oft es geht auf Moroha aufzupassen. Doch die Übergangszeiten sind ab und zu ungünstig. Zwei oder drei Stunden müssten hin und wieder anderweitig abgedeckt werden. Wenn möglich mit dir“, gestand er leise, weil er keinen anderen Plan mehr hatte. Sie war seine größte Hoffnung.
„Wie stellst du dir das vor? Soll ich die Schule schwänzen? Meine Schichten schmeißen oder das Lernen vernachlässigen? Inuyasha, ich bin in meinem Abschlussjahr. In ein paar Wochen habe ich meine Vorprüfungen. Wenn ich durch diese Rassel, kann ich meine Wunschoberstufe gleich abhaken. Und das Stipendium ganz. Dabei ist es gerade für mich Mega wichtig.“ Zum Ende hin wirkte Kagome etwas bedrückt, fast schon traurig. „Ich kann dich verstehen. Aber vielleicht ist es ja doch möglich. Meistens wäre es zum späten Nachmittag bis frühen Abend, wenn du willst, könnte ich dich auch dafür bezahlen“, versuchte er nochmal sein Glück. „Du willst mich dafür bezahlen, dass ich auf unsere Tochter aufpasse? Darum geht es mir doch gar nicht. Ich stehe in meinem Leben im Moment an einem wichtigen Wendepunkt. Meine schulischen Leistungen waren noch nie so wichtig wie jetzt. Wenn ich es nicht schaffe allein alles zu lernen, kann ich meinen Traum, Ärztin zu werden, gleich an den Nagel hängen“, erklärte sie sich.
Inuyasha verstand dies sehr gut. Auch er hatte damals viele Nerven verloren, als es um seine Zukunft ging. Doch dann kam alles anders als erhofft. „Besuchst du keine Paukschule?“, runzelte er seine Stirn. Schließlich musste auch er damals zu einer gehen, um bessere Leistungen erbringen zu können. „Würde ich gern. Ist leider nicht drin“, kam es knapp von Kagome. Dieses Thema schien sie schnell abhaken zu wollen. Inuyasha erinnerte sich an das Gespräch von vor einem Jahr. Kagome hatte schon damals erwähnt, dass sie öfter im Laden ihrer Eltern aushalf. Vermutlich konnte sie nicht solch riesengroße Sprünge machen. Nicht jeder in Japan verdiente genug, um seine Träume verwirklichen zu können. Auch er hatte damals nebenher arbeiten müssen, um sich die Paukschule mitfinanzieren zu können. Mittlerweile hatte er keine Geldsorgen mehr. Doch Kagome schien dieses Privileg nicht zu haben. „Ok. Vorschlag. In den Wochen vor deiner Prüfung werde ich und auch meine Freunde mit dir lernen. Wir waren alle in verschiedenen Fächern richtig gut. Mit unserer Hilfe bekommst du die Vorprüfung sicher hin.“
In diesem Punkt war sich Inuyasha sicher. Immerhin hatten Koga, Shippo, Miroku und er sehr gute Noten gehabt. Gemeinsam würden sie bestimmt einiges erreichen können. „Das würdest du beziehungsweise ihr machen?“, hinterfragte sie das eben Gesagte. „Natürlich. Du bist die Mutter meiner Tochter. Ich werde dir helfen, wo ich nur kann. Und ein bisschen lernen sollten wir doch alle mal schaffen. Du bist nicht dumm… und ich nicht der schlechteste Lehrer“, grinste Inuyasha stolz. Zumindest hoffte er, dass er Kagome einigermaßen gut helfen konnte. „Du müsstest uns jedoch auch etwas helfen. Es werden wirklich nicht viele Tage sein. Aber es wäre toll, wenn du uns helfen könntest.“ Klar würde er ihr auch helfen, wenn sie nicht zustimmen würde. Dennoch musste er sie in ein Boot bekommen, wenn er Moroha vernünftig versorgt wissen wollte. „Schreib mir heute Abend die Termine. Ich werde sehen, was ich machen kann und dir sofort Bescheid geben, was möglich ist.“
Über diese Worte freute sich Inuyasha sehr. Natürlich war es keine direkte Zusage, doch Kagome war nicht abgeneigt und das war schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Ich muss jetzt leider auch los“, meinte sie und stand im nächsten Moment auf. Inuyasha fand es schade, nicht noch mehr Zeit mit ihr verbringen zu können, doch er war schon froh, dass sie ihm wenigstens etwas zugehört hatte. „Ich melde mich. Bis dann“, verabschiedete sie sich knapp mit einer Handbewegung. Moroha hatte die ganze Unterhaltung friedlich geschlafen. Demnach hatte Kagome nicht mal die Chance bekommen, sie einmal zu halten, aber vielleicht würde sie diese ja bald öfter bekommen und das würde sicher nicht nur Moroha freuen.
Ein Problem jagt das Nächste!
Ein Problem jagt das Nächste!
Zufrieden öffnete Inuyasha die Haustür. Das Treffen mit Kagome war wirklich besser verlaufen, als er es sich gewünscht hatte. Zwar waren noch einige Sachen zwischen ihnen zu klären und Kagome hatte ihm auch einiges zum Nachdenken gegeben, dennoch war er zufrieden mit dem Ende. „Und wie ist es gelaufen?“, streckten sofort seine drei Bandkollegen ihre Köpfe aus dem Wohnzimmer, nachdem sie wohl die Haustür gehört hatten. „Gut… zumindest will sie sehen, was sich machen lässt und ist nicht abgeneigt“, berichtet er mit einem Lächeln. „Jetzt musst du nur noch das Gespräch mit Kikyo suchen“, seufzte Miroku. Damit hatte sein bester Freund durchaus recht. Inuyasha wollte die Beziehung offiziell beenden. Das Gespräch mit Kikyo machte ihm beinahe mehr Sorgen als das mit Kagome. „Lustig wird das bestimmt nicht“, schlussfolgerte Shippo ganz richtig. Inuyasha war sich ziemlich sicher, dass Kikyo nicht grade begeistert sein würde. Schon allein der öffentliche Auftritt hatte für einiges Aufsehen gesorgt und sie war ziemlich erzürnt gewesen.
Die Nachrichten, die sie ihm jedoch geschrieben hatte, hatte er gekonnt ignoriert. Ihre Auslandsbuchung hatte dafür gesorgt, dass Kikyo nicht in Japan war. Doch seine Schonfrist war vorbei. Kikyo würde noch heute Nacht in Tokio landen. Und Inuyasha musste sich unweigerlich einem weiteren ernsten Gespräch stellen. Wie er dies gestalten wollte, wusste er noch nicht. Er würde wohl oder übel auf Kikyos Reaktion reagieren müssen und dass diese nicht sonderlich gut aussehen würde, wusste er schon anhand ihrer Nachrichten. Doch noch hatte er etwas Zeit und würde sich gut überlegen, was er zu sagen hatte und schließlich die Beziehung beenden, egal was Kikyo machen würde.
Nervös spielte Kagome mit ihren Fingernägeln. Nach dem Gespräch mit Inuyasha war sie ziemlich aufgewühlt. Auch mit ihren Eltern musste sie noch sprechen. Die passende Gelegenheit bot sich ihr in diesem Moment. Ihr kleiner Bruder Sota war soeben vom Esstisch aufgestanden, um in seinem Zimmer zu spielen. Kagome konnte nun ihr Vorhaben ansprechen. „Mama... Papa kann ich euch um einen Gefallen bitten?“, fing sie etwas angespannt das Gespräch an. „Natürlich. Du kannst doch immer mit uns sprechen“, lächelte ihre Mutter freundlich. Kagome leckte sich über ihre trockenen Lippen. „Ich würde gerne ein paar Schichten im Laden ändern“, bat sie ihre Eltern. Inuyasha hatte ihr bereits die fehlenden Stunden geschickt. Leider kollidierten ein paar ihrer geplanten Schichten genau mit diesen Zeiten. Wenn sie ihn unterstützen wollte, musste sie diese irgendwie geändert bekommen. „Ähm... natürlich können wir die Pläne noch ändern. Aber wozu willst du das denn?“, kam es ziemlich perplex von ihrem Vater. Ebenso hatte ihre Mutter ihre Stirn in Falten gelegt.
„In der Schule wurde ein Babysitteraushang aufgehangen. Ich habe mich dort beworben und würde die paar Stunden bekommen. Nur leider fallen sie manchmal auf meine Schichten“, reimte Kagome sich schnell etwas zusammen, um die Wahrheit nicht aussprechen zu müssen. „Du willst Babysitten?“, kamen diese Worte fast schon schockiert von ihrer Mutter. „Ja? Ich dachte so könnte ich mir noch etwas dazuverdienen“, runzelte Kagome nun verwirrt die Stirn. Natürlich würde sie kein Geld von Inuyasha annehmen. Immerhin würde sie auf ihre eigene Tochter aufpassen. Etwas das Erwachsene beinahe täglich taten, wenn sie ein Kind bekamen. „Du hast doch kaum Erfahrung und wie kommt das denn so plötzlich.“ Kurz verengte Kagome ihre Augen. Sie hatte oft genug auf ihren kleinen Bruder aufgepasst. Völlig unbekannt war es ihr also nicht mit einem Kind umzugehen, auch wenn sie recht jung war. „Ich habe schon länger überlegt, mir noch einen Nebenjob zu suchen. Und so unerfahren bin ich nun nicht. Es ist meine Chance mir etwas Geld zu ersparen und mir vielleicht doch noch meinen Traum erfüllen zu können“, stellte sie etwas auf stur und verschreckte ihre Arme vor der Brust.
„Ich dachte, das hätten wir schon geklärt, Kagome“, schüttelte ihr Vater seinen Kopf. Doch für Kagome war es noch nicht geklärt. Sie wollte ihren Traum nicht einfach aufgeben. „Wenn du das wirklich machen möchtest, Kagome, werden wir natürlich schauen, dass es möglich ist. Dennoch möchte ich, dass du die Schule nicht vernachlässigst. Sollten deine Leistungen schlechter werden, wirst du den Job sofort an den Nagel hängen. Einverstanden?“ Tief atmete Kagome durch, nachdem ihre Mutter ihr diesen Vorschlag gemacht hatte. Ihr Vater schien unterdessen schockiert über die Worte ihrer Mutter zu sein. „Klar“, nickte Kagome und würde ihren Eltern einfach beweisen, dass sie alles unter einen Hut bekommen konnte, auch wenn es nicht ganz so einfach sein würde.
„Aufstehen!“ Erschrocken fuhr Inuyasha aus seinem Schlaf hoch und schaute sich verwirrt im helllichten Zimmer um. Moroha schien den plötzlichen Lärm ebenfalls nicht gut zu finden und fing wenige Sekunden später an laut zu schreien. „Bist du wahnsinnig?“, fluchte er sofort wütend und sprang aus seinem Bett, um zum Bett seiner kleinen Tochter zu laufen. „Shht… ich bin ja da“, nahm er sie gleich hoch und schaukelte sie etwas in seinen Armen, um sie etwas zu beruhigen. „Oh bitte. Macht ihr immer noch auf Väter? Sucht doch endlich mal die Mutter und schafft das schreiende Ding weg“, machte Kikyo ihrem Ärger weiter Luft. „Dieses Ding, wie du es nennst, hat einen Namen. Sie heißt Moroha und wie du unschwer erkennen kannst, kümmern wir uns sehr gut um sie“, stellte Inuyasha wütend klar. Immerhin sprach sie hier über seine Tochter und nicht von einem Stück Holz. „Fein. Kannst du mir mal erklären, was dieses Interview sein sollte?“ Weit rissen sich Inuyashas Augen auf. Es war mitten in der Nacht und Kikyo hatte keine anderen Sorgen?
„Sag mal… weißt du eigentlich, wie spät es gerade ist?! Moroha hat schon längst geschlafen. Und überhaupt… wie bist du hier reingekommen?“, wollte Inuyasha empört wissen. Immerhin hatte Kikyo nie einen Schlüssel zu ihrem Haus besessen und auch am Tor hatte sie keine Chance hineinzukommen. „Koga, hat mir dir Tür geöffnet“, kam es fast schon triumphierend von ihr. „Wenn ich gewusst hätte, was du vor hast… hätte ich sie dir nie aufgemacht“, kam dieser wenige Sekunden später mit grimmigem Gesichtsausdruck in Inuyashas Zimmer. „Ich nehme sie mit“, lief er schnurstracks auf Inuyasha zu und nahm ihm Moroha ab. „Klärt das zwischen euch“, forderte Koga dennoch. Das musste er Inuyasha jedoch nicht sagen, er hätte ohnehin das Gespräch mit Kikyo gesucht. Dass es nun schon doch so früh sein würde, konnte er nicht ahnen. „Also was sollte das?“, fordert Kikyo abermals eine Erklärung, nachdem Koga und Moroha das Zimmer verlassen hatten. „Was hat das wohl zu bedeuten, Kikyo?“, verschränkte Inuyasha abwehrend seine Arme.
Immerhin war ihre Beziehung schon einige Monate schwierig. „Willst du mich verarschen? Weißt du, was das in der Presse für ein Theater gegeben hat?“, schrie sie ihn an. Doch das ignorierte Inuyasha gekonnt. „Jede Schlagzeile ist doch für dich eine Gute. Immerhin reden die Leute so über dich“, stellte er klar. Schließlich hatte Kikyo noch nie eine Schlagzeile ausgelassen. „Wir hatten eine Abmachung“, knurrte sie förmlich. „Falsch. Du, dein Management und Totosai“, lächelte Inuyasha, der diesem Schmierentheater noch nie wirklich zugestimmt hatte. „Seit dieses Blag da ist, bist du völlig durchgeknallt“, deute sie mit einer abwertenden Handbewegung auf die Tür durch die Moroha vor wenigen Augenblicklichen verschwunden war. „Dieses Blag, wie du sie nennst, hat mir einfach nur die Augen geöffnet, was wirklich wichtig ist und was ich in Zukunft ändern muss, um wirklich glücklich zu werden“, verteidigt Inuyasha seinen Auftritt. Denn erst Moroha hatte ihn dazu gebracht, sein Leben zu überdenken und diese Entscheidung zu treffen.
„Ist das dein Ernst? Willst du mir so etwa sagen, dass das Blag von dir ist?“ Scheinbar hatte Kikyo seine Worte sehr genau analysiert. Inuyasha blieb stumm, wollte Kikyo darauf keine Antwort geben. „Oh Gott. Monate lang hast du mir Vorwürfe gemacht und warst distanziert. Beim Versuch mit mir zu schlafen, hast du förmlich die Flucht ergriffen und dabei warst du selbst nicht treu“, schüttelte sie verächtlich den Kopf. „Ich habe einen Fehler gemacht. Habe einmal mit jemanden geschlafen und letztendlich gemerkt, dass es so anders war als mit dir. Moroha hat mir nur dabei geholfen zu verstehen, dass du nicht die richtige Frau in meinem Leben bist. Du und ich das war doch schon lange nichts mehr. Oder glaubst du wirklich, dass ich so doof bin und nicht bemerkt habe, dass du nach wie vor mit Naraku ins Bett steigst?“, platze es nun dennoch aus ihm heraus. Die Wut in ihm stieg immer mehr an. Nach wie vor verletzte ihn Kikyos Verhalten. Er hatte sie einmal so sehr geliebt und sie hatte ihn so sehr enttäuscht.
„Fein. Mach doch, was du willst. Auf so ein dummes Blag hätte ich ohnehin keine Lust. Aber eins sage ich dir noch. Du wirst bereuen, mich so bloss gestellt zu haben.“ Kikyos Augen zeigten bei diesen Worten so viel Hass, ehe sie auf dem Absatz kehrt machte und mit einem lauten Knall sein Zimmer verließ. Seufzend setzte sich Inuyasha auf sein Bett und schloss für einen Augenblick seine Augen. Er hatte die Beziehung beendet und doch fühlte er sich nicht wie erhofft erleichtert. Irgendwie hatte er so ein schweres Gefühl auf der Brust. Es war sein Wunsch gewesen, die Beziehung zu beenden und dennoch fühlte er sich im Moment ziemlich ratlos, hatte er doch Angst, dass Kikyo ihre Drohung wahr machen würde und ihm noch Probleme bereiten könnte.
Gähnend lief Inuyasha die Treppen zu seinen Eltern empor und hatte sich am heutigen Vormittag vorgenommen, mit ihnen über die neusten Ereignisse zu sprechen. „Morgen“, kam es eher schlapp über seine Lippen. Kein Wunder, da er doch kein Auge mehr zugemacht hatte, nachdem Kiyko ihm diese Szene gemacht hatte. „Hat Moroha dich die Nacht nicht schlafen lassen? Du siehst furchtbar aus“, grinste sein Vater ihm entgegen, nachdem er sich seiner Kleidung entledigt hatte und auch Moroah ausgezogen war. „Wenn es nur Moroha gewesen wäre“, schüttelte Inuyasha seinen Kopf. Er nahm am Esstisch Platz, an welchem schon seine ganze Familie versammelt war. Seiner Mutter sah er dabei zu, wie sie ihm eine große Tasse schwarzen Kaffee eingoss. „Was hat dich denn deinen Schlaf gekostet?“, wollte sein Bruder neugierig wissen. „Ich habe mich von Kikyo getrennt.“ Überrascht sahen seine Eltern ihn an. Von der jungen Frau hatte Inuyasha schon Ewig nicht mehr gesprochen, vermutlich hatten sie gedacht, dass er diesen Schritt schon lange gegangen war.
„Das war doch ohnehin schon überfällig“, klopfte ihm sein Bruder auf die Schulter. Sesshomaru konnte seine Freude nicht verbergen, anders als Inuyasha, der nach wie vor ein ungutes Gefühl hatte. „Ja, ich weiß. Doch nun weiß sie, dass Moroha meine Tochter ist, und ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht noch zum Paukenschlag ausholen wird“, gab Inuyasha sofort seine Angst zu. „Kikyo ist wirklich viel zuzutrauen. Hoffen wir mal, dass sie ruhig bleibt“, schien auch Rin unsicher zu sein. „Hoffen wir mal. Ich hab aber auch noch gute Nachrichten. Kagome übernimmt die fehlenden Stunden. Sie wird also auf Moroha aufpassen“, wollte Inuyasha das Thema wechseln. Immerhin hatte er sich schon die ganze Nacht mit Kikyo um die Ohren geschlagen. „Oh schön. Wann lernen wir sie kennen?“ Erschrocken starrte Inuyasha seine Mutter an. „Kennenlernen?“, kam es stotternd über seine Lippen. „Natürlich. Sie ist die Mutter meiner Enkelin. Und sie wird in meiner Wohnung auf sie aufpassen. Oder glaubst du, ich lasse eine Fremde hier alleine mit meiner Enkelin“, zog seine Mutter eine Augenbraue hoch.
Schwer schluckte Inuyasha. Er hatte an alles gedacht, nur nicht an die Tatsache, dass seine Eltern sie kennenlernen wollten. „Ich werde sie fragen“, lächelte er verkrampft. Er hatte wirklich gedacht, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte, doch das Leben hatte ihn wieder eines Besseren belehrt.
Unterschiedliche Ansichten!
Unterschiedliche Ansichten!
Schnell tippte Inuyasha eine Nachricht, las sich diese nochmals durch und löschte seine Worte anschließend wieder. Nachdem seine Mutter nicht lockergelassen hatte und immer noch auf ein Treffen mit Kagome plädierte, hatte Inuyasha einiges an Kopfzerbrechen hinter sich. Natürlich war ihm bewusst gewesen, dass sie Kagome kennenlernen würden, schließlich sollte sie zusammen mit ihnen Moroha umsorgen, wenn er nicht mehr in Tokio sein würde. Doch er ging von kurzen unbedenklichen Treffen aus. Ein Essen bei seinen Eltern würde Gefahren bergen. Kagome war nun mal ein Teenager. Klar sah sie nicht mehr kindlich aus, dennoch lagen auch noch Welten zwischen einem Erwachsenen aussehen. Vor allem nach den paar Treffen mit ihr war ihm dies aufgefallen. Vor knapp einem Jahr hatte sie so erwachsen gewirkt. Doch mittlerweile hatte er auch die kindliche Seite an ihr gesehen. Vermutlich würden seine Eltern die Lüge, die Inuyasha ihnen aufgetischt hatte in wenigen Minuten entlarven.
„Was ist denn so schwer daran?“, wollte Miroku wissen, der Inuyasha schon einige Minuten beobachtet hatte. Natürlich hatte er seinen besten Freund sofort um Rat gefragt, nachdem er zusammen mit Moroha nach Hause gekommen war. „Kagome ist eben noch ein Kind. Glaubst du meine Eltern glauben, dass sie bereits zwanzig ist?“, murrte Inuyasha. Immerhin hatte er genau das seinen Eltern weißmachen wollen. „Dann sorg dafür, dass sie es nicht herausfinden“, zuckte Miroku mit der Schulter. Wenn Inuyasha das so leicht hinbekommen würde, würde er sich nicht so einen Kopf zerbrechen. „Sag mir wie und ich versuch es wenigstens“, seufzte er und warf sein Handy auf den Couchtisch. Er hatte ohnehin keine vernünftige Idee, was er Kagome schreiben konnte. „Geh mit ihr Shoppen, sprecht euch ab und schauspielert“, schlug Miroku ihm vor. Genau durch diesen Anstoß bekam Inuyasha eine Idee. Vielleicht würde es wirklich funktionieren, wenn Kagome und er eine vernünftige Absprache treffen würden und sie nur ein bisschen älter aussehen würde.
„Ich glaube, ich muss mal kurz telefonieren“, lächelte Inuyasha und schnappte sich beim Aufstehen sein Telefon. Sogleich lief er in sein Zimmer, da er ganz dringend mit einer jungen Dame sprechen musste, um einen Termin aus zu machen.
Erschrocken zuckte Kagome zusammen und schnappte sich eilig ihr Handy, nachdem dieses fordernd zu kingeln begonnen hatte. „Entschuldigung“, kam es von ihr an ihre Mutter gewandt, der sie mit ihrer ruckartigen Bewegung einen Schrecken eingejagt hatte. „Ich muss da kurz rangehen“, winkte sie mit ihrem Handy. Kagome hoffte wirklich, dass ihre Mutter nicht den Anrufer gesehen hatte. „Hallo?“, nahm sie deshalb erst ab, als sie weit genug von ihr entfernt war. „Hey. Hast du eine Minute?“ Kurz lugte Kagome zu ihrer Mutter. Immer noch lagen ihre Augen auf ihr. „Nur kurz“, sagte sie deshalb. „Hast du nächsten Samstag schon was vor?“, wollte er anscheinend wissen. „Ähm… vormittags helfe ich meinen Eltern. Sonst nichts wieso?“, fragte Kagome nach. „Perfekt. Dann hast du jetzt etwas vor. Halt dir also den Nachmittag und den Abend frei“, flöte Inuyasha fröhlich. Kagome war über seine Aussage ziemlich verwirrt. „Ok. Sagst du mir auch noch, was ich vorhabe?“, wollte sie dennoch erfahren.
Immerhin hatte sie noch nie mit Inuyasha telefoniert und schon gar nicht ein Treffen vereinbart. „Lass dich überraschen. Du sagst mir, wo ich dich abholen soll, gerne auch per SMS... der Rest bleibt erstmal mein Geheimnis.“ Tief atmete Kagome durch. Sie hasste Überraschungen, vor allem wenn sie keine Anhaltspunkte erhielt. „Einverstanden. Wenn es mir nicht gefällt… bringst du mich aber wieder nach Hause“, fordert sie dennoch. Immerhin war sie nicht sicher, ob ihr diese Überraschung gefallen würde und was sie davon halten sollte. „Natürlich. Ich freu mich und Moroha natürlich auch. Bis dann“, verabschiedet sich Inuyasha von ihr und legte kurz darauf auf. Kurz blickte sie auf ihr Handy, bevor sie zu ihrer Mutter zurück lief. „War es wichtig?“, wollte diese interessiert wissen. „Ja. Nächsten Samstag soll ich das Mädchen und ihre Familie kennenlernen. Ich werde also erst abends nach Hause kommen“, log Kagome ihre Mutter an. Schließlich würde sie den ganzen Nachmittag abdecken müssen und eine bessere Ausrede hatte sie einfach nicht parat.
„Du scheinst es wirklich ernst zu meinen. Dann hoffen wir mal, dass die Kleine ein pflegeleichtes Kind ist und du dich gut mit ihr verstehst.“ Kagome hörte an der Stimme ihrer Mutter, dass sie noch immer nicht vollkommen überzeugt war. Doch Kagome war vollkommen davon überzeugt, es schaffen zu können, denn sie hatte schon einiges an Erfahrung. „Ich freue mich schon darauf“, kam es mit einem Lächeln von Kagome. Und diese Worte meinte sie sogar ehrlich, da sie so Zeit mit ihrer Tochter verbringen können würde.
Kurz sah Inuyasha auf sein Handy und überprüfte nochmal die Uhrzeit. Kagome hatte ihm am Vorabend die genaue Adresse geschickt und die Uhrzeit. Doch schon am späten Vormittag hatte sie ihn um eine Stunde Aufschub gebeten. Damit würde zwar seine Zeit etwas begrenzter, dennoch war Inuyasha zuversichtlich alles zeitlich hinzubekommen. Er hatte eine Idee schon im Kopf, wo er mit Kagome hin wollte. Erst in eine Boutique, danach zum Friseur und anschließend zu seinen Eltern. Kagome sollte etwas älter aussehen. In der Zwischenzeit würde er mit ihr einige Details besprechen, sich eine gute Geschichte ausdenken und hoffentlich mit seiner Lüge durchkommen. Kurz checkte er nochmals seine Handyuhr. Kagome war spät dran. Hoffentlich würden sie alles hinbekommen.
„Ich bin dann mal weg“, rief Kagome eilig, nachdem sie ihre Sachen gepackt hatte. Durch die kleine Verzögerung am Morgen war sie spät dran. Sie hatte noch alles fertig für den Wochenstart vorbereiten müssen. Leider hatte sie länger gebraucht als beabsichtigt. Sie war einfach unendlich müde gewesen, weil sie die Nacht kaum geschlafen hatte. Viel zu viel hatte sie sich Gedanken gemacht. Inuyasha sprach immer noch geheimnisvoll und das sorgte Kagome wirklich. „Hab viel Spaß“, verabschiedete sich ihre Mutter, die sie zuvor abgelöst hatte. Um keine Zeit zu verlieren hatte Kagome Inuyasha die Adresse von dem Laden ihres Vaters genannt. In einiger Entfernung entdeckte sie nach einigen Sekunden den Wagen des Sängers. Schnellen Schrittes lief sie daher auf diesen zu. „Hallo. Tut mir leid für die Verspätung“, entschuldige sie sich, nachdem sie auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. „Kein Problem. Noch haben wir genügend Zeit“, frohlockte Inuyasha und fädelte sich fließend in den Tokioer Straßenverkehr ein.
„Verrätst du mir nun, was du am heutigen Tag geplant hast?“, wollte sie nun endlich in Erfahrung bringen, was er als Überraschung geplant hatte. „Wir gehen Shoppen. Und heute Abend schön und gut essen.“ Sprachlos starrte Kagome Inuyasha an. „Ok hör zu. Meine Eltern wollen dich unbedingt kennenlernen. Ich habe nur Angst, dass sie erfahren, wie alt du wirklich bist. Deshalb dachte ich, wir besorgen dir ein paar neue Klamotten, lassen dich richtig schminken und schauspielern so gut wir können“, machte er weiter. Kagome schluckte unterdessen schwer. „Und das soll klappen?“, kamen zweifelnd diese Worte über ihre Lippen. „Zumindest müssen wir es versuchen. Bereit eine Geschichte zu erfinden?“, lächelte er zaghaft. Schien wohl auch nicht ganz sicher, ob sie überzeugend sein würden. Doch Kagome hatte keine Wahl. Sie wollte Inuyasha keine Probleme machen und obwohl sie ziemlich überrumpelt wurde, irgendwann hätte sie ohnehin seine Familie kennenlernen müssen und nun war es eben früher so weit als erwartet.
„Ist das dein Ernst?“, kam es ungläubig von Kagome, nachdem er außerhalb der Stadt vor einer noblen Boutique angehalten hatte. „Hier bekommt man wirklich tolle Sachen. Und man bracht nicht hunderte von Geschäften“, antwortete er. Zumal sie hier ziemlich ungestört waren. Die Boutique war für Diskretion bekannt, viele Personen des öffentlichen Lebens waren dort einkaufen. Inuyasha musste sich nicht ganz so verstecken, auch wenn er weiterhin seinen Hoodie tragen würde und die Kapuze auf hatte. „Das vielleicht nicht… dafür aber ein kleines Vermögen, dass ICH leider nicht habe“, stellte sie unmissverständlich klar. Inuyasha war sich dieser Tatsache mehr als bewusst. Doch er hatte auch nicht vor, dass sie sich die Kleidung selbst kaufen müsste. Er wollte ihr die Kleidung schenken. „Darüber musst du dir im Moment keine Gedanken machen. Wir schauen einfach, ob etwas für dich dabei ist, und dann werden wir schon sehen, was wir daraus machen“, versuchte er sie dennoch etwas zu begeistern.
Wirklich zu gelingen, schien ihm das nicht. Kagomes Gesichtsausdruck war trotzdem grimmig. Inuyasha hoffte wirklich, dass sich ihre Laune bessern würde. Immerhin hatten sie noch so einige Termine, die sie noch einhalten sollten. „Lass uns wenigstens einmal reinschauen?“, bat er sie. Mit einem Seufzen schien sie sich geschlagen zu geben. „Wenn wir nichts finden… Gehen wir in einen anderen Laden.“ Nickend akzeptierte Inuyasha Kagomes Bediengung, auch wenn er sich ziemlich sicher war, dass sie durchaus etwas Schönes finden würde. Langsam lief sie durch die einzelnen Reihen, dicht gefolgt von Inuyasha, der Moroha in einem Kinderwagen vor sich herschob. „Und gefällt dir etwas?“, fragte dieser nach wenigen Minuten. Kagome sah sich die Kleidungsstücke genau an. Sie waren schön, doch ein Blick auf die Preisschilder ließ diesen Gedanken gleich wieder vergehen. „Nein“, sagte sie deshalb. Es war einfach zu teuer. „Kann ich ihnen helfen?“, kam zu ihrem Unmut nun noch eine Verkäuferin mit einem Lächeln auf sie zu. „Ja bitte. Würden sie uns ein paar schöne Sachen für die junge Dame hier zusammenstellen? Es darf ruhig modern und aufregend sein.“
Kagomes bösen Blick ignorierte Inuyasha einfach und auch die Verkäuferin schien nur auf ihn zu achten. „Was soll das? Du wolltest mit mir doch in einen anderen Laden“, flüsterte Kagome ihm mürrisch zu. „Probiere es doch wenigstens mal. Kagome bitte, der Tag ist verdammt wichtig für mich“, bat er sie abermals. Kagome wusste natürlich, dass sie einen guten Eindruck hinterlassen musste. Doch so teure Kleidung war nun mal nicht ihr Fall. Sie fühlte sich in dieser Boutique einfach unwohl. „Ein Outfit. Und danach gehen wir bitte“, stimmt sie schließt zu. Sie würde ihm zugestehen, ein Outfit an ihr zu sehen, und anschließend würden sie in ein anderes Geschäft fahren, denn auch wenn es hier schöne Klamotten gab, würde sich Kagome hier niemals etwas kaufen.
Still schaute Inuyasha auf Kagome. Doch wirklich gefallen, was er da sah, tat ihm nicht. Kagome hatte sich wirklich hinreißen lassen drei Outfits der angagierten Verkäuferin angezogen. Im Moment befand sie sich in einer brauen leichten Hosen. Das Oberteil war ebenfalls Braun hatte jedoch schwarze Blumenapplikationen. Komplimentiert wurde das Outfit noch mit schwarzen Boots und einer Brauen Tasche. „Es ist wirklich schön. Aber ich denke auch dieses Outfit ist nicht so ganz passend für dich ist“, beurteilte Inuyasha das Outfit kritisch. Alles sah wirklich ok aus an Kagome. Das Outfit fand er sogar am besten. Doch er sah Kagome an, dass sie sich nicht wohlfühlte und genau das musste sie, wenn sie überzeugend sein wollten. „Soll ich ihnen noch ein Outfit bringen?“
Kurz tauschten Kagome und er einen Blick aus. „Nein danke. Wir werden uns wohl woanders umschauen“, gab er sich geschlagen. Kagome hatte gewonnen und das sah er ebenso an ihrem breiten Grinsen. „Zieh dich um und wir schauen weiter“, richtete Inuyasha das Wort an Kagome. Diese folgte der Anweisung nur wenige Sekunden später. Sie schien es wirklich eilig zu haben. Inuyasha war dies nur Recht, schließlich lief ihm langsam die Zeit davon und auch der Friseur würde nicht auf sich warten lassen.
„Hier willst du also schauen?“, fragte er mit großen Augen. Fast so sprachlos wie Kagome vor einiger Zeit vor der teuren Boutique stand, geschah er sie nun, als sie vor einem einfachen Geschäft standen. „Natürlich. Hier kaufe ich immer meine Klamotten. Und Schuhe und Taschen gibt es hier auch. Also müssten wir in kein neues Geschäft“, flötete Kagome fröhlich. Immerhin hatte sie ihren Willen durchgesetzt. Zum Glück gab es in der Nähe der Boutique ein Einkaufszentrum, in welchem sich das Geschäft befunden hatte. „Na dann beeilen wir uns“, seufzte er. Scheinbar hatte er wenig Hoffnung etwas passendes zu finden. Kagome wusste, dass er sie älter aussehen lassen wollte. Hier würden sie bestimmt fündig werden. Fröhlich lief sie daher in den Laden und steuerte eine ganz bestimmte Abteilung an. Zielstrebig lief sie auf einen Kleidungsständer zu. Überflog mit ihren Augen kurz das Angebot. Kagome hatte sich genaue Gedanken gemacht, was sie haben wollte.
Ihrer Meinung nach war dies auch total passend für Inuyashas Vorhaben und vor allem leistbar für sie. Auch wenn sie eigentlich kein Geld dafür ausgeben wollte. „Soll ich mal ein paar Sachen raussuchen?“, fragte Inuyasha nach und schaute sich schon mal in dem kleinen Laden um. „Nein, nicht nötig. Ich habe alles, was ich brauche bereits gefunden“, winkte Kagome ab. Schnell schnappte sie sich noch Stiefel und eine schwarze Umhängetasche. „Ich gehe mich nur schnell umziehen“, lächelte sie. In der Umkleide zog sie sich ihre Kleidungsstücke an. Kurz überprüfte sie Ihr Erscheinungsbild und fad es wirklich gut, sogar um einiges besser als noch in der Boutique. Dort wirkte alles wie verkleidet. Jetzt fühlte Kagome sich wohl und vielleicht würde sie auch Inuyasha damit überzeugen.
„Na was denkst du, Moroha?“, fragte Inuyasha seine kleine Tochter, nachdem er diese aus dem Kinderwagen genommen hatte und darauf wartete, dass Kagome endlich aus der Kabine kam. Inuyasha war schon Ewigkeiten nicht mehr in einem normalen Laden gewesen. Hatte sich die letzten Jahre immer wieder in teuren Boutiquen beraten lassen. Früher war er ebenfalls oft Kunde in solchen Läden gewesen. Damals fand er die Sachen spitze und auch heute musste er zugeben, dass ihm einige der Stücke wirklich gefielen. „Da bin ich wieder.“ Kurz zuckte Inuyasha zusammen, da er beim Umsehen überhaupt nicht mitbekommen hatte, dass Kagome bereits hier war. „Wie findest du es?“, lächelte Kagome ihm fröhlich entgegen. Inuyasha musste wirklich zugeben, dass sie gut aussah. Sie hatte sich eine dunkelblaue Hose mit Rissen angezogen. Dazu einen hellbraunen Pullover und braune Stiefel mit Absätzen kombiniert. Die schwarze Tasche und eine Mütze rundeten das Erscheinungsbild ab. Der Pullover zeigte etwas haut an ihrem Bauch und er musste wirklich einräumen, dass sie unheimlich gut aussah.
„Von allem, was du bis jetzt anhattest, wirklich das Beste“, gab er widerwillig zu. Auch wenn er von der Idee nichts gehalten hatte, hatte sie ihm bewiesen, dass es wohl die bessere Entscheidung war. „Komm wir zahlen und fahren zum Friseur.“ Kurz sah Kagome ihn skeptisch an. Doch Inuyasha wollte nicht mit sich verhandeln lassen. Er würde ihr die Kleidung zahlen, egal welchen Protest Kagome ihm auch entgegenbringen würde.
Missmutig starrte Kagome aus dem Fenster und sah die einzelnen Bäume an sich vorbeiziehen. „Jetzt sei doch nicht so“, versuchte Inuyasha wieder ein Gespräch mit ihr zu beginnen. Doch Kagome war immer noch beleidigt, weil er ihr doch tatsächlich das ganze Outfit und den Friseur bezahlt hatte. „Das hättest du nicht machen sollen“, murrte sie, da sie nicht wollte, dass er ihr Almosen verteilte, nur weil sie nicht ganz so viel Geld hatte. Für das Outfit hätte ihr Erspartes gereicht, auch wenn das Styling nicht vollkommen gewesen wäre. Die Makeup-Artisten hatten doch ganze Arbeit geleistet. Kagomes Outfit wurde durch ein frisches herbstliches Makeup abgerundet. Inuyasha hatte in dieser Zeit Moroha versorgt. Kagome hatte sich gefühlt wie eine Prinzessin. Mehrere Personen hatten sich um sie verteilt, ihren Haaren und ihrem Gesicht den letzten Schliff gegeben.
„Ich weiß. Aber du machst dieses ganze Schmierentheater nur für mich. Willst du nicht nochmal die Geschichte durchgehen?“ Diesen Einwand verstand Kagome natürlich. Dennoch fühlte sie sich irgendwie gekauft. „Ich bin Kagome, zwanzig Jahre und studiere Medizin. Moroha habe ich nur schwer abgeben können, weil es anders aufgrund meiner Lebensumstände nicht möglich ist“, wiederholte Kagome das zuvor Abgesprochene in der Kurzform. „Ich hoffe, meine Eltern werden keine Befragung daraus machen und das reicht“, seufzte Inuyasha, der immer noch Sorge hatte. Doch Kagome fand ihr äußeres Erscheinungsbild sehr überzeugend und wenn die Geschichte standhielt, würden sie wohl keine bösen Überraschungen erleben.
Schmierentheater mit kleinen Pannen!
Schmierentheater mit kleinen Pannen!
„Bist du bereit?“, hörte Kagome Inuyashas Frage. Mit einem Kopfschütteln verneinte sie diese aber. Sie hatte noch nie so viel Angst vor einem Kennenlernen gehabt. „Es wird alles gut. Ich bin bei dir und die Geschichte kennst du auch auswendig. Glaub mir, du stellst dir das gerade schlimmer vor als es wirklich wird“, versuchte er ihr die Angst zu nehmen. Doch tatsächlich wollte dies nicht wirken. Dennoch hatte Kagome keine Wahl. Weglaufen wäre einfach nicht mehr möglich, selbst wenn sie wollte. Inuyasha hatte soeben an der Tür geklingelt. Keine Sekunde später ertönte sofort eine Frauenstimme aus der Gegensprechanlage. „Takahashi, wer ist da?“, klang die Frau freundlich, doch ob sie dies auch noch wäre, wenn sie Kagome kennenlernte. Immerhin hatte die Teenagerin ihre Enkelin ausgesetzt und das noch im Winter. „Ich bin es, Mama, machst du auf?“, bat er um Einlass.
Nochmals benetzte Kagome ihre trockenen Lippen und atmete tief durch, nachdem sie das Entriegeln der Tür vernommen hatte. Nun gab es endgültig keinen Rückzug mehr. Mit butterweichen Knien lief sie in den Flur, da Inuyasha ihr die Tür aufgehalten hatte. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Kagome hoffte, dass sie wirklich nicht überfallen werden würde, so wie Inuyasha es ihr versichert hatte.
Langsam folgte Kagome Inuyasha die Treppen hoch. Auch er war nervös. Keine seiner Partnerinnen oder Sexpartner, bis auf Kikyo, hatte er seinen Eltern vorgestellt und nun stellte er seiner gesamten Familie die Mutter seiner Tochter vor. Doch anmerken ließ er sich diese Nervosität nicht. Kagome strahlte sie schon für sie beide genug aus. Sie war trotz Makeup blass und schaute starr auf den Boden. Ihre Hände zitterten leicht und so wirkte sie nicht sonderlich sicher. Inuyasha hoffte sehr, dass sie ihre Nervosität in den ersten Minuten ablegen konnte. Seine Familie war eigentlich ziemlich nett, doch wirklich sicher war er sich im Moment nicht. Immerhin waren sie von Morohas Geschichte nicht begeistert. „Hallo.“ Kurz verdrehte Inuyasha seine Augen, als er zur Haustür seiner Eltern sah. Natürlich hatte es nicht nur seine Mutter an diese geführt. Auch Rin sah gespannt auf die junge Frau, die nur wenige Schritte hinter ihm die Treppen empor lief.
„Hey“, begrüßte er die beiden. „Guten Tag“, kam es leise, jedoch mit einem kleinen Lächeln von Kagome, als auch sie an der Tür angekommen war. „Kagome. Das ist meine Mutter Izayoi und meine Schwägerin Rin“, stellte er die beiden Damen vor. Diese reichte sofort seiner Mutter die Hand. „Freut mich Sie kennenzulernen.“ Er war wirklich verblüfft von Kagomes Souveränität. Ihre Nervosität war beinahe verschwunden oder sie versteckte sie einfach unheimlich gut. „Wollen wir nicht reingehen?“, deutete Inuyasha ins Innere der Wohnung. Immerhin würden dort noch zwei weitere Personen auf Kagomes Ankunft warten. „Natürlich. Kommt doch gerne rein.“ Gemeinsam traten die beiden Damen zur Seite und ließen somit Kagome und ihm den Vortritt. Inuyasha beobachtete die Blicke der beiden genau. Sie musterten Kagome, als diese an ihnen vorbeilief. Wirklich begeistert schienen sie nicht zu sein.
Ob es an der Ähnlichkeit mit Kikyo lag oder ob sie einfach bereits Vorurteile gebildet hatten, konnte Inuyasha nicht sagen. Er hoffte, dass die beiden sich benahmen und er nicht doch vielleicht eingreifen musste, um Kagome zu beschützen.
„Guten Tag“, begrüßt Kagome die beiden Herren wie auch schon die Frauen mit einem Handschlag, nachdem sie einander vorgestellt wurden. Sie versuchte so professionell zu sein wie sie nur konnte. Innerlich war sie wirklich erleichtert und stolz auf sich, dass sie das erste Kennenlernen bis jetzt schon so gut gemeistert hatte. Bis jetzt hatte sie nichts Negatives wahrgenommen. „Wollen wir uns schon einmal setzten?“, lächelte der ältere Mann sie freundlich an und deutete auf einen hübsch gedeckten Esstisch. Inuyashas Eltern schienen sich für dieses Essen wirklich Mühe gegeben zu haben. „Ich lege Moroha noch in meinem Zimmer schlafen. Ich komme aber sofort wieder“, richtet Inuyasha das Wort an Kagome. Nickend bestätigte sie seine Aussage. Mit den beiden Herren lief sie schon zu dem Tisch und schaute sich die Dekoration an.
„Sie haben wohl keine Mühen gescheut“, sprach sie seine Mutter an, als diese schon mal die Beilagen auf den Tisch stellte. „Na man lernt nicht oft die Mutter seiner Enkeltochter kennen, nachdem man sie überhaupt bekommen hat.“ Der Satz war freundlich und dennoch mit Schärfe ausgesprochen worden. Ganz so zufrieden schien seine Mutter also nicht mit der Situation zu sein. „Nein, setz dich bitte nicht dahin. Hier wäre ein besserer Platz für dich“, schob sie sofort den Sessel wieder an den Tisch als Kagome sich gerade setzten wollte. Auffordernd wartet sie nun, dass Kagome sich auf den angebotenen Platz setzte. Kurz schluckte Kagome schwer, folgte aber dann der Aufforderung. Irgendwie hatte sich das gute Gefühl von vor ein paar Minuten komplett verabschiedet. Kurz sah Kagome zu der Tür, hinter welcher Inuyasha soeben verschwunden war und hoffte, er würde sehr bald wiederkommen.
Kurz überprüfte Inuyasha noch ob Moroha auch wirklich schlief, ehe er sich anschließend aus seinem Zimmer schlich und die Tür anlehnte. Es reichte jedoch nur ein Blick auf den Esstisch, um ein leises Seufzen loszulassen. Seine Familie hatte sich bereits um diesen versammelt und wartete geduldig auf ihn. Kagomes Kopf war auf ihren Teller fixiert. Er brauchte keine Sekunde, um zu verstehen das sie sich nicht sonderlich wohl zwischen seiner Mutter und Rin fühlte. Entschlossen lief er daher auf den Esstisch zu. „Wärst du so nett, Rin?“, bat er daher seine Schwägerin einen Platz weiter zu rutschen, damit er sich neben Kagome setzen konnte. „Nein. Setz dich ruhig neben Sesshomaru“, kam es gleich ziemlich konsequent von ihr. Inuyasha bezweifelte, dass seine Mutter ihren Platz räumen würde und einen Streit wollte er nicht provozieren. Daher setzte er sich widerwillig auf den freien Platz neben Sesshomaru.
„Wenn wir jetzt alle da sind, können wir mit dem Essen beginnen“, lächelte seine Mutter, doch an ihren Augen konnte Inuyasha schon sehen, dass dieses Essen nicht ganz so toll werden würde, wie es eigentlich immer bei ihnen war.
„Nimm dir doch, Kagome.“ Kurz traf Kagomes Blick den von Rin, nachdem sie sie angesprochen hatte. Kagome war wirklich verunsichert, griff vorsichtig nach dem Schöpfer, um sich etwas Suppe in den Teller zu gießen. „Ich hoffe, du isst eine Zwiebelsuppe. Inuyasha konnte uns leider nicht viel zu deinen Vorlieben sagen.“ Kurz stoppte Kagome in ihrer Bewegung. Jedoch sammelte sie sich wieder, egal wie viele Seitenhiebe sie heute einstecken musste, sie wollte durchhalten und das nicht nur für Moroha. „Ja, sehr gern sogar“, log Kagome einfach. Eigentlich hasste sie Zwiebel doch wie die Pest. Doch diesen Triumph wollte sie seiner Mutter nicht geben. Deshalb nahm sie mit einem Lächeln zwei Schöpfer der Suppe. Kagome drehte sich schon beim Anblick von der Suppe der Magen um. Wenigstens gab es als Beilage Toast mit Käse überbacken. Sie hoffte wirklich, dass dieses den Geschmack überdecken konnte und sie es so irgendwie hinunter bekam.
„Guten Appetit“, wünschten sich die Anwesenden und fingen langsam an zu essen. Kagome spürte die Blicke auf sich. Zögerlich griff sie nach dem Löffel und führte ihn langsam an ihren Mund. „Das schmeckt wirklich köstlich“, lächelte sie Izayoi an, auch wenn sie am liebsten ihren Teller stehen lassen wollte. „Danke schön“, bedankte sich die Frau sofort. Es war zwar nicht so schlecht wie Kagome gedacht hatte, aber schmecken tat es ihr trotzdem nicht. Jedoch biss sie ihre Zähne zusammen und nahm Löffel für Löffel zu sich. „Wie kam es eigentlich dazu, dass sie von Inuyasha schwanger wurden?“ Kurz vernahm Kagome ein Husten, welches von Inuyasha kam. Scheinbar war die Frage nicht nur für sie blöd gewählt. „Mama bitte. Jeder hier am Tisch weiß, wie Kinder entstehen“, mischte er sich auch sofort in die Unterhaltung ein, nachdem er sich mit der Serviette den Mund abgewischt hatte.
„Klar wissen wir das. Aber bei euch beiden lief es ja deutlich anders, als man es sonst hat. Immerhin wusstest du nichts von Moroha, bis sie vor deiner Tür stand.“ Kagome sah deutlich, wie die Augenbrauen von Izayoi nach oben wanderten. „Moroah ist durch einen One Night Stand entstanden. Damals war nichts geplant. Wir haben uns bei einem Konzert kennengelernt und gut verstanden. Ich habe nicht damit gerechnet, was passiert und auch Inuyasha nicht, sonst hätten wir wohl Vorkehrungen getroffen.“ Auch wenn Kagome es widerstrebte, sie mussten diese Neugierde befriedigen, wenn sie hier beide heil rausgekommen wollten. Inuyasha brauchte Kagomes Unterstützung, wenn er weg war. Wenn Izayoi Kagome nicht mochte, würde sie sie niemals Moroha versorgen lassen. „Und warum haben sie nicht die Pille genommen?“ Kurz traf sich ihr Blick mit Inuyashas. Auch er schien eher verzweifelt, weil er mit solchen Fragen doch nicht gerechnet hatte und sie diese somit nicht üben konnten.
„Ich war Single und so schnell sollte sich das auch nicht ändern.“ Es war zumindest nicht gelogen. „Jetzt nicht mehr?“ Verwirrt blickte Kagome zu Rin. „Du sagtest du warst“, machte sie gleich deutlich, worauf sie hinaus wollte. „Ähm... nein, ich hatte noch nie einen Freund“, erklärte Kagome die Situation und schürte damit sofort neues Feuer. „Noch nie? Du machst das also öfter?“, kam es direkt aufgebracht von der jungen Frau. „Nein. Also ich hab... ich habe noch nie.“ Hilfesuchendend wendet sich Kagome an Inuyasha. Ihr war es super peinlich so ins Verhör geraten zu sein. „Warst du etwa noch Jungfrau?“
„Hört jetzt auf“, unterbrach Inuyasha seine Mutter und Schwägerin. „Ob Kagome Jungfrau war oder nicht, tut hier nichts zur Sache. Wir sind hier um uns kennenzulernen. Nicht um solche Fragen zu beantworten“, stellte Inuyasha klar. „Gut. Dann lernen wir uns eben kennen“, kamen diese Worte schnippisch aus Izayois Mund. „Inuyasha hat erzählt du studierst?“, richtete sie das Wort an Kagome. „Ja Medizin. Hier in Tokio.“ Auch wenn es nicht die beste Uni für dieses Fach war, hatte sie sich auf diese geeinigt, um erklären zu können warum Kagome so oft hier war. „Gab es keine bessere an die du gehen hättest können?“ Kurz traf Kagomes Inuyashas Blick. Schließlich hatte er auf diese bestanden, während sie eine andere Wahl gewollt hatte. „Nein, die Schule war einfach für mich besser.“ Noch als sie den Satz beendet hatte, war ihr ihr Fehler aufgefallen.
„Schule?“, mischte sich nun wieder Rin ein. „Ähm… ich meinte natürlich Uni. Ich bin noch so frisch dort, dass ich immer noch nicht daran gewöhnt bin, nicht mehr auf eine normale Schule zu gehen“, redete sich Kagome spielend heraus. „Ein Jahr finde ich nun nicht frisch“, kam nun der Seitenhieb von Rin. Die beiden Frauen schienen wirklich Gefallen daran zu haben, Kagomes Antworten zu analysieren und zu bewerten. Sie musste wirklich aufpassen nicht noch mehr Fehler zu machen. „Und…“ Dass ausgerechnet ihre Tochter ihr Rückendeckung geben würde, damit hatte Kagome nicht gerechnet, nahm diese aber gerne an. „Entschuldigt, ihr mich kurz“, bat sie daher um Erlaubnis den Tisch verlassen zu dürfen. Da Moroha weinte und versorgt werden wollte, wurde ihr dies auch gewährt und Kagome hoffte wirklich, dass sie sich kurz sammeln konnte, ehe sie wieder zurück zu dem Tisch kehren musste.
„Sag mal könnt ihr nicht freundlicher zu ihr sein“, murrte inuyasha seine Mutter und Schwägerin an. „Freundlicher? Sie hat Moroha ausgesetzt“, fauchte Rin sofort zurück. Inuyasha hatte wirklich gehofft, dass sie über solche Sachen hinwegsahen. „Sei mal ehrlich, Inuyasha. Vertraust du ihr?“, wollte nun sein Vater von ihm wissen. „Ja.“ Ein Wort, welches so viel Bedeutung hatte, und doch der Wahrheit entsprach. Inuyasha kannte Kagome nicht wirklich. Sie hatten nicht viel miteinander zu tun und dennoch hatte sie keine einzige Sekunde dieses Treffen verhindert. Sie wollte sich mit um Moroha kümmern und nahm dafür auch dieses Schmierentheater hier in Kauf. „Ich wäre vorsichtig mit ihr. Ich denke, du hast dir schon einmal bei ihr die Finger verbrannt. Mach das nicht nochmal.“ Kurz schüttelte Inuyasha seinen Kopf.
„Ihr spinnt doch. Kagome ist eine super kluge und nette junge Frau. Sie hat keinen Hintergedanken. Hätte mich bloßstellen können und trotzdem hat sie es nicht gemacht. Sie wusste, dass sie Moroha nicht allein großziehen kann und hat ihr vielleicht nicht optimal, aber so wie sie es konnte, die beste Chance ermöglicht ihre Träume zu verwirklichen. Sie ist kein schlechtes Mädchen, sondern was ganz Besonderes und das solltet ihr akzeptieren“, fordert er von seiner Familie. Natürlich hatte Kagome Fehler gemacht und dennoch verstand er warum. Er hatte ihr verziehen und das sollten sie gefälligst auch so machen.
Kurz ließ Kagome das eben Gehörte sacken. Inuyasha hatte sie verteidigt und seinen Eltern die Stirn geboten. Für ihn und Moroha wollte sie ihr Bestes geben. Noch einmal sammelte sie sich, nahm all ihren Mut zusammen. Mit einer Menge Mut trat sie wieder in den Essbereich der Wohnung. „Moroha schläft wieder“, teilte sie den Anwesenden mit. „Izayoi. Ich weiß, dass ich nicht das bin, was sie sich vorgestellt haben. Jede Mutter träumt davon, dass ihr Kind glücklich ist. Sie haben vermutlich erwartet, dass er ihnen seine Freundin vorstellt. Sie Jahre zusammen sind, heiraten, Hausbauen und irgendwann Enkelkinder kommen. Und ich denke, für sie ist es wahnsinnig enttäuschend, wie alles abgelaufen ist“, fing Kagome ein erneutes Gespräch an. Sie hatte sich gut überlegt, was sie sagen wollte. Hoffte so endlich einen Durchbruch zu erzielen.
„Auch ich hätte es mir anders gewünscht. Ich hatte ebenfalls Träume. Von einer glücklichen Beziehung. Ein Partner, der sich auf sein Kind freut und eine sorglose Schwangerschaft. Doch das alles blieb mir verwehrt. Die Schwangerschaft war nicht geplant und viel zu spät bemerkt worden. Ich war allein. Meine Eltern hätten es nie akzeptiert und ich... ich hatte keine Wahl mehr. Ich habe die Schwangerschaft versteckt. Ich habe so viel falsch gemacht und am Ende... hatte ich nicht mehr auf den Schirm, dass ich, wenn alles vorbei war, ein Baby hatte. Ich hatte Panik bekommen, da ich mit Moroha doch unmöglich nach Hause gehen konnte. Also habe ich das Einzige gemacht, was mir eingefallen ist. Ich habe sie zu ihrem Vater gebracht und dort gewartet, bis sie in Sicherheit ist.“ Kagome war ehrlich. Hier musste sie nicht lügen oder etwas vorspielen. Hier war sie einfach die Kagome, die keine Maske aufgesetzt hatte.
„Ich liebe Moroha und will nur das Beste für sie. Doch ich weiß auch, dass ich das ohne Hilfe nicht schaffen kann. Mein Kind hat nur sie als Großeltern und an ihrer Reaktion weiß ich, dass sie sie auch lieben. Also lassen sie uns bitte die Vergangenheit vergessen und für sie eine Zukunft erschaffen, in der sie sorglos und glücklich erwachsen werden kann.“ Erleichtert atmete Kagome durch, nachdem sie zu Ende gesprochen hatte. Sie wahr ehrlich gewesen und vielleicht war genau dies der Schlüssel, um einen gemeinsamen Weg finden zu können um Morohas Zukunft so schön wie möglich machen zu können.
Ein schwerer Abschied!
Ein schwerer Abschied!
Erleichtert trat Kagome aus dem Wohnblock, nachdem Inuyasha und sie den Abend mit kleinen Stolperern über die Bühne gebracht hatten. „Gott sein Dank ist der Abend geschafft“, atmete auch Inuyasha tief durch, als er vor die Tür in die Kälte getreten war. „Wem sagst du das. Rin und deine Mutter waren ja anfangs wirklich biestig“, stimmte sie seiner Aussage zu. „Du hast das aber wirklich super gemacht“, lobte er sie. Nachdem Kagome ehrlich zu seiner Familie war, lief das Essen deutlich besser. Sie hatten viel gesprochen und auch ein bisschen was aus ihrem Leben erfahren, wenn auch nicht die ganze Wahrheit. Ihr wirkliches Alter hatten die beiden gut gehütet. „Tut mir übrigens leid, dass meine Mutter und Rin dich wirklich gelöchert haben“, entschuldigte er sich für das Verhalten der Familie bei ihr. „Hast du noch kurz Zeit?“, fragte Inuyasha anschließend. Verwirrt drehte Kagome ihren Kopf, nickte jedoch schließlich.
„Ja ein wenig. Ich kann eben so gut die nächste Bahn nehmen“, stimmte sie ihm zu. Sie würde einfach die letzte Bahn nehmen, um nach Hause zu gelangen. „Da vorne können wir uns hinsetzen“, meinte Inuyasha und deutete auf eine kleine Bank an einer Bushaltestelle. Gemeinsam liefen sie auf diese zu und setzten sich dicht nebeneinander. „Ich wollte nochmal kurz Danke sagen. Du hast den Tag und auch den Abend mit mir durchgestanden, obwohl er nicht so gut gestartet war“, bedankte Inuyasha sich abermals, doch das musste er für Kagome nicht. „Ach du musst mir nicht danken. Ich hätte sie ohnehin kennenlernen müssen und dass sie mich nicht sonderlich toll finden, habe ich mir fast schon gedacht. Ehrlich gesagt hatte ich sogar bedenken. Immerhin hatte ich ihre Enkeltochter in ihren Augen ausgesetzt und jetzt soll ich mit ihr allein bleiben. Kaum zu glauben, dass sie das akzeptieren“, kicherte Kagome. Anfangs hatte sie wirklich nicht gedacht, dass sie auf die Kleine aufpassen dürfte. Doch sie hatte sich bewiesen.
Kagome hatte sich den ganzen Abend um Moroha gekümmert. Sie durfte sie füttern, wickeln und schließlich hatte sie ihre Tochter ins Bett gebracht, wenn auch nur mit der Hilfe von Inuyasha. Moroha hatte Schwierigkeiten gehabt in den Schlaf zu finden und Inuyasha hatte ihr ein paar Tricks gezeigt. Er kannte sie nun mal besser als Kagome. Doch für sie war der Abend wirklich schön gewesen. Sie konnte sich endlich um ihre Tochter kümmern und das gar nicht so schlecht. Rin und Izayoi hatten am Ende des Abends sogar ein kleines Lächeln auf den Lippen. „Ich hätte ehrlicherweise nicht mit ihrem Verhalten gerechnet. Am Ende scheinen sie aber dennoch zufrieden gewesen zu sein. Immerhin haben sie sich mit einem ‘bis bald’ von dir verabschiedet“, lachte er erleichtert. Vielleicht hatte auch Inuyasha Sorge gehabt und diese nur gut versteckt.
„Und du musst in drei Tagen schon los?“, lenkte sie das Gespräch auf ein anderes Thema. „Leider. Durch die Promo starten wir unsere Tour etwas früher. Das erste Konzert wird schon nächsten Samstag stattfinden. Wenn ich ehrlich bin, bin ich etwas nervös. Ich war noch nie von Moroha getrennt. Zumindest nicht so lange. Ich werde natürlich versuchen, so oft es geht hier zu sein. Aber oft wird das in den nächsten Wochen leider nicht passieren“, seufzte er. Kagome konnte das durchaus verstehen. Er würde seine Tochter in fremde Hände geben, wenn auch nur innerhalb der Familie. Sie sehen und spüren war nun mal nicht einfach so möglich. Vermutlich ging es ihm wie ihr. Auch sie vermisste Moroha unglaublich und dieser Abend würde es für sie nicht leichter machen. „Ein Star zu sein, ist wohl nicht immer einfach“, schlussfolgerte Kagome. „Nein. Wochenende oder Feierabend gibt es in dieser Branche nur selten. Als Sänger, Schauspieler oder auch Model musst du immer dafür sorgen, präsent zu sein. Galas, Charity oder Veranstaltung müssen besucht werden. Bist du nicht mehr in aller Munde, bist du schnell weg vom Fenster“, zuckte er mit den Schultern.
Er hatte sich wohl an dieses Leben gewöhnt. Für Kagome undenkbar. Sie hasste es aufzufallen oder im Mittelpunkt zu stehen. „Naja… zumindest in aller Munde bist du zurzeit.“ Nach diesen Worten traute sie sich nicht mehr in Inuyashas Richtung zu sehen. „Du hast die Pressenachrichten gelesen“, kombinierte er ihre Aussage richtig. „Ja. Hat Moroha Schuld?“, fragte sie vorsichtig nach. Immerhin war vor ein paar Wochen noch von einer Hochzeit die Rede und nun war alles vorbei. „Nein. Weißt du... das mit Kikyo und mir war schon lange vorbei. Ich glaube, es hat nach dieser einen Nacht erst so richtig begonnen zu enden. Ich habe gemerkt, dass die Gefühle für sie nicht mehr reichen. Wir haben uns gegenseitig verletzt und am Ende konnten wir einfach keine Nähe zum anderen mehr aufbauen.“ Nickend verstand Kagome seine Worte. Beziehungen gingen nun mal auseinander. Gründe gab es dafür viele und vermutlich machte das Rampenlicht es nicht unbedingt leichter eine Beziehung aufzubauen und am Laufen zu halten.
„Verstehe. Ich sollte langsam auch mal los“, merkte Kagome, als sie kurz auf ihr Handy sah. Langsam wurde es wirklich knapp, wenn sie noch die letzte Bahn erwischen wollte. „Soll ich dich wirklich nicht fahren? Ich habe kein gutes Gefühl dabei, dich zu so später Stunde allein nach Hause fahren zu lassen“, hakte er bei ihr nach, doch sie schüttelte sofort ihren Kopf. „Nein danke. Ich will dir keine Umstände machen und vor allem ist es auch nicht ganz so weit“, lächelte sie und stand schon mal von der Bank auf. „Du meldest dich aber bitte, wenn du zu Hause bist“, bat er sie, während Inuyasha sich ebenfalls erhob. „Du klingst schon wie meiner Mutter“, kicherte Kagome. „Aber ja, ich melde mich“, stimmte sie schließlich seiner Bitte zu. Immerhin würde es keinen Aufwand bedeuten, eine kleine Nachricht abzuschicken. „Perfekt. Dann komm gut nach Hause und Danke nochmal für den doch noch schönen Abend.“
Kurz zuckte Kagome zusammen, nachdem Inuyasha sich ohne Vorwarnung nach vorne beugte und ihr einen Kuss auf die Wange gab. „Ähm… ich melde mich. Gute Nacht, Inuyasha“, kam es ziemlich sprachlos und stockend von ihr. Wenige Sekunden später lief sie einfach los. Sie wartete gar nicht darauf, dass Inuyasha nochmal das Wort ergriff. Ihr Herz raste förmlich in ihrer Brust und dennoch hatte sich diese kleine Berührung unendlich schön angefühlt. Kagome hatte wirklich gedacht, dass ihre Gefühle mittlerweile erloschen waren, doch nun wusste sie es besser. Sie hatte immer noch die gleichen Gefühle für den jungen Mann, wie vor fast einem Jahr.
„Da bist du ja wieder.“ Seufzend verdrehte Inuyasha seine Augen. „Ja, da bin ich wieder“, bestätigte er seine Rückkehr. Da es bereits später Abend war und Moroha in seinem Zimmer schlief, wollte er die Nacht bei seiner Familie verbringen. „Du lässt sie alleine nach Hause gehen?“, fragte Rin skeptisch nach. „Hast du uns beobachtet?“, wollte er resigniert wissen, waren sie doch länger weg gewesen. Er hätte es aber ahnen können. Schließlich sah man von dem Küchenfenster perfekt zu der kleinen Bushaltestelle hinunter. „Wir haben nur geschaut, wo du so lange bleibst“, lächelte seine Mutter. War ja klar, dass Rin nicht alleine hinter dem Fenster geklebt war. „Na was Interessantes gesehen?“, konnte er sich diesen Satz nicht verkneifen. Es war wirklich zum Haare raufen. So neugierig war zumindest seine Mutter noch nie gewesen und nun konnte er nicht mal fünf Minuten unbeobachtet vor die Tür. „Ja... du magst sie… sogar sehr. Deswegen verstehe ich nicht, warum du sie nicht nach Hause gefahren hast.“
Tief atmete Inuyasha durch. Auf diese Art von Gespräch hatte er am heutigen Abend wirklich keine Lust mehr. „Kagome wollte nicht, dass ich sie fahre. Sie wollte mir keine Umstände machen und ich sollte schnell wieder bei Moroha sein. Genau zu dieser werde ich nun auch gehen“, winkte Inuyasha seiner Familie zu, bevor er sich auf den Weg in sein altes Jugendzimmer machte. „Abe…“, doch den Einwand von Rin hörte er schon nicht mehr. Erleichtert lehnte er sich an die Zimmertür. Der Tag war wirklich anstrengend gewesen. Kurzzeitig hatte er sogar Angst gehabt, aufzufliegen. Doch sie hatten gemeinsam die Kurve gekratzt. Waren zumindest teilweise ehrlich gewesen und hatten so seine Familie überzeugen können. Kagome hatte sich bewiesen. Selbst Inuyasha war fasziniert davon gewesen, wie gut sie mit Moroha umgegangen war. Sie war kein Kind mehr, sie war eine junge Frau, die genau wusste, wie sie mit einem Baby umgehen musste.
Inuyasha hatte keine Angst, ihr Moroha zu überlassen. Sie würde sich gut um sie kümmern. Er war unendlich erleichtert gewesen. Stolz hatte sich in ihm breit gemacht bei dem Anblick den Kagome ihm bot, sobald sie die Kleine im Arm hielt. Es gefiel ihm, sie zu beobachten und die Liebe in ihrem Blick zu sehen. Doch genau das durfte er nicht. Sie war kein Kind mehr und dennoch noch so jung. Gefühle oder ähnliches durften hier keinen Platz haben. Kagome war die Mutter seiner Tochter und nicht mehr und nicht weniger. Inuyasha wusste, dass solche Berührungen wie dieser kleine Kuss nicht mehr passieren durften. Doch er hatte aus dem Impuls heraus einfach so gehandelt. Ein Drang, den er in Zukunft besser unter Kontrolle haben musste, wenn er wirklich wollte, dass Kagome und Moroha ihre Zukunft gemeinsam erleben konnten.
„Ihr müsst mir versprechen, mindestens tausend Bilder von ihr zu schicken und mindestens einmal am Tag möchte ich mit ihr Videotelefonieren“, bat Inuyasha seine Mutter, nachdem er ihr Moroha in den Arm gegeben hatte. In knapp einer Stunde würde der Tourbus losfahren. Die jungen Männer hatten sich entschieden, die Kleine gemeinsam zu seinen Eltern zu bringen. Sie hatten die letzten drei Tag intensiv mit Moroha verbracht. Sich jedes kleine Detail von ihr eingeprägt und versucht, alles in sich aufzusaugen. Sie hatten ihr versucht, all die Liebe und Nähe zu schenken, die sie für sie hatten. Sie sollte sie nicht vermissen, wenn sie in wenigen Minuten gehen mussten. „Videos wären auch nicht schlecht“, pflichtete Shippo seiner Aussage bei. „Jungs... Moroha ist in den besten Händen. Wir werden euch Bilder schicken und gelegentlich telefonieren. Aber ihr habt eine Tour zu meistern und ihr habt schon genug Stress. Ich kann nachvollziehen, dass ihr besorgt seid und Moroha vermissen werdet. Aber ihr solltet eure Auftritte auch genießen können.“
Schwer schluckte Inuyasha. Seine Mutter hatte recht, dennoch fiel es ihm unglaublich schwer nun zu gehen. In den letzten Wochen war Moroha seine Welt geworden und nicht nur seine, sondern auch die seiner Bandkollegen. Sie alle hatten sich aufopferungsvoll um sie gekümmert. Sogar ihre Streits Beseite gelegt, damit es Moroha an nichts fehlte und nun würden sie genau dieses kleine wunderschöne Geschöpf, für das sie so viel empfanden, für eine längere Zeit zurücklassen. Die Männer wussten, dass es ihr an nichts fehlen würden. Sie hatte seine Familie, Sango und auch Kagome. Moroha war sicher und gut versorgt. Dennoch blieb dieser kleine Funke. Ein kleiner Stich im Herzen, der leise schrie, dass sie bleiben sollten. Doch das war ihnen nicht möglich. Sie mussten gehen, auch für die Kleine. „Ihr habt ja Recht“, strich er seiner Tochter über die Wange.
„Sei schön brav. Ich bin ganz bald wieder bei dir, versprochen, mein Schatz.“ Inuyasha lächelte, ließ auch seinen Bandkollegen die Möglichkeit sich von ihr zu verabschieden, doch innerlich brach sein Herz. Er würde einfach so viel verpassen und diese Zeit nie mehr zurückbekommen.
Trennungsschmerz und Glücksmomente!
Trennungsschmerz und Glücksmomente!
Frustriert legte Inuyasha das Handy wieder auf den kleinen Tisch, der sich im Tourbus befand. Zum wiederholten Male hatte er bei seinen Eltern angerufen, jedoch keinen der beiden erreicht. „Heben sie immer noch nicht ab?“, fragte Miroku, nachdem er sich ihm gegenübergesetzt hatte. „Nein“, kam es sofort etwas genervt von Inuyasha. Seit fünf Tagen waren sie auf Tour. Das erste von so vielen Konzerten hatten sie bereits hinter sich gebracht. Es war ein voller Erfolg gewesen und dennoch fühlte es sich nicht so an. Inuyasha vermisste Moroha. Da nützten die paar Bilder, die seine Eltern ihm zukommen ließen, nichts. Die Telefonate waren leider nicht immer machbar und am heutigen Abend würde er nicht nochmal die Gelegenheit bekommen, um bei ihnen anzurufen. Das zweite Konzert stand an und davor musste die Band noch einige Dinge erledigen. Aus diesem Grund hatte er schon jetzt versucht jemanden zu Hause zu erreichen. Doch dies hatte, wie so oft in den letzten Tagen, nicht wirklich funktioniert.
Es war wirklich zum Haare raufen. Sobald seine Eltern mal zurück riefen, befand er sich meist schon wieder bei irgendwelchen Proben, Besprechungen oder Interviews. All ihre Pläne, die sie vorher getroffen hatten, waren vollkommen dahin. Inuyashas Sehnsucht nach Moroha wurde von Tag zu Tag stärker und die anderen vier Männer konnten nicht immer lachen. Ebenso vermissten sie die Kleine, wenn auch nicht so sehr wie er selbst. „Vielleicht können wir später noch einmal anrufen“, versuchte Miroku seine Laune etwas zu heben. „Ich habe mir das alles anders vorgestellt“, gab Inuyasha offen zu. Er hatte sich alles so leicht und einfach ausgemalt, nachdem sie die ganzen Wochen durchgeplant hatten. Doch mittlerweile musste er sich eingestehen, dass es ziemlich naiv gewesen war. „Ich weiß. Du musst aber nur noch heute Abend durchhalten. Danach kannst du dich sofort auf den Weg zu Moroha machen. Totosei übernehmen wir. So kannst du sie zumindest für ein paar Stunden sehen“, sprach sein bester Freund versöhnlich weiter. „Dafür bin ich euch unendlich dankbar.“
Doch noch konnte sich Inuyasha zu einem Lächeln durchringen. Auch wenn er eine weite Strecke zurücklegen musste, so machte er es gern, um wenigstens etwas Zeit mit seiner Tochter verbringen zu können. „Jungs? Die Bühne steht, können wir mit den Proben beginnen?“, steckte in dem Moment der Manager der Band seinen Kopf in den Tourbus. Augenrollend sahen sich die beiden Männer an. „Wir kommen schon“, seufzte Inuyasha schließlich. Zusammen mit Miroku ergab er sich seinem Schicksal. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass er schon bald seine Tochter sehen konnte.
„Hey, da bist du ja“, wurde Kagome lächelnd von Sango begrüßt. An diesem Abend würde sie ausnahmsweise für sie den Dienst übernehmen. Inuyashas Eltern wurden kurzfristig zu einer Feier eingeladen und hatten daher die Arbeitseinteilung geändert. Doch Sango musste leider zur Spätschicht, sodass Kagome am heutigen Sonntag die Aufgabe übernahm, auf Moroha aufzupassen. „Tut mir leid, ich bin spät dran“, entschuldigte sich Kagome, die zuvor noch ihre Eltern hatte belügen müssen. Immerhin würde sie die Nacht über in dem Haus der Band bleiben und von hier direkt zur Schule gehen. Ihren Eltern hatte sie erzählt, dass sie bei Eri übernachten würde und dort für eine Prüfung mit ihr zusammen lernte. Durchaus musste Kagome noch am Abend lernen. Doch ganz allein und nicht bei Eri. „Macht nichts. Ich zeige dir noch alles und dann mache ich mich auf den Weg ins Krankenhaus“, lächelte Sango und führte Kagome in die Wohnräume.
„Hier kannst du dich breit machen. Es ist der Wohnbereich der Jungs.“ Zeigte sie auf die Räumlichkeiten, in welchem sich eine Wohnlandschaft und eine riesige Fernsehanlage offenbarte. „Wo kann ich den Moroha schlafen legen oder wickeln?“, wollte Kagome wissen, nachdem sie kein Bett oder ähnliches in dem Raum gefunden hatte. „Inuyasha hat in seinen privaten Räumen ein Zimmer für Moroha eingerichtet. Soweit ich aber weiß, schläft die Kleine meistens jedoch noch bei ihm im Bett.“ Kagome hatte schon von außen gesehen, dass das Haus groß war. Aber das alle einen eigenen Bereich hatten, hatte sie nicht gedacht. „Und wo finde ich die Räume?“, wollte sie erfahren. Immerhin musste sie Moroha für die Nacht fertig machen. „Wir können gerne hochgehen.“ Kagome folgte Sango, da sich diese in Bewegung gesetzt hatte. „Moroha schläft leider gerade in ihrem Zimmer. So schnell wirst du sie also nicht ins Bett bekommen.“ Kagome kicherte bei der Aussage.
„Macht nichts. So kann ich wenigstens etwas Zeit mit ihr verbringen“, freute sich Kagome über die gemeinsame Zeit. Es war das erste Mal, dass sie ganz alleine auf Moroha aufpassen würde. „Hier ist ihr Zimmer und gleich nebenan ist Inuyashas Zimmer. „In diesem kannst du auch schlafen. Inuyasha hat sicher nichts dagegen“, sprach Sango und zeigte auf die beiden Räume. „Ich muss leider langsam los. Sollte etwas sein, kannst du jederzeit anrufen“, bot Sango ihr noch an. „Danke, ich hoffe, alles wird gut klappen“, meinte Kagome hoffnungsvoll. Immerhin war sie gleich allein und konnte nicht einfach jemanden um Hilfe bitten. „Du machst das schon. Du bist ein wirklich kluges Mädchen und wirst instinktiv wissen, was zu tun ist“, machte Sango ihr Mut. Kagome hoffte, die ambitionierte Ärztin würde recht behalten. Doch das würde sie wohl oder übel in dieser Nacht herausfinden.
„Ihr seid wo?“, kam es ungehalten von Inuyasha, als er endlich seine Eltern erreicht hatte. „Wir sind auf einer Firmenfeier deines Vaters. Er hat eine Ehrung bekommen, weil er schon dreißig Jahre in derselben Firma arbeitet“, hörte er aus der Freisprechanlage. Sofort nach dem Konzert und der Autogrammstunde hatte er sich auf den Weg gemacht und dabei versucht seine Eltern nochmal zu erreichen. Er wollte so schnell wie möglich bei seiner Tochter sein. Diese sollte eigentlich bei seinen Eltern sein. Doch damit hatte er sich getäuscht, wie er mit bekommen hatte, nachdem diese tatsächlich abgehoben hatten. „Wo ist Moroha?“, fragte er sofort grummelnd nach. Immerhin wusste Inuyasha, dass Sango an diesem Abend Nachtschicht hatte und sein Bruder nicht in der Stadt war. „Mach dir keine Sorgen. Kagome ist bei ihr“, beruhigte seine Mutter ihn sofort. „Kagome?“, hakte er aufgrund des Gehörten nach. „Ja. Wir haben sie darum gebeten. Da Sango zuerst auf Moroha aufgepasst hat, sind die beiden ausnahmsweise bei euch zu Hause, weil sie dort übernachten werden. Sango wird Kagome anschließend morgen früh wieder ablösen“, bestätigt seine Mutter nochmals ihre Worte.
„Na gut. Ich wünsche euch noch viel Spaß“, meinte Inuyasha noch zu seinen Eltern, bevor er auflegte. Dass die zuvor gemachten Pläne nicht eingehalten wurden, machte ihn etwas wütend, dennoch schienen sie dafür gesorgt zu haben, dass Moroha gut versorgt war. Kagome passte auf sie auf und er vertraute ihr sehr. Mit einem kleinen Lächeln trat er stärker auf das Gaspedal, lagen doch noch ein paar Stunden Fahrt vor ihm. Nun wollte er nur noch schneller nach Hause zu seiner Tochter und somit zu Kagome, um sie bestmöglich zu unterstützen und gemeinsam Zeit verbringen zu können.
„Na... bist du endlich aufgewacht?“, lächelte Kagome in das Gitterbett aus welchem vor einigen Sekunden ein leises Wimmern zu hören gewesen war. Vorsichtig hob Kagome Moroha aus ihrem Bettchen. „Na, freust du dich mich zu sehen?“, fragte sie ihre Tochter, da diese ihr ein süßes Lächeln geschenkt hatte. „Wollen wir dir erstmal ein Fläschchen machen und dann etwas spielen?“ Gemeinsam machte sie sich mit der Kleinen auf dem Arm auf den Weg in die Küche. Dort mischte Kagome ihr ein Fläschchen an. Moroha hatte noch fast eine Stunde geschlafen. Kagome hatte in der Zeit schon einiges für ihre morgige Prüfung vorbereitet. Lernen musste sie später trotzdem noch einmal. Doch jetzt hatte sie nur Augen für ihre Tochter. Sie würde ihr erstmal die Milch geben und sie anschließend wickeln. Danach würde sie ein wenig mit ihr spielen.
Im Moment fühlte sich Kagome wirklich wie eine richtige Mutter. Sie versorgte ihre Tochter ganz allein und genoss dies sogar. Natürlich war Kagome durchaus klar, dass es nicht immer so einfach war und vermutlich würde die Nacht ebenso nicht ganz so lange und einfach sein, wie es Kagome sich wünschte, trotzdem freute sie sich unendlich auf diese gemeinsamen Stunden.
Leise öffnete Inuyasha die Haustür, nachdem er endlich die lange Fahrt hinter sich gebracht hatte. Das Haus war bereits dunkel. Kein Wunder eigentlich. Es war doch schon weit nach Mitternacht und Kagome und Moroha bestimmt schon eine ganze Weile im Bett. Genau in dieses wollte er auch noch, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Behutsam schlich er sich in seinen Wohnbereich. Da Inuyasha Kagome nicht im Gemeinschaftsraum gefunden hatte, vermutete er, dass sie sich in seinem Wohnbereich aufhalten würde. Zu seiner Überraschung war in Morohas Zimmer niemand an zu treffen. Das konnte also nur bedeuten, dass sie in seinem Zimmer war. Wirklich schlimm fand er das nicht, dennoch war es ihm etwas peinlich. Immerhin hatte er viele Fangeschenke in seinem Zimmer, teilweise aufgestellt und teils versteckt. BHs und Slips waren zwar gut versteckt, darüber musste er sich also keine Sorgen machen.
So geräuschlos wie möglich öffnete Inuyasha die Zimmertür. Er lugte in den dunklen Raum, jedoch konnte er nichts sehen. Sein Handy nahm er zur Hilfe und leuchtete sich so einen Weg zu seinem Bett. In diesem lagen wie zu erwarten war Kagome und Moroha. Arm in Arm lagen die beiden aneinander gekuschelt und waren umzingelt von Büchern. Bei diesem Anblick musste er leicht schmunzeln. Es sah wirklich niedlich aus. Für Kagome war es bestimmt nicht einfach Schule und das Leben mit Baby unter einen Hut zu bekommen. Sie gab jedoch ihr Bestes und auch Inuyasha wollte dies tun. Vorsichtig nahm er die Bücher an sich, um diese zur Seite zu legen. Aufwecken wollte er keinen von beiden, schließlich brauchten beide ihren Schlaf. Kurz überlegte er, ob er nun einfach gehen sollte. Doch er entschied sich dagegen. Inuyasha war gekommen weil er eigentlich mit den beiden Zeit verbringen wollte. Mit langsamen Bewegungen kletterte er vorsichtig in sein Bett und legte sich neben Kagome, welche Moroha schützend in ihren Armen hielt. Einen Bruchteil der Sekunde zögerte Inuyasha. Fasste anschließend dennoch seinen Mut zusammen und legte einen Arm um Kagome und Moroha. Er genoss das Gefühl die beiden in seinen Armen zu halten, auch wenn es sich nicht richtig anfühlte. Kagome war immer noch ein Teenager und er ein erwachsener Mann. Dennoch konnte er dem Drang sie zu umarmen nicht widerstehen. So lange hatte er versucht zu verstehen warum diese eine Nacht mit Kagome passiert war. Konnte sich einfach nicht erklären warum er sich in ihrer Nähe so gut fühlte. Schon vor beinahe einem Jahr hatte Inuyasha sich unheimlich wohl in ihrer Nähe gefühlt und auch jetzt fühlte er keine Reue. Noch ein bisschen näher kuschelte Inuyasha sich an die beiden und schloss sogleich seine Augen, um gemeinsam noch ein paar Stunden zu schlafen. Er genoss einfach bei ihr und auch Moroha zu sein. Über die Konsequenzen würde er sich ein anderes Mal Gedanken machen, jetzt genoss er einfach die gemeinsame Zeit mit seiner kleinen Familie. Ein lächeln legte sich auf seine Lippen bei diesem Gedanken. Denn auch wenn sie nicht wie eine herkömmliche Familie waren, so waren Kagome und Moroha genau das für ihn. Seine eigene kleine Familie, welche ihm immer das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit gegeben würde.
Schocksekunde und klare Ansagen!
Schocksekunde und klare Ansagen!
Leises Wimmern war zu hören, bevor es nach wenigen Sekunden zu einem lauten Brüllen wurde, welches Kagome ruckartig aus ihrem Schlaf riss. Beim Aufschrecken verspürte Kagome einen Druck auf ihrer Hüfte. Erschrocken sah sie zu dieser hinunter und bekam große Augen, als sie eine schämenhaft eine Hand auf dieser liegen sah. Mit einem kräftigen Stoß schleuderte sie die Hand von ihrem Körper und schnappte sich schnell Moroha, um aus dem Bett zu fliehen. Kagome wollte der Dunkelheit und der Person entkommen. „Kagome...“, packte sie jemand am Arm und sorgte so dafür, dass sie nicht aus dem Bett entkommen konnte. Ein lauter Aufschrei entkam ihren Lippen. „Psst. Ich bin es doch nur“, versuchte die Person sie zu beruhigen. Doch ihre Angst war viel zu groß. Sie wusste nicht, wer sie festhielt. „Bitte lass los. Ich will hier weg. Ich sag auch niemanden was, aber bitte lass mich und meine Tochter gehen“, flehte sie den Tränen nah. Sie hatte unglaubliche Angst, nicht nur um sich, sondern auch um ihre Tochter. „Kagome, beruhig dich. Ich tu dir doch nichts.“
Kurz wurde sie geblendet, als das Licht den Raum erhellte. Erst nach wenigen Sekunden konnte sie die Person identifizieren. „Inuyasha“, entkam es erleichtert von ihren Lippen. Ihre Anspannung verschwand und langsam ließ sich Kagome wieder im Bett nieder. „Schtt… alles gut, Moroha“, strich sie langsam über den Kopf ihrer Tochter. Ihr Herz klopfte immer noch schnell in ihrer Brust. „Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken. Es war geplant, dass ich heute Nacht zu meinen Eltern komme und den Tag mit Moroha verbringen würde. Dass meine Eltern den Plan geändert haben, habe ich leider erst erfahren, als ich bereits auf dem Weg war und als ich ankam, hattet ihr beide schon geschlafen“, erklärte Inuyasha ihr die Situation. „Du hättest mich wecken sollen. Ich wäre dann auf die Couch gegangen“, murrte Kagome. „Ihr saht so süß aus. Zumindest wenn man die Bücher weggeräumt hatte“, lächelte er und reichte Kagome das Fläschchen von Moroha, welches er ihr soeben zubereitet hatte.
„Danke“, bedankte sich Kagome. Kurz richtete sie sich den Polster, um besser sitzen zu können. „Nana... nicht so schlingen“, kicherte sie, als Moroha sofort auf die Milchflasche zusteuerte und kräftigt daran zog. „Wenn sie Hunger hat, ist sie ziemlich unleidlich“, lachte Inuyasha, der ihr Gebrüll bei Hunger nur zu gut kannte. „Habe ich gemerkt“, zuckte Kagome mit den Schultern. „Wie spät ist es eigentlich?“, wollte sie anschließend wissen. „Halb sechs“, teilte er ihr mit, nachdem er kurz auf sein Handy gelugt hatte. „Dann lohnt sich schlafen nicht mehr“, seufzte Kagome. Auch wenn sie liebend gern noch ein paar Stunden schlafen würde, lernen konnte in den frühen Morgenstunden auch nicht schaden.
„Bitte schön“, lächelte Inuyasha Kagome an, nachdem er ihr einen heißen Kakao hingestellt hatte. Nachdem sie gemeinsam Moroha versorgt hatten, hatte sich Kagome ins Wohnzimmer zurückgezogen und ihre Schulunterlagen um sich verteilt. „Dankeschön. Schläft Moroha wieder?“, fragte sie nach. „Ja. Und wieso lernst du so früh schon?“, wollte er wissen. Schon am Abend oder eher am Morgen war er überrascht, Kagome und Moroha inmitten ihrer Bücher vor zu finden. „Ich habe heute eine Prüfung. Und in ein paar Wochen muss ich zur Aufnahmeprüfung an der Oberstufe. Beides muss perfekt laufen, sonst kann ich meinen Traum vergessen.“ Kurz runzelte er seine Stirn und erinnerte sich Wage an das Gespräch vor einigen Tagen. „Welche Oberschule möchtest du besuchen?“, wollte er in Erfahrung bringen. Immerhin wusste er noch zu wenig über Kagome. „An die Shikon“, lächelte sie, wenn auch nicht ganz so glücklich. „Hohes Ziel und ziemlich teuer. Da kommen wirklich nur sehr gute Schüler rein“, staunte Inuyasha.
„Leider. Deshalb gebe ich auch mein Bestes, um ein Stipendium zu bekommen. Viel Hoffnung habe ich aber nicht mehr.“ Inuyasha sah ihre traurigen Augen. „Wieso?“, hakte er nach, obwohl er sich eigentlich denken konnte warum. „Meine Noten sind zwar wieder deutlich besser, aber für ein Stipendium wird es wohl nicht reichen. Also kann ich meinen Traum eigentlich gleich lassen. Ich habe mir schon ein paar Alternativen ausgesucht. Vermutlich werde ich nur auf eine Kurzuni gehen und Krankenschwester werden.“ Irgendwie klang Kagomes Stimme bei dieser Aussage abgeklärt. Es machte ihn traurig, dass sie aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht ihre Träume verwirklichen konnte, obwohl sie so viel dafür tat. „Vielleicht schaffst du es ja doch. Immerhin bist du ein schlaues Mädchen und hast schon so viel gemeistert“, wollte er ihr Mut machen. Vielleicht konnte er auch etwas für sie tun, doch dafür musste er erst noch ein paar Informationen sammeln, welche hoffentlich Sango für ihn beschaffen konnte.
„Danke, dass du mich gefahren hast“, bedankte sich Kagome bei Inuyasha, nachdem sie aus den Wagen des Sängers ausgestiegen war. „Nichts zu danken. Ich habe zu danken. Du hast dich super um Moroha gekümmert und das, obwohl meine Eltern plötzlich alles gedreht haben“, winkte er ab. „Außerdem habe ich dir am Morgen einen unheimlichen Schrecken eingejagt. Diesen musste ich doch irgendwie wieder gut machen“, grinste er sie verschmitzt an. „Najaaa ich nehme das mal als Entschuldigung an. Aber mach das bloß nie wieder“, verdrehte sie leicht grinsend die Augen. Im Nachhinein hatte sie wirklich überreagiert und konnte über die Situation lachen, auch wenn sie anfangs wirklich Panik hatte. „Ich glaube, so schnell kommt das nicht mehr vor“, lachte er. Ebenso war sie sich sicher, dass diese Situation nicht noch einmal vorkommen würde. Es war eine einmalige Sache und diese hatte sie, wenn auch mit enormem Schlafmangel, gut gemeistert.
Kagome zog wirklich den Hut vor Inuyasha. Immerhin arbeitete er neben den nächtlichen Pflichten voll weiter und das noch erfolgreich. „Inuyasha… danke, dass du so gut auf Moroha aufpasst und ihr so ein guter Vater bist. Einen besseren hätte ich wirklich nicht für meine Tochter bekommen können“, wollte sich Kagome auch bei ihm bedanken. Er machte es so gut und trotzdem bekam er nie wirklich Lob dafür. Dabei hätte er so viel mehr verdient. „Danke dir. Doch nur durch dich bin ich so ein guter Vater geworden.“ Irgendwie fühlte sich Kagome unbehaglich. Seine Worte machten sie stolz, aber auch nachdenklich. „Viel Glück bei deiner Prüfung. Du musst langsam los.“ Erschrocken sah Kagome auf ihr Handy. Sie musste sich wirklich beeilen. Sie hatten ein paar Straßen vor ihrer Schule gehalten, um nicht entdeckt zu werden. Sie musste also noch ein Stück laufen und war ohnehin etwas spät dran.
„Danke und dir wünsche ich viel Spaß mit unserer Tochter“, wünschte sie ihm einen schönen Tag, bevor sich Kagome schnellen Schrittes auf den Weg machte. Immerhin würde er den ganzen Tag mit ihr verbringen und hoffentlich einen schönen Tag mit Moroha haben. Zumindest wünschte Kagome Inuyasha das.
„Hey.“ Mit diesem Wort begrüßte Inuysha seine Eltern, nachdem er Moroha am frühen Abend wieder dort abgeben musste. Gemeinsam mit seiner kleinen Tochter hatte er einen entspannten und ereignislosen Tag verbracht. Sie hatten viel gekuschelt und auch einige Schläfchen zusammen gemacht. Er hatte sich mit ihr zusammen erholt und Kraft für die nächsten Tage gesammelt. Doch nun hieß es wieder Abschied nehmen. Er musste zurück und damit musste auch Moroha wieder zu ihren Großeltern. Doch bevor er abfahren konnte, wollte er noch ein kurzes Gespräch mit seinen Eltern führen. Er wollte ihnen sagen, dass ihm das gestrige Verhalten nicht gefallen hatte. „Hey“, grüßte sein Vater ihn ebenso und nahm ihm die Kleine ab. „Hattest du einen schönen Tag mit Moroha?“, wollte seine Mutter auch sofort wissen. „Ja. Ich muss trotzdem mit euch reden“, wollte er schnell das Gespräch hinter sich bringen. Immerhin würden seine Bandkollegen nicht ewig dafür sorgen können, dass Totosei ihn nicht suchte. „Worum geht es denn?“, wollte sein Vater verwirrt wissen.
Vermutlich würde ihnen das Thema auch nicht gefallen, dennoch wollte Inuyasha seinen Unmut teilen. „Ich fand es gestern Abend gar nicht prickelnd, wie ihr euch verhalten habt“, eröffnete er einfach das Gespräch. „Wieso?“, hakte seine Mutter gleich nach. „Moroha ist meine Tochter. Ich habe sie euch zur Betreuung gegeben und plötzlich ist sie bei Kagome, ohne dass ich was davon weiß“, stellte er klar. „Inuyasha, ja wir haben Moroha zur Betreuung bei uns, aber wir haben auch dafür gesorgt, dass sie versorgt ist. Wir sind genau wie du völlig unvorbereitet in diese Situation gekommen und müssen eben noch einiges organisieren. Dass dein Vater eine Ehrung erhält, haben wir erst vor wenigen Tagen erfahren und uns dann Gedanken gemacht und Lösungen gefunden“, versuchte seine Mutter ihm den Umstand zu erklären. „Das verstehe ich auch. Ich freu mich auch für Papa, dass er geehrt wurde. Aber ich hätte gerne vorher davon gewusst. Ihr wusstet, dass ich an diesem Abend kommen möchte und trotzdem habt ihr nichts gesagt.“
Für Inuyasha wäre es in Ordnung gewesen, wenn sie es mitgeteilt hätten. „Hör mal, mein Junge. Auch wir sind nicht perfekt. Wir vergessen manche Dinge. Ja wir haben vergessen dir Bescheid zu geben, aber… wir haben ebenfalls für die beste Betreuung gesorgt, oder ist es Moroha schlecht ergangen in dem letzten Stunden?“ wollte sein Vater wissen, führte ihn somit vor Augen, dass nicht immer alles perfekt lief. Auch er hatte bereits einige Fehler gemacht, dessen war sich Inuyasha durchaus bewusst. „Das sage ich nicht. Kagome hat es wirklich gut gemacht. Dennoch hätte ich gerne davon gewusst“, zeigte Inuyasha leise Einsicht. Seine Eltern hatten recht. Sie hatten dafür gesorgt, dass Kagome sich um Moroha kümmerte und sie somit nicht einfach im Stich gelassen und Inuyasha war sich auch sicher, dass sie nicht gemeinsam zu der Ehrung gegangen wären, wenn sie niemand für Moroha gefunden hätten.
„Tut mir leid. Aber das nächste Mal möchte ich bitte wissen, wenn Moroha nicht bei euch ist. Ich habe mir notiert, wann wer für sie da ist, um immer mit ihr telefonieren zu können, sobald ich Luft habe, und auch Kagome hat sich wahnsinnig erschrocken, als ich plötzlich da war“, gab er etwas geknickt zu. Inuyasha hatte überreagiert. Er wusste, dass alle bestens für Moroha sorgen. „Sollte es nochmal vorkommen, werden wir dich natürlich sofort informieren. Und jetzt genieß einfach die nächsten Tage“, versicherte seine Mutter ihm lächelnd. „Das werde ich. Bis bald“, verabschiedet er sich mit einer Umarmung von seiner Mutter. Auch seine Tochter bekam eine liebevolle Umarmung und einen Kuss auf die Stirn. In wenigen Tagen würde er den Weg wieder auf sich nehmen, um seine Tochter zu besuchen, doch nun musste er erstmal wieder Abschied nehmen.
Ein ziemlich blöder Zufall!
Ein ziemlich blöder Zufall!
Müde streckte sich Kagome, nachdem ihr Wecker sie aus ihrem Schlaf gerissen hatte. Doch wirklich fit fühlte sich die Schülerin nicht. Durch die Babysitterabende musste sie ihre schulischen Aktivitäten auf den späten Abend verschieben. Oft kam sie erst nach Mitternacht ins Bett und auch das Wochenende brachte oft nicht die erwünschte Erholung. Kagome musste, wie auch diesen Samstag, im Laden ihrer Eltern aushelfen. Anschließend würde sie den Wocheneinkauf mit ihrer Mutter erledigen, zumindest die Dinge, die sie selbst nicht im Laden hatten. Auch wenn der Laden ihrer Eltern nicht gerade groß war, so viel doch immer einiges an Arbeit an. Kagome wusste, dass am heutigen Morgen wieder die Obstabteilung auf sie wartete. Ein Klopfen war an der Tür zu hören, bevor diese vorsichtig geöffnet wurde. „Oh, du bist doch schon wach“, betrat Kagomes Mutter das Zimmer des Teenagers. „Ja. Kannst du mir bitte einen Kakao machen, bevor wir losfahren?”, bat sie ihre Mutter, nachdem sie sich aus ihrem Bett erhoben hatte.
Kurz fröstelte Kagome. Es war wirklich kühl, wenn man aus seinem warmen Bett stieg. „Natürlich. Willst du auch eine Kleinigkeit essen?“, wollte ihre Mutter wissen. „Nein danke“, schüttelte Kagome ihren Kopf. Für sie war es einfach viel zu früh, um bereits zu frühstücken. Sie würde sich am Vormittag eine Kleinigkeit im Laden genehmigen. „Gut. Dein Vater wird uns später ablösen, nachdem er mit Sota bei seinem Fußballspiel gewesen ist. „Alles klar“, nickte Kagome. Von den Plänen hatte sie schon am Vortag gehört. Sota hatte sich gewünscht, dass endlich auch sein Vater ihn bei einem Spiel sehen konnte. Diesen Wunsch erfüllte der Mann ihm nur zu gerne. Dadurch hatte sich der Dienstplan etwas geändert. Doch Kagome störte es nicht, nun zusammen mit ihrer Mutter die Schicht zu beginnen. Vielleicht war es ihr lieber, denn immerhin war ihre Mutter schon am frühen Morgen gesprächig. Anders als ihr Vater oder Bruder, die oft einige Zeit brauchten, um richtig ansprechbar zu sein.
Doch bevor Kagome ihre Schicht beginnen konnte, musste sie erstmal fertig werden. Also schnappte sie sich ihre Kleidung und verschwand anschließend im Bad, um sich etwas frisch zu machen.
Erleichtert atmete Inuyasha durch, nachdem die Probe wie geplant stattgefunden hatte. Die letzten Tage waren wirklich herausfordernd gewesen. Nicht nur hatten sie einige Konzerte absolviert, sondern auch einige technische Probleme aufarbeiten müssen. Am heutigen Tage schien sich jedoch alles wieder zu fügen. Die Probleme waren alle behoben und alles lief beinahe vorbildlich ab. Nun musste nur noch das Konzert am Abend genauso ablaufen. „Das war gut, Jungs“, lobte Totosei sie. „Hat ja auch lange genug gedauert, bis die Soundprobleme behoben wurden“, murrte Koga, der genau wie der Rest der Band einige kurze Nächte verbringen musste, um alles wieder zu regeln und vernünftige Proben durchzuführen zu können. „Ich weiß, dass ihr alle erschöpft seid. Aber nach dem heutigen Konzert habt ihr endlich zwei Tage frei.“ Über diese zwei Tage freuten sich die vier Männer auch sehr. Ihre Akkus waren schon ziemlich am Ende. Eine Tour war zwar aufregend und spannend. Dennoch war sie ebenso unheimlich anstrengend.
Vor allem dann, wenn nicht immer alles reibungslos ablief. „Die Tagen sind wirklich nötig“, pflichtete Shippo der Aussage bei. Die vier Männer wollten zusammen zurück nach Tokio fahren. Sie wollten Zeit mit ihren Familien verbringen und auch Moroha sollte alle wieder etwas für sich haben. „Ihr wollt wirklich zurück nach Tokio?“, wollte Totosei nochmals nachhorchen. Auch weil ihm der Plan der Männer scheinbar nicht gefiel. „Ja und du wirst uns nicht daran hindern“, bestätigt Inuyasha dem älteren Mann. Schon sein letzter Besuch musste auf Grund der Probleme platzen. Inuyasha hatte wirklich Sehnsucht nach seiner Tochter. Beinahe fünf Wochen ohne sie zu treffen, hätte er kaum überstanden. Er hatte schon zwei Wochen überstanden, weitere fast drei würden noch auf ihn zukommen. Wochen in denen es etwas leichter werden würde. Sie näherten sich immer mehr ihrer Heimat Tokio. Die Wege zu seiner Tochter würden also immer kürzer werden, sodass er kürzere Fahrzeiten hatte und seine Kleine öfters besuchen konnte, wenn es die Zeit zuließ.
„Ich werde euch nicht hindern. Aber begeistert bin ich nicht. Ich hoffe nur das ihr in drei Tagen dann pünktlich wieder hier seid und euer Bestes gebt“, seufzte Totosei. Auch ihm war klar, dass diese kurze Auszeit wichtig war. Genau deshalb schien er keine weiteren Einwände zu suchen. Selbst wenn er nicht einverstanden gewesen wäre, umstimmen hätten sich die vier auf keinen Fall lassen und wenn sie dafür hätten kämpfen müssen.
„Was steht denn alles auf der Liste?“, wollte Kagome von ihrer Mutter wissen, nachdem sie zusammen mit Sota das Einkaufszentrum betreten hatten. „Hier.“ Dankend nahm Kagome die Liste von ihrer Mutter entgegen und besah sich die Liste genau. Einige Drogerieartikel, aber auch Lebensmittel befanden sich auf dieser. „Ich würde mich um die Drogerieartikel kümmern und du dich um Fleisch und Fisch?“, fragte Kagome ihre Mutter. Immerhin kannte sie sich bei den Lebensmitteln besser aus, für was sie es verwenden konnte. „Natürlich. Passt du auch bitte auf Sota auf?“, bat ihre Mutter sie. „Na klar. Kommst du, Sota?“, fragte sie ihren kleinen Bruder, welcher wie immer schon interessiert durch das Geschäft schaute. Kagome fand es in dem großen Laden immer sehr anstrengend, weshalb sie nur ab und zu mit ihrer Mutter einkaufen ging. Sie besorgte lieber die Zutaten für das Essen in ihren Laden, doch dieser führte nun mal kein Fleisch und auch Tiefkühlprodukte hatten sie nicht oder eben nur eine kleine Menge beziehungsweise eine Auswahl im Sortiment.
„Kann ich ein neues Auto haben?“, hörte sie ihren Bruder fragen, als sie durch den Gang liefen. In diesem waren einige Spielzeuge ausgestellt, die für kleine Kinder natürlich ansprechend waren. „Sota, du weißt, dass wir nur Dinge von der Einkaufsliste kaufen“, murrte Kagome genervt, da sie diese Diskussion immer und immer wieder mit ihrem Bruder führen musste. „Das ist so unfair“, verschränkte Sota trotzig seine Arme und lief mit finsterer Miene hinter seiner Schwester her. „Unfair? Weißt du was unfair ist? In deinem Alter habe ich schon ohne Hilfe auf dich aufgepasst. Du hast ein sehr unbeschwertes Leben und kannst trotzdem nur murren“, platzte es etwas ungehalten aus ihr heraus. Ihr kleiner Bruder konnte noch nicht mal was für ihre schlechte Laune. Sie war einfach übermüdet, überfordert und genervt von den vielen Leuten. Die Kunden waren wahnsinnig anstrengend gewesen, wie immer nach den Feiertagen die ersten zwei drei Monate. Sie hatten nun mal weniger Geld und versuchten zu feilschen, wo es nur ging. Das auch sie Leben mussten, schienen die meisten oft nicht zu verstehen.
„Das ist nicht wahr Kagome. In meinem Alter hast du bestimmt nicht die ganze Zeit auf mich aufgepasst.“ Damit hatte Sota natürlich recht. Mit knapp neun hatte sie nicht die volle Verantwortung von ihren Eltern übertragen bekommen. Sie hatte mal die Aufsicht, wenn das Haus geputzt werden musste oder ihre Mutter schnell einkaufen war, dennoch hatte sie ihre Aufgabe erfüllt. „Da noch nicht“, murrte Kagome und warf ein paar Artikel in ihren Einkaufskorb. Denn inzwischen übernahm sie einiges mehr an Verantwortung für ihren Bruder. Sie unterstützte ihre Eltern, wo sie nur konnte, und ließ ihre eigenen Träume hintenanstehen, um auch Sota eine gute Zukunft zu ermöglichen. Vielleicht würde er seine Träume irgendwann verwirklichen können, etwas was ihr verwährt bleiben würde.
„Jetzt komm schon, Sota“, kam es frustriert über Kagomes Lippen. Nachdem sie alle Besorgungen erledigt hatte, hatte sie sich zusammen mit ihrem Bruder ins Freie begeben, um dort auf ihre Mutter zu warten. Zu ihrem Missfallen schien dieser aber wenig Interesse am Warten zu haben. Immer wieder lief er ihr davon oder spielte mit dem zusammengeschobenen Schnee. „Jetzt hör doch mal auf“, fauchte sie ihren Bruder an, nachdem dieser trotz mehrmaliger Aufforderung nicht wieder zu ihr gekommen war. Zusätzlich packte Kagome ihn am Handgelenk und zog ihn wieder auf den Gehweg. „Wir warten jetzt hier auf Mama“, forderte sie ohne Chancen auf Widerworte. Am heutigen Tage machte Sota sie fertig und das kam wirklich nicht oft vor. „Kagome?“ Bei ihrem Namen drehte sie sich in die Richtung, aus welcher sie gerade angesprochen wurde, und bekam augenblicklich große Augen. „Haa… hallo...“, kam es eher stotternd über ihre Lippen, da sie Izayoi und Rin mit einem Kinderwagen, in welchen wohl Moroha lag, entdeckte.
Dieses Treffen hatte ihr gerade noch gefehlt. „Wer ist das, Kagome?“, wollte ihr kleiner Bruder sofort wissen. „Ähm…“, kam es ihr geistreich über die Lippen. Kagome war einfach zu geplättet von dieser Begegnung. „Hallo?“, kam auch just in diesem Moment ihre Mutter zu der kleinen Gruppe und beäugte diese kritisch. „Wohnst du etwa hier in der Nähe?“, machte Rin unbekümmert weiter. „Ja... und ihr seid auch gerade beim Einkaufen?“, versuchte Kagome so normal wie möglich zu wirken. „Nein. Wir wollten einfach eine Runde mit Moroha drehen. Frische Luft tut ja bekanntlich gut“, lächelte Rin und deutete auf den Kinderwagen. „Ah, schön“, entgegnete Kagome unsicher. Am liebsten hätte sie sich einfach in Luft aufgelöst. „Wer sind sie denn?“, wollte nun auch ihre Mutter wissen. Immerhin kannte sie die beiden Frauen vor sich nicht. „Mein Name ist Izayoi und das ist Rin. Im Kinderwagen ist Moroha meine Enkelin und Kagome ist…“
„Ich bin die Babysitterin von ihr. Du weißt schon. Moroha. Das kleine Mädchen auf das ich hin und wieder aufpasse“, stoppte Kagome eilig Izayois Aufklärung, bevor sie etwas Falsches sagen konnte. „Ach das ist, Moroha? Darf ich mal in den Kinderwagen schauen?“, wollte ihre Mutter lächelnd wissen. Kagome hätte sich beinahe an ihrer Spucke verschluckt, als sie das gehört hatte. Hoffentlich würde ihre Mutter keine Ähnlichkeiten erkennen. „Sie ist aber niedlich und noch so klein“, lächelte ihre Mutter. „Ja, das ist sie wirklich. Sie ist etwas über zwei Monate alt“, erklärte Rin mit einem Lächeln. „Moroha kann doch nur niedlich sein. Bei so einer hübschen Mutter wie Rin“, versuchte Kagome von der Tatsache abzulenken, dass Moroha durchaus Ähnlichkeiten zu ihr hatte. Rin war ebenfalls schwarzhaarig und hatte braune Augen, genau wie sie und Moroha. Augenblicklich wurde sie auch von drei älteren Damen misstrauisch beäugt. „Müssen wir nicht langsam los, Mama?“, versuchte Kagome einem weiteren Gespräch zu entrinnen.
„Leider. Aber vielleicht sieht man sich ja irgendwann wieder“, stimmte ihre Mutter ihr zu, nachdem sie die Uhrzeit gecheckt hatte. Mittlerweile war es schon später Nachmittag und ihre Mutter wollte ihrem Vater noch etwas leckeres Kochen. Ein Zeitpunkt, der nicht besser hätte sein können. „Ja vielleicht“, murmelte Izayoi, ehe sie sich von der dreier Gruppe verabschiedete. Das mulmige Gefühl in ihrem Bauch blieb jedoch bei Kagome, immerhin würde sie schon morgen wieder auf Moroha aufpassen und das bestimmt nicht ganz, ohne verhört zu werden.
Aus Ahnen wird Gewissheit!
Aus Ahnen wird Gewissheit!
„Was denkst du über das Treffen mit Kagome?“, richtete Rin nachdenklich das Wort an Izayoi, mit welcher sie gerade eine Tasse Kaffee trank. Nach dem überraschenden Treffen mit der jungen Frau hatte sie einige Fragen in ihrem Kopf. „Es war schon seltsam. Sie hat unglaublich angespannt gewirkt und auch dass sie sofort dich als Mutter vorgeschoben hat, gibt mir zu denken.“ Dies war ebenso Rins Gedanke. „Sie sah noch so jung aus“, murmelte Rin fast zu sich selbst. Vor knapp drei Wochen hatte Kagome noch halbwegs erwachsen gewirkt. Doch am heutigen Tag war Kagomes Kleidungsstil und auch ihr Auftreten mit dem kleinen Jungen an ihrer Seite deutlich jugendlicher. „Ich denke auch, dass Inuyasha und Kagome uns hier etwas angeflunkert haben. Ich habe schon beim Kennenlernen nicht daran geglaubt, dass Kagome wirklich schon zwanzig Jahre alt ist und studiert. Irgendwie kam mir alles an der Geschichte etwas seltsam vor. Auch dass sie einmal Schule erwähnt hat, hat mich schon damals verwundert. Selbst Toga vermutet, dass Kagome jünger ist, die Frage ist nur wie jung“, seufzte Izayoi.
Eine berechtigte Frage. Immerhin konnte es für Inuyasha ernsthafte Probleme bedeuten, wenn Kagome noch keine sechzehn Jahre alt war. Rin hoffte nur, dass ihr Schwager nicht wirklich so dumm gewesen war und mit einem Kind geschlafen hatte. „Ich habe mir überlegt morgen den Termin sausen zu lassen. Dadurch würde ich nicht gehen. Inuyasha wollte morgen sowieso kommen und eigentlich Kagome ablösen. Doch ich würde gerne mit den beiden sprechen und endlich mal die Wahrheit hören wollen. Also lasse ich Kagome einfach mal kommen und sehe ja was passieren wird“, kam Izayoi die Idee. „Kann ich hierbleiben?“, wollte Rin wissen, die zwar eigentlich am heutigen Abend zurück zu Sesshomaru fahren wollte, um weiter den Umzug voran zu bringen, doch ihr Mann würde es bestimmt auch ohne sie schaffen, ein paar Umzugskartons in die neue Wohnung zu bringen. „Natürlich. Immerhin betrifft diese ganze Situation unsere ganze Familie“, stimmte Izayoi ihrer Schwiegertochter zu, sodass Rin nur noch Sesshomaru Bescheid geben musste.
Den Abend und die Nacht würde sie vermutlich mit viel nachdenken verbringen. Immerhin war ihr Inuyasha wichtig und das er sich vielleicht in solche Schwierigkeiten gebracht hatte, war unheimlich schwer für sie zu ertragen.
Langsam nahm Kagome die Kleidung, welche Inuyasha ihr gekauft hatte, aus dem Kleiderschrank. Nachdem sie heute seiner Mutter gegenüberstehen würde, wollte sie wieder etwas erwachsener wirken. Der gestrige Vorfall hatte ihr eine schlaflose Nacht bereitet, auch weil ihre Mutter ihr seltsame Fragen gestellt hatte. Sie hatte viel über Moroha wissen wollen und ihre Blicke hatten Kagome massiv verunsichert. Kagome hoffte wirklich, dass sie nicht doch auf die Idee kam, dass Moroha Kagomes Tochter war. In den letzten Monaten war ihre Mutter immer dabei sie zu beobachten, fast so, als wüsste sie, dass Kagome ein Geheimnis hatte. Dass sie dies nicht direkt angesprochen hatte, verunsicherte Kagome jedoch. Normal suchte ihre Mutter immer wieder Gespräche mit ihren Kindern, wenn sie unsicher war. Doch diesmal verhielt sich ihre Mutter ganz anders. Sie hinterfragte nicht, sondern beobachtete. Erst seit dem vorangegangenen Tag hatte sie plötzlich hunderte Fragen, die Kagome nicht alle oder nur ungern beantworten konnte. Der heutige Abend würde hoffentlich besser verlaufen.
Kagome würde versuchen, so knapp wie möglich zu der Wohnung von Inuyashas Eltern zu kommen. Schon allein um unangenehmen Fragen ausweichen zu können. Doch vorher musste sie sich noch etwas zurecht machen. Sie hatte sich etwas Schminke besorgt und würde versuchen das Ergebnis der Visagistin nachzumachen. Wirklich viel Hoffnung hatte sie dabei nicht. Sie hatte sich nur selten geschminkt und wenn nur sehr dezent. Vor allem aber musste sie schauen, dass sie ihrer Mutter nicht begegnete. Diese würde doch nur weitere Fragen haben und Kagome noch mehr in die Enge treiben.
„Dieser ganze Schnee ist echt nervig“, kam es frustriert von Koga. „Nützt halt nichts. Wir wollen trotzdem nach Hause“, zuckte Inuyasha mit den Schultern. Nachdem sie zusammen von Kobe losgefahren waren, waren sie prompt in einen Schneesturm geraten. „Wir kommen schon noch an, Koga“, seufzte Miroku, der neben Inuyasha auf dem Beifahrersitz saß und mit seinem Habdy hantierte. „Ich weiß. Aber vermutlich um Stunden später“, murrte der junge Mann, nachdem er wiederholt aus dem Fenster geschaut hatte. „Deshalb sind wir doch auch schon früher losgefahren“, murmelte Inuyasha, der schon am Vorabend den Wetterbericht gesehen hatte. Die Straßenmeisterei war wirklich bemüht den Schneemassen Herr zu werden, doch wirklich klappen wollte das nicht. Immer wieder sahen sie Räumfahrzeuge vorbeifahren. Sahen, dass der Streudienst sein Bestes gab und doch waren die Schneemassen unglaublich. Die Fahrzeuge konnte sich nur langsam durch das Chaos bewegen und trotzdem war Inuyasha die Ruhe selbst.
Es brachte nun mal nichts jetzt hektisch zu werden. Die Sicherheit ging eindeutig vor und wenn sie für die Strecke nun etwas länger brauchen würden, würde Inuyasha dies in Kauf nehmen. „Wir können ja an einer Raststätte stehen bleiben und warten bis es besser wird“, versuchte Inuyasha Kogas Laune zu heben. Schließlich würden sie sicher nicht so viel Zeit verlieren, wenn es denn wirklich bald besser wurde. „Fahr lieber weiter. Ich will heute noch nach Hause“, verschränkte Koga seine Arme, lehnte sich in seinem Sitz zurück und schloss seine Augen. Er würde wohl ein paar Stunden schlafen vorziehen und Inuyasha konnte dies nur recht sein. Die Fahrt würde so deutlich ruhiger verlaufen und er könnte sich weiter auf die Streck konzentrieren.
„Entschuldigt, aber dieser Schneesturm hat auch die Bahnen etwas beeinträchtigt“, entschuldigte sich Kagome, als sie völlig atemlos an der Haustür von Inuyashas Mutter empfangen wurde. Kagome hatte zwar geplant knapp zu kommen aber so knapp dann doch nicht. Beinahe wäre sie zu spät gekommen, nachdem der Bahnverkehr nur eingeschränkt funktioniert hatte. „Kein Problem, komm doch rein, Kagome“, trat Izyaoi lächelnd zur Seite. Kagome war wirklich froh nun in eine warme Wohnung zu kommen. Die Kälte und der viele Schnee hatten dafür gesorgt, dass Kagome wahnsinnig fröstelte. „Ähm… was ist denn hier los?“, wollte Kagome verunsichert wissen, nachdem sie bereits im Eingangsbereich einige Schuhpaare entdeckt hatte und anschließend den hübsch gedeckten Tisch vorfand. „Ich dachte mir, wir könnten alle zusammen wieder mal gemeinsam essen und uns ein wenig unterhalten“, erklärte Izayoi. Kagome schwante Böses, als sie sowohl Inuyashas Vater als auch dessen Bruder und Rin zusammen mit Moroha im Wohnzimmer entdeckte.
„Ihr wolltet doch zu irgendeinem Termin?“, versuchte Kagome ihre Verwirrtheit zu klären. „Den haben wir abgesagt. Dieser ganze Schnee und das Wetter hätten ohnehin nur für Ärger gesorgt“, winkte Izayoi ab. „Rin und Seeshomaru wollten auch nicht mehr nach Hause bei dem Wetter“, klärte Izayoi sie auf, warum die Beiden ebenso sich in der Wohnung befanden. „Wieso musste ich dann kommen?“, wollte Kagome wissen. Immerhin hätte sie auf Moroha aufpassen sollen und das war nun eigentlich nicht nötig. „Ich denke, ein Gespräch würde uns sicher nicht schaden.“ Resigniert schloss Kagome ihre Augen. Sie hatte so sehr gehofft, dass dieser Abend besser werden würde und jetzt musste sie sich wohl allein einem Verhör unterziehen, dem sie nicht ausweichen konnte.
„Können wir nun etwas miteinander sprechen?“, fragte Rin Kagome, nachdem Izayoi und sie die junge Dame eine längere Zeit dabei beobachtet hatten, wie sie Moroha umsorgt hatte. Doch langsam hatte Rin genug von der Schonfrist. Sie wollte Klarheit und das möglichst, bevor Inuyasha bei der Tür herein schnalte und weiter auf Schmierentheater machte. „Ich werde es wohl nicht verhindern können“, murmelte Kagome, wohlwissend das sie ihren Fragen nicht entkommen konnte. Sie setzte sich zusammen mit Moroha im Arm auf die Couch. Wie hypnotisiert sah sie auf das Mädchen, welches mittlerweile friedlich in ihrem Arm eingeschlafen war. „Wie alt bist du wirklich?“, stellte auch Rin sofort die Frage, die sie am meisten interessierte. Immerhin hatte sie in einem unbeobachteten Moment in Kagomes Tasche gelugt und was sie dort gesehen hatte, hatte ihr nicht wirklich gefallen. „Und sag nicht nochmal, dass du zwanzig bist“, schoss Rin sofort hinterher, denn sie hatte die Bücher gesehen, die nichts mit einem Studium zu tun hatte. „In ein paar Wochen werde ich sechzehn“, gab Kagome leise zu.
Rin und auch Izayoi mussten bei dieser Aussage kurz schlucken, ihnen stockte der Atem, als sie realisierten, dass Kagome also erst fünfzehn Jahre alt war. „Du bist fünfzehn?“, wollte Rin nochmal das Gehörte überprüfen. „Ja“, bestätigte Kagome kleinlaut. Rin hörte, wie ihre Schwiegermutter tief durchatmet. Ihr schien das eben Erfahrene ebenso nicht zu gefallen. „Seid ihr beide eigentlich komplett bescheuert?“, platzte es aus Izayoi heraus. „Wie kann man so unverantwortlich sein?“, machte sie ihrem Ärger Luft. „Es tut mir leid. Es war doch alles nicht geplant“, stammelte Kagome, die sich sichtbar unwohl in der Situation fühlte. Rin verstand dies natürlich, dennoch verstand sie auch die Wut ihrer Schwiegermutter, „Izayoi, bitte. Es ist nicht nur Kagomes Schuld, sondern auch Inuyashas“, bat Rin um Umsicht, schon allein, weil Kagome den Tränen nah zu sein schien. „Das weiß ich auch. Und ich bin wahnsinnig wütend auf ihn. Wie konnte er nur mit einem Kind schlafen. Das ist Missbrauch und dann bekommen die beiden auch noch ein Kind“, verdeutlichte Izayoi nochmals die Situation.
Bei dieser Aussage brachen bei Kagome auch sofort alle Dämme. Als Kagome aufstand und Moroha an Rin übergab, sagte niemand ein Wort. Selbst als sie wortlos den Raum verließ, hielt sie niemand auf. Rin wusste, dass das junge Mädchen etwas Abstand brauchte, um sich wieder zu fangen und würde ihr diesen geben. Auch Izayoi würde etwas Zeit brauchen, denn aus einer bösen Vermutung war letzten Endes die Wahrheit geworden.
Gemeinsam statt allein!
Gemeinsam statt allein!
Erschrocken stolperte Inuyasha nach hinten und konnte es gerade so verhindern, dass er die Treppenstufen, die er soeben hochgegangen war, wieder herunterfiel. Auch die junge Frau in seinen Armen konnte er gerade so vor einem Sturz bewahren. „Was ist denn los, Kagome?“, wollte er verwirrt wissen, als er realisierte, dass es Kagome war, die soeben stürmisch aus der Wohnung seiner Eltern gelaufen war und sichtlich aufgewühlt wirkte. „Lass mich los“, forderte sie weinend. Doch er dachte nicht daran. „Nein. Du sagst mir jetzt erstmal, was passiert ist“, beharrte er auf eine Antwort. Immerhin sollte Kagome soeben auf Moroha aufpassen und nicht weinend die Wohnung verlassen. Seiner Meinung nach konnte sie bestimmt eine Lösung finden, egal was es war. „Ich will hier weg“, flehte sie ihn schluchzend an.
Kurz überlegte Inuyasha. Der Schneesturm war schlimmer geworden, er war froh, dass er überhaupt noch bei seinen Eltern angekommen war. Die ganze Stadt versank langsam im Schneechaos. Etwas, an das er sich noch nie erinnern konnte. „Ich weiß, wo wir hingehen können“, fiel ihm schließlich ein Ort ein. Er schnappte sich Kagomes Hand und führte sie die Treppen hinauf, an einen Ort, den er sonst nie mit jemandem betreten hatte.
„Wo sind wir hier?“, wollte Kagome verwirrt wissen, nachdem sie Inuyasha, ohne groß darüber nach zu denken gefolgt war. „An meinem Ruheort. Hierher habe ich mich immer zurückgezogen, wenn die Welt zu laut wurde und ich mal eine Auszeit brauchte“, gestand er ihr. Dabei setzte er sich auf den Boden vor dem großen runden Fenster und klopfte auf den Platz neben sich. „Komm setz dich und erzähl mir mal, was passiert ist.“ Nur zögerlich setzte sie sich neben den jungen Mann, nachdem sie einige Zeit durch das Fenster geschaut hatte und den Sturm beim Toben beobachtete. Auch in ihr herrschte ein unaufhaltsamer Sturm. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, murmelte Kagome mehr zu sich selbst. In der letzten Stunde war so viel geschehen. „Am besten von vorne. Ich habe gesehen, dass Sess Auto unten steht. Ich nehme an, er kümmert sich nun um Moroha?“, hörte sie seine Frage, die natürlich berechtigt war.
„Ja und nein. Deine ganze Familie ist heute lieber zuhause geblieben“, seufzte sie leise. Sie hätte sich so sehr gewünscht, dass alles wie besprochen abgelaufen wäre. „Und warum bist du dann da?“, kam es auch verwirrt über Inuyashas Lippen, immerhin hätte sie so den Tag über bei sich bleiben können und nicht in diesem furchtbaren Schneesturm zu ihrer Tochter kommen müssen. „Weil sie mit mir sprechen wollten“, seufzte Kagome. „Rin und Izayoi haben mich gestern zusammen mit meinem Bruder und Mutter in der Stadt getroffen.“ Kurz sog Inuyasha die Luft ein. „Das Treffen lief wohl nicht so optimal?“, wollte er daher wissen. „Nein. Ich war mega genervt von meinem Bruder. Und plötzlich standen die beiden vor mir. Ich war einfach total überrumpelt und brachte kein Wort heraus. Zu allem Überfluss kam natürlich auch noch in dem Moment meine Mutter. Nachdem ich meinte, dass es meine Arbeitgeber sind und ich auf das kleine Mädchen im Kinderwagen immer aufpasse, wollte sie natürlich hineinschauen.“ Etwas, was sie sich hätte sparen sollen, denn das hatte Kagomes Probleme erst richtig ins Rollen gebracht.
„Und was ist dann passiert?“, wollte er wissen, wenn auch mit einem verzogenen Gesichtsausdruck. Vermutlich ahnte er schon, dass es nicht gut ausgehen konnte, sah Moroha ihm doch kein bisschen ähnlich. „In meiner Panik habe ich natürlich gesagt, dass Rin ihre Mutter ist. Und genau das löste wohl einige Fragen bei deiner Mutter und Rin aus“, seufzte Kagome. Nur ungern erinnerte sie sich an die Situation von eben zurück. „Wieviel haben sie rausbekommen?“, wollte er wissen. In dieser Angelegenheit würde er ebenso ziemlichen Ärger bekommen. „Alles? Sie wollten natürlich wissen, wie alt ich wirklich war. Vor allem, weil ich gestern wesentlich anders und jünger gewirkt hatte.“ Bei dieser Aussage schluckte Inuyasha schwer. Langsam schien er zu verstehen, dass es eine blöde Idee war. „Wie haben sie reagiert?“, hakte er leicht zögernd nach. „Wie wohl? Sie haben geschimpft und schlussendlich gemeint, dass es strafbar sei und ich noch ein Kind wäre.“ Genau das hatte sie sehr getroffen. Sie war zwar jung, aber kein Kind mehr. „Autsch“, konnte er es sich nicht verkneifen.
„Verstehst du jetzt, warum ich nicht dortbleiben konnte?“, wollte Kagome wissen. Immerhin hatte sie eigentlich von diesem Ort verschwinden wollen. Jedoch saß sie nun mit Inuyasha hier und sprach über ihre Probleme. „Ja. Ich denke trotzdem, dass wir uns wohl oder übel dieser Sache stellen müssen. Moroha ist unsere Tochter, schon allein für sie sollten wir alles tun, damit es ihr gut geht.“ Dies war Kagome ebenso bewusst. Doch sie wusste wirklich nicht, wie sie der Familie des Vaters ihrer Tochter nochmal begegnen sollte. „Sie hassen mich doch sowieso schon. Ich bin der Fehler, den du niemals hättest machen dürfen“, versuchte sie sich zu erklären. „Hör mal zu. Du bist alles. Nur kein Fehler. Ja wir haben nicht aufgepasst und ja ich hätte nach deinem Alter fragen können. Habe ich aber nicht. Ich habe mit dir geschlafen, weil ich es wollte und du auch. Ich bereue nichts an dieser Nacht und habe daran nur schöne Erinnerungen. Genau das werde ich meinen Eltern auch sagen“, machte er ihr Mut.
Damit gab er ihr die nötige Kraft, sich noch einer Auseinandersetzung entgegenzusetzen. „Du bleibst also an meiner Seite?“, wollte sie trotzdem noch einmal überprüfen, als sie Inuyasha die Hand hinstreckte und sich von ihm aufziehen ließ. „Natürlich, immer. Wenn es sein muss, stelle ich mich auch gegen meine Eltern“, versprach er ihr mit einem Lächeln. Ob er sein Wort halten würde, würde Kagome in wenigen Minuten sehen, doch erstmal freute sie sich über seine Worte.
„Na komm.“ Trat Inuyasha einen Schritt zur Seite, um Kagome wieder in die Wohnung seiner Eltern zu lassen. Nachdem sie aus der Wohnungstür gestürmt war, war diese nicht abgeschlossen worden. Man hatte also damit gerechnet, dass sie nochmal wiederkommen würde. Aus dem Wohnzimmer hörte Inuyasha auch ein Stimmenwirrwarr. Scheinbar wurde hitzig über die Situation diskutiert. „Könnt ihr das mal vor Moroha lassen“, betrat er entschlossen den Raum und nahm Rin seine Tochter ab, um zu verdeutlichen, dass ihm die Situation nicht gefiel. „Du kommst mir gerade recht“, kam auch sofort seine Mutter auf ihn zu. „Ich habe grad was gesagt“, forderte er seine Mutter auf leiser und vor allem gezügelter zu sein. „Wie konntest du so blöd sein? Ist dir eigentlich klar, dass du ein Kind missbraucht hast? Wenn ich richtig gerechnet habe, muss Kagome noch vierzehn gewesen sein. Sie war noch ein Kind“, machte sie nach wie vor aufgebracht weiter, aber deutlich gemäßigter. „Sie war fünfzehn. Und nein, ein Kind ist sie schon lange nicht mehr“, widersprach Inuyasha ihr sogleich.
„Ob nun vierzehn oder fünfzehn… das spielt keine Rolle, Inuyasha. Du hast dich strafbar gemacht“, mischte sich auch Rin ein. „Könnt ihr mal aufhören damit? Ja, Kagome und ich hatten eine einzige Nacht zusammen. Sie war nicht geplant und ja verdammt, ich habe nicht gefragt, wie alt sie eigentlich ist. In dem Moment habe ich nur sie gesehen. Eine wunderschöne junge Frau. An Konsequenzen oder ähnliches haben weder Kagome, noch ich gedacht“, verdeutlichte Inuyasha seine Sicht der Dinge. Vielleicht hätte er seine Familie nicht anlügen sollen. Doch er hatte Angst. Angst vor genau dieser Reaktion. „Na fabelhaft. Wir kommen dich im Gefängnis besuchen“, kam es fast schon entsetzt von seiner Mutter. „Nein. Ich habe bis jetzt keinen Ton gesagt. Und ich werde es auch weiterhin nicht tun. Inuyasha ist ein wirklich toller Vater und ich würde ihn niemals in so eine Situation bringen. Unsere Nacht ist beinahe ein Jahr her. Meint ihr nicht, dass ich, wenn ich es gewollt hätte, ihn schon längst in den Knast gebracht hätte?“, mischte sich nun auch Kagome in die Diskussion ein.
„Und wenn es wer rausbekommt? Deine Mutter zum Bespiel?“, wollte Rin wissen. „Dann werde ich ihr genau das sagen. Ja, ich war jung. Habe nicht gewusst, was passieren könnte, oder es besser verdrängt. Ich war verliebt und mein Idol hat mich so nah an sich herangelassen. Meine Mutter wäre bestimmt sehr wütend. Aber sie würde auch nicht so handeln, nicht wenn ich dies nicht wollen würde“, stellte Kagome klar. Inuyashas Herz schlug bei ihren Worten schneller. Sie war in ihn verliebt gewesen. Ob es immer noch der Fall war? Seine eigenen Gefühle für Kagome hatte er nie richtig reflektieren können. Nun zu hören, dass sie ihn geliebt hatte oder immer noch tat, löste in ihm eine Welle aus. „Ihr könnt sauer auf mich sein. Vielleicht auch etwas auf Kagome. Aber es tut nichts zur Sache, Mama. Die Nacht ist passiert und Kagome und ich stehen dazu. Ihr müsst nicht immer alles toll finden, was ich mache. Aber ich bin dein Kind und Kinder machen nun mal Fehler. Wichtig ist doch nur wie man damit umgeht“, appellierte Inuyasha an seine Mutter.
Schließlich war niemand perfekt. „Kagome und ich versuchen gerade einen gemeinsamen Weg für uns, aber besonders für unsere Tochter zu finden. Ob ihr uns dabei unterstützt oder nicht, hängt ganz von euch ab.“ Kurz sah Inuyasha rüber zu Kagome. Mit ihr hatte alles begonnen und sie würde immer ein wichtiger Teil in seinem Leben sein, ob seine Familie das hinnahm oder nicht, war ihm herzlichst egal. „Natürlich helfen wir dir und auch Kagome. Hier geht es auch um meine Enkeltochter. Aber dennoch bin ich unendlich enttäuscht, dass ihr uns angelogen habt.“ Diese Enttäuschung konnte Inuyasha verstehen. Es würde bestimmt noch einige Zeit dauern, bis sie es akzeptieren konnten. Dennoch war er froh, dass die Wahrheit herausgekommen war. Er musste nicht mehr aufpassen, keine Fehler mehr vertuschen und genau das würde sein Leben etwas leichter machen. Vor allem, wenn sie nun wirklich alle an einem Strang zogen und gemeinsam versuchten, das Beste für Moroha zu geben.
Gemischte Gefühle!
Gemischte Gefühle!
„Alles geklärt?“, wollte Inuyasha wissen, nachdem Kagome soeben das Telefonat mit ihrer Mutter beendet hatte. „Ja. Begeistert war sie nicht. Aber nach Hause komme ich wohl heute auch nicht mehr“, seufzte sie, die natürlich auch von den Streckensperrungen gelesen hatte. Ein nach Hause kommen war für den Teenager einfach nicht möglich. Zumindest wenn sie nicht Stunden in einem Schneesturm verbringen wollte. „Ich kann dich morgen bestimmt noch nach Hause bringen, wenn es die Straßen zulassen“, bot Inuyasha ihr an. Dieses Angebot würde sie gerne annehmen, weil sie weder Wechselklamotten noch ihre Schulsachen mitgenommen hatte. Nur ein paar Bücher zum Lernen. „Gern. Kannst du mich dann auch in die Schule bringen?“, fragte sie unsicher. Immerhin war Inuyasha zu nichts verpflichtet. „Klar. Ich bin noch die nächsten zwei Tage in Tokio. Danach muss ich leider wieder los“, seufzte er. „Du hast doch nur noch drei Wochen“, versuchte sie ihn aufzuheitern. Immerhin hatte er schon beinahe die Hälfte geschafft.
Die restlichen Wochen würde er bestimmt auch noch gut über die Bühne bringen können. „Zum Glück. Wollen wir nun essen gehen?“, fragte er, weil er bereits ziemlichen Appetit hatte. „Klar“, stimmte Kagome zu. Den Abend und ebenso die Nacht würde sie bei Inuyasha und seiner Familie verbringen.
„Moroha schläft jetzt“, verkündete Inuyasha, nachdem er seine kleine Tochter am heutigen Abend wieder Bettfertig machen konnte. Kagome saß unterdessen auf der Couch und hatte sich mit ihren Büchern bewaffnet. „Lernst du schon wieder?“, wollte er wissen. Inuyasha war zwar immer ein guter Schüler gewesen, doch wirklich Lust und Spaß am Lernen hatte er nicht gehabt. Er bewunderte Kagome wirklich, dass sie so engagiert war. „Noch habe ich meinen Traum nicht aufgegeben“, funkelte Kagome ihn sofort an. „Welchen Traum?“, wollte seine Mutter gleich wissen. Schon beim Abendessen hatten sie einige Dinge nachgefragt. Sie schienen wirklich wissen zu wollen, wer Kagome wirklich war. „Ich möchte an die Shikon. Leider muss ich dafür Bestnoten vorzeigen können und auf ein Stipendium hoffen“, erklärte Kagome die Situation. Kurz biss sich Inuyasha auf die Unterlippe. Er hatte es immer noch nicht geschafft, Sango zu bitten mehr herauszufinden. „Das ist wirklich eine gute Oberschule. Aber warum ist dir genau diese so wichtig?“, wollte Rin erfahren, die selbst nicht das Glück hatte, an so eine Oberstufe gehen zu können.
Dennoch hatte sie all ihre Träume verwirklichen können, zumindest fast alle. „Ich habe zwar gelogen, dass ich bereits studiere. Aber den Traum, Ärztin zu werden, gibt es wirklich. Die Shikon ist eine der besten Oberstufen und baut genau auf dieses Studienfach auf. Es gibt viele Zusatzkurse, welche ich gerne besuchen würde“, lächelte Kagome, die sich wohl schon einige Gedanken bezüglich ihres Traumes gemacht haben zu schien. „Und warum möchtest du ein Stipendium?“, wollte sein Vater wissen. „Ähm… naja… meine Eltern haben nicht viel Geld. Mit den Einnahmen unsers Ladens können wir uns gerade so über Wasser halten. Zudem gibt es auch noch meinen Bruder Sota. Auch er soll eine gute Ausbildung bekommen und dadurch ist es meinen Eltern nicht möglich mir die Oberstufe und ein langes Studium zu bezahlen“, kam es beinahe verlegen von Kagome. Über Finanzen sprach man nun mal nicht gern. „Dann soll Inuyasha etwas besteuern“, kam es fast schon selbstverständlich von seiner Mutter. „Nein.“ Überrascht schaute Inuyasha zu Kagome, nachdem sie bestimmt abgelehnt hatte.
„Inuyasha hat mit meiner Ausbildung nichts zu tun. Wir sind kein Paar oder ähnliches, noch nicht einmal Freunde. Ich bin lediglich die Mutter seiner Tochter. Aufkommen muss er also für gar nichts, was mich betrifft“, klärte sie gleich ihre Entscheidung auf. Inuyasha war etwas enttäuscht. Er hätte kein Problem damit ihr zu helfen, doch mehr traf ihn die Tatsache, dass Kagome sie nicht mal als Freunde sah. Zumindest das hatte er gehofft, wenn sie schon kein Liebespaar waren. „Du hast einen wirklich starken Willen und ehrgeizig bist du auch“, kam es anerkennend über Sesshomarus Lippen. Dass ihm sowas mal für eine andere Frau außer Rin auskam, hieß wirklich was. Vielleicht würde seine Familie gut mit Kagome auskommen, jetzt wo sie sich nicht mehr verstecken musste und endlich sie selbst sein konnte.
„Willst du auch noch duschen?“, wollte Inuyasha wissen, nachdem er soeben aus dem Badezimmer gekommen war. „Ähm… lieber nicht“, schüttelte Kagome ihren Kopf und versuchte sich weiter auf ihre Lernunterlagen zu konzentrieren. Ganz leicht fiel ihr das nicht bei dem Anblick, den er ihr bot. Der junge Mann stand nur in einem Shirt und Boxershorts vor ihr, trocknete sich noch mit einem Handtuch die nassen Haare. „Wenn du Kleidung brauchst, kann ich dir gerne etwas borgen“, bot er ihr an. Eigentlich würde sie schon gerne eine Dusche nehmen. Doch irgendwie fühlte sie sich auch unsicher. Sie lebte nicht in diesem Haus oder eher Wohnung. Gehörte nicht mal wirklich zur Familie. „Ich weiß nicht“, zeigte sie gleich ihre Unsicherheit. „Du kannst gerne gehen. Wenn du willst, leihe ich dir mein Duschgel und Shampoo“, lächelte sie nun auch Rin an. „Dann gern“, kam es schüchtern von Kagome. Sie fühlte sich alles andere als wohl, dennoch wollte sie am nächsten Tag nicht ungewaschen in die Schule gehen. „Ich hol dir schnell ein paar Sachen“, meinte Inuyasha und verschwand schon leise im Schlafzimmer.
„Und wir zwei gehen schon mal ins Bad. Ich kann dir alles zeigen“, lächelte Rin. Nur langsam folgte Kagome ihr. „Hier sind meine Duschsachen“, übergab Rin Kagome eine kleine Kosmetiktasche. „Dankeschön“, bedankte sich der Teenager. „Kein Problem. Lass dir ruhig so viel Zeit, wie du brauchst.“ Nickend nahm Kagome dies zur Kenntnis. Wirklich lange wollte sie sich in dem Badezimmer aber nicht aufhalten. Sie war eben nur Gast und auch wenn alle recht nett zu ihr waren, ausnutzen wollte sie diese Gastfreundschaft auf keinen Fall. „Ich lege dir die Klamotten hier her“, trat Inuyasha nochmal in das Badezimmer. Er hatte ihr einige Kleidungsstücke auf einen kleinen Hocker gelegt. „Wenn du was brauchst schrei einfach.“ Kagome fand diese Aufforderung wirklich nett, doch sie würde niemals um Hilfe schreien. Kurz darauf schloss er die Badezimmertür wieder. Kagome war nun allein in dem Raum. Damit dies auch so blieb, sperrte sie die Tür ab. Erst dann entledigte sie sich ihrer Kleidung, um eine schnelle Dusche zu nehmen und anschließend vielleicht noch ein wenig lernen zu können.
„Du hättest dir ruhig mehr anziehen können“, murmelte Inuyashas Mutter, nachdem das Wasser im Badezimmer angegangen war. „Und warum?“, wollte Inuyasha wissen, der schon seit jeher am Abend in Boxer und Shirt vor seiner Familie rumlief. „Kagome ist eine junge Frau. Sowas macht man nicht“, appellierte sie auf die Tatsache, dass er nicht viel von seinem Körper bedeckte. „Das weiß ich. Und euch müsste klar sein, dass Kagome alles an diesem Körper bereits gesehen hat“, kam es schon beinahe trotzig von ihm. „Das wissen wir. Dennoch solltest du dir zumindest eine Hose überziehen.“ Leicht verdrehte er seine Augen, aber folgte schließlich der Aufforderung und holte sich eine Jogginghose aus seinem ehemaligen Zimmer. „Gefällt es euch jetzt besser?“ sah er die beiden Damen des Hauses an. Immerhin hatten sie sich mehr Kleidung an seinem Körper gewünscht. „Jap“, lächelten beide zufrieden. Wirklich verstehen konnte Inuyasha nicht, warum er sich plötzlich mehr bekleiden sollte. Doch um weiteren Streit zu verhindern, machte er einen auf braven Jungen.
„Kann ich noch ein Stück Kuchen haben?“, fragte er seine Mutter, nachdem Inuyasha ebenfalls auf der Couch platzgenommen hatte. Zur Ablenkung hatte er sich ein Buch von Kagome geschnappt, sah sich dieses ein bisschen an. Sie schien wirklich fleißig zu sein. In ihrem Alter hatte er alle seine Bücher beschmiert. Liebesschwüre und Schimpfwörter zierten beinahe alle seine Bücher aus der Unterstufe. Bei Kagome fehlten diese vollkommen. Sie war viel erwachsener als er es in ihrem Alter gewesen war. Vielleicht lag das auch an ihrer Situation. Sie war nun mal die ältere, musste bestimmt wie schon Sesshomaru viel helfen. Sota hatte wohl ein ähnliches Leben wie Inuyasha es hatte. Behütet und glücklich, während Kagome wohl immer wieder zurückstecken musste und dadurch einfach schneller erwachsen hatte werden müssen. Sesshomaru hatte dadurch viel Eigenständigkeit und Verantwortung beigebracht bekommen, etwas das Kagome durchaus mit ihm gleich hatte und irgendwie tat es Inuyasha leid. Schließlich hatte er jahrelang ein angespanntes Verhältnis zu seinem älteren Bruder. Hatte Sesshomaru ihn doch oft für seine Nachlässigkeit gerügt.
Erst als Inuyasha älter wurde und auf eigenen Beinen stand, hatte er gelernt, was dies bedeutete und wie schwer es wirklich für Sesshomaru war. Deshalb hoffte er, dass Kagome nicht die gleichen Erfahrungen machen musste. Bei ihr würde es doch um einiges mehr gehen als nur die Beziehung zu ihrem Bruder.
Dreißig Minuten später lag Inuyasha bereits in seinem Bett und versuchte auf seinem Handy neue Songtexte zu kreieren. Wirklich leicht fiel ihm dies schon seit Wochen nicht mehr. Seine Gedanken drifteten beim Schreiben immer wieder ab. Sei es zu Moroha aber auch Kagome. Er machte sich eben viele Gedanken um die beiden Mädchen beziehungsweise Frauen, die sein Leben komplett auf den Kopf gestellt hatten. Öfters ertappte er sich dabei einen Gedanken an Kagome zu richten. Wie es ihr ging. Was sie gerade machte. Auch ihre Worte am frühen Abend hatten ihn nachdenklich gemacht. Kagome hatte ihn als Fremden beschrieben. Ein Schwarm aufgrund seines Ruhmes. Etwas, das Inuyasha doch mehr verletzte, als er gedacht hätte. In den letzten Wochen hatte er Kagome ein wenig kennenlernen dürfen. Sie war anders als viele Frauen, die er sonst so kennen gelernt hatte. Er wollte, dass sie ihn so sah wie er sie. Für Inuyasha war Kagome längst ein Teil seiner Familie. Sie hatte seine Tochter zur Welt gebracht und gehörte damit unwiederbringlich in sein Leben. Dass Kagome dies scheinbar nicht so sah, musste er dringend ändern.
„Ja?“, sagte Inuyasha leise, um Moroha nicht zu wecken, nachdem es an der Tür geklopft hatte. „Ähm… soll ich wirklich hier schlafen?“, streckte Kagome unsicher ihren Kopf durch den Türspalt. „Na klar. Immerhin würdest du im Wohnzimmer nur eine leichte Decke haben und wirklich geeignet zum Schlafen ist die Couch auch nicht“, winkte er Kagome in sein Zimmer. Diese Entscheidung hatten sie eigentlich schon vor dem Duschen getroffen. Kagome schien plötzlich jedoch etwas schüchtern. „Na wenn du meinst“, trat sie schließlich ein. Unweigerlich hielt er seinen Atem an, als sie den Raum betreten hatte. Kagome blieb unsicher am Türrahmen stehen und zupfte an seinem Tshirt, welches ihr bis zu den Oberschenkeln reichte. Schlagartig wurde Inuyasha klar, warum er sich etwas überziehen sollte. Für ihn sah Kagome einfach umwerfend aus, in seinen Klamotten. Vielleicht hätte er ihr ebenfalls eine Hose geben sollen, zeigten sich doch ihre schlanken Beine und es war atemberaubend. „Wollen wir schlafen gehen?“, fand er seine Stimme wieder. „Ja“, nickte Kagome.
Sie kam langsam auf das Bett zu und legte sich vorsichtig neben ihn. Inuyasha war wirklich fasziniert von dieser jungen Frau. „Gute Nacht“, flüsterte sie leise, nachdem sie sich einen Wecker gestellt hatte. „Gute Nacht“, wünschte er ebenfalls, auch wenn er sich sicher war, kein Auge zuzubekommen. Hatte ihn dieser Moment doch wieder vor Augen geführt, dass Kagome mehr als nur die Mutter seiner Tochter für ihn war.
Wenn Gefühle überhandnehmen!
Wenn Gefühle überhandnehmen!
Eine Stunde. So lange war es schon her, dass Inuyasha sich zusammen mit Kagome schlafen gelegt hatte. Genauso lange lag er nun schon regungslos und mit offenen Augen da. In der Dunkelheit zählte er förmlich die Sekunden, aus welcher irgendwann Minuten und schließlich eine Stunde wurden. Immer wieder kreisten seine Gedanken. Er konnte es nicht abstellen. Die ganze Situation machte ihn schier wahnsinnig. Öfters dachte er an Kagome. Wie sie nur in seinem Hemd vor ihm gestanden war. Schüchtern, aber auch unheimlich sexy. Nach allem, was geschehen war, wusste er, dass er diesen Gedanken lieber wieder verwerfen sollte. Doch Kagome lag nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Er musste sich wirklich beherrschen, nicht plötzlich einfach nach ihrem Körper zu greifen. Schließlich übermannte ihn jedoch der Drang. Langsam wanderte Inuyashas Hand zu Kagomes Körper und tastete sich Stück für Stück vor, bis er den weichen Stoff seines Shirts spüren konnte.
Noch einmal atmete Inuyasha tief durch. Kagome lag mit dem Rücken zu ihm. Inuyasha war unendlich froh, dass Moroha in ihrem eigenen Bett auf der gegenüberliegenden Seite schlief, welches seine Eltern angeschafft hatten. So konnte er vorsichtig näher an die junge Frau herran rutschen. Behutsam legte er seine Hand auf Kagomes Hüfte und verweilte dort einige Sekunden. Eine Reaktion von der jungen Frau bekam er nicht, sodass er mutiger wurde und gänzlich an ihre zierliche Gestalt robte. Kurz schloss er die Augen und genoss einfach das Gefühl, so nah an Kagome zu liegen. Seine Hand ging auf Wanderschaft und fuhr ihren zierlichen Körper hinauf. All seine Selbstbeherrschung war verschwunden. Er genoss das Gefühl, welches die Berührungen in ihm auslösten. Leicht erregt biss er sich auf die Lippe, als seine Hand an Kagomes Oberweite ankam. Sachte fuhr er mit seiner Hand über den Stoff und fing vorsichtig an ihre Brust zu massieren. Nach wie vor beobachtete er genau wie Kagome reagierte, doch noch kam kein Ton von der jungen Frau.
Jedoch wollte er dies ändern. Genüsslich legte er seine Lippen auf Kagomes Hals und küsste diesen leicht. Kurz leckte er sich über die Lippen. Ehe er anfing etwas an der zarten Haut zu saugen. „Was machst du da?“, hörte er plötzlich ihre Stimme. Dies kam ihm nur gelegen. Wollte er doch viel mehr, als nur diese zarten Berührungen. „Nach was siehts denn aus?“, raunte er und drehte Kagome zu sich, um ihre Lippen mit seinen zu bedecken. Der Kuss wurde jedoch nur kurz erwidert. „Lass das“, forderte sie und schubste ihn ein wenig von sich, nachdem er sich über sie gebeugt hatte. „Warum?“, kam es sofort über seine Lippen. Er hatte doch gehofft, dass Kagome ebenfalls Lust auf etwas Spaß hatte. „Weil ich das nicht möchte“, stellte sie klar und hatte sich dabei aufgesetzt. Auch Inuyasha richtete sich etwas auf. Er war wirklich enttäuscht, dass in dieser Nacht wohl nichts laufen würde. Die Chance wollte er dennoch nutzen und einige Dinge mit Kagome klären.
„Wenn du nun schon wach bist, können wir wenigstens miteinander reden“, seufzte er resigniert. Erhoffte Inuyasha sich doch, dass durch ein Gespräch ein bisschen Klarheit in seine Gedanken kam.
Tief atme Kagome durch. Sie wartete darauf, dass Inuyasha anfing zu sprechen. Bis jetzt hatte sie kein Auge zu gemacht. Sie war regungslos liegen geblieben, als er angefangen hatte, ihren Körper zu berühren. Für den Bruchteil einer Sekunde empfand sie es als wirklich schön. Doch dann kam die Realisation. Sie war immer noch fünfzehn und damit würde eine weitere gemeinsame Nacht wieder eine Straftat für den jungen Mann bedeuten. Deshalb hatte sie ihn direkt gestoppt, als er weiter gegangen war, egal wie sehr sie es genossen hatte. Ein zufriedenes Seufzen hatte die junge Frau unterdrückt, damit er nicht noch mehr Ansporn bekam. Zu ihrer Erleichterung hatte der junge Mann keinen weiteren Versuch unternommen, nachdem sie ihn abgewiesen hatte. „Weißt du... ich habe heute Abend viel nachgedacht. Auch über Dinge, die du gesagt hast“, begann er nach einigen Minuten des Überlegens. „Und über was genau?“, wollte sie wissen und rutschte noch ein Stück von dem jungen Mann weg, ehe sie sich an die Mauer lehnte.
„Es hat mich irgendwie verletzt, dass du mich nicht mal als Freund siehst“, gestand Inuyasha ihr leise. „Warum das?“, hakte sie nach. „Ich sehe dich als meine Familie. Du und Moroha gehört unwiderruflich zu mir. Dass du nicht einmal eine Freundschaft mit mir in Betracht ziehst, fand ich verletzend. Vor allem, weil du mir einiges bedeutest.“ Überrascht sah Kagome zu dem jungen Mann. Im Dunklen konnte sie nur seine Silhouette sehen. Gerne hätte sie ihm nun ins Gesicht geschaut. „Aber… wir sind doch eigentlich keine Freunde. Ohne diese eine Nacht hätten wir uns doch ohnehin nicht mehr gesehen.“ Vieles was Kagome über Inuyasha wusste, hatte sie aus den Medien. Wirklich gut kannte sie ihn nicht. Vermutlich war so einiges gelogen und auch so war vieles gefiltert. Von seinem wirklichen Leben hatte sie keine Ahnung. Alles, was sie wusste, stammte aus dem Fernseher oder eben Zeitschriften. Von Inuyasha und seinem Managment entschiedene Infos, die jeder herausfinden konnte, wenn er wollte.
„Da hast du wohl recht. Dennoch bin ich unheimlich froh, dass alles so gekommen ist“, gestand er. Tatsächlich erfreute dies auch Kagome. Obwohl es für sie nicht immer einfach gewesen war. „Weist du… du hast gesagt, du warst in mich verliebt. Wie steht es heute um deine Gefühle?“ Inuyasha hatte gut aufgepasst, als sie die Worte an seine Familie gerichtet hatte. Irgendwie war es ihr unangenehm. „Ich…“ Kurz überlegte Kagome, was sie antworten könnte. Es war ihr unglaublich peinlich so offen über Gefühle zu sprechen. „Ich finde dich immer noch toll.“ Ein bisschen wich sie seiner Frage aus. Immerhin wollte sie nicht, dass Inuyasha durch ihre Gefühle genervt oder verunsichert wurde und sie so die Chance Moroha zu sehen verlor. Es sollte alles so wie die letzten Wochen weiterlaufen. Mit ihren geheimen Gefühlen konnte sie gut leben. Inuyasha musste von diesen nichts erfahren, auch wenn es bestimmt Situation geben würde, die schmerzhaft für sie wären. „Toll… ich mag dich, Kagome.“ Die Worte kamen leise fast schon geknickt von Inuyasha.
„Irgendwie… weißt du… die Nacht hat alles verändert. Anfangs war es einfach nur eine Ablenkung von meinen Problemen mit Kikyo. Dann plötzlich war alles anders. Ich hab gemerkt, dass mir Kikyo nichts oder nicht mehr viel bedeutet. Mich dabei ertappt, wie ich unser Foto anstarrte und es sogar als mein Hintergrundbild verwende. Ich wollte immer an diese wunderschöne Nacht denken.“ Sprachlos lauschte Kagome seinen Worten. „Als plötzlich feststand, dass Moroha meine Tochter ist, war ich kurzzeitig überfordert mit der ganzen Situation. Doch letzten Endes habe ich sie als Chance gesehen, dich besser kennen zu lernen“, machte er ungerührt weiter. „Warum?“ wollte Kagome wissen. Sie verstand einfach nicht, wieso er so dachte. „Weil ich dich nicht aus meinem Kopf bekomme. Schon seit unserer gemeinsamen Nacht nicht. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich an dich denke. Was du machst. Ob du einen Jungen triffst oder wie du mich findest.“ Plötzlich wirkte der junge Mann nicht mehr so selbstsicher wie noch vor einigen Minuten, als er sich ihr näherte.
„Weißt du, was das Schlimme ist? Ich weiß, dass du fünfzehn bist. Und dennoch fühle ich mich zu dir hingezogen. Ein gestandener Mann sollte sich altersgemäß geben und nicht auf diese Weise für einen Teenager empfinden. Doch ich kann es nicht ändern.“ Kagome war von seinem Geständnis überrumpelt. So lange hatte sie sich immer wieder vorgestellt, wie es wäre, wenn sie in einer Beziehung wären. Und nun schien er genau dies in Betracht zu ziehen.
Nervös fing Inuyasha an mit seinem Bein zu wippen. Er hatte sich komplett blamiert. Er hatte Kagome förmlich offenbart, dass er in sie verliebt war. So wirklich abstreiten konnte er dies nicht, da sie ihm völlig unter die Haut ging. Sie löste Empfindungen in ihm aus, die er nicht kannte. „Was erwartest du jetzt von mir?“, kam es leiser von ihr. Einen Moment überlegte Inuyasha. Was erwartete er? Er konnte es selbst nicht genau sagen. „Vielleicht eine Chance. Ich will dich wirklich kennenlernen. Und dann schauen, was daraus wird“, antwortete er ihr ehrlich. Er brauchte nicht gleich die große Liebe. Eine Chance würde ihm reichen und vielleicht würden sie ja doch eine ordentliche Beziehung führen können. „Und wenn es nicht funktioniert? Was wenn du und ich uns nicht verstehen? Darf ich Moroha noch weiterhin sehen?“, wollte Kagome leise wissen. Sie wirkte verunsichert und das konnte Inuyasha auch nachvollziehen. „Dann werden wir gemeinsam eine Lösung finden. Wir sind beide erwachsen genug, um darüber zu stehen“, meinte Inuyasha, weil ihm dies bewusst war.
Dennoch würde er Kagome nicht verwehren, Moroha zu sehen, falls es nicht mit ihnen funktionieren würde. „Dreizehn Jahre sind viel.“ Kurz lachte Inuyasha, nachdem Kagome dies eher in Gedanken ausgesprochen hatte. „Ja, das sind es. Aber es ist auch nur eine Zahl.“ Inuyasha war sich sicher, dass das Alter irgendwann keine Rolle mehr spielen würde. „Wärst du bereit, es mit mir zu versuchen?“, fragte Inuyasha vorsichtig nach. Immerhin würde eine Beziehung mit ihm nicht leicht sein. Die Öffentlichkeit durfte nichts erfahren und auch so gab es einige Herausforderungen. „Wenn wir alles locker angehen, ja. Ich will den Menschen kennenlernen und nicht den Star.“ Erleichtert atmete Inuyasha aus. Er hatte es beinahe für unmöglich gehalten. Doch Kagome schien ebenfalls einen Versuch starten zu wollen. „Ich möchte dich ebenso besser kennenlernen“, freute er sich. Denn auch wenn es herausfordernd werden würde, war es seine Chance auf eine eigene Familie und diese würde Inuyasha nur zu gern mit Kagome formen wollen.
„Dann sind wir ab jetzt…“ Glücklich drückte Inuyasha seine Lippen auf Kagomes. Auf diese Weise stoppte er den Satz, den sie aussprechen wollte. „… ein Paar“, beendet Inuyasha lächelnd ihren Satz. Irgendwie fühlte sich alles gerade so aufregend an. Kagome und er würden einen Neustart wagen und vielleicht so ihr großes Glück finden.
Hochgefühle!
Hochgefühle!
Müde richtete sich Kagome auf, nachdem sie ihren Wecker aus geschaltet hatte. „Musst du wirklich schon auf?“, hörte sie Inuyasha in das Kissen murmeln. Auch er schien durch ihren Wecker wach geworden zu sein. Moroha hingegen schlief immer noch tief und fest, hörte sie doch ihre ruhigen Atemzüge. „Leider. Ich muss noch nach Hause und mich frisch machen und Umziehen, bevor ich zur Schule kann“, antworte Kagome, die nochmals auf ihr Handy geschaut hatte, um die Uhrzeit zu überprüfen. Gerne wäre sie noch etwas länger liegen geblieben. Sie hatten noch ein wenig miteinander gesprochen, waren anschließend Arm in Arm eingeschlafen. Bei dem Gedanken wie sie die heutige Nacht verbracht hatte, wurde Kagome rot um die Nase. Es war immer noch ein seltsames Gefühl jetzt mit dem beliebten Sänger in einer Beziehung zu sein. Kagome fühlte sich glücklich, hatte jedoch auch viele Ängste. Sie war nun mal erst fünfzehn. Erfahrungen mit Männern oder Jungs hatte sie bis jetzt kaum. Einzig allein Inuyasha war an sie rangekommen. Ihre mangelnde Erfahrung war auch ein großer Punkt für sie.
Inuyasha war beinahe neunundzwanzig Jahre alt. Er hatte bestimmt schon einige Frauen in seinem Leben gehabt. Allen voran Kikyo, das Topmodel schlecht hin. Bildhübsch und weiblich. Alles, was auf Kagome in ihren Augen nicht unbedingt zutraf. Doch mit diesen Unsicherheiten musste sie lernen umzugehen, wenn sie es ernsthaft versuchen wollten. „Ich schätze, meine Mutter macht bereits Frühstück. Ich werde dir eine Zahnbürste herrichten und dann können wir noch gemeinsam essen, bevor wir losfahren“, streckte er sich und drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Wange. Sofort kribbelte die Stelle, an der er sie berührt hatte. Sogleich verschwand er aus seinem Zimmer, während Kagome zurückblieb und erstmal ihre Kleidung schnappte, um sich anzuziehen und sich fertig zu machen.
Wartend klopfte Inuyasha mit dem Zeigefinger auf sein Lenkrad. Nachdem Kagome zusammen mit seiner Familie gefrühstückt hatte, hatte er seine Mutter gebeten, etwas auf Moroha aufzupassen, damit er Kagome in die Schule bringen konnte. Dadurch dass die Stadt in der Nacht pausenlos gearbeitet haben musste, waren die Straßen wieder frei und befahrbar. Nicht viel erinnert an den Schneesturm und das Chaos vom Vortag und somit konnte der Alltag in der lebendigen Stadt weiter gehen. Bevor Inuyasha Kagome jedoch in die Schule fahren konnte, hatte er sie nach Hause gebracht. Er war wirklich überrascht gewesen, als er gesehen hatte, dass Kagome mit ihrer Familie auf einem Schreingelände wohnte. Er bewunderte sie dafür, dass sie die elend langen Stufen beinahe spielend erklommen hatte. Nun musste die Teenagerin nur noch wieder zurückkommen. Irgendwie war es ein seltsames Gefühl, Kagome nun seine Freundin zu nennen. Seinen Eltern hatte er natürlich nichts von den Geschehnissen des Abends oder besser der Nacht erzählt.
Sie würden es schon früh genug herausfinden und ihn womöglich dafür verurteilen. Doch für seine Gefühle konnte der junge Mann nichts. Sie waren einfach so entstanden und nun mussten sowohl Kagome als auch er herausfinden, wie tief diese gingen. Im bestens Fall würden sie stärker werden und eine Partnerschaft fürs Leben miteinander eingehen. Dem jungen Mann war natürlich klar, dass er die Beziehung vorerst geheim halten musste. Irgendwann würden sie vielleicht den Schritt in die Öffentlichkeit wagen. Zumindest wenn Kagome dies wollte. Allzu sicher war er bei diesem Gedanken nicht. Kagome war Sango sehr ähnlich. Auch Sango hatte damals bewusst entschieden, nicht in die Öffentlichkeit zu gehen. Lieber lebte sie Privat. Auch Kagome schätzte Inuyasha so ein. Wenn sie ebenfalls nicht ins Rampenlicht wollte, würde er es respektieren. Doch bis es so weit war, hatten sie noch genügend Zeit und konnten ihre Liebe abseits des Rampenlichts und ganz privat erleben.
Mit einem leichten Ruck stoppte das Fahrzeug in einer kleinen Parklücke, nachdem Kagome wieder in den Wagen gestiegen war, waren sie schnurstracks in Richtung Schule gefahren. „Also… einen schönen Tag noch“, kam es zögernd von ihr. Sie wusste einfach nicht, wie sie sich von Inuyasha verabschieden sollte. Sie öffnete die Tür, wollte aus dem Fahrzeug aussteigen und sich auf den Weg in die Schule machen. Immerhin standen sie wieder einige Straßen von dieser entfernt. Doch noch bevor sie den Fuß aus der Tür strecken konnte, wurde sie an ihrem Handgelenk gepackt. „Fehlt nicht noch etwas?“, grinste Inuyasha sie an. „Was denn?“, wollte sie wissen und schaute sich nochmal in dem inneren des Wagens um. „Vielleicht hilft dir das auf die Sprünge.“ Ruckartig wurde Kagome ins Innere gezogen. Fordernd drückte er seine Lippen auf ihre und fuhr mit seiner Hand an ihren Hinterkopf, um sie noch näher an ihn zu drücken. „Viel Spaß“, wünschte Inuyasha ihr, als er sich endlich von ihren Lippen gelöst hatte und Kagome aussteigen ließ. „Dir auch. Bis bald“, lächelte auch sie und schloss anschließend die Tür.
Lächelnd lief Kagome von dem Auto weg. Dabei drückte sie ihre Bücher an ihre Brust. Es fühlte sich einfach unbeschreiblich an. Alles war neu und aufregend und dennoch hatte sie niemanden mit dem sie ihr Glück wirklich teilen konnte. Zumindest nicht mit ihren Eltern und ihren Schulfreundinnen.
„Oh… du bist ja schon wieder gewachsen“, kam es fast schon traurig von Shippo, nachdem Inuyasha zusammen mit seiner Tochter das Haus betreten hatte. Er hatte die Kleine in das Bandhaus mitgenommen, um die ganze Familie etwas zu entlasten. Immerhin übernahmen sie im Moment die ganze Arbeit mit der Kleinen und hatten nur wenig Zeit für sich. „Ja. Schon erschreckend, was in ein paar Wochen alles passiert, wenn sie so klein sind“, stimmt Inuyasha Shippos Aussage zu. Auch er hatte bemerkt, dass Moroha wieder gewaschen war und einiges Neues gelernt hatte. „Wir verpassen so viel. In den nächsten Jahren will ich keine Touren mehr machen“, kam es fast schon bestimmend von Shippo. Doch dieser Wunsch würde ihnen wohl kaum erfüllt bleiben, auch wenn Inuyasha damit ebenfalls einverstanden sein würde. „Totosei wird euch das schon noch sagen“, lachte Miroku, der natürlich auch wusste, dass der Manager der Band sicher nicht begeistert sein würde, vorallem weil er den Grund nicht kannte.
„Ganz bestimmt. Was machen wir denn heute eigentlich alles mit der Kleinen?“, wollte Koga wissen. „Chillen und den Tag genießen, bevor es Morgen schon wieder zurück geht?“, schlug Inuyasha vor. So ein Tag, an dem nichts anstand, war wirklich Gold wert. „Einverstanden. Ich bin ohnehin noch unglaublich müde“, gähnt Koga zur Unterstreichung seiner Worte. Inuyasha würde seinen Freunden etwas Zeit mit Moroha geben und anschließend das Gespräch mit ihnen suchen. Seine Bandkollegen wussten eigentlich alles aus seinem Leben. Sie waren eben eine zusammengewürfelte nicht blutsverwandte Familie. Sodass Inuyasha es nur natürlich fand, ihnen von der Entwicklung zwischen ihm und Kagome zu erzählen, vorallem weil sie ihn bestimmt nicht ganz so verurteilen würden.
„Du wirkst heute so glücklich. Ist denn etwas Schönes passiert?“, fragte ihre Mutter, nachdem Kagome ihr beim Kochen geholfen hatte. „Nein. Ich habe nur ein supergutes Gefühl, das die letzte Prüfung wirklich gut gelaufen ist“, lächelte Kagome ihre Mutter an. Wirklich gelogen war dies nicht. Die Prüfung war wirklich gut gelaufen. Sie hatte viel gelernt und viele der Fragen beantworten können. Doch der wahre Grund für ihre gute Laune lag an etwas ganz anderem. Immer noch fühlte sie sich wie im siebten Himmel, auch wenn es seltsam war. „Oh. Wann bekommt ihr denn die Ergebnisse?“, schien sich ihre Mutter ebenfalls darüber zu freuen. „Vermutlich erst kurz vor dem Wochenende“, zuckte Kagome mit den Schultern. Immerhin hatten sie die Prüfung erst am Freitag geschrieben. „Und du willst wirklich die Aufnahmeprüfung machen?“, wollte ihre Mutter nachhorchen. Kagome hatte natürlich mit ihr ihre Pläne besprochen. „Ja, ich werde jedoch auch an einer anderen Oberschule eine Prüfung ablegen, nur für den Fall, dass ich doch kein Stipendium erwerben kann“, sagte Kagome klar. Sie würde es nach wie vor gerne versuchen. Was dabei raus kam, würde sie später eben sehen.
„Ich bin natürlich stolz auf dich. Ich sehe aber auch, dass du ziemlich viel lernst. Ich habe Angst, dass du dich selbst verlierst, weil du an deinem Traum festhalten willst.“ Verwirrt runzelte Kagome ihre Stirn. „Wie meinst du das?“, wollte Kagome wissen. „Du triffst dich kaum noch mit Freunden. Lernst nur noch, hilfst im Laden und dann noch dieses ständige Babysitten. Ich finde es ungewöhnlich, dass du immer wieder dort schläfst“, teilte ihre Mutter ihre Gedanken mit ihr. Kurz leckte sich Kagome über die Lippen. Mit ihren Freunden hatte sie Recht. Kagome hatte kaum noch Kontakt zu Eri und Ayumi. Nur noch in der Schule waren die Mädchen zusammen. Lediglich mit Yuka telefonierte sie des Öfteren oder schrieb mit ihr. Was das andere betraf hatte sie einfach ein Ziel vor Augen. „Mach dir keine Sorgen. In ein paar Wochen ist die Lernerei nicht mehr so präsent bei uns allen. Und Babysitter zu sein, macht unheimlich Spaß. Hättet ihr mich bei diesem Wetter abholen wollen? Ich bin froh, dass sie mir das Gästezimmer angeboten haben, da ich doch niemanden in Gefahr bringen möchte, nur weil er mich holen muss“, versuchte sie ihre Mutter zu beruhigen.
Sie machte sich einfach viel zu viele Gedanken. „Ja das war nett. Aber pass bitte auf dich auf“, bat ihre Mutter sie seufzend. „Mach ich doch, Mama“, lächelte Kagome ihre Mutter an. Obwohl es zur Zeit viel für die junge Schülerin war, wusste sie, dass es irgendwann besser wurde und bis dahin hatte sie einfach genug Disziplin, um alles zu schaffen.
„Kann ich kurz mit euch sprechen?“, bat Inuyasha um die Aufmerksamkeit. Die drei Männer sahen ihn gespannt an. „Klar. Schieß raus, was ist los?“, wollte Miroku neugierig wissen. „Ihr wisst ja, dass Kagome zurzeit viel Zeit mit Moroha verbringt und...“
„Will sie uns die Kleine wegnehmen?“, unterbrach ihn Shippo sofort, der geschockt zwischen ihm und seiner kleinen Tochter hin und her sah, welche gerade in seinen Armen lag und mit ihm gespielt hatte. „Nein“, stellte Inuyasha deshalb gleich klar. „Ich schätze nur, dass es vielleicht in naher Zukunft noch viel mehr Kontakt sein könnte“, lächelte Inuyasha unsicher. Er hätte nicht gedacht, dass es ihm so schwer fallen würde, ihnen von ihrer Beziehung zu erzählen. „Und warum?“, fühlte ihm Miroku gleich auf den Zahn. Er hatte dieses wissende Grinsen aufgesetzt, welches ihm Inuyasha am liebsten weg geprügelt hätte. „Najaaaa.... Kagome und ich… also… vielleicht versuchen wir… für Moroha… eine Familie zu werden.“ Innerlich klatschte Inuyasha sich die Hand an die Stirn. Wie schwer konnte es bitte sein jemanden zu sagen, dass sie eine Beziehung führten. „Damit ich das richtig verstehe. Du und Kagome seid ein Paar?“ Tief atmete Koga bei diesen Worten durch.
Inuyasha hatte schon geahnt, dass nicht jeder begeistert sein würde. „So kann man es auch sagen“, meinte er vorsichtig. „Du bist der größte Idiot, den ich kenne. Erst kannst du nicht rechtzeitig rausziehen. Und Gott bewahre, ich liebe Moroha mittlerweile. Aber nun auch noch so blöd sein, mit einem Kind eine Beziehung anzufangen. Das übertrifft echt alles“, schüttelte Koga seinen Kopf. Inuyashas Kiefer spannten sich an, doch Widerworte kamen nicht über seine Lippen. Er wusste selbst, dass alles schon vorher kompliziert genug gewesen war. Diese Beziehung würde für die Band ebenso Herausforderungen mit sich bringen. Dennoch hatte er sich mehr Rückhalt von seinen Bandkollegen erhofft. „Vielleicht ist es dumm… aber für meine Gefühle kann ich nun mal nichts“, sagte er leise. Erst jetzt realisierte Inuyasha wirklich, wieviel Gegenwind er bekommen würde.
Wahre Freunde!
Wahre Freunde!
Lächelnd steckte Kagome ihr Handy in ihre Schultasche zurück, nachdem sie zuvor eine Nachricht erhalten hatte und auf diese geantwortet hatte. “Was grinst du den so?“, wollte Eri prompt wissen. Natürlich war Kagomes gute Laune nicht vor ihren Schulfreundinnen Eri und Ayumi verborgen geblieben. Den wahren Grund konnte sie ihnen selbstverständlich nicht verraten. „Ich treffe mich heute mit einer Freundin, welche ich schon länger nicht gesehen habe“, lächelte Kagome und hatte damit nicht unbedingt gelogen. Sie würde am heutigen Nachmittag zu Yuka und ihrem kleinen Sohn gehen. Die beiden hatten sich fast vier Wochen nicht mehr gesehen. Kagome war einfach ziemlich eingespannt gewesen. Immer wieder musste sie im Laden aushelfen, zusätzlich auf Moroha aufpassen und das Lernen durfte natürlich auch nicht vernachlässigt werden. Mittlerweile beneidete Kagome Yuka wirklich, die sich zu gunsten ihres Sohnes ein Jahr Auszeit von der Schule genommen hatte. Ihre Mutterschaft hatte Kagome aber bewusst gut versteckt, viele würden nicht verstehen, warum sie pausieren würde, allen vorran ihre Eltern.
„Oh. Also kommst du heute wieder nicht zu unserem Lerntreffen?“, wollte Ayumi wissen. Kurz biss sich Kagome auf die Unterlippe. Sie hatte schon einige Male ein Treffen abgelehnt oder verschoben. Auch heute würde sie nicht zusammen mit ihnen lernen. „Nein, tut mir leid. Ich brauche echt mal eine Pause vom Lernen.“ Sie sah wie ihre Freundinnen ihre Augen verdrehten. „Wenn du meinst. Vielleicht solltest du dich aber ran halten. Immerhin willst du nach wie vor an die Shikon“, murrte Eri, die zunehmend genervter auf Kagome reagierte. Vermutlich weil Kagome nur noch selten mit ihnen in ihrer Freizeit Kontakte hatte. „Ich habe mein Ziel nicht aus den Augen verloren“, kam es selbstsicher von Kagome. „Nur weil ich mir einen Tag Pause gönne, heißt das nicht, dass ich nicht angestrengt lerne“, warf sie noch hinterher. Immerhin schlug sich Kagome desöfteren eine Nacht um die Ohren, oder nutzte Morohas Schläfchen um weiter zu lernen.
„Manchmal kommt es uns so vor, als würdest du nur ausreden suchen. Du hast nie Zeit und dich mega verändert“, mischte sich auch Ayumi in den kleinen Disput ein. „Vielleicht habe ich mich verändert. Vielleicht aber auch ihr“, stellte Kagome klar. Denn nicht nur sie war erwachsener geworden. Menschen verändern sich stetig. Manchmal positiv und manchmal negativ. Kagome hatte neue Seiten an ihren ehemaligen besten Freundinnen entdeckt, mit denen sie nicht so gut zurecht kam. Sie driften auseinander und das war vollkommen normal. „Das führt doch ohnehin zu nichts. Schau zu wie du alleine klar kommst. Vermutlich wird’s eh nichts, aber auf uns brauchst du sicher nicht zählen“, grummelte Eri, die schon immer die Anführerin in der kleinen Gruppe gespielt hatte. „Keine Sorge, das werde ich nicht“, schüttelte Kagome ihren Kopf. Sie würden schon noch erkennen, dass Kagome keine Unterstützung brauchte. „Und jetzt entschuldigt mich, ich möchte hier raus und meinen Tag mit einer richtigen Freundin verbringen“, merkte sie noch an, als sie ihre Schultasche gepackt hatte.
Sie würde den beiden nicht hinterher trauern, sollten sie doch tun und lassen, was sie wollten. Lieber konzentrierte Kagome sich auf wahre Freunde und ihr Leben, als jemanden nach zu laufen, der ohnehin nicht wirklich in ihr Leben passte.
„Hey“, lugte Miroku in das Wohnzimmer, nachdem er Inuyasha mit Moroha auf dem kleinen Spielteppich entdeckt hatte. „Hey“, kam es ebenfalls von dem jungen Mann. Wirklich gut war seine Laune nicht. Die Worte seiner Freunde hatten ihn nachdenklich gemacht. Natürlich wusste er, dass es nicht unbedingt zu einem Freundensprung kommen würde. Doch so harte Worte taten nun mal weh. „Kann ich kurz mit dir reden?“, setzte sich Miroku auf die Couch. „Haben dich die anderen vorgeschickt?“, wollte Inuyasha wissen, der natürlich mitbekommen hatte, dass Shippo und Koga ebenfalls vor dem Wohnzimmer warteten. „Jein“, gab Miroku zu und schaute dabei auf den Eingang des Wohnzimmers. „Ihr könnt kommen. Ich denke mal, ihr habt mir auch was zu sagen“, murmelte Inuyasha. Mit einem Gespräch hatte er natürlich schon gerechnet, nachdem er am Vorabend nichts weiter gesagt hatte. „Wir wollten gestern nicht so hart sein“, betraten die jungen Männer das Wohnzimmer. „Wir können deinen Wunsch nach einer perfekten Familie durchaus verstehen“, machte Koga weiter, nachdem Shippo das Gespräch angefangen hatte.
„Es ist nicht der Wunsch nach einer perfekten Familie“, verdeutlichte Inuyasha seine Beweggründe. Zwar hätte er diese gerne ebenfalls, doch nicht primär. „Das haben wir schon geahnt“, seufzte Miroku. „Eigentlich haben wir viel früher mit dieser Wendung gerechnet“, pflichtete Shippo seinem Bandkollegen bei. Verwirrt runzelte Inuyasha seine Stirn. „Wie meint ihr das?“, wollte er deshalb wissen. Immerhin hatte er selbst nicht mit diesem Ausgang gerechnet. „Ähm… wie sollen wir sagen… irgendwie wussten wir sehr lange, dass du dich verändert hast. Du hast Kikyo bewusst gemieden, ausreden gesucht und teilweise etwas verpeilt auf dein Handy gestarrt, wenn du mal Freizeit hattest“, versuchte Miroku eine Erklärung zustande zu bringen. „Hä?“, kam es nur noch verwirrter über Inuyashas Lippen. „Dir ist es nicht mal aufgefallen, oder?“, lachte Miroku belustigt und auch die anderen schienen genau zu wissen, worüber er gerade sprach. „Ich schätze mal die Nacht mit Kagome hat ordentlich Chaos hinterlassen“, pflichtete Koga ihm bei. „Was redet ihr da?“, hakte Inuyasha genervt nach, da er nur Bahnhof verstand.
„Dass du schon seit damals Gefühle für sie hattest. Inuyasha, du bist nicht der Typ, der mit Mädchen in die Kiste steigt und dann einfach fallen lässt. Du brauchst Gefühle, Sicherheit und Geborgenheit, damit du dich fallen lassen kannst.“ Inuyasha verdrehte bei dieser Aussage seine Augen. Er war nun mal nicht wie Koga oder Shippo, die auch mal One-Night-Stands hatten, und das war auch gut so. „In den letzten Wochen hat sich das immer deutlicher gezeigt. Unbewusst hast du immer wieder nach ihr gefragt, ihr Nachrichten geschickt und sie eingebunden.“ So langsam verstand Inuyasha worauf seine Freunde hinaus wollten. „Wir hatten gehofft, dass es noch etwas dauert, bis du den Mut hast diesen Schritt zu gehen“, seufzte Koga. „Dass du Kagome liebst, ist unverkennbar. Aber bist du dir wirklich sicher mit dem allen? Glaubst du wirklich sie kann den Druck der Öffentlichkeit standhalten, sollte alles ans Tageslicht kommen?“, wollte Miroku misstrauisch wissen. „Li…Lieben?“, kam es beinahe stotternd aus seinem Mund.
Ja er war mit Kagome zusammen, wollte herausfinden, was die Zukunft für sie bringen konnte. Doch ob er sie liebte, das konnte Inuyasha nicht beantworten. „Ich weiß nicht, ob das Liebe ist. Ich mag Kagome sehr und finde sie wahnsinnig anziehend. Ich will sie richtig kennenlernen. Sie schützen und unterstützen. Von Liebe bin ich noch meilenweit entfernt“, versuchte Inuyasha seine Empfindungen zu erklären. „Mein Freund…“, legte Miroku kopfschüttelnd seine Hand auf Inuyashas Schulter. „… du hast echt keine Ahnung von Liebe“, beendet er seinen Satz. „Hallo? Ich war Jahre mit Kikyo zusammen. Natürlich weiß ich, was liebe ist“, beharrte Inuyasha sofort. Der dennoch zugeben musste, dass es sich mit Kagome ganz anders anfühlte. Vielleicht aber auch nur, weil sie ihre Beziehung geheim halten müssten. „Das schon. Aber um Kikyo hast du dir selten so einen Kopf gemacht. Ja, du hast sie mit Geschenken überhäuft und ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Aber richtig geliebt hast du sie nie. Mehr so ein verliebt sein und das auch nur, bis es zur Gewohnheit wurde.“
Dem konnte Inuyasha natürlich nicht widersprechen. Er hatte irgendwann aufgehört, sie mit Geschenken zu überhäufen und wollte nicht wissen, mit wem sie schrieb oder wo sie war. Seltsamerweise bemerkte er erst jetzt, dass er Kikyo nie gefragt hatte, geschweige denn darüber nachgedacht hatte. Bei Kagome war dies anders. Schon jetzt überlegte er oft, was sie tat. Hatte ihr sogar vorhin geschrieben. Wollte sie am liebsten jetzt bei sich haben und war launisch, weil sie nicht geantwortet hatte. „Vielleicht ein bisschen. Dennoch war es nicht vorhersehbar“, stellte er klar. Inuyasha hatte nicht geahnt, in welche Richtung es gehen würde und das konnten seine Bandkollegen auch nicht wissen. „Oh doch. Und deshalb haben wir schon vorher darüber gesprochen“, verneinte Koga. „Es würde seltsam aussehen, wenn Kagome plötzlich so oft hier auftauchen würde. Sie ist nun mal Schülerin. Die Medien würden nur unnötig spekulieren. Deshalb haben wir beschlossen, ein kleines Haus anzumieten, natürlich mit falschen Namen”, setzte er fort und machte eine kleine Pause.
“Es ist etwas außerhalb. Ruhig gelegen und großzügig gestaltet, aber vor allem gibt es rund um das große Grundstück weit und breit nichts außer Wald. Wir haben beschlossen, dass dieses Haus unser Rückzugsort ist. In der Tiefgarage können unsere Autos verschwinden und jeder hätte etwas Privatsphäre, wenn er diese denn mal brauchen würde.“ Kurz ließ Inuyasha das Gehörte Review passieren. „Ihr wollt mir grad sagen, dass ihr eine Liebeshöhle gemietet habt?“, wollte er nach horchen, ob er richtig verstanden hatte. „So gesehen... ja. Wenn man hier ist, ist man doch in manchen Dingen gehemmt. Dort könnten wir uns alle austoben. Nachbarn gibt es wie gesagt keine und somit könnte man ungestört leben. So hätten wir alle was davon“, lächelte Miroku, der natürlich auch immer aufpassen musste, dass er nicht zusammen mit Sango entdeckt wurde.
„Und was kostet mich dieser Spaß?“, wollte Inuyasha wissen. Zwar war ihm Geld egal, doch ohne Hintergedanken war es vermutlich nicht. „Nicht viel. Wir alle wollen glücklich werden. So könnten wir es schaffen. Aber… du musst dafür sorgen, dass deine Beziehung zu Kagome geheim bleibt. Wenn rauskommt, dass du mit ihr zusammen bist, sind wir erledigt. Wir wollen dich unterstützen. Dafür musst du uns auch unterstützen“, erklärten die drei Männer deutlich. „Ich dachte über diesen Punkt wären wir schon hinaus“, lächelte Inuyasha, der natürlich immer noch verblüfft war, wie weit seine Freunde bereits gedacht hatten. „Außerdem mögen wir Kagome. Und ich denke wirklich, dass sie wahnsinnig gut in unsere kleine Gruppe passt“, pflichtete Shippo bei. Der sich ebenfalls gut mit ihr verstanden hatte. „Also? Was sagst du?“, wollte Koga wissen. „Danke?“, lachte Inuyasha, der wohl mit allem gerechnet hatte, nur nicht damit, dass er von seinen Bandkollegen Unterstützung bekommen würde.
„Das hast du echt zu ihnen gesagt?“, lachte Yuka, nachdem Kagome ihr von dem heutigen Tag erzählt hatte. „Ja. Ich denke diese Freundschaft war schon lange vorbei. Es tut mir auch nicht leid. Sie haben sich verändert. Tratsch und Schein zählte unheimlich viel für sie. Alles musste breitgetreten werden und irgendwie kann ich damit nicht umgehen“, erklärte Kagome ihre Entscheidung. „Für manche zählt eben nur der Schein. Eine wahre Freundschaft werden solche Menschen wohl nie kennenlernen“, pflichte Yuka bei. Auch Kagome hatte lange geglaubt, dass Eri und Ayumi ihr wirkliche Freunde waren. Doch nun wusste sie, dass das nicht so war. Freunde unterstützen und halfen einander. So wie Yuka sie unterstützt hatte, auch wenn sich die beiden jungen Frauen damals kaum gekannt hatten. „Yuka... ich würde dir gerne noch etwas erzählen.“ Nur zögernd sah Kagome in ihre Richtung. Bis jetzt hatte sie niemanden von Inuyasha erzählt. Yuka wusste alles und sollte auch dies unbedingt erfahren. „Um was geht es denn?“, wollte sie neugierig wissen.
„Seit gestern habe ich einen festen Freund. Meinen ersten“, begann Kagome zu erzählen. Freudig quietschte Yuka bei diesen Worten auf. „Oh mein Gott. Wer? Wie alt? Wie lange kennt ihr euch? Wer hat gefragt? Hast du ein Foto?“ Immer mehr Fragen schossen aus der jungen Frau, die sich wirklich für Kagome zu freuen schien. „Ähm…“, kurz lugte Kagome auf eine Zeitschrift, auf welcher die Band abgelichtet war. Sie griff nach dieser und hielt sie vor Yukas Nase. „Dein Ernst?“, schien dies sofort zu verstehen, was Kagome damit andeuten wollte. „Wir haben gestern lange geredet und wollen es zumindest versuchen“, nickte Kagome zur Bestätigung. „Oh mein Gott“, kam es ungläubig von Yuka. „Ich wünsche dir natürlich nur das Beste und das es klappt“, nahm ihre Freundin sie in den Arm. Für Kagome war dies unglaublich erleichternd. „Du oder besser ihr könnt natürlich mit meiner Unterstützung rechnen“, lächelte Yuka sie freudig an.
„Aber erstmal musst du mir alles erzählen“, machte sie weiter. Kagome musste bei der Euphorie der jungen Frau lachen. Sie war wirklich froh, so eine tolle Freundin gefunden zu haben.
Kleine Freuden und seltsame Blicke!
Kleine Freuden und seltsame Blicke!
Lächelnd steckte Inuyasha sein Handy wieder in die Hosentasche. Nach unendlich langen Stunden hatte Kagome endlich auf seine Nachrichten reagiert. Zu seiner Freude war sie noch in der Stadt unterwegs. Soeben hatte er mit ihr telefoniert. In wenigen Minuten wollte er aufbrechen und sie abholen. Inuyasha wollte sie nach Hause bringen und sich richtig von ihr verabschieden. Immerhin würde er morgen früh wieder abreisen müssen, um rechtzeitig am Abend auf der Bühne stehen zu können. Doch um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, musste er noch etwas Wichtiges abklären. „Herein?“, hörte Inuyasha wie erhofft Mirokus Stimme, nachdem er an dessen Zimmertür geklopft hatte. „Ah… du bist auch da“, nahm Inuyasha zur Kenntnis, dass auch Sango bei dem jungen Mann im Zimmer war. „Jap. Was brauchst du?“, wollte sie wissen und sah ihn erwartungsvoll an. „Könnt ihr ein bisschen auf Moroha schauen?“, fragte er bei seinen beiden besten Freunden nach. Seine kleine Tochter hatte vor einer halben Stunde beschlossen ein kleines Abendschläfchen zu machen.
Wecken, um Kagome sehen zu können, wollte er sie nicht unbedingt. Nur wenn es unbedingt sein musste. „Klar“, stimmten die beiden lächelnd zu. „Gut. Ich werde so in dreißig Minuten oder einer Stunde wieder zurück sein“, gab er ihnen eine ungefähre Zeitangabe, damit sie sich danach richten konnten. „Wo willst du hin?“, wollte Miroku wissen. Kurz leckte sich Inuyasha über die Lippen. Sango wusste noch nichts von der neuen Entwicklung. „Ähm… ich bringe Kagome heim“, gab er deshalb etwas nervös zu. „Willst du dich verabschieden?“, verstand Miroku den Anlass sofort. „Wieso das denn?“, wollte Sango verwirrt wissen. Die Blicke, die Miroku und er austauschen, schienen jedoch für Klarheit zu sorgen. „Oh nein… warte… ich glaube ich kanns mir denken“, unterbrach sie mit einer schnellen Handbewegung seinen Versuch, sich zu erklären. „Ich werde dazu nichts sagen. Ich denke du kennst meine Meinung bestimmt“, stellte Sango klar. Nickend nahm Inuyasha es zur Kenntnis. Sie war natürlich nicht begeistert. Doch Sango war oftmals impulsiv und direkt.
Genauso schnell beruhigte sie sich jedoch wieder. Inuyasha war sich ziemlich sicher, dass Sango bald freundlicher gestimmt sein würde. „Sango? Kannst du mir einen Gefallen tun?“ bis jetzt hatte er Sango noch nicht gebeten Informationen zu Kagomes Schulwunsch zu sammeln. „Ich schreib Kagome nicht die Pille auf“, kam es trotzig von Sango. Kurz war Inuyasha überrascht, hatte jedoch an sowas noch gar nicht gedacht. „Nein. Kagome möchte an die Shikon. Du warst doch dort. Kannst du ein bisschen nachhorchen und ihr vielleicht helfen?“, bat er seine beste Freundin um Hilfe. Vielleicht konnte sie ihm wichtige Informationen verschaffen, die ihm später helfen konnten. „Ähm... klar. Aber leicht wird sie es nicht haben“, verließ es erstaunt Sangos Lippen. Selbst sie hatte hart daran gearbeitet, um an die Oberstufe zu kommen. Genau wie Kagome konnte sich Sango nur durch ein Stipendium für die Schule qualifizieren. Sango hatte wahnsinnig viel getan, um dieses Ziel zu erreichen. Auch Kagome hatte durchaus die richtigen Ziele. Trotzdem würde es wahnsinnig schwierig werden, wurden doch nur wenige Stipendien vergeben.
„Super, danke schön“, freute sich Inuyasha deshalb über den Zuspruch. Immerhin konnte Sango Kagome am besten Helfen. Sie kannte das Prozedere und ebenso den Druck. Vielleicht würde Kagome es sogar helfen, wenn sie ordentlich darauf vorbereitet werden würde. „Mach dir nicht so viele Hoffnungen. Kagome ist bestimmt nicht dumm und ehrgeizig. Doch das allein wird leider nicht reichen.“ An dieses Szenario hatte Inuyasha natürlich schon gedacht und eine Entscheidung getroffen. Er würde Kagome unterstützen, falls nötig auch finanziell. „Deshalb möchte ich ja, dass du die Schulkosten und alles auflistest. Notfalls übernehme ich ihre Kosten“, stellte er klar. „Ich muss leider los. Wir reden später weiter“, unterbrach er schließlich die Unterhaltung. Sango würde bestimmt später auch noch in ihrem Haus sein. Kagome hingegen hatte nur ein begrenztes Zeitfenster und von daher musste Inuyasha wirklich zusehen, dass er bald los kam. „Viel Spaß euch beiden“, rief Miroku ihm noch hinterher, als Inuyasha bereits nach unten ging, um Kagome schnellstmöglich abholen zu können.
Etwas nervös wartete Kagome in einer kleineren Seitenstraße an einer Bushaltestelle auf Inuyasha. Sie hatte sich hierhin zurückgezogen, um etwas abseits der großen Massen zu sein. Inuyasha war nun mal bekannt und wurde von so einigen Leuten erkannt. Kagome wollte durch ihr Handeln verhindern, dass sie vielleicht jemand zusammen sehen konnte. Wirklich wohl fühlte sie sich dabei nicht. Sie saß in der Kabine und schaute sich immer wieder um. Die Straße war nur sperrlich beleuchtet. Immer wieder gingen finstere Gestalten an ihr vorbei. Kagome fühlte sich unwohl und unsicher. Deshalb atmete sie erleichtert aus, als sie Inuyashas Wagen an die Bushaltestelle zufahren sah, nachdem sie ihm ihren Standort per WhatsApp geschickt hatte. Schnell erhob sich der Teenager und lief eilig auf den Wagen zu. „Da bist du ja“, freute sie sich und setzte sich einfach an seine Seite. „Hast du lange gewartet?“, wollte er wissen. Nachdem er wohl bemerkt hatte, dass Kagome nicht schnell genug in den Wagen steigen konnte.
„Jein. Eigentlich nicht so lange. Ich bin relativ spät von Yuka rausgekommen. Aber ich muss zugeben, dass es beängstigend ist, allein in einer dunklen Gasse auf jemanden zu warten“, gestand Kagome ihm deshalb leise. Für ihn war es bestimmt lächerlich so einen Grund anzuführen. Doch er war ein Mann, stark und mutig, anders als Kagome, die Streitereien meistens aus dem Weg ging. „Geht Yuka mit dir in eine Klasse?“, wollte Inuyasha wissen, nachdem er sich wieder in den Straßenverkehr eingeordnet hatte. „Nein, sie war in einer meiner Parallelklassen und pausiert dieses Jahr, weil sie vor kurzem einen Sohn geboren hat“, klärte sie ihn auf. „Sie hat mir bei der Geburt von Moroha geholfen… Und ich habe ihr von uns beiden erzählt“, schüchtern blickte sie bei dieser Aussage auf ihren Schoß. Sie war sich nicht sicher, ob Inuyasha es gutheißen würde, wenn sie jemanden in ihr kleines Geheimnis einweihte. „Du vertraust ihr, oder?“, horchte er nach. Vermutlich war er unsicher, ob Yuka den Mund halten würde.
„Sie hat die ganze Schwangerschaft mit mir verheimlicht und das, obwohl sie durch die Hölle gehen musste bis zum Schulschluss. Yuka war das Gespött der Schule und dennoch hat sie nicht einen Ton darüber verloren, dass auch ich ein Kind bekomme. Wenn ich also jemanden bedingungslos vertraue dann ihr“, verdeutlichte sie ihm. Mittlerweile betrachtete sie Yuka als ihre beste Freundin. „Dann ist es schön, dass du jemanden gefunden hast, mit dem du alles teilen kannst“, freute er sich für sie. „Hast du es jemanden erzählt?“, wollte Kagome wissen. Immerhin hatten sie sich darauf geeinigt, dass seine Familie erstmal nichts von ihrer Beziehung erfuhr. „Ja. Die Jungs wissen es bereits und auch Sango habe ich eingeweiht“, lächelte Inuyasha. „Wie haben sie reagiert?“, hinterfragte sie das Gehörte. Kagome war sich sicher, dass die Jungs keine Freundensprünge gemacht hatten. Auch Yuka hatte ihre Sorgen mit Kagome geteilt, sich dennoch aber für das junge Mädchen gefreut. „Sie finden es bescheuert. Wollen aber auch helfen.“
Kagome hatte mit mehr Widerstand gerechnet, doch scheinbar schienen seine Freunde zu ihm zu halten. Es vor ihnen geheim zu halten, wäre ohnehin fast unmöglich gewesen. Sie lebten nun mal zusammen und verbrachten damit viel Zeit miteinander, Zeit die auch Kagome nun des Öfteren mit Inuyasha teilen würde.
„Wieso wohnt ihr eigentlich auf einem Tempelgelände?“, wollte Inuyasha wissen, nachdem er mit Kagome zusammen vor diesem angekommen war. Im Schutz der Dunkelheit hatte er sich einfach vor das Gelände gestellt und damit einen guten Ausblick. „Mein Urgroßvater hatte diesen einmal geführt und ihn meinem Großvater vermacht. Nach seinem Tod hatte mein Vater sowohl den kleinen Laden als auch das Tempelgelände übernommen. Gelegentlich wir das Gelände von einer Veranstaltung gebucht, ansonsten werden dort keine Zeremonien mehr durchgeführt.“ Kurz nickte Inuyasha. „Werden dort noch Hochzeiten oder ähnliches gefeiert?“ Immerhin stellte er sich das Gelände schön vor, vor allem wenn es gepflegt war. „Ja. Zumindest im Sommer ab und zu. Meine Mutter liebt den Garten und trotz des Stresses sorgt sie sich um ihn. Durch die paar Hochzeiten wird auch das Haushaltsbudget etwas aufgestockt.“ Inuyasha verstand den Hintergrund, wusste aber auch das sowas bestimmt nicht leicht war. „Irgendwann möchte ich eine Führung“, lächelte er.
Sie waren zwar noch in der Kennenlernphase, trotzdem würde er sich unheimlich freuen, ihr Zuhause irgendwann kennenzulernen. Geschichten zu hören und vielleicht Neue schaffen. „Damit warten wir lieber noch“, winkte Kagome ab. „Sind deine Eltern so streng?“, wollte er wissen, um einschätzen zu können, wie sie reagieren könnten, wenn herauskam, dass Kagome einen deutlich älteren Freund hatte. „Streng? Meine Eltern sind relativ jung. Sie verstehen eigentlich viel. Aber… bei manchen Dingen sind sie einfach seltsam“, gab Kagome mit verzogenem Gesicht zu. „Daddys kleine Prinzessin, was?“, kicherte Inuyasha, der sofort einen kleinen Schubser von Kagome bekam. „Vielleicht. Jungs sieht er nicht so gern in meiner Nähe. Er denkt einfach, dass er mich vor allen beschützen muss. Dabei bin ich doch schon fast erwachsen“, seufzte sie. Inuyasha konnte die Gefühle ihres Vaters durchaus verstehen. Er würde Moroha auch gerne jede Art von Schmerz ersparen. Ihm wäre es am liebsten, wenn sie immer so klein bleiben würde. Er fürchtet schon den Tag an dem sie ihm irgendwann einen Mann vorstellen würde.
„Für einen Vater bleibt die Tochter immer sein kleines Mädchen. Du wirst erwachsen… doch für ihn bist du immer noch das Mädchen, das ihn einst als Held sah“, versuchte er ihr die Gefühle zu vermitteln. „Ich weiß. Irgendwann vielleicht, musst du dich ihm stellen. Ich habe Angst davor, trotzdem würde ich mich freuen, wenn du nicht gleich ganz abgesägt werden würdest.“ Dem konnte Inuyasha nur zustimmen. Er wollte wenigstens eine Chance, auch wenn er schon jetzt einige Minuspunkte gesammelt hatte. „Ich wünsch dir morgen eine gute Reise und natürlich noch ein paar schöne Tage“, lächelte Kagome. „Ich muss langsam los. Sie warten bestimmt schon mit dem Essen“, seufzte sie. „Leider. Ich melde mich, sobald wir angekommen sind und wir telefonieren auch?“, wollte Inuyasha wissen und stieg zusammen mit ihr aus seinem Wagen. „Wenn ich kann“, gab sie zu und blieb unschlüssig vor ihm stehen. „Du kannst mir ja schreiben, wenn es geht“, lächelte Inuyasha und hoffte darauf, wenigstens ein paar Mal mit Kagome telefonieren zu können. „Klar. Also…“
Irgendwie war es süß, wie unsicher Kagome in einer Beziehung war. Er trat einen Schritt auf sie zu, zog sie vorsichtig näher und verschloss ihre Lippen mit seinen. Es fühlte sich unheimlich gut an, sie so nah an sich gedrückt zu haben. „Bis bald“, flüstert inuyasha nah an ihren Lippen, als er diese wieder freigegeben hatte. „Bis bald“, hauchte auch Kagome. Inuyasha stieg langsam in seinen Wagen und winkte ihr nochmal zum Abschied, bevor er losfuhr, um den Abend mit seiner Tochter zu genießen.
Mit klopfenden Herzen sah Kagome dem Wagen hinterher. Sie wusste, dass sie unbeholfen war. Ihre Hoffnung war, mit der Zeit sicherer zu werden und gemeinsam mit Inuyasha zu wachsen. Doch noch fühlte sich alles unheimlich schwer und aufregend an. Nur langsam stieg sie die Treppen empor. Sie war immer noch in Gedanken, als sie am Treppenansatz ankam. „Das bist du ja endlich.“ Erschrocken zuckte Kagome zusammen. „Ja.“ Kagome sah schockiert zu ihrer Mutter, die nur wenige Meter von ihr entfernt stand und mit seltsamem Blick auf die Straße schaute, an welcher noch vor wenigen Minuten Inuyashas Wagen gestanden hatte. „Alles in Ordnung?“, wollte Kagome wissen und betete, dass ihre Mutter sie nicht gesehen hatte. „Ja. Ich hab mir einfach nur Sorgen gemacht“, lächelte ihre Mutter nach einigen Sekunden. Ihr Blick war dennoch auf die Straße gerichtet, fast so als würde sie irgendetwas dort sehen. „Ok. Wollen wir reingehen und essen?“ Das Verhalten kam Kagome seltsam vor, dennoch hinterfragte sie es nicht. „Klar“, wendete sie sich schließlich von dem Anblick ab.
„War das Lerntreffen gut?“, wollte sie anschließend wissen. „Ähm... ja… wir haben einiges geschafft“, log Kagome einfach. Sie würde weiterhin den Schein wahren, auch wenn sie langsam ein wirklich schlechtes Gewissen hatte.
Vertrauen und Misstrauen!
Vertrauen und Misstrauen!
Seufzend steckte Kagome ihr Handy wieder zum Aufladen an, nachdem sie eben eine halbe Stunde mit Inuyasha telefoniert hatte. Dies taten die beiden beinahe täglich seit er wieder auf Tour war. Sie sprachen über Belangloses. Schule, Alltag und natürlich Moroha. Ganz einfach war es für Kagome jedoch nicht, die Telefonate geheim zu halten. Inuyasha hatte aufgrund der Proben und seiner Arbeit nur wenig Zeit. Ebenso war sie ziemlich angespannt. In wenigen Wochen würden die Aufnahmeprüfungen starten. Kagome versuchte mehr und mehr zu lernen. Zudem hatte sie Verpflichtungen zu Hause und auch für Moroha zu erledigen. Immer noch passte sie ein bis zweimal die Woche auf ihre Tochter auf. Kagome merkte natürlich die Erschöpfung. Sie war beinahe dauermüde und zunehmend unkonzentrierter. Das Lernen fiel ihr immer schwerer, dennoch wollte sie nicht nachlassen. Sie musste einfach so viel wie möglich schaffen, wenn sie ihren Traum verwirklichen wollte. „Kagome, kannst du kommen?“, hörte sie den Ruf ihrer Mutter.
Genervt schloss Kagome ihre Augen. Eigentlich hatte sie keine Zeit. Sie hatte noch einiges zu lernen und wollte eigentlich dabei nicht unterbrochen werden. „Komme“, kam der Ruf dennoch. Daher machte sie sich auf den Weg ins untere Stockwerk. „Was gibt’s denn?“, wollte Kagome wissen, nachdem sie in der Küche angekommen war. „Kannst du mir etwas beim Kochen zur Hand gehen?“, bat ihre Mutter sie. Kurz biss sich Kagome in ihre Lippe. Es nervte sie unheimlich, trotzdem tat sie, was von ihr verlangt wurde. Gemeinsam standen die beiden Frauen Seite an Seite in der Küche. Kagome kümmerte sich um das Gemüse, ihre Mutter unterdessen um das Fleisch. „Wie läuft es denn so?“ Verwirrt runzelte Kagome ihre Stirn, als ihre Mutter sie aus heiterem Himmel danach fragte. „Eigentlich ganz gut?“ Kagome war sich nicht sicher, was ihre Mutter vorhatte. „Du hast dich im letzten Jahr wirklich verändert, Kagome“, machte ihre Mutter weiter. Scheinbar hatte sie nun den Mut gefasst, Kagome auf ihre Veränderung anzusprechen.
„Ich werde erwachsen, Mama“, stellte Kagome deshalb klar. In ihrem Alter war es nun mal normal, dass man sich allmählich veränderte und eigene Wege gehen wollte. „Vermutlich. Wie sieht es denn mit Jungs aus?“ Kurz schluckte Kagome. „Wie soll es aussehen?“, kam die Gegenfrage von Kagome, um ihre Mutter nicht anlügen zu müssen. „Du bist bald sechzehn, Kagome. In deinem Alter war ich bereits mit deinem Vater zusammen. Hast du vielleicht auch einen Jungen, den du magst?“, wollte ihre Mutter wissen und dies machte Kagome zunehmend nervöser. „Nein… einen Jungen gibt es aktuell in meinem Leben nicht“, sagte sie und log damit nicht wirklich, jedoch sagte sie auch nicht die Wahrheit. „Würdest du es mir sagen, wenn es jemanden geben würde?“ Irgendwie klang ihre Mutter geknickt bei diesen Worten. „Wenn es eine ernsthafte Beziehung in meinem Leben gibt, werde ich dir davon erzählen“, lächelte Kagome ihre Mutter an. Sie würde es ihren Eltern sagen, wenn die Beziehung zwischen ihr und Inuyasha wahrhaftig wurde.
Doch noch waren sie beide nicht so weit, um diesen Schritt zu gehen. „Das hoffe ich doch. Schließlich muss man rechtzeitig Vorkehrungen treffen und nicht erst wenn es zu spät ist“, atmete ihre Mutter durch. Kagome wusste natürlich, worauf ihre Mutter ansprach. Dass es schon einmal zu spät war, konnte ihre Mutter demnach nicht wissen. Dennoch wollte Kagome nicht nochmal in die Situation kommen. Doch dafür musste sie erstmal wieder mit Inuyasha intim werden und so schnell hatte Kagome dies nicht vor.
„Hast du Kagome schon gefragt, ob sie in zwei Wochen Zeit hat?“, wollte Miroku wissen. Inuyasha schüttelt seinen Kopf. „Ich will sie lieber von Angesicht zu Angesicht fragen“, stellte Inuyasha klar. „Du willst doch sowieso wie immer nur uns einladen, oder?“, fragte Miroku nach. „Natürlich. Glaubst du, ich bin so bescheuert und lade tausend Leute zu meinem Geburtstag ein, den ich auch mit meiner Freundin verbringen will und ohnehin immer nur in kleinen Rahmen gefeiert habe?“, verteidigte Inuyasha seine Entscheidung seinen Geburtstag, wie immer nur im kleinen Kreis zu feiern. Er hatte noch nie gern Leute eingeladen. Familie und enge Freunde reichten ihm vollkommen. Auf diese oberflächlichen Menschen, die ohnehin nur den Star in ihm sahen, konnte er getrost verzichten. „Das kann ich natürlich verstehen. Dennoch solltest du sie fragen, ob sie Zeit hat, zumal du vermutlich auch wieder mit deiner Familie feierst.“ Das wusste Inuyasha selbst. Er wollte Kagome jedoch auch nicht überrumpeln.
„Sie soll sich nicht überfordert fühlen“, gab Inuyasha leise zu, der seine Beziehung gerne noch ein bisschen für sich behalten würde. Sie sollte sich keinen Kopf machen. Er wollte sie an diesem Tag einfach nur an seiner Seite haben. „Ich frag sie morgen… versprochen“, seufzte Inuyasha. Er würde sie einfach fragen, auch wenn er wenig Lust dazu hatte. Inuyasha hatte seine Geburtstage nie richtig gefeiert. Es war ihm schlicht egal. Und auch dieses Jahr ändert nichts an seinem Gefühl. Er wollte einfach ein paar schöne Stunden mit Kagome, seiner Familie und seinen engsten Freunden haben. Geburtstag hin oder her. Inuyasha wusste, dass seine Bandkollegen etwas geplant hatten. Wie jedes Jahr hatten sie irgendwelche Geschenke für ihn organisiert. Geschenke, die er zwar dankend annahm, jedoch für ihn nicht wirklich wichtig waren. Er liebte sein Leben. War glücklich so wie es war und brauchte nicht zusätzlich irgendwelche Geschenke.
Auch Kagome sollte nichts besorgen. Er würde einfach ein normales Treffen ausmachen und hoffen, dass sie den Tag genießen kann, genau wie er, wenn diese Tour endlich vorbei war.
Mit einem Ruck nahm Kagome die schwere Obstkiste aus dem Regal und tauschte sie gegen die Frische aus. Anschließend legte sie die ältere Ware darüber. Am heutigen Nachmittag hatte Kagome in dem kleinen Laden ihres Vaters Dienst. Sie war gerade dabei die Obstabteilung aufzufüllen und ordentlich aufzuräumen. Zusammen mit ihrer Mutter räumte sie die Regale auf. „Guten Tag“, wurden die beiden Frauen begrüßt. „Guten Tag“, grüßten die beiden Frauen den Kunden, der soeben das Geschäft betreten hatte. „Oh“, hörte Kagome ihre Mutter und wendete sich aufgrund dieser Aussage zu ihr. „Hallo, Kagome“, wurde sie lächelnd begrüßt. „Hallo“, antwortete der Teenager. Dass Sango den kleinen Laden aufsuchte, war wirklich überraschend. „Wie geht es dir?“, machte Sango ungerührt weiter, fast so als würden sich die beiden Frauen das erste Mal seit Wochen sehen. „Gut, danke“, spielte Kagome deshalb mit.
„Wohnen sie hier in der Gegend?“, wollte ihre Mutter wissen. „Nein. Ich hatte hier zu tun und durch Zufall Kagome gesehen. Ich wollte mich nach ihr erkundigen“, lächelte die junge Ärztin. Wirklich glauben konnte Kagome dies nicht, doch für ihre Mutter schien es eine gute Erklärung zu sein. „Einen schönen Laden haben sie hier.“ Sango schaute sich kurz in dem Laden um. „Und du hilfst immer noch so tatkräftig?“ Dieser Smalltalk war wirklich eigenartig. „Ja. Jedes Wochenende. Ich bin aber für heute eigentlich schon fertig“, lächelte Kagome, die hoffte, dass Sango den kleinen Wink verstand. „Oh. Na dann will ich dich nicht von deinem Feierabend abhalten“, schien sie zum Glück verstanden zu haben. Sango wand sich noch etwas ihrer Mutter zu, plauderte etwas mit ihr. Unterdessen zog Kagome ihre Schütze aus und beendete damit ihre Schicht, die schon am frühen Morgen angefangen hatte.
„Du hast gewartet“, lächelte Sango, nachdem sie den kleinen Laden verlassen hatte. „Ich nehme an, du bist nicht ohne Grund hier aufgetaucht? Woher wusstest du, wo der Laden ist?“, stand Kagome von der Bank auf, um auf die junge Frau zuzugehen. Sie war einfach ein kleines Stück gegangen, um nicht direkt vor dem Geschäft zu warten. „Nicht ganz. Ich habe einfach Inuyasha gefragt“, zuckte Sango mit den Schultern. Das hätte sich Kagome durchaus denken können. Nur der junge Mann wusste, wo sich der Laden befand, nachdem er sie einmal von dort abgeholt hatte. „Wollen wir ein bisschen spazieren oder zu mir fahren?“, wollte Sango wissen. Kurz lugte Kagome an ihr vorbei. Sie sah ihre Mutter, die aufmerksam aus dem großen Schaufenster hervor blickte. „Ähm… ich gehe lieber. Von mir aus kannst du mich später einsammeln. Ich schreib dir“, sagte Kagome. Sie machte eine verabschiedende Handbewegung und lief anscheinend wieder auf den Laden zu.
„Hey“, grüßte sie ihre Mutter. „Hey. Was wolltest du von der Ärztin?“, hakte ihre Mutter gleich nach. „Sie hat sich nur verabschiedet. Ich habe mein Handy vergessen und bin deshalb nochmal zurück gekommen und ihr über den Weg gelaufen“, dachte sich Kagome eine Geschichte aus. „Ok.“ Kagome spürte das Misstrauen ihrer Mutter immer mehr. Dennoch schien sie kein Interesse daran zu haben, sie anzusprechen. „Ich werde jetzt aber auch gehen“, lächelte Kagome, nachdem sie kurz im hinteren Bereich verschwunden war, um vorzugeben etwas zu holen. „Wir sehen uns später“, nahm ihre Mutter dies nickend zur Kenntnis. Doch in Kagome blieb dieses unangenehme Gefühl zurück. Immer öfter log sie ihre Mutter an und diese schien zu merken, dass Kagome ein Geheimnis hatte. Kagome wusste, dass sie aufpassen musste. Solche Begegnungen oder auch Situationen musste sie unbedingt vermeiden, auch weil ihr klar war, dass ihre Mutter wahnsinnig enttäuscht sein würde, hatte Kagome doch bis vor einem Jahr alles mit ihr geteilt.
„Du wohnst ja richtig normal“, lächelte Kagome, nachdem sie zusammen mit Sango bei deren Wohnung angekommen war. Die Ärztin hatte ihr versprochen, sie rechtzeitig zurückzubringen, sodass sie lieber das Gespräch in einem geschlossenen Raum suchen wollte. „Willst du was trinken?“, fragte Sango sofort. Sie bot ihr einen Platz in ihrem Wohnzimmer an. „Nein, danke“, bedankte sich Kagome. „Also schieß los, was wolltest du?“, wollte Kagome in Erfahrung bringen. „Inuyasha hat mir erzählt, an welche Schule du willst.“ Kurz war Kagome sprachlos. Sie wusste nicht, dass Inuyasha überhaupt etwas aus ihrem Leben erzählte und irgendwie war es ihr auch peinlich. „Ich war ebenfalls auf der Shikon mit einem Stipendium.“ Kagomes Augen weiteten sich. Damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet. „Wow“, kam es Ihr staunend über die Lippen. „Die Aufnahmeprüfungen sind wahnsinnig hart. Inuyasha hat mich gebeten, dass ich dir etwas beim Lernen helfe. Ich habe zwar im Moment wenig Zeit, dennoch will ich dir meine Hilfe anbieten. Du hast selbst viel um die Ohren und ich kenne deine finanzielle Lage.“
Das Lächeln auf Sangos Lippen wirkt unglaublich ehrlich. „Aber warum?“, wollte Kagome wissen. Sie hatte eigentlich keinen Kontakt zu Sango. Die junge Frau war ihr gegenüber zu nichts verpflichtet. „Inuyasha ist mein bester Freund. Er erzählt mir viel. Ich weiß, dass ihr eine Beziehung führt. Ich heiße es nicht gut. Aber ich möchte ihn und somit auch dich unterstützen.“ Ein Seufzer kam aus Sangos Kehle. „Ich glaube, wir alle hatten geahnt, dass es so kommen würde oder könnte. Deshalb ist auch keiner wirklich ausgerastet, was natürlich nicht heißt, dass wir uns schon an diesen Gedanken gewöhnt haben.“
„Ich denke, daran haben wir auch nicht geglaubt. Für mich war Inuyasha unnahbar. Selbst als der Kontakt durch Moroha wieder aufgenommen wurde, hatte ich nie damit gerechnet ihn eines Tages als meinen Freund bezeichnen zu können“, gab Kagome ehrlich zu. Sie sah immer noch diese große Kluft zwischen ihnen und dennoch wollten sie diese überbrücken, auch für Moroha. „Kann ich mir vorstellen. Wie stellst du dir diese Beziehung vor?“, wollte Sango wissen, setzte sich neben Kagome und sah sie erwartungsvoll an. „Ich weiß nicht. Alles ist so neu. Ich hatte noch nie einen Freund. Ich will die Person Inuyasha näher kennenlernen, nicht den Star. Was er mag und was nicht. Ich weiß, dass ich eigentlich nur die Fassade kenne und den Menschen dahinter noch kennenlernen muss“, stellte Kagome klar. „Das Stimmt. Inuyasha ist in der Öffentlichkeit sehr präsent. Trotzdem hat er auch eine weiche Seite. Er kann wahnsinnig eifersüchtig werden, wenn er jemanden wirklich mag. Und dann gibt es noch diese nachdenkliche Seite. Die, die bei einem Streit förmlich auf seinen Kopf einhämmert“, lachte Sango. Auch Kagome wollte diese Seiten kennenlernen.
„Naja… eifersüchtig wird er bei mir bestimmt nicht“, winkte Kagome ab. Immerhin zeigt kein Mann ein wirkliches Interesse an ihr. „Abwarten. Und wie hast du sie dir sonst vorgestellt?“, fragte Sango weiter nach. „Hö? Ich habe doch gesagt, was ich will“, brachte Kagome hervor. „Das weiß ich... ich meine jedoch den Sex.“ Ganz nüchtern kamen diese Worte über Sangos Lippen und Kagomes Augen wurden riesig. „Öhm... also… ich… eine Beziehung besteht doch nicht nur aus Sex“, stammelte Kagome. Wenn sie ehrlich war, hatte sie sich darüber noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Sie wollte es langsam angehen und nicht gleich wieder mit ihm im Bett landen. „Das nicht. Aber er ist ein Mann und du eine junge Frau. Früher oder später werdet ihr miteinander schlafen“, stellte Sango klar. „Dann lieber später. Ich will nicht sofort mit ihm schlafen“, kam es energisch von Kagome. „Da bin ich aber erleichtert.“ Atmete Sango tief durch. „Solltest du Fragen haben… oder die Pille wollen, sag mir lieber Bescheid.“
Nachdenklich biss sich Kagome auf die Lippe. Dieses Gespräch verunsicherte sie. Sango war bereits erwachsen. Vielleicht war es in ihren Augen normal schnell miteinander intim zu werden. Kagome hatte Angst, dass Inuyasha ebenfalls so dachte. Würde er es zulassen, dass sie noch nicht bereit dafür war. Oder würde er sich jemand anderes suchen? All diese Fragen liefen unaufhörlich in ihrem Kopf herum. Dies verunsicherte sie immer mehr.
Angespannt!
Angespannt!
Seufzend legte Kagome die Unterlagen zur Seite und gähnte anschließend müde. In den letzten beiden Wochen hatte sie alles gegeben. Am nächsten Tag würde sie endlich die Aufnahmeprüfung schreiben und danach eine ziemlich hibbelige Wartezeit vor sich haben. Dank Sangos Hilfe fühlte sie sich gut vorbereitet. Die junge Ärztin hatte ihr einige Zusammenfassungen geschrieben und zusätzlich mit ihr gelernt, wenn es sich ergeben hatte. Kagome fühlte sich bereit. Dennoch hatte sie Sorge. Von Sango hatte sie erfahren, wie viel Leistung für ein Stipendium nötig war. Kagome wusste, dass sie sich anstrengen musste. Ihre schulischen Leistungen hatten sich wieder deutlich verbessert und auch stabilisiert. Trotzdem würde es nach wie vor schwierig werden. Kagome hatte versucht, so gut es geht ihre Probleme auszublenden. Der ganze Druck setzte ihr zusehens mehr zu. Ihre Mutter war immer misstrauischer ihr gegenüber. Auch ihre Gedanken über Inuyasha und die Beziehung waren permanent in ihrem Kopf.
Nach dem Gespräch von Sango und ihr hinterfragte Kagome jede Kleinigkeit. Jedes Telefonat analysierte sie und hatte Angst, dass sie ihm eigentlich gar nicht wichtig war und nur Mittel zum Zweck, um seine Befriedigung zu bekommen. Wirklich abschalten konnte sie ihr Kopfkino nicht. All das erschwerte ihr natürlich die Lernerei. Zumal sie durch ihren Alltag auch massiv gefordert war. Moroha, der Laden und dazu noch ihre Verpflichtungen im Haushalt sorgten bei Kagome zusätzlich für Stress. „Na schon aufgeregt?“, lächelte ihre Mutter, nachdem sie ihr Zimmer betreten hatte. „Etwas“, gestand Kagome. Sie wusste, dass ihre Mutter nicht sonderlich begeistert war. Schon allein weil sie nicht an ein Stipendium glaubte. „Immerhin hast du ja Eri und Ayumi“, merkte ihre Mutter an. „Ja, zum Glück“, sagte Kagome knapp. Die drei jungen Frauen ignorierten sich nach wie vor. Sie wollten Kagomes Kritik nicht annehmen und Kagome hatte keine Lust sich mit den beiden wieder zu vertragen.
„Schon seltsam, wenn man bedenkt, dass du seit Wochen kein Wort mit den beiden sprichst. Erst kürzlich habe ich Eri getroffen und sie hat mir gesagt, dass du noch nie bei einem Lerntreffen warst“, kam es fast schon kühl über die Lippen von ihrer Mutter. Kurz leckte sich Kagome über ihre Lippen. Sie hatte gehofft, dass ihre Lügen nicht auffallen würden. „Wo warst du Kagome? Wo warst du, als du sagtest, dass du bei Eri bist und bei ihr übernachtest?“, konkretisierte ihre Mutter ihre Frage. Doch diese wollte und konnte Kagome nicht beantworten, da sie sonst zugeben müsste, dass sie bei einem Mann übernachtet hatte. „Bei einer Freundin“, sagte sie nach kurzem Überlegen. „Und bei welcher? Mit deinen Freundinnen scheinst du kaum oder nichts mehr zu tun zu haben“, forderte ihre Mutter eine Erklärung. Wirklich Zeit und Lust auf einen Streit hatte Kagome nicht.
„Bei Yuka. Sie ging in meine Schulstufe. Ich habe mich von Eri und Ayumi bewusst entfernt. Wir haben uns einfach verändert und sind auseinander gedriftet“, versuchte Kagome zu erklären. „Warum lügst du uns an Kagome?“ Genervt verdrehte Kagome ihre Augen. „Weil es euch nichts angeht“, stellte sie klar. Sie war kein kleines Kind mehr. Sie konnte durchaus Entscheidungen treffen. „Es geht uns nichts an? Du bist fünfzehn Jahre und wir haben die Obsorge. In den letzten Monaten hast du dich total verändert. Du lügst, ziehst dich zurück und scheinst überhaupt nicht mehr an dieser Familie teilzunehmen“, kam es fast schon verzweifelt von ihrer Mutter. „Ich werde erwachsen. Da sagt mein seinen Eltern nicht mehr alles“, stellte sie klar. „Und jetzt würde ich gerne weiter lernen. Immerhin geht es hier um meine Zukunft und die möchte ich nach wie vor nicht in einem kleinen Laden verbringen“, setzte Kagome fort.
So direkt hatte sie es ihren Eltern noch nie gesagt und auch wenn die Situation ziemlich unpassend war, fühlte sich Kagome erleichtert, es endlich ausgesprochen zu haben. Dass ihre Mutter verletzt war, tat ihr zwar etwas leid, doch ändern würde sie ihre Entscheidung nicht. Kagome hatte eine Entscheidung getroffen. Sie würde von jetzt an, mehr für sich einstehen. Für sich und ihre Wünsche, egal was die anderen davon halten würden.
„Von Innen sieht es fast noch besser aus“, staunte Inuyasha, nachdem er zusammen mit Miroku und Sango zu dem Haus im Wald gefahren war. Am morgigen Abend wollte Inuyasha hier seinen Geburtstag feiern. Familie und Freunde wusste bereits Bescheid, nur Kagome hatte er trotz Versprechen nach wie vor nicht gefragt. „Glaubst du, dass wir eine Bruchbude anmieten?“, kam es fast schon entsetzt von Miroku. „Zumal ich dieses Haus besichtigt habe“, fügte Sango hinzu. „Es ist auch bereits alles vorbereitet. Das Essen wird gegen sechs geliefert und alle wissen, wo sie hinkommen müssen. Es wurde sogar ein Zimmer für Moroha vorbereitet, immerhin werden wir wohl alle morgen hier schlafen“, lächelte Sango zufrieden. „Wer holt Kagome morgen ab?“, wollte sie gleich wissen. Leicht nervös biss sich Inuyasha auf die Lippe. Natürlich hatte er Miroku etwas angeflunkert. „Du hast sie also nicht gefragt“, schlussfolgerte dieser aufgrund seiner Reaktion. „Noch nicht. Ich hol sie morgen nach der Aufnahmeprüfung ab. So als kleine Überraschung.“
Diesen Plan hatte Inuyasha ohnehin gehabt. Er wollte sie überraschen, auch weil er Sorge hatte, dass die Prüfung vielleicht doch nicht so gut laufen könnte. „Apropos. Ich habe meine Kontakte etwas spielen lassen“, lächelte Sango. „Sie haben Kagomes Unterlagen bereits erhalten. Leider gibt es viele Schüler, die noch bessere Noten haben und zusätzliche Kurse aufweisen können. Ein Stipendium wird es also für sie nur geben, wenn sie überall Höchstleistungen bringen würde“, seufzte Sango. „Kagome ist gut und hat viel gelernt, dennoch glaube ich nicht, dass sie das schaffen kann“, gestand sie ihre Bedenken. „Hätte sie die Chance so auf die Oberstufe zu kommen. Also ohne Stipendium?“, kam es unsicher über Inuyashas Lippen. „Durchaus. Die Direktorin meinte, sie wäre wirklich gut. Wenn sie die Prüfungen schafft, würde sie bestimmt in die Schule gehen können.“ Eine Aussage, die Inuyasha unheimlich erleichterte. „Dann hoffe ich mal, dass Kagome kein Black Out hat und zumindest die Prüfung gut läuft. Um alles andere werde ich mich kümmern“, stellte Inuyasha klar.
Der für sich entschieden hatte, Kagome den Weg an diese Schule zu ermöglichen. Dass seine Freundin dies eigentlich abgelehnte, war ihm durchaus bewusst. Jedoch sah er es als seine Pflicht an, ihr bei ihren Träumen zu helfen. Jeder Mensch hatte es verdient seine Träume verwirklichen zu können.
Angespannt stand Kagome vor dem großen Prüfungssaal, wartete dort darauf aufgerufen zu werden und die Prüfung schreiben zu können. Ihr Puls raste und ihre Atmung war angespannt. Nach dem Streit am Vorabend hatte sie sich in ihre Lernunterlagen gestürzt. Sie hatte die Nacht durchgemacht und immer und immer wieder dieselben Stellen wiederholt. Am frühen Morgen war sie ohne Verabschiedung aufgebrochen. Von der Schule wurde sie aufgrund der Aufnahmeprüfung freigestellt, sodass sie am späteren Tag nicht mehr zurück in den Unterricht musste. Darüber war Kagome ehrlicherweise ziemlich froh. Sie war unendlich müde und hoffte wirklich, dass sich das ganze Lernen ausgezahlt hatte. Nur aus dem Augenwinkel bekam Kagome mit, dass auch Eri und Ayumi eingetroffen waren. Sie standen etwas abseits und gingen zusammen die Unterlagen durch. Sie würdigten Kagome keines Blickes und auch sie würde dasselbe machen. Sie wollte sich einfach auf ihre Prüfung konzentrieren. „Gruppe 3 bitte“, hörte Kagome eine männliche Stimme. Kurz schluckte sie schwer. Nun war sie an der Reihe und musste zeigen, was sie alles konnte.
Mit einem tiefen Atemzug ging Kagome auf den Prüfungsraum zu. Nun hieß es alles geben. Nur noch diese Prüfung war wichtig, alles andere würde zur Nebensache werden, um das sich Kagome auch noch später kümmern konnte. In diesem Moment zählte nur das Hier und Jetzt. Alles oder nichts und für nichts hatte Kagome eindeutig zu viel gegeben.
Gefühlt zum hundertsten Mal sah Inuyasha auf seine Uhr. Er wusste von Kagome, wann diese Prüfung anfing, leider aber nicht wie lange diese gehen würde. Inuyasha hatte sich deshalb entschlossen nahe der Schule auf Kagome zu warten. Wie immer hatte er sich etwas verkleidet, wollte so verhindern, dass er von den Jugendlichen erkannt wurde, die nun mal einen Großteil seiner Fangemeinde ausmachten. Wie gebannt sah Inuyasha auf das Schulgebäude und hatte sich lässig an seinen Wagen gelehnt. Die Warterei im Auto hatte ihn einfach ermüdet. Inuyasha war ausgestiegen, um etwas Frischluft zu bekommen und sich zu bewegen. Nach der harten Tour konnte er endlich ein paar Tage Ruhe genießen. Moroha verbrachte den heutigen Tag noch bei seinen Eltern, damit er sich Voll und Ganz auf die Vorbereitungen konzentrieren konnte. Erst am Abend würde er seine Tochter wiedersehen und sie in seine Obhut nehmen. Zuvor würde er jedoch Kagome abholen und mit ihr zu ihrem neuen Domizil fahren.
Zu seiner Erleichterung sah er Kagome in diesem Moment das Gebäude verlassen. Die junge Frau presste ihre Unterlagen an sich und steuerte schnurstracks auf den Ausgang zu. Inuyasha setzte sich in Bewegung, da er sie abfangen musste, bevor sie in einen der bereitstehenden Busse verschwinden konnte. „Kago“, rief er deshalb nach ihr, um sie aufzuhalten. Überrascht drehte sich die junge Frau um. „Was machst du denn hier?“, fragte sie ihn, als er vor ihr zum Stehen kam. „Ich wollte dich überraschen“, lächelte Inuyasha. Kurz lugte er in der Umgebung herum. „Überraschung“, sagte er grinsend und beugte sich vor, um ihr einen Kuss zu geben. „Bist du verrückt“, kam es nur über Kagomes Lippen, nachdem sie sich fast panisch umgesehen hatte. „Entspann dich. Die Leute hier haben doch ohnehin was Besseres zu tun, als zwei fremde Personen zu beobachten, wie sie sich küssen“, winkte Inuyasha ab und zog sie in eine Umarmung. Er genoss es wirklich, sie so nah bei sich zu haben.
In den letzten drei Wochen hatten sie nur telefonisch Kontakt. Immer wenn er in der Stadt war, musste sie arbeiten oder hatte anderweitig schon etwas zu erledigen. Manchmal hatte Inuyasha das Gefühl sie würde ihm bewusst aus dem Weg gehen. Doch nun war er wieder in Tokio. Inuyasha hatte mehr Zeit und konnte so öfters mit Kagome den Tag verbringen. „Trotzdem. Es ist hier einfach zu gefährlich“, seufzte sie und löste sich von ihm. „Dann lass uns verschwinden“, grinste er. Eine bessere Auflage hätte sie ihm gar nicht bieten können. Inuyasha wollte ohnehin mit ihr von hier weg. „Und wohin?“, wollte sie unsicher wissen. Irgendwie schien sie nur wenig begeistert von dem Vorschlag. „Wie wäre es, wenn ich dich überrasche und du mir während der Fahrt erzählst, wie die Prüfung gelaufen ist“, schlug er ihr vor. Sie seufzte und folgte ihm jedoch zu seinem Auto. Kurz stand sie davor und setzte sich schließlich in den Wagen.
Inuyasha wusste, dass die Aufnahmeprüfungen anstrengend waren, dennoch bekam er das Gefühl nicht los, dass noch etwas anderes in Kagome vorging. Sie wirkte angespannt und das sicher nicht nur aufgrund der anstrengenden Prüfung. Deutlich merkte er, dass ihre Anspannung nur noch mehr wurde, als er ebenfalls in dem Wagen Platz nahm und mit ihr davon fuhr.
