Ein leiser Verdacht!
Ein leiser Verdacht!
„Du bist ja noch wach, Moroha.“ Mit einem Lächeln nahm Inuyasha das kleine Mädchen seinem Vater ab und knuddelte sie ein paar Sekunden durch. Nachdem der Abend doch noch gut gelaufen war, hatte er sich sofort auf den Weg gemacht, um die Kleine bei seinen Eltern abzuholen. „Findest du es richtig, jetzt einfach so zu gehen?“, wollte seine Mutter mit verschränkten Armen wissen. „Ich muss nach Hause?“, zuckte Inuyasha mit den Schultern. Immerhin hatten auch seine Bandkollegen bereits nach der Kleinen gefragt. Sicher wollten auch sie ein bisschen Zeit mit ihr verbringen, hatten sie doch am heutigen Tag nur wenig Zeit für sie gehabt. „Ich denke, du kannst noch ein paar Minuten länger bleiben und uns erklären, was das zu bedeuten hatte“, kam es streng von seinem Vater und mit Blick auf das kleine Mädchen in seinem Arm. „Die Kurzfassung? Moroha lag vor etwas über zwei Wochen vor unserer Haustür. Seitdem versuchen wir uns bestmöglich um sie zu kümmern. Doch heute hat es einfach nicht geklappt. Also brauchten wir jemanden der auf sie aufpasst”, erklärte Inuyasha beiläufig.
Er hätte sich denken können, dass seine Eltern fragen hatten, vor allem nach der Aktion am frühen Nachmittag. „Sie lag wo? Warum habt ihr sie behalten?“, kam es auch sofort fassungslos von seiner Mutter, verständlich wenn man bedachte, dass sie ihre Kinder abgöttisch liebte. „Ihr ging es gut. Sango hat sie mittlerweile untersucht. Mit ihr ist alles in Ordnung. Das Einzige, was wir nicht wissen, wer ihr Vater ist und die Art von einer Schlagzeile brauchen wir wirklich nicht“, gestand er die Lage. Immerhin hatten sie den Test noch nicht durchgeführt. Sango würde wohl erst in ein paar Tagen Zeit für einen Besuch bei ihnen finden. „Ihr glaubt, dass sie von einem von euch ist? Kann sie etwa deine Tochter sein? Hast du mit einem Groupy geschlafen?“ An diesem Abend schien er seine Mutter nur noch fassungsloser zu machen, etwas das Inuyasha noch nie geschafft hatte.
„Nein… nein… die Kleine muss von Shippo oder Koga sein. In ein paar Tagen werden wir auch Klarheit bekommen und dann ihre Mutter suchen und ihr die Kleine wiedergeben“, schüttelte Inuyasha eilig seinen Kopf. Dass er durchaus schon einmal eine Nacht mit einem Fan verbracht hatte, musste er seinen Eltern ja nicht auch noch auf die Nase binden. „Ich muss jetzt aber auch los. Es ist spät und sie sollte wohl lieber ins Bett“, verabschiedete er sich bei seinen Eltern, wirklich zufrieden sahen diese nicht aus, doch im Moment hatte Inuyasha einfach keinen Bock weiter mit ihnen über die momentane Situation zu sprechen.
„Und wie kann das sein?“, schaute Kagomes Mutter fragend zu der Ärztin, die soeben erklärt hatte, was bei Kagome im Argen lag. Die Schwangerschaft und Geburt hatte sie jedoch nicht erwähnt. Kagome hatte sie um stillschweigen gebeten, als ihre Mutter kurz nach Hause gefahren war, um ihr einige Sachen zu bringen. Nun verlangte sie jedoch Antworten, schließlich war es nicht unbedingt gewöhnlich, dass ein Teenager eine Gebärmutterentzündung bekommt, dazu noch so eine schwere, wie Kagome sie hatte. „Ihre Tochter… hat OB’s verwendet. Nachdem sie jedoch einen vergessen hatte zu entfernen, hat dieser eine schwere Infektion nach sich gezogen und diese ist in ihre Gebärmutter gewandert. Es ist nicht schön, aber behandelbar. Kagome muss einige Tage hier verbringen und wir werden ihr Medikamente verabreichen, die ihren Gesundheitszustand wieder in die richtigen Bahnen lenkt.“ Kurz schluckte Kagome schwer und hatte bei dem Blick auf sich schon mit dem Schlimmsten gerechnet.
„Muss Kagome mit Spätfolgen rechnen?“, wollte ihre Mutter besorgt wissen. Kagome verdrehte bei dieser Aussage ihre Augen, da sich ihre Mutter doch unnötig Sorgen machte. „Nein. Ich gehe stark davon aus, dass ihre Tochter keine Einschränkungen haben wird. Nur auf OB’s sollte sie in den nächsten Wochen besser verzichten“, lächelte die junge Ärztin sie an und gab ihr mit dieser Aussage einen kleinen Seitenhieb, aufgrund ihrer vorangegangenen Taten. „Ich müsste sie nun leider bitten zu gehen. Es ist schon spät und ihre Tochter muss sich wirklich auskurieren“, bat die Ärztin ihre Mutter zum Glück relativ schnell. So konnte sie zumindest nicht noch mehr unangenehme Fragen stellen. „Ich komm Morgen gleich nach der Arbeit wieder. Und sei schön artig.“ Kurz küsste sie die Stirn des Teenagers, ehe sie schweren Herzens ihre Tochter im Krankenhaus zurückließ.
„Dankeschön“, hauchte Kagome, nachdem sich die Tür hinter ihrer Mutter geschlossen hatte. „Auch bei Fünfzehnjährigen habe ich eine Schweigepflicht. Ich denke trotzdem, dass du mit deinen Eltern sprechen solltest. Ich werde jetzt gehen, wir sprechen uns aber noch“, kam es schon beinahe tadelnd von der Ärztin. Bestimmt würde sie Kagome noch etwas auf den Zahn fühlen, doch vorerst war diese erleichtert, dass ihr kleines Geheimnis noch nicht ans Licht gekommen war.
„Und wie lange wird es nun dauern, bis die Testergebnisse da sind?“, wollte Inuyasha wissen, nachdem er einen Schluck Wasser genommen hatte. Das Stäbchen hatte sich einfach furchtbar in seinem Mund angefüllt. Sango hatte jedoch wirklich Wort gehalten und alle vier Männer um eine Speichelprobe gebeten, Widerworte oder Verweigerung hatte sie nicht dulden lassen. „Zwei bis drei Tage. Ich muss die Probe ins Labor schmuggeln“, steckte sie auch das letzte Teststäbchen in eine durchsichtige Tüte. Zuvor hatte sie diese sorgfältig beschriftet und packte diese in ihre Handtasche. „Sobald ich das Testergebnis habe, sage ich euch natürlich Bescheid“, versprach sie. Die Jungs nickten mechanisch. In den letzten Wochen hatten sie sich an das kleine Mädchen gewöhnt. Bestimmt würde es eine Umstellung für sie werden, wenn die Kleine nicht mehr bei ihnen wohnen würde. Sie hatten viel über sich, aber auch über Kinder gelernt. Nicht immer war es einfach.
Schlaflose Nächte und lautes Geschrei gehörten, wie auch die schönen Stunden, in denen man das Baby einfach nur verträumt ansah, mit zu den Momenten, die man als Elternteil miterleben durfte. Ganz würden sie die Kleine jedoch nicht aus ihrem Leben streichen. Sie würden sie weiterhin zu sich nehmen und mal auf sie aufpassen, wenn ihre Mutter einmal eine Auszeit für sich brauchen würde und sie es zeitlich einrichten konnten. „Mach das. Und lass dich nicht zu sehr ärgern auf der Arbeit“, verabschiedet sich Mirkou wieder von seiner Freundin. Sango musste am heutigen Tag noch in die Nachtschicht. Dass das Paar überhaupt einmal Zeit für sich hatte, kam wirklich selten vor. Doch damit schienen beide gut klarzukommen und Inuyasha war sich auch ziemlich sicher, dass sich Sango keine Sorgen machen musste, dass eventuell doch Miroku der Vater der Kleinen sein könnte.
Sein bester Freund schwärmt ohnehin nur von seiner Freundin, auch wenn er auf Flirts gerne einging, gab es nur sie für ihn. Doch wer am Ende wirklich der Vater der Kleinen war, würde sich zum Glück bald herausstellen und dann würden wohl noch mehr Herausforderungen auf sie zu kommen.
„Na wie siehts aus?“, kam lächelnd die junge Ärztin in das Krankenzimmer von Kagome. Sie hatte sich sofort das Klemmbrett geschnappt und ihre Notizen am heutigen Tag überprüft. „Sehr gut, die Medikamente schlagen an“, freute sie sich sichtlich und auch Kagome war froh, dass die Schmerzen immer besser wurden. „Zum Glück. Kann ich denn bald wieder nach Hause?“, wollte das junge Mädchen sofort wissen. Ihre schulfreie Woche im Krankenhaus zu verbringen, fand sie nicht gerade prickelnd, vor allem weil Weihnachten vor der Tür stand und dieses würde Kagome gerne zuhause feiern. „In den nächsten Tagen überprüfen wir deine Werte noch. Aber wenn alles so gut weiterläuft, würde ich sagen, dass du in drei oder vier Tagen wieder nach Hause kannst.“ Seufzend ließ sich Kagome wieder in ihr Kissen fallen, als ihr bewusst wurde, dass daraus wohl nichts werden würde. Laut Anweisung der Ärzte sollte sie sich schonen.
Der Tag war einfach unendlich lange und tot langweilig. Kagome las permanent oder lernte bereits etwas für das neue Schuljahr. „Eigentlich bist du selbst schuld. Du hättest schon viel früher zum Arzt gehen sollen“, tadelte die Ärztin. Mittlerweile wusste Kagome dies selbst. Nach der Geburt hatte sie sich vollkommen falsch verhalten. Sie hatte sofort Sport gemacht, OB’s benutzt und auf die Anzeichen ihres Körpers überhaupt nicht geachtet. „Willst du mir erzählen, wie du das alles eigentlich geschafft hast?“ Mit seltsamem Blick zog sich die Ärztin einen Stuhl an ihr Bett. Im Moment lag Kagome alleine im Zimmer. Die Besuchszeit war längst vorüber. „Müssen sie nicht irgendjemanden helfen?“, wollte Kagome das Gespräch abblocken. Doch so leicht schien es ihr die Ärztin nicht zu machen. „Gerade nicht. Außerdem trage ich meinen Pieper“, zuckte sie mit den Schultern.
„Was wollen sie wissen?“, gab sich Kagome deshalb geschlagen. Sie würde ohnehin keine Ruhe geben, bis sie erfahren würde, was passiert war. „Alles. Wie hast du es geschafft, deine Schwangerschaft zu verbergen?“ Unzufrieden presste Kagome ihre Zähne aufeinander. „Als ich merkte, dass ich schwanger bin… habe ich alles dafür getan, um diese zu verstecken. In der Schule habe ich eine Knieverletzung vorgetäuscht. Zuhause weite Kleidung getragen und zusätzlich auf Körperkontakt verzichtet. Dass ich nur einen kleinen Bauch hatte, hat mir dabei unglaublich geholfen und natürlich der kommende Winter“, erklärte Kagome ausführlicher. Immerhin hatte dies wohl verhindert, dass jemand von der Schwangerschaft erfahren hatte. „In welchem Monat warst du?“ In ihrer Stimme schwang ein bisschen Sorge mit. Vielleicht dachte sie, dass ihr Kind nicht mehr lebte. „Im Achten“, nahm Kagome ihr deshalb die Sorge. „Wie hast du die Geburt überstanden?“ Kurz verdrehte Kagome ihre Augen. Diese Ärztin war wirklich mehr als neugierig. Vermutlich gehörte dies jedoch zu ihrem Job.
„Ich habe viel darüber gelesen, ok?“, versuchte Kagome das Thema schnell abzuhaken. Sie erinnerte sich nicht gern daran, da sie immer noch Probleme damit hatte, dass sie ihre Tochter abgegeben hatte. „Warst du ganz allein?“, ließ die Ältere jedoch nicht locker. „Nein… ich war nicht ganz alleine. Als meine Fruchtblase geplatzt war, bin ich zu meiner Freundin gegangen und habe mit ihr zusammen die Kleine im Badezimmer zur Welt gebracht. Meine Eltern wären ausgerastet und für ihren Vater war ich ohnehin nur ein kleines Abenteuer, nicht mehr als eine nette Bettgeschichte.“ Langsam hatte Kagome wirklich genug. Je mehr sie über die damalige Situation ausgefragt wurde, umso mehr Wut kam in ihr hoch. „Es war also ein Mädchen? Bereust du es, dass du sie weggegeben hast?“ Frustriert wendete Kagome ihren Blick ab. Sie wollte diese Frage nicht beantworten. Sie hatte ihr Kind schon geliebt, als sie noch nicht auf der Welt war.
Kagome tat es immer noch wahnsinnig weh nicht zu wissen, wie es Moroha ging. „Kagome... ich weiß, dass du wütend bist. Ich muss dich aber noch etwas ganz Wichtiges fragen. Du hast gesagt, dass dein Kind in Sicherheit ist. Ich habe mal recherchiert. Im letzten Monat wurde kein Mädchen abgegeben, in keiner Klinik. Wo ist dein Kind?“, wartete die Ärztin angespannt auf eine Antwort. Doch diese würde sie nicht mehr bekommen. Kagome hatte genug von der Befragung. Sie wollte ihre Ruhe. „Ich lass nicht locker, Kagome. Ich will wissen, wo dein Kind ist und was du mit ihr gemacht hast“, stellte die Ärztin klar. Doch für heute schien sie aufzugeben. Sie erhob sich seufzend von ihrem Stuhl und schob diesen wieder an den Tisch zurück. Kagome war egal, was diese Frau von ihr dachte. Sollte sie doch denken, dass sie ihrem Kind etwas angetan hatte. Sie kannte sie nicht und würde sie wohl auch nie kennenlernen.
Mit einem gemischten Gefühl sah Sango auf das Bild, das sie soeben geschossen hatte. Das Mädchen, das darauf zu sehen war, schaute stur aus dem Fenster des Zimmers. Kagomes plötzliche Sturheit machte sie misstrauisch. Sie wusste nichts über das Kind. Nur das es sich um ein Mädchen handelte. Etwas, das in ihr ein ungutes Gefühl auslöste. Moroha würde ungefähr in das Zeitfenster passen, in welchem auch Kagome entbunden hatte. Sie hatte parallele gezogen und die Ähnlichkeit zu Moroha erkannt. Sango hoffte, das ihr Verdacht falsch war. Doch wenn sie recht hatte und wirklich Kagome die Mutter von Moroha war, musste einer der vier Männer sie kennen. Für diesen Zweck hatte sie das Foto heimlich aufgenommen. Sango hoffte jedoch inständig, dass es nur ein blöder Zufall war und sie nur Gespenster sah. Denn ein riesiger Skandal würde auf die vier Männer zukommen, wenn herauskam, dass eine fünfzehnjährige von einem von ihnen schwanger gewesen war.