Wenn Gefühle überhandnehmen!
Wenn Gefühle überhandnehmen!
Eine Stunde. So lange war es schon her, dass Inuyasha sich zusammen mit Kagome schlafen gelegt hatte. Genauso lange lag er nun schon regungslos und mit offenen Augen da. In der Dunkelheit zählte er förmlich die Sekunden, aus welcher irgendwann Minuten und schließlich eine Stunde wurden. Immer wieder kreisten seine Gedanken. Er konnte es nicht abstellen. Die ganze Situation machte ihn schier wahnsinnig. Öfters dachte er an Kagome. Wie sie nur in seinem Hemd vor ihm gestanden war. Schüchtern, aber auch unheimlich sexy. Nach allem, was geschehen war, wusste er, dass er diesen Gedanken lieber wieder verwerfen sollte. Doch Kagome lag nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Er musste sich wirklich beherrschen, nicht plötzlich einfach nach ihrem Körper zu greifen. Schließlich übermannte ihn jedoch der Drang. Langsam wanderte Inuyashas Hand zu Kagomes Körper und tastete sich Stück für Stück vor, bis er den weichen Stoff seines Shirts spüren konnte.
Noch einmal atmete Inuyasha tief durch. Kagome lag mit dem Rücken zu ihm. Inuyasha war unendlich froh, dass Moroha in ihrem eigenen Bett auf der gegenüberliegenden Seite schlief, welches seine Eltern angeschafft hatten. So konnte er vorsichtig näher an die junge Frau herran rutschen. Behutsam legte er seine Hand auf Kagomes Hüfte und verweilte dort einige Sekunden. Eine Reaktion von der jungen Frau bekam er nicht, sodass er mutiger wurde und gänzlich an ihre zierliche Gestalt robte. Kurz schloss er die Augen und genoss einfach das Gefühl, so nah an Kagome zu liegen. Seine Hand ging auf Wanderschaft und fuhr ihren zierlichen Körper hinauf. All seine Selbstbeherrschung war verschwunden. Er genoss das Gefühl, welches die Berührungen in ihm auslösten. Leicht erregt biss er sich auf die Lippe, als seine Hand an Kagomes Oberweite ankam. Sachte fuhr er mit seiner Hand über den Stoff und fing vorsichtig an ihre Brust zu massieren. Nach wie vor beobachtete er genau wie Kagome reagierte, doch noch kam kein Ton von der jungen Frau.
Jedoch wollte er dies ändern. Genüsslich legte er seine Lippen auf Kagomes Hals und küsste diesen leicht. Kurz leckte er sich über die Lippen. Ehe er anfing etwas an der zarten Haut zu saugen. „Was machst du da?“, hörte er plötzlich ihre Stimme. Dies kam ihm nur gelegen. Wollte er doch viel mehr, als nur diese zarten Berührungen. „Nach was siehts denn aus?“, raunte er und drehte Kagome zu sich, um ihre Lippen mit seinen zu bedecken. Der Kuss wurde jedoch nur kurz erwidert. „Lass das“, forderte sie und schubste ihn ein wenig von sich, nachdem er sich über sie gebeugt hatte. „Warum?“, kam es sofort über seine Lippen. Er hatte doch gehofft, dass Kagome ebenfalls Lust auf etwas Spaß hatte. „Weil ich das nicht möchte“, stellte sie klar und hatte sich dabei aufgesetzt. Auch Inuyasha richtete sich etwas auf. Er war wirklich enttäuscht, dass in dieser Nacht wohl nichts laufen würde. Die Chance wollte er dennoch nutzen und einige Dinge mit Kagome klären.
„Wenn du nun schon wach bist, können wir wenigstens miteinander reden“, seufzte er resigniert. Erhoffte Inuyasha sich doch, dass durch ein Gespräch ein bisschen Klarheit in seine Gedanken kam.
Tief atme Kagome durch. Sie wartete darauf, dass Inuyasha anfing zu sprechen. Bis jetzt hatte sie kein Auge zu gemacht. Sie war regungslos liegen geblieben, als er angefangen hatte, ihren Körper zu berühren. Für den Bruchteil einer Sekunde empfand sie es als wirklich schön. Doch dann kam die Realisation. Sie war immer noch fünfzehn und damit würde eine weitere gemeinsame Nacht wieder eine Straftat für den jungen Mann bedeuten. Deshalb hatte sie ihn direkt gestoppt, als er weiter gegangen war, egal wie sehr sie es genossen hatte. Ein zufriedenes Seufzen hatte die junge Frau unterdrückt, damit er nicht noch mehr Ansporn bekam. Zu ihrer Erleichterung hatte der junge Mann keinen weiteren Versuch unternommen, nachdem sie ihn abgewiesen hatte. „Weißt du... ich habe heute Abend viel nachgedacht. Auch über Dinge, die du gesagt hast“, begann er nach einigen Minuten des Überlegens. „Und über was genau?“, wollte sie wissen und rutschte noch ein Stück von dem jungen Mann weg, ehe sie sich an die Mauer lehnte.
„Es hat mich irgendwie verletzt, dass du mich nicht mal als Freund siehst“, gestand Inuyasha ihr leise. „Warum das?“, hakte sie nach. „Ich sehe dich als meine Familie. Du und Moroha gehört unwiderruflich zu mir. Dass du nicht einmal eine Freundschaft mit mir in Betracht ziehst, fand ich verletzend. Vor allem, weil du mir einiges bedeutest.“ Überrascht sah Kagome zu dem jungen Mann. Im Dunklen konnte sie nur seine Silhouette sehen. Gerne hätte sie ihm nun ins Gesicht geschaut. „Aber… wir sind doch eigentlich keine Freunde. Ohne diese eine Nacht hätten wir uns doch ohnehin nicht mehr gesehen.“ Vieles was Kagome über Inuyasha wusste, hatte sie aus den Medien. Wirklich gut kannte sie ihn nicht. Vermutlich war so einiges gelogen und auch so war vieles gefiltert. Von seinem wirklichen Leben hatte sie keine Ahnung. Alles, was sie wusste, stammte aus dem Fernseher oder eben Zeitschriften. Von Inuyasha und seinem Managment entschiedene Infos, die jeder herausfinden konnte, wenn er wollte.
„Da hast du wohl recht. Dennoch bin ich unheimlich froh, dass alles so gekommen ist“, gestand er. Tatsächlich erfreute dies auch Kagome. Obwohl es für sie nicht immer einfach gewesen war. „Weist du… du hast gesagt, du warst in mich verliebt. Wie steht es heute um deine Gefühle?“ Inuyasha hatte gut aufgepasst, als sie die Worte an seine Familie gerichtet hatte. Irgendwie war es ihr unangenehm. „Ich…“ Kurz überlegte Kagome, was sie antworten könnte. Es war ihr unglaublich peinlich so offen über Gefühle zu sprechen. „Ich finde dich immer noch toll.“ Ein bisschen wich sie seiner Frage aus. Immerhin wollte sie nicht, dass Inuyasha durch ihre Gefühle genervt oder verunsichert wurde und sie so die Chance Moroha zu sehen verlor. Es sollte alles so wie die letzten Wochen weiterlaufen. Mit ihren geheimen Gefühlen konnte sie gut leben. Inuyasha musste von diesen nichts erfahren, auch wenn es bestimmt Situation geben würde, die schmerzhaft für sie wären. „Toll… ich mag dich, Kagome.“ Die Worte kamen leise fast schon geknickt von Inuyasha.
„Irgendwie… weißt du… die Nacht hat alles verändert. Anfangs war es einfach nur eine Ablenkung von meinen Problemen mit Kikyo. Dann plötzlich war alles anders. Ich hab gemerkt, dass mir Kikyo nichts oder nicht mehr viel bedeutet. Mich dabei ertappt, wie ich unser Foto anstarrte und es sogar als mein Hintergrundbild verwende. Ich wollte immer an diese wunderschöne Nacht denken.“ Sprachlos lauschte Kagome seinen Worten. „Als plötzlich feststand, dass Moroha meine Tochter ist, war ich kurzzeitig überfordert mit der ganzen Situation. Doch letzten Endes habe ich sie als Chance gesehen, dich besser kennen zu lernen“, machte er ungerührt weiter. „Warum?“ wollte Kagome wissen. Sie verstand einfach nicht, wieso er so dachte. „Weil ich dich nicht aus meinem Kopf bekomme. Schon seit unserer gemeinsamen Nacht nicht. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich an dich denke. Was du machst. Ob du einen Jungen triffst oder wie du mich findest.“ Plötzlich wirkte der junge Mann nicht mehr so selbstsicher wie noch vor einigen Minuten, als er sich ihr näherte.
„Weißt du, was das Schlimme ist? Ich weiß, dass du fünfzehn bist. Und dennoch fühle ich mich zu dir hingezogen. Ein gestandener Mann sollte sich altersgemäß geben und nicht auf diese Weise für einen Teenager empfinden. Doch ich kann es nicht ändern.“ Kagome war von seinem Geständnis überrumpelt. So lange hatte sie sich immer wieder vorgestellt, wie es wäre, wenn sie in einer Beziehung wären. Und nun schien er genau dies in Betracht zu ziehen.
Nervös fing Inuyasha an mit seinem Bein zu wippen. Er hatte sich komplett blamiert. Er hatte Kagome förmlich offenbart, dass er in sie verliebt war. So wirklich abstreiten konnte er dies nicht, da sie ihm völlig unter die Haut ging. Sie löste Empfindungen in ihm aus, die er nicht kannte. „Was erwartest du jetzt von mir?“, kam es leiser von ihr. Einen Moment überlegte Inuyasha. Was erwartete er? Er konnte es selbst nicht genau sagen. „Vielleicht eine Chance. Ich will dich wirklich kennenlernen. Und dann schauen, was daraus wird“, antwortete er ihr ehrlich. Er brauchte nicht gleich die große Liebe. Eine Chance würde ihm reichen und vielleicht würden sie ja doch eine ordentliche Beziehung führen können. „Und wenn es nicht funktioniert? Was wenn du und ich uns nicht verstehen? Darf ich Moroha noch weiterhin sehen?“, wollte Kagome leise wissen. Sie wirkte verunsichert und das konnte Inuyasha auch nachvollziehen. „Dann werden wir gemeinsam eine Lösung finden. Wir sind beide erwachsen genug, um darüber zu stehen“, meinte Inuyasha, weil ihm dies bewusst war.
Dennoch würde er Kagome nicht verwehren, Moroha zu sehen, falls es nicht mit ihnen funktionieren würde. „Dreizehn Jahre sind viel.“ Kurz lachte Inuyasha, nachdem Kagome dies eher in Gedanken ausgesprochen hatte. „Ja, das sind es. Aber es ist auch nur eine Zahl.“ Inuyasha war sich sicher, dass das Alter irgendwann keine Rolle mehr spielen würde. „Wärst du bereit, es mit mir zu versuchen?“, fragte Inuyasha vorsichtig nach. Immerhin würde eine Beziehung mit ihm nicht leicht sein. Die Öffentlichkeit durfte nichts erfahren und auch so gab es einige Herausforderungen. „Wenn wir alles locker angehen, ja. Ich will den Menschen kennenlernen und nicht den Star.“ Erleichtert atmete Inuyasha aus. Er hatte es beinahe für unmöglich gehalten. Doch Kagome schien ebenfalls einen Versuch starten zu wollen. „Ich möchte dich ebenso besser kennenlernen“, freute er sich. Denn auch wenn es herausfordernd werden würde, war es seine Chance auf eine eigene Familie und diese würde Inuyasha nur zu gern mit Kagome formen wollen.
„Dann sind wir ab jetzt…“ Glücklich drückte Inuyasha seine Lippen auf Kagomes. Auf diese Weise stoppte er den Satz, den sie aussprechen wollte. „… ein Paar“, beendet Inuyasha lächelnd ihren Satz. Irgendwie fühlte sich alles gerade so aufregend an. Kagome und er würden einen Neustart wagen und vielleicht so ihr großes Glück finden.