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Yu-Gi-Oh! GY - The Blue Kingdom

von

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Ankunft

Mit leerem Blick starrte der Junge auf die mit Kerzen bestückten Schokotorte, die vor ihm auf dem Boden lag.

„Alles Gute zum Geburtstag“, flüsterte er sich selbst leise zu.

Die Kerzen waren zu einer Neun aufgestellt und beleuchteten mit ihrem sanften Flackern das finstere Kinderzimmer.

Er bemühte sich so leise wie möglich zu sein, seine Mutter lag bereits schlafend im Nebenzimmer.

Es war kurz vor Mitternacht und normalerweise würde er um die Zeit selbst längst im Bett liegen.

Aber nicht heute.

Es war sein Geburtstag, also gab es Geburtstagskuchen.

Er hatte sich in die Küche geschlichen und die Fertigtorte aus dem Gefrierfach geholt.

In der Stube war die Rumpelkiste mit den Kerzen und dem Kerzenanzünder.

Jetzt wartete er darauf, dass die Torte ein wenig auftaut.

„Alles Gute zum Geburtstag, _____“, flüsterten mehrere Stimmen aus seiner Deckbox.

_____ lächelte und blickte auf die Box an seiner Hüfte.

Er freute sich, wenn seine Monsterkarten mit ihm redeten.

Seit sein Vater in einem Auslandseinsatz gefallen war, gab es für seine Mutter gute Tage und schlechte Tage.

An den guten Tagen war es fast so wie früher.

An diesen Tagen konnte sie mit _____ zusammen vor der Schule aufstehen und frühstücken, am Nachmittag zusammen mit ihm spielen und sogar zwischendurch lachen.

In letzter Zeit sind die guten Tage aber immer seltener geworden.

Oftmals kam _____ nach Hause und seine Mutter lag immernoch im Bett, oder sie war betrunken, oder beides.

Es tat weh, wenn es zu viele schlechte Tage gab.

„Du weißt, dass sie dich noch immer liebt, stimmts?“, fragten die Karten.

„Sonst hätte sie dir nicht die Schokotorte gekauft.“

Natürlich wusste _____ das.

Sie wollte seinen Geburtstag bestimmt nicht vergessen, es war nur Pech, das heute ein schlechter Tag war.

Ein Eiskristall am Rand der Torte war geschmolzen und rollte nun als Tropfen langsam hinunter, bevor der Junge den Tropfen mit dem Finger abfing.

Er war noch recht kalt.

Die ganzen schlechten Tage hatten auch ihr Gutes.

Erst als die guten Tage so selten wurden, begann er die tröstenden Stimmen seiner Karten zu hören.

So musste _____ nie wirklich alleine sein.

„Du bist unglaublich tapfer, _____ . Es gibt kaum Kinder und nur wenige Erwachsene, die so stark sind wie du.“

Er hielt seine rechte Hand über das wärmende Kerzenfeuer.

„Danke“, antwortete er.

Die Stimmen aus der Box lachten kurz.

„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Wir meinen das Ernst.“

_____ senkte die Hand.

Aus wohliger Wärme wurde langsam eine unangenehme Hitze.

Er verzog keine Miene und starrte wie hypnotisiert weiter ins Feuer.

„Du bist wirklich stark“, sagten sie ruhig, während sich die Hand weiter senkte.

Der Arm des Kindes begann leicht zu zittern.

„Weißt du was dich stärker als andere macht? Was du so viel besser als alle anderen Menschen kannst? Besser als deine Mutter kannst?“

Die Handfläche lag nun direkt über den Flammen, ein unerträgliches Brennen ließ das Zittern immer stärker werden, während _____ die Augen zukniff und innerlich die Sekunden zählte.

„Ja, ich weiß, was ich Besonderes kann“, zischte er gequält.

Sieben Sekunden, acht Sekunden, neun Sekunden, zählte er im Kopf und antwortete gleichzeitig seinen Karten:

„Ich kann mit Schmerzen umgehen.“
 

°°°
 

Da war sie, die Duellakademie!

Erin hatte bereits eine längere Reise hinter sich.

Erst mit dem Bus nach Cuxhaven, dann mit dem Schiff an Neuwerk vorbei und dann ein wenig nordöstlich von Helgoland.

Jetzt stand sie an der Reling und starrte auf die Insel, an der sie in wenigen Minuten anlegen würden.

Die Piers waren von weiten Stränden umringt, die aussahen, als ob man sie aus einem Urlaubskatalog ausgeschnitten hätte.

Von der Küste aus führten Wanderwege an dichten Wäldern entlang zum Akademiegebäude.

Ein kolossales Bauwerk mit zahlreichen gelben und blauen Kuppeln und einem Stadion, in dem man, der Größe nach zu urteilen, auch leicht Fußball statt Duel-Monsters spielen könnte.

Es überragte alle Baumkronen ums Vielfache und wurde von Sekunde zu Sekunde, in der das Schiff die Akademieinsel ansteuerte, größer.

Erin schob ihre langen, durcheinander wirbelnden, platinblonden Haare zurück und putzte sich die Brille.

Der Anblick ließ ihr Herz höher schlagen.

Die 14-Jährige konnte es kaum erwarten hier ihre nächsten drei Jahre zu verbringen. Nachdem das Schiff angekommen war, quälte sich eine dichte Masse von Akademieanwärtern an Land.

An Bord war es ihr nicht aufgefallen, aber es mussten bestimmt an die 200 oder 300 Jugendliche sein und das, obwohl die Fähre bereits seit zwei Tagen für die Probeduelle Duellantinnen und Duellanten zur und teils auch von der Insel transportierte.

Nur etwa die Hälfte von ihnen würde an der Duellakademie lernen dürfen.

Diejenigen, die in ihrem Probeduell zu schlecht abschnitten, mussten ihre Koffer wieder von der Akademie zurück zum Hafen schleppen und mussten für einen weiteren Versuch ein Jahr lang warten.

Aber selbst ein Sieg im Duell garantierte keinen Studienplatz, wenn man sich im Spielverlauf zu viele Fehler erlaubte, denn jedes Duell wurde von den Lehrkräften unter technischen Gesichtspunkten evaluiert.

Erin hatte sich im Voraus gut informiert und ihr Deck auf das alles entscheidende Spiel vorbereitet.

Bisher hatte sie keine Zweifel, dass man sie aufnehmen würde, aber als sie den Toren der Akademie immer näher kamen, wurde ihr bei all der Konkurrenz etwas mulmig.

Wer wohl ihr Gegner sein würde?

Inzwischen stand Erin, zusammen mit allen anderen Anwärtern vor einem weiten Bildschirm, auf dem unzählige Zahlen neben- und untereinander standen.

„Auf dem Monitor vor euch seht ihr die Auslosung für die Probeduelle!“, erklärte eine Schülerin.

Ihre blaue Uniform verrat, dass sie zu dem Haus Obelisk-Blue gehörte, dem, in das nur die stärksten Duellanten kamen.

„Die erste Ziffer sagt euch, in der wievielten Runde ihr euch duelliert. Die Zahl daneben steht für die Duellplattform, auf der ihr spielt. Die dritte und vierte Zahlenfolge stehen für die Anwärterkennzahl von euch und eurem Gegner.“

Hastig kramte Erin ihr Einladungsschreiben und einen Stift aus dem Rucksack und suchte anschließend den Monitor nach ihrer Ziffer ab.

„Nummer 7129...Nummer 7129...“, murmelte sie leise.

Da!

Runde 3, an Plattform 17 gegen 7422.

Erin notierte sich alles und seufzte. Geduld gehörte nicht unbedingt zu ihren Stärken, erst recht nicht an Tagen wie heute.

Es war recht laut, einige der Aspiranten machten sich bereits auf dem Weg zum Stadion, welches direkt hinter der Eingangshalle lag, andere unterhielten sich.

Auf ein Gespräch mit ihren Mitstreitern hatte das Mädchen nun wirklich keine Lust, stattdessen suchte sie sich eine ruhige Ecke und ging noch einmal ihr Deck und ihre Strategien durch.

Seit sie bei ihrer Großmutter in einem kleinen Dorf auf dem Land lebte, hatte Erin nur wenig Kontakt zu Gleichaltrigen.

In der Schule gab es ein, zwei Mitschülerinnen, mit denen sie meistens die Pause verbrachte, aber diese interessierten sich kaum für Duel-Monsters und dementsprechend interessierte sich Erin auch kaum für sie.

Es gab im Dorf keine anderen jungen Mädchen, mit denen sie hätte spielen können und der etwas abseits gelegene Duel-Monsters-Verein traf sich auch nur einmal die Woche, also verbrachte sie ihre Freizeit oft mit Duellen gegen sich selbst.

Manchmal schämte sich Erin etwas dafür, so ein Außenseiter zu sein.

Umso wichtiger war es von der Duellakademie angenommen zu werden.

Wenn es einen Ort gab, an dem die Mitschüler genauso verrückt nach Duellieren waren wie sie, dann war es dieser, da war sie sich sicher.

Ein weiteres Mal kontrollierte sie ihr Deck Karte für Karte.

Durch die unzähligen einsamen Spiele mit sich selbst, beherrschte sie dieses Deck inzwischen zwar in- und auswendig, aber ein Duell gegen unbekannte Karten machte genaues Planen unmöglich.

„Runde 2 der Probeduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 3 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“, dröhnte es aus den Schullautsprechern.

Das ließ sich Erin nicht zweimal sagen.

Sie schnallte sich ihre Duelldisk um und machte sich auf zu ihrem Duell.

Das Stadion sah von innen noch atemberaubender aus, als von außen. Die Tribüne in sterilem Weiß bot Sitzplätze für tausende von Zuschauern, auch wenn gerade nur eher wenige Lehrkräfte und bereits eingeschriebene Schüler anwesend waren. Von dort oben beobachteten sie die Anwärter auf den vier mal sechs Plattformen.

Zusätzlich waren an den unteren Rängen Kameras angebracht, die die Duelle aufnahmen. Einige Duelle der dritten Runde waren bereits im Gange, die Jugendlichen hatten an ihrer Plattform gewartet.

So auch an Plattform 11:

„Ist das alles was du drauf hast? Wenn ja, dann werde ich hier mit Leichtigkeit aufgenommen!“, höhnte der grobschlächtige Junge mit den strubbeligen braunen Haaren.

Ihm gegenüber stand ein zierliches Mädchen, etwa anderthalb Köpfe kleiner als ihr Gegner, mit schulterlangen, ebenholzschwarzen Haaren, die einen Kontrast zu ihrem weißen Haarreif bildeten und dunkelbraunen Augen.

„Bitte, lass uns kurz aufhören. Ich... ich habe meine besten Karten verloren.“, flehte sie.

Erin betrachte das Geschehen im Vorbeigehen.

Sie schaute den Jungen genau an.

Er kam ihr bekannt vor, definitiv, aber woher bloß?

Es fiel ihr schwer sich zu erinnern.

Wie so oft ließ Erins Erinnerung sie im Stich.

Er war definitiv keiner ihrer Mitschüler an der alten Dorfschule.

„Pah, typische Versagerausrede! Dich mache ich ohne Gnade platt! Buahaha!“

Erin ging rätselnd weiter und kam nun an Plattform 17 an.

Ihre Gegnerin wartete dort bereits sichtlich ungeduldig mit aktivierter Dueldisk auf sie.

Mit ihren schlabbrigen Klamotten und ihren kurzen, kupferroten Locken wirkte sie etwas jungenhaft.

In ihrer Hand hielt sie einen knittrigen Zettel.

„Du bist Nummer.... öh...7129, richtig?“, fragte sie.

Erin zwang sich trotz ihrer Anspannung zu lächeln.

„Genau, Nummer 7129. Mein Name ist Erin Hiller“, antwortete sie freundlich, während sie die Plattform betrat.

„Super! Dann sind wir hier wohl richtig!“

Der Rotschopf verstaute schnell den Zettel in der Hosentasche.

„Tach, Erin! Ich bin Fiona!“, rief sie ihr etwas zu laut entgegen.

„Also Erin, bist du soweit? Ich bin schon ganz wild drauf mich zu duellieren!“

„Ja“, log Erin und aktivierte in Gedanken versunken ihre Dueldisk.

Sie war überhaupt nicht soweit.

Ihr war völlig bewusst, wie wichtig dieses Probeduell war, aber der Junge ging ihr einfach nicht aus dem Kopf.

Diese Stimme, das Gesicht und das miserable Benehmen, das alles kannte sie und es machte sie ganz verrückt, dass sie sich nicht richtig erinnern konnte.

Diese verfluchten Erinnerungslücken...

Sie drehte sich um und schaute wieder auf Plattform 11.

„Unfassbar, mit diesem minderwertigen Deck traust du dich gegen mich anzutreten? Ich glaube, meine Bestie muss dir ne Lektion erteilen! Los, Brutaler Grizzly, direkter Angriff!“

Das Bärenmonster des Jungen stürmte auf das Mädchen zu und verpasste ihr mit der Pranke einen mächtigen Hieb.

Sie schrie auf und konnte sich kaum auf den Beinen halten.

„Bitte, lass uns das Duell abbrechen, ich kann mich ohne die verlorenen Karten nicht duellieren.“

Sie begann zu weinen.

Plötzlich fiel es Erin ein.

Barry!

Dieses Bärenmonster gehörte zu Barry, einem fiesen Rowdy, der sie und generell die Nachbarschaft terrorisierte, damals, als sie noch bei ihrem Vater lebte.

Er hatte ständig den anderen Kindern ihre Karten weggenommen und liebte es, schwächere Duellanten zu quälen.

Das war 6 oder 7 Jahre her und äußerlich und auch leider charakterlich hatte er sich kaum verändert.

„Wozu sollten wir abbrechen? Ich habe viel zu viel Spaß den Boden mit dir aufzuwischen!“, brüllte Barry und lachte.

Barry musste vor dem Duell seiner Gegnerin unbemerkt einige ihrer Karten gestohlen haben, da war sich Erin sicher.

Sie spürte, wie die Wut in ihr aufstieg.

„Öhhhhmm, alles klar, Erin? Du wirkst etwas abwesend.“, stellte Fiona fest.

„Wir sollten langsam mit unserem Probeduell anfangen, bevor wir noch Ärger bekommen.“

Doch Erin schüttelte den Kopf.

Sie hatte sich bereits anders entschieden.

„Sorry, Fiona. Aber wir müssen unser Duell noch ein wenig verschieben.“

Entschlossen, der Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen, stieg sie vom Podest ab und ging auf Plattform 11 zu.

Erin sprach das weinende Mädchen an: “Hey. Alles okay bei dir?“

Die Angesprochene wischte sich eilig die Tränen weg und nickte.

„Ich habe mit dem Typen noch ein Hühnchen zu rupfen! Lass uns die Gegner tauschen.“

Barry und seine noch leise weinende Gegnerin schauten Erin beide verwundert an.

Das Mädchen zögerte, nickte dann aber erneut und eilte wortlos an Erin vorbei zu Fiona.

Barrys Monsterhologramm verschwand.

„DU hast also mit mir ein Hühnchen zu rupfen, hm? Wer bist du überhaupt!?“, fragte Barry.

Während Erin still auf die Plattform stieg und ihre Duelldisk aktivierte, starrte Barry sie angestrengt an.

„Aaaaah.. Blondie!“

Erin schnaubte verächtlich.

Das war Barrys Spitzname für sie gewesen.

Sie war die kleine, wehrlose Blondie gewesen, die mehrmals von Barry herausgefordert und anschließend ausgeraubt wurde, wie so viele andere Kinder auch.

Barry schien sich nun zu erinnern.

Er gackerte laut los.

„Oh Mann! Zwei Schwächlinge zum Preis von einem! Das wird hier echt immer besser!“

„Duellierst du dich nun mit mir?“, fragte Erin ernst.

Barry überlegte kurz bevor er antwortete.

„Warum eigentlich nicht? Mit zwei gewonnenen Duellen muss man mich einfach in Obelisk Blue lassen! Fang ruhig an, Blondie!“

Erin begann ihren ersten Zug.

„Ich beginne mit der Donnerklang-Kriegerin im Verteidigungsmodus. Außerdem beschütze ich sie mit zwei verdeckten Karten!

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

„Das wars fürs Erste!“

Barry ließ nicht auf sich warten und zog.

„Deine Kriegerin ist kein Gegner für mein Ungeheuer-Deck! Ich beschwöre den Brutalen Grizzly!

Barrys Bärenmonster erschien erneut.

Brutaler Grizzly: Stufe 4, 1800Atk, 1000Def.

„Mein Grizzly hat deutlich mehr Wumms als deine Kriegerin! Greif sie an, mein Monster!“

Der Brutale Grizzly gehorchte und zerschmetterte die Donnerklang-Kriegerin mit einem Schlag.

„Jetzt aktiviert sich der besondere Effekt meines Brutalen Grizzlys: Wenn er ein Monster im Kampf zerstört, erhält er 400Atk direkt dazu!

Brutaler Grizzly: 1800Atk → 2200 Atk.

„Wie du siehst, wird meine Bestie mit jedem Kampf stärker und stärker! Also rufe ruhig dein nächstes nichtsnutziges Monster!“.

Barry grinste selbstsicher.

„Ich beende meinen Zug mit einer verdeckten Karte. Versuche bitte nicht auch gleich in Tränen auszubrechen!“

Erin ignorierte Barrys Häme und begann ihren zweiten Zug.

„Ich aktiviere die Fallenkarte Blitze der Wiedergeburt!

Mit ihr kann ich ein Donnerklang-Monster vom Typ Krieger aus meinem Friedhof beschwören, das im letzten Zug zerstört wurde!

Erins Fallenkarte deckte sich auf und mehrere Blitze schlugen auf das Feld ein, beim letzten Blitz erschien ihre Kriegerin.

Donnerklang-Kriegerin: Lvl 4, 1500Atk, 1600Def.

„Als kleinen Bonus gibt meine Falle dem wiederbelebten Monster außerdem zusätzliche 500 Angriffspunkte!

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk ->2000Atk.

„Na und, mit nur 2000 Angriffspunkten kommt deine Kriegerin nicht an meinen Grizzly ran!“, höhnte ihr Gegner.

„Ich bin ja auch noch nicht fertig mit meinem Zug! Jetzt rufe ich nämlich meine Donnerklang-Seele!

Ein kleines, aus Blitzen bestehendes Energiewesen erschien mit einem Zischen.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

Erins Gegner zeigte sich wenig beeindruckt:

„Glückwunsch, du hast tatsächlich ein noch schwächeres Monster aufgerufen. Was kommt als Nächstes, ein Monster mit gar keinen Angriffspunkten?“, bemerkte Barry sarkastisch.“

„Alleine sind meine Monster zwar nicht sonderlich beeindruckend, aber gemeinsam ziehen sie deinem Bären das Fell über die Ohren! Denn meine Donnerklang-Seele ist ein Union-Monster!"

"Hä?! was für ein Monster?!", fragte Barry blöde nach.

Ein UNION-Monster! Diese besondere Monsterart kann andere Nicht-Union-Monster wie einen normalen Ausrüstungszauber ausrüsten und so verstärken! Ich rüste jetzt meine Donnerklang-Kriegerin mit der Donnerklang-Seele aus und gebe ihr so seine Angriffspunkte dazu!“, antwortete Erin.

Die soeben beschworene Donnerklang-Seele schwebte nun in das Schwert von Erins Kriegerin.

Die Klinge des Schwertes leuchtete bläulich auf und auf ihr flackerten zahlreiche kleine Blitze.

Donnerklang-Kriegerin: 2000Atk->2800Atk.

Barry wurde plötzlich sehr still. Er ahnte, was ihm jetzt blühte.

„Greif an, meine Donnerklang-Kriegerin! Mit statischer Spaltung!"

Erins Kriegerin hechtete auf Barrys Bärenmonster zu und schnitt es mit Leichtigkeit entzwei.

Barrys Lebenspunkte: 4000 → 3400.

„Ich bin noch nicht mit dir fertig! Denn wenn meine Donnerklang-Kriegerin mit einem Donner-Monster ausgerüstet ist, darf sie zweimal pro Battle Phase angreifen! Direkter Angriff mit statischer Spaltung!“

Erins Monster tat wie geheißen und versetzte Barry einen flinken Schwerthieb.

Barry schrie kurz auf und krümmte sich vor Schmerzen.

Barrys Lebenspunkte: 3400 → 600.

„Damit beende ich meinen Zug!“, rief Erin energisch.

Barry, immer noch gekrümmt, begann leise zu kichern.

„Gar nicht schlecht, Blondie, dir sind in den letzten Jahren wohl richtige Reißzähne gewachsen! Du wehrst dich immerhin etwas besser als die Heulboje vor dir!“

Erin schaute ihren sich langsam wieder aufrappelnden Gegner verächtlich an.

„Und du bist immer noch der gleiche Abschaum wie damals. Was hast du mit ihren Karten gemacht?“

„Du bezichtigst mich doch nicht etwa des Diebstahls? Solche Anschuldigungen verletzen mich wirklich sehr.“, antwortete er mit übertriebenem Sarkasmus.

„Warum setzt du dich überhaupt für das Mädchen ein? Glaubst du wirklich, dass du ihr einen Gefallen damit tust?!“

„Was meinst du?“, fragte Erin ernst.

Barry lachte wieder.

„Dies ist kein Ort für kümmerliche, kleine Waschlappen wie sie. An der Akademie behaupten sich nur die stärksten Duellanten. Schwächlinge vergeuden hier bestenfalls ihre Zeit.“

Erin hatte keine Lust sich auf eine derartige Diskussion einzulassen.

„Mache einfach deinen Zug, Barry.“

„Das mach ich dann wohl“, entgegnete Barry ruhig und zog seine nächste Karte, „Es ist jetzt an der Zeit ein bisschen Ernst zu machen.“

„Als Spezialbeschwörung rufe ich Papageier im Verteidigungsmodus! Zeig dich, alter Aasfresser!“

Der bunt gefiederte, kahlköpfige Vogel kreischte schrill auf.

Papageier: Stufe 3, 700Atk, 1400Def

„Den Papageier darf ich als Spezialbeschwörung rufen, indem ich ein Monster vom Typ Ungeheuer oder Geflügeltes Ungeheuer von meinem Friedhof aus dem Spiel entferne!

Barry legte den Brutalen Grizzly vom Friedhof in die Ablage.

„Da ich mein Vogelmonster als Spezialbeschwörung gerufen habe, darf ich in diesem Zug noch eine Normalbeschwörung durchführen! Ich biete also den Papageier jetzt sofort als Tribut für eines meiner absoluten Lieblingsmonster an! Erscheine! Totenkopf-Kodiak!“

Ein weiterer Bär, diesmal etwa doppelt so groß wie der letzte, mit allgemein dunkelbraunem Fell und der Namen gebenden, weißen Färbung am Schädel, erschien.

Totenkopf-Kodiak: Stufe 6, 2400AtK, 1800Def.

Erin schreckte sichtlich kurz zurück.

An dieses bedrohliche Monster konnte sie sich nicht erinnern.

Anscheinend hatte Barry seit ihrer letzten Begegnung sein Deck deutlich verstärkt, noch ein Indiz dafür, dass er nie mit seinem Kartenraub aufgehört hatte.

„Da ich ein Ungeheuer-Monster der Stufe 5 oder höher beschworen habe, kann ich nun meine verdeckte Karte aktivieren! Die Falle „Stampfen des Walddämons“! Sie vernichtet alle Zauber- und Fallenkarten auf dem Feld und gibt dem beschworenen Monster zusätzliche 500 Angriffspunkte für jede so zerstörte Karte!

Der Kodiakbär schmetterte mit Gebrüll die rechte Pranke auf den Boden und Erins verdeckte Karte zersprang.

Das Schwert von Donnerklang-Kriegerin hörte auf zu leuchten.

Totenkopf-Kodiak: 2400 Atk → 3400 Atk.

Donnerklang-Kriegerin: 2800 Atk → 2000 Atk.

Erin schaute zerknirscht.

Barrys Fallenkarte hatte ebenfalls die ausgerüstete Donnerklang-Seele zerstört.

Dadurch bekam der Totenkopf-Kodiak zusätzliche 500 Angriffspunkte und Erins Donnerklang-Kriegerin konnte ohne Unions-Monster im Kampf zerstört werden.

„Buahahah! Deine Kriegerin steht jetzt völlig schutzlos da! Die perfekte Beute für meinen Kodiak! Greif mit deiner Zermalmpranke an!“, befahl ein siegessicherer Barry.

Der Bär ließ mit einem wuchtigen Hieb Erins Monster zerspringen.

Die enstehende Schockwelle zwang Erin in die Knie.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 1200.

„Du hast sicherlich schon Totenkopf-Kodiaks besonderen Effekt bemerkt: Zerstört es ein Monster, richtet es dabei den doppelten Kampfschaden an.“

Erin hatte es definitv bemerkt.

Sie war die physischen Auswirkungen von Duellen mit Hologrammen nicht gewohnt und auf einen Schlag mehr als 2000 Lebenspunkte zu verlieren, war ziemlich schmerzhaft.

Barry grinste: “An deiner Stelle würde ich gar nicht erst aufstehen, denn meine nächste Karte besiegelt deine Niederlage! Ich aktiviere den Schnellzauber „Animalischer Zorn“! Ich darf ihn aktivieren, wenn mein Ungeheuer-Monster ein gegnerisches Monster im Kampf zerstört. Animalischer Zorn gibt diesem Monster dann zusätzliche 1000 Angriffspunkte und schützt es vor den Effekten gegnerischer Zauber- und Fallenkarten! Damit beende ich den Zug!“

Barrys Kodiak wuchs noch weiter an und brüllte wütend auf.

Totenkopf-Kodiak: 3400Atk → 4400Atk.

Erin richtete sich wieder auf und betrachtete ihre Hand. Ihr Gegner hatte das Duell gewendet. Er hatte zwar nur noch 600 Lebenspunkte, aber um diese auf 0 zu bekommen, müsste man erst an dem zauber- und fallenresistenten Bärenungetüm mit über 4000 Angriffspunkten vorbei.

Doch dafür fehlte ihr noch eine bestimmte Karte.

Gespannt hob sie die oberste Karte von ihrem Deck.

Fusion.

Erin lächelte erleichtert.

„Ich rufe Donnerklang-Späherin im Angriffsmodus!

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

„Sie bleibt allerdings nicht lange alleine, denn wenn Donnerklang-Späherin als Normalbeschwörung gerufen wird, darf ich gleich ein weiteres Donnerklang-Monster von meiner Hand beschwören. Ich wähle dafür ein weiteres Exemplar meiner Donnerklang-Seele. Zeig dich!“

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

„Als Nächstes aktiviere ich eine ganz besondere Zauberkarte: Fusion!“, rief Erin und hielt Barry die Karte triumphierend entgegen.

„Ich verschmelze nun die Donnerklang-Seele auf dem Feld mit der Donnerklang-Kriegerin auf meiner Hand und darf so ein mächtiges Fusionsmonster herbeirufen! Erscheine, Donnerklang-Ritterin!“

Über dem Feld bildete sich eine dunkle Gewitterwolke, die bedrohlich grollte. Mit einem Knall schoss ein greller Blitz auf den Boden und Erins Fusionsmonster stand plötzlich da.

Eine gepanzerte Frau auf einem stolzen, weißen Ross und mit einer goldenen Lanze in den Händen.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Wenn meine Ritterin mit deinem Kodiak fertig ist, dient der höchstens noch als Bettvorleger, Barry! Denn jetzt aktiviert sich der Effekt von meiner Donnerklang-Seele aus dem Friedhof! Wenn Donnerklang-Seele als Fusionsmaterial für ein Donnerklang-Monster genutzt wird, dann darf ich das Fusionsmonster sofort mit Donnerklang-Seele ausrüsten!

Die Lanze von Erins Fusionsmonster leuchtete nun blau auf.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

„Mit der Kraft von Donnerklang-Seele kann meine Ritterin deinen Totenkopf-Kodiak erfolgreich angreifen! Los, Donnerklang-Ritterin, zeige Barrys Monster den 10.000-Volt-Stoß!“

Das Kriegermonster des Mädchens galoppierte entschlossen auf den Kodiakbären zu.

„Da hast du dich aber verzählt! Die 3300 Angriffspunkte reichen nicht, um meinen Bären zu zerstören!“, rief Barry.

Die Lanze der Ritterin durchbohrte den Totenkopf-Kodiak, der ein letztes Mal brüllte, bevor er zersprang.

„Angriffspunkte sind nicht alles, Barry. Der Spezialeffekt meiner Donnerklang-Ritterin kann jedes Monster vor der Schadensrechnung im Kampf zerstören, solange sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, ganz egal wieviele Punkte es hat!“

Barry schaute entsetzt. Seine Gegnerin hatte gerade sein einziges Monster zerstört und sie hatte noch ein weiteres Monster auf dem Feld, das angreifen konnte.

„Los, Donnerklang-Späherin, beende das Du-“

„Halt!“, schrie Barry.

„Okay, du hast gewonnen. Ich gebe zu, dass ich die Karten deiner kleinen Freundin...sagen wir...gefunden habe.“

Aus seiner Hosentasche holte er eine Handvoll Monsterkarten raus und hielt sie demonstrativ Erin entgegen.

„Wie wäre es damit, Blondie: Wir einigen uns auf ein faires Unentschieden und ich gebe dir hin und wieder mal was ab, wenn ich neue Karten...finde. Deal?“

Erin riss bei diesen Worten schockiert die Augen auf.

Bei soviel Niedertracht fehlten ihr einfach die Worte.

Mit einer mitleidigen Handbewegung befahl sie Donnerklang-Späherin einen direkten Angriff.

Das Monster hechtete mit einem Sprung auf den Jungen zu und versetze ihm einen blitzschnellen Dolchstoß.

Barry geriert ins Taumeln und ließ die gestohlenen Karten fallen.

Barrys Lebenspunkte: 600 → 0

Das Duell war vorbei und die Monsterhologramme auf Erins Seite verschwanden.

„Hehehe, das war ein grober Fehler, Erin.“

Barry sprach ruhig, doch aus seinem Gesicht ließ sich die blanke Wut ablesen.

Immerhin nannte er sie jetzt bei ihrem richtigen Namen.

„Ich kann Stärke respektieren, aber es reizt mich doch etwas, wenn man sich als große Heldin aufspielen muss.“

„Niemand mag schlechte Verlierer, Barry. Verschwinde einfach!“, entgegnete Erin kühl.

Barry stieg von der Duellplattform und nahm sich seine Tasche, bevor er sich ein letztes Mal umdrehte und seiner Gegnerin einen bösen Blick zuwarf.

„Kennst du das Problem von selbstgerechten Helden wie dir? Die größten Helden müssen sich irgendwann auch den gefährlichsten Bestien stellen.“

Er verließ das Stadion und Erin hob die Karten des Mädchens auf.

Es waren verschiedene Wassermonster abgebildet.

An Plattform 17 traf Erin auf Fiona und Barrys ursprüngliche Gegnerin.

Das Hologramm eines mannsgroßen Fangschreckenmonsters mit rötlich glühenden Fangbeinen schwand langsam dahin und Fiona machte einen kleinen Freudensprung.

„Oh Ja! Ge-won-nen!“

„Herzlichen Glückwunsch zum Sieg.“, gratulierte Erin höflich, „Entschuldige bitte, dass ich dich so blöde stehen gelassen habe. Das war gerade ziemlich wichtig.“

„Alles cool. Ich glaube, den Leuten ist egal mit wem man sich genau duelliert hat, hauptsache man hat ein Probeduell gespielt.“, entgegnete Fiona mit einem breiten Grinsen.

Sie schien Erin für den Gegnertausch nicht böse zu sein.

„Herzlichen Glückwunsch“, fiepste das Mädchen , dass Erin und Fiona gegenüberstand.

Sie wirkte unendlich enttäuscht.

Eine Niederlage im Probeduell hieß zwar nicht automatisch das Aus, aber bei zwei Niederlagen standen ihre Chancen aufgenommen zu werden wohl gegen Null.

Erin ging zu ihr hin, um sie ein wenig aufzubauen.

„Hey, nimm dir das Spiel nicht so zu Herzen. Ich habe hier etwas, was das dich aufmuntern könnte.“

Sie hielt dem Mädchen die gestohlenen Monsterkarten entgegen.

„Das sind meine Karten!“

Sie nahm sich ihre Karten und ging sie alle hastig durch.

Ihre Augen funkelten vor Freude.

„Du hast meine Karten wiedergefunden! Danke, Danke, vielen Dank!“

Sie verbeugte sich überschwänglich und Erin lächelte sie etwas verlegen an.

„Keine Ursache, war doch selbstverständlich. Wie heißt du?“, fragte Erin.

Das zierliche Mädchen sah nun sehr viel glücklicher aus.

„Mayla Deniz. Und wie heißt du?“

„Ich bin Erin. Erin Hiller. Schön dich kennenzulernen.“, antwortete sie.

Plötzlich ertönte eine Durchsage:

“Runde 3 der Probeduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 4 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“

„Tja, wir müssen wohl hier weg!“, meinte Fiona und hüpfte von der Duellplattform.

Während die drei zum Stadionausgang gingen, wendete sich Fiona Mayla zu:

„Ich finde du hast dich auch mit deinem unvollständigen Deck voll gut geschlagen. Wenn du nicht wieder deine Karten verbaselst, dann nimmt man dich garantiert im nächsten Jahr auf.“

Mayla lächelte mild.

„Vielen Dank, Fiona, ich passe nächstes Jahr besser auf.“

Erin meldete sich nun zu Wort.

„Hört mal, Mayla hat ihre Karten gar nicht ver-“

„Nummer 7066, Nummer 7129 und Nummer 7422. Bitte kommt kurz mit mir mit.“

Vor den Mädchen stand nun eine etwas ältere, streng aussehende Frau in einer ragelben Uniform, augenscheinlich eine Lehrerin an der Akademie.

Erin und Mayla nickten, Fiona stand etwas verwirrt daneben.

„Hä?“

Die Lehrerin räusperte sich: Deine Anwärterkennziffer. Du bist 7422, korrekt?“

Oh! Ja, das ist meine Nummer, sorry!“, antwortete Fiona.

Die Frau verzog keine Miene und ging, in der Annahme, dass man ihrer folgte, voran.

Die drei Aspirantinnen gingen einige Meter hinter ihr her.

„Ohje, die wirkt etwas verärgert, meint ihr nicht?“, flüsterte Fiona leise.

Mayla antwortete: „Ja, scheint so. Ich hoffe ihr kriegt keinen Ärger, weil ihr euch mit den falschen Gegnern duelliert habt.“

Erin schluckte.

Darüber hatte sie gar nicht nachgedacht. Sie hatte sich zwar bei Fiona dafür entschuldigt, aber dass man für den Gegnertausch von der Duellakademie abgelehnt werden könnte, kam ihr nicht in den Sinn.

Sie kam sich etwas blöde dafür vor.

Auch wenn Fiona es anders zu sehen schien, natürlich konnte man sich nicht den Gegner aussuchen! Sonst hätte man wohl kaum jeden potentiellen Schüler eine Ziffer, Plattform und Gegner für das Probeduell zugewiesen!

Sie bekam Angst, dass man sie nicht an der Akademie aufnehmen würde. Sie hatte sich so gut vorbereitet, sich so sehr darauf gefreut, sich endlich regelmäßig mit anderen Schülerinnen und Schülern duellieren zu können. Musste sie jetzt doch noch ein Jahr auf dem Land verbringen?

„Normalerweise gehen die Lehrer nicht die Bewertung des Probeduells mit jedem Schüler einzeln durch, sondern man bekommt am Stadionausgang einfach nur das Aufnahmeschreiben zugeteilt“, antwortete Fiona auf Maylas Frage, „So war das zumindest bei meinem Bruder. Aber ich bleibe optimistisch“,

Erin beneidete Fiona um ihren Optimismus.

Die Lehrerin in der Ra-Yellow-Uniform blieb nun vor einer Bürotür stehen.

Sie klopfte zweimal, bevor sie die Tür öffnete und den Mädchen mit einer Kopfbewegung zu Verstehen gab, dass sie eintreten sollten.

In dem weiträumigen Büro saß hinter einem breiten und sehr unaufgeräumten Schreibtisch ein älterer Herr.

Er trug eine Brille mit dicken Rändern und ein schon etwas gräulicher Rauschebart bedeckte die gesamte untere Gesichtshälfte.

Gelangweilt drehte er sich auf seinem Schreibtisch im Kreis, ohne die vier Personen, die soeben eingetreten waren, zu bemerken.

Wieder räusperte sich die Frau.

Der Mann mit dem Rauschebart erschrak und wedelte wild mit den Armen um nicht von dem sich noch drehenden Bürostuhl zu fallen.

„Frau Ehring! Seit wann sind Sie denn hier? Klopfen Sie doch bitte in Zukunft an!“

Frau Ehring, die angeklopft hatte, schien mit der Verwirrtheit des Mannes vertraut zu sein und wies ihn nicht weiter darauf hin.

„Verzeihung, Herr Direktor, ich werde mich bemühen künftig aufmerksamer zu operieren.

Das sind Nummer 7066, Nummer 7129 und Nummer 7422, die Anwärterinnen, die Sie sehen wollten. Nummer 7175 hat bereits das Gelände verlassen.“

Der Akademiedirektor nickte bedächtig und sah die drei vor ihm stehenden Mädchen nacheinander an.

„Schön, dass ihr es hierher geschafft habt, mein Name ist Herr Schrainmann, ich bin der Direktor der Duellakademie.“, stellte er sich vor.

„Nummer 7129“, sprach er ernst und Erin spürte ihr Herz schlagen, „Du weißt, warum ich dich hierher bestellt habe?

Sie nickte kurz.

„Wir haben jedes Jahr innerhalb von wenigen Tagen über 1000 Bewerberinnen und Bewerber, die an unserer Akademie zu Profiduellanten ausgebildet werden wollen. Eure Anwärterkennzahlen dienen dabei dazu bei dieser Flut an Duellantinnen und Duellanten die Übersicht zu behalten.

Wenn nun an einer Plattform plötzlich die falsche Nummer registriert wird, bringt das unser ganzes System durcheinander!

Erin nickte wieder und spürte ihren Herzschlag immer deutlicher.

Sie war lange nicht mehr so angespannt gewesen.

„Es ehrt es dich, dass du den Kartendieb gestellt hast und deine Duellfähigkeiten sind für eine Amateurin sehr beeindruckend. Dennoch können wir bei einem Regelbruch nicht einfach-“

„was denn für ein Kartendieb?“, plapperte Fiona dazwischen und schaute zusammen mit Mayla Erin fragend an.

„Man fällt Erwachsenen nicht ins Wort, Nummer 7422!“, ermahnte Frau Ehring mit einem roten Kopf.

Direktor Schrainmann erklärte: “Wir haben Kameraaufnahmen wie Nummer 8175, dein ursprünglicher Gegner im Probeduell“, er schaute Mayla an, „sich in der Eingangshalle an deiner Tasche vergriffen hat. Ich nehme an, Nummer 7129 hatte den Vorfall gesehen, liege ich da richtig?“

Mayla nahm vor Schreck die Hand vor den Mund und Erin antwortete:

„Ich habe ihn nicht beobachtet, aber ich kannte Barry schon aus meiner Kindheit und hatte deshalb den Diebstahl vermutet. Mayla war bei Weitem nicht sein erstes Opfer.“

„So ein Arschloch!“, rief Fiona ungeniert und Frau Ehrings Kopf wurde immer rötlicher.

Direktor Schrainmann schmunzelte und fuhr unbeirrt fort:

„Wie ich sagen wollte: Wir können trotz deines Engagements nicht einfach einen Regelbruch ignorieren. Deshalb werden wir dich zunächst dem Haus Slifer-Red zuweisen.

Erin fiel ein Stein vom Herzen.

Sie hatte es geschafft.

„Eine Sache noch“, ergänzte er und schaute Erin tief in die Augen, “wir erwarten, dass du dich in Zukunft an die Schulordnung hältst. Kannst du mir das versprechen?“

„Auf jeden Fall! Ich verspreche es. Vielen Dank Herr Direktor“, sagte sie mit einem Lächeln.

Slifer-Red war hinter Obelisk-Blue, dem Haus mit den stärksten Duellantinnen und Duellanten und Ra-Yellow das Haus mit niedrigsten Ansehen. Normalerweise kommen dort nur die Duellanten hin, die sich im Probeduell gerade noch gut genug geschlagen haben, um nicht komplett abgelehnt zu werden.

Aber das alles machte Erin nichts aus. Die Hauptsache war, dass man sie angenommen hatte.

Sie war überglücklich.

Herr Schrainmann wandte sich wieder Mayla zu: “Du hast das dir zugewiesene Probeduell abgebrochen und deine Performance in beiden Duellen war unzureichend. Angesichts der Umstände möchten wir dir allerdings dennoch eine Chance geben. Ebenfalls Slifer-Red.“

Mayla bedankte sich wie sie es schon bei Erin getan hatte, auf ihre eigene, überschwängliche Weise und lächelte Erin dann an.

Beide freuten sich darauf im gleichen Haus anfangen zu dürfen.

„Zuletzt zu dir, Nummer 7422“, sagte er zu Fiona, die gerade an ihren Locken spielte, „Du bist an der dir zugewiesenen Plattform geblieben. Dein Duellstil ist technisch sauber, aber insgesamt noch unausgewogen und zu anfällig für Gegenangriffe. Du kommst in das Haus Ra-Yellow.“

Dies schien Fiona nicht zu gefallen:

„Nichts da! Ich will zu Mayla und Erin in das Slifer-Haus!“, nörgelte sie.

Frau Ehring war nun mit ihrer Geduld am Ende:

„Da sind wir uns ja einig, Mädchen, mit deinen fürchterlichen Manieren hätte ich dich sowieso aus meinem Haus geschmissen!“, schimpfte die Ra-Yellow-Lehrerin.

Es schien, als müsste sich Herr Schrainmann ein Lachen verkneifen.

„Das ist eine etwas ungewöhnliche Bitte, aber wenn Frau Vizedirektorin das genauso sieht, dann will ich dich ins Slifer-Red lassen. Einen Moment bitte...“

Der Direktor warf einen der unzähligen losen Zettel auf dem Schreibtisch in den Papierkorb, hackte dann auf die Tastatur seines PCs ein und wenige Sekunden später spuckte der Drucker hinter ihm ein neues Papierstück aus.

Er stand kurz auf und reichte jedem der drei Mädchen ein Dokument.

„Das sind eure Aufnahmebestätigungen. Die legt ihr bitte möglichst sofort Herrn Althus, dem Hauslehrer von Slifer Red zusammen mit eurer Einladung vor. Er gibt euch dann Uniformen und euer Lernmaterial. Danach braucht ihr eure Anwärterkennzahl nicht mehr. Willkommen an der Duellakademie!“

Erin, Mayla und, nachdem Erin ihr einen kleinen Stoß mit dem Ellbogen verpasste, auch Fiona bedankten sich und machten sich auf den Weg zur Slifer-Red-Unterkunft.

Als sich die Bürotür schloss, meldete sich die Vizerektorin vorsichtig zu Wort:

“Mit Verlaub, wir haben an unserer Einrichtung schon mehr als genug Unruhestifter. Halten Sie die Aufnahme der drei wirklich für eine gute Idee?“

Herr Schrainmann lehnt sich zurück und bringt den Stuhl dazu sich langsam zu drehen. „Ach Frau Ehring, Sie sollten das alles nicht so eng sehen. Außerdem erkenne ich in den dreien durchaus Potential..."

Der Direktor hatte das Mädchen sehr schnell wiedererkannt, der Name, das Alter, eine gewisse Ähnlichkeit zu Ulrike, es passte alles zusammen.

"...insbesondere in Erin Hiller", beendete er den Satz in seinem Kopf.
 

„Wisst ihr denn, wo die Slifer-Unterkunft ist?“, fragte Mayla.

„Nicht wirklich, aber ich habe auf den Weg vom Schiff zum Hauptgebäude habe ich ein paar Schilder gesehen, daran können wir uns orientieren“, antwortete Fiona.

„Notfalls fragen wir uns einfach durch“, schlug Erin vor.

„Das geht auch. Jedenfalls ist es voll cool vom Direktor, dass er uns alle aufgenommen hat. Ich glaube wenn die olle Ra-Tante das Sagen hätte, würden wir jetzt schon auf der Fähre Richtung Festland fahren.“

Erin lachte und entgegnete:

„Stimmt und dich hätte sie an den Schornstein gekettet, nur um sicher zu gehen, dass du WIRKLICH die Insel verlässt!“

Die drei frischgebackenen Slifer-Schülerinnen schlenderten nebeneinander aus dem Gebäude heraus.

Plötzlich blieb Mayla stehen.

„Erin, ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll. Wenn du mir nicht geholfen hättest, hätte dieser Barry gewonnen und meine Karten am Ende sogar noch behalten und ich... Ich hätte wieder abreisen müssen!“, sagte sie.

„Ach, ich hab dir doch schon gesagt, dass war keine Ursache. Mach dir keine Gedanken.“

Erin war zu viel Dank doch ein wenig unangenehm.

„Ich mache mir aber Gedanken. Du hast mir so sehr geholfen und ich konnte gar nichts für dich tun. Und dann ordnet man dich den Slifern zu, obwohl du mit deinem Talent locker in Ra gehörst. Stört dich das denn nicht?“

Erin überlegte kurz, bevor sie antwortete:

“Ein wenig vielleicht. Aber mir gings in erster Linie darum aufgenommen zu werden. Wie stehts mit dir, Fiona? Warum wolltest du denn nicht in Ra-Yellow?“, gab sie die Frage weiter.

„Tja, echt gute Frage. Eigentlich war der Plan meine volle Duellpower im Probeduell auszupacken und dann sogar zu den Obelisken zu kommen. Hat dem Direktor aber wohl nicht gereicht und dann hatte ich auch keine Lust mehr. Also ist der neue Plan, die Halbjahresprüfungen so hart zu rocken, dass ich direkt ins Obelisk-Blue aufsteige.

“Uff, vom Slifer zum Obelisken im ersten Halbjahr? Das klingt aber ganz schön ehrgeizig.“, bemerkte Mayla.

Erin meldete sich zu Wort: „Also wenn du aufsteigst, dann bin ich auf jeden Fall dabei. Dafür musst du aber noch ganz schön üben, du mit deinem „unausgewogenem Duellstil.“

Diese Stichelei konnte sie sich nicht verkneifen und sie entfaltete bei Fiona auch gleich Wirkung.

„Bah, sein schmuddeliger Schreibtisch ist unausgewogen! Und was soll der Blödsinn mit „zu anfällig für Gegenangriffe“ überhaupt heißen?“, ärgerte sich Fiona.

„Naja“, meinte Mayla unschuldig, “wahrscheinlich meint er damit, dass dich dein Gegner in seinem Zug zu leicht angreifen kann, oder?“

„Mimimi!“, äffte Fiona genervt. Beide sahen sich an und mussten dann loslachen. Erin lachte mit. Sie fühlte sich angekommen.
 

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Neue Karten:
 

Monster:
 

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Effekt:

Wenn diese Karte mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist: Diese Karte kann zweimal pro Battle Phase angreifen.
 

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def, Typ Donner, Attribut Licht, Union/Effekt:

Einmal pro Spielzug, während deiner Main Phase, kannst du ein „Donnerklang“-Monster vom Typ Krieger , das du kontrollierst, mit dieser Karte als Ausrüstungskarte ausrüsten ODER diese Karte ausklinken, um sie als Spezialbeschwörung in die offene Angriffsposition zu beschwören. Solange diese Karte durch diesen Effekt ein Monster ausrüstet, erhält das ausgerüstete Monster 800 Atk. (Ein Monster kann zu jeder Zeit nur mit 1 Union-Monster ausgerüstet sein. Falls das ausgerüstete Monster zerstört werden würde, zerstöre stattdessen diese Karte.) Einmal pro Spielzug, falls diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines „Donnerklang“-Monsters genutzt und auf den Friedhof gelegt wird: Du kannst das Fusionsmonster mit dieser Karte ausrüsten, aber diese Karte kann für den Rest des Zuges nicht ausgeklinkt und als Spezialbeschwörung beschworen werden.
 

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Du kannst ein „Donnerklang“-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören.
 

Donnerklang Ritterin: Stufe 7, 2500AtK, 2000Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Fusion/Effekt:

1 "Donnerklang"-Krieger Monster + 1 "Donnerklang-Donner Monster

Wenn diese Karte mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist: Wenn diese Karte gegen ein Monster kämpft: Du kannst dieses Monster vor der Schadensrechnung zerstören.
 

Brutaler Grizzly: Stufe 4, 1800Atk, 1000Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte ein Monster im Kampf zerstört: Erhöhe die Atk dieser Karte um 400.
 

Papageier: Stufe 3, 700Atk, 1400Def, Typ Geflügeltes Ungeheuer, Attribut Wind, Effekt:

Entferne ein Monster vom Typ Ungeheuer oder vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von deinem Friedhof aus dem Spiel: Beschwöre diese Karte von deiner Hand als Spezialbeschwörung.
 

Totenkopf-Kodiak: Stufe 6, 2400AtK, 1800Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte ein Monster im Kampf zerstört: Diese Karte richtet doppelten Kampfschaden an.
 

Zauberkarten:
 

Fusion: Normale Zauberkarte, -
 

Animalischer Zorn: Schnellzauber: Wähle ein Monster vom Typ Ungeheuer, das du kontrollierst und das in diesem Zug ein gegnerisches Monster im Kampf zerstört hat: Es erhält 1000Atk und es bleibt von den Effekten gegnerischer Zauberkarten und Fallenkarten unberührt.
 

Fallenkarten:
 

Blitze der Wiedergeburt: Normale Falle: Wähle ein „Donnerklang“-Monster vom Typ Krieger in deinem Friedhof, das im letzten Zug zerstört wurde: Beschwöre es als Spezialbeschwörung. Es erhält 500 Atk.
 

Stampfen des Walddämons: Normale Falle: Wenn du ein Monster vom Typ Ungeheuer der Stufe 5 oder höher beschwörst: Zerstöre alle Zauberkarten und Fallenkarten auf dem Feld. Wähle das beschworene Monster: Es erhält 500 Atk für jede so zerstörte Karte.

Der Zombieduellant

Mayla und Erin standen sich vor ihrer Unterkunft mit aktivierten Duelldisks gegenüber, um sie herum ein knappes Dutzend an Slifer-Red-Schülern, die die Duellantinnen gespannt beobachteten.

In den anderthalb Wochen, die die beiden bereits an der Akademie verbracht haben, hatten sie sich schon für ihre hitzigen Duelle gegeneinander eine kleine Fangemeinde unter den Slifer-Neulingen aufgebaut.

Zwischen den Mädchen saß ein gelber Tintenfisch in einer engen, roten Weste, eines von Maylas zahlreichen Monstern, die äußerlich auch prima in einen Cartoon passen würden.

Erin: 1100 Lebenspunkte, eine verdeckte Karte.

Mayla: 900 Lebenspunkte, Wassertänzer Tango-Tintenfisch im Verteidigungsmodus.

Erin war am Zug.

Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, während sie die Karten auf ihrer Hand betrachtete und ihren nächsten Zug plante.

„Was ist denn los, Erin? Sag bloß, die 2100 Verteidigungspunkte meines Tintenfischs sind zu dir zu viel? Du kannst natürlich immer noch aufgeben, wenn du magst.“, höhnte Mayla.

Erin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Das Erste, was Erin Mayla über das Duellieren beibringen wollte war, das auch bei einem Freundschaftsspiel ein wenig Trash-Talking einfach dazugehörte, doch zu ihrer Überraschung hatte Mayla diese Lektion überhaupt nicht nötig gehabt.

Es stellte sich raus, dass, mit ihrem vollständigen Deck, in dem zierlichen, schüchternen Mädchen, als das Erin sie kennengelernt hatte, eine sehr selbstbewusste Duellmaschine schlummerte.

„Unsinn, dein Monster ist kein Problem für mein Donnerklang-Deck! Ich beschwöre mit der Falle Blitze der Wiedergeburt die soeben zerstörte Donnerklang-Späherin vom Friedhof zurück!

Die Falle deckte sich auf und mit einem grellen Blitz erschien Erins Krieger-Monster.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

„Meine Falle holt aber nicht nur meine zerstörten Monster zurück, sie gibt ihnen auch noch einen saftigen Boost von 500 Angriffspunkten!

Donnerklang-Späherin: 1000Atk ->1500 Atk.

„Um mein Monster weiter zu verstärken, rufe ich die Donnerklang-Seele als Normalbeschwörung und rüste meine Späherin sofort mit ihr aus!“

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

Erin rief das zuckende Energiewesen auf, das sofort in die Dolche der Donnerklang-Späherin verschwand.

Donnerklang-Späherin: 1500Atk ->2300Atk.

„Nicht schlecht!“, lobte Mayla ihre Gegnerin.

Erin zeigte ein sicheres Lächeln: „Jetzt habe ich genug Angriffskraft um deinen Tango-Tintenfisch baden zu schicken! Greife Maylas Monster an, Späherin!“

Die Kriegerin stach mit ihren elektrisch aufgeladenen Dolchen zu und Maylas Monsterhologramm zersprang.

Die Zuschauerschaft jubelte und Erin winkte ihren Fans zu.

„Hab ich was verpasst?“

Fiona kam gerade wieder vom Sliferplatz, einer großen und für Slifer-Verhältnisse sehr gepflegten Grünfläche, an der sich unter dem Schuljahr Slifer-Reds aller Jahrgänge zum Duellieren trafen.

Es gab neben einem Kiosk, der neben Snacks auch Boosterpackungen verkaufte, auch Pavillions und zahlreiche Tische und Banken.

Jetzt, bevor der eigentliche Akademiebetrieb wieder losging und die meisten Schülerinnen und Schüler im zweiten und dritten Jahrgang zur Insel zurückkehrten, war der Sliferplatz ein guter Ort, an dem Fiona konzentriert und in Ruhe Duelltheorie lernen konnte.

„Nur, wie ich Mayla wieder fix und alle mache, nichts Besonderes!“, rief ihr Erin zu, wofür sie von ihrer Gegnerin ein Augenrollen erntete.

Fiona nickte anerkennend: „Dann streng dich mal an, wie steht es inzwischen? 10:9? 10:10?

„13:11 und zwar für mich!“,antwortete Mayla Fiona mit einem Augenzwinkern, die verständnislos mit dem Kopf schüttelte.

„Findet ihr nicht, dass ihr es übertreibt? Wie wäre es, wenn ihr zwischendurch mal lernt?“

Erin konterte: „Wir lernen doch gerade. Nur nur eben etwas praxisorientierter.“

Mayla war am Zug: „Es wird Zeit für das 14:11! Ich ziehe!“

„Zuerst rufe ich Wassertänzer Merengue-Muschel im Verteidigungsmodus!

Mit einem wilden Klappern erschien Maylas Muschelmonster.

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def.

„Danach aktiviere ich die Zauberkarte Wassertänzer-Zugabe: Mit dieser Karte darf ich ein Wassertänzer-Monster aus meinem Friedhof meiner Hand zufügen und außerdem den Monstertypen eines Wassertänzer-Monsters auf meiner Seite des Feldes verändern: Deshalb nehme ich meine Wassertänzer Flamenco-Forelle wieder ins Blatt und verändere den Typ meiner Merengue-Muschel zu Pyro.“

Maylas Merengue-Muschel klapperte wieder wild vor sich hin und begann dabei rötlich zu glühen und zu dampfen.

„Da ich nun ein Monster vom Typ Pyro kontrolliere, darf ich Wassertänzer Flamenco-Forelle aus meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen!“

Ein antropomorphes Fischmonster in einem mehrschichtigen roten Kleid erschien.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600 Atk, 300Def.

Erin wusste nun, dass Maylas Sieg jetzt unausweichlich war, denn durch die vielen Duelle, die die beiden in den letzten Tagen gespielt hatten, kannte sie das Grundprinzip von Maylas Wassertänzer-Strategie, so wie einige Effekte ihrer Karten auswendig:

Erstens: Wassertänzer-Monster können einmal pro Zug als Spezialbeschwörung gerufen werden, wenn man ein Monster vom passenden Typen kontrolliert.

Zweitens: Jedes Wassertänzer-Monster hat auf dem Feld einen besonderen Effekt, den man einmal pro Zug aktivieren kann, indem man dieses Monster zurück auf die Hand nimmt.

Die Effekte von Merengue-Muschel und Flamenco-Forelle waren genau das, was Erins Gegnerin nun zum Gewinnen brauchte.

Mayla setzte ihren letzten Zug fort:

„Nun aktiviere ich den Effekt von Wassertänzer Merengue-Muschel: Einmal pro Zug darf ich dieses Monster wieder meiner Hand hinzufügen und so eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zerstören. Erin, ich wähle als Ziel dafür deine Donnerklang-Seele!“

Das Hologramm der Merengue-Muschel verschwand und die Dolche von Erins Donnerklang-Späherin hörten auf zu leuchten.

Donnerklang-Späherin: 2300Atk → 1500 Atk.

„Nun ist deine Späherin schwächer als meine Forelle! Greife an, Flamenco-Forelle, mit furioser Flossenschelle!“

Wie befohlen schwamm Maylas Monster durch die Luft auf Erins Späherin zu und versetzte ihr bei einer Kehrtwende einen schnellen Hieb mit der Schwanzflosse.

Erins Monster zersprang.

Erins Lebenspunkte: 1100 → 1000.

„Unser Spiel ist gleich vorbei, denn nun nehme ich Flamenco-Forelle für ihren besonderen Effekt auf die Hand zurück. Das erlaubt mir genau 1000 Punkte an direkten Schaden anzurichten!“

Auch Maylas zweites Monster verschwand und ließ dabei einen langsam wachsenden Feuerball zurück, der schließlich auf ihre Gegnerin schnellte.

Die Explosion brachte Erin ins Wanken.

Erins-Lebenspunkte: 1000 → 0.

Wieder stießen die zuschauenden Slifer-Reds Jubelrufe aus.

„Das war eine Wahnsinns-Kombination!“

„Maylas Wassertänzer-Monster sind die Coolsten!“

Mayla wurde ganz rot.

Mit so viel Bewunderung konnte sie nicht umgehen, dafür war sie zu bescheiden.

Maylas Sieg verlangte auch der eigentlich weniger begeisterten Fiona Anerkennung ab.

„Gut gemacht“, rief Fiona Mayla zu und gab ihr einen Daumen hoch.

Die plötzlich dazugekommene, neben Fiona stehende Frau Ehring lobte Mayla ebenfalls: „Das war ein durchaus interessantes Gegenspiel. Sehr vielversprechend.“

Fiona erschrak.

„Frau Ehring! Was machen Sie denn hier!?“

„Ich ARBEITE hier, nicht dass es dich was angeht“, antwortete sie trocken, „ich bin wegen Erin hier.“

„Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“,fragte eine aufgrund der letzten Niederlage noch etwas genervte Erin in einem gezwungen freundlichen Ton.

„Einmal kurz mitkommen, bitte!“

Frau Ehring drehte sich gleich um und Erin verstand, dass Sie ihr folgen sollte.

Beide liefen auf die andere Seite der Slifer-Unterkunft, abseits der anderen Mitschüler.

Frau Ehring schaute zur Kontrolle noch einmal hinter sich nach.

„Nun, da wir unter uns sind, möchte ich zu meiner eigentlichen Frage kommen: „Weißt du noch, ob Barry bei eurem Probeduell dir gesagt hat, wo er später hingehen will?“

Die Slifer-Red-Schülerin war bei der Frage nach Barry etwas erleichtert. Die Vizedirektorin wirkte genauso ernst und humorlos wie an dem Tag der Probeduelle und sie hatte befürchtet aus irgendeinem Grund Ärger von ihr zu bekommen.

„Nein, dazu hatte er mir nichts gesagt. Ich weiß nur, dass er vorhatte in seinem ursprünglichem Duell gegen Mayla um jeden Preis zu gewinnen und er war, nachdem ich ihn besiegt habe, ziemlich sauer.“, antwortete Erin.

„Verstehe. Hast du vielleicht gesehen, wie jemand Barry gefolgt ist, als er das Stadion verließ?“

„Nein, er ist alleine gegangen, niemand ist ihm gefolgt, soweit ich weiß.“

Frau Ehring stellte die dritte Frage:“Was hatte er dir zuletzt gesagt, bevor er ging?“

„Nur eine komische Drohung, von wegen, dass ich mich nicht als Heldin aufspielen solle, oder so.“

Erin fand dieses geheimnisvolle Gefrage langsam sehr suspekt und stellte die Gegenfrage:

„Weshalb stellen Sie mir denn alle diese Fragen? Ich komme da nicht ganz mit.“

Nun schaute die Vizedirektorin noch ernster als sonst.

Noch einmal kontrollierte sie, ob jemand die beiden belauschte, bevor sie Erin antwortete.

„Direktor Schrainmann bekommt seit den Probeduellen täglich Anrufe von Barrys Eltern. Er ist anscheinend an dem Tag nicht nach Hause zurückgekehrt und niemand weiß, wo sich Barry befindet. Es wäre gut gewesen, wenn du uns zu der Angelegenheit Informationen hättest geben können, bevor dich später ein Sondereinsatzkommando befragt.“

Erin wurde hellhörig.

Nicht nach Hause zurückgekehrt?

Sondereinsatzkommando?

Sie begann nun zu verstehen, warum Frau Ehring so viel Wert auf Diskretion legte, ein verschwundener Junge war tatsächlich eine sehr ernste Sache.

„Keine Angst, niemand verdächtigt dich, etwas mit Barrys Verschwinden zu tun zu haben. Ich will nur, dass du und deine Mitschüler gut auf euch aufpasst. Ihr seid mit der Schulordnung in Bezug auf die Nachtruhe vertraut, nehme ich an?“

Erin nickte eilig.

Nachts, ab 22 Uhr, war das Verlassen der eigenen Unterkunft für Schüler aller Jahrgänge strengstens untersagt. Beim ersten Verstoß gegen diese Regel gibt es einen Eintrag in die Schülerakte, beim zweiten Verstoß fliegt man sofort von der Akademie. Das war eine der ersten und wichtigsten Regeln, die Herr Althus, der schon betagte Slifer-Red-Hauslehrer, der seinem Namen alle Ehre machte, ihr und ihren Freundinnen am ersten Tag an der Akademie erklärt hatte.

„Gut, danke für deine Hilfe, Erin. Ich gebe das so an Herrn Schrainmann weiter. Es versteht sich von selbst, dass du deinen Mitschülern fürs Erste nichts von unserer Unterhaltung erzählst.“

Frau Ehring ging wieder davon und Erin musste kurz schlucken und die letzten Minuten in Ruhe verdauen.

Als sie wieder zu Mayla und Fiona stieß, waren die meisten anderen Slifer-Schüler wieder gegangen.

„Ist alles gut bei dir? Was hat Frau Ehring dir gesagt?“, fragte Mayla sofort.

„Nichts Großes, eigentlich“, log Erin, „es ging darum, dass wir alle ab 22 Uhr in der Unterkunft bleiben müssen. Jemand hat wohl erzählt, dass ich mich heimlich rausschleiche und sie hat mich dazu befragt.“

Sie fühlte sich zwar schlecht ihre Freundinnen so dreist zu belügen, aber sie wollte ihnen auch nicht unnötig Angst machen.

„Und die Ehring glaubt so einen Unfug? Wir würden das doch bemerken, wenn du nachts das Zimmer verlässt!“, ärgerte sich Fiona.

Das war ein guter Punkt.

Herr Althus war was die Zimmereinteilung in der Unterkunft anging, sehr entgegenkommend.

Freunde, die gemeinsam der Akademie beitraten, konnten in der Regel auch gemeinsam ein Zimmer bewohnen.

So hatten auch Fiona, Mayla und Erin ein gemeinsames Dreierzimmer bezogen.

Wie so ziemlich alles im Slifer-Haus waren die Zimmer generell spärlich eingerichtet und eher schmal, wenn auch mit einer hohen Decke.

Der knarzende Kleiderschrank, der Schreibtisch mit zwei Stühlen und das Stockbett mit drei Etagen nahmen schon fast den gesamten Platz ein.

Dieser wenige Platz wurde leider oftmals von Fionas zerknüllten Notizzetteln oder ungewaschenen Klamotten eingenommen, Ordnung gehörte definitiv nicht zu ihren Stärken.

Im Stockbett schlief Mayla aufgrund ihrer Höhenangst ganz unten, während sich Erin, die für ein Mädchen ihres Alters ungewöhnlich groß war und sich deshalb oftmals den Kopf stieß, das oberste Bett bevorzugte.

Wenn sie also nachts heimlich die Unterkunft verlassen wollte, müsste sie nicht nur direkt an Fiona und Mayla vorbei klettern, sondern auch sich im Dunkeln durch den zugestellten Boden manövrieren, ohne zu stolpern.

„Warum ist das denn eigentlich so eine großes Problem, wenn man nachts die Unterkunft verlässt? Es ist ja nicht so, als ob es hier wilde Tiere gäbe, oder dass man sich auf der Insel groß verlaufen könnte“, wunderte sich Mayla.

Daniel, ein weiterer Frischling an der Akademie, der kaum eines von Erins und Maylas Duellen verpasste, mischte sich nun in die Unterhaltung ein:

„Es ist am Besten, wenn Ihr euch an die Regeln haltet, nicht nur wegen der Gefahr erwischt zu werden. Am späten Abend treiben sich hier auch ein paar finstere Gestalten rum.“

„Himmel, Herrgott, hör doch mal auf mit der Geschichte und lass es einfach gut sein!“, schimpfte eine Slifer-Schülerin.

Daniel maulte gleich zurück: „Ich lasse es nicht gut sein, Katha! Es ist nur fair, wenn wir unsere Mitschüler warnen!“

„Wovor möchtest du uns den warnen?“, fragte eine nun neugierige Erin und auch Mayla und Fiona lauschten nun gespannt, „was meinst du mit finstere Gestalten?“

Mit einem genervten Stöhnen und Augenrollen verließ Katharina die Gruppe.

„Entschuldigt ihr Verhalten, die letzte Nacht macht sie wohl immer noch fertig“, sagte Daniel, „Gestern Nachmittag haben uns ein paar Slifer aus dem zweiten Jahr angeboten, dass sie uns nach nach 10 heimlich auf dem Sliferplatz Duellnachhilfe geben wollten. Katharina, Carlos und ich haben uns total darauf gefreut ein paar verbotene Taktiken zu lernen und sind natürlich in der Nacht dort hingegangen. Als wir ankamen, hat uns dort aber Leroy der Wiederkehrer abgefangen.

„Leroy der Wiederkehrer? Von dem hat mir mein großer Bruder erzählt, bevor er dieses Jahr seinen Abschluss gemacht hat“, sagte Fiona, „Der Typ wurde durch seinen ungewöhnlichen Duelstil bekannt und hat als Slifer angeblich sogar mal ein Unentschieden gegen einen Obelisken erspielt. Ist der nicht schon zum Ra-Yellow-Schüler aufgestiegen?“

Daniel nickte und erzählte mit einem traurigen Gesicht weiter:“Er ist ein Ra-Yellow und hat wohl, da er jetzt schon im zweiten Jahr ist, ehrenamtlich die Nachtwache für die Slifer-Red-Unterkunft übernommen. Er hatte sich mit den anderen Slifern aus dem zweiten Jahr abgesprochen und uns eine Falle gestellt: Entweder er würde verraten, dass wir nach Beginn der Nachtruhe die Unterkunft verlassen haben, oder wir mussten uns mit ihm duellieren, mit unserer seltensten Karte als Wetteinsatz. Wir drei hatten natürlich keine Chance und haben unsere Karten an Leroy verloren.“

„Das ist ja furchtbar! Da verstehe ich, das Katharina so schlecht gelaunt ist. Richte ihr und Carlos bitte mein Beileid aus.“, sagte Mayla betroffen.

„Danke dir Mayla, das werde ich ihnen und den anderen Schülern, die Leroy überlistet hat, ausrichten.“

„Andere Schüler?“, fragte Erin nun entsetzt, wieviele Akademieneulinge haben Leroy und seine Komplizen mit der Masche denn um ihre Karten betrogen?“

Daniel zählte kurz innerlich nach:“Vierzehn oder Fünfzehn, glaube ich. Das waren zumindest diejenigen, die mir davon erzählt haben, als ich sie auch warnen wollte. Leroy der Wiederkehrer hat wohl in fast jeder Nacht ein paar Dumme gefunden, die er erpressen und besiegen konnte.“

„Okay, ich habe genug gehört!“, rief eine nun wütende Erin.

„Du wirst hier niemanden Beileid ausrichten, Daniel, und zwar, weil JEDER und JEDE noch heute Nacht ihre seltenste Karte wiederbekommen wird!“

„Du willst doch nicht - ?“,fragte Fiona, bevor sie von ihrer Freundin unterbrochen wurde.

„Doch ich will! Ich treffe mich heute Nacht mit ihm auf den Sliferplatz, setzte mein Deck gegen alle erbeuteten Karten und verpasse dem Widerling dann die Abreibung seines Lebens!“

„Ein Unentschieden gegen einen Obelisken, Erin. Er ist kein Amateur mehr“, ermahnte Fiona und Daniel äußerte ebenfalls Zweifel an Erins Plan:

„Völlig ausgeschlossen. Du und Mayla seid vielleicht talentiertere Duellantinnen als die meisten neuen Slifer, aber ein Ra aus dem zweiten Jahr ist für euch unbesiegbar. Das ist lieb gemeint, aber überlege dir das bitte nochmal.“

Aber Erin hatte sich bereits entschieden.

„Wir können uns doch solche fiesen Tricks nicht einfach gefallen lassen! Abgesehen davon,“ sie zeigte mit dem Daumen auf sich und lächelte Daniel selbstbewusst an, „wäre er nicht der erste Kartendieb, den ich hier plattwalze. Ich helfe euch, großes Ehrenwort!“

Während Fiona noch immer Bedenken hatte und nur ein zweifelndes Seufzen ausstieß, war Mayla voll auf Erins Seite.

„Wow, du bist echt die Beste. Ich kenne niemanden, der so mutig und hilfsbereit ist wie du.“, schwärmte sie.

Erin plusterte sich nun ganz schön auf.

„Klar bin ich die Beste! Deswegen gibt’s jetzt für dich bei einer Revanche was aus die Glocke!“

Sie stellte sich mit aktivierter Duelldisk Mayla gegenüber und die beiden begannen ihr nächstes Spiel.
 


 

°°°
 


 

Es war nun kurz nach neun und die drei Mädchen waren wieder auf ihrem Zimmer.

Mayla lag, wie so oft, wenn sie sich nicht duellierte,im Bett mit einem ihrer vielen Liebesromane in den Händen.

Erin konnte solchen Büchern nichts abgewinnen und blieb lieber bei Comics, Mangas und Duellmagazinen.

Schon allein die Titel von Maylas Büchern fand Erin zum Gruseln:

„Kuss beim ersten Kometenschweif-Drachen“, „Deine Liebe ist wie ein Angriffsoger“ und „Werwolfkrieger im Verliebtheitsmodus“ waren noch die harmlosesten.

Fiona hingegen schmökerte in der Schullektüre und bereitete sich auf den nächsten Unterricht vor und Erin traf am Schreibtisch ihre letzten Duellvorbereitungen, indem sie wie gewohnt ihre Karten durchblätterte.

„Okay, mein Deck ist für diesen Leroy bereit“, teilte sie ihren Freundinnen wenige Minuten später mit.“

„Schlagt schonmal eure Bücher zu, wir gehen gleich los.“

„Passe.“, antwortete Fiona kurz ohne den Blick auf Erin zu richten, „ich halte deinen Plan dein Deck zu verwetten noch immer für eine Schnapsidee und ich werde dich sicher nicht bei deinem Wahnwitz unterstützen,“

„Du bist ja eine tolle Freundin.“,sagte Erin sarkastisch.

„Mayla, wie stehts bei dir? Du feuerst mich doch an, oder?“

„Also eigentlich wollte ich nach dem Kapitel nochmal ganz kurz meinen Aufsatz durchgehen, ich bin an ein, zwei Stellen etwas unzufrieden und will dann spontan noch was umformulieren. Aber wenn es dir wichtig ist, dann ko-.“

„Oh Gott, der Aufsatz! Den sollen wir doch nicht schon morgen abgeben?!“, fragte Erin schockiert.

„Was heißt denn hier „schon“? Wir hatten den doch schon letzten Dienstag aufbekommen!“, antwortete Fiona, „Bitte sag mir, dass du zumindest schon damit angefangen hast!“

Eine zutiefst beschämte Erin schlenderte mit gesenktem Kopf zu ihrem Rucksack und holte Stift und Schreibblock raus.

„Das Thema war „Was mir Duel-Monsters bedeutet und warum ich auf die Akademie wollte“, richtig?“, fragte sie vorsichtig und setzte sich dann mit ihren Utensilien an den Schreibtisch.

„Verflixt Erin, wir sollten mindestens acht Seiten schreiben! Wie wäre es mit einem Hausaufgabenheft? Oder du könntest den Akademiekalender benutzen, den uns der Althus ausgeteilt hat!“

Erin reagierte nicht auf Fionas Schimpftirade und begann die ersten Worte zu schreiben.

Fiona merkte, dass sich Erin nun schlecht fühlte und versuchte sie etwas aufzubauen:

„Ich finds gut von dir, dass du dein Deck nicht mehr unnötig riskieren willst. Hier zu bleiben ist eine bessere Entscheidung.“

Erin legte ihren Stift kurz beiseite und schaute Fiona ernst an:„Ich breche gerade das Versprechen, dass ich heute Daniel gegeben habe. Ich weiß, dass wir drei uns gegenseitig versprochen haben unser Bestes zu geben, um gemeinsam Slifer-Red hinter uns zu lassen und Ra-Yellows zu werden. Aber ich fühle mich trotzdem furchtbar.“

Mayla stand plötzlich auf und zog sich ihre Schuhe an.

„Wo willst du denn jetzt noch hin?“, fragte Fiona.

„Ich werde dafür sorgen, dass heute Nacht jeder seine Karten zurückbekommt, ganz so, wie es Erin versprochen hat. Dann braucht sie kein schlechtes Gewissen dafür haben, dass sie unsere Freunde im Stich lässt.“, antwortete sie, ihr, als ob das selbstverständlich wäre.

„Mayla, tu das bitte nicht“,sagte Erin, „Ich habe mich dazu bereit erklärt Leroy zu besiegen, nicht du. Ich kann ihn auch genauso gut morgen herausfordern.“

„Ich will das aber!“, widersprach Mayla vehement.

„Du hattest heute Mittag vollkommen recht. Niemand hat es verdient, dass man ihm sein Deck wegnimmt und wenn wir hinterhältige Kartendiebe aufhalten können, dann sollten wir das auch!

Außerdem bin ich dir noch immer für deinen Einsatz bei meinem Probeduell dankbar. Das ist meine Gelegenheit dir zu helfen. Ich will sie unbedingt nutzen.“

Gegen eine derart motivierte Rede wollte Erin nichts einwenden.

Sie stand vom Schreibtisch auf und drückte Mayla ihre Deckbox in die Hand.

Mayla verstand, was Erin wollte.

Wenn sie schon an Erins Stelle kämpft und versucht ihr Versprechen einzulösen, dann sollte sie dafür zumindest nicht ihre eigenen Karten aufs Spiel setzen.

„Danke“, sagte sie.

„Nein, ich danke dir“, erwiderte Erin.

„Das ist hier ja schlimmer als in jeder Seifenoper! Warte, Mayla, ich komme mit. Etwas moralische Unterstützung schadet nie“, sagte Fiona und sprang sofort von ihrem Mittelbett auf.

„Hey! Als ich gehen wollte, wolltest du lieber hier bleiben! Warum unterstützt du Mayla, aber nicht mich?!“, fragte Erin erbost.

„Ganz einfach: Weil Mayla nicht aus Überheblichkeit handelt, sondern aus Freundschaft und Loyalität. Und jetzt mach dich an die Arbeit, sonst kassierst du morgen gleich deine erste Sechs!“

Das hatte gesessen.

Stumm setzte sie sich zurück an den Schreibtisch um ihren Aufsatz fertig zu stellen.

Fiona und Mayla verließen das Zimmer und Erin wünschte Mayla viel Erfolg, bevor die Tür zufiel.
 


 

°°°
 


 

Fiona ging voran, sie war bereits am häufigsten auf dem Sliferplatz gewesen und konnte damit im Dunkeln den Weg besser als Mayla finden. „Auf die Gefahr hin zu nerven: Ein Unentschieden gegen einen Obelisken. Und das war letztes Jahr. Inzwischen ist Leroy der Wiederkehrer wahrscheinlich noch besser geworden.“, wiederholte Fiona ein drittes Mal, um ihrer Freundin vor Augen zu führen, wie gefährlich ihr Gegner sein wird.

„Danke, ich weiß, dass ich gegen ihn alles geben muss. Kannst du mir noch mehr zu seinem ungewöhnlichen Duellstil sagen? Was für Monster er so benutzt, vielleicht?“

„Leider nein. Mein Bruder wusste auch nicht mehr, er hatte wohl nicht viel mit ihm zu tun.“

Mayla nickte.

„Verstehe. Aber trotzdem Danke für die Info.“

„Bist du dir sicher, dass du das tun willst? Wir können immer noch zurück. Erins Deck wegen ein paar Mitschüler zu riskieren, die wir erst seit ein paar Tagen kennen und vielleicht nach den Halbjahresprüfungen eh nicht mehr wirklich wiedersehen werden, das ist doch... voll daneben. Du verstehst doch, wie ich das meine, oder?“

Sie waren fast angekommen.

„Ja, ich verstehe deine Bedenken. Aber Menschen, die die Karten anderer Duellanten nicht respektieren, so wie dieser Leroy sind echt das Allerletzte. Wegen Typen wie ihm wäre ich fast durch mein Probeduell geflogen und gar nicht erst auf der Akademie aufgenommen worden.

Fiona verstand die Anspielung auf Barry.

Sie musste nun lachen.

„Du und Erin seid solche Idealistinnen. Daneben komme ich mir richtig zynisch vor.“

Beide standen nun auf dem Sliferplatz.

Die Beleuchtungen, die in den dunklen Wintermonaten hin und wieder genutzt wurden, waren allesamt ausgeschaltet, denn fast alle Schüler sollten nun schon im Bett liegen.

Lediglich der annähernd volle Mond erhellte sanft das Gras. Auf mehreren beieinander stehenden Bänken saßen zwei Slifer-Red-Schüler und ein Ra-Yellow.

Entschlossen gingen Mayla und Fiona auf die drei zu.

„Hey, ihr zwei! Es ist Nachtruhe, geht bitte sofort zur Sliferunterkunft zurück!“, rief Ihnen Leroy entgegen.

Mayla stand nun direkt vor ihm.

„Wir wissen, dass deine Freunde andere Slifer-Neulinge nachts hierher locken, damit du ihnen ihre seltenste Karte abknöpfen kannst. Also tu bitte nicht so, als würdest du dich hier groß an Regeln halten.“, sagte sie ernst, „Duelle mit Einsätzen sind genauso verboten, wie nach 22 Uhr die Unterkunft zu verlassen, also will ich sofort alle illegal gewonnenen Karten haben, damit ich sie ihren Besitzern zurückgeben kann. Außerdem werdet ihr nie wieder euren fiesen Trick benutzen um Anfänger zu beklauen.“

Leroy hatte sich Maylas Forderungen leicht belustigt angehört und lehnte sich entspannt auf der Bank zurück.

„Hey, kennt einer von euch dieses Mädchen da?“, fragte er die anderen beiden Slifer.

„Nein, nie gesehen. Die muss wohl selbst aus dem ersten Jahrgang sein.“, antwortete ihm einer.

„Stimmt, das bin ich“, bestätigte Mayla.

„Ich weiß auch wer du bist. Man nennt dich wohl Leroy den Wiederkehrer.“

„So, so, du weißt also schon, wer ich bin“, sagte Leroy und stand langsam auf, „Und trotzdem meinst du Amateurin mir solche lächerlichen Forderungen stellen zu können? Ich hoffe, du verschwendest nicht meine Zeit und bietest mir eine gute Karte als Einsatz.“

Als Leroy aufgestanden und auf die beiden Mädchen zugegangen war, konnte Mayla ihren Kontrahenten etwas besser erkennen.

Der Junge war mindestens zwei Köpfe größer als sie, er hatte wie sie einen etwas dunkleren Teint, und die dunklen Haare waren zurückgegelt.

Die Ärmel seiner gelben Ra-Uniform hatte er bis zu den Elbogen hochgekrämpelt und um den Hals trug Leroy eine silberne Kette, mit Totenkopfanhänger.

Er sah höhnisch auf Mayla herab, doch davon ließ sie sich nicht einschüchtern.

„Falls du gewinnst, bekommst du mein gesamtes Deck!“, antwortete Mayla ohne zu zögern.

Fiona schreckte zurück.

„Mayla, warum setzt du -?“

„MEIN gesamtes Deck“, bestärkte Mayla.

Fiona verstand, was Mayla sich dachte.

Sie will nicht das Deck ihrer Freundin riskieren.

Bei diesem Duell möchte Mayla die volle Verantwortung übernehmen.

Leroy und die Slifer-Jungen lachten allesamt lauthals los.

„Habt ihr die Kleine gehört, Jungs? Die will gleich ihr ganzes Deck verlieren? Heute ist wohl unser Glückstag! Für ein gesamtes Deck wird Kevin ganz schön was springen lassen!“, brüllte er.

Mayla zeigte sich von dem Spott unbeirrt und stand Leroy mit ihrer aktivierten Duelldisk gegenüber.

„Du meinst das wirklich ernst ja?“

Leroy blickte mit purer Arroganz auf seine kleinere Gegnerin hinab.

„Absolut. Hiernach wirst du meine Mitschüler in Ruhe lassen.“, sagte Mayla.

„Mutig, mutig“, würdigte ihr Gegner und aktivierte nun ebenfalls seine Duelldisk, um sich gleich an den ersten Zug zu machen.

Beide Duellanten zogen sogleich ihre Starthand und, wie es für Duelle üblich war, stand dem Herausgeforderten der erste Zug zu.

„Um dir zumindest die Illusion einer Chance zu lassen, lasse ich es erstmal ganz langsam angehen. Ich setze eine verdeckte Monsterkarte und eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte. Damit mache ich schon Schluss. Zeig, was du kannst, Frischfleisch.“

Die zwei verdeckten Karten erschienen vor Leroy und Mayla zog.

Sie betrachte kurz ihr Blatt und überlegte.

„Ich beginne mit Wassertänzer Flamenco-Forelle im Angriffsmodus.“

Die cartoonige Forelle im roten Kleid erschien.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

Die beiden Begleiter von Leroy lachten wieder los:

„Das nennt die ein Monster? Oh Mann, diese Neulinge machen mich jedes Mal fertig!“

„Lange nicht mehr sowas Peinliches gesehen, das Vieh sieht aus, als hätte man es aus einer Kindersendung geklaut!“

Leroy grinste.

Fiona schaltete sich ein: „Euch vergeht noch das Gegacker, wenn ihr erst mal seht, wie meine Freundin mit ihrem Monster auf den Putz haut!“

Mayla nickte Fiona in einer bedankenden Geste zu und setzte ihren Zug fort:

„Zudem aktiviere ich einen Zauber: Wassertänzer-Tanzpartnersuche. Jetzt darf ich solange Karten von meinem Deck aufdecken, bis ich ein Wassertänzer-Monster aufdecke. Dieses darf ich meiner Hand zufügen. Danach darf ich außerdem den Typ von meiner Flamenco-Forelle verändern.“

Mayla deckte nacheinander drei Karten auf. Die dritte war schließlich Wassertänzer-Merengue-Muschel, die sie ihrem Gegner präsentierte, bevor sie die restlichen Karten auf ihr Deck zurücklegte ,welches sich automatisch neu mischte.

„Jetzt ändere ich den Typ von Flamenco-Forelle und zwar zum Typ Pflanze!“

Der Fisch auf dem Feld wurde nun dunkelbraun wie ein Baumstamm und kleine Ästchen wuchsen aus seinem Körper.

„Da ich nun ein Monster vom Typ Pflanze kontrolliere, darf ich einen Wassertänzer Tango-Tintenfisch rufen, diesmal vorsichtshalber aber im Verteidigungsmodus.

Ein zweites Wassertänzer-Monster gesellte sich nun zu seinem hölzernen Mitkämpfer.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

Jetzt greift meine Flamenco-Forelle deine verdeckte Monsterkarte an! Los, furiose Flossenschelle!“

Maylas Monster schlug mit der Schwanzflosse auf die verdeckte Karte ein, die sich aufdeckte und zersprang.

Ein schleimiges, faustgroßes Wurmmonster wurde aufgedeckt und zersprang dann sofort.

Leroy fuhr sich durch das zurückgegelte Haar und grinste selbstsicher: „Glückwunsch, du hast meinen Hirnfresser-Wurm zerstört. Du gewinnst gar nichts und verlierst die Kontrolle über deine Forelle! Denn mein Wurm erlaubt es mir das Monster, von dem es im Kampf zerstört wird zu übernehmen!“

Wassertänzer Flamenco-Forelle, die sich noch vom Kampf auf Leroys Seite befand, drehte sich nun um und schaute Mayla feindselig an.

Mayla hatte mit so etwas Ähnlichem schon gerechnet und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen:

„Dank meines Tango-Tintenfisches steht meine Verteidigung. Außerdem setze ich noch eine Karte verdeckt. Du bist am Zug.“

„Hey, Fiona... hab ich was verpasst?“, fragte Daniel, der sichtlich aus der Puste war und sich erstmal auf seinen Oberschenkeln abstützte.

„Daniel, was machst du denn hier?“, fragte sie verdutzt.

„Na, Erin anfeuern, genau wie du. Sorry für die Verspätung. Aber...“, er stellte wegen der Dunkelheit erst jetzt fest, dass das falsche Mädchen vor ihnen stand, „...Moment, warum duelliert sich denn Mayla?

„Ich bin nur die Vertretung“, erklärte ihm Mayla mit einem freundlichen Lächeln.

„Sei nicht immer so bescheiden, wir wissen doch, dass du mindestens genauso gut spielst wie Erin!“,rief Daniel und Mayla wurde gleich rot.

Mit verschränkten Armen hatte Leroy die Szene beobachtet.

„Hol dir meinetwegen ne ganze Busladung an Cheerleadern, das wird dir gar nichts bringen!“

Leroy zog und war mit der neuen Karte offensichtlich sehr zufrieden.

„Tja, Kurze, das sieht ganz so aus, als ob unser Duell ein sehr jähes Ende finden wird. Verabschiede dich schonmal von deinem Deck, denn jetzt bekommst du es mit meinem einzigartigen Ass-Monster zu tun! Indem ich ein Monster als Tribut anbiete, dass ich kontrolliere, aber nicht besitze, darf ich es beschwören: Den grauenvollen finsteren Wiederkehrer!“

Die Flamenco-Forelle auf Leroys Seite verschwand und an seiner Stelle erhob sich langsam ein mannsgroßes, vorgebeugtes Wesen aus schwarzen Schlamm mit der Silhouette eines kopflosen Menschen.

Leroys Monster stieß ein dumpfes Stöhnen aus.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 800Atk, 100Def.

Daniel erkannte das Monster, dass ihm und seinen Freunden letzte Nacht die seltensten Karten gekostet hatte, gleich wieder und schaute entsetzt.

„Mayla, Vorsicht, du darfst dieses Monster auf keinen Fall zerstören!“

„Die Warnung kommt leider zu spät“, höhnte der Ra-Yellow-Schüler, „denn diesmal zerstöre ich meinen Wiederkehrer einfach selbst: Ich aktiviere die heimtückischste aller Fallenkarten: Des-Virus Z!“ Leroys Falle deckte sich auf und sein soeben beschworenes Monster zersprang.

An der Stelle des finsteren Wiederkehrers hatte sich nun eine rötlich schimmernde Wolke gebildet, die sich auf Maylas Seite des Spielfeldes ausbreitete.

„Jetzt und für die nächsten vier Züge werden sich deine Monster mit meinem Des-Virus Z infizieren. Dadurch verringern sich ihre Angriffs- und Verteidigungspunkte um 500!

Fiona und Mayla beobachteten mit Schrecken, wie das Hologramm des fröhlich aussehenden Tintenfisches dem roten Dunst zum Opfer fiel und nun von unzähligen kleinen Beulen und Ausschlägen befallen war.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 2100Def → 1600Def, 1400Atk → 900Atk.

„Als Nächstes, Mayla, demonstriere ich dir die wahre Macht meines finsteren Wiederkehrers, denn bei ihm ist der Name Programm!“, kündigte Leroy an.

Der schwarze Schlamm des soeben geopferten Monsters fügte sich wieder zusammen, bildete aber diesmal aber eine Mayla gut vertraute Form.

Ein komplett schwarzer Tango-Tintenfisch stand ihr gegenüber.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 900Atk, 1600Def.

Leroys Gegnerin erschauderte bei dem Anblick der dunklen Kopie ihres eigenen Monsters.

„Wieso besitzt du jetzt einen eigenen Tango-Tintenfisch? Was ist hier eigentlich los?“, fragte sie, bemüht sich ihre Angst vor den düsteren Karten des Ra-Yellows nicht anmerken zu lassen.

Einer von Leroys Komplizen erklärte:“Was da vor dir steht, ist kein einfacher Tintenfisch, sondern Leroys Supermonster! Einmal pro Zug kann es, wenn du ein Monster kontrollierst, aus dem Friedhof als Kopie deines Monsters spezialbeschworen werden. Dann übernimmt der finstere Wiederkehrer Angriffspunkte, Verteidigungspunkte und sogar Effekte von dieser Monsterkarte.“

Mayla wurde jetzt klar, warum Leroy sein beschworenes Monster sofort für den Des-Virus Z geopfert hatte: Er konnte es einfach sofort wieder zurück auf das Feld bringen!

Leroy lachte, seine Strategie schien komplett aufzugehen.

„Ich bringe gleich die nächste Karte ins Spiel: Die permanente Zauberkarte Modusbeschränkungsgebiet: Sobald ich sie ausspiele, werden alle Monster auf dem Feld dauerhaft in den Angriffsmodus gezwungen.“

Sein Modusbeschränkungsgebiet entfaltete sofort Wirkung und zwang Maylas Tango-Tintenfisch in den Angriffsmodus.

„Finsterer Wiederkehrer, greife an und vernichte das Tintenfischmonster mit deiner Fäulniskanone!“

Von Leroys Schlammwesen löste sich ein Klumpen, der wie eine Pistolenkugel auf Maylas Wassertänzer Tango-Tintenfisch schnellte.

Die Monster beider Duellanten wurden zerstört.

Fiona schaute kritisch dem Duellgeschehen zu:“Daniel, kannst du mir sagen, warum Leroy angegriffen und damit seinen eigenen finsteren Wiederkehrer zerstört hat? Mayla kontrolliert keine Monster mehr und Leroys Monster hat seinen Wiederbelebungseffekt eh schon in diesem Zug genutzt! Jetzt steht er doch völlig schutzlos für Maylas nächsten Zug da!“

Mit einem zerknirschtem Ausdruck antwortete er ihr:“Leroy der Wiederkehrer macht leider keine Fehler, ganz im Gegenteil. Das ist alles Teil seiner üblen Strategie. Siehe selbst!“

Leroy setzte seine Battle Phase mit einer kommandierenden Armbewegung fort.

„Der zweite Effekt von Des-Virus Z setzt jetzt ein: Wird ein infiziertes Monster zerstört, darf ich es als Zombie-Typ in seiner vollen Kraft auf meine Seite des Feldes zurückrufen.“

Ein fauliger, untoter Tango-Tintenfisch erschien unter Leroys Kontrolle.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

„Tango-Tintenfisch, greife Mayla jetzt direkt an!“, befahl er energisch.

Das Zombiemonster stieß ein gurgelndes Fauchen aus und drosch mit seinen Tentakeln wild auf Mayla ein.

Die direkte Attacke warf sie zu Boden.

Maylas Lebenspunkte: 4000 → 2600.

Während sie auf dem Rücken lag, schob sich eine Wolke vor den Mond, der gesamte Platz wurde von Finsternis verschlungen.

Fiona schluckte.

Leroys letzter Zug hatte seinen Duelstil offengelegt.

Der Virus sorgte dafür, dass er die Kontrolle über Maylas Monster gewinnt, wenn er sie zerstört.

Der finstere Wiederkehrer stellte sicher, dass Leroy immer ein Monster hat, dass stark genug ist jedes von Maylas Monstern im Kampf zu zerstören und das Modusbeschränkungsgebiet verhinderte, dass Mayla ihre Monster im Verteidigungsmodus vor dem finsteren Wiederkehrer schützt.

Im dritten Zug hatte Leroy bereits eine Spielsituation geschaffen, die dafür sorgt, dass seine Zombiearmee automatisch immer und immer weiter wächst.

Das war Duellkunst auf einem Level, die Fiona noch nie zuvor gesehen hat und weit über allem hinausgeht, was sie über Duel Monsters bisher wusste.

Sie sah zu Mayla hinüber, die sich nun wieder aufrichtete.

Durch das Halbdunkel konnte Fiona von Mayla ablesen, dass auch sie langsam Begriff mit welcher Art von Duellant sie sich angelegt hatte.

Der Ra aus dem zweiten Jahrgang strahlte eine alles unterdrückende Aura der Siegesgewissheit aus.

„Wie erwartet von einem Slifer-Neuling, ein kleiner Angriff und schon fällst du um.“

Er und seine beiden Schergen lachten laut los.

„Was ist denn, keine clevere Antwort? War wohl nicht die beste Idee dein Deck zu verwetten, was?“, Leroy riss seine Augen weit auf und bohrte seinen Blick direkt in Maylas Seele.

„Heute Nacht wirst du deinen persönlichen Albtraum durchleben, Frischfleisch. Ich werde jedes deiner Monster vernichten! Ich werde sie solange zerstören und als untote Schattenwesen auf dich hetzen! Und wenn ich schließlich mit dir fertig bin, werden sie endgültig MIR gehören!“
 


 


 

Neue Karten:
 

Monster:
 

Wassertänzer Tango-Tintenfisch, Stufe 4, 1400Atk, 2100Def, Typ Fisch, Attribut Wasser, Effekt:

(1)Wenn du ein Monster vom Typ Pflanze kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören. (2) Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Wähle ein Wassertänzer-Monster in deinem Deck und füge es deiner Hand hinzu.

Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Spielzug aktivieren.
 

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def, Typ Aqua, Attribut Wasser, Effekt:

(1)Wenn du ein Monster vom Typ Aqua kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören. (2) Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Wähle und zerstöre eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Spielfeld.

Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Spielzug aktivieren.
 

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def, Typ Fisch, Attribut Wasser, Effekt:

(1)Wenn du ein Monster vom Typ Pyro kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören. (2) Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Füge deinem Gegner 1000 Punkte Schaden zu.

Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Spielzug aktivieren.
 

Hirnfresser-Wurm: Stufe 2, 400Atk, 500Def, Typ Insekt, Attribut Finsternis, Effekt:

Wenn diese Karte im Kampf zerstört wird: Übernehme die Kontrolle über das Monster, das diese Karte im Kampf zerstört hat.
 

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 800Atk, 100Def, Typ Zombie, Attribut Finsternis, Effekt:

Kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden, außer durch seinen eigenen Effekt. Muss zunächst als Tributbeschwörung beschworen werden, indem du ein Monster, dass du kontrollierst, aber nicht besitzt, als Tribut anbietest. Einmal pro Zug, während des Zuges beider Spieler: Wenn diese Karte sich in deinem Friedhof befindet, nachdem sie erfolgreich als Tributbeschwörung beschworen wurde und dein Gegner mindestens ein Monster kontrolliert: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung beschwören. Wenn du das tust, wähle ein Monster, das dein Gegner kontrolliert: Die Atk und Def dieser Karte werden zu den Atk und Def des gewählten Monsters und diese Karte erhält die Effekte des gewählten Monsters.
 

Zauberkarten:
 

Wassertänzer-Zugabe: Normale Zauberkarte

Wähle ein „Wassertänzer“-Monster in deinem Friedhof und füge es deiner Hand hinzu. Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.
 

Wassertänzer-Tanzpartnersuche: Normale Zauberkarte

Decke solange Karten von deinem Deck auf, bis du ein „Wassertänzer“-Monster aufdeckst: Füge dieses Monster deiner Hand hinzu und mische die anderen aufgedeckten Karten zurück in dein Deck. Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.
 

Modusbeschränkungsgebiet: Permanente Zauberkarte

Wechsele alle Monster auf dem Spielfeld in den Angriffsmodus. Monster können nicht mehr gesetzt oder im Verteidigungsmodus beschworen werden.
 

Fallenkarten:
 

Des-Virus Z: Normale Fallenkarte

Biete ein Monster vom Typ Zombie mit 1500 oder weniger Atk als Tribut um diese Karte zu aktivieren. Lege auf alle Monster, die dein Gegner kontrolliert und die dein Gegner beschwört eine „Infiziert“-Spielmarke. Monster mit einer „Infiziert“-Spielmarke verlieren 500Atk und 500Def. Wenn ein Monster mit einer „Infiziert“-Spielmarke zerstört wird: Du kannst das zerstörte Monster unter deiner Kontrolle als Spezialbeschwörung beschwören. Ändere den Typ des so beschworenen Monsters zu Zombie. Die Effekte dieser Karte gelten (einschließlich des Zugs, in dem sie aktiviert wurde) für 5 Züge.

Ein halber Mensch

Mayla stand mit wackeligen Beinen ihrem dominanten Ra-Yellow-Gegner und seinem zombifizierten Tango-Tintenfisch gegenüber.

In seinem letzten Zug hatte Leroy die schreckliche, wahre Natur seines Decks offenbart:

Er hatte sein Ass-Monster beschworen, den finsteren Wiederkehrer, der in jedem Zug vom Friedhof aus ein gegnerisches Monster kopieren konnte.

Zudem lag auf Maylas Seite des Spielfeldes der rötlich-schimmernde Nebel von Leroys Des-Virus Z, der für die nächsten vier Züge Maylas Monster schwächen und nach der Zerstörung komplett kontrollieren würde.

Der Umstand, dass bis auf das fahle Mondlicht der gesamte Sliferplatz in Finsternis gehüllt war und lediglich das gequälte Fauchen und Gurgeln von Leroys Tango-Tintenfisch die Stille durchdrang, machte Maylas Lage nicht weniger furchteinflößend.

Um die beiden herum standen Fiona und Daniel sowie die beiden Slifer Reds des zweiten Jahrgangs, die mit Leroy zusammen Neulinge ausgetrickst und zu verbotenen Duellen mit Einsätzen gezwungen hatten.

Die Lakaien waren sichtlich erfreut, denn es sah ganz danach aus, als ob ihr Boss bald Maylas gesamtes Deck gewinnen würde.

Mayla: 2600 Lebenspunkte, 3 Handkarten, eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte.

Leroy: 4000 Lebenspunkte, 2 Handkarten, Wassertänzer Tango-Tintenfisch im Angriffsmodus, Modusbeschränkungsgebiet.

Fiona erkannte, dass ihre Freundin unter Druck stand.

Wie in Trance starrte Mayla auf Leroys Zombiemonster, das eigentlich ihr gehörte und ihr soeben einen direkten Angriff verpasst hatte.

„Mayla, lass dir von dem Idioten keine Angst machen!“, rief Fiona ihr zu.

Daniel stimmte mit ein: „Nicht aufgeben! Du schaffst das!“

Mayla kam wieder zu sich und Leroy bemerkte das sofort.

„Fast schon süß, wie deine Freunde versuchen dir einzureden, dass du noch gewinnen könntest. Aber wahre Freunde hätten dich gar nicht erst antreten lassen“, er wandte sich von Mayla ab und blickte nun Daniel finster an, „Gerade du hättest wissen müssen, dass mich Anfänger nicht besiegen können.“

Daniel schluckte.

Natürlich hätte er Mayla von dem Duell gegen Leroy abgeraten, genauso wie es Erin und Fiona getan hatten, aber das war ihm nicht möglich gewesen.

Sie jetzt anzufeuern, war das Einzige, was er und Fiona noch tun konnten.

„Wie auch immer, ich setze noch zwei Karten verdeckt. Dein Zug!“

Zwei Zauber- oder Fallenkarten erschienen vor Leroy.

Mayla zog ihre Karte und versuchte gleich ein Gegenspiel aufzubauen.

„Ich rufe zuerst Wassertänzer Merengue-Muschel. Wegen deines Modusbeschränkungsgebiets tue ich das allerdings im Angriffsmodus!“

Wassertänzer-Merengue-Muschel: Stufe 2, 0Atk, 900Def.

Des-Virus Z befiel sofort Maylas Muschel Monster und die Schale wurde löchrig und verfärbte sich zu einem ungesunden Grün.

Wassertänzer Merengue-Muschel: 0Atk → 0Atk, 900Def → 400Def.

„Da ich nun ein Monster vom Typen Aqua kontrolliere, darf ich die zweite Merengue-Muschel gleich als Spezialbeschwörung dazu rufen!“

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 2, 0Atk, 900Def.

Wassertänzer Merengue-Muschel: 0Atk → 0Atk, 900Def → 400Def.

„Zwei Monster ohne Angriffspunkte? Ich glaube, die Kleine hat schon innerlich aufgegeben!“, kommentierte einer von Leroys Freunden blöde.

Aber Fiona und Daniel wussten es besser.

„Jetzt aktiviere ich den besonderen Effekt von einer meiner Muscheln: Indem ich Merengue-Muschel zurück auf die Hand nehme, darf ich eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zerstören. Damit ist dein Modusbeschränkungsgebiet Geschichte!“, rief Mayla.

Maylas Monster schoss einen Wasserstrahl auf Leroys permanente Zauberkarte und Leroy antwortete sofort:

„Netter Versuch, aber vergebens! Ich aktiviere die Konterfallenkarte Spiegelbarriere! Wenn ein Effekt einer gegnerischen Monsterkarte eine meiner Karten zerstören würde, darf ich sie aktivieren um diesen Effekt zu negieren und die entsprechende Karte zu zerstören!“

Die Fallenkarte des Ra-Yellow deckte sich auf und um die Modusbeschränkungsgebiet-Karte bildete sich eine transparente Sphäre, die den auftreffenden Wasserstrahl direkt auf Wassertänzer Merengue-Muschel zurückwarf.

Mayla ließ sich nicht beeindrucken und deckte eine eigene Fallenkarte auf:

„Ich aktiviere ebenfalls eine Konterfalle: Wassertänzer-Ausfallschritt. Diese Karte negiert jeden Effekt jeder Karte, die eine meiner Wassertänzer-Karten zum Ziel nimmt und zerstört diese Karte. Damit landen sowohl deine Spiegelbarriere, als auch dein Modusbeschränkungsgebiet auf den Friedhof, Leroy.“

Mit verschrecktem Geklapper sprang die Muschel beiseite, woraufhin der abgeschossene Wasserstrahl eine Kehrtwende machte und nun Leroys Spiegelbarriere und Modusbeschränkungsgebiet zerstörte.

Beide Karten zersprangen und Leroy hielt sich die Arme vors Gesicht, um sich vor der Druckwelle zu schützen.

Daniel war von Maylas Doppelkonter sehr beeindruckt: „Super gemacht, Mayla! Du hast Leroy voll drangekriegt! Jetzt musst du keine Monster mehr im Angriffsmodus rufen!“

Fiona nickte Mayla anerkennend zu und beide lächelten.

Zwar hatte das Slifermädchen Leroy keine Lebenspunkte weggenommen, aber sein Ego hatte gerade erkennbaren Schaden erlitten.

In den letzten Nächten hatte er problemlos jede Taktik der Slifer-Red-Neulinge sofort durchschaut und entschärft, dies war das erste Mal, das er von einem seiner Opfer überlistet wurde.

Entsetzt und stumm stand der Ra aus dem zweiten Jahr dar.

„Diese Slifer-Göre hatte doch nur Glück gehabt, Boss!“

„Du besiegst die auch locker ohne dein Modusbeschränkungsgebiet!“, riefen ihm seine Komplizen zu.

Leroy ignorierte die Zurufe.

Glück? Auf keinen Fall! Mayla hatte ihre Konterfalle schon in ihrem ersten Zug gesetzt und auf den richtigen Zeitpunkt gewartet um sie einzusetzen. Das war eindeutig geplant gewesen.

„Gut...gemacht?“, stammelte ein fast versteinerter Leroy.

Fiona und Daniel rissen schockiert die Augen auf und auch die Slifer-Jungs von Leroy schauten nicht schlecht.

Hatte Leroy Mayla gerade ein Kompliment gemacht? Nachdem er im letzten Zug Mayla noch gedroht hatte, jedes ihrer Monster zu infizieren und gegen sie einzusetzen?

„Gut gemacht.“, sagte er diesmal selbstsicherer und schaute seine Gegnerin ernst an.

Mayla nahm das Kompliment mit einer kleinen Verbeugung an.

„Danke sehr für das Kompliment.“ antwortete sie.

Fiona schlug sich fassungslos die flache Hand an die Stirn und Daniel rang um passende Worte: „Was...? Wie..? Hat sie sich gerade bei dem Mistkerl bedankt? Bitte sag mir, dass ich mich verhörte habe. Fiona.“

Leider nicht.

Wie sie aus den Duellen zwischen Erin und Mayla wusste, konnte Mayla in Duellen durchaus energisch sein und sogar den einen oder anderen doofen Spruch raushauen, aber wenn sie ein ernsthaftes Lob von einem derart anerkannten Duellanten bekam, konnte Mayla wohl einfach nicht ihr gutes Benehmen vergessen.

„Hey, Frau Danke-sehr!“, rief Fiona etwas sauer Mayla zu, „Vergiss nicht, was hier auf dem Spiel steht! Es geht in diesem Duell um dein Deck und die seltensten Karten unserer Mitschüler! Du sollst dich nicht mit dem Drecksack anfreunden, du sollst ihn so richtig fertig machen!“

Mayla wurde etwas rot vor Scham und setzte sogleich ihren Zug fort:

„Meine Merengue-Muschel hat erfolgreich ihren Effekt aktiviert und kehrt auf meine Hand zurück. Außerdem aktiviere ich den zweiten Effekt von Wassertänzer-Ausfallschritt: Jetzt darf ich den Typen meiner zweiten Merengue-Muschel verändern. Ich wähle den Typ Maschine!“

Wie geheißen sprang eine Muschel zurück auf Maylas Hand, die andere klapperte, während die Schale sich zu glänzendem Stahl verwandelte.

„Indem ich ein Monster vom Typ Maschine auf meine Hand zurückgebe, darf ich dieses Monster als Spezialbeschwörung rufen: Applaus für den großartigen Wassertänzer Robot-Rochen im Verteidigungsmodus!“

Das Hologramm eines Rochens in lässiger Hip-Hop-Kleidung erschien und das Monster führte zur Begrüßung einige mechanische Tanzbewegungen aus.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wegen der gefährlichen Virus-Wolke auf Maylas Spielfeldseite begann der fröhliche Rochen heftig zu husten und eitrige Ausschläge am ganzen Körper zu entwickeln.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk → 1500Atk, 2200Def → 1700Def.

„Warum ruft Mayla ihren Rochen nicht im Angriffsmodus? Der ist doch trotz Des-Virus Z stärker als Leroys Zombie-Tintenfisch?“, fragte Daniel Fiona.

„Das wäre ein fataler Fehler, Daniel“, antwortete sie, „Du musst bedenken, dass Leroy seinen finsteren Wiederkehrer im Friedhof hat. Wenn Mayla jetzt den Robot-Rochen im Angriffsmodus offen liegen lässt, kann sein Wiederkehrer ihn ohne Probleme im Kampf zerstören. Dann würde Leroy wegen Des-Virus Z die Kontrolle über den Rochen übernehmen und Mayla wieder direkt angreifen.“

Daniel verstand Fionas Erklärung nur halb, aber er begriff, dass Mayla in diesem Duell sehr klug und vorausschauend handelte und das imponierte ihm.

Fiona war sich allerdings nicht so sicher.

„Ich hoffe du weißt, was du tust, Mayla. Selbst im Verteidigungsmodus wird Leroy der Wiederkehrer leicht einen Weg finden dein Monster gegen dich einzusetzen.“, dachte sie sich.

„Ich setze eine Karte verdeckt und beende ich meinen Zug.“, sagte Mayla und Leroy unterbrach sie gleich:

„Bevor du deinen Zug beendest, aktiviere ich den Schnelleffekt meines finsteren Wiederkehrers: Ich rufe ihn als Spezialbeschwörung aus meinem Friedhof und kopiere die Werte und den Effekt deines Robot-Rochens.“

Der dunkle Schlamm des finsteren Wiederkehrers formte auf Leroys Seite ein Abbild von Wassertänzer Robot-Rochen.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 1500Atk, 1700Def.

„Ich bin dran“, sagte Leroy und zog.

„Ich muss sagen, Mayla, du hast mich ehrlich überrascht, du hast bewiesen, dass du dich besser duellieren kannst, als alle anderen Slifer-Neulinge. Aber letztendlich fehlt dir die nötige Erfahrung und deinen Rochen im Verteidigungsmodus zu beschwören wird der letzte Fehler sein, den du mit diesem Deck jemals gemacht haben wirst! Ich aktiviere den besonderen Effekt meines finsteren Wiederkehrers, den er von deinem Robot-Rochen übernommen hat: Indem ich diese Karte auf meine Hand nehme, darf ich eine offene Karte, die mein Gegner kontrolliert, zerstören. Das Ziel des Zerstörungseffekts ist dein Wassertänzer Robot-Rochen!“

Leroys Kopie des Robot-Rochens führte einen mechanischen Tanz aus, mit der letzten Bewegung feuerte der finstere Wiederkehrer eine Druckwelle auf Maylas Original ab.

Maylas Rochen zersprang.

„Der Effekt des Robot-Rochens verlangt, dass ich meinen finsteren Wiederkehrer zurück auf die Hand nehme. Außerdem aktiviert sich der Effekt von Des-Virus Z und ich beschwöre dein Wassertänzer-Monster als Zombie im Angriffsmodus!“

Der finstere Wiederkehrer verschwand und an seiner Stelle gesellte sich ein Zombie-Rochen mit herabhängenden Fleischstücken an seinen flügelartigen Flossen neben den Zombie-Tintenfisch.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk, 2200Def.

Leroy hatte nun zwei Monster mit insgesamt 3400Atk im Angriffsmodus und Maylas Feld war leer.

Er lächelte selbstsicher und befahl schließlich mit einer ausladenden Armbewegung die Attacke.

„Zuerst greift dein Wassertänzer Robot-Rochen dich direkt an! Zeige keine Gnade!“

Der Zombie-Rochen fauchte wütend, während er auf das Slifermädchen zustürmte.

Mayla reagierte auf den direkten Angriff sofort:

„Noch habe ich nicht verloren. Ich decke die Fallenkarte Sprungfederfeld auf. Ich darf diese Karte aktivieren, wenn ich angegriffen werde, um so alle Monster die wir kontrollieren, auf unsere Hände zurückzuzwingen!“

Die besagte Fallenkarte deckte sich auf und der angreifende Robot-Rochen sowie Tango-Tintenfisch wurden von riesigen, aus dem Boden springenden Federn in die Luft katapultiert.

Die beiden Monster manifestierten sich dann als Monsterkarten in ihrer ursprünglichen, fröhlich bunten Form in Maylas Blatt.

Daniel ging das alles gerade zu schnell.

„Hey Fiona, warum sind den Wassertänzer Robot-Rochen und Tango-Tintenfisch zurück auf Maylas Hand gewandert? Sie standen doch unter Leroys Kontrolle?“

„Das liegt daran, dass Mayla die eigentliche Besitzerin der Karten ist“, erklärte sie ihm leise, „Sobald Karten das Feld verlassen, egal ob sie auf den Friedhof, ins Deck oder in die Hand gelegt werden, kehren sie zu ihrem eigentlichen Besitzer zurück, egal wer sie kontrolliert.“

Fiona schämte sich ein wenig dafür, dass sie am letzten Zug ihrer Freundin gezweifelt hatte.

Mayla hatte dadurch, dass sie Robot-Rochen im Verteidigungsmodus gespielt hatte, Leroy dazu verlockt seinen finsteren Wiederkehrer zurück auf die Hand zu nehmen, von wo aus das Schlammmonster nicht mehr länger spezialbeschworen werden kann.

Außerdem konnte sie sich ihren Tango-Tintenfisch zurückholen und Leroys Feld für ihren nächsten Zug komplett leerräumen.

Das war ein schlichtweg geniales Manöver gewesen.

„Du schlägst dich super, Mayla! Seinen finsteren Wiederkehrer kann er jetzt vergessen!“, jubelte Fiona ihr zu und Mayla bedankte sich mit einem Lächeln und Nicken.

Jetzt meldete sich wieder einer von Leroys Schergen zu Wort: “Unglaublich, wie sich diese peinlichen Erstjahrgänge für einen mittelmäßigen Spielzug feiern. Die Kleine duellierst du doch easy an die Wan-“

„Halt deinen Mund!“, schrie ihn Leroy wütend an, „du Nichtsnutz kannst dich nicht einmal halb so gut duellieren wie sie, also zeig ihr gegenüber mal ein wenig Respekt!“

Der Slifer gehorchte und war sofort still.

Er wandte sich wieder seiner Gegnerin zu und sein gereizter Gesichtsausdruck wich seinem herausfordernden Grinsen.

Leroy hatte bisher in jedem seiner Duelle Spaß gehabt. Es hatte ihm Spaß gemacht, schwächeren Duellantinnen und Dueallanten Angst zu machen und ihnen ihre Karten wegzunehmen.

Es hatte ihm Spaß gemacht zu gewinnen.

Aber diesmal war der Spaß anderer Natur und es fühlte sich intensiver an als je zuvor.

Er konnte nicht anders als loszulachen.

„Großartig, wirklich großartig, Mayla, aber denke nicht, dass ich auch nur einen Millimeter nachgeben werde!“, brüllte Leroy und aktivierte seine letzte gesetzte Karte, „ich aktiviere die Falle unheilige Reanimation! Mit ihr darf ein beliebiges Monster als ein Monster vom Typen Zombie aus einem unserer Friedhöfe rufen! Ich wähle deine Flamenco-Forelle!“

Vor den Füßen des Ra-Yellow tat sich ein Spalt im Boden auf, aus dem sich mit einem wilden Fauchen und Gurgeln der zombifizierte Fisch langsam erhob.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Wir befinden uns immer noch in meiner Battle Phase. Also los, Flamenco-Forelle, direkter Angriff!“

Die Forelle sauste auf Mayla zu und verpasste ihr einen pfeilschnellen Hieb mit der Schwanzflosse, der sie zum Aufschreien brachte.

Maylas Lebenspunkte: 2600 → 1000.

Mayla strauchelte und hielt sich mit großer Mühe auf den Beinen.

„Leider kann ein Monster, dass mit unheiliger Reanimation beschworen wurde, seine besonderen Effekte nicht aktivieren, allerdings darf ich dein Monster problemlos für eine Tributbeschwörung nutzen!“

Mayla, Daniel und Fiona mussten verzweifelt zusehen, wie Leroy sein stärkstes Monster wieder ins Spiel brachte.

Die kopflose Schlammkreatur stöhnte gequält, als der Junge sie im Verteidigungsmodus beschwörte.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 800Atk, 100Def.

„Mit dem ultimativen Monster an meiner Seite ist mein Sieg nur noch eine Frage der Zeit.“, sagte Leroy und lächelte, „ich bin fertig, dein Zug, Mayla.“

Sie zog.

Mayla überlegte eine Weile und ging jede Karte in ihrem Blatt durch.

„Ich setze eine Monsterkarte verdeckt und beende meinen Zug.“

Wieder sprach Daniel Fiona an.

“Ich will ja nicht negativ sein, aber so langsam muss Mayla in die Offensive gehen. Sie hat Leroy bisher keinen einzigen Lebenspunkt abgeknöpft.“, zischte er ihr leise zu um Mayla nicht unter weiteren Druck zu setzen.

„Ich denke sie hat was anderes vor. Leroy sagt zwar, dass sein Sieg eine Frage der Zeit ist, aber ich denke eher, dass die Zeit für Mayla arbeitet“, flüsterte sie.

Daniel schaute sie kurz fragend an, verstand dann aber, worauf sie hinaus wollte.

Der rötliche Nebel des Des-Virus Z war inzwischen kaum mehr zu erkennen.

„Hm, kein spannender Zug, inzwischen habe ich ehrlich gesagt mehr erwartet“, urteilte Leroy harsch und zog selbst seine nächste Karte.

„Ich beschwöre das Monster Patient Zero im Angriffsmodus.“

Eine untote Frau im weißen Krankenhausnachthemd und mit blutverschmierten Lippen erschien.

Patient Zero: Stufe 3, 1300Atk, 100Def.

„Patient Zero greift jetzt sofort dein verdecktes Monster an!“

Das Monster eilte auf die verdeckte Karte, die sich aufdeckte und als Tango-Tintenfisch herausstellte.

Die Zombiefrau biss in den gelben Tintenfisch, der diese aber gleich mit einem schnellen Tentakelschlag von sich stieß.

Leroys Lebenspunkte: 4000 → 3200.

Mayla zeigte sich erfreut darüber, Schaden angerichtet zu haben.

„Was soll der Angriff? Leroy hat doch gewusst, dass Mayla ihren Tintenfisch mit seinen 2100 Verteidigungspunkten wieder auf der Hand hatte“, dachte sich Fiona.

„Mit deinem Tango-Tintenfisch habe ich gerechnet. Deshalb aktiviere ich jetzt von meiner Hand den Schnellzauber Dominoeffekt! Dieser praktische Schnellzauber erlaubt es mir, wenn ein Spieler Kampfschaden erleidet, ein Monster dieses Spielers zu zerstören. Außerdem darf ich Effektschaden in Höhe der halben Angriffspunkte des zerstörten Monsters erteilen. Damit verabschiedet sich Patient Zero also auch schon wieder!“

Energisch spielte Leroy seinen Schnellzauber aus.

Die untote Frau schrie auf und zersprang, was eine auf Mayla zuschnellende Druckwelle auslöste.

Maylas Lebenspunkte: 1000 → 350.

Das Slifermädchen konzentrierte sich voll darauf, den Spielzug ihres Gegners zu verfolgen, sie wusste inzwischen, dass es nichts Gutes verheißt, wenn Leroy seine eigenen Monster opferte.

„Wird Patient Zero vom Feld auf den Friedhof gelegt, darf ich eine beliebige „Virus“-Fallenkarte wieder in meine Zauber- und Fallenkartenzone setzen. Ich wähle natürlich meine Lieblingsfalle, den tödlichen Des-Virus Z und gebe gleich an dich ab!“

Die besagte Falle erschien nun verdeckt auf Leroys Spielfeldseite.

Leroys Schergen grinsten breit und Mayla ballte die Hand zur Faust.

Vor nun fünf Zügen hatte Leroy seinen Des-Virus Z aktiviert und sie hatte ihr Bestes getan, um so lange im Spiel zu bleiben bis der Virus seine Wirkung verliert.

Aber ihr Gegner hatte ihre passive Strategie durchschaut und einen Weg gefunden, seine Fallenkarte einfach erneut einzusetzen.

Leroy schaute mit verschränkten Armen seine Gegnerin an.

„Wie sieht dein neuer Plan aus? Weiter auf Verteidigung spielen und hoffen, dass du nochmal fünf Züge überlebst?“, höhnte Leroy sarkastisch.

Es war allen klar, dass das keine Option war, Mayla hatte inzwischen kaum noch Lebenspunkte übrig.

Ihr war Eines klar:

Wenn sie ihr Deck behalten und die Karten der anderen Sliferneulinge zurückgewinnen wollte, musste sie das Duell im nächsten Zug gewinnen.

Voller Entschlossenheit begann Mayla den finalen Zug und wurde sofort von Leroy unterbrochen.

„Zu Beginn deines Zuges aktiviere ich die soeben gesetzte Fallenkarte Des-Virus Z und biete zur Aktivierung meinen finsteren Wiederkehrer als Tribut an! Für diesen und vier weitere Züge verlieren deine Monster 500 Angriffs- und Verteidigungspunkte und wenn sie zerstört werden, darf ich sie unter meiner Kontrolle als Monster vom Typ-Zombie beschwören!“

Die Fallenkarte deckte sich auf und Leroys Wiederkehrer zersprang.

Der rote Dunst, der für einen Moment verschwunden war, breitete sich erneut auf Maylas Spielfeldseite aus und schädigte sofort ihren Tango-Tintenfisch.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1400Atk → 900 Atk, 2100Def → 1600 Def.

Dieses Manöver von Leroy war für keinen der Duellanten oder der vier Zuschauer eine Überraschung und Mayla setzte gleich fort:

„Ich starte meinen Zug mit dem besonderen Effekt von Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Indem ich diese Karte vom Feld auf meine Hand nehme, darf ich ein Wassertänzer-Monster aus meinem Deck meiner Hand hinzufügen. Ich entscheide mich für die Flamenco-Forelle.“

Maylas Tintenfisch kehrte wie befohlen auf ihr Blatt zurück und ihr Deck mischte sich in der Dueldisk, nachdem sie eine Flamenco-Forelle herausgesucht hatte.

„Mein Tintenfisch bleibt nicht lange auf meiner Hand, ich rufe ihn gleich im Angriffsmodus“, sagte Mayla

Ihr Monster erschien erneut und musste wegen des Virus heftig keuchen.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1400Atk → 900Atk, 2100Def → 1600Def.

„Nun aktiviere ich von meiner Hand den Zauber Wassertänzer-Zugabe: Dieser tolle Zauber bringt ein beliebiges Wassertänzer-Monster vom Friedhof auf meine Hand. Danach darf ich den Typ eines meiner Wassertänzer-Monster auf dem Feld verändern. Also hole ich meine zweite Flamenco-Forelle auf die Hand und mache meinen Tintenfisch zu einem Pyro-Monster.“

Der Tintenfisch des Slifermädchens glühte rötlich und fuchtelte mit seinen Tentakeln, als sie ihre Zauberkarte aktivierte.

Mayla war noch nicht fertig.

„Da ich jetzt ein Monster vom Typ-Pyro kontrolliere, darf ich beide Flamenco-Forellen als Spezialbeschwörung rufen!

Die zwei bekleideten Fischmonster kamen mit einem kleinen Tänzchen auf das Feld.

Wassertänzer: Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Gut, du hast jetzt insgesamt drei Monster auf dem Feld. Aber deine Forellen infizieren sich ebenfalls mit dem Des-Virus!“, kommentierte Leroy und augenblicklich bildeten sich zahlreiche eitrige Blasen und Beulen auf den Fischkörpern.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: 1600Atk → 1100Atk, 300Def → 0Def.

„Das tut nichts zur Sache, meine Monster haben insgesamt noch genug Punkte, um das Duell zu gewinnen“, entgegnete Mayla, „ich greife dich mit einer meiner Forellen direkt an.“

Daniel zählte innerlich kurz die Angriffspunkte zusammen:

„Zweimal 1100 macht 2200. 2200 plus 900 macht 3100, aber Leroy hat doch 3200 Lebenspunkte“, rechnete er im Kopf, bevor ihm der Effekt von Flamenco-Forelle wieder einfiel, mit dem Mayla 1000 Schadenspunkte anrichten konnte.

Als Maylas Forelle auf Leroy zu schwamm, aktivierte er den Effekt seines Monsters.

„Du hast deinen Zug nicht zuende gedacht: Jetzt aktiviere ich den Effekt meines finsteren Wiederkehrers aus meinem Friedhof und beschwöre ihn mit den Punkten und den Effekten deiner Flamenco-Forellen.“

aus düsteren Schlammklumpen formierte sich das Monster des Ra-Schülers und Maylas Forelle stand nun ihrer dunklen Kopie gegenüber.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 1100Atk, 0Def.

„Wenn du mein Monster angreifst, zerstört sich gleichzeitig deine Forelle. Dann aktiviert sich der Effekt von Des-Virus Z und ich darf sie mit voller Kraft beschwören, sodass deine zweite Forelle sie nicht besiegen kann. Wenn du aber nicht angreifst, werde ich einfach den kopierten Effekt des Wiederkehrers nutzen um im nächsten Zug zu gewinnen!“, erklärte Leroy seiner Gegnerin, “Egal was du tust, ich nutze ich den Effekt von Flamenco-Forelle gegen dich und lösche deine restlichen Lebenspunkte aus! Du verlierst das Duell und dein Deck noch gleich dazu!“

Leroy gab sich selbstbewusst wie immer, aber seine Gedanken gingen in eine ganz andere Richtung.

Im Duellverlauf hatte ihn Mayla schon mehrfach überrascht und sie hatte neben ihren zwei Muscheln und dem Robot-Rochen noch exakt eine Karte in der Hand, die Leroy nicht kannte.

„Zeig mir ein letztes Mal, wie du das Spiel wenden kannst, Mayla. Ich will deine ganze Entschlossenheit spüren!“, dachte er sich und wartete gespannt auf die eine Karte, die das Mädchen noch retten könnte.

Daniel, Fiona und Leroys Slifer-Komplizen schaut still, aber hoch angespannt zu.

Mayla traf jetzt ihre finale Entscheidung.

„Aus meiner Hand aktiviere ich die letzte Karte dieses Duells: Den Schnellzauber Wassertänzer-Shuffle.“, sagte sie, zeigte die Karte vor und aktivierte sie dann.

„Mit dieser Karte darf ich ein Wassertänzer-Monster von meiner Hand spezialbeschwören, indem ich ein anderes Wassertänzer-Monster auf die Hand nehme. Damit tausche ich die angreifende Forelle gegen meinen Robot-Rochen aus. Außerdem verändere ich den Typen meiner zweiten Forelle und mache es so zu einer Fee.“

Der erste Fisch verschwand und wurde durch den sich mit einem mechanischen Tanz präsentierenden Rochen ersetzt, der gleich unter der Virus-Wolke leiden musste.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk → 1500Atk, 2200Def → 1700Def.

Gleichzeitig wandelte sich das rote Kleid der Flamenco-Forelle zu einem längeren, weißen Gewand.

Ein greller Lichtschein bedeckte ihre Wunden und ihr wuchsen schließlich kleine Engelsflügelchen.

„Robot-Rochen: Besiege den finsteren Wiederkehrer mit der rabiaten Rammattacke!“

Wie befohlen zerstörte der Rochen Leroys Monster.

Der Junge stöhnte, als er seine Lebenspunkte verlor.

Leroys Lebenspunkte: 3200 → 2800.

Er hatte nun keine Monster mehr, die ihn vor einem direkten Angriff schützen konnten, was Mayla gleich ausnutzte.

„Flamenco-Forelle und Tango-Tintenfisch, greift Leroy nun direkt an! Ich möchte eine furiose Flossenschelle und den Tentakel-Tumult sehen!“

Die angesprochenen Monster gehorchten und griffen Leroy gleichzeitig an, der, bereits durch die vorherige Attacke geschwächt, ins Straucheln geriet.

Leroys Lebenspunkte: 2800 → 800.

„Es ist Zeit für den grandiosen Schlussakt, Leroy: Meine Forelle kehrt auf die Hand zurück. So darf sie dir 1000 Punkte Schaden zufügen!“

Der Feen-Fisch verabschiedete sich mit einem kurzen Himmelsgesang und hinterließ einen wachsenden Feuerball.

Der Ball wuchs an uns schoss schließlich auf Leroy hinab, der von der Wucht der Explosion umgeworfen wurde.

Leroys Lebenspunkte: 800 → 0.

„Boss!“, riefen beide Schergen entsetzt und halfen den am Boden liegenden Duellanten sofort hoch.

Mayla seufzte erleichtert, während sie ihre Dueldisk deaktivierte. Dies war das bisher härteste Duell ihres Lebens gewesen, das war sicher.

Plötzlich spürte sie, wie etwas oder vielmehr jemand sie von der Seite beinahe umstieß.

Fiona war auf sie zugerannt und hatte ihre Freundin gleich umarmt.

„Unglaublich, wirklich, du hast gekämpft wie ein Profi!“, jauchzte sie voller Freude und presste die kleine Mayla deutlich zu fest an sich.

An sich war eine Umarmung genau das, was Mayla gerade brauchte, aber Fiona hat wohl nicht daran gedacht, wie ausgepowert sie gerade war.

Auch Daniel konnte es nicht fassen.

Mayla hatte es tatsächlich geschafft.

Der berüchtigte Zombieduellant, Leroy der Wiederkehrer war gefallen und musste nun allen ihre Karten wiedergeben.

Leroy war inzwischen aufgestanden, strich sich eine ihm im Gesicht hängende Strähne wieder zurück und klopfte einige an der Uniform hängende Grashalme ab.

Er schien erstaunlicherweise nicht sonderlich wütend über seine Niederlage zu sein.

Er deaktivierte seine Disk und holte eine handvoll Duel-Monsters-Karten aus seiner am Gürtel hängenden Deckbox heraus.

Leroy ging auf Mayla zu und reichte ihr die Karten, woraufhin sie die Karten kurz durchzählte.

„Das sind aber nicht alle, oder? Ich weiß, dass du mindestens fünfzehn Akademieneulinge besiegt hast.“, fragte sie ihn.

„Das tut mir Leid“, sagte Leroy ehrlich, „das sind leider alle, die ich noch habe. Den Rest habe ich bereits Kevin gegeben. Aber...“

Er stockte kurz, drehte sich danach aber zu den Slifern aus dem zweiten Jahrgang um.

„Hey, Jungs! Her mit eurem Anteil, aber plötzlich!“, brüllte er.

„Wie bitte?“

„Boss, das kann doch nicht dein Ernst sein?!“

Doch es war sein Ernst.

„Ich rate mal, ihr wollt auf der Akademie bleiben? Das könnte sich aber als schwierig gestalten, wenn ich dem Lehrerstab erzähle, wie oft ihr in letzter Zeit gegen die Nachtruhe verstoßen habt.“, drohte er.

Zerknirscht gingen die beiden auf Leroy zu, drückten ihm jeweils drei Karten in die Hand und machten sich dann wortlos auf in Richtung Slifer-Red-Unterkunft.

Der Ra-Yellow-Schüler gab noch ein paar Karten aus einer zweiten Deckbox aus seiner Brusttasche dazu und drückte die Karten in Maylas andere Hand.

„Das sind die Karten, die ich von Kevin bekommen habe“, erklärte er, “Gib sie ihm und er gibt dir dafür vielleicht die seltenen Karten zurück, die ich mit getauscht habe.“

Daniel gesellte sich nun zu den dreien dazu:

„Wer ist denn dieser Kevin, von dem du ständig erzählst? Ich habe noch nie von dem Typen gehört. Ihr etwa?“

Auch Fiona und Mayla zuckten mit den Schultern.

Leroy erhob erstaunt die Augenbrauen.

„Na, Kevin! DER Kevin. Mann, der war zu meiner Slifer-Zeit noch bekannter als ich! Kevin ist wahrscheinlich der Schüler mit der größten Kartensammlung auf der ganzen Insel!“

Er kontrollierte die Gesichter der drei Slifer-Neulinge, aber keiner kannte ihn.

Er seufzte.

„Slifer-Red, zweiter Jahrgang, meistens auf seinem Einzelzimmer. Fragt notfalls einen von meinen Schwachköpfen.“, sagte er und spielte auf seine Komplizen an, „Seid aber vorsichtig, Kevin ist ein Opportunist durch und durch und alles andere als vertrauenswürdig.“

„Na, das sagt ja der Richtige!“, platzte es aus Fiona heraus und Leroy lachte ein wenig verlegen.

„Mir tut der ganze Ärger Leid, den ich euch bereitet habe, besonders dir, Mayla. Nimm das als kleine Wiedergutmachung.“

Leroy hielt ihr eine Karte entgegen, aber Mayla hatte noch beide Hände voll.

Sie schaute hektisch nach links und rechts, bevor Daniel und Fiona ihr die Kartenstapel abnahmen und Leroy schmunzelte ein wenig.

Mayla nahm sie.

Es war eine Zauberkarte.

„Gegen den Strom“, las Mayla leise, „ist das -?“

„Nein, nein“, winkte Leroy ab, „das ist kein Diebesgut. Aber ich denke, die Karte passt gut in dein Deck.“

Er stockte kurz.

„Mayla, du bist eine der besten Duellantinnen, die ich bisher erlebt habe und das sage ich nicht so daher. Hier an der Akademie gibt es viele Leute, die von ihrem Ehrgeiz ergriffen werden. Sie vergessen was es heißt wahren Spaß an einem Duell zu haben, den Nervenkitzel, der entsteht, wenn man im Kampf ausgetrickst wird. Sie vergessen wie intensiv die Bindung eines Duellanten zu seinem Deck ist und letztlich vergessen sie auch, wie weh es tut, wenn man diese Bindung mit Gewalt aufbricht. Aber Menschen wie du haben die besondere Fähigkeit Menschen wie mich wieder an all diese Dinge zu erinnern. Deshalb will ich dich unterstützen. Wenn die Halbjahresprüfung kommt, musst du alles geben und ebenfalls ein Ra werden. Und wenn du das geschafft hast, will ich eine Revanche. Auf die faire Tour, natürlich, keine Erpressereien oder Wetteinsätze.“

Nach der längeren Ansprache hätte Fiona Leroy am liebsten sarkastisch gefragt, ob er endlich fertig sei, aber ihr fiel auf, dass Mayla Leroys Anerkennung sichtlich gut tat.

Mayla sah ihn an und nickte.

„Ich freue mich schon darauf. Habe vielen Dank!“, sagte sie.

Es war schon spät geworden und die zurückgewonnen Karten sollten gemäß des Versprechens noch heute Nacht wieder ihren eigentlichen Besitzern übergeben werden.

Die drei Slifer verabschiedeten sich und machten sich auf den Weg zu ihrer Unterkunft.
 


 

°°°
 


 

„Hmpf, also wenn ihr mich fragt, hätte dieser Leroy ne saftige Strafe verdient“, bemerkte Fiona auf dem halben Rückweg, „Wenn unsere Mayla ihn nicht besiegt hätte, dann hätten er und seine doofen Kumpels noch das ganze Schuljahr über Mitschüler rausgelockt und um ihre Karten gebracht.“

„Also, ich glaube, dass ihm die Sache wirklich leid tat. Er wirkte aufrichtig und ich wüsste nicht welchen Sinn da eine Strafe noch groß haben soll, wenn er es so oder so nie wieder tun wird. Das schafft dann nur unnötiges Leid“, argumentierte Mayla.

Fiona Verstand Maylas Gedankengang, aber es kam ihr dennoch ungerecht vor, dass es für Leroy für das Erpressen von Mitschülern am Ende gar keine Konsequenzen gab.

„Mayla, manchmal finde ich dich ziemlich naiv!“

Daniel nahm an der Stelle Mayla gleich in Schutz:

„Mayla hat eben bewiesen, dass sie ganz und gar nicht naiv ist, sondern eine abgebrühte Superduellantin. Außerdem hat sie im Gegensatz zu uns den Mut gehabt das zu tun, was richtig ist!“

Mayla wurde wieder ganz rot.

„Habe vielen Dank, Daniel, aber so viele Komplimente machen mich etwas verlegen“, druckste sie.

„Tja, Pech gehabt. Wer einfach mir nichts dir nichts sein Deck zum Wohl anderer riskiert und Ras aus dem zweiten Jahrgang besiegt, muss meine Bewunderung eben über sich ergehen lassen.“, konterte Daniel und grinste Mayla dabei frech an.

„Warum hast du eigentlich deine Flamenco-Forelle am Ende zu einem Feen-Monster gemacht? Der Typ von dem Monster war doch am Ende völlig egal?“, fragte Fiona.

Mayla antwortete etwas trotzig: “Das war gar nicht egal. Ich finde, dass meine Forelle als Fee total niedlich aussieht. Das ist auch wichtig.“

Fiona und Daniel verkniffen sich unter schwersten Mühen ein Lachen über Maylas unorthodoxe Prioritäten.

Sie standen nun wieder vor der Sliferunterkunft.

Daniel kramte aus seiner Hosentasche eine Liste mit Namen von Slifer-Schülern und Duel-Monsters-Karten.

„Die habe ich heute Nachmittag angefertigt, als Erin angekündigt hatte, Leroy zu besiegen.“, erklärte er und warf dann einen Blick auf sein Smartphone, woraufhin er sich korrigierte, „gestern Nachmittag. Wer von euch beiden hilft mir beim Verteilen?“

Die Mädchen schauten ihn beide fragend an.

„Ich kann ja schlecht nach Mitternacht im Mädchenflügel rumspazieren und Leroys Opfer wachklopfen.“, erklärte Daniel und Mayla und Fiona verstanden sein Problem.

Die hilfsbereite Mayla meldete sich freiwillig, wofür Fiona heimlich sehr dankbar war, denn inzwischen konnte sie sich kaum noch wach halten.

Während sie den Flur entlang zum Dreierzimmer ging, konnte sie es kaum erwarten sich endlich in ihr Bett zu legen.

Im Zimmer angekommen sah Fiona, dass Erin sanft schnarchend mit dem Kopf auf dem Schreibtisch lag. Das Licht brannte noch immer und selbst der Stift war noch in ihrer rechten Hand.

Erin muss während des Schreibens vor Erschöpfung eingeschlafen sein.

So leise wie möglich schlich sich Fiona an den Schreibtisch und stolperte dabei im Halbdunkel fast über den auf dem Zimmerboden liegenden Haufen ihrer eigenen getragenen Uniformen.

Am Schreibtisch angekommen zog Fiona dann vorsichtig die von Erin geschriebenen Seiten unter ihrem Arm hervor und überflog Erins Aufsatz.

Von den mindestens acht Seiten hatte Erin etwas über sechs geschrieben, bevor sie nicht mehr konnte.

Fiona stand vor der schlafenden Erin, mit den Händen an die Hüfte gestützt und überlegte, ob sie ihre Freundin nicht wecken sollte.
 


 

°°°
 


 

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker viel zu früh für die drei Mädchen.

Normalerweise würde Mayla aufstehen, um den Wecker auf dem Schreibtisch auszuschalten, da sie in der untersten Etage schlief, aber Erin war aufgrund ihres ungewöhnlichen Schlafplatzes ausnahmsweise näher am Wecker dran.

Erin rieb sich den Augen und stand auf, um sich zu ihren Freundinnen umzudrehen, wobei ihr sofort ein stechender Schmerz durch den Rücken fuhr.

„Ich werde nie wieder auf so einem dämlichen Holzstuhl schlafen!“, nahm sich Erin in ihren Gedanken vor.

Sie kniete sich runter zu Mayla, die noch in ihrem Bett lag und es kaum fertig brachte die Augen zu öffnen.

„Guten Morgen, Mayla. Wie ist dein Duell gestern ausgegangen? Ich hoffe doch, dass ich mein Deck noch besitze.“, fragte Erin neugierig nach.

„Hmgwonn“,nuschelte Mayla, die noch recht schlaftrunken war.

Erin freute sich riesig: „Du hast es geschafft? Wow, Mayla, du bist die Allerbeste! Eine richtige Heldin, du -“

„Mja, mja!“, entgegnete Mayla uncharakteristisch genervt und drehte sich gleich von Erin weg.

„Das musst du ihr vergeben, Erin.“, meldete sich die deutlich fittere Fiona zu Wort und kletterte aus der mittleren Etage hinab.

„Sie hat wie versprochen gestern noch den anderen Slifern ihre Karten zurückgegeben und musste sich zigmal anhören, wie großartig sie doch sei. Das wurde ihr glaube ich einfach zu viel des Guten.“

Erin konnte das nachvollziehen, sie wusste inzwischen, dass was Dank angeht Mayla ein wenig eigen war: Sie konnte prima Dankeschöns austeilen aber kaum welche einstecken.

Sie wechselte das Thema:

„Guten Morgen, Fiona. Weißt du, wo mein Aufsatz ist? Ich bin mir recht sicher, den gestern fertig geschrieben zu haben, aber auf dem Schreibtisch liegt der nicht mehr.“

Fiona schmunzelte.

“Ich habe ihn in deinen Rucksack gelegt, damit du ihn nicht im Schlaf versehentlich vollsabberst, oder so.“, stichelte sie.

Ein wenig beleidigt holte Erin insgesamt acht nummerierte Seiten aus dem Rucksack und stellte erstaunt fest, dass die letzten paar Sätze nicht von ihr stammten.

„Im Gegensatz zu unserer kleinen Schlafmütze kann ich mit Komplimenten umgehen, also Erin, ich bin ganz Ohr!“

„Hmpf! Hmpfbah!“, beschwerte sich die immer noch vor sich hin dösende Mayla.

„Danke! Wirklich, vielen Dank, Fiona!“, antwortete Erin und umarmte ihre Freundin sogleich.

„War ne Heidenarbeit deine Schrift halbwegs zu imitieren. Außerdem durfte ich deine letzte Seite komplett abschreiben, weil du am Ende kaum ein fehlerfreies Wort zustande gebracht hast, du Expertin!“, rügte Fiona spielerisch.

Während Erin sich das von Fiona geschriebene Ende durchlas, schnappte sich Fiona schonmal ihre Bürste, um ein wenig Ordnung in ihre feuerrote Lockenpracht zu bringen.

Als sie sah, dass Erin fertig gelesen hatte, wurde sie ein wenig ernster.

„“Duellieren bedeutet für mich neue Erinnerungen zu schaffen“, hast du geschrieben. Den Satz fand ich echt cool. Klingt megatiefgründig. Da hast du dir richtig Gedanken gemacht, was?“

Erin schaute traurig an Fiona vorbei, als sie ihr antwortete:

„Meine Mutter verstarb kurz nach meiner Geburt und ich habe auch keine älteren Geschwister oder Onkel oder Tanten. Ich wuchs also alleine mit meinem Vater auf und ich glaube, er war ein echt toller Vater. Dann, in einer Nacht vor etwa sechs Jahren gab es einen schrecklichen Brand in unserem Viertel. Auch mein Haus wurde komplett vom Feuer verschlungen. Mein Vater hatte mich wahrscheinlich durch das brennende Haus getragen und ist dann kurze Zeit später an seinen Brandverletzungen gestorben. Seitdem leide ich wohl an einer Art retrograden Amnesie. Ich kann mich also nur sehr schwer an etwas vor diesem Feuer erinnern. Ich habe keine Ahnung, wie meine Eltern klangen, rochen oder sich anfühlten. Ihr Aussehen kenne ich größtenteils von Bildern aus dem Fotoalbum meiner Oma. Manchmal gibt mir das das Gefühl nur ein halber Mensch zu sein, weil ich bisher nur Erfahrungen aus einem halben Leben habe, weißt du? Deshalb ist jede neue Erinnerung, die ich mir schaffe, so wertvoll für mich und außerdem...-“, Erin fasste sich an die um die Hüfte geschnallte Deckbox, „außerdem ist mein Deck, das Donnerklang-Deck, das Deck, das meine Mutter in ihrer Zeit als Duellantin benutzt hat. Auch wenn ich sie nie kennenlernen durfte, es gibt mir das Gefühl mit ihr verbunden zu sein. Dass sie auf diese Weise immer bei mir ist, weißt du?“

Fiona schluckte und Erin war den Tränen hörbar nahe.

Erins persönliche Geschichte war ihr definitiv zu heavy, erst recht um 6.30 Uhr am Morgen.

Trotzdem musste Fiona nun einfach nachhaken:

"Und obwohl dir dein Deck so wichtig ist, warst du dazu bereit es als Einsatz gegen Leroy zu verwetten?"

Erin nickte und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

"Natürlich war ich das. Oma hat mir immer gesagt, dass für meine Mutter andere Menschen immer Vorrang hatten. Sie war eine überaus hilfsbereite, wenn nicht selbstlose Person. Wenn ich nicht genauso bereit wäre anderen zu helfen, dann hätte ich das Donnerklang-Deck sowieso nicht verdient."

Ohne etwas zu sagen, nahm Fiona ihre Freundin wieder in den Arm.

Es war still im Raum, nur das Rascheln von Maylas Decke war zu hören.

Nach einer kurzen Weile, löste sich Erin aus der Umarmung.

„Danke, Fiona, ich glaube, es geht wieder,“, sagte sie mit einem leisen Schluchzen, „außerdem müssen wir uns langsam fertig für den Unterricht machen und Mayla wach bekommen.“

Erin wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Sie sah auf ihre noch dösende Freundin hinab und konnte in diesem Moment nicht anders als Mayla zu bewundern.

Sie war stark und das nicht nur als Duellantin.

Im Gegensatz zu Erin, die zumindest noch wenige vage Erinnerungen an die Zeit mit ihrem Vater und ihre geliebte Oma hatte, war Mayla von Anfang an alleine gewesen.

Und nochmal im Gegensatz zu Erin konnte sie von ihrer Kindheit im Heim erzählen, ohne sofort in Tränen auszubrechen.

Sie war wirklich stark.

Fiona grinste das schlafende Mädchen diabolisch an.

„Ich habe da eine Idee, wie wir sie wach kriegen, die Methode hat bei meinen kleinen Brüdern immer Wunder gewirkt.“, sagte sie geheimnisvoll, während sie sich an Maylas Fußende stellte.

„Pass auf, hier lernst du was, Erin!“, kündigte sie an und entriss der quengeligen Freundin mit einem flinken Ruck die Bettdecke.

Mayla stand fluchend auf und Erin und Fiona konnten nicht anders als loszulachen.
 

____________
 

Neue Karten:
 

Monster:
 

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def, Typ Fisch, Attribut Wasser, Effekt:

(1)Wenn du ein Monster vom Typ Maschine kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören, indem du ein Monster vom Typ Maschine, das du kontrollierst deiner Hand zufügst. (2) Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Wähle eine offene Karte, die dein Gegner kontrolliert: Zerstöre sie.

Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Spielzug aktivieren.
 

Patient Zero: Stufe 3, 1300Atk, 100Def, Typ Zombie, Attribut Finsternis, Effekt:

Einmal pro Zug, wenn diese Karte vom Feld auf den Friedhof gelegt wird: Du darfst eine beliebige „Virus“-Fallenkarte aus deinem Friedhof aufs Feld setzen.
 

Zauberkarten:
 

Wassertänzer-Shuffle: Schnellzauber:

Wähle ein „Wassertänzer“-Monster, dass du kontrollierst: Füge es deiner Hand zu. Wähle dann ein „Wassertänzer“-Monster in deiner Hand und beschwöre es als Spezialbeschwörung. Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.
 

Dominoeffekt: Schnellzauber

Wenn ein Spieler Kampfschaden erleidet: Zerstöre ein Monster, dass dieser Spieler kontrolliert.. Füge deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Atk des zerstörten Monsters zu.
 

Fallenkarten:
 

Wassertänzer-Ausfallschritt: Konterfalle

Wenn eine Karte, die dein Gegner kontrolliert eine „Wassertänzer“-Karte, die du kontrollierst zum Ziel nimmt: Negiere den Effekt dieser Karte und zerstöre sie.

Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.
 

Spiegelbarriere: Konterfalle:

Wenn ein Effekt einer Monsterkarte, die dein Gegner kontrolliert eine oder mehr Karte(n) zerstören würde, die du kontrollierst: Negiere den Effekt dieser Karte und zerstöre sie.
 

Sprungfederfeld: Normale Falle:

Wenn ein Monster, das dein Gegner kontrolliert einen Angriff deklariert:, füge alle Monster auf dem Feld den Händen ihrer Besitzer zu.
 

Unheilige Reanimation: Normale Falle:

Wähle ein Monster von deinem Friedhof oder dem Friedhof deines Gegners. Beschwöre das Ziel als Spezialbeschwörung. Ändere den Typen dieses Monsters zu Zombie. Negiere die Effekte dieses Monsters.

Kevin der Kartenhändler

Es war ruhig und düster in den Hallen der Sliferunterkunft.

Daniel und Mayla waren gerade damit fertig geworden ihren Mitschülern die von Leroy ergaunerten seltensten Karten zurückzugeben.

Mayla wollte gar nicht wissen wie spät es war, aber es war deutlich nach Mitternacht und sie war todmüde.

Beide standen sich nun alleine auf dem Gemeinschaftsflur, der die Unterkunft in den Mädchenflügel und den Jungenflügel spaltete, gegenüber und Daniel ging die von ihm selbst angefertigte Rückgabeliste noch einmal durch.

„Also, bei den Mädchen fehlen noch Saras Riesenlöwin, Svenjas Hohe Transformationsmagie, Ugurs ESPion, Leslies Spinnenkönigin Arachne und Deborahs Feuersäulenwall, stimmt das?“, fragte Daniel nach und Mayla bestätigte mit einem Nicken.

„Gut, den Jungen fehlen noch folgende Karten: Nicos Schwert aus eintausend Schlachten, Jonas Modusbeschränkungsgebiet 2, Ahmads Kristallmotte und das Level-Plus-Feld von Tim“, sagte er, während er auf seiner Liste zahlreiche Häkchen machte,“das sind insgesamt neun Karten, korrekt?“

„Ja, das kommt hin. Leroy hatte mir ebenfalls neun Karten gegeben, die ich dann bei diesem Kevin wieder zurücktauschen soll. Aber ich denke, darum kann sich auch Erin oder Fiona kümmern, ich reiche ihnen dann deine Liste weiter“, antwortete Mayla und gähnte.

Daniel lächelte mild und faltete den Zettel mit den Kartennamen und ihren Besitzern, um ihn Mayla zu geben.

„Alles klar, habe nochmal vielen Dank. Ich weiß nicht, wie ich mich jemals für deinen Einsatz angemessen revanchieren kann.“

Daniel schaute sie liebevoll an und Mayla verlor sich in seinen eisblauen Augen.

Das Mädchen schluckte und erschreckte sich plötzlich.

Sie war wieder hellwach.

Daniel und Mayla hielten beide den Zettel und sie bemerkte, wie sich ihre Fingerkuppen sanft berührten.

Der Junge griff vorsichtig nach ihrer Hand.

Mayla errötete und erstarrte, als sein Damen ihren Handrücken streichelte, aber es fühlte sich gut und richtig für sie an.

„Ich finde dich ehrlich großartig. Du bist das liebste, hilfsbereiteste und mutigste Mädchen, das ich kenne und“, seine Hand glitt nun von Maylas Hand hoch zu ihrer Schulter, „ich will dich gerne noch mehr kennenlernen. Geht es dir mit mir genauso?“

Maylas Körper erstarrte und ein intensives Kribbeln schoss durch ihre Glieder.

„JA! JA, MIR GEHT ES GENAUSO!“, wollte sie schreien, aber sie brachte nur ein nervöses Lächeln und ein Nicken zustande.

Daniel wirkte viel souveräner.

„Das ist schön.“, sagte er mild und lehnte sich ein wenig zu ihr runter, sodass sich beide an der Stirn berührten.

Er schloss seine wundervollen blauen Augen und Mayla verstand, was er vorhatte.

Sie schloss ebenfalls die Augen und spitzte die Lippen.

Doch anstatt nun seinen Kuss zu spüren, merkte sie ein hastiges Tippen auf ihrer Schulter.

Sie öffnete ihre Augen wieder und stellte verwirrt fest, wie Daniel sie immer schneller und heftiger antippte.

„Daniel, was soll das denn? Das tut gerade etwas weh!“, beschwerte sie sich, aber er hörte nicht auf.

„Daniel!“

„Mayla!“, zischte er, mach die Augen auf, der Althus ist gleich bei uns!“

Mayla öffnete die Augen und fand sich zwischen Fiona und Erin, die inzwischen aufgehört hatte sie anzustupsen, wieder.

Gemeinsam mit den anderen Slifer-Schülern des ersten Jahrgangs saßen die drei im Klassenzimmer, während Herr Althus von Tisch zu Tisch ging und eilig Zettel verteilte.

Als Mayla ihren Zettel erhielt, schaute sie nicht schlecht.

Auf den Blättern war lediglich eine URL, sowie ein vorgegebener Benutzername und Passwort abgedruckt. „Unsere Anmeldedaten für das Akademieportal.“, erklärte Fiona ihr kurz.

Mit ihren tief hängenden Augenlidern und ihren Kopf auf beide Unterarme gestützt, wirkte sie so, als würde sie selbst gleich einschlafen.

„Du hast total süß gelächelt, als du eben gedöst hast. Hast du was Schönes geträumt?“, fragte Erin ihre Freundin neugierig.

Das hatte sie in der Tat.

Leider war der Abend nur halb wie im Traum abgelaufen:

Daniel war sofort verlegen zurückgewichen, als er bemerkte, dass seine Finger ihre berührten.

Danach wünschte er ihr lediglich eine gute Nacht und ging still auf sein Zimmer.

Mayla blickte sehnsüchtig in seine Richtung, er saß eine Reihe weiter vorne und kämpfte sichtlich selbst gegen das Einschlafen.

„So ein Feigling!“, schimpfte das Mädchen in ihren Gedanken, „Aber er ist ein niedlicher Feigling.“

Der Hauslehrer hatte nun alle Daten ausgeteilt und räusperte sich.

„Meldet euch am besten heute noch im Portal an. Von dort aus könnt ihr euren neuen Stundenplan, sowie den Vertretungsplan einsehen, wichtige Prüfungstermine verwalten, euren Notenspiegel errechnen und auf die GY-Datenbank zugreifen.“, zählte er in seiner üblichen, monotonen Stimmlage auf.

Heute war die letzte Stunde des Vorunterrichts und die drei Freundinnen waren über diesen Umstand sehr erfreut.

Im Gegensatz zum tatsächlichen Unterricht, der ab nächster Woche beginnen würde und bei dem häuserübergreifend alle Schüler des Jahrgangs teilnehmen würden, gab es speziell für die neuen Slifer in den zwei Wochen zuvor zusätzlichen Vorunterricht.

Die meisten Slifer hatten ihre Probeduelle mehr schlecht als recht bestanden, deshalb wurden ihnen, bevor der normale Akademiebetrieb nach den Sommerferien wieder losging, die absoluten Grundlagen beigebracht.

Fragen wie „Wann kann man eine Normalbeschwörung durchführen?“, „Was ist eine permanente Fallenkarte?“ und „Was ist der Unterschied zwischen „zerstören“ und „auf den Friedhof senden“?“, waren für fast alle Slifer-Neulinge schwer zu beantworten und es ergab Sinn, dass man diese Fragen mit ihnen vor dem eigentlichen Unterricht bespricht.

Doch für Erin, Mayla und Fiona war der Vorunterricht viel zu einfach und deshalb zum Gähnen langweilig gewesen und obwohl alle drei sich bemühten, Herrn Althus durchgehend zuzuhören und sich zu beteiligen, gelang dies meist lediglich nur Fiona.

„ich werde eure Noten für die Aufsätze bis Ende nächster Woche hochladen, wie erwähnt fließen sie zu 5% in eure Jahresendnote im Fach „Einführung in die allgemeine Duellphilosophie“ ein. Gibt es noch Fragen?“

Herr Althus warf einen weiten Blick durch den Raum.

Niemand meldete sich.

Er erlöste dann schließlich seine Schüler: „Gut, dann beende ich hiermit die Stunde und wünsche euch allen für die kommenden drei Jahre viel Spaß und Lernerfolg! Habt ein schönes Wochenende!“

Die gesamte Klasse stand nun auf und es wurde laut im Zimmer.

Auch Daniel stand auf.

Er schaute für einen Augenblick links hinter sich zur noch sitzenden Mayla und lächelte sie kurz an, bevor er mit seinen Freunden den Klassenraum verließ.

Dies entging Erins scharfen Blick nicht:“Oha, ich glaube da mag dich jemand.“, sagte sie zu Mayla ein wenig stichelnd.

„Meinst du wirklich?“

„Aber klar doch! Der war auch immer wenn wir uns nach dem Unterricht duelliert haben voll gegen mich. Das hat man doch bemerkt, wie Daniel dich insgeheim anfeuert.“

„Ach, ist das die neueste Art, sich seine Niederlagen schön zu reden? Man hat nur verloren, weil die Zuschauer gegen einen sind?“, fragte Fiona sarkastisch nach, um Erin ein wenig zu ärgern.

Sie streckte ihr die Zunge raus.

Die drei Mädchen machten sich auf und gingen hinter den anderen Mitschülern hinterher den Flur zu ihren Zimmern entlang.

„Lasst uns mal gleich unseren Stundenplan ansehen, bevor wir schlafen. Ich habe von Zuhause meinen Laptop mitgenommen, darauf können wir uns den gemeinsam angucken.“, schlug Fiona vor.

Erin und Mayla stimmten ihr zu.

Insbesondere Fiona und Mayla waren sehr müde und hatten von der letzten Nacht noch eine Menge Schlaf nachzuholen.

Erin war zwar nicht dabei gewesen, hatte sich aber in den Pausen von ihren Freundinnen die gestrigen Ereignisse nacherzählen lassen und konnte deshalb nachvollziehen, warum beide so erschöpft waren.

Im Zimmer angekommen, kramte Fiona wir besprochen ihren Laptop aus dem Rucksack und stellte ihn auf den Schreibtisch.

Sie saß auf dem Stuhl und Erin und Mayla schauten gebannt auf den Bildschirm, während Fiona die URL sowie ihren Benutzernamen und ihr Kennwort einhämmerte.

Die etwas unübersichtliche Schulhomepage öffnete sich und Fiona ging gleich auf den Reiter „Mein Stundenplan“.

Erin ächzte:“Das sind ja mindestens dreimal so viele Stunden wie bisher! Und guck dir das an! Jeden Tag geht der Unterricht schon um halb acht los! Nicht ein einziges Mal ausschlafen unter der Woche!“

Auch Mayla schaute alles andere als begeistert, als sie ihren künftigen Akademiealltag sah, lediglich Fiona schien sich nicht daran zu stören.

„Also ich finde den Plan gut, da lernen wir dann wenigstens wirklich was.“, sagte sie salopp.

Erin seufzte:“Wenn wir nicht zu viele Hausaufgaben bekommen, ist der Stundenplan vielleicht wirklich noch okay. Erstmal abwarten. Aber mich interessieren jetzt vielmehr unsere ersten GY-Scores. Rufe mal bitte die Datenbank ab, Fiona!“

Nach ein paar Mausklicks öffnete sich ein neues Fenster, gefüllt mit in rot, gelb und blau hinterlegten Tabellen und unzähligen Namen und Zahlen.

„Was sind denn diese Zahlen? Sind das diese GY-Scores? Sind das schon unsere ersten Noten?“, fragte Mayla ihre Freundinnen verwirrt.

„Ähm, also, das war irgendwas mit „Games yielding“, das Konzept kommt wohl von englischsprachigen Akademien...glaube ich. Und es hat irgendwas mit... Duellen zu tun?“, stammelte Fiona unsicher.

„Mädels! Das hat Herr Althus uns doch eben ausführlich erklärt!“, stellte Erin leicht erschrocken fest, „Habt ihr das beide verpennt?“

Beide schauten still und beschämt von Erin weg, was ihre Frage beantwortete.

Erin erklärte: „Unsere Duelldisks leiten automatisch Informationen über unsere Duelle weiter, die die Akademie abrufen und speichern kann. Das gab es wohl schon seit die Akademie vor acht Jahren Jahren eröffnet wurde. Aus diesen Daten wird für jeden Schüler ein GY-Score errechnet, der im Grunde besagt, wie stark sie oder er sich duelliert. Wenn man ein Duell gewinnt, bekommt man ein paar Punkte vom Gegner, wenn man verliert, verliert man auch Punkte. Bei einem Unentschieden verliert der Spieler ein paar Punkte, der den höheren Score hat. Neue Duellanten starten mit einem GY-Score von 1000. Mit den Noten haben die Scores nichts zu tun, sie dienen hauptsächlich dazu, dass Schüler sich untereinander vergleichen können und um unseren Ehrgeiz zu wecken.“

„Also bei mir hat das mit dem Ehrgeiz geklappt! Mal sehen, wieviele Punkte ich schon gesammelt habe“, sagte Fiona und las leise mit, während sie ihren Namen in die Suchmaske eintippte.“Fiona...Lena...Scholte. Und Enter!“

Sie grinste.

Ihr Name erschien rot hinterlegt, da sie zum Haus Slifer Red gehörte. Daneben eine 1 unter „Jahrgang“, und unter „GY-Score“ stand eine 1122.

„Das ist ja spitze. Herzlichen Glückwunsch, Fiona. Aber wie hast du denn in zwei Wochen über 120 Punkte dazu gewonnen? Du duellierst dich ja kaum.“, stellte Mayla fest.

„Ach, hin und wieder hat mich auf dem Sliferplatz auch mal jemand aus unserer Klasse herausgefordert. Dann sag ich auch nicht nein. Ich habe bisher einfach noch kein Duell verloren.“, antwortete sie nicht ohne einen gewissen Stolz.

„Oh! Fiona, schau mal rechts neben dem Score, unter „Platzierung Jahrgang/Haus“!“, sagte Erin aufgeregt und zeigte auf den Laptopbildschirm.

Fiona sah sich ihre Daten an und entdeckte unter der besagten Platzierung eine 2.

„Moment, heißt das, dass ich die zweitbeste Duellantin im ersten Jahrgang im Slifer-Haus bin?!“, fragte Fiona verdutzt.

Sie stellte gleich zur Überprüfung die Suchfunktion so um, dass alle neuen Slifer-Red Duellanten angezeigt wurden.

Tatsächlich, oben, an zweiter Stelle, stand ihr Name.

Aber der Name über ihr löste große Überraschung aus.

Mayla Deniz, mit einem GY-Score von 1149.

Fiona und Erin sahen fassungslos ihre Freundin an, die ganz verlegen auf den Boden schaute.

„Ähm, naja, also, wenn ich nicht gegen Erin spiele, gewinne ich eigentlich immer, also...Tja...“

So richtig erklären, woher ihre hohe Zahl kam, konnte sie nicht, aber sie hatte ein Idee.

„Darf ich?“, fragte sie Fiona und nahm sich dann die Maus, um auf ihren Namen zu klicken.

Ein neues, kleines Fenster öffnete sich, auf dem in chronologisch alle Gegner aufgelistet waren, gegen die Mayla bisher gespielt hat.

Neben den Gegnernamen standen positive oder negative Zahlen, die erklärten, wieviele Punkte Mayla bei ihrem jeweiligen Duell gewonnen oder verloren hat, meistens zwei bis sechs Punkte.

Ganz unten im neuen Fenster stand gelb hinterlegt Leroy Nennburger mit einem GY-Score von 1464 und daneben eine +45.

„Ich verstehe“, sagte Mayla, „wenn wir Mitschüler mit einem hohen Score besiegen, gewinnen wir viel mehr Punkte dazu, als bei schwächeren. Deswegen bin ich gerade auf Platz eins, weil ich gestern gegen Leroy gewonnen habe.“

Erin nickte und lächelte Mayla breit an.

„Fiona, wir haben die Ehre uns das Zimmer mit einem waschechten Champion zu teilen!“, sagte sie mit übertriebener Anerkennung und Fiona verbeugte sich theatralisch vor Mayla, die daraufhin loslachte.

„Gehe mal bitte zurück, ich möchte wissen, was mein Score und Platz ist.“, forderte sie.

Fiona tat wie geheißen und scrollte ein Stückchen runter.

Erin Hiller, GY-Score: 1097, Platzierung Jahrgang/Haus: 12.

Das passte Erin überhaupt nicht und sie verschränkte die Arme.

„Das kann doch gar nicht sein! Ich bin ja noch hinter Daniel! Dabei habe ich doch etwa genauso oft gegen Mayla gewonnen wie verloren. Da muss ich doch weiter oben sein!“, protestierte sie.

Mayla erklärte:“Das stimmt zwar, aber unsere Duelle fanden alle statt, bevor ich so viele Punkte von Leroy bekommen habe.“

„Außerdem bringt das nichts für deinen GY-Score, wenn du die ganze Zeit nur gegen Mayla spielst, weil ja bei jedem Duell der Verlierer genau so viele Punkte verliert, wie der Sieger dazugewinnt. Ihr beiden spielt euch quasi nur die Punkte hin und her, ohne wirklich was dazuzubekommen.“, ergänzte Fiona etwas altklug.

Erin konnte die Erläuterungen ihrer Freundinnen zwar nachvollziehen, aber es stellte sie nicht zufrieden.

„Passt auf, euch beide hole ich schon wieder ein.“, grummelte sie.

Fiona wechselte das Thema.

„Bevor ich ins Bett gehe, will ich aber noch schnell wissen, wie gut die stärksten Duellanten der

Akademie sind“, kündigte Fiona an und änderte ihre Suchbedingungen.

Es erschien eine komplett blaue Liste, der oberste Eintrag hatte, anders als alle anderen Schüler, ein kleines Bilchen mit einer Krone daneben, die symbolisierte, dass dies der beste Duellant der Schule sein musste.

„Aland Kaya, GY-Score: 2102, Platzierung gesamt: 1.

„Über 2100? fragte Fiona erstaunt und auch von Maylas Gesicht konnte man eine gewisse Ehrfurcht ablesen.

Mit diesem Score hatte Aland auch einen großzügigen Abstand von über 40 Punkten, insgesamt gab es nur ein Dutzend Obelisken, deren Score bei über 2000 lag.

Mayla entdeckte nun aber das noch viel erstaunliche Detail:

„ Aland ist nicht einmal im dritten Jahrgang. Unter Jahrgang steht eine zwei.“

„Wie bitte? Der Typ, der mit Abstand der stärkste Duellant der Akademie ist, ist noch nicht einmal im Abschlusslehrgang?“, fragte Fiona fassunglos.

Sie scrollte bis an das Ende der Liste.

Tatsächlich war er der einzige unter den besten 50 Schülern, die nicht in ihrem dritten Jahr waren.

„Was für ein Tier“, kommentierte sie.

Mayla schaute rüber zu Erin, die nun seit einer Weile angestrengt vor sich hin murmelte.

„Hey, Erin, geht es dir gut?“, fragte sie.

„Aland Kaya...Aland Kaya...der Name sagt mir was, aber ich komme nicht drauf. Das macht mich gerade etwas verrückt.“

„Ist es vielleicht...wegen dieser Sache in deiner Kindheit? Dass du ihn vielleicht vorher kanntest?“, fragte Fiona vorsichtig und Mayla, die nicht wusste, worum es ging, schaute Erin und Fiona abwechselnd fragend an.

„Kann sein“, sagte Erin kurz und wandte sich dann an Mayla, „Seit mein Vater bei einem Feuer starb, funktioniert mein Gedächtnis nicht richtig. An Dinge, die in meiner frühen Kindheit passiert sind, kann ich mich kaum erinnern.“

Das war so knapp formuliert, wie Erin es konnte.

Sie wollte diese schmerzhafte Geschichte nicht zweimal am gleichen Tag ausrollen und Mayla verstand das und stellte keine weiteren Fragen.

Es war still.

Fiona hielt das unangenehme Schweigen nicht aus.

„Wen interessieren schon irgendwelche Obelisken? Also mich nicht, erstmal will ich in den Halbjahresprüfungen mindestens zum Ra aufsteigen! Und davor gibt’s ein Nickerchen, gute Nacht!“, sagte sie und wollte schon den Laptop herunterfahren, als Erin dazwischen ging.

„Ich will noch eine Sache aus der Datenbank wissen: Such mal bitte nach diesem Kevin, der die restlichen erpressten Karten hat.“

Fiona nickte.

„Also dann, Kevin...Kevin...Mayla, wie hieß er denn nochmal mit Nachnamen?“

„Leroy hat uns glaube ich gar nicht seinen Nachnamen gesagt. Aber er ist aus dem zweiten Jahrgang, ebenfalls bei Slifer Red und unter den Zweitjahrgängen wegen seiner Kartensammlung ziemlich bekannt.“, sagte Mayla.

Fiona starte mit diesen Infos die Suche und es gab unter den Slifern im zweiten Jahr insgesamt drei Treffer:

Kevin Wawrzyniak, GY-Score: 870

Kevin Mercant, GY-Score: 794

Kevin Zenker, GY-Score: 505

Fiona lachte:“Da ist ja einer lausiger als der andere! Wartet, wartet“, sie klickte Zenker an, „der Junge ist der Hammer. Seit einem Jahr ist er auf der Akademie und er hat ernsthaft kein einziges Duell gewonnen!“

Mayla fand es ziemlich gemein sich über weniger begabte Duellanten lustig zu machen und schüttelte nur stumm den Kopf, während sich Erin von Fionas Gelächter anstecken ließ, wenn auch mit einem etwas schlechten Gewissen.

„Hört bitte auf sie auszulachen. Natürlich sind ihre Scores nicht gut, die guten Duellanten verlassen im ersten Jahr das Slifer-Haus“, sagte sie im vorwurfsvollen Ton.

Erin und Fiona beruhigten sich nun wieder.

„Entschuldigung, Mayla, du hast Recht. Ich wollte mich eigentlich nur erkundigen, wie stark dieser Kevin ist, für den Fall, dass er uns die Karten nicht freiwillig zurückgeben will.“, erklärte Erin.

„Wisst ihr was? Legt euch ruhig hin. Ich frage mich unter den älteren Slifern durch und suche ihn ohne euch auf, bei diesem Score hat er mir wohl nicht viel entgegenzusetzen.“

„Hm, ich weiß nicht. Leroy meinte, Kevin sei ziemlich hinterhältig. Wer weiß, ob der seinen Score nicht künstlich tief hält, um in den entscheidenden Duellen seine Gegner zu überrumpeln“, überlegte Fiona laut.

„Laut der Logik hätte Kevin Zenker noch nie ein entscheidendes Duell gehabt“, hielt Erin dagegen und ihre beiden Freundinnen bemerkten, dass Erin bereits ihre Entscheidung getroffen hatte.

Die Mädchen hatten zwar in der heutigen großen Pause geplant Kevin gemeinsam am Wochenende einen Besuch abzustatten, aber sie sahen ein, dass Erin wahrscheinlich gut alleine zurecht kommen würde.

Fiona gab ihr eine Deckbox, in der sie die neun ertauschten Karten, die sie von Leroy erhalten hatte, aufbewahrte und Mayla gab ihr den Zettel mit den noch fehlenden Karten.

Danach legten sich beide in ihre Betten, um den in der letzten Nacht verpassten Schlaf nachzuholen.

In der Zwischenzeit ging Erin durch die Flure, klopfte an verschiedenen Zimmertüren und lief um das Unterkunftsgebäude herum, auf der Suche nach älter aussenden Slifer-Red Schülern, die sie nicht im Vorunterricht gesehen hatte und dementsprechend zu einem anderen Jahrgang gehören mussten.

Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht, es war erst Donnerstagnachmittag und zum neuen Schuljahresstart würden die meisten älteren Schülerinnen und Schüler erst am Wochenende zurückkehren.

Auf dem Weg zum Sliferplatz begegnete Erin dann endlich zwei ihr unbekannten Slifer-Jungen, die einfach herumzulungern schienen.

„Hallo, ihr zwei! Vielleicht könnt ihr mir helfen: Ich suche einen Kevin aus dem zweiten Jahrgang, er ist angeblich recht bekannt. Wisst ihr, wo ich ihn finde?“, sagte Erin so freundlich wie möglich.

„Was willst du?“, blaffte einer der Jungen zurück und Erin biss sich auf die Zunge, um nicht die Haltung zu verlieren.

„Ich will diesen Kevin treffen. Ich weiß, dass er Karten hat, die meinen Freunden gehören und ich möchte sie gerne von ihm zurückfordern.“

„Hey, ich glaube die Kleine gehört zu dieser Mayla von gestern Abend!“, sagte der andere Junge zu seinem Freund.

„ „Dieser Mayla von gestern Abend“?“, wiederholte Erin die Aussage fragend in ihrem Kopf.

Dann ging Erin ein Licht auf.

Sie hatte es offensichtlich mit den beiden Slifern zu tun, die für Leroy andere Akademieneulinge nach der Nachtruhe rausgelockt hatten.

Das war ein guter Umstand für Erin, nicht nur musste sie nicht länger Freundlichkeit vortäuschen, sondern sie konnte sich auch sicher sein, dass die beiden sie zu Kevin führen konnten.

„Stimmt, ich gehöre zu Mayla und ich kann euch Rüpeln versichern, dass ich in Sachen Duel Monsters mit ihr mithalten kann!“

„Du bluffst!“

„Bist du dir da sicher?“, fragte Erin und aktivierte ihre Disk, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.

Der Slifer war sich nicht sicher.

„Alles cool, Kleine, wir wollen keinen Stress, okay? Du meinst bestimmt Kevin Mercant, den Kartenhändler. Der Nerd schließt sich in seinem Einzelzimmer ein. Zimmer 205. Einfach klopfen.“

„Ihr führt mich zu ihm!“, befahl Erin harsch.

Sie fand die beiden nicht gerade vertrauenswürdig und wollte nicht riskieren, dass man ihr eine falsche Zimmernummer gab. Abgesehen davon, hatte sie bereits alle Zimmer, inklusive 205, abgeklopft und man hatte ihr nicht geöffnet.

Die Jungen zeigten keinen Widerstand und gingen schlecht gelaunt voran.

Vor besagtem Zimmer angekommen, versuchte Erin noch einmal ihr Glück und schlug dreimal schnell hintereinander an die Tür, die sich aber nicht öffnete.

„Wenn man wie ein halbes Hemd anklopft, wird das auch nichts!“

Für diesen Kommentar erntete der Junge von Erin einen bösen Blick, bevor sie nun mit voller Kraft ihre Faust gegen die Holztür hämmerte.

„Seid ihr völlig bekloppt? Lasst meine Zimmertür heile!“, hörte man jemanden von innen rufen, bevor er die Tür öffnete.

„Oh, ihr seids! Hat Leroy neue Karten für mich?“

Der schlaksige Teenager mit leichtem Flaum am Mund schien Erin bewusst zu ignorieren, was sich diese nicht gefallen ließ.

„Hier spielt die Musik!“,sagte sie und schnipste direkt vor seiner Nase mit den Fingern.

Er wandte sich Erin zu und schaute sie desinteressiert an.

„Gut, du hast meine Aufmerksamkeit. Wie kann ich dich loswerden?“

„Loswerden ist ein gutes Stichwort“, sagte sie und sprach die beiden Sliferjungen an, „ihr beiden seid entlassen. Haut ab!“

Sie konnte Leroy gerade ein wenig verstehen.

Seine Lakaien waren zwar ziemliche Idioten, aber es machte auch Spaß die zwei herumzuscheuchen.

Etwas enttäuscht schaute Kevin den beiden hinterher, als sie gingen.

„So ein Jammer. Das waren meine besten Kunden seit Langem. Ich hoffe, du machst mir nicht ohne einen guten Grund meine Geschäfte kaputt.“

Erin holte die Deckbox hervor und hielt ihm die neun Karten entgegen.

„Leroy sagte, er habe die von dir und ich möchte sie zurücktauschen. Leroy und seine Knalltüten haben dir Diebesgut angedreht.“, erklärte Erin.

Kevin zögerte kurz und machte dann den Weg frei.

„Komm herein!“

Sein Zimmer war gefüllt von schwarzen Ordnern, zwei davon lagen offen auf seinem Schreibtisch, auf dem auch ein kleiner Fernseher vor sich hin flimmerte, der wohl dafür gesorgt hatte, dass Kevin Erin beim ersten Mal nicht gehört hatte.

„Ich habe mir schon sowas gedacht, viele betreiben bei mir Kartenwäsche.“, sagte er trocken und holte nun einen weiteren Ordner aus seinem Schrank, den er auf dem restlichen Platz des Schreibtisches aufschlug.

„Du hast Glück, Mädchen.“, ich bin sehr penibel und dokumentiere jede Transaktion.

„Dir fehlen... Kristallmotte, ESPion, Riesenlöwin, Modusbeschränkungsgebiet 2, Hohe Transformationsmagie, Spinnenkönigin Arachne, Feuersäulenwall, Level-Plus-Feld und Schwert aus eintausend Schlachten“, las Kevin aus seinen abgehefteten Notizen ab.

„Stimmts, oder habe ich Recht?“, fragte er sarkastisch.

Eilig kramte Erin Daniels Liste raus und überflog sie.

„Nicht schlecht, du bist...gut organisiert.“, erkannte sie an.

Kevin ignorierte sie wieder und räumte den ersten Ordner weg, um an dessen Stelle einen weiteren Ordner zu öffnen, in dem die Karten einsortiert waren.

„Gut, ich gebe dir die besagten Karten zurück, was bekomme ich im Gegenzug?“, fragte er, während er konzentriert seine Handelsware aussortierte.

„Öhm...du bekommst die Karten, die du Leroy gegeben hast zurück?“

Kevin stöhnte nun entnervt und hörte augenblicklich auf die erpressten Karten raus zu suchen, um sich zu Erin umzudrehen.

„Mädchen, ich habe dich beim ersten Mal verstanden. Du willst eine Reklamation. Aber was DU nicht verstehst, ist, dass in meinem Business Zeit Geld ist, capiche? Wenn ich also mit Dumm und Dümmer harte Verhandlungen führe und du dann ein paar Tage später reingestiefelt kommst, um alles zunichte zu machen, dann mache ich Minus. Und Minus ist ein ganz schlechtes Geschäftsmodell“, erklärte er in einem herablassenden Tonfall, „ich frage dich also nochmal, was bekomme ich im Gegenzug?“

Erin verlor nun endgültig die Geduld.

Sie hatte wie ihre Freundinnen auch nicht sonderlich gut geschlafen, durfte sich schon fiese Sprüche von „Dumm und Dümmer“ anhören und Kevin war wohl einer der unhöflichsten Leute, die sie zu ihrem Leidwesen jemals kennenlernen musste.

Energisch aktivierte sie ihre Dueldisk.

„Wie wäre es damit: Du bekommst eine saftige Abreibung von mir?“

Kevin schüttelte verständnislos den Kopf, holte dann aber seine Dueldisk aus seinem Schrank

und legte sie gleich an.

„Wie unzivilisiert. Muss es denn immer gleich in Gewalt enden? Fang an, wie gesagt, Zeit ist Geld.“

Erin machte ein paar Schritte zurück, bis zur Tür um das Duellfeld zu vergrößern.

Dann begann sie sofort ihren ersten Zug.

„Den Auftakt mache ich mit der Donnerklang-Kriegerin im Angriffsmodus!“

Die schöne Schwertkämpferin von Erin erschien mit einem Schrei.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def

„Danach aktiviere ich eine permanente Zauberkarte, die Gewitterallianz!“

Einmal pro Zug darf ich eine Karte von meiner Hand ablegen. Wenn ich das tue, dann rüstet die Power von Gewitterallianz ein unausgerüstetes Donnerklang-Monster vom Typ Krieger mit einem passenden Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus meinem Deck aus.

Meine Wahl fällt auf das Monster Donnerklang-Seele!“

Erin legte eine Karte auf den Friedhof und ihr Monster hob ihr Schwert, welches gleich anfing bläulich zu leuchten und zu knistern.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2300Atk.

„Zum Schluss gibt es noch zwei verdeckte Karten.“, sagte Erin und sogleich erschienen die Karten vor ihr, „du bist dran, Kevin!“

„Ähhhm. Kevin?“

Ihr Gegner schaute sie angestrengt an.

„Was sagtest du nochmal, war dein Name, Mädchen?“

„Ich habe mich nicht vorgestellt. Mein Name ist Erin.“, antwortete sie kühl.

„Erin, Hm? Und dein Nachname?“, fragte er weiter.

„Hiller.“

„Erstes Jahr?“

„Wozu die Fragen? Ich dachte Zeit ist Geld?“, fragte Erin irritiert.

„Wenn ich mich schon duellieren muss, dann will ich wenigstens wissen, mit wem ich es zu tun habe. Also, erstes Jahr?“

Kevin war in Erins Augen ein furchtbarer Exzentriker und da auch sie dieses Duell so schnell wie möglich beenden wollte, entschloss sie sich nach kurzer Überlegung dazu, ihm einfach zu sagen, was er hören wollte.

„Ja“, antwortete sie.

„Haus?“

Erin schaute runter auf ihre rote Schuluniform.

„Bist du farbenblind?“

„Haus?“, fragte Kevin ohne auf Erins Gegenfrage zu reagieren.

„Slifer-Red“

„Sind deine Eltern in der Akademie angestellt?“

„Nein.“

„Sind oder waren deine Geschwister an der Akademie eingeschrieben?“

„Nein.“

„Sind deine Geschwister in der Akademie angestellt?“

„Nein und ich bin Einzelkind.“

Kevin schien genug gefragt zu haben.

Er holte sein Smartphone aus der Hosentasche und tippte wild darauf ein.

„Können wir?“, fragte das entnervte Slifermädchen.

„Sofort, ich will nur alle Eckdaten unseres netten, kleinen Gesprächs notieren“, sagte er, weiter auf seinem Smartphone tippend und ohne Erin anzusehen.

„Nettes, kleines Gespräch?“, dachte sich Erin fassungslos.

Wie müsste ein Verhör bei Kevin aussehen?

„Schon fertig“, kündigte der Kartenhändler an, verstaute das Handy und machte sich gleich an seinen Zug.

Zunächst spiele ich eine Zauberkarte: Ich aktiviere Katze im Sack.

Sie funktioniert so: Ich darf für jede deiner verdeckten Zauber- oder Fallenkarten raten, ob es sich um eine Zauber- oder Fallenkarte handelt. Wenn ich korrekt rate, wird die entsprechende Karte zerstört, rate ich falsch, erleide ich 1000 Punkte Schaden. Ich glaube dass deine beiden Karten Fallen sind.

Ein zugeschnürter, brauner Sack erschien auf Kevins Seite und Erins Karten wurden für einen kurzen Moment aufgedeckt.

„Ich habe eine Falle und einen Schnellzauber gesetzt, du liegst nur halb richtig!“

Der Sack öffnete sich und eine fauchende Katze sprang auf Erins Falle, die zerplatzte.

Danach sprang die Katze auf Kevin zu und versetzte ihm einen Streich mit den ausgefuhrenen Krallen.

Kevin stöhnte ein wenig und das Katzen- und Sackhologramm verschwand.

Kevins Lebenspunkte: 4000 → 3000.

„Dein Zauber war wohl eine echte Katerstrophe für dich“, höhnte Erin.

„Ich sehe es mehr als sinnvolle Investition, denn jetzt, wo ich deine Falle entschärft habe, kann ich ganz sicher ein Monster rufen.“, entgegnete Kevin

„Das Monster meiner Wahl ist der Karteimagier. Auf das Feld mit dir.“

Kevin rief einen kleinen Gnom mit spitzer Zipfelmütze und einem dicken Aktenordner unter seinem Arm auf.

Karteimagier: Stufe 1, 400 Atk, 500Def

„Mein Magier ist nicht der stärkste, also rüste ich ihn mit dem Ausrüstungszauber Stab des Lehrlings aus. Dieser Ausrüstungszauber funktioniert nur bei Monstern vom Typ Hexer mit 1500 oder weniger Angriffspunkten und erlaubt diesen direkt anzugreifen.

Kevins Gnom hielt nun einen hölzernen Zauberstab in der Hand.

„Nun denn, Karteimagier, greife Erin direkt an.“

Der Magier zauberte einen kleinen Eiskristall herbei, der nun auf Erin zuflog.

„Nicht so schnell! Ich aktiviere aus meinem Friedhof den Effekt von Donnerklang-Gardna: Wenn ich angegriffen werde, während ich ein „Donnerklang“-Monster kontrolliere, darf ich dieses Monster vom Friedhof als Spezialbeschwörung rufen und sämtlichen Kampfschaden aus dem Angriff vermeiden.

Ein Mädchen in Kettenhemd und mit einem großen Schild erschien vor Erin und blockte den Eiskristall des Karteimagiers ab.

Donnerklang-Gardna: Stufe 3, 100Atk, 2000Def.

Kevin schien dies allerdings nichts auszumachen.

„Wenn Karteimagier meinen Gegner erfolgreich direkt angreift, ganz egal, ob er Schaden anrichtet, oder nicht, aktiviert sich sein Effekt:

Ich darf mir eine beliebige Karte im Deck meines Gegners auswählen und sie auf den Friedhof senden. Danach würde ich jede weitere Kopie der ausgewählten Karte in deiner Hand ebenfalls auf den Friedhof senden. Da dir allerdings bereits die Handkarten ausgegangen sind, verzichten wir auf den zweiten Teil des Effekts. Los, Karteimagier! Restlose Abschreibung!“

Der Gnom klappte seinen dicken Aktenordner auf und Kevin blickte in den Ordner hinein, in dem wohl alle Karten aus Erins Deck abgebildet waren.

„Aha, Fusion! Die Zauberkarte will ich dich auf keinen Fall ausspielen lassen! Ab auf den Friedhof damit.“

Ein kleiner Wirbelsturm bildete sich, der die Fusions-Zauberkarte aus Erins Deck direkt in den Ordner sog, der sich daraufhin wieder schloss.

„Ich beende meinen Zug mit einer verdeckten Karte.“

Erin machte sich keine großen Sorgen, auch ohne Fusion konnte sie Kevin schlagen, da war sie sich sicher.

Sie zog.

„Ich greife deinen Gnom mit Donnerklang-Kriegerin an! Zeig ihm deine statische Spaltung!“

Die Kriegerin sprang auf den Karteimagier zu und setzte ihn mit einem Schwerthieb außer Gefecht.

Kevin krümmte sich vor Schmerz.

Kevins Lebenspunkte: 3000 → 1100

„Ich löse jetzt meine permanente Fallenkarte aus: Kuhhandel: Wann immer mir ein Monster Kampfschaden zufügt, darf ich eine Karte im Friedhof meines Gegners wählen und sie aus dem Spiel entfernen. Ich wähle Blitze der Wiedergeburt, die Fallenkarte, die ich mit Katze im Sack zerstört habe.“

Seine Fallenkarte deckte sich auf und eine Kuh lief von seiner Seite des Feldes zu Erin hinüber, um Blitze der Wiedergeburt in ihrem Friedhof mit einem dröhnenden Muhen zu zertrampeln.

Erin beachtete das etwas absurde Schauspiel nicht, sondern setzte ihren Zug fort.

„Dein Kuhhandel hat keinen Effekt auf unser Duell, den ich nutze den Effekt von Donnerklang-Kriegerin: Wenn sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie zwei Angriffe starten! Nimm Kevin die restlichen Lebenspunkte ab mit der statischen Spaltung!

Erins Kriegerin gehorchte aufs Wort und ließ mit ihrer Attacke Kevin halb über seinen Schreibtisch fallen.

Kevins Lebenspunkte: 1100 → 0.

Das war ein sehr einseitiges Duell gewesen.

Kevin war, wie bei einem GY-Score von unter 800 zu erwarten war, kein ernsthafter Gegner für sie gewesen.

Er richtete sich wieder auf, während Erin ihre Dueldisk deaktivierte.

„Oh nein, ich habe in einem Kartenspiel verloren und muss deshalb aus irgendeinem Grund das tun, was du willst“, sagte er in einem gleichgültigen Ton.

Erin fasst sich bei einem derart schrägen Verhalten an den Kopf.

Er holte zügig die von ihr geforderten Karten aus seinem Ordner und drückte sie ihr in die Hand und Erin übergab ihm die neun Karten von Leroy.

„Danke“, sagte das Mädchen knapp, froh darüber, gleich sein Zimmer verlassen zu können und ihn nicht mehr wiedersehen zu müssen.

„War mir keine Freude, Verschwinde und komm erst wieder, wenn du Karten für mich hast!“, rief er ihr hinterher.

Auf dem Gang kam ihr sogleich ein recht hoch gewachsener Schüler mit einem schwarzen Pferdeschwanz entgegen.

Er trug eine auffällige, weiße Uniform mit hrllblauer Hose, die Erin genauer hinschauen ließ.

Die Uniform hatte einige obelisk-blaue Elemente wie die Verschluss am Kragen oder den Ärmeln.

War der Junge ein Obelisk?

„Hey, du, du warst gerade bei Kevin Mercant, nicht wahr?“, sprach er sie an.

„Ja, war ich. Und ich will anmerken, dass es nicht schön war“, bemerkte sie flappsig.

Der Junge lachte.

„Das glaube ich dir. Ich kenne ihn bereits. Der Typ ist das Abschaum der schlimmsten Sorte.

Komm bitte noch einmal kurz mit, ich könnte deine Hilfe gebrauchen.“

Er ging an Erin vorbei, klopfte an Kevins Tür und winkte Erin dann zu sich.

Kevin öffnete und versuchte erschrocken sofort die Tür wieder zu zu ziehen, als er sah, wen er vor sich hatte.

„Oh nein!“

„Oh doch! Entgegnete der Junge in Weiß, der seine Zimmertür mit seinem Fuß zwischen Tür und Rahmen offen hielt.

Neugierig blickte sie ihm hinterher, als er sich gerade ungefragt Zutritt zu Kevins Zimmer verschafft hatte.

Die beiden schienen sich schon zu kennen und Erin war gespannt, wobei sie noch helfen sollte.

„Slifermädchen!“ rief der Junge mit dem Pferdeschwanz, „Nimm ihm doch bitte die Ordner mit seinen Karten weg. Alleine kann ich die unmöglich alle tragen.

„Nein! Nicht meine Handelswaren! Sie sind alles was ich habe!“, flehte Kevin den Jungen an.

Erin kam nicht ganz mit.

„Hey! Keine Ahnung, wer du bist, aber ich helfe dir sicher nicht bei deinem Raubüberfall.“, sagte sie ihm.

Der Angesprochene winkte ab.

„Unsinn, mir geht es nicht um Raub, sondern um Beweismittelsicherung. Seit ein paar Tagen vermissen Schüler aus allen Häusern einige ihrer Karten und Kevin ist ganz klar der Dieb.“

Kevin protestierte: „Das stimmt nicht, ich handele vielleicht manchmal mit geklauten Karten, aber man kann auch unmöglich von mir verlangen, dass ich überprüfe wer welche Karte woher bekommen hat! Du hast keine Beweise für deine Behauptung!“

„Beweise? ICH bin der Beweis. Ich bin dritter Kronprinz und Herausgeber der Schülerzeitung. Wenn ich sage, dass du der Dieb bist, dann werden es am nächsten Tag alle in MEINER Zeitung lesen“, entgegnete er in einer Seelenruhe und schubste Kevin zur Seite, um sich ungestört seine Kartensammlung nehmen zu können.

„Abgesehen davon, habe ich eine Zeugin auf meiner Seite“, sagte er und zwinkerte Erin zu.

Er warf ihr dann einen von Kevins Ordnern zu.

„Bedien dich ruhig, Partnerin. Du schreibst mir einen kleinen Zeugenbericht, in dem du bestätigst, diesen Untermenschen beim Diebstahl erwischt zu haben und als Belohnung darfst du dir ein paar nette Karten aussuchen. Haben wir einen Deal?“

Erin schmiss angewidert dem Schülerzeitungsjungen den zugeworfenen Ordner zurück vor die Füße, woraufhin Kevin hastig auf den Ordner zukrabbelte und kontrollierte, ob noch alle Karten unversehrt waren.

„Slifermädchen, hier liegt denke ich ein kleines Missverständnis vor“, sagte er in einem freundlichen Ton, bevor er sich schlagartig verfinsterte,“Bloß, weil ich meinen Befehl als Frage formuliere, heißt das nicht, dass es kein Befehl mehr ist.“

Erin aktivierte erneut ihre Dueldisk.

„Ich sehe hier nur einen Dieb und der trägt weiß!“
 

____________
 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Donnerklang-Gardna: Stufe 3, 100Atk, 2000 Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Effekt: Einmal pro Zug, wenn dein Gegner einen Angriff deklariert während du ein „Donnerklang“-Monster kontrollierst und sich diese Karte in deinem Friedhof befindet: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung rufen und den Kampfschaden aus dem Angriff verhindern.
 

Karteimagier: Stufe 1, 400Atk, 500 Def, Typ Hexer, Attribut Finsternis, Effekt: Wenn diese Karte erfolgreich einen direkten Angriff deklariert: Wähle eine Karte aus dem Deck deines Gegners und schicke sie auf den Friedhof. Danach kannst du dir die Hand deines Gegners ansehen und alle Karten mit dem gleichen Namen wie diese Karte auf den Friedhof schicken.
 

Zauberkarten:
 

Gewitterallianz: Permanente Zauberkarte:

Einmal pro Zug, falls du ein „Donnerklang“-Monster vom Typ Krieger kontrollierst, das mit keinem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist: Wirf eine Karte von deiner Hand ab: Rüste dieses Monster mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner aus deinem Deck aus.
 

Katze im Sack: Normale Zauberkarte:

Rate für jede verdeckte Zauber- oder Fallenkarte deines Gegners, ob es sich um eine Zauber- oder Fallenkarte handelt. Decke dann alle verdeckten Zauber- oder Fallenkarten deines Gegners auf. Zerstöre alle Karten, deren Kartentyp du richtig erraten hast. Dein Gegner setzt alle durch diese Karte aufgedeckten Zauber- und Fallenkarten, deren Kartentyp du nicht richtig erraten hast. Du erhältst für jede so gesetzte Karte 1000 Punkte Schaden.
 

Stab des Zauberlehrlings: Ausrüstungszauberkarte:

Rüste nur ein Monster vom Typ Hexer mit 1500 Atk oder weniger mit dieser Karte aus:

Das ausgerüstete Monster kann deinen Gegner direkt angreifen.
 

Fallenkarten:
 

Kuhhandel: Permanente Fallenkarte:

Wenn du Kampfschaden erleidest: Wähle eine Karte im Friedhof deines Gegners und entferne sie aus dem Spiel.

Unter Druck

Erin und der ihr unbekannte, ältere Mitschüler mit den langen Haaren und der weißen Uniform standen sich in Kevins Zimmer gegenüber.

Ihre Dieldisk war aktiviert.

Kevin stand in der hintersten Ecke seines Raumes und wirkte von dem ungebetenen Besucher verschreckt.

Mit ernster Miene schaute der Eindringling Erin an.

Ihn als Dieb zu bezeichnen und den Ordner vor die Füße zu werfen, hatte ihn sichtlich aus der Fassung gebracht.

„Slifermädchen, ich schlage vor, dass du dich bei mir entschuldigst und ab jetzt brav kooperierst. Deinen Anteil kannst du vergessen, aber ich werde großmütig darauf verzichten, dich in meinem nächsten Artikel zu Kevins Komplizin zu ernennen.“

Aber Erin dachte gar nicht daran mit ihm gemeinsam Kevins Kartensammlung stehlen.

„Deaktiviere die Dueldisk, Erin!“, zischte ihr Kevin zu, „vor dir steht Maxim Dreher, der dritte Kronprinz! Sich mit einem derartigen Gegner anzulegen, bringt überhaupt nichts!“

„Dritter Kronprinz? Vor drittklassigen Möchtegernmonarchen habe ich keine Angst!“, entgegnete Erin trotzig, unwillig sich vom Türrahmen des Raumes wegzubewegen und Maxim davonziehen zu lassen.

Der Kronprinz, wechselte nun erneut abrupt den Ausdruck und wirkte wieder so ruhig und heiter wie zuvor.

„Erin, ja? Danke für den Namen, Kevin. Es wäre doch etwas unprofessionell gewesen, nur von einem Slifermädchen des ersten Jahrgangs zu schreiben, man ist von mir immerhin Journalismus der Spitzenklasse gewohnt. Magst du mir auch noch ihren Nachnamen verraten?“

Kevin begriff, dass es jetzt besser wäre, den Mund zu halten und schaute Maxim nur verächtlich an.

Erins Ignoranz schien Maxim ein wenig zu erheitern.

„Ich sehe schon, die wirklich wichtigen Dinge bringt man euch Nieten im Vorunterricht wohl nicht bei. Ich wiederhole mich ungern, also versuche bitte meiner Erklärung beim ersten Mal zu folgen, ja? An der Akademie gibt es drei Klassen von Schülern. Ganz unten in der Hierarchie sind Leute wie du und Kevin, dann kommen die Ras und schließlich die Obelisken. Aber auch innerhalb des Obeliskenhauses gibt es eine Klassenordnung. An der Spitze steht der Obeliskenkönig, der stärkste Duellant der Schule. Am Ende jeden Jahres haben die besten Duellantinnen und Duellanten der ersten beiden Jahrgänge die Chance für das nächste Jahr selbst der König zu werden. Die vier vielversprechendsten Kandidaten hierfür tragen den Titel Kronprinz, denn da der Titel unserer Majestät nicht einfach vererbt wird, sondern erkämpft werden muss, gibt es mehrere Anwärter auf die Krone. Und damit es auch die dümmsten Slifer begreifen, wenn sie keinem gewöhnlichen Obelisken gegenüberstehen...", anstatt seinen Satz zu beenden zeigte er mit genüsslichem Lachen auf seine besondere weiße Obeliskenuniform. Dann setzte Maxim seine Erklärung fort: "Man spricht also je nach Duellfähigkeiten vom ersten, zweiten, dritten und vierten Kronprinzen. Da der aktuelle König Aland unüblicherweise selbst noch zu den ersten beiden Jahrgängen gehört und es neben ihm noch die erste und zweite Kronprinzessinnen gibt, macht mich das also zum viertbesten Duellanten des ersten und zweiten Jahrgangs, oder einfacher ausgedrückt, zu einem für dich unmöglich zu überwindenden Hindernis. Also sei klug und höre auf Kevin, Slifermädchen.“

Erin, mit ihrer noch immer aktivierten Dueldisk dachte erkennbar angestrengt nach.

Dieser Maxim war also in der Tat ein Obelisk. Und wenn sie es richtig verstanden hatte auch noch einer der besonders talentierten Sorte...

Sie zögerte kurz, schaltete dann aber das Gerät ab und ging stumm und mit missmutigen Gesichtsausdruck zur Seite.

„Schlaues Mädchen“, lobte Maxim, nahm sich Kevins Kartenordner und drückte Erin drei Stück davon in die Arme.

„Ich nehme den Rest, folge mir.“

Kevin musste machtlos zusehen, wie man ihm alle gesammelten und ertauschten Karten wegnahm.

Erin tat, wie ihr befohlen und sie verließ zusammen mit Maxim das Zimmer.

„Du darfst dich gleich geehrt fühlen, Mädchen. Nicht viele Slifer dürfen die blaue Unterkunft betreten, erst Recht keine Frischlinge. Bitte benimm dich entsprechend sobald wir da sind.“, sagte er, während beide durch die Slifer-Red-Unterkunft schritten, „die Inneneinrichtung ist bei uns deutlich geschmackvoller als in dieser Baracke!“

Die zwei hatten das Gebäude gerade verlassen, als Erin aufhörte weiterzugehen.

Sie legte ihre Ordner ab und Maxim drehte sich wenige Schritte später etwas verwundert um.

„Was hast du vor?“, fragte er in einem ernsten Ton.

„Rate mal!“, entgegnete Erin herausfordernd und machte sich zum Duell bereit.

„Du dumme Göre. Aber was habe ich denn auch erwartet? Ihr niederen Slifer seid wohl einfach nicht lernfähig.“, fauchte er.

Maxim aktivierte ebenfalls seine Disk und zog seine Starthand.

„Ich beginne! An dir werde ich ein Exempel statuieren“, kündigte der Obelisk mit dem schwarzen Pferdeschwanz an.

„Los geht’s mit diesem Monster: Zeitungsente im Verteidigungsmodus!“

Ein aus Zeitungspapier gefalteter, kleiner Vogel erschien vor ihm mit einem Schnattern und Quaken.

Zeitungsente: Stufe 2, 600Atk, 800Def.

„Aber meine kleine Ente bleibt nicht alleine, denn dank dem Zauber Multipresse darf ich, wenn ich ein normales Monster der Stufe 2 oder niedriger rufe, bis zu zwei Monster mit dem gleichen Namen von überall her beschwören! Zeigt euch, Zeitungsente zwei und drei!“

Zwei weitere Papierenten saßen Erin nun gegenüber.

Zeitungsente: Stufe 2, 600Atk, 800Def.

„Ich setzte zudem noch zwei verdeckte Karten. Damit bin ich fertig.“

Die beiden verdeckten Karten erschienen und Erin machte sich an ihren Zug.

„Deine Monster haben keine Chance gegen Donnerklang-Späherin! Zeig dich!“

Die Kriegerdame zückte zur Begrüßung angriffslustig ihre Dolche.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

„Das war nicht alles, der besondere Effekt meiner Späherin erlaubt es mir ein weiteres Donnerklang-Monster aus meiner Hand aufzurufen. Ich entscheide mich für die Donnerklang-Kriegerin!“

Die Schwertkämpferin gesellte sich mit einem kurzen Kampfschrei neben die Späherin.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

Erin war noch nicht fertig:

„Mach dich bereit für die Schnellzauberkarte Donnerbeschwörung: Mit Donnerbeschwörung darf ich ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus meiner Hand beschwören und es als Ausrüstung nutzen. Ich rufe Donnerklang-Inkarnation!“

Ein aus Blitzen bestehendes Wesen, äußerlich kaum von Donnerklang-Seele zu unterscheiden, erschien.

Donnerklang-Inkarnation: Stufe 2, 700Atk, 0Def.

„Meine Inkarnation ist schwach, daher nutze ich ihren Effekt: Da Inkarnation ein Unionsmonster ist, darf ich eine meiner beiden Damen mit Donnerklang-Inkarnation ausrüsten. Daher wird meine Donnerklang-Kriegerin jetzt um 700 Punkte verstärkt.

Das Energiewesen fuhr ins Schwert der Kriegerin, von welchem daraufhin winzige, bläuliche Blizte ausgingen.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2200Atk.

„Ist meine Kriegerin mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet, darf sie übrigens zweimal angreifen, zusammen mit der Späherin kann sie also jeder deiner Enten die Papiefedern rupfen! Greif an, Donnerklang-Kriegerin! Statische Spaltung!“

Erins Donnerklang-Kriegerin sprang mit ausgeholtem Schwert auf Maxims Zeitungsente zu.

„Nicht so schnell, ich aktiviere meine Falle“, konterte Maxim.

„Hier kommt Neuauflage! Neuauflage lässt sich nur in der Battle Phase aktivieren und sorgt dafür, dass ich jedes meiner Monster zurück auf das Blatt nehmen muss. Im Gegenzug darf ich für jede meiner Hand so zugefügte Karte eine weitere Karte ziehen! Meine Enten sind also sicher und ich ziehe drei Karten!“

Die Enten quakten ein letztes Mal, bevor sie auf Maxims Hand zurückkehrten und Maxim nahm weitere drei Karten auf seine Hand.

„Ich glaube, du hast dich verrechnet! Denn jetzt stehst du komplett schutzlos da und Donnerklang-Kriegerin darf ihren ersten Angriff erneut durchführen!“, entgegnete Erin, „Donnerklang-Kriegerin: Direkter Angriff auf Maxims Lebenspunkte!“

Erins Monster verpasste dem Obelisken einen Schwerthieb.

Maxim keuchte geschmerzt.

Maxims Lebenspunkte: 4000 → 1800.

„Dies ist dein Ende: Donnerklang-Kriegerin darf nämlich gleich nochmal zuschlagen! Los, meine Kriegerin, beende das Duell mit statischer Spaltung!“

„Ich aktiviere die zweite Fallenkarte: Fehldruck! Diese Falle zerstört ein Monster, das mir in diesem Zug Kampfschaden zugefügt hat und erlaubt es mir ein Monster aus dem Deck auf die Hand zu nehmen, solange die kombinierten Angriffspunkte und Verteidigungspunkte dieses Monsters nicht den erlittenen Kampfschaden übersteigen. Deshalb füge ich meiner Hand die Goldfeder-Eule zu!“

Maxim zeigte Erin das rausgesuchte Monster vor.

Erin war unbeeindruckt: „Mir war schon klar, dass du einen Vogel hast, aber anscheinend hast du gleich mehrere!“

Bei dem Spott ballte der dritte Kronprinz wütend die Hand zur Faust.

Erin setzte ihren Zug währenddessen fort.

„Wenn ein Monster mit einem Union-Monster ausgerüstet ist, wird stattdessen das Union-Monster zerstört. Zudem aktiviert sich die besondere Fähigkeit der Inkarnation: Wird sie vom Feld auf den Friedhof gesendet, darf ich den Zauber „Fusion“ aus dem Deck meiner Hand zufügen!“

Das Schwert von Donnerklang-Kriegerin hörte auf zu leuchten und Erin nahm die Fusionskarte auf die Hand.

„Ohne Ausrüstung darf Donnerklang-Kriegerin nicht erneut angreifen, aber meine Späherin hat bisher noch keine Attacke deklariert. Donnerklang-Späherin! Direkter Angriff!“, befahl Erin.

Ohne zu zögern schnellte die Späherin mit ihren Dolchen auf Maxim zu.

Der Junge ächzte nach dem Angriff.

Maxims Lebenspunkte: 1800 → 800.

Erin schaute ihren Gegner kritisch an.

Ihr war bewusst, das etwas an seinem Duelstil nicht stimmte.

Warum war es ihm wichtiger seine Enten zu schützen, als seine Lebenspunkte, wenn sie keinen Effekt haben und warum versuchte er erst nach dem Kampf Erins Donnerklang-Kriegerin zu zerstören?

Sie musste wachsam sein, soviel war sicher.

„Ich beende meinen Zug!“

„Hey, ich habe das richtig gehört! Erin duelliert sich wieder!“, sagte Jenny.

„Und schaut mal! Ihr Gegner trägt so eine merkwürdige weiß-blaue Uniform! Ist das etwa auch ein Obelisk-Blue-Schüler?“, fragte Carlos ungläubig.

Die beiden Slifer sind gerade dazu gestoßen, was Maxim, ganz im Gegensatz zu Erin, zu überraschen schien.

„Guten Abend, ihr zwei. Tut mir bitte den Gefallen und holt so viele unserer Mitschüler wie möglich raus. Es ist wichtig, dass alle sehen, wie ich diesen Schleimbrocken fertig mache. Bei Zimmer 205 müsst ihr besonders fest anklopfen, ich weiß, dass der Bewohner da ist.“, trug Erin den beiden auf.

Jenny verstand die Anweisung nicht: „Warum sollen wi-?“

„Ich erledige das!“, rief Carlos und eilte sofort wieder zurück in die Unterkunft, woraufhin ihm Jenny gleich folgte.

Maxim hatte das Treiben beobachtet und ihm ging nun ein Licht auf.

„Ich glaube, ich verstehe langsam, was du vorhattest. Du wolltest nie mit mir zusammenarbeiten, sondern hast uns nur rausgelockt, in der Hoffnung, dass deine kleinen Freunde irgendwie auf dich aufmerksam werden. Aber das wird dir in diesem Duell auch nicht weiterhelfen.“, erklärte Maxim, der sich infolge der letzten Angriffe auf seine Oberschenkel stützte und dem einige Strähnen ins Gesicht hingen.

Doch Erin schüttelte den Kopf.

„Ich brauchte nicht darauf hoffen, dass man unser Duell bemerkt. In den letzten Wochen habe ich mit meiner Freundin zusammen jeden Tag bis in den späten Abend hier draußen gespielt. Unsere Duelle waren immer so spannend, dass sich in unserer Unterkunft herumgesprochen hat, dass man uns dabei zusehen solle. Wir sind sozusagen kleine Berühmtheiten geworden“, korrigierte sie ihren Gegner, „Mir war klar, dass wenn ich mich an diesem Ort duelliere und die anderen Schüler hören, wie ich Effekte ausrufe, oder wie meine Monster kämpfen, sie zwangsläufig dazustoßen würden.“

Der Obelisk richtete sich ein wenig gequält wieder auf und führte seine Haare wieder durch das Zopfgummi.

„Wie gesagt, das wird dir in diesem Duell nicht helfen, selbst wenn dich das gesamte Haus auf einmal anfeuert, du bist mir nicht gewachsen, Slifermädchen!“, entgegnete er ernst und in voller Überzeugung.

Erin lachte los und Maxim lief zornig rot an.

„Und ich bin laut dir die dumme Göre? Mir geht es nicht um Zuschauer, die mich motivieren, ich will möglichst viele Zeugen, damit ich allen auf einmal von deinem fiesen Erpressungsversuch erzählen kann. Dann wird dir niemand mehr glauben, wenn du in einem Artikel behauptest, dass Kevin oder ich Karten stehlen würden!“

„Ich behaupte gar nichts! Ich schreibe! Ich publiziere! Ich bin die Wahrheit, du respektloses Miststück!“, brüllte Maxim,

„Meinst du ehrlich, dass es mich auch nur im entferntesten kümmert, was Slifer-Frischlinge glauben!? Ihr seid das irrelevanteste Neuntel meiner Leserschaft, niemand auf der Akademie interessiert sich einen Dreck für euch! Verglichen mit den Obelisken und den Kronprinzen seid ihr wie unbedeutende Insekten, die Raubvögeln gegenüberstehen!“

Inzwischen ging Erins Plan voll auf. Carlos und Jenny sind mit Daniel und etwa zwei Dutzend anderer Schüler zurückgekehrt. Darunter befanden sich auch Leroys Handlanger, Kevin sowie daneben Fiona und Mayla.

Kevin, der sich für gewöhnlich in seinem Zimmer aufhielt, hielt sich die Hand vor sein Gesicht, um sich vor der Sonne zu schützen.

Er grinste breit, als er seine Kartenordner neben Erin und Maxim sah.

Mayla gähnte kurz und Fiona rieb sich den Schlaf aus den Augen.

Beide sind soeben von Jenny und Carlos geweckt worden, damit sie ihre Freundin bei dem Duell gegen einen Obelisken zusehen konnten.

„Hey, Erin! Wieso duellierst du dich denn schon wieder? Ist das dieser Kevin, der mit Leroy gehandelt hat?“, rief Fiona ihr etwas schlaftrunken zu.

„“Dieser Kevin“, wäre ich, Kevin Mercant“, korrigierte der Kartenhändler, der neben Fiona stand.

Fiona sah ihn verwirrt an.

„Wenn du Kevin bist, weißt du dann auch, wer ihr Gegner da gerade ist?“

„Das ist Maxim Dreher, der viertstärkste Duellant des ersten und zweiten Jahrgangs und Chefredakteur der Schülerzeitung. Noch mehr Fragen, oder lässt du mich jetzt in Ruhe?“, antwortete ihr Kevin genervt.

Mayla schaltete sich nun ein: „Also, ähm... Erin hat zwei Monster auf dem Feld und Maxim gar keines. Maxim sieht außerdem schon sehr angeschlagen aus. Meinst du vielleicht, sie könnte -?

„Auf keinen Fall!“, unterbrach Kevin.

Auch wenn er sich darüber freute, dass sie ihm helfen wollte, damit Maxim nicht seine Kartensammlung entwendet, er hatte ihr nicht umsonst von diesem Duell abgeraten.

Es gibt kein Szenario, in dem Erin auch nur den Ansatz einer Chance gegen Maxim hat, davon war Kevin überzeugt.

Maxim hatte inzwischen ein paar Mal entspannt durchgeatmet und sich abgeregt.

Er schaute Erin böse an und machte sich an seinen nächsten Zug.

„Weißt du was? Ich glaube, ich finde deinen Plan Zuschauer anzulocken ganz gut. Denn jetzt werdet ihr alle lernen, wie schwach und hilflos ihr im Vergleich zu den Kronprinzen seid! Ich spiele meine Goldfeder-Eule im Verteidigungsmodus!“

Auf Maxims Seite erschien der edel glänzende Vogel und scharrte mit den Flügeln.

Goldfeder-Eule: Stufe 3, 900Atk, 1200Def.

„Wenn ich meine Eule beschwöre, darf ich sofort zwei weitere Goldfeder-Eulen meiner Hand hinzufügen! Aber das ist noch nicht alles! Denn direkt danach aktiviert sich ihr zweiter Effekt: Ich erhalte 300 Lebenspunkte für jede Karte auf meiner Hand dazu!“

Maxim suchte sich die zwei Kopien der Eule aus dem Deck.

Erin schluckte.

Sie hatte es bisher nicht verstanden, aber jetzt ergab die gesamte Strategie von Maxim für sie eine Sinn: Sein Deck war darauf aufgebaut, möglichst viele Karten auf der Hand zu halten und Erin hatte ihm durch ihre Angriffe sogar noch dabei geholfen, weitere Karten zu ziehen.

Erin kam sich gerade unfassbar dumm vor.

Er hielt inzwischen zehn Karten in seiner Hand.

Maxims Lebenspunkte: 800 → 3800.

„Nun hole ich meine Eule auf die Hand zurück, denn dadurch darf ich mein nächstes Monster als Spezialbeschwörung rufen: Den Teufel im Detail!

Eine übergroße, schwebende Zeitung erschien vor Maxim und ihre Blätter wendeten sich in rasanter Geschwindigkeit.

Plötzlich sprang ein kleines, rotes Männchen mit Hörnern am Kopf aus dem Papier und tanzte albern auf der Zeitung herum.

Teufel im Detail: Stufe 4, 0Atk, 0Def.

Erin schrak zurück.

Wenn ein erfahrener Spieler ein Monster mit 0Atk aufruft, konnte das nie etwas Gutes verheißen.

„Der besondere Effekt meines Teufels gibt ihm 400 Angriffs- und Verteidigungspunkte pro Karte in meinem Blatt. Da ich meine Goldfeder-Eule wieder zurück auf die Hand genommen habe, habe ich immernoch zehn davon. Das gibt stattliche 4000 Punkte!“

Teufel im Detail: 0Atk → 4000Atk, 0Def → 4000Def.

Das rote Teufelchen wuchs rasch auf die Größe eines Mehrfamilienhauses an und die hinter und neben Erin versammelten Zuschauer erstaunten.

„Die Slifer, erst recht die Neulinge, stehen ganz unten an der Akademie und du, Slifermädchen, wirst jetzt am eigenen Leib erfahren, wieso! Teufel im Detail, vernichte Donnerklang-Späherin!“

Der nun gigantische Teufel holte aus und zerschmetterte Erins Monster mit einem gewaltigen Faustschlag.

Erin wurde von der Wucht der Attacke von den Füßen gerissen und rollte gute zwei Meter über den Boden.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 1000.

„Erin! Hast du dir weh getan?“, rief Mayla besorgt.

Langsam zwang sich Erin wieder auf die Beine und rieb sich die Grashalme von der Uniform.

„Alles ok, ich kann noch etwas weiterkämpfen. Danke der Nachfrage!“

Erins Gegner gönnte ihr keine Verschnaufpause: „Ich beende meinen Zug mit der permanenten Zauberkarte Extrablatt! Extrablatt!. Bei dieser Karte ist der Name Programm, denn sie verdoppelt die Obergrenze meines Blattes von sechs auf zwölf! Das bedeutet, ich muss in meiner End Phase keine Karten abwerfen, solange ich nicht dreizehn oder mehr habe.

Extrablatt! Extrablatt! Deckte sich vor Maxim auf.

Teufel im Detail: 4000Atk → 3600Atk, 4000Def → 3600Def.

Fiona meldete sich zu Wort:„Na, immerhin hat der doofe Teufel von dem Kerl ein paar Punkte verloren.“

„Ich würde vorschlagen, dass ihr blutigen Anfänger besser den Mund haltet, wenn ihr keine Ahnung habt. Der zweite Effekt von Extrablatt! Extrablatt! Lässt mich in der End Phase des Zuges, in dem ich diese Karte gespielt habe, eine Karte ziehen!“, entgegnete Maxim harsch und zog seine nächste Karte, bevor er sich wieder Erin zuwendete, „dein Zug!“

Teufel im Detail: 3600Atk → 4000Atk, 3600Def → 4000Def.

Erin zog.

Maxims Monster hatte zwar viele Angriffspunkte, aber das war für sie kein Problem, denn sie konnte nun ein Monster rufen, für das Angriffspunkte keine Rolle spielten.

„Ich spiele den Zauber Fusion! Meine Donnerklang-Kriegerin auf dem Feld vereinigt sich mit der Donnerklang-Seele auf meiner Hand! Gemeinsam bilden sie eine unaufhaltsame Heldin, die es mit jedem Monster aufnehmen kann! Hier kommt Donnerklang-Ritterin!“

Über Erin bildete sich eine dunkle, grummelnde Gewitterwolke.

Ein gleißender Blitz schoss von der Wolke aufs Feld und hinterließ Erins Fusionsmonster.

Auf einem weißen Pferd sitzend präsentierte die soeben gerufene Ritterin stolz ihre goldene Lanze.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Ich bin noch nicht fertig: Wird Donnerklang-Seele als Fusionsmaterial für ein Donnerklang-Monster genutzt und auf den Friedhof gesendet, darf ich das beschworene Fusionsmonster sofort mit ihr ausrüsten! Das gibt meiner Ritterin noch einen zusätzlichen Kraftschub!

Die Lanze der Ritterin begann nun bläulich zu leuchten.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

„Meine Donnerklang-Ritterin ist jetzt kampfbereit! Greife den Teufel im Detail an, mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Kevin schaute fragend, aber Mayla antwortete ihm, bevor er seine Frage stellte: „Erins Monster hat eine besondere Fähigkeit: Ist es mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet, zerstört es jedes Monster noch vor der Schadensrechnung.“

Die Lanze der Ritterin durchdrang Maxims riesigen Teufel mit Leichtigkeit und ließ ihn zerplatzen.

Maxim grummelte und aktivierte gleich den Effekt seines zerstörten Monsters.

„Wenn mein Gegner dumm genug ist, meinen Teufel im Detail zu zerstören, dann kostet ihn das eine Karte! Also, wirf eine deiner beiden Karten ab!“

Die Slifer-Red-Schülerin überlegte kurz, bevor sie sich entschied.

„Gut, ich werfe diese Karte ab und setze die andere verdeckt. Ich beende meinen Zug!“

Maxim war nun wieder am Zug

„Es ist an der Zeit, dass ich dieses Duell beende. Ich habe schon genug Zeit mit euch Abschaum verschwendet! Ich spiele die Zauberkarte Wiederverwertungsfusion! Diese verbesserte Fusionskarte erlaubt es mir für meine Fusionsbeschwörung ein Monster als Fusionsmaterial zu benutzen, das sich bereits in meinem Friedhof befindet, wenn ich mich dafür bereit erkläre keine weitere Spezialbeschwörung in diesem Zug durchzuführen! Somit bilden mein Teufel im Detail im Friedhof und eine meiner Zeitungsenten auf der Hand mein mächtigstes Monster, den einzigartigen Kartenkönig Kreuz-Ass!“

Vor Maxim erschienen das kleine, rote Männchen auf der Zeitung und die aus Zeitungspapier gefaltete Ente und beide verbanden sich in einem Strudel aus Licht.

Als der Strudel verschwand, stand Maxims Fusionsmonster Erin gegenüber.

Der Kartenkönig Kreuz-Ass war eine überdimensionale Spielkarte, deren Glieder und Kopf aus kleineren, lose aneinander gereihten Spielkarten bestanden.

Lediglich das Zepter in der rechten Hand und die Krone waren nicht aus Spielkarten.

Kartenkönig Kreuz-Ass: Stufe 9, 0Atk, 0Def.

Wieder ein Monster mit 0 Angriffspunkten.

Erin ahnte schon, was jetzt kommen würde.

„Dank seines besonderen Effekts erhält mein Kartenkönig 700 Angriffs- und Verteidigungspunkte für jede meiner Handkarten dazu! Bei meinen aktuell neun Karten macht das satte 6300 Punkte!

Kartenkönig Kreuz-Ass: 0Atk → 6300Atk, 0Def → 6300Def.

Maxims Monster wuchs auf eine kolossale Größe heran.

Der nun gigantische König bot einen ehrfurchtgebietenden Anblick und die Zuschauerschaft kam aus dem Staunen kaum heraus.

Für die Akademieneulinge waren Monster mit mehr als 3000 Punkten unüblich, mehr als 4000 waren extrem selten und über 5000 Punkte kaum vorstellbar.

„Sechs... Sechstausend...dreihundert?“, stammelte Erin ungläubig.

Noch nie kam sie sich so klein und irrelevant wie in diesem Augenblick vor.

Wenn es wie angekündigt Maxims Plan war, seine pure Übermacht zu demonstrieren, dann war dieser Plan eindeutig aufgegangen.

Er grinste diabolisch.

„Kartenkönig Kreuz-Ass, zeige keine Gnade! Angriff mit majestätischem Trumpf!“

Der Kopf des Zepters fiel auf Erins Ritterin hinab.

„Ich aktiviere meine verdeckte Karte! Die Falle Elektrobarriere! Wenn ich ein Donnerklang-Monster kontrolliere, darf ich das angreifende Monster zurück in das Deck mischen und zudem die halben Angriffspunkte des zurückgemischten Monsters meinem Gegner als Schaden zuzufügen! Damit verlierst du deinen Kartenkönig und 3150 Lebenspunkte!“

Ein gelblich-transparenter Schild bildete sich über der Ritterin und fing das Zepter des Kartenkönigs ab.

„Deine lächerliche Falle kann mich nicht aufhalten! Ich spiele den zweiten Effekt von Kartenkönig Kreuz-Ass: Ich werfe einfach zwei Karten aus meiner Hand ab und darf so jeden gegnerischen Karteneffekt oder jede gegnerische Beschwörung annullieren und die annullierte Karte vernichten! Damit verhindere ich die Wirkung deiner Barriere und setze meine Attacke fort!“

Maxim legte zwei Handkarten auf den Friedhof und sein Ass-Monster büßte einen Teil seiner irrsinnigen Größe ein.

Kartenkönig Kreuz-Ass: 6300Atk → 4900Atk, 6300Def → 4900Def.

Die gelbe Elektrobarriere über der Ritterin zerbrach und das Zepter drohte auf die Ritterin herabzustürzen.

„Du hast den Effekt meiner Ritterin vergessen! Da sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie im Kampf dein Monster vor der Schadensrechnung zerstören!“, rief Erin.

Maxim konterte sofort:“Du hast wohl vergessen, dass du dich mit einem wahren Eliteduellanten angelegt hast! Der zweite Effekt meines Königs kann nämlich beliebig oft pro Zug genutzt werden! Ich werfe einfach erneut zwei Karten ab, negiere den Effekt deiner Ritterin und zerstöre sie!“

Maxim legte zwei weitere Karten auf den Friedhof.

Kartenkönig Kreuz-Ass: 4900Atk → 3500Atk, 4900Def → 3500Def.

„Meine Ritterin bleibt mir aber erhalten, denn der Effekt der ausgerüsteten Donnerklang-Seele verhindert ihre Zerstörung!“

„Das sehe ich anders!“

Ein drittes Mal legte der Obelisk zwei Karten ab.

Das Hologramm der Ritterin zerplatzte und der Kartenkönig schrumpfte in sich zusammen.

Kartenkönig Kreuz-Ass: 3500Atk → 2100Atk, 3500Def → 2100Def.

Erin realisierte, dass sie verloren hatte.

Alleine durch seinen Effekt hatte der Kartenkönig ihre Elektrobarriere und ihre beiden Monster zerstört. Der Angriff des Monsters ist hingegen noch gar nicht erfolgt und sie hatte keine einzige Karte mehr auf der Hand oder dem Feld, um sich zu schützen.

„Kartenkönig Kreuz-Ass! Direkter Angriff mit majestätischem Trumpf!“, befahl der dritte Kronprinz.

Maxims Monster schlug kräftig zu und erneut riss es Erin von den Füßen.

Das Mädchen schrie vor Schmerzen und wurde gerade noch rechtzeitig von Fiona und Mayla abgefangen, bevor sie zu Boden stürzte.

Erins Lebenspunkte: 1000 → 0.

Maxim deaktivierte seine Disk und ging energisch durch das verblassende Hologramm des Königs, um sich den Kartenordner zu nehmen, den Erin vor dem Duell abgelegt hatte.

„Wag es ja nicht!“, knurrte Erin, doch Maxim ignorierte sie und nahm sich stumm Kevins Karten.

Als er sich wieder umdrehte, erlebte er eine Überraschung.

„Was geht hier vor sich?“, fragte der nun vor ihm stehende Akademiedirektor ernst.

„Direktor Schrainmann! Es ist mir wie immer eine große Freude!“, sagte der Junge mit einem Lächeln und verbeugte sich hastig, „ich habe lediglich ein kleines Testduell mit einer Slifer-Schülerin abgehalten. Wie kann ich Ihnen helfen?“

Maxims Ton klang nun wieder deutlich heller und freundlicher.

„So ein hinterhältiger Arschkrie-“, zischte Fiona leise, bevor ihr ihre Freundinnen mit den Zeigefingern vor den Lippen zu verstehen gaben, dass sie sich diesen Kommentar besser sparen sollte.

Für einen kurzen Augenblick schaute der Direktor an Maxim vorbei auf die drei Mädchen, wendete dann aber seinen Blick wieder ab.

„Es ist mir ebenso eine Freude, Maxim. Nun, vor etwa einer Stunde hat man mir einen Brief unter die Bürotür durchgeschoben, ich solle mich um 19 Uhr zur Sliferunterkunft begeben, es gehe um die jüngste Diebstahlserie. Weißt du, wer den Brief geschrieben haben könnte?“

Maxim schüttelte den Kopf: „Nein, aber rein zufällig habe ich zu den Kartendiebstählen recherchiert. Ich vermutete, dass der Besitzer dieses Ordners sich mit meiner Gegnerin zusammengetan hat um auf Raubtour zu gehen, allerdings hat sich dieser Gedanke nach unserem Duell wohl erledigt“, er drehte sich kurz vom Direktor weg und schaute Erin abschätzig an, „mit ihren mangelnden Fertigkeiten wäre sie dazu wohl kaum in der Lage.“

„Na, Na! Wir haben ja alle mal klein angefangen!“, tadelte Herr Schrainmann.

„Abgesehen davon, haben Frau Ehring und ich immer neue Meldungen bekommen. Es geht nicht mehr nur um Karten. Es fehlen Uniformen, Nahrungsmittel, Schulbücher und einem Schüler hat man das Smartphone weggenommen! Nichts ist diesem Dieb heilig!“

Der Junge nickte bedächtig.

„Ich verstehe, Direktor. Ich werde mich nochmal bei den anderen Häusern nach Hinweisen umsehen. Wenn ich was Neues herausfinde, erfahren Sie es als Erstes.“

Maxim legte den Ordner zu den drei anderen, die er zuvor getragen hatte und ging davon.

Der Direktor hob sogleich einen Ordner auf und blätterte ein wenig.

„Beeindruckende Sammlung, wirklich. Weiß einer von euch, wem die gehören?“

Kevin meldete sich und der Direktor trug den Ordnerstapel zu ihm.

„Haben Sie vielen Dank, Herr Direktor“, bedankte er sich uncharakteristisch freundlich.

Nun wandte er sich mit einem freundlichen Schmunzeln Erin zu.

„Ich sehe schon, du durftest bereits in deinen ersten Wochen einen unserer vorbildlichsten Schüler duellieren. Ich hoffe, du hast ihm auch den wohlverdienten Respekt erwiesen?“

Fiona war kurz vorm Platzen.

Am liebsten hätte sie Herrn Schrainmann lautstark mitgeteilt, wie viel Respekt Maxim in ihren Augen WIRKLICH verdient hätte, aber Mayla, die ihr beruhigend über die Schulter streichelte, konnte ihre Freundin noch rechtzeitig davon abhalten.

„Aber natürlich, Herr Schrainmann“, log Erin mit einem falschen Lächeln.

„Das ist doch schön zu hören! Dann ärgere dich auch nicht, dass Maxim dich verdächtigt hat, er konnte ja nicht wissen, dass du bereits einem Kartendieb erfolgreich das Handwerk gelegt hast.“

„Lächeln und Nicken, Lächeln und Nicken“, dachte sich Erin zwanghaft.

Der Direktor schien auf Maxim große Stücke zu halten und sie war inzwischen wirklich viel zu erschöpft, um sich möglicherweise Ärger einzuhandeln.

„Eine Sache hätte ich da noch: Wegen der Sache, die Frau Ehring neulich mit dir besprochen hat...“

Erin wurde plötzlich ganz hellhörig.

„Es hat sich glücklicherweise erledigt, er ist wohl Zuhause angekommen.“

Mayla und Fiona schauten Erin beide fragend an.

„Später“, antwortete sie beiden knapp.

„Nun, wenn euch nichts mehr auf den Herzen liegt, dann mache ich mal mal wieder auf die Socken!“, kündigte der Direktor salopp an und machte sich auf den Rückweg.

Plötzlich drehte er sich wieder um und sprach die gesamte Zuschauerschaft an: „Ach ja! Und wenn einer von euch herausfindet, welcher Scherzkeks mir den doofen Brief geschrieben hat: Sagt ihm, dass er oder sie sich auf drei Wochen Nachsitzen freuen kann!“

Alle nickten und gingen wieder in die Unterkunft.

Es war inzwischen schon spät geworden.

„Wolltest du nicht den anderen Stöpseln die Karten zurückgeben?“, fragte Kevin nach, während alle in ihren Zimmern verschwanden.

„Du hast „Danke, dass du dich für mich eingesetzt hast“ falsch ausgesprochen“, bemerkte Erin in einem flapsigen Tonfall.

Sie drückte ihm die neun Karten und die Liste der Besitzer in die Hände.

„Das ist dein Job, ich bin für heute durch.“

„Hmpff, ausnahmsweise.“

„Außerdem bin ich sauer auf dich. Du hast mir verheimlicht, dass du neben den Karten auch mit Informationen handelst!“, warf Erin ihm vor und Kevin war überrascht davon, dass sie ihn ertappt hatte.

„Woher weißt-?“

„Dein blöder Fernseher war auf einen Nachrichtensender geschaltet, du hast mich während unseres Duells ziemlich auffällig ausgefragt, dann kanntet du und Maxim euch offensichtlich bereits und er wird als Chefredakteur der Schülerzeitung eher an Informationen als an Karten interessiert sein. Und zuletzt wolltest du in unserem Duell gar nicht gewinnen, sondern hast deinen Karteimagier und die Katze im Sack genutzt, um alle meine Karten anzusehen. Soll ich noch mehr aufzählen?“

Mayla und Fiona, die bisher alles nur so halb verstanden hatten, guckten nun Kevin grimmig an.

„Gut, gut, ich gestehe. Nur posaunt das bitte nicht hier überall rum. Schlechte PR“, gab Kevin zu.

„Warte, ich habe da etwas als kleine Wiedergutmachung.“

Er kramte in einem seiner Ordner eine Weile herum, wurde dann aber fündig und reichte Erin eine Karte.

Es war ein Fusionsmonster mit einer hohen Stufe.

„Donnerklang-Drachenreiterin...“, las Erin beeindruckt, „Woher hast du die?“

„Nun, liebe Erin, da du ja bereits herausgefunden hast, dass ich auch mit Informationen handele, kannst du dir sicher denken, dass ich nicht einfach umsonst Betriebsgeheimnisse weitergebe, hm?“, erwiderte der Karten- und Infohändler altklug.

„Erin, der Typ ist ja zum Kotzen.“, sprach Fiona Erin aus der Seele.

„Danke für dein offenes Feedback, aber ich muss jetzt noch ein paar Zimmer abklopfen, den Blödsinn wieder in Ordnung bringen, den Leroy angerichtet hat. Ich freue mich schon sehr darauf, mit euch in Zukunft Geschäfte zu machen.“

Mit diesen Worten zog Kevin los.

Fiona grummelte: „Jaja, du mich auch.“

Die drei Mädchen gingen zurück auf ihr Zimmer.

Dort angekommen, stieg Erin sofort hoch auf ihr Bett.

Im Gegensatz zu ihren Freundinnen hatte sie kein Nachmittagsnickerchen gemacht und ihr Duell gegen Maxim hatte sie viel Kraft gekostet.

„Ähm, Erin, ich will ja nicht stören, aber ich wüsste gerne, was Herr Schrainmann eben meinte, damit, dass irgendwer zuhause angekommen sei.“

„Gehts um nen Bekannten, oder um Verwandschaft?“

Erin seufzte.

Am liebsten würde sie kurz dösen oder in Ruhe die Decke anstarren, aber nachdem sie ihre Freundinnen belogen hatte, hatte sie das Gefühl ihnen die Erklärung zu schulden.

Sie legte sich an den Rand des Hochbetts und schaute auf Fiona und Mayla hinab.

„Gestern Mittag, als Frau Ehring mit mir unter vier Augen reden wollte, da hat sie mir erzählt, dass Barry, Maylas ursprünglicher Gegner, seit den Probeduellen verschwunden sei und wohl auch schon seine Eltern mehrfach angerufen hätten. Sie fragte, ob ich mehr dazu wisse und als ich ihr gesagt hab, dass ich ihn selbst seitdem nicht mehr gesehen habe, bat sie mich, nichts von Barrys Verschwinden weiterzuerzählen. Also behaltet das bitte für euch, ja?“

„Moment, Barry war bis gestern tagelang verschwunden und ist dann ganz plötzlich wieder aufgetaucht?“, fragte Mayla etwas ungläubig.

Erin zuckte nur mit den Schultern.

„Ganz toll, jetzt habt ihr mich daran erinnert, dass es Barry gab.“, nörgelte Fiona.

„Sind eigentlich alle Jungs hier für den Arsch? Ich habe noch nicht einen gefunden, der mir nicht auf den Wecker ging.“

Mayla räusperte sich:“Also...“

„Außer deinen Daniel. Der ist okay und ich gebe euch meinen Segen.“

„MEINEN Daniel...Segen, was redest du denn da?“

Mayla wurde da ganz rot und konnte Fiona nicht mehr in die Augen sehen, Erin bekam indes kaum noch Luft vor lachen.

Fiona suchte in einem Kleiderhaufen kurz ihre Hausschuhe und zog sie sich an:„Ich gehe schonmal duschen und Zähne putzen. Bis gleich!“

„Bis gleich.“, antworten beide.

„Hm, Fiona hat schon ein wenig Recht“, sagte Erin, „In den ersten paar Tagen haben wir schon einige Duellanten getroffen, die sich gerne an den Karten anderer vergreifen. Maxim wollte Kevin ja auch seine Karten wegnehmen. Und dann läuft hier auch noch irgendein Unbekannter herum, der alles stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist.“

„Ach, so negativ würde ich das gar nicht sehen. Barry wurde immerhin abgelehnt und Leroy wirkte so, als ob er seine Erpressereien aufrichtig bereuen würde.“

„Bei dir ist das Glas aber auch immer halb voll, was?“

Verlegen fasste sich Mayla in den Nacken, während Erin seufzte.

„Mann, gegen diesen dämlichen Maxim hatte ich echt keine Chance. Am Ende hatte er gerade mal 200 Lebenspunkte verloren. Ich habe mich ehrlich noch nie so klein und schwach gefühlt, wie im Kampf gegen seinen Kreuz-Ass.“

Mayla nickte.

„Das kann ich verstehen.“

Beide schwiegen kurz.

„Weißt du Erin, ich finde du brauchst dich nicht schämen. Du hast dich wieder mutig für einen Mitschüler eingesetzt und du hast dein Bestes gegeben.“

Erin lächelte.

Wenn jemand wusste, wie man sie wieder aufbauen kann, dann war das Mayla.

„Außerdem sollte man sich nie schwach fühlen müssen, wenn man duelliert.“

„Wie meinst du das?“

„Naja....also...Hmm..., stockte Mayla kurz, bevor sie sich ihre Sätze zurechtgelegt hatte, “Ich bin in einem Heim aufgewachsen. Die anderen Kinder waren oft ziemlich fies zu mir, weil ich eben nicht so groß bin und mich kaum zur Wehr setzen konnte. Aber als ich damals durch ein Förderprogramm meine erste Dueldisk und später auch mein eigenes Deck bekam, war das völlig egal. Denn beim Duellieren kann ich genauso stark sein, wie ein zwei Meter großer Muskelberg, nur die Strategie und das Können zählt. Das ist das Schönste für mich an Duel Monsters. Wenn dieser Aspekt aber verloren geht und man sich im Duell schwach fühlen muss, dann...nimmt man vielleicht das Spiel einfach etwas zu ernst, weißt du, was ich meine?“

So hatte Erin die Sache bisher nicht gesehen. Im Duell gegen Barry, Kevin und Maxim ging es um stets um einen hohen Einsatz, es war gut möglich, dass das die Ursache dafür wahr, dass sie sich nun schlecht fühlte.

„Das klingt ganz schön weise. Ich werde es mir zu Herzen nehmen. Bist du wegen des Förderprogramms auch zum Probeduell eingeladen worden?“

„Genau. Für mich ist die Akademie eine tolle Chance an meinen Fähigkeiten zu arbeiten und mir eine Zukunft aufzubauen. Aber trotzdem will ich mich nicht unter Druck setzen lassen. Wenn man einmal den Spaß am Duellieren verloren hat und nur noch ans Gewinnen denkt, dann wird man am Ende vielleicht genauso komisch drauf sein wie dieser Maxim.“

„Großer Gott, also wenn ich jemals so werden sollte, dann gebe ich dir und Fiona die Erlaubnis mich zu erschießen!“
 

°°°
 

Es war schon spät abends, als es wieder an Kevins Tür klopfte.

Er öffnete sofort, mit dem Besuch hatte er gerechnet.

Maxim stand vor der Tür.

Kevin lächelte ihn an und ließ ihn gleich rein.

Sie setzten sich nebeneinander aufs Bett und Kevin schmiegte sich an Maxim an.

„Du hast heute eine echt gute Show geliefert. Ich wusste gar nicht, dass in dir so ein guter Schauspieler steckt. Vielleicht solltest du von der Schülerzeitung zur Theater-AG wechseln?“

„Witzbold“, antwortete Maxim und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

„Ich muss zugeben, den Oberbösewicht zu spielen hat Spaß gemacht, aber war diese ganze Scharade denn nötig? Wenn Schrainmann mitbekommt, dass ich ihn wegen nichts aus dem Büro gelockt habe, schreibe ich höchstens noch die Kreuzworträtsel, von dem Ärger für meine Nachtruhebrüche mal ganz abgesehen.“

„Aber unser kleiner Test hat sich gelohnt, oder? Erin hat sich genau so heroisch verhalten, wie erwartet. Sie könnte uns prima unterstützen, sobald wir unseren Angriff starten.“

Maxim zögerte kurz.

„Könnte kompliziert werden. Wie stehen ihre Erinnerungen? Ebenfalls wie erwartet?“

Kevin nickte.

„Leider.“

„Autsch...aber damit hatte sie ja bereits gerechnet.“

„Stimmt. Ich habe Erin ihre Karte gegeben. Das könnte helfen ihr Vertrauen zu gewinnen. Wie weit sind die Vorbereitungen eigentlich?“

„Hecker hat bereits den geflügelten Drachen des Ra aufgetrieben. Den anderen beiden Götterkarten ist er noch auf der Spur. Die Janbres-Zauber sind ebenfalls in unserer Gewalt. Die wichtigste, fehlende Ressource sind aber noch immer Mitstreiter.“

„Puh, dann dauert das Ganze wohl noch etwas“, sagte Kevin etwas enttäuscht.

„Ich kann es kaum erwarten mit dir zusammen in die Welt zu ziehen. Diese Akademie macht mich ganz krank.“

„Geht mir doch ganz genauso. Dieser verfluchte Ort bringt nur das Schlechteste im Menschen zum Vorschein.“

Maxim legte zärtlich seinen Arm um Kevin.

„Noch ein wenig Geduld. Bald werden wir die Duellakademie ein für alle Mal zerstören.“
 

_____________
 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Donnerklang-Inkarnation: Stufe 2, 700Atk, 0Def, Attribut Licht, Typ Donner, Union/Effekt:

Einmal pro Spielzug, während deiner Main Phase, kannst du ein „Donnerklang“-Monster vom Typ Krieger , das du kontrollierst, mit dieser Karte als Ausrüstungskarte ausrüsten ODER diese Karte ausklinken, um sie als Spezialbeschwörung in die offene Angriffsposition zu beschwören. Solange diese Karte durch diesen Effekt ein Monster ausrüstet, erhält das ausgerüstete Monster 700 Atk. (Ein Monster kann zu jeder Zeit nur mit 1 Union-Monster ausgerüstet sein. Falls das ausgerüstete Monster zerstört werden würde, zerstöre stattdessen diese Karte.) Einmal pro Spielzug, falls diese Karte zerstört wird: Füge deiner Hand eine „Fusion“ zu.
 

Zeitungsente, Stufe 2, 600Atk, 800Def, Attribut Wind, Typ geflügeltes Ungeheuer, Normal
 

Goldfeder-Eule: Stufe 3, 900Atk, 1200Def, Attribut Wind, Typ geflügeltes Ungeheuer, Effekt:

Wenn du diese Karte als Normalbeschwörung beschwörst: Füge deiner Hand bis zu zwei „Goldfeder-Eule“ aus deinem Deck hinzu. Du erhältst 300 Lebenspunkte für jede Karte auf deiner Hand.
 

Teufel im Detail: Stufe 4, 0Atk, 0Def, Attribut Erde, Typ Unterweltler, Effekt:

Diese Karte kann nicht als Normalbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kann einmal pro Spielzug als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du ein Monster, das du kontrollierst deiner Hand zufügst. Diese Karte erhält 400Atk und 400Def für jede Karte auf deiner Hand. Einmal pro Spielzug: Wenn diese Karte durch eine Karte deines Gegners zerstört wird: Dein Gegner wirft eine Karte aus seiner oder ihrer Hand ab.
 

Kartenkönig Kreuz-Ass, Stufe 9, 0Atk, 0Def, Attribut Licht, Typ Hexer, Fusion/Effekt:

1 „Teufel im Detail“ + 1 Normales Monster

Muss zunächst als Fusionsbeschwörung beschworen werden. Diese Karte erhält 700Atk und 700Def für jede Karte auf deiner Hand. Während des Zuges beider Spieler, wenn dein Gegner einen Karteneffekt aktiviert oder ein Monster beschwört: Wirf zwei Karten von deiner Hand ab und annulliere den Karteneffekt oder die Beschwörung und zerstöre die Karte.
 

Zauberkarten:
 

Donnerbeschwörung, Schnellzauberkarte:

Beschwöre ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus deiner Hand. Du kannst mit diesem Monster sofort ein Donnerklang-Monster vom Typ Krieger ausrüsten.
 

Multipresse, Normale Zauberkarte:

Wähle ein normales Monster der Stufe 2 oder niedriger, das du kontrollierst und in diesem Zug beschworen hast: Beschwöre bis zu zwei Monster mit dem gleichen Namen aus deinem Deck, Friedhof oder aus deiner Hand als Spezialbeschwörung.
 

Extrablatt! Extrablatt!, Permanente Zauberkarte:

Während deiner End Phase: Du musst keine Karten aus deiner Hand abwerfen, wenn du 12 oder weniger Karten auf deiner Hand hast. Während der End-Phase, in dem Zug, in dem du diese Karte gespielt hast: Ziehe eine Karte.
 

Wiederverwertungsfusion, Normale Zauberkarte:

Beschwöre ein Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung aus deinem Extradeck, indem du Monster von deiner Hand oder deinem Feld als Fusionsmaterial nutzt. Du darfst außerdem ein Monster aus deinem Friedhof als Fusionsmaterial nutzen. Du kannst in diesem Zug keine weitere Spezialbeschwörung durchführen.
 

Fallenkarten:
 

Elektrobarriere, Normale Fallenkarte: Wenn du ein „Donnerklang“-Monster kontrollierst, wenn ein gegnerisches Monster einen Angriff deklariert: Mische das Monster zurück in das Deck deines Gegners und füge deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Atk des Monsters zu.
 

Neuauflage, Normale Fallenkarte:

Aktiviere diese Karte in deiner Battle Phase oder der Battle Phase deines Gegners:

Füge alle Monster, die du kontrollierst deiner Hand zu. Ziehe eine Karte für jedes Monster, das du mit dieser Karte deiner Hand zugefügt hast.
 

Fehldruck, Normale Fallenkarte:

Zerstöre ein Monster, das dir in diesem Zug Kampfschaden zugefügt hat. Füge deiner Hand ein Monster aus deinem Deck zu, dessen kombinierte Angriffs- und Verteidigungspunkte geringer sind, als der Kampfschaden, den dir das zerstörte Monster zugefügt hat.

In der Hitze des Gefechts

„Na, wer weiß die Antwort?“, fragte die Lehrerin in der Obelisk-Uniform.

Frau Mentzel, eine junge, etwas beleibtere Frau mit rabenschwarzen Locken, schritt vor der breiten Projektionsfläche des Beamers hin und her.

Sie schaute in den Saal, insbesondere auf die linke Seite.

Das Auditorium bot gerade so genug Sitzplätze für die etwa 600 Schülerinnen und Schüler, die vor einem Monat von der Duellakademie aufgenommen wurden.

Es war, wenn man einen Blick durch die sitzende Schülerschaft warf, gut erkennbar, dass das Bewertungssystem in den Probeduellen darauf ausgerichtet war, jedem Haus etwa gleich viele neue Schülerinnen und Schüler zuzuordnen.

Keine Uniformfarbe hatte eine eindeutige Mehrheit.

Auch zu ersehen war die blockartige Verteilung der Sitzplätze:

Die Schüler der verschiedenen Häuser blieben vorwiegend unter sich, so saßen auf dem linken Flügel überwiegend die Slifer, in der Mitte waren die Ras und die Obelisken waren rechts.

Nur selten verirrten sich einige Ra-Schüler in die anderen Blöcke und es gab auch eher wenige Slifer- oder Obelisken-Schüler im Ra-Block.

Obelisken und Slifer vermischten sich gar nicht.

„Ich wiederhole nochmal die Frage: Wie wird eine Fusionsbeschwörung durchgeführt?“

Es war nicht so, als ob sich beim ersten Mal niemand gemeldet hätte, ganz im Gegenteil.

Wie üblich meldeten sich überwiegend die Schülerinnen und Schüler in blau, während im roten Block sich nur wenige trauten.

Meistens waren es nur Erin, die neben ihr sitzende Fiona und manchmal noch die etwas schüchternere Mayla und Daniel, die sich am Unterricht beteiligen wollten.

Auch diesmal meldeten sich nur die üblichen vier.

Die Lehrerinnen und Lehrer versuchten normalerweise die leistungsschwächeren Schüler zu motivieren, anstatt jedes Mal einen Obelisken oder Ra dranzunehmen.

So kam es zu Situationen wie diesen.

Frau Mentzel wartete nochmal kurz, bevor sie auf Daniel zeigte um ihn aufzurufen.

„Um eine Fusionsbeschwörung einzuleiten, aktiviert man eine Fusionskarte und bietet zwei Monster auf der Hand oder dem Feld als Tribut. Diese Monster nennt man Fusionsmaterialmonster und sie bilden das neue Fusionsmonster, das aus dem Extradeck gerufen wird. Die genauen Bedingungen an das Fusionsmaterial unterscheiden sich dabei von Fusionsmonster zu Fusionsmonster.“,antwortete er selbstbewusst und recht flüssig.

Aus dem rechten Flügel war nach Daniels Antwort Getuschel und auch leises Gelächter zu hören, was nicht unüblich war, wenn ein Slifer eine falsche Antwort gab.

Erin fasste sich an den Kopf.

Sie spielte selbst einige Fusionsmonster und kannte sich daher besser mit diesen aus, bewunderte allerdings auch Daniels Mut, sich immer wieder aufs Neue zu melden, auch wenn er nie zu hundert Prozent Bescheid wusste.

„Nun, ähm, da war ja schon viel Richtiges dabei. Allerdings ist anzumerken, dass Fusionsmaterialmonster nicht als Tribut angeboten, sondern lediglich auf den Friedhof gesendet werden. Außerdem werden nur MINDESTENS zwei Fusionsmaterialmonster eingesetzt, manche stärkeren Fusionsmonster fordern drei oder sogar vier Monster als Material.“

Daniel lauschte stumm und konzentriert und machte sich emsig Notizen.

Sein Credo war: „Es ist okay Fehler zu machen, es ist nur nicht okay Fehler zu wiederholen.“

Die Lehrerin malte nun mit dem Touchpad des Laptops, welcher am Beamer angeschlossen war, ein Schaubild, dass die Fusionsbeschwörung verdeutlichen sollte, welches die Schülerinnen und Schüler abmalten.

Sie stellte nun die nächste Frage.

„Was sind die Kosten einer Fusionsbeschwörung in Bezug auf die Kartenvorteilsrechnung?“

Erin schaute gelangweilt und meldete sich.

Wieder eine Frage, die sie mühelos beantworten könnte.

Eine Schülerin aus Obelisk-Blue wurde drangenommen: „Bei der Fusionsbeschwörung werden mindestens drei Karten aus der Hand oder dem Feld eingesetzt, um ein Fusionsmonster, also eine Karte zu rufen. Daher entspricht in der Regel der Verlust an Kartenvorteil der Anzahl der benötigten Fusionsmaterialmonster. Dieser Verlust wird aber beispielsweise durch Karten wie Wiederverwertungsfusion abgefedert, die ein bereits im Friedhof befindliches Monster als Fusionsmaterial nutzen kann.“

Eine perfekte Antwort, die Erin auf schmerzliche Weise an ihre Niederlage gegen Maxim erinnerte.

Die Kartenvorteilsrechnung hatte die Grundannahme, dass eine Karte, die ein Spieler spielt oder kontrolliert, in etwa eine Karte des Gegners neutralisieren kann.

Hat Spieler A zum Beispiel vier Karten auf der Hand und drei auf dem Feld und Spieler B keine Karten auf der Hand und fünf auf dem Feld, so hat Spieler A, der ja insgesamt sieben Karten hält oder kontrolliert, einen Kartenvorteil von zwei.

Das Deck von Maxim Dreher hatte Erins vor zwei Wochen in der Generierung von Kartenvorteil meilenweit abgehängt.

So konnte er, als er seinen Kartenkönig Kreuz-Ass rief, ohne Probleme Kartenvorteil opfern um jeden Spielzug von Erin zu annullieren.

„Eine sehr gute Antwort! Prima!“, freute sich die Lehrerin und vervollständigte das Schaubild, während sie weitere Beispiele für Karten, die Fusionsbeschwörungen effizienter machten, nannte.

Mayla gähnte.

Es war nun bereits die achte Unterrichtsstunde und keine der drei Mädchen schaffte es, am Ende des Schultags noch viel Energie aufzubringen, auch wenn sie, insbesondere Fiona, sich bemühten.

Außerdem war „Fusionslehre I“ ein für Mayla eher uninteressantes Fach, da sie nie Fusionsmonster gespielt hat und auch nicht vorhatte, jemals welche in ihr Deck zu tun.

Das einzig für Mayla Spannende für sie an dem Fach war es mögliche Schwächen von Fusionsmonstern zu finden, um Erin häufiger besiegen zu können.

Nun musste auch Erin gähnen und sie fühlte sich ein bisschen schlecht dafür.

Frau Mentzel gehörte definitiv zu den besseren Lehrerinnen und Lehrern der Akademie, auch wenn sie erst seit einem Jahr ihr Referendariat beendet und damit weniger Erfahrung hatte.

Unter den Lehrern waren auch die den dreien bereits bekannten Herr Althus, Herr Schrainmann und Frau Ehring und sie waren allesamt mittelmäßig bis entsetzlich:

Herr Althus hatte große Probleme mit der modernen Technik im Auditorium und seine monotone Stimme machte aktives Zuhören sehr schwierig.

Herr Schrainmann war einfach nur extrem durcheinander, regelmäßig vergaß er Lehrmaterialien, oder auf welchen Buchseiten die letzte Unterrichtsstunde aufgehört hatte.

Auch Pünktlichkeit gehörte nicht zu seinen Stärken.

Das wäre an sich halb so schlimm, aber er neigte dazu, die fünf bis fünfzehn Minuten, die er zu spät kam, ans Unterrichtsende dranzuhängen, was wiederum die Pausenzeit der Schülerinnen und Schüler verringerte.

Am schlimmsten war allerdings Frau Ehring:

Sie war nicht nur gnadenlos streng, was dazu führte, dass es keine Stunde gab, an deren Ende nicht einer oder mehrere Schüler wegen Kleinigkeiten nachsitzen mussten, sie gab auch lawinenartige Unmengen an Hausaufgaben auf.

Vorgestern hatte ein übermütiger Ra-Schüler sich über die Hausaufgabenmenge beschwert und sich damit zwei Wochen Nachsitzen eingehandelt.

„Gut, meine letzte Frage für heute: Was geschieht eigentlich, wenn eine Fusionsbeschwörung annulliert wird ?“

Erin schreckte ein wenig auf.

Diese Frage erwischte sie auf einem kalten Fuß, sie konnte sich nicht daran erinnern, wann ihr sowas zuletzt in einem Duell passiert ist.

Erin behielt den Arm, genauso wie die zögernde Mayla und Daniel diesmal unten, lediglich Fiona meldete sich und war damit im Camp der Roten die Einzige.

Frau Mentzel nahm Fiona dran und Erin war auf die Antwort gespannt.

„Bei der Annullierung einer Fusionsbeschwörung unterscheidet man zwischen zwei Fällen: Erstens die Annullierung des Effekts, die die Fusionsbeschwörung auslöst und zweitens eine Annullierung der Beschwörung. Im ersten Fall führt eine Annullierung dazu, dass die Fusionsmaterialien nicht auf den Friedhof gesendet werden, da es sich dabei um einen Teil des Karteneffekts und nicht um Aktivierungskosten handelt. Wird allerdings die Beschwörung selbst annulliert, verliert der Gegenspieler sowohl das Fusionsmonster selbst, als auch die Fusionsmaterialmonster, weshalb die Annullierung der Beschwörung strategisch vorteilhafter ist. Die gleichen Regelungen gelten übrigens exakt genauso für Ritualbeschwörungen.“

Es war kurz still, bevor Frau Mentzel anerkennend nickte.

„Eine großartige Antwort! Sehr gut!“, schwärmte sie begeistert.

Auch Erin zeigte sich stark beeindruckt von Fionas umfangreichen Wissen über Fusionsmonster.

Tatsächlich hatte sie Fiona noch nie duellieren sehen.

Wenn die drei Freundinnen mit den Hausaufgaben fertig waren, lernte Fiona oftmals alleine weiter, während sich Mayla und Erin gegenseitig duellierten oder andere Gegenspieler suchten.

Jetzt hatte Erin aber die Neugierde gepackt.

Ob Fiona wohl selbst Fusionsmonster benutzt?

Der Gong ertönte und Frau Mentzel versuchte ihr Bestes, die Schülerinnen und Schüler, die zugleich ihre Sachen zusammenpackten zu übertönen: „Hausaufgaben zu nächster Stunde sind Seite 39 Nummer eins bis vier und auf Seite 40 Nummer sechs. Außerdem lest ihr euch bitte Seite 42 aufmerksam durch und die Extrafleißigen dürfen auch die Aufgaben zum Text bearbeiten! Bis nächste Woche und habt ein schönes Wochenende!“

Auch die drei Mädchen standen nun auf und drängten sich aus dem Lehrsaal.

Sie waren gerade durch den großen Hauptausgang durchgegangen, als Fiona plötzlich mit einem Knall zu Boden fiel.

„Guckt mal, Ladys, diese Klugscheißerin kann noch nicht mal richtig laufen!“

Eine Obeliskschülerin mit eiskalten blauen Augen, braunen Locken und pinken Ohrringen sah hämisch auf die am Boden liegende Fiona hinab, während ihre Clique, bestehend aus drei weiteren Obeliskmädchen, über ihren Spruch kicherte.

Mayla kniete sich vor Fiona hin, um ihr aufzuhelfen, doch diese drehte sich wütend zur Obeliskschülerin um.

„Du hast mir ein Bein gestellt! Das war doch Absicht!“, brüllte Fiona, während sie ihr vom Fall schmerzendes Knie rieb.

„Slifer und ihre Ausreden! Du weißt doch sonst so viel? Vielleicht solltest du mal herausfinden, wie man geht, ohne zu stolpern?!“

Eine ihrer Freundinnen tat nun so, als ob sie selbst stolperte und schüttete dabei ihre offene Limonadenflasche Fiona ins Gesicht.

„Ups, wie ungeschickt von mir!“, bemerkte sie sarkastisch und die Obeliskin mit den pinken Ohrringen lachte und antwortete ihr.

„Ach, das kann aber schon passieren, dass man hier hinfällt“, sie schaute mit purer Verachtung auf Fiona hinab, „bei all dem MÜLL, der hier rumliegt!“

Die vier gingen nun laut gackernd an Fiona, Mayla und Erin vorbei.

Erin schäumte nun förmlich vor Wut und wollte ihnen gleich hinterherlaufen.

„Diese dämliche Tussi kauf ich mir!“

„Nein, Erin!“, fuhr Fiona sie an und stand mit Maylas Hilfe auf.

„Lass es gut sein. Ich will jetzt erstmal aufs Klo um mich ein bisschen zu waschen, danach gehen wir zum Sliferplatz. So wie immer.“

Erin ballte die Hand wütend zur Faust, atmete dann aber einmal tief ein und aus, das half ihr sich zu beruhigen.

Sie wollte sich nicht mit Fiona streiten und nickte einfach ohne etwas zu sagen.

Die drei gingen zur nächsten Mädchentoilette und am Waschbecken spülte sich Fiona das Gesicht, den Hals und die Haare, die sie notdürftig mit Papiertüchern abzutrocken versuchte.

„Klebt es noch?“, fragte Mayla besorgt.

„Alles gut“, entgegnete Fiona doch ihre Freundinnen erkannten, sofort, dass ihr der Vorfall noch sehr zu schaffen machte.

„Alles gut... Lasst uns losgehen.“

„Unser Wochenende wäre deutlich schöner, wenn Frau Mentzel uns nicht wieder so viel aufgegeben hätte“, nörgelte Erin auf dem Weg und wechselte damit bewusst das Thema, damit es Fiona vielleicht besser ginge.

Die fünf besagten Aufgaben waren zwar nicht sehr umfangreich und eine Seite lesen dauerte auch nicht lange, aber es gab ja auch noch in den anderen Fächern genug zu tun.

„Also ich finde Frau Mentzel sehr nett und wenn wir uns gleich zusammensetzen, ist das schnell erledigt.“, antwortete ihr Mayla.

Zügig schritten die drei nebeneinander die Gänge entlang.

Ihr gemeinsames Ziel war der Sliferplatz, dort hatten sie bereits ihren Lieblingstisch zum gemeinsamen Arbeiten gefunden.

Allerdings musste man sich ziemlich beeilen, damit einem die anderen Sliferschüler nicht den Sitzplatz vorher wegnahmen, denn der Hausplatz war sehr populär und sie hatten nun schon etwas Verspätung.

Doch Erin, Fiona und Mayla hatten heute Glück.

Ihr Stammplatz war frei und das Wetter war genau richtig, um im Freien arbeiten zu können: Trocken, nicht zu warm oder zu kalt und nur wenig Wind, der die Zettel durcheinander wirbeln konnte.

Nach knappen zwei Stunden waren die Mädchen endlich mit allen Hausaufgaben fertig.

Mayla stöhnte erschöpft, während sie und Erin ihre Bücher und Hefte wieder in ihren Taschen verstauten.

Fiona hingegen bearbeite die von Frau Mentzel gestellten Zusatzfragen.

„Unsere Fiona ist heute mal wieder „extrafleißig“ “, bemerkte Erin schnippisch und Mayla musste schmunzeln.

„Hast du Lust auf ein Duell? Dann stören wir Fiona auch nicht beim Lernen“, fragte Mayla.

„Hmmm, mir ist gerade nicht danach, bin völlig KO. Aber vielleicht ist ja dein neuer Freund in Duellstimmung?“

Mayla wurde rot.

Neulich Abend hatte Erin Mayla und Daniel dabei erwischt, wie sie händchenhaltend hinter der Unterkunft saßen.

Seitdem waren Fiona und insbesondere Erin sehr neugierig darauf geworden wie es nun zwischen den beiden steht, aber Mayla wusste selbst nicht so ganz, ob sie schon mit Daniel zusammen war, oder ob er es nicht vielleicht anders sah.

„Ähm, also... ich, tja, ich...gucke mich mal um“, statterte Mayla und stand auf.

Erin blieb sitzen und grinste sie überzogen breit an.

„Tu das. Ich wünsche euch zwei viel Spaß!“

Nun saßen nur noch Erin und die vor sich hin schreibende Fiona gegenüber und Erin döste ein wenig.

Topfit war sie nach einem langen Schultag wirklich nicht mehr, allerdings war das nicht der Grund, warum sie Maylas Herausforderung abgelehnt hatte.

Sie wollte sich sehr wohl duellieren, nur eben nicht mit ihr.

„Hast du eine Idee bei Frage drei? Der Rest war total easy, aber die hier ist voll komisch formuliert!“, fragte Fiona.

Sie drehte das Buch zu Erin hin und sie las sich die Frage nochmal durch.

„Ich glaube der Teil mit der Beschwörung vom Friedhof bezieht sich auf den ersten Absatz, ergibt ja sonst wirklich keinen Sinn“, antwortete Erin nach kurzem Grübeln.

Fiona nahm sich das Buch wieder und guckte kritisch.

„Okay... also schreibe ich einfach, dass Fusionsmonster nur aus dem Friedhof als Spezialbeschwörung gerufen werden können, wenn sie zuvor regulär als Fusionsbeschwörung gerufen wurden, nicht aber wenn sie direkt vom Extradeck auf den Friedhof gelegt wurden...Das kam mir etwas zu simpel vor.“

„Manchmal ist das Leben simpel.“

Fiona schrieb eilig ihren letzten Satz und klappte dann zufrieden ihr Buch zu.

„Ich finde es cool, wie gut du dich zum Lernen motivieren kannst. Ich würde mich am liebsten nur den ganzen Tag duellieren.“

Fiona grinste, sie freute sich über das Kompliment.

„Weißt du, es ist nicht so, dass ich gar keine Freude an Duel Monsters habe, aber mir geht es eher darum mich selbst zu beweisen. Dafür muss ich nicht unbedingt viele Duelle spielen. Bestnoten zu erreichen und mein Theoriewissen zu vertiefen sind dazu genauso gut geeignet. Außerdem ist unser GY-Score im Gegensatz zu unseren Noten nicht relevant für den Häuserwechsel.“

„Das ist schade, ich wollte dich gerade herausfordern.“

„Und ich wollte nochmal meine Notizen von gestern durchgehen“,

sagte Fiona und holte eine ihrer vielen bunten Mappen aus dem Rucksack.

Erin war nun etwas frustriert und überlegte sich, wie sie ihre Freundin zu einem Spiel überreden konnte.

„Angst zu verlieren?“

Im Zweifelsfall wirkten kleine Sticheleien bei Fiona Wunder, aber der Spruch war wohl etwas zu offensichtlich.

Sie lachte.

„Offen gesagt, ja. Ich duelliere mich nicht einfach mit allen und jeden. Wenn ich spiele, will ich mir sicher sein, dass ich auch gewinnen werde und das bin ich mir bei dir einfach nicht.“, antwortete sie, ohne den Blick von ihrer Mappe abzuwenden.

Erin ging nun ein Licht auf.

„Deswegen hast du dich auch nicht gegen diese doofe Obeliskentrulla zur Wehr gesetzt, oder?“

Zwar war Fiona wie ihre Freundinnen auch zu stark für das Sliferhaus, aber man hatte Fiona anhand ihrer Duellleistung lediglich dem Haus Ra-Yellow zugeordnet.

Gegen einen Obelisken hatte Fiona also tatsächlich wohl keine guten Karten.

Sie schmollte und las ohne zu reagieren weiter.

Erin hatte versehentlich einen wunden Punkt getroffen.

„Sobald ich soweit bin, werde ich sie besiegen. Ihr beiden braucht euch keine Sorgen zu machen.“

„Ich wette, du bist weiter als du denkst“, entgegnete Erin, „Niemand hier lernt so viel wie du, Fiona. Du hast dich, seit wir hier angefangen haben, wahrscheinlich schon deutlich verbessert.“

Nun hatte Erin Fiona erfolgreich umgestimmt.

Fiona klappte nun auch ihre Mappe wieder zu.

Wenn sie ehrlich mit sich war, war sie inzwischen auch nicht mehr allzu aufnahmefähig.

„EIN Duell, du Nervensäge!“, sagte sie und grinste Erin neckisch an.

Beide Mädchen stellten sich gegenüber und aktivierten ihre Dueldisks.

Fiona machte den Anfang.

„Ich beginne mit diesem lieblichen Monster: Der Solaritus Hydrazinthe im Verteidigungsmodus!

Ein Blumenmonster mit blauen Blüten, aus denen bezahnte Mäuler ragten, stellte sich mit einem wilden Fauchen vor.

Solaritus Hydrazinte: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

Erin war nicht beeindruckt: „Dein zu groß geratenes Unkraut macht mir keine Angst, das kriege ich schon noch klein!“

„Ach ja? Dann passt es ja prima, dass ich noch zwei verdeckte Karten setze, damit meiner Hydrazinthe nichts passiert!“

Zwei verdeckte Karten erschienen vor Fiona.

„Ich beende meinen Zug. Bevor du aber dran bist, aktiviert sich der Effekt meiner Hydrazinthe: In meiner End Phase darf ich ein beliebiges Solaritus-Monster aus dem Deck suchen und meiner Hand zufügen. Außerdem lege ich ein weiteres Solaritus-Monster von meinem Deck direkt auf den Friedhof. Ich füge also Solaritus Glutstacheligel meiner Hand zu und mein Solaritus Glückskäfer kommt auf den Friedhof.“

Fiona zeigte Erin beide ausgewählten Monster vor.

„Du bist dran!“

Ihr erster Zug diente dazu, sich auf den weiteren Duellverlauf vorzubereiten, das war Erin klar.

Die beste Strategie gegen Decks, die sich langsam aufbauen, ist es schnell und aggressiv vorzugehen.

„Ich beginne sofort mit einer Fusionsbeschwörung: Ich fusioniere meine Donnerklang-Gardna mit der Donnerklang-Inkarnation auf meiner Hand! Zeig dich und bring mir den Sieg! Donnerklang-Ritterin!“

Aus einer dunklen Gewitterwolke schoss ein Blitz auf das Spielfeld hinab, als das Licht des Blitzes verblasste, saß die Ritterin kampfbereit auf ihrem Ross.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk, 2000Def.

„Das ist noch nicht alles! Ich nutze jetzt den Schnellzauber Fusionskompensation! Diese tolle Zauberkarte erlaubt es mir bis zu zwei Monster der Stufe 4 oder geringer, die ich als Fusionsmaterial für eine Fusionsbeschwörung nutze, als Spezialbeschwörung zu rufen, allerdings dürfen diese Monster nicht in diesem Zug angreifen. Deshalb rufe ich Donnerklang-Gardna und Donnerklang-Inkarnation im Verteidigungsmodus!“

Beide Monster erschienen vor Erin.

Donnerklang-Gardna: Stufe 3, 100Atk, 2000Def.

Donnerklang-Inkarnation: Stufe 2, 700Atk, 0Def.

„Ich habe in diesem Zug noch keine Normalbeschwörung durchgeführt. Deshalb rufe ich von meiner Hand die Donnerklang-Kriegerin!

Die Kriegerin streckte ihr Schwert siegesgewiss Fiona entgegen.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

Fiona schaute ein wenig ungläubig auf Erins Seite des Feldes.

„Hast du gerade vier Monster in deinem ersten Zug beschworen?!“

Erin lächelte: Sieht ganz so aus! Zwar werden daraus gleich nur noch drei Monster, aber deine Probleme werden sich dadurch verdoppeln: Denn jetzt rüste ich meine Donnerklang-Kriegerin mit der Inkarnation aus! Das verschafft ihr pro Battle Phase einen ganzen zusätzlichen Angriff!

Blaue, zuckende Blitze durchdrangen nun das Schwert der Kriegerin.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2200Atk.

„Ich bin bereit zum Angriff! Donnerklang-Kriegerin, zerstöre die Solaritus Hydrazinthe! Statische Spaltung!“

Die Kriegerin rannte auf Fionas Pflanzenmonster zu und zerschnitt es mit einem gezielten Schwertschlag.

„Dir bleiben keine Monster mehr übrig, Fiona! Deshalb greift dich meine Kriegerin jetzt direkt an!“

„So leicht mache ich es dir nicht! Ich aktiviere die permanente Falle Tribut an das Licht: Wenn ein Monster mich direkt angreift, darf ich ein Solaritus-Monster aus meinem Deck direkt auf den Friedhof senden. Dadurch verlieren deine Monster noch vor der Schadensrechnung 1000 Angriffspunkte. Ich sende eine weitere Solaritus Hydrazinthe von meinem Deck auf den Friedhof!“

Die Fallenkarte deckte sich auf und Erins Kriegerin schrumpfte in sich zusammen.

Donnerklang-Kriegerin: 2200Atk → 1200Atk.

Die Kriegerin schlug Fiona mit dem Schwert, diese stolperte ein paar Schritte zurück.

Fionas Lebenspunkte: 4000 → 2800.

Fiona verschnaufte kurz und sah Erin dann herausfordernd an: „Na, wagst du noch einen direkten Angriff mit deiner Ritterin, oder soll sie ihre Angriffspunkte behalten?“

Da brauchte Erin nicht lange überlegen.

Es war offensichtlich, dass Fiona irgendetwas mit den ganzen Monstern in ihrem Friedhof vorhatte, allerdings konnte Erin auch unmöglich einfach nur abwarten, bis sich eine Möglichkeit ergab Fionas Falle zu zerstören.

Es galt das Duell schnell zu gewinnen, bevor Fiona ihren gesammelten Vorteil verwerten konnte.

„Die Donnerklang-Ritterin greift dich jetzt mit ihrem 10.000-Volt-Stoß direkt an! Attacke!“

„Der Effekt von Tribut an das Licht aktiviert sich und ich schicke die letzte Hydrazinthe vom Deck auf den Friedhof! So verringern sich die Angriffspunkte deiner Ritterin!“

Nun wurde auch Donnerklang-Ritterin kleiner und stach dann mit der Lanze auf Fiona ein.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 1500Atk.

Fionas Lebenspunkte: 2800 → 1300.

Fiona hatte zwei direkte Angriffe hintereinander eingesteckt und dabei bereits zwei Drittel ihrer Lebenspunkte verloren.

Sie keuchte und stütze sich auf ihren Oberschenkeln ab.

„Alles gut bei dir?“, rief ihr Erin zu.

„Ging mir....nie besser!“, japste Fiona und richtete sich wieder auf, „Bist du fertig?“

„Bitte, du bist am Zug!“

Fiona zog.

Pass gut auf, ich werde ab jetzt dieses Duell voll für mich rumreißen! Ich beschwöre im Verteidigungsmodus den Solaritus Glutstacheligel!“

Das Igelmonster mit rot glühenden Nadeln auf dem Rücken begrüßte die Duellantinnen mit einem Quieken.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

Der Effekt meines Igels aktiviert sich direkt, nachdem er als Normalbeschwörung gerufen wird: Ich darf jetzt ein Solaritus-Monster als Spezialbeschwörung aus dem Friedhof rufen! Sag Hallo zu meinem Solaritus Glückskäfer!

Ein fröhlich lachender übergroßer Marienkäfer mit Sternen statt Punkten erschien.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def.

„Jetzt wird es langsam richtig heiß! Ich nutze den Spielfeldzauber Ritualstätte der Gebrandmarkten!“

Kaum hatte Fiona den Zauber aktiviert, schon veränderten die Hologramme der Dueldisk das gesamte Spielfeld.

Die grüne Wiese, auf der Sie standen wich schwarzem Kopfsteinpflaster.

Aus dem Boden erhoben sich acht kreisförmig aufgestellte, antik aussehende Säulen, an deren Spitzen große Flammen loderten.

In diesem Kreis leuchteten auf dem Boden rote Linien, die das Bild einer weiteren Flamme bildeten.

„Dein Spielfeldzauber ist ganz schön düster!“, bemerkte Erin.

Sie kannte diesen Spielfeldzauber.

Er diente dazu, die Ritualbeschwörung von Monstern mit dem Feuer-Attribut zu unterstützen.

So viel also zu ihrer Vermutung, ihre Freundin würde ebenfalls auf Fusionen setzen.

Auch Fionas Monster schienen sich in der Ritualstätte nicht wirklich wohl zu fühlen.

Nervös blickten der Igel und der Marienkäfer hin und her.

Fiona grinste.

„Tja, eitel Sonnenschein war jetzt ja auch lang genug oder? Ich mache jetzt voll ernst und spiele den Ritualzauber Solaritus Siegel: Ich muss Monster mit dem Gesamtlevel oder höher des zu beschwörenden Ritualmonsters als Tribut anbieten. Dabei aktiviert sich der Effekt von meinem Spielfeldzauber. Ritualstätte der Gebrandmarkten verdoppelt die Stufen der Monster, die ich als Tribut für die Ritualbeschwörung eines Feuer-Monsters anbiete!“

Eine rötliche Aura bildete sich um Fionas Monster, als sie ihre Stufe erhöhten.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3 → Stufe 6.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1 → Stufe 2.

„Gemeinsam haben mein Igel und mein Käfer eine Stufe von acht, damit darf ich also ein Ritualmonster der Stufe acht oder niedriger ausspielen! Und da habe ich genau das Richtige! Heiz Erin ordentlich ein, Solaritus Sonnenanbeterin!“

Der Glutstacheligel und der Glückskäfer verwandelten sich in kleine Feuerbälle, die immer enger und enger umeinander kreisten und schließlich kollidierten, woraus eine rauschende Feuersäule entstand.

Aus der Feuersäule krabbelte langsam Fionas neues Monster hervor, eine etwa zwei Meter hohe Fangschrecke mit glühend heißen Fangbeinen.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

Fiona war noch nicht fertig: „Mein Solaritus Siegel hat einen zweiten Effekt: Ich darf Solaritus-Monster bis zur gleichen Anzahl der als Tribut angebotenen Monster von meinem Deck auf den Friedhof senden! Da ich für diese Ritualbeschwörung zwei Monster genutzt habe, darf ich bis zu zwei Monster auf den Friedhof schicken. Ich wähle dafür einen weiteren Solaritus Glückskäfer und das Ritualmonster Solaritus Sonnenatlas!“

Wie gesagt, tat Fiona die beiden Monster aus ihrem Deck auf den Friedhof.

Erin hatte zwischendurch mitgezählt: Drei Hydrazinthen, zwei Glückskäfer, ein Glutstacheligel und der Sonnenatlas machten zusammen ganze sieben Monster.

Was hatte sie bloß mit all den Monstern vor?

„Der Spaß endet noch nicht, denn jetzt nutze ich den Effekt des Glückskäfers: Wird er als Tribut für die Ritualbeschwörung eines Solaritus-Ritualmonsters genutzt, so darf ich eine Karte ziehen! Handelt es sich bei dieser Karte um einen Zauber oder um eine Falle, so darf ich sie vorzeigen und sofort eine zweite Karte ziehen! Also, dann versuche ich mal mein Glück!“

Fiona zog und zeigte mit einem selbstsicheren Ausdruck die frisch gezogene Zauberkarte vor.

„Da dies kein Monster ist, darf ich eine zweite Karte ziehen!“, sagte Fiona und zog.

„Kunststück, du hast ja auch schon einen Großteil deiner Monster aus dem Deck genommen! Natürlich ziehst du dann keine Monster mehr!“, bemerkte ihre Kontrahentin.

„Ach, sag bloß, du denkst, ich tat das nur, um meine Chancen mit dem Glückskäfer zu verbessern? Wenn dem so ist, muss ich dich leider enttäuschen! Jetzt geht es hier nämlich richtig rund!“

Die beschworene Sonnenanbeterin scharrte mit ihren Beinen wie ein wütender Stier über das dunkle Pflaster.

Meine Sonnenanbeterin hat zwei Effekte: Erstens erhält sie 200 Angriffspunkte für jedes Solaritus-Monster in meinem Friedhof dazu. Das macht normalerweise zusätzliche 1400 Angriffspunkte. Aber ganz ehrlich: Ihr zweiter Effekt ist noch viel krasser, denn indem ich drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof wieder in das Deck mische, darf ich meine Sonnenanbeterin jedes deiner Monster angreifen lassen. Also kommen alle drei Solaritus Hydrazinthen wieder zurück in mein Deck und meine Sonnenanbeterin bekommt zusätzlich 800 Punkte!

Fionas Insektenmonster wurde immer größer und bedrohlicher.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 3000Atk.

„Los, mein wunderbares Insekt! Zeige ihnen die Schmelzsichel! Beginne mit der Donnerklang-Ritterin!“

Die Sonnenanbeterin spaltete Erins Ritterin mühelos mit einem Hieb ihrer glühend heißen Fangklaue entwei.

Um sich vor der Wucht der Attacke zu schützen, hielt sich Erin die Arme vors Gesicht.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 2500.

„Jetzt kommt Angriff Nummer zwei auf deine Donnerklang-Kriegerin zu! Schmelzsichel-Angriff!“

Der riesige Mantide schlug nun auf die Kriegerin ein, die der herabstürzenden Klaue schützend ihr Schwert entgegenhielt.

Das Schwert verlor sein blaues Leuchten und Erin musste einen weiteren, schmerzhaften Stoß erleiden.

Donnerklang-Kriegerin: 1200Atk → 500Atk.

Erins Lebenspunkte: 2500 → 700.

„Da Donnerklang-Kriegerin mit dem Unionsmonster Donnerklang-Inkarnation ausgerüstet war, wird nicht sie, sondern stattdessen meine Inkarnation zerstört. Außerdem darf ich nun dank des Effekts meiner Inkarnation die Karte Fusion aus meinem Deck oder meinem Friedhof auf die Hand nehmen. Ich nehme sie aus meinem Friedhof.“

„Mach nur, aber ich werde dir keine Monster zum Fusionieren übrig lassen! Ich aktiviere meine verdeckte Karte, den Schnellzauber Dominoeffekt! Wenn ein Spieler Kampfschaden erlitten hat, darf ich ein Monster dieses Spielers zerstören. Daraufhin verlierst du, Erin, die Hälfte der Atk des Monsters an Lebenspunkten! Sag Bye-Bye zu deiner Kriegerin!“

Erins Kriegerin zerplatzte, als sich Fionas Dominoeffekt aufdeckte und Erin verlor ein drittes Mal hintereinander Lebenspunkte.

Erins Lebenspunkte: 700 → 450.

„Denk ja nicht, dass ich Donnerklang-Gardna vergessen habe! Solaritus Sonnenanbeterin, greife Erin ein drittes Mal an! Schmelzsichel!“

Fionas Sonnenanbeterin stürzte sich ohne Gnade auf Erins letztes Monster.

„Dein Feld ist leer und mit nur drei Karten auf der Hand wirst du mich nicht aufhalten können! Ich gebe an dich ab!“

Erin machte sich an ihren Zug.

Sie zog eine Zauberkarte und lächelte.

Fiona hat sich als eine unerwartet harte Gegnerin herausgestellt, aber diese Karte könnte dabei helfen, das Spiel wieder zu ihren Gunsten zu wenden.

„Ich aktiviere die Zauberkarte Wiederherstellungskommando! Sie erlaubt es mir nicht nur drei Monster aus meinem Friedhof zurück in mein Deck zu mischen, ich darf außerdem noch eine neue Karte ziehen. Damit kommen also Donnerklang-Inkarnation und Donnerklang-Kriegerin in mein Deck und meine Donnerklang-Ritterin darf zurück in das Extradeck!“

Erin zog.

Als Normalbeschwörung rufe ich Donnerklang-Taktikerin im Verteidigungsmodus!“

Eine belesen aussehende Frau mit einer Armbrust auf dem Rücken, die mit ihren hellblonden Haaren und ihrer Brille Erin ziemlich ähnelte, erschien.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

„Meine Taktikerin ist mehr Akademiker als Kämpfer, deshalb darf ich mir einmal pro Zug ein Donnerklang-Monster aus meinem Deck suchen, falls sie mein einziges Monster ist!

Ich wähle die Donnerklang-Seele!“

Sie nahm das Donner-Monster auf die Hand und präsentierte es ihrer Gegnerin.

Fiona ahnte worauf Erins Zug hinauslief.

Sie hatte im letzten Zug Fusion wieder auf die Hand genommen, mit Wiederherstellungskommando Donnerklang-Ritterin in das Extradeck getan und hatte nun auch passenderweise ein Donner- und ein Krieger-Monster zur Verfügung.

„Ich spiele Fusion! Mit Donnerklang-Taktikerin und Donnerklang-Seele als Fusionsmaterial feiert meine einzigartige Ritterin ihr Comeback!“

Auf Erins Seite bildete sich die Gewitterwolke, aus der mit einem Blitz Erins Fusionsmonster wiederkehrte.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Hole ruhig deine Ritterin zurück, gegenüber den 3000 Punkten meiner Solaritus Sonnenanbeterin ist sie bestenfalls ein Schildknappe!“, spottete Fiona.

„Da hast du völlig Recht! Wie gut, dass sich dank des Effekts von Donnerklang-Seele die Angriffskraft meiner Ritterin weiter erhöht! Wird die Seele nämlich als Fusionsmaterial für ein Donnerklang-Monster auf den Friedhof gesendet, darf sie das gerufene Fusionsmonster sofort ausrüsten! Allerdings darf ich es für den restlichen Zug nicht mehr ausklinken!“

Die Lanze der Ritterin leuchtete in dem elektrisierten Blau.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

„Da meine Ritterin nun stärker ist, spricht deine Sonnenanbeterin besser ihr letztes Gebet! Angriff mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Die Ritterin durchdrang den Panzer der Sonnenanbeterin, die daraufhin explodierte und eine Fiona schädigende Schockwelle freisetzte.

Fionas Lebenspunkte: 1300 → 1000.

Fiona gab sich cool: „Du konntest zwar meine Sonnenanbeterin besiegen, aber deine Probleme enden dadurch noch lange nicht! Mein Feldzauber Ritualstätte der Gebrandmarkten entschädigt mich jedes Mal, wenn ein Ritualmonster mit dem Attribut Feuer zerstört wird, mit einem Ritualzauber aus meinem Friedhof! Ich nehme also das Solaritus Siegel wieder auf meine Hand!“

„Tu das ruhig, ich beende meinen Zug mit einer verdeckten Karte!“

Vor Erin erschien die verdeckte Karte.

Ihr Monster und die verdeckte Karte musste Fionas nächstem Zug standhalten, denn Erin hatte inzwischen keine einzige Karte mehr auf ihrer Hand.

„Ich bin dran! Pass gut auf, denn jetzt aktiviere ich den Zauber Neuer Tagesanbruch! So, wie am Morgen die Sonne aufgeht, ersteht auch ein neues Solaritus-Monster aus meinem Friedhof auf! Ich nehme also Solaritus Sonnenatlas auf die Hand und schicke dafür einen Solaritus Glutstacheligel von meinem Deck auf den Friedhof!

Erin sah zähneknirschend dabei zu, wie sich Fiona ein neues Ritualmonster auf die Hand holte.

„Als Normalbeschwörung rufe ich Solaritus Hydrazinthe!“

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Allerdings bleibt meine Pflanze nicht lange auf dem Feld, denn gemeinsam mit der zweiten Sonnenanbeterin auf meiner Hand biete ich sie dank dem Solaritus Siegel als Tribut an! Hier kommt das Monster, das dieses Duell beenden wird! Solaritus Sonnenatlas!“

Das Pflanzenmonster auf dem Feld und die Sonnenanbeterin auf Fionas Hand verwandelten sich wieder in umeinanderkreisende Feuerbälle, die gemeinsam eine beeindruckende Flammensäule bildeten.

Aus dem Inferno heraus erhob sich Fionas Sonnenatlas, ein gigantischer, ascheweißer Schmetterling mit roten Flügeln, auf denen sich mittig jeweils ein goldenes Sonnensymbol befand.

Mit jeder Bewegung der Flügel fielen einzelne Funken zu Boden.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Du kennst bereits den Effekt meines Ritualzaubers: Da ich zwei Monster als Tribut angeboten habe, darf ich weitere zwei Solaritus-Monster vom Deck auf den Friedhof schicken! Ich wähle eine Hydrazinthe und den dritten Glückskäfer dafür aus!“, sie legte beide Karten vom Deck auf den Friedhof, „Damit habe ich jetzt insgesamt neun Solaritus-Monster auf dem Friedhof und genauso wie seine kleine, sonnenanbetende Schwester bekommt Sonnenatlas einen Boost von 200 Angriffspunkten für jedes dieser Monster!“

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 4300Atk.

„Ganz egal wie viel Angriffspunkte deine übergroße Motte auch hat, meine Ritterin zerstört mit ihrem Spezialeffekt jedes Monster noch vor der Schadensrechnung!“, rief Erin.

„Tja, das werden wir ja sehen! Erstmal wird es Zeit für den Effekt von Sonnenatlas: Ich gebe alle drei Glückskäfer aus dem Friedhof meinem Deck zurück und darf dafür alle offenen Karten vernichten, die mein Gegner kontrolliert!“

Der Flammenschmetterling erhob sich und schlug seine riesigen Flügel, aus denen ein mächtiger, sengend heißer Wind auf Erins Feldseite traf.

Erins Donnerklang-Ritterin ging in Deckung und die Lanze verlor ihr Leuchten.

Donnerklang-Ritterin: 3300Atk → 2500Atk.

Solaritus Sonnenatlas: 4300Atk → 3700Atk

„Deine ausgerüstete Seele hat zwar die Donnerklang-Ritterin vor der Zerstörung beschützt, aber ohne sie verliert deine Ritterin ihren besonderen Effekt. Das heißt mein Solaritus Sonnenatlas wird dein letztes Monster mit Leichtigkeit einäschern und deine restlichen Lebenspunkte gleich dazu! Los, Solaritus Sonnenatlas! Starte den finalen Angriff mit dem alles verbrennenden Solarsturm!“

Auf den Flügeln von Fionas Ritualmonster bildeten sich unzählige kleine, rote Punkte, aus denen blitzschnelle Feuergeschosse unaufhörlich auf Erins Feldseite einprasselten.

Als das Bombardement aufhörte und der Rauch verflog, stand Erin stoisch hinter einem anderen Donnerklangmonster, einem jungen Mädchen mit einem riesigen Schild im Kettenhemd gekleidet, ohne einen einzigen Lebenspunkt verloren zu haben.

Fiona war entgeistert:“Wie kann das sein! Meine Attacke sollte bei dir 1200 Schadenspunkte angerichtet haben! Und woher kommt dein Monster?!“

Erin lächelte siegessicher und klärte ihre Gegenspielerin auf: „Das war die Power von Donnerklang-Gardna! Befindet sich dieses Monster in meinem Friedhof, wenn eins meiner Donnerklang-Monster angegriffen wird, darf ich es beschwören und allen Kampfschaden verhindern!“

Donnerklang-Gardna, Stufe 3, 100Atk, 2000Def.

„Pah, da hast du wohl gerade soeben noch für einen Zug durchgehalten. Aber das heißt gar nichts, mein Sonnenatlas ist kaum zu bezwingen: Dank des besonderen Effekts von Hydrazinthe wird er noch stärker! Ich beende meinen Zug und in der End Phase nehme ich Solaritus Glutstacheligel von meinem Deck auf die Hand und sende einen anderen Sonnenatlas vom Deck auf den Friedhof.

Solaritus Sonnenatlas: 3700Atk → 3900Atk.

Erin wollte es sich kaum eingestehen, aber ihre Gegnerin lag mit ihrer Einschätzung genau richtig. Nur mit ihrer Gardna und der verdeckten Karte allein, könnte sie unmöglich das gefährliche Bossmonster ihrer Freundin nicht überwinden und Fionas Deck war so konzipiert, dass es über die Zeit immer mehr Monster auf den Friedhof brachte, wodurch ihre Ritualmonster immer stärker wurden.

Wenn sie das Duell noch gewinnen wollte, dann musste sie jetzt die exakt richtige Karte ziehen.

Sie schloss hoffnungsvoll die Augen, als sie ihre Hand auf das Deck legte.

Sie zog und betrachte die Karte.

„Perfekt!“

„Ich aktiviere den Zauber Dringendes Ziehen! Diese Karte darf nur aktiviert werden, wenn ich sonst keine Karten auf der Hand halte und weniger als tausend Lebenspunkte habe und sie erlaubt es mir zwei weitere Karten zu ziehen!“

Erin schaute sich die neuen Karten kurz an und überlegte.

Ein Gefühl überwältigender Freude durchflutete ihren gesamten Körper und Geist.

Sie hatte den Weg zum Sieg gefunden.

„Zuerst aktiviere ich meine verdeckte Karte, die Blitze der Wiedergeburt! Damit kehrt meine soeben im Kampf gefallene Ritterin mit zusätzlichen 500 Angriffspunkten zurück!“

Einige Blitze schlugen wieder und wieder auf Erins Feld ein, als plötzlich Donnerklang-Ritterin auf ihrem Ross vor stand.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3000Atk.

„Oh Mann, Erin! Hast du wirklich keinen anderen Trick auf Lager, als das gleiche Monster immer und immer wieder zu beschwören?! Ich bin schon zweimal in diesem Duell mit deiner reitenden Blechbüchse fertig geworden, ich werde es auch ein drittes Mal schaffen!“

Aber Erin hatte durchaus einen anderen Plan, als sich nur auf Ritterin zu verlassen.

„Aus meiner Hand spiele ich Fusion! Ich verschmelze also Donnerklang-Gardna und Donnerklang-Ritterin zu einem neuen Monster!“

Eine schwarze Wolke bildete sich über Erin und knisterte bedrohlich.

Ein Blitz schoss auf den Boden und als das Licht wich, stand eine muskulöse Hünin mit zwei Doppeläxten in den Händen, sowie einem Kriegshammer, einem Morgenstern und einem Breitschwert auf den Rücken geschnallt da.

„Bühne frei für meine Donnerklang-Waffenmeisterin!“

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Def.

Fiona kam jetzt nicht mehr mit.

Hatte Erin gerade wirklich ihre Ritterin zusammen mit einem weiteren Monster zu einem um fast 1000 Punkte schwächeren Monster fusioniert?

„Ich sehe, du bist überrascht, Fiona! Aber meine Waffenmeisterin hat mehr drauf, als du denkst! Ich beschwöre aus meiner Hand die Donnerklang-Inkarnation und rüste sofort die Donnerklang-Waffenmeisterin mit ihr aus!“

Das Energiewesen schwebte auf die Waffenmeisterin zu und verschwand, wonach auf ihren Doppeläxten zahlreiche blaue Blitze tanzten.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 2100Atk → 2800Atk.

„Jetzt greift meine Donnerklang-Waffenmeisterin an, mit dem doppelten Gewitter-Axtschlag!“

Erins Fusionsmonster sprang auf den Sonnenatlas zu.

„Der besondere Effekt von Waffenmeisterin aktiviert sich im Kampf: Ist sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet und greift ein Monster mit mehr Angriffspunkten an, so darf sie Angriffspunkte von einem ihrer Fusionsmaterialmonster dazubekommen! Damit erhält sie die Angriffskraft meiner Donnerklang-Ritterin dazu, ganze 3000 Punkte!“

hinter der Waffenmeisterin, die nun mit ausgeholten Äxten auf den Riesenschmetterling stürzte, bildete sich schwach eine Silhouette der Donnerklang-Ritterin.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 2800Atk → 5800Atk.

Fiona riss entsetzt die Augen auf.

„Das gibt es nicht! Fünftausendachthundert Punkte!!“

Die Waffenmeisterin trennte mit beiden Axtklingen simultan die Flügel des Sonnenatlas ab, der daraufhin explodierte.

Fiona wurde von der gewaltigen Wucht des Angriffs von den Füßen gerissen.

Fionas Lebenspunkte: 1000 → 0.

Der Staub legte sich und die Hologramme verschwanden.

Fiona lag stöhnend am Boden und Erin bemerkte eine Zuschauerschaft von anderen besorgt aussehenden Slifern um die beiden herum, die sie wegen Fionas Spielfeldzauber nicht gesehen hatten.

Erin erkannte plötzlich was hier passiert ist, sie fühlte sich, als wäre sie aus einer Trance erwacht.

Sie hatte Fiona zum Duell überredet, zum Einen, weil sie neugierig auf ihr Deck war, aber zum Anderen auch, weil sie ihrer Freundin Mut machen wollte.

Sie wollte Fiona aufbauen, damit sie sich gegen ihre Feinde durchsetzen konnte.

Erin hatte schon unzählige Freundschaftsduelle mit Mayla geführt, aber dieser Kampf war anders.

Es war, wie Fiona gesagt hatte, sie duellierte sich nicht aus Spaß, sondern aus Ehrgeiz, aus dem Willen zu gewinnen.

Erin hatte sich von diesem Ehrgeiz anstecken lassen und vollkommen die Kontrolle über sich verloren, ohne es zu bemerken.

Sie hatte sich nicht freundschaftlich duelliert, sie hatte mit aller Gewalt gekämpft, so wie sie es auch gegen Barry und Maxim getan hatte.

Sie fühlte sich schrecklich.

Behutsam ging Erin auf ihre Freundin zu und reichte ihr die Hand.

„Fiona.... Es..ähm tut mir Leid, ich habe wohl etwas übertrieben. Geht es dir gut?“

Fiona schlug Erins Hand beiseite und stand auf, ohne sie anzusehen.

„Du hast sie doch nicht mehr alle!“, schrie sie und ihre Stimme klang zittrig, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen.

Erin schluckte und konnte sich kaum bewegen, als sie sah, wie Fiona sie verließ und wortlos in Richtung Unterkunft ging.

Sie muss wohl mehrere Sekunden lang wie eine Salzsäule ins Leere gestarrt haben, als sie endlich die Kraft fand, sich wieder zu rühren.

Um sie herum weitere tuschelnde Schaulustige.

Beschämt griff sie nach ihrem Rucksack und machte sich zügigen Schrittes auf zu ihrem Zimmer.

Als Erin ankam, waren ihre Freundinnen schon beide da.

Mayla lag, in ihrem aktuellen Liebesroman vertieft, im Bett.

„Dein Rubinaugengreif hat mein Herz gestohlen“...

Eine Etage über ihr war Fiona, mit der Nase in einem Schulbuch.

Entweder schien Mayla nicht mitbekommen zu haben, wie schlecht es Fiona ging, oder Fiona hatte ihren Frust gekonnt überspielt, um Mayla nicht in den Konflikt mit hineinzuziehen.

„Hey Erin! Schön, dass du auch wieder da bist!“, trällerte Mayla.

„Hey, ich bin ein bisschen vor dir losgegangen, nicht böse sein!“, rief Fiona in dem gleichen fröhlichen Ton.

Erin verstand.

Es war die zweite Option.

Der Rest des Abends verlief ruhig und recht normal, als ob auf dem Sliferplatz nichts passiert sei.

Mayla fragte zwischendurch nach, was die beiden so getrieben hätten und Fiona erzählte, dass sie lediglich weitergelernt hätten.

Irgendwann legten sich dann alle drei schlafen.

Erin lag wach in ihrem obersten Bett und lauschte konzentriert, ob Mayla und Fiona bereits eingeschlafen waren.

Sie konnte Maylas sanftes Ein- und Ausatmen ausmachen.

„Mayla?“, flüsterte sie kurz, um zu testen, ob sie wirklich eingeschlafen war.

„Die ist bereits im Traumland“, flüsterte Fiona kühl zurück.

Sie war noch immer aufgewühlt.

„Hör mal, Fiona, ich-“

„Es tut mir Leid“, unterbrach sie Fiona mit aufrichtiger Stimme.

Erin dachte zuerst, sie hätte sich verhört.

„Ähm...okay?“

„Ich bin eine echt furchtbar schlechte Verliererin und es war unfair von mir, dich so vor all den Leuten anzufahren.“

Erin schwieg und musste erstmal Fionas Entschuldigung verarbeiten.

„Erin?“

„Es ist alles gut. Das heute Nachmittag war meine Schuld. Ich wollte dir eigentlich in einem freundschaftlichem Duell zeigen, wie stark du eigentlich bist und

bin wohl zwischendurch etwas durchgedreht.“

Fiona kicherte nun leise.

„Typisch Erin, sein Bestes zu geben gehört doch zu einem Duell dazu. Aber jetzt verstehst du glaube ich, warum ich mich nicht mit der Obeliskin anlegen wollte. Was wäre, wenn die mich so zusammengefaltet hätte wie du? Die und ihre Gang würden dann noch die ganzen restlichen drei Jahre auf mir rumhacken.“

„Ja, das stimmt wohl. Gut, dass du immer auf mich Hitzkopf aufpasst.“

„Irgendwer muss es ja tun“, antwortete Fiona sarkastisch.

Erin fühlte sich erleichtert, sie hatte aufrichtig Angst gehabt Fiona verletzt zu haben, aber im Moment klang sie gar nicht mehr böse oder traurig.

„Ich will mich nur duellieren, wenn ich mir sicher bin, dass ich gewinnen werde“, wiederholte Fiona ihre Aussage vom Nachmittag, „ich meine...wie soll ich sagen...also noch ist ja alles Spiel und Spaß hier an der Akademie, aber später, wenn wir in drei Jahren alle unsere Abschlüsse haben, da wird keiner danach fragen, ob wir Spaß mit unserer Arbeit haben oder so. Da kommt es einfach nur darauf an, ob man besser als die Konkurrenz ist oder nicht. Je eher man sich daran gewöhnt, je einfacher hat mans im Leben.“

Die Unterhaltung zwischen Fiona und Erin wurde von einem genervten Brummen aus der untersten Etage des Stockbettes unterbrochen, offenbar hatten sie Mayla wieder aufgeweckt.

„Hoppla, Tschuldige Mayla, wir sind jetzt still“, entschuldigte sich Fiona.

Aber Erin hatte noch eine Frage, die sie stellen musste, sie bemühte sich nun etwas leiser zu sprechen:

„Dir geht es wirklich gut, Fiona? Du kannst ehrlich mit mir sein.“

„Hm, ich bin schon etwas frustriert, aber hauptsächlich über meine eigene Schwäche. Aber die treibe ich mir schon noch aus, warts nur ab! Und jetzt: Gute Nacht.“

„Gute Nacht, bis morgen.“

Fiona ging es in der Tat wohl wieder gut, eigentlich könnte Erin nun beruhigt schlafen.

Aber Erin lag weiterhin wach.

Das was Fiona alles eben gesagt, ihre Philosophie was Duel Monsters und im Grunde auch den restlichen Alltag anging, nach der Stärke und Gewinnen viel wichtiger als Spaß waren... Das gab Erin noch zu sehr zu denken.

War es wirklich das, was Fiona fühlte?

War die verbissene Art zu duellieren, wie Erin und Fiona es heute getan hatten, für sie normal?

Erin hatte schon lange nichts mehr gehört, was so falsch für sie klang.
 

____________
 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Effekt:

Einmal pro Zug, falls du kein anderes Monster kontrollierst: Füge deiner Hand ein „Donnerklang“-Monster aus deinem Deck zu
 

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Fusion/Effekt:

1 "Donnerklang"-Krieger Monster + 1 "Donnerklang“-Krieger Monster

Wenn diese Karte mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist: Wenn diese Karte ein Monster angreift, das mehr Atk als diese Karte hat: Wähle ein Monster, dass du als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung dieser Karte genutzt hast: Diese Karte erhält die Atk des Fusionsmaterialmonsters bis zum Ende des Zuges dazu.
 

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def, Typ Pflanze, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn diese Karte als Normal- oder Spezialbeschwörung beschworen wird: Du kannst in der End Phase dieses Zuges ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck deiner Hand hinzufügen und wenn du das tust, lege ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof.
 

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def, Typ Ungeheuer, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Du kannst ein „Solaritus“-Monster von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung beschwören.
 

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def, Typ Insekt, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn diese Karte als Tribut für die Ritualbeschwörung eines „Solaritus“-Ritualmonsters angeboten wird: Du darfst eine Karte ziehen. Wenn die gezogene Karte eine Fallen- oder Zauberkarte ist, darfst du sie vorzeigen und eine weitere Karte ziehen
 

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def, Typ Insekt, Attribut Feuer, Ritual/Effekt:

Diese Karte erhält 200 Angriffspunkte für jedes „Solaritus“-Monster in deinem Friedhof. Einmal pro Zug: Mische drei „Solaritus“-Monster aus deinem Friedhof wieder in dein Deck, diese Karte kann jedes Monster, das dein gegner kontrolliert in diesem Zug einmal angreifen.
 

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def, Typ Insekt, Attribut Feuer, Ritual/Effekt:

Diese Karte erhält 200 Angriffspunkte für jedes „Solaritus“-Monster in deinem Friedhof. Einmal pro Zug: Mische drei „Solaritus“-Monster aus deinem Friedhof wieder in dein Deck, zerstöre alle offenen Karten, die dein Gegner kontrolliert.
 

Zauberkarten:
 

Fusionskompensation: Schnellzauber:

Wenn du eine Fusionsbeschwörung durchführst: Wähle bis zu zwei Fusionsmaterialmonster der Stufe 4 oder niedriger und beschwöre sie als Spezialbeschwörung. Diese Monster dürfen in diesem Zug nicht angreifen.
 

Wiederherstellungskommando: Normaler Zauber:

Wähle drei Monster in deinem Friedhof: Füge sie deinem Deck hinzu, dann ziehe eine Karte.
 

Dringendes Ziehen: Normaler Zauber:

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn du weniger als 1000 Lebenspunkte hast und wenn dies die einzige Karte in deiner Hand ist: Ziehe zwei Karten. Du kannst nur eine „Dringendes Ziehen“ pro Zug aktivieren.
 

Ritualstätte der Gebrandmarkten: Spielfeldzauber:

Wenn du Monster als Tribut für die Ritualbeschwörung eines Ritualmonsters mit dem Feuer-Attribut anbietest: Verdoppele die Stufen dieser Monster.

Einmal pro Zug, wenn ein Ritualmonster mit dem Feuer-Attribut auf deiner Spielfeldseite zerstört wird: Wähle eine Ritualzauberkarte in deinem Friedhof und füge sie deiner Hand zu.
 

Solaritus Siegel: Ritualzauber:

Diese Karte kann verwendet werden, um ein beliebiges „Solaritus“-Ritualmonster als Ritualbeschwörung zu beschwören. Du musst zusätzlich offene Monster von deiner Hand oder deiner Spielfeldseite als Tribut anbieten, die gemeinsam die gleiche oder höhere Stufe als das Ritualmonster haben, das du als Ritualbeschwörung beschwörst. Du kannst bis zu genauso viele „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen, wie du Monster als Tribut anbietest.
 

Neuer Tagesanbruch: Normaler Zauber:

Wähle ein „Solaritus“-Monster aus deinem Friedhof und füge es deiner Hand hinzu. Lege ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof.
 

Fallenkarten:
 

Tribut an das Licht: Permanente Falle:

Wenn dich ein Monster direkt angreift: Lege ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof. Das angreifende Monster verliert 1000 Atk.

Blaue Ehre

„Die zweite Verhandlungsrunde im Erdgasstreit zwischen Polen und Belarus ist gescheitert. Der polnische Regierungschef Morawiecki hatte der belarusischen Regierung zuvor Nachlässigkeit in Bezug auf die Instandhaltung der Jamal-Leitung vorgeworfen. Belarus lehnte die geforderten Entschädigungszahlungen für verlorenes Erdgas ab und sprach von -“

Kevin schaltete die Nachrichtensendung stumm und stand gleich auf, als er ein Klopfen an seiner Zimmertür vernahm.

„Ah, dich habe ich ja schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass dir unsere Geschäftsbeziehung nicht mehr am Herzen läge“, sagte er, als er seine Tür öffnete und Erin sah.

„Lass bitte den Unsinn. Ich brauche nur kurz deine Hilfe, dann gehe ich wieder“, antwortete sie kalt.

Erin fand Kevin alles andere als sympathisch, aber sie hielt ihn für kompetent und hatte sich deshalb dazu überwunden ihm einen Besuch abzustatten.

Kevin überzogen breit.

„Kurz ist gut. In meinem Business ist man immerhin sehr beschäftigt. Komm rein!“

Beim Eintreten fiel ihr der Fernseher auf Kevins Schreibtisch auf.

„Du guckst echt den ganzen Tag nur Nachrichten? Wird dir das nicht irgendwann zu öde?“

„Es passiert ja jeden Tag was anderes.“

Erin seufzte und kramte schon mal ein paar für sie unbrauchbare Karten aus dem Rucksack, die sie aus Boosterpackungen gezogen hatte und nun bei Kevin gegen Informationen eintauschen wollte.

„Ich will so viel wie möglich über eine Lucia-Ann Demont wissen. Am wichtigsten sind die Deckliste und Zimmernummer. Hast du was für mich?“

„Haus und Jahr?“

„Sie ist Obeliskin, erster Jahrgang.“

Kevin zog kurz zweifelnd die Augenbrauen zusammen.

„Dein Ernst, du willst eine Obeliskin herausfordern?“

„Hast du was für mich?“

Kevin schüttelte fassungslos den Kopf.

„Lernfähigkeit gehört nicht zu deinen Stärken, oder? Warte kurz.“

Kevin suchte den passenden Ordner heraus und Erin sah ihm erwartungsvoll zu.

Lucia-Ann Demont war die Mitschülerin, die, gemeinsam mit ihrem Rudel an weiteren Obeliskmädchen Fiona bereits seit etwa drei Wochen an jedem Schultag quälte.

Mal stellten sie ihr wieder ein Bein, mal schlugen sie ihr die Schulsachen aus dem Arm, mal machten sie sich einfach über sie lustig.

Egal, was sie genau machten, sie taten Fiona damit immer wieder weh.

Fiona hatte Erin zwar verboten sich einzumischen oder sich an einen Lehrer zu wenden, aber sie konnte es nicht länger mit ansehen, wie ihre Freundin litt.

Also hatte Erin eines Tages in der Schuldatenbank nach ihr gesucht.

Lucia-Ann trug eine Handtasche, auf der in Glitzerschrift ihr Nachname stand und ihre Freundinnen sprachen sie mit dem Spitznamen „Lucy“ an, es gab nur ein Mädchen aus dem Haus Obelisk-Blue und dem ersten Jahrgang, das da noch in Frage kam.

Ihr GY-Score lag allerdings bei über 1500 Punkten und damit nochmal über 150 Punkte über den Score von Mayla und Erin, die sich ein dauerndes Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz unter den Slifer-Neulingen lieferten.

Wenn Erin sie also in die Schranken weisen wollte, dann musste sie sich dazu gut vorbereiten.

Kevin hatte inzwischen den richtigen Aktenordner und auch die richtigen Seitenzahlen herausgesucht.

„Die Zimmernummer wird dir nicht viel bringen. Obelisken lassen Leute wie uns nicht in ihre Unterkunft. Zu ihrem Deck kann ich dir grobe Informationen geben, bedingt natürlich, dass die Bezahlung stimmt.“

Erin reichte Kevin die zum Handel gedachten Karten hin.

„Such dir was raus, das dir gefällt.“

„Puh... das sind alles Commons oder Rares, was will ich mit der zweitklassigen Ware?“, beschwerte er sich, während er eine der Karten aus dem Stapel nahm und den Rest Erin zurückgab, „Ich will mal zu meiner Lieblingskundin ein wenig kulant sein: Lucia-Anns Deck beinhaltet kaum Monster, sondern ist zum großen Teil auf defensive Zauber- und Fallenkarten ausgerichtet. Darüber hinaus ist das Deck auf die Zauberkarte Tür ins Überall fokussiert. Eine sehr seltene und mächtige Zauberkarte, mit der sie eine alternative Gewinnbedingung verfolgt.“

Erin schaute ihr Gegenüber unzufrieden an, als sie realisierte, dass er nichts Weiteres mehr zu erzählen hatte.

„Das ist alles? Was macht diese Tür genau? Wie gewinnt sie ihre Duell, wenn sie es nicht auf die gegnerischen Lebenspunkte abgesehen hat?“

„Tut mir sehr Leid, das weiß ich nicht. Aber vielleicht hilft eine gute Ultra Rare -Karte meinem Gedächtnis auf die Sprünge. Wie wärs mit deiner Donnerklang-Späherin?“

Kevin hatte mit diesem Satz Erin daran erinnert, warum sie ihn so ungern aufsuchte.

Sie verstaute die anderen Karten und drehte sich von Kevin weg zur Tür, ohne seinen Vorschlag zu kommentieren.

„Lucia-Ann ist übrigens Mitglied des Botanikklubs und hält sich jeden Mittwochnachmittag bis etwa fünf, sechs Uhr im Blumengarten der Akademie auf. Dort könntest du sie schon morgen alleine abfangen, ihre Freundinnen scheinen sich wohl etwas weniger für Pflanzen zu interessieren.“

Das war schon deutlich hilfreicher.

Erin blieb stehen, nahm wieder die Handelsware aus der Tasche und drückte Kevin eine weitere Karte in die Hand.

„Danke sehr. Wenn du willst, bist du gar nicht mal so unerträglich.“

„Oh, ich will immer, dass meine Kunden zufrieden sind. Gute Customer-Relations sind das A und O.“, antwortete er nicht ganz ohne Sarkasmus.

Erin verabschiedete sich und verließ Kevins Zimmer.

Sie schaute auf ihr Smartphone.

Es war erst kurz nach vier, ihre Freundinnen waren definitiv noch am Sliferplatz.

Erin schob das Handy zurück in die Hosentasche und machte sich auf den Weg.

Wie immer war auf dem Platz eine Menge los.

Viele Slifer und auch einige Ras aus allen Jahrgängen duellierten gegeneinander oder unterhielten sich auch nur.

Auch der Kiosk schien, der langen Schlange nach zu urteilen, einen hohen Umsatz zu machen.

Nach ihren Freundinnen musste Erin nicht lange Ausschau halten:

Fiona saß auf dem Stammplatz der drei Mädchen und schmökerte in einem Schulbuch und Mayla duellierte sich gerade mit Daniel, ihrem Standardgegner, wenn Erin nicht da war.

Sie gesellte sich zu den beiden Kontrahenten dazu.

„Hey Erin! Alles klar bei dir?“, rief Daniel ihr zu.

„Alles fit soweit, wie immer!“, antwortete sie fröhlich und gab ihm ein Daumen hoch.

Mayla winkte Erin zu und Erin stellte sich neben sie.

„Konnte dir Kevin wegen Lucia-Ann weiterhelfen?“, flüsterte sie.

„Ja, morgen Abend mach ich sie platt und sorge dafür, dass sie Fiona in Ruhe lässt. Du musst mir aber vielleicht Fiona vom Rücken halten, damit sie nichts mitkriegt.“

„Ich werde es versuchen. Danke, Erin.“

„Hey! Heimlich Strategien austauschen, ist aber gar nicht cool!“, beschwerte sich Daniel.

Er setzte seinen Zug fort.

„Ich aktiviere die Falle Unspektakuläre Wiedergeburt! Damit darf ich zwei normale Monster mit dem gleichen Typ aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen, solange ihre Angriffspunkte jeweils unter 2000 liegen. Ich rufe also Dämonischer Dobermann und Wachhund des Jägers!

Die beiden Hundemonster erschienen mit einem Knurren und Bellen.

Dämonischer Dobermann: Stufe 4, 1700Atk, 1700 Def.

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Def.

„Meine treuen Begleiter bleiben aber nicht lange auf dem Feld, denn mit Fusion vereinigen sich beide zu einem noch stärkeren Monster!“

Kaum hatte Daniel die Fusionskarte aktiviert, schon verschwanden die Hunde in einem grellen Lichterstrudel.

Schließlich sprang Daniels neues Monster aus dem Strudel heraus, ein metallisch grauer Wolf so groß wie ein Pferd.

„Oh ja, hier ist mein übercooles Monster, vor dem ihr nur Sitz und Platz machen könnt! Alpha die Eisenmähne!“

Alpha die Eisenmähne: Stufe 7: 2400Atk, 2000Def.

„Weil mein Alpha ein Rudeltier ist, darf ich einmal pro Zug ein weiteres Ungeheuer-Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen! Daher kehrt mein Wachhund des Jägers sofort im Angriffsmodus auf das Feld zurück!

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Def.

Erin nickte anerkennend.

Sie konnte sich noch daran erinnern, wie er Anfangs kaum die Regeln von Duel Monsters kannte, doch mit der Zeit ist Daniel echt gut geworden.

Die Fusionsbeschwörung in Kombination mit dem Wiederbelebungseffekt von Alpha die Eisenmähne war auf jeden Fall ein intelligenter Spielzug.

„Mayla, du hast keine Monster auf dem Feld und auch deine verdeckte Karte kann nichts ausrichten, denn Alphas zweiter Effekt beschützt alle meine Ungeheuer-Monster vor Zerstörungseffekten. Diese Runde geht also ausnahmsweise an mich! Los, Alpha die Eisenmähne! Direkter Angriff!“

Der Wolf lief mit gefletschten Zähnen auf Mayla zu, die ihre Fallenkarte nun aufdeckte.

„Ich aktiviere das Sprungfederfeld! Wenn man mich direkt angreift, darf ich sie aktivieren, um alle Monster zurück auf die Hand ihrer Besitzer zu zwingen!“

Zwei überdimensionale Sprungfedern schossen aus den Boden und katapultierten den Wachhund und Alpha durch die Luft, bis beide Hologramme sich auflösten.

Daniel schmollte ein wenig.

„Oh Mann, Mayla, da hast du mich wieder drangekriegt“, sagte er enttäuscht, „ich beende den Zug!“

Das Mädchen zog sofort ihre nächste Karte.

„Im Verteidigungsmodus rufe ich Wassertänzer Merengue-Muschel!“

Die Muschel erschien mit einem Klappern.

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def.

„Danach benutze ich diese Zauberkarte: Wassertänzer Zugabe! Ich darf jetzt ein „Wassertänzer“-Monster aus meinem Friedhof der Hand zufügen und dann den Typ meiner Muschel verändern! Ich wähle den Robot-Rochen und lasse die Merengue-Muschel zu einem Maschinenmonster werden!“

Die Schale der soeben beschworenen Muschel vewandelte sich in glänzenden Stahl.

„Der besondere Effekt des Robot-Rochens in meiner Hand erlaubt es mir ihn als Spezialbeschwörung zu rufen, indem ich ein Maschinenmonster wieder auf die Hand nehme! Also tausche ich die Merengue-Muschel auf dem Feld gegen den Robot-Rochen auf meiner Hand aus!“

Das Muschel-Hologramm verblasste und an seiner Stelle erschien mit mechanischen Tanzbewegungen Maylas Rochen in lässiger Hiphop-Kleidung.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def

„Dein Feld ist leer, darum greife ich dich mit der rabiaten Rammattacke an!“

Wie befohlen schnellte der Rochen auf Daniel zu und traf ihn mit dem Kopf direkt in die Magengrube.

Daniel musste etwas keuchen, als er seine letzten Lebenspunkte verlor.

Daniels Lebenspunkte: 1800 → 0.

Das Freundschaftsduell war beendet und die Hologramme verschwanden.

„Das war ein tolles Duell, ganz ehrlich“, sagte ihm Mayla um ihn aufzumuntern.

„Ich hatte großes Glück, dass ich noch meine Fallenkarte hatte, sonst wäre das ganz anders ausgegangen.“

Sie lächelte ihn an und wenn Mayla ihn so anlächelte, konnte Daniel nicht anders als das Lächeln zu erwidern.

Auch Erin meldete sich zu Wort: „Nächstes Mal gewinnst du, du hast dich echt klasse duelliert.“

„Tja, das habe ich mir vor den letzten sechs, sieben Duellen auch schon gedacht“, entgegnete Daniel und lachte verlegen.

„Ich habe eben eine Spitzenlehrerin.“

Mayla wurde ganz rot.

„Na, wird hier mal wieder fleißig rumgeflirtet?“

Inzwischen hatte Fiona ihr Schulzeug wieder eingesteckt und schaute Mayla und Daniel mit einem neckischen Grinsen an.

„Hey, ihr zwei seid doch inzwischen hoffentlich ein richtiges Paar, oder?!“

Die beiden waren nun still und verlegen und Erin bekam ein wenig Mitleid.

„Also, Fiona, wenn du fertig gelernt hast, können wir beide schon mal zurück zur Unterkunft, wir müssen doch noch dieses Dingens machen!“

„Hä? Was denn für ein Dingens? Was redest du denn?“

„Na, dieses Dingens eben, das Dingsbumms, äh... das müssen wir im Zimmer erledigen.“

Fiona verstand gar nichts und starrte Erin, die sich neben sie stellte, skeptisch an.

„Ich weiß echt nicht, was du meinst, Erin. Geht es dir vielleicht um den – AU!“

Erin, die sich nicht anders zu helfen wusste, hatte Fiona einen kleinen Schlag in die Seite verpasst.

Manchmal war ihre Freundin wirklich schwer von Begriff.

„Genau, ich meine den AUfsatz, den wir für Extrapunkte morgen der Ehring geben wollten. Da müssen wir uns noch ein gutes Ende für überlegen! Mayla, Daniel, wir sehen uns!“

Eilig schob Erin die etwas verwirrte Fiona vor sich her, damit Mayla mit ihrem Schwarm unter sich sein konnte.

Es waren zwar noch viele Mitschüler auf dem Platz, aber die waren allesamt in ihren eigenen Duellen vertieft.

„Puh, deine Mitbewohnerinnen sind echt fleißig. Ich finde ja, dass uns Frau Ehring schon genug Aufgaben aufgibt, ohne dass wir irgendwelche Zusatzleistungen erbringen.“

Mayla schmunzelte.

Ihr Daniel war echt süß, wenn er mal wieder etwas begriffsstutzig war.

„Das stimmt, Erin und besonders Fiona strengen sich sehr an, um in den Halbjahresprüfungen in das Haus Ra-Yellow versetzt zu werden.“

„Hmm...und wie steht es mit dir? Willst du auch ein Ra werden?“

„Ich denke schon, ja. Wir drei haben uns gegenseitig versprochen, dass wir an der Duellakademie unser Bestes geben werden.“

„Verstehe.“

Mayla spürte, dass sich Daniel Sorgen machte, dass sie ihn alleine im Sliferhaus zurücklassen würde und wusste nicht, wie sie ihm diese Sorgen nehmen könnte.

„So, oder so“, sagte Daniel, „wir werden zusammenbleiben. Ganz sicher.“

„Sind wir denn eigentlich ein Paar? Ich habe dich ja nie direkt gefragt.“

„Na, das hoffe ich doch. Würde mich zumindest ziemlich nerven, wenn ich dich sehen würde, wie du mit einem anderen Jungen Händchen hältst... oder mehr.“

Mayla lachte.

Daniel ließ sich von ihrem Lachen anstecken und griff nach ihrer Hand.

Beide machten sich auf den Weg zur Sliferunterkunft.
 

°°°
 

Am Ende des nächsten Tages stand wieder das absolute Hassfach der drei Mädchen und wahrscheinlich vieler anderer Mitschüler auf dem Lehrplan: „Fallen- und Schnellzauber-Taktik“, oder kurz FST.

An sich war FST ziemlich spannend, zumindest empfand Erin das so, aber Frau Ehrings Härte nahm ihr alle Freude am Lernen.

Selbst wenn es das Fach „Ausschlafen und Schokolade essen“ gäbe, würde die blöde Ehring einen Weg finden, das zu versauen.

So atmeten alle drei kollektiv auf, als der Schulgong die Stunde beendete, auch wenn sie wie gewohnt von der Unmenge an Hausaufgaben erschlagen wurden.

Sie beeilten sich, um vor Lucia-Ann das Auditorium zu verlassen.

Manchmal klappte das auch, aber heute waren sie und ihre Clique wieder schneller und sie lauerten Fiona und ihren Freundinnen auf.

„Guckt mal Ladys, da kommt die Klugscheißer-Gang mit ihrer Anführerin Captain Niemand-hat-mich-gefragt.“

Die hinter ihr stehenden Obeliskinnen lachten wie auf Befehl los.

„Guter Witz. Hast wohl den ganzen Vormittag an dem gearbeitet, was?“, fragte Erin sarkastisch.

„Lucy, dieser Sliferabschaum hat wohl immernoch keinen Respekt gelernt!“

„Woher auch? Wenn sie in der Lage wären wirklich irgendwas zu lernen, wären sie ja auch keine Slifer. Und trotzdem -“, sie blickte Fiona abschätzig an, „meint ihr Nieten euch groß zu Wort melden zu müssen.“

„Fiona ist keine Niete, sie arbeitet hart und weiß immer die richtige Antwort!“, protestierte Mayla.

Lucia-Ann wurde nun lauter: “Mir ist egal, was ihr glaubt zu wissen, keiner will niederwertige Slifer rumplappern hören. Habt ihr es jetzt begriffen, oder braucht ihr es schriftlich?“

Fiona hatte genug.

„Erin, Mayla. Lasst uns einfach weitergehen, okay?“, schlug sie kleinlaut vor und schaute demonstrativ an ihrer Peinigerin vorbei.

Fiona wollte an Lucia-Ann vorbeilaufen, geriet dabei aber ins Straucheln und fiel schließlich hin.

„Gehen will auch gelernt sein!“

Gackernd schritten sie und ihre Freundinnen davon.

„Mann, diese Tante geht mir echt auf den Senkel!“, fluchte Erin.

„Mir ja auch. Aber ich werde mir bestimmt nicht von ihr den Mund verbieten lassen.“

„Gibt es etwas, das wir für dich tun könnten? Daniel hat mir gestern auch gesagt, dass er dir gerne helfen würde.“

Fiona richtete sich wieder auf.

„Ich denke nicht, aber trotzdem danke. Am Besten warte ich einfach. Irgendwann wird es ihr zu langweilig immer auf der gleichen Person rumzuhacken. Vielleicht lässt sie mich ja auch in Ruhe, sobald ich ein Ra-Yellow bin.“

Erin war klar, dass das keine realistischen Optionen waren, denn jede Häme von der Obeliskin kosteten Fiona wertvolle Kraft.

Sie würde das nicht mehrere Wochen durchstehen und selbst wenn ihr dann als Ra Lucia-Ann nicht mehr auflauern würde, dann würde sie sich nur das nächste Opfer suchen.

„Ich finde es heute etwas zu windig für den Sliferplatz. Lasst uns lieber in die Bibliothek an einen Gruppenarbeitsplatz gehen“, bemerkte Mayla.

Ihre Freundinnen stimmten ihr zu.

Nach etwa dreieinhalb Stunden waren Erin und Fiona mit allen Aufgaben durch, während sich Mayla noch durch die ersten Aufgabenblätter zu quälen schien.

„Ähm, also Schnellzauber konnte man nicht in dem gleichen Zug aktivieren, in dem man sie setzt, oder? Ach, das ist mir zu hoch!“, beschwerte Mayla sich.

„Natürlich nicht, dass hatten wir doch erst am Montag besprochen und im roten Merkkasten steht das auch nochmal erklärt“, sagte Fiona.

„Achso, stimmt, danke sehr. Aber Fallenkarten kann man im gleichen Zug aktivieren, richtig?“

Fiona schüttelte fassungslos den Kopf.

„Mensch, Mayla! Was ist denn heute mit dir los? Das ist doch absolutes Grundwissen! Komm, wir gehen die letzten Seiten nochmal zusammen durch und bearbeiten dann die übrigen Zettel zusammen!“

Erin grinste und Mayla zwinkerte ihr kurz zu, als sich Fiona neben sie gesetzt und sich wieder in die Arbeitsblätter und die Schullektüre vertieft hatte.

Die Scharade war aufgegangen und Fiona für die nächsten ein, zwei Stunden beschäftigt.

Das sollte reichen.

Es war inzwischen Viertel vor fünf und Erin musste sich nun auf den Weg zu dem Blumengarten der Akademie machen, um Lucia-Ann auf ihrem Rückweg zur Obelisk-Blue Unterkunft abzufangen.

„Ich wünsche euch noch viel Lernerfolg. Ich muss mal draußen einen ausgiebigen Spaziergang machen, die Luft hier drin ist mir etwas zu muffig.“

„Bis später“, antwortete Mayla und wurde dafür von ihrer Lernpartnerin gerügt: „Aufpassen und mitlesen, Mayla! Ich helfe dir gerne beim Lernen, aber die Aufgaben bearbeitest du trotzdem selbst!“

Es war heute tatsächlich ziemlich windig, Erins Haare flogen ihr ständig ins Gesicht, als sie das große Akademiehauptgebäude verließ und auf dem Waldpfad zu der Anlage der Botanik-AG ging.

Wie so ziemlich alles, was nicht die Slifer-Red-Unterkunft war, war der Blumengarten sehr gut ausgestattet und gepflegt.

Rote und weiße Astern, gelbe und pinke Dahlien und violett-blauer Eisenhut brachten neben zahlreichen anderen Gewächsen eine große Farbenvielfalt in die Beete.

Zwischen den Beeten befanden sich mit Rosenbögen versehene Pfade.

Erin betrachtete die Arbeitsgemeinschaft von der Ferne, im Geäst des auf der Insel allgegenwärtigen Waldes.

Sie war keine Teilnehmerin und sollte eigentlich auch nicht hier sein, weshalb sie sich lieber versteckte.

Wie sie erwartet hatte, war die Aufgabenteilung in der Botanik AG sehr ungleichmäßig gestaltet.

Während sich die Slifer-Schüler beim Umgraben und Unkraut jäten verausgabten und schmutzig machten, übernahmen die Ras die leichteren Aufgaben, wie das Blumen gießen, oder das Stutzen der Sträucher.

Die Obelisk-Blues gaben hauptsächlich Anweisungen und überwachten zusammen mit der Lehrkraft, die die AG leitete, die Arbeit.

Erin konnte Lucia-Ann dabei beobachten, wie sie mit einer anderen Obeliskin in einen Gartenkatalog schaute und mit ihr lebhaft diskutierte.

Erin verharrte eine Weile unauffällig im Gebüsch.

Recht bald verkündigte der AG-Leiter den Feierabend und alle, die nicht blau trugen, schafften ihre Arbeitsutensilien zurück in eine große Laube, danach folgte eine kurze Besprechung und schließlich verließen alle Schülerinnen und Schüler den Blumengarten.

Lucia-Ann ging zusammen mit der Obelikin, mit der sie sich zuvor unterhalten hatte, als Erin beschloss zuzuschlagen:

„Lucia-Ann! Bleib sofort stehen!“

Die beiden Mädchen blieben stehen, drehten sich um und schauten Erin perplex an.

„Hat das Slifer-Mädchen dir gerade ernsthaft einen Befehl gegeben?“

„Schon gut, die kenne ich. Gehört zu der rothaarigen Strebertussi. Geh ruhig schonmal vor. Das wird nicht lange dauern.“

Das andere Obeliskmädchen nickte und zog von dannen.

„Ich will, dass du Fiona und generell alle Slifer-Reds in Zukunft in Ruhe lässt!“

Lucia-Ann schaute sie herablassend an.

„Willst du das, ja? Ich will Reichtum, ewige Jugend und einen Heiratsantrag vom Obeliskenkönig. Leider ist das Leben kein Wunschkonzert, erst recht nicht für minderwertige Rotjacken wie euch! Also hör auf dich lächerlich zu machen und geh brav wieder zurück in deine Baracke!“

„War klar, dass man mit einer überheblichen Obeliskin nicht reden kann. Dann versuchen wir es also auf die harte Tour!“, rief Erin energisch und aktivierte ihre Dueldisk.

Lucia-Ann lachte.

„Das ist so typisch Slifer-Niete! Ihr denkt, bloß weil man euch mitleidig durch die Aufnahmeprüfung gewunken hat, dass ihr auf einer Stufe mit uns steht! Eure Arroganz ist wirklich mehr als fremdschamerregend!“

„Also kneifst du? Wenn ihr Blauen wirklich über den Slifer steht, dann sollte ein Duell ja kein Problem für dich sein!“

Lucia-Ann machte sich jetzt ebenfalls duellbereit.

„Kneifen? Ganz im Gegenteil! Ich wollte dir nur eine faire Chance lassen, deine Herausforderung wieder zurückzuziehen! Aber du bist wohl genauso beratungsresistent wie deine altkluge Freundin!“

Beide standen sich vor dem Eingang zum Akademiegarten gegenüber, als sie ihre ersten Karten zogen.

„Da du mich naiverweise herausgefordert hast, mache ich den ersten Zug: Ich aktiviere den Zauber Goldener Vergissmeinnicht-Strauß! Diese Zauberkarte lässt uns beide drei Karten ziehen. Allerdings dürfen wir weder in meinem aktuellen Zug noch in deinem Zug Karten aktivieren oder Monster beschwören! Außerdem müssen wir am Ende unserer Züge alle unsere Handkarten abwerfen!“

Lucia-Ann und Erin zogen drei Karten.

„Ich setze jetzt fünf verdeckte Zauber- und Fallenkarten und setze außerdem noch ein Monster verdeckt! Aufgrund des Effekts von Goldener Vergissmeinnicht-Strauß muss ich die letzte Karte auf meiner Hand auf den Friedhof schicken! Dein Zug, Slifer!“

Erin zog und hatte nun beachtliche neun Karten auf der Hand.

Sie überlegte kurz und ärgerte sich dabei über Kevins mangelhafter Auskunft.

Es wäre gut gewesen zu wissen, welche Strategie ihre Gegnerin genau verfolgte, um sich für das richtige, zu setzende Monster zu entscheiden.

Denn wegen Lucia-Anns Zauberkarte konnte sie keines ihrer Monster offen aufrufen.

„Ich setzte ein Monster und vier weitere Karten verdeckt! Die restlichen vier Karten werfe ich ab!“

fünf verdeckte Karten erschienen vor Erin und Lucia-Ann war wieder am Zug.

Sie zog und aktivierte sofort eine ihrer fünf verdeckten Karten: Ich decke die Falle Würgeranken auf! Ich muss eine Karte aus meiner Hand abwerfen und darf damit verhindern, dass du eine deiner verdeckten Karten in diesem Zug aktivierst!“

Lucia-Anns Fallenkarte enfaltete ihre Wirkung, ein gutes Dutzend Ranken schossen aus der Erde und umschlangen fest alle vier Karten, die Erin in ihrem letzten Zug gesetzt hatte.

Erin ballte ihre leere Hand zur Faust.

Wegen der Würgeranken konnte sie ihrer Gegnerin nichts entgegensetzen, wenn sie nun ihren mysteriösen Plan vervollständigte.

„Nun, da du mir nicht mehr länger dazwischenpfuschen kannst, kann ich ganz entspannt meine zweite Fallenkarte aktivieren: Verzweifelter Wunsch! Diese Karte erlaubt es uns beiden eine beliebige Zauber- oder Fallenkarte aus unseren Decks direkt auf das Feld zu setzen! Natürlich ist es völlig egal, was für eine Karte du auswählst, denn sie kann wegen meiner Würgeranken ebenfalls nicht aktiviert werden!“

Lucia-Ann wusste sofort, welche Karte sie wollte, während Erin ein wenig in ihrem Deck stöberte, bevor sie ihre Entscheidung fiel.

Was war Lucia-Anns Plan?

Beide Duellantinnen setzten die dem Deck entnommene Karte und Erins wurde sofort, wie ihre anderen Karten auch, umschlungen und für den restlichen Zug unbrauchbar gemacht.

Lucia-Ann lächelte siegessicher.

„Du Amateurin hast schon so gut wie verloren, denn mit Verzweifelter Wunsch konnte ich meine ultimative Karte ins Spiel bringen, einen Zauber mit gottesgleichen Kräften, der deinen beschränkten Horizont um mehrere Kilometer übersteigt! Hier kommt dein Ende! Ich aktiviere die Tür ins Überall!“

Erin erschrak.

Das war die Karte, vor der Kevin sie gewarnt hatte und von der Lucia-Ann sich ihren Sieg versprach.

Die permanente Zauberkarte deckte sich auf.

Hinter der Obeliskin erschien eine etwa drei Meter hohe, geschlossen, bronzene Tür.

Auf der Tür war eine Art Windrose eingeritzt.

Im Süden ein Symbol, das wie Flammen aussah, im Norden war eine Regenwolke zu sehen, im Osten sah man eine geschwungene Windböe und im Westen einige Bergspitzen..

Es war ein ehrfurchtgebietender Anblick.

„Du hast keine Chance, Sliferabschaum! Denn in meiner Tür ins Überall schlummert die Macht der vier Gefallenen Götter! Ich aktiviere sofort den Effekt meiner Tür: Da meine Gegnerin fünf Karten in ihrer Zauber- und Fallenkartenzone hat, darf ich eine Erde-des-Westens-Marke auf meine Tür legen!

Auf der riesigen Tür hinter Lucia-Ann leuchteten die Bergspitzen im Westen kurz auf und wurden dann von einem Rand aus brauner Erde umkreist.

Erin beobachtete das Schauspiel angespannt.

Das war also der Sinn hinter dem goldenen Vergissmeinnicht-Strauß: Die zusätzlichen Karten und der Effekt, dass ungesetzte Karten in der End Phase von der Hand abgeworfen wurden, sollte sie dazu verleiten, ihre eigene Zauber- und Fallenkartenzone zu befüllen.

„Da du ganz offensichtlich nichts von wahrer Duellkunst verstehst, erkläre ich dir die Wirkung meiner Tür: Einmal pro Zug darf ich eine Marke auf meine Tür legen. Wenn deine Zauber- und Fallenkartenzone voll besetzt ist, darf ich eine Erde-des-Westens-Marke erhalten, für deine volle Monsterkartenzone bekomme ich die Wasser-des-Nordens-Marke, ist meine Monsterkartenzone komplett belegt, erhalte ich die Feuer-des-Südens-Marke und für meine volle Zauber- und Fallenkartenzone darf ich eine Wind-des-Ostens-Marke auf die Tür ins Überall legen.

Die Marken repräsentieren die Macht der Gefallenen Götter und sobald die Tür diese Macht aller vier Götter freigesetzt hat, gewinne ich sofort das Duell!“

„Alles klar, deine Tür bekommt vier Marken, eine davon hast du bereits! Kein Grund mich mit deinem absurden Göttergerede zu langweilen!“, rief Erin bissig.

Lucia-Ann starrte Erin mit ihren kalten, blauen Augen an.

„Absurdes Göttergerede? Hast du dich gerade wirklich über die vier Gefallenen Götter lustig gemacht?“

„Sorry, aber Aberglaube ist echt nicht mein Ding! Außerdem hast du dich deutlich verzählt, in Duel Monsters gibt es nur drei Götter: Slifer der Himmelsdrache, Obelisk der Peiniger und den Geflügelten Drachen des Ra. Aber selbst die sind nichts als eine Legende! Also komm mal wieder in der Realität an!“

Lucy-Ann schüttelte nun fassunglos den Kopf.

„Ihr Slifer seid echt hoffnungslose Fälle! Die Götter SIND die Realität! Ohne sie gäbe es weder Duel-Monsters noch irgendetwas anderes auf der Welt! Aber das wirst du schon noch lernen, wenn die Tür ins Überall dir eine extrem reale Niederlage beschert! Ich beende den Zug!“

Erin war dran und die Würgeranken ihrer Gegnerin zerbröselten.

„Zunächst decke ich eine meiner verdeckten Zauber und Fallen auf: Hier kommt das Wiederherstellungskommando!“

Vor Erin klappte die gesetzte Zauberkarte auf.

„Mit diesem Zauber darf ich drei der im letzten Zug abgeworfenen Monster aus meinem Friedhof wieder in das Deck mischen und zudem eine neue Karte ziehen! Danach decke ich das Monster auf, das ich verdeckt gesetzt hatte, die Donnerklang-Taktikerin!“

Die schöne Kriegerfrau mit der Brille und der auf den Rücken geschnallten Armbrust erschien.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

„Da ich kein weiteres Monster kontrolliere, darf ich den besonderen Effekt meiner Taktikerin nutzen, um ein weiteres „Donnerklang“-Monster aus dem Deck meiner Hand zuzufügen!“, Erin durchsuchte ihr Deck, „Außerdem beschwöre ich das ausgewählte Monster auch gleich: Begrüße mit mir die Donnerklang-Kampfmagierin!“

Eine Frau in weiten Gewändern und mit einer Zipfelmütze schwang angriffslustig ihren mit Runen versehenen Säbel.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

„Meine Kampfmagierin kann ihren Effekt nur nutzen, wenn sie mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist! Deshalb decke ich die nächste verdeckte Karte auf: Den permanenten Zauber Gewitterallianz! Einmal pro Zug rüstet Gewitterallianz eine meiner tapferen Kriegerinnen mit einem passenden Donner-Monster aus dem Deck aus, wenn ich im Gegenzug eine Karte aus der Hand abwerfe! Also verabschiede ich mich von einer meiner beiden Handkarten und statte die Donnerklang-Kampfmagierin mit der Power meiner Donnerklang-Inkarnation aus dem Deck aus!“

Erin legte eine Karte ab, woraufhin das verzierte Runenschwert der Kampfmagierin blau leuchtete und kleine Blitze warf.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 2100Atk.

Nun greife ich mit Donnerklang-Kampfmagierin dein verdecktes Monster an. Dabei aktiviert sich der Effekt von Donnerklang-Kampfmagierin: Wenn sie einen Angriff deklariert, während sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie außerdem eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zerstören! Angriff mit dem Schockschwerthieb und zerstöre dabei Lucia-Anns Tür ins Überall!“

Die Kampfmagierin eilte auf Lucia-Anns Monster zu und bildete im Lauf eine Doppelgängerin, die es auf die Tür ins Überall abgesehen hatte.

„Es war zu offensichtlich, dass du versuchen würdest meine Tür zu zerstören, deshalb aktiviere ich die Konterfalle Spiegelbarriere! Da du einen Monstereffekt nutzt, um eine meiner Karten zu zerstören, darf ich den Effekt dieses Monsters annullieren und das Monster selbst vernichten!“

Eine transparente Sphäre bildete sich um Lucia-Anns Tür und die Kopie der Donnerklang-Kampfmagierin wurde von ihr zurückgestoßen und verpuffte.

Der Säbel der echten Donnerklang-Kampfmagierin verlor seine Strahlkraft.

Donnerklang-Kampfmagierin: 2100Atk → 1400Atk.

„Deine Spiegelbarriere hat zwar deine Tür vorerst beschützt, aber meiner Kampfmagierin konnte sie kein Haar krümmen! Denn da sie mit einem Unions-Monster ausgerüstet war, wird stattdessen Donnerklang-Inkarnation zerstört! Wenn Donnerklang-Inkarnation zerstört wird, darf ich meiner Hand die Zauberkarte Fusion aus meinem Deck zufügen!“, Erin durchsuchte ihr Deck und setzte dann fort, „Außerdem darf meine Kampfmagierin weiterhin angreifen! Schockschwerthieb! „

Mit einem Schrei schmetterte Erins Kampfmagierin ihren Runensäbel auf das verdeckte Monster.

Das Monster entpuppte sich als ein großer Blumentopf, auf dem sich ein diabolisch grinsendes Gesicht befand, welches schrill loslachte, als es entzwei geschnitten wurde.

„Glückwunsch, du Oberloser! Mit diesem Angriff hast du deinen eigenen Untergang besiegelt! Du hast meinen Waldhexenkrug zerstört! Wird der Krug aufgedeckt, darf ich ein Vielfaches von 1000 Lebenspunkten bezahlen! Wenn ich das tue, beschwört mein Krug die gleiche Anzahl an Samen-Spielmarken auf deine und meine Spielfeldseite! Ich bezahle 3000 Lebenspunkte! Das bedeutet drei Spielmarken für jede von uns! Sag brav Danke!“

Lucia-Ann kniff die Augen zusammen und stöhnte vor Schmerzen, als ihr der Effekt ihres zerstörten Waldhexenkruges die Lebenspunkte abnahm.

Lucia-Anns Lebenspunkte: 4000 → 1000.

Insgesamt sechs Hologramme der Samen, die wie überdimensionierte Apfelkerne aussahen, erschienen auf Erins und Lucia-Anns Spielfeldseite.

Samen-Spielmarke: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

„Deine Samenspielmarken sind kein Problem! Meine Donnerklang-Taktikerin hat nämlich noch keine Angriff in diesem Zug getätigt! Greif einen ihrer Samen-Spielmarken an!“

Erins Monster nahm sich die Armbrust von ihrem Rücken, zielte und machte sich bereit wie befohlen auf eine der feindlichen drei Spielmarken zu schießen, bevor die Obeliskin sie unterbrach:

„Ich aktiviere die permanente Fallenkarte Gaias Segen! Gaias Segen macht meine Pflanzenmonster der Stufe 4 oder niedriger gegen alle Formen von Zerstörung immun!“

Die permanente Falle deckte sich auf und augenblicklich bildete sich um die Samenspielmarken eine grüne Aura, an der der Bolzen der Taktikerin abprallte.

„So ein Mist!“, schimpfte Erin und ihre Gegnerin fuhr sich lässig durch ihr Haar.

„Ich bin noch nicht am Ende! Ich beende die Battle Phase und zwar um meine Donnerklang-Taktikerin mit der Donnerklang-Kampfmagierin zu fusionieren!“

Eine grummelnde Gewitterwolke bildete sich vor Erin, während ihre Monster sich langsam auflösten.

Mit einem herab schießenden Blitz erschien Erins Fusionsmonster.

„Hier kommt meine mächtige Donnerklang-Waffenmeisterin im Angriffsmodus!“

Die soeben beschworene, durchtrainierte Kriegerin präsentierte Lucia-Ann in einer drohenden Geste ihre Doppeläxte.

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Def.

„Meine Waffenmeisterin kann zwar nicht mehr angreifen, allerdings habe ich nun keine fünf Monster mehr unter meiner Kontrolle! Daher kannst du keine Wasser-des-Nordens-Marke auf deine Tür legen! Ich beende den Zug!“

„Wenn du glaubst, du könntest der gewaltigen Übermacht meiner Tür ins Überall entkommen, dann ist dir echt nicht mehr zu helfen, Slifer!“

Lucia-Ann zog.

„Ich aktiviere meine letzte verdeckte Karte: Den Zauber Närrisches Geschenk. Diese praktische Karte beschert meiner Gegnerin 4000 Lebenspunkte und mir zwei weitere Karten aus meinem Deck!“

Lucia-Ann zog zwei weitere Karten.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 8000.

„Ich setze alle drei Karten aus meiner Hand verdeckt! Damit ist meine Zauber- und Fallenkartenzone voll belegt und ich darf ich nun eine Wind-des-Ostens-Marke auf meine Tür ins Überall legen!“

Die Windböe auf der Spitze der eingeritzten Windrose der Tür leuchtete auf.

Kleines Laub wehte um das Nordsymbol im Kreis herum.

„Damit hat sich das göttliche Potential meiner Tür bereits um die Hälfte erfüllt! Es fehlen nur noch die Marken der Gefallenen Götter des Nordens und des Südens!“

„Hör endlich mit deinen doofen Göttern auf! Niemand kauft dir den Schwachsinn ab!“, rief ihr Erin genervt entgegen.

„Du solltest ihren Erzählungen von den Gefallenen Götter glauben, Erin. Sie sind mehr als nur eine Legende“, sagte eine Erin gut bekannte Jungenstimme

Neben den beiden Widersacherinnen stand Kevin, der das Duell schon seit geraumer Zeit verfolgte.

Erin und Lucia-Ann waren gleichermaßen überrascht.

„Noch einer von euch Roten? Ist hier irgendwo ein verfluchtes Nest?“

„Was willst du denn hier? Hast du keine Angst, wichtige Nachrichten zu verpassen?“, fragte Erin.

„Wenn sich gute Handelsgelegenheiten ergeben, haben diese Vorrang. Ich dachte mir, dass nachdem du unweigerlich verloren hast, du vielleicht einen guten Ratschlag oder ein paar Karten von mir gebrauchen könntest.“, antwortete der Junge ruhig.

„“Unweigerlich verloren“? Ich wette mit dir, dass ich NICHT gegen diese Trulla verlieren werde!“

Kevin lachte.

„Das will ich sehen. Ich verstehe zwar nicht viel von der ganzen Duelliererei, aber selbst ich erkenne, dass du gegen Lucia-Ann nicht viel ausrichten kannst. Wenn du verlierst, hätte ich gerne deine Späherin. Die fehlt in meiner Sammlung.“

Erin überlegte kurz, willigte dann aber ein:„Gut, aber wenn nicht, beantwortest du mir für den Rest des Tages alle meine Fragen gratis!“

„Abgemacht!“

Beide besiegelten die Wette mit einem Handschlag.

„Seid ihr fertig? Kann ich euch noch eine Tasse Tee bringen?!“, fragte Lucia-Ann gereizt und machte mit ihrem Spielzug weiter.

„Ich decke eine der drei eben gesetzten Karten auf: Guter Dünger ist eine geniale Zauberkarte, die ein beliebiges Monster auf dem Feld kompostiert und ihre Besitzerin mit zwei Samen-Spielmarken entschädigt! Dein freakiger Muskelberg wandert also sofort auf den Friedhof!“

Wie beschrieben, verschwand Erins Donnerklang-Waffenmeisterin und wurde durch zwei weitere Samen-Spielmarken ersetzt.

Samen-Spielmarke: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

Insgesamt fünf Spielmarken blockierten nun Erins Monsterkartenzone vollständig.

„Ich decke eine weitere verdeckte Karte auf, die permanente Zauberkarte Mauer aus Geäst! Diese Karte darf ich nur aktivieren, wenn ich Monster vom Typ Pflanze kontrolliere und wird zerstört, wenn ich das nicht tue! Meine Mauer aus Geäst sorgt dafür, dass keine meiner offenen Zauber- oder Fallenkarten zerstört werden kann! Damit beende ich den Zug! ICH wette ja, dass du deine Wette mit deinem Kumpel inzwischen schon ziemlich bereust!“

Lucia-Ann lachte daraufhin über ihren eigenen Spruch.

Sie hatte durchaus ins Schwarze getroffen.

Aufgrund der fünf Spielmarken konnte Erin kein eigenes Monster aufrufen und Lucia-Anns Tür würde im nächsten Zug wegen der vollen Monsterkartenzone eine weitere Marke bekommen. Außerdem beschützte ihre Mauer aus Geäst die Tür ins Überall sowie Gaias Segen, welche wiederum alle Pflanzenmonster beschützt, wodurch die Mauer weiter im Spiel bleibt.

Eine perfekte Verteidigung.

Lucia-Ann spürte Erins Unsicherheit und lächelte finster.

Erin schluckte und zog.

Donnerklang-Kriegerin...an sich eine gute Karte, aber in dieser Situation war sie nicht zu gebrauchen.

Sie ärgerte sich darüber, dass sich unter ihren gesetzten Karten die gegen Lucia-Anns Deck völlig unbrauchbaren Blitze der Wiedergeburt und Elektrobarriere befanden.

Hätte Kevin ihr erklärt, dass Lucia-Anns Strategie nicht nur defensiv ausgerichtet ist, sondern auch komplett ohne Angriffe auskommt, hätte sie diese Fallen vorher aus ihrem Deck genommen.

Allerdings wollte sie auch vor Lucia-Ann nicht zugeben, dass sie Kevins Hilfe in Anspruch genommen hatte, dazu war Erin zu stolz.

„Ich beende den Zug!“, rief das Mädchen zerknirscht.

Es gab nichts, was sie mit ihren aktuellen Karten anfangen konnte.

„War klar! Ein Slifer ist einem Obelisken einfach nicht gewachsen! Und wo wir gerade von Göttern reden: Deine Monsterkartenzone ist komplett von meinen Samen belegt, daher wird meine großartige Tür von der Macht des Gefallenen Gottes des Nordens verstärkt!“

Das Regenwolkensymbol der Tür leuchtete kurz hell auf und wurde anschließend von einem kontinuierlich im Kreis fließenden Ring aus Wasser umgeben.

„Ich spiele außerdem aus meiner Hand die Gartenelfe im Verteidigungsmodus!“

Vor Lucia-Ann erschien die junge Dame im grünen Sommerkleid und mit spitzen Elfenohren.

Gartenelfe: Stufe 2, 300Atk, 1400Def.

„Wird meine Gartenelfe als Normalbeschwörung gerufen, beschwört sie gleichzeitig eine Samen-Spielmarke!

Samen-Spelmarke: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

Damit habe ich ebenfalls fünf Monster in meiner Monsterkartenzone und kann im nächsten Zug meine Tür mit der Feuer-des-Westens-Marke vervollständigen! Du hast schon verloren, Sliferniete! Aber ziehe ruhig noch deine letzte, jämmerliche Karte!“, höhnte die Obeliskin.

Kevin rieb sich schon demonstrativ die Hände und Erin atmete tief ein, bevor sie ihre womöglich letzte Karte zog.

Plötzlich hörte sie Schritte.

Sie, Kevin und auch Lucia-Ann schauten den Waldweg entlang.

Ein weiteres, älteres Mädchen aus dem Haus Obelisk-Blue schritt energisch auf die drei zu.

Sie hatte dunkle Haut und schwarze Locken und war wie auch Erin ziemlich groß für ihr Alter.

„Was ist hier los? Frischling! Warum duellierst du dich mit einem Slifer!?“, rief sie streng.

Lucia-Ann ging sofort auf die Knie und verbeugte sich ehrfürchtig.

„Verehrte Kronprinzessin Imani! Diese Göre hat mich herausgefordert, weil ich einer ihrer Freundinnen beibringen wollte, wie man sich gegenüber uns Obelisken richtig zu verhalten hat.“

„So ein gelogener Blödsinn!“, rief Erin wütend, „Sie ist Fiona wochenlang nach dem Unterricht aufgelauert, um sie zu beschimpfen und sie fertig zu machen!“

Doch beide Obeliskinnen ignorierten Erins Zwischenruf komplett und würdigten sie keines Blickes.

„Das ist kein ausreichender Grund, um dich in der Öffentlichkeit mit einem ihrer Klassierung sehen zu lassen! Ich erkläre dieses Duell hiermit für sofort beendet!“

Erin wollte wieder protestieren, aber Kevin verdeutlichte ihr mit einem stummen Kopfschütteln, dass sie besser keine Widerworte leisten sollte.

Lucia-Ann deaktivierte unwillig aber sofort ihre Disk und die Hologramme verschwanden.

„Mir ist außerdem von deinen Mitschülerinnen zu Ohren gekommen, dass du zusammen mit weiteren Frischlingen regelmäßig und ohne guten Grund einem anderen Slifermädchen auflauerst! Das hört in Zukunft ebenfalls auf!“

„Verzeihung, meine Prinzessin, ich wollte lediglich -...“

„Blaue Ehre!“, unterbrach sie die Ältere harsch.

„Wir stehen über dem roten Pöbel! Wir erteilen Befehle, sorgen für Ordnung, aber wir geben uns nicht mit ihnen ab! Du erniedrigst das ganze Haus Obelisk-Blue, Frischling!“

Mit einem ausgestreckten Arm gab sie Lucia-Ann zu verstehen, dass sie sofort zur Unterkunft gehen sollte.

Lucia-Ann verbeugte sich und gehorchte dann wortlos.

Schon bald waren beide nicht mehr zu sehen und Erin und Kevin waren alleine.

„Was war das denn? Wieso spielte die eine Obeliskin sich denn so auf? Und was ist „Blaue Ehre“?“

Kevin räusperte sich und streckte Erin seine offene Hand aus, damit sie ihm im Voraus eine Karte als Bezahlung gibt.

„Oh nein! Vergiss nicht unsere Wette! Du musst mir jetzt alle Fragen unbezahlt beantworten, Kumpel!“

„Das ist unsinnig, euer Duell wurde doch abgebrochen, du hast nicht gewonnen.“

„Wir haben auch nie darum gewettet, dass ich gewinne, es ging lediglich darum, dass ich das Duell nicht verliere. Ergo habe ich unsere Wette gewonnen!“, entgegnete Erin altklug.

Kevin überlegte kurz, um sich an den genauen Wortlaut der Wette zu erinnern und sah schließlich grummelnd ein, dass Erin Recht hatte.

„Na gut, ein ehrlicher Geschäftsmann steht zu seinem Wort: Das Mädchen war Imani Gizenga, die zweite Kronprinzessin und damit drittstärkste Duellantin der ersten zwei Jahrgänge. Wie du bemerkt hast, wird von anderen Obelisk-Blue-Schülern Unterwürfigkeit gegenüber den Kronprinzen und -prinzessinnen erwartet. Diese Unterwürfigkeit ist übrigens Bestandteil der Blauen Ehre, einem umfangreichen Verhaltenskodex, der für alle Obelisken gilt. Blaue Ehre regelt unter anderem das Verfahren, mit dem der Obeliskenkönig ermittelt wird und wie Obelisken mit Mitschülern anderer Häuser umzugehen haben. Noch etwas?“

Erin nickte langsam und versuchte Kevins Erklärungen nachzuvollziehen.

„Also diese Imani gehört zu der gleichen Gruppe wie Maxim, richtig? Wieso durfte er sich dann mit mir duellieren, aber Lucia-Ann durfte das nicht?“

„Naja, so wie ich dich gerade verstanden habe, hat Lucia-Ann zusammen mit anderen Obeliskinnen Fiona gemobbt. Sowas lässt Blaue Ehre nicht als einen guten Grund für ein Duell gegen einen Slifer gelten und ist auch generell ungern gesehen. Maxim hingeben hatte dir im Rahmen seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Schülerzeitung legitime Befehle erteilt, die du missachtet hast. Er war verpflichtet, dich dafür zur Rechenschaft zu ziehen.“

„Oh Mann! Ich habe nicht gewusst, dass die Obeliskinnen und Obelisken so viele Regeln haben.“

„Tja, du weißt allgemein sehr wenig. Aber ich bin ja immer gerne hilfsbereit. Waren das alle Fragen?“

„Erstmal ja, lass uns auch zurück zur Unterkunft gehen.“

Inzwischen war es schon spät geworden und der Wind wehte noch immer kräftig, sodass Erin kalt war.

Die beiden machten sich auf den Weg.

Unterwegs fiel Erin noch eine weitere Frage ein:

„Sag mal, du glaubst auch an irgendwelche Götter? Ich habe noch nie von Gefallenen Göttern gehört und ich hielt auch die drei ägyptischen Götterkarten bisher nur für einen Mythos.“

Kevin sah sie etwas überrascht an.

„Tatsächlich? Ich dachte, alle Schülerinnen und Schüler der Akademie kennen und glauben die Geschichte hinter Duel-Monsters. Puh... da muss ich ausholen...“

Er überlegte einen Augenblick, begann dann aber zu erzählen: „Zum Anfang aller Zeit beherrschten unzählige Götter verschiedener Rangordnungen die Welt. Sie hatten die Welt und alles was in ihr lebt erschaffen. Die Menschen waren die Kinder der Götter und sie ehrten sie jeden Tag. Der höchste aller Götter war Aton, er herrschte nicht nur über die Menschen, sondern auch über die anderen Götter. Doch im alten Ägypten, vor etwa 3500 Jahren, änderte sich alles. Einige Götter waren der ständigen Huldigung durch die Menschen und ihrer Abhängigkeit von den Göttern überdrüssig geworden. Diese Götter fuhren zu den Menschen hinab und sie schenkten ihnen freien Willen, Hoffnung und verbotenes Wissen, dass es den Menschen ermöglichte, Götter in magischen Steintafeln zu verbannen. Die in diesen Steintafeln eingesperrten Götter, zumeist schwächere Halbgötter, waren quasi die ersten Monster, mit denen Duelle bestritten wurden. Jedenfalls war Aton sehr erzürnt über diese Tat. In seinen Augen hatten die herabgefahrenen Götter die Vorherrschaft aller Götter über die Menschen in Frage gestellt. Zur Strafe riss Aton jedem dieser Götter die Arme und Beine aus, raubte ihnen die Namen und verbannte sie Jenseits von Himmel und Erden. Diese armen Kreaturen werden als die Vergessenen Götter bezeichnet. Vier andere Götter waren entsetzt über Atons Grausamkeit. Diese Vier wandten sich von den Göttern ab, sie fuhren ebenfalls zu den Menschen herab. Das sind die vier Gefallenen Götter. Sie verteilten sich in alle Himmelsrichtungen und opferten ihre eigene Unsterblichkeit, um den Menschen wertvolle Geschenke zu machen: Sie schenkten ihnen Feuer, das den Menschen Licht und Wärme spendete und mit dem sie schmieden und schmelzen konnten. Sie schenkten ihnen fruchtbaren Boden, aus denen die Ernte gedeiht und in dem sich edle Schätze finden ließen. Sie schenkten ihnen Wind, der die Mühlen und Segelboote antrieb und Pflanzensamen weit streute. Sie schenkten ihnen Wasser, in dem sich nahrhafte Fische vermehren konnten und das auf die Felder der Menschen herabregnete.

Dank der vier Gefallenen Götter waren die Menschen nicht mehr länger vom Wohlwollen der Götter abhängig. Immer mehr Menschen sagten sich von den Göttern los und auch immer mehr Götter begaben sich freiwillig in die Steintafeln, um ihnen so im Kampf gegen Aton und auch gegen die drei ägyptischen Götterkarten beizustehen. Ein gewaltiger Krieg, der sogenannte Milleniumskrieg brach los. Letztlich wurden alle Götter, ob freiwillig oder nicht, in die antiken Steintafeln verbannt. Die Menschheit konnte sich selbstständig weiterentwickeln und als Andenken an den Milleniumskrieg begann man Duel-Monsters zu spielen. Eine Tradition, die über die Jahrhunderte und Jahrtausende nicht an Relevanz verloren hat.“

„Wow...“, konnte Erin da lediglich antworten.

„Tja, jetzt kennst du die grobe Geschichte. Glaubst du jetzt an die Existenz der Götter?“

Erin war sich unsicher.

Sie dachte erkennbar nach, bevor sie Kevins Frage beantwortete:

„Nein, das klingt schon alles ziemlich weit hergeholt. Nicht böse gemeint.“

„Alles gut, ich bin dir nicht böse“

Kevin schmunzelte und sah Erin an.

„Du wirst schon noch an die Macht der Götter glauben, definitiv.“, dachte er sich still.
 

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Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def, Typ Kriegerin, Attribut Licht, Effekt:

Wenn diese Karte mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist: Wenn diese Karte einen Angriff deklariert: Zerstöre eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld.
 

Dämonischer Dobermann: Stufe 4, 1700Atk, 1700 Def, Typ Ungeheuer, Attribut Finsternis, Normal
 

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Normal
 

Alpha die Eisenmähne: Stufe 7, 2400Atk, 2000Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Fusion/Effekt:

1 Monster vom Typ Ungeheuer + 1 Monster vom Typ Ungeheuer.

Einmal pro Zug: Wähle ein Monster vom Typ Ungeheuer in deinem Friedhof: Beschwöre es als Spezialbeschwörung. Monster vom Typ Ungeheuer, die du kontrollierst, können nicht zerstört werden.
 

Waldhexenkrug: Stufe 2, 800Atk, 800Def, Typ Fels, Attribut Erde, Effekt:

FLIPP: Du kannst ein Vielfaches von 1000 Lebenspunkten zahlen. Beide Spieler beschwören genau so viele Samen-Spielmarken (Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Pflanze, Attribut Erde) als Spezialbeschwörung, wie du an Lebenspunkten, geteilt durch 1000, gezahlt hast.
 

Gartenelfe: Stufe 2, 300Atk, 1400Def, Typ Fee, Attribut Wind, Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Beschwöre eine Samen-Spielmarke (Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Pflanze, Attribut Erde) als Spezialbeschwörung.
 

Zauberkarten:
 

Goldener Vergissmeinnicht-Strauß: Normale Zauberkarte:

Jeder Spieler zieht drei Karten.

Kein Spieler kann in diesem oder dem nächsten Zug weitere Karten aktivieren oder Monster beschwören. Während der End Phase dieses Zuges und des nächsten Zuges: Der aktive Spieler wirft alle Karten von seiner Hand ab.
 

Tür ins Überall: Permanente Zauberkarte:

Einmal pro Zug: Du kannst eine der folgenden Marken auf diese Karte legen:

Eine Erde-des-Westens-Marke, falls fünf Karten in der Zauber- und Fallenkartenzone deines Gegners liegen.

Eine Wasser-des-Nordens-Marke, falls fünf Karten in der Monsterkartenzone deines Gegners liegen.

Eine Wind-des-Ostens-Marke, falls fünf Karten in deiner Zauber- und Fallenkartenzone liegen.

Eine Feuer-des-Südens-Marke, falls fünf-Karten in deiner Monsterkartenzone liegen.

Wenn auf dieser Karte eine Erde-des-Westens-Marke, eine Wasser-des-Nordens-Marke, eine Wind-des-Ostens-Marke und eine Feuer-des-Südenss-Marke liegen: Du gewinnst das Duell.
 

Närrisches Geschenk: Normale Zauberkarte:

Dein Gegner erhält 4000 Lebenspunkte. Ziehe zwei Karten. Du kannst nur ein „Närrisches Geschenk“ pro Zug aktivieren.
 

Guter Dünger: Normale Zauberkarte:

Wähle ein Monster: Sende das gewählte Monster auf den Friedhof. Der Spieler, der das gewählte Monster kontrolliert hat, beschwört zwei Samen-Spielmarken (Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Pflanze, Attribut Erde) als Spezialbeschwörung.
 

Mauer aus Geäst: Permanente Zauberkarte:

Du kannst diese Karte nur aktivieren, falls du mindestens ein Monster vom Typ Pflanze kontrollierst. Falls du kein Monster vom Typ Pflanze kontrollierst: Zerstöre diese Karte. Offene Zauber- und Fallenkarten, die du kontrollierst, können nicht zerstört werden.
 

Fallenkarten:
 

Unspektakuläre Wiedergeburt: Normale Fallenkarte:

Wähle bis zu zwei normale Monster mit weniger als 2000Atk und mit dem gleichen Typ aus deinem Friedhof: Beschwöre die gewählten Monster als Spezialbeschwörung.
 

Würgeranken: Normale Fallenkarte:

Wirf eine Karte von deiner Hand ab: Dein Gegner kann bis zum Ende des Zuges keine verdeckten Zauber- oder Fallenkarten aktivieren.
 

Verzweifelter Wunsch: Normale Fallenkarte:

Jeder Spieler wählt eine Zauber- oder Fallenkarte aus seinem Deck und setzt die gewählte Zauber- oder Fallenkarte verdeckt.
 

Gaias Segen: Permanente Fallenkarte:

Monster vom Typ Pflanze der Stufe 4 oder geringer, die du kontrollierst, können nicht zerstört werden.

Kampf gegen die Sterne

Ein schriller Freudenschrei hallte durch die Slifer-Red-Unterkunft.

„Das ist unglaublich! Ist das wirklich ein Konzertticket für Maddox R. Brown und die Priscill-Monsters?“, fragte Fiona ungläubig und zugleich begeistert, während ihr Erin das besagte Ticket triumphierend entgegenhielt.

„Klar! Wir beiden werden schon morgen Abend in der ersten Reihe stehen und eine unvergessliche Life-Performance miterlerben. Das wird echt oberklasse!“, freute sie sich mit.

In den letzten paar Tagen war Fiona Erin ein wenig böse gewesen.

Erin hatte sich, gegen Fionas expliziten Wunsch, mit Lucia-Ann duelliert, um sie davon abzuhalten, Fiona nach dem Unterrichtsschluss weiter aufzulauern.

Dank des unerwarteten Auftauchens von Imani Gizenga, der zweiten Kronprinzessin, hatte Lucia-Ann Fiona von da an in Ruhe gelassen, obwohl Erin es nicht geschafft hatte sie zu besiegen.

Allerdings fand Fiona diese plötzliche Ruhe sehr verdächtig und schaffte es letztlich, Mayla dazu zu bringen, ihr von Erins Plan und von ihrem Ablenkungsmanöver zu erzählen.

Erin machte Mayla dafür keine Vorwürfe, sie hatte eingesehen, dass es nicht fair war, Mayla dazu zu bewegen Fiona anzuschwindeln.

Deshalb hatte sie beschlossen die Sache wieder gerade zu biegen und zwar mit zwei Tickets zu einem Konzert von Fionas und Erins Lieblingsband, die passenderweise ein Konzert auf der Akademieinsel geben würden.

Diese Tickets hatten Erin zwar mehrere Monate Taschengeld sowie eine Menge Nerven bei einer spannenden Onlineauktion gekostet, aber jetzt, wo sie sich zusammen mit einer ihrer besten Freundinnen so euphorisch freuen konnte, war es im Nachhinein den Aufwand mehr als wert.

Beide tanzten, soweit es der wegen Fiona etwas zugemüllte Boden zuließ, durch das Zimmer und kreischten dabei um die Wette.

Plötzlich öffnete sich die Tür und Daniel stürmte in den Raum.

„Ist bei euch alles in Ordnung? Wird hier gerade jemand abgeschlachtet?“

Die beiden Freundinnen sahen ihn erschrocken an und schließlich stieß Mayla mit dazu, die Daniel hinterhergelaufen war und nun etwas außer Atem schien.

„Daniel, du kannst doch nicht einfach so in unser Zimmer rennen! Was ist denn, wenn sich die beiden gerade umziehen?!“, tadelte sie ihren Freund.

„Aber ich habe doch so komische Schreie gehört! Und Direktor Schrainmann hat schließlich den mysteriösen Dieb, der hier alle Schüler bestiehlt immer noch nicht gefunden!“, verteidigte er sich trotzig.

Erin erinnerte sich.

Die bis heute ungeklärten Kartendiebstähle waren der Grund, warum Maxim damals Kevin drangsalierte.

„Danke für die Sorge, Daniel, aber uns geht es bestens. Wir haben wohl ein wenig zu laut gejubelt“, erklärte Fiona, „Erin hat mich eben mit Konzerttickets für die Priscill-Monsters überrascht! Findest du die Band auch so gut?“

„Hmm, habe kürzlich mal „Lonely Island Girls“ von denen gehört, war nicht schlecht der Song, aber ansonsten kenne ich die kaum. Kennst du die Band, Mayla?“

Mayla schmollte etwas missmutig.

„Leider ja!“

Seit Erin und Fiona voneinander erfahren hatten, dass sie beide gerne Priscill-Monsters hörten, lief deren Musik des Öfteren auf ihrem Zimmer, sehr zum Leidwesen von Mayla.

Ihr war die Lieblingsband ihrer Freundinnen zu laut und zu rockig, sie stand eher auf melancholische und langsamere Balladen.

Allerdings wollte sie den beiden auch nicht komplett den Spaß verderben und erlaubte ihnen deshalb genau eine halbe Stunde Priscill-Monsters pro Tag.

Erin grinste breit.

„Maddox R. Brown kommt mit der restlichen Band morgen Abend angereist und sie geben ein Konzert an den Piers. Ich habe schon gesehen, wie sie gerade die Bühne aufbauen. Wusstet ihr eigentlich, dass Maddox vor seinem großen Durchbruch mal...-“

„- der hessische Landesmeister in Duel-Monsters war?“, beendete Mayla den Satz mit einem leichten Augenrollen und anschließendem Seufzen.

„Wie könnten wir das vergessen? Du hast es uns ja erst eine Million mal erzählt! Vielleicht erzählst du es uns noch eine weitere Million mal, nur um sicherzugehen!“, stieß Fiona neckisch nach.

„Also ich wusste es noch nicht, cooler Funfact, Erin. Hab mich schon gefragt, warum eine Band, deren Mukke im Radio läuft, gerade auf dieser kleinen Insel spielen wollen.“

„Ich frage mich eher, warum sie jemand auf dieser kleinen Insel hören möchte!“, dachte sich Mayla, behielt den Gedanken aber für sich.
 

°°°
 

Für den restlichen Tag sowie am Folgetag gab es für Erin und Fiona kein anderes Thema als das bevorstehende Konzert und so erledigte selbst die ansonsten so gründliche Fiona die Hausaufgaben ungewohnt schnell, um mehr Zeit zu haben, um mit Erin zusammen die bekanntesten Songpassagen auswendig zu lernen.

Gegen 16 Uhr verließen beide das Zimmer und Mayla freute sich insgeheim auf einen ruhigen Abend mit ihrem neuesten Roman, „Direkter Angriff auf meine Liebespunkte“.

Die Sonne stand schon tief und ein sanftes Abendrot schimmerte über das hinter der Bühne rauschende Meer, welches von den aus der Beschallungsanlage dröhnenden Vormusik übertönt wurde.

Inzwischen wurden die Hardcorefans, inklusive Erin und Fiona, ungeduldig, während die letzten Besucher langsam eintrafen.

Erin schaute kurz hinter sich und um sich herum.

Neben zahllosen Mitschülerinnen und Mitschülern entdeckte sie auch Lehrerinnen und Lehrer, sowie einige Fans, die deutlich zu alt waren, um noch an der Akademie eingeschrieben zu sein und ihren Idolen wohl bis zur Insel gefolgt sein mussten.

Insgesamt schätzte sie die Menge auf etwa 500 bis 700 Leute ein, was für den begrenzten Platz, der zur Verfügung stand, schon eine große Anzahl war.

Umso glücklicher schätzte sie sich, zusammen mit Fiona ganz vorne stehen zu dürfen.

Ein Raunen ging durch die Menge, als die sehnlich erwarteten Stars endlich die Bühne betraten.

Maddox R. Brown sah mit der strubbeligen, langen und platinblonden Perücke, sowie der sternförmigen, rosa Sonnenbrille und der knallroten Lederjacke so aus, als ob er bereits in den 80ern gerockt hätte, obwohl sein eigentliches Alter eher Mitte 20 entsprach.

„Oh Mann, Erin! Das sind sie! Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott!“, schwärmte ein hibbelige Fiona und Erin war genauso aufgeregt wie sie.

Die restliche Band wirkte deutlich weniger exzentrisch: Der Drummer war ein hagerer Mann mit Halbglatze und einem halboffenen Karohemd, der eher wie der Buchhalter der Band aussah, der Bassist fiel lediglich durch seinen buschigen Vollbart und zahlreichen Unterarmtatoos auf und Erin könnte schwören, dass sie an ihren paar Monaten an der Duellakademie mindestens vier Jungen gesehen hatte, die wie eine etwas jüngere Version des Gitarristen aussahen.

„HELLO, ACADEMY ISLAND!“, rief Maddox zur Begrüßung in das Mikrofon und erhielt von der ihm gegenüberstehenden Menschenmasse eine Antwort in ähnlich lautem Gekreische.

„We are so glücklich, that wir können abfeiern here with you! Deswegen geht ein fettes Thank You raus an Mister Schrainmann for die Einladung!“

Kurz drehten sich einige der Fans zum in der Menge stehenden Schuldirektor um, der mild lächelte und Maddox dankend zunickte.

Die Priscill-Monsters begannen die Melodie ihres ersten Songs langsam einzuspielen und Maddox ging vom Bühnenrand zum Mikrofonständer zurück.

„ALRIGHT, LET´S GET READY TO ROCK!“

Die nun folgenden Stunden vergingen für Erin und Fiona wie im Flug.

Die Musiker spielten ihre bekanntesten Songs sowie einige verspielte Medleys von anderen Künstlern und klangen dabei, der Meinung der Zuhörerschaft nach so viel besser!

Die Stimmung auf dem Konzert war durchgehend spitze.

Als der Frontmann zwischen den Liedern die Crowd fragte, ob sie „sich enjoyen“ oder noch „lots of Bock“ hätten, kam immer ein enthusiastisches Ja zurück und die Refrains wurden wie selbstverständlich stets mitgesungen.

Nach dem letzten Song, eine langsamere Version von „Lonely Island Girls“, mit der das Konzert besinnlich ausgespielt wurde, kam die ganze Band noch ein letztes Mal nach vorne und verbeugte sich mehrfach, um sich für den schönen Abend zu bedanken und die Zuhörerschaft zu verabschieden.

Erst jetzt bemerkten Erin und Fiona, dass ihnen vom vielen Stehen die Beine müde geworden waren und sie durch das Kreischen und laute Mitsingen sehr heisere Stimmen hatten.

„Das hat auf jeden Fall Spaß gemacht! Hattest du auch Spaß, Fiona?“

„Machst du Witze? Maddox und die Priscill-Monsters sind live echt der Megaoberhammer! Aber wir sollten lieber zurück gehen, Mayla ist ohne uns doch voll aufgeschmissen und langweilt sich zu Tode!“

Erin lachte: „Oha, das mit dem Aufgeschmissen petze ich ihr aber!“

„Dann petze ich ihr, wie du neulich Kevin gefragt hast, ob er gute Karten hat, die Fischmonster kontern!“, antwortete Fiona und lachte nun auch.

Die Zuschauermasse löste sich langsam auf und der Direktor wartete zusammen mit den anderen Lehrern noch ein wenig, um zu kontrollieren, dass sich auch alle Schülerinnen und Schüler zurück zu den Unterkünften begaben.

Als sie gehen wollten, ging ein durchtrainierter Kerl mit schwarzer Sonnenbrille und im dunklen Tanktop auf die beiden zu.

„Wartet mal bitte, ihr zwei!“

Erin erschrak etwas, der unbekannte Mann sah schon unheimlich aus.

„Ja? Wie können wir helfen?“

„Ihr zwei seid Maddox aufgefallen. Er hat nach den zwei süßen, rot tragenden Superfans in der ersten Reihe gefragt. Wenn ihr mögt, dürft ihr ihn und die Band gleich auf ihrem Schiff treffen und euch ein persönliches Autogramm und ein paar gemeinsame Fotos abholen.“

„Die... die zwei süßen...Superfans?“, stammelte Erin.

Hatte DER Maddox tatsächlich sie und Fiona gemeint?

Fiona reagierte sehr erfreut, aber etwas weniger überrascht.

Sie meinte sich eingebildet zu haben, dass Maddox zu ihr und Erin von der Bühne heruntergeschaut und sie angelächelt hatte.

Anscheinend war diese Einbildung realer als gedacht.

„Was ist hier los, wenn man fragen darf? Wer sind Sie?“

Frau Mentzel stand nun hinter den beiden Mädchen und schaute den Muskelberg argwöhnisch an.

„Ah, Verzeihung, Sie sind sicher Lehrerin an der Akademie“, der Mann kramte einen laminierten Ausweis unter seinem Tanktop hervor, den er mit einem Band um den Hals trug, „ich gehöre zum Tourpersonal und wurde beauftragt die beiden Damen für ein kleines Meet and Greet an Bord ihres Schiffes einzuladen, bevor wir morgen wieder abreisen. Das geht doch in Ordnung, nehme ich an?“

Doch für Frau Mentzel schien das gar nicht in Ordnung zu gehen: „Hören Sie mal, ich würde gegen meine Aufsichtspflicht verstoßen, wenn ich zwei Minderjährige einfach das Akademiegelände verlassen lassen würde!“

Erin war inzwischen wieder zu sich gekommen.

„Bitte, bitte Frau Mentzel, lassen Sie uns unsere Stars treffen! So eine Chance bekommen wir nie wieder und wir gehen auch danach direkt zu unserer Unterkunft zurück! Ganz großes Ehrenwort!“, flehte sie und Fiona bemühte sich Erins verzweifelter Bitte Nachdruck zu verleihen, indem sie ihren unschuldigsten Hundewelpenblick aufsetzte.

Frau Mentzel sah auf ihre Uhr, überlegte und gab dann etwas widerwillig nach:

„Gut, ich erlaube es euch. Aber denkt dran, dass in 50 Minuten die Nachtruhe beginnt. Wenn man euch danach außerhalb des Slifer-Hauses erwischt, gibt es einen Eintrag, also nicht herumtrödeln!“

„Oh Yeah, Frau Mentzel, Sie sind die Allerbeste!“, rief Fiona.

„Vielen Dank, wir beeilen uns“, fügte Erin hinzu.

Der Mann nickte.

Wunderbar, dann führe ich euch mal an Bord. Mir nach bitte!“

Von ihrer Fahrt auf die Insel wussten sie, dass es im Grunde nur einen richtigen Anlegeplatz gab, an dem das Bandschiff stehen konnte und der war wirklich nicht mehr weit entfernt.

Während sie hinter ihm hinterherliefen, tippte Fiona auf ihrem Handy herum.

„Wem schreibst du?“

„Nur Mayla. Sie soll sich keine Sorgen machen, wenn wir etwas später kommen als geplant.“

„Gute Idee. Schade, dass sie nichts für die Priscill-Monsters übrig hat, sonst hätten wir ihr gleich noch ein Autogramm mitbringen können. Aber wir sollten ja auf jeden Fall mal nach einem für Daniel fragen, der wollte sich das Konzert außerhalb der Absperrung anhören.“

„Oh! Da fällt mir was Wichtiges ein!“, rief Erin aus und durchsuchte die Innentaschen ihrer Uniform, bis sie schließlich einen mehrfach gefalteten Schreibblockzettel heraus kramte.

„Was hast du da?“, fragte Fiona.

„Das ist ein Songtext. Wenn wir schon ein paar Profimusiker treffen, dann ist das ne super Gelegenheit dazu, ein paar Verbesserungvorschläge einzuholen.“

Fiona guckte nicht schlecht.

„Seit wann schreibst du denn eigene Songs? Willst du etwa die Karriere wechseln, wenn du das nächste Mal von nem Obelisken auf die Glocke bekommst?“

„Sehr lustig“, entgegnete Erin und hätte Fiona am liebsten daran erinnert, wer das Duell zwischen ihnen beiden nochmal gewonnen hatte, „Ist ein Geheimnis. Ich darf da nicht viel mehr zu sagen, Sorry.“

„Na, klasse. Nach solchen Sätzen will ichs erst recht wissen!“

„Hehe, ich weiß“, entgegnete Erin mit einem überbreiten, schelmischen Grinsen, bevor sie das Thema wechselte:

„Wir hatten echtes Glück, dass Frau Mentzel so locker drauf ist. Stell dir mal vor, Frau Ehring wäre an ihrer Stelle dazugekommen!“

„Oh Mann! Die olle Schreckschraube hätte uns alleine für den Vorschlag das Schulgelände weiter zu verlassen mit Nachsitzen bestraft!“
 

°°°
 

Im Dreierzimmer klappte Mayla nun ihr Buch zu. Sie hatte alleine an diesem Abend den halben Roman durchgelesen und war von der romantischen Geschichte komplett vereinnahmt.

Obwohl sie Daniel sehr mochte, verglich sie ihn gerade mit dem männlichen Protagonisten, einem draufgängerischen Profiduellanten, der es für seine Angebetete mit der halben Welt aufnehmen würde und immer einen coolen Spruch auf den Lippen hatte.

Sie seufzte und schaute auf ihr Handy, um nach der Uhrzeit zu sehen und bemerkte da die Nachricht von Fiona, die sie vor etwa einer halben Stunde geschrieben hatte.

„Erin und ich dürfen noch heute Abend Maddox R. Brown und die Band kennenlernen!! Wir kommen gegen ca 10 zurück!“, gefolgt von, für Fiona typisch, unzähligen und sich wiederholenden Emojis.

Mayla schaute nicht schlecht und überlegte kurz, ob sie noch antworten sollte, allerdings waren weder Fiona noch Erin seitdem online gewesen.

Stattdessen ging Mayla ins Bad, um sich die Zähne zu putzen und so langsam bettfertig zu machen.

Als sie aus dem Bad zurückkam, waren sie nicht online, auch nicht als sie in ihrem Pyjama und in ihrer Decke eingekuschelt im Bett lag und wieder und wieder ihren Messenger kontrollierte.

Es vergingen 20, 30, 40 Minuten und Mayla hatte inzwischen mehrfach versucht beide zu erreichen.

Aber ihre Freundinnen reagierten weder auf Anrufe noch lasen sie ihre Textnachrichten.

Mayla sorgte sich inzwischen um Erin und Fiona, sie hätten schon lange wieder zurück sein müssen.

Sie rief Daniel an, er wusste vielleicht mehr.

Er lehnte den Anruf ab.

„Hey Mayla. Carlos und Ahmad schlafen bereits. Kann nicht telefonieren. Was gibt’s?“, schrieb er.

Mayla schickte Daniel nun den Screenshot von ihrem Chat mit Fiona, auf dem man auch sah, dass sie zuletzt vor über einer Stunde online war und schrieb dazu noch eine Nachricht.

„Erin und Fiona sind immer noch nicht da und ich erreiche sie nicht :/ Weißt du vielleicht, wo sie sein könnten?“

„Komme!“

„Komme?“, fragte Mayla leise, als sie Daniels Nachricht las.

Das war nicht, was sie beabsichtigt hatte, aber sie fand sein Engagement auch etwas niedlich.

Sie zog sich wieder die Uniform an und keine fünf Minuten später stand Daniel vor ihrem Zimmer.

„Immernoch nichts?“, fragte er.

Mayla schüttelte den Kopf. „Hast du sie nach dem Konzert gesehen? Haben sie dir noch was gesagt oder geschrieben?“

„Leider nein. Das ist echt nicht gut. Ich würde vielleicht Herrn Althus oder einem anderen Lehrer Bescheid geben.“

Daran hatte Mayla auch schon gedacht, aber den Gedanken schnell wieder verworfen.

„Es ist schon seit einer halben Stunde Nachtruhe. Ich will sie ja nicht in Schwierigkeiten bringen. Anderseits könnte ihnen auch wirklich etwas Schlimmes passiert sein...“, sie dachte gerade wieder an den mysteriösen Kartendieb und war sichtlich hin und hergerissen.

Beide standen sich kurz ratlos gegenüber.

„Gut, Mayla, lass uns losgehen und sie suchen. Ich gehe nur kurz zum Zimmer zurück und hol mir ne Jacke.“

„Daniel, das geht nicht! Willst du etwa von der Akademie fliegen?!“

Er grinste.

„Mach dir wegen der Nachtruhe keine Sorgen, ich weiß, wie ich das regeln kann.“, antwortete er geheimnisvoll und ging zurück auf den Flur.

„Wir treffen uns gleich am Eingang zum Gemeinschaftsflur.“

Er eilte los, bevor Mayla antworten konnte.

Eigentlich wollte Mayla jetzt nur schlafen, aber untätig rumliegen, während Erin und Fiona sonst wo sein könnten, war für sie ausgeschlossen.

Und Daniel schien sich seiner Sache sicher zu sein.

Sie zog sich ebenfalls eine dicke Jacke an und ging dann kurz darauf mit Daniel zusammen los.

„Hast du eine Idee, wo wir zuerst suchen könnten? Vielleicht auf dem Konzertplatz?“, fragte Daniel.

„Also, das Konzert fand an der Küste statt und die Priscill-Monsters sind erst heute angereist, höchstwahrscheinlich mit einem Schiff. Außerdem hat mir Fiona geschrieben, dass Sie bereits um etwa 22 Uhr zurück sein werden, also muss der Treffpunkt recht nahe vom Konzertplatz gewesen sein, denke ich“, schlussfolgerte Mayla konzentriert.

„Dann ist die Sache ja klar! Sie sind an Bord des Schiffs, am Anlegeplatz, an dem wir damals auch zu den Aufnahmeduellen ausgestiegen sind!“

So gingen sie zum Anlegeplatz, es war der erste logische Hinweis, den es zu verfolgen galt.

Währenddessen schrieb Daniel auf seinem Handy und fiel deswegen beinahe mehrfach in der Dunkelheit hin.

„Pass bitte auf dich auf! Du verletzt dich noch! Wem schreibst du denn?“

„Einem Bekannten, wir treffen ihn am Dock, er will uns bei der Suche weiterhelfen.“

Mayla nickte anerkennend.

„Ich wusste gar nicht, dass du so gut vernetzt bist.“

Sie schaute, während beide eilten, immer wieder auf ihr Smartphone, aber die Mädchen meldeten sich nicht.

Sie lagen mit ihren Vermutungen genau richtig:

Mayla und Daniel waren nun an der Küste der Akademieinsel angekommen, vor ihnen schwamm eine eine luxuriöse Yacht.

Auf dem Steg dorthin stand ein muskulöser Mann in dunkler Lederjacke und Sonnenbrille, der den Zugang zur Yacht der Band bewachte.

„Verzeihung, wir möchten Sie etwas fragen“, sprach Mayla den Mann an, „Wir suchen zwei Mitschülerinnen von uns. Sie tragen rote Uniformen und sind nach dem Konzert von Maddox und der Band für ein kurzes Treffen im Schiff eingeladen worden. Seitdem sind sie allerdings verschwunden und wir machen uns schlimme Sorgen. Können Sie uns sagen, ob die zwei noch an Bord sind, bitte?“

Der Mann blickte, soweit man es durch die Sonnenbrille erkennen konnte, auf Mayla hinab und antwortete ihr schroff:

„Ich wüsste nicht, was euch das anginge! Geht zurück auf eure Zimmer, Maddox und die Priscill-Monsters müssen sich ausruhen!“

Mayla bemühte sich freundlich zu bleiben.

„Bitte hören Sie, ich weiß, dass meine Freundinnen die Band getroffen haben, das haben sie mir geschrieben. Wenn ich nur ganz kurz mit ihnen sprechen dürfte, damit sie mir einen Hinweis ge- AAAH!“

Der Mann hatte Mayla, die sich schon halb an ihm vorbei zu drängeln versucht hat, mit Wucht umgeschubst.

„Hey! Verdammt! Was soll das denn!?“, brüllte Daniel wütend und wandte sich dann gleich an Mayla, um ihr wieder auf die Beine zu helfen.

„Mit diesem Hohlkopf zu diskutieren, bringt gar nichts! Den müssen wir wohl mit Gewalt aus dem Weg räumen!“

Mit ernstem Blick aktivierte Daniel seine Dueldisk.

Er schaute zu Mayla.

„Bist du dabei?“

Sie nickte und ließ nun ebenfalls ihre Dueldisk ausfahren.

Der Mann in Lederjacke gab sich unbeeindruckt.

„Zwei gegen eins, ja? Hmpf, ich weiß nicht viel über die Schüler der Duellakademie, aber wenn ihr ebenfalls zu den Slifern gehört, dann habt ihr Amateure selbst zu zweit keine Chance!“

Er zog den linken Arm seiner Lederjacke hoch und offenbarte ein breites metallisches Armband, das sich auf Knopfdruck zu einer Dueldisk formte.

Eine vertraute Stimme mischte sich nun ein:

„Wenn dir zwei Slifer zu leicht sind, dann versuchs doch mal mit einem Ra!“

Daniel drehte sich um.

„Wurde aber auch mal langsam Zeit, dass du hierher kommst, Leroy!“, sagte er neckisch und grinste ihn herausfordernd an.

„Leroy!“, rief Mayla überrascht, „Was machst du denn hier?“

Leroy lächelte beide mild an.

„Daniel hat mich gebeten, euch bei der Suche nach Fiona und einer Erin zu helfen und euch nicht wegen eines Verstoßes gegen die Nachtruhe zu melden. Habt ihr schon etwas über die zwei Gesuchten herausfinden können?“

„Nein, nicht so lange uns dieser Typ nicht ins Schiff lässt! Und weil du uns noch was schuldig bist, wirst du uns brav helfen, ihn aus dem Weg zu schaffen!“

Leroy ließ sich nicht provozieren und stellte sich neben Mayla und Daniel.

„Diese alte Leier darf ich mir wohl bis zu meinem Abschluss vorwerfen lassen, oder?“, sagte Leroy.

Er lachte kurz und Daniel erwiderte das Lachen

„Kommt drauf an. Wenn wir ihn gemeinsam fertig machen, überleg ich es mir nochmal!“

Der Mann mit der Sonnenbrille und der Lederjacke wurde nun etwas lauter.

„Und wenn ihr zu viert kommt! Ich habe zu seiner Zeit als Profiduellant mit Maddox persönlich trainiert! An mir kommt ihr Bälger nicht vorb- HEYY!!“

Mayla hatte die Ablenkung genutzt und ist so flink wie möglich an dem Mann vorbeigesprintet.

Er wollte ihr noch hinterherlaufen, als er harsch von Leroy unterbrochen wurde:

„Hier spielt die Musik!“, rief er und aktivierte nun ebenfalls seine Dueldisk.

Mit hochrotem Kopf rammte der Mann sein Deck in die Disk.

„Dafür mach ich euch Knirpse fertig!“
 

°°°
 

Mayla rannte an der Reling des Schiffes entlang, bis sie einen Weg ins Innere fand.

Sie hatte von außen noch das schwache Licht durch die Kabinenfenster sehen können, ergo mussten die Musiker nicht nur an Bord, sondern auch noch wach sein.

Schließlich fand sie die Treppe und hechtete diese im Eiltempo hinab.

Durch die Kajütentür hörte sie lautes Gerede und schallendes Gelächter.

Ohne zu zögern stieß sie diese auf und fand sich in einem unerwartet geräumigen, düsterem Zimmer samt kleiner Bühne mit aufgebautem Schlagzeug und einer Sofaecke wieder.

„Entschuldigung, sind Sie Maddox R. Brown?“

An der Sofakante saß der von Mayla angesprochene exzentrische Frontmann mit einem Drink in der Hand.

„Hey, Girl! The Show ist vorbei! No Eintritt here, kapiert?!“, rief er ihr zu.

Mayla schaute den Vokalisten unsicher an und fragte sich, weshalb er so komisch redete und warum er im Dunkeln seine alberne sternförmige Sonnenbrille trug.

„Tut mir Leid, ich will nicht stören, ich will nur...Moment...“

Erst jetzt sah sie, hinter Maddox, in der hintersten Ecke und zwischen den Bandmitgliedern Erin und Fiona.

Sie lief gleich auf die beiden Mädchen zu.

„Erin! Fiona! Was macht ihr hier denn? Wir müssen wieder zurück!“

Aber die beiden reagierten nicht.

Sie saßen in sich zusammengesackt und mit geschlossenen Augen, als ob sie schlafen würden.

Vor ihnen am Tisch standen zwei halbleere Gläser.

„Was...was habt ihr mit meinen Freundinnen gemacht?“, stammelte sie entsetzt.

„Keep calm, Sweet Child O´Mine, we feiern here nur ein bisschen, why nimmst du nicht auch einen kleinen Drink und setzt dich zu us, hm?“

Mayla ignorierte Maddox´ Angebot und aktivierte hingegen energisch ihre Dueldisk.

„Was habt ihr mit meinen Freundinnen gemacht?!“, wiederholte sie in einem sehr viel aggressiveren Ton.

Maddox zeigte sich von Maylas Wut unbeeindruckt und hielt ihr fies grinsend einen Zettel entgegen.

„I must say, deine blonde Freundin there has ja ne richtig sensible Künstlerseele. She wollte unbedingt our Feedback zu her Lovesong haben. So younge Girls wie ihr sind ja genau unser Target-Audience, daher haben wir als Band einstimmig decided, dass we das Lied deiner kleinen Freundin gerne... erwerben würden.“

Die restlichen Bandmitglieder kicherten über Maddox´ Euphemismus.

Mayla brauchte einen Moment, bevor sie Maddox´ Denglisch im Kopf vernünftig übersetzt hatte und begriff, was sein Plan war.

„Ihr wollt einfach das Lied von Erin klauen? Was seid ihr denn bitte für Künstler?!“

„Hehe, wir sind famous Rockstars, um nicht zu sagen Idols, die sich von ihren Fans alles nehmen dürfen, what they want! Außerdem can you not wirklich von Diebstahl talken, wenn sich die Blonde und ihre Redhead-Freundin nicht mehr an diesen Abend erinnern werden, can you?“

Mayla hatte genug gehört.

„Draußen machen meine Jungs gerade euren doofen Wachtypen platt! Danach kommen sie dazu und werden hier alles abfotografieren und filmen, inklusive der beiden Mädchen, die ihr bewusstlos gemacht habt! Dann weiß die Welt, was ihr für widerliche Betrüger seid!“

Einer der Bandmitglieder wandte sich besorgt Maddox zu.

„Maddox! Das können wir nicht zulassen! Die Göre muss verschwinden und zwar sofort!“

„I know, I know...Boys! Macht euch ready! THIS SMELLS LIKE DUELING SPIRIT!“

Maddox und seine Band standen nun auf.

Wie auf Befehl gingen die Priscill-Monsters zur Bühne und schlossen ihre Instrumente an, während Maddox das Blatt mit Erins Songtext auf den Tisch der Sofaecke ablegte, eilig seine Dueldisk aus einem Wandschrank kramte und sie sich umschnallte.

Wütend und verwirrt sah Mayla dem Schauspiel zu.

Was hatten die Männer jetzt vor?

Wollen sie etwa jetzt ihre Musik spielen?

„Hey, hey, Sweet Child O´ Mine! Mach deinen ersten Move, alright? This is das Duel of our Lifes!“, rief ihr Maddox mit einem irren Enthusiasmus entgegen.

Mayla verlor keine Zeit und beide Duellanten zogen ihre Starthand.

„Ich beginne mit meinem Wassertänzer Tango-Tintenfisch im Verteidigungsmodus!“

Das gelbe Tintenfischmonster mit roter Weste erschien auf Maylas Feldseite.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

Ich lege außerdem mit meinem Spielfeldzauber nach! Hier kommt das Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett!

Die Wirkung des Spielfeldzaubers setzte sofort ein und der Boden des Raums wandelte sich in

gelblich-grünen Sand, der ein Karomuster bildete und von vereinzelten Korallen, Seesternen und Algen verziert wurde.

„Mein Meeresboden-Tanzparkett verstärkt meine Monster und zwar um 400 Angriffs- und 600 Verteidigungspunkte! Das ist aber noch lange nicht alles! In dem Zug, in dem mein Tanzparkett ausgespielt wurde, darf ich nämlich den Typ eines meiner „Wassertänzer“-Monster in einen beliebigen anderen Monstertypen ändern! Damit wird Tintenfisch zu einem Monster vom Typ Pflanze!

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1400Atk → 1800Atk, 2100Def → 2700Def.

Der gelbe Tintenfisch verfärbte sich zu einem hölzernen Braun und bildete einige Äste mit grünen Blättern.

„Da ich nun ein Monster vom Typ Pflanze kontrolliere, darf ich einen weiteren Tango-Tintenfisch aus meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen! Erscheine ebenfalls im Verteidigungsmodus!

Das zweite Tintenfischmonster gesellte sich zu seinem hölzernen Double.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1800Atk, 2700Def.

„Ich darf zudem noch den Effekt meines ersten Tintenfischs nutzen: Indem ich ihn wieder auf die Hand nehme, darf ich mir ein beliebiges „Wassertänzer“-Monster aus meinem Deck suchen und auf die Hand nehmen. Meine Wahl fällt auf den Robot-Rochen!

Das Hologramm von Maylas Pflanzenmonster winkte zum Abschied mit seinem Tentakel, bevor es verschwand und Mayla demonstrativ die aus dem Deck gesuchte Karte ihrem Gegner entgegenhielt.

„Wenn ich ein Wassertänzer-Monster vom Feld auf die Hand zurücknehme, dann darf ich dank des letzten Effekts von Meeresboden-Tanzparkett einmal pro Zug eine Karte ziehen! Das verschafft mir einen zusätzlichen Vorteil!“

Mayla zog sofort eine zusätzliche Karte und überlegte kurz.

„Okay, ich denke, ich setze zwei verdeckte Karten und gebe dann an dich ab!“

Mayla war mit ihrem Zug zufrieden.

Sie hatte dank der Effekte ihres Spielfeldzaubers und ihres Tintenfischs zwei Karten gewonnen und ihr vom Tanzparkett verstärktes Wassermonster und die verdeckten Karten bildeten eine starke Defensive.

Was auch immer Maddox anzurichten versuchen würde, sie fühlte sich dafür bereit.

„Not cool! Not cool! Was für ein boring Move! Where is die Action? Where is das Spektakel?!“, kritisierte Maddox.

„Here kommt jetzt etwas Leben in die Bude!“ Ich beginne with der continous Zauberkarte Rockstar Kosmische Crowd!“

Maddox aktivierte seine permanente Zauberkarte, welche sofort aufleuchtete.

Ihre Power allowed es mir einmal per Turn eine Fanatischer Trabant-Spielmarke zu rufen! Allerdings darf ich no other Monster mit Level 4 or lower beschwören, as long as ich diese Karte kontrolliere!

Rockstar Kosmische Crowd beschwor augenblicklich die besagte Trabanten-Spielmarke, einen unscheinbaren, schwebenden Felsbrocken, der eine Musterung in Form einer Musiknote aufwies.

Fanatischer Trabant-Spielmarke: Stufe 2, 0Atk, 1000Def.

„My Spielmarke ist genau richtig, for meine Tributsbeschwörung! Here comes Rockstar Bowie-Westerlund 1-26!“

Die Spielmarke verschwand und an ihrer Stelle erschien ein Himmelskörper mit einer unebenen Oberfläche.

Die Krater bildeten ein verzerrt aussehendes Gesicht, welches Mayla finster anfunkelte.

Rockstar Bowie-Westerlund 1-26: Stufe 6, 2400Atk, 2400Def.

„I am not done!“, brüllte Maddox, „I spiele meine Spellkarte: Rockstar Spotlight! Da ich a „Rockstar“-Monster kontrolliere, darf ich sie aktivieren um two weitere Fanatischer Trabant-Marken zu rufen! Außerdem verstärkt my Spotlight Bowie-Westerlund 1-26 um 600 Points bis zum End of the Turn!

Aus dem Nichts schien ein greller Lichtkegel auf Maddox´ Rockstar herab und gleichzeitig erschienen zwei neue Fanatische Trabanten, die langsam um Rockstar Bowie-Westerlund 1-26 kreisten.

Fanatischer Trabant-Spielmarke: Stufe 2, 0Atk, 1000Def.

Bowie-Westerlund 1-26 gackerte hämisch, während es weiter anwuchs.

Rockstar Bowie-Westerlund 1-26: 2400Atk → 3000Atk.

Now, da ich weitere Fanatischer Trabant-Spielmarken controle, aktiviere ich my Monsters special Ability: Einmal pro Zug kickt es ein gegnerisches Monster mit einer niedrigeren Stufe von der Stage zurück ins Deck! Let´s go, Bowie-Westerlund! Blackout Bombers!“

Maddox Sternenmonster färbte sich schwarz und begann zu beben, bis es ein düsteres Projektil auf Maylas Tango-Tintenfisch abschoss.

„Das weiß ich zu verhindern! Ich spiele den Wassertänzer-Ausfallschritt!“

Maylas Konterfallenkarte deckte sich auf.

„Da du eins meiner „Wassertänzer“-Monster als Ziel für deinen Effekt gewählt hast, darf ich den Effekt annullieren und außerdem die Karte zerstören, die es auf mein Monster abgesehen hatte! Damit verlierst du deinen Rockstar Bowie-Westerlund!“

Das Geschoss flog nun in einem Halbkreis an den Tintenfisch vorbei und raste auf Rockstar Bowie-Westerlund 1-26 zu, als es plötzlich verpuffte.

„Das gibt es doch nicht! Mein Ausfallschritt hätte dein Monster zerstören müssen!“, protestierte Mayla.

Maddox lachte schrill.

„Hahahaha! Oh no, Darling, ganz und gar nicht! Ein echter Rockstar verlässt nicht simply die Bühne, solange die Crowd ihn anfeuert, you know? My Fanatischen Trabant-Marken live and die for ihr Idol!“

Mayla schluckte.

So etwas in der Art hatte sie befürchtet, es war einfach verdächtig, wie die Spielmarken ihre Kreise um den Rockstar drehten.

Solange Maddox seine Trabant-Spielmarken kontrollierte, konnte sie also seinen Rockstar Bowie-Westerlund 1-26 nicht durch Karteneffekte zerstören.

„Du konntest den special Effekt von Bowie Westerlund verhindern, but my Monster hat immernoch more Attackpoints! Angriff with Under Pressure!“

Der schwebende Rockstar Bowie-Westerlund 1-26 erhob sich über den Tango-Tintenfisch und ließ sich schließlich fallen, wodurch das Hologramm zersplitterte.

„I finish meinen Zug with one facedown Karte!“

Maddox drehte sich hinter sich, wo die Priscill-Monsters inzwischen auf der Bühne standen und alles Nötige angeschlossen hatten.

„Let´s rock, BOYS!“, brüllte Maddox und seine Band gehorchte sofort.

Der Gitarrist spielte einen aggressiven Riff, der Bass dröhnte und hallte im ganzen Raum und der Schlagzeuger hämmerte in Rekordgeschwindigkeit und mit Gewalt auf sein Drumset.

Mayla hielt sich augenblicklich die Ohren zu.

Sie spielten gerade nicht ihre konventionelle Musik, an die hatte sich Mayla im Rahmen ihrer Möglichkeiten inzwischen gewöhnen können.

Das war lauter, wütender und unmelodisch, fast schon experimentell vom Sound.

„HAHAHAHA!! DO YOU LIKE IT, SWEET CHILD O´ MINE?“

Maylas Gegner grinste überbreit, er erkannte, dass Mayla diese Musik gar nicht mochte.

We haben es never öffentlich gemacht, aber Maddox R. Brown und die Priscill-Monsters haben damals als Thrash-Metal-Act begonnen. War leider nicht very sucessfull, die Girls wollen dann doch lieber was fürs Heart, you know? However, wenn we nach neuen Ideen suchen, dann experimentieren wir sometimes mit unserem original Style!“

„Ihr habt doch gar keine Ideen, wenn ihr einfach Lieder von euren Fans stehlen müsst!“, schrie Mayla gegen den Lärm an.

Sie hielt sich weiter die Ohren zu und ärgerte sich maßlos.

Das war ein ganz schmutziger Trick von Maddox, er war mit der Musik vertraut und er war es gewohnt unter Lärm zu arbeiten.

Mayla hingegen würde sich unter diesen Bedingungen kaum konzentrieren können.

Aber es half nichts.

Sie musste einfach das Duell fortführen, schon alleine ihren Freundinnen und allen zukünftigen potentiellen Opfern der Band zuliebe.

Leider duellierte es sich mit beiden Händen am Kopf etwas schwierig.

Mayla senkte die Arme und machte sich an ihren nächsten Zug.

„Da dein Zug vorbei ist, verliert dein Rockstar seine zusätzlichen 600 Angriffspunkte gleich wieder!“

Rockstar Bowie Westerlund 1-26: 3000Atk → 2400Atk.

Mayla überlegte angestrengt.

Ihr Gegner hatte sein Tributmonster, sowie zwei Spielmarken auf dem Feld.

Solange er Spielmarken hatte, konnte sie sein Monster nicht mittels Karteneffekte zerstören und sie war sich sicher, dass er noch mehr Rockstars für sie bereithielt.

Ihr erstes Etappenziel musste es also sein, zu verhindern, dass er immer neue Spielmarken bekommt.

„Ich spiele meinen zweiten Tango-Tintenfisch aus!“

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4 1800Atk, 2700Def

Allerdings bleibt er nicht lange, denn ich nehme ihn gleich wieder auf meine Hand zurück, um mir ein weiteres Wassertänzer-Monster aus dem Deck zu suchen! Ich hole mir so die Merengue-Muschel auf die Hand!“

Ihr Tintenfischmonster verschwand sofort wieder und Mayla nahm sich ihr neues Monster.

„Jetzt aktiviert sich der Effekt von Meeresboden-Tanzparkett: Ich habe ein Wassertänzer-Monster vom Feld auf die Hand genommen und darf eine zusätzliche Karte ziehen!“

„Es wird Zeit für meine Fallenkarte: Ich decke Überflutungsbeschwörung auf! Diese tolle Karte erlaubt es mir in diesem Zug beliebig oft Monster vom WASSER-Attribut als Normalbeschwörung auszuspielen, allerdings nur, wenn ich weniger Monster als mein Gegner auf dem Feld habe!“

Mayla legte sich in ihrer Hand die Karten zurecht.

„Du kontrollierst insgesamt drei Monster, daher kann ich solange Normalbeschwörungen durchführen, bis ich selbst drei Monster kontrolliere! Von meiner Hand rufe ich die Wassertänzer Merengue-Muschel, Tango-Tintenfisch, den ich sofort als Tribut für Robot-Rochen opfere und Disco-Delfin!“

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 400Atk, 1500Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2400Atk, 2800Def.

Wassertänzer Disco-Delfin: Stufe 4, 2200Atk, 2100Def.

Neben der Muschel und dem Rochen verbeugte sich ein blau-gräulicher Delfin in einem silbernen Pailettenhemd zum Gruß.

„Deine Rockstar Kosmische Crowd wird dich nicht mehr länger mit neuen Trabanten versorgen, denn der besondere Effekt von Merengue-Muschel kann eine beliebige Zauber- oder Fallenkarte zerstören, wenn ich sie wieder auf die Hand nehme!“

Die permanente Zauberkarte auf Maddox Seite zersprang und Maylas Muschel kehrte auf die Hand zurück.

„No big Deal! Ich have more als genug Wege, mir neue Fanatische Trabanten to schaffen!“, kommentierte Maddox gelassen, „Allerdings hat deine Action eben meine Falle ausgelöst: Lawinenkonter! Now listen, es wird jetzt etwas complicated: Lawinenkonter darf only activated werden, wenn eine meiner Cards zerstört wird und ich a Monster vom Type Fels kontrolliere, dann wähle ich ein Felsmonster von mir sowie two cards, die du kontrollierst and all drei get destroyed! Außerdem deale ich Damage in Höhe der halben Defensepoints des zerstörten Felsmonsters! Ich wähle Rockstar Bowie Westerlund 1-26 und schicke zudem deinen silly Rochen und deinen Feldzauber auf den Highway to Hell!“

Maddox´ Fallenkarte ließ das Rockstar-Monster anschwellen und schließlich explodieren.

Zahlreiche Splitter durchdrangen und zerstörten den Robot-Rochen und das sandige Parkett und trafen auch Mayla, die die Arme wie einen Schild vor sich hielt.

Maylas Lebenspunkte: 4000 → 2800

Wassertänzer Disko-Delfin: 2200Atk → 1800Atk, 2100Def → 1600Def.

Der Rauch der Explosion verzog sich.

Als Mayla wieder klar sehen konnte, starrte sie die hämische Fratze von Bowie-Westerlund 1-26 an.

„I hope du hast nicht vergessen, dass my Rockstar-Monsters nicht durch Card Effects zerstört werden können, solange I habe mindestens eine Fanatischer Trabant-Marke!“

Der Spott ging nicht spurlos an ihr vorbei.

Maddox hatte mit seiner Lawinenkonter-Rockstar-Kombination großen Schaden angerichtet und ihre Offensive durch Zerstörung ihres stärksten Monsters auf dem Feld unterbunden.

Auch wenn seine Duellantenkarriere schon mehrere Jahre her war, auch wenn sich Duel Monsters seitdem weiterentwickelt hat , Maddox hatte unter Beweis gestellt, dass er ein extrem gefährlicher Gegner war.

„Ich habe immernoch meinen Disko-Delfin! Los, Disko-Delfin, greife eine Trabanten-Marke an!

Desasterdrehung!

Der Disko-Delfin schwamm auf eine um den Rockstar wandernde Spielmarke zu und vollzog dann eine rapide Vorwärtsdrehung, bei der er die Felsmarke mit der Schwanzflosse niederschlug und somit zerstörte.

„Ich beende die Battle Phase und nutze danach den Effekt von Disko-Delfin: In meiner Main Phase 2 darf ich ihn auf die Hand nehmen, um ein gegnerisches Monster ebenfalls auf die Hand zu zwingen! Da dies kein Zerstörungseffekt ist, kann der Fanatische Trabant deinen Rockstar nicht davor beschützen!“

Der Delfin stieß Rockstar Bowie-Westerlund 1-26 mit der Schnauze zurück auf Maddox Hand und verschwand dann selbst.

„Zuletzt nutze ich den Effekt von Überflutungsbeschwörung! Du kontrollierst eine Spielmarke und ich habe kein Monster auf dem Feld, deshalb rufe ich Wassertänzer Merengue-Muschel im Verteidigungsmodus und setze eine Karte verdeckt! Dein Zug!“

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def.

„Tss! Another weak Move! Baby, du gibst Dueling a bad Name! Hättest du nicht sofort your Tintenfisch geopfert, sondern first den Effekt von Muschel genutzt, dann Muschel again beschworen um sie danach für deinen Rochen zu opfern, dann hätte ich ihn nicht destroyen können! Dadurch hättest alle meine Spielmarken zerstören können und hättest jetzt nicht such a pathetic Stufe 1 Monster auf deiner Seite!“

Mayla biss sich wütend auf die Unterlippe.

Er hatte natürlich vollkommen recht, sie wusste, dass, sofern möglich, man in Duel Monsters erst die generischen verdeckten Karten entschärft und danach erst die starken Monster beschwört, um zu verhindern, dass sie feindlichen Zerstörungseffekten zum Opfer fallen.

Sie schaute argwöhnisch an ihrem Gegner vorbei auf die Bühne.

Der monströse Krach, den die Priscill-Monsters hinter Maddox produzierten, hatte sie zu einem dummen Anfängerfehler verleitet, der sie jetzt das Duell kosten könnte.

„Oh Yeah! Alright! Jetzt finishe ich unser Duell! Aus meiner Hand aktiviere ich den Quickplay-Spell Rockstar Globul Tour! Diese Card ist hardcore! Globul Tour allowed es mir meine Fanatischer Trabant-Marke for die Tributbeschwörung eines beliebigen Rockstar-Monsters from my Deck zu nutzen! Ich rufe als Tribute Summon aus meinem Deck den great Rockstar Page-HV 888!

Der Trabant verschwand und an seiner Stelle erschien Maddox´ neues Monster.

Page-HV 888 war etwas größer als Bowie-Westerlund 1-26, allerdings sah das verzerrte Kratergesicht des Himmelskörpers eher schmerzverzerrt als bösartig aus und es stöhnte nach seiner Beschwörung gequält.

Rockstar Page-HV 888: Stufe 6, 2500Atk, 2000Def.

It´s time für Page-HVs besondere Effect: Wird es beschworen, darf ich eine beliebige „Rockstar“-Card aus meinem Graveyard auf die Hand nehmen! Ich wähle of course Rockstar Spotlight und spiele sie sofort aus, um zwei new Spielmarken and 600 Angriffspunkte zu bekommen!“

Fanatischer Trabant-Spielmarke: Stufe 2, 0 Atk, 1000 Def.

Rockstar Page-HV 888: 2500Atk → 3100Atk

Page begann weiter an Größe zu gewinnen und zog die frisch beschworenen Trabanten in seine Umlaufbahn.

„Meine nächste Card ist das Monster eifriger Steinmetz: I can diese Karte abwerfen, um ein Monster vom Type Fels von my Hand als Special Summon zu rufen! Das ist sein big Comeback! Rockstar Bowie-Westerlund 1-26!

Mit energischer Wucht platzierte Maddox Bowie-Westerlunds Karte auf der Disk um sein zweites Rockstar-Monster zu rufen.

Rockstar Bowie-Westerlund 1-26: Stufe 6, 2400Atk, 2400Def.

Einer der Trabanten wechselte die Bahn, sodass nun beide Rockstars ihre eigenen Fanatischer Trabant-Spielmarken hatten, die sich um sie drehten.

„Du rememberst dich bestimmt an den Effect von Rockstar Bowie-Westerlund 1-26? Once per Turn, wenn ich ein Fanatischer Trabant controle, darf ich ein gegnerisches Monster with a lower Stufe wählen und es zurück ins Deck mischen! Sag also Bye-Bye zur Muschel! Blackout Bombers!

Erneut feuerte Bowie-Westerlund sein finsteres Geschoss auf eines von Maylas Monstern ab.

Maylas Muschel wurde durch den Aufprall der Attacke durch die Luft gewirbelt und verschwand im Deck.

Ich have noch zwei superstarke Monster und dein Field ist empty! Rockstar Page-HV 888! Beende this Duel! Greif an with Night Flight!

Rockstar Page-HV 888 begann sich rapide um die eigene Achse zu drehen und flog nun in einem Bogen direkt Mayla zu.

Mit seinen satten 3100 Angriffspunkten war es mehr als stark genug, um Maylas verbleibende Lebenspunkte auf einen Schlag auszulöschen.

Im letzten Moment aktivierte sie ihre verdeckte Karte:

„Ich decke die permanente Fallenkarte Wasserfallbarriere auf!“ rief sie und augenblicklich preschten zwischen ihr und dem sich immernoch rotierenden Page-HV 888 enorme Wassermassen hinunter, die Maddox Monster zurückstießen.

„So funktioniert sie: Werde ich direkt angegriffen, darf ich ein Monster vom Typ Fisch abwerfen, um den Kampfschaden gerecht aufzuteilen! Das heißt ich lege meinen Disko-Delfin ab und wir beide nehmen Schaden in Höhe der halben Angriffskraft von Page-HV 888!“

Beide Duellanten gingen in die Knie und stöhnten, als Maylas Wasserfallbarriere ihnen Lebenspunkte abzog.

Maylas Lebenspunkte: 2800 → 1250.

Maddox´ Lebenspunkte: 4000 → 2450.

Maddox lachte irre.

„Finally, endlich zeigt die Kleine Biss!“, er richtete sich wieder auf und hob seine Sonnenbrille kurz an, um Mayla mit seinen leuchtend grünen Augen ekstasisch anzustarren, „Ich habe noch einen zweiten Angriff frei! Los, Under Pressure!“

Wie befohlen schwebte Bowie-Westerlund über Mayla, um sich fallen zu lassen, wurde aber ebenfalls von der Kraft der Wasserfallbarriere abgehalten.

„Ich lege die Flamenco-Forelle aus meiner Hand ab! Damit erleiden wir beide Schaden!“

Erneut teilte Maylas Falle Schaden aus, aber während Maddox den Lebenspunkteverlust vergleichsweise gut hinnahm, konnte sich Mayla kaum auf den Beinen halten.

Maylas Lebenspunkte: 1250 → 50.

Maddox´ Lebenspunkte: 2450 → 1250.
 

°°°
 

Vor dem Schiff machte Daniel seinen finalen Zug:

„Alles klar, mit meiner Alpha der Eisenmähne gewinne ich jetzt das Duell! Zerstöre seine lebende Mauer!“

Daniels Wolfsmonster biss in das breite Gesteinswesen vom unbekannten Mann, welches daraufhin zerplatzte.

„Na und! Meine Mauer war im Verteidigungsmodus! Selbst wenn du sie zerstörst, verliere ich keine Lebenspunkte! Und du Amateur hast kein weiteres Monster um mich zu attackieren! Ich bin dran!“, schimpfte Daniels und Leroys Gegner.

„Oh Mann! Wer ist hier der Amateur?! Sie haben wohl nicht mehr an den Effekt von Des-Virus Z gedacht!“

Neben Alpha der Eisenmähne setzten sich mit einem Klackern die einzelnen, nun kränklich braun-grün gefärbten Backsteine der lebenden Mauer wieder zusammen, bis sie angriffslustig ihrem ungeschützten Besitzer gegenüberstand.

Lebende Mauer: Stufe 5: 1200 Atk, 2800Def.

„Ein infiziertes Monster kehrt nach der Zerstörung als Zombietyp auf unsere Seite des Feldes zurück! Los, lebende Mauer! Räume das Großmaul aus dem Weg.

Die Mauer stürmte auf den muskulösen Kerl zu und stieß ihn dabei rabiat um, sodass er vom Steg hinunter ins Wasser plumpste

Unbekannter Manns Lebenspunkte: 1000 → 0.

Erleichtert und auch etwas stolz schaltete Daniel nun seine Dueldisk aus.

„Den Kerl haben wir wohl voll nass gemacht! Aber ohne deine Hilfe wäre das nicht möglich gewesen. Danke, Leroy!“

Leroy schüttelte etwas verlegen den Kopf.

„Keine falsche Bescheidenheit. Du bist echt stark geworden, seit wir uns das letzte Mal duelliert haben“

Der Ra deaktivierte ebenfalls die Disk.

„Hörst du das auch? Da drin scheinen die irgendeine Musik zu spielen. Klingt nicht, wie irgendein Lied, das ich von denen kennen würde und Mayla ist auch noch nicht zurückgekommen.“

Daniel nickte.

„Das ist echt komisch. Machst du dir um Mayla Sorgen?“

Bei der Frage musste Leroy lachen.

„Nein, nein, sie ist tough. Die lässt sich von keinem kleinkriegen. Aber es nervt mich, dass die da drin einfach eine Party ohne mich feiern.“

„HE, IHR VERFLUCHTEN GÖREN!“

Laut schimpfend näherte sich der besiegte Wächter wieder dem Ufer.

Beide Jungs nickten sich zu und rannten dann sofort an Bord.
 

°°°
 

Schwer atmend und mit hämmernden Kopfschmerzen von der aggressiven Musik der Priscill-Monsters machte sich Mayla an den nächsten Zug.

Die ihr gegenüber schwebenden Steinbrocken blickten abfällig auf sie hinab und Maddox gab sich bereits siegesgewiss.

Das war auch nicht verwunderlich.

Die Wasserfallbarriere hatte sie zwar im Spiel gehalten, allerdings hatte sie nur noch mickrige 50 Lebenspunkte übrig, wodurch sie unmöglich einen weiteren Angriff von Bowie-Westerlund überstehen könnte und nur noch eine einzige Karte auf der Hand.

So einen groben Fehler wie in ihrem letzten Zug würde sie nicht überstehen.

Sie schluckte und hoffte, als sie ihre Hand auf das Deck legte, um ihre nächste Karte zu ziehen.

Sie zog.

Mayla schaute sich die Karte an.

Sie musste überlegen, aber dafür fehlte ihr inzwischen sämtliche Kraft.

Angestrengt blickte sie auf ihre Handkarten, als sie plötzlich einen möglichen Ausweg fand.

Das könnte funktionieren.

„Ich setze ein Karte verdeckt! Danach spiele ich den Zauber Dringendes Ziehen! Ich habe weniger als 1000 Lebenspunkte übrig und halte keine weiteren Karten auf meiner Hand, deshalb darf ich nun zwei weitere Karten ziehen!“

Maddox beobachtete gelangweilt Maylas Zug.

Sie musste überlegen, aber dafür fehlte ihr inzwischen sämtliche Kraft.

Angestrengt blickte sie auf ihre Handkarten, als sie plötzlich einen möglichen Ausweg fand.

„Maddox! Ich lasse euch niemals mit eurer fiesen Masche davonkommen! Deshalb werde ich bis zum bitteren Ende kämpfen! Ich spiele zunächst die Wassertänzer-Zugabe! Mit dieser Karte darf ich ein beliebiges Wassertänzer-Monster vom Friedhof auf die Hand zurückholen! Ich wähle Wassertänzer Flamenco-Forelle und spiele sie sofort aus!“

Vor Mayla erschien der fröhliche Fisch mit dem gewellten, roten Kleid.

Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Als Nächstes benutze ich ihren Effekt: Indem ich meine Forelle auf die Hand nehme, darf ich 1000 Punkte Schaden anrichten. Das reicht zwar nicht zum Sieg, aber dank Wasserfallbarriere hast du danach selbst nicht mehr genügend Lebenspunkte, um mich anzugreifen, denn ich werde meine Forelle einfach abwerfen können!“

„Ach, REALLY? Denkst du that wirklich? Da muss ich dich enttäuschen! I activate meine final Trap Card! Rockstar Supernova!

Die verdeckte Karte von Maddox deckte sich auf.

„Rockstar Supernova zwingt mich dazu two meiner Rockstar-Monster als Tribute anzubieten. Wenn ich das tue, darf ich every Karte on the Field vernichten, die keine Trabant-Spielmarke ist! Rockstar Bowie-Westerlund 1-26 and Rockstar Page-HV 888: Combine eure Kräfte und zerstört EVERYTHING!“

Maddox´ Monster stießen aneinander und begannen rötlich zu glühen und immer weiter ineinander zu verschmelzen

Mayla spürte, wie es immer heißer wurde, als die inzwischen grell leuchtende Kugel vor ihr eine gewaltige Explosion auslöste.

Das Hologramm von Maylas Wasserbarriere und von Flamenco-Forelle zerplatzte und der Druck der Schockwelle warf das Mädchen von ihren Füßen.

Als sie sich auf dem Boden wiederfand, fühlte es sich für sie an, als ob sie selbst für einen Augenblick ohnmächtig gewesen wäre.

Sie hörte Maddox gackerndes Gelächter, sowie die dröhnende Metal-Musik seiner Band.

Mayla richtete sich auf und sah zu ihrem Gegner rüber.

Sie erschrak.

„Was? Was um Himmels Willen ist das?!“

Rockstar King Presley-Stephenson 2-18: Stufe 9, 3300Atk, 3900Def.

Zwischen Maddox und ihr schwebte im Verteidigungsmodus ein riesiger, grauer Himmelskörper, mehr als doppelt so groß wie Maddox´ andere Rockstar-Monster.

King Presley Stephenson 2-18 hatte ein eigenes Ringsystem und beide Trabanten umrundeten den kolossalen Gesteinsbrocken.

Das Gesicht, welches die Krater auf der Oberfläche formten, wirkte leer, fast schon dümmlich, mit einem Auge ungleich größer als das andere

„Hahahaha! Oh Baby, its Game Over für dich! Der zweite Effekt from Supernova erlaubt es mir, ähnlich wie Globul Tour, ein „Rockstar“-Monster aus the Deck zu beschwören! Aber, da ich two Monsters als Tribute geboten habe, konnte ich die ultimative Rocklegende aufs Feld bringen! Bow to the einzigartigen Rockstar King Presley-Stephenson 2-18!“

Das war eine Katastrophe.

Mayla letzte Chance das Duell zu ihren Gunsten zu wenden, hatte Maddox mit seiner Fallenkarte unterbrochen und gleichzeitig konnte er sein mächtigstes Monster beschwören.

„Im Gegensatz to my other Rockstar-Friends kann der King nicht nur nicht durch Card Effects zerstört werden, no, er ist komplett immune gegenüber all Karteneffekten, solange ich mindestens einen Fantischen Trabanten habe! Außerdem annuliert sein second Effect die Wirkung aller gegnerischen Monstereffekte von Monstern mit einer lower Stufe! And als Cherry on Top erteilt dir King Presley Stephenson während jeder End Phase 400 Damage for jedes Monster vom Typ Fels under meiner Kontrolle!“

Noch immer am Boden kauernd, spürte Mayla bei diesen Worten, wie sie das letzte bisschen Kraft verlor.

Wie sollte sie bitte in einem Zug ein 3900-Verteidigungspunkte-Monster bezwingen, dass von allen Karteneffekten verschont blieb?

Wie sollte sie das komplett ohne die Effekte ihrer Monster schaffen?

Ein kurzer Blick auf ihre letzten zwei Handkarten verriet es ihr.

Gar nicht.

Es war unmöglich.

Sie begann zu weinen.

„Erin... Es tut mir so Leid, ich bin zu schwach... ich kann dein Lied nicht vor diesen Gaunern retten.“

„Mayla, gib nicht auf!“

Das war Daniels Stimme, die durch den Lärm zu ihr durchdrang.

Sie drehte sich um und als sie ihn und Leroy sah, wischte sie sich schnellstmöglich beschämt die Tränen aus den Augen und sprang auf.

Beide Jungen standen neben der Kajütentür und hatten das intensive Duell und die sehr laute Musik genutzt, um sich unbemerkt in das dunkle Zimmer zu begeben.

Leroy legte sein Smartphone, mit welchem er die gesamte Szene, inklusive der noch bewusstlos in der Ecke liegenden Erin und Fiona, gefilmt hatte, zurück in seine Jackentasche.

„Daniel, Leroy? Wie lange steht ihr denn da schon?“

Leroy fuhr sich lässig durch die Gelfrisur.

„Lange genug, um so halbwegs zu verstehen, was hier vor sich geht. Jetzt mach diesen Abschaum schon endlich platt!“

Leichter gesagt als getan.

„No Problem! Wenn ich eure kleine Freundin hier erledigt habe, seid ihr die Nächsten! It´s a Matter of Time!“, rief ihnen Maddox unbekümmert zu.

„Wie soll ich denn bitte noch gewinnen? Habt ihr ihm denn eben nicht zugehört? Dieser King Presley-Stephenson ist quasi unbesiegbar, er verhindert meine Monstereffekte und wird mir am Ende des Zuges die letzten Lebenspunkte abnehmen!“

Leroy schüttelte entschieden den Kopf.

„Du wirst zwar etwas Glück brauchen, aber ich weiß, dass du die richtige Karte zum Sieg in deinem Deck hast! Also mach weiter, ein Versuch KOSTET dich ja nichts, oder?“

Daniel nickte Mayla aufmunternd zu und lächelte.

Der Zuspruch von Leroy und das Lächeln von Daniel waren genau das, was sie in diesem Moment gebraucht hatte.

Sie wandte sich wieder ihrem Gegner zu und verwendete ihre letzte Energie um über Leroys Worte nachzudenken.

Sie hatte die richtige Karte in ihrem Deck?

Welche?

Es musste wohl eine sein, die sie damals gegen Leroy selbst eingesetzt hatte.

Und warum hatte er eigentlich das Wort „kostet“ eben so komisch betont?

„We can stehen here all Night, wenn du willst, das wird nichts ändern! Nach dir mach ich die Boys fertig und am Ende werdet ihr komplett ohne Beweise gegen us dastehen! Who soll euch schon believen, dass ihr euch mitten in der Nacht auf unser Schiff geschlichen habt, without Videomaterial?“

Das ist es!

Sie gab Leroy still einen Daumen hoch, sie hatte verstanden, was er ihr mitteilen wollte.

„Ich spiele zunächst mein zweites Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett aus!“

Der Feldzauber aktivierte sich und der Boden des Raumes wandelte sich wieder zu dem gemusterten, blau-grünen Sand.

„Danach kommt meine letzte Handkarte! Illusion des Gefallenen! Dieser Schnellzauber beschwört ein Monster von meinem Friedhof, das in diesem Zug zerstört wurde. Es darf allerdings nicht angreifen und wird am Ende des Zuges wieder auf den Friedhof geschickt! Damit kommt mein Wassertänzer Flamenco-Forelle zurück ins Spiel!“

Wassertänzer-Flamenco-Forelle: Stufe 3, 2000Atk, 900Def

„Flamenco-Forelle bleibt aber nicht lange auf dem Feld, den ich nutze ihren Effekt und nehme sie zurück auf die Hand!“

Maddox protestierte: „Du hast wohl nich zugehört, Sweet Child O´Mine! King Presley Stephenson 2-18 verhindert die Monstereffekte of allen Monstern der Stufe 8 und niedriger!“

„Oh, ich habe sehr wohl verstanden, dass dein Bossmonster die Effekte meiner Monster annulliert, aber was es nicht verhindern kann, sind die Aktivierungskosten!“, hielt Mayla dagegen.

Daniel erinnerte sich.

Das hatten sie erst kürzlich im Unterricht durchgenommen.

Bei Karteneffekten unterscheidet man generell zwischen dem eigentlichen Effekt an sich und zwischen den Kosten, die oftmals mit Doppelpunkten, Semikolons oder dem Wort „um“ den Effekt einleiten.

Typische Kosten waren das Abwerfen von Karten, Bezahlen von Lebenspunkten, Karten als Tribut anzubieten, oder, im Fall von Maylas Wassertänzern, die Monster zurück auf die Hand zu nehmen.

„Ich füge dir also keinen Schaden zu, Maddox, aber die Flamenco-Forelle kehrt dennoch auf meine Hand zurück! Dadurch aktiviert sich wiederum der Effekt von Meeresboden-Tanzparkett und ich darf eine Karte ziehen!“

Sie machte sich bereit zu ziehen.

Jetzt galts, alles oder nichts.

Sie zog und betrachte ihre Karte.

Bingo!

„Diese Karte hat mir mal ein guter Freund nach einem gemeinsamen Duell geschenkt! Ich spiele den Zauber Gegen den Strom! Mit ihr darf ich ein Monster mit dem Typ Fisch als Spezialbeschwörung von meiner Hand rufen! Damit rufe ich ein letztes Mal Flamenco-Forelle auf! Zeig dich im Angriffsmodus!“

Zum dritten Mal erschien der Fisch im roten Kleid.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 2000Atk, 900Def.

Leroy lächelte zufrieden.

Mayla hatte die Karte, die er ihr geschenkt hatte tatsächlich gezogen.

„Du rufst ja everytime das gleiche Monster! What soll das bringen? Es ist auch mit dem Field Spell viel zu schwach für den Rockstar King Presley-Stephenson 2-18!

„Stimmt, meine Forelle hat zu wenig Angriffspunkte, aber das ist diesmal eine ziemlich gute Sache! Denn wenn mein Gegner ein Monster mit mehr Angriffspunkten als das beschworene Monster besitzt, darf ich die Hälfte meiner Lebenspunkte bezahlen, damit es einen direkten Angriff durchführen kann!“

Maylas Lebenspunkte: 50 → 25.

„Wie bitte? A direct attack!? Das ist nicht possible!“, rief Maddox verzweifelt, doch Mayla ließ sich nicht aufhalten.

„Los, Flamenco-Forelle! Beende das Duell mit der furiosen Flossenschelle!“

Der Fisch schwamm unter dem riesigen King Presley-Stephenson hindurch, direkt auf Maddox zu und versetzte ihm einen schnellen Schlag mit der Schwanzflosse, der ihm die Perücke und Sonnenbrille vom Kopf schlug.

Maddox Lebenspunkte:1250 → 0.

„Oh nein! Sie haben den Chef erledigt!“

Sofort hörten die Bandmitglieder auf zu spielen und liefen, noch bevor die Hologramme vollständig verschwunden waren, besorgt zu dem nun völlig ausgeknockt auf dem Boden liegenden Maddox.

„Das ist unsere Chance! Wir müssen die zwei so schnell wie möglich zum Krankenflügel bringen!“, befahl Leroy und Mayla und Daniel stimmten ihm zu.

Daniel nahm sich Fiona, Leroy schulterte die größere und damit etwas schwerere Erin und Mayla schnappte sich den noch auf dem Tisch liegenden Songtext.

„Erins Lied bekommt ihr nicht!“
 

°°°
 

In den Wochen, die dieser Nacht folgten, kehrte unerwartet schnell wieder die Normalität ein.

Fiona und Erin trugen von dem Betäubungsmittel, das man in ihnen ins Getränk gemischt hatte, glücklicherweise keinerlei körperlichen Folgen davon.

Da Mayla rechtzeitig eingegriffen hatte und die zwei von dem Abend sowieso nicht viel mitbekommen hatten, beendeten sie ihre Gespräche mit dem Akademiepsychologen schon nach der zweiten Woche.

Das kommende Album wurde gecancelt und die Band verlor ihren Plattenvetrag, so war es in allen regionalen Nachrichten zu lesen und zu hören

Zudem hatten die Mädchen neulich einen Artikel gelesen, wie Maddox R. Brown und die Priscill-Monsters sich unter anderem wegen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, damit einhergehend Körperverletzung und dem versuchten Diebstahl bald vor Gericht verantworten mussten.

Eines Abends, einige Wochen später, trafen sich Mayla und Daniel mal wieder an dem Strandabschnitt nahe ihrer Unterkunft.

Sie taten es nicht zum ersten Mal, die Treffen am Meer waren für Mayla und Daniel zuletzt zu einem kleinen Ritual geworden.

An Baden war nicht mehr zu denken, dafür waren die Temperaturen im Oktober deutlich zu kühl, vom Wasser ganz zu schweigen.

Aber das war ihnen auch ganz recht so, denn es wollte inzwischen kaum wer anders am Strand und sie konnten so in Ruhe gemeinsam den Sonnenuntergang genießen.

Daniel war vor Mayla da und hatte bereits als Erster der beiden seine Stranddecke ausgebreitet.

Ohne ein Wort zu sagen, setzte sich neben ihn und schmiegte sich an.

Daniel griff sofort nach ihrer Hand.

Bei dem kalten Wetter genoss sie seine Wärme umso mehr.

Es war für sie gut so, die Stille, lediglich unterbrochen vom sanften Wellenrauschen.

Mayla sah Daniel ja schon den ganzen Tag und die zwei unterhielten sich in jeder Pause, beim Essen und bei den gemeinsamen Duellen nach dem Unterricht.

Aber zum Tagesausklang war die Ruhe genau richtig.

Als die Sonne schon den Horizont berührte, fing Daniel plötzlich an leise zu lachen.

„Woran denkst du?“, fragte Mayla ihren Freund.

„Ach, Ähm, nichts Besonderes... Nur daran, dass bald der Winter beginnt und...irgendein verrückter Teil in mir hat gerade richtig Lust ins Wasser zu rennen und ein letztes Mal vor Jahresende im Meer zu schwimmen. Ich würde mir nicht mal die Zeit nehmen um meine Jacke oder sonst was ausziehen, einfach ins Meer rennen, bis ich nicht mehr stehen kann.“

„Mayla kicherte.

„Das klingt wirklich verrückt. Es ist doch schon viel zu kalt zum Baden, das Wasser hat bestenfalls noch 13 oder 14 Grad.“

„Na und? Es gibt auch Leute, die im Eis baden. Und wenn man sich erkältet, hat man immerhin schulfrei“, spann Daniel sein Gedankenexperiment weiter.

„Leute die sowas machen sind das aber auch gewöhnt. Wenn ein Laie wie du sich ohne Übung in zu kaltes Wasser stürzt, kriegt er am Ende noch einen Kälteschock und bringt sich in Gefahr. Bitte tu das nicht.“

Daniel schaute Mayla grinsend an.

„War halt auch nur ein dummer Gedanke, kein ernster Plan. Aber...“, der Junge streichelte mit dem Daumen über Maylas Hand, die noch immer in seiner lag, „Wenn ich es doch tun würde und auf Hilfe angewiesen wäre, dann weiß ich, dass meine Lieblingsheldin mich garantiert retten würde.“

Mayla errötete bei diesem unerwartetem Kompliment.

„Ähm...ich glaube, da überschätzt du mich. Wenn dich irgendwelche Mitschüler ärgern sollten, könnte ich mich mit ihnen vielleicht mit ihnen duellieren. Aber im Wasser kann ich dir nicht helfen, ich habe nie gelernt zu schwimmen.“

„Ach, tatsächlich nicht?“, hakte Daniel verwundert nach.

„Nein, an meiner alten Schule gab es keine nahegelegenes Schwimmbad, deswegen hatten wir nie Schwimmunterricht. Und die Heimbetreuung hatte sich auch nie darum gekümmert, dass wir schwimmen lernen.“

„Hmm, verstehe.“

Daniel wusste, dass Mayla genauso wie er keine leiblichen Eltern hatte.

Sie wuchs wie er in einem Kinderheim auf und sie kam wie er nur dank eines großzügigen Stipendiums von Herrn Schrainmann persönlich an die Akademie.

Der Unterschied war, dass sich Daniel als schwächerer Duellant seine Einladung zu den Probeduellen gerade so noch erkämpft hatte.

„Zumindest verstehe ich jetzt, warum du nie mit Erin und mir ins Wasser wolltest. Ich hatte nur angenommen, dass du schwimmen können musstest, wenn du schon ein Deck voller Fischmonster spielst. Es schien mir bei deinen „Wassertänzern“ irgendwie naheliegend.“

Mayla fasste sich in den Nacken.

„Ah! Achso... Naja, eigentlich hatte ich mir mein Deck auch gar nicht so richtig ausgesucht, das ist mehr Zufall als alles andere. Aber das „Tanzen“ passt glaube ich besser zu mir als das „Wasser“. Ich finde es immer schön Paare beim Tanzen zu sehen und möchte das auch mal so richtig lernen.“

Mayla mochte Tanzen.

Daniel hatte so eine vage Ahnung gehabt und war glücklich, dass er richtig gelegen hatte.

„Hehe, dann haben wir jetzt einen Deal! Ich bringe dir im Sommer ein bisschen Schwimmen bei und im Gegenzug verspreche ich dir später mit dir einen richtigen Tanzkurs zu besuchen.. Deiner Wahl, natürlich. Was sagst du?“

„Mayla lächelte und schaute in Daniels strahlend blaue Augen.

„Sehr gerne. Das ist eine tolle Idee.“

Zu Maylas Überraschung ließ Daniel plötzlich ihre Hand los und kramte stattdessen einen losen, gefalteten Zettel aus der Uniformtasche.

Dann klappte der Junge das Blatt auf, sah es sich im Halbdunkel der fast untergegangenen Sonne angestrengt an und begann eine Melodie zu summen.

Mayla sah ihn fragend an, brachte aber außer einem „Ähm“, welches Daniel ignorierte, kein Wort heraus.

Dann hörte Daniel auf zu summen und begann zu singen:
 

„Ich kam planlos auf diese Insel, träumte mich von Tag zu Tag,

Ich wusste nicht, was wirklich zählt.

Dein Mut und deine Stärke haben mir gezeigt, was möglich ist,

und mir war klar, du hast mir gefehlt.
 

Meine Welt scheint so verschwommen,

durch deine Augen kann ich sie sehen,

ich bin allein gekommen,

doch will nicht ohne dich gehen.
 

Und ich geb dir meine Hand,

zeig mir die Schritte zu unsren Tänzen,

und ich geb dir meine Hand,

ich versprechs, ich werd sie niemals vergessen.“
 

Mayla wusste nicht wirklich was sie sagen sollte und hörte letztlich ihrem Freund einfach nur zu.

Inzwischen hatte er den Zettel beiseite gelegt und seine Augen geschlossen und jeder weitere Vers, den er sang, klang bestimmter und sicherer als zuvor.
 

„Von dir zu lernen gibt mir Kraft und bei dir zu sein gibt mir Halt,

wenn ich ohne Ziel auf dem Wasser treibe,

Dank dir weiß ich, für wen ich da und stark sein will.

Wenn du magst, bist du nie mehr alleine.
 

Und solltest du mal straucheln,

und fallen, wenn du jemanden brauchst,

Dann wirst du sicher landen,

Denn ich fang dich jedes Mal auf.
 

Und du gibst mir deine Hand,

ich führe uns durch alle schwere Zeiten

Und du gibst mir deine Hand,

ich versprechs, ich werd dich immer festhalten.“
 

Daniel seufzte und lachte schließlich verlegen.

„Anscheinend kenne ich den Text doch schon auswendig...“

Mayla stockte und erkannte den Zettel letztlich wieder.

„Das ist Erins Lied, oder?“

Daniel nahm nun wieder Maylas Hand und lächelte.

Mayla hatte ihren Freund lange nicht mehr mit so einem verschämt rotem Kopf gesehen.

„Es ist meins. Oder...eher mein Lied an dich. Ich...ähm... ich hatte Erin eigentlich nur nach einer zweiten Meinung gefragt, weil ich mir unsicher war, ob es dir gefallen würde.

Nun wandte Daniel seinen Blick wieder kurz ab und lachte, „Deine Freundin kann ganz schön fies sein, sie hat mich bei meinem ersten Vorsingen einfach ausgelacht...Aber dann fand sie meine Idee ein Lied für dich zu schreiben gut und wollte es ein paar Tage behalten, um Verbesserungsvorschläge zu machen.“

„Ah! Ich verstehe. Und hast du das Lied mit ihr zusammen noch verbessert?“, wollte Mayla wissen.

„Leider nicht. Sie hatte ein paar Ideen und ich habe versucht damit zu arbeiten, aber...Puh... Egal wie viel ich daran umzuschreiben versucht habe, es blieb fürchterlich kitschig.“

Mayla war froh das zu hören, dass jedes Wort von Daniel selbst stammte.

Ein Lied nur für sie zu schreiben, war das romantischste, was jemand jemals für sie getan hatte und sie war überglücklich.

„Dein Lied ist sehr süß und genau richtig für mich. Genauso wie du.“

Sie zog den Jungen sanft an sich.

Daniel begriff instinktiv, was Mayla von ihm wollte.

Die letzten Sonnenstrahlen fielen auf ihren ersten Kuss.
 


 

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Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def, Typ Fisch, Attribut Wasser, Effekt:

(1)Wenn du ein Monster vom Typ Donner kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören.(2) Während deiner Main Phase 2: Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Wähle ein Monster, das dein Gegner kontrolliert: Dein Gegner muss das gewählte Monster zurück auf die Hand nehmen.

Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Spielzug aktivieren.
 

Rockstar Bowie-Westerlund 1-26: Stufe 6, 2400Atk, 2400Def, Typ Fels, Attribut Finsternis, Effekt:

Um diese Karte als Tributbeschwörung zu beschwören, muss das angebotene Monster vom Typ Fels sein.

Einmal pro Zug, falls du eine Fanatischer Trabant-Spielmarke kontrollierst: Wähle ein Monster, das dein Gegner kontrolliert und eine niedrigere Stufe als diese Karte hat und mische es in das Deck seines Besitzers.

Diese Karte kann nicht durch Karteneffekte zerstört werden, solange du eine Fanatischer Trabant-Spielmarke kontrollierst.
 

Rockstar Page-HV 888: Stufe 6, 2500Atk, 2000Def, Typ Fels, Attribut Finsternis, Effekt:

Um diese Karte als Tributbeschwörung zu beschwören, muss das angebotene Monster vom Typ Fels sein.

Wenn diese Karte als Tributbeschwörung beschworen wird: Wähle eine „Rockstar“-Karte in deinem Friedhof und füge sie deiner Hand hinzu.

Diese Karte kann nicht durch Karteneffekte zerstört werden, solange du eine Fanatischer Trabant-Spielmarke kontrollierst.
 

Eifriger Steinmetz: Stufe 3, 800Atk, 1300Def, Typ Krieger, Attribut Erde, Effekt:

Du kannst diese Karte von deiner Hand abwerfen, um ein Monster vom Typ Fels von deiner Hand als Spezialbeschwörung zu beschwören.

Während deiner Standby Phase, falls du ein Monster vom Typ Fels kontrollierst: Ziehe eine Karte.
 

Lebende Mauer: Stufe 5: 1200 Atk, 2800Def, Typ Fels, Attribut Erde, Normal.
 

Rockstar King Presley-Stephenson 2-18: Stufe 9, 3300Atk, 3900Def, Typ Fels, Attribut Finsternis, Effekt:

Um diese Karte als Tributbeschwörung zu beschwören, müssen die angebotenen Monster vom Typ Fels sein.

Falls du eine Fanatischer Trabant-Spielmarke kontrollierst: Annulliere die Effekte von Monstern, die dein Gegner kontrolliert und eine niedrigere Stufe als diese Karte haben.

Während jeder End Phase: Füge deinem Gegner 400 Punkte für jedes Monster vom Typ Fels, das du kontrollierst zu.

Diese Karte bleibt von allen Karteneffekten unberührt, solange du eine Fanatischer Trabant-Spielmarke kontrollierst.
 

Zauberkarten:
 

Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett: Spielfeldzauber

Wenn diese Karte aktiviert wird: Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.

Wassertänzer-Monster, die du kontrollierst, erhalten 400Atk und 600Def.

Einmal pro Zug, falls du ein „Wassertänzer“-Monster vom Feld auf die Hand nimmst: Du kannst eine Karte ziehen.
 

Rockstar Kosmische Crowd: Permanenter Zauber

Einmal pro Zug: Beschwöre eine Fanatischer Trabant-Spielmarke (Stufe 2, 0Atk, 1000Def, Typ Fels, Attribut Wind) als Spezialbeschwörung. Solange du diese offene Karte kontrollierst, darfst du keine Monster der Stufe 4 oder niedriger beschwören, außer Fanatischer Trabant-Spielmarken.
 

Rockstar Spotlight: Normaler Zauber

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn du ein „Rockstar“-Monster kontrollierst: Beschwöre bis zu zwei Fanatischer Trabant-Spielmarken (Stufe 2, 0Atk, 1000Def, Typ Fels, Attribut Wind) als Spezialbeschwörung. Wähle ein „Rockstar“-Monster, das du kontrollierst: Es erhält bis zum Ende des Zuges 600Atk.
 

Rockstar Globul Tour: Schnellzauber

Du kannst eine Fanatischer Trabant-Spielmarke, die du kontrollierst als Tribut für die Tributbeschwörung eines „Rockstar“-Monsters in deinem Deck anbieten.
 

Illusion der Gefallenen: Schnellzauber

Wähle ein Monster in deinem Friedhof, das in diesem Zug zerstört wurde und beschwöre es als Spezialbeschwörung. Das beschworene Monster kann nicht in diesem Zug angreifen. Schicke das beschworene Monster während deiner End Phase auf den Friedhof.
 

Gegen den Strom: Normaler Zauber

Du kannst ein Monster vom Typ Fisch in deiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören. Wenn dein Gegner ein Monster mit mehr Angriffspunkten als das beschworene Monster kontrolliert: Du kannst die Hälfte deiner Lebenspunkte bezahlen, damit das beschworene Monster in diesem Zug deinen Gegner direkt angreifen kann.
 

Fallenkarten:
 

Überflutungsbeschwörung: Normale Falle

Du kannst diese Karte nur während deines Zuges aktivieren: Du kannst bis zum Ende des Zuges beliebig oft Monster mit dem Attribut WASSER als Normalbeschwörung beschwören, solange du weniger Monster kontrollierst als dein Gegner.
 

Lawinenkonter: Konterfalle

Falls eine Karte, die du kontrollierst, durch Karteneffekt zerstört wird und du ein Monster vom Typ Fels kontrollierst: Wähle ein Monster vom Typ Fels, das du kontrollierst und zwei Karten, die dein Gegner kontrolliert: Zerstöre die gewählten Karten und füge deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Verteidigungspunkte des zerstörten Monsters vom Typ Fels, das du kontrolliert hast, zu.
 

Wasserfallbarriere: Permanente Falle
 

Wenn du direkt angegriffen wirst: Du kannst eine Monster-Karte vom Typ Fisch von deiner Hand abwerfen, um den Kampfschaden, den du erleiden würdest zu halbieren und deinem Gegner genauso viel Schaden zuzufügen.
 

Rockstar Supernova: Normale Falle

Biete zwei „Rockstar“-Monster, die du kontrollierst als Tribut an:

Zerstöre alle Karten auf dem Feld mit Ausnahme von Fanatischer Trabant-Spielmarken und beschwöre ein „Rockstar“-Monster der Stufe 7 oder höher aus deinem Deck als Tributbeschwörung.

Viel Tara um nichts

Maxims Lebenspunkte: 2000 → 0.

Der dritte Kronprinz ging ächzend zu Boden, neben ihm kniete bereits die vor ihm besiegte Lucia-Ann.

„So ein Mist! Wieso können wir denn diese Rotjacke denn nicht einmal drei gegen eins fertig machen?!“, fluchte die Obeliskin.

„Grrr...letztes Mal konnte ich ausnutzen, dass Erin nicht voll ausgeschlafen war und sich im vorherigen Duell ein wenig ausgepowert hat. Aber in einem fairen Duell auf Augenhöhe ist sie leider viel zu gut!“

Lediglich die zweite Kronprinzessin, Imani Gizenga, war noch im Spiel, wenn auch nicht mehr lange.

Im Gegensatz zu Erin hatte sie keine Monster auf dem Feld und auch keine Zauber oder Fallen, die den nun kommenden Angriff abwehren könnten.

„Halt, roter Pöbel! Wag es nicht eine Kronprinzessin anzugreifen! Wir stehen über euch!“, drohte sie Erin vergeblich.

„Ha! Dafür, dass ihr angeblich über uns STEHT, scheint es deinen beiden Freunden ganz gut auf dem Boden zu gefallen!“

Erin lachte erst einmal ein paar Sekunden über ihren Wortwitz.

„So ein Pech! Sie ist nicht nur stärker, mutiger und, geben wir es offen zu, sehr viel besser aussehend als wir, sie ist auch unfassbar witzig!“, jammerte der inzwischen sehr kleine Brötchen backende Maxim.

„Oh ja! Das bin ich!“, lobte sich Erin schamlos selbst, „Das kriegt ihr davon, dass ihr uns Slifer so unterschätzt! Donnerklang-Ritterin! Verpasse Imani mal so ne richtig schockierende Abreibung!“

„Erin! Fiona!“, rief Mayla aufgebracht,,„Bitte, ihr müsst mir helfen! Daniel ist dem Kartendieb zum Opfer gefallen!“

Erin wurde schlagartig von dem lauten Geschrei aus dem Traumland gerissen.

Sie grummelte.

Was soll denn das?

Da hatte sie sich einmal nach einem besonders langweiligen Schultag mal ein kleines Nachmittagsnickerchen gegönnt und dann kam plötzlich Mayla rein und schreit aus irgendeinem Grund rum!

Dabei hatte ihr der Traum so richtig gut gefallen...

„Wie bitte? Jemand hat Daniels Karten gestohlen?“, fragte Fiona Mayla, um sich zu vergewissern, dass sie sich nicht verhört hatte.

Sie lag ebenso wie Erin im Stockbett, hatte allerdings im Gegensatz zu ihr gelernt und nicht gefaulenzt.

„Ja. Man hat ihm sein Fusionsmonster Alpha die Eisenmähne weggenommen. Er wollte es am Anfang nicht zugeben, aber nachdem er in mehreren Duellen gegen mich sein Ass-Monster nicht benutzt hatte, hab ich ihn zur Rede gestellt.“

Fiona legte etwas genervt das Schulbuch, in dem sie bis eben konzentriert gelesen hatte beiseite.

„Schön blöd, sich so bestehlen zu lassen. Wir wissen doch schon seit Monaten von der unaufgeklärten Diebstahlserie. Wie kann er denn so unvor-“

Fiona wurde von einer für ihre Verhältnisse böse guckenden Mayla mit einem Blick daran erinnert, dass sie und Erin für die nächste Zeit das Recht andere unvorsichtig zu nennen, verloren hatten.

„Sorry, wir sollten ihm wohl helfen“, sagte sie kleinlaut.

„Mehr weiß Daniel nicht?“, fragte Erin, die inzwischen wieder hellwach war und zu der noch im Türrahmen stehenden Mayla hinabguckte, „Wann hatte er Eisenmähne zuletzt gesehen? Und wo? Wie ist ihm der Diebstahl aufgefallen?“

Mayla guckte traurig.

„Entschuldigung. Er wollte nicht mehr mit mir drüber reden. Ich solle ihn einfach in Ruhe lassen...“

„Hä? Was soll das denn heißen? Sonst kriegt dein Danielein nie genug von dir?“

„Ich fands ja auch komisch. Jedenfalls glaube ich nicht, dass er uns irgendwas erzählen will, wenn wir zu dritt auftauchen. Hast du noch eine Idee, wo wir mit der Suche beginnen könnten, Erin?“

Die Angesprochene überlegte, während sie das Bett hinabkletterte.

„Also, damals hatte doch Maxim zu dem Thema geforscht. Aber der wird uns sicher nicht weiterhelfen wollen.“

„Ach, dieser Idiot!“, schimpfte Fiona, „Der hat doch eh nichts rausgefunden, sonst hätte er den Dieb doch schon längst erwischt!“

„Dann fangen wir vielleicht bei Kevin an, Erin hat er ja schon ein paar Mal ausgeholfen und er scheint stets gut informiert zu sein.“

Erin hatte diesen Vorschlag kommen sehen und befürchtet.

Kevins „Hilfe“ bestand aus mal mehr, mal weniger brauchbaren Informationen oder Karten, die aber dafür immer teuer waren.

Gratis waren bei Kevin nur sein abschätziger Ton und dennoch schaute Erin hin und wieder mal bei ihm vorbei um für sie unbrauchbare Boosterkarten einzutauschen.

Sie seufzte.

„Gute Idee, Mayla, lass mich noch kurz meine Haare bürsten, dann gehen wir sofort los“, antwortete sie und zwang sich dazu sich ihren Widerwillen nicht anmerken zu lassen.
 

°°°
 

Als die drei Mädchen kurz darauf losgingen, sah Fiona sehnsüchtig auf das Buch auf ihrem Bett.

Am übernächsten Freitag waren die Halbjahresprüfungen und jedes Mal, wenn sie nicht lernte, fühlte sie sich als ob sie ihre Zeit verschwendete.

Erin hatte ihre Freundinnen zu Zimmer 205 geführt und klopfte wie üblich dreimal kräftig an.

Der dürre Junge öffnete die Tür und schaute überrascht.

„Ah, meine Lieblingskundin!“, bemerkte er sarkastisch und machte den Weg frei, sodass die Mädchen sein Zimmer betreten konnten, „Seit wann bringst du denn deine Freundinnen mit? Wollt ihr euch diesmal zu dritt mit einem Obelisken anlegen?“

Im Hintergrund lief wieder der Fernseher, den Kevin sofort auf lautlos stellte.

Erin ignorierte die Bemerkung und kam gleich zur Sache:

„Was kannst du uns zu dem Dieb sagen?“

„Dieb? Du meinst wohl den Kerl, der hier seit über zwei Monaten Karten und Schulutensilien mitgehen lässt?“

Erin nickte.

„Nun, ich treffe mich jeden Dienstag gegen 15 Uhr mit ihm zu einer Tasse Tee und einer Partie Schach, er ist im Grunde seines Herzens ein ziemlicher netter Typ, der leider seine zwanghafte Kleptomanie nicht in den Griff bekommt.“

„Wirklich? Dann sag ihm morgen doch bitte, dass er allen ihre Sachen zurückgeben und sich entschuldigen soll, wir wären ihm auch nicht böse“, entgegnete Mayla.

Fiona warf fassungslos ihre Hände über den Kopf zusammen.

„Mayla, meine Gute, ich glaube Kevin erlaubt sich da gerade einen kleinen Spaß mit uns“, erklärte sie vorsichtig.

„Oh...“

„Mayla, war der Name, Hm? Du und deine andere Freundin habt euch also von dieser Oberleuchte da retten lassen? Glückwunsch.“

Er räusperte sich als er sah, wie Erin ihre Hand zur Faust ballte und schien zu überlegen.

„Ich könnte euch bestenfalls eine kleine Aufzählung seiner Opfer geben. Ich bin untröstlich, mehr weiß ich einfach nicht.

Erin beugte sich vor und schaute Kevin für einen Moment tief in die Augen.

Mayla und Fiona schauten einander fragend an.

„Lügner!“

„Ach ja? Und warum sollte ich mir einen Deal mit dir entgehen lassen? Ich habe keine anderen Informationen, genauso wenig wie alle anderen auf dem Akademiecampus“, entgegnete er bestimmt und wechselte dann das Thema.

„Kann ich eine von euch für neue Karten begeistern?“, er blickte zu Fiona, „Du da spielst doch ein Ritual-Deck mit Feuer-Attribut-Monstern, korrekt? Ich hätte da genau das richtige Produkt für dich, ein einmaliges Sonderangebot!“

„Puh... na, wenn ich schon mal hier bin, lass mal sehen“, sagte sie schulterzuckend, woraufhin Kevin umgehend aufsprang und einen seiner prall gefüllten Kartenordner aus dem Schrank nahm.

Erin hatte hingegen für heute genug vom Kartenhändler.

„Wir warten vor der Tür, bis gleich und lasst euch nicht zu viel Zeit.“

„Oh Mann! Das war schonmal eine echte Zeitverschwendung“, ächzte Erin als sie mit Mayla zusammen im Flur stand.

Mayla nickte und tippte danach auf ihr Handy ein.

„Ich fand Kevin ein wenig unfreundlich, um ehrlich zu sein. Aber er hat einen tollen Sinn für Ordnung. Da lag nicht eine einzige Socke auf seinem Zimmerboden“, antwortete sie nicht ganz ohne Neid. Warte, bitte.“

Sie nahm das Smartphone an das Ohr und den Zeigefinger vor den Mund, um Erin zu signalisieren, dass sie in Ruhe telefonieren wollte.

„Hallooo! Ich hoffe, ich störe dich gerade nicht...Ah, ja mir geht es gut, danke der Nachfrage. Aber Daniel wurde eine seltene Karte geklaut. Wüsstest du da jemanden, der was zum Dieb wissen könnte? Hm-Hm... Nein, das weiß ich nicht...“

Erin verfolgte das Telefonat gespannt.

„Oh! Ehrlich!? Das klingt doch super! Hm...Nein, Genau, ich sage ihm Bescheid!...Habe vielen Dank! Wir kommen sofort zur Unterkunft! Bis gleich!“

Mayla lächelte zufrieden und legte auf.

„Wer war das?“

„Das war Leroy, wir haben uns neulich unsere Nummern gegeben. Ich dachte, da er schon länger an der Akademie ist und schon mit Kevin zusammengearbeitet hat, dass er vielleicht andere Karten- oder Infohändler kennt. Mit der Vermutung lag ich wohl auch richtig, er hat da jemanden für uns und wir und Daniel sollen ihn vor der Ra-Yellow-Unterkunft treffen.“

Erin nickte bedächtig.

Der Gedanke sich an Leroy zu wenden, wäre Erin nie gekommen.

Wenn Mayla nicht gerade ein wenig naiv war, war sie beeindruckend scharfsinnig.

„Klingt gut, dann müssen wir nur noch kurz auf Fiona wa-“

In dem Moment sprang die Zimmertür auf.

„Es war mir eine Freude Geschäfte zu machen, Frau Scholte, bis zum nächsten Mal!“, hallte es noch aus der Tür, bevor sie sich wieder verschloss.

Ohne sich zu verabschieden verstaute Fiona die frisch gehandelten Karten in ihrer Deckbox.

„Was für ein nerviger Hohlkopf! Aber der Besuch hat sich für mich dann doch gelohnt!“

Sie schaute ihre optimistisch wirkenden Freundinnen an.

„Wohin geht’s jetzt?“

Mayla erzählte Fiona vom Telefonat, danach begaben sich alle drei auf ihr Zimmer, um sich Jacken, Schals und Mützen anzuziehen.

Es war inzwischen schon Ende November und dementsprechend harsch war das Wetter auf der Insel.

Es war ein recht weiter Weg bis zur Ra-Yellow-Unterkunft, die auf der anderen Seite des um diese Jahreszeit verwaisten Sliferplatzes lag.

Während Mayla mit Daniel telefonierte, stellte Fiona Erin eine Frage.

„Öhm, sag mal, wie kommst du darauf, dass dieser Kevin uns angelogen hat und doch was vom Dieb weiß?“

„Es ist nur eine Vermutung, aber ich fand seine Denkpause ziemlich verdächtig. Normalerweise zögert er keine Sekunde, wenn er seine Kunden über den Tisch ziehen kann. Doch diesmal schien Kevin wirklich überlegen zu müssen. Das passt einfach nicht!“

Sie hasste es sich das einzugestehen, aber Erin hatte doch schon einige Zeit mit Kevin verbracht und konnte ihn inzwischen gut einschätzen.

„Tjoa, möglich ist es, bei mir hat er gleich zugeschlagen und alle meine für mich unbrauchbaren Karten eingetauscht!“, antwortete Fiona und grinste.

Man sah der Ra-Unterkunft schon von Weitem an, dass es sich in ihr deutlich besser leben ließ, als in der der Slifer-Schüler.

Die Fassade des Gebäudes war in einem makellosem und sauberen Zustand, die Fenster waren auf Hochglanz geputzt und geschmackvoll verziert.

Insgesamt war die Unterkunft auch erkennbar größer, obwohl in jedem der drei Häuser in etwa gleich viele Schüler wohnten, was auf größere Zimmer hinwies.

Leroy erkannte die drei Mädchen und winkte ihnen am Eingang stehend zu.

„Hallo Mayla, Hallo Fiona, es ist eine Freude euch mal wiederzusehen!“

Er begrüßte Mayla mit einer kurzen Umarmung und Fiona nickte er zur Begrüßung mit einem Lächeln zu.

„Hallo Erin, ich bin Leroy“, er hielt ihr seine Hand entgegen, die sie sogleich schüttelte.

„Es ist schön dich auch mal wach kennenzulernen.“

Erin verstand die Anspielung und wurde vor Verlegenheit ein wenig rot.

„Ich habe mich noch nie bei dir für die Hilfe bedanken können. Mayla meinte, sie hätte es nicht ohne Daniel und dich geschafft. Also....Danke sehr!“, sagte sie mit leichtem Nicken.

„Ach, keine Ursache, ehrlich nicht. Musste ja auch noch ein bisschen was wieder gut machen. Aber...“, Leroy grinste schelmisch, „...nimm doch bitte mal ein paar Kilo ab, bevor ich dich das nächste Mal durch die halbe Insel trage, mir tat die zwei folgenden Tage ganz schön der Rücken weh!“

„Heeeey, du Rüpel! So redet man doch nicht über das Gewicht einer Frau!“, konterte Erin überspielt beleidigt und grinste zurück.

Erins erster Eindruck von Leroy war durchweg positiv.

Sie konnte es kaum glauben, dass er tatsächlich zu Beginn des Akademiejahres ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zu verbotenen Duellen mit Karteneinsätzen gezwungen haben soll, dafür wirkte Leroy einfach zu sympathisch und herzlich auf Erin.

Sie schaute zu Mayla rüber.

Mayla musste damals eine gigantische Wirkung auf Leroy gehabt haben, um ihn so zu verändern.

„Und du kennst tatsächlich eine Informationshändlerin, die dem Kartendieb auf die Schliche kommen könnte?“, fragte Mayla mit großen Augen.

„Nun, sie handelt soweit ich weiß nicht mit ihren Informationen, aber wissen tut sie so ziemlich alles was man hier so wissen kann.“

Leroy blickte über Maylas Kopf hinüber zu dem hinter ihr ankommenden Daniel, dem er ebenfalls zuwinkte.

Daniel joggte die letzten Meter zu der Gruppe.

„Hallo Leute, Sorry für die Verspätung“, sagte er, während er seine Freundin umarmte.

„Nun, da wir vollständig sind, sollten wir uns Warme setzen. Kommt mit!“

Leroy ging voran in die Unterkunft und die vier Slifer folgten ihm.

Die fünf nahmen im Eingangsbereich Platz und öffneten sogleich ihre Jacken und setzen die Mützen ab.

Mit den gemütlichen Sofas und den kleinen Tischchen dazu wirkte der Eingang der Ra-Behausung wie ein Hotelfoyer.

„Sieht ja echt toll aus hier drin. Davon können wir bei uns nur träumen!“, staunte Daniel und Mayla pflichtete mit einem Nicken bei.

„Naja, strengt euch bei den Halbjahresprüfungen an und ihr könnt in ein paar Tagen auch hier wohnen“, sagte Leroy und rieb sich zum Aufwärmen die Hände.

„Wo waren wir nochmal stehen geblieben?“

„Jetzt erzähl uns schon endlich von dieser Alleswisserin!“, platzte es aus Fiona raus, die für ihr miserables Betragen ein Kopfschütteln und Augenrollen von ihren beiden Freundinnen erntete.

Leroy lachte und kam dann auf den Punkt.

„Ihr Name ist Tara Mahi, eine ehemalige Obeliskin im zweiten Jahrgang, die jetzt wieder hier zu den Ras gehört. Eine Einzelgängerin, hochintelligent und mindestens genauso anstrengend. Würde mich ehrlich nicht wundern, wenn sie schon längst die Identität des Kartendiebs kennen würde und es einfach nur niemandem erzählt hätte.“

Erin lehnte sich entspannt zurück.

„Wenn du mit deiner Vermutung recht hast, ist ja alles in Butter. Wir fordern diese Tara einfach heraus und sie verrät uns dann wer der Dieb ist. Dann haben wir im Nu Daniels Alpha die Eisenmähne und alles andere wieder.“

„Stell du dir das mal nicht zu leicht vor“, warnte Fiona, die sofort die Schuldatenbank nach Tara Mahi durchsucht hatte.

Sie reichte ihr Handy mit Taras Profil herum und ihre Freunde schluckten.

Taras GY-Score lag bei 1572, damit war sie um Einiges stärker als jede Person am Tisch.

Fiona behielt die Scores stets im Auge, auch wenn ihrer deutlich hinter denen ihren Freundinnen lag.

Daniel hatte sich inzwischen auf etwa 1250 hochgekämpft, Fionas GY-Score lag aktuell bei exakt 1343, Erin und Mayla lieferten sich mit um die 1400, 1410 ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen um den Platz als stärkste Slifer-Red-Schülerin und Leroys GY-Score lag bei circa 1460.

Dass Tara so einen hohen Score haben konnte, verstand Mayla nicht.

„Ich dachte immer, die meisten Schülerinnen und Schüler mit über 1550 sind im Haus Obelisk-Blue? War sie denn in den schriftlichen Prüfungen so schlecht, dass sie wieder herabgestuft wurde?“

„Nein, wie gesagt, sie ist durchaus intelligent. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber man sagt, Tara sei König Aland derartig auf den Wecker gegangen und habe durchgehend die Blaue Ehre missachtet, dass der Obeliskenkönig sie persönlich zurückstufen ließ.“

Erin hatte ihren Freundinnen und Daniel bereits von der Blauen Ehre erzählt.

„Puh, dass der König einfach so Schüler umsortieren darf, hätte ich nicht gedacht. Er ist ja immerhin selbst noch einer“, sagte Daniel, woraufhin Leroy nur ratlos mit den Schultern zuckte.

Sie hatten verstanden, dass sich Schüler aus dem Haus Obelisk-Blue der Krone und dem Verhaltenskodex zu unterwerfen hatten, aber dass die Schulleitung dem König so viel Macht gewährte, war für die vier überraschend.

Erin wurde langsam ungeduldig: „Gut, also wenn ich alles richtig verstanden habe, sollten wir versuchen, einem Duell aus dem Weg zu gehen und Tara einfach überreden uns zu sagen, was sie weiß. Ich schlage vor, dass Leroy das Reden übernimmt.“

„Vergiss es!“, lehnte Leroy sofort ab, „es ist nett, dass du mich für so eloquent hältst, aber ich habe für dieses Mädchen einfach keine Nerven. Ich habe schon mit Kevin den persönlichen Kontakt vermieden, aber sie...“, er lachte kurz verlegen, „Naja, das werdet ihr ja schon selbst erleben...“

Mit Bedenken fasste sich Erin an den Kopf.

Hatte Leroy gerade wirklich angedeutet, dass sie sich mit jemanden treffen, die schlimmer als Kevin ist?

„Dann solltest du mit ihr sprechen, Mayla, du bist die ruhigste, höflichste und wahrscheinlich auch vernünftigste von uns. Wir stehen besser nur leise daneben“, schlug Daniel vor.

Bei so viel Lob wurde die Angesprochene gleich rot.

„Ähm, gut, vielen Dank. Ich werde mein Bestes geben.“

Leroy nahm seine Kleidung und stand auf.

„Sie wird wohl auf ihrem Zimmer sein, wie die meisten um die Zeit. Ihre Nummer ist 021. Den Rest schafft ihr schon selbst.“

„Wieso kommst nicht mit uns?“, fragte Fiona.

„Nicht böse gemeint, aber ich habe Besseres zu tun, als mich mit diesem Freak rumzuärgern. Dieses Mal soll der praktische Prüfungsteil nicht nur aus einem gewöhnlichen Duell bestehen. Da muss ich mein Deck für alle Eventualitäten vorbereiten, mir neue Strategien überlegen.“

Leroy nickte zum Abschied der noch sitzenden Gruppe zu und ging still auf sein Zimmer.

Fiona sah nach Leroys Bemerkung ihre Freundinnen etwas vorwurfsvoll an.

Ständig versuchte sie den beiden klarzumachen, dass sie nicht ständig faulenzen oder unproduktive Spaßduelle führen sollten.

Aber sobald die Hausaufgaben erledigt sind, hörten sie schon nach lächerlichen zwei oder drei Stündchen Lernen einfach auf und ließen sie oftmals alleine am Arbeitsplatz zurück.

Immerhin hatte sie Erin inzwischen etwas erreichen können, aber Mayla ließ sich nur zu gerne von Daniel ablenken.

„Der Typ ist aber selbst ziemlich gut informiert. Davon, dass wir uns nicht nur ganz normal duellieren sollen, hatte ich bisher noch nichts gehört. Wisst ihr was dazu?“

Daniel und Mayla schüttelten stumm den Kopf.

„Mein Bruder musste in eine seiner Prüfungen mit einem zufällig zugelosten Deck spielen. In seinem Abschlussjahr gabs im Praxispart wieder eine Sonderregel, bei der mit 8000 Lebenspunkten gespielt wurde und der angegriffene Spieler eine Attacke auf eines seiner Monster in einen direkten Angriff umwandeln konnte. Die hatte ihm am Ende ordentlich den Notenschnitt verhagelt“, erzählte Fiona, „Man kann aber sowas eigentlich nicht im Voraus wissen. Das kann genauso gut wieder nur ein doofes Gerücht sein.“

Mayla räusperte sich und stand auf.

„Hm, also ich finde, wir sollten jetzt zuerst auf Tara Mahi und den Kartendieb konzentrieren. Lasst uns bitte losgehen.“

Die Anderen stimmten ihr zu und gemeinsam suchten sie im Mädchenflügel des Erdgeschosses nach der Tür mit der richtigen Nummer.

„021, das ist sie!“, dachte sich Erin und holte ihre Freunde mit einer Geste zu sich.

Erin, Fiona und Daniel stellten sich hinter Mayla, die mit einem mulmigen Gefühl anklopfte.

„Einen kurzen Moment, bitte, bin gleich da!“, flötete eine helle, fröhliche Stimme durch die geschlossene Zimmertür.

Das klang doch schon mal recht freundlich.

„Huch! Wer seid ihr denn? Ich kenne euch nicht!“, hörten die vier Slifer einen Moment später und wichen vor Schreck ein wenig zurück.

Mayla entdeckte den Türspion im Knick der „1“, den es normalerweise in keiner Tür der Akademie gab und den Tara selbst eingebaut haben musste.

„Hallo Tara, mein Name ist Mayla. Wir wollen nicht lange stören. Wir haben nur erfahren, dass du gerne Recherche betreibst und eventuell etwas über den berüchtigten Dieb wissen könntest. Kannst du uns helfen?“, fragte Mayla durch die Tür.

„Ach, da seid ihr bei mir genau richtig, ich weiß alles!“, trällerte Tara, während sie das Schloss öffnete.

Die Zimmertür öffnete sich und ihnen stand nun Tara Mahi gegenüber.

Sie war etwa genauso klein wie Mayla, mit einem dunkleren Teint.

Sie trug über ihrer Uniform eine aufwendige, goldene Kragenhalskette mit kleinen roten Edelsteinchen verziert und ebenso auffälligen Ohrschmuck, der aber von ihren dunkelbraunen Locken gut verdeckt wurde.

„Nur hereinspaziert, ich beiße nicht!“

Die Besucher staunten und zögerten beim Betreten des Raumes.

Die Zimmer der Ras waren wirklich merklich größer als die der Slifer.

Aus den verschiedensten Winkeln schauten mindestens ein Dutzend Kameras auf sie.

Die Schreibtischfläche war komplett von einer Tastatur und drei nebeneinanderstehenden Bildschirmen bedeckt, unter dem Schreibtisch stand ein gehäuseloser Rechner, der vor sich hin surrte.

„Also der Dieb, zu dem hatte ich schon vor anderthalb Monaten eine Hypothese entwickelt und mehrere sehr belastende Beweise gefunden“, erklärte Tara mit einem breiten Lächeln im Gesicht, „Also, was möchtet ihr genau wissen?“

„Ähm, also wenn du den Dieb bereits kennst, wäre es sehr lieb von dir, wenn du uns verraten könntest, wer es ist. Mein Freund Daniel wurde nämlich leider auch von ihm bestohlen und wir möchten sein Bossmonster noch vor den Halbjahresprüfungen wiederhaben.“

Tara klatschte enthusiastisch in die Hände.

„Das ist kein Problem. Der mysteriöse Täter ist....“, sie simulierte mit den Zeigefingern einen Trommelwirbel, um Spannung aufzubauen, „Herr Althus!“

„Herr Althus? Du meinst den Hauslehrer von Slifer Red?“, fragte Mayla überrascht.

Erin und Daniel schauten Tara kritisch an und Fiona kratzete sich am Kopf.

„Hehe, am Anfang wollte ich es auch nicht glauben, aber im Nachhinein ist es mehr als offensichtlich. Pass mal auf!“

Tara öffnete ein Fach ihres Schreibtisches, in welchem sich unzählige USB-Sticks und externe Festplatten befanden und holte schließlich einen rot glänzenden Stick hervor.

„Ah, der ist es!“

Sofort steckte sie ihn in den Port ihres Rechners und öffnete einen der Ordner des Datenträgers.

Ein eingescannter, ziemlich alter Zeitungsartikel war zu sehen.

„Das sieht ja spannend aus. Was ist das?“

„Das ist ein Zeitungsartikel über Heinrich Althus. Einer von hunderten. Wusstest du, dass er als einer der besten Duellanten der deutschen Geschichte gilt? Er war von 1959 bis 1970 aktiv. Er hat 1966 Deutschland auf der damaligen Duel Monsters-Weltmeisterschaft vertreten und sogar den zweiten Platz geholt! Das war natürlich noch lange vor der Zeit von Duel Disks und Hologrammen. Danach hatte er zwar als Profiduellant aufgehört, aber er schrieb weiter Theoriebücher, war als Kommentator und Kartendesigner tätig und gab natürlich Duel Monsters-Unterricht, bis heute!“

„Achso, du meinst, weil Herr Althus sein ganzes Leben mit Duel Monsters verbracht hat, dass er zum Täterprofil eines Diebes passt, der es in erster Linie auf Karten abgesehen hat?“, hakte Mayla nach.

„Exakt! Das ist doch mal ein Beweis, was?“

„Das soll ein Beweis sein?!“, dachte sich eine schockierte Erin.

Das Duellieren war der Mittelpunkt der Leben von vielen Schülerinnen und Schülern, die man mit dem gleichen Argument genauso belasten könnte.

Daniel und erst recht Fiona fiel es sichtbar schwer, ihren Unmut über Taras Ermittlungen zu verbergen.

„Hast du noch mehr so stichhaltige Beweise?“, fragte Mayla.

„Na klaro! Ich zeig dir noch einen!“

Tara tauschte nach einer kurzen Suche den Stick gegen einen anderen aus der Schublade aus, woraufhin man einen Screenshot von einem geöffneten Onlinewarenkorb sehen konnte.

„Das ist eine ältere Bestellung über den offiziellen Akademieaccount, war ganz schön schwer zu hacken. Lithium-Polymer-Akkus, FPV-Sender und -Empfänger und mehrere SMA-Adapter, das sind alles gängige Komponenten zum Bau voooooooon...?“, Tara wartete darauf, dass Mayla den Satz vervollständigte.

„Ähm, von Dueldisks?“, antwortete sie unsicher.

„Ja, ja, von Dueldisks natürlich auch, aber ich meine damit Drohnen! Überleg mal: Es wäre doch megaverdächtig, wenn er seine gestohlenen Karten einfach bei diesem Slifertypen eintauschen würde. Nein, Althus ist raffinierter und benutzt eine Drohne, um die Karten zu seinen kriminellen Partnern ans Festland zu bringen!“

„Oh! Das klingt ja nach einer sehr überzeugenden Erklärung“, log Mayla erneut um Tara nicht zu beleidigen.

Überzeugende Erklärung? Herr Althus schaffte es nicht einmal den Wasserkocher in der Slifer-Red Kantine zu bedienen, ohne sich dabei regelmäßig zu verbrennen! Der soll über mehrere Kilometer eine Drohne steuern können? Mal ganz davon abgesehen, dass die Akademieinsel mindestens 30 Kilometer vom Festland entfernt war.

Erin war von Maylas Schauspielkunst fasziniert und zugleich darüber erleichtert, dass Tara nicht auf Fiona achtete, deren Kopf inzwischen rot angelaufen war.

Am liebsten würde Erin Tara für all den Unsinn, den sie sich an den Haaren herbeizog zusammenschreien, aber das wäre unklug, wenn man ohne ein Duell an wertvolle Informationen kommen wollte.

„Du, ich wette Herr Althus hat ein paar falsche Spuren gelegt, um dich in die Irre zu führen, habe ich recht? Irgendetwas, was darauf hinweist, dass er doch nicht der Kartendieb ist?“

Tara grinste Mayla an.

„Gut kombiniert! Es gibt in der Tat falsche Hinweise, aber davon lasse ich mich nicht täuschen.“

„Dürfte ich vielleicht einen der gefälschten Beweise sehen? Zusammen schaffen wir es bestimmt, zu beweisen, dass sie von Herrn Althus fingiert wurden.“

„Nicht schlecht, Mayla hat wohl vor Tara unbemerkt dazu zu bewegen, ihre Hinweise auf den wahren Schuldigen mit ihr zu teilen“, dachte sich Daniel.

Tara kramte diesmal etwas länger in ihrer Schublade.

„Hmm, ich habe Videoaufnahmen von den unzähligen Sicherheitskameras innerhalb und außerhalb des Hauptgebäudes. Die hat Althus selbstverständlich so manipuliert, dass man stattdessen einen anderen Jungen beim Diebstahl darauf sieht. Leider weiß ich nicht mehr genau auf welchem Stick die waren....versuchen wir einfach mal diesen!“

Tara tauschte die Sticks, hämmerte auf die Tastatur ein und machte dann ein enttäuschtes Gesicht.

„Ah, Sorry, das sind meine Beweise für eine geheime Militäroperation, bei der man Soldaten Alien-DNA injiziert hat. Sehr spannend, aber hat mit dem Kartendiebstahl nichts zu tun.“

Tara suchte erneut und Fiona begann bei diesen Worten vor Wut zu zittern.

„Alien-DNA? Will die uns veralbern?“

Erin musste hingegen daran denken, wie Leroy Tara noch als „hochintelligent“ bezeichnet hatte.

„Auch falsch! Das sind leider etwas unscharfe Bilder von Bigfoot, wie er gerade auf einem Einhorn reitet.“

Tara suchte den nächsten Stick, während ihr Mayla scheinbar seelenruhig zusah.

„Mist, schon wieder falsch! Das sind nur geleakte Dokumente, die bestätigen, dass ein Geheimbündnis von Superreichen auf dieser Insel nach dem ewigen Leben forscht!“

„Hochintelligent, hat er gesagt...“, dachte sich eine immer fassungslosere Erin.

Pfft, pffffft!

Fiona schnaubte, es sah so aus als würde sie gleich platzen.

„Beruhige dich! Wenn sie den richtigen USB-Stick erwischt, haben wir den Täter!“, zischte Erin ihr zu.

„Kacke! Schon wieder nicht der richtige Stick! Aber dafür beweisen diese authentischen Satellitenaufnahmen eindeutig, dass die Erde ein Würfel ist! Schachmatt, Kugelköpfe, sag ich da!“, trällerte Tara und lachte.

„Was für ein Haufen Schwachsinn!“,brüllte Fiona, „Das ist doch alles nicht ganz dicht, was du uns hier auftischst!!“

Es war einen Moment komplett still, keiner der fünf Jugendlichen sagte nur ein Wort.

Tara setzte sich an ihre Bettkante und legte die Hände vors Gesicht.

Sie begann zu schluchzen und dann danach laut zu wimmern.

„Es...es...tut mir Leid...ich versuche.... versuche doch nur euch zu unterstützen!“

„Fiona! Schäm dich! Es gibt keinen Grund Tara so niederzumachen! Sie wollte uns nur helfen!“, schimpfte Mayla uns setzte sich tröstend neben die weinende Tara.

Jetzt hatte sie ein schlechtes Gewissen.

„Äh...Entschuldigung Tara, ich wollte dich nicht so anschreien. Ich fand nur deine, ähm...Nachforschungen etwas.... ungewöhnlich und überraschend.“

Fiona versuchte Tara nicht weiter zu verletzen.

Tara nahm nun die Hände wieder vom Gesicht und wischte sich die Tränenspuren von den Wangen.

„Ach, ich verstehe schon. Du bist nicht die Erste, die von den Lügenmedien gehirngewaschen ist und dann ihren Frust an mir auslässt. Das passiert ständig. Aber ich wette, dass du die Wahrheiten erkennst, sobald man dich wegen der Diebstahlserie von der Akademie geworfen hat“, sagte sie in einem unangebracht fröhlichen Ton.

Erin spürte, wie sich ihre Augenbrauen zusammenzogen.

„Von der Akademie geworfen?“

Hä? Warum sollte man mich für die Diebstähle rausschmeißen?! Ich habe niemals irgendwem was gestohlen!“

Tara schüttelte energisch den Kopf und stand wieder auf.

„Doch, das hast du. Das werden die Aufnahmen auch beweisen, sobald ich ein 3D-Modell von dir über diesen Jungen gelegt habe.“

Tara deutete auf die Kameras in ihrem Zimmer.

„Mit all dem Bildmaterial kann der von mir geschriebene Algorithmus ganz von alleine ein Modell von dir erstellen. Sowas zu Programmieren ist nicht allzu schwer, ich wette Althus hat das ganz genauso gemacht.“

Die Besucher begriffen, worauf Tara hinaus wollte.

Nun sprang Mayla wieder auf und stellte sich neben Fiona.

„Tara, warum bedrohst du meine Freundin denn so gemein? Sie hat sich doch entschuldigt!“

Die Angesprochene verschränkte trotzig die Arme.

„Ist mir egal! Sie hat mich beleidigt, also beschuldige ich sie für eine Tat, die sie nie begangen hat und zerstöre ihre Zukunft. Ich finde, das ist eine gerechte und angemessene Strafe!“

Mit energischem Zorn aktivierte Fiona ihre Dueldisk.

„Ich finde, du solltest mal dringend deine Klappe halten!“

„Ein Slifer fordert mich heraus?“, fragte Tara mit ehrlicher Überraschung in der Stimme.

„Du bist doch sicher viel zu schlecht um zu gewinnen, ich war immerhin mal bei Obelisk-Blue und...-“

„Und wurdest wieder degradiert, weil du nur Unsinn redest und niemand Lust auf dich hat, wissen wir schon!“, unterbrach Fiona aggressiv.

Tara schluckte.

„Sie wird dich nicht nochmal zum Weinen bringen, hör einfach nicht hin... Sei stark, Tara, sei stark....“, murmelte sie zu sich selbst, während sie ihre eigene Disk aus dem Kleiderschrank holte und umschnallte.

Sie schaute Fiona ernst an.

„Sobald ich dich besiegt habe, siehst du diese Akademie nie wieder, verlass dich drauf, du Schreihals.“

„Das wird nicht passieren!“, hielt Fiona stur dagegen.

„Ich habe auch eine Forderung! Wenn ich gewinne, zeigst du uns den Jungen, der hier alle beklaut! Und zwar NUR den Jungen! Wir wollen keinen Verschwörungsunsinn mehr hören!“

Tara schien zu überlegen.

„Ich habe eine bessere Idee: Da du ständig meine Ermittlungsarbeit verunglimpfst, kannst du ja mal selbst versuchen Beweise zu finden. Ich werde dir während unseres Duells jedes mal einen Tipp geben, wenn du eins meiner Monster zerstörst oder meinen Lebenspunkten schadest. Die falschen Beweisvideos zeige ich dir nur, wenn du gewinnst UND danach korrekt errätst, wer auf dem Video zu sehen ist.“

Daniel flüsterte Erin zu: “Das klingt doch gar nicht so schlecht für Fiona. Selbst wenn sie am Ende verlieren sollte, könnten wir durch das Duell genügend Hinweise bekommen haben, um selbst den wahren Dieb herauszufinden. Dann kann Tara Fiona nicht mehr anschwärzen.“

„Nicht so laut. Sonst merkt die noch selbst, dass ihr Vorschlag nicht richtig funktioniert.“

„Abgemacht! Mach deinen ersten Zug!“, rief Fiona.

Tara begann.

„Zuerst verbessere ich meine Starthand! Ich werfe das Monster Geheimagent-Kundschafter ab und darf dann zwei Karten ziehen!“

Sie nahm zwei Karten von ihrem Deck.

„Kundschafter verlangt, dass ich nun einen weiteren Geheimagenten abwerfe, oder meine gesamte Hand abwerfen muss. Also trenne ich mich von Geheimagent Doppelspiel. Danach setze ich ein verdecktes Monster und eine weitere verdeckte Karte. Das wars auch schon!“

„Kein besonders spektakulärer Zug“, sagte Fiona und zog.

„Ich lege einen feurigen Start hin! Mit meinem Ritualzauber Solaritus Siegel biete ich aus meiner Hand Solaritus Sonnenanbeterin und Solaritus Glückskäfer als Tribut an und darf nun den mächtigen Solaritus Sonnenatlas rufen!“

Fiona legte die geopferten Monster sofort ab.

Die Hologramme von Sonnenanbeterin und Glückskäfer erschienen kurz, verwandelten sich dann aber sofort in Feuerbälle, die umeinander kreisten und eine rauschende Feuersäule bildeten.

Die Feuersäule verschwand und zurück blieb Fionas riesiger, weißer Schmetterling, mit glühend heißen Flügeln, auf denen ein Sonnensymbol abgebildet war.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

Woah! Der sieht ja stark aus!“, staunte Daniel, der Fiona bisher nicht beim Duellieren beobachtet hatte.

Mayla war bereits vom Betrachten ihrer eher seltenen Duelle mit Fionas Deck ein bisschen vertraut und Erin hatte sich, wie Mayla im Nachhinein durch die Schuldatenbank herausfand, ja sogar mit Fiona duelliert.

„Der Sonnenatlas war doch Fionas stärkstes Monster, richtig, Erin? Dann ist es doch gut, wenn sie ihn im ersten Zug schon auf das Feld bringen kann.“

„Ja, das sehe ich genauso“, antwortete sie, „mit den vielen Angriffspunkten von Atlas kann sie Tara sofort unter Druck setzen.“

Fiona setzte den Zug fort:

„Der besondere Effekt von Solaritus Siegel setzt ein: Ich habe zwei Monster als Tribut geboten und darf jetzt bis zu zwei Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen. Ich wähle zwei Kopien von Solaritus Hydrazinthe. Dann aktiviert sich der Effekt von Solaritus Glückskäfer: Wird er als Tribut für die Beschwörung eines Solaritus-Ritualmonsters angeboten, darf ich eine Karte ziehen. Sollte es sich dabei um eine Zauber- oder Fallenkarte handeln, ziehe ich sogar eine zweite Karte!“

Fiona zog und guckte dann etwas enttäuscht, ohne die gezogene Karte vorzuzeigen.

„Ich kombiniere: Da du die gezogene Karte nicht vorzeigen willst, hast du ein Monster gezogen“, stellte Tara fest.

„Das ist die erste sinnvolle Schlussfolgerung, die ich von der Spinnerin gehört habe“, kommentierte Erin flapsig.

„Es wird Zeit für den ersten Effekt von Solaritus Sonnenatlas: Mein Monster bekommt satte 200 Punkte für jedes Solaritus-Monster auf dem Friedhof hinzu!“

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 3300Atk.

„Die Feuerkraft meines Feldes reicht mir noch nicht! Also beschwöre ich zudem noch den Glutstacheligel im Angriffsmodus!

Der Igel mit den feurigen Stacheln stieß ein niedliches Quieken aus.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

Der besondere Effekt von Glutstacheligel aktiviert sich: Durch die Normalbeschwörung darf ich ein Solaritus-Monster als Spezialbeschwörung vom Friedhof rufen!“

„Das verhindere ich!“, unterbrach Tara, „ich werfe aus der Hand Geheimagent-Lockvogel ab. Da alle Monster in meinem Friedhof das Finsternis-Attribut haben, kann ich jetzt den Effekt einer beliebigen gegnerischen Karte annullieren!“

Eine mechanische Krähe flog eilig um den Glutstacheligel herum und piesackte ihn mit einem Schnabelstoß auf den Kopf.

„So ein Mist“, grummelte Fiona.

„Naja, egal! Ich habe trotzdem noch ein starkes Monster! Solaritus Sonnenatlas: Zerstöre das verdeckte Monster mit deinem alles verbrennenden Solarsturm!“

Auf den Flügeln von Fionas mächtigem Insekt entstanden vielzählige kleine Feuerkugeln, die schließlich mit extremer Geschwindigkeit auf die verdeckte Karte einschlugen.

Ein weiteres Maschinenmonster, diesmal in Form eines Käfers, das auf dem Rücken ein altertümliches Telefon mit Wählscheibe trug, wurde aufgedeckt:

Telefon-Wanze: Stufe 1, 0Atk, 100Def.

„Der Flipeffekt von Telefon-Wanze verhindert, dass du meine Monster in diesem Zug im Kampf zerstörst! Da bist du wohl offensichtlich falsch verbunden!“, sagte Tara und kicherte.

„Oh Mann! Ich wollte doch mit dem Igel Kampfschaden anrichten!“

Mayla beobachtete den Zug nachdenklich: „Diese Tara spielt bisher nur mit Fiona. Sie konnte bisher ohne große Mühe ihren Zug sabotieren.“

„Stimmt, aber bisher haben wir nicht viel von ihrem Deck gesehen. Irgendwas hat sie mit den ganzen abgeworfenen Geheimagenten vor und das wird sicherlich gefährlicher sein, als ihre bisherigen kleinen Störungen.“

„Ich beende die Battle Phase und setze eine verdeckte Karte. Bevor ich meinen Zug beende, nutze ich den zweiten Effekt von Sonnenatlas: Ich muss drei Solaritus-Monster vom Friedhof in mein Deck zurückmischen und darf danach deine offenen Karten zerstören. Ich wähle den Glückskäfer und beide Hydrazinthen!“

Soaritus Sonnenatlas schlug seine Flügel und löste dadurch einen brandheißen Windstoß aus, der Taras Telefon-Wanze zerstörte.

Solaritus Sonnenatlas: 3300Atk → 2700Atk.

„Ich habe eins deiner Monster zerstört, nach den Regeln unseres Duells musst du mir jetzt einen Hinweis auf den Täter geben!“

“Zum zigsten Mal, der Täter ist Heinrich Althus!“, maulte Tara.

„So ein Quark, ich meine natürlich den Jungen, den die Kameras beim Diebstahl gefilmt haben!“, pampte Fiona zurück.

„Bah, ihr blickt alle gar nichts! Na gut, Tipp 1: Ihr habt bestimmt schon den Halbbruder des Jungen getroffen!“

Daniel überlegte angestrengt.

„Der Halbbruder? Da kommt ja jeder...-“

„Ah-ah-ahhh!“, grätschte Tara dazwischen und wackelte tadelnd mit dem Zeigefinger.

„Eure großmäulige Freundin muss schon selbst Eins und Eins zusammenzählen können! Helfen gilt nicht!“

„Der Halbbruder ist Kevin Mercant!“, rief Fiona ziemlich schnell und selbstsicher.

„Huch? Wie...? Ach, du hast bestimmt nur glücklich geraten!“, stammelte Tara überrascht.

„Gar nicht wahr. Fiona war klug und hat realisiert, dass du uns kaum kennst, deshalb wüsstest du lediglich, dass wir anderen Slifern oder Lehrern begegnet sind. Aber die männlichen Lehrer sind bei uns zu alt, um der Bruder eines Jungen zu sein, also musst du einen Slifer meinen und zwar einen, der recht bekannt ist“, klärte Mayla auf und Erin setzte fort:

„Die talentierten Slifer steigen in Ra-Yellow auf, also bleibt da nicht mehr viel Auswahl!“

Nach diesem Satz biss Erin sich auf die Unterlippe.

Kevin war also der Halbbruder des Diebes.

Kein Wunder also, dass er keine Informationen über den Dieb preisgeben wollte, es war gut möglich, dass er mit ihm gemeinsame Sache machte.

Daniel schluckte.

Die drei Mädchen hatten Taras ersten Hinweis in Rekordgeschwindigkeit entschlüsseln können, so schnell wäre er da niemals dahintergekommen.

„Grrr, gut, der erste Tipp war zu leicht! Aber meine Hinweise sind nur die halbe Miete, denn besiegen tut mich diese Fiona ganz sicher nicht!“

Tara war wieder dran und zog.

„Ich decke meine verdeckte Karte auf: Die permanente Falle Skrupelloser Gangster!“

Ein übel grinsender Mafioso mit Maschinenpistole in der Hand hockte sich neben Tara hin.

„Was mein Gangster so drauf hat, siehst du gleich, denn ich aktiviere den Effekt von Geheimagent Doppelspiel aus meinem Friedhof: Indem ich einen anderen Geheimagenten vom Friedhof verbanne, darf ich ihn einmal pro Zug spezialbeschwören! Also, bye-bye Kundschafter, hallo, Doppelspiel! Im Verteidigungsmodus!“

Ein Mann mit einem Anzug, der auf der linken Seite komplett weiß und auf der rechten komplett schwarz war erschien und hielt Fiona seine weiße und schwarze Pistole bedrohlich entgegen.

Geheimagent Doppelspiel: Stufe 3, 1000Atk, 200Def.

„Jetzt kommen wir zum besonderen Effekt von Skrupeloser Gangster: Wann immer ein Geheimagent aus dem Spiel entfernt wird, feuert er ein paar Salutschüsse ab! Und zwar in Form von 500 Punkten Direktschaden für dich!“

Die Fallenkarte zeigte Wirkung und der Mafioso schoss mit seiner MP auf Fiona, die vor Schmerzen ein wenig stöhnte.

Fionas Lebenspunkte: 4000 → 3500.

„So ein bisschen Effektschaden macht mir nichts aus!“

„Ach nein? Dann füge ich dir einfach noch ein bisschen mehr Schaden zu! Hier kommt der Zauber Wichtige Information! Zuerst muss ich ein Geheimagent-Monster aus meinem Friedhof entfernen. Geheimagent Lockvogel verschwindet, sehr zur Freude meines Gangsters!

Erneut schoss der Gangster auf Fiona.

Fionas Lebenspunkte: 3500 → 3000.

Mit Wichtiger Information darf ich außerdem eine Karte ziehen und mir deine Hand ansehen! Also, zeige mir brav deine letzte Handkarte!“

Stumm hielt Fiona ihrer Gegnerin das Effektmonster, das sie auf ihrem Blatt hielt, entgegen.

„Diese Monsterkarte wird mir nicht gefährlich werden!“, urteilte Tara und zog.

„Jetzt kommt ein besonders spaßiger Zauber: Gütiger Informant! So funktioniert sie: Du musst eine beliebige Karte nennen. Habe ich eine Karte mit diesem Namen auf der Hand, muss ich sofort jedes Exemplar der genannten Karte aus der Hand, dem Feld oder dem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dich aber irrst, erhalte ich 2000 Lebenspunkte. Danach drehen wir das Spiel um! Alles verstanden?“

Fiona hatte den Effekt durchaus verstanden, genauso, wie sie verstanden hatte, dass er zu ihrem Nachteil war, denn im Gegensatz zu Tara, hatte sie nicht die gegnerische Hand gesehen.

„Klar, bin ja nicht blöde! Also... du hast vielleicht...noch einen Geheimagent-Doppelspiel auf der Hand?“

Tara grinste schelmisch und versuchte ein Geräusch zu imitieren, welches man hören könnte, wenn ein Quizshowkandidat eine falsche Antwort auswählt.

„Döööööööt! Falsch geraten!“

Sie zeigte die Hand vor, es war noch eine Zauberkarte und ein Fiona noch unbekanntes Geheimagentenmonster.

„Das macht also 2000 Lebenspunkte für mich!“

Taras Lebenspunkte: 4000 → 6000.

„Nun bin ich mit dem Raten dran und ich weiß ja, dass du....dass du...Ähm...Huch?“

Tara kratzte sich nervös am Hinterkopf.

„Es war bestimmt ein Monster...oder doch eine Fallenkarte? Wie war das nochmal?“

Daniel schlug sich die flache Hand an die Stirn.

„Mayla, Hilfe! Das Mädchen hat doch vor nichtmal einer Minute Fionas Karte gesehen! Die kann das doch nicht schon vergessen haben!“

„Tja, das sieht allerdings ganz so aus. Aber das ist dann ja gut für Fiona, dann bekommt sie ihre Lebenspunkte wieder zurück.“

„Niemand bekommt hier Lebenspunkte zurück! Selbst, wenn ich mich nicht genau erinnern kann, bleibe ich eine Meisterermittlerin! Meine hochkomplexen Überlegungen ergeben, dass du die Fallenkarte Verwirrende Nebelwolke auf der Hand hältst!“

„Verwirrende Nebelwolke? Nein, so eine Karte hab ich nicht!“

Fiona zeigte erneut ihr Monster vor.

„Oh nein! Dann bekommst du ja doch 2000 Lebenspunkte dazu!“, rief Tara und hielt dann kurz inne, um Fiona zuzuzwinkern.

„Reingelegt!“

„Was?“

Bevor Fiona oder einer der drei Zuschauer es realisierten, stand plötzlich ein Mann mit langem Gewehr hinter Fiona, hielt ihr die Waffe in den Rücken und feuerte ab.

„AAAAARGH!“

Fiona fiel nach vorne.

Fionas Lebenspunkte: 3000 → 1000.

„Hihi! Da hat mein Geheimagent-Scharfschütze doch ganze Arbeit geleistet! Wenn mein Gegner Lebenspunkte bekommen würde, darf ich ihn abwerfen und die gewonnen Lebenspunkte in Schaden umwandeln! Cool, was?“

„Moment, dann hat Tara also mit Absicht falsch geraten, damit Fiona durch Gütiger Informant Lebenspunkte bekommen kann?“, fragte Daniel.

„Ja. Es ist wohl, wie ich es vermutet habe. Tara spielt nur mit Fiona und nimmt das Duell kaum ernst. Hoffentlich gelingt es unserer Freundin das Spiel zu wenden.“

„Klar gelingt ihr das!“, sagte Erin, „Hey Fiona! Lass dich nicht unterkriegen! Wir wissen, dass du Tara besiegen kannst! Du bist eine viel bessere Duellantin, als du vielleicht denkst!“

Fiona hatte sich gerade wieder aufgerichtet und lächelte Erin für die motivierenden Worte zu.

Tara war mit ihrem Zug allerdings noch nicht fertig.

„Ich muss mich noch um deine übergroße Motte kümmern, deshalb spiele ich meine letzte Handkarte aus: Schalldämpfer! Dieser Ausrüstungszauber verringert zwar den Angriff um 800 Punkte, verleiht dem ausgerüsteten Monster aber den Effekt, dass es einmal pro Spielzug ein beliebiges Monster des Gegners zerstören kann, wenn ich dafür auf meine Battle Phase verzichte!Ich rüste natürlich Doppelspiel mit Schalldämpfer aus!“

Auf den Läufen von Doppelspiels verschiedenfarbigen Waffen saßen nun die besagten Schalldämpfer.

Geheimagent Doppelspiel: 1000Atk → 200Atk.

„Geheimagent Doppelspiel! Zerstöre jetzt Solaritus Sonnenatlas mit deinem neuen Effekt!“

Der Agent feuerte zwei stumme Schüsse auf Fionas Sonnenatlas ab.

„Den Effekt von Doppelspiel verhindere ich mit meiner verdeckten Karte! Ich aktiviere die Konterfalle Ritueller Schutzzirkel! Bei ihr ist der Name Programm, denn wenn eins meiner Ritualmonster zum Ziel einer gegnerischen Karte gemacht wird, wird diese Karte annulliert und zerstört! Außerdem darf ich einen Ritualzauber vom Friedhof auf meine Hand nehmen!“

Ein Bannkreis aus ominösen, runenartigen Symbolen bildete sich auf den Boden um Sonnenatlas herum.

„Ich bin dir aber einen Schritt voraus! Hier kommt die Fähigkeit meiner Telefon-Wanze aus dem Friedhof! Da ich mindestens ein Geheimagent-Monster auf dem Friedhof habe, kann die Wanze eine feindliche Zauber- oder Fallenkarte einmal annullieren, indem ich sie verbanne!“

Der Schutzkreis um Solaritus Sonnenatlas verschwand und das Monster wurde durch Doppelspiels stille Schüsse zerstört.

„Da Telefon-Wanze nicht „Geheimagent“ im Namen hat, bleibst du diesmal vom Effekt von Skrupelloser Gangster verschont! Aber bei nur 1000 Lebenspunkten wirst du schon sehr bald verloren haben! Ich bin mit meinem Zug fertig!

Daniel stupste Erin an.

„Wie schätzst du Fionas Lage ein? Also was die Lebenspunkte angeht, liegt Tara mit 6000 zu 1000 ja leider sehr weit vorne.“

„Hmm, ja, stimmt schon. Aber ich würde Fiona nicht so schnell abschreiben. Immerhin hat Tara selbst nur noch ihren schwächlichen Doppelspiel auf dem Feld und keine einzige Karte mehr auf der Hand. Das Problem an der Sache ist, dass wenn sie Doppelspiel zerstört, dass Tara ihn im nächsten Zug erneut beschwören kann, indem sie wieder einen Geheimagenten verbannt. Das wiederum bedeutet 500 Punkte Schaden.“

Fiona zog und überlegte.

Sie wusste, wenn sie sich nicht von Taras falschen Videobeweisen beschuldigen und einen Akademieverweis riskieren wollte, müsste sie jetzt ein Gegenspiel aufbauen.

Mit ihren beiden Handkarten und dem Glutstacheligel auf ihrer Seite würde sie zwar unmöglich in einem Zug 6000 Lebenspunkte auslöschen können, aber sie kann ihre Position zumindest verbessern und hoffen, dass sie Taras nächsten Zug übersteht.

„Ich beginne mit der Zauberkarte Neuer Tagesanbruch: Sie erlaubt es mir ein Solaritus-Monster aus dem Friedhof wieder auf die Hand zu nehmen und ein anderes Solaritus-Monster aus dem Deck auf den Friedhof zu legen. Damit nehme ich Solaritus Sonnenanbeterin auf die Hand und lege Solaritus Hydrazinthe wieder auf den Friedhof.“

„Dein Ritualmonster bringt dir gar nichts ohne deinen Ritualzauber!“, kommentierte Tara rechthaberisch.

„Keine Bange, daran arbeite ich gerade! Aus meiner Hand spiele ich das Monster Solaritus Krokokus im Angriffsmodus!

Solaritus Krokokus war ein Pflanzenmonster mit gelben Blüten.

Anstelle der für Krokusse üblichen, länglichen Blätter befanden sich fauchende und schmatzende Krokodilschnauzen.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

„Solaritus Krokokus hat den Effekt, dass ich einmal pro Zug meine Hand vorzeigen darf: Wenn sich auf meiner Hand kein Solaritus-Ritualzauber befindet, darf ich ein weiteres Solaritus-Monster vom Deck auf den Friedhof legen und mir einen passenden Ritualzauber aus dem Deck suchen! Meine Wahl fällt auf meine zweite Hydrazinthe und den Ritualzauber Solaritus Wappen!“

Die bisher angespannte Mayla atmete entspannt auf.

Ihre Freundin hatte nun einen Ritualzauber, ein Ritualmonster und mehrere Monster, die sie als Tribut anbieten konnte.

Aber Fiona hatte zunächst etwas anderes vor:

„Ich wechsele in die Battle Phase und greife deinen schwachbrüstigen Doppelagenten mit meinem Glutsstacheligel an!“

Das Igelmonster kugelte sich ein und hüpfte als glühend heiße Stachelkugel auf Taras Geheimagent Doppelspiel, welches zerplatzte.

Taras einziges Monster war besiegt.

„Da dein Feld nun leer ist, nimmt Solaritus Krokokus einen saftigen Happen deiner Lebenspunkte! Direkte Attacke!

Fionas Krokokus versank im Boden und tauchte daraufhin direkt vor Tara auf und biss kräftig zu, wodurch Tara einen unangenehmen Rückstoß erfuhr.

„Auaaa!“

Taras Lebenspunkte: 6000 → 4400.

„Ich habe eins deiner Monster zerstört und außerdem deinen Lebenspunkten geschadet!“, stellte Fiona fest, „damit schuldest du mir zwei weitere Hinweise!“

Tara grummelte und überlegte kurz.

„Was kann ich dir sagen, hmmm.... Ah, der ist gut! Althus hat sich bei der Filmmanipulation nicht viel Mühe gegeben. Deshalb sieht man den Jungen auf einer Aufnahme mit einer Sliferuniform und auf einer späteren Aufnahme mit einer blauen Obeliskuniform! Na, glaubst du jetzt immernoch, dass Althus unschuldig ist!?“

„Absolut!“, erwiderte Fiona.

„Ich weiß nämlich, dass der Täter es nicht nur auf Karten abgesehen hatte, er hat auch unter anderem Schulmaterial wie Uniformen mitgehen lassen! Wahrscheinlich hat er mit den unterschiedlichen Uniformen heimlich die Häuser gewechselt, um schwerer entdeckt zu werden!“

Da war sich Erin aber nicht so sicher.

Wie konnte es eigentlich sein, dass die Akademie, obwohl sie den wahren Täter mehrfach gefilmt hat, es nicht schaffte ihren eigenen Schüler zu identifizieren?

Außerdem sollten doch die Hauslehrer es zumindest bemerken, wenn sie plötzlich einen Schüler zu viel im Haus haben, dem kein Zimmer zugeordnet ist.

Irgendetwas übersah Fiona gerade, aber Erin kam da selbst noch nicht drauf, was es war.

„So, rück jetzt bitte mit Hinweis Nummer drei raus!“, forderte Fiona.

„Wie du magst!“, trällerte Tara fröhlich.

„Ich habe mir einen Tipp zum Jungen ausgedacht, der dir Hohlbirne endlich klarmachen sollte, dass du auf dem Holzweg bist! Die einzigen Aufnahmen des stehlenden Jungen sind nämlich schon über anderthalb Monate alt! Außerdem bin ich mir inzwischen auch recht sicher, dass euer Kumpel da -“, sie zeigte auf Daniel, „überhaupt nicht bestohlen wurde!“

Daniel schreckte bei den Worten zurück.

„Wie? Woher weißt..-? Oh!“

Erin und Fiona sahen ihn nun grimmig an und seine Freundin greif nach seiner Hand.

„Daniel! Bitte sag mir die Wahrheit. Stimmt das, was Tara sagt? Wurde dir die Eisenmähne gar nicht gestohlen?“, fragte Mayla besorgt.

Daniel druckste herum.

„Nun, technisch hat Tara da Recht, aber...-“

„HEY!“, rief Tara Daniel zu und machte dann mit der Hand eine Geste, die die eigenen Lippen wie einen Reißverschluss zuzogen, um Daniel daran zu erinnern, dass Fiona dieses Rätsel selbst lösen musste.

„Entschuldigung, Mädels, das erkläre ich euch nach dem Duell, versprochen.“

Fiona starrte angestrengt und in Gedanken vertieft auf den Boden, bevor sie die Geduld verlor und aufschrie.

„Aaaahhhh! Ich drehe noch durch! Ein Dieb der nicht stiehlt! Das kann doch gar nicht sein! Nichts ergibt hier mehr Sinn!“

„Das liegt daran, dass du dich komplett in eine Lüge verrannt hast! Warum glaubst du mir nicht einfach, dass Althus das Modell des Jungen künstlich eingefügt hat?“

Die zornige Fiona konterte:

„Ich habe da eine bessere Idee! Ich prügele einfach einen vierten Hinweis aus dir heraus!“

Triumphierend hielt Fiona ihrer Gegnerin den Ritualzauber entgegen.

Ich aktiviere jetzt noch während der Battle Phase den Ritualzauber Solaritus Wappen! Das ist mir erlaubt, weil mein Wappen wie ein Schnellzauber gespielt werden darf! Ich beschwöre das Stufe 7 Monster Solaritus Sonnenanbeterin und biete dafür Krokokus und Glutstacheligel der Stufe 3 und von meiner Hand den Glückskäfer mit Stufe 1 als Tribut!

Die drei aufgezählten Monster verwandelten sich in Feuerbälle und kreisten umeinander, bis sie ineinander kollidierten und eine Säule aus Feuer bildeten.

Die Solaritus Sonnenanbeterin, ein mannsgroßer Mantide mit glühenden Fangbeinen stampfte aus dem Inferno hervor.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

„Leider darf ich wegen Wappens zweitem Effekt bis zum Ende des Zuges keine zusätzliche Spezialbeschwörung mehr durchführen, aber meine Sonnenanbeterin kommt mit dir bestimmt auch alleine zurecht!“

Taras Gesichtsausdruck nach zu urteilen, lag Fiona mit der Vermutung ganz richtig.

„Wenn du mein Monster jetzt schon für mächtig hältst, hab ich schlechte Neuigkeiten: Wie Sonnenatlas auch erhält Sonnenanbeterin ganze 200 Punkte pro Solaritus-Monster auf meinem Friedhof. Bei inzwischen sechs Monstern macht das einen Kraftschub von 1200 Punkten!

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 3400Atk.

Fionas Monster ragte nun bis zur Zimmerdecke.

„Der besondere Effekt von Glückskäfer aktiviert sich! Da ich Solaritus Glückskäfer als Tribut für die Beschwörung eines Solaritus-Ritualmonsters genutzt habe, darf ich eine Karte ziehen und, wenn es eine Zauber- oder Fallenkarte war, die gezogene Karte vorzeigen und nochmal ziehen!“

Fiona schluckte, hoffte und zog.

Mit siegessicherem Grinsen präsentierte Fiona den gezogenen Zauber.

„Super! Das macht dann noch eine Karte!“

Fiona zog und setzte ihren Spielzug fort:

„Ich aktiviere den soeben gezogenen Schnellzauber: Ominöser Zeit-Orkan! Diese Karte ist leicht erklärt, sie zerstört nämlich eine beliebige Zauber- oder Fallenkarte! Dein Gangster landet jetzt hinter Gittern!“

Aus Fionas Hand heraus bildete sich ein Wirbelsturm, der den Skrupellosen Gangster davon blies und die permanente Falle zerstörte.

„Ich setze eine Karte verdeckt und greife zum Schluss nochmal mit Solaritus Sonnenanbeterin an: Angriff mit der Schmelzsichel!“

Das gigantische Insekt stürmte nun auf Tara zu und versetzte ihr einen gewaltigen Hieb, der sie von ihren Füßen riss.

„AAAAAAAH!“

Taras Lebenspunkte: 4400 → 1000.

„Tja, jetzt haben wir beide 1000 Lebenspunkte! Allerdings ist deine Hand und dein Feld im Gegensatz zu meinem komplett leer! Also gib mir schnell den nächsten Tipp, bevor ich dich im nächsten Zug komplett plattmache!“

Eine ärgerliche Tara richtete sich wieder auf und schlug sich demonstrativ Staub von der gelben Uniform.

„Gut, mein nächster Hinweis: Der Junge von der Aufnahme ist noch nicht an der Duellakademie eingeschrieben.“

„Wie bitte?“, rief Mayla.

Erin dachte mit aller Kraft nach.

Sie wusste, dass etwas nicht gestimmt hat.

Zumindest war das nun eine Erklärung dafür, warum man den Dieb nicht wiedererkannt hat.

Aber wo könnte er wohnen, wenn nicht in einer Unterkunft? Vielleicht irgendwo im Kellergeschoss, oder einem anderen Bereich, zu dem Schüler keinen Eintritt haben?

Erin schaute zu Fiona und dann zu Mayla, die sich gerade ebenfalls den Kopf zerbrach und zu Daniel, der mehr wusste, als er gerade zugeben konnte.

So kamen sie jedenfalls nicht weiter.

„Erin, was wissen wir eigentlich über den Dieb? Ich meine nicht nur Taras Hinweise, sondern insgesamt?“, fragte Mayla sie leise.

„Insgesamt?“

Das war eine gute Frage.

Erin begann alles, was sie zu diesem Fall wusste, innerlich aufzuzählen.

Der Dieb ist ein Junge.

Der Dieb ist Kevins Halbbruder.

Der Dieb ist seit Beginn des Schuljahres aktiv.

Der Dieb ist nicht an der Akademie eingeschrieben.

Aber das war nicht alles, es gab neben den harten Fakten, noch Schlüsse, die zumindest sehr wahrscheinlich waren.

Der Dieb war bereits ein erfahrener Dieb, sonst hätte er unmöglich so lange unentdeckt bleiben können.

Es liegt zudem nahe, dass er Unterstützung durch Kevin bekam: Die rote Uniform auf der ersten Aufnahme stammte wahrscheinlich von ihm und Kevin hat den Dieb wahrscheinlich auch über die Kameras aufgeklärt, weshalb es nur schon relativ alte Aufnahmen gab.

Wenn der Dieb nicht eingeschrieben war, dann war es denkbar, dass er während der Probeduelle zur Akademieinsel gereist war.

Das war die perfekte Möglichkeit, sich unter eine anonyme Masse von Bewerbern zu mischen und Schrainmann selbst hatte Erin gegenüber bei ihrem ersten Treffen erwähnt, dass es unmöglich war, eine Übersicht über alle potentiellen Schüler zu bekommen.

Der Dieb hatte sich eine blaue Uniform gestohlen, obwohl er bereits eine rote hatte, ein Hinweis darauf, dass er selbst gerne zu den Obelisken gehören würde, oder zumindest dass er Stärke ausstrahlen will.

Der Dieb hatte Daniel nicht bestohlen, sondern ihn auf eine andere Art dazu gezwungen, ihm Alpha die Eisenmähne zu geben.

Womöglich durch ein Duell, oder indem er ihn auf eine andere Art und Weise bedrohte.

Und...warum eigentlich gerade diese Karte? Alpha die Eisenmähne war zwar nicht schlecht, aber bei Weitem nichts Besonderes, mit ihrem Effekt und Fusionsmaterialien war sie lediglich in Decks mit sehr vielen Ungeheuer-Monstern nützlich...

Moment.

„Erin, geht es dir nicht gut?“

Erin hatte nach „Insgesamt?“ Mayla nicht mehr geantwortet, sondern nur gedankenversunken in die Leere gestarrt.

„Ich habs, Mayla.“

„Du meinst...-“

„Ja, ich weiß, wer der Dieb ist.“

Sie legte die Hand an die Stirn und lachte kurz.

„Es war so offensichtlich, dass ich mir im Nachhinein doch etwas dämlich dafür vorkomme, es nicht früher gemerkt zu haben.“

Tara schaltete sich ein:„Behalte den Namen vom „Dieb“ schön für dich! Den soll deine Freundin schön selbst herausfinden, bedingt, dass sie dieses Duell überhaupt gewinnen sollte!“

„Ganz schön selbstbewusst für jemanden ohne Karten auf der Hand, dem Feld und nur noch 1000 Lebenspunkten! Ich wüsste nicht, wie ich NICHT gewinnen sollte!“, rief Fiona Tara zu, während sie mit ihren Locken spielte.

Erin sah Fiona kritisch an.

Ob sie das Rätsel wohl auch schon gelöst hatte?

Sie schien zumindest nicht mehr allzu stark darüber nachzudenken.

„Es hat doch Spaß gemacht und für ein Slifermädchen duellierst du dich gar nicht mal so übel! Fast schon ein Jammer, dass dies dein letztes Duell hier sein wird!“

Tara zog und grinste beim Anblick ihrer Karte siegessicher.

„Aus meiner Hand spiele ich dieses geniale Monster: Geheimagent-Attrappe!

Ein eisernes Mannequin im Anzug erschien vor Tara.

Geheimagent-Attrappe: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

Daniel grummelte, er wusste, dass Monster mit 0 Punkten nichts Gutes zu verheißen haben, erst

recht, wenn sie von einem fähigen Duellanten gespielt werden.

„Meine Attrappe bleibt nicht lange auf dem Feld, denn wenn ich sie opfere, darf ich ein Geheimagent-Fusionsmonster rufen, indem ich Fusionsmaterialien von meiner Hand, meiner Feldseite oder verbannte Monster auf den Friedhof sende!“

Die Attrappe explodierte mit einem kleinen Knall und ließ dabei einen Fusionsstrudel zurück.

„Telefon-Wanze und Geheimagent-Lockvogel! Kehrt auf den Friedhof zurück und vereinigt euch!“

Die Hologramme der gerufenen Monster leuchteten kurz auf und verschmelzten im Strudel, der schließlich selbst verschwand und Taras neuestes Monster zurück ließ.

„Hehe! Darf ich vorstellen: Geheimagent-Werkzeug!“

Vor Tara stand ein gewöhnlich aussehender, schwarzer Koffer.

Geheimagent-Werkzeug: Stufe 5, 100Atk, 2000Def.

„Was willst du mit dem Ding erreichen? Mit 100 Angriffspunkten kommt dein Gepäckstück nicht weit! Oder willst du wieder Effektschaden anrichten?“

„Nein, direkten Schaden zufügen kann Geheimagent-Werkzeug ehrlich nicht, aber sein Effekt ist trotzdem echt bombig, pass mal auf: Ich verbanne Geheimagent-Lockvogel sofort wieder und darf dann ein Monster meiner Wahl zerstören! Los, Werkzeug! Angriff mit der finalen Friedensverhandlung!“

Der Koffer klappte sich um 180 Grad auf und offenbarte einen metallischen Kasten mit einer kreisförmigen Öffnung.

Der Kasten surrte und die Öffnung wandelte sich zu einem immer länger werdenden Kanonenrohr, welches nun im inneren hell aufzuleuchten begann.

„Uuuuuuuuund Feuer!“, rief Tara, während sie sich mit beiden Zeigefingern die Ohren zuhielt.

Das transformierte Werkzeug feuerte einen donnernden Schuss auf Fionas Monster ab.

„Das war vorherzusehen! Ich aktiviere meine verdeckte Karte, den Schnellzauber Entritualisierung! Damit kehrt das von mir gewählte Ritualmonster auf mein Blatt zurück und ich darf die als Tribut gebotenen Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen! Dein Schuss geht voll in den Ofen!“

Fionas Monster begann sich aufzulösen, wodurch der abgefeuerte Schuss durch die Sonnenanbeterin durch ins Nichts verschwand, als Tara energisch einschritt:

„Du hast wohl den besonderen Friedhofseffekt von Telefon-Wanze vergessen! Da ich neben der Wanze noch mindestens ein Geheimagent-Monster im Friedhof habe, darf ich sie verbannen, um deine Zauber und Fallenkarten zu annullieren!

Fionas aufgedeckte Karte zerplatzte augenblicklich.

„Nein...“

Die Entritualisierung wird zerstört, genauso wie dein Ritualmonster! Werkzeug! Erneute Attacke mit finaler Friedensverhandlung!“

Werkzeug feuerte erneut auf Solaritus Sonnenanbeterin und landete diesmal einen Volltreffer.

Die resultierende Explosion, zwang Fiona und die Zuschauerschaft sich hinter ihre Arme zu ducken.

„Du hast keine Karten mehr, die dich vor einem direkten Angriff schützen könnten! Ich beschwöre mit seinem eigenen Effekt Geheimagent-Doppelspiel aus dem Friedhof, indem ich Geheimagent-Attrappe verbanne und greife dann sofort an!“

Geheimagent-Doppelspiel: Stufe 3, 1000Atk, 200Def.

Der Mann im schwarz-weißen Outfit mit den unterschiedlich gefärbten Pistolen erschien mit einem hämischen Grinsen und feuerte zweimal auf Fiona.

Fiona steckte die beiden Schüsse stumm ein und ließ sich gerade zu Boden fallen.

Fionas Lebenspunkte: 1000 → 0.

„Wie konnte ich...verlieren? Nach all meiner Arbeit...“

Sie kauerte auf allen Vieren vor der Ra-Schülerin, von der sie gerade besiegt worden war.

Ich will nicht gehen... Ich gebe doch immer mein Bestes! Was...soll ich denn noch tun?“

Sie begann zu schluchzen.

Mayla eilte zu ihr, hockte sich neben sie und legte ihren Arm um ihre Schulter.

„Wir sind für dich da, Fiona! Mach dir keine Sorgen! Erin hat schon den wahren Täter herausgefunden, Tara hat also selbst mit gefälschtem Beweismaterial nichts gegen dich in der Hand!“

Fiona drehte sich um.

„Erin? Stimmt das? Weißt du, wer die Karten gestohlen hat?“, fragte sie mit noch zittriger Stimme.

„Ja, ich bin mir zu 100% Prozent sicher.“

„Erin, hä? Vielleicht sollte ich dein Modell auch auf eine der Aufnahmen schneiden!“

„Jetzt hör schon auf!“, rief Mayla sauer.

„Ich verstehe ja, dass du wütend auf Fiona bist, aber das gibt dir nicht das Recht sie und Erin so fies anzuschwärzen!“

Tara schnaubte verächtlich.

„Ach ja? Du willst mir erklären, was meine Rechte sind? Ich wollte euch ehrlich nur helfen und als Dankeschön machen sich deine Freundinnen über mich und meine Arbeit lustig! Was ist mit meiner Wut? Warum darf ich nicht traurig sein, hä!?“

Es herrschte nun eine betretene Stille in Taras Zimmer.

„Du und Mayla habt recht. Ich hätte dich nicht anschreien und zum Weinen bringen dürfen, bloß weil ich dir nicht geglaubt habe“, sagte Fiona ruhig, noch immer auf dem Zimmerboden hockend.

Tara seufzte und verschränkte trotzig die Arme vor ihrer Brust.

„Guuuuut, wenn es dir ehrlich Leid tut, gebe ich dir noch eine Chance, Großmaul! Wenn du mir JETZT den Namen gibst, werde ich euch zwei nicht der Diebstähle beschuldigen.“

„Öhmm...“

„Na, Der Junge auf den Kameraaufnahmen!“, sie blickte ernst auf Fiona herab, „wie lautet sein Name?“
 

____________
 


 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def, Typ Pflanze, Attribut Feuer, Effekt:

Einmal pro Zug: Du kannst deinem Gegner die Karten auf deiner Hand vorzeigen. Falls sich keine Ritualzauberkarte auf deiner Hand befindet, kannst du eine „Solartitus“-Ritualzauberkarte aus deinem Deck deiner Hand zufügen und ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen.
 

Geheimagent – Kundschafter: Stufe 3, 1200Atk, 500Def, Typ Krieger, Attribut Finsternis, Effekt:

Du kannst diese Karte abwerfen, um zwei Karten zu ziehen. Lege danach ein "Geheimagent"-Monster von deiner Hand auf den Friedhof. Wenn du keine "Geheimagent"-Monster auf deiner Hand hast, lege deine gesamte Hand auf den Friedhof.
 

Geheimagent – Doppelspiel: Stufe 3, 1000 Atk, 200Def, Typ Krieger, Attribut Finsternis, Effekt:

Wenn diese Karte im Friedhof liegt, kannst du ein anderes "Geheimagent"-Monster von deinem Friedhof aus dem Spiel entfernen, um diese Karte als Spezialbeschwörung zu beschwören. Der Effekt von "Geheimagent - Doppelspiel" kann nur einmal pro Zug aktiviert werden.
 

Geheimagent – Lockvogel: Stufe 2, 0Atk, 0Def, Typ Maschine, Attribut Finsternis, Effekt:

Wenn sich in deinem GY nur Finsternis-Monster befinden, kannst du diese Karte abwerfen, um den Effekt einer Zauber-/Fallen- oder Effektmonster-Karte deines Gegners zu annullieren.
 

Telefon-Wanze: Stufe 1, 0Atk, 100Def, Typ Maschine, Attribut Finsternis, Effekt / Flip:

Deine Monster werden in diesem Zug nicht durch Kampf zerstört, führe die Schadensberechnung normal durch. Solange du mindestens ein "Geheimagent"-Monster in deinem Friedhof hast: Du kannst diese Karte aus dem Friedhof verbannen, um die Aktivierung einer Zauber- oder Fallenkarte deines Gegners zu annullieren.
 

Geheimagent – Scharfschütze: Stufe 4, 1700 Atk, 0Def, Typ Krieger, Attribut Finsternis, Effekt:

Wenn dein Gegner durch einen Karteneffekt LP erhält, kannst du diese Karte abwerfen. Annulliere den Effekt, zerstöre die dazugehörige Karte und füge deinem Gegner stattdessen die LP als Schaden zu.
 

Geheimagent – Attrappe: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Maschine, Attribut Finsternis, Effekt:

Du kannst diese offene Karte als Tribut anbieten: Wähle ein "Geheimagent"-Fusions-Monster und lege das darauf aufgeführte Material von deiner Hand, deinem Feld oder von deinen verbannten Karten auf den Friedhof und beschwöre das Fusions-Monster als Fusionsbeschwörung.
 

Geheimagent – Werkzeug: Stufe 5, 100Atk, 2000Def, Typ Maschine, Attribut Finsternis, Fusion / Effekt:

"Telefon-Wanze" + 1 "Geheimagent"-Monster.

(1) Entferne ein "Geheimagent"-Monster vom GY aus dem Spiel; zerstöre 1 Monsterkarte auf dem Feld. (2) Lege ein "Geheimagent"-Monster von deiner Hand auf den Friedhof; zerstöre 1 Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld. Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Zug nutzen.
 

Zauberkarten:
 

Solaritus Wappen: Ritualzauber:

Diese Karte kann verwendet werden, um ein beliebiges „Solaritus“-Ritualmonster als Ritualbeschwörung zu beschwören. Du musst zusätzlich offene Monster von deiner Hand oder deiner Spielfeldseite als Tribut anbieten, die gemeinsam die gleiche oder höhere Stufe als das Ritualmonster haben, das du als Ritualbeschwörung beschwörst. Du kannst diese Karte wie einen Schnellzauber aktivieren. Bis zum Ende des Zuges: Du kannst keine weiteren Monster als Spezialbeschwörung beschwören.
 

Ominöser Zeit-Orkan: Schnellzauber:

Zerstöre eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld.
 

Entritualisierung: Schnellzauber:

Wähle ein Ritualmonster auf dem Feld und füge es der Hand seines Besitzers zu. Der Spieler, der das Ritualmonster kontrolliert hat, darf die für die Ritualbeschwörung als Tribut gebotenen Monster aus dem Friedhof als Spezialbeschwörung beschwören.
 

Wichtige Information: Normal:

Entferne ein "Geheimagent"-Monster von deinem Friedhof aus dem Spiel, dann ziehe eine Karte und schaue dir die Hand deines Gegners an.
 

Gütiger Informant: Normal:

Dein Gegner nennt eine Karte: Wenn du eine Karte mit diesem Namen auf deiner Hand hast, musst du alle Karten mit diesem Namen auf deiner Hand, deinem Feld und deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn nicht, erhöhe deine LP um 2000 Punkte. Danach wiederholt ihr diesen Effekt noch einmal für den Gegner.
 

Schalldämpfer: Ausrüstungszauber:

Verringere die Atk des ausgerüsteten Monsters um 800.

Das ausgerüstete Monster erhält folgenden Effekt:

Überspringe deine Battle Phase: Zerstöre ein Monster, das dein Gegner kontrolliert.
 


 

Fallenkarten:
 

Ritueller Schutzzirkel: Konterfalle:

Wenn ein Ritualmonster, das du kontrollierst als Ziel für einen gegnerischen Karteneffekt gewählt wird: Annulliere und zerstöre diese Karte und füge deiner Hand eine Ritualzauberkarte von deinem Friedhof zu.
 

Skrupelloser Gangster: Permanente Fallenkarte:

Jedes Mal, wenn ein "Geheimagent"-Monster aus dem Spiel entfernt wird, füge deinem Gegner 500 Schaden zu. Es kann nur eine "Skrupeloser Gangster" gleichzeitig offen auf dem Feld liegen.

Jagdspiel

Mit grimmigen Blick und eiligen Schritten lief der kräftige Junge aus dem Eingangstor des Akademiehauptgebäudes hinaus.

„Erin... Diese verdammte Erin.“

Er begann vor Wut zu schnauben und seine Gedanken drehten sich gerade ausschließlich um das soeben verlorene Probeduell.

„Ich hatte mein Probeduell schon so gut wie gewonnen, ich hatte diese jämmerliche Heulboje dominiert! Was fällt diesem blonden Stück Scheiße ein sich einzumischen? Ich werde sie dafür noch bluten lassen!“

„Hey! Bleib sofort stehen!“

Kevin eilte Barry hinterher und sprach ihn außer Atem an.

„Kannst du... kannst du mir verraten, wo du ohne Aufnahmeschreiben hin willst? Du Trottel wirst jetzt sofort wieder zum Stadion zurückgehen!“

„Einen Dreck werde ich! Ich fahre mit der nächsten Fähre zurück! Meinst du ich habe Lust, wie ein minderwertiger Versager gelb oder rot zu tragen? Ich bin stärker als du oder alle anderen! Ich gehöre zu den Obelisken oder zu gar keinen!“, blaffte Barry Kevin an, ohne anzuhalten oder ihn auch nur anzusehen.

„Du und dein verdammter Stolz! Vergiss nicht, dass ICH bei Hecker ein gutes Wort für dich eingelegt habe, damit.... Puh....damit DU überhaupt eine Einladung bekommen hast! Du wirst dich also brav aufnehmen lassen und kooperieren!“

„Eure dämliche Organisation kann mich mal! Ich habe nie um Hilfe gebeten!“

Kevin konnte nicht mehr weiterlaufen, körperliche Betätigung war noch nie seine Stärke.

Er hechelte und stützte sich erschöpft auf seinem Oberschenkel ab, während Barry ihn ignorierte und weiterlief.

„Womit hab ich so einen sturköpfigen Idioten als Bruder verdient?“, dachte er sich.

„JETZT BLEIB ENDLICH STEHEN, VERFLUCHT NOCH MAL!“

Mit seinem Gebrüll hat Kevin diesmal Wirkung erzielt, Barry blieb sofort stehen und schaute ihn genervt an.

„Was willst du noch?!“

Kevin ging auf ihn zu und dachte dabei angestrengt nach.

Er hatte Barrys Aufmerksamkeit, jetzt galt es zu improvisieren.

„Gut, du hast dich tierisch blöde beim Probeduell angestellt und bist nicht wie geplant ins Haus Obelisk Blue gekommen. Das macht nichts, ich habe genug Hirnschmalz für uns beide! Also beruhige dich und hör mir jetzt zu!“

Das war schlecht formuliert.

Barry packte Kevin am Kragen, hob ihn an und holte mit der anderen Hand zum Schlag aus.

„Beleidige mich noch EINMAL, Sliferabschaum! Komm, versuchs!“, forderte Barry den hilflos auf den Zehenspitzen stehenden Kevin heraus.

„Tut mir Leid, tut mir Leid, du hast natürlich mehr Respekt verdient! Bitte lass mich wieder runter!“, wimmerte Kevin.

Barry tat wie geheißen und Kevin rieb sich die Kehle, an die Barrys Knöchel gedrückt hatten.

„Als Ra oder Slifer werden dich die Obelisken wirklich nicht ernst nehmen und die wirst Maxim nicht dabei helfen können, weitere Obelisken von unserer Sache zu überzeugen. Na und? Kein Problem! Du hast ganz andere Talente. Komm mit mir und ich erkläre dir alles.“

Der zornige Gesichtsausdruck wandelte sich zum gefährlichen Grinsen.

„Du hörst wohl MIR nicht zu! Ich habe keine Lust auf euch! Wenn ich im nächsten Jahr wieder zum Probeduell hierher komme, dann treib ich das nötige Geld einfach selbst auf! Ich brauche euch nicht! Warum sollte ich mich dann für euch zum Handlanger machen lassen, hä?“

Kevin hatte genug von der Diskussion.

Stumm hielt er Barry, der sich gerade schon wieder halb umgedreht hatte, sein Handy entgegen.

Barry riss die Augen weit auf und beugte sich vor, um das Bild besser erkennen zu können.

Es war ein Bild einer Monsterkarte, die Barry noch nie gesehen hatte.

„Agrios Oreios?! Das ist doch unmöglich! Das ist doch...-“

„Der Name des Gefallenen Gottes der Erde, exakt“, beendete Kevin ernst den Satz, „jetzt hör auf zu schreien, bevor dich noch jemand hört.“

Nun ging Kevin voran, in die entgegengesetzte Richtung, weg vom Anlegeplatz und am Hauptgebäude vorbei, in der Erwartung, dass Barry ihm folgte.

„Hey, Bohnenstange! Lass mich nicht so stehen! Was war diese Karte!? Ist die echt!? Wo gehen wir überhaupt hin!?“

Kevin ging stur weiter.

„Solange du so rumbrüllst, werde ich dir gar nichts sagen. Folge mir einfach und halt den Mund.“

Barry hätte Kevin am liebsten jetzt eine verpasst, aber sein Halbbruder hatte ihn erfolgreich neugierig gemacht, also zwang er sich dazu, sich zu beruhigen.

Stumm lief er wenige Schritte hinter ihm her.

Schnell verließen die beiden den eigentlichen Trampelpfad und begaben sich in das dichte, hinter dem Akademiegebäude liegende Waldgebiet, welches recht bald zu einem hohen Zaun führte.

Kevin suchte eine Weile nach einem ihm bekannten Loch an der etwa zweieinhalb Meter hohen Abzäunung, die die Schüler daran hindern sollte, sich im folgenden Waldabschnitt zu verirren.

Als sie es fanden, zwängten sich Kevin und auch der etwas breitere Barry hindurch.

Der Marsch der zwei ging noch eine Weile weiter.

Immer mal wieder, sehr zu Barrys stillem Unmut, blieb Kevin kurz stehen, um sich umzusehen, als wisse er selbst nicht genau, wo es langginge.

Schließlich näherten sie sich einer Holzhütte.

„Angekommen!“, rief Kevin erleichtert aus.

Er stieß die schlosslose Tür der alten Hütte auf.

Es war ein großer Raum, mit einem Schrank, einem Tisch und zwei Stühlen, sowie einem schmutzigen, grauen Teppich als einzige Einrichtung.

„Also hier hast du die Götterkarte versteckt, ja? Zeig her! Ich will wissen, ob sie echt ist!“

Kevin seufzte.

„Die Karte ist echt, wir sind uns mehr als sicher. Ihre Macht hätte eine unserer besten Mitstreiterinnen beinahe umgebracht.“, führte Kevin in Ruhe aus, nachdem er sich nach dem langen Weg gesetzt hatte, „Aber ich bin nicht dumm, Barry, ich weiß, dass ich die Götterkarte sofort abschreiben könnte, wenn ich sie dir vor die Nase halten würde. Davon abgesehen befindet sie sich nicht einmal auf dieser Insel...noch nicht.“

„Und warum zum Teufel hast du mich dann hier in die Pampa geführt!?“

„Ganz einfach: Diese Hütte wird bis zu den Probeduellen im nächsten Jahr dein Zuhause sein.“

„Verarsch mich nicht! In dieser Trümmerbude verbringe ich keine Sekunde! Gibts hier überhaupt fließend Wasser?“

„Nein, gibt es nicht. Genauso wenig wie Elektrizität, Heizung, Internet und Handyempfang. Bevor die Duellakademie gebaut wurde, war dies eine namenlose Insel, die sich in Privatbesitz von irgendeinem Superreichen befand. Deshalb hat hier auch keiner wirklich gelebt, sondern bestenfalls mal wenige Tage gecampt, bevor es wieder nach Helgoland oder St.Peter-Ording ging.“, Kevin grinste, „Das ist zumindest die offizielle Fassung. Heutzutage weiß allerdings kaum noch jemand von der Hütte, also ist dies ein optimales Versteck für dich... Hey, ruhig bleiben! Was hast du vor!?“

Barry hatte inzwischen gänzlich die Geduld verloren und Kevins Geschichtslektion hatte nicht gerade zu seiner Beruhigung beigetragen.

Er ging gewaltbereit auf Kevin zu, trat mit Wucht gegen das Bein des Stuhls, auf dem Kevin saß, sodass dieser herunterfiel und fixierte Kevin dann mit der Hand an seiner Kehle am Boden.

„Du bist ein RICHTIG schlaues Bürschchen, weißt du das? Fängst mich ab, wenn ich eh schon angefressen bin, führst mich unter falschem Vorwand zu einem Ort, wo dich keine Zeugen vor mir beschützen könnten und meinst mir befehlen zu können EIN JAHR LANG in dieser verschissenen Hütte zu verbringen!?“

„Kein falscher Vorwand! Kein falscher Vorwand! Agrios Oreios ist echt! Und die Konstanzer Kinder werden ihn dir bestimmt überlassen, wenn du ihnen deine Loyalität beweist!“, krächzte Kevin eilig.

„Loyalität, hm?“, Barrys war nun neugierig und lockerte seinen Würgegriff ein wenig, „Selbst wenn ich für euch arbeite, warum sollte deine Organisation mir, einem Außenseiter, eure mächtigste Geheimwaffe überlassen?“

Kevin holte eilig einige Male tief Luft, bevor er zu erklären begann:

„Wir sind schon seit einiger Zeit auf der Suche nach den drei ägyptischen Götterkarten und offen gesagt, für jemanden mit Heckers Mitteln ist die Jagd auf die Götter auch durchaus aussichtsreich, denn die Existenz der ägyptischen Götterkarten ist gut dokumentiert. Auf der Suche ereigneten sich allerdings zwei riesige Zufälle, mit denen keiner rechnen konnte: Erstens entdeckten wir die Karte Agrios Oreios, einen der vier Gefallenen Götter, der selbst als Karte nicht existieren dürfte, weil sich bekanntlich die Gefallenen Götter selbst für die Menschen geopfert haben. Der zweite Zufall war, dass der Gefallene Gott der Erde enorme Forderungen an jeden Duellanten hat, der versucht seine Macht unbeschadet für sich zu nutzen. Das gilt sowohl für das restliche Deck, als auch für die... „Persönlichkeit“. Kurzgesagt: Du bist der Einzige von uns mit dem Potential diese Karte einzusetzen.“

„Buahahahaha! Stimmt, ich bin schon ein echt dufte Typ, was!?“, grölte Barry und riss Kevin zu schnell an seinem Arm hoch, sodass dieser ungesund knackte.

„Alles klar, Bohnenstange, wie darf ich euch behilflich sein?“

Kevin rieb sich die nun schmerzende Schulter.

„Tu, was du am Besten kannst: Stehlen, Bedrohen und Rauben. Erleichtere die Schülerschaft um so viele Karten wie möglich, um sie so zu schwächen. Unsere Feinde werden insbesondere die Obelisk Blues im zurzeit ersten und zweiten Jahr sein, also ignoriere die Schüler im dritten Jahrgang. Alle Karten, die zu deinem Deck passen, darfst du behalten, den Rest gibst du mir und ich bewahre sie sicher bis zum Tag des Angriffs für unsere Mitstreiter auf. Ansonsten hältst du dich in diesem Haus einfach bedeckt, damit man dir nicht auf die Schliche kommt. Siehe es als Investition in die Zukunft.“

Barry setzte sich auf den noch stehenden Stuhl und lehnte sich entspannt zurück.

„Klingt doch nach ner Menge Spaß für mich, von der beschissenen Behausung mal abgesehen. Sag deinem Chef, dass er sich auf mich verlassen kann!“

„Freut mich zu hören“, entgegnete Kevin mit einem verschmitztem Lächeln.

Kevin begab sich zur Tür der alten Holzhütte, bevor er Barry versehentlich ein drittes Mal verärgern konnte.

„Ich komme nachher wieder, mit ein paar Kanistern Wasser, Decken, Kleidung und einer Liste unserer heimlichen Verbündeten, von denen du bitte die Finger lässt. Den Rest musst du dir selbst organisieren. Ich verlasse mich auf dich.“

„Einen Moment noch!“, brüllte Barry und Kevin drehte sich angespannt um.

Barry sah seinen Halbbruder mit einem ernsten Blick an:

„Nur für den Fall, dass du mir gerade irgendwelche Ammenmärchen aufgetischt hast, um mich umsonst für dich und deinen kleinen Abenteuerklub schuften zu lassen, oder du mir, nachdem ich nächstes Jahr aufgenommen wurde, immer noch nicht die Götterkarte übergeben hast:“, er riss die braunen Augen weit auf und verformte die Lippen zu einem grotesken Grinsen, „Es würde mir wirklich das Herz brechen, ein weiteres Familienmitglied zu verlieren!“
 

„Sein Name ist Barry... Mercant?“, antwortete Fiona, während sie sich wieder aufrichtete.

„Ich weiß nicht, ob er genauso mit Nachnamen heißt, aber er hatte in den Probeduellen ein Duell mit Mayla abgebrochen und gegen Erin verloren und ist schließlich einfach gegangen. Nach allem, was ich über ihn weiß, kommt nur er in Frage.“

„Meh! Der volle Name wäre Barry Geliovia gewesen, aber das lasse ich mal gelten“, sprach Tara mit einem Schulterzucken.

„Ah! Es ist wirklich Barry?“, fragte Mayla überrascht und verunsichert.

Sie hatte erst eine einzige Begegnung mit ihm gehabt und die war alles andere als angenehm.

Erin nickte: „Ja, er ist auf jeden Fall der Dieb! Das erklärt auch, warum er erstmal als verschollen galt: Er hat die Insel nicht verlassen und muss wohl aus irgendeinem Grund vergessen haben, seine Eltern zu kontaktieren.“

Mayla sprach nun Daniel an.

„Hat dir Barry deine Karte weggenommen? Hat er dich bedroht?“

Beschämt blickte Daniel zur Seite.

„Ich habe keine Ahnung, obs dieser Barry war. Ich fand vor drei Tagen einen Zettel in meinem Rucksack. Darauf stand, dass ich, wenn alle gestohlenen Sachen zurückhaben wolle, ich mich mit ihm um 22 Uhr im Blumengarten der Akademie zu einem Duell treffen sollte. Deshalb bin ich an dem Abend mit Ahmad und Carlos zusammen losgegangen. Dort sind wir drei auf den Dieb gestoßen. Er hat uns natürlich nicht seinen Namen genannt und hatte sich mit einer Sturmmaske getarnt. Aber er hat zu seinem geschriebenen Wort gestanden und mir ein Duell mit Wetteinsatz angeboten: Sein gesamtes Diebesgut gegen eine einzige Karte von mir. Wir dachten, ich könnte gewinnen, aber...-“

„Halt die Klappe!“, rief Fiona sauer, „Das kann doch nicht dein verfluchter Ernst sein? Nachdem Leroy dich und deine dämlichen Freunde mit der selben Masche um eure Karten gebracht hat, habt ihr nichts Besseres im Sinn, als euch wieder nachts rauszuschleichen und den gleichen Fehler zu wiederholen? Wie dumm kann man eigentlich sein!?“

„Fiona, hör bitte auf! Es reicht!“, forderte Mayla, um ihren Freund in Schutz zu nehmen, der sich schon schlecht genug fühlte.

„Nein, MIR REICHTS, Mayla! Wir drei haben uns versprochen für die Prüfungen unser Bestes zu geben. Aber anstatt zu lernen, helfen wir Daniel auch noch, weil er uns im Glauben ließ, tatsächlich bestohlen worden zu sein. ICH habe eben riskiert von der Akademie zu fliegen, weil dein lausiger Typ keine Eier in der Hose hat und nicht zu seinen Fehlern stehen kann!“

Daniel hatte nichts zu seiner Verteidigung zu sagen und guckte stumm auf den Boden.

Fiona stöhnte und sprach dann in einem ruhigeren aber noch immer bitteren Ton weiter:

„Macht von mir aus, was ihr wollt. Ich habe hier genug Zeit verschwendet. Wenn ihr mich suchen solltet, ich bin auf unserem Zimmer, um mich vorzubereiten.“

Sie drängte sich an Daniel und ihren Freundinnen vorbei und verließ Taras Raum ohne sich zu verabschieden.

Mayla sah nun Erin traurig an.

„Du...hilfst uns doch noch, oder?“

Erin musste sich das wohl überlegen.

Sie konnte Fionas Wut gut nachvollziehen, Daniel hätte den dreien von Anfang an die Wahrheit sagen sollen.

Daniel nahm Erin die Entscheidung ab:

„Fiona hat den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Natürlich wollte ich nichts sagen. Es ist peinlich, wie ich mich so blöde selbst überschätzt habe. Aber ich habe andererseits auch nie um eure Hilfe gebeten. Deswegen sollten wir es einfach gut sein lassen und uns auf die Prüfungen konzentrieren. Ich kann mich auch gut ohne Alpha duellieren.“

„Es geht hier aber nicht nur um dich, Daniel! Du bist nicht Barrys einzige Opfer und solange wir nicht eingreifen, wird er auch nicht aufhören. Ich könnte wetten, dass er Mayla oder mich auch schon ins Visier genommen hat. Er wartet lediglich auf den richtigen Augenblick.“

„Öhm...also, wenn ihr nichts mehr von mir wollt, dann....könntet ihr bitte gehen? Oder wollt ihr noch die Kameraaufnahmen von Barry?“, fragte Tara vorsichtig nach.

Mayla lächelte sie freundlich an und verbeugte sich.

„Entschuldigung, dass du uns beim Streiten zusehen musstest. Die Aufnahmen brauchen wir glaube ich wirklich nicht. Aber es wäre sehr lieb von dir, wenn du uns helfen könntest, ihn zu finden.

„Hmmm, was weiß ich, wenn du mich fragst, seit ihr eh dem Falschen auf der Spur.“

Während Erin die Augen verdrehte, versuchte es Mayla wieder mit ein wenig Schauspielerei:

„Ah, da habe ich eine tolle Idee: Sag uns doch einfach, wo Barry ist, wir können dann seine Unschuld feststellen. Danach kommen wir zu dir zurück, entschuldigen uns vielmals und kümmern uns dann um Herrn Althus.“

Der Gedanke daran, dass die Truppe reuevoll zu ihr zurückkommt und sich dafür entschuldigt, ihr nicht von Anfang an geglaubt zu haben, gefiel Tara sichtlich gut.

„Gut, im Grunde gibt es nur ein einziges mögliches Versteck außerhalb der Akademie, wartet ein Sekündchen“, trällerte sie fröhlich und suchte nach dem passenden USB-Stick.

Erin betete innerlich, dass sie ihnen nicht gleich etwas von einem unsichtbaren Hausboot oder einem geheimen unterirdischen Militärbunker erzählen würde.

Sie blickte zu Daniel rüber.

„Sag mal, der Dieb hat ein Ungeheuer-Deck mit vielen Bärenmonstern gespielt, richtig?“

Er bestätigte Erins Vermutung mit einem vorsichtigen Nicken.

Sie hatte keine großen Zweifel mehr daran gehabt, dass es Barry war, aber es schadete nicht auf Nummer Sicher zu gehen.

„Ah, ich glaube, da hab ich auf Anhieb den richtigen erwischt! Schaut her!“

Auf dem Bildschirm sah man schematische Skizzen von den verschiedenen Anlagen der Akademieinsel.

Erin fand das mal ganz interessant einen Überblick über die Duellakademie zu gewinnen, auch wenn sie sich inzwischen auch so schon gut zurechtfand.

In der Mitte lag das große Hauptgebäude mit dem integrierten Stadion, darunter, zwischen Hauptgebäude und dem Anlegeplatz waren etwa im Halbkreis die drei Unterkünfte aufgeteilt.

Ganz links war die kleinste davon, das musste die Slifer-Unterkunft sein.

Rechts daneben der Sliferplatz, zwischendurch der gerade Pfad von Hauptgebäude zum Anlegeplatz, dann die Ra-Unterkunft, der Ra-Platz und schließlich die den Obelisk-Platz abgrenzende, Obelisk-Unterkunft, die etwa doppelt so groß wie die der Slifer war.

Jede Unterkunft hatte auch einen direkten Pfad zum Hauptgebäude.

Über dem Obelisk-Platz und oben rechts vom Akademiegebäude war der Blumengarten zu erkennen und auf der gegenüberliegenden Seite, über der Slifer-Unterkunft war der Sportplatz und die Sporthalle, denn der Stundenplan der Schülerinnen und Schüler sah zweimal die Woche auch körperliche Ertüchtigung vor.

Tara zeichnete aber einen weiten roten Kreis sehr viel weiter oben ,über dem Akademiegebäude und mitten in den tiefen Teilen des Waldes ein, den niemand betreten durfte.

„Hier in etwa müsste eine kleine Hütte sein, kann mir aber nicht vorstellen, wie in der jemand vier Monate verbringt. Um dorthin zu gelangen, müsst ihr allerdings über die Absperrung.“

Das sollte kein Problem sein, Erin war sich ziemlich sicher, eine Leiter im Abstellraum der Unterkunft gesehen zu haben, die eigentlich eh nie um diese Jahreszeit genutzt wird.

Wenn man schon ein verbotenes Areal betritt, dann kann man sich bei der Gelegenheit wohl auch gleich ungefragt Schulmaterial ausleihen.

„Sehr genau ist das aber nicht“, bemängelte Daniel, „lasst uns lieber morgen nach dem Unterricht nach der Hütte suchen.“

Dafür fehlte Erin die Geduld, sie wollte morgen wieder zusammen mit Fiona weiterlernen, ganz davon abgesehen, dass ab morgen für mehrere Tage kräftige Schauer angesagt wurden.

„Zwingt dich ja niemand mitzukommen. Mayla, wir kommen auch alleine zurecht, oder?“, sagte sie salopp und mit bösem Unterton, um Daniel wissen zu lassen, dass sie noch etwas sauer auf ihn war.

„Schon gut, sorry....“

„Mayla war auch nicht gerade begeistert von der Idee den verbotenen Waldabschnitt im Dunkeln abzusuchen, gab aber bei Erins Enthusiasmus ohne Widerworte nach.

Mayla ließ sich die Abbildung mit Taras Einkreisung auf das Handy laden und die drei verabschiedeten sich freundlich von ihr.
 

Zurück an der Sliferunterkunft schaute Erin kurz im Zimmer nach Fiona.

Wie erwartet las sie in einem Schulbuch, diesmal saß sie allerdings mit Stift und Zetteln am Schreibtisch, um eifrig ihre Notizen zu überarbeiten.

Neben dem Schreibtisch häufte sich ein Berg aus zerknülltem Papier.

„Wir haben uns von Tara den groben Ort von Barrys Versteck geben lassen. Ich werde mir noch heute Abend alles von ihm zurückholen. Sicher, dass du nicht mitkommen magst? Ich hätte dich nämlich gern an meiner Seite.“

Sie sah Erin kurz traurig an und widmete sich dann wieder ihrer Arbeit.

„Sehr sicher, ja...“

„ist es...wegen deiner Niederlage eben?“

Sie nickte, ohne Erin anzusehen.

„Ich glaube, du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Tara wirkte nicht mehr sonderlich sauer, sonst hätte sie uns ja auch nicht...-“

„Darum geht es mir doch gar nicht, Erin. Es ist...Tja...Mayla ist unfassbar stark. Sie besiegt zuerst Leroy, der einen höheren Score als wir alle hat und Maddox, einen ehemaligen Landesmeister und du...“, Fiona lachte verlegen, „du bist einfach verrückt. Hey! Ich bin Erin, ich suche mir einfach einen anderen Gegner im Probeduell! Ich lege mich mit Obelisken und sogar Kronprinzen an! Ich werde jetzt den Dieb stellen, der seit Monaten die Akademie terrorisiert! Und selbst wenn du damit mal nicht durchkommst, dann lässt du dich nicht unterkriegen und machst einfach weiter. Mit euch beiden kann ich nicht mithalten.“

„Fiona...“

Sie schaute stur auf den Schreibtisch und sprach monoton weiter.

„Ich konnte nicht gegen Tara gewinnen und ich kann auch nicht einfach so tun, als ob mich die Niederlage nicht kümmern würde. Ich weiß, dass dieser Schmerz irgendwie zum Duellieren dazugehört, aber... ich kann ihn nicht ertragen und das macht mir Angst, Erin. Ich habe Angst, das ihr zu Ras aufsteigt und mich alleine zurück lasst.“

Erin kniete sich runter und nahm Fiona von der Seite in die Arme.

„Wir sind für einander da und wir würden dich niemals alleine lassen“, flüsterte Erin sanft.

Fiona erwiderte die Umarmung.

Das war genau das, was sie gerade gebraucht hatte.

Erin löste sich nach einer Weile wieder.

„Ich bin mir außerdem komplett sicher, dass du den Aufstieg schaffst. Das Duellieren ist doch nicht alles. In der schriftlichen Prüfung haust du alle vom Hocker, garantiert.“

Sie lächelte Erin an und nickte.

„Ist es okay, wenn ich trotzdem noch etwas weiterlerne? Bin gerade bei unserer vorletzten Fusionslehre-Stunde angekommen und würde gerne heute noch mit dem Fach fertig werden.“

„Mach ruhig. Den blöden Barry mache ich locker im Alleingang platt!“, prahlte Erin und grinste.

„Danke! Hab viel Erfolg und oh!“

„Oh!?“

„Als ich aus Taras Zimmer raus bin, bin ich auf dem Flur der Ehring über den Weg gelaufen. Die war so mies drauf wie immer und hat gleich nachgefragt, was ich bei den Ras zu suchen hätte und ob ich nicht für die Prüfung lernen müsse. Wäre wahrscheinlich klüger gewesen, sie anzulügen, aber sie hat mich überrumpelt und ich war mit dem Kopf noch halb im Duell, also hab ich ihr einfach gesagt, dass wir nach dem Kartendieb suchen. Deshalb solltet ihr besonders aufpassen, nicht von ihr erwischt zu werden, okay?“

„Hatte nicht vor erwischt zu werden, wir passen auf.“

Erin verabschiedete sich.

Auf dem Flur traf sie sich wieder mit Mayla und Daniel, die bereits mit Leiter unter den Armen auf sie warteten.

Die drei waren bereit und machten sich sofort auf den Weg zur Absperrung.

Da die Leiter alles andere als leicht war und das Metall bei den niedrigen Außentemperaturen schnell abkühlte und so an den Händen schmerzte, waren mehrere Trägerwechsel und kleine Zwischenstopps nötig, was den an sich eher kurzen Trip erheblich verlängerte.

So atmeten die drei Freunde erleichtert auf, als sie angekommen waren.

Erin kletterte als Erste über die Absperrung und sprang vorsichtig ins Geäst, das ihren Fall etwas abfederte.

Nach einigen guten Zusprüchen und Erins Versprechen, sie aufzufangen, konnte sich auch Mayla trotz ihrer Höhenangst fallen lassen.

So lag es schließlich an Daniel, der nun auf der Absperrung hockte, die Leiter irgendwie auf die andere Seite zu bringen, was weder sonderlich einfach noch ungefährlich war.

Er lehnte sich, die Leitersprosse fest in der Hand, mit vollem Gewichtseinsatz zurück, wodurch er nicht nur selbst unsanft auf der anderen Seite landete, sondern er auch beinahe von der fallenden Leiter erwischt worden wäre.

„Oh nein! Hast du dich verletzt?“, fragte eine besorgte Mayla.

Er kontrollierte Hände und Knie auf Abschürfungen.

„Ich glaube, ich bin okay. Danke der Nachfrage. Auf dem Rückweg versuche ich dann etwas vorsichtiger zu sein.“

Er war froh zumindest vorerst das blöde Ding nicht mehr herumschleppen zu müssen.

Mayla öffnete die Abbildung, die sie von Tara bekommen hatte und zeigte mit dem Finger durch die Luft:

„Also, die Sporthalle war da hinten, das Akademiegebäude ist auf der Seite, das heißt wir müssen in etwa....da lang! Denke ich....?“

Erin kicherte etwas.

„Du genießt mein vollstes Vertrauen, bring uns auf den rechten Pfad, oh weise Mayla!“

So ging Mayla mit dem Blick auf dem Handy voran.

Daniel beleuchtete den Boden, sodass sie nicht versehentlich über etwas stolperten und Erin leuchtete auf Augenhöhe und verhinderte so einige Male, dass einer der anderen beiden im Dunkeln gegen einen Baum lief.

Mit dieser Aufgabenteilung kamen die drei gut voran und erreichten überraschend schnell ihr Ziel.

Die Holzhütte, in der sich Barry versteckt halten sollte, stand jetzt vor ihnen.

Mayla verstaute ihr Handy und klopfte an.

„Verzeihung? Ist da jemand?“

Daniel fasste sich verlegen in den Nacken.

„Ähm, Mayla...ich glaube nicht, dass dir ein gesuchter Krimineller freiwillig antworten wird...“

Sie wurde rot und schämte sich für ihre kleine Dummheit.

Erin hatte inzwischen bemerkt, dass die Tür kein Schloss hatte und stand nun neben Mayla.

„Lass mich mal!“, sagte sie und trat dann mit viel Kraft gegen die Tür, die weit aufschwang.

Barry saß am Tisch und sah die drei ungebetenen Gäste angestrengt an. Vor ihm war eine Dose mit einem herausragenden Löffelstiel, beleuchtet von einer auf dem Tisch liegenden, schwach flimmernden Taschenlampe.

Offenbar hatten sie ihn beim Essen gestört.

Der Rest des Raumes war komplett finster.

„Wer seid ihr denn? Seht zu, dass ihr Land gewinnt!“

Er schnappte sich die Taschenlampe und hielt sie Erin, Mayla und Daniel entgegen.

„Ah! Blondie, die Heulboje und der Welpe! Endlich ein paar bekannte Gesichter! Willkommen, in meinem sehr bescheidenem Heim!“, rief er sarkastisch aus, als er sie wiedererkannte.

„Lass die Sprüche. Wir wissen, dass du hinter der Diebstahlserie an der Akademie steckst und dass du dir von Kevin dabei helfen lässt! Du wirst uns alles zurückgeben, was du gestohlen hast“, forderte Erin ernst.

„Werde ich das, ja!? Das wäre mir fucking neu!“, entgegnete er sarkastisch, „Wenn du schon so gut informiert bist, dann solltest du dir eigentlich denken können, dass fast alle Karten inzwischen bei ihm sind! Davon abgesehen, seid ihr Nulpen wohl nicht in der Position mir groß irgendwelche Forderungen zu stellen.“

Es war allen klar, worauf er anspielte, sie hatten sich in verbotenes Areal geschlichen und konnten deshalb unmöglich dem Lehrpersonal von ihm oder der Hütte berichten, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten.

„Das mit dem „Diebstahl“ ist übrigens auch nicht ganz korrekt. Hat dir der Welpe nicht erzählt, wie er in Wirklichkeit seine Karte verloren hat? Ich habe seit Monaten keine einzige Karte mehr mitgehen lassen!“

Mayla stockte.

Hieß das, dass er sich jede Karte so erkämpft hatte, wie er es bei Daniel getan hatte?

Barry lachte.

„Tja, es stellt sich heraus, dass niemand gerne anderen von seinen Niederlagen erzählt, insbesondere wenn sie ein verbotenes Duell während der Nachtruhe verlieren! Wer hätte das gedacht!?“, höhnte er und lachte weiter.

„Ich habe ihnen die Wahrheit gesagt, Barry!", entgegnete Daniel, "Aber auch wenn du keine Karten mehr klaust, werden wir dich aufhalten!“

Erin pflichtete Daniel mit einem Nicken bei und aktivierte dann ihre Dueldisk.

„Ich habe dich schon einmal besiegt, Barry und ich werde es wieder tun! Danach werden Kevin und du diese Insel nie wieder sehen!“

„Buhahaha! Mutig, Blondie, wirklich!“, er stand nun auf und lehnte sich mit verschränkten Armen an den Tisch, „Hab gehört, dass du in deinen Aufeinandertreffen mit Obelisken eher wenig Erfolg hattest. ICH habe in der Zwischenzeit Schüler ALLER Häuser duelliert und bin bis heute unbesiegt!“

Er lachte und sprach ruhig weiter:

„Alleine in dieser Bruchbude zu leben, ohne Internet, Telefonempfang oder Fernseher, ohne dass einen ständig irgendwelche Nichtsnutze irgendeine belanglose Scheiße erzählen, alleine, nur mit den eigenen Gedanken, Woche für Woche, das...macht was mit einen, oh ja. Ich begann über dich nachzudenken, Erin, über meine Niederlage gegen dich und darüber, was mir damals gefehlt hat. Doch schon bald hat ich sie verstanden, die große Wahrheit hinter dem Duellieren, nein, hinter eigentlich so ziemlich jeder Form von Wettstreit: Wenn zwei Menschen gegeneinander kämpfen, dann... -“

„Bist du endlich fertig!? Hör auf mir pseudophilosophischen Schwachsinn auftischen zu wollen und duelliere dich einfach! Oder hast du Angst!?“

Barry schien nicht sonderlich wütend zu sein, so harsch unterbrochen worden zu sein, er lächelte Erin stattdessen mild an.

„Süße Blondie, glaube mir, NICHTS würde mich derartig befriedigen, als dir Leid zuzufügen und dich vor deinen lausigen Sliferfreunden zu erniedrigen, glaube mir. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass du ziemlich mächtige Freunde hast, die ich nicht verärgern will.“

„Mächtige Freunde?“, fragte Erin.

„Vielleicht meint er Leroy, oder irgendeinen Lehrer?“, vermutete Mayla.

„Hä!? Ich habe MÄCHTIGE Freunde gesagt! Meint ihr, ich lasse mir von einem eurer Akademieaffen Befehle erteilen!? Wie auch immer, unser kleines Rematch muss ausfallen, immerhin“, er lachte hysterisch, „stehen wir auf der gleichen Seite!“

„Auf der gleichen Seite!? Ich würde mich niemals mit einem Ekel wie dir verbünden!“

Daniel redete auf Erin ein: „Beruhige dich, der Typ ist doch völlig von der Rolle! Lass dich nicht von ihm provozieren.“

Da hatte Daniel einen Punkt.

Wenn Barry wirklich, wie er angedeutet hatte, die ganzen vier Monate alleine und isoliert hier verbracht hat, ohne großen Kontakt zu anderen Menschen außer vielleicht zu Kevin, dann war er wahrscheinlich wirklich durchgedreht.

Erin war sich sicher, dass wenn sie über den Zeitraum nur noch mit Kevin geredet hätte, sie sich schon längst von der nächstgelegenen Klippe gestürzt hätte.

„Ey, Welpe!“, sprach Barry Daniel unfreundlich an, „also, wenn du keine Lust hast, nochmal von mir zusammengefaltet zu werden, dann solltet ihr euch am Besten verziehen, bevor eure Abwesenheit noch jemanden im Sliferhaus auffällt, nur als Tipp unter Freunden!“

Daniel biss sich auf die Lippen, denn bei Barrys Worten kamen Erinnerungen an sein jüngstes Duell gegen ihn hoch.

Er hatte vor drei Tagen keine Chance gehabt und da war noch sein Ass-Monster in seinem Besitz.

Mayla wagte nun einen schritt vor und aktivierte ihre Disk.

„Ich werde mich mit dir duellieren! Wenn ich gewinne, musst du mit Kevin zusammen allen ihre Sachen zurückgeben und dich bei jedem, den du bestohlen hast, entschuldigen!“

Barry tat nun einige Schritte vor und stand nun unmittelbar vor ihrer Nase.

Mayla ging ihm gerade bis zur Brust.

Abfällig blickte er auf sie hinab.

„Tss, ich dachte, du wolltest nur deiner Freundin, die sich immerhin ETWAS duellieren kann zusehen? Ich verschwende mit jämmerlichen, rumflennenden Schwächlingen nicht meine Zeit. Hau ab, Kleine!“

„Mayla ist überhaupt nicht schwach!“, protestierte Daniel.

„Genau, sie hat schon so einige Profis ordentlich alt aussehen lassen! Sie nimmt es auf jeden Fall mit dir auf!“, pflichtete Erin bei.

Barry drehte sich desinteressiert wieder um und sagte, während er zu seinem Platz zurückkehrte: „Doch sie ist schwach, ich habe ein Auge für Stärke. Wenn ihr wahre Freunde wärt, dann würdet ihr der Heulboje raten, so schnell wie möglich die Duellakademie zu verlassen und ihre Zeit sinnvoller zu nutzen. Wer weiß, so wie sie ausschaut, hat sie sicher ein Talent fürs Börek backen, oder Selbstmordattentate, oder so.“

Fassungslos und wütend über die letzten Worte ballte Daniel die Hände zu Fäusten.

„Alter!“

Erin deaktivierte ihre Dueldisk und schüttelte verständnislos den Kopf.

Rassismus, wie sympathisch!

Sie hätte nicht gedacht, dass Barry in ihrer Gunst noch weiter fallen könnte, aber er hatte es tatsächlich geschafft.

Mayla hingegen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Duelliere dich mit mir, wenn du noch einen letzten Funken Ehre besitzt.“

Barry sah sie, halb über die Schulter blickend, abschätzig an.

„Bist du dir sicher, dass du das durchziehen willst? Dich erwartet nichts als Verzweiflung und Trauer.“

„Absolut. Mit meinen Freunden an der Seite kann ich nicht verlieren.“

„Du armes, dummes Mädchen...“

Er leuchtete mit der Taschenlampe auf den zweiten Stuhl, auf der sich die Dueldisk befand und schnallte sie sich um, danach verließ er die Hütte.

Barry und Mayla standen sich nun draußen in der Finsternis gegenüber, bereit für das Duell.

Nur das Licht des Halbmondes sorgte dafür, dass man gerade soeben alles erkennen konnte.

Mayla hatte mit Barry noch eine Rechnung offen, die sie jetzt um jeden Preis begleichen wird.

„Ich habe dich herausgefordert, also fang an!“, forderte sie ihren Gegner auf.

Barry zog und grinste: „Das Jagdspiel kann beginnen! Als Erstes musst du dich einem besonders blutrünstigem Monster stellen! Brutaler Grizzly im Angriffsmodus!“

Barrys Bärenmonster brüllte bei der Beschwörung.

Brutaler Grizzly: Stufe 4, 1800Atk, 1000Def

„Da ich nun ein Monster vom Typ Ungeheuer kontrolliere, darf ich den Effekt von meinem Kamikaze-Kaninchen aktivieren: Indem ich es von der Hand abwerfe, darf ich eine weitere Karte ziehen!“

Barry legte das besagte Monster auf den Friedhof, zog eine weitere Karte und überlegte kurz.

„Ich spiele zwei verdeckte Karten und Ende!“

Kein besonders explosiver erster Zug, aber das war für Mayla keine Überraschung.

Sie hatte bereits gegen Barrys Deck duelliert und wusste, dass es einen starken Fokus auf die Battle Phase hatte, die im ersten Zug allerdings nicht durchgeführt werden durfte.

Sie zog.

„Mein erstes Monster ist Wassertänzer Disko-Delfin, ebenfalls im Angriffsmodus!“

Der Delfin im silbern schimmernden Paillettenhemd verbeugte sich.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def

Mein netter Delfin bekommt zusätzliche Punkte, denn ich aktiviere den Spielfeldzauber Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett!

Augenblicklich bedeckte der karoförmig gemusterte, gelb-grüne Sand mit den vereinzelten Korallen, Seesternen und Algen das eigentliche, aus matschiger Erde und totem Laub bestehende, Spielfeld.

„Wird mein Spielfeldzauber aktiviert, darf ich den Typ eines meiner Wassertänzer-Monster in einen beliebigen anderen Typen verändern. Ich will, dass mein Delfin zum Aqua-Monster wird!“

Maylas Disko-Delfin färbte sich in ein Meeresblau und verlor seine scharfen Konturen, sodass es ein wenig wie eine Spiegelung auf einer Wasseroberfläche wirkte.

„Wie angekündigt, ist das aber nicht der einzige Effekt vom Tanzparkett, nein, er gibt meinen Wassertänzern zusätzliche 400 Angriffs- und 600 Verteidigungspunkte!“

Wassertänzer Disko-Delfin: 1800Atk → 2200Atk.

„Disko-Delfin hat jetzt mehr Angriffspunkte als dein Monster! Doch bevor ich angreife, nutze ich den Effekt von Merengue-Muschel aus meiner Hand: Da ich ein Aqua-Monster kontrolliere, rufe sie als Spezialbeschwörung!

Die wild klappernde Muschel erschien.

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 400Atk, 1500Def.

„Der zweite Effekt von Merengue-Muschel erlaubt es mir eine beliebige Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zu zerstören, wenn ich sie wieder auf die Hand nehme. Ich wähle deine rechte verdeckte Karte!“

Mayla zeigte auf die Karte, die ihr Monster zerstören sollte und die Merengue-Muschel feuerte sofort ein Wasserstrahl ab, bevor sie wieder auf Maylas Hand verschwand.

„Bevor deine Muschel die verdeckte Karte zerstört, decke ich sie auf! Hier kommt die Falle Zusatzbeschwörung! Sie erlaubt es mir sofort eine Normalbeschwörung durchzuführen! Deshalb rufe ich aus der Hand die zweite Bestie! Hier kommt das Monster Des-Weiß!“

Neben dem Brutalen Grizzly erschien ein Polarbär mit blutverschmierter Schnauze und anscheinend sehr schlechter Laune.

Des-Weiß: Stufe 4, 1600Atk, 1100Def.

„Buahaha! Eigentlich wollte ich mir meine Zusatzbeschwörung für später aufheben, aber dich sofort mit zwei meiner Spitzenkämpfer unter Druck zu setzen, ist auch nicht schlecht, finde ich!“

„Du machst mir keine Angst, Barry! Ich nutze jetzt erst einmal den dritten Effekt von meinem Spielfeldzauber: Einmal pro Zug, wenn ich ein Wassertänzer-Monster vom Feld auf die Hand nehme, darf ich dank Tanzparkett eine Karte ziehen!“

Sie zog und überlegte.

„Mein Disko-Delfin hat mehr Angriffspunkte als deine Monster! Ich greife deinen Brutalen Grizzly mit der Desasterdrehung an!“

Maylas Wassertänzer schwamm fix auf Barrys erstes Bärenmonster zu.

„Von einem schwächlichen Slifer lass ich mich nicht vorführen! Ich decke die Fallenkarte Einschüchterndes Gebrüll auf!“

Barrys zwei Bären stießen ein ohrenbetäubendes, röhrendes Fauchen und Brüllen aus, dass Mayla, die Zuschauerschaft und sogar das Delfinhologram dazu zwang, sich die Ohren zu zu halten.

„Dein Angriff geht ins Leere! Denn Einschüchterndes Gerbüll verhindert den Angriff eines gegnerischen Monsters und setzt dann dessen Angriffspunkte auf 0!“

Wassertänzer Disko-Delfin: 2200Atk → 0Atk.

„So ein Mist, Mayla hätte schon in ihrem ersten Zug Barry Schaden zufügen können!“, fluchte Daniel.“

„Das schafft sie noch. Dieser Idiot kann sich nicht für immer hinter seinen Fallenkarten verstecken.“

Erins Antwort an Daniel klang sehr sicher und bestimmt, aber eigentlich hatte sie ihre Bedenken.

Barrys Duellfähigkeiten hatten sich seit dem Probeduell sehr stark verbessert und er hatte sicherlich einige der gestohlenen und erkämpften Karten genutzt, um sein Deck noch weiter zu verstärken.

Mayla beendete nun ihren Zug:

„Ich spiele ebenfalls zwei verdeckte Karten. Du bist dran!“

Doch Barry schien sich nicht richtig zu konzentrieren, er kicherte und prustete schließlich laut los.

„Hör auf so blöde rumzugackern! Wenn Mayla dich besiegt, vergeht dir das Lachen!“, schimpfte Erin.

„Buahaha! Sie und gewinnen!? Ganz sicher nicht! Ihr duelliert euch alle so unfassbar minderwertig, dass es schon urkomisch ist! Insbesondere wenn man bedenkt, dass der mit Abstand beste Duellant unter uns Vieren als einziger noch NICHT die Duellakademie besucht! Buahaha!“

Mayla schaute ihn böse an.

„Was ist eigentlich dein Langzeitplan? Du glaubst doch nicht, dass du dich jemals an der Akademie einschreiben kannst? Es gibt Kameraaufnahmen von deinen Vergehen, also selbst dann, wenn du es durch die nächste Aufnahmeprüfung schaffen solltest, wird man dich sofort von der Akademie verweisen!“

„Das mit den Kameraaufnahmen ist mir durchaus bewusst und glaub mir, der verdammten Bohnenstange habe ich für den verspäteten Hinweis auf das Überwachungssystem ordentlich die Hölle heiß gemacht! Wie auch immer, du schätzt Schrainmann etwas falsch ein. Alles, was für den Alten zählt ist, wie mächtig man ist und wie viel man gewinnt! Man wird mir also wohl eher den Arsch küssen, als mich abzulehnen!“

„Das stimmt nicht!“, widersprach Mayla energisch, „Der Direktor ist ein edler und gütiger Mensch! Er hat es mir mit einem Stipendium ermöglicht hier zu lernen und ich weiß, dass er sich auch für viele andere Waisenkinder genauso einsetzt!“

„Buahahaha! Buahahahahaha!“

Barry krümmte sich vor Lachen.

„Das ist nicht witzig!“

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich Barry wieder soweit beruhigt hatte, dass er wieder reden konnte.

„Oh, du arme, ahnungslose Göre, ganz im Gegenteil! Du weißt noch gar nicht WIE WITZIG das ist!“

Mayla presste die Lippen aufeinander und ermahnte sich innerlich dazu, Barrys Irrsinn kein Gehör zu schenken.

„Mach einfach weiter, bitte“, forderte sie und Barry tat wie gebeten.

„Ich spiele mein Ungeheuer Nummer drei! Hier kommt Avatar des Jagdinstinkts im Angriffsmodus!

Ein Wesen aus transparenter, blauer Energie in Form eines fauchenden Panthers bildete sich neben Barrys restlichen Monstern.

Avatar des Jagdinstinkts: Stufe 3, 0Atk, 1300Def

Wenn ich den Avatar des Jagdinstinkts als Normalbeschwörung rufe, darf ich meinem Blatt ein weiteres Ungeheuer-Monster hinzufügen! Ich weiß auch schon ganz genau, mit welcher Karte ich dich zerfleischen will!“

Barry zeigte seiner Gegnerin die aus dem Deck gesuchte Karte entgegen.

„Mein Totenkopf-Kodiak ist schon ganz wild darauf deine Bekanntschaft zu machen!“, drohte er und lachte.

„Aber zuerst erhält mein Avatar dank seines zweiten Effekts 500 Angriffspunkte für jedes Ungeheuer, das ich kontrolliere, hinzu!

Avatar des Jagdinstinkts: 0Atk → 1500Atk.

Barry hatte jetzt genug Angriffspunkte auf dem Feld, um Maylas Lebenspunkte komplett auszulöschen.

Daniel und Erin hofften beide, dass Maylas verdeckte Karten sie vor Barrys Raubtieren beschützen konnten.

Barry grinste breit und lachte, er schien dieses Duell sehr zu genießen.

„Heute steht Delfin auf der Speisekarte! Des-Weiß! Beiße kräftig zu!

Der Eisbär sprintete auf Maylas Monster zu und fletschte seine Zähne.

„Das verhindere ich! Ich decke meinen Schnellzauber Wassertänzer-Shuffle auf! Mit der Karte kann ich meinen geschwächten Disko Delfin mit einem anderen Wassertänzer aus meiner Hand austauschen! Ich rufe im Verteidigungsmodus: Wassertänzer Robot-Rochen!

Maylas Rochen begrüßte alle Beteiligten mit seinem abgehakt-maschinellen Tanz.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2400Atk, 2800Def.

„Super! An den 2800 Verteidigungspunkten deines Rochens kann Barry lange knabbern!“, bemerkte Erin und eine erleichterte Mayla nickte ihr zurück.

Barry grummelte und befahl dem Tödlichen Weiß den Angriff abzubrechen.

„Der zweite Effekt von Wassertänzer-Shuffle erlaubt es mir den Typ eines meiner Wassertänzer-Monster zu verändern! Daher wird mein Rochen jetzt zu einem Monster vom Typ Donner! Außerdem habe ich mit Disko-Delfin ein Wassertänzer-Monster meiner Hand zugefügt und darf dank meinem Spielfeldzauber eine weitere Karte ziehen!“

Malyla zog, während ihr Rochen sich gelb färbte und Blitze auf seinen flügelartigen Flossen hin und her sprangen.

„Pah! Wie jämmerlich, sich hinter hohen Verteidigungspunkten zu verstecken! Das beweist, was für ein verachtenswerter Schwächling du doch bist!“

Mayla ließ Barrys Beleidigung unkommentiert.

„Im nächsten Zug gibt es kein Entkommen mehr für dich! Ich spiele noch eine Karte verdeckt! Und da mein Avatar des Jagdinstinkts ein Spirit-Monster ist, muss ich ihn in meiner End-Phase wieder auf die Hand nehmen!“

Der leuchtende Panther verschwand und Mayla war am Zug.

Erin erinnerte sich, sie hatten Spirit-Monster als letztes Thema in „Sekundäre Monstertypen“ durchgenommen. Fast alle Spirit-Monster waren extrem seltene Karten, mit teils übermächtigen Effekten, die dadurch ausbalanciert wurden, dass man die Monster nicht spezialbeschwören konnte und dass sie am Ende jedes Zuges auf die Hand zurück gezwungen wurden.

Der Avatar war definitiv eine Karte, die Barry gestohlen und erkämpft haben musste, wahrscheinlich von einem reichen Obelisken.

Mayla spielte ihre nächsten Karten aus:

„Da mein Rochen vom Typ Donner ist, darf ich Disko-Delfin als Spezialbeschwörung rufen! Willkommen zurück, mein Freund!“

Der Delfin schnatterte glücklich.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 2200Atk, 2100Def.

„Meine beiden Monster sind stärker als deine! Ich muss nur noch deine verdeckte Karte entschärfen! Deshalb rufe ich als Normalbeschwörung Merengue-Muschel und aktiviere sofort ihren Effekt!

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 400Atk, 1500Def.

Die soeben erschienene Muschel spuckte einen gefährlichen Wasserspritzer auf Barrys verdeckte Karte aus und zog sich gleich wieder auf Maylas Hand zurück.

Barrys Karte zerplatzte.

„Damit bist du Vollversagerin mir voll in die Falle gelaufen! Denkst du wirklich, ich hätte deine Muschel wieder vergessen!? Jetzt spürst du die Wut meiner Tektonischen Transformation!“

Das Hologramm der eigentlich zerstörten Fallenkarte leuchtete auf.

„Normalerweise ist Tektonische Transformation eine Fallenkarte, die ich aktivieren kann, wenn ich mindestens ein Erde-Attribut Monster kontrolliere, um einen Spielfeldzauber direkt aus dem Deck auszuspielen! Wenn mein Gegner aber dumm genug ist sie zu zerstören, dann darf ich neben ihren eigentlichen Effekt zusätzlich eine Karte für jedes meiner Monster mit dem Erde-Attribut ziehen und mein Spielfeldzauber ist bis zum Ende des Zuges unzerstörbar! Buahaha!“

Das bisherige Sandmuster verschwand und wurde durch ein neues erdbraunes Spielfeld mit vereinzelten Grasbüscheln, umgekippten Bäumen und Tierknochen, an denen noch einzelne Fleischreste hingen, ersetzt.

„Darf ich vorstellen!? Du befindest dich jetzt auf Darwins Schlachtfeld!“, begann Barry hämisch zu erklären, während er sich für seinen Brutalen Grizzly eine zusätzliche Karte von seinem Deck nahm, „Auf diesem Spielfeldzauber gilt das Gesetz des Stärkeren! Hier können sich Insekten, Geflügelte Ungeheuer und natürlich Ungeheuer so richtig austoben und erhalten zusätzliche 600 Angriffspunkte!“

Brutaler Grizzly: 1800Atk → 2400Atk.

Des-Weiß: 1600Atk → 2200Atk.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2400Atk → 2000Atk.

Wassertänzer Disko-Delfin: 2200Atk → 1800Atk.

Daniel beobachtete das Duell missmutig.

Mit dem neuen Spielfeldzauber hatten Barrys Monster wieder du Oberhand gewonnen. Nicht nur wurden seine Monster verstärkt, sondern ohne das Meeresboden-Tanzparkett verloren auch Maylas Monster an Kraft.

„Es kommt noch besser!“, rief Barry, „Darwins Schlachtfeld zwingt alle Monster dauerhaft in den Angriffsmodus, außerdem müssen auch alle Monster in jedem Zug angreifen! Aber die Sache hat auch sein Gutes, denn wenn immer ein Monster ein anderes Monster im Kampf zerstört und dabei Kampfschaden anrichtet, erhält derjenige, der das stärkere Monster kontrolliert, Lebenspunkte in Höhe des Kampfschadens dazu!“, Barry gackerte, „Tja, in diesem Fall ist das aber eher gut für mich!“

Maylas Rochen stöhnte und wehrte sich dagegen, wurde aber letztlich von Barrys neuem Spielfeldzauber in den Angriffsmodus gezwungen.

Daniel stieß Erin an.

„Wegen Darwins Schlachtfeld muss doch Mayla jetzt Barrys stärkere Monster angreifen, oder?“, fragte er missmutig.

Erin schüttelte den Kopf: „Nein, das kann sie glücklicherweise mit ihren Monstereffekten verhindern.“

Mayla, die ihr Deck gut beherrschte, war das selbstverständlich ebenfalls bewusst.

„Ich aktiviere jetzt den Zauber Wassertänzer-Tanzpartnersuche. Ich decke von meinem Deck Karten auf, bis ich ein Wassertänzer-Monster aufdecke und füge dieses meiner Hand hinzu!“

Sie führte den Effekt ihrer Karte durch und zeigte schließlich Tango-Tintenfisch vor.

„Zudem verändere ich jetzt den Typen eines Wassertänzers. Mein Delfin wird zum Pflanzenmonster!

Der grau-blaue Körper des Delfins wurde zu einem hölzernen Braun und auf den Flossen wuchsen kleine Ästchen mit saftigem grünem Laub.

„Ich kontrolliere eine Pflanze, darum darf ich Tango-Tintenfisch aus der Hand spezialbeschwören.“

Der gelbe Tintenfisch in roter Weste winkte seiner Besitzerin zum Gruße zu.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

„Um nicht angreifen zu müssen, nutze ich den Effekt von Disko-Delfin: Ich nehme ihn auf die Hand zurück und darf dadurch dein Des-Weiß ebenfalls auf die Hand zwingen.“

Maylas baumartiges Monster schwamm auf den feindlichen Eisbären zu und stieß ihn spielerisch mit der Schnauze auf Barrys Hand zurück, bevor es selbst verschwand.

Mayla war noch nicht fertig.

„Als Nächstes ist mein Robot-Rochen dran: Auch ihn nehme ich auf die Hand, um seinen besonderen Effekt zu aktivieren und deinen Brutalen Grizzly zu zerstören!“

Wie aufgetragen führte der elektrische Rochen einen mechanischen Tanz auf, der in einer schnellen Druckwelle resultierte.

Die Druckwelle zerschmetterte das Hologramm des Brutalen Grizzlys und der Rochen zog sich auf Maylas Hand zurück.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch war nun das letzte Monster auf dem Feld.

„Los Tango-Tintenfisch! Direkter Angriff mit Tentakeltumult!, befahl Mayla mit einer kommandierenden Handbewegung.

Der Tintenfisch schwamm durch die Luft auf Barry zu und versetzte ihm mehrere flinke Schläge.

Der Junge wankte einige Schritte zurück und krümmte sich.

„Hnggg!“

Barrys Lebenspunkte: 4000 → 2600.

Er richtete sich wieder gerade auf und starrte Mayla mit einem intensiven, bohrenden Blick an.

Mayla schaute erst ernst und nach einem kurzen Augenblick unsicher und verwundert zurück, als Barry plötzlich begann wieder loszulachen.

„Buahaha! Unfassbar! Du bist so ein bedauernswerter Schwächling, das es schon zum Kotzen ist! Buahaha!“

Daniel fasste sich bei dieser Reaktion verwundert an den Kopf.

„Der Drecksack hat jetzt wohl völlig den Verstand verloren? Was lacht der denn?“

Auch Erin meldete sich zu Wort: „Wie kannst du weiter so ein eingebildetes Zeug reden, nachdem Mayla dein Feld geleert und dir einen direkten Angriff verpasst hat!?“

Barry beruhigte sich und antwortete ihr , ohne seinen Blick von Mayla abzuwenden.

„Du verstehst gar nichts vom Kämpfen, Blondie. Ich rede nicht von den Duellfähigkeiten deiner kleinen Freundin. Scheiße, wenn es so weitergeht, könnte ich sogar verlieren. Nein, sie ist auf eine andere Weise schwach: Sie ist zu schwach, um sich an dem Leid ihrer Gegner zu erfreuen“, sagte er in einem für seine Verhältnisse erstaunlich ruhigen Tonfall, bevor er wieder lauter wurde:

„Was zum Fick ist falsch bei dir, Heulboje!? Du hast mir gerade Schmerzen zugefügt! Freue dich gefälligst! Lächele zumindest ein bisschen! Aber guck mich nicht so dämlich an!“

Mayla schnaubte verächtlich.

„Ich bin nicht so gemein wie du! Ich duelliere mich, um das Richtige zu tun! Und aus Spaß am Duell an sich und aus Freundschaft!“, widersprach Mayla vehement.

„Wähwähwäh, das Richtige, Spaß, Freundschaft, wäh!, äffte er Mayla nach.

„Gott, ich könnte ausrasten von deinem selbstverliebten Bullshit! Weißt du überhaupt, was es bedeutet WIRKLICH zu kämpfen!? Wenn zwei Menschen kämpfen, dann zieht der Sieger Energie aus seinem Triumph, während der Verlierer durch die Niederlage Energie verliert! Ein Nullsummenspiel, könnte man meinen, aber nein, ganz im Gegenteil: Denn beide Kontrahenten verlieren durch den Prozess des Kampfes selbst Energie. Der Sieger selbst zieht also letztlich weniger Energie aus dem Kampf, als der Verlierer verliert! Was also tun, wenn man sich in einem Umfeld bewegt, dass einem ständig zum Kämpfen zwingt, aber am Ende nicht alle Energie verlieren will!?“

Er unterbrach seinen Monolog und stieß dröhnendes Gelächter aus.

„In meiner Einsamkeit bin ich auf die Lösung zu diesem Problem gestoßen: Genieße den Schmerz! Genieße es, wenn dein Gegner vor dir liegt und wimmert! Genieße es ihm weitere Schmerzen zu bereiten! Genieße es, wenn ihn die Verzweiflung einholt! Und genieße es genauso, wenn du selbst leidest! Das ist die große Wahrheit, die jedes Raubtier schon instinktiv kennt, aber der Mensch in seinem arroganten, selbstherrlichen Beharren auf Moral und andere parasitäre Gesellschaftskonstrukte verlernt hat! Nur der Mensch macht sich zum unfreien Sklaven der eigenen Glaubenssätze! Glaubst du etwa, dass ein Polarbär es nicht auch genießt in die noch lebende, leidende Robbe zu beißen und ihrem vergeblichen Überlebenskampf ein Ende zu setzen? Denkst du ehrlich, dass das Wolfsrudel es nicht genießt sich ein altes, schwaches Beutetier auszusuchen, ihre Beute bis zum Tode zu hetzen und bis dahin immer und immer wieder auf sie einzubeißen?“

Barry hatte sich in Ekstase geredet.

Er atmete schwer, kicherte immer wieder vor sich, mit weit aufgerissenen Augen und einem verzerrt wirkendem Grinsen.

Mayla schreckte etwas zurück, aber schaute ihn dann mitleidig an.

„Du bist ein kranker Mensch, Barry...“

„Buahaha! Nein, nein! DU bist krank, genauso wie alle anderen, die nicht nur keinen Schmerz genießen können, sondern sich auch noch selbst die Freiheit nehmen, indem sie Mitleid empfinden!“

Er zeigte in Richtung des Hauptgebäudes.

„An diesem Ort wirst du nicht immer wissen was „das Richtige“ ist! Du wirst derartig unter Druck gestellt werden, dass du keinerlei Spaß empfinden können wirst! Und...früher oder später werden dich auch deine geliebten Freunde verlassen! Nur der Schmerz ist dir immer gewiss! Wenn du keinerlei Freude daran empfindest andere oder zumindest dich selbst zu quälen, an die Grenzen zu bringen, dann wird dich die Akademie zerbrechen! Fuck, scheiß auf die Akademie, dein ganzes Leben wird dich zerbrechen! Wie willst du später ohne Lust auf Schmerz um ein Haus, einen Arbeitsplatz, einen Partner oder eine Beförderung kämpfen? Was ist eigentlich DEIN Langzeitplan, hä!?“

Sie schluckte.

Es fiel ihr inzwischen schwer, sich von Barrys Wahnsinn nicht eingeschüchtert zu fühlen.

„Wir sind immer füreinander da, Mayla! Ich hatte es dir versprochen und ich werde es niemals zulassen, dass du dich alleine fühlen musst!“, rief ihr Daniel zu.

„Genau! Lass den Irren reden, wie er will! Fiona und ich werden immer deine Freundinnen sein, egal was passiert!“

Mayla nickte und verbeugte sich etwas vor den beiden.

„Habt vielen Dank!“

Erins und Daniels Worte haben ihr neue Energie gegeben.

„Erzähl mir was immer du willst, Barry! Ich weiß, das meine Freunde mir immer Kraft geben werden, wenn ich sie am meisten brauche! Ich lasse meinen Tango-Tintenfisch auf dem Feld und sorge mit zwei verdeckten Karten für zusätzlichen Schutz! Und jetzt spiel weiter!“

Mayla hatte nun drei verdeckte Karten vor sich liegen.

„Pah, du hast schon verloren und zwar in jederlei Hinsicht!“

Er zog.

„Zuerst kehrt Des-Weiß zurück, das du eben auf meine Hand geschickt hast!“

Der Polarbär mit der blutigen Schnauze brummte bedrohlich.

Des-Weiß: Stufe 4, 2200Atk, 1100Def.

„Jetzt wird es endlich Zeit zu lernen, was wahre Angst bedeutet! Ich aktiviere den Zauber Die Fährte Aufnehmen! Diese wunderbare Karte erlaubt es mir ein beliebiges Ungeheuer aus meiner Hand zu rufen, solange mein Gegner ein Monster mit weniger Angriffspunkten kontrolliert! Erscheine! Totenkopf-Kodiak!“

Barry lachte manisch, als der riesige Bär mit dem wilden schwarzen Fell und dem komplett weißen Schädel auftauchte,

Totenkopf-Kodiak: Stufe 6, 3000Atk, 1800Def

„Meine Bestien werden von dir und deinem lächerlichen Fischmonster nichts mehr übrig lassen! Totenkopf-Kodiak! Vernichte ihren Tintenfisch mit der Zermalmpranke!“

Barrys Monster holte schon zu einem gewaltigen Hieb aus, als Mayla ihre verdeckte Karte aktivierte.

„Ich spiele den Schnellzauber Taktischer Rückzug! Indem ich ein Monster unter meiner Kontrolle auf die Hand nehme, darf ich Lebenspunkte in Höhe der Angriffs- oder Verteidigungspunkte dieses Monsters dazu erhalten! Ich hole mir also Tango-Tintenfisch auf die Hand und bekomme so 2100 Lebenspunkte!

Maylas Monster verschwand im letzten Moment und entkam so dem Schlag des Kodiaks.

Maylas Lebenspunkte: 4000 → 6100.

„Ich kenne den Effekt von deinem Totenkopf-Kodiak, Barry! Erin und Daniel hatten mir auf dem Weg hierher alles über ihre Duelle gegen dich erzählt! Ich weiß, dass er doppelten Schaden anrichtet, wenn er ein Monster zerstört!“

Barry grinste amüsiert.

„Clever, Mädchen, ehrlich, aber das hilft dir überhaupt nicht! Aus meinem Friedhof aktiviere ich den Effekt von Kamikaze-Kaninchen!“

Auf Maylas Seite des Feldes tanzte nun ein kleines, braunes Fellknäuel mit zahllosen Narben und einer fehlenden Pfote albern herum und streckte Barrys Bären provokativ die Zunge heraus.

Kamikaze-Kaninchen: Stufe 1, 700Atk, 100Def.

„Buahaha! So ein tanzendes, schwächliches Beutetier passt eigentlich richtig gut zu dir und deinem beschissenen Deck! Kamikaze-Kaninchen kann sich in meiner Battle Phase aus meinem Friedhof auf das gegnerische Feld rufen lassen, wenn mein Gegner keine Monster mehr kontrolliert! Darwins-Schlachtfeld gibt ihm zwar 600 Angriffspunkte, allerdings muss es wegen dieser Karte auch in den Angriffsmodus!“

Erin ballte beide Hände zu Fäusten.

Das Duell geriet für Mayla gerade völlig aus der Kontrolle.

„Totenkopf-Kodiak! Erlege das Kamikaze-Kaninchen mit der Zermalmpranke!“

Das Bärenungetüm zerschmetterte mit einem wuchtigen Prankenhieb das Kaninchen, woraufhin Mayla von einem gewaltigen Rückstoß durch die Luft geschleudert wurde und vor Schmerzen kreischte.

Barry bekam kaum noch Luft vor Lachen, während seine Gegnerin einige Meter weiter am Boden lag und seine Lebenspunkte durch den Effekt von Darwins-Schlachtfeld in ungeahnte Höhen schossen.

Maylas Lebenspunkte: 6100 → 1500.

Barrys Lebenspunkte: 2600 → 7200.

„Hallo, Mayla... Hörst du diesmal unsere Stimmen...?“

Mayla fand sich in völliger Finsternis wieder.

Sie hörte sie, die Stimmen, die nach ihr riefen, aber sie konnte sie keiner Person, die sie kannte, zuordnen.

„Wer seid ihr? Wo bin ich?“, fragte sie unsicher.

Dumpfes Gelächter und schrille Rufe hallten leise, kaum hörbar von überall her.

„Du bist bei uns... Schön, dass du uns hörst... Dieses Mal sind es nur der Bärenjunge und deine Freunde...

„Das stimmt! Ich duelliere mich mit Barry!“

Es war ihr für den Moment tatsächlich entfallen.

Das Lachen und die Rufe wurden nun langsam lauter und lauter.

„Es tut mir Leid, ich verstehe euch nicht richtig.“

„Mayla! Wach auf!“, hörte Mayla ihre Freundin schreien.

„Erin?“

Mayla öffnete die Augen.

Barrys Des-Weiß sprang mit aufgerissenem Maul auf sie zu.

„Wasserfallbarriere, jetzt!“, schrie sie und rauschende Wassermassen schützten Mayla vor Barrys finaler Attacke.

„Ich lege aus meiner Hand Robot-Rochen auf den Friedhof. So kann Wasserfallbarriere den Schaden deiner direkten Attacke zwischen uns aufzuteilen!

Maylas Lebenspunkte: 1500 → 400.

Barrys Lebenspunkte: 7200 → 6100.

Sie seufzte erleichtert.

Ihre permanente Fallenkarte hatte sie gerade noch so im Spiel gehalten.

„Geht es dir gut, hast du dich verletzt?“, fragte Daniel besorgt.

Er hatte sich auf ihre Höhe hingehockt, um ihr aufzuhelfen.

Mayla tastete ihren Hinterkopf bis zum Haarreif auf eine Wunde oder Blut ab, wurde aber nicht fündig.

„Ich denke, ich bin okay, danke sehr.“

Daniel legte seinen Arm um sie und zog sie wieder behutsam auf die Beine.

Erin stand ebenfalls hinter Mayla und klopfte den Schlamm, der überall an Mayla haftete, ab.

„Mensch Mayla, du hast uns eben einen echten Schrecken eingejagt! Was war los? Warum hast du nicht reagiert?“

Das war eine gute Frage.

Was war das eben?

Hatte sie diese Stimmen nur geträumt?

Das war nicht das erste Mal, dass sie im Duell plötzlich das Bewusstsein verlor, als Maddox damals seine Supernova ausgespielt hatte, war das Gleiche passiert, wenn auch ohne Stimmen.

„Wenn ihr traurigen Versager mit eurem Teekränzchen durch seid, dann können wir das Duell wohl hoffentlich bald beenden!“, brüllte Barry, dessen Grinsen verriet, dass das Duell, wenn es nach ihm ginge, die ganze Nacht lang dauern könnte.

„Ich beende den Zug mit einer verdeckten Karte, jetzt kannst du vergeblich versuchen dich gegen mein Ungeheuer-Deck zu wehren!“

„Mach dieses Ekelpaket platt!“, befahl Erin.

„Du schaffst das! Du bist doch immerhin meine Mentorin!“, pflichtete Daniel bei.

Mayla zog und dachte nach.

Wenn man nur auf die Lebenspunkte schaute, sah die Lage katastrophal aus, ja, aber Barry hatte nur noch seinen Avatar des Jagdinstinkts in der Hand und eine verdeckte, Mayla unbekannte Karte auf dem Feld. Währenddessen hielt sie inzwischen sechs Handkarten, ganz zu schweigen von ihrer letzten verdeckten Karte.

Ich aktiviere die Falle Überflutungsbeschwörung! Mit dieser Karte darf ich beliebig oft Monster vom Attribut Wasser normalbeschwören, solange ich weniger Monster kontrolliere als du! Als Erstes beschwöre ich Merengue-Muschel und nehme ihn sofort auf die Hand um deinen Darwins Schlachtfeld loszuwerden!“

Maylas Muschel erschien und spuckte den Wasserstrahl auf den Boden, der sich daraufhin, mit der Muschel zusammen, auflöste.

Totenkopf-Kodiak: 3000Atk → 2400Atk.

Des-Weiß: 2200Atk → 1600Atk.

Barry grummelte wütend.

„Das gleiche Spiel führe ich mit Tango-Tintenfisch durch: Ich spiele ihn aus und nutze sofort seinen Effekt, um meine Hand um ein neues Wassertänzer-Monster aus meinem Deck zu bereichern!“

Der Tintenfisch wurde beschworen, winkte kurz und verschwand sogleich wieder.

Mayla durchsuchte ihr Deck nach dem richtigen Monster und hatte es schnell gefunden.

Ihr Assmonster war ziemlich schwer zu beschwören, aber in dieser Situation könnte seine Power genau das richtige sein.

Sie zeigte Barry den gesuchten Wassertänzer vor und nahm ihn auf die Hand.

„Ich benutze jetzt den Zauber Wassertänzer-Zugabe! Deshalb darf ich den Robot-Rochen aus dem Friedhof auf die Hand zu nehmen! Außerdem beschwöre ich erneut die Merengue-Muschel und biete sie sofort als Tribut für den Robot-Rochen an! Danach nutze ich seinen Effekt, um eine offene Karte auf dem Feld zu zerstören! Das Ziel ist dein Totenkopf-Kodiak!“

Maylas Rochen löste mit seinem Robotanz eine zerstörerische Welle aus, die bei Barrys Kodiak wortwörtlich voll ins Schwarze traf und diesen zerplatzen ließ.

„Ich bin noch nicht fertig, mein Delfin hat seinen Effekt nämlich noch nicht genutzt! Wenn ich ihn rufe und gleich auf die Hand zurücknehme, zwinge ich so dein Des-Weiß ebenfalls auf deine Hand zurück!“

Das Delfinhologram tauchte plötzlich vor Barrys Polarbären auf und stieß diesen mit der Schnauze an. Beide Monster verschwanden gleichzeitig.

„Nettes Kunststück! Aber da ich keine Monster mehr kontrolliere, hat deine Überflutungsbeschwörung damit jegliche Wirkung verloren!“

„Stimmt, aber ich habe immer noch meine eigentliche Normalbeschwörung frei! Als Normalbeschwörung bringe ich den Tango-Tintenfisch im Angriffsmodus auf das Feld!“

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

„Ich spiele die zweite Wassertänzer-Zugabe aus, diesmal hole ich die Merengue-Muschel aus dem Friedhof auf mein Blatt! Zudem verändere ich den Typen von Tango-Tintenfisch zu Donner!“

Maylas Tintenfisch leuchtete noch gelber als zuvor und zahllose Blitze zuckten auf seinen Tentakeln hin und her.

„Wenn ich ein Donner-Monster kontrolliere, dann darf ich den Disko-Delfin aus meiner Hand spezialbeschwören! Zeig dich ebenfalls im Angriffsmodus, Kumpel!“

Maylas Delfin im Paillettenhemd war zurück.

Wassertänzer Disko-Delfin: 1800Atk, 1500Def.

„Ich spiele nun meinen letzten Zauber, den Ausrüstungszauber Wassertänzer-Taktgefühl! Ich rüste den Disko-Delfin mit ihm aus! Das beschert ihm nicht nur die Möglichkeit einmal pro Zug seinen Typen zu wechseln, sondern auch noch zusätzliche 800 Angriffs- und Verteidigungspunkte!“

Maylas Delfin begann nun rhythmisch vor sich hin zu tänzeln.

Wassertänzer Disko-Delfin: 1800Atk → 2600Atk, 1500Def → 2300Def.

„Du bist ungeschützt Barry! Mein Tango-Tintenfisch prügelt dir mit Tentakeltumult ein wenig Vernunft ein!“

Maylas Monster schwamm auf Barry zu und peitschte ihn mehrfach mit allen Tentakeln aus.

„Hmmmpf“

Barrys Lebenspunkte: 6100 → 4700.

„Das war erst der halbe Angriff, mein Delfin möchte dir noch seine Desasterdrehung vorführen!“

Auch Disko-Delfin griff Barry jetzt direkt an und versetzte ihm einen schmerzhaften Schmetterhieb mit der Schwanzflosse.

„HnnnnngaaAAAAAH!“, brüllte er, während er vom Rückstoß umgeworfen wurde.

Barrys Lebenspunkte: 4700 → 2100.

Anstatt aufzustehen, lachte er wie wild darauf los.

„Großartig, das ist fucking großartig! Los, quäle mich noch etwas mehr! Zeige mir endlich dein mächtiges Bossmonster! Ich will die pure Gewalt am eigenen Leib spüren!“

Mayla sah auf den vor ihr liegenden Gegner angewidert herab.

„Ich nutze den Effekt von Wassertänzer-Taktgefühl, um meinen Disko-Delfin in ein Monster vom Typ Fee umzuwandeln!“

Das Hemd des Delfins leuchtete kurz auf und wich einer weißen Robe.

Über dem Kopf erschien dem Delfin ein Heiligenschein und neben der Rückenflosse wuchsen ihm kleine Engelsflügelchen.

„Es ist Zeit für das Finale! Wenn ich zwei Wassertänzer-Monster auf die Hand nehme, deren Typ nicht ihrem originalen Typen entspricht, darf ich ihn als Spezialbeschwörung rufen! Zeig dich und bringe mir Erfolg! Wassertänzer Walzer-Wal!

Maylas stärkstes Monster war ein majestätischer Blauwal im Frackanzug, der alleine durch seine Größe beeindruckte.

Wassertänzer Walzer-Wal: Stufe 8, 2000Atk, 3400Def.

„Wahnsinn!“, staunte Daniel, „Ich habe noch nie ihren Wal gesehen! Hat sie ihn mal gegen dich eingesetzt?“

„Ja, aber nur zweimal. Die Beschwörungsbedingung ist recht aufwendig, da Mayla nur mit ihren Fallen und Zaubern die Typen ihrer Monster verändern kann und sich der Wal nicht als Tributbeschwörung rufen lässt. Aber als sie ihn dann beschworen hatte, war das Duell quasi für mich gelaufen.“

Mayla lächelte siegesgewiss.

„Ich nutze nun den besonderen Effekt von Walzer-Wal und nehme ihn sofort auf meine Hand zurück! Wenn ich das tue, darf ich eine beliebige Menge an Wassertänzer-Monstern aus meiner Hand und meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen! Aber das ist nicht alles! Ich darf auch sofort den Typen jedes einzelnen Monsters verändern und erhalte als kleinen Bonus 1000 Lebenspunkte pro so beschworenem Monster hinzu! Los, Walzer-Wal! Zeig uns die Weltenwandelnde Wunderwelle!“

Der Wal stieß einen wunderschönen Gesang aus und beschwor damit eine sich hinter ihm aufbauende Flutwelle hinauf, auf der Maylas andere Wassertänzer-Monster ritten.

Der Walzer-Wal löste sich nun auf und die Flutwelle brach, sodass Maylas Monster nun fest auf dem Feld standen.

„Ich beschwöre: Wassertänzer Disko-Delfin, Tango-Tintenfisch, Robot-Rochen und Merengue-Muschel, allesamt im Verteidigungsmodus!

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk, 2200Def.

Wassertänzer Merengue-Muschel: 0Atk, 900Def.

„Um sie für deinem Spielfeldzauber zu wappnen, verändere ich den Typen meiner Monster zum Typ Ungeheuer!“

Wie von Mayla gewünscht, veränderten sich ihre Monster, es wuchsen ihren Monstern nun ein zotteliges, braunes Fell, sowie scharfe Reißzähne.

Daniel verstand: Sollte Barry wieder Darwins Schlachtfeld spielen und so Maylas Monster in den Angriffsmodus zwingen, so bekämen sie zumindest die zusätzlichen 600 Angriffspunkte dazu.

„Zuletzt, da ich mit der Wunderwelle vier Monster beschworen habe, erhöhen sich meine Lebenspunkte um 4000!“

Maylas Lebenspunkte: 400 → 4400.

Ich beende meinen Zug!“

Barry war ungewöhnlich still.

Er hatte die Beschwörung und den Effekt des Walzer-Wals vom Boden aus beobachtet.

Mühe- und wortlos stand er nun auf und klopfte sich den Dreck von der blauen Uniform.

„Ist das alles?“, fragte er in einem kühlen, schon fast enttäuschtem Tonfall.

„Wie, „ist das alles?“ ich habe gerade vier Monster auf einmal beschworen und alle meine Lebenspunkte wieder zurückerobert!“

„Weißt du Heulboje, nachdem mich dein ausgerüsteter Delfin umgenietet hatte, hoffte ich doch tatsächlich auf etwas Action. Deine Aggressivität hat mich ehrlich geil gemacht und ich hatte darauf gehofft, dass dein „stärkstes Monster“ mein Verlangen nach Gewalt befriedigen konnte. Was du mir stattdessen geboten hast ist im Grunde nur eine aufgeblasene Metapher für deinen passiven Duellstil und deinen ekelerregend schwachen Charakter: Sich sofort wegducken, lieber die Freunde vorschicken und mit den zusätzlichen Lebenspunkten das eigene, freudlose Leiden unnötig verlängern. Es wird mir eine verdammte Freude und Ehre sein ab dem nächsten Jahr die Akademie von Ungeziefer wie dir zu säubern.“

Mayla ließ sich von Barrys hasserfüllter Ansprache nicht kleinkriegen:

„Rede soviel du willst, Barry, du kannst mich damit nicht treffen! und mein mächtiger Wal wird im nächsten Zug zurückkehren und mich noch weiter stärken, wenn du es nicht überraschenderweise schaffen solltest, mehr als zwei meiner Monster in einem Zug zu zerstören.

Barry kicherte.

Sein ernster Ausdruck wich wieder seiner angespannten, hämisch grinsenden Grimasse und seine Stimme wurde lauter.

„Nächster Zug!? Du dumme Verliererin, für dich gibt es keinen nächsten Zug mehr! Ich habe genug Zeit mit deinem inkonsequenten Vor-sich-hin-Duelliere verschwendet und unterm Strich ist dieses lahme Duell nicht im Ansatz meinen Ansprüchen eines Kampfes gerecht geworden! Deshalb werde ich jetzt jedes deiner Monster genussvoll vernichten und ich werde jedes bisschen Energie aus deinen Schmerzensschreien ziehen, wenn dir mit einem Schlag die Lebenspunkte ausgehen!“

Barry zog energisch seine nächste Karte.

„Dein Schrecken beginnt mit dem Avatar des Jagdinstinkts!“

Der Panther aus blauer, wabernder Energie fauchte nach seiner Beschwörung.

Avatar des Jagdinstinkts: Stufe 3, 0Atk, 1300Def.

„Rufe ich den Avatar als Normalbeschwörung, darf ich sofort ein Ungeheuer-Monster von meinem Deck auf die Hand nehmen! Die Karte meiner Wahl ist die Tasmanische Tollwut! Die nächste Karte besiegelt deinen Untergang!“

Er zeigte seine Zauberkarte vor, die Mayla sofort erkannte:

„Fu-... Fusion?“

„Oh ja, Fusion!“, brüllte Barry, „Ich verschmelze die Tasmanische Tollwut mit dem Avatar des Jagdinstinkts und rufe so ein neues und noch mächtigeres Monster auf das Feld!“

Hinter Barry bildete sich der grelle Fusionsstrudel, in dem sein Avatar des Jagdinstinkts und die Tasmanische Tollwut, ein Beutelteufel mit roten Augen und schäumenden Maul, miteinander verschmolzen.

Aus dem Strudel sprang Barrys soeben beschworenes Fusionsmonster, mit dem Mayla und Daniel sehr vertraut waren.

Daniel zitterte vor Wut.

„Du elendiger Bastard! Wie kannst du es nur wagen? Wie tief kann man als Mensch eigentlich sinken?“

Der übergroße Wolf mit dem metallischen Fell, jaulte auf und stellte sich Mayla bedrohlich gegenüber.

Alpha die Eisenmähne: Stufe 7, 2400Atk, 2000Def.

„Buahahaha! Pass gut auf, Welpe! Ich zeige dir jetzt, wie man diese Bestie richtig benutzt!“

Das Fusionsmonster begann plötzlich zu keuchen und wie verrückt zu knurren, Schaum bildete sich an seinem Maul und seine Augen leuchteten in einem stechenden Rot.

„Die Eisenmähne wurde schon durch die Fusionsbeschwörung von meiner Tasmanischen Tollwut infiziert! Sie muss jetzt in jedem Zug angreifen und zwar greift sie jetzt zweimal pro Battle Phase an! Aber das alleine ist mir noch lange nicht gefährlich genug!“

Barrys verdeckte Karte deckte sich auf, es war die Falle Zusatzbeschwörung.

„Diese Fallenkarte gestattet mir eine zweite Normalbeschwörung! Aus der Hand rufe ich Des-Weiß!“

Der Eisbär mit der blutigen Schnauze brüllte auf.

Des-Weiß: Stufe 4, 1600Atk, 1100Def.

„Keine Angst, Welpe! Ich habe den besonderen Effekt von Eisenmähne natürlich nicht vergessen! Einmal pro Zug rufe ich mit seiner Power ein Ungeheuer aus meinem Friedhof! Willkommen zurück, Totenkopf-Kodiak!“

Barry lachte und lachte, als sein riesiges schwarzes Bärenmonster auf seine Feldseite zurückkehrte.

Totenkopf-Kodiak: Stufe 6, 2400Atk, 1800Def.

„Buahahah! Die Hinrichtung deiner Monster kann beginnen! Das wird ein wunderschönes Blutbad werden! Zuerst knackt mein Des-Weiß deine Muschel!“

Mit einem Biss brachte der Polarbär Maylas pelzige Muschel zum Platzen.

Das war Numero Uno! Wenn Des-Weiß seine Beute erlegt, darf er gleich ein zweites Mal angreifen! Jetzt gibt’s zum Nachttisch noch etwas Delfin!“

Des-Weiß verbiss sich in den Disko-Delfin, der vor Schmerzen quiekte, bevor er auch verpuffte.

Mayla biss wütend die Lippen aneinander, während sie dabei zusehen musste, wie sich Barry an jedem ihrer geliebten Monster vergriff.

„Als Drittes zerfleischt Alpha deinen Tintenfisch! Lass es dir schmecken!“

Barrys Monster biss in Maylas Tintenfisch und schüttelte es gnadenlos hin und her.

Auch der Tango Tintenfisch zerplatzte.

„Auch für deinen lächerlichen Rochen gibt es keine Hoffnung! Vernichte ihn, Alpha!“

Der pferdegroße Wolf stieß seine Fänge in den leidvoll blubbernden Rochen, der zuletzt auch zerplatzte.

„Mayla hatte nun jedes ihrer Monster verloren und Barrys Totenkopf hatte noch nicht einmal angegriffen.

„Buahaha! Deine Monster habe ich ausreichend gequält! Jetzt, meine süße Heulboje, bist du endlich dran! Ich beschwöre Kamikaze-Kaninchen im Angriffsmodus auf deine Spielfeldseite!

Kamikaze-Kaninchen: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

Das selbstmörderische Beutetier erschien vor Mayla und provozierte Barrys Totenkopf-Kodiak, indem es mit seinem Hintern wackelte.

„Nein...bitte nicht, nicht schon wieder!“

„BITTE DOCH!“, brüllte Barry in Ekstase, „Totenkopf-Kodiak! Beende das Duell mit deiner doppelt schadenden Zermalmpranke!“

Der gigantische Bär schmetterte mit voller Gewalt auf das Kaninchen ein und Mayla wurde von einer übermächtigen Schockwelle erfasst.

„IIIIIIAAAAAH!“, schrie sie, bevor sie wieder im Matsch landete und einige Meter weiter rollte.

Maylas Lebenspunkte: 4400 → 0.

Erneut versank Mayla in der stillen Finsternis.

Sie schluchzte.

„Ich wollte ihn doch dazu bringen aufzuhören! Ich will nicht, dass er weiter unsere Mitschüler terrorisiert!“

Die Stimmen antworteten ihr:

„Wir können dir große Kraft verleihen... Du wirst nie wieder verlieren müssen, Mayla...Vertraust du uns?“

Mayla weinte nun.

Wie...wie kann ich euch vertrauen? Seid ihr überhaupt echt? Oder...verliere ich gerade den Verstand?“

„Buhahaha! Buhahahahahahaha!“

Barry ist auf die besiegte, im Dreck liegende Mayla zugegangen.

„Aaaaaah, so kenne ich meine Heulboje! Da sind ja deine verzaubernden Tränen! Leide bitte noch weiter für mich! Das ist alles, wofür ihr Schwächlinge gut sei....-“

„HALTE ENDLICH DEINE VERDAMMTE FRESSE!“, schrie Erin und beförderte Barry mit einem Faustschlag ins Gesicht ebenfalls auf den Waldboden.

„Erin, was zur Hölle machst du da!?“, rief Daniel ihr zu, während er versuchte Mayla wachzurütteln, „Was ist denn, wenn dieser Psycho zurückschlägt!?“

Langsam öffnete sie die Augen.

„Das kann Barry doch gar nicht! Schon vergessen!? „Mächtige“ Leute haben ein Interesse an meinem Wohlbefinden! Außerdem tut es einfach viel zu gut diesem Stück Scheiße eine reinzuhauen!“, erwiderte sie mit einem finsteren Lächeln.

Barry wischte sich über die Lippen und bemerkte dabei, dass seine Oberlippe tatsächlich etwas aufgeplatzt und blutig war.

Barry lachte wie wild drauf los.

„Buahaha! Du hast es begriffen, Blondie! Wie ich sehe genießt auch du es anderen Menschen Schmerzen zuzufügen!“

„Ich lasse mich nicht auf dein Level runterziehen, Barry!“

„Unfug, du hast doch eben bis über beide Backen gestrahlt! Du hast es doch selber zugegeben, dass es dir Spaß gemacht hat!“

Barry stand nun auf und lehnte sich mit dem Kopf Erin weit entgegen.

„Komm, meine liebe Erin, zeig mir das Tier, das in dir steckt! Ich weiß, dass auch du dich nicht von deinem Gewissen einsperren lässt! Lass der Gewalt in dir freien Lauf!“

Mit seinen Worten und der Körperhaltung bettelte er schon förmlich um weitere Schläge.

Erin schüttelte einfach nur den Kopf und wandte sich von ihm ab.

„Vergiss es.“

„Ohoho! Oh nein, so haben wir nicht gewettet!“, rief Barry und riss Erin an ihren Haaren zu sich.

„Du schuldest mir noch mehr Gewalt! Du hast einmal mein Blut geleckt und es hat dir vorzüglich geschmeckt! Jetzt musst du es auch brav auflecken! Buahahaha!“

„Aua! Lass mich verdammt nochmal los!“

Sie schlug gegen seine Hand und Brust, doch er lockerte nicht seinen Griff.

„Alles ganz locker! Gib mir einfach, was ich verdiene, lass uns gemeinsam leiden!“, sagte er und gackerte.

„Schlag mich mit voller Kraft ins Gesicht! Los! Tue es! Schlag mich endlich! SCHLAG MICH!“, brüllte Barry und Erin holte mit Tränen in den Augen zu ihrem zweiten Faustschlag aus.

„ERIN! HÖR ENDLICH AUF!“

Daniel hielt Mayla in den Armen.

Ihr Blick wirkte katatonisch, sie brabbelte leise vor sich hin.

„Es geht ihr nicht gut! Wir müssen dringend zurück, sofort!“

Erin senkte die Faust und beruhigte sich.

„Jämmerliche Enttäuschung!“

Barry schubste Erin ohne große Mühe in den Schlamm.

„Ich würde deinem Porzellangesicht so liebend gerne ein Veilchen, oder eine gebrochene Nase verpassen. Wer weiß? Vielleicht helfen ein paar Hiebe auf dem Kopf deinem kaputten Gedächtnis etwas auf die Sprünge? Buahaha!“

„Kaputtes Gedächtnis?“, fragte sich Erin selbst in ihren Gedanken.

Das war doch ganz klar eine Anspielung auf ihre Amnesie!

Aber woher wusste ER denn davon?

Sie hatte Kevin nie davon erzählt.

Erin zwang diesen Gedanken beiseite, Mayla zurück auf das Zimmer zu bringen, hatte Vorrang.

Sie stand wieder auf, stumm machten sie und Daniel, der Mayla stütze, sich auf den Rückweg.

Barry winkte den dreien hinterher.

„Bis zum nächsten Mal!“, höhnte er.
 

____________
 

Neue Monster:
 

Wassertänzer Walzer-Wal: Stufe 8, 2000Atk, 3400Def, Typ Fisch, Attribut Wasser, Effekt:

Diese Karte kann nicht als Normalbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden, außer indem du zwei „Wassertänzer“-Monster, deren Typ nicht dem auf den Karten abgebildeten Monstertypen entspricht, zurück auf deine Hand nimmst.

Einmal pro Zug: Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Beschwöre eine beliebige Anzahl an „Wassertänzer“-Monstern als Spezialbeschwörung von deiner Hand und deinem Friedhof. Du kannst den Typ deiner so beschworenen Monster jeweils in einen anderen beliebigen Typen deiner Wahl ändern. Du erhältst für jedes durch diesen Effekt beschworenem Monster 1000 Lebenspunkte.
 

Kamikaze-Kaninchen: Stufe 1, 100Atk, 100Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Effekt:

Falls du ein Ungeheuer-Monster kontrollierst: Du kannst diese Karte von der Hand abwerfen, um eine Karte zu ziehen. Während deiner Battle Phase, falls dein Gegner keine Monster kontrolliert: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung unter der Kontrolle deines Gegners rufen.
 

Des-Weiß: Stufe 4, 1600Atk, 1100Def, Typ Ungeheuer, Attribut Wasser, Effekt:

Wenn diese Karte ein Monster im Kampf zerstört: Diese Karte ein zweites Mal angreifen.
 

Avatar des Jagdinstinkts: Stufe 3, 0Atk, 1300Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Spirit/Effekt:

Diese Karte kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kehrt in der End Phase des Spielzugs, in dem sie als Normalbeschwörung beschworen oder aufgedeckt wurde, auf die Hand ihres Besitzers zurück. Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wurde: Füge deiner Hand ein Ungeheuer-Monster von deinem Deck zu. Diese Karte erhält 500Atk für jedes Ungeheuer-Monster, das du kontrollierst.
 

Tasmanische Tollwut: Stufe 2, 1000Atk, 0 Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Effekt:

Diese Karte muss in jedem Zug angreifen, wenn möglich. Diese Karte kann zweimal pro Zug angreifen. Falls diese Karte als Tribut für die Beschwörung eines Monsters vom Typ Ungeheuer-Krieger, Ungeheuer oder Geflügeltes Ungeheuer geboten wird oder falls diese Karte als Fusionsmaterial für die Beschwörung eines Monsters vom Typ Ungeheuer-Krieger, Ungeheuer oder Geflügeltes Ungeheuer genutzt wird: Das beschworene Monster erhält folgende Effekte: Diese Karte muss in jedem Zug angreifen, wenn möglich. Diese Karte kann zweimal pro Zug angreifen.
 

Neue Zauber:
 

Taktischer Rückzug: Schnellzauber:

Wähle ein Monster, das du kontrollierst: Füge es deiner Hand zu und erhöhe deine Lebenspunkte um die ATK oder die DEF des gewählten Monsters.
 

Wassertänzer-Taktgefühl: Ausrüstungszauberkarte:

Du kannst nur ein „Wassertänzer“-Monster mit dieser Karte ausrüsten. Einmal pro Zug kannst du den Typen des ausgerüsteten Monsters in einen beliebigen Typ deiner Wahl ändern. Das ausgerüstete Monster erhält 800Atk und 800Def.

Während der End Phase, falls das ausgerüstete Monster in diesem Zug durch seinen eigenen Effekt deiner Hand hinzugefügt wurde: Du kannst diese Karte vom Friedhof deiner Hand hinzufügen.
 

Darwins Schlachtfeld, Spielfeldzauber:

Monster vom Typ Insekt, Geflügeltes Ungeheuer und Ungeheuer erhalten 600Atk.

Alle Monster müssen in den Angriffsmodus wechseln und in jedem Zug wenn möglich angreifen (Spieler können ihre Battle Phase nicht überspringen).

Wenn ein Monster ein anderes Monster zerstört und dabei Kampfschaden anrichtet: Der Spieler, der das Monster, das Kampfschaden angerichtet hat, kontrolliert, erhält Lebenspunkte in Höhe des erteilten Kampfschadens.
 

Die Fährte Aufnehmen: Normaler Zauber:

Wähle ein Monster, das dein Gegner kontrolliert: Beschwöre ein Ungeheuer-Monster mit mehr ATK von deiner Hand als Spezialbeschwörung.
 

Neue Fallen:
 

Zusatzbeschwörung: Normale Falle:

Beschwöre ein Monster als Normalbeschwörung, zusätzlich zu deiner Normalbeschwörung oder deinem Setzen.
 

Einschüchterndes Gebrüll: Normale Falle:

Wenn ein Monster, das dein Gegner kontrolliert einen Angriff deklariert: Annulliere den Angriff und reduziere die ATK des Monsters auf 0.
 

Tektonische Transformation: Normale Falle:

Falls du ein ERDE-Monster kontrollierst: Du kannst einen Spielfeldzauber aus deinem Deck aktivieren.

Falls diese verdeckte Karte durch einen gegnerischen Karteneffekt zerstört wird und du ein ERDE-Monster kontrollierst: Du kannst einen Spielfeldzauber aus deinem Deck aktivieren. Die so aktivierte Spielfeldzauberkarte kann bis zum Ende des Zuges nicht zerstört werden. Ziehe eine Karte für jedes Erde-Monster, das du kontrollierst.

Die Halbjahresprüfung - Teil 1

Frau Ehring klopfte an der Tür zu Herrn Schrainmanns Büro.

„Herein, Herein!“, rief der Direktor eilig.

Die Vizerektorin trat ein und wurde sofort von einem Papierflugzeug am Kopf getroffen.

„Ahahahaha! Volltreffer!“, rief Herr Schrainmann mit kindlicher Freude.

Frau Ehring räusperte sich, rückte ihre nun schiefe Brille wieder zurecht und stieg über einen ganzen Haufen weiterer Papierflugzeuge, welcher ihr aufzeigte, dass der Direktor den Vormittag eher wenig produktiv verbracht haben musste.

„Meine liebe Frau Ehring, was kann man für sie tun?“, fragte er und lächelte sie durch seinen dichten Bart hindurch an.

Sie kam gleich zur Sache: „Ich habe den Prüfungsabschnitt für Fusionslehre I eingeholt, Kollegin Mentzel bittet vielmals um Verzeihung für die späte Abgabe. Ich werde noch heute die Aufgaben zur Einführung in die allgemeine Duellphilosophie fertig abtippen, dann ist die schriftliche Prüfung komplett.“

„Na, das klingt doch fantastisch! Wenn wir ansonsten schon mit dem Theorieteil durch sind, dann könnten Sie vielleicht nochmal in ihrem Abschnitt ein, zwei Kürzungen vornehmen. Der kommt mir doch ein wenig, wie soll ichs sagen... umfangreich und abstrakt vor.“

Es war jedes halbe Jahr das gleiche Dilemma.

Manchmal hatte Frau Ehring das Gefühl, ihr Vorgesetzter wolle am liebsten all die Störenfriede und Faulenzer der Akademie mit Wohlfühlnoten und viel zu einfachen Tests durchwinken.

Doch das konnte sie auf keinen Fall zulassen, sie sah es als ihre Aufgabe an, die mittelmäßige Schülerschaft durch disziplinierte, harte Arbeit in Form zu bringen und jene, die dazu nicht bereit waren, auszusortieren.

„Mit Verlaub, Herr Direktor, unsere schöne Duellakademie genießt einen ausgezeichneten Ruf. Um diesen Ruf zu bewahren, muss sichergestellt werden, dass unsere Absolventen ein umfassendes und profundes Wissensspektrum aufweisen.“

Der Direktor seufzte und putzte sich seine dicke Brille.

„Wenn Sie sich wirklich sicher sind, dass Sie ihre Schülerschaft mit ihren Aufgaben nicht überfordern werden, dann lassen wir den FST-Abschnitt eben unverändert.“

„Absolut!“, betonte Frau Ehring und erinnerte sich dann an ihr neuliches Treffen mit Fiona zurück. Dieses Mädchen mit dem schlechten Benehmen aber außergewöhnlichem Engagement im Unterricht war ihr positiv aufgefallen, bis sie sie plötzlich auf den Fluren der Ra-Unterkunft erwischte.

„Es gibt da noch etwas anderes, das ich mit Ihnen besprechen wollte. Es geht um den Kartendieb. Unsere Schüler sind seinetwegen inzwischen so stark verunsichert, dass sie auf eigene Hand Ermittlungen anstellen wollen und sich damit womöglich noch in Gefahr begeben. Da müssen wir dringend intervenieren.“

Der Direktor lehnte sich zurück und streichelte bedächtig durch seinen rauschenden Vollbart.

„Das ist in der Tat ernst, ja...Ich werde mir umgehend eine Lösung für dieses Problem überlegen.“
 

Dunkelheit... Diese einsame Dunkelheit.

Mayla fand sich alleine im Nichts wieder.

Leise, kaum wahrnehmbare Stimmen schienen zu ihr zu sprechen, aber sie konnte kein Wort verstehen.

Sie versuchte sich mit aller Macht auf das Geflüster zu konzentrieren.

„Mayla...Mayla...Hörst du uns?“

Wieder diese unbekannten, aus jeder Richtung kommenden Stimmen.

„Ich verstehe euch, aber nur sehr schlecht. Wer seid ihr? Was wollt ihr von mir?“

„Wir sind...Freunde. Wir wollen, dass du stark bist...Dass du nie wieder verlieren musst....“

Nie wieder verlieren?

Mayla konnte sich nicht erinnern.

Gab es in letzter Zeit ein wichtiges Duell, das sie verloren hatte?

Sie antwortete den Stimmen:

„Vielen Dank, aber ich bin stark genug, denke ich.“

„Buhahaha! Denkst du das, ja!? Du widerwärtiger Schwächling!?

Die Finsternis wich dem leuchtenden Hologramm des Totenkopf-Kodiaks.

Hinter dem Bärenmonster stand der höhnende und übel grinsende Barry.

Sie, Barry und sein Monster befanden sich auf Barrys martialischem Spielfeldzauber, Darwins Schlachtfeld.

„Die wirklich Starken auf dieser Insel sind die, die es genießen zu leiden und es noch mehr genießen ihre Mitmenschen zu quälen! Menschen wie du sind hingegen nicht mehr als Beutetiere, die mit jedem Kampf immer schwächer und hilfloser werden!“

Die Erinnerung an diesen Abend und ihre Niederlage kehrte zu Mayla zurück.

Sie blickte um sich, aber weder Daniel noch Erin waren zu sehen.

„Niemand wird dir helfen, Heulboje! Am Ende wirst du ganz alleine sein! Niemand wird dich vor deiner Vernichtung retten!“

Er streckte seinen Arm kommandierend aus und sein riesiges Bärenmonster sprintete mit aufgerissenem Maul auf Mayla zu.

„Erde an Mayla! Aufwachen!“, zischte Erin.

Desorientiert blickte sich Mayla um.

Sie saß mit ihren Mitschülern im großen Auditorium, sie war wohl wieder im Unterricht eingeschlafen.

Erin sah sie mit einer Mischung aus Erleichterung und Traurigkeit an.

Eine Woche war der Abend schon her.

Seitdem verfolgte sie derselbe Albtraum jede Nacht.

Es waren immer wieder diese schwarze Leere, die unbekannten Stimmen und...er.

Das Ergebnis dieser Albträume war, dass sie schon müde und kraftlos aufwachte und sich tagsüber kaum wach halten konnte.

Sie hatte Erin bereits von diesen Träumen erzählt.

Vorgestern hatte sie ihr vorgeschlagen Herrn Philipps, den Schulpsychologen, zu besuchen und sich ihm anzuvertrauen.

Mayla hatte eine Weile überlegt, ob sie das wirklich tun sollte, verwarf die Idee allerdings.

Was sollte sie ihm schon groß erzählen?

Dass sie Schlafprobleme hatte, war bei der allgemeinen Anspannung unter den Schülern aufgrund der bevorstehenden Prüfungen wohl nichts Außergewöhnliches.

Und der Gedanke einer fremden Person zu erzählen, dass sie plötzlich Stimmen in ihrem Kopf hörte und inzwischen mehrfach bei Duellen kurzzeitig bewusstlos wurde, gefiel ihr überhaupt nicht.

Das Gute an den Tagträumen war, dass es den Lehrern bei all den anderen Schülern im Lehrsaal nicht auffiel, wenn Mayla mal wieder einschlief.

Es war auch nicht so, als ob sie viel verpasste, zurzeit fand in jedem Fach nur Wiederholung vom Stoff des ersten Halbjahres statt.

Auch Erin sah nicht sonderlich gebannt vom Unterricht aus und Fiona gähnte, während sie wie immer möglichst viel mitschrieb und nebenher einen Schokoladenriegel auspackte.

Herr Althus tippte die Zusammenfassungen der Thesen bekannter Duellphilosophen mit großer Mühe auf dem mit dem Beamer verbundenen Laptop.

„Weiß noch jemand, wie die zentrale Vermutung des Duellagonismus nach Mukov lautet?“, fragte er und zeigte einen kurzen Moment später in Richtung eines sich meldenden Ra-Yellow-Schülers.

„Entgegen der zeitgenössischen Auffassung des Duellierens als reine Tradition und Mittel zur Konfliktbewältigung sah Mukov im Kampf zweier Duellanten gegeneinander einen Weg persönliche Werte oder Weltanschauungen auf ihre Validität zu prüfen! Treten zwei Duellanten mit unterschiedlichen Werten gegeneinander an, so sind nach dem Duell die Ansichten des Siegers die, die man verfolgen sollte, weil sie dem siegreichen Duellanten zu mehr Kraft verholfen haben! Der Verlierer hingegen sollte seine Werte gegebenenfalls überdenken!“

Das war eine schnelle und sichere Antwort.

Herr Althus nickte und tippte alles, was der Ra gesagt hatte, gemächlich ein.

„Der hat etwas vergessen, der Mukovsche Duellagonismus rechtfertigt sich auch so, dass der Sieger durch seine besseren Duellfähigkeiten auch sein besseres Weltverständnis beweist“, erklärte Fiona leise und ohne den Blick von ihrem sich stetig fühlenden Notizblock abzuwenden.

Schließlich hatte der Lehrer die komplette Antwort vom Schüler abgetippt.

Er räusperte sich.

„Ich will noch eine Ergänzung hinzufügen. Die zentrale Vermutung des Duellagonismus sieht nicht nur die Weltanschauung des Gewinners als valide an, weil das Weltbild selbst den Duellanten stärker gemacht hat, sondern auch, weil der Gewinner durch seinen Sieg aufzeigt, dass er, im Vergleich zum Verlierer, über einen überlegenen Verstand verfügt. Dieser überlegene Verstand produziert nach Mukov auch ein überlegenes Weltbild.

Erin streckte Fiona frech die Zunge heraus.

„Angeberin.“

Fiona ließ sich von Erin nicht provozieren und biss kommentarlos in ihren Schokoriegel.

Mayla war gerade überhaupt nicht nach Duellphilosophie zumute, insbesondere nicht nach der Art, die Menschen wie Barry in seiner Besessenheit von Stärke und seiner menschenverachtenden Ideologie auch noch recht geben würde.

Sie schaute mit Sehnsucht auf die große Uhr auf der anderen Seite des Saals.

13:45 Uhr, nur noch eine Viertelstunde bis zum Unterrichtsende für heute.

„Bevor wir heute ausnahmsweise etwas früher Schluss machen, habe ich eine wichtige Ankündigung!“, rief Herr Althus, „Die praktische Prüfung wird am kommenden Freitag ab 9:00 Uhr stattfinden! Für die Duellprüfung werdet ihr im Voraus einen Partner oder eine Partnerin aus eurem Jahrgang und vorzugsweise eurem Haus auswählen müssen! Ich empfehle euch dringend einen Partner zu wählen, dem oder der ihr bedingungslos vertrauen könnt! Außerdem solltet ihr euch ebenfalls mit dem Deck eures Partners vertraut machen! Euer Partner oder eure Partnerin und ihr müsst euch auf der... Hmmm... Homepage, oder diesem Portal anmelden...Dann könnt ihr da auf Anmelden drücken und...Hmm....“

Unsicheres Gemurmel hallte durch das Auditorium, während Herr Althus hektisch auf dem Pult nach Zetteln mit Erklärungen suchte.

Erin fasste sich an den Kopf und damit war sie nicht alleine.

Das war ein klassisches Beispiel für Althus und seine mangelhaften technischen Fertigkeiten.

„Herr Althus! Wo genau müssen wir uns mit dem Partner anmelden? Und bis wann?!“, rief eine Ra-Yellow-Schülerin, ohne drangenommen worden zu sein.

„Genau! Und was machen wir, wenn wir keinen Partner finden? Ich wette, dass kein Obelisk mit uns Slifern gemeinsam die Prüfung abhalten will!“, fragte ein Sliferschüler.

„Ganz richtig! Wir Obelisken werden uns sicher nicht von euch roten Tieffliegern zurückhalten lassen! Warum verschwindet ihr Oberloser nicht einfach von der Akademie?!“, antwortete die den drei Freundinnen allzu bekannte Stimme von Lucia-Ann.

„Ruhe, Ruhe!“, rief der betagte Lehrer und hämmerte mit der Faust mehrfach auf das vor ihm stehende Pult, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen.

Das zeigte Wirkung, langsam kehrte wieder etwas Ordnung ein.

„Ich werde euch allen noch heute eine E-Mail zuschicken lassen, die alle Unklarheiten beseitigen sollte! Wenn ihr danach noch Fragen haben solltet, dann wendet euch bitte an Frau Ehring! Ich wünsche euch viel Erfolg bei euren Prüfungen, lernt noch fleißig und wir sehen uns spätestens im zweiten Halbjahr!“

Die Stunde war beendet und die etwa 600 Schülerinnen und Schüler räumten nun den Saal.

„Alles, nur nicht die“, kommentierte Fiona Mayla und Erin gegenüber, während sie ihre Arbeitsmaterialien verstaute.

„Gewöhne dich besser schonmal an unsere neue Hauslehrerin, wir werden noch vieeeeel Zeit mit ihr verbringen“, stichelte Erin.

„Nein! Auf einer Skala von 1 bis 10 ist diese Frau eine zwei und zwar zwei Wochen Nachsitzen! Ich wette, die ist nur Lehrerin geworden, um Kinder ärgern zu können!“, jammerte sie weiter und brachte Erin zum Lachen.

Die drei waren auf dem Weg in die Bibliothek zu dem Gruppenarbeitstisch, der in den kalten Wintermonaten zu ihrem Stammplatz zum Lernen geworden ist.

Mayla war mit den Gedanken gerade ganz woanders:

„Sag mal Fiona, das mit dem Partnersuche, das ist doch bestimmt ein Hinweis auf eine Sonderregel bei der Prüfung? Du hattest uns doch mal erzählt, dass dein Bruder damals in manchen Prüfungen nicht nur ein einfaches Duell spielen musste, stimmts?

Fiona nickte.

„Ich weiß auch nichts Genaues. Aber das was ich von Althus komischen Gebrabbel verstanden habe, weist darauf hin, dass wir uns entweder mit unserem Partner irgendwie im Duell gegenseitig unterstützen müssen, oder wir vielleicht sogar gegen unseren Partner in unserem Prüfungsduell antreten werden müssen. Aber mehr werden wir erst wissen, wenn wir nachher die Rundmail bekommen werden. Ich habe meinen Laptop mit dabei, dann kann ich uns ja später für die Prüfung anmelden.“

„Dann bleiben wir doch am Besten untereinander, um sichergehen zu können, dass wir alle drei aufsteigen werden“, sagte Erin, „Mayla, magst du mit mir...?“

„Nein Danke, Erin. Ich denke auch, dass wir ein gutes Team bilden würden, aber du solltest dich für Fiona entscheiden. Ich habe doch noch Daniel.“

Das war ein Punkt.

Fiona hatte bisher keinen Wert darauf gelegt, sich aktiv neue Freunde im Sliferhaus zu suchen, ihr war schon lange klar, dass sie das Haus verlassen wollte.

Wenn sie jemanden aus dem ersten Jahrgang brauchte, mit dessem Deck sie sich ein wenig auskennt und eine Person auswählen soll, zu der sie großes Vertrauen hatte, dann blieben im Grunde nur Erin oder Mayla.

„Von mir aus können wir auch Partnerinnen werden“, bestätigte Fiona Erin mit einem Lächeln.

Alle drei waren am Stammplatz angekommen und eilig packte Fiona voller Vorfreude auf die bevorstehende Lernsitzung eine Unmenge an Mappen, Schulbüchern und Notizen aus.

Auch Erin und Mayla kramten ihre Sachen aus den Rucksäcken, wenn auch nicht mit dem gleichen feurigen Enthusiasmus.

Dreieinhalb Stunden später saßen nur noch Erin und Fiona gemeinsam am Gruppenarbeitstisch, Mayla hatte sich nach der zweiten Stunde verabschiedet, um sich mit Daniel treffen zu können.

„Hey Erin, hatten wir eigentlich schon die Grundprinzipien für die effiziente Nutzung von gesetzten Schnellzaubern und Fallenkarten durchgekaut? Ich kanns nicht finden!“

Fiona blätterte eilig durch eine grüne Mappe, immer wieder vor und zurück.

Erin stöhnte und zählte entnervt auf:

„Erstens: Habe möglichst nie mehr als drei Karten in der Zauber- und Fallenkartenzone, um das Risiko eines großen Verlustes an Kartenvorteil dich Massenzerstörungseffekte wie beispielsweise durch Katze im Sack zu vermeiden.

Zweitens: Wenn deine Deckstrategie eine große Anzahl an Zauber- oder Fallenkarten erfordert, dann nutze Karten, die Massenzerstörungseffekte verhindern können, wie Spiegelbarriere oder Mauer aus Geäst.

Drittens: Verwende disruptive Schnellzauber oder Fallen möglichst dann, wenn der Gegner Kartenvorteil investiert hat, Beispiel: Wenn du mit Dominoeffekt ein gegnerisches Monster zerstörst, dass mit zwei Monstern als Tribut beschworen wurde, ergibt das einen Kartenvorteil von +2.

Viertens: Nimm lieber Schaden in Kauf, bevor du Ressourcen verschwendest.

Beispiel: Du nutzt im Zug deines Gegners die Falle Sprungfederfeld, um ein gegnerisches Monster auf die Hand zu befördern. Im nächsten Zug spielt dein Gegner aber das nächste Monster und du hast die Fallenkarte bereits aufgebraucht.

Es wäre besser gewesen, wenn man die Fallenkarte im ersten Zug aufbewahrt, um im nächsten Zug alle Monster auf die Hand zurück zu zwingen.“

Fiona nickte anerkennend.

„Oha, sogar mit Beispielen, perfekt! Dann sind wir die wohl tatsächlich schon durchgegangen. Du hast aber Fünftens vergessen: Man setzt Zauber- und Fallenkarten möglichst am Ende des Zuges, um dem Gegner möglichst wenig Gelegenheiten zu geben, die gesetzten Karten zu zerstören.“, bemerkte Fiona und grinste breit.

„Ja, wir sind die Grundsätze durchgegangen und zwar gefühlte 2000-mal! Bestimmt ist das nur einer der Zettel, die du in den letzten Nächten neu abgeschrieben hast. Der Schreibtisch in unserem Zimmer ist voll von deinen Lernblättern. Schläfst du eigentlich überhaupt?“

Verlegen kratzte sich Fiona am Hinterkopf.

„Öhm...vier, fünf Stunden oder so. Aber mit genügend Süßkram reichts, um wach zu bleiben und weiterzumachen. Ich bin nicht diejenige, die mitten im Unterricht einpennt.“

Fiona hatte gerade eine Pause nötig und packte das vor ihr liegende Schulbuch, die Mappe und die Schreibsachen zusammen.

„Mayla...geht es eben grade nicht so. Ich weiß, dass es ein bescheuertes Timing ist, so kurz vor den Prüfungen. Aber Mayla ist Mayla. Sie packt das schon. Erst recht mit Daniels Hilfe. Da bin ich mir sicher.“

Erin war sich nicht halb so sicher, wie sie tat.

Auch Fiona hatte bemerkt, dass seit diesem Abend mit ihrer Freundin etwas nicht mehr stimmte.

Sie bekam es unweigerlich während ihrer Nachtschichten mit, wenn Mayla mitten in der Nacht anfing im Schlaf zu reden, sich nervös hin und her zu wälzen und merklich verstimmt aufwachte.

„Hmm. Ich bereue es etwas vor ner Woche nicht mitgekommen zu sein. Dieser Barry hat sie wohl ganz schön niedergemacht. Aber es ist doch nicht so schlimm gegen ihn zu verlieren, wenn er sogar haufenweise Obelisken besiegt hat, oder?“

Das war nur die halbe Wahrheit.

Nur Erin und Daniel wussten, dass Barrys Attacken Mayla für mehrere Sekunden vollkommen ausgeknockt hatten und selbstverständlich erzählten sie es auf Maylas Wunsch nicht weiter.

„Nein, da stimme ich dir zu. Es ist an sich nicht schlimm. Sie ist es wohl nur nicht so richtig gewohnt ernste Duelle zu verlieren“

Erin war dieses Thema unangenehm.

„Mach mal bitte den Laptop an und schau im Akademieportal nach, ob wir die Mail von Herrn Althus inzwischen bekommen haben“, schlug sie vor.

Fiona stimmte ihr zu, kramte ihren Laptop heraus und fuhr ihn hoch.

Die Mädchen waren in der Akademiebibliothek zwar von Rechnern umgeben, aber diese wurden sehr oft in Anspruch genommen, insbesondere von den Schülerinnen und Schülern im dritten Jahrgang, die zum Drängeln neigten, wenn Neulinge sich zu viel Zeit an den Computern ließen.

Außerdem konnte sich die ansonsten erstaunlich lernfähige Fiona partout ihr Passwort nicht merken, was am eigenen PC kein Problem war, wenn man sein Passwort einfach speichern konnte.

„Aha! Tatsächlich, eine neue E-Mail von der Akademieadresse! Mal sehen...“

Sie öffnete die Mail und begann diese laut zu überfliegen.

„Babababab, Prüfung ist am Freitag um 9.00 Uhr, das wissen wir ja schon....Die Prüfungsduelle finden im Stadion in mehreren Runden statt, auch logisch...babab, Partner... Oh!“

Sie hielt kurz inne und zeigte auf die neuen Informationen.

Erin schaute ebenfalls gebannt auf den Bildschirm und Fiona las vor: „Euren Prüfungspartner oder -partnerin könnt ihr unter „Notenschnitt und Prüfungen“, „Prüfungsanmeldung“ im Anmeldeformular unten links eintragen. Tragt euren Prüfungspartner oder -partnerin bitte bis Mittwoch um 22.00 Uhr ein und stellt sicher, dass euer Prüfungspartner oder -partnerin euch ebenfalls eingetragen hat. Wenn ihr keinen Partner oder Partnerin für die Prüfung bis dahin angegeben habt, wird euch um ein Prüfungspartner oder -partnerin am Prüfungstag um 8.30 zugelost... Okay, langweiliger kann man den Käse wohl nicht schreiben! Immer nur Prüfung, Prüfung, Prüfung!“

Erin kicherte und las von da an weiter: „Stellt bitte zudem sicher, dass ihr gemeinsam und pünktlich am Stadioneingang erscheint. Dort wird euch und eurem Partner eine gemeinsame Prüfungsnummer zugewiesen. Die Runde, in der ihr euch duellieren werdet und eure Prüfungsplattform wird am großen Monitor bekannt gegeben. Euer Duell wird von den Kameras im Stadion aufgezeichnet und anschließend bewertet. Euer Prüfungsergebnis erhaltet ihr zusammen mit dem Ergebnis der schriftlichen Prüfung am 20.12. ... Mist, die erklären einem wohl wirklich erst vor Ort, wozu man genau einen Partner braucht! Aber vom Ablauf her klingt das ja so ähnlich, wie bei unserem Probeduell damals. Dann trag mich mal als deine Partnerin ein.“

Fiona klickte sich sofort bis zum Anmeldeformular durch.

„Erin...Hiller....und fertig! Dann trag du mich am besten auch gleich ein!“

Fiona schob ihren Laptop etwas weiter zu Erin, die sich ausloggte, sich mit ihrem eigenen Account neu anmeldete und Fiona Lena Scholte als Partnerin für die Praxisprüfung angab.

„Dein Bruder musste sich ja mit einem zufällig zugelosten Deck duellieren. Meinst du, wir müssen für das Duell unsere Decks tauschen?“

„Möglich. Vielleicht sollen wir aber auch einfach nur gegeneinander antreten und man erwartet dann von uns, dass wir unsere Karten gegenseitig besonders gut auskontern. Wir können es zwar nicht genau wissen, aber wir sollten ja so oder so unsere Decks so gut wie möglich kennenlernen. Wir sollten also heute und die nächsten beiden Tage gut dafür nutzen.“
 


 

°°°
 


 

Mayla und Daniel standen sich in einem Freundschaftsduell vor der Sliferunterkunft gegenüber.

„Flamenco-Forelle! Greife den Schäfersfreund mit der furiosen Flossenschelle an!“

Maylas Monster schwamm auf Daniels Schäferhund, der einen Hirtenstock quer im Maul hielt, zu.

„Nicht so schnell! Ich aktiviere eine meiner verdeckten Karten! Die Fallenkarte Recht des Underdogs! Wenn eines meiner Normalen Monster angegriffen wird, darf ich entweder dessen Angriffspunkte oder Verteidigungspunkte wählen und diese dann bis zum Ende meines Zuges verdoppeln! Da sich mein Schäfersfreund im Verteidigungsmodus befindet, möchte ich seine Verteidigung erhöhen!

Schäfersfreund: 1300Def → 2600Def.

Daniels Hundemonster wurde größer und schlug die Forelle mit dem Hirtenstock zu ihrer Besitzerin zurück.

Mayla keuchte ein wenig, als sie von ihrem eigenen Monster in die Magengrube getroffen wurde.

Maylas Lebenspunkte: 2500 → 1600.

Sie hatte noch ihren Robot-Rochen auf dem Feld, aber der konnte es nicht mit den 2600 Verteidigungspunkten vom Schäfersfreund aufnehmen.

„Das war eine gute Falle. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen! Jetzt nutze ich den Effekt von meiner Flamenco-Forelle! Ich nehme sie auf die Hand und du bekommst 1000 Schadenspunkte ab!“, sagte Mayla und lächelte.

Der Fisch im roten Stufenkleid verschwand und ließ einen schwebenden Feuerball zurück, der langsam anwuchs und schließlich pfeilschnell auf Daniel zuflog.

Er hielt sich schützend den Arm vors Gesicht und strauchelte etwas.

Daniels Lebenspunkte: 1400 → 400.

„Ich beende meinen Zug mit zwei verdeckten Karten. Du darfst!“

Daniel lächelte und machte seinen Zug.

Ich setze zuerst zwei Zauber oder Fallen verdeckt.

Die verdeckten Karten erschienen vor dem Jungen.

Dann opfere ich meinen Schäfersfreund, um ein stärkeres Monster zu rufen! Du hast gute Arbeit geleistet, Kumpel! Hier kommt der Wachhund des Jägers im Angriffsmodus!

Daniels Hundemonster wurde von einem größeren Hund, der wie ein Berner Sennenhund mit Camouflage-farbenen Fell aussah abgelöst.

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Atk.

„Hm, aber dein Monster hat zu wenig Angriffspunkte für meinen Rochen. Den hättest du besser auch im Verteidigungsmodus spielen sollen“, bemerkte Mayla.

„Das ist kein Problem! Ich habe dafür ja meine im letzten Zug gesetzte Karte: Stampfen des Walddämons!“ Ich darf diese Falle aktivieren, wenn ich ein Ungeheuer der Stufe 5 oder höher beschworen habe und so jede Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zerstören!“

Daniels Falle brachte den Wachhund dazu sich kurz auf seine Hinterläufe zu richten, um sich dann wieder auf alle Viere fallen zu lassen und so eine Schockwelle auszulösen.

Die verdeckten Karten beider Spieler zerplatzten.

„Das verstehe ich nicht, warum hast du jetzt deine eigenen Karten zerstört? Du hättest deine Zauber- oder Fallenkarten am Ende des Zuges setzen sollen, wie immer, oder?“

Daniel war etwas verdutzt von der Frage, eigentlich sollte Mayla die Karte nach all den Duellen, die die beiden bereits geführt hatten, besser kennen.

„Du hast wohl den zweiten Effekt von Stampfen des Walddämons vergessen! Der verstärkt mein beschworenes Monster um 500 Punkte pro zerstörte Karte. Das macht bei insgesamt vier zerstörten Fallen oder Zaubern satte 2000 Punkte!“

Daniels Hund wuchs auf eine beeindruckende Größe an.

Wachhund des Jägers: 1900Atk → 3900Atk.

„Mein Wachhund macht jetzt Fass! Greife den Robot-Rochen an und beende das Duell!“, befahl Daniel und der Hund biss in den Rochen, der aufquiekte und zerplatzte.

Maylastolperte einige Schritte zurück und landete unsanft auf dem Po.

Maylas Lebenspunkte: 1600 → 0.

Ihr wurde schwarz vor Augen.

Sie hörte diesmal nicht die Stimmen, sah aber Barry.

Sie sah ihn wieder mit seinem hämischen, erniedrigenden Grinsen vor ihr stehen und vor ihm war das von Daniel geraubte, tollwütige Monster, Alpha die Eisenmähne.

„Auch für deinen lächerlichen Rochen gibt es keine Hoffnung! Vernichte ihn, Alpha!“

Der pferdegroße Wolf stieß seine Fänge in den leidvoll blubbernden Rochen, der zuletzt auch zerplatzte.

„Das ist nicht echt! Ich weiß, dass es nicht echt ist! Dieses Duell ist schon lange vorbei!“ schrie sie ihm mit unstetiger Stimme entgegen.

Barry lachte und verblasste zusammen mit dem Monsterhologramm und ließ Mayla alleine in der Finsternis zurück.

Daniel hielt mit einer Hand Maylas Kopf über den kalten Boden und mit der anderen rüttelte er an ihrer Schulter.

„Mayla, verdammt, reiß dich zusammen!“, fluchte er verzweifelt.

Das Mädchen kam wieder zu sich und öffnete die Augen.

„Gott sei Dank!“, rief Daniel und drückte Mayla sofort an sich.

„Entschuldigung, ich weiß nicht, warum mir das schon wieder passiert ist“, fiepste sie.

Er half ihr auf und sah sich um.

Es hatte wohl keiner diesen Zwischenfall bemerkt.

„Bitte, Mayla, bitte lass dir helfen. Du musst zur Krankenstation gehen, oder zu Herrn Phillips, oder...Ach, was weiß ich! Aber das kann doch so nicht weitergehen! Was ist denn, wenn du irgendwann...“, der Gedanke schmerzte ihn so sehr, dass es Kraft kostete es auszusprechen, „...gar nicht mehr aufwachst?“

Darauf wusste sie keine rechte Antwort.

Sie presste sich fest an ihn.

„Es tut mir Leid.“

„Dir braucht nichts Leid tun. Ich will nur, dass es dir besser geht. Dafür musst du dich aber einem Fachmann anvertrauen.“

Sie stockte kurz und ließ ihn los, bevor sie antwortete.

„Ich glaube, so schlimm sind meine kleinen Aussetzer nicht“, log sie, „ich werde aber mal mit dem Schulpsychologen nach den Prüfungen reden. Wenn ich vorher mit ihm rede, verbietet er es mir am Ende noch an den Prüfungsduellen teilzunehmen und ich kann mein Versprechen gegenüber Erin und Fiona nicht einlösen...“

Die drei wollten in der Halbjahresprüfung ihr Bestes geben, um gemeinsam in das Haus Ra Yellow aufzusteigen, das wusste Daniel, aber das war nicht dennoch nicht das, was Daniel hören wollte.

„Und wenn du im Prüfungsduell bewusstlos wirst!? Das ist doch noch viel schlimmer! Ich hätte schon nach dem Duell gegen Barry darauf bestehen sollen, dass du dich untersu-“

„Hör bitte auf“, unterbrach Mayla ihn.

Sie hielt die Hand vor die Augen und begann zu schluchzen.

„Hör auf, ich...ich will das nicht hören.“

Er schluckte, ging dann aber auf sie zu und nahm sie zärtlich in die Arme.

Sie weinte und er spürte ihre feuchten Tränen, die ihm über den Jackenkragen die Brust hinunterliefen.

„Gut, nach der Prüfung. Ich vertraue dir, dass du auf dich aufpassen wirst“, sprach er so sanft wie möglich.

Mayla weinte weiter, beruhigte sich aber nach einer kurzen Weile.

Es half, wie Daniel ihr zart und behutsam über den Rücken streichelte.

Sie nickte schließlich und Daniel küsste ihre Stirn.

Dann lachte sie kurz und löste sich aus Daniels Umarmung.

"Vielleicht sollte ich lieber "Böreks backen oder Selbstmordattentate planen", anstatt zu duellieren", wiederholte Mayla Barrys furchtbare Empfehlung, um sich ein wenig abzulenken.

Daniel seufzte.

"Oder vielleicht sollten wir dieses rassistische Arschloch einfach schnellstmöglich vergessen."

"Hm-Hmm... Ich weiß, dass du Recht hast, aber Barry hat da im Nachhinein einen wunden Punkt getroffen. An meinen Vater konnte ich mich nie erinnern, aber Mama hatte mir gesagt, dass er ein mutiger, regimekritischer Journalist war, bis er dafür mit seinem Leben bezahlen musste. Damals war ich drei Jahre alt und wir sind nach Deutschland geflüchtet. Zwei Jahre später starb Mama an Krebs. Ich kann kaum einen Satz fehlerfreies Türkisch sprechen, weil ich es nur so kurz gelernt habe und später niemanden zum Sprechen mehr hatte. Ich bin also...ein Mensch ohne richtige Kultur."

"Mayla..."

"In dem Moment, als er Barry das gesagt hat, hatte es mir nichts ausgemacht, weil ich mich zumindest als starke Duellantin sehen konnte. Das ist meine Identität. Eine gute Duellantin zu sein. Aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr sicher, ob....-"

"Du bist eine großartige Duellantin, Mayla", unterbrach Daniel sie und lächelte, "Auch starke Duellanten haben mal ne schlechte Phase. Oder sind sich mal unsicher. Aber ich will gar nicht mehr wissen, wie oft du mich schon und teils auch Erin zusammengeschoben hast. Diese Duellantin steckt noch immer in dir."

Mayla zwang sich ein Lächeln ab und sah ihrem Freund dabei tief in die Augen.

Sie fand es lieb, wieviel Mühe sich Daniel gab sie zu trösten und sie wollte ihm nicht das Gefühl geben, darin zu versagen.

„Lass uns reingehen, es wird mir hier draußen etwas zu kalt", sagte sie.
 


 

°°°
 


 

In den kommenden zwei Tagen lernten Erin und Fiona jede Karte im Deck der Anderen auswendig, erklärten sich gegenseitig die verschiedenen Synergien in ihren Decks und sie traten auch einmal gegeneinander an.

Erin hatte das Duell allerdings recht früh zu Fionas Unmut abgebrochen, als sie erkannte, dass es sehr wahrscheinlich auf einen Sieg hinauslief.

Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie ihre Reaktion nach ihrer letzten Niederlage gegen Erin ausfiel und sie wollte nicht, dass Fiona mit einem schlechten Gefühl in die Praxisprüfung starten musste.

Die restliche Zeit nutzten sie, um mit Mayla zusammen für die schriftliche Prüfung zu lernen, die bereits am Montag stattfand.

Am Donnerstagabend verfiel Fiona, die sich selbst in den letzten Tagen kaum Ruhe gegönnt hatte, in Rekordzeit in einen tiefen Schlummer, während Erin und Mayla sich schwertaten einzuschlafen.

Sie wussten noch nicht, was genau sie am kommenden Tag erwarten würde und es fiel ihnen schwer einfach den Kopf auszuschalten und die Prüfung auf sie zukommen zu lassen, ohne verschiedene Szenarien durchzuspielen.

So kam es, dass am Freitagmorgen vor dem Akademiestadion von den drei Mädchen Fiona als einzige wirklich topfit war.

Es war brechend voll in der Eingangshalle, alle Schülerinnen und Schüler des ersten Jahrgangs, standen entweder noch an, um von einem Obelisk-Blue-Schüler, der wohl zum dritten Jahrgang gehörte, ihre gemeinsame Prüfungsnummer abzuholen oder erwarteten nervös ihre erste offizielle Prüfung an der Duellakademie.

Der Monitor war noch ausgeschaltet.

Erin winkte Mayla und Daniel zu, als sie sich ihre Nummer abgeholt hatten.

„Und?! Welche Nummer habt ihr?!“, rief sie Mayla entgegen, als sie sich zu ihren Freundinnen durchgedrängelt hatte.

„Die 2-22-01. Und ihr?“

„Waaaaas?! Mayla, du musst schon etwas lauter sprechen!“

Es war wirklich unheimlich laut, wenn sich auf engem Raum so viele Leute auf einmal unterhielten.

„Sie hielt ihr stumm einfach den Zettel entgegen.

Ah! Unsere Nummer ist so ähnlich! Fiona und ich haben die 2-09-01! Ich frage mich, ob das was zu bedeuten hat!“

Mayla und Daniel zuckten mit den Schultern.

Plötzlich bildete sich hinter den Vieren ein Korridor.

„Lasst mich einmal durch, bitte! Beiseite gehen, bitte!“, rief Herr Tillner, der dürre, etwa vierzigjährige Sportlehrer an der Akademie, der rein vom Aussehen her eher wie ein Informatik- oder Mathematiklehrer wirkte, aber nach Erins Meinung zu den angenehmeren Lehrkräften gehörte.

Auch Erin, Fiona, Mayla und Daniel machten ihm Platz.

Als Herr Tillner unter dem Monitor angekommen war, wurde es still, alle erwarteten gebannt auf seine Erklärung.

„Hallo, liebe Schülerinnen und Schüler! Es ist schön, dass ihr euch alle pünktlich hier eingefunden habt! Ich nehme an, jedes Prüfungspaar hat inzwischen eine Nummer?!“

„Pünktlich wäre zu viel gesagt, inzwischen ist es schon Viertel nach 9“, stellte Fiona genervt in ihren Gedanken fest.

Eine Vielzahl einzelner Schülerinnen und Schüler bestätigten dies mit Ja-Rufen oder Nicken.

„Super! Dann wollen wir mal gleich zum Punkt kommen!“, rief er und nahm eine Fernbedienung aus seiner Umhängetasche, mit der er den Monitor anschaltete, „in diesem Halbjahr wird euer Praxisduell ein Tag-Team-Duell sein!“

Die Reaktionen der Erstjahrgänge reichte von Verwunderung bis Entsetzen.

„Was?!“, rief Erin intuitiv aus.

Damit schien niemand gerechnet zu haben.

Generell hatten die meisten Schüler ein grobes Verständnis von Tag-Team-Duellen oder kurz einfach Tag-Duellen.

Es spielen eben zwei Duellanten im Team gegen zwei andere Duellanten.

Die Überraschung rührte daher, dass Tag-Duelle je nach Unterrichtsfach selten oder gar nicht thematisiert wurden und auch im Profisport abseits der Akademie waren Tag-Duelle eher ein Nischensport und nicht annähernd so beliebt, wie die einfachen Eins-gegen-eins-Duelle.

Auch Fiona, Mayla und Daniel wirkten überrumpelt.

„Hast du eigentlich jemals ein Tag-Duell an der Akademie gespielt?“, fragte Daniel seine Freundin, was sie nur mit einem Kopfschütteln beantworten konnte.

„Tja, äh... Da haben wir wohl was gemeinsam“, antwortete er salopp.

Herr Tillner lächelte zufrieden.

„Wie ich sehe, ist die Überraschung gelungen! Dieses Probeduell in einem ungewohnten Format erfordert eurerseits ein flexibles Umdenken und Anpassen eures Duellstils an den eures Partners oder eurer Partnerin! Nutzt hierzu alles, was ihr im letzten halben Jahr gelernt habt und bedenkt, dass euer TEAMWORK bewertet wird, ihr bekommt also am Ende die gleiche Bewertung wie euer Partner!“

Er räusperte sich und setzte seine Erklärung dann fort.

„Die Regeln eines Tag-Team-Duells sind wie folgt: Jeder Duellant verfügt über seine eigenen 4000 Lebenspunkte. Das heißt, wenn ein Spieler seine Lebenspunkte verloren hat, geht das Duell trotzdem und mit allen Karten des ausgeschiedenen Spielers noch weiter, der Partner oder die Partnerin muss es dann allerdings alleine mit zwei Gegnern aufnehmen! Die Zugfolge zwischen den Duellanten wechselt sich ab, zuerst ein Spieler aus Team 1, dann ein Spieler aus Team 2, dann der andere Spieler aus Team 1 und so weiter! Angriffe sind erst erlaubt, sobald alle Spieler einen Zug machen konnten!

Er zeigte nun auf den Bildschirm, auf den verschiedene Prüfungsnummern nebeneinander abgebildet waren.

„Hier seht ihr die Paarungen für euer Duell! Beachtet dabei den Code eurer Prüfungsnummer! Die Duellplattformen sind nur begrenzt und reichen nicht für alle Schülerinnen und Schüler auf einmal aus! Daher gibt die erste Ziffer eurer Nummer die Runde, in der ihr antreten werdet an. Die zweite und dritte Ziffer ist die Nummer eurer Plattform! Zudem endet eure Prüfungsnummer mit den Ziffern 01 und 02! Diese Team-Nummer sagt aus, auf welcher Seite der Duellplattform ihr euch aufstellen sollt! Achtet also darauf, dass wenn eure Prüfungsnummer auf „02“-endet, ihr auch auf der mit einer „02“-markierten Seite der Plattform steht! Das Team 01 hat wie erwähnt immer den ersten Zug!“

Erin betrachte den Bildschirm und erkannte das Schema.

1-01-01 gegen 1-01-02 in Runde 1, an Plattform 01, 1-02-01 gegen 1-02-02 in Runde 1, an Plattform 02, 1-03-01 gegen 1-03-02 in Runde 1, an Plattform 03, und so weiter. Im Prinzip ganz simpel.

„Gibt es noch Fragen eurerseits!?“, rief der Sportlehrer in die Runde und wartete einen Augenblick ab.

Niemand meldete sich.

„Gut, dann eröffne ich hiermit die erste Runde! Alle Prüfungspaare, deren Nummer mit einer „1“ beginnt, begeben sich jetzt bitte ins Stadion!“

Augenblicklich leerte sich die Eingangshalle, etwa die Hälfte aller Slifer-Reds betraten das Stadion.

„Aaalso, Mayla und ich haben die Nummer 2-22-01..Dann sind wir also erst in Runde zwei dran. Ihr zwei spielt auch in Runde zwei, richtig?“, fragte Daniel zur Vorsicht noch einmal Fiona und Erin.

Erin nickte Daniel zur Bestätigung zu und Fiona schien zu überlegen.

„Jetzt sind nur Slifer-Red-Schüler ins Stadion gegangen. Das heißt, in den ersten Runden spielen nur die Slifer. Wahrscheinlich wurden uns Gegner mit etwa gleichem GY-Score zugewiesen.“

Der Gedanke machte Erin stutzig und sie begann auf ihrem Handy rumzutippen.

„Ist was?“

„Ich habe gerade im Akademieportal nachgesehen. Es gibt 190 Erstjahrgänge, die zum Haus Slifer-Red gehören. Die nächstgrößte durch vier teilbare Zahl wäre aber 192. Das heißt mindestens ein Slifer-Team muss auf jeden Fall gegen Ras antreten.“

„Meint ihr ehrlich, WIR müssen am Ende gegen Schüler aus dem Haus Ra-Yellow duellieren?“, fragte Daniel verunsichert.

„Das ist gut möglich, wir vier sind ja mit die Stärksten aus unserem Haus“, meinte Mayla, was allerdings nicht zu Daniels Beruhigung beitrug.

Er hatte offensichtlich auf leichte Gegner gehofft.

Fiona blickte sich um und suchte nach einer freien Ecke.

„Tja, dann wünsche ich euch beiden bei eurem Prüfungsduell viel Erfolg! Erin, komm mit! Strategische Besprechung!“, sagte sie hastig, während sie die Gruppe verließ, bevor jemand was dazu sagen konnte.

„Jetzt noch!? Wir haben doch schon die letzten Tage....ach!“

Erin wollte Mayla und Daniel nicht einfach zurücklassen, aber sich so kurz vor der wichtigen Prüfung mit ihrem Teammitglied streiten wäre auch nicht gut.

„Geh ruhig. Ich wünsche euch auch viel Erfolg!“, sagte Mayla.

Erin lächelte und eilte dann Fiona hinterher.

Daniel lachte verlegen, als Erin ihn und Mayla verließ.

„Alles okay?“, fragte Mayla.

„Das sollte ich dich besser fragen. Fühlst du dich gut?“

Sie nickte.

Maylas letzter Blackout war dem Umstand geschuldet, dass das Duell Erinnerungen an Barry hochgebracht hat, da war sie sich sicher.

Sie fühlte sich jedenfalls stabil.

„Dass wir im Team spielen und am Ende eine gemeinsame Note bekommen, macht mir etwas zu schaffen, um ehrlich zu sein. Ich hoffe, ich ziehe uns nicht runter.“

Mayla nahm seine Hand und lächelte.

„Unser letztes Duell hast du doch gewonnen. Bitte mache dir nicht solche Gedanken. Wir schaffen das.“

Er schloss die Augen und atmete tief ein und aus.

„Hast wohl Recht. Die gemeinsame Benotung hat auch was Gutes: Wenn wir im schriftlichen Part ebenfalls ähnlich abschneiden, bleiben wir so oder so in einem Haus.“

„Das gelbe Haus!“, befahl Mayla in einem spielerisch autoritären Ton.

Daniel lachte und nickte.

„Das gelbe Haus!“

Erin schaute Fiona grimmig an.

„Deine Manieren werden auch nicht besser! Was sollte das denn?“, schimpfte sie.

„Sorry, aber es ist wichtig! Pass mal auf!“

Fiona kramte in ihrer zweiten Deckbox, in der sie Karten aufbewahrte, die sie aus Boostern gezogen, aber nicht in ihr Deck integriert hatte.

Erin erkannte, was ihre Freundin vorhatte.

„Du willst doch nicht so spontan dein Deck verändern!“

„Doch, will ich!“, entgegnete sie trotzig.

Sie suchte kurz, wurde aber schnell fündig und hielt Erin dann eine Fallenkarte entgegen.

Erin nahm sie.

„Normalerweise bringt mir diese Karte gar nichts! Aber in einem Tag-Duell mit dir zusammen könnte sie echt reinhauen! Was meinst du?“

Erin musste sich erstmal in Ruhe den Effekt durchlesen.

Sie verstand, was Fiona meinte.

„Stimmt. Die hier sollten wir auf jeden Fall verwenden. Soll sie in mein oder in dein Deck?“

Fiona überlegte ein wenig, bevor sie ihre Entscheidung fällte.

„Ich nehme sie! In meinem Deck habe ich ja die Chance sie mit Glückskäfer zu ziehen“, sagte Fiona und seufzte, „Mann! Da versucht man sich vernünftig vorzubereiten und dann kommen die Leute hier plötzlich auf die Schnapsidee eine Tag-Duell-Prüfung abzuhalten! Was soll der Blödsinn denn?“

„Keine Ahnung. Aber ich mache mir da keine großen Sorgen. Niemand hat mit einem Tag-Duell gerechnet, unsere Gegner sicherlich auch nicht. Wir sind also nicht unbedingt im Nachteil“, schlussfolgerte Erin.

„Lass mich dann den ersten Zug machen. Wenn ich zuerst dran bin, kann ich zuerst angreifen und mein Donnerklang-Deck ist schneller kampfbereit.“

„Klingt logisch, machen wir so!“, bestätigte Fiona und freute sich darüber, dass ihre Partnerin so gut mitdachte.

Eine Durchsage ertönte: “Runde 1 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 2 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“

Das rief bei Erin Erinnerungen an dem Tag der Probeduelle wach.

Einige der Schülerinnen und Schüler schritten mit mal mehr, mal weniger zufriedenen Gesichtsausdrücken aus dem Stadion, während nun die nächste Welle an Slifer-Red-Schülern ihr auf dem Weg ins Stadion entgegen kam.

Sie schaute zu der Stelle, wo sie eben noch mit Mayla und Daniel gestanden hatten, beide waren bereits gegangen.

„Erin, lass uns gehen! Wir müssen zu Nummer...äh...“

„Zu Plattform Nummer 9, Seite 1!“, erinnerte sie Erin und ging mit ihr zusammen los.

Die Tribünen waren nochmal etwas leerer als damals, was kaum verwunderlich war.

Soweit sie wusste, waren bereits am Nachmittag die Schülerinnen und Schüler aus dem zweiten Jahrgang dran und am Abend die aus Jahrgang drei.

Die Mitschüler hatten also vor ihrer eigenen Prüfung sicher Besseres zu tun, als den Neulingen zuzusehen.

„Wozu waren die Tribünen eigentlich überhaupt da?“, fragte sie sich heimlich im Vorbeigehen.

Erins und Fionas Gegenspieler waren noch nicht eingetroffen.

Beide stellten sich nebeneinander auf die ihnen zugewiesene Seite.

Erin guckte hinter sich und konnte zu Mayla und Daniel rübersehen.

Die beiden hatten zwei Jungen aus Slifer-Red als Gegner und waren den Hologrammen nach zu urteilen mitten im Duell.

„Bah! Warum kommen gerade unsere doofen Gegner jetzt zu spät!“, fluchte Fiona.

Sie war tatsächlich eine der wenigen Personen, die Erin in Sachen Ungeduld toppen konnte.

„Nur mit der Ruhe! Wir sind so gut es geht vorbereitet. Heute lösen wir unser Versprechen ein und gehen den ersten Schritt in Richtung Ra-Yellow!“

„Oh nein...Erin.. Ich glaube da kommen unsere Gegnerinnen!“

Fiona, bis eben noch optimistisch, klang plötzlich sehr besorgt, sie ignorierte Erins Ansprache und sah mit Entsetzen auf die beiden Schülerinnen, die auf Plattform 9 zugingen.

„So schlimm?“, fragte sich Erin, die bisher zu ihrer Freundin gesehen hatte und nun ebenfalls die eintreffenden Kontrahentinnen entdeckte.

Die beiden Mädchen in Ra-gelben Uniformen betraten im Gleichschritt die Plattform und stellten sich mit aktivierten Duel-Disks Erin und Fiona gegenüber.

Es war so schlimm.

In einem Tag-Duell, in dem es darauf ankam, den Team-Partner und dessen Duellstil so gut wie möglich zu kennen und ihm oder ihr absolut vertrauen zu können, waren Gegnerinnen wie die, die Fiona und Erin nun erwarteten, tatsächlich das Schlechteste, was ihnen hätte passieren können.

„Entschuldigt bitte die Verspätung, wir können von uns aus sofort anfangen.“, sprach das erste Ramädchen und die zweite legte gleich nach:

„Wir sind Kim und Kiara Martin. Auf ein spannendes Duell!“

Mit einem milden aber siegesgewissen Lächeln blickten die eineiigen Zwillinge auf die verunsicherten Slifermädchen.
 

____________
 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Schäfersfreund: Stufe 4, 1850Atk, 1300Def, Typ Ungeheuer, Attribut Licht, Normal
 

Fallenkarten:
 

Recht des Underdogs: Normale Fallenkarte

Wenn ein Normales Monster, das du kontrollierst angegriffen wird: Wähle entweder die ATK oder die DEF des gewählten Monsters: Die ATK oder DEF des gewählten Monsters verdoppeln sich bis zum Ende des Zuges.

Die Halbjahresprüfung - Teil 2

Kim und Kiara Martin, eineiige Zwillinge aus dem Haus Ra Yellow erwarteten den ersten Zug von Erin und Fiona.

Erin fand, sie hatten etwas Gespenstisches an sich.

Beide Schwestern waren sehr schlank und hatten lange, schwarze Haare mit Strähnen, die jeweils Kims linkes und Kiaras rechtes Auge verdeckten und die einen Kontrast mit ihrem bleichen Hautton bildeten.

Erin seufzte.

Dass ihr und Fiona von allen möglichen Gegnern in der Halbjahresprüfung gerade Zwillinge zugelost wurden, die in einem Tag-Duell einen unfairen Vorteil haben würden, war extremes Pech, aber es hieß nicht unbedingt, dass sie chancenlos waren.

Erin und Fiona hatten in den Tagen gegenseitig ihre Decks verinnerlicht sich noch in den letzten Minuten vor dem Duell besprochen und Fiona hatte noch ihre besondere Fallenkarte im Deck.

Zudem war Erin keine Anfängerin mehr und auch Fiona war eine fähige Duellantin...

Sie blickte zu ihrer nervösen Freundin hinüber.

...zumindest theoretisch.

„Erin, fang an, wie besprochen“, sagte sie ungeduldig.

„Ich finde, wir sollten uns erstmal selbst vorstellen. Ich bin Erin und sie heißt Fiona.“

„Es ist uns eine Freude, Erin und Fiona“, sagte Kim und lächelte.

„Lasst uns nun beginnen“, forderte Kiara.

Erin und Fiona nickten.

Sie hatten zu viel gelernt und trainiert, um jetzt zu scheitern.

Die Slifermädchen wollten um jeden Preis in das Haus Ra-Yellow aufsteigen, doch dafür durften sie sich in diesem Prüfungsduell nichts anderes als einen Sieg erlauben.

Erin machte sich an ihren ersten Zug.

„Ich beginne mit der Donnerklang-Taktikerin! Zeig dich im Verteidigungsmodus!“

Die blonde Gelehrte mit der Armbrust auf dem Rücken erschien knieend vor Erin.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

„Meine Taktikerin ist das perfekte Monster für den Duellanfang, denn wenn sie mein einziges Monster ist, ruft sie eine ihrer Donnerklang-Freundinnen aus dem Deck auf meine Hand als Verstärkung! Meine Wahl fällt auf die Donnerklang-Seele!“

Erin zeigte das gesuchte Monster vor und nahm es auf die Hand.

„Außerdem setze ich zwei Karten verdeckt! Ihr seid dran!“

Die zwei Zauber- oder Fallenkarten erschienen vor Erin und Kiara machte sich an ihren ersten Zug:

„Unsere erste Karte ist die Dienerin der Erzengel im Verteidigungsmodus!“

Vor Kiara erschien ein groteskes Wesen, dass nur aus weißen Flügeln und dürren Armen bestand, deren Hände zum Gebet gefaltet waren.

Das Hologramm war ungewöhnlich blass, was Erin sichtlich verwunderte.

Dienerin der Erzengel: Stufe 2, 800Atk, 1200Def.

„Weiter geht es mit unserem zweiten Monster: Als Spezialbeschwörung aus meiner Hand rufe ich den Spiegelzauberer!“

Das Magiermonster trug passend zum Namen ein mit unzähligen kleinen Spiegeln bedecktes, schimmerndes Gewand und auf seinem langen Stock befand sich ebenfalls eine Kugel aus Spiegelglas.

Spiegelzauberer: Stufe 3, 1600Atk, 0Def.

„Den Spiegelzauberer darf ich immer als Spezialbeschwörung aus der Hand rufen, wenn wir ein Normales Monster kontrollieren. Das ist aber noch nicht alles. Denn mit seiner Spiegelmagie erlaubt er es uns eine zweite Normalbeschwörung pro Zug durchzuführen, solange das Normalbeschworene Monster ebenfalls ein Normales Monster ist. Daher beschwöre ich als Normalbeschwörung die Dienerin der Erzengel auf dem Feld!“

Der Magier hob seinen Stock und ein blendender Lichtblitz zwang Erin und Fiona dazu, die Augen zuzukneifen.

Als sie die Augen wieder öffneten, war das Hologramm der Dienerin der Erzengel genauso stark, wie das des Spiegelzauberers und der Donnerklang-Taktikerin und es war um einiges gewachsen.

Dienerin der Erzengel: 800Atk → 1400Atk, 1200Def → 1800Def.

Erin hatte sich wohl nicht verhört, als Kiara ankündigte ein Monster zu rufen, dass sich bereits auf dem Feld befand.

„Erin. Dieses Engelsviech ist wohl ein Zwillings-Monster.“, sagte Fiona.

„Ja, das habe ich mir gerade auch gedacht. Das ist die einzige Art von Monstern, die man auf dem Feld ein zweites Mal beschwören kann.“

Zwillings-Monster waren bereits Thema im Fach „Sekundäre Monstertypen“ gewesen:

Auf dem Feld und auf dem Friedhof werden sie anfangs als Normale Monster behandelt.

Wenn man einen Zwilling auf dem Feld Normalbeschwört, setzt es so seinen eigentlichen Effekt frei.

Kim lächelte.

„Die beiden sind ganz schön clever für Sliferverhältnisse, Schwesterherz.“

„Und wenn schon, unserer doppelten Zwillingsstrategie haben sie nichts entgegenzusetzen! Denn der besondere Effekt von Dienerin der Erzengel verstärkt alle Zwillinge, die wir kontrollieren um 600 Angriffs- und Verteidigungspunkte. Ich setzte eine verdeckte Karte und gebe ab.“

Fiona war nun an der Reihe.

Sie zog und sah sich auf dem kleinen Bildschirm ihrer Disk die von Erin gesetzten Karten an.

Donnerbeschwörung und Elektrobarriere, nichts was sie zurzeit aktivieren könnte.

„Hier kommt Solaritus Hydrazinthe, vorsichtshalber ebenfalls im Verteidigungsmodus!“

Das Pflanzenmonster mit den kleinen, bezahnten Mäulern und blauen Blüten fauchte.

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

Fiona überlegte angestrengt.

Erins verdeckte Karten waren für sie leider nicht wirklich hilfreich.

Es verstieß zwar gegen eines der vier in FST gelernten Grundprinzipien, aber um sich vernünftig zu wappnen, musste sie selbst noch mehrere Karten verdeckt setzen.

„Ich setzte außerdem drei verdeckte Karten! Am Ende meines Zuges aktiviert sich dann der besondere Effekt von Hydrazinthe und erlaubt es mir ein Solaritus-Monster aus dem Deck auf die Hand zu nehmen und ein anderes Solaritus-Monster aus dem Deck auf den Friedhof zu legen!“

Deswegen nehme ich also Solaritus Sonnenatlas auf die Hand und lege den Solaritus Glückskäfer auf den Friedhof! Und Ende!“

Drei neue verdeckte Karten befüllten die Zauber- und Fallenkartenzone von Erin und Fiona.

Kim durfte nun ihren Zug machen und als erste Spielerin auch angreifen.

„Ihr zwei könnt rumschreien wie die Großen, aber dann versteckt ihr euch hinter einem Haufen von Zaubern und Fallen. Apropos...Ich darf doch, oder Kiara?“

„Hehe, meine Karten sind deine Karten, Kim, bediene dich!“

„Alles klar! Ich decke die verdeckte Karte meiner Schwester auf! Spiegelbeschwörung! Mit dieser Fallenkarte darf ich für nur 1000 Lebenspunkte ein Monster aus dem Deck als Spezialbeschwörung rufen, das den gleichen Namen hat, wie ein anderes Monster, das wir bereits kontrollieren!

Vor Kim deckte sich die Fallenkarte auf und sie stöhnte, als sie die Lebenspunkte für ihre Falle bezahlte.

Kims Lebenspunkte: 4000 → 3000.

„Ich rufe im Angriffsmodus aus meinem Deck die Dienerin der Erzengel!“

Ein zweites, schwaches Hologramm des aus Flügeln und Armen bestehenden Feenmonsters erschien neben der ersten Dienerin.

Dienerin der Erzengel: Stufe 2, 1400Atk, 1800Def.

„Unsere Dienerin hat noch nicht ihren Effekt freigesetzt. Deshalb beschwöre ich sie mittels des besonderen Effekts des Spiegelzauberers sofort als Normalbeschwörung. So kann sie ebenfalls alle Zwillinge um 600 Punkte verstärken.“

Der Magier von Kim und Kiara erhob wieder den Stock und brachte ihn zum Aufleuchten.

Das Hologramm der Dienerin wurde intensiver.

Dienerin der Erzengel: 1400Atk → 2000Atk, 1800Def → 2400Def.

Dienerin der Erzengel: 1400Atk → 2000Atk, 1800Def → 2400Def.

„Ihr Slifer habt wohl noch nicht gelernt, dass es keine gute Idee ist, sich nur auf verdeckte Karten zu verlassen: Ich aktiviere den Zauber Zwillingssturm! Wenn ich ein Zwilling-Monster kontrolliere, das bereits seinen Effekt erhalten hat, darf ich Zwillingssturm aktivieren und alle Zauber- und Fallenkarten auf dem Feld zerstören!

Kim platzierte energisch den gefährlichen Zauber auf ihrer Disk und ein verheerender Wirbelsturm drohte alle fünf gesetzten Karten von Erin und Fiona zu vernichten.

Fiona hatte den letzten Zug und musste nun eingreifen:

„Damit war zu rechnen! Hier kommt die Konterfalle Feuersäulenwall!“

Eine rauschende Mauer aus Feuer blockierte den Sturm, der sich in eine schwache Brise auflöste.

„Da ich mit der Solaritus Hydrazinthe ein Monster mit dem Feuer-Attribut beherrsche, darf ich Feuersäulenwall aktivieren, um einen Karteneffekt zu annullieren, der eine oder mehrere Karten, die ich kontrolliere zerstören würde und stattdessen diese Karte zu zerstören.

Die Mauer aus Feuer verschwand wieder und die Zwillinge sahen ein wenig beeindruckt aus.

Erin atmete entspannt auf.

Das war mehr als knapp, fast hätten sie sich einen saftigen Kartennachteil eingehandelt.

„Gut gekontert! Aber ich habe immer noch meine eigentliche Normalbeschwörung übrig, deshalb opfere ich nun den Spiegelmagier, um den mächtigen Werwolfkrieger als Tributbeschwörung zu rufen!

Ein auf den Hinterbeinen stehender Wolf mit einer futuristisch wirkenden Rüstung und einer silbernen Energiepistole erschien mit einem Jaulen vor Kim.

Das Hologramm war blass.

Werwolfkrieger: Stufe 6, 2200Atk, 1900Def.

„Wieder ein Zwillingsmonster, wie erwartet“, dachte sich Erin.

Kim setzte den Zug fort:

„Selbstverständlich erhält auch unser Werwolfkrieger ein Power-Up durch die Dienerinnen der Erzengel.“

Der kämpferische Werwolf wuchs auf etwa vier, fünf Meter Höhe an.

Werwolfkrieger: 2200Atk → 3400Atk, 1900Def → 3100Def.

„Zuletzt wechsele ich Dienerin der Erzengel Nummer Eins in den Angriffsmodus. Danach beginne ich meine Battle Phase. Als Erstes greift Dienerin der Erzengel die Donnerklang-Taktikerin an!“

Wie befohlen flog die Fee auf Erins Taktikerin zu, entfaltete dabei die Hände und holte zum Schlag aus.

Fiona schritt ein:

„Ich aktiviere die Falle Elektrobarriere! Wenn ein Donnerklang-Monster unter meiner Kontrolle angegriffen wird, darf ich das angreifende Monster zurück in das Deck mischen und dir Schaden in Höhe der halben Angriffskraft deines Monsters zufügen!

Ein gelblich-durchsichtiger Schutzschild bildete sich vor der Taktikerin und stieß die auf den Schild einschlagende Dienerin zurück.

Dienerin der Erzengel verschwand und ein Blitz schoss von der Barriere auf die vor Schmerz kreischende Kim zu.

Kims Lebenspunkte: 3000 → 2000.

„Super gemacht, Fiona, genauso hätte ich die Falle auch aktiviert!“, lobte Erin und lächelte Fiona an.

Sie grinste nach dem Kompliment Erin breit an und wandte sich dann wieder Kim zu:

„Ohne die Dienerin der Erzengel verlieren eure anderen Monster ebenfalls Punkte!“

Dienerin der Erzengel: 2000Atk → 1400Atk, 2400Def → 1800Def.

Werwolfkrieger: 3400Atk → 2800Atk, 3100Def → 2500Def.

„Tja, da hast du mir doch einen Schlag versetzt, gut gemacht, Fiona. Aber unsere Monster haben trotzdem genug Schlagkraft, um euer Feld zu leeren! Werwolfkrieger, zerstöre die Donnerklang-Taktikerin! Dienerin der Erzengel, Attacke auf Solaritus Hydrazinthe!“

Der Werwolfkrieger feuerte eine grüne Laserkugel auf Erins Kriegerin, die daraufhin zerplatzte und die Dienerin der Erzengel zerschmetterte mit einem Hieb Fionas Pflanze.

„Ich setze zwei Karten verdeckt und beende den Zug.“

Erin war nun wieder dran und zog.

„Ihr zwei seid nicht die einzigen, die ihre Kräfte vereinen könnt und das beweist meine Zauberkarte“, Erin zeigte den Gegnerinnen ihre Karte vor, „Hier kommt Fusion! Mit ihr verschmelze ich Donnerklang-Kampfmagierin mit Donnerklang-Seele auf meiner Hand!“

Eine finstere Gewitterwolke zog sich über Erin zusammen und schließlich schlug ein gleißender Blitz vor ihr ein, der ihr Fusionsmonster hinterließ.

Stolz präsentierte die blonde Reiterin auf dem weißen Pferd ihre goldene Lanze.

„Ich bitte um einen donnernden Applaus für Donnerklang-Ritterin!“

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„So ein Trara für ein Monster mit weniger Punkten als Werwolf?“, fragte Kiara und Kim ergänzte sogleich: „Entschuldigung, aber das ist wirklich keinen Applaus wert.

Fiona kicherte.

Sie kannte Erins Deck wie ihr eigenes und wusste es deshalb besser.

„Tja, alleine ist meine Ritterin nicht stark genug, aber das ändert sich dank des Spezialeffekts von Donnerklang-Seele! Wird sie für die Fusionsbeschwörung eines Donnerklang-Monsters als Fusionsmaterial genutzt, darf sie das beschworene Monster sofort ausrüsten und es so um 800 Angriffspunkte stärken, allerdings darf ich Donnerklang-Seele nicht im gleichen Zug ausklinken.“

Die Lanze der Ritterin leuchtete bläulich auf und knisterte dank der nun auf ihr tanzenden, kleinen Blitze.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

„Ah, verstehe, ein Union-Monster“, bemerkte Kim.

„Genau! Mit dieser Extrapower, gibt’s jetzt einen leckeren Werwolfskebap! Ritterin, greife mit dem 10.000-Volt-Stoß an!“

„Nicht so schnell! Der zweite Effekt von Dienerin der Erzengel sorgt dafür, dass du keine anderen Zwillings-Monster angreifen kannst als sie! Deine Ritterin muss also zuerst unsere Dienerin zerstören!“, hakte Kim ein.

„Öhm... Na gut, in dem Fall: Donnerklang-Ritterin! Ändere dein Angriffsziel auf Dienerin der Erzengel!“

Wie befohlen ritt Erins Monster entschlossen auf Dienerin der Erzengel zu.

„Ich aktiviere die Falle Spiegelbeschwörung! Wie du siehst, habe ich mein eigenes Exemplar von dieser Fallenkarte! Für nur 1000 Lebenspunkte beschwöre ich erneut die zweite Dienerin der Erzengel aus meinem Deck!“

Kim keuchte, als sich ihre Falle aufdeckte.

Kims Lebenspunkte: 2000 → 1000.

Das schwache Hologramm des betenden Flügelmonsters erschien.

Dienerin der Erzengel: Stufe 2, 1400Atk, 1800Def.

„Außerdem decke ich sofort meine zweite Falle auf: Zusatzbeschwörung! Mit ihr darf ich sofort eine erneute Normalbeschwörung durchführen. Dadurch verhelfe ich Dienerin Nummer zwei zu ihrem Effekt!“

Das Hologramm erreichte nun eine normale Stärke.

Dienerin der Erzengel: 1400Atk → 2000Atk, 1800Def → 2400Def.

Dienerin der Erzengel: 1400Atk → 2000Atk, 1800Def → 2400Def.

Werwolfkrieger: 2800Atk → 3400Atk, 2500Def → 3100Def.

Der letzte Spielzug ließ Erin deutlich an Kims Duellfähigkeiten zweifeln.

„Was soll das denn!? Hast du dich jetzt völlig verrechnet!? Vor der Spiegelbeschwörung hättest du den Angriff meiner Ritterin noch gerade so überstanden! Aber wegen der Kosten deiner Falle verlierst du den kompletten Rest deiner Lebenspunkte, sobald Donnerklang-Ritterin die Dienerin der Erzengel zerstört!“, rief sie.

Kiara grinste selbstsicher.

„Ach ja, Erin? Versuch doch mal, unsere Monster zu zerstören.“

Die Ritterin holte aus und stieß zu, aber die elektrisierte Lanze wurde zurückgestoßen, bevor sie ihr das Feenmonster erreichen konnte.

„Was?“

Erst jetzt erkannte Erin den kaum sichtbaren Schleier, der sich um Kims und Kiaras Feldseite gelegt hatte und ihre Monster vor Schaden bewahrte.

„Was ist das denn? Wo kommt euer Schutzschleier plötzlich her?!“

„Erin!“, sprach Fiona ihre Freundin deutlich an, „verstehst du nicht, was Kim durch ihren letzten Zug bewirkt hat? Sie hat nun zwei Monster unter ihrer Kontrolle, die Angriffe auf andere Zwilling-monster verhindern. Das Problem ist, dass beide Dienerinnen ebenfalls Zwillinge sind.“

Erin dämmerte langsam, was Fiona ihr sagen wollte.

„Oh nein! Das heißt nicht nur, dass die Dienerinnen Angriffe auf Werwolfkrieger und andere Zwillinge verhindern, sondern Dienerin Eins bewahrt auch Dienerin Zwei und umgekehrt, oder?“

„Genau. Solange beide Dienerinnen aktiv sind, sind Kim und Kiara absolut unangreifbar!“

Kiara reichte ihrer inzwischen etwas verausgabten und deshalb gekrümmt stehenden Schwester die Hand und beide lächelten die Slifermädchen selbstsicher an.

„Guck, Kim, die Rothaarige hat es geblickt.“

„Tja, leider kommt die Erkenntnis zu spät, Erins Battle Phase ist nun vorbei.“

Erin hasste es, ihren Gegnerinnen Recht geben zu müssen, aber es gab tatsächlich nichts, was sie gerade tun könnte.

„Ich beende meinen Zug“, sagte sie zerknirscht.

Das war übel.

Zwar hatte eines der Mädchen kaum noch Lebenspunkte übrig, aber ihren Opfern war es zu verdanken, dass die Zwillinge eine mächtige Kombo aufstellen konnten, die sie vor allen Monsterangriffen schützte und jedem ihrer Monster außerdem riesige 1200 Angriffs- und Verteidigungspunkte bescherte.

Davon abgesehen, hatte Erin wegen der ressourcenreichen Fusionsbeschwörung nur noch eine Handkarte.

Sie musste sich auf Fiona verlassen, aber das war gar nicht mal so leicht:

Erins und Fionas Decks verfügten ganz im Gegensatz zu den anscheinend identischen Decks von Kiara und Kim kaum über Synergie miteinander, was unter anderem der Grund dafür war, warum Erin ihre Donnerbeschwörung nicht zum Schutz von Donnerklang-Taktikerin nutzen konnte.

Andererseits konnte sie auch mit den verdeckten Karten von Fiona kaum etwas anfangen.

Erin und Fiona war von Anfang an klar gewesen, dass ein Tag-Duell gegen Zwillinge schwierig werden würde, aber sie konnten unmöglich wissen, wie sehr nicht nur Kim und Kiara als Spielerinnen an sich, sondern auch die Decks der beiden harmonierten.

Kiara zog.

„Ich aktiviere den Zauber Ominöser Zeit-Orkan! Mit diesem Schnellzauber darf ich jede beliebige Zauber- oder Fallenkarte vernichten, deine Donnerklang-Seele verabschiedet sich also.“

Ein Wirbelsturm schoss von Kiaras ausgestreckter Hand, die den Zauber hielt auf die Donnerklang-Ritterin zu und die Lanze verlor ihr blaues Leuchten.

„Ich kenne den Effekt der Ritterin, hätte ich sie einfach angegriffen, hättest du unseren Werwolf noch vor der Schadensrechnung zerstört. Aber ohne die Seele verliert die Ritterin diese Fähigkeit. Außerdem sinken ihre Angriffspunkte!

Donnerklang-Ritterin: 3300Atk → 2500Atk.

„Außerdem beschwöre ich nun den Werwolfkrieger als Normalbeschwörung und lege damit seinen besonderen Effekt frei!“

Der bewaffnete Werwolf jaulte und sein Hologramm leuchtete noch deutlicher.

„Und jetzt“, Kiara zeigte kommandierend auf Erins Monster, „krallt sich der Werwolfkrieger deine Donnerklang-Ritterin!“

Mit seiner Energiewaffe feuerte der Werwolfkrieger einen grünen Laserschuss ab.

„Ich aktiviere den verdeckten Schnellzauber Donnerbeschwörung!“, unterbrach Erin und die verdeckte Karte deckte sich auf.

„Donnerbeschwörung lässt mich ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner sofort beschwören und ich darf es außerdem als Ausrüstung eines Donnerklang-Monsters vom Typ Krieger nutzen, deshalb verstärke ich Ritterin mit der Donnerklang-Inkarnation aus meiner Hand!“

Erins verdeckte Karte deckte sich wieder zu und der Laserstrahl durchlöcherte und sprengte das Ritterin-Hologramm.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 3100.

„Was ist denn jetzt passiert!?“, fragte Erin gereizt und irritiert.

„Der Effekt von Werwolfkrieger ist passiert! Hehehe...zumindest der erste Effekt, der Aktivierungen von Karteneffekten während seines Angriffs verhindert. Der beste Teil kommt allerdings erst am Ende der Battle Phase. Aber vorher prügeln dir die Dienerinnen der Erzengel noch etwas Verstand ein! Direkter Angriff!“

Die erste Dienerin der Erzengel flatterte, den Arm zum Schlag ausgeholt auf Erin zu.

„Ich spiele Donnerbeschwörung und rufe von meiner Hand die Donnerklang-Inkarnation in den Verteidigungsmodus!“

Donnerklang-Inkarnation: Stufe 2, 700Atk, 0Def.

Das aus zuckenden Blitzen bestehende, gelbe Energiewesen erschien auf Erins Seite und fing Kiaras Angriff ab, bevor es zerplatzte.

„Da Donnerklang-Inkarnation zerstört wurde, darf ich mir Fusion aus dem Deck oder dem Friedhof auf die Hand nehmen, also nehme ich einfach das im letzten Zug genutzte Exemplar in meinem Friedhof.

Erin hatte kaum den besagten Zauber wieder ihrer Hand zugefügt, als Kiara ihre Battle Phase fortsetzte.

„Der zweiten direkten Attacke wirst du nicht entkommen! Dienerin Nummer zwei, greife Erins Lebenspunkte an!

Das Feenmonster versetzte Erin einen schmerzhaften Schlag in die Magengrube.

Sie taumelte einige Schritte zurück, wurde dann aber rechtzeitig von Fiona festgehalten.

Erins Lebenspunkte: 3300 → 1100.

„Schwesterherz, du hattest doch Erin noch versprochen, ihr den zweiten Effekt von Werwolfkrieger zu zeigen“, erinnerte Kim Kiara hämisch, wohlwissend, dass Kiara den Effekt nicht vergessen hätte.

„Stimmt genau! Der zweite Effekt aktiviert sich, wenn Werwolfkrieger Kampfschaden zufügt und gestattet es uns ein beliebiges Zwillingsmonster am Ende unserer Battle Phase von der Hand zu beschwören. Ich rufe deshalb den Hexenjägerdrachen im Angriffsmodus!“

Der aschegraue und mit ominösen Schriftzeichen bemalte Drachen mit dornigen Schuppen und einem gedrungenen Körperbau flatterte zur Begrüßung mit den Flügeln.

Hexenjägerdrache: Stufe 4, 1700Atk, 1600Def.

„Eine Schönheit, nicht wahr? Natürlich profitiert auch der Hexenjägerdrache von den beiden Dienerinnen der Erzengel.

Hexenjägerdrache: 1700Atk → 2900Atk, 1600Def → 2800Def.

„Ich setze noch zwei Karten verdeckt und gebe ab!“

Fiona war nun dran und zog, wurde allerdings sofort von Kiara unterbrochen:

„Zu Beginn deines Zuges spiele ich sofort die Falle Zusatzbeschwörung! Jetzt darf ich noch einmal den Hexenjägerdrachen rufen und so seine volle Kraft entfesseln.“

Die Fallenkarte deckte sich auf und das Drachenhologramm war deutlicher zu sehen.

Kim erklärte: „Der Effekt von Hexenjägerdrache lässt euch beiden keine Chance! Solange er sich zusammen mit einem anderen Zwilling-Monster auf dem Feld befindet, können unsere Gegner keine Zauberkarten ausspielen!“

Kiara ergänzte: „Das bedeutet Erin kann keine Fusionszauberkarte mehr aktivieren und du Fiona, willst, angesichts des Ritualmonsters, das du in deinem letzten Zug deiner Hand zugefügt hast, offensichtlich eine Ritualzauberkarte nutzen. Ihr müsst jetzt nicht nur ohne Angriffe, sondern auch ohne eure stärksten Monster auskommen!“

Fiona ließ sich nicht einschüchtern und Erin nickte ihr Mut machend zu.

Die Zwillinge wussten nichts von Fionas und Erins Geheimwaffe, aber um diese auszuspielen, musste vorher Erins Ritterin zurückkehren.

„Ich beginne mit dem wunderbaren Solaritus-Monster Glutstacheligel im Angriffsmodus!

Der niedliche Igel mit den glühend heißen Stacheln quiekte.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

„Der besondere Effekt des Glutstacheligels lässt mich auf seine Normalbeschwörung hin ein beliebiges Solaritus-Monster aus meinem Friedhof rufen! Daher rufe ich den Solaritus Glückskäfer!

Ein Marienkäfer in Kleinkindgröße mit Sternen anstelle der typischen Punkte winkte Erin, Kim und Kiara munter zu.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def,

Nun, da ich mindestens ein Monster mit dem Feuerattribut kontrolliere, darf ich den Phönixgeist aus meiner Hand abwerfen! Wenn ich nun ein Feuer-Monster opfere, darf ich an dessen Stelle ein beliebiges Monster aus meinem Friedhof rufen! Ich tausche den Solaritus Glutsstacheligel gegen die Donnerklang-Ritterin aus!“

Aus dem in der Duelldisk platzierten Phönixgeist flog ein brennender Vogel, der auf dem Glutstacheligel landete.

Beide Kreaturen wandelten sich plötzlich in eine Stichflamme, die, als sie erlosch, die Ritterin zurückließ.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Klasse, gut gemacht, Fiona!“, feuerte Erin sie an.

Skeptisch beurteilte Kiara den letzten Spielzug.

„Gut, ihr habt die Ritterin zurück, aber sie kann es nicht mit unserer Armee aus Zwilling-Monstern aufnehmen“, kommentierte Kiara.

Vier Monster mit allesamt 2000 oder mehr Angriffspunkten, mit Immunität gegenüber Angriffen und Zaubern standen Fiona und Erin gegenüber, doch Fiona war optimistisch.

Mit dieser Fallenkarte konnte sie das Duell um 180 Grad wenden.

„Ich aktiviere die seltene Fallenkarte Hohe Transformationsmagie!“

„Hohe Transo-Was?“, fragte Kim verwirrt.

„Hohe Transformationsmagie! Diese großartige Karte hat zwei mögliche Effekte, je nach Situation: Ich kann hohe Transformationsmagie entweder als Fusionszauber benutzen, um ein Ritualmonster auf dem Feld und mindestens ein weiteres Monster zu einem beliebigen Fusionsmonster zu verschmelzen, oder ich darf mit Hohe Transformationsmagie ein Fusionsmonster auf dem Feld und ein weiteres Monster als Tribut für ein beliebiges Ritualmonster nutzen!“

Die Donnerklang-Ritterin und der Solaritus Glückskäfer verwandelten sich in Feuerbälle, die umeinander kreisten und schließlich kollidierten.

Eine rauschende Säule aus Feuer blieb zurück, aus der sich Fionas riesiges, weißes Ritualmonster mit den feurig roten, mit einem goldenen Sonnensymbol verzierten Flügeln zum Flug erhob.

Als Ritualbeschwörung rufe ich den Solaritus Sonnenatlas!

Solaritus Sonnenatlas::Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Das war fantastisch, lobte Kiara, „Dir ist tatsächlich eine Ritualbeschwörung komplett ohne Ritualzauberkarten gelungen. Aber das wird euch jetzt leider auch nicht mehr weiterhelfen!“

„Das werden wir noch sehen!“, hielt Fiona dagegen.

„Zuerst wird es Zeit für den Spezialeffekt von Solaritus Glückskäfer. Wird der Glückskäfer für eine Ritualbeschwörung als Tribut angeboten, dann darf ich eine Karte ziehen. Ist diese Karte ein Zauber, oder eine Falle, darf ich sie vorzeigen und sofort ein zweites Mal ziehen!“

Sie legte hoffnungsvoll die Hand auf das Deck, zog, grinste und zeigte die gezogene Zauberkarte gleich vor.

„Super, also gibt es noch eine Karte für mich!“, freute sich Fiona und zog.

Ich nutze den Effekt von Solaritus Sonnenatlas: Indem ich drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof wieder in das Deck mische, darf ich mit Sonnenatlas jede offene feindliche Karte einäschern! Damit kehren Hydrazinthe, Glückskäfer und Glutstachel zurück ins Deck und eure Monster wandern auf den Friedhof!“

Fionas imposantes Feuerinsekt schlug die Flügel und beschwor so sengend heiße Winde herauf, die die beiden Dienerinnen der Erzengel, den Werwolfkrieger und den Hexenjägerdrachen zum Platzen brachte.

„Verflixt! Wir stehen ohne Schutz da!“, stellte eine verärgerte Kiara fest.

„Genau! Ohne Monster, die euch verteidigen könnten, kann ich direkt angreifen! Mein Angriffsziel ist Kim!“, Fiona zeigte auf das nun ernst guckende Ra-Mädchen und sprach weiter: Die Angriffspunkte meines Monsters sind mehr als genug, um deine restlichen 1000 Lebenspunkte auf 0 zu bringen und dich aus diesem Duell zu nehmen! Alles verbrennende Sonnenwinde!“

Auf den Flügeln von Sonnenatlas entstanden mehrere Dutzend roter Punkte, die zu explosiven, auf Kim zuschießenden Geschossen wurden.

„Unsere Falle verhindert deinen Direktangriff!“

Vor Kiara deckte sich die Fallenkarte auf.

„Unspektakuläre Wiedergeburt darf bis zu zwei Normale Monster mit dem gleichen Typ aus unserem Friedhof spezialbeschwören! Weil Zwillinge im Friedhof als Normale Monster zählen, rufe ich die Dienerinnen der Erzengel im Verteidigungsmodus auf!

Die blassen Hologramme der bizarren Wesen aus Flügeln und Armen erschienen.

Dienerin der Erzengel: Stufe 2, 800Atk, 1200Def.

Dienerin der Erzengel: Stufe 2, 800Atk, 1200Def.

Erin ballte die Hand zur Faust.

Es war ärgerlich, Fiona hatte einen unfassbar beeindruckenden Zug hingelegt und beinahe hätte sie den ersten Zwilling besiegen können.

Aber immerhin konnte ihre Freundin jetzt noch angreifen und eine der Dienerinnen im Kampf zerstören, denn sie hatten ihre angriffslenkenden Effekte noch nicht freigesetzt.

„Meinetwegen! Dann zerstört Sonnenatlas eben eine eurer blöden Dienerinnen! Wiederhole deinen Angriff, Solaritus Sonnenatlas! Alles verbrennende Sonnenwinde!“

Wie von Fiona aufgetragen attackierte Sonnenatlas nun eine Dienerin der Erzengel und zerlöcherte sie förmlich mit einem gnadenlosen Dauerregen aus flammenden Projektilen.

„Ihr zwei habt euch mit der Unspektakulären Wiedergeburt ein wenig Zeit gekauft, aber denkt ja nicht, dass Erin und ich euch erneut ein so starkes Feld aufbauen werden lassen! Eine Karte setze ich noch verdeckt und Ende!“

Kim war still und nachdenklich.

Die Lage war für die Zwillingsschwestern plötzlich sehr schwierig geworden, die einzige Karte auf ihrer Feldseite war die noch nicht doppelt beschworene Dienerin der Erzengel und ihre Gegnerinnen verfügten über ein mächtiges Ritualmonster und zwei unbekannten, verdeckten Karten.

Sie zog und legte sich innerlich, ihre nun drei Handkarten überblickend, einen Plan zusammen.

„Die erste Karte ist der Zauber Die Mächtigen zu Fall bringen. Die Mächtigen zu Fall bringen zerstört und verbannt ein Monster meiner Wahl, wenn ich ein Normales Monster mit weniger Angriffspunkten kontrolliere. Die Dienerin der Erzengel wird als Normales Monster behandelt, daher sind alle Bedingungen erfüllt, um den Sonnenatlas zu zerstören.“

Kim aktivierte den Zauber und Dienerin der Erzengel flog aggressiv auf Sonnenatlas zu.

„Ich verhindere die Wirkung von Die Mächtigen zu Fall bringen, indem ich meinen eigenen Schnellzauber ankette, Entritualisierung!“

Die verdeckte Karte deckte sich auf.

„Dieser Schnellzauber macht die Ritualbeschwörung von Solaritus Sonnenatlas rückgängig! Ich nehme Sonnenatlas auf meine Hand und zurück bleiben die Monster, die ich für die Ritualbeschwörung als Tribut angeboten habe!“

Fionas riesiger Flammenschmetterling verschwand und Donnerklang-Ritterin sowieso Solaritus Glückskäfer erschienen plötzlich an seiner Stelle.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def.

Ohne das gewählte Ziel flog die Dienerin wieder zurück an Kims Seite, die zunehmend zerknirschter wirkte.

„Ich beschwöre die Dienerin der Erzengel als Normalbeschwörung, dadurch wird sie zu einem Effektmonster und verstärkt alle Zwillinge inklusive sich selbst.“

Das Hologramm erreichte eine normale Intensität.

Dienerin der Erzengel: 800Atk → 1600Atk, 1200Def → 1800Def.

„Unsere Dienerin verbleibt im Verteidigungsmodus. Ich setzte zudem meine zwei restlichen Handkarten verdeckt und beende den Zug.“

Die beiden Zauber oder Fallen erschienen vor Kim und Erin war nun dran.

„Kim und Kiara stehen gerade mit dem Rücken zur Wand. Nimm Kim in diesem Zug ihre 1000 Lebenspunkte ab und dann können wir ganz easy zwei gegen eins Kiara auseinandernehmen“, flüsterte Fiona deutlich zu laut Erin zu., sodass die Ra-Mädchen sie durchaus hören konnte.

Erin nickte ihr stumm zu und zog.

Sie war mit der gezogenen Karte mehr als zufrieden, mit der Ritterin auf dem Feld und ihren beiden Handkarten konnte sie nun ihr ultimatives Monster rufen.

„Ich habe ne bessere Idee, warum besiegen wir nicht zuerst Kiara?“

„Hä? Mensch Erin, hast du nicht aufgepasst! Kim ist die mit den 1000 Lebenspunkten. Kiara hat noch ihre vollen 4000!“

Erin grinste.

„Ich weiß, Fiona. Siehe und staune!“

Erin zeigte auf Kiara.

„Für dich endet das Tag-Duell JETZT, denn ich spiele erneut Fusion! Donnerklang-Ritterin und Donnerklang-Seele von meiner Hand verschmelzen zu einer furchtlosen Kriegerin, deren Schwert Himmel und Erde spaltet!“

Ein tiefschwarzer Wolkenamboss zog sich über das gesamte Spielfeld zusammen und immer wieder schlugen Blitze rund um die Duellantinnen ein.

Ein lauter, letzter Blitz hinterließ schließlich Erins beeindruckendes Fusionsmonster, eine Ritterin in goldgelber Rüstung mit Blitzeblem auf dem Brustpanzer ritt auf einem aus Elektrizität bestehenden Drachen.

In ihrer linken Hand hielt sie die Zügel des Drachen, in der rechten ein Schwert, so groß, dass ein normaler Mensch es selbst mit zwei Händen kaum halten könnte.

„Heißt sie willkommen! Die einzigartige Donnerklang-Drachenreiterin!“

Donnerklang-Drachenreiterin: Stufe 9, 3200Atk, 2600Def.

„Unglaublich...“, staunte Fiona, als sie Erins Drachenreiterin erblickte.

Erin besaß diese Karte schon eine ganze Weile, aber es ergab sich nie eine Gelegenheit, sie zu beschwören, denn sie verlangte als Fusionsmaterial explizit die Donnerklang-Ritterin und ein weiteres Donnerklang-Monster vom Typen Donner. Diese Bedingungen waren in gewöhnlichen Duellen kaum zu erfüllen, aber dank Fionas gutem Zuspiel im letzten Zug hatte es Erin geschafft.

„Der Effekt von Donnerklang-Seele aktiviert sich! Die Seele rüstet sofort das Fusionsmonster, für das sie als Fusionsmaterial genutzt wurde aus!“

Der riesige Zweihänder der Drachenreiterin wurde elektrisch aufgeladen und knisterte bedrohlich.

Donnerklang-Drachenreiterin: 3200Atk → 4000Atk.

„Solange sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typen Donner ausgerüstet ist, ist sie gegen alle Karteneffekte immun! Aber das ist noch nicht alles, denn sie kann nun außerdem einmal pro Zug die Effekte aller Monster, die mein Gegner kontrolliert negieren und sie anschließend zerstören!“

Der Stromdrache öffnete sein Maul und lud einen mächtigen Energieangriff auf.

Dienern der Erzengel: 1400Atk → 800Atk, 1800Def → 1200Def.

Ein greller, blau-weißer Strahl schoss aus dem Drachenmaul auf das Feenmonster zu und traf mit einem ohrenbetäubenden Donnern auf.

Das Hologramm zerplatzte und die Zwillinge standen nun ohne Monster da.

„Donnerklang-Drachenreiterin! Direkter Angriff auf Kiara mit dem Donnersturm-Sturzflug!“

Der Drachen flog tief über Kiara drüber und die Reiterin schlug von oben mit ihrem Schwert zu, wodurch Kiara von der Plattform gestoßen wurde.

„Iaaaaagh!“

Kiaras Lebenspunkte: 4000 → 0.

„Schwesterherz! Bist du in Ordnung?!“, fragte Kim besorgt.

„Au...Alles in Ordnung soweit, ja. Jetzt mach sie fertig!“, befahl Kiara, während sie sich auf dem Boden sitzend den Ellbogen rieb.

Erin hatte selbst alle ihre Handkarten ausgespielt und sie wollte nicht den schwachen Solaritus Glückskäfer in den Angriffsmodus bringen, um Kim 400 Punkte Angriffsschaden zuzufügen.

„Ich beende den Zug!“, rief Erin.

„Super gemacht, Erin! Damit haben wir so gut wie gewonnen! Mit nur 1000 Lebenspunkten kann Kim nichts mehr gegen uns und die Drachenreiterin ausrichten!“, freute sich Fiona und umarmte sie derartig stürmisch, dass Erin beinahe umfiel.

„Freut ihr zwei euch nicht etwas zu früh?“, fragte Kiara und Kim ergänzte: „Genau. Dieses Spiel ist noch lange nicht vorbei, denn gemäß der Regeln für ein Tag-Team-Duell darf beim Ausscheiden eines Duellanten automatisch der Partner oder die Partnerin den folgenden Zug ausführen!“

„Hä, was soll denn das? Ich wäre doch jetzt dran!“, protestierte Fiona.

„Lass gut sein, Fiona, ich glaube den Zwillingen, sie haben sicher deutlich mehr Erfahrung in Tag-Duellen.“

Fiona grummelte kurz und ärgerte sich darüber, im Unterricht so wenig über die Team-Duelle gelernt zu haben, doch willigte schließlich ein.

Kim zog.

„Ich decke die verdeckte Karte auf: Die Zauberkarte Zwillings-Notruf. Wenn ich kein Monster kontrolliere, mein Gegner aber Monster kontrolliert, darf ich die Hälfte meiner Lebenspunkte bezahlen, um ein beliebiges Zwillings-Monster aus meinem Deck als Spezialbeschwörung zu rufen!

Die verdeckte Karte deckte sich langsam auf und Kim stützte sich schwer atmend auf den Oberschenkeln ab, während ihr die Zauberkarte weitere Lebenspunkte abnahm.

Kims Lebenspunkte: 1000 → 500.

Macht euch bereit! Hier kommt das mächtigste aller Zwillingsmonster! Mystische Zwillingsschlange Gyvates Zalciai!“

Zwei an den Enden umeinander geschlungene, grasgrüne Schlangen, so breit und lang, dass ihr Hologramm in voller Länge kaum auf die Duellplattform passen würde, wenn sie sich nicht am Kopfende aufrichten würden, erschien.

Das beeindruckende Monster der Zwillinge fauchte Erin und Fiona mit beiden Mäulern gleichzeitig an, wobei die Giftfänge beider Schlangen gut zu sehen gewesen wären, wenn das Hologramm nicht die für noch nicht doppelt beschworene Zwillingsmonster typische Schwäche aufwies.

Mystische Zwillingsschlange Gyvates Zalciai: Stufe 10, 1800Atk, 3000Def.

„Oh Mann!“, schimpfte Fiona, „Warum haben unsere Gegner am Ende eigentlich immer selbst solche zu groß geratenen Bossmonster?!“

Kim ignorierte den Kommentar und machte weiter.

„Ich nutze meine Normalbeschwörung, um Gyvates Zalciai noch einmal aufzurufen, wodurch sie zu einem Effektmonster wird, dadurch verdoppeln sich übrigens auch die Angriffspunkte!“

Die beiden kolossalen Schlangen waren nun in ihrer gesamten Bedrohlichkeit zu erkennen.

Mystische Zwillingsschlange Gyvates Zalciai: 1800Atk → 3600Atk.

„Ich kontrolliere ein Zwillingsmonster, das seinen Effekt erhalten hat und darf deshalb meine letzte verdeckte Karte ausspielen: Hier kommt Zwillingssturm! Alle Zauber und Fallen auf dem Feld werden von ihm mühelos umgepustet!“

Die zweite gesetzte Karte wurde nun aufgedeckt.

Augenblicklich bildete sich ein starker Wirbelsturm, der die verdeckte Falle Tribut ans Licht und die ausgerüstete Donnerklang-Seele zerstörte, wodurch das Schwert der Drachenreiterin sein Leuchten verlor.

Donnerklang-Drachenreiterin: 4000Atk → 3200Atk.

„Eure Drachenreiterin ist nicht mehr länger das stärkste Monster auf dem Feld! Die Mystische Zwillingsschlange Gyvates Zalciai greift nun mit ihrer Gigafangzahn-Attacke an!

Der erste Kopf des Schlangenmonsters verbiss sich in den Drachen, der daraufhin zerplatzte.

Eine Schockwelle stieß Erin zurück.

Erins Lebenspunkte:1100 → 700.

Aus meiner Hand kommt der Schnellzauber Dominoeffekt! Wenn ein Spieler Kampfschaden erhält, darf ich ein Monster dieses Spielers zerstören und meinem Gegner dann Schaden in Höhe der halben Angriffspunkte des zerstörten Monsters zufügen! Der Glückskäfer macht jetzt einen Abflug!

Solaritus Glückskäfer wurde durch die Wirkung des Schnellzaubers zerstört und eine zweite Schockwelle brachte Erin zum Taumeln.

„Zwei gegen eins ist doch ein wenig unfair, deshalb greife ich Erin einfach noch einmal mit der Mystischen Zwillingsschlange direkt an! Gigafangzahn!“

„Wie bitte!?“, rief Erin entsetzt.

Der zweite Kopf der Doppelschlange schnellte auf sie zu und eine dritte, sehr schmerzhafte Schockwelle stieß sie zurück.

Fiona griff gerade noch rechtzeitig nach ihrer Hand, bevor Erin von der Plattform fiel.

Erins Lebenspunkte: 700 → 0.

Sie war zu erschöpft, um noch länger zu stehen und ließ sich auf den Plattformboden zusammenfallen.

„Erin!“, rief Fiona.

„Schon okay, konzentriere dich einfach darauf unser Prüfungsduell zu gewinnen. Ich, weiß, dass du das kannst! Wir haben so hart gearbeitet, wir können einfach nicht verlieren!“

„Das denke ich nicht“, entgegnete die nun mit verschränkten Armen neben der Plattform stehende Kiara, „Deine Freundin kann sich diesmal nämlich nicht einfach mit ihrem Sonnenatlas an unserem Ass-Monster vorbeimogeln. Gyvates Zalciai schützt sich und andere Zwillingsmonster nämlich davor als Ziel von Monstereffekten gewählt, oder durch Monstereffekte zerstört zu werden.“

„Gut erklärt, Schwesterherz. Daher kann ich nun ohne Sorge meinen Zug beenden“, fügte Kim hinzu.

Fiona sah das zweiköpfige Ungetüm, das vor ihr stand an.

3600 Angriffspunkte und Schutz vor Monstereffekte sind in der Tat ein Problem.

Immerhin hatte sie im Gegensatz zu ihrer Gegnerin noch keinen Kampfschaden einstecken müssen und außerdem hatte sie, ebenfalls im Gegensatz zu ihrer Gegnerin noch Handkarten übrig.

Noch war also alles möglich.

Fiona atmete tief ein und aus, bevor sie ihre nächste Karte abhob.

„Es geht los mit der Zauberkarte Neuer Tagesanbruch! Ich wähle ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof und nehme es auf die Hand, dann darf ich ein Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen! Solaritus Glückskäfer kommt also auf meine Hand und Glutstacheligel wird vom Deck auf den Friedhof gelegt!“

Wie erklärt, legte Fiona eine Karte auf den Friedhof und nahm eine andere auf ihre Hand.

„Bevor ich mein Deck aufwendig mische, aktiviere ich lieber sofort meine zweite Kopie von Neuer Tagesanbruch! Diesmal nehme ich den Glutstacheligel auf die Hand und Hydrazinthe kommt auf den Friedhof!“

Fiona nahm den Igel, legte Hydrazinthe ab und mischte ihr Deck.

Kim nickte bedächtig.

„Ich verstehe, durch deine beiden Zauber konntest du dir deinen Glutstacheligel also indirekt vom Deck auf deine Hand nehmen! Ganz schön clever!“

Fiona grinste.

„Du hast es also verstanden! Dann brauche ich dir ja nicht nochmal erklären, dass Glutstacheligel ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof spezialbeschwört, wenn ich ihn als Normalbeschwörung rufe! Glutstacheligel und Hydrazinthe! Ich rufe euch im Verteidigungsmodus!

Der quiekende Feuerigel und die bezahnte, blaue Pflanze erschienen nebeneinander.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Meine Abwehr steht damit bereit! Ich beende meinen Zug und aktiviere somit den Effekt von Hydrazinthe: Ich darf ein Solaritus-Monster von meinem Deck auf die Hand nehmen und ein anderes vom Deck auf den Friedhof ablegen! Damit hole ich einen neuen Glutstacheligel auf die Hand und Solaritus Krokokus wandert auf den Friedhof! Ich beende den Zug!“

Fiona suchte sich die gewünschten Monster aus dem Deck und als sie fertig war, begann Kim ihren Zug.

„Ich überspringe die Main Phase 1 und zerstöre mit Mystischer Zwillingsschlange Gyvates Zalciai sofort deine zwei schwächlichen Monster! Doppelter Angriff mit Gigafangzahn!“

Die Schlangenköpfe schnellten auf Fionas Monster zu und zerbissen sie mit Leichtigkeit, wodurch Fionas Feldseite wieder leer war.

„Bevor ich meinen Zug beende, spiele ich aus der Hand Hexenjägerdrachen im Verteidigungsmodus.“

Der graue Drache mit den magischen Symbolen auf der dornigen Schuppenhaut erschien und schlug seine Flügel:

Hexenjägerdrache: Stufe 4, 1700Atk, 1600Def.

„Du bist dran!“

Kim wirkte selbstbewusst.

„Fiona, du musst jetzt in den Angriff übergehen! Wenn du dich nochmal einfach einigelst, hast du keine Chance mehr!“

Erin hatte sich inzwischen aufgerafft und ist von der Duellplattform gestiegen, sie stand neben Kiara und feuerte ihre Freundin von der Seite aus an.

„Ich weiß, Erin! Ich verstehe Kims Plan! Sie hat gar nicht vor, mir sofort meine Lebenspunkte zu nehmen!“

Fiona sah ihrer Gegnerin nun direkt in die Augen.

Es wäre übermütig gewesen mit nur 500 Lebenspunkten den Hexenjägerdrachen angreifen zu lassen, um mit der Zwillingsschlange direkt anzugreifen! Deshalb gehst du lieber in die Defensive und planst im nächsten Zug den Effekt des Drachen freizusetzen, um mir meine Zauberkarten zu nehmen. Ohne sie kann ich keine Ritualmonster mehr rufen und ohne Ritualmonster werde ich unmöglich die Zwillingsschlange jemals besiegen können. Stimmts oder habe ich Recht?“

Kim lachte ein wenig verlegen.

„Du bist eine wirklich beeindruckende Duellantin, Fiona. Kein Wunder, dass dir und Erin zwei Ras zugelost wurden.“, lobte Kim.

Fiona lächelte nun auch.

„Danke.“

Erin dachte kurz, sie hätte sich verhört.

Wörter wie „Bitte“ oder „Danke“ waren bei Fiona etwa so selten, wie der Wunsch das Zimmer aufzuräumen, oder nach den Hausaufgaben einfach zu faulenzen.

Das Kompliment tat ihr wohl sehr gut.

Fiona zog und überlegte angestrengt.

Das Duell zog sich nun schon eine ganze Weile und an vielen Plattformen waren die Prüfungsduelle bereits vorbei.

Es fiel Fiona zunehmend schwer klare Gedanken zu fassen, dafür war sie bereits zu sehr ausgelaugt.

Irgendwie musste es mit ihren fünf Handkarten möglich sein, zu gewinnen, aber wie?

Erin sah angespannt zu.

Sie konnte nicht mehr tun, als zu hoffen.

Wenn Fiona gewinnen würde, hätten sie gute Chancen endlich in das Haus Ra-Yellow einzuziehen.

„Habs!“, rief Fiona und legte sofort los.

Ich spiele zunächst den Glutstacheligel aus! Mit seinem Effekt beschwöre ich außerdem Solaritus Krokokus vom Friedhof! Beide im Verteidigungsmodus!

Der Igel mit den glühenden Stacheln und die gelbe Pflanze mit den länglichen Krokodilschnauzen erschienen mit einem Quieken und Fauchen.

„Ich aktiviere nun den Effekt von Solaritus Krokokus: Ich darf einmal pro Zug meine Hand vorzeigen! Wenn ich das tue und keinen Ritualzauber auf der Hand halte, darf ich einen Ritualzauber von meinem Deck auf die Hand nehmen und ein Solaritus-Monster von meinem Deck auf den Friedhof legen!

Fiona zeigte die vier Monsterkarten auf ihrer Hand vor.

„Ich nehme Solaritus Siegel von meinem Deck auf die Hand und lege den dritten Glutstacheligel auf den Friedhof ab! Danach aktiviere ich sofort meinen Ritualzauber!“

Energisch spielte Fiona ihren frisch herausgesuchten Zauber aus.

„Ich biete Krokokus, Glutstacheligel, sowie zweimal Hydrazinthe auf meiner Hand als Tribut an und beschwöre so erneut den übermächtigen Solaritus Sonnenatlas, erscheine im Angriffsmodus!“

Die vier Monster verwandelten sich in flink kreisende Feuerbälle, die sich schließlich in einer riesigen Säule aus Feuer vereinigten.

Aus dem Feuer stieg der große Falter mit den feurigen, verzierten Flügeln auf.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Nun aktiviert sich der Effekt von Solaritus Siegel und erlaubt es mir genauso viele Solaritus-Monster vom Deck auf den Friedhof zu legen, wie ich als Tribut angeboten habe! Damit landen zwei Sonnenanbeterinnen und zwei Glückskäfer ebenfalls auf den Friedhof!“

Fiona suchte die vier Karten heraus und legte sie gleich wieder ab.

„Wozu dieses ganze Hin und Her? Dein Sonnenatlas kann mit seinem Zerstörungseffekt eh nichts erreichen, du kannst es dir also sparen, deine Monster auf den Friedhof zu legen!“, sagte Kim mit Unverständnis in der Stimme.

„Tja, du kannst es nicht wissen, da ich das letzte Mal mit Sonnenatlas sofort den Friedhof geleert habe, aber mein großartiges Insekt hat noch einen anderen Effekt: Es erhält 200 Punkte für jedes Solaritus-Monster, welches sich in meinem Friedhof befindet!“

Sie grinste breit.

„Na, hast du auch brav mitgezählt?!“

Kim verstand langsam und rechnete hektisch nach.

„Moment, Moment....zwei..., nein, drei Glutstacheligel, drei Hydrazinthen, ein Krokokus... plus die vier durch den Ritualzauber, das macht, das macht...“

„- das macht elf Monster, ergo 2200 zusätzliche Angriffspunkte für den Solaritus Sonnenatlas!“, unterbrach Fiona, während ihr Bossmonster so weit anwuchs, bis es schließlich die Größe der Mystischen Zwillingsschlange deutlich übertraf.

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 4700Atk.

„Mit den 4700 Angriffspunkten ist Sonnenatlas stark genug, um Gyvates Zalciai zu zerstören und dir die verbleibenden 500 Lebenspunkte wegzunehmen! Los, Solaritus Sonnenatlas! Beende das Duell mit einer finalen, alles einäschernden Sonnenwinde-Attacke!“

Unzählige rote Punkte erschienen auf den Feurflügeln des Atlas und schossen schließlich mit Hochgeschwindigkeit in einem maßlosen Sperrfeuer auf Kims Zwillingsschlange ein.

Die Mystische Zwillingsschlange Gyvates Zalciai fauchte ein letztes Mal, bevor sie explodierte und Kim damit einen kräftigen Rückstoß versetzte.

Kims Lebenspunkte: 500 → 0.

Kiara rannte hinter die Duellplattform, um ihre rückwärts torkelnde Zwillingsschwester rechtzeitig und behutsam aufzufangen.

„Ooooooouuh Ja! Wir sind die Besten! Wir haben Gewonnen!“, brüllte Fiona euphorisch und hüpfte vor überquellender Freude auf und ab.

„Hm, also Fionas Reaktion nach zu urteilen, lief euer Duell wohl ganz gut“, stellte Mayla fest.

„Mayla! Seit wann bist du denn hier?!“, rief Erin überrascht.

„Naja, äh, Daniel und ich sind schon eine ganze Weile fertig, wie die meisten anderen auch. Ich wollte dich aber nicht stören, du hast so angespannt mitgefiebert.“

Erin fasste sich verlegen in den Nacken.

„Stimmt, dieses Duell hat mich echt gepackt. Aber dafür, dass wir bis jetzt gespielt haben, können wir aber nichts! Kim und Kiara haben uns einfach warten lassen!“

Kiara und Kim gesellten sich zu den beiden Slifermädchen dazu und Kiara reichte Erin die Hand.

„Entschuldigung für die Verspätung und herzlichen Glückwunsch zu eurem Sieg! Ihr habt den mehr als verdient!“

„Ich stimme meiner Schwester absolut zu, wir freuen uns schon drauf, euch in der gelben Unterkunft begrüßen zu dürfen! Wir sind uns sicher, dass ihr den Aufstieg zu Ra Yellow schaffen werdet!“

Fiona sprang nun von der Plattform hinunter zu der Gruppe und stieß dabei Erin beinahe um.

„Pass doch auf, du Tollpatsch“, schimpfte Erin.

„Mimimimi!“, äffte Fiona, bevor sie sich hastig einen Schokoriegel aus der Hosentasche fischte, aufriss und in einem Stück in den Mund schob.

„Da hat jemand offensichtlich Hunger“, kommentierte Kiara salopp und Kim hielt sich fassungslos die Hand vor den Kopf.

„Waff ift?“, schnauzte Fiona , während ihr einzelne Schokoladenstücke aus dem Mund fielen.

Erin, die diesen unappetitlichen Anblick zu ihrem Leidwesen bereits gewohnt war, wandte sich stattdessen Mayla zu.

„Wie ist es bei euch gelaufen? Ihr habt doch bestimmt auch gewonnen, oder?“, fragte sie.

Mayla schien diese Frage nicht zu behagen und sie druckste etwas herum.

„Hm, Ja, also, wir haben schon gewonnen, aber...Ähm. Ich... ich habe mich echt nicht gut angestellt. Ohne Daniel an der Seite hätte ich das nie geschafft...“

„Naja, es ist doch auch ein Tag-Duell. Da geht es doch um Teamwork, wie Herr Tillner gesagt hat. Natürlich hättet ihr alleine nicht gewonnen, das ist doch ganz normal.“, sagte Erin und brachte mit ihrem Aufmunterungsversuch Mayla dazu ein wenig zu lächeln.

“Runde 2 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 3 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“, dröhnte es aus den Lautsprechern.

„Wir sollten wohl gehen“, schlug Erin vor, „Ich muss mich dringend erstmal wieder ins Bett legen, nach diesem anstrengenden Duell.“

„Mnix dfa!“, blaffte die noch immer kauende und schmatzende Fiona.

„Naf der Pfüfung ift vor der Pfüfung!“
 

Tatsächlich hatte es Fiona durch schiere Überredungskunst fertig gebracht, ihre beiden erschöpften Freundinnen dazu zu motivieren, sofort weiterzulernen.

So nutzten die drei den übrigen Freitag sowie den ganzen Samstag und Sonntag dazu, den wirklich gesamten Unterrichtsstoff von der allerersten Stunde an aufzuarbeiten, denn bereits am Montagmorgen, drei Tage nach der praktischen Prüfung, fand der schriftliche Teil statt.

In der schriftlichen Prüfung wurde Wissen aus allen Fächern, mit Ausnahme des Sportunterrichts, abgefragt, wobei der Prüfungsteil für jedes Fach innerhalb von einer Dreiviertelstunde zu bearbeiten war.

Bei den insgesamt sieben Fächern, Sekundäre Monstertypen, Duellmathematik, Einführung in die Duellphilosophie, Fusionslehre I, Rituallehre I, Fallen- und Schnellzaubertaktik, kurz FST, und Permanente Zauber- und Spielfeldzauberstrategie, macht das mit einer Dreiviertelstunde Zusatzzeit für kleine Essens- und Klopausen einen sechsstündigen Mammuttest.

So kam es, dass Fiona die Nächte von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag wieder kaum schlief, sondern sie ebenfalls größtenteils mit Lernen verbrachte.

Mayla schlief weiterhin nur unruhig und Erin und Fiona bemerkten, dass sie sich bei den stundenlangen Lernsessions kaum konzentrieren konnte.

In einer Rundmail, die am Freitagnachmittag bereits ankam, wurde jedem Schüler eine Sitzplatznummer zugewiesen, sowie ein anderer Prüfungsraum.

So wurden Mayla und Fiona dem Auditorium zugewiesen, während Daniel in der Sporthalle, in der während der Prüfungszeit weitere Tische und Stühle aufgestellt wurden, seine schriftliche Prüfung ablegte.

Erin saß hingegen, ohne ihre Freundinnen an der Seite, in der Bibliothek.

Diese Auftrennung war wohl eine Maßnahme, mit der man sicherstellen wollte, dass niemand vom Sitznachbarn abschreiben konnte: Wenn alle Schüler eines Jahrgangs auf einmal im Auditorium wären, so wäre kaum Platz für da um Abstand voneinander zu halten.

Dank der intensiven Vorbereitung fiel Erin die Prüfung insgesamt nicht sonderlich schwer.

Fusionslehre war für sie schon immer einfach, genauso wie Duellmathematik.

Rituallehre I empfand Erin als Fach zwar als kontraintuitiv, aber die Fragen waren in Umfang und Schwierigkeitsgrad sehr fair und sie rechnete fest damit in diesem Teil mindestens 80% richtig zu haben.

In Sekundäre Monstertypen hatte sie, von Unionsmonstern selbstverständlich abgesehen, immer große Bildungslücken gehabt, aber die letzten Übungstage mit ihren Freundinnen hatten diese Lücken hervorragend gestopft.

Permanente Zauber- und Spielfelzauberstrategie war eher mäßig gelaufen, nicht unbedingt, weil die Aufgaben zu schwierig waren, sondern weil Erin sich ärgerlicherweise in der Aufgabenstellung zu Aufgabe Zwei verlesen hatte, was zu viel Durchstreicherei und Zeitverlust führte.

Letztlich hatte sie sich dazu entschlossen, die Zwei halb zu überspringen, Aufgabe Eins, Drei und Vier waren aber in Ordnung.

Einführung in die Duellphilosophie hatte Erin noch wenige Tage vor der Prüfung ziemliche Kopfschmerzen bereitet.

Sie fand das Fach inhaltlich einfach totöde und uninteressant, dementsprechend schwer hatte sie sich stets mit dem Lernen getan.

Es hatte sich allerdings herumgesprochen, dass Herr Althus gerne jedes Jahr die gleichen Fragen mit nur kleinen Variationen stellt.

Die drei Mädchen hatten sich spontan von einem Bekannten von Leroy eine alte Prüfung aus dem vorletzten Jahr organisieren können, weshalb dieser Prüfungsteil für sie wahrscheinlich fehlerfrei war.

Erin kam sich ein wenig dreist dafür vor, sich heimlich mit einer alten Prüfung vorzubereiten, aber ganz ehrlich, wenn sich Herr Althus keine richtige Mühe mit der Prüfungserstellung machte, warum sollte sie sich dann Mühe beim Lernen machen?

Der einzige Part, der für Erin wirklich miserabel lief, war, wie schon im Voraus befürchtet, FST.

Frau Ehring hatte hier mal wieder bewiesen, das sie die unausstehlichste und gemeinste Lehrerin des gesamten Akademiestabs war!

Ihre Fragen waren unglaublich verschachtelt und trickreich formuliert, bezogen sich auf Stoff, der teils nur eine halbe Unterrichtsstunde lang und nur nebenher angesprochen wurde und waren insgesamt innerhalb von 45 Minuten nicht zu bewältigen.

Obwohl Erin sich Fallen und Schnellzaubertaktik bis zum Schluss aufgehoben hatte und die sechs anderen Teile so schnell bearbeitet hatte, dass ihr hierfür noch über eine Stunde Zeit blieb, kam sie nur bis Aufgabe 8 von 12.

Bei zwei Aufgaben musste sie außerdem ziemlich raten, also hier bestenfalls 50%, schätzte sie.

Als die Prüfung vorbei war und sich daraufhin vor der Bibliothek alle Schüler über die Prüfungsfragen austauschten, konnte Erin immer wieder hören, wie ihre Mitschüler über Frau Ehring und FST schimpften.

Es fielen Ausdrücke, Flüche und Ausrufe von „A“ wie „Arschloch“, bis „Z“ wie „Zum Teufel mit der!“ bis hin zu Worten, die Erin keinem anderen Mädchen und keiner Frau jemals an den Kopf werfen würde.

Jedenfalls verschaffte ihr das die Gewissheit, dass sie mit ihren Problemen im FST-Teil nicht alleine war, auch wenn Fiona ihr gegenüber später betonte, dass ja alles so leicht und machbar gewesen sei.

Der Dienstag und Mittwoch war noch Ruhetag nach den stressigen Prüfungen, am Donnerstag ging aber ganz wie gewohnt der Unterricht weiter.

Etwa zwei Wochen später war endlich der 20.12., der letzte Tag vor der Feiertagspause und der Tag, an dem die Ergebnisse der Prüfungen ab 14 Uhr hochgeladen werden sollten.

Ab etwa 13.57 Uhr waren alle drei damit beschäftigt, durchgehend die Akademieportalseite zu aktualisieren, bis sie ihnen die Prüfungsergebnisse anzeigte.

Fiona saß am Schreibtisch an ihrem Laptop, während Mayla und Erin in ihren Betten lagen und an ihren Handys nachsahen.

Die Mobilversion des Akademieportals war ziemlich unübersichtlich und neigte zu langen Wartezeiten, aber um kurz ein Ergebnis einzusehen, reichte sie aus.

„Sie sind da!“, rief Fiona plötzlich aufgeregt und Erin und Mayla aktualisierten die Seite sofort.

Tatsächlich.

Erin scrollte ein wenig herunter.

Die einzelnen Teilwertungen des Prüfungsduells oder die Einzelnoten für die verschiedenen Fächer in der schriftlichen Prüfung waren für sie im Augenblick weniger interessant als die Gesamtwertung, die schließlich über ihre zukünftige Unterkunft entschied.

Das Bewertungssystem war dabei so konzipiert, dass man ab 65% dem Haus Ra-Yellow zugeordnet wurde, sprich die Bewertung der Lehrer erfolgte in etwa so, dass zwei Drittel der Schülerschaft ein Ergebnis über 65% erzielt, denn die Häuser sollten alle ungefähr gleich groß bleiben.

Da!

Praktische Prüfung: 87%

Schriftliche Prüfung: 82%

Insgesamt: 84,5%

Unterkunft: Ra-Yellow.

Erin schrie vor Glück und schüttelte ihr Smartphone dabei so kräftig durch, dass es ihr fast aus der Hand fiel.

„Ich habs geschafftt, Leute! Ich bin ein Ra-Yellow, ich bin sogar deutlich über den 65%! Wie siehts bei euch aus!?“

Sie drehte sich vom Rücken auf den Bauch um und schaute abwechselnd zu Mayla und Fiona herunter.

Ihre Freundinnen waren verdächtig still.

Fiona hob ihren Laptop und präsentierte Erin ihren Bildschirm.

„Also...öhm, ich hab wohl ziemlich gut abgeschnitten.“

Praktische Prüfung: 87%

Schriftliche Prüfung 100%

Insgesamt 93,5%

Unterkunft: Obelisk-Blue.

Erin verstand nun, warum Fiona nichts sagen konnte, bei dem Anblick fehlten ihr auch die Worte.

Was sollte Erin als Erstes dazu sagen?

Dass sie damit nun ein Obelisk sei, obwohl sich Fiona seit den ersten Unterrichtsstunden von diesem Ziel bereits innerlich verabschiedet hatte?

Dass sie sich nicht länger eine Unterkunft teilen würden?

Dass sie es irgendwie geschafft hat in einer verdammten, sechstündigen Prüfung keinen einzigen Fehler zu machen?

„Herzlichen Glückwunsch.“

Mehr brachte Erin nicht raus.

Fiona nickte und senkte ihren zu Erin ausgestreckten Laptop.

„Dir auch Glückwunsch, äh, also zu DEINEM Aufstieg.“

Schweigen.

„Dann bist du jetzt wirklich ein Obelisk, was?“

„Japp.“

Das fühlte sich gerade alles gezwungen und falsch an.

Erin und Fiona sollten sich an die Hände fassen und singend im Kreis hüpfen oder...irgendetwas.

Aber der bloße Gedanke an die Trennung überschattete jede Freude.

Mayla begann zu schluchzen und Erin eilte sofort die Treppe des Stockbetts herunter.

Fiona versuchte sie zu trösten: „Auch wenn wir uns nicht mehr ein Zimmer teilen werden, wir sehen uns doch im Unterricht, da können wir doch zusammen sitzen. Und ich besuche euch dann in der Ra-Unterkunft, oder ich lege bei den anderen ein gutes Wort ein, dann dürft ihr sogar zu den Obelisken! Wir bleiben so oder so zusa...-“

„Fiona!“, zischte Erin.

Mayla weinte inzwischen und brachte kein verständliches Wort mehr heraus.

Erin hatte einen schrecklichen Verdacht.

Behutsam nahm sie das Handy aus Maylas Hand.

Erin hielt sich besorgt die Hand vor den Mund und Fiona lugte neugierig, auf den Zehenspitzen stehend über Erins Schultern.

Ein taubes Kribbeln schoss durch ihren Körper.

Das kann nicht sein.

Das ist doch gerade nur ein Alptraum.

Praktische Prüfung: 57%

Schriftliche Prüfung: 72%

Insgesamt: 64,5%

Unterkunft: Slifer-Red.

Ra um einen lächerlichen, beschissenen halben Prozentpunkt verfehlt!

Erin legte Maylas Handy auf den Schreibtisch, hockte sich zu ihr hinunter und nahm die halb in ihrem Bett liegende Mayla in den Arm.

Die drei Freundinnen, die sich versprochen hatten gemeinsam aufzusteigen, wussten, dass sie alle nach den Feiertagen zu unterschiedlichen Häusern gehören würden.
 

____________
 


 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Dienerin der Erzengel: Stufe 2, 800Atk, 1200Def, Typ Fee, Attribut Licht, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Zwilling-Monster, die du kontrollierst, erhalten 600Atk und Def. Dein Gegner kann keine offenen Zwillings-Monster als Angriffsziel wählen, außer diesem.
 

Spiegelzauberer: Stufe 3, 1600Atk, 0Def, Typ Hexer, Attribut Licht, Effekt:

Falls du ein Normales Monster kontrollierst:

Du kannst diese Karte von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören.

Einmal pro Zug kannst du zusätzlich zu deiner einen Normalbeschwörung pro Zug ein Normales Monster als Normalbeschwörung beschwören.
 

Werwolfkrieger: Stufe 6, 2200Atk, 1900Def, Typ Ungeheuer-Krieger, Attribut Finsternis, Zwilling/Effekt: Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Wenn diese Karte angreift: Dein Gegner kann keine Karteneffekte aktivieren. Am Ende deiner Battle Phase, falls diese Karte deinem Gegner Kampfschaden zugefügt hat: Beschwöre ein Zwilling-Monster aus deiner Hand als Spezialbeschwörung.
 

Hexenjägerdrache:Stufe 4, 1700Atk, 1600Def, Typ Drache, Attribut Wind, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesem Effekt wird: Wenn du ein anderes Zwilling-Monster kontrollierst: Dein Gegner kann keine Zauberkarten aktivieren.
 

Mystische Zwillingsschlange Gyvates Zalciai: Stufe 10, 1800Atk, 3000Def, Typ Reptil, Attribut Erde, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Diese Karte erhält 1800Atk. Diese Karte kann zweimal pro Battle Phase angreifen. Zwilling-Monster, die du kontrollierst können nicht als Ziel von Monstereffekten gewählt oder durch Monstereffekte zerstört werden.
 

Phönixgeist: Stufe 1, 400Atk, 100Def, Typ Geflügeltes Ungeheuer, Attribut Feuer, Effekt:

Falls du ein FEUER-Ritualmonster beschwörst und diese Karte als Tribut anbietest: Ändere die Stufe des Ritualmonsters zu 2. Wenn du ein FEUER-Monster kontrollierst: Biete ein FEUER-Monster unter deiner Kontrolle als Tribut an und wirf diese Karte von deiner Hand ab, um ein Monster aus deinem Friedhof als Spezialbeschwörung zu beschwören.
 

Donnerklang-Drachenreiterin: Stufe 9, 3200Atk, 2600Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Fusion/Effekt:

Donnerklang-Ritterin + 1 "Donnerklang“-Donner Monster

Wenn diese Karte mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, erhält sie folgende Effekte:

Diese Karte bleibt von Karteneffekten unberührt, außer von ausgerüsteten Donnerklang-Monstern.

Einmal pro Zug: Du kannst die Effekte aller Monster, die dein Gegner kontrolliert annullieren und sie zerstören.
 

Zauberkarten:
 

Zwillingssturm: Normaler Zauber:

Falls du ein Zwillingsmonster kontrollierst, das zu einem Effektmonster geworden ist und seine Effekte erhalten hat: Zerstöre alle Zauber- und Fallenkarten auf dem Feld.
 

Die Mächtigen zu Fall bringen: Normaler Zauber:

Wähle ein Monster, das dein Gegner kontrolliert. Zerstöre es und wenn du es zerstörst, verbanne es. Du musst ein Normales Monster mit weniger Angriffspunkten als das gewählte Monster kontrollieren, um diese Karte zu aktivieren.
 

Zwillings-Notruf: Normaler Zauber:

Wenn du kein Monster kontrollierst und dein Gegner mindestens ein Monster kontrolliert: Bezahle die Hälfte deiner Lebenspunkte und beschwöre ein Zwilling-Monster als Spezialbeschwörung aus deinem Deck.
 

Fallenkarten:
 

Spiegelbeschwörung: Normale Falle:

Bezahle 1000 Lebenspunkte: Beschwöre ein Monster aus deinem Deck als Spezialbeschwörung, das den gleichen Namen hat, wie ein Monster, das du bereits kontrollierst.
 

Feuersäulenwall: Konterfalle:

Falls du ein FEUER-Monster kontrollierst: Wenn ein Karteneffekt aktiviert wird, der ein oder mehrere Karten, die du kontrollierst zerstören würde: Annulliere die Aktivierung und falls du dies tust, zerstöre die Karte.
 

Hohe Transformationsmagie: Normale Falle:

Wähle und aktiviere einen der folgenden Effekte:

(1): Wähle ein Ritualmonster, das du kontrollierst und ein weiteres Monster auf deiner Hand oder unter deiner Kontrolle: Schicke die gewählten Karten als Fusionsmaterial auf deinen Friedhof und beschwöre ein Fusionsmonster ungeachtet der Bedingungen für seine Beschwörung als Fusionsbeschwörung.

(2): Wähle ein Fusionsmonster, das du kontrollierst und ein weiteres Monster auf deiner Hand oder unter deiner Kontrolle: Biete die gewählten Karten als Tribut an und beschwöre ein Ritualmonster ungeachtet der Bedingungen für seine Beschwörung als Ritualbeschwörung.

Ausflug auf dem Festland

Die so unterschiedlich ausgefallenen Prüfungsergebnisse und die bittere Erkenntnis, dass alle drei in unterschiedlichen Häusern wohnen würden, bedrückten Erin, Fiona und insbesondere Mayla sehr.

Sie hatte lange geweint und sich mehrfach für ihr Versagen entschuldigt, aber das konnte und wollte Erin nicht hören.

Es galt Mayla abzulenken und aufzumuntern.

So schlug Erin vor gleich am nächsten Morgen die erste Fähre nach Cuxhaven zu nehmen und von dort mit der Bahn nach Hamburg zu fahren.

Sie war jedes Jahr einmal mit ihrer Oma auf den Hamburger Weihnachtsmärkten gewesen und sie genoss es jedes Jahr aufs Neue.

Angeblich waren Erin und ihre Oma früher mit Erins Vater zusammen sogar stets zu dritt über die geschmückten Straßen und an den Ständen entlang geschlendert, aber an der Stelle wurde Erin von ihrem kaputten Gedächtnis schmerzlich im Stich gelassen.

Jedenfalls hielt Erin einen kleinen Ausflug für genau das Richtige um die allgemeine Stimmung in der Gruppe zu heben und sie und Fiona wollten zu Weihnachten sowieso an das Festland und zur Familie zurückkehren.

Mayla musste nicht lange überlegen, ihr gefiel der Gedanke mit ihren Freundinnen ein wenig Zeit außerhalb der Akademie zu verbringen, ganz egal, wohin es ging.

Auch wenn es bedeuten würde, am Ende wieder alleine zur Akademie zurück zu fahren.

So bereiteten sich Erin und Fiona noch am gleichen Abend auf die Abreise vor und packten ihre Klamotten, was in Fionas Fall zu einer großen Menge Arbeit ausartete.

„Puh... brauche...eine kurze Pause...“, ächzte Fiona, die seit gut zwanzig Minuten ihre unzähligen getragenen BHs, Boxershorts, Socken, Unterhemden, sowie die sliferroten Akademieblusen, Röcke und Hosen vom Zimmerboden in ihren Rollkoffer quetschte.

„Ohje, bist du sicher, dass ich dir nicht helfen kann? Das macht mir ehrlich nichts aus“, fragte Mayla, aber Fiona winkte gleich ab.

Erin rollte hingegen nur mit den Augen.

„Lass sie doch, Mayla, sie ist auch selbst Schuld. Seit fast nem halben Jahr müllt unsere Expertin hier das Zimmer zu, anstatt wie normale Menschen einmal die Woche ihre Wäsche zu waschen!

Ne, Fräulein Fiona fängt erst an zu waschen, wenn ihr sonst die Kleidung ausgeht und der Rest bleibt dann einfach liegen!“

„Ich räume doch schon auf“, sagte Fiona trotzig, „Aber ich glaube, zusammen mit der Akademiekleidung kriege ich einfach nicht alles verstaut! Meint ihr, Herr Althus merkt das, wenn ich ihm einfach das Zeugs ungewaschen abgebe?“

„Du Ferkel! Andere Mädchen tragen die Kleidung nach dir weiter! Das weißt du schon, oder?“, schimpfte Erin.

Zu Beginn des zweiten Halbjahres mussten Erin und Fiona ihre bisherigen Uniformen an das Sliferhaus wieder abgeben, denn die zwei Mädchen waren nun offiziell Ra-Yellow- und Obelisk-Blue-Schülerinnen.

Erin seufzte und nahm nun einige von Fionas Akademiekleidungsstücken vom Boden, um sie in ihren eigenen Koffer und Rucksack zu verstauen, in denen noch ein wenig Platz übrig war.

„Ich denke, Oma fällt das nicht auf, wenn wir ein paar von deinen Sachen mitwaschen“, erklärte sie.

Fiona wurde rot vor Scham.

„Hmmm...Danke...“, druckste sie.

Als Fiona schließlich selbst mit dem Aufräumen weitermachte, kam unter einer der rot-weißen Blusen ein ungeahnter Schatz zum Vorschein:

„“Flirten bis der Unterweltlerarzt kommt“! Ich dachte schon, ich hätte das Buch verloren!“, rief Mayla erfreut und sprang für den lange verschollenen Liebesroman eilig vom Bett auf.

Erin lächelte.

So glücklich bekam sie in Mayla in letzter Zeit eher selten zu Gesicht, wie in diesem Moment.

„Du hängst wohl sehr an deinen Büchern was?“

Mayla nickte.

„In meinem Waisenhaus gab es eine kleine Bücherei, in der wir uns alte, gespendete Bücher frei mitnehmen durften, wenn sie uns gefielen.

Und weil es mir schwer fiel, mich mit den anderen Kindern anzufreunden, war ich oft alleine in der Bücherei.

Dadurch habe ich meine Liebe zum Lesen entdeckt.

Seitdem habe ich immer gerne gelesen, besonders so schöne Geschichten, mit einem romantischen Happy End.“

„-und mit romantischen Duel-Monsters-Karten“, ergänzte Fiona belustigt.

„Hmm...Also anfangs hatte ich ehrlich gesagt kein so großes Interesse an Duel Monsters.

Die meisten anderen Kinder hatten auch kein Geld für Karten, also ergab das nie wirklich Sinn, sich selbst ein Deck zuzulegen. Das Wassertänzer-Deck habe ich zufällig auf einem Flohmarkt entdeckt, auf dem ich mir von meinem Ersparten eigentlich noch mehr Romane kaufen wollte. Es war ein absolutes Schnäppchen, 9 Euro für vierzig aufeinander abgestimmte Karten. Wäre dieses Deck damals nicht so billig gewesen und hätte die Heldin des letzten Romans, den ich damals gelesen hatte nicht selbst Duel Monsters gespielt, dann...“, Mayla stockte kurz, „...dann hätte ich mir von meinem wenigen Taschengeld wahrscheinlich wirklich nur Romane gekauft.“

Fiona nickte.

„Das klingt ganz so, als ob du damals auf diesem Flohmarkt eine Menge Glück gehabt hast. So stark, wie dein Deck ist, hätte man locker das vier- oder fünffache für die Karten verlangen können“, stellte sie fest.

„Hmmm...Ja, das stimmt wohl. Wäre das nicht passiert, dann hätte ich wohl nie meine zweite große Liebe entdeckt, die Liebe zum Duellieren. Ohne diese Liebe hätte ich wiederum kein Stipendium für die Duellakademie bekommen und ohne die Akademie hätte ich nie meine ersten richtigen Freundinnen kennengelernt.“

Die noch bis eben fröhlich wirkende Mayla wirkte nun sehr nachdenklich und Erin erkannte, was in ihr vorging.

Mayla wurde erneut bewusst, dass den dreien die Trennung bevorstand.

„Hey Mayla, du packst jetzt auch ein paar Anziehsachen ein. Ich habe gerade beschlossen, dass du die Feiertage bei Oma und mir verbringen wirst!“

Mayla war von dem plötzlichen Angebot mehr als überrascht.

„Huch, äh...Bist du dir sicher? Geht das denn so einfach? Ist deine Oma damit einverstanden?“

„Mach dir keine Sorgen. Wir haben genug Platz für einen Ehrengast.“

Natürlich würde ihre Oma ja dazu sagen, wenn Erin sie fragen würde, ob sie Mayla mitnehmen dürfte.

Nicht nur war ihre Großmutter eine der liebsten und gütigsten Menschen, die Erin kannte, sie war auch noch stets wegen ihrer Enkeltochter besorgt.

Damals, vor der Akademie und nach dem großen Feuer, fragte sie fast jeden Tag, warum Erin so selten Freundinnen zu Besuch einlud.

Vielleicht war es aber nicht nur die Sorge darum, dass Erin vereinsamen könnte.

Erin vermutete stark, dass ihre Oma auch einsam war, als erst ihr Mann und dann ihr Sohn in viel zu jungem Alter in einem Häuserbrand ums Leben gekommen war.

Es gab diesen einen traurigen Satz, den ihre Oma sagte, eines Tages, als sie vor den Gräbern von Erins Eltern standen.

Diesen Satz würde Erin nicht vergessen:

„Keine Mutter sollte den Tod ihres Kindes erleben müssen.“

Jedenfalls war Erin sich deshalb um so sicherer, dass sie sich nicht nur über Erins, sondern auch über Maylas Gesellschaft riesig freuen würde.

Erin war derartig in Gedanken versunken, sie fiel beinahe um, als Mayla sich auf sie stürzte und sie mit erstaunlicher Kraft umarmte.

„Danke sehr! Vielen, vielen Dank! Das ist das Liebste, was jemals jemand für mich getan hat!“

Während Mayla ihren Kopf an Erins Brust presste, grinsten sich Erin und Fiona gegenseitig an.

Der Plan Mayla eine Freude zu bereiten, war wohl schon früher als erhofft aufgegangen.
 

Am kommenden Morgen verließen die drei Mädchen früh das ungewohnt aufgeräumte Zimmer.

Mit ein wenig Wehmut warf Erin, die als letzte das Dreierzimmer verließ noch einen letzten Blick in den Raum, in dem sie in den letzten 5 Monaten so viele neue Erinnerungen gewonnen hatte.

Mit gepackten Koffern gingen die Mädchen zur Fähre und traten von dort aus ihre Reise ans Festland und von dort aus nach Hamburg an.

Sie hatten sich für heute einen Duel-Monsters-freien Tag vorgenommen und Erin und Mayla verging recht schnell der Spaß an den Reisespielen, die Fiona ihnen vorschlug, dafür fühlten sich beide zu alt.

Deshalb verbrachten sie stattdessen die Zeit mit lebhaften Unterhaltungen.

Die Themen drehten sich hauptsächlich um den Akademiealltag, die Zeit die sie bereits verbracht hatten und vor allem was die Zukunft bringen würde.

Denn die Zukunft war spannend und ungewiss, am allermeisten wohl für Fiona, die nun das Haus mit der bestausgestattesten Unterkunft bewohnen durfte.

Als Erin, Mayla und Fiona damals die Ra-Unterkunft besuchten, war diese schon ein deutliches Upgrade im Vergleich zu den doch etwas schäbig wirkenden Fluren in Slifer-Red.

Es wäre nur logisch, dass die doppelt so große Obelisk-Blue-Unterkunft noch mehr zu bieten hatte.

Soweit sie wussten, gab es für die besseren Obelisk-Blue-Schüler sogar Einzelzimmer.

Dies war ein Privileg, das nur die wenigen Schülerinnen und Schüler der anderen Häuser genossen, die derartig schrullig waren, dass man es niemanden zumuten könnte, mit ihnen ein Zimmer zu teilen.

Fiona war sich nicht sicher, ob sie alleine wohnen wollen würde, sie war durch das Aufwachsen mit vier Geschwisterkindern es eigentlich eher gewohnt, dass sie stets irgendwen um sich hatte. Andererseits hat ein persönlicher Rückzugsort, an dem man ungestört lernen könnte auch durchaus seinen Reiz.

Es wäre allerdings genauso möglich, dass sich Fiona ein Zimmer mit Lucia-Ann oder einer ihrer Mitläuferinnen teilen müsste.

Als ihr der Gedanke kam, sagte sie, sie würde sich in diesem Fall lieber freiwillig zum Ra zurückstufen lassen und Erin und Mayla musste einen Augenblick überlegen, ob Fiona dies nicht ernst meinte, bevor sie zu Lachen begann.

Sie hatte schon von Tag Eins an einen enormen Ehrgeiz.

Sofort aufzugeben, jetzt, wo sie ihr anfängliches Ziel zu einer Obeliskin zu werden erreicht hatte, war für Fiona keine Option, egal was auch kommen mochte.

Erin und Mayla würden auf jeden Fall neue Zimmergenossinnen bekommen, eine gute Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen.

Anfangs, als sie von den Halbjahresprüfungsergebnissen ihrer Freundinnen erfahren hatte, kam in Erin die Angst auf, dass dies die bisherige Dreiergruppe auseinanderreißen könnte.

Aber nachdem sie sich auf der Fahrt für mehrere Stunden unterhalten, in Erinnerungen geschwelgt, gemutmaßt und gelacht hatten, waren diese Sorgen wie weggeblasen.

Sie hatten in der vergleichsweise kurzen Zeit schon zu viel zusammen erlebt, als dass man sich einfach gegenseitig die Freundschaft kündigen könnte.

Deshalb besorgte es Erin auch nicht, wenn Mayla sich mit ihren neuen Mitbewohnerinnen gut verstehen würde.

Und wenn sie sich nicht mit den neuen Mitbewohnerinnen verstehen würde, dann wäre ihr Daniel stets nur wenige Zimmer entfernt und könnte sie jederzeit trösten.

Nach knapp dreistündiger Fahrt auf der Fähre und weiteren anderthalb Stunden Zugfahrt waren sie endlich angekommen.

Fiona streckte sich und stöhnte.

„Ahhhh, na endlich! Wir haben deutlich zu lange gesessen! Mir tut schon der Hintern weh!“

Mayla blickte sich währenddessen hektisch um und kam aus dem Staunen kaum raus: „Cuxhaven war schon riesig, aber das hier...Wooow, wie findet man sich denn in so einem Bahnhof zurecht?“

„Ist eigentlich ganz easy. Im Zweifelsfall folgst du einfach den Menschenmassen“, entgegnete Fiona.

Erin grinste:

„Normalerweise eine gute Idee, aber ich weiß, wo wir langgehen müssen, ich war hier schon das ein oder andere Mal.“

So übernahm Erin die Führung und Fiona und Mayla liefen nur wenige Schritte hinter ihr.

Es waren generell eh zu viele Menschen unterwegs, als dass man einfach ungestört zu dritt nebeneinander laufen könnte.

„Wo gehen wir als Erstes hin?“, fragte Fiona.

„Als Erstes suchen wir uns hier am Bahnhof ein Schließfach, dann brauchen wir nicht die ganze Zeit unsere Sachen rumschleppen. Danach geht es zum Rathausplatz. Da ist es echt schön und man kommt von hier aus in fünfzehn Minuten zu Fuß hin.“

„Was? So viel Gelaufe?! Och nö! Können wir uns kein Straßenbahnticket kaufen?“

„Du hast dich doch noch vor ner Minute darüber beschwert, dass wir zu viel gesessen haben! Da wirst du ja wohl ein bisschen laufen können!“

„Wir laufen ja noch den ganzen Tag!“

Mayla kicherte, sie fand die kleinen, spielerischen Streitigkeiten zwischen Erin und Fiona stets unterhaltsam.

Erin als die Hamburg-Expertin der Gruppe setzte sich letztlich durch, Fiona hätte auch nicht gewusst, wo sie überhaupt langfahren müsste und Mayla schien der zusätzliche Fußweg auch nichts auszumachen.

Ein für sie ungewöhnlich breites und permanentes Lächeln lag permanent auf ihren Lippen und die Augen wanderten eilig hin und her.

Überall Leute und Geschäfte...

Ihre Freundinnen merkten Mayla schon deutlich an, dass sie noch nie in einer Großstadt war, die Kindheit und frühe Jugend hatte sie komplett in einem Kinderheim in Sonneberg, einer eher kleinen Stadt in Thüringen verbracht und für gelegentliche Rundfahrten war ihr das knappe Taschengeld stets zu schade gewesen.

„So, hier wären wir an unserer ersten Station angekommen. Persönlich finde ich den Winterwald hier am besten, wir können aber auch...“

„So eine große Tanne...Guckt mal, guckt mal!“

Mayla stand vor dem alljährlichen, prächtig geschmückten Tannenbaum mit hunderten von Kerzenlichtern, der sich vor dem Rathausgebäude befand.

Erin schätzte ihn auf etwa zehn Meter Höhe, das war jedenfalls mehr als genug, um bei Mayla eine kindliche Begeisterung auszulösen.

Erin fand den Baum im Dunkeln noch deutlich schöner, da kam die Beleuchtung deutlich zur Geltung, aber für den Abend hatte sie schon was anderes geplant.

Erstmal schlenderten die drei gemütlich von Stand zu Stand, aßen auf Fionas Empfehlung hin einen Bratapfel, den sie unbedingt mal probieren mussten und setzten sich, wenn das Gestehe und Gegehe zu viel wurde auf die nächste Bank.

Besonders Fiona brauchte eine Pause, sie hatte sich an fast jedem Stand Süßigkeiten für die Festtage gekauft und ihre Einkaufstasche wurde allmählich schwer.

Wenn es draußen zu kühl wurde, begaben sie sich in eine der vielzähligen Läden.

Es kostete Erin und Fiona so viel Geduld darauf zu warten, dass Mayla freiwillig das kleine Bücherlädchen am Rathaus verließ.

Sie nahm sich immer wieder einen neuen Roman und las so lange, dass das Personal anfing Mayla böse Blicke zuzuwerfen, was sie, in den Büchern versunken, kaum bemerkte.

Nach einer Weile kamen sie an einer Gruppe von Straßenkünstlern vorbei, denen sie beim Jonglieren und anschließendem Schlucken von brennenden Fackeln zusahen.

Die neben Erin stehende Fiona begann rumzudrucksen.

„Du, äh, also, es gibt da was, hmpf...“

„Was ist denn? Sonst hast du doch nie ein Problem offen drauflos zu plappern“, sagte Erin und zwinkerte ihr frech zu.

Fiona nahm nun ihren Mut zusammen: „Es ist nur ne recht persönliche Frage, die ich dir stellen will. Also es ist so: Die meiste Zeit bist du so fröhlich und energiegeladen, dass ich manchmal vergesse, dass du auch eine Waise bist und was mit deinem Vater passiert ist. Aber vor Kurzem kam mir der Gedanke, ob dich mein Deck nicht irgendwie stört.“

„Ach, wegen deiner ganzen Feuermonster? Ob sie mich an den Brand erinnern, meinst du?“

Fiona nickte stumm.

„Alles okay. Ich erinnere mich doch an nichts. Wenn mir meine Oma nicht die Geschichte mit dem Feuer erzählt hätte, dann wüsste ich nicht einmal, dass es überhaupt einen Brand gab.“

Erin lächelte sie an um ihr zu zeigen, dass es ihr ehrlich gut ging.

„Aber süß, dass du dir solche Gedanken machst.“

Fiona kratzte sich nervös am Hinterkopf.

„Natürlich mache ich mir Gedanken!“

Die Dreiergruppe ging weiter, denn Erin hatte noch einiges vor und die Zeit schritt erschreckend schnell voran.

Vom Rathausplatz liefen sie ein kurzes Stück weiter bis zur Heiligengeitsbrücke, die wiederum zum nächsten Weihnachtsmarkt auf der Fleetinsel führte.

Die Fleetinsel war ein Stück der Innenstadt, welches zwischen dem Alsterfleet und Herrengrabenfleet lag und damit quasi von Wasser umgeben war.

Hier setzten sich alle drei in ein kleines Restaurant, denn sie hatten außer den Bratäpfeln und Schmalzkuchen zwischendurch seit dem Frühstück nichts mehr gegessen.

Frisch gestärkt begann es nun zu dämmern und in der kommenden Dunkelheit leuchteten die weißen, zipfelartigen Dächer der Weihnachtsmarktstände in einem warmen Gelb auf, was den Bummel umso erfüllender machte.

Fiona nahm sich auch hier Zeit eine zweite Tüte nach und nach mit eingekauften Süßigkeiten zu befüllen.

Erst im komplett Dunkeln zeigte Erin ihren Freundinnen das eigentliche Highlight der Fleetinsel:

Die beiden alten Segelschiffe, die jedes Jahr aus dem Museumshafen in die Kanäle gelassen wurden und deren festlicher Schmuck sich auf der Wasseroberfläche schimmernd spiegelte.

„Wunderschön!“, schwärmte Mayla und auch Fiona schaute nicht schlecht.

„Kann man darauf fahren?“, fragte Mayla etwas naiv und Erin gab ihr prompt die Antwort.

„Versuchs mal, ich hole dich danach aber nicht von der Polizeiwache ab.“

Sie ließ ihre Freundinnen noch für eine kurze Weile auf das Wasser blicken.

„Wir müssen so langsam wieder zum Bahnhof zurück. Aber wir gehen diesmal andersherum, über den Jungfernstieg. Dort gibt’s meine Lieblingsattraktion!“

Mit diesen verheißungsvollen Worten lockte sie Mayla und Fiona zum letzten Weihnachtsmarkt, wo die Lieblingsattraktion schon von weitem gut zu erkennen war.

„Ein Riesenrad! Das sieht ja klasse aus!“, rief Mayla begeistert.

„Ist echt schick, was? Oma und ich sind hier jedes Jahr drauf gefahren. Ich dachte, das möchtet ihr auch mal sehen. Fiona, fährst du ne Runde mit mir?“

„Würde ich ja auch gern, aber mein restliches Geld reicht gerade noch für meine Zugfahrkarte.“

„Pff, da bist du ja selbst schuld. Wenn ich sehe, was du dir alles für Zuckerzeug gekauft hast, da bekomme ich ja schon vom bloßen Anblick Diabetes!“

Fiona stellte ihre zwei Taschen ab um demonstrativ trotzig die Arme zu verschränken.

„Wer sagt denn, dass das nur für mich ist? Ich habe das hauptsächlich für meine Eltern und Geschwister zum Verschenken gekauft...und...äh...“

„Und?“

„Und vielleicht auch ein klitzekleines bisschen was für mich.“

„Wenn du magst, fahre ich mit dir“, schlug Mayla zu Erins und Fionas Überraschung vor.

„Öhhmm...bist du dir da sicher?“

Mayla hatte wegen ihrer Höhenangst damals auf das unterste Bett bestanden, als die drei erstmals ihr gemeinsames Zimmer betraten.

Und jetzt wollte sie sich ernsthaft in ein Riesenrad setzen?

Mayla nickte enthusiastisch.

„Tja Erin, sieht so aus, als ob du keine Wahl hast. Ich warte dann hier unten auf euch.“

Erin verstand Mayla zwar gerade nicht wirklich, aber sie wollte auch keine Diskussion anfangen.

So kauften sich beide ein Ticket und betraten die nächste freie Gondel.

Sehr gemächlich gewannen sie an Höhe.

„Du hast dich ganz schön verändert Mayla. Wie kommt es, dass du plötzlich keine Höhenangst mehr hast?“, fragte Erin nun neugierig nach.

„Hm, also es ist nicht so, dass ich keine Angst mehr hätte, aber davon will ich mir nicht die schönen Momente im Leben kaputtmachen lassen. Herr Phillips sieht das ganz genauso.“

„Ach, der Schulpsychologe hat dir das erzählt?“

„Genau. Ihn zu besuchen war eine gute Idee. Mir geht es schon besser. Seit ich jeden Tag mit ihm geredet habe, habe ich keine Aussetzer mehr und die Albträume werden wieder seltener.“

„Das freut mich riesig für dich! Ich finde Herrn Phillips auch gut. Fiona und ich haben ihn ja auch ne Weile lang besucht. Also ist bei dir jetzt wieder alles beim Alten?“

Mayla stockte.

„Hm, naja, fast. Irgendwie...tja.“

„Wenn du nicht magst, brauchst du es mir nicht erzählen. Entschuldigung, ich wollte dich nicht bedrängen“, sagte Erin behutsam.

„Ich...höre manchmal...Stimmen.“

„Wie bitte?“

„Nicht oft! Meistens nur wenn ich schlafe, oder tagsüber ganz schwach, wenn ich tagträume.“

Erin überlegte, was sie dazu sagen sollte.

Ihre Freundinnen hörte Stimmen?

Das klang alles andere als gesund, aber das wusste sie wahrscheinlich auch selbst, ohne dass Erin nochmal Salz in die Wunde streut.

„Es ist auch seltener und schwächer geworden, seit ich mit Herrn Phillips rede. Aber letzte Nacht konnte ich sie wieder deutlich hören.“

„Was sagen dir die Stimmen denn so? Sagen sie etwas Gemeines zu dir?“

„Nein, ganz im Gegenteil. Sie klingen sehr freundlich. Sie sagen, dass sie mir helfen wollen, dass ich nie wieder verlieren brauche, dass sie mich stärker machen können.“

Na, immerhin empfindet Mayla ihre Krankheit als „freundlich“.

„Hast du ihm auch schon von den Stimmen erzählt?“

„Klar. Er fand das recht ungewöhnlich und ich sollte das auf jeden Fall im Auge behalten und ihn unter seiner Notfallnummer anrufen, falls die Stimmen anfangen, mir schlimme Dinge zu sagen. Oder zu häufig vorkommen.“

Erin begann langsam den Kopf zu schütteln und schnaubte anschließend wütend.

„Das ist alles die Schuld von diesem widerlichen Barry! Deine Blackouts und Albträume hast du erst, seitdem er dich im Duell so arschig niedergemacht hat! Und ohne die...könnten wir noch weiter zusammen bleiben. Wenigstens wir zwei zusammen in Ra-Yellow!“

Mayla griff nach Erins Hand.

„Es geht mir insgesamt schon besser. Und ich weiß, dass ich vor nichts Angst haben muss. Wir bleiben nämlich immer zusammen! Im Sommer gebe ich wieder mein Bestes und steige auch zum Ra auf.“

Erin schloss die Augen und atmete tief ein und aus.

Sie regte sich wieder ab.

Inzwischen waren beide am Zenit des Riesenrads angekommen und genossen die Aussicht über die hellen Lichter der Hamburger Straßen und die Binnenalster.

Erin empfand das Händchenhalten mit Mayla als ein wenig unangenehm und zog die Hand vorsichtig weg.

„Bitte lass mich nicht los.“

Mayla presste Erins Hand.

„Ach richtig.“ Erin hatte für einen Augenblick die Höhenangst vergessen.

Sie drückte sanft zurück.

„Es ist schön, dass du meine Freundin bist. Ohne dich hätte ich mich nicht hier hoch getraut und diesen tollen Ausblick verpasst und dann ist da noch deine liebe Einladung. Hat dir deine Oma inzwischen schon geantwortet, ob ich kommen darf?“

„Klar darfst du kommen. Wir müssen uns sogar wegen ihr ein wenig beeilen. Sie erwartet uns pünktlich zum Abendessen und in einer halben Stunde kommt unser Zug.“

Mayla begann zu weinen und wischte sich mit dem Ärmel ihrer Winterjacke die Träne weg.

„Ihr seid alle so lieb zu mir. Wie kann ich das jemals wieder gut machen?“

Erin lächelte sie aufmunternd an.

„Ich habe ne Idee: Lass mich einfach bei unseren nächsten...sagen wir fünf Duellen gewinnen. Mach es aber so, dass ich nicht merke, dass du mich gewinnen lässt, damit ich danach auch ordentlich stolz auf mich bin. Danach sind wir quitt.“

Der blöde Spruch entfaltete seine Wirkung und brachte Mayla sofort zum Lachen.

Mayla und Erin hatten recht bald eine komplette Runde auf dem Riesenrad gedreht und gingen dann direkt zusammen mit Fiona zusammen in Richtung Hauptbahnhof.

Sie holten sich eilig wieder ihre Koffer und Rucksäcke aus den Schließfächern.

Die Bahn zu Erins Heimat fuhr zuerst und Fiona wartete mit den zweien zusammen am Bahnstieg, bis die Durchsage den kommenden Zug ankündigte.

Fiona umarmte Mayla und Erin zum Abschied, während der Zug einfuhr und langsam abbremste.

„So, dann bis zum nächsten Jahr! Ciao!“

Erin fasste sich bei den Worten an den Kopf.

„Fiona...Große Güte...“

„Was? Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht?“, pampte sie.

„Wie wärs mit „ich wünsche euch frohe Festtage?“ oder „Guten Rutsch“?“

„Hä? Achso! Ja, das auch! Und jetzt beeilt euch!“

Die Bahntüren waren bereits aufgegangen und die entgegenkommenden Leute ausgestiegen.

Erin und Mayla riefen Fiona noch angemessenere Abschiedsworte zu, während sie den Zug bestiegen und sie winkten sich, während der Zug die Fahrt wieder langsam aufnahm durch die Fensterscheiben zu.

Als sie Fiona nicht mehr sehen konnten, suchten sich Erin und Mayla gleich einen Sitzplatz.

Mayla sprach Erin dann gleich wieder an: „Ich denke, sie meinte das ja nicht böse, du kennst doch Fiona inzwischen, sie ist manchmal ein wenig ungeschickt mit ihren Formulierungen.“

„Manchmal und ein wenig? Dem Mädchen fehlen einfach die Manieren...Mich stört das ja auch nicht, ich mag Fiona so wie sie ist.“

„Und warum schimpfst du dann mit ihr? War das eben nur spaßig gemeint?“

Erin nahm kurz ihre Brille ab, um sie am Pullover abzuwischen, durch die warme Luft im Zug war sie ganz beschlagen.

„Ich hatte dir doch damals von dem Duell gegen Lucia-Ann erzählt. Wir hatten es nicht zuende spielen können, weil plötzlich eine Kronprinzessin dazu kam. Sie hatte mich wie Luft behandelt und Lucia-Ann gnadenlos angeschrien und zur Schnecke gemacht. Kevin hatte mir nachträglich erklärt, warum sie das gemacht hat. Lucia-Ann hatte gegen die Blaue Ehre verstoßen. Das ist ein umfangreicher Verhaltenskodex, der für alle Obeliskinnen und Obelisken gilt und ich mache mir gerade ein wenig Sorgen, dass Fiona mit dem von ihr erwarteten Verhalten Schwierigkeiten haben könnte.“

„Du meinst, Fiona könnte wegen ihrer schlechten Manieren Ärger mit den Kronprinzen bekommen?“

„Exakt. Wir wissen doch schon von Leroy und Tara, dass der Obeliskenkönig sogar selbst die Macht hat Schüler aus seinem Haus zu werfen. Das könnte ihr schlimmstenfalls passieren.

Außerdem hatte die Kronprinzessin zu Lucia-Ann noch was anderes gesagt. Dass Obelisk-Blues über den Slifern stehen und sie sich nicht mit Slifern abgeben dürfen und so einen abgehobenen Müll!“

Mayla schüttelte da fassungslos den Kopf.

„Wir sind doch keine Schüler zweiter Klasse, bloß, weil wir nicht so gut in irgendwelchen Prüfungen sind. Das finde ich echt fies.“

„So denken die Hohlköpfe aber. Wer weiß, ob man es ihr überhaupt gestatten wird, zusammen mit uns im Auditorium zu sitzen. Oder gemeinsam zu lernen.“

„Wenn irgendwelche Obelisken gemein zu unserer Freundin sind, dann helfen wir ihr!“, rief Mayla selbstsicher.

Erin grinste.

Mayla hatte sich wirklich verändert.

Sie hatte schon die Befürchtung, dass das schlechte Prüfungsergebnis sie runterziehen würde, aber Mayla wirkte gerade sehr stark.

„So machen wirs! Du kümmerst dich um die ganzen Prinzen und Prinzessinnen und ich duelliere diesem Möchtegernkönig eine ordentliche Delle in die Krone!“

Erin und Mayla grinsten sich breit an und fingen an zu lachen.
 

Mit den Kopf auf dem rechten Knöchel gestützt und gelangweilten Blick saß Maxim vor dem monoton surrenden Rechner, während er mit der linken Hand auf die Tastatur tippte.

Es war spät geworden, nur die Lampe an seinem Schreibtisch sowie das Licht des Monitors beleuchteten den ansonsten leeren Raum der Schülerzeitung-AG.

Das war der Preis, den man als Chefredakteur der Schülerzeitung zu zahlen hatte: Während die meisten Schüler in den kurzen Feiertagsferien frei hatten und die Insel verließen, musste Maxim pünktlich die Januarausgabe fertigstellen.

Er gähnte.

Die Januarausgabe war stets besonders herausfordernd, denn aufgrund der Halbjahresprüfungen und der Ferien fehlte dem Team im Dezember wichtige Arbeitszeit, die Maxim nun alleine auszugleichen versuchte.

Die Artikel waren in etwa alle fertig geschrieben, zumindest die erste Fassungen, aber das Seitenlayout stand noch nicht und die Artikel müssten notfalls gekürzt werden.

Er schreckte kurz auf, als es plötzlich an der Tür klopfte.

„Immer herein, der Lichtschalter ist der Oberste auf der linken Seite!“

Die Tür öffnete sich und das Flutlicht zwang Maxim dazu für einen kurzen Moment die Augenlider zusammenzukneifen.

Vor ihm stand ein bekanntes Gesicht.

„Aaaah... Imanis Lakai, Chris Lutherford! Wirklich, eine Freude!“

In Maxims enthusiastischer Begrüßung schwang unüberhörbare Verachtung mit.

Chris lächelte Maxim sanft an und verbeugte sich tief.

Eine Strähne der kastanienbraunen Bobfrisur fiel Chris dabei in die Stirn, die sofort wieder zurückgeschoben wurde.

Chris, eine schmächtige Person mit weichen Gesichtszügen, braunen Haaren und wachen braunen Augen mit deutlichem Rotstich trug die Obeliskenuniform für Jungen, die jedoch insgesamt etwas zu groß war.

„Die Freude ist ganz meinerseits. Und es ist mir eine Ehre, dass der vierte Kronprinz bereits meinen Namen kennt, obwohl wir uns nie persönlich vorgestellt haben“, entgegnete Chris höflich und aufrichtig.

„DRITTER Kronprinz, Lakai“, korrigierte Maxim genervt und widmete sich demonstrativ wieder dem Bildschirm.

Natürlich kannte Maxim Chris, Chris war ein Duellwunderkind und hatte in Rekordzeit den höchsten GY-Score des ersten Jahrgangs erkämpft.

Hätte Maxim nicht immer wieder und wieder mitbekommen, wie Chris andere Obelisk-Neulinge für absolute Nichtigkeiten öffentlich tadelte, hätte er vor Chris vielleicht sogar Respekt gehabt.

„Richte Imani bitte aus, dass sie persönlich mit mir reden soll, wenn ihr irgendwas nicht passt. Ich habe viel zu tun!“

Es war in seinen Augen eine Schande, dass Chris´ Talent damit vergeudet wurde, für die zweite Kronprinzessin Botengänge auszuführen und ihre schwachsinnige Obsession mit der Blauen Ehre zu verbreiten.

Chris ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und blieb professionell.

„Nun, ich bin ausnahmsweise in eigener Sache unterwegs. Zuvor möchte ich allerdings darauf hinweisen, dass Imani mir den Platz als zweite Person in der Thronfolge überlassen hat.

Das macht sie zur dritten Kronprinzessin und dich, Maxim, zur Nummer vier."

„Wie bitte?!“

Chris reagierte auf Maxims Überraschung mit einem sanften Lächeln.

"Ich werde mir meine neue, weiße Kronprinz*essinnen-Uniform im neuen Halbjahr abholen. Allerdings habe ich mich noch nicht entschieden, ober ich mehr Exemplare von den Mädchen- oder den Jungenuniformen haben möchte. Vielleicht magst du mir einen modischen Rat geben?", fragte dey sarkastisch in deren typisch ruhigen und dennoch provokanten Ton.

Doch Maxim hörte gar nicht richtig zu.

Hektisch öffnete Maxim die Seite mit den Duellprofilen der Schülerinnen und Schüler der Akademie und suchte nach Imani Gizenga.

Er riss entsetzt die Augen auf.

Drei aufeinanderfolgende Niederlagen gegen Chris Lutherford, das letzte Duell war gerade erst gestern.

Normalerweise würden die Kronprinzen und -prinzessinnen nur anhand ihres Scores ernannt, aber für Erstjahrgänge, die im Vergleich zu den Mitschülern im zweiten Jahrgang weniger Zeit hatten, sich einen hohen GY-Score aufzubauen, gab es eine wichtige Ausnahme:

Gehörte die Person des ersten Jahrgangs zu den zehn Schülerinnen und Schülern mit dem höchsten Score ihres Jahrgangs, so durften sie ein Duell gegen einen Kronprinzen verlangen.

Sollte die Person dieses Duell gewinnen, so wird ein weiteres Duell gespielt und bei einem weiteren Sieg noch ein drittes Duell.

Nach drei Niederlagen muss der Kronprinz oder die Kronprinzessin ihre Position abgeben, so verlangte es die Blaue Ehre.

Dey hatte Imani besiegt und ihren Platz in der Thronfolge eingenommen.

Maxim stand nun auf und verbeugte sich vor Chris.

„Herzlichen Glückwunsch zum Sieg gegen Imani. Bitte entschuldige meine harschen Worte. Wie kann ich helfen?“

Chris schien nicht nachtragend zu sein und kam gleich zum Punkt:

„Die erste und dritte Kronprinzessin, der ehemalige vierte Kronprinz und selbst ihre Majestät König Aland haben inzwischen 13 anonyme Schreiben von einigen der bestohlenen Mitschülerinnen und Mitschülern erhalten. Es geht in diesen 13 Briefen und E-Mails stets um einen Artikel, der in der kommenden Ausgabe publiziert werden soll. Ich denke, du weißt, auf welchen Artikel ich anspiele, ja?“

Maxim biss sich verärgert auf die Unterlippe.

Es war den Mitgliedern der Schülerzeitung-AG selbstverständlich verboten im Voraus Informationen bezüglich Artikel der kommenden Ausgaben weiterzugeben, aber diesmal war die Sache einfach zu brisant um erfolgreich geheim gehalten zu werden.

Irgendwer aus seinem Team musste geplaudert haben, nun verbreitete sich die Nachricht als Gerücht unter der Schülerschaft.

„Ich nehme an, du meinst das Geständnis von Julian Meyer für die Diebstahlserie der letzten Monate verantwortlich zu sein. Ich kann Bedenken wegen eines so plötzlichen Geständnisses durchaus verste-...“

„Er ist ein Slifer, Maxim. Ein Slifer des dritten Jahrgangs mit lausigen Duel-Monsters-Fähigkeiten“, unterbrach Chris ruhig, aber bestimmt.

„Und deshalb kann Julian keine Karten stehlen? Ich sehe da keinen Zusammenhang.“

Chris schloss die Augen und atmete beruhigend ein und aus.

„Es waren keine Diebstähle, Maxim. Vielversprechende Duellanten aus Ra und Obelisk, aus dem ersten und zweiten Jahrgang wurden zu illegalen nächtlichen Duellen mit Karteneinsatz herausgefordert. Der angebliche Dieb hat sich seine Beute erkämpft. Hast du das wirklich nicht gewusst? Ich hielt dich bisher für gut informiert.“

Natürlich wusste Maxim, dass hinter den Kartendiebstählen illegale Duelle steckten und dass Barry der wahre Täter war, Kevin hatte keine Geheimnisse vor ihm.

Allerdings verstand er selbst nicht, warum Julian sich fälschlicherweise als Dieb ausgab.

Vor etwa zweieinhalb Wochen, drei Tage vor der praktischen Halbjahresprüfung, hatte Direktor Schrainmann zusammen mit dem Sliferjungen an seiner Zimmertür gestanden.

Julian hatte erzählt, dass er zunächst zu Herrn Schrainmann gegangen sei, um sich für seine Vergehen zu entschuldigen.

Der Direktor hatte dies bestätigt und bestand darauf, dass Maxim Julians Geständnis und sein Bedauern in die Schülerzeitung brachte.

„Von verbotenen Duellen höre ich gerade zum ersten Mal. Offen gesagt, klingt das für mich etwas weit hergeholt und die anonymen Briefe könnten von jedem stammen. Julian hingegen hat mir im Beisein des Direktors alles gestanden und versichert, dass jeder Schüler, der Karten als gestohlen gemeldet hatte, diese zurückbekommen wird.“

„Dreizehn Nachrichten, Maxim. Über unterschiedliche Medien, an unterschiedliche Adressaten, mit unterschiedlichen Formulierungen und, in Bezug auf die Briefe, mit unterschiedlichen Handschriften. Das kann niemand fälschen. Die Herausforderungsschreiben, die allen Briefen und Mails beilagen und mit denen die Opfer zu den verbotenen Duellen angestiftet wurden, stammen hingegen alle offensichtlich aus der gleichen Hand.“

„Schön, dass man sich bei allen anderen wichtigen Obelisken über meine Arbeit beschwert, nur nicht bei mir“, bemerkte Maxim flapsig, „Wenn du so nett bist und mir die besagten Schreiben weiterleitest, sehe ich sie mir meinetwegen selbst an. Aber ich denke nicht, dass mich das umstimmen wird. Die Schülerschaft hat ein Recht darauf Julians Geständnis zu lesen.“

„Ein Recht darauf offensichtlich belogen zu werden? Niemand wird diesen Unsinn glauben. Du riskierst damit das Ansehen der Krone und eröffnest für die frustrierten Obelisken und Ras die Jagdsaison auf unbeteiligte Slifer.“

Man hörte es schon Chris´ Tonlage deutlich an, dass dey deutliche Schwierigkeiten damit hatte, höflich zu bleiben.

„Bei allem Respekt, du übertreibst gerade ein wenig, Chris.“

„Zoe und Imani haben mir gegenüber die gleichen Bedenken geäußert. König Aland mag unter den Zweitjahrgängen die gebührende Ehrfurcht genießen, aber die Drittjahrgänge tun sich schwer damit einen Obeliskenkönig aus dem zweiten Jahrgang anzuerkennen und auch im ersten Jahrgang hinterfragt man die Majestät. Der König sei zu passiv, er wäre unfähig die Diebstahlserie zu beenden, er sei ein körperlicher und mentaler Krüppel, unfähig das höchste Haus der Akademie zu führen.

Dein Artikel könnte für eine Vielzahl von Obelisken und Ras der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Anlass dafür, den Glauben an die Krone und an die Blaue Ehre zu verlieren und die eigene Wut an den Schwächsten der Akademie auszulassen! Erst Recht wenn ein Slifer sich selbst zum Sündenbock macht!“

„Auch wenn du der*die zweite*r Kronrprinz*essin bist, es ist alleine meine Entscheidung, was in der nächsten Ausgabe veröffentlicht wird. ICH bin der Chef der Schülerzeitung!“

Nachdem sich beide angeschrien hatten, herrschte für einen Augenblick Schweigen.

Chris rieb sich angespannt die Schläfen und Maxim ließ sich wieder in seinen Bürostuhl fallen.

„Verzeihung, Maxim. Ich sollte dir gegenüber nicht ausfallend werden.“

Er winkte ab.

„Es ist okay.“

Maxim seufzte.

„Ich kann verstehen, dass Julians Geständnis unglaubwürdig wirkt. Es kommt aus dem Nichts und vor allem ergibt es auch keinen Sinn, dass ein Schüler im dritten Jahrgang das Risiko eingeht, kurz vor dem Abschluss von der Akademie zu fliegen. Schick mir bitte wie besprochen alle anonymen Nachrichten der Opfer. Ich lese sie mir dann in Ruhe durch und muss mir dann überlegen, ob ich diesen Artikel in der nächsten Ausgabe veröffentliche oder nicht.“

„Gut. Alles an die Büroadresse der Schülerzeitung-AG?“

„Ja, bitte.“

Chris sah ihn ernst an.

„Ich hoffe sehr, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst“, sagte dey und drehte Maxim auf dem Weg aus dem Raum hinaus den Rücken zu.

„Einen Moment noch! Ich habe eine Frage an dich!“

„Ja?“

Als Chris sich umdrehte, grinste Maxim Chris schelmisch an.

„Dein kleiner Monolog über das allgemein schlechte Außenbild unseres Königs klingt für mich stark nach einer Entschuldigung dafür, ihn beerben zu wollen. Unser*e Chris bezwingt am großen Jahresendduell den schwächelnden und ungeliebten König und wird künftig selbst als neue*r Obeliskenkönig*in das Haus führen, besser als er es je konnte. Das ist doch der Plan, oder? Dafür hast du Imani bezwungen und wirst als nächstes Zoe bezwingen, korrekt?“

Chris lächelte mild.

„Du wirst mir doch nicht etwa mangelnde Loyalität vorwerfen wollen?“

„Ich denke, dass du sehr loyal bist, Chris, allerdings bist du es in meinen Augen der falschen Person gegenüber. Imani ist paranoid, sie fürchtet sich davor, dass die Blaue Ehre ihren Stellenwert verliert. Wenn sie ihre Majestät opfern müsste, um den Kodex unter neuer Regentschaft zu legitimieren, dann würde sie es tun.“

Chris hielt inne, unsicher ob ersie Maxims Anschuldigung überhaupt beantworten wollte.

Schließlich gab Chris eine Antwort:

„Ich denke nicht, dass ein Königswechsel für der Stabilität der Monarchie hilfreich wäre, ganz im Gegenteil. Es ist im Sinne der allgemeinen Ordnung, König Aland zu stützen, nicht ihn anzuzweifeln. Aber ich muss zugeben, dass es mich verdutzt, wie wenig Interesse du und die Kronprinzessinnen daran zeigen, den König herauszufordern. Am Ende des Jahres, vor allen Schülerinnen und Schülern und dem gesamten Lehrerstab den stärksten Duellanten der Akademie duellieren zu dürfen klingt für mich sehr verlockend.“

„Verlockend, Hm?“

Maxim lachte.

„Man merkt, dass du ein Frischling bist. Hättest du wie Zoe, Imani und ich gesehen, wie sich Aland letztes Jahr den Königstitel erkämpft hat, dann würdest du deine Ambitionen überdenken... Nun, sofern Imani dich frei denken lässt.“

Chris ließ sich von der letzten Stichelei nicht provozieren und begab sich erneut Richtung Ausgang.

„Ich lasse dich nun in Ruhe weiterarbeiten. Aber überlege dir bitte wirklich gut, ob du diesen Irrsinn durchziehen willst. Wir spielen beide im gleichen Team. Wir wünschen uns beide Ordnung für die Akademie.“

Mit diesen Worten verließ Chris den Arbeitsraum.

Nervös fasste sich Maxim am Nacken.

Das Gespräch mit derdie zweite*n Kronprinz*essin hatte ihn nachdenklich gemacht.

Es stand für ihn fest, dass er das falsche Geständnis veröffentlichen würde, daran würden weder die Briefe und E-Mails an die anderen Obeliskenoberhäupter, noch Chris´ Bedenken, noch die 18 Briefe und E-Mails, die er selbst erhalten hatte, etwas ändern.

Er würde sich Direktor Schrainmann unnötig zum Feind machen, wenn er sich seinem Wunsch widersetzen würde.

Im schlimmsten Fall würde Maxim seine Position in der Schülerzeitung verlieren und der Direktor könnte beginnen Verdacht gegen ihn zu schöpfen.

Aber was galt es nach der Publikation des Artikels zu tun?

Sollte Barry aufhören die Schülerschaft um ihre Karten zu bringen, um Julians Geständnis glaubwürdiger zu machen?

Das wäre wahrscheinlich das, was der Direktor beabsichtigte.

Er hatte sich einen Sündenbock gesucht, um dem wahren Dieb eine Gelegenheit zu geben, aufzuhören und sich sicher zu sein, nicht weiter verfolgt zu werden.

Aber gleichzeitig könnte es das Konfliktpotenzial zwischen den Häusern erhöhen, wenn die Obelisken tatsächlich glauben würden, dass ein Slifer hinter den illegalen Duellen stecken würde.

Würde Barry nach dem Artikel weitermachen wie bisher, würde dies Misstrauen gegenüber den Kronprinzen und auch gegenüber dem König erhöhen und Schrainmann würde seinen nächsten Schachzug planen. Dabei würde Maxim auch seine eigene Glaubwürdigkeit als Chef der Schülerzeitung verspielen, ein hoher Preis für ein paar Karten.

Aber hatte er überhaupt eine Wahl?

Er bezweifelte, dass Kevin Barry wirklich unter seiner Kontrolle hatte, letztlich entschied Barry selbst, ob er Maxims und Kevins Anweisungen nachkommen würde.

Und in Maxims Augen war Barry in vielerlei Hinsicht unberechenbar.

Chris hatte mit einem Recht:

Es galt bedacht zu handeln, deshalb musste Maxim sich auf jeden Fall mit Kevin und Hecker besprechen, sie hätten vielleicht ihre eigenen Gedanken zu der Angelegenheit, auf die Maxim noch nicht gekommen war.

Aber in einer anderen Hinsicht lag Chris auch komplett falsch.

Dey und Maxim waren definitiv nicht im gleichen Team und Ordnung war das allerletzte, was Maxim wollte.

Der letzte Kampf

Das neue Halbjahr hatte begonnen und Erin saß zwischen Mayla und Fiona am Strand, nahe dem Anlegeplatz der Akademieinsel.

Es war erst Anfang Januar, der Strand war dementsprechend leer.

Und weil er leer war, war er genau der richtige Treffpunkt für die drei Freundinnen.

Nur sie und das rhythmisch rauschende Meer.

Die drei saßen allesamt in dicken Jacken und unter Decken eingebettet auf einer Thermodecke im Sand und genossen trotz der Kälte die wenigen Sonnenstunden des Winters.

„Und, hast du dich schon in der neuen Luxusvilla eingelebt?“, fragte Erin und sah Fiona erwartungsvoll an.

„Ach, frag nicht. Es ist echt furchtbar!“

„Ohje, was stimmt denn nicht?“, fragte Mayla besorgt und stellte den Becher mit der inzwischen ausgetrunkenen heißen Schokolade vor sich ab.

„Es ist meine neue Mitbewohnerin. Das Mädchen geht echt gar nicht. Ich kann es nicht einmal beschreiben, alles was sie tut, geht mir einfach auf die Nerven. Inzwischen reicht es schon ihre schrille Stimme hören zu müssen, um bei mir Kopfschmerzen auszulösen.“

Mayla schmollte nun.

„Wenn du es nicht einmal beschreiben kannst, ist sie dann wirklich so anstrengend? Vielleicht solltest du ihr einfach eine Chance geben.“

Erin nickte.

„Da gebe ich Mayla komplett recht. Wenn ich ehrlich bin, hielt ich dich am Anfang auch manchmal für eine etwas unangenehme Mitbewohnerin, alleine schon wegen der Unordnung...“

Fiona verdrehte die Augen.

Erin hatte früher des öfteren mit ihr wegen der Kleidung auf dem Boden geschimpft, inzwischen konnte sie es nicht mehr hören.

„... ich wollte jetzt eigentlich sagen, dass ich dich trotzdem unglaublich lieb gewonnen habe, aber wenn du nochmal so doof die Augen verdrehst, überlege ich mir das nochmal!“

Fiona und Erin lachten und Mayla ließ sich von der Heiterkeit nur zu gerne anstecken.

„Wie seht es bei dir aus, Mayla?“, fragte Fiona, „Du hast doch auch ne neue Mitbewohnerin, oder?“

„Ja, ich habe sogar zwei. Eine davon ist auch sehr nett, die andere...Also auf die würde ich lieber verzichten, wir kommen nicht ganz miteinander klar.“

„Puh, du darfst dich beschweren und ich soll meiner Nervensäge ne Chance geben?“

Erin sah ihre Freundinnen verwirrt an.

Sie hätte nicht erwartet, dass die beiden gegenüber neuen Leuten so unaufgeschlossen sein würden, erst recht nicht von Mayla.

„Mädels, es ist doch erst der zweite Tag des neuen Halbjahres! Wartet doch erst einmal ein, zwei Wochen, ab, bevor ihr über eure Mitbewohnerinnen herzieht.“

Fiona winkte ab und Mayla schüttelte energisch den Kopf.

„Glaub mir, wenn du sie getroffen hättest, würdest du mit ihr auch nichts zu tun haben wollen. Sie ist ehrlich unangenehm. Ich hoffe, wenigstens du hast Glück mit deinen Zimmergenossinnen.“

Erin grinste breit.

„Da brauche ich kein Glück, ich habe nämlich keine. Ein ganzes, rechteckiges Königreich nur für eure gute Erin!“

„Angeberin“, grummelte Fiona.

„Mir wird es hier langsam zu kalt, sagte Mayla, lasst uns unsere Sachen hier zusammennehmen und dann zu Erin ins Zimmer setzen.“

Erin bestätigte die Idee mit einem Nicken.

Ihr Zimmer war wohl am besten geeignet, es war nicht nur frei von unwillkommenen Mithörerinnen, sondern es hatte auch den Vorteil, dass Mayla als Slifer-Schülerin und Fiona als Obeliskin auf den Ra-Fluren nicht so negativ auffallen würden, wie in den anderen Unterkunften.

Alle drei standen auf und rollten ihre Decken auf.

„Oh! Ich wollte euch noch etwas Lustiges zum Thema neue Mitbewohner erzählen!“, fiel Mayla ein, „Daniel hat gestern mitbekommen, wie Kevin bei Herrn Althus war. Er muss sich jetzt aus Platzgründen doch notgedrungen sein Zimmer mit einem anderen Jungen teilen und das hat ihm wohl gar nicht gepasst. Eine halbe Stunde am Stück hat er wohl mit Herrn Althus diskutiert, bis er ihm irgendwann genervt mit Schulverweis gedroht hat.“

Erin musste sich nun vorstellen, wie Kevin wohl geguckt haben muss, nachdem er vom Slifer-Hauslehrer vor den Mitschülern zur Schnecke gemacht wurde.

Sie prustete laut drauf los, während sie die zusammengefaltete Thermodecke in ihrem Rucksack presste.

Ihr Mitleid für Kevin hielt sich stark in Grenzen.

Erin hatte ihn noch nie sonderlich gemocht, aber seit sie herausgefunden hatte, dass er mit Barry zusammenarbeitete, war er für sie offiziell gestorben.

Auch Fiona war sichtlich erfreut.

„Ich finde Kevins neuen Mitbewohner jetzt schon sympathisch. Wer diesem korrupten Fiesling so auf den Wecker geht, kann kein schlechter Mensch sein!“

Die drei Mädchen machten sich auf den Weg zum Ra-Yellow-Gebäude.

„Daniel sah das ganz genauso. Deshalb gibt er dem Neuling gerade eine Führung durch das gesamte Schulgelände.“

„Wozu braucht Kevins Mitbewohner denn eine Führung? Hat der das gesamte letzte Halbjahr verpennt?“, fragte Erin.

„Nein, der Junge stammt wohl einfach von einer anderen Akademie und ist zum neuen Halbjahr auf unsere Akademie gewechselt. Ah! Wenn man vom Teufel spricht!“

Erin, Mayla und Fiona hatten gerade den Strand verlassen, als sie auf dem Feldweg Daniel und seiner Begleitung entgegenkamen.

Daniel winkte ihnen schon von Weitem zu.

Mayla begrüßte ihren Freund mit einem Kuss.

„Lange nicht gesehen, wie geht’s?“, fragte Fiona.

„Alles beim Alten, würde ich sagen. Herzlichen Glückwunsch zu deinem krassen Aufstieg, übrigens. Ich bin ja noch gar nicht zu der Gelegenheit gekommen dir persönlich zu gratulieren.“

Mit vor Stolz gestreckter Brust zwinkerte Fiona ihm zu, während sie mit dem rechten Daumen auf ihre blaue Uniform zeigte.

„Hehe, ganz schön cool, was?“

Erin wandte sich gleich dem Neuling zu und streckte ihm zur Begrüßung mit einem Lächeln die Hand entgegen.

„Ich bin Erin, wie heißt du?“

Der Neue war schlank und mittelgroß, mit braunen Augen und auffällig voluminösen, ebenfalls braunen Haaren.

„Freut mich, dich kennenzulernen, Erin. Mein Name ist Jaden Yuki.“

Oh mein Gott, es ist echt DER Jaden aus diesem Anime, auf den ich gerade nicht komme, lol.

Jaden wurde gleich so rot im Gesicht, weil er sich sofort in Erin verliebte und Erin verliebte sich auch in ihn, denn Jaden ist hot.

Die anderen drei wollten gehen, damit Erin und Jaden ungestört alleine sein konnten, aber dann kamen leider Fionas und Maylas Mitebwohnerinnen.

„Jaaaaadeeeeeen, du musst mit mr auf ein Date gehen!“, rif Alexis schrill.

Blaire schrie mit ihrer nefigen Stimme „Nein Jadi-Schatz gehört nur mir!“

Boah die beiden soind so scheiße ich kenne auch so eine die sich an Fynn aus meiner Klasse ranmacht und alle hassensie sie heißt Jessica und hoffentlich bricht sie sich die Nase xD

„Oh nein die zwei Dummköpfe haben mich verfolgt wegen ihen habe ich die Akademie gewechselt“, rief Jaden entsetzt.

Aber Mayyla und Fiona nahmen die beiden an ihren Haaren und wirbelten sie herum und warfen sie in den Himmel so wie Team Rocket aus Digimon oder so kp ich gucke keinen MÜLL!

Und dann war alles gut außer dass pötzlich Lord Voldemort da war und eer war besonders böse denn er hatte einen Hitlerbart.

„Haha, ich werde alle umbringen und zwar so lanbe bis ihr tot seid.“

Ich hoffe er bringt auch Jessica um :D

„Mist“ sagte Jaden und er sah dabei voll gut aus.

Abra Kadaver, oder so schrie Voldemort und brachte Jaden um erin fand das nicht gut

Aber Jaden starb nicht er hatte nur Jubel oder Hao oder wen anders in Jaden getötet aber Jaden hatte trotzdem Schmerzen

Halt ich fordere dich zu Yugioh raus und wenn du verlierst musst du dich verpiisen sagte Erin und Vollemort sagte ok.

Der dunkle Lord machte seine Dueldisk an und spielte ein Monster

Es war ein Darche und er war groß und schwarz denn alle schwarzen sind böse rofl

Mein Momnster ist unbesiegbar denn es zerstört alle Karten in deinem Deck und du hast nur 1 Lebenspunkt und im nächsten Zug verloren danach beherrsche ich die Wlet.

Halt die Fresse sagte Erin wäghrend sie mit Jaden rummachte dnak der Kraft der Liebe Fusioniere ich meine Donnerblitzreiterin mit Elemntheld Neox und mein Monster ist noch unbesiegbarer los vernichte den da und Erins Monster zerstörte Voldemorts Drache.

Vildemort explodierte und Jessica explodierte auch weil Fynn nur auf mich steht

Danach machtten Jaden und Erin ihr wisst schon was und kommt mir nicht mit Jaden ist schwul weil er auf Johan steht oder so ein Kack Jaden ist ein Held und heldn sind nie schwul ok? Yolo.

Erin hat 100Babies the End.
 

Zur Einordnung: Ursprünglich wurde Kapitel 13 kurz vor einem 1. April hochgeladen und ich fand die Idee eines "Scherzkapitels" zum 1. April lustig, insbesondere wegen 14 -> 01.04. ...Also... ja, non canon, aber ich hoffe, es hat zur Erheiterung beigetragen.

Mit Vollgas ins zweite Halbjahr!

Frau Ehring drückte Erin einen transparenten Beutel mit ragelben Blusen, gelben Röcken und weißen und gelben Hosen in die Hand.

„Bitte sehr“, sagte Frau Ehring in einem schroffen Ton und ohne Erin anzusehen.

„Vielen Dank!“

Erin lächelte.

Wenn sie ihre neue Uniform so sah, dann konnte sie es kaum erwarten, sie erstmals anzuziehen.

Frau Ehring schloss den großen Schrank, in der die zur Ausgabe gedachte Kleidung und Bettwäsche aufbewahrt wurde sogleich wieder ab.

„Gut, gut, ich führe dich dann zu deinem neuen Zimmer. Mitkommen!“

Die Hauslehrerin von Ra-Yellow lief voran und Erin schnappte sich fix ihren Rollkoffer, bevor sie ihr folgte.

Hastig eilte Frau Ehring durch die Gänge, ohne Rücksicht auf die bepackte, frisch gebackene Raschülerin hinter ihr zu nehmen.

Nach einer kurzen Weile blieb sie doch stehen.

„Am Ende dieses Ganges liegt übrigens die Kantine. Essensausgabe ist von 6.00 Uhr bis 7.30 Uhr, 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr und 19.00 Uhr bis 20.30 Uhr.“

Das war schon das erste Upgrade im Vergleich zum Sliferhaus, jeweils eine halbe Stunde mehr Zeit für das Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Nicht dass sie jemals unter der Woche zum Mittagessen gekommen war, dafür hatte Fionas Beharren darauf, stets alle Hausaufgaben sofort nach Unterrichtsschluss abzuarbeiten, gesorgt. Stattdessen holte sich Erin lieber eine zusätzliche Portion Frühstück, um bis zum Abend nicht zu sehr hungern zu müssen.

Frau Ehring ging weiter, die Treppe bis zum ersten Stockwerk hoch und Erin hiefte den Rollkoffer, für den sie wegen der neuen Kleidung nur eine Hand frei hatte, Stufe für Stufe hoch.

Wenige Meter weiter waren sie am Ziel angekommen.

Frau Ehring gab Erin mit einem Blick zu verstehen, dass sie selbst anklopfen sollte und Erin zögerte keinen Moment.

„Ich komme gleich!“, rief eine helle Stimme aus dem Zimmerinneren, bevor sich die Tür öffnete.

Vor Erin und Frau Ehring stand nun ein schlankes, mittelgroßes Mädchen mit gebräunter Haut und Mandelaugen.

Ihre glatten Haare liefen in einem Zopf bis zur Taille und waren genauso schwarz wie der aufwendige Lidschatten.

Sie lächelte die beiden Besucherinnen freundlich an.

„Jiang Chunlan, das ist Erin Hiller, deine neue Mitbewohnerin. Ich habe sie bereits einmal durch die Unterkunft geführt.“

„Angenehm deine Bekanntschaft zu machen, Erin“, sagte Jiang und streckte ihr ihre Hand zur Begrüßung entgegen.

Sie sprach mit einem leichten Akzent, der das Zuhören aber kaum erschwerte.

Erin schüttelte Jiangs Hand zur Begrüßung.

„Es ist mir eine Freude“, sagte sie mit einem etwas gezwungenen Lächeln.

Es war ihr etwas unangenehm, dass Frau Ehring noch immer neben den beiden Mädchen stand.

„Gut, wenn jemand von euch noch Fragen haben sollte, kommt zu meinem Büro. Schönen Tag noch.“

Mit diesen knappen Worten verabschiedete sich Frau Ehring und Jiang ging ein paar Schritte zurück, um Erin den Weg in den neuen, gemeinsamen Raum frei zu machen.

„Na dann, du darfst ruhig reinkommen.“

Sie trat wie gefordert ein und schloss hinter sich die Tür.

Erin blickte sich kurz um und war zufrieden.

Sie hatte schon einmal ein Ra-Zimmer betreten, damals als sie zusammen mit ihren Freundinnen und Daniel Tara aufgesucht hatte, und wusste bereits, dass sie im Vergleich zum letzten Halbjahr ein deutlich schöneres und geräumigeres Zimmer erwarten durfte.

Ein zweiter Kleiderschrank ohne Kratzer, ein noch breiterer Schreibtisch mit zahlreichen Fächern, ein breiteres Fenster, das vom ersten Stock eine malerische Aussicht bis zum Sliferplatz bot und generell viel mehr Platz.

Die Wände, die im alten Zimmer in einem sterilen und mit der Zeit verblassten Weiß gestrichen wurden, waren in einem geschmackvollen Gelb gehalten und mit Bildern von erfolgreichen Profiduellantinnen und Duellanten und von Monsterkarten verziert.

Statt des Stockbettes gab es zwei getrennte Einzelbetten und dennoch bot der Raum mehr freien Platz als das Slifer-Zimmer.

Erin lächelte: „Ich glaube, hier lässt es sich aushalten. Sag mal...äh...Jang? Bist du auch neu in diesem Zimmer?“

Erin schämte sich den Namen des Mädchens nicht ganz mitbekommen zu haben.

„Nein, ich hatte hier schon vorher eine Mitbewohnerin. Und mein Name spricht sich „Jiang“.

„Jian?“

„Jiang. Es ist in Ordnung, die meisten Nichtasiaten haben mit meinem Namen Probleme“, sagte sie verständnisvoll, „Ich schreibe ihn dir nachher auf. Du bist neu in Ra-Yellow, rate ich? Warst du Slifer oder Obelisk?“

Jiang setzte sich auf einen der Stühle am Schreibtisch.

„Ich komme aus Slifer-Red, aber ich hätte es fast bis in Obelisk-Blue geschafft. Es hatten nur 5,5% gefehlt“, antwortete Erin stolz.

„Ah! Dann möchte ich dir herzlich zum Aufstieg gratulieren. Bei mir waren es nur 4%, sehr ärgerlich.“

„Wirklich? Oh, Mann, wenn die Ehring nicht so einen fiesen Prüfungsteil reingehauen hätte, dann würden wir beide jetzt wohl im blauen Haus wohnen, was?“, fragte Erin und packte währenddessen ihren Reisekoffer aus.

„Wo...-?“

„Der linke Kleiderschrank ist komplett frei. Das vordere Bett an der Tür ist deines. Ich war so frei es für dich zu beziehen. Darf ich dir beim Auspacken behilflich sein?“, antwortete und fragte Jiang lächelnd, bevor Erin ihre Frage ausformulieren musste.

„Oh! Vielen Dank! Aber den Rest übernehme ich auch gerne alleine.“

Mit Jiang als neue Mitbewohnerin hatte Erin wohl den Hauptgewinn gezogen: Sie wirkte sehr herzlich und hilfsbereit, auch wenn sie sich etwas förmlich ausdrückte.

Aber eins war Jiang vor allem: Ordentlich.

Nirgends lagen Kleider oder Zettel von ihr herum, alles war sachgemäß verstaut.

Selbst der Schreibtisch war, bis auf wenige Kosmetika am Rand, frei.

Das war ein Luxus, an den sich Erin erst einmal gewöhnen musste.

„Habe ich doch gerne gemacht. Offen gesagt, der schriftliche Teil verlief gut für mich, da habe ich 95% erreicht. Aber das Tag-Team-Duell war... suboptimal.“

„Gibt immer ein nächstes Mal. Am Jahresende schaffen wir bestimmt den Aufstieg. Die werden sich wohl kaum zweimal hintereinander so einen besonderen Praxisteil ausdenken.“

„Danke sehr für die netten Worte, Erin. Ich freue mich schon sehr darauf mit dir zusammen zu wohnen.“

Erin machte eine kurze Pause vom Kleider verstauen und wandte sich ihrer neuen Mitbewohnerin mit einem breiten Grinsen zu.

„Geht mir auch so. Du bist echt okay...Jiaang?“

„Jiang.“, korrigierte sie und kicherte etwas, „Aber das klang schon viel besser als die ersten beiden Male. Übung macht den Meister.“

Ein dumpfes Grummeln unterbrach die Unterhaltung der Mädchen.

Erin lief vor Scham rot an.

Das war ihr hungriger Magen gewesen.

„Oh, du hast wohl noch nicht viel gegessen, oder, Erin?“

Das hatte sie tatsächlich nicht.

Sie war heute erst mit Mayla zusammen angereist und wegen einer Zugverspätung waren die zwei zwischen den Umstiegen nicht dazu gekommen, sich am Bahnhof noch etwas Essbares zu kaufen.

Jiang stand wieder auf.

„Lass uns gleich in die Kantine gehen. Das Essen hier schmeckt dir bestimmt besser als das aus der Slifer-Unterkunft. Auspacken kannst du ruhig später noch.“

„Alles klar, so machen wirs. Aber bevor ich im Haus weiter in meiner Straßenkleidung rumlaufe, will ich gleich die neue Uniform anprobieren. Darauf habe ich mich schon die ganzen Feiertage über gefreut!“

Erin nahm sich die gelbe Uniform und ging in die hinterste Ecke des Zimmers, sodass man sie weder vom Fenster aus sehen könnte, noch dann, wenn jemand plötzlich die Tür öffnen sollte.

Dann zog sie ihr Oberteil aus und als sie den Pulli über den Kopf gekrempelt hatte, stellte sie etwas verdutzt fest, dass sich Jiang demonstrativ mit dem Rücken zu ihr gedreht hatte.

„Du brauchst nicht weggucken. Du bekommst hier nicht mehr zu sehen, als in der Umkleide vorm Sportunterricht“, stellte Erin belustigt fest.

„Hmmmmm, aber so alleine mit einem anderen Mädchen auf dem Zimmer...äh....das finde ich....oh....Hmmmm...“

„Das sind wohl kulturelle Differenzen“, dachte sich Erin knapp und zog sich Jiang zu liebe so schnell wie möglich um.

„So, du darfst wieder!“

Erin bewunderte sich selbst in ihrer frisch gewaschenen, gelben Tracht im Innenspiegel des Kleiderschranks.

„Hehe, na, das steht mir doch richtig gut! Was meinst du?“

Jiang sah sie an und wurde ein wenig rot.

„Da gebe ich dir Recht. Das Ragelb passt gut zu deinen schönen, blonden Haaren.“

Jiang und Erin verließen das gemeinsame Doppelzimmer und gingen die Treppe hinab bis zum Eingang, der, wenn man ihn gerade entlang weiter ging, zur Kantine führte.

Auf halbem Wege lief eine eilig gehende und wütend aussehende Frau Ehring an ihnen vorbei.

„Hey! Du da draußen! Bleib sofort stehen!“, brüllte sie und verließ die Unterkunft.

„Was war das denn?!“, fragte sich Erin laut und ging ihr instinktiv hinterher.

Draußen stand die aufgebrachte Hauslehrerin einem Ra-Schüler gegenüber.

„Yunus! Ich habs doch geahnt! Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du kein Werkzeug aus dem Elektronik-AG-Raum mitnehmen darfst?! Und...große Güte! Wie siehst du denn aus?!“

Der Ra-Schüler hielt in der rechten Hand den roten Werkzeugkasten, während an der linken seine Dueldisk angebracht war.

Durch seine halboffene Lederjacke war ein großer, schwarzer Fleck auf dem gelben Uniformoberteil zu erkennen.

Er war recht groß und seine Haut hat den gleichen milden Braunton wie seine Augen. Die Haare waren an der Seite komplett abrasiert und eine seiner schwarzen Locken hing ihm locker über der Stirn.

„Ich sehe genauso gut aus wie immer, danke der Nachfrage!“, entgegnete Yunus mit einem lässigen Lächeln.

Erin gab ihm innerlich recht, hässlich war er definitiv nicht...

„Spar dir die Frechheiten, Junge! Ich rede natürlich von dem Fleck auf der Uniform! Das ist doch nicht wieder Motoröl?!“

Yunus leckte sich demonstrativ den Zeigefinger, rieb ihn an der schwarzen Stelle und hielt die Zeigefingerspitze wieder an den Mund.

„Hmmmm, gutes 10W-30er für den 4-Takt-Motor. Ein süßes Aroma mit einem herben Abgang.“

Frau Ehring wurde immer wütender.

„Du elendiger Klugschwätzer! Das kriegt man doch nie wieder sauber! Die Uniformen sind Schuleigentum!“

„Also letztes Halbjahr haben Sie rumgemeckert, weil ich ohne herumgelaufen bin und jetzt schimpfen sie, weil ich bei der Montage Uniform getragen habe. Entscheiden Sie sich bitte mal!“

„Dir bringe ich noch einen Sinn für Sauberkeit bei! Für deinen Unfug gibt es drei Wochen Küchendienst! Und obendrein will ich bis zum nächsten Freitag einen mindestens 10-seitigen-Aufsatz zum Thema „Warum ich nicht das Eigentum der Duellakademie beschädigen darf“ sehen!“

Mit einer lockeren Handbewegung fuhr sich Yunus durch die Haare.

„Da hab ich ne bessere Idee, Regina.“

Er aktivierte seine Dueldisk.

„Ich gebe Ihnen stattdessen einfach ein bisschen Duellnachhilfe!“

„Für einen Schüler wie dich heiße ich immer noch Frau Ehring!“

Erin guckte nicht schlecht.

Hatte dieser Yunus gerade im Ernst eine Lehrkraft zum Duell herausgefordert?

Frau Ehring schnaubte verächtlich und kramte aus ihrer Hosentasche ein breites, metallisches Armband.

Sie befestigte es und drückte den großen Knopf in der Mitte, woraufhin das Armband sich in eine komplette Dueldisk entfaltete.

„Wahnsinn, Frau Ehring! Wo bekommt man denn so praktische Duellarmbänder her?“, rief Erin begeistert von der Seite.

Frau Ehring sah sie kurz mit dem gewohnt strengen Blick an.

„Die gibt es nur als Abschlussgeschenke für Obelisk-Blue-Schüler mit Bestnoten! Du solltest also fleißig lernen! Fang am Besten dabei an dieses Duell aufmerksam zu verfolgen.“

Sie wandte sich wieder Yunus zu.

„Dies wird sehr lehrreich werden, für alle Beteiligten.“

Jiang rieb sich währenddessen die Schultern.

„Erin, möchtest du nicht mit mir wieder reinkommen? Es ist zu kalt hier draußen.“

Aber Erin dachte gar nicht mehr daran sich in die Kantine zu verdrücken.

„Machst du Witze? Wir können hier gleich Frau Ehring beim Duellieren zusehen! Wie kannst du das verpassen wollen?“

Jiang seufzte und ging ohne Erin wieder in das Haus zurück.

Frau Ehring und Yunus gingen jeweils einige Schritte voneinander weg und waren nun bereit für einen Kampf.

Da Yunus Frau Ehring herausgefordert hatte, machte sie den ersten Zug.

„Ich beginne mit der Zauberkarte Neues Blatt: Wie der Name schon vermuten lässt, legen nun beide Spieler ihre Handkarten ab und ziehen genauso viele Karten, wie sie durch diesen Effekt abgelegt haben.“

Yunus zog fünf neue Karten von seinem Deck und Frau Ehring nahm sich vier.

Fortgesetzt wird mit diesem Monster: Magiestrat Aurendruide im Verteidigungsmodus!

Vor Frau Ehring erschien ein hagerer, bärtiger Mann in weißer Robe, der sich auf seinem unförmigen Holzstock stützte.

Magiestrat Aurendruide: Stufe 4, 800Atk, 1700Def.

„Ich setze zwei Karten verdeckt und nutze sofort den Effekt von Magiestrat Aurendruide: Indem ich meinen Zug beende, darf ich sofort ein beliebiges Magistrat-Gesetz aus meinem Deck direkt ausspielen.“

Ihr Monster zeichnete mit dem Druidenstock einen grünlich leuchtenden Zauberkreis in die Luft.

„Meine Wahl fällt auf diese permanente Zauberkarte: Magiestrat-Gesetz Beschwörungsverbot.“

Die genannte, permanente Zauberkarte erschien auf ihrer Feldseite.

Den Effekt von Aurendruide darf ich nur in meiner Main Phase 1 aktivieren und er beendet sofort meinen Zug. Zeig mir, was du seit unserem letzten Duell gelernt hast, Yunus!“

Erin stutzte.

Seit dem letzten Duell?

Sie hatte aus dem Streitgespräch zwischen Frau Ehring und Yunus rausgehört, dass sich beide schon kannten und Yunus schon oft gegen Frau Ehrings Anweisungen verstoßen hatte, aber dass sie schon einmal gegeneinander duelliert hatten, war ihr neu.

Yunus grinste und zog.

„Okay, dann lass ich Sie nicht mehr länger warten! Ich lege den ersten Gang ein und zwar mit meinem Motorensynchronisierer!

Ein schwarzes Maschinenmännchen mit zahlreichen Walzen und vier Zylindern erschien vor Yunus.

Motorensynchronisierer:

Motorensynchronisierer: Stufe 3, 1300Atk, 500Def.

„Der Spezialeffekt des Synchronisierers bringt mein Deck richtig in Fahrt, ich darf nämlich jetzt ein Monster der Stufe 2 oder niedriger aus meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen! Zeig dich, Beschleunigungskrieger!

Der Beschleunigungskrieger war ein schmaler, metallener Android, der sich mit Rollen an den Füßen fortbewegte.

Beschleunigungskrieger: Stufe 2, 1100Atk, 600Def.

Frau Ehring unterbrach nun Yunus Zug: “Spezialbeschwörungen jeder Art verstoßen gegen das Magiestrat-Gesetz Beschwörungsverbot! Wenn du trotzdem Spezialbeschwörungen durchführst, musst du sofort die obersten Karten von deinem Deck auf den Friedhof legen und zwar genauso viele, wie das spezialbeschworene Monster Stufen hat!“

„Ein kleiner Preis dafür, dass mein Monster gleich eine Ehrenrunde auf Ihren Lebenspunkten dreht.“

Yunus legte die obersten zwei Karten seines Decks auf den Friedhof.

„Weiter geht’s: Wenn ich ein Empfänger-Monster beschwöre, dann darf ich diesen haarigen Gesellen im gleichen Zug aus dem Friedhof rufen! Schraubenschlüssel-Schimpanse!

Ein Schimpanse in einem blauen Mechaniker-Overall und mit zwei großen Schraubenschlüsseln in den Händen kreischte zur Begrüßung.

Schraubenschlüssel-Schimpanse: Stufe 2, 800Atk, 1000Def.

„Vergiss nicht, dass deine Flohschleuder dich zwei weitere Karten kostet!“, ermahnte Frau Ehring und Yunus legte sofort zwei Karten von seinem Deck ab.

„Mein Feld steht! Ich stimme meinen Stufe-3-Motorensynchronisierer auf den Stufe-2- Schraubenschlüssel-Schimpansen ein! Synchrobeschwörung!“

Yunus´ Monsterhologramme verblassten und hinterließen ihre drei und zwei Stufensterne, die eine Linie aus fünf Sternen bildete.

„Gib jetzt so richtig Vollgas! Motorenkrieger!“

Die Linie leuchtete grell auf und als das Licht schwächer wurde, kam Yunus´ Synchromonster zum Vorschein.

Es war äußerlich mehr Maschine als Krieger, mit großen, eisernen Fäusten und im Rücken des Motorenkrieger befanden sich zahlreiche Abgasrohre, aus denen dunkler Qualm stieß.

Motorenkrieger: Stufe 5, 2300Atk, 1300Def.

„IIIIIIIIIIIIIIEK! EINE ECHTE SYNCHROBESCHWÖRUNG! DU HAST EIN SYNCHROMONSTER BESCHWOREN!“

Erin war völlig aus dem Häuschen.

Das war das allererste Mal, das sie live eine Synchrobeschwörung miterleben durfte und sie fand es unglaublich aufregend.

Bisher hatte sie nur in ihren Duellmagazinen von Synchromonstern gelesen, oder Videos von Synchrobeschwörungen im Internet gesehen.

Selbst im Stundenplan der Akademie tauchten Synchromonster nicht auf, dafür war diese Beschwörungsmethode noch zu neu und zu unbekannt in der deutschen Duellantenszene.

Hätte man ihr heute morgen noch erzählt, dass sie heute nicht nur einer Akademielehrerin beim Duellieren zusehen würde, sondern im gleichen Duell Synchromonster zu Gesicht bekäme, dann hätte sie die Person, die ihr das gesagt hat, für verrückt erklärt.

„Ein wenig Ruhe, bitte! Ein Duell erfordert Konzentration und Disziplin!“, schimpfte Frau Ehring nach Erins Aufschrei.

Yunus hingegen fühlte sich sichtlich geschmeichelt und grinste.

„Hey, du da! Wenn dir das schon gefallen hat, dann habe ich gute Nachrichten für dich! Ich habe nämlich noch ein paar coole andere Synchromonster im Extradeck!“

Erins Augen funkelten vor Begeisterung.

Noch mehr Synchromonster?

Das wäre zu schön!

„Zuerst musst du den Preis für dein Synchromonster bezahlen! Eine Synchrobeschwörung ist nämlich eine Spezialbeschwörung und die ist aufgrund meines Magiestrat-Gesetzes verboten! Das macht fünf Karten von deinem Deck!“

Ohne eine Miene zu verziehen legte Yunus fünf weitere Karten ab.

„Was solls, ich habe jetzt alle Monster, die ich brauche! Als Erstes benutze ich den Effekt von Beschleunigungskrieger! In dem Zug, in dem er als Spezialbeschwörung gerufen wurde, darf ich nämlich seine Angriffspunkte zum Doppelten seiner Grund-Atk abändern!

Der eiserne Rollerskater wuchs auf dieselbe Größe wie der Motorenkrieger an.

Beschleunigungskrieger: 1100Atk → 2200Atk.

„Jetzt, wo mein Beschleunigungskrieger etwas Extrawumms bekommen hat, nutze ich den Effekt von Motorenkrieger: Einmal pro Zug darf er die Angriffspunkte eines meiner Monster dazu erhalten, falls dieses Monster Stufe 1 oder Stufe 2 hat! Daher übernimmt Motorenkrieger die volle Power von Beschleunigungskrieger!

Yunus Synchromonster wuchs auf die Höhe eines Einfamilienhauses an.

Motorenkrieger: 2300Atk → 4500Atk.

Bei diesem Anblick konnte Erin nur Staunen.

Yunus hatte in seinem ersten Zug insgesamt knappe 7000 Angriffspunkte auf das Feld gebracht und er würde sie garantiert gleich ohne Gnade einsetzen.

War das die Macht von Synchromonstern?

Sie konnte es nicht abwarten noch mehr von Yunus´ Deck zu sehen.

„Hmpf, ich muss dich wohl loben, du bist besser geworden. Zu schade, dass es dir an Gehorsam mangelt“, kommentierte Frau Ehring in einem gleichgültigen Tonfall.

„Danke sehr, Frau E!“, bedankte sich Yunus, „Mein Motorenkrieger schlägt gleich gewaltig zu! Sie werden sich sicher noch daran erinnern, dass er durchschlagenden Kampfschaden anrichtet oder?! Angriff auf Aurendruide mit Getriebehieb!“

Aus den Rückenauspuffen des Motorenkriegers schossen Flammen, die ihn auf den Magiestrat Aurendruiden zu katapultierten.

Er verpasste dem Hexer einen blechern scheppernden Faustschlag.

Frau Ehring ging aufgrund des durchschlagenden Kampfschadens leicht in die Knie und stöhnte.

Frau Ehrings Lebenspunkte: 4000 → 1200.

„Tja, du hast mir zwar ein wenig Kampfschaden zugefügt, aber da ich ein Magiestrat-Gesetz kontrolliere, kann ich einmal pro Zug Aurendruide vor der Zerstörung bewahren“, entgegnete sie.

„Kein Problem! Dann beendet mein Beschleunigungskrieger jetzt den Job!“

Mit einer kommandierenden Armbewegung befohl der Junge den Angriff.

Beschleunigungskrieger zerschmetterte den Aurendruiden mit einem Tritt mit den scharfkantigen Rädern an den Füßen.

„So macht Duellieren Spaß! Sie haben weit über die Hälfte ihrer Lebenspunkte eingebüßt und keine Monster mehr auf dem Feld!“

Frau Ehring grinste selbstsicher.

„Hattest du Spaß, ja? GUT! Denn nach dem Spaß kommt die Strafe für deine Frechheiten! Ich aktiviere die Fallenkarte Magiestrafe Schmerzensgeld!“

Eine der zwei verdeckten Karten deckte sich auf und offenbarte die genannte Falle.

„Schmerzensgeld zwingt dich dazu weitere Karten vom Deck auf den Friedhof zu legen, eine für jede volle 200 Punkte Schaden, die du mir zugefügt hast. Das macht bei 2800 Schadenspunkten vierzehn Karten.“

Diesmal nahm Yunus den Ablegeeffekt von Frau Ehrings Karten weniger locker hin.

Vierzehn Karten auf einmal zu verlieren, war definitiv zu viel und er merkte, nachdem er die geforderten Karten auf den Friedhof legen musste, wie sehr sein Deck schon abgenommen hatte.

„Ich aktiviere noch eine zweite Fallenkarte: Magiestrafe Schadensersatz, sie darf aktiviert werden, wenn meine Karten durch eine deiner Karten zerstört werden, sei es durch Kampf oder Karteneffekt. Schadensersatz erlaubt es mir als fairen Ausgleich drei neue Karten zu ziehen.“

Die letzte verdeckte Karte deckte sich auf und Frau Ehring zog sogleich drei Karten.

„Oh Mann. Vierzehn Karten ablegen und drei Karten ziehen? Warum sind Frau Ehrings Fallen denn so unfair stark?“, murmelte Erin.

„Das liegt an ihren zusätzlichen Aktivierungsbedingungen, Erin“, erklärte Jiang, die nun einen gepolsterten Wintermantel trug und mit Erins Jacke inzwischen zurückgekehrt war.

„Oh! Das ist ja lieb von dir! Ich dachte, du wolltest dir das Duell nicht mit ansehen?“, fragte Erin, während sie sich schnell die Jacke überzog.

„Ich kann verstehen, dass du es sehen willst. Es ist für mich aber nicht so interessant, weil ich den beiden im letzten Halbjahr zugeschaut habe. Sie haben sich schon viermal duelliert, daher weiß ich, dass Frau Ehrings Magiestrafen nur aktiviert werden dürfen, wenn sie mindestens ein offenes Magistrat-Gesetz kontrolliert.“

„Ist ja auch nur gerecht, keine Strafe ohne Gesetz! Und jetzt seid bitte still!“, schaltete sich Frau Ehring ein.

„Verzeihung, werte Frau Ehring!“, rief Jiang.

Sie wandte sich wieder ihrem Gegner zu.

„Beendest du deinen Zug?“

„Sie haben es wohl eilig zu verlieren, was? Eine Karte verdeckt, das wars!“, entgegnete Yunus, der trotz der zwei Fallen seinen Optimismus nicht verloren hatte.

Am Ende des Zuges verlor Beschleunigungskrieger seine zusätzlichen Angriffspunkte und schrank auf seine ursprüngliche Größe zusammen.

Beschleunigungskrieger: 2200Atk → 1100Atk.

„Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du spülen, spülen und nochmals spülen! Und wenn ich am Ende nur einen Krümel auf einem der abgewaschenen Teller finde, schreibst du gleich einen zweiten Aufsatz darüber, warum man Strafaufgaben nicht halbherzig erledigen darf!“

Frau Ehring zog, doch anstatt ihre erste Karte auszuspielen, beäugte sie kritisch Yunus´ in der Dueldisk fixiertes Deck.

„Sag mal, Junge, wieso hast du noch so viele Karten übrig? Nach meiner Rechnung sollte dein Deck aus nur noch sieben Karten bestehen, aber dein Deck hat noch locker über 20 Karten!“

Yunus zwinkerte seiner Gegnerin schelmisch zu.

„Ach, sagen Sie bloß, sie gehen noch von meinem alten 41-Karten-Deck aus? Ich dachte, bevor ich mich in diesem Halbjahr wieder auf ein Duell gegen Sie einlasse, packe ich ein paar neue Karten rein, um die Sache ein bisschen spannender zu machen.“

„Ganz schön clever!“, dachte sich Erin.

Normalerweise versucht ein Duellant eine Deckgröße von über 40 nicht allzu sehr zu überschreiten, denn wenn man ein kleineres Deck hat, erhöhen sich so die Wahrscheinlichkeiten die eigenen wichtigen Schlüsselkarten zu ziehen.

Aber wenn man im Voraus weiß, dass man gegen jemanden antritt, der oder die eine Deckzerstörungsstrategie verfolgt, dann ergibt es tatsächlich Sinn das eigene Deck auf die maximal erlaubten 60 Karten aufzustocken.

Frau Ehring ließ sich von dem unerwartet großen Deck nicht beeindrucken.

„Du ungezogener Bengel zögerst das Unvermeidliche nur hinaus. Ich mache weiter mit Magiestrat Gelehrte der Runen. Erscheine im Verteidigungsmodus!“

Eine Hexe in violettem Gewand, mit grauen Haaren und einem aufgeschlagenen dicken, staubigen Buch in den Händen erschien vor der Duellantin.

Magiestrat Gelehrte der Runen: Stufe 4, 500Atk, 1900Def.

„Wird Gelehrte der Runen beschworen, darf ich sofort eine beliebige „Magiestra“-Karte von meinem Deck auf die Hand nehmen. Meine Wahl fällt auf die Falle Magiestrafe Des-Urteil.“

Frau Ehring zeigte die gesuchte Karte vor.

Es geht weiter mit diesen Ausrüstungszauber, Unsterblichkeitselixier: Diese Karte kann ein beliebiges Hexer-Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen und rüstet dieses Monster sofort aus. Ich beschwöre erneut Magiestrat Aurendruide im Verteidigungsmodus.

Der alte, in Weiß gekleidete Druide kehrte zurück.

Magiestrat Aurendruide: Stufe 4, 800Atk, 1700Def.

„Wird Unsterblichkeitselixier zerstört, muss auch mein Aurendruide zurück auf den Friedhof, aber so weit werde ich es sicher nicht kommen lassen. Stattdessen setze ich zwei verdeckte Karten und nutze den Effekt von Aurendruide.“

Sie setzte zwei verdeckte Karten und machte sofort weiter: „Indem ich meinen Zug sofort beende, darf ich mein Feld um ein weiteres Magiestrat-Gesetz aus meinem Deck verstärken.“

Frau Ehrings Druide zeichnete wie in ihrem letzten Zug einen magischen, grünen Kreis in die Luft und eine neue permanente Zauberkarte erschien auf dem Feld.

Frau Ehrings Zauber- und Fallenkartenzone war nun vollständig belegt.

„Mit dem neuen Magiestrat-Gesetz Angriffsverbot bin ich bestens auf deinen Zug vorbereitet, denn mit diesem Gesetz kostet dich jede Attacke zwei Karten. Du bist dran.“

Yunus nickte entschlossen und zog.

„Ich lege mit dieser Karte den zweiten Gang ein, hier ko...-

„Hier kommt deine wohlverdiente Bestrafung!“, unterbrach Frau Ehring Yunus harsch, „Ich spiele sofort die Magiestrafe Des-Urteil aus. Wie der Name vermuten lässt, zerstört Des-Urteil sofort ein Monster meiner Wahl. Der Motorenkrieger hat also ausgedient.“

Das Synchromonster explodierte durch die Wirkung von Frau Ehrings Fallenkarte und Yunus duckte sich, um sich vor der Schockwelle zu schützen.

„Nun aktiviert sich der zweite Effekt von Gelehrte der Runen: Wenn ich im gegnerischen Zug eine Magiestrafe ausspiele, darf ich einmal pro Zug eine Karte ziehen.“

Frau Ehring zog eine Karte und setzte ihre Unterbrechung fort:

„Du hast nur noch ein einziges Monster auf dem Feld, Das sind die optimalen Rahmenbedingungen für meine zweite Fallenkarte, Magiestrafe Einzelhaft.“

Frau Ehring deckte die nächste Magiestrafe auf.

„Einzelhaft lässt sich nur aktivieren, wenn mein Gegner genau ein Monster kontrolliert und verhindert für die nächsten drei Züge, dass du mehr als ein Monster kontrollierst.“

„Frau Ehring setzt diesen Yunus ganz schön unter Druck, was?“, flüsterte Erin Jiang zu, „Wenn er nur noch ein Monster kontrollieren darf, kann er seine Synchromonster im Grunde vergessen, dafür braucht er nämlich mindestens ein Empfänger- und ein Nicht-Empfänger-Monster auf dem Feld.“

Jiang lächelte mild.

„Ja, zum Glück zeigt Frau Ehring Yunus seine Grenzen auf. Hoffentlich lernt er daraus, dass er vorsichtig mit Schulutensilien umzugehen hat.“

Verwundert sah Erin ihre neue Mitbewohnerin an.

„Warte, du drückst doch nicht etwa Frau Ehring die Daumen, oder?“, zischte sie lauter als gewollt und erntete dafür einen bösen Blick von der Lehrerin.

„Du kannst es nicht wissen, aber Yunus Shaaban begeht immer wieder Regelverstöße, schon seit Jahresbeginn. Mit seinem mangelnden Respekt kommt er nur davon, weil er zur einflussreichen Shaaban-Familie gehört und sehr seltene Synchromonster besitzt, sonst hätte Frau Ehring ihn schon zum Slifer degradiert oder komplett der Akademie verwiesen. Das ist nicht nur ungerecht gegenüber seinen Mitschülern, die sich besser benehmen können, sondern es gibt auch immer wieder Schülerinnen und Schüler, die ihn dummerweise für lustig oder beispielhaft halten und ihn nachahmen.“

Erin konnte Jiangs Argumentation gut nachvollziehen, aber...

Sie überlegte und versuchte ihre eigenen Gefühle einzuordnen.

Yunus strahlte auf sie eine große Menge Charisma und Coolness aus und vielleicht bewegte sie das dazu für ihn Partei zu ergreifen.

Vielleicht war es aber auch die bloße Begeisterung für seine Synchrokarten.

Auch gut möglich war es, dass Erin gar nicht so sehr pro Yunus, sondern hauptsächlich contra Ehring war.

Frau Ehring hatte mit ihrer rigiden Art schon in den wenigen persönlichen Aufeinandertreffen keinen guten Eindruck bei Erin hinterlassen, von der überzogenen Härte im Unterricht und in der schriftlichen Prüfung mal ganz abgesehen.

Ihr Deck machte diesen Eindruck kein bisschen besser.

Keine Angriffe, oder spannende Beschwörungsketten, nur wenige Monster im Verteidigungsmodus, Karten, die den Gegner daran hinderten sein Spiel zu betreiben oder ihn für jede Aktion bestraften.

Als wolle dieses nervige Deck nicht hauptsächlich den Gegner besiegen, sondern das Duell an sich so freudlos und langweilig wie möglich gestalten.

Es war schon fast beeindruckend wie sehr Frau Ehring es schaffte jeden Aspekt an Duel-Monsters zu versauen!

„Ihre beiden Fallen sind nicht mehr als kleine Schlaglöcher auf meinem Highway zum Sieg! Als Sie Des-Urteil auf die Hand nahmen und eine zusätzliche verdeckte Karte setzten, war mir gleich klar, was sie vorhatten. Ich bin in der Vergangenheit nämlich zu oft auf Magiestrafe Einzelhaft hereingefallen, um jetzt keinen Plan B in petto zu haben.“

Yunus deckte die Karte auf, die er in seinem letzten Zug gesetzt hatte.

„Sag „Hallo“ zu einer meiner Lieblingsfallenkarten: Ersatzteilkiste! Sie erlaubt es mir ein beliebiges Monster von meiner Hand als Spezialbeschwörung zu rufen, solange ich ein Monster mit der gleichen oder höheren Stufe wieder auf die Hand nehme! Beschleunigungskrieger verabschiedet sich also und macht nun Platz für Freiheitssynchron!“

Freiheitssynchron, ein rundlicher, grauer Roboter, an dem eine bunte Vielfalt kleiner, einfarbiger Fähnchen befestigt waren, erschien.

Freiheitssynchron: Stufe 1, 400Atk, 300Def.

„Bevor Sie wieder zu schimpfen anfangen, lege ich für das Beschwörungsverbot gleich eine Karte von der Deckspitze auf den Friedhof. Danach nutze ich den besonderen Effekt von Freiheitssynchron: Wenn ich Freiheitssynchron für eine Synchrobeschwörung nutze, dann darf ich dafür auch Monster aus meiner Hand nutzen! Daher stimme ich das Stufe 1-Freiheitssynchron auf den Stufe 2-Beschleunigungskrieger und auf den Schrumpfkrieger mit der Stufe 4 in meiner Hand ein! Synchrobeschwörung!“

Freiheitssynchron verblich und hinterließ seinen Stufenstern, der sich mit 6 anderen Stufensternen aus Yunus Hand einreihte.

Ein grelles Leuchten hinterließ das Synchromonster.

„Diese Karte ist ein echter Oberrenner! Hier kommt der Freiheitskrieger!“

Ein neuer, maschinenartiger Krieger, mit Autoreifen an den Füßen und Händen und den gleichen bunten Fahnen wie Freiheitssynchron stellte sich entschlossen vor Yunus.

Im Vergleich zu Motorenkrieger war Freiheitskrieger dünner gebaut, aber gleichzeitig etwas größer.

Freiheitskrieger: Stufe 7, 2300Atk, 2000Def.

„Dein Krieger kommt dir teuer zu stehen, denn Beschwörungsverbot verlangt, dass du nun sieben Karten auf den Friedhof ablegst!“

„Das sehe ich anders, denn der Spezialeffekt von Freiheitskrieger greift schon bei seiner Synchrobeschwörung und zerstört offene Zauber- und Fallenkarten bis zur Anzahl der für seine Beschwörung genutzten Nicht-Empfänger-Monster!“

„Wie bitte?!“

Die mit Reifen bestückten Hände klappten sich um, sodass die Arme des Freiheitskriegers nun Kanonenrohre bildeten.

„Sie haben schon verstanden, zwei offene Karten von Ihnen machen jetzt die Fliege! Mein Krieger hat schon die beiden Magiestraten-Gesetze ins Visier genommen! Und als kleinen Bonus erhalten Sie auch noch 400 Schadenspunkte pro so zerstörten Karte, Frau E!

Zwei donnernde Schüsse zersprengten Beschwörungsverbot und Angriffsverbot und rangen Frau Ehring ein schmerzvolles Keuchen ab.

Frau Ehrings Lebenspunkte: 1200 → 400.

„Super!“, freute sich Erin innerlich, „mit Freiheitskrieger ist Yunus nicht nur Frau Ehrings Gesetze losgeworden, er musste noch nichtmal Karten von seinem Deck für das Monster ablegen. Denn wenn eine permanente Zauber- oder Fallenkarte zerstört wird, negiert das gleichzeitig ihre Wirkung.“

Der Kälte zum Trotz lief eine gut sichtbare Schweißperle an der Stirn der gekrümmt stehenden Lehrkraft herunter.

„Das ist so typisch für einen Unruhestifter wie dich! Zuerst mogelst du dich an der Einzelhaft vorbei und dann machst du meine Gesetze komplett kaputt!“, zischte Frau Ehring sauer.

„Ich bin schon ein ziemlicher Bad-Boy, nicht?“, witzelte Yunus mit einem überbreiten Grinsen.

„Und weil ich so hart drauf bin, bekommt Ihr Aurendruide jetzt die Heckseite von Freiheitskrieger zu spüren!“

Yunus Monster ließ sich auf die Hände fallen, wodurch nur noch die Seitenräder den Boden des Duellplatzes berührten.

Wie ein Rennwagen raste Freiheitskrieger samt den im Wind flackernden Fahnen auf Magiestrat Aurendruide zu, bremste dann aber kurz vor ihm ab.

Das sich drehende Heck des zum Rennwagen umgeformten Kriegers traf und zerschmetterte so das feindliche Monster.

„Ihre Gelehrte der Runen ist die letzte verbleibende Karte auf ihrem Feld und mit nur 400 Lebenspunkten werden Sie meinen nächsten Zug nicht überstehen! Ich beende den Zug!“

Frau Ehring war dran und mit der soeben gezogenen Karte offenkundig sehr zufrieden.

„Ich opfere meine Gelehrte der Runen und rufe so als Tributbeschwörung Magiestrat Wunderheiler.“

Die Hexe in Violett verschwand.

An ihrer Stelle stand nun ein kahlköpfiger, beleibter Mann mittleren Alters, der in ähnlichen weißen, weiten Roben wie der Aurendruide gekleidet war, barmherzig lächelte und einen Rosenkranz in der Hand hielt.

Magiestrat Wunderheiler: Stufe 5, 1000Atk, 2400Def.

„Wird der Wunderheiler erfolgreich als Tributbeschwörung gerufen, demonstriert er sofort seine göttlichen Fähigkeiten. Er gibt mir 100 Lebenspunkte für jede Karte in DEINEM Friedhof zurück.“

„Oh Nein!“, rief Yunus aus.

„Tja, da liegt der Unterschied zwischen Faulpelzen, die lieber einen auf Möchtegernschrauber machen und Menschen wie mich, die für dieses Spiel leben! Du hast inzwischen ganze 34 Karten in deinem Friedhof!“

Der Wunderheiler kniete sich hin und sprach ein langes Gebet, wodurch um Frau Ehring herum ein mysteriöses weißes Schimmern zu sehen war.

Frau Ehrings Lebenspunkte: 400 → 3800.

Sie spürte, wie ihr Gegner schlagartig die Fassung verlor, während sie ihre Lebenspunkte fast wieder komplett auffüllte.

„Ich spiele erneut das Magiestrat-Gesetz Angriffsverbot aus und beende den Zug.“

Die permanente Zauberkarte erschien vor Frau Ehring.

Yunus, der bis eben stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, war plötzlich sehr ruhig. Bereits über die Hälfte seines Decks wurde von Frau Ehring zerstört, während er in Sachen Lebenspunkte-Reduzieren wieder ganz am Anfang stand.

Und eine große Offensive zu starten, war unmöglich, die Wirkung von Magiestrafe Einzelhaft dauerte weiter an.

„Lass dich nicht unterkriegen, du hast ihre Lebenspunkte schon einmal fast auf 0 gebracht! Zeig ihr die Power deiner besten Synchromonster!“, rief ihm Erin von der Seite zu.

Jiang guckte Erin verständnislos an und schüttelte den Kopf.

Die Aufmunterung war effektiv, Yunus kratzte sich verlegen am Hinterkopf und lächelte Erin dann an.

„Na, wenn mir eine solche Schönheit schon die Daumen drückt, kann ich ja nicht mehr verlieren!“

Erin errötete.

„Schönheit?“

Sie konnte sich nicht daran erinnern, jemals als Schönheit bezeichnet worden zu sein, aber es gefiel ihr.

Es gab nicht viel, was Yunus aktuell ausrichten konnte.

Es galt Frau Ehrings Spielfeldseite für den nächsten Zug freizuräumen, doch dafür musste erst der Wunderheiler mit seinen 2400 Verteidigungspunkten weg.

„Ich greife den Magiestrat Wunderheiler mit Freiheitskrieger an, das ist allerdings noch nicht alles!“

„Genau, wegen Angriffsverbot legst du nämlich noch zwei Karten von deinem Deck auf den Friedhof!“, schaltete sich Frau Ehring ein.

Mit einem leichten Augenrollen legte Yunus zwei Deckkarten ab und setzte den Angriff fort:

„Aus der Hand spiele ich den Schnellzauber Turboschub! Er verdoppelt die Angriffspunkte eines meiner angreifenden Monster bis zum Ende des Zuges, allerdings erteilt es in dieser Battle Phase auch keinen Kampfschaden!“

Während Freiheitskrieger seinen Heckdrehungsangriff durchführte, wuchs es auf eine beeindruckende Größe an.

Freiheitskrieger: 2300Atk → 4600Atk.

Das Hologramm von Frau Ehrings einzigem Monster zerplatzte.

„Durch die Zerstörung wird der zweite Effekt von Magiestrat Wunderheiler aktiviert, ich darf eine beliebige „Magiestra“-Karte aus meinem Friedhof wählen und wieder auf die Hand nehmen! Ich wähle meine Magiestrat Gelehrte der Runen aus.“

Frau Ehring zeigte die gewählte Monsterkarte vor.

„Ihren Bücherwurm fahr ich mit vollem Karacho um, da kennen meine superschnellen Synchromonster kein Erbarmen! Ich setze meine zwei letzten Handkarten verdeckt und gebe an Sie ab!“

Mit dem Ende des Zuges verlor Turboschub seine Wirkung.

Freiheitskrieger: 4600Atk → 2300Atk.

Yunus hatte nun auch begonnen, innerlich seine ausgespielten Karten mitzuzählen.

Durch den Heilungseffekt von Wunderheiler, wusste er, dass er in Frau Ehrings letztem Zug 34 Karten auf seinem Friedhof hatte, inzwischen sind es allerdings durch den Turboschub und die zwei Karten, die der Angriff wegen Angriffsverbot kostete, inzwischen 37.

Er hatte keine Karten auf der Hand, keine verbannten Karten und nur zwei Karten auf dem Feld, die aus dem Maindeck stammten.

Das macht dann genau 21 Karten in seinem Deck, etwa ein Drittel des ursprünglichen Umfangs.

Frau Ehring begann mit ihrem Zug.

„Als Erstes beschwöre ich Magiestrat Gelehrte der Runen.

Die betagte Hexe im violetten Gewand und mit dem alten Zauberbuch in der Hand erschien zum zweiten mal vor Frau Ehring.

Magiestrat Gelehrte der Runen, 500Atk, 1900Def.

„Wird sie beschworen, darf ich eine andere „Magiestra“-Karte aus meinem Deck aussuchen und auf die Hand nehmen. Diese Karte hat sich ja schon prima um dein letztes Synchromonster gekümmert“, sagte sie und zeigte die gesuchte Falle Magiestrafe Des-Urteil vor.

Yunus guckte zerknirscht.

„Ich spiele zudem den Permanenten Zauber Magiestrat-Gesetz Effektverbot aus und setze ein Karte verdeckt. Damit beende ich meinen Zu-...“

„Bevor Sie Ihren Zug beenden, aktiviere ich den verdeckten Schnellzauber Spontansynchronisation! Sie gestattet mir eine Synchrobeschwörung, bedingt dass das beschworene Monster nicht in diesem Zug angreift!

Yunus´ erste verdeckte Karte deckte sich auf und Frau Ehring sah ihn skeptisch an: „Du machst dich lächerlich, Junge, du hast noch nicht einmal ein Empfänger-Monster auf dem Feld.“

„Das ist kein Problem, denn ich kette an meine erste verdeckte Karte gleich die zweite Karte an: Die Falle Schwache Reanimation, die ein beliebiges Monster der Stufe 2 oder niedriger aus meinem Friedhof ruft! Willkommen zurück, Freiheitssynchron!“

Während Yunus erklärte, deckte sich neben der schon offenen Spontansynchronisation auch die Schwache Reanimation auf und der mit bunten Flaggen verzierte graue Roboter freute sich über sein Comeback.

Freiheitssynchron: Stufe 1, 400Atk, 300Def.

„Wenn man Karten aneinander ankettet, werden die zuletzt gespielten Karten als erstes aktiv! Da zuerst Schwache Reanimation wirkt, habe ich nun doch ein Empfänger-Monster, Frau E! Ich stimme mein Stufe 1-Freiheitssynchron auf mein Stufe 7-Freiheitskrieger ein! Synchrobeschwörung!“

Der Stufenstern des Synchrons bildete in der Luft eine aufleuchtende Linie mit den sieben Stufensternen des Freiheitskriegers.

Die Linie leuchtete hell und Yunus´ mächtiges Stufe 8-Monster war zu sehen.

„Hier kommt ein verflixt starker Drache mit Kräften, die nicht von dieser Welt sind! Zeig dich und mach ordentlich Radau, Kometenschweifdrache!“

Ein hellblau schimmernder, schlanker und aufrecht stehender Drache mit spitzer Schnauze und eisblauen Augen brüllte zur Begrüßung auf.

An seinem Körper befanden sich überall kleine Eiszapfen, die ihm ein dorniges und gefährlicheres Aussehen verliehen.

Kometenschweifdrache: Stufe 8, 2500Atk, 2000Def.

„WAHNSINN!“, rief Erin intuitiv.

Das musste das wunderschönste Monster sein, das sie jemals gesehen hatte und gleichzeitig strahlte es eine unterdrückende Dominanz aus.

Sie hatte sich sofort verliebt und würde es am liebsten selbst ausspielen dürfen.

Frau Ehring lief rot an.

„Jetzt habe ich langsam die Nase voll! Beim nächsten unqualifizierten Zwischenruf darfst du diesem Flegel beim Küchendienst Gesellschaft leisten!“

Jiang warf Erin für ihre mangelhafte Selbstbeherrschung einen nahezu tödlichen Blick zu und Yunus konnte nicht anders als ein wenig loszulachen.

„Mein Kometenschweifdrache ist im wahrsten Sinne des Wortes obercool! Seine bloße Anwesenheit friert alle Karten ein, die andere Karten zerstören können und hindert beide Spieler daran solche Karteneffekte zu aktivieren! Damit ist Ihre Magiestrafe Des-Urteil auf Eis gelegt!“

Yunus begann seinen Zug.

Dies erforderte tatsächlich Konzentration, er musste so langsam gewinnen, bevor es ihm wegen der ständig anwachsenden Menge an Magiestrat-Gesetzen unmöglich war weiterzuspielen.

Er zog und zählte im Kopf mit.

„20 Karten im Deck.“

„Aus der Hand spiele ich die Zauberkarte Wiederherstellungskommando! Ich wähle drei Monster in meinem Friedhof, füge sie meinem Deck hinzu und ziehe dann eine Karte! Ich wähle zweimal Motorensynchronisierer und meinen Motorenkrieger, der ins Extradeck wandert!“

Yunus mischte nun das Deck und zog.

„21 Karten im Deck und genau die richtige Karte gezogen!“, dachte er sich erfreut.

„Als Normalbeschwörung rufe ich den Motorensynchronisierer!

Das schwarze, mit Zylindern bestückte Maschinenmännlein erschien vor Yunus.

Motorensynchronisierer: Stufe 3, 1300Atk, 500Def.

„Mir sind die Handkarten ausgegangen, daher kann ich nicht seinen Effekt nutzen, um ein Monster der Stufe 2 oder niedriger aus der Hand zu rufen! Allerdings habe ich immer noch den Schraubenschlüssel-Schimpansen im Friedhof, der gerufen werden darf, wenn ich in diesem Zug ein Empfänger-Monster beschworen habe! Erscheine im Affentempo!“

Der als Mechaniker verkleidete Schimpanse war zurück und fuchtelte mit den zwei Schraubenschlüsseln wild in der Luft.

Schraubenschlüssel-Schimpanse: Stufe 2, 800Atk, 1000Def.

Frau Ehring unterbrach: „Indem der Schimpanse einen Monstereffekt genutzt hat, verstieß er gegen das Magiestrat-Gesetz Effektverbot. Damit musst du drei Karten von deinem Deck ablegen.“

Yunus tat die obersten drei Karten auf den Friedhof und zählte wieder.

„18 Karten im Deck.“

Jetzt trete ich das Gaspedal voll durch! Da ich meinen Motorensynchronisierer der Stufe 3 und den Stufe 2-Schraubenschlüssel-Schimpansen kontrolliere, wissen Sie jetzt ganz genau, was kommt! Synchrobeschwörung!“

Beide Monster verblassten und hinterließen fünf sich aneinanderreihende Stufensterne.

Die Linie aus Sternen bildete ein blendendes Licht und der Motorenkrieger war wieder zurück im Spiel.

Motorenkrieger: Stufe 5, 2300Atk, 1300Def.

„Mit diesen zwei Synchromonstern haben wir jetzt doppelt Spaß! Zuerst demoliert

der Motorenkrieger mit seinem Getriebehieb deine Gelehrte der Runen!“, befahl Yunus, während er aufgrund von Magiestrat-Gesetz Angriffsverbot zwei Deckkarten ablegte.

„16 Karten im Deck.“

Feuer schoss aus den Auspuffrohren auf dem Rücken des Motorenkriegers.

Es eilte auf Frau Ehrings Monster zu und zerschmetterte es mühelos.

„Vergessen Sie nicht den durchschlagenden Kampfschaden von Motorenkrieger!“

Frau Ehring stöhnte.

Frau Ehrings Lebenspunkte: 3800 → 3400.

Sie hatte nun kein Monster mehr, das sie vor einem direkten Angriff schützen konnte.

Yunus legte schon im Voraus zwei Karten von der Deckspitze auf den Friedhof.

„14 Karten im Deck.“

„Mein Drache hat Hunger auf Lebenspunkte! Kometenschweifdrache: Greife Frau E direkt mit Interstellarem Eisatem an!“

Kometenschweifdrache holte weit Luft und feuerte dann einen frostig weißen Kältestrahl ab, der Frau Ehring umstieß und im matschigen Boden landen ließ.

Frau Ehrings Lebenspunkte: 3400 → 900.

Yunus grinste hämisch.

„Das finde ich aber doch etwas unfair! Ich bekomme Ärger für einen kleinen Ölfleck und Sie dürfen sich nach Herzenslust im Schlamm suhlen?! Vielleicht sollten sie ja selbst mal beim Abwasch etwas Sauberkeit lernen!“, höhnte er und lachte.

Jiang hatte inzwischen genug von Yunus gehört.

„Sei doch endlich ruhig! Was bildest du dir ein ständig so respektlos mit einer Lehrkraft zu reden?! Entschuldige dich bei ihr!“, schrie Jiang wütend.

Yunus stockte kurz und lachte sie dann aus.

„Niemand hat dich nach Meinung gefragt! Ich kann tun, was ich will, okay!?“

Frau Ehring war inzwischen wieder aufgestanden und klopfte sich den Matsch von den Klamotten.

„Keinen Plan, warum Sie wieder aufstehen, aber im Grunde können Sie es auch gleich sein lassen!

Sie haben bis auf Ihre Verbote nur das unbrauchbare Des-Urteil auf dem Feld und mit nur zwei Handkarten und 900 Lebenspunkten können Sie sich unmöglich lange genug gegen meine zwei Synchromonster verteidigen!“

„Du hältst dich für ganz schön clever, was?“, fragte Frau Ehring sarkastisch, „Ich decke meine verdeckte Karte auf!“

„Was?!“

Frau Ehring lächelte diabolisch.

Vor Yunus deckte sich Magiestrafe Schmerzensgeld auf.

„Das ergibt doch keinen Sinn! Ich habe gesehen, wie Sie mit der Gelehrten der Runen Magiestrafe Des-Urteil ihrer Hand zugefügt haben!“, protestierte der Junge.

„Hmpf, das habe ich tatsächlich, ich habe Des-Urteil auch immer noch in meiner Hand“, entgegnete Frau Ehring ruhig, während sie ihm die besagte Karte vorzeigte.

Yunus begriff nun, was passiert war.

Als Frau Ehring in ihrem letzten Zug Des-Urteil gesucht hatte, war das lediglich ein Ablenkungsmanöver, denn sie wusste aus früheren Duellen, dass Kometenschweif Des-Urteil lahm legen konnte.

Stattdessen setzte sie Schmerzensgeld, um so Yunus Deck den letzten Schlag zu versetzen.

Eine Falle in einer Falle und Yunus war mit Volldampf in die Falle hineingerast.

„Magiestrafe Schmerzensgeld kann aktiviert werden, wenn ich in diesem Zug Schaden durch gegnerische Karten erlitten habe. Sie legt eine Karte pro 200 Schadenspunkte vom Deck meines Gegners auf den Friedhof und du, Yunus, hast mir 2900 Punkte Schaden zugefügt. Das macht abgerundet erneut 14 Karten. So ein Zufall.“

Yunus hatte mitgezählt.

Das waren alle restlichen Karten, die er noch im Deck hatte.

Er leerte sein Deck komplett und durchsuchte mit von Sekunde zu Sekunde ansteigender Verzweiflung nach einem Friedhofseffekt, der ihm helfen könnte, bis ihm einfiel, dass Effektverbot dies sowieso verhindern würde.

„Ich beende meinen Zug“, sagte er mit dem Blick auf dem Boden und kleinlauter Stimme.

Frau Ehring zog.

„Ich beende ebenfalls meinen Zug.“

Yunus´ Dueldisk registrierte, dass keine Karte mehr vorhanden waren, die in der Draw Phase gezogen werden würde und schaltete sich ab.

Die Hologramme von Kometenschweifdrache und Motorenkrieger verschwanden langsam.

Yunus hatte verloren.

„Los, nimm den Werkzeugkasten und tu ihn in den AG-Raum, wo er hingehört! Danach gehen wir zusammen in die Küche. Die Teller, Tassen und das Besteck freuen sich schon auf dich.“

Yunus gehorchte ohne etwas zu sagen und ohne Frau Ehring anzusehen.

„Geschieht dir ganz Recht!“, fauchte Jiang, als er an ihr vorbeiging.

Erin presste die Lippen aneinander.

Sie wollte nichts zu Jiang sagen, was gleich an ihrem ersten gemeinsamen Tag zu einem Streit führen könnte und sie konnte auch Jiangs Ärger auf Yunus in gewissen Maßen nachvollziehen.

Erin fragte sich kurz, ob nicht schon irgendetwas anderes zwischen den beiden vorgefallen war, was diese Anfeindungen auslöst.

Aber das waren Fragen für wann anders, jetzt hatte sie tierischen Hunger.

„Hey, Jiang, lass uns jetzt was essen gehen, ich kippe gleich um“, sagte sie gezwungen fröhlich.

„Sehr gerne, Erin“, flötete Jiang.

Sie machten sich auf den Weg.
 


 

°°°
 


 

„Hey Fifi, bist du wieder in der Akademie angekommen? Wie gefällt dir Obelisk-Blue denn so?“

Fiona lag auf dem Rücken, im Bett ihres pompös eingerichteten Einzelzimmers, das größer als das Dreierzimmer in Slifer-Red war.

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages schienen über die große Glastür zum Balkon.

„Ziemlich protzig hier, ich mags überhaupt nicht“, antwortete sie ihrem großen Bruder am Smartphone trocken.

Er lachte.

Sie hatte schon immer Hendriks Lachen gemocht, insbesondere seit es in den letzten Monaten seltener und seltener wurde.

„Du bist echt der Hammer! Jeder normale Mensch würde sich darüber freuen ein Obelisk zu werden und meine Lieblingsschwester beschwert sich!“

„Hast du ein Problem damit?“, fragte sie auf die spielerisch-herausfordernde Art, wie sie schon immer miteinander gesprochen hatten.

„Klar! Als ich auf der Akademie war, habe ich immer davon geträumt mal zu Obelisk-Blue zu gehören. Als ich in meinem vorletzten Halbjahr endlich Blau tragen durfte, das war...der beste Tag meines Lebens. Also freue dich gefälligst!“

Es war schwer sich zu freuen, wenn einen im Moment schmerzhafte Erinnerungen einholten.

Schon in seinem ersten Akademiejahr hatte Hendrik stolz Zuhause erzählt, dass er zu den Obelisk-Blues gehörte.

Er hatte Fiona später erklärt, dass er es damals nicht als Lüge gesehen hatte, sondern mehr als Ansporn, seine Lüge zur Realität zu machen.

Die Lüge als zusätzliche Motivation um von Ra zu Obelisk aufzusteigen.

Wenn der Tag, an dem Hendrik die Lüge zur Realität machte, der beste Tag seines Lebens war, dann war der Tag, an dem die Lüge aufflog, der schlimmste Tag ihres Lebens.

Es war, als könnte Fiona das zornige Geschrei ihrer Eltern, die endlose Enttäuschung in ihren Stimmen und das Weinen ihrer kleinen Brüder noch heute hören.

Er hatte das Glück damals auf der Akademieinsel gewesen zu sein, während sie Zuhause war und alles mitbekam.

Und wozu?

Für ein halbes Jahr als Wiedergutmachung und eine vergeigte Abschlussprüfung, wodurch er letztlich doch als Ra die Akademie verließ.

„Fifi? Bist du noch dran?“

Fiona löste ihren krampfhaften Griff in die Matratze unter ihr.

„Alles in Ordnung, bin nur gerade...etwas eingenickt. War eine anstrengende Anreise.“

Er schwieg kurz.

„Okay, dann lasse ich dich mal gleich in Ruhe. Aber vorher musst du mir was über Heiiligabend erzählen!“

„Öhmmm....“, Fiona kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf, „Opa ist mal wieder aus dem Krankenhaus gekommen. Das war gut. Und....öh.... Tante Rosi kam nicht, weil sie im Stau feststeckte, das war noch besser. Ach! Und dann hat Patrick endlich sein Fahrrad geschenkt bekommen, der war völlig außer sich vor Glück!“

„Hehe, das klingt wirklich gut.“

Er stockte.

„Haben sie eigentlich nach mir gefragt?“

Fiona wusste, wen er meinte.

„Sie“ waren ihre Eltern.

Sie seufzte.

„Ist doch scheißegal! Oma und Opa haben nach dir gefragt und Patrick und Jannis! Nächstes Weihnachten musst du persönlich kommen. Hab keine Lust für dich nur blöde Weihnachtsgrüße auszurichten und dann am Ende immer die gleichen Fragen zu hören zu bekommen.“

„Bis zum nächsten Weihnachtsfest hab ich auch ne richtige Arbeit, das weiß ich einfach. Aber für die Sonderschichten im Paketzentrum gabs 50% Extralohn.“

Fiona wusste nicht, was sie dazu sagen sollte.

Sie schwieg.

„Ähm und Zugtickets sind auch schon wieder ziemlich teuer geworden...Naja, halt mich auf dem Laufenden, ja? Ich hab dich lieb!“

„Ich habe dich auch lieb! Und ich wünsche dir noch mal viel Erfolg für das Bewerbungsgespräch morgen!“

„Ich werde mein Schlimmstes geben! Ciao-Ciao!“

„Tschühüß!“

Aufgelegt.

Sie lag einen Moment einfach nur da und starrte die Wände an.

Dann griff sie sich das Smartphone und stopfte es in die Innentasche ihrer neuen, blauen Uniform.

Sie musste nochmal raus, auf den Gang, oder raus aus der Unterkunft, um irgendwem zu begegnen.

Aber alleine in diesem Zimmer zu sein war zu ungewohnt, da fiel ihr gerade die Decke auf den Kopf.

Sie schloss die Zimmertür und hörte vom Flur aus leise, weibliche Stimmen und Gelächter, das aus dem Eingangsbereich kam.

Was zu Lachen wäre gerade ganz gut, vielleicht kann man sich mit ein paar Obeliskinnen auch vernünftig unterhalten?

Können ja nicht alle furchtbar sein.

Sie lief den Gang entlang bis zur Abbiegung, die zum Eingangsbereich führte.

Dort angekommen, machte sie eine sofortige 180-Grad-Wendung und bereute das Zimmer verlassen zu haben.

Natürlich mussten es die Stimmen und das Gelächter von Lucia-Ann und ihren dämlichen Mitläuferinnen sein.

Fiona kam sich so dumm dafür vor, die Stimmen nicht sofort wiedererkannt zu haben.

„Hey, Rotschopf, warte mal ne Sekunde!“, rief Lucia-Ann.

Und natürlich musste sie Fiona sofort entdeckt haben.

Fiona drehte sich wieder zu Lucia-Ann um, die entschlossen auf sie zu ging.

Ihre Clique erhob sich aus den breiten Sesseln im Eingangsbereich und ging ihr hinterher.

„Was willst du?!“, fragte Fiona und versuchte dabei so selbstbewusst wie möglich zu klingen.

Echtes Selbsbewusstsein wäre in dieser Lage deutlich zu viel verlangt, das war ihr noch nicht einmal mit Erin und Mayla an ihrer Seite möglich gewesen.

Die Gruppe aus sechs Personen mit Lucia-Ann voran stand Fiona nun gegenüber.

Lucia-Ann sah Fiona in die Augen und streckte dann ihren rechten Arm zu einem Handschlag aus.

„Herzlich willkommen in Obelisk-Blue“, sagte sie in einem für Fionas Ohren völlig bizarr klingenden, freundlichen Ton.

Entgeistert sah Fiona auf Lucia-Anns ausgestreckten Arm, dann in ihr lächelndes Gesicht, dann wieder auf ihren Arm.

„Soll das gerade irgendein Scherz sein?!“

„Nein, ich will dich bei uns im Haus Obelisk-Blue offiziell begrüßen.“

Sie sah ihr wieder in das Gesicht, dann in die Gesichter der fünf Mädchen hinter Lucia-Ann.

Keine sah in irgendeiner Weise boshaft, oder auch nur verwirrt aus.

Alle sechs Mädchen hatten das gleiche, verdammte, freundliche Lächeln auf den Lippen.

Es wirkte aufrichtig.

„Du meinst das gerade ernst?!“, fragte sie Lucia-Ann gereizt, „Du willst mich hier einfach so nett begrüßen, nach all der Scheiße, die du mit mir im letzten -...“

„Mit "dir"...“, unterbrach Lucia-Ann ruhig aber bestimmt, „...habe ich gar nichts gemacht. Ich habe ein Slifer-Mädchen zurechtgewiesen. Eine vorlaute Göre, die sich mehr rausnahm, als einer niederen Rotjacke zusteht und die zufälligerweise so aussah und so hieß wie du. Du bist hingegen eine Obeliskin. Eine der Besten. Eine von uns.“

Fiona vollzog bemüht Lucia-Anns Denkweise nach.

„Also, soll das jetzt so ne Art Neuanfang zwischen uns werden, oder was?“

„Ein Kennenlernen und ein Willkommenheißen“

Lucia-Ann lächelte noch immer und ihr Arm und ihre Hand warteten noch immer auf einen Handschlag.

„Nun mach schon“, drängelte eine von Lucia-Anns Freundinnen und behielt trotz der schroffen Forderung einen fröhlichen Ton bei.

Fiona blickte erneut auf Lucia-Anns Arm, dann wieder in ihr Gesicht, dann auf den Arm.

Schließlich griff sie zu.

Sanft schüttelte sie Fionas Hand.

„Lucia-Ann Demont, es ist mir eine große Freude. Wer bist du?“

Fiona sah Lucia-Ann bei diesen Worten noch ein letztes Mal kritisch an, ließ aber nicht ihre Hand los.

„Fiona Lena Scholte...Angenehm.“
 


 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Motorensynchronisierer: Stufe 3, 1300Atk, 500Def, Typ Krieger, Attribut Finsternis, Empfänger / Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Du kannst ein Monster der Stufe 2 oder niedriger von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören.
 

Beschleunigungskrieger: Stufe 2, 1100Atk, 600Def, Typ Krieger, Attribut Wind, Effekt:

In dem Zug, in dem diese Karte als Spezialbeschwörung beschworen wurde: Du kannst die Grund-Atk dieser Karte bis zum Ende des Zuges verdoppeln.
 

Schraubenschlüssel-Schimpanse: Stufe 2, 800Atk, 1000Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Effekt:

Diese Karte kann nicht als Tribut angeboten oder als Beschwörungsmaterial genutzt werden außer für eine Synchrobeschwörung. Einmal pro Zug: Du kannst diese Karte im gleichen Zug als Spezialbeschwörung aus deinem Friedhof beschwören, in dem du ein Empfänger-Monster beschworen hast und wenn du das tust, zerstöre diese Karte am Ende des Zuges.
 

Motorenkrieger: Stufe 5, 2300Atk, 1300Def, Typ Krieger, Attribut Finsternis, Synchro / Effekt:

„Motorensynchronisierer“ + 1 oder mehr Nicht-Empfänger-Monster

Einmal pro Zug kannst du ein beliebiges Monster der Stufe 2 oder niedriger Wählen, dass du kontrollierst: Diese Karte erhält Atk in Höhe der Atk des gewählten Monsters.

Falls diese Karte ein Monster in Verteidigungsposition angreift, füge durchschlagenden Kampfschaden zu.
 

Freiheitssynchron: Stufe 1, 400Atk, 300Def, Typ Maschine, Attribut Wind, Empfänger / Effekt:

Wenn diese Karte als Material für eine Synchrobeschwörung verwendet wird, kannst du Monster aus deiner Hand als Synchromaterial verwenden. Wenn du das tust, kannst du für den Rest des Zuges keine Spezialbeschwörung mehr durchführen.
 

Schrumpfkrieger: Stufe 4, 1600Atk, 1200Def, Typ Krieger, Attribut Licht, Effekt:

Einmal pro Zug: Du kannst die Stufe dieser Karte bis zum Ende des Zuges zu einer beliebigen Stufe zwischen 1 und 3 ändern.
 

Freiheitskrieger: Stufe 7, 2300Atk, 2000Def, Typ Krieger, Attribut Wind, Synchro / Effekt:

„Freiheitssynchron“ + 1 oder mehr Nicht-Empfänger-Monster.

Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: Du kannst für jedes für diese Karte als Synchromaterial verwendete Nicht-Empfänger-Monster eine offene Zauber- oder Fallenkarte zerstören, die dein Gegner kontrolliert. Füge deinem Gegner 400 Punkte Schaden für jede so zerstörte Karte zu.
 

Kometenschweifdrache: Stufe 8, 2500Atk, 2000Def, Typ Drache, Attribut Wasser, Synchro / Effekt:

1 Empfänger-Monster + 1 oder mehr Nicht-Empfänger-Monster.

Solange diese Karte offen auf dem Feld liegt, kann kein Spieler Karteneffekt aktivieren, die andere Karten zerstören würden.
 

Magiestrat Aurendruide: Stufe 4, 800Atk, 1700Def, Typ Hexer, Attribut Erde, Effekt:

Einmal pro Zug, während deiner Main Phase 1: Du kannst eine „Magiestrat-Gesetz“-Karte aus deinem Deck ausspielen und wenn du das tust, beende deinen Zug.

Wenn du eine „Magiestrat-Gesetz“-Karte kontrollierst und diese Karte zerstört werden würde, wird diese Karte einmal pro Zug nicht zerstört.
 

Magiestrat Gelehrte der Runen: Stufe 4, 500Atk, 1900Def, Typ Hexer, Attribut Wind, Effekt:

Einmal pro Zug, wenn diese Karte als Normal- oder Spezialbeschwörung beschworen wird: Füge deiner Hand eine „Magiestra“-Karte von deinem Deck zu.

Einmal pro Zug, wenn du eine „Magiestrafe“-Karte während des Zuges deines Gegners aktivierst: Ziehe eine Karte.
 

Magiestrat Wunderheiler: Stufe 5, 1000Atk, 2400Def, Typ Hexer, Attribut Licht, Effekt:

Wenn diese Karte als Tributbeschwörung beschworen wird: Du kannst 100 Lebenspunkte für jede Karte im Friedhof deines Gegners erhalten.

Einmal pro Zug, wenn diese Karte zerstört wird: Du kannst deiner Hand eine „Magiestra“-Karte aus deinem Friedhof zufügen.
 

Neue Zauber:
 

Turboschub, Schnellzauber:

Wähle ein angreifendes Monster, das du kontrollierst: Verdoppele seine Angriffspunkte bis zum Ende des Zuges. Es richtet keinen Kampfschaden an.
 

Spontansynchronisation:

Beschwöre ein Synchromonster als Synchrobeschwörung.

Es kann in diesem Zug nicht angreifen.
 

Neues Blatt: Normaler Zauber

Dein Gegner und du legen alle Karten in euren Händen ab.

Alle Spieler ziehen genauso viele Karten, wie durch diesen Karteneffekt abgelegt wurden.
 

Magiestrat-Gesetz Beschwörungsverbot: Permanenter Zauber

Falls dein Gegner Monster als Spezialbeschwörung beschwört: Wirf eine Menge an obersten Karten vom Deck deines Gegners auf den Friedhof, die der Stufe des beschwörten Monsters entspricht.
 

Unsterblichkeitselixier: Ausrüstungszauber

Wähle ein Hexer-Monster in deinem Friedhof: Beschwöre das gewählte Monster als Spezialbeschwörung und rüste es mit dieser Karte aus.

Wenn das ausgerüstete Monster zerstört wird, zerstöre diese Karte.

Wenn diese Karte zerstört wird, zerstöre das ausgerüstete Monster.
 

Magiestrat-Gesetz Angriffsverbot: Permanenter Zauber

Falls ein Monster, das dein Gegner kontrolliert, angreift: Wirf die obersten zwei Karten vom Deck deines Gegners auf den Friedhof.
 

Neue Fallen:
 

Ersatzteilkiste: Normale Falle

Wähle ein Monster, das du kontrollierst und nimm es auf deine Hand, um ein anderes Monster mit der gleichen oder niedrigeren Stufe zu beschwören.
 

Schwache Reanimation: Normale Falle

Wähle ein Monster der Stufe 2 oder niedriger in deinem Friedhof: Beschwöre es als Spezialbeschwörung.
 

Magiestrafe Schmerzensgeld: Normale Falle

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn du mindestens ein „Magiestrat-Gesetz“ kontrollierst.

Wenn du in diesem Zug Kampf- oder Effektschaden durch eine oder mehrere Karte(n) deines Gegners erhalten hast: Wirf für jede 200 Punkte Schaden, die du erhalten hast eine oberste Karte vom Deck deines Gegners auf den Friedhof (abgerundet).
 

Magiestrafe Schadensersatz: Normale Falle

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn du mindestens ein „Magiestrat-Gesetz“ kontrollierst.

Wenn eine oder mehrere Karte(n), die du kontrollierst, durch gegnerische Karten zerstört wurde, durch Kampf oder durch Effekt: Ziehe drei Karten.
 

Magiestrafe Des-Urteil: Normale Falle

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn du mindestens ein „Magiestrat-Gesetz“ kontrollierst.

Wähle und zerstöre ein Monster, das dein Gegner kontrolliert.
 

Magiestrafe Einzelhaft: Normale Falle

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn du mindestens ein „Magiestrat-Gesetz“ kontrollierst.

Du kannst diese Karte nur aktivieren, wenn dein Gegner genau ein Monster kontrolliert: Für die nächsten drei Züge kann dein Gegner nicht mehr als ein Monster kontrollieren.

Aufschrei

Der Minutenzeiger bewegte sich ruckartig vom neunten auf den zehnten Strich zu.

14.10 Uhr, normalerweise wäre seit 10 Minuten der Unterricht beendet, aber das schien den noch munter vor sich hin redenden Direktor hinter dem Pult kaum zu stören.

Erin starrte gelangweilt die Uhr an und auch die zu ihrer Linken sitzende Mayla und Fiona auf ihrer rechten Seite schienen alles andere als begeistert zu sein.

Insbesondere Fiona rutschte unruhig auf dem Sitzplatz hin und her, denn sie war in der Pause wegen der zu langen Warteschlange nicht dazu gekommen, die Mädchentoilette zu benutzen.

„Das ist aber auch ein Schrott. Das nächste Mal nutze ich einfach das Jungsklo. Warum müssen die eigentlich nie so lange warten?“, flüsterte sie Erin zu.

„Hab gehört, Jungen haben da sowas, mit dem sie auch schnell im Stehen aufs Klo können, das solltest du mit deinen zig Brüdern eigentlich wissen“, antwortete sie belustigt, aber ohne den Blick von der Uhr abzuwenden.

14.11 Uhr.

Das war so typisch.

Nach der letzten Unterrichtsstunde hatten die Schülerinnen und Schüler noch eine knappe Viertelstunde auf Direktor Schrainmann warten müssen und nun überzog er die Stunde um die durch seine Verspätung verlorene Zeit.

Im Grunde hätte Fiona seine Verspätung einfach einplanen und noch nach Pausenende weiter warten können.

Aber sie war zu pflichtbewusst, um zu riskieren Herrn Schrainmann an einen seiner seltenen, pünktlichen Tage zu erwischen.

„Nun, wie bereits angesprochen, können Toon-Monster den Gegner direkt angreifen, wenn dieser KEIN Toon-Monster kontrolliert. Aber der Kampfschaden wird dabei halbiert, behaltet das immer im Hinterkopf!“

Er rückte sich die dicke Brille zurecht.

„Nun, was solltet ihr euch noch zu den Toon-Monstern merken, hm? Was wisst ihr über Toons?“, fragte er das Auditorium.

Keines der Mädchen hatte noch die Nerven dazu, sich zu melden, auch wenn das neue Thema in Sekundäre Monstertypen ihnen nicht allzu schwer fiel.

„Was muss man eigentlich TUN, damit er endlich die Stunde beendet?“, witzelte Erin und Mayla kicherte über ihr Wortspiel.

Herr Schrainmann hatte Daniel dran genommen.

„Toon-Monster können als Spezialbeschwörung gerufen werden, wenn man Toon-Welt kontrolliert und sind mit Toon-Welt auf dem Feld unzerstörbar. Der Nachteil ist, das Toon-Monster nicht in dem Zug angreifen können, in dem sie beschworen wurden.“

Der Direktor nickte einige Male und brachte damit seinen grauen Rauschebart zum Wippen.

„Als kleine Ergänzung will ich noch hinzufügen, dass auch Toon-Monster der Stufe 5 oder höher mit Toon-Welt als Spezialbeschwörung gerufen werden dürfen, allerdings auch bei dieser Spezialbeschwörung je nach Stufe ein oder zwei Monster als Tribut nötig sind.“

Er tippte seelenruhig auf den Laptop ein, um das Gesagte auf das virtuelle Papier zu bringen, sodass die Schülerinnen und Schüler alles abschreiben können.

Fiona wurde immer ungeduldiger.

Als er endlich fertig war und der Schülerschaft eine weitere Minute Zeit zum Schreiben gelassen hatte, blätterte er im Lehrbuch hin und her.

„Als Hausaufgabe...gebe ich euch....Hm, waren wir auf Seite 114 oder 124? Hm, Hmmm...“

Ein erneuter Ruck beförderte den Minutenzeiger einen Strich weiter.

14.16 Uhr.

Erin stöhnte innerlich.

„Vielleicht war es auch Seite...134? Irgendwas mit vier...Hmm...“

„Wir waren auf Seite 142, Herr Direktor!“, rief Fiona ungefragt dazwischen.

Das brachte ihr böse Blicke von den anderen Obeliskinnen ein.

„Ah, natürlich, auf Seite 142! Wusste ich es doch!“, log der Direktor schamlos, während er die passende Seite aufschlug, „Dann bearbeitet doch diesmal bitte die Aufgaben auf Seite 143 und 144 bis einschließlich 5c). Lernt außerdem die Übersicht auf Seite 144 zu Toon-Welt auswendig, dazu gibt es nächste Stunde VIELLEICHT einen Test. Damit wäre die Stunde für heute beendet, schönen Tag noch!“

„Na endlich!“, rief Fiona, hechtete halb über den Tisch vor ihr und sprintete in einem Rekordtempo aus dem Auditorium.

Erin und Mayla schauten nicht schlecht.

„Oje, unsere arme Freundin hatte es heute wohl sehr eilig“, stellte Mayla fest.

„Das kannst du laut sagen.“

Fiona hatte ihre kompletten Schulsachen auf ihrem Platz liegen lassen, wohl in der Erwartung Erin und Mayla würden sie für sie einpacken und mitnehmen.

Erin seufzte und befüllte Fionas Rucksack.

Das war nicht das erste Mal und wird wohl kaum das letzte Mal sein, dass das passiert.

Alle Mappen, Schreibutensilien und der Block waren verstaut, Erin schulterte Fionas Rucksack zusammen mit ihrem eigenen und ächzte unter dem Gewicht.

Ganz offensichtlich hatte Fiona heute wieder ihren sperrigen Laptop eingepackt.

„Lass mich dir doch was abnehmen, Erin.“

„Ach was, das geht schon.“

Es war lieb gemeint, aber für die schmalere Mayla war der Rucksack definitiv zu schwer.

Das Auditorium leerte sich quälend langsam.

Die zwei kamen vor der Mädchentoilette an.

Erleichtert setzte Erin Fionas Schulsachen behutsam ab, bevor sich keine Sekunde später die Tür öffnete und Fiona, die Hände an der Hose abtrocknend, herauskam.

„Ah, super, du hast an mein Zeugs gedacht! Dann können wir gleich los zur Bib!“, freute sie sich.

„Erin hat sich ganz furchtbar angestrengt, Fiona, du könntest auch mal „Danke“ sagen“, bemängelte Mayla.

„Ja, öhh, okay, danke Erin!“

„Keine Ursache, ich bin mir sicher, du würdest das Gleiche für mich tun.“

Erin war sich nicht absolut sicher, aber es war eine schöne Fantasie, sich vorzustellen, wie Fiona sich abrackerte, um Erins Sachen zu tragen.

Die drei nahmen jeweils ihre eigenen Taschen und gingen so schnell wie möglich zu ihrem Stammarbeitsplatz in der Bibliothek.

Er war glücklicherweise in der Zwischenzeit noch nicht besetzt worden.

Sie arbeiteten sofort alle Hausaufgaben ab und blieben im Anschluss noch sitzen, um sich zu unterhalten, sie hatten sich das eine oder andere zu erzählen.

Mayla sah Fiona gespannt an.

„Wie ist es denn so in Obelisk-Blue? Ich wette, ihr habt jeden Luxus auf euren Zimmern. Stimmt es eigentlich, dass ihr in Einzelzimmern wohnt?“

„Keine Ahnung, wie es bei den anderen aussieht, aber ich habe ein Einzelzimmer, ja. Es sieht ganz okay aus, ich habe einen Balkon, nen Plasmafernseher, ein eigenes kleines Bad und so einen Massagedingenssessel. Frag mich bitte nicht, wie der funktioniert. Die Fernbedienung für das Mistding hat mehr Knöpfe als die für den Fernseher!“

Erin lachte kurz und Fiona erzählte weiter:

„Ihr werdet nicht glauben, was mir gestern Abend passiert ist: Ich bin auf den Fluren Lucia-Ann und ihrer Gang über den Weg gelaufen und sie hat sich bei mir entschuldigt!“

„Was?! Im Ernst jetzt? Die Lucia-Ann, die dir im letzten halben Jahr ständig aufgelauert ist?“, fragte Erin ungläubig und Fiona zuckte nur ratlos mit den Armen.

„Die Gleiche, so viele Tussis mit so nem albernen Doppelnamen kenne ich auch nicht. Jedenfalls...war es nicht wie so eine richtige Entschuldigung. Sie meinte, ich sei ein neuer Mensch, weil ich jetzt zu den Obelisken gehöre.

„Aber das klingt doch auch sehr schön. Dann wird sich dich in Zukunft bestimmt nicht mehr ärgern. Vielleicht will sie ja deine Freundin werden?“, sagte Mayla optimistisch.

„Ich glaube nicht, dass ich DIE als Freundin haben will. Was gibt es bei dir Neues? Hast du neue Mitbewohnerinnen?“

„Ja, ich muss mir mein Zimmer wieder mit zwei anderen Mädchen teilen.“

„Wer sind denn deine neuen Mitbewohnerinnen?“, fragte Erin.

„Jenny und Ugur. Sie sind in Ordnung, denke ich, aber ich hätte lieber euch wieder zurück.“

Mayla sah sich vor ihrem nächsten Satz vorsichtshalber um.

„Ugur schnarcht leider ziemlich laut, ich kann kaum schlafen.“

„Das tut mir Leid. Dieses Problem habe ich zum Glück mit meiner neuen Mitbewohnerin nicht.“

Mayla schien kurz zu überlegen, ob sie überhaupt irgendwelche Ra-Yellow-Mädchen aus dem ersten Jahrgang kannte.

„Erzähl uns von ihr!“, forderte Fiona.

„Also, ich kenne sie natürlich erst seit einem Tag, daher gibt’s nicht so viel zu sagen, aber... Sie ist wohl auch eine der stärkeren Schülerinnen, hat mir zumindest erzählt, dass sie ebenfalls fast zu den Obelisk-Blues aufgestiegen wäre. Sie ist sehr lieb und hilfsbereit mir gegenüber gewesen, sie hatte zum Beispiel schon mein Bett bezogen, bevor wir uns überhaupt kennengelernt haben. Ihr Name ist...Jihang? Jaang? Irgendwie so, habe die Aussprache noch nicht ganz raus. Aber dann gab es da gestern noch so eine Sache...Puh, da muss ich ausholen.“

Offensichtlich hatte sie ihre Freundinnen neugierig gemacht.

Sie nahm einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche und begann von Yunus, seinen Synchromonstern, seinem Duell gegen Frau Ehring, wie er Erin als Schönheit bezeichnet hatte und Jiangs wütender Reaktion auf das Duell zu berichten.

Zwischendurch musste sie immer wieder kurz pausieren, denn sie hatte die Befürchtung, dass ihre Freundinnen ihr nicht glauben würden.

Es war schon ziemlich spektakulär gewesen.

„Maaann, diese Synchromonster hätte ich echt zu gerne gesehen! Warum hast du Expertin uns denn nicht geschrieben, als es losging? Ich wäre sofort zur Ra-Unterkunft rübergerannt!“, beschwerte sich Fiona.

„Ich hatte eben nicht daran gedacht...“, sagte Erin beschämt, „war vielleicht aber auch ganz gut, dass du nicht da warst. Ich meine Frau Ehring war wegen Yunus´ Provokationen ziemlich gereizt und dich hat sie doch schon sowieso auf den Kieker. Am Ende hättest du nur unnötig Ärger bekommen.“

„Nächstes Mal versuchst du einfach nicht die ganze Zeit an hübsche Jungs zu denken, okay?“

Erin lief sofort rot an und bereute es ein wenig Yunus´ Kompliment in der Erzählung nicht weggelassen zu haben.

„Also, wenn er so fies zu Frau Ehring war und dann noch das Werkzeug aus der AG mitgenommen hat, dann verstehe ich schon, dass deine Mitbewohnerin ihn nicht mag. Ich meine, jeder andere hätte ernsten Ärger dafür bekommen, wenn man so mit einer Lehrerin umgeht, da sind ein paar Wochen Küchendienst noch eine milde Strafe, oder?“

Mayla hatte einen Punkt.

Generell wollte Erin Jiang weiter kennenlernen, versuchen ihre Sichtweisen besser nachzuvollziehen.

„So cool Synchromonster auch sind, von dem Chaoten solltest du dich am Besten fernhalten. Bloß weil man ihn wegen seiner Familie nicht vernünftig bestrafen kann, heißt das nicht, dass du den gleichen Schutz genießen würdest. Konzentriere dich aufs Weiterlernen, vermeide Regelbrüche und dann schaffst du in der Jahresendprüfung den Aufstieg zu den Obelisken! Ganz easy!“

„Alles klar, Hauptfeldwebel Scholte!“, witzelte Erin und hielt sich zum Soldatensalut die flache Hand an die Stirn.

„WAS IST DENN DAS FÜR EIN SCHWACHSINN?!“

Die drei Mädchen unterbrachen die Unterhaltung und drehten sich intuitiv zu dem Obelisk-Blue-Jungen um, der gerade so laut geschrien hatte und nun wütend eine Zeitung auf den Boden warf.

An den Arbeitsplätzen im Erdgeschoss der Bibliothek waren zwar Unterhaltungen erlaubt, aber dennoch war es erwünscht, die Lautstärke niedrig zu halten, Geschrei sorgte also auf jeden Fall für Aufmerksamkeit.

Einer der drei anderen Obelisken neben ihm, der die gleiche Zeitung in der Hand hielt, sprach ihn gleich an.

„Hab ich die Mädels doch richtig verstanden! So ein Slifer hat sich tatsächlich als schuldig für die „Diebstahlserie“ bekannt und Kronprinz Maxim war auch noch dumm genug ihm die Scheiße abzukaufen und abzudrucken!“

Das trug nicht wirklich zur Beruhigung des Ersteren bei.

„Als ob ich jemals gegen einen Slifer verlieren würde! Diesen Julian kralle ich mir doch!“

Die Obelisk-Blue-Gruppe verließ die Bibliothek und erntete am Ausgang ernste und verärgerte Blicke vom Personal für ihr Gebrüll.

„Habt ihr das gehört?“, fragte Fiona.

„War ja nicht zu überhören, die haben irgendwas über Maxim und die Diebstähle erzählt“, antwortete Erin und stand auf, um die noch auf dem Fußboden liegende Zeitung aufzuheben.

Es war die Schülerzeitung.

Auf Seite 1 war ganz groß samt Foto das Titelthema angekündigt.

„ES TUT MIR VON HERZEN LEID - Slifer-Red-Schüler aus dem dritten Jahr gesteht für Diebstähle seit Jahresbeginn verantwortlich zu sein.“

Sie legte die Zeitung auf den Tisch, sodass Fiona und Mayla ebenfalls einen Blick darauf werfen konnten.

Fiona war nun perplex.

„Das verstehe ich nicht, ich dachte dieser Barry wäre gar nicht erst von der Akademie immatrikuliert worden. Wieso ist der denn jetzt plötzlich im dritten Jahrgang?“

Sie hatte bis heute Barry nie zu Gesicht bekommen, Erin und Mayla mussten deshalb etwas Aufklärungsarbeit leisten.

Erin zeigte auf das Foto.

„Keine Ahnung, wer der Scherzkeks ist, aber das ist definitiv nicht Barry und Barry ist zu hundert Prozent derjenige gewesen, der hier allen ihre Karten abgenommen hat! Daniel, Mayla und ich haben in der Nacht persönlich gesehen, wie er Daniels Alpha die Eisenmähne beschworen hat!“

Fiona verstand und schnaubte nun abschätzig.

„Dann hat Maxim hier ein gelogenes Statement veröffentlicht? Oh Mann! Ich weiß schon, warum ich das Geschmiere von diesem Prinzenfuzzi nie lese!

„Vielleicht wusste er ja nicht, dass der Junge auf dem Bild nicht der echte Schuldige ist.“

Manchmal ging Maylas Optimismus Erin doch ein wenig zu weit.

„Das glaube ich nicht. Maxim ist zwar ein arrogantes Arschloch, aber er ist nicht dumm. Der wird sicherlich bei seinen Nachforschungen mitbekommen haben, dass Barry schon früh von Diebstahl auf verbotene Duelle mit Karteneinsätzen übergegangen ist.“

Maxim, Barry und Kevin, der mit all dem zusammenhing...

Erin hatte gehofft, diese widerlichen Gestalten endgültig aus ihren Gedanken tilgen zu können.

Sie spürte, wie der Zorn in ihr aufstieg und ballte beide Hände zu Fäusten.

Inzwischen hatte sich Mayla die Schülerzeitung geschnappt und ein bisschen in den Artikel hineingelesen.

„Hm, immerhin behauptet Julian Meyer, dass er allen Opfern ihre Karten zurückgeben möchte, das klingt doch gut. Angeblich hat er inzwischen über hundert Karten gestohlen. Also ich kenne keinen Julian Meyer, habt ihr ihn schon mal getroffen?“

Fiona schüttelte gleich den Kopf und der sichtbar aufgebrachten Erin kam ein Verdacht.

„Ich wette Kevin hat mit diesem falschen Geständnis von Julian zu tun. Denkt doch mal nach. Er arbeitet mit Barry, seinem Halbbruder zusammen, Barry hatte uns das sogar gestanden. Er hat also ein Interesse daran, einen Sündenbock zu finden, um von Barry abzulenken. Und gleichzeitig hat er mehr als genug andere Karten, um jemanden zu bestechen. Über Kevin könnte Julian auch an das „Diebesgut“ gelangen, das er ja angeblich zurückgeben möchte.“

Mayla dachte einen Moment über Erins Gedanken nach.

„Also, hmm... Ich will ja nicht unhöflich sein, aber das klingt ein bisschen weit hergeholt, finde ich. Warum sollte Kevin denn die gestohlenen und erkämpften Karten wieder zurückgeben wollen? Ich glaube auch nicht, dass Barry das gut finden würde. Und ich glaube nicht, dass man alleine mit seltenen Karten jemanden dazu bringen kann, sich als den Dieb auszugeben, damit riskiert Julian doch bestimmt einen Schulverweis.“

„Ich glaube auch nicht, dass meine Vermutung so komplett stimmt, irgendwas übersehen wir noch. Könnte sogar sein, dass Julian nie ein Geständnis abgelegt hat und Maxim sich den ganzen Artikel aus den Fingern gesaugt hat. Am besten gehen wir den Obelisken gleich hinterher und statten diesem Julian mal gleich einen Besuch ab!“

Mayla nickte.

Die beiden Mädchen standen auf und nahmen sich ihre Taschen.

„Warum?“

Fiona sah Erin ungewohnt ernst an.

„Was, „Warum“?! Was meinst du damit?! Wir besuchen Julian, um herauszufinden, warum in der Schülerzeitung steht, dass er der Dieb sei, obwohl er es offensichtlich nicht sein kann!“

„Und warum ist das dein Problem, Erin? Dir und Mayla fehlen doch keine Karten? Und Daniel ist doch selbst Schuld, dass er seine Eisenmähne verloren hat! Haltet euch doch einfach da raus!“

Erin war sprachlos.

Mit diesen Widerworten hatte sie nicht gerechnet und sie wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.

Mayla übernahm das Wort.

„Wir wissen, dass Barry und Kevin hinter allem stecken. Wir müssen doch...-“

„Wir müssen gar nichts! Hast du eigentlich vergessen, dass du und dein dämlicher Macker und Erin euch wie die letzten Idiotinnen mit einer gestohlenen Leiter nachts außerhalb des Schulgeländes rumgetrieben habt?! Oder, dass ihr wochenlang die wahre Identität des Täters kanntet und sie aus Eigeninteresse einfach verschwiegen habt?! Sollte es jemals dazu kommen, dass Barry und Kevin gestellt werden, dann werden sie sofort mit den Fingern auf euch drei zeigen und eure Akademielaufbahn könnt ihr dann ganz schnell vergessen! Also noch ein letztes Mal: Warum?“

Mayla starrte Fiona fassungslos an und Fiona wandte den Blick verächtlich von ihr ab.

Das war harsch, selbst für Fionas Standards.

Natürlich war es keine Option den Lehrern oder Herrn Schrainmann einfach die Wahrheit zu sagen, dass war Mayla und Erin selbst klar.

Und wenn es nur darum ginge, selbst nicht in Ärger zu geraten, dann sollten sie sich am besten wirklich aus dieser Sache raus halten und dankbar darüber sein, dass jemand ein falsches Geständnis ablegt und so Barry und Kevin entlastet.

Dennoch...

Einen Unschuldigen die Konsequenzen tragen lassen?

Die wahren Übeltäter ohne Konsequenzen davon kommen lassen?

Zulassen, das Maxim mit seinen Lügen davon kommt und dass die Slifer, die schon sowieso kaum Respekt genießen, von Obelisken nun womöglich noch schlechter behandelt werden?

Am schlimmsten war aber Fionas Wortwahl.

„Dämlicher Macker“.

„Die letzten Idiotinnen“.

Die noch sitzende Fiona und ihre zwei Freundinnen schauten sich gerade still an, nicht sicher, was sie zueinander sagen sollten.

„Bitte verlasst augenblicklich die Bibliothek, bis ihr euch wieder beruhigt habt. Ihr stört eure Mitschüler mit eurem Rumgezanke.“

Eine Mitarbeiterin der Akademiebibliothek stand den dreien mit ernster Miene gegenüber.

Sie waren wohl selbst ein wenig zu laut gewesen.

„Na klasse...“, kommentierte Fiona und packte wie befohlen ihre Sachen ein.

„Also, kommst du mit?“, fragte Erin.

„Irgendjemand muss ja auf euch aufpassen.“

Eine unangenehme Spannung lag zwischen Fiona und Erin und Mayla in der Luft.

Diese Spannung löste sich auch auf den Weg zur Sliferunterkunft kaum auf.

Die Mädchen wechselten kaum ein Wort.

Fiona starrte still in die Ferne, Mayla hatte den Artikel für Daniel abfotografiert und schrieb nebenher mit ihm und Erin las sich den Artikel mehrfach durch.

Zwischendurch spielte Erin mit dem Gedanken von Fiona eine Entschuldigung zu verlangen.

Sie war schlechtes Benehmen von Fiona gewohnt und auf eine merkwürdige Art fand sie ihre direkte Art normalerweise auch charmant.

Aber diesmal war sie zu weit gegangen.

Sie fragte sich, wie sich Mayla wohl fühlen musste, die unter der Begegnung mit Barry am meisten zu leiden hatte.

Die drei waren an der Unterkunft angekommen und Daniel kam ihnen entgegen.

Mayla hatte ihm wohl auch geschrieben, dass es gerade einen Streit gab.

Er winkte dem Trio zur Begrüßung mit einem verschmitzten Lächeln zur Begrüßung zu.

„Schön euch mal wieder zu sehen... Äh...Es ist gerade eine Gruppe von Obelisken aufgetaucht, die haben jedes Zimmer abgeklopft und nach diesem Julian aus dem Schülerzeitungsartikel gefragt. Wir sind wohl nicht die einzigen, die mit ihm reden wollen.“

„Von WIR kann nicht die Rede sein!“, stänkerte Fiona und überkreuzte demonstrativ die Arme.

Erin ignorierte Fionas Kommentar und kam gleich auf den Punkt.

„Weißt du seine Zimmernummer?“

„Sorry, ich kenne kaum Leute aus dem dritten Jahrgang.“

Plötzlich waren mehrere Stimmen von wütenden Jungen zu hören.

„Ich glaube die Besucher in Blau haben ihn gefunden. Immer dem Geschrei nach!“, alberte Daniel in der vergeblichen Hoffnung, die Stimmung ein wenig aufzulockern.

Die vier Obelisken aus der Bibliothek waren nicht nur gut zu hören, sondern auch gut zu sehen. Sie standen am Ende der Treppe, die zum ersten Stock führte und pressten mit voller Kraft gegen die Julians Zimmertür.

Der Slifer-Junge gab machtlos nach und die vier stürmten sein Zimmer.

Sofort liefen Erin, Mayla, Daniel und auch widerwillig Fiona ihnen hinterher.

In dem Dreierzimmer wurde es mit Julian, seinen zwei verdutzten Mitbewohnern, den vier Obeliskenjungen und den drei Mädchen und Daniel, die hinter ihnen am Türrahmen standen, ziemlich eng.

Der Junge, der in der Bibliothek die Zeitung zu Boden geworfen hatte, funkelte Julian finster an und hielt ihm gleichzeitig die aufgeschlagene Schülerzeitung vor die Nase.

„Sag mal, Sliferabschaum, macht es dir eigentlich Spaß Lügen zu verbreiten? Du kannst unmöglich derjenige sein, der mir mein Ass-Monster abgeknöpft hat!“

Julian stand den vier Jungen wortwörtlich mit dem Rücken zur Wand gegenüber.

Seine Nervosität stand ihm ins Gesicht geschrieben,

„Ich weiß nicht, was du meinst. Natürlich bin ich der Dieb und ich bereue meine Taten aufrichtig. Das werde ich euch auch beweisen, wenn ich bald die gestohlenen Karten zurückgebe.“

„Ach ja? Dann sag mal, wann hast du mich denn bestohlen? Und welche Karte war es genau?“

„Äh....Puh, dass....“

Einer der zwei auf den Betten liegenden Mitbewohner mischte sich in das Gespräch ein.„Dass war, äh, bestimmt irgendwann im August... oder im September. Aber die Karte weiß Julian nicht mehr, er hat ja schließlich so viele über die Monate mitgehen lassen.“

„Pff, ich habe lange nicht mehr derart lausige Schauspieler gesehen!“, spottete einer der anderen Obelisken nicht ganz zu Unrecht, „aber was soll man auch anderes von Leuten erwarten, die im dritten Jahr noch rot tragen? Das können ja nur Vollversager sein!“

Der Obelisk mit der verlorenen Karte nickte.

„Vollversager durch und durch! Ihr habt ja anscheinend bis heute noch nicht einmal begriffen, dass die meisten Karten, meine übrigens eingeschlossen, gar nicht gestohlen, sondern in nächtlichen Duellen erkämpft worden sind! Deshalb kann der echte Schuldige auch unmöglich ein Slifer sein, Slifer können niemals Obelisken besiegen!“

Julian zögerte kurz und warf dann hilflos die Hände hoch.

„Gut, du hast mich ertappt. Ich wurde beauftragt, mich gegenüber der Schülerzeitung-AG als Dieb auszugeben. Was nun? Ich werde die gestohlenen oder meinetwegen auch erkämpften Karten schon noch erhalten und zurückgeben. Also was willst du sonst von mir?“

Die Obeliskengruppe lachte.

„Oh Mann! Was wollen wir eigentlich nicht?“, bemerkte ein anderer Obelisk und der Junge mit der verlorenen Karte setzte fort: „Eine Richtigstellung gegenüber Maxim wäre ein guter erster Anfang. Bei der Gelegenheit wirst du auch gleich veröffentlichen lassen, WER dich mit dem falschen Geständnis beauftragt hat und was du noch so weißt. Zuletzt will ich dich dreckigen Heuchler einfach nur leiden sehen, so wie du es verdient hast.“

Er und die drei anderen näherten sich Julian bedrohlich, der nun, weiter an die Zimmerwand gepresst immer ängstlicher in sich zusammensank.

„Hey, lasst uns doch friedlich bleiben! Ich...ich kann euch leider nichts sagen, man hat mich komplett in der Hand, im Grunde bin ich genauso ein Opfer wie du!“, flehte er.

Der Obeliskenjunge holte mit geballter Faust zum Schlag aus.

„Das reicht jetzt!“, schrie Fiona bestimmt und alle fünf wandten sich ihr augenblicklich zu.

Sie hatte lange genug zugesehen.

„Ihr werdet sofort die Slifer-Unterkunft verlassen und zwar ohne diesem Jungen auch nur ein Haar zu krümmen! Wenn ihr das nicht tut, werde ich sofort dem nächsten Kronprinzen oder Kronprinzessin von eurem Verstoß gegen die Blaue Ehre berichten!“, befahl sie selbstbewusst.

Einer der drei Begleiter pfiff in sarkastischer Anerkennung.

Der wütende Obelisk sah sie angestrengt an.

„In meinen anderthalb Jahren an der Akademie bin ich deiner hässlichen Visage nicht ein Mal über den Weg gelaufen, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass gerade ein Frischling versucht hat mir etwas zu befehlen.“

„Dass ich neu bin, tut nichts zur Sache! Obelisken haben sich nicht mit Slifern abzugeben! Das sind die Regeln und die gelten auch für dich und deine Freunde!“

Der überhebliche Blick des Obelisken wanderte nun von Fiona zu Erin, dann zu Mayla und zu Daniel.

Er grinste gefährlich.

„Wenn ich mir deine Begleitung so ansehe, scheinst du wohl selbst ganz gerne mit rangniederem Pöbel rumzuhängen, Frischling!“

„Ja, das tue ich! Dieser „Pöbel“ sind nämlich meine Freunde!“

„Freunde? Man freundet sich doch nicht mit minderwertigen Roten an, verdammt nochmal! Du Großmaul hast noch ne ganze Menge zu lernen!“, er aktivierte seine Dueldisk, „Du hast Glück, ich bin nämlich ein exzellenter Lehrmeister!“

Die drei neben ihm stehenden Obelisken sahen Fiona erwartungsvoll an.

Sie stockte, unsicher, ob sie die Herausforderung annehmen soll.

Mayla stellte sich nun zwischen dem Herausforderer und Fiona, sehr zu ihrer Überraschung.

„Mayla, lass mich das regeln! Ich bin die -...“

„Die Stärkere von uns beiden? Wolltest du das sagen? Du bist stärker, weil du eine Obeliskin bist und ich nur ein Slifer?!“, fragte sie gereizt.

„Was?! Natürlich nicht! Ich wollte betonen, dass ich DIEjenige bin, die der Hohlkopf da duellieren will!“, entgegnete Fiona, mit unüberhörbarer Kränkung in ihrer Stimme.

„Funktioniert wohl doch nicht so gut, so eine Freundschaft mit Slifern, was?“, höhnte der Obelisk, „wir sind eben von Natur aus durch unser Talent und unseren Ehrgeiz überlegen, Slifer sind hingegen zu dumm, um das zu verstehen!“

„Ich habe dich grade herausgefordert!“, erinnerte Mayla energisch, „dir sind die Regeln der Blauen Ehre ja nicht wichtig, du kannst dich also genauso gut mit einem Slifer duellieren!“

Er lachte erneut.

„Und da beweist wieder ein Slifer ihre Dummheit! Einen für sie unbesiegbaren Obelisken herauszufordern, ist nämlich das so ziemlich Dümmste, was sie machen könnte.“

„Kneifst du?“

Der Junge zögerte keine Sekunde.

„Unsinn. Ich wollte meinen Frust eigentlich an diesem Julian auslassen, aber du taugst dafür sicherlich genauso gut! Lass uns rausgehen, Slifergöre!“

Mit diesen Worten drehte sich Mayla um und ging an Fiona vorbei in Richtung Eingang.

Daniel, der wütende Obelisk, seine drei Freunde und auch Julian selbst gingen ihr schließlich hinterher.

Fiona sah stumm auf den Boden, verletzt davon, dass Mayla tatsächlich vermuten könnte, dass Fiona derartig abgehoben sei.

Sie schüttelte langsam den Kopf und drehte sich dabei um.

„Macht doch, was ihr wollt. Ich gehe zurück in meine Unterkunft.“

Erin griff nach ihrer Hand.

„Tu das nicht.“

Fiona blieb stehen.

„Du bist unsere Freundin und du bist uns sehr wichtig! Mayla braucht jetzt auch deine Unterstützung. Sie muss diesen arroganten Heinis zeigen, dass es nicht darauf ankommt, zu welcher Unterkunft man gehört. Und danach müsst ihr beiden euch einfach mal in Ruhe aussprechen.“

Erin hatte sich anfangs noch sehr über Fionas Beleidigungen in der Bibliothek geärgert, aber nachdem sie gerade erneut die Arroganz der älteren Obelisken miterlebt und auch Maylas Worte gegenüber Fiona gehört hatte, wurde ihr klar, dass es nicht wirklich ihre Schuld war.

Der Auslöser des Konflikts lag in dem toxischen Klima an der Akademie.

Seit einem halben Jahr hatten die drei immer wieder erlebt und gehört, wie sich Obelisken, insbesondere den Slifer-Schülerinnen und Schülern gegenüber, als überlegen sahen und sie sie wie den letzten Dreck behandelten.

Die Slifer wohnten und aßen schlechter und das Lehrpersonal griff nicht aktiv genug gegen die abfällige Behandlung der Slifer ein, was das Problem nur verschlimmerte.

Auch wenn die drei es besser wussten, unterbewusst konnte man es nicht komplett vermeiden, dass diese permanente Propaganda ihre Wirkung entfaltet und dass ein kleiner Teil von Fiona sich nun vielleicht wirklich für etwas Besseres halten möge und dass ein ebenso kleiner Teil von Mayla befürchte, von Fiona als minderwertig gesehen zu werden.

Fiona sah Erin in die Augen und zwang sich trotz ihrer schlechten Laune dazu zu Lächeln.

Sie knöpften sich ihre Jacken zu und stellten sich dann, draußen angekommen, neben Mayla, die ihrem Kontrahenten bereits mit aktivierter Dueldisk gegenüber stand.

„Tut mir Leid, dass ich Erin und dich als Idiotinnen bezeichnet habe! Ihr seid keine Idiotinnen, ihr seid klasse! Und du machst diesen Fiesling jetzt mal so richtig nass!“

Verlegen rieb sich Mayla den Nacken und lächelte Fiona an.

„Danke für deine liebe Entschuldigung. Die bedeutet mir sehr viel!“

Daniel grinste Erin breit an.

„Wie hast du denn das jetzt angestellt? Bis eben herrschte doch noch dicke Luft, dachte ich?“

Erin zwinkerte ihm zu.

„Eine gute Magierin verrät nie ihre Tricks.“

„Grauenhaft! Das ist hier ja schlimmer als in jeder Seifenoper!“, beschwerte sich Maylas Gegner lautstark, „aber im Gegensatz zur Seifenoper gibt es für euch Verlierer ganz sicher kein Happy End! Ich mache den ersten Zug!“

Der Junge zog.

„Los geht’s mit dem Zauber LV-Verstärkung! Mit dieser Karte darf ich ein beliebiges „LV“-Monster aus meinem Deck wählen und es auf die Hand nehmen!“

Er zeigte die Zauberkarte und danach auch das gesuchte Monster vor.

„Ich nehme Quetzaldimestegus LV2 auf die Hand und spiele ihn außerdem sofort im Verteidigungsmodus aus!“

Ein junger, grauer Flugsaurier mit Rückensegel und einem kleinen Stachel auf dem Schwanz erschien.

Quetzaldimestegus LV2: Stufe 2, 1000Atk, 600Def.

„Quatz...Quetza...Wie?“, fragte Daniel verwirrt nach.

„Das passiert, wenn man sich als Obelisk besonders toll findet: Man beginnt Monster mit unaussprechlichen Namen zu spielen!“, kommentierte Fiona belustigt.

Der Spott schien den Obelisken kaum zu stören.

Mein nächster Zauber nennt sich Vorzeitige Zerstörung und hat es echt in sich! Mit Vorzeitige Zerstörung darf ich mir das Deck meines Gegners ansehen und eine beliebige Karte aus dem Deck auf den Friedhof schicken!“

Hologramme von Maylas Karten erschienen in einem Raster direkt vor dem Gesicht des Obelisken.

Er rieb sich überlegend das Kinn und las sie sich in Ruhe durch.

„Wassertänzer...Hm, ich muss sagen, für eine Sliferniete ist dieses Deck gar nicht mal so schlecht!Ich schicke ein Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett auf den Friedhof und setzte noch zwei weitere Karten verdeckt! Dein Zug!“

Das war ein eher langsamer Zug vom Obelisken.

Doch weder er, noch seine drei Begleiter schienen deswegen besorgt zu sein, das war wohl ein normaler Teil seiner Strategie.

Mayla zog.

„Den Anfang macht meine Wassertänzer Flamenco-Forelle. Im Angriffsmodus.“

Vor Mayla zeigte sich das fröhliche Fischmonster im roten Stufenkleid.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Als Nächstes benutze ich meine Wassertänzer-Tanzpartnersuche. Jetzt decke ich solange Karten von meinem Deck auf, bis ich ein „Wassertänzer“-Monster aufdecke.“

Mayla hob nach und nach einige Karten von ihrem Deck ab, bis sie schließlich Wassertänzer Tango-Tintenfisch vorzeigte.

„Das aufgedeckte „Wassertänzer“-Monster kommt auf meine Hand, die anderen Karten werden wieder in das Deck gemischt. Außerdem darf ich jetzt den Typen eines Wassertänzers verändern. Daher wird Flamenco-Forelle jetzt zu einem Pflanzen-Monster.“

Maylas Monster färbte sich hölzern-braun und einzelne Äste mit kleinen, grünen Blättern wuchsen der Forelle aus dem Körper.

„Hehe, es wird jetzt Zeit, dass mein Quetzaldimestegus LV2 seinen Spezialeffekt aktiviert!

Antiker Aufschrei!“, unterbrach der Obelisk Maylas Zug.

Der Flugsaurier stieß einen unangenehm hohen Schrei aus und eine destruktive Schockwelle bereitete Flamenco-Forelle offenbar Schmerzen.

Wassertänzer Flamenco-Forelle zog sich auf Maylas Hand zurück.

„Hey! Was hast du denn mit meinem Monster gemacht?“, fragte Mayla.

„Ganz einfach! Der besondere Effekt von Quetzaldimestegus ermöglicht es mir einmal pro Zug beider Spieler meinen Gegner dazu zu zwingen einen Monstereffekt zu aktivieren! Daher benutzt Flamenco-Forelle jetzt ihren Effekt und zieht sich auf deine Hand zurück!“

Vor Mayla bildete sich ein langsam wachsender Feuerball, der schließlich auf den Obeliskenjungen zuraste und explodierte.

Obelisk Lebenspunkte: 4000 → 3000.

„Der Effekt von seinem Quetzaldings ging wohl voll nach hinten los!“, freute sich Daniel.

Erin sah das anders:

„Er hat zwar Schaden genommen, aber dafür hat Mayla kein Monster mehr auf ihrem Feld und kann nun auch ihren Tintenfisch nicht als Spezialbeschwörung rufen.“

„Genau, dieser Typ weiß leider, was er tut“, fügte Fiona hinzu, „deshalb hatte er auch Vorzeitige Zerstörung gespielt. Es ging ihm hauptsächlich darum, Maylas Monstereffekte kennenzulernen, um so Quetzaldimestegus effektiv einsetzen zu können!“

Mayla war trotz des Gegenspiels noch nicht fertig.

Ich spiele den Zauber Gegen den Strom. Damit darf ich ein beliebiges Monster vom Typ Fisch aus meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen.“

Maylas Flamenco-Forelle kehrte mit einem kleinen Freudentanz wieder zurück.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Außerdem rüste ich Wassertänzer Flamenco-Forelle mit Wassertänzer-Taktgefühl aus. Dadurch erhöhen sich ihre Angriffs- und Verteidigungspunkte um ganze 800 Punkte.“

Die Forelle wuchs und war letztlich zwei Köpfe größer als ihre Besitzerin.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: 1600Atk → 2400Atk, 300Def → 1100Def.

„Der zweite Effekt von Wassertänzer-Taktgefühl ermöglicht es dem ausgerüsteten Monster einmal pro Zug seinen Typen zu verändern. Deshalb wird Flamenco-Forelle nun erneut zu einer Pflanze.“

Kleine, belaubte Äste sprossen aus Maylas nun wieder hölzernem Monster.

„Kontrolliere ich ein Monster vom Typ Pflanze, darf ich Tango-Tintenfisch sofort als Spezialbeschwörung aufrufen. Zeig dich im Angriffsmodus.“

Der cartoonige gelbe Tintenfisch in der roten Weste winkte zur Begrüßung mit einer Tentakel.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def,

„Super gemacht, Mayla“, rief Erin ihrer Freundin zu.

Trotz des Sabotageversuchs seitens des Obeliskenjungen hatte es Mayla geschafft wie geplant doch noch ein zweites Monster aufzurufen.

Mayla wandte sich kurz von ihrem Gegner ab, um sich bei Erin für den Zuspruch zu bedanken und startete im Anschluss ihre Battle Phase.

„Dein Dinosuriermonster hat zu wenig Verteidigungspunkte, um meinen Wassertänzern standhalten zu können: Tango-Tintenfisch, greife Quetzaldimestegus LV2 mit dem Tentakel-Tumult an!“

Der Tintenfisch schwamm durch die Luft auf den kleine Babyflugsaurier zu und verdrosch ihn mit zahlreichen Tentakelhieben.

Der Weg war nun frei für einen direkten Angriff.

„Flamenco-Forelle greift nun direkt an und zwar mit Furioser Flossenschelle!“

Maylas zweites Monster schwamm auf den Gegner zu und versetzte ihm mit einer raschen Kehrtwende einen Schlag mit der Schwanzflosse.

Der Obelisk schrie vor Schmerz auf, als ihn der direkte Angriff von den Füßen riss.

Obelisk Lebenspunkte: 3000 → 600.

Einer seiner drei Freunde konnte ihn rechtzeitig abstützen, bevor er mit dem Rücken auf den Boden landete.

„Danke, Kumpel.“

„Kein Ding. Jetzt zeig der Kleinen, warum wir Obelisken einfach in einer ganz anderen Liga spielen!“, forderte sein Freund.

Maylas Gegner rappelte sich bemüht wieder auf.

Hier stimmte gerade etwas ganz und gar nicht.

Keiner der vier schien auch nur im Geringsten beunruhigt zu sein und dass, obwohl Mayla beinahe das Duell in nur einem einzigen Zug gewonnen hatte.

Die beiden verdeckten Karten ihres Kontrahenten machten sie nervös, aber es gab aktuell nichts, was sie dagegen ausrichten könnte.

„Ich setze eine verdeckte Karte und beende meinen Zug.“

„Bevor du deinen Zug beendest“, unterbrach der Obeliskenjunge, „spiele ich meine erste verdeckte Karte aus, Illusion der Gefallenen!“

Der verdeckte Schnellzauber deckte sich auf.

„Dank Vorzeitiger Zerstörung weiß ich, dass du diese Karte selbst spielst, Slifer, daher brauche ich dir nicht lange erklären, wie sie funktioniert...obwohl, bei euch Rotjacken, weiß man ja nie!“, sagte er und lachte danach über seinen eigenen Witz.

„Mit Illusion der Gefallenen beschwöre ich Quetzaldimestegus LV2 aus meinem Friedhof!“

Der niedliche Flugsaurier mit dem Rückensegel und dem bestachelten Schwanz war wieder zurück.

Quetzaldimestegus LV2: Stufe 2, 1000Atk, 600Def.

„Mein Monster bleibt allerdings nicht lange auf dem Feld, denn während der End Phase meines Gegners darf ich diese Karte auf den Friedhof schicken, um Quetzaldimestegus LV4 aus meinem Deck oder meiner Hand aufzurufen!“

Der Jungsaurier wurde durch eine größere Version ersetzt, Quetzaldimestegus LV4 hatte zusätzlich Krallen an seinen Flügeln und einen weiteren Stachel am Schweif, insgesamt war die Färbung des Monsters dunkler.

Quetzaldimestegus LV4: Stufe 4, 1800Atk, 1200Def.

„Aus dem Friedhof aktiviert sich nun der Effekt von Quetzaldimestegus LV2: Wird er nämlich durch seinen eigenen Effekt auf den Friedhof geschickt, darf ich außerdem eine beliebige Karte auf dem Feld zerstören, damit verabschiedet sich deine gesetzte Karte noch bevor ich meinen Zug überhaupt beginne!“

Mayla hielt sich den Arm schützend vor das Gesicht, als die verdeckte Karte vor ihr in die Luft ging.

Das war ärgerlich, Sprungfederfeld war für sie stets eine guter Plan B für Notfälle.

„Und jetzt geht mein Zug überhaupt erst richtig los!“, brüllte der selbstsichere Obelisk und zog.

„Als Spezialbeschwörung rufe ich das Monster EXP-Grinder!“

Ein mechanisches Maschinenwesen, das aussah, wie eine Miniaturwindmühle mit Armen und Beinen, erschien.

Die Bauchdecke des EXP-Grinders war offen, sodass man sehen konnte, wie die Mühlsteine des Mühlenmännchens aufeinander rieben.

EXP-Grinder: Stufe 2, 0Atk, 1600Def.

„Dieses Monster kann ich immer dann als Spezialbeschwörung rufen, wenn ich ein „LV“-Monster kontrolliere. Der zweite Effekt von EXP-Grinder macht die ganze Sache aber erst richtig interessant, denn wenn ich ihn als Tribut anbiete und gleichzeitig ein „LV“-Monster von meinem Deck auf den Friedhof lege, darf ich zwei Karten ziehen!“

Die Mühlsteine des EXP-Grinders schliffen schneller und schneller, bis das Monster überlastete und plötzlich explodierte.

„Das sieht zugegeben etwas brutal aus, lohnt sich aber! Ich lege einen weiter Quetzaldimestegus LV2 auf den Friedhof und verbessere meine Hand um zwei Karten!“

Der Junge zog und überlegte kurz.

„Mein nächstes Monster bleibt ein wenig länger! Ich rufe den Konterprofi im Angriffsmodus!“

Konterprofi war ein alter, erschreckend hagerer Mann mit stoischem Gesichtsausdruck, der lediglich mit einer Boxerhose und Boxhandschuhen bekleidet war und angriffslustig tänzelte.

Konterprofi: Stufe 1, 300Atk, 500Def.

„So wie dein schwächlicher Konterprofi ausschaut, hättest du ihn mal besser im Rentenmodus beschworen!“, spottete Erin.

Fiona und Daniel lachten und Mayla musste auch ein wenig schmunzeln.

„Hmpf, lacht ruhig, aber das Lachen wird euch gleich vergehen! Jetzt zwingt Quetzaldimestegus nämlich erneut Wassertänzer Flamenco-Forelle dazu, ihren Effekt zu aktivieren! Antiker Aufschrei!“

Der Flugsaurier stieß eine diesmal deutlich schrillere, stärkere Schallwelle aus.

Die Forelle, Mayla und alle Zuschauer, inklusive der drei Freunde von Maylas Gegner, hielten sich die Ohren zu.

„Wieso tust du das!? Wenn Flamenco-Forelle wieder auf meine Hand zurückkehrt, verlierst du dadurch wieder 1000 Lebenspunkte und hast verloren!“, schrie Mayla, in dem Versuch den lauten Quetzaldimestegus zu übertönen, ihrem Gegner zu.

„So weit lasse ich es nicht kommen! Ich decke die Konterfalle Jura-Kraft auf!“

Die bisher verdeckte Karte klappte auf.

„Indem ich einen Dinosaurier in meinem Friedhof verbanne, darf ich einen Monstereffekt annullieren und das Monster zerstören! Ich verabschiede mich also von Quetzaldimestegus LV2 und deine Forelle ist Geschichte! “

Anstatt auf die Hand zurückzukehren, zerplatzte nun das Hologramm von Maylas Monster.

„Tja, da die Forelle nun auf dem Friedhof liegt und nicht auf deine Hand zurückgekehrt ist, bekommst du auch deinen Ausrüstungszauber nicht wieder zurück! Pech gehabt, aber das Schlimmste kommt noch!“

Der noch immer tänzelnde Konterprofi schlug mehrfach in schnellem Tempo durch die Luft und aktivierte so seinen Effekt.

„Bei meinem Konterprofi ist der Name Programm! Befindet er sich im Angriffsmodus, darf ich einmal pro Zug eine in diesem Spielzug aktivierte Konterfalle aus meinem Friedhof wieder verdeckt setzen und erhalte als kleinen Bonus noch 500 Lebenspunkte obendrauf!“

Vor dem Obelisken erschien die verdeckte Jura-Kraft.

Obelisk Lebenspunkte: 600 → 1100.

„Mit deinem stärksten Monster aus dem Weg gehe ich in die Offensive über! Quetzaldimestegus LV4! Vernichte diesen lächerlichen Tintenfisch!“

Der Flugsaurier flog auf Maylas Tango-Tintenfisch zu, schnappte es mit seinem länglichen Schnabel und brachte in der Luft das Hologramm zum Platzen.

Maylas Lebenspunkte: 4000 → 3600.

„Du hast keine einzige Karte mehr auf deiner Spielfeldseite, Konterprofi greift direkt an!“

Der alte Boxer lief auf Mayla zu und versetzte ihr einen raschen, aber eher schwachen Hieb auf die Brust.

Maylas Lebenspunkte: 3600 → 3300.

Der Obelisk hatte selbstsicher

„Das war erst ein Vorgeschmack auf das, was dich noch erwartet, Slifer! Denn am Ende deines Zuges wird Quetzaldimestegus noch weiter aufleveln! Du bist dran!“

Mayla verzog keine Miene und zog.

Julian sprach Daniel an: „Deine Freundin hat ja im Grunde schon so gut wie gewonnen, oder? Sie hat ja noch viel mehr Lebenspunkte übrig.“

Dieser Kommentar zeigte Daniel, warum Julian noch im dritten Jahr ein Slifer-Red war.

Er hatte offenbar kaum wirkliche Ahnung vom Duellieren, sonst wäre er ja auch schon längst zum Ra aufgestiegen.

„Du stellst dir das zu leicht vor, so wie ich das sehe, hat ihr Gegner eine ziemlich üble Kombo aufgestellt: Sobald Mayla ein Monster beschwört, kann er es sofort dazu zwingen seinen Effekt zu aktivieren und das Monster so mit Jura-Kraft zerstören. Außerdem bekommt er dadurch immer mehr Lebenspunkte zurück. Das wäre an sich nicht so schlimm, aber Maylas Deck ist stark darauf angewiesen ihre Monster auf dem Feld behalten zu können, um ihre Typen verändern zu können“, flüsterte er mit überkreuzten Armen.

Fiona schaltete sich leise in das Gespräch ein.

„Das Hauptproblem ist dabei, dass er ein „LV“-Monster benutzt, denn wenn er am Ende des Zuges Quetzaldimestegus nochmal auflevelt, hat er einen weiteren Dinosaurier für Jura-Kraft im Friedhof.

Es mag zwar so wirken, als ob der Obelisk der Niederlage sehr nahe sei, aber das täuscht, denn er kennt Maylas Deck und weiß, dass ihr keine Möglichkeiten bleiben, mit nur zwei Handkarten im nächsten Zug der Kombo zu entkommen.“

Inzwischen hatte Mayla eine ganze Weile überlegt.

Ihr Gegner sah sie mit einem bohrenden Blick an.

„Du kannst deine zwei läppischen Karten so lange anstarren, wie du willst, davon werden sie auch nicht besser!“

Mayla lächelte ihren Gegner selbstsicher an.

„Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“

Fiona spürte, wie sich bei dem Anblick dieses sehr kurzen Zuges ihre Mundwinkel nach unten zogen.

„Erin!“,zischte sie, „das gefällt mir gerade überhaupt nicht! Wenn der Kerl es schafft die verdeckte Karte loszuwerden, muss er nur 800 weitere Angriffspunkte aufs Feld bekommen um zu gewinnen!“

„Habe etwas Vetrauen, Fiona, es ist zugegeben riskant, aber ich weiß, dass sie einen Plan hat. In den Feiertagsferien haben wir uns fast pausenlos duelliert und...Sie ist inzwischen viel stärker als noch vor ihrer Niederlage gegen Barry. Sie wird ihn besiegen.“

Der Obeliskenjunge lachte diabolisch.

„Bevor du deinen Zug beendest, stelle ich dir meine nächste Bestie vor! Ich sende während deiner End Phase Quetzaldimestegus LV4 auf den Friedhof und beschwöre so Quetzaldimestegus LV6!

Der neue, größere Flugsaurier war noch dunkler, beinahe schwarz, bis auf eine gelbe Linie am Schnabel und das rötliche Schimmern des Rückensegels.

Am Schwanz befanden sich an beiden Seiten jeweils zwei lange Stachel.

Quetzaldimestegus LV6: Stufe 6, 2300Atk, 1600Def.

„LV6 hat nicht nur mehr Punkte, sein Effekt hat auch einen signifikates Upgrade bekommen! Anstatt dich dazu zu zwingen, einen Monstereffekt zu nutzen, darf ich mit Quetzaldimestegus LV6 einen Effekt meines Gegners für mich nutzen, während mein Gegner die Aktivierungskosten bezahlt! Außerdem ist er komplett immun gegenüber Monstereffekten!“

„Das spielt aber keine Rolle, solange ich keine Monsterkarten ausspiele“, entgegnete Mayla bestimmt, „Jetzt setze bitte das Duell fort.“

Ihr Gegner zog und grinste.

„Vorsicht mit deinen Wünschen, Rotjacke, sie könnten in Erfüllung gehen! Ich spiele die Transdimensionale Brücke!“

Neben der verdeckten Jura-Kraft erschien der neue permanente Zauber.

„Mit Transdimensionaler Brücke offen auf dem Spielfeld können beide Spieler verbannte Monsterkarten so ausspielen, als ob sie sich auf ihren Händen befinden würden, daher rufe ich den verbannten Quetzaldimestegus LV2!“

Der junge Dinosaurier erschien vor dem Obeliskenjungen.

Quetzaldimestegus LV2, Stufe 2, 1000Atk, 600Def.

„Mit dem nächsten Zauber verschaffe ich meinem Küken einen Wachstumsschub!“, brüllte er und zeigte seine Zauberkarte vor, „Wenn ich Aufgestiegen! aktiviere, schicke ich ein „LV“-Monster auf den Friedhof und darf dann ein Monster aus dem Deck oder der Hand rufen, das in dem Kartentext des geopferten Monsters erwähnt wird! Quetzaldimestegus LV2 wandert ergo auf den Friedhof und macht Platz für LV4!“

Das Hologramm von Quetzaldimestegus LV2 begann in einem grellen Weiß zu leuchten und sich dann zu Quetzaldimestegus LV4 zu verformen.

Quetzaldimestegus LV4: Stufe 4, 1800Atk, 1200Def.

„Du hast echt Glück, dass man mir Quetzaldimestegus LV9 weggenommen hat, sonst hätte ich Aufgestiegen! auf meinen LV6 angewendet. Aber hey, für lächerliche Slifernieten wie dich reicht der alle Mal!“

„Super! Jetzt zeig dieser Amateurin, warum man sich nicht mit uns Obelisken anlegt!“, forderte einer seiner Freunde.

„Hehe, das mache ich nur zu gerne! Ich greife zuerst mit dem Konterprofi an!“

Der alte Boxer versetzte Mayla erneut einen schwächlichen Hieb, der sie nur leicht zurückstieß.

Maylas Lebenspunkte: 3300 → 3000.

„Quetzaldimestegus LV4, du bist jetzt dran!“

Das prähistorische Monster flog auf Mayla zu, vollführte eine Halbdrehung und traf sie mit einem peitschenden Schwanzhieb.

Sie schrie auf und fühlte einen plötzlichen Schwindel.

Maylas Lebenspunkte: 3000 → 1200.

Das mit einer dünnen Schneedecke verhüllte Pflaster, auf dem sie stand und die Leute um sie herum verblassten in einem undurchdringbaren Schwarz.

„Mayla...Hörst du uns...? Wir können dich stärker machen...“

Schon wieder diese Stimmen.

Sie ballte beide Hände zu Fäusten, spannte jeden Muskel in ihrem Körper an, zwang sich dazu, ihre Augen so weit wie möglich aufzureißen.

„Ich muss aufwachen! Ich habe ein Duell zu gewinnen!“

Die Stimmen in ihrem Kopf wurden leiser und das Schwarz verblasste.

„Wach auf! Wach auf! Wach auf!“, schrie sie sich mantraartig zu.

Die Finsternis schwand und Mayla fand sich in der Wirklichkeit wieder.

Sie stand noch auf beiden Beinen, war allerdings von der Wucht der letzten Attacke zurückgestoßen worden.

Sie blickte sich schnell um.

Weder ihr Gegner, noch Erin oder Fiona schienen ihre Ohnmacht bemerkt zu haben, sie musste wohl nur wenige Millisekunden ausgeknockt worden sein.

Daniel sah sie hingegen besorgt an.

Hatte er es bemerkt?

Sie wandte sich wieder dem Obelisken zu, um keinen unnötigen Verdacht zu erregen.

Er hatte noch eine Attacke mit seinem stärksten Monster übrig.

Mayla spürte ihren aufgeregten Herzschlag und setzte ihr bestes Pokerface auf.

„Was nun!?, rief sie ihm ernst zu.

Erin grinste breit und Maylas Gegner begann angestrengt zu schnauben.

Daniel fiel Erins Grinsen auf und er sprach sie so leise wie möglich an: „Sag mal, warum befiehlt der Obelisk seinem Monster keinen Angriff? Er braucht doch nur noch diese eine Attacke mit seinem Quetzaldimestegus LV6, damit Mayla keine Lebenspunkte mehr übrig hat.“

„Ihr Gegner kennt Maylas Deck seit dem ersten Zug und Mayla benutzt gerade sein Wissen gegen ihn“, antwortete sie mit einem Blick auf Maylas verdeckte Karte vor ihr und der einen Karte in ihrer Hand, „sie weiß, dass er weiß, dass sie die Karte Wasserfallbarriere besitzt und diese womöglich in ihren letzten beiden Zügen gezogen hat. Würde er mit seinen 2300 Angriffspunkten angreifen, würde Wasserfallbarriere den Schaden in zweimal 1150 Schadenspunkten für beide Spieler aufteilen. Mayla würde das gerade so überstehen, aber der Obelisk hat nur noch 1100 Punkte übrig und würde verlieren.“

Daniel verstand und nickte stumm.

Das war eine extrem riskante Strategie.

Ihm, Erin und auch Maylas Gegner war klar, wie gering die Wahrscheinlichkeit dafür war, dass es sich bei der verdeckten Karte nicht nur um Wasserfallbarriere handelt, sondern auch Maylas letzte Handkarte ein Fischmonster war, welches sie für Wasserfallbarriere ablegen konnte.

Aber die Wahrscheinlichkeit spielte für den immer verunsicherter werdenden Obelisken keine Rolle.

Nachdem er von Anfang an über alle Slifer hergezogen und seine eigene Überlegenheit betont hatte, würde er kein Risiko eingehen, erst recht nicht, wenn seine drei Freunde seine potentielle Niederlage miterleben könnten.

„Greifst du mich weiter an, oder beendest du deinen Zug?“, fragte Mayla ruhig und sah ihrem Gegner direkt in die Augen.

„Mann, worauf wartest du denn? Zeig keine Gnade!“, drängte ein Obelisk hinter ihm.

Er ignorierte den Zuruf.

Der Obelisk und Mayla sahen einander still und angestrengt in die Augen.

Plötzlich gackerte er drauf los.

„Du hältst dich wohl für ganz clever, was? Aber du kannst mich nicht provozieren! Ich greife dich einfach im nächsten Zug wieder mit meinem Quetzaldimestegus LV4 an und sichere mir den Sieg! Also, mache deinen letzten, verzweifelten Spielzug!“

Ohne seinem Quetzaldimestegus LV6 den Angriff zu befehlen beendete er seinen Zug und Mayla atmete erleichtert auf.

Der Bluff war gelungen.

Sie zog und überlegte.

Ihr Gegner konnte mit LV4 einen Wassertänzer-Effekt erzwingen und mit LV6 sogar einen Effekt für sich selbst nutzen.

Außerdem musste sie irgendwie mit der auf sie lauernden Jura-Kraft fertig werden.

Sie betrachte ihre beiden Handkarten und die vor ihr liegende verdeckte Karte und überlegte weiter.

Bingo!

Mayla lächelte mild, sie hatte den Weg zum Sieg gefunden.

„Als Erstes spiele ich aus meiner Hand die Wassertänzer-Zugabe, sie erlaubt es mir ein „Wassertänzer“-Monster aus meinem Friedhof zu wählen und auf die Hand zu nehmen“, erklärte Mayla.

„Damit hole ich Tango-Tintenfisch auf meine Hand und beschwöre ihn sofort im Angriffsmodus!“

Der Tintenfisch in roter Weste quiekte zur Begrüßung.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

„Da du sicherlich keine Wassertänzer in deinem Deck hast, kann dein Quetzaldimestegus LV6 nicht seinen Effekt übernehmen, daher ist mein Monster vor Jura-Kraft geschützt“, sagte Mayla.

„Da hat wohl jemand den Quetzaldimestegus LV4 vergessen, was? Im Gegensatz zu seinem großen Bruder stiehlt er keine Effekte, sondern zwingt dich nur dazu sie zu nutzen! Also, mein LV4, Antiker Aufschrei!“

Der Flugsaurier griff wie befohlen mit seiner schrillen Schallwelle an und alle Beteiligten mit Ausnahme des Obeliskenjungen selbst hielten sich die Ohren zu.

„Ich habe keine Lust, dass du dir das nächste Monster aus dem Deck suchst, deshalb aktiviere ich sofort die Konterfalle Jura-Kraft! Ich verbanne den Quetzaldimestegus LV4 in meinem Friedhof aus dem Spiel und Jura-Kraft annulliert den Effekt von Tango-Tintenfisch und vernichtet ihn!“

Der Obelisk deckte die Karte auf und Maylas Tintenfisch wurde zerstört.

„Nun darf mein Konterprofi seinen Spezialeffekt nutzen, um Jura-Kraft sofort wieder zu setzen und mir 500 Lebenspunkte zurückzugeben! Du hast keine Chance, Sliferabschaum!“, kündigte der Obelisk hämisch an.

Konterprofi schlug mehrfach durch die Luft, wodurch die soeben aktivierte Falle wieder verdeckt zurückkehrte.

Obelisk Lebenspunkte: 1100 → 1600.

„Mein Tango-Tintenfisch kehrt allerdings wieder zu mir zurück, wenn ich aus meiner Hand den Schnellzauber Illusion der Gefallenen benutze!“, setzte Mayla fort und sogleich erschien wieder das soeben zerstörte Monster.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

„Dein Monster bringt dir aber nichts! Du hast keine Karten mehr auf der Hand und der Tintenfisch wird durch den Effekt von Illusion der Gefallenen am Angriff gehindert und in der End-Phase zerstört!“, rief der Obelisk.

„Das tut nichts zur Sache, ich habe nicht vor mit Tango-Tintenfisch anzugreifen. Stattdessen nehme ich ihn auf meine Hand und darf so mein Deck nach einem anderen „Wassertänzer“-Monster durchsuchen.“

Das Hologramm verschwand zum zweiten Mal und Mayla nahm den Tango-Tintenfisch zurück auf die Hand, bevor sie das gesuchte Monster vorzeigte: „Ich nehme meine zweite Flamenco-Forelle vom Deck auf die Hand! Und dank der Karte, die ich im letzten Zug gesetzt habe, darf ich sie auch sofort ausspielen! Hier kommt Überflutungsbeschwörung!“

Die bisher verdeckte Falle deckte sich auf.

Maylas Gegner wurde beim Anblick von Überflutungsbeschwörung schlagartig bleich.

Er hatte alle Karten in Maylas Deck gelesen und realisierte so langsam, dass er dieses Duell verlieren würde.

„Dein Stolz und deine panische Angst verlieren zu können, haben dich in deinem letzten Zug von deinem Sieg abgehalten! Jetzt ist es zu spät für dich! Diese Karte darf nur während meines Zuges aktiviert werden und erlaubt es mir bis zum Ende des Zuges beliebig oft Monster vom Attribut Wasser aufzurufen, solange ich weniger Monster als mein Gegner kontrolliere. Flamenco-Forelle, zeige dich bitte im Angriffsmodus!“

Der Fisch im roten, gewellten Kleid erschien.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Ich aktiviere den Effekt von Quetzaldimestegus LV6! Die Forelle muss auf die Hand zurück und du erleidest die 1000 Schadenspunkte dafür! Antiker Aufschrei!“, schrie der Junge verzweifelt.

Sein Monster machte es ihm nach und stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus.

Maylas Monster kehrte auf ihre Hand zurück.

Vor ihrem Gegner bildete sich der große Feuerball, welcher augenblicklich auf Mayla zuraste und sie mit seiner explosiven Wucht umstieß.

Maylas Lebenspunkte: 1200 → 200.

„Mayla!“, rief Daniel besorgt und lief sofort zu ihr.

Er griff ihre Hand und half ihr hoch.

„Vielen Dank, Daniel, mir geht es gut“, versicherte sie ihm.

Doch Sie sah es Daniels Gesichtsausdruck deutlich an, dass er es ihr nicht glauben wollte.

Er hatte ihre vorherige Ohnmacht, so kurz sie auch war, bemerkt.

Mayla sah ihren hilflosen Gegner an.

„Du hast mir zwar Schaden zugefügt, aber damit zögerst du das Unvermeidbare nur hinaus. Dank Überflutungsbeschwörung darf ich Flamenco-Forelle erneut aufrufen.“

Ein letztes Mal erschien Maylas Forellenmonster.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Flamenco-Forelle attackiert den Konterprofi. Eine Furiose Flossenschelle, bitte!“

Mit einem flinken Schwanzflossenschlag schleuderte der Wassentänzer den Konterprofi auf seinen vor Schmerz keuchenden Besitzer.

Obelisk Lebenspunkte: 1600 → 300.

„Du weißt, was jetzt kommt! Ich nehme Wassertänzer Flamenco-Forelle auf meine Hand zurück und darf dir so 1000 Punkte Schaden zufügen! Das Duell ist vorbei!“

Der verschwindende Fisch im roten Kleid hinterließ einen Feuerball, der auf den Obelisken zuschoss und ihm die letzten Lebenspunkte nahm.

Obelisk-Lebenspunkte: 300 → 0.

Fiona umarmte ihre erschöpfte Freundin und drückte sie fest an sich.

„Das war unfassbar! Du hast gerade echt einen Obelisken aus dem zweiten Jahgang platt gemacht!“

„Ähm, naja...Also, er hätte ja gewinnen können und...hm, sein bestes Monster fehlt ja noch...“, stammelte Mayla, der das gerade zu viel Lob auf einmal war.

„Nichts da! Das hast du echt fantastisch gemacht!“, erwiderte Fiona trotzig.

Maylas Gegner hockte noch verdattert auf dem Boden, während die Hologramme seiner Dinosaurier endgültig verblassten.

„Das kann doch nicht...gegen einen Slifer...im ersten Jahrgang...“

„Nimm es nicht so schwer, die hatte mehr Glück als alles andere!“, sagte einer seiner Freunde und zog ihn wieder auf die Beine.

„Genau, wir erzählen das auch niemandem weiter.“

Fiona bereute es gerade nicht den Namen des Jungen erfragt zu haben, sie hätte nämlich liebend gern so vielen Obelisken wie möglich von seiner Niederlage berichtet.

Die Vierergruppe machte sich nun zurück auf den Weg zur Obelisk-Blue-Unterkunft.

„Hey, äh...du!“, rief Mayla ihrem Gegner hinterher, der daraufhin Halt machte und sich zu ihr umdrehte.

„Was willst du noch?!“, grummelte er.

„Ich wollte dir nur sagen, dass mir das Duell viel Spaß gemacht hat. Und ich hoffe, dass du deine Karte wirklich wiederbekommst.“

Überrascht über Maylas Freundlichkeit, fehlten ihm spontan die Worte.

„Danke“, sagte er schließlich knapp und ging zusammen mit seinen drei Freunden fort.

„Hu, hätte nicht gedacht, dass ich vor meinem Abschluss nochmal sehe, wie ein Slifer nen Obelisken besiegt“, sagte Julian und ging auf Mayla zu, „Herzlichen Glückwunsch und Danke, dass du und deine Freundin euch für mich eingesetzt habt.“

Mayla nickte ihm zu.

„Vielen Dank für die Glückwünsche, aber ich muss gestehen, dass wir ursprünglich nicht zum Helfen gekommen sind. Wir wollten dich auch auf den Artikel in der Schülerzeitung ansprechen, weil wir auch wussten, dass du nicht der Täter sein konntest.“

„Oh. Oh Nein, dann muss ich mich für den Ärger entschuldigen. Ich wollte ehrlich niemanden anlügen.“

Erin mischte sich nun ein: „Alles in Ordnung, das glauben wir dir auch. Wir wollen aber trotzdem die Wahrheit wissen. Wurdest du von Kevin zum falschen Geständnis gezwungen? Oder vielleicht von einem übelriechenden Schlägertypen in Obeliskenuniform bedroht?“

Julian sah Erin überrascht an.

„Sag bloß, Kevin hängt da auch in der Sache mit drin? Er war es jedenfalls nicht, nein und auch kein Obelisk. Es...Oh mann...“

„Jetzt rück schon raus!“, pampte Fiona ungeduldig, was ihr von ihren Freundinnen und von Daniel ein Kopfschütteln einbrachte.

Julian seufzte.

Es hatte wohl keinen Sinn, die Sache groß geheim zu halten.

„Ich kann euch sagen, dass ihr mir das eh nicht glauben werdet, aber gut. Der Auftrag ein falsches Geständnis abzulegen und der Auftrag an Maxim mein Geständnis in der Schülerzeitung abzudrucken, stammen von der gleichen Person: Von Direktor Schrainmann höchstpersönlich.
 

____________
 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Quetzaldimestegus LV2: Stufe 2, 1000Atk, 600Def, Typ Dinosaurier, Attribut Wind, Effekt:

Einmal pro Zug, während des Spielzugs eines beliebigen Spielers: Wähle ein Effektmonster, das dein Gegner kontrolliert: Dein Gegner muss, wenn möglich, den Effekt des gewählten Monsters aktivieren (dein Gegner kann gegebenenfalls das Ziel oder die Ziele des Effekts selbst auswählen)

Während der End Phase deines Gegners kannst du diese Karte auf den Friedhof senden, um 1 „Quetzaldimestegus LV4“ aus deiner Hand oder deinem Deck als Spezialbeschwörung zu beschwören.

Wenn du dies tust: Du kannst eine Karte auf dem Spielfeld wählen und zerstören.
 

Quetzaldimestegus LV4: Stufe 4, 1800Atk, 1200Def, Typ Dinosaurier, Attribut Wind, Effekt:

Einmal pro Zug, während des Spielzugs eines beliebigen Spielers: Wähle ein Effektmonster, das dein Gegner kontrolliert: Dein Gegner muss, wenn möglich, den Effekt des gewählten Monsters aktivieren (dein Gegner kann gegebenenfalls das Ziel oder die Ziele des Effekts selbst auswählen)

Während der End Phase deines Gegners kannst du diese Karte auf den Friedhof senden, um 1 „Quetzaldimestegus LV6“ aus deiner Hand oder deinem Deck als Spezialbeschwörung zu beschwören.
 

Quetzaldimestegus LV6: Stufe 6, 2300Atk, 1600Def, Typ Dinosaurier, Attribut Wind, Effekt:

Einmal pro Zug, während des Spielzugs eines beliebigen Spielers: Wähle ein Effektmonster, das dein Gegner kontrolliert: Du kannst den Effekt dieses Monsters nutzen, als ob du es selbst kontrollieren würdest (dein Gegner muss die Aktivierungskosten dieses Effekts zahlen)

Diese Karte bleibt von Monstereffekten unberührt.

Während der End Phase deines Gegners kannst du diese Karte auf den Friedhof senden, um 1 „Quetzaldimestegus LV9“ aus deiner Hand oder deinem Deck als Spezialbeschwörung zu beschwören.
 

EXP-Grinder: Stufe 2, 0Atk, 1600Def, Typ Fels, Attribut Erde, Effekt:

Falls du ein „LV“-Monster kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören. Du kannst diese Karte als Tribut anbieten und ein „LV“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen, um zwei Karten zu ziehen.
 

Konterprofi: Stufe 1, 300Atk, 500Def, Typ Krieger, Attribut Finsternis, Effekt:

Einmal pro Zug, während des Spielzugs eines beliebigen Spielers: Wähle eine Konterfallenkarte in deinem Friedhof, die du in diesem Zug aktiviert hast und setze sie verdeckt. Du erhältst 500 Lebenspunkte.

Du kannst diesen Effekt nur aktivieren, falls sich diese Karte im Angriffsmodus befindet.
 

Neue Zauber:
 

LV-Verstärkung: Normaler Zauber

Füge deiner Hand 1 „LV“-Monster aus deinem Deck hinzu.
 

Vorzeitige Zerstörung: Normaler Zauber

Wähle eine Karte im Deck deines Gegners und lege sie auf den Friedhof.
 

Transdimensionale Brücke: Permanenter Zauber

Beide Spieler können aus dem Spiel entfernte Monsterkarten als Normalbeschwörung beschwören, Setzen, oder ihre Effekte aktivieren, als würden sie sich auf ihrer Hand befinden.
 

Aufgestiegen!: Normaler Zauber

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Neue Fallen:
 

Jura-Kraft: Konterfalle

Wenn ein Monstereffekt aktiviert wird: Entferne ein Dinosaurier-Monster in deinem Friedhof aus dem Spiel; annulliere die Aktivierung und zerstöre das Monster.

Die Konstanzer Kinder

Chris´ Lebenspunkte: 2100 → 0.

Chris fiel auf die Knie und atmete schwer.

Eine kleine Ansammlung von Obelisken aus dem zweiten und dritten Jahrgang, die das Duell um den Titel der ersten Kronprinzessin beobachtet hatten, löste sich nun zusammen mit den Monsterhologrammen von Chris und deren überlegenen Gegnerin auf.

Die beiden in der weißen Obelisk-Blue-Kronprinzessinnen-Uniform gekleideten Duellant*innen waren nun alleine in der langen, prunkvollen Halle, die zum Thron des Obeliskenkönigs führte.

„Du bist stark, Chris. Stärker, als ich es nach dem ersten Halbjahr war“, lobte die hoch gewachsene Obeliskin mit den blau-grünen Augen und zum Zopf gebundenen braunen, lockigen Haaren ihnsie, „Mache so weiter und du wirst nächstes Jahr selbst um die Krone kämpfen dürfen.“

Chris richtete sich auf, klopfte eventuelle Staubflecken vom hellblauen Rock und lächelte deren Gegnerin mild an.

Ein Kompliment von der einzigartigen Zoe Demont, der ersten Kronprinzessin und Tochter des französischen Duel-Monsters-Landesmeisters Jean-Manuel Demont war für Chris eine außerordentliche Ehre.

„Du hast vor dieses Jahr gegen Aland anzutreten?“, fragte dey.

Zoe schwieg eine Weile und verschränkte die Arme.

„Das muss ich mir spontan überlegen, wenn es so weit ist. Aber zur Zeit denke ich eher nicht. Hatte Imani gefragt?“

Nun lachte Chris verlegen.

„Das hat sie tatsächlich. Aber wir sind beide der Auffassung, dass das Jahresabschlussduell der Wiederherstellung der Ordnung gewidmet sein muss. Die Blaue Ehre ist in Gefahr, insbesondere nachdem Maxim wider besseren Wissens diesen unsäglichen Lügenartikel veröffentlicht hat.“

Sie seufzte.

„Was hat er sich nur dabei gedacht? Wir werden auf jeden Fall Konsequenzen folgen lassen müssen. Ich werde ihrer Hoheit empfehlen, Maxim als Chefredakteur ersetzen zu lassen.“

Dey schien sehr erfeut und verbeugte sich vor der ersten Kronprinzessin.

„Eine weise Entscheidung. Aber das kann nur der Anfang sein. Es gilt an denen, die der Krone gegenüber illoyal sind, ein Exempel zu statuieren.“

„Wie sähe ein solches Exempel DEINER Meinung nach denn aus, Hm?“

Da war er wieder, dieser gewisse anstößige Ton, den Chris sich auch beim Gespräch mit Maxim bereits Gefallen lassen musste.

Auch Zoe schien Chris für eine Marionette Imanis zu halten.

Aber Unfreundlichkeit brachte Chris nun nicht weiter, dey hatte verloren und daher war er auf die Hilfe der ersten Kronprinzessin angewiesen.

„Unsere Idee wäre es Maxim komplett aus dem Haus zu verbannen und für den Slifer eine Exmatrikulation zu erwirken. Ihre Majestät hat die Macht dazu und wenn du uns dabei hilfst ihn zu überzeugen, dann -...“

„Ihr geht zu weit. Einen durchschnittlichen Obelisken dem Haus zu verweisen ist das Eine, aber er riskiert seine Glaubwürdigkeit, wenn er einen Kronprinzen, sprich einen möglichen Herausforderer im Jahresendduell, degradiert.“

Chris hatte bereits König Aland einmal gesehen und hätte ihr am liebsten mitgeteilt, dass der König nicht mehr allzu viel Gesicht zum Verlieren übrig hat.

„Hast du eigentlich mit deiner Schwester wegen des Mobbings von diesem Slifermädchen gesprochen? Das könnte definitiv unserem Ansehen schaden.“

„Ich bin nicht ihre Babysitterin“, antwortete Zoe genervt. „Aber soweit ich weiß, hat das schon vor einer ganzen Weile aufgehört. Das besagte Slifermädchen ist inzwischen wohl sogar zur Obeliskin aufgestiegen.

Chris nickte anerkennend.

„Von Slifer-Red in der ersten Prüfung direkt zur Obeliskin. Sehr beeindruckend.“

„Hast du sie nicht im Blick? Sie ist doch immerhin dein Jahrgang?“

„Wir haben was gemeinsam, ich bin auch nicht zum/zur Babysitter*in geeignet“, entgegnete Chris und lachte.
 

Erin, Mayla, Fiona und Daniel standen vor der Slifer-Unterkunft Julian Meyer, einem Slifer-Red im letzten Jahrgang, der sich in der Januar-Ausgabe der Schülerzeitung fälschlicherweise als Verantwortlichen für die Diebstähle ausgegeben hatte, gegenüber.

„Wie bitte?“

Erin konnte es kaum glauben und meinte sich verhört zu haben: „Hast du gerade gesagt, dass Herr Schrainmann dich dazu angestiftet hat, dich als Kartendieb auszugeben?“

Sie sah Julian mit ernster Miene an und ihm fiel es schwer den Blickkontakt zu halten.

„Ich sagte doch, dass ihr es mir nicht glauben werdet. Als mir der Direktor sein Vorhaben schilderte, dachte ich auch erst, dass er einen seinen schlechten Scherze machte, aber er meinte es offensichtlich todernst.“

„Was für ein Unfug! So eine alberne Verschwörungsgeschichte habe ich seit unserem Besuch bei diesem fürchterlichem Ra-Mädchen nicht mehr gehört!“, schimpfte Fiona, „Erin, du glaubst ihm das doch nicht?“

Erin zögerte auf Fionas Frage.

„Erin?!“

Auch Daniel und Mayla schienen hin und her gerissen zu sein.

„Also...“, begann Mayla, „wenn der Direktor Julian befohlen hat, dass er sich als Dieb ausgeben soll, dann würde das erklären, weshalb Julian keine Angst vor einem Schulverweis haben muss und warum Maxim das Geständnis publiziert hat, obwohl er es besser wissen müsste.“

Erin grummelte.

Sie befand sich mit ihrer Vermutung, dass Julian von Kevin bestochen worden sei, wohl auf dem Holzweg.

Je mehr sie darüber nachdachte, je mehr Sinn ergab es.

Daniel meldete sich zu Wort: „Hat dir der Direktor auch gesagt, dass alle, die vom echten Dieb herausgefordert oder bestohlen wurden, ihre Karten zurückbekommen können? Er hat die gestohlenen Karten doch gar nicht?“

Julian nickte.

„Ich hatte mich auch etwas gewundert und ihn gefragt, wie er das bewerkstelligen will. Er hatte mir dann erklärt, dass man über die Daten, die die Dueldisks in jedem Duell für den GY-Score sammeln auch überprüfen kann, ob jemand tatsächlich die als verloren gemeldete Karte besessen hat. Herr Schrainmann will dann wohl alle Karten einkaufen und dann an die Opfer des wahren Täters verteilen.“

„Super! Dann bekomme ich mein Alpha die Eisenmähne wieder! Beziehungsweise ein anderes Exemplar, aber das spielt ja keine Rolle!“, freute sich Daniel und die lächelnde Mayla freute sich mit ihm.

„Hat dir der Direktor auch gesagt, wozu du das falsche Geständnis ablegen sollst?“, fragte Erin.

„Ich denke, dass er hofft, dass der wahre Dieb die Gelegenheit nutzt, um mit seinen Untaten aufzuhören. Aber er wollte in erster Linie die Schülerschaft beruhigen. Es konnte ja keiner von uns beiden wissen, dass die Karten nicht nur gestohlen sondern auch erkämpft wurden.“

Inzwischen wirkte auch die anfangs kritische Fiona von Julians Geschichte überzeugt.

Er hatte auf jede Nachfrage eine Antwort bereit und es wirkte nicht so, als ob er die vier anlügen würde.

Sie sah Mayla und Erin angestrengt an: „Ihr zwei habt doch wohl hoffentlich nicht vor, jetzt den Direktor zur Rede zu stellen, oder?!“

„Natürlich nicht! Das würde nichts bringen!“, entgegnete Erin entrüstet.

Sie empfand es doch als etwas beleidigend, dass Fiona ihr eine derartige Dummheit zutrauen würde.

„Ich gehe zu Kevin, es gibt das eine oder andere, was ich ihn noch fragen möchte.“

„Viel Spaß dabei! Ich habe genug für heute und will etwas Ruhe haben“, antwortete Fiona.

Verständlich, es war inzwischen schon wieder dunkel geworden und ihre Unterkunft lag beinahe auf der anderen Seite der Akademieinsel.

Erin sparte es sich Mayla zu fragen, der man die Erschöpfung von ihrem Duell gegen den Obeliskenjungen ansehen konnte.

„Ich komme mit dir“, sagte Daniel.

„Hey, nachdem ihr mich so gelöchert habt, habe ich auch eine Frage!“, meldete sich Julian zu Wort, „Was hat Kevin mit der Sache zu tun? Ihr meint doch Kevin Mercant, den Kartenhändler, oder? Ist er der wahre Dieb?“

Erin schüttelte den Kopf.

„Nein, aber er arbeitet wohl in irgendeiner Weise mit ihm zusammen, das wissen wir. Der wahre Täter ist noch nicht einmal eingeschrieben.“

„Tatsächlich? Oh Mann, kein Wunder, dass ihm niemand in all der Zeit auf die Schliche gekommen ist.“

„Kommst du mit?“

„Nein, ich denke nicht, dass ich ihm viel zu sagen habe. Am liebsten würde ich mich wieder aus der ganzen Diebstahlgeschichte zurückziehen“, sagte Julian und seufzte, „aber da bin ich wohl machtlos.“

Mayla lächelte ihn an.

„Mach dir keine Sorgen, Julian. Wenn wieder solche Fieslinge vorbeikommen, dann tue ich mein Bestes, um sie zu vertreiben. Ich will nicht, dass andere Slifer Angst vor den Ras oder den Obelisken haben müssen.“

Fiona musste sich ein Augenrollen verkneifen.

Sie hatte sich nach der Erkenntnis, dass der Direktor selbst hinter dem falschen Geständnis steckte, erhofft, dass ihre Freundinnen sich auf das Lernen konzentrieren würden.

„Tjoa, dann bis morgen! Richte Kevin von mir aus, dass er ein Kotzbrocken ist!“, sagte Fiona zum Abschied und machte sich auf den Weg zum Obelisk-Blue-Haus.

Erin, Mayla und Daniel winkten ihr zum Abschied nach und schließlich begaben sie sich in die Slifer-Unterkunft.

Mayla ging auf ihr Zimmer und Erin und Daniel statteten Kevin einen Besuch ab.

Vor Zimmer 205 angekommen, spürte sie, wie viel Kraft es sie kostete sich dazu zu überwinden, Kevin wiederzusehen.

Erin gab sich einen Ruck und klopfte fest an seine Tür.

„Ja, ja! Komme!“, quakte es von Innen, bevor sich dir Zimmertür öffnete und Kevin Erin und Daniel gegenüberstand.

Der dürre Teenager staunte nicht schlecht.

„Hätte nicht gedacht, dich mal wieder zu Gesicht zu bekommen, Erin, ich bin sehr erfreut“, sagte er in seinem typischen herablassenden Tonfall, den Erin so gar nicht vermisst hatte, bevor er sich Daniel zuwandte, „Und du bist....?“

„Eines von den zahlreichen Opfern von deinem ekelhaften Halbbruder und dir“, knurrte Daniel ihn an.

„Tss, damit habe ich nichts mehr zu tun, er hatte den Auftrag hauptsächlich den Obelisken Karten abzunehmen! Aber kein Problem, ich habe die perfekte Auswahl, um deinen Verlust wieder auszugleichen“, antwortete er ihm mit einem schamlosen Lächeln.

Zur eigenen Beruhigung atmete Erin tief ein und aus.

„Ich habe ein paar Fragen an dich. Dürfen wir reinkommen, oder nicht?“, fragte sie genervt.

„Bitte, immer herein in die gute Stube!“

Kevin schaltete den Fernseher aus und Erin und Daniel traten ein.

Erin kramte aus ihrer Deckbox ein Normales Monster mit einer niedrigen Stufe hervor und hielt es dem Karten- und Informationshändler entgegen.

Er nahm sie und beäugte Erins Karte kritisch.

„Hm, das ist hoffentlich nur als Anzahlung gedacht. Für solche Mangelware mache ich mir nämlich nicht einmal die Mühe euch anzulügen, geschweige denn, dass ich tatsächliche Infos mit euch teile.“

„Was hast du mit Julian Meyer und seinem falschen Geständnis in der Schülerzeitung zu tun? Wie hast du ihn dazu gebracht und warum hat Maxim das Geständnis gedruckt?“, fragte Erin, ohne sich von Kevins Einwänden aufhalten zu lassen.

Kevin blickte sie gelangweilt an.

„Ich nehme an, du spielst auf den Leitartikel in der Januar-Ausgabe an? Ich habe nichts mit diesen Personen zu tun.“

„Und das sollen wir glauben? Du und Barry profitiert doch davon, dass wer anders den Kopf hin hält!“

Kevin verschränkte die Arme.

„Stimmt, das tun wir. Ein zugegeben sehr glücklicher Zufall für uns, aber eben nur ein Zufall. Ich weiß nicht, warum der Junge sich selbst beschuldigt, vielleicht zwanghafter Geltungsdrang?“

Erin schnaubte.

Sie hatte Kevin schon einmal beim Lügen ertappt, aber diesmal schien er aufrichtig.

Julian musste ihnen tatsächlich die Wahrheit erzählt haben, auch wenn Erin diese Wahrheit ganz und gar nicht zufrieden stellte.

„Ich kann dir sagen, warum sich Julian selbst beschuldigt hat, dass war nämlich die Idee von...-“

„Daniel! Halt den Mund!“, fuhr Erin ihn harsch an, „Wir bekommen von Kevin auch nichts gratis, es gibt keinen Grund ihm zu verraten, was wir wissen!“

„Sorry“, entgegnete er kleinlaut und schämte sich dafür, wertvolle Informationen einfach ausplaudern zu wollen.

„Was machst du mit den Karten, die Barry den Schülern abknöpft? Mit denen kannst du doch unmöglich auf lange Frist handeln, ohne, dass du Verdacht erregst.

Kevin schlug wortlos einen seiner Ordner auf, um Erins schwache Monsterkarte einzusortieren.

Nachdem er den Ordner wieder geschlossen und in seinem Schrank eingereiht hatte, sah er Erin und Daniel abwechselnd ernst an.

„Was habt ihr zu bieten? Und komme mir jetzt bitte nicht wieder mit Plunder!“

„Infos gegen Infos“, sagte Erin, „wir verraten dir, wer Julian Meyer und Maxim angestiftet hat“

„Meinetwegen. Ihr zuerst, ich bin ganz Ohr.“

„Hinter dem falschen Geständnis steckt Herr Schrainmann selbst. Er hat die Mittel, Ersatz für die gestohlenen oder erkämpften Karten zu besorgen. Er wollte, dass die wahren Täter nach dem Artikel aufhören und dass die Verunsicherung unter den Schülerinnen und Schülern aufhört.“

Kevin, der sich locker an seinen Schreibtisch gelehnt hatte, rieb sich nachdenklich das Kinn.

„Klingt einleuchtend, ich komme mir doch etwas doof vor, nicht selbst darauf gekommen zu sein.“

„Du bist nicht überrascht?“, fragte Daniel nach.

„Junge, wenn du wüsstest, was ich über unseren lieben Herrn Direktor weiß, dann...“, er lachte, “überrascht dich irgendwann gar nichts mehr.“

Daniel sah ihn verwundert an: „Hat unser Akademiedirektor noch mehr Dreck am stecken?“

„Womöglich...Kommt darauf an, wie gut du mich bezahlst.“

„Du bist das Letzte!“

Kevin ließ sich nicht provozieren, er sah Daniel direkt in die Augen.

„Wenn der Direktor diesen Julian wie ihr behauptet, beauftragt hat, dann hat er sich damit gleichzeitig auch verwundbar gemacht. Es besteht das Risiko, dass es bei dem Gespräch zwischen ihnen Zeugen gab, oder Julian es eventuell heimlich mit dem Handy aufgenommen hat. Deshalb wird der Direktor Julian bestochen haben, damit er mitspielt. Vielleicht bessere Testergebnisse in der Abschlussprüfung, vielleicht ein Empfehlungsschreiben, irgendwas jedenfalls, damit er nicht als perspektivloser Slifer die Akademie verlassen muss.“

„Du bist ganz schön zynisch“, sagte Erin.

„Ich bin ehrlich“, konterte Kevin, „Jeder macht seine Geschäfte und versucht sich auf die eine oder andere Weise sich einen Vorteil zu verschaffen, aber nicht jeder ist in der Lage dazu diesen Fakt anderen oder auch einfach nur sich selbst gegenüber zuzugeben.“

Er räusperte sich, denn nun war er an der Reihe Auskunft zu erteilen: „Die Lage zwischen Barry und mir ist offen gesagt angespannt. Manchmal bekomme ich regelrecht das Gefühl, dass er mich IRGENDWIE nicht mag“, erklärte er sarkastisch, „deshalb muss ich ihm einen Teil seiner Beute, die für sein Deck brauchbaren Karten, überlassen. Den Rest verwahre ich vorerst für Kunden vom Festland. Tatsächlich geht es weniger darum, mit den Karten Gewinn zu erwirtschaften, sondern vielmehr darum, Barrys Opfer zu schwächen und Zwietracht zwischen den drei Häusern zu säen. Allerdings hat Herr Schrainmann uns die zweite Aufgabe unfreiwillig abgenommen. Die Slifer werden jetzt die monatelang aufgestaute Wut von gedemütigten Ras und Obelisken zu spüren bekommen.“

Daniel nickte bedächtig: „Wird Barry weitermachen?“

„Gute Frage, darüber müssen wir uns tatsächlich noch beraten.“

Daniel presste zornig die Lippen aneinander.

Am liebsten würde er Kevin im Moment eine verpassen und zwar mit Schmackes.

Diese verdammte Seelenruhe, mit der er über die Untaten von ihm und Barry berichtet, als ob sie damit niemandem Leid zufügen würden, machte ihn rasend.

Er musste unweigerlich an seine weinende und bewusstlos werdende Freundin denken.

Kevin hatte keinen Respekt vor seinen Mitmenschen und keinen Respekt vor dem Band, das einen Duellanten und dessen Deck verbindet.

Erin, die Kevins Art bereits gewohnt war, blieb deutlich ruhiger.

„Eine letzte Frage habe ich noch: „Als wir damals Barry außerhalb des Akademiegeländes konfrontierten, da hat er mir etwas gesagt, von wegen, dass ich „mächtige Freunde“ hätte, die ihn daran hindern würden mich anzugreifen und diese „mächtigen Freunde“ seien weder Lehrer noch Schüler an der Duellakademie. Wen hat er gemeint? Wer beschützt mich? Oder hat er sich das einfach nur ausgedacht? Außerdem hat er noch was anderes geplappert. Von wegen, dass wir auf der gleichen Seite stehen würden, oder so ein Zeug. Was hat es damit auf sich?“

„Pah! So ein Labertasche! Warum hat man mich mit so einem Holzkopf zum Bruder gestraft?!“, schimpfte Kevin.

Erin sah Kevin an, dass dies wahrscheinlich eine teure Frage war.

Sie hatte die Deckbox noch offen und suchte diesmal eine permanente Fallenkarte heraus, der man an der Schrift und dem holographischen Artwork einen hohen Seltenheitswert ansehen konnte.

Kevin sah sich die Karte an, nahm sie aber nicht sofort entgegen, als müsse er ernsthaft überlegen, ob er diesen Deal eingehen wollte.

Kevin nahm die Karte entgegen und suchte sich dann einen anderen Ordner heraus, in den er sie in Ruhe einsortierte.

Als er fertig war, nahm er sein Smartphone aus der Hosentasche, um die Uhrzeit abzulesen.

„Es ist spät geworden. Du bekommst deine Antworten morgen. Wir treffen uns um 18 Uhr am Stadioneingang.“

„Ach, aber deine Bezahlung nimmst du im Voraus?“, fragte Erin sarkastisch.

„Kannst dir ja einen anderen Informationshändler suchen, aber soweit ich weiß, habe ich das Monopol. Nicht, dass dir wer anders bei diesen Fragen überhaupt weiterhelfen könnte.“

Sie stöhnte.

Sie hatte nun schon so lange über Barrys Worte nachgedacht, einen Tag länger zu warten, machte jetzt auch keinen Unterschied mehr.

„Morgen 18 Uhr.“

Sie hielt Kevin ihre Hand hin, um die Abmachung mit einem Handschlag zu besiegeln und Kevin ergriff sie.

„Nimm am besten gleich deine Dueldisk mit und nimm dir außerdem nichts für den restlichen Abend vor. Das könnte ein wenig dauern.“
 

Erin und Daniel hatten nichts Weiteres mehr mit Kevin zu besprechen und Daniel lehnte Kevins ursprüngliches Angebot, mit ihm Karten zu handeln ab.

Als sie Kevins Zimmer verließen, verabschiedete sich Erin von Daniel und ging alleine zurück zur Ra-Unterkunft.

Auf dem Weg überlegte sie über Kevins eigenartige Verschiebung.

Es klang schon fast so, als wolle er sie zu einem Duell herausfordern, aber das konnte unmöglich sein Vorhaben sein.

Sie hatten sich schon einmal duelliert und Kevin war derartig lausig, dass Erin ihn bereits in ihrem zweiten Zug überwältigt hatte und zwar ohne einen einzigen Lebenspunkt zu verlieren.

Und sein Rating verriet, dass er sich auch nicht nur gegen Erin zurückgehalten hatte, er war schon immer ein schlechter Duellant.

In ihrem Zimmer angekommen, erzählten sich Jiang und Erin von ihrem Tag, wobei Erin einige Feinheiten, wie, dass sie und ihre Freunde die wahre Identität des Kartendiebes kannten, verschwieg.

Sie legte sich schon bald schlafen.

Am kommenden Tag, nach dem Unterricht und dem alltäglichen, gemeinsamen Abarbeiten der Hausaufgaben, unterhielten sich Erin, Mayla und Fiona noch ein wenig und trafen dann wie verabredet um Punkt 18 Uhr auf den bereits am Stadioneingang wartenden Kevin.

Er kam ohne Begrüßung gleich zum Punkt: „Du kommst bitte mit mir. Deine Freundinnen lässt du zurück. Es geht um vertrauliche Informationen.“

„Wozu? Wir drei haben keine Geheimnisse voreinander“, sagte Fiona mit überkreuzten Armen.

Abschätzig sah Kevin die Obeliskin an.

„Freut mich für euch. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.“

„Danke, Fiona, aber es ist okay. Mit diesem Kerl zu diskutieren hat keinen Sinn. Ich schreibe nachher einfach in unserer Gruppe was wir besprochen haben.“

Ungeduldig ging Kevin, erwartend, dass Erin ihm folgte, voran.

„Beeil dich. Die Anderen sind bereits angekommen.“

„Die Anderen?“

„Ja, die Anderen“, antwortete Kevin, ohne weitere Ausführungen zu machen.

Fiona zuckte mit den Schultern.

„Beantworte mir zumindest eine Frage: Willst du dich gleich mit mir duellieren?“

„Von Wollen kann nicht die Rede sein, aber ja, wir werden ein Duell führen.“

„Viel Erfolg, Erin. Kevin besiegst du bestimmt auch ohne uns an der Seite“, sagte Mayla und gab ihrer Freundin einen Daumen hoch.

Erin nickte ihr lächelnd zu.

Sie verabschiedete sich von ihren Freundinnen mit zwei schnellen Umarmungen und eilte dann Kevin hinterher, der sich schon einige Schritte von ihr entfernt hatte.

Er führte sie um das Akademiehauptgebäude vorbei, in das Waldgebiet hinein, welches dahinter lag.

Kevin beleuchtete mit der Taschenlampenfunktion seines Handys voran den Trampelpfad und recht schnell entdeckte Erin die Lichter, die von anderen Schülern oder Lehrern stammen mussten.

Waren das die anderen, die Kevin erwähnt hatte?

Sie liefen nun an der Abzäunung zum verbotenen Areal entlang.

Sie staunte nicht schlecht, als sie erkannte, wer wenige Meter weiter auf die beiden wartete.

Maxim, umringt von einer Handvoll kreisförmig in den Boden gegrabenen Taschenlampen, stand lässig an einen Baum gelehnt.

Erin staunte dann umso mehr, als Maxim Kevin mit einem liebevollen Kuss begrüßte.

„Moment...Wie? Hä? Wieso seid ihr beiden...-?“

„Wieso seid ihr beiden solche ekelerregenden Schwuchteln? Keine Ahnung! Buahaha!“

Neben Erin, auf der anderen Seite der Absperrung, stand Barry, der sich in der nächtlichen Finsternis versteckt hatte.

Sie schreckte instinktiv zurück, als sie ihn plötzlich neben sich entdeckte.

„Eifersüchtig?“, fragte Maxim Barry mit einem breiten Grinsen, „sag lieb bitte und du bekommst vielleicht auch ein Küsschen.“

Barry gackerte.

„Wenn unser alter Schließmeister Schlagezu meinen etwas zu warmen Bruder mit dir beim Rumknutschen sehen könnte...Oh Mann, er würde euch beide an Ort und Stelle totprügeln!“

„Da habe ich ja Glück gehabt, ihn nie kennenlernen zu müssen. Möge unser Vater friedlich in der Hölle schmoren“, entgegnete Kevin ruhig.

Erin beobachtete die Szene perplex.

Das letzte Mal, als sie Maxim begegnet war, hatte er Kevin bedroht ihn als Dieb darstellen zu wollen und er hatte vor ihm seine Kartensammlungen zu stehlen.

Es war Erins Duell gegen Maxim, den zuschauenden Slifern und dem plötzlich auftauchenden Herrn Schrainmann zu verdanken gewesen, dass Maxim mit seinem hinterhältigen Plan nicht davon gekommen war.

Anscheinend hatten sich die zwei in der Zwischenzeit mehr als versöhnt und es machte ebenfalls den Anschein, als würden sich auch Maxim und Barry bereits kennen.

Maxim lächelte nun Erin zu.

„Guten Abend Erin, schön dich mal wiederzusehen und herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg. Ich hoffe, du bist mir wegen meines Auftritts damals nicht mehr allzu böse“, sagte er.

„Ehrlich gesagt bin ich es immer noch, doch“, sagte sie kühl, „Was soll das alles hier? Wieso kennt ihr euch alle?“

„Wenn du weiter so viele Fragen stellst, muss ich noch eine Karte von dir verlangen“, antwortete Kevin, während er sich auf die andere Seite des weiten Taschenlampenkreises begab und seine Dueldisk aktivierte.

Es war offensichtlich, dass Maxim, oder Barry, oder beide ein Duell zwischen Erin und Kevin verlangten.

Sie aktivierte nun ebenfalls ihre Disk.

„Siehe dieses Duell einfach als Teil Zwei deiner Prüfung“, sprach Maxim sie an.

„Teil Zwei? Ich habe die Halbjahresprüfung mit meiner Freundin zusammen erfolgreich gemeistert!“

„Niemanden interessieren die beschissenen Prüfungen der Akademie! Er redet natürlich von einem Aufnahmetest in unseren Bund, Blondie!“

„Wenn ich so dämlich wie DU gewesen wäre und die Aufnahmeprüfung vergeigt hätte, dann würde ich die Akademieprüfungen auch schlechtreden“, konterte sie bissig.

Maxim räusperte sich, um Erins Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen.

„Teil Eins war eine Prüfung deiner Moral. Es ging darum, dass du dich mir, als ich einen Unschuldigen bedroht habe, in den Weg stellst. Hättest du mir damals gehorcht, Kevins Karten mit mir zur blauen Unterkunft gebracht und mir einen falschen Zeugenartikel geschrieben, dann würden wir uns jetzt nicht hier wiedersehen.“

„Im Ernst? Du willst mir nicht erzählen, dass die ganze Sache mit euch beiden ein abgekartetes Spiel war?“

Kevin antwortete ihr, während er seine fünf Startkarten zog: „Das war ein ganz schön cleverer Twist, was? Ich hatte Maxim sofort geschrieben, als ich erkannte, wer du wirklich bist und er hatte in der Zwischenzeit einen fingierten Brief unter Herrn Schrainmanns Bürotür geschoben, damit der Direktor Maxim rechtzeitig „aufhalten“ konnte. Du hattest an dem Tag bewiesen, dass du dich nicht blind den Autoritäten an der Akademie unterordnest, sondern das tust, was richtig ist, auch wenn es aussichtslos erscheinen mag.“

Erin schwieg.

Das war eine ganze Menge auf einmal, das galt es erstmal zu verarbeiten.

„Das war alles nur Show? Um zu testen, wie ich reagiere? Warum gerade ich?“

„Nimm bitte deine Starthand“, forderte Kevin ungeduldig, „Wir werden dir alle Antworten geben, die wir dir fürs Erste geben können, wenn du uns nun deine Stärke beweist.“

„Halte dich nicht zurück, Erin. Diesmal ist es keine bloße Show“, ergänzte Maxim.

Erin hatte zwar Kevin bereits einmal mühelos geschlagen, aber es würde sie nach all den neuen Erkenntnissen nicht mehr überraschen, wenn er damals nur als Teil der gemeinsamen Scharade mit Absicht schwach gespielt hatte.

Sie musste sich auf alles gefasst machen.

Erin zog und Kevin begann.

„Da du in unserem letzten Duell angefangen hast, mache ich nun den ersten Zug. Ich beginne mit einem verdeckten Monster.“

Vor Kevin erschien quer eine verdeckte Monsterkarte.

„Außerdem setze ich diese drei Karten verdeckt und beende den Zug.“

Hinter dem unbekannten Monster reihten sich drei weitere verdeckte Karten auf.

Mit einem schwer zu lesenden Lächeln sprach Kevin seine Gegnerin an.

„Ich habe unser erstes Aufeinandertreffen noch gut in Erinnerung, Erin Hiller.

Als du mich zufällig wegen Leroys nächtlichen Raubzügen aufgesucht und nach einer Reklamation gebeten hast, habe ich gleich eine Vermutung gehabt und als du mir dann deinen Namen genannt und dein Deck gezeigt hattest, wusste ich, mit wem ich es zu tun hatte. Man hatte mich beauftragt in meiner Akademiezeit nach dir Ausschau zu halten. Sie wusste, dass du früher oder später auf der Akademieinsel landen würdest.“

„Und wer ist jetzt diese „sie“?“, fragte Erin.

„Na, das ist deine mächtige Freundin, die dich vor dem großen, bösen Barry beschützt!“, gröhlte es von Erins Seite.

„Eine von vielen. Sie hatte mir damals die Donnerklang-Drachenreiterin überlassen, damit ich sie dir geben kann, wenn es so weit ist“, ergänzte Kevin.

Wer war diese mysteriöse Sie, die Erin beschützen wollte? Woher kannte sie Erin und ihr Deck? Warum hatte sie ihr über Kevin die Donnerklang-Drachenreiterin zukommen lassen?

Es war zum Schreien.

Jede Antwort, die Kevin oder Maxim ihr gaben, warf mehrere neue Frage auf.

Aber es half nichts, einfach nur herumzustehen und abzuwarten, oder immer wieder neue Fragen zu stellen.

Man erwartete von ihr, dass sie Kevin besiegte und das hatte sie vor.

Sie zog und wurde sofort von Kevin unterbrochen.

„Ich decke sofort die permanente Fallenkarte auf: Fusionskontrolle! Diese Karte sorgt dafür, dass wenn du eine Fusionsbeschwörung durchführst, zwei Karten aus deiner Hand ablegen musst! Tust du dies nicht, wird die Fusionsbeschwörung annulliert und dein Fusionsmonster zerstört!“

Die mittlere gesetzte Karte deckte sich auf und die beschriebene Falle war zu sehen.

„Trottel!“, kommentierte Barry harsch und Maxim seufzte lediglich.

Erin war bewusst, was Barry meinte.

Kevin hatte seine verdeckte Karte unnötig früh aufgedeckt und damit einen möglichen Vorteil verschenkt.

Besser wäre es gewesen, Fusionskontrolle so lange wie möglich verdeckt zu halten und sie erst dann zu aktivieren, wenn sie eine Fusionsbeschwörung versucht hätte.

In diesem Fall hätte sich Erin nämlich zwischen ihrem Fusionsmonster und zwei Handkarten entscheiden müssen, jetzt kann sie sich allerdings die Fusion für später aufbewahren und die Fallenkarte loswerden.

Ein übler Anfängerfehler, der Erin zeigte, dass Kevin wirklich kein guter Duellant war, aber dass er eine Karte spielte, die speziell Fusionsbeschwörungen behinderte, ließ dennoch Schlimmes erahnen...

„Deine Fusionskontrolle beeindruckt mich nicht! Stattdessen rufe ich die Donnerklang-Späherin! Zeig dich im Angriffsmodus!“

Eine verwegen wirkende Kriegerdame mit zwei Dolchen in den Händen erschien.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

Der besondere Effekt meiner Späherin lässt mich sofort ein „Donnerklang“-Monster von meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen, wenn sie als Normalbeschwörung gerufen wird! Deshalb rufe ich außerdem Donnerklang-Seele auf!

Das knisternde, aus Blitzen bestehende Energiewesen erschien vor Erin.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

„Meine Späherin alleine hat nicht viel zu bieten, aber gemeinsam mit Donnerklang-Seele, wird sie zu ner echten Powerfrau! Deshalb rüste ich Donnerklang-Späherin mit dem Union-Monster Donnerklang-Seele aus!“

Das Energiewesen fuhr in die Dolche der Späherin.

Ihre Waffen leuchteten nun in einem elektrischen Blau.

Donnerklang-Späherin: 1000Atk → 1800Atk.

„Mit der zusätzlichen Angriffskraft attackiert meine Späherin dein verdecktes Monster!“

Die Donnerklang-Späherin sprang auf Kevins verdeckte Karte zu und rammte ihre Dolche in sie hinein.

Kevins Karte wendete sich und eine weiße Taube so groß wie ein Schaf kam zum Vorschein.

Die Taube trug in ihren Vogelfüßen jeweils ein zerbrochenes Gewehr und ein gebrochenes Schwert und hatte eine Krone aus Olivenzweigen auf den Kopf.

Mit kräftigen Flügelschlägen entfachte sie einen Wirbelwind, der Donnerklang-Späherin zurück auf Erins Hand beförderte.

Friedensbringer: Stufe 2, 100Atk, 1000Def.

„Durch den Angriff hast du den Flippeffekt von Friedensbringer aktiviert: Wird Friedensbringer aufgedeckt, müssen noch vor der Schadensrechnung alle Monster vom Typ Krieger zurück auf die Hände ihrer Besitzer! Und solange sie offen auf dem Feld liegt, können Krieger-Monster auch keine anderen Monster im Kampf zerstören oder Kampfschaden erteilen!“

Missmutig betrachtete Erin ihre vier Handkarten, zu denen auch die soeben zurückgestoßene Späherin gehörte.

Sie hatte keine einzige Karte auf dem Feld und keine Möglichkeit ein Monster auf das Feld zu bekommen.

Erst die Fusionskontrolle, dann Kevins Krieger hassendes Friedenstauben-Monster, da war definitiv ein Muster zu erkennen.

„Ich habe mich schon gefragt, warum du mich nicht schon gestern herausgefordert hast. Aber offensichtlich wolltest du dir in der Zwischenzeit ein Deck erstellen, das speziell mein Deck auskontert. Findest du das eigentlich fair?“

„Was ist schon fair? Ist es fair, dass andere Schülerinnen und Schüler mit mehr Talent zum Duellieren geboren wurden als ich? Ich sorge einfach nur für mehr Chancengleichheit“, verteidigte sich Kevin bestimmt.

„Abgesehen davon, habe ICH das Deck erstellt, Kevin hat mich gleich heute nach Unterrichtsschluss abgefangen, damit ich mit seiner umfangreichen Kartensammlung ein möglichst starkes Anti-Donnerklang-Deck baue“, erklärte Maxim amüsiert, „Für dich wäre es doch langweilig, wenn du Kevin mit seinem schwachen Standard-Deck besiegen müsstest.“

Erin grinste herausfordernd: „So langsam verstehe ich, was ihr meintet. Ein Deck, um speziell meine Stärke zu prüfen.“

Sie fand einen gewissen Gefallen an diesem Duell, auch wenn sie gut auf Barry in der Zuschauerschaft verzichten konnte.

„Ich beende meinen Zug. Du bist dran!“

Erin war direkten Angriffen zwar schutzlos ausgeliefert, aber Kevin hatte nur eine einzige Handkarte und sein Friedensbringer nur lachhafte 100 Angriffspunkte, viel Schaden würde sie wohl nicht einstecken müssen.

„Ich mache jetzt weiter!“, kündigte Kevin an und zog.

„Ich verbessere meine Position indem ich die Falle Gebundener Engel aufdecke.“

Vor Kevin tat sich die Fallenkarte auf.

Eine Marmorskulptur in Form einer schönen Frau mit Engelsflügeln erschien vor Kevin.

Die Skulptur wackelte und bröselte und aus einzelnen Rissen schien ein grelles Licht.

Gebundener Engel: Stufe 4, 1500Atk, 2000Def.

„Eine Fallenkarte, die gleichzeitig ein Monster ist?“, fragte Erin etwas verwirrt.

„So ist es. Gebundener Engel wird gleichzeitig als Fallen- und als Monsterkarte behandelt. Als Monster hat sie übrigens den netten Effekt, dass ich einmal pro Zug 300 Lebenspunkte für jede meiner offenen Karten erhalten darf.“

Ein wohliges Gefühl ließ Kevin entspannt aufatmen, während Gebundener Engel seine Lebenspunkte erhöhte.

Kevins Lebenspunkte: 4000 → 4900.

„Der Gebundene Engel hat damit seine Schuldigkeit getan, ich biete ihn als Tribut an für mein 6-Sterne-Monster. Hier kommt der Verräter an der Heiligkeit!“

Die Engelsstatue verschwand und wurde durch einen größeren, männlichen Engel mit kreidebleicher Haut, blutroten Flügeln und einem schwarzen Heiligenschein ersetzt, der Erin bedrohlich sein dünnes, langes Schwert entgegenhielt.

Verräter an der Heiligkeit: Stufe 6, 2000Atk, 1700Def.

„Hehehe, könnte dein lahmes Monster eigentlich noch mehr auf Möchtegern-Böse machen? Ich finde ja, ihm fehlt noch eine brennende Sense, oder ein paar Teufelshörner. Vielleicht findet dein Verräter beim nächsten Besuch im Kostümladen noch etwas Passendes“, höhnte Erin.

Kevin wurde beschämt rot.

„Ist mir egal, ob du den Verräter an der Heiligkeit albern findest, Maxim hatte sicher einen guten Grund ihn in mein Deck zu integrieren.“

„Stimmt genau“, ergänzte Maxim von der Seite, „Verräter an der Heiligkeit kann nur als Tributbeschwörung gerufen werden, wenn das angebotene Monster zum Licht-Attribut gehört und hat als Ausgleich für seine vergleichsweise geringe Angriffskraft und die erschwerte Beschwörungsbedingung ein paar starke Effekte.“

Kevin zeigte kommandierend auf Erin

„Den ersten Effekt kriegst du sofort zu spüren, wenn mein Verräter dich direkt angreift: Sündiges Schattenschwert!“

Das finstere Engelsmonster katapultierte sich mit einem Flügelstoß auf Erin zu und halbierte mit einem superschnellen, horizontalen Schwerthieb ihre Lebenspunkte.

Sie keuchte leidvoll.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 2000.

„Der Effekt von Verräter der Heiligkeit aktiviert sich nun. Fügt er einem Spieler Kampfschaden zu, kann ich ein Licht-Monster von der Hand dieses Spielers aus dem Spiel entfernen. Deine Donnerklang-Späherin kannst du also restlos abschreiben!“

Erin legte wie aufgetragen das genannte Licht-Monster außerhalb des Ablagestapels ab.

„Sag mal, hättest du nicht vorher meine Hand nach anderen Monstern vom Attribut Licht durchsuchen können, die du stattdessen verbannst?“, fragte Erin.

Kevin rollte mit den Augen.

„Hmpf, kann sein, ich kenne mich mit diesem Deck eben selbst noch nicht aus. Aber hey, es macht keinen Unterschied, ein von Maxim zusammengestelltes Deck ist für dich sowieso nicht besiegbar“, sagte Kevin, während er sichtlich sein gekränktes Ego überspielte.

„Ey, Karla Kolumna!“, rief Barry durch das Gitter Maxim zu, „warum nochmal sollte dieser Schwächling Erin auf die Probe stellen? Das hätte meine fucking Aufgabe sein sollen! Ich bin viel stärker als die Bohnenstange!“

„Weil du ein widerlicher Dreckskerl bist, der Erin unnötig gequält hätte, sodass sie nie wieder etwas mit uns zu tun haben wollen würde! Reicht dir das als Begründung?“

„Nein!“

„Gut, dann, weil du stinkst! Nimm mal ein Bad!“

„Können vor Lachen! In der Bruchbude, die mir die Bohnenstange zugewiesen hat, gibst noch nicht einmal fließend Wasser!“, schimpfte Barry.

Erin kicherte und Kevin wurde langsam sauer.

„Hörst du wohl auf mich auszulachen! Ich bin immerhin dein Prüfer! Wenn du mir nicht deine Stärke beweist, kannst du deine Antworten vergessen, so wie du deine halbe Jugend vergessen hast!“

Erin hielt schlagartig inne.

„Was hast du gesagt?“, fragte sie ernst und gleichzeitig erzürnt.

„Ich sagte, du hast deine halbe Jugend vergessen. Sag mir nicht, dass das nicht der Fall sei, ich weiß, dass dein Gedächtnis nicht richtig funktioniert.“

Erin ballte die freie Hand zur Faust und begann zu schnauben.

Sie konnte sich zumindest grob daran erinnern, dass Barry nach dem Duell gegen Mayla eine Andeutung gemacht hatte.

Irgendetwas von wegen, dass ein paar Schläge ihrem Kopf wieder auf die Sprünge helfen könnten.

Sie blickte verächtlich zur Seite, in das sie finster angrinsende Gesicht hinter der Absperrung.

Barry wusste es und Kevin wusste es auch.

Sie wandte sich wieder Kevin zu:„Wer hat dir davon erzählt?!“

„Wie hatte deine rothaarige Obeliskenfreundin es nochmal gesagt? Ihr habt keine Geheimnisse voreinander? Anscheinend hättet ihr das mal vorher untereinander klären sollen, bevor sie mir dein kleines Geheimnis anvertraut hat“, spottete Kevin.

„Verarsch mich nicht! Fiona würde mich niemals so hintergehen! Sie weiß, dass ich mich wegen der Amnesie schlecht und unvollständig fühle!“, brüllte Erin ihn an.

„Hm, wenn du meinst...Aber ich denke, du stehst mit meinem Monster nicht das erste Mal einem VERRÄTER gegenüber.“

„Kev, lass es gut sein, ja? Du tust ihr weh und das ist nicht der Sinn dieses Duells“, ermahnte Maxim.

Kevin schluckte und schwieg für einen Augenblick, dann sah er Erin in die Augen.

„Es tut mir Leid, Erin. Maxim hat Recht. Ich sollte mich nicht über dich lustig machen, weil du auf eine falsche Freundin reingefallen bist. Sowas passiert öfter, als man es wahrhaben möchte... Besonders auf dieser verfluchten Insel.“

Kevins Entschuldigung stieß auf taube Ohren, Erin hörte ihm gar nicht zu.

Durch ihren Kopf schossen zahllose Gedanken rund um die jungen, gemeinsamen Erinnerungen mit Fiona.

Klar, Fiona und Mayla hatten Kevin schon zu Jahresbeginn als Karten- und Informationshändler kennengelernt und die beiden waren die einzigen, denen Erin von ihrem zerstörten Gedächtnis etwas erzählt hatte, aber dennoch...

Fiona war immer so ehrgeizig und verbissen, aber konnte gleichzeitig sehr mitfühlend und sogar rücksichtsvoll sein.

Sie hatte Erin in den Arm genommen, als sie ihr weinend von dem Brand erzählt hatte, sie hatten sich füreinander eingesetzt und unfassbar viel Zeit miteinander verbracht, insbesondere kurz vor der Halbjahresprüfung.

Hatte sie der Stress dazu gebracht, gegenüber Kevin, der in irgendeiner Weise Interesse an Erin hatte, eines ihrer intimsten Geheimnisse für ein paar starke Karten zu verraten?

Irgendwoher musste Kevin es wissen und dass Mayla geplaudert hatte, war komplett ausgeschlossen.

Fiona hatte damals Erin gegenüber gestanden, dass sie sich ihr und Mayla gegenüber minderwertig fühlte...Könnte sie das dazu gebracht haben?

Daran wollte Erin gar nicht denken.

Nicht nachdem sie tagelang wie verrückt gelernt und gemeinsam die Ra-Zwillinge besiegt hatten.

Nicht, nachdem sie zuletzt auf dem Weihnachtsmarktbesuch Angst davor hatte Erin zu fragen, ob sie ihre Feuer-Monster an den Brand erinnerten.

„Buhahaha! Da hast du wohl einen Nerv getroffen, Bruderherz!“, rief Barry, der Erins verzweifelten, innerlichen Tumult sehr genoss.

„Können wir fortsetzen? Oder brauchst du eine Pause?“, fragte Kevin Erin so behutsam, wie er konnte.

„Öh, Ähm...Lass uns weitermachen“, antwortete Erin, noch immer halb in Gedanken versunken.

„Gut. Mein Verräter an der Heiligkeit hat dir bereits eine Handkarte abgenommen, aber ich sollte zur Vollständigkeit seinen zweiten Effekt erwähnen. Er kann jedes Licht-Attribut-Monster, gegen das er kämpft sofort zerstören. Und mit der Fusionskontrolle und dem Friedensbringer auf meiner Seite, bin ich bereit für deinen Zug. Du bist dran.“

Erin zog und überlegte.

Die aktuelle Lage war miserabel, Kevins Anti-Donnerklang-Deck nahm ihr einen Großteil ihrer Optionen.

Friedensbringer verhinderte, dass Krieger-Monster andere Monster im Kampf zerstören können, leider waren bis auf Donnerklang-Seele und -Inkarnation alle ihre Monster vom Typ Krieger.

Das heißt, es galt Friedensbringer und am besten auch Verräter an der Heiligkeit mit den Effekten ihrer Fusionsmonster zu zerstören und dafür musste Fusionskontrolle als Erstes weg.

„Als Normalbeschwörung rufe ich die Donnerklang-Kampfmagierin im Angriffsmodus!

Die Kriegerfrau mit dem Runensäbel, den Magiergewändern und dem Zipfelhut erschien in einer angriffslustigen Pose.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

Aus meiner Hand aktiviere ich danach die permanente Zauberkarte Gewitterallianz! Diese praktische Karte versorgt ein unausgerüstetes „Donnerklang“-Monster vom Typ Krieger mit einem passenden Donner-Monster aus meinem Deck, wenn ich dafür eine Handkarte ablege.“

Erin legte eine ihrer drei restlichen Handkarten ab und setzte fort:

„Nun rüste ich Donnerklang-Kampfmagierin mit der Donnerklang-Inkarnation aus meinem Deck aus, das gibt ihr einen elektrisierenden Kraftschub!“

Der verzierte Säbel begann aufzuleuchten und kleine, blaue Blitzchen zu werfen.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 2100Atk.

„Jetzt ist meine Kampfmagierin bereit, deinen Friedensbringer anzugreifen! Attacke mit Schockschwerthieb!“

Erins Kampfmagierin sprintete auf Friedensbringer zu und erzeugte im Lauf einen transparenten Doppelgänger, der auf Fusionskontrolle zu hechtete.

„Sinnlos! Kein Krieger-Monster kann meinen Monstern auch nur die Feder krümmen!“, rief Kevin aus, während seine Taube den Schwerthieb mühelos abwehrte.

„Das mag sein, aber der besondere Effekt von Kampfmagierin lässt sie eine beliebige Zauber- oder Fallenkarte zerstören, wenn sie mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist und angreift! Fusionskontrolle ist jetzt Geschichte!

Der Doppelgänger schnitt, bevor er verschwand, Kevins Falle in zwei zerplatzende Teile.

„Ich setze meine letzten beiden Karten verdeckt und beende den Zug.“

Vor Erin erschienen die verdeckten Karten.

Kevin war wieder am Zug und er zog.

„Ich weiß, dass deine Donnerklang-Monster nicht zerstört werden können, solange sie mit Union-Monstern ausgerüstet sind. Deshalb aktiviere ich vor der Battle Phase die Zauberkarte Bündnissprengung! Mit Bündnissprengung zerstöre ich alle feindlichen, ausrüstenden Union-Monster und füge dabei Schaden in Höhe ihrer Angriffskraft zu!“

Kevins Zauber verursachte eine massive Explosion, die sowohl Erin als auch ihre Donnerklang-Kampfmagierin um 700 Punkte schwächte.

Donnerklang-Kampfmagierin: 2100Atk → 1400Atk.

Erins Lebenspunkte: 2000 → 1300.

„Mein Monster ist zwar schwächer, aber wenn Donnerklang-Inkarnation zerstört wird, darf ich meiner Hand eine Fusion aus dem Friedhof oder dem Deck zufügen!“

Erin fügte ihrer Hand die besagte Zauberkarte zu.

„Meinetwegen“, kommentierte Kevin, „aber du kannst keine Fusion durchführen, wenn ich dein Fusionsmaterial im Voraus vernichte. Verräter an der Heiligkeit, attackiere die Donnerklang-Kampfmagierin mit dem Sündigen Schattenschwert!“

Mit diesen Worten eilte das dunkle Feenmonster auf Erins Kampfmagierin zu und spaltete es mit einem Hieb, der zu schnell für die Augen war.

Erin ächzte unter dem Rückstoß und fiel auf die Knie.

Erins Lebenspunkte: 1300 → 700.

„Buhahaha! Blondie, du enttäuschst mich ja richtig! Wirst du jetzt nicht mal mehr mit meinem schwächlichen Bruder fertig?!“

„Ich bin immer dann am Besten,...Puh, wenn ich mit dem Rücken... zur Wand stehe“, stöhnte sie, während sie sich unter großem Aufwand wieder aufrichtete und zu Beginn ihres Zuges eine Karte zog.

Sie lächelte.

Ihr könnte zumindest ein kleiner Gegenschlag gelingen, allerdings durfte dafür Kevins letzte verdeckte Karte dafür nicht dazwischenfunken.

„Es geht los mit der Donnerklang-Taktikerin! Zeig dich im Verteidigungsmodus!“

Die Frau mit der Armbrust auf dem Rücken, den langen blonden Haaren rückte bei ihrer Beschwörung ihre Brille zurecht.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

„Du kennst wahrscheinlich ihren besonderen Effekt: Ist sie mein einziges Monster, darf ich einmal pro Zug ein weiteres Donnerklang-Monster aus meinem Deck meiner Hand zufügen! Meine Wahl fällt auf die Donnerklang-Seele!“, erklärte sie und zeigte das gesuchte Monster sofort vor.

„Da du im letzten Zug die Donnerklang-Inkarnation zerstört hast, habe ich nun alles, was ich brauche, um eine Fusionsbeschwörung durchzuführen: Ich spiele Fusion und verschmelze so die Donnerklang-Taktikerin auf meinem Feld mit der Donnerklang-Seele auf meiner Hand!“

Schwarze Wolken zogen auf, sie verdunkelten das nur durch die Taschenlampen und Hologramme erhellte Spielfeld.

Die Wolken grummelten und einige Blitze schlugen auf das Spielfeld ein.

Der letzte Blitz hinterließ Erins Fusionsmonster, die gepanzerte Donnerklang-Ritterin, die auf ihrem weißen Ross die goldene Lanze präsentierte.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

Maxim pfiff anerkennend.

An dieses Monster konnte er sich noch erinnern, es hatte seinen Teufel im Detail besiegt, als es 4000 Angriffspunkte hatte.

„Der Effekt von Donnerklang-Seele aktiviert sich aus dem Friedhof: Wird die Seele als Fusionsmaterial für die Beschwörung eines Donnerklang-Monsters genutzt, dann darf es das neue Fusionsmonster sofort ausrüsten!“

Die Lanze der Ritterin leuchtete bläulich auf und knisterte bedrohlich.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

„Die Angriffspunkte deines Monsters sind nutzlos, dank Friedensbringer genießen meine Monster Immunität vor deinen Krieger-Monstern, du kannst sie nicht im Kampf zerstören“, stellte Kevin fest.

Doch Erin erwiderte seine Feststellung mit einem herausfordernden Grinsen.

„Bist du dir da sicher? Probieren wir das doch einfach mal aus! Donnerklang-Ritterin, zerstöre den Verräter an der Heiligkeit! 10.000-Volt-Stoß!“

Erins Ritterin galoppierte auf das düstere Feenmonster von Kevin zu und attackierte es mit der geladenen Lanze, doch Kevins Monster hielt mit seinem Schwert dagegen.

„Meinen Verräter anzugreifen, war eine Fehlentscheidung, für die die Ritterin bitter bezahlen muss. Denn er zerstört jedes Licht-Monster noch vor der Schadensrechnung!“

„Grauenhaft! Das ist das schlechteste Duell, dass ich mir jemals ansehen musste!“, brüllte Barry.

„Dann schaue doch nicht hin. Kev gibt sein Bestes, also sei leise“, antwortete Maxim entnervt.

Irgendwo hatte Barry allerdings recht, Kevin hatte Erins Donnerklang-Ritterin bereits in Aktion gesehen und sollte dessen Effekt besser kennen.

„Meine Ritterin hat den genau gleichen Effekt, sie zerstört auch Monster, gegen die sie kämpft vor der Schadensrechnung! Allerdings ist mein Monster sicher, denn an ihrer Stelle wird nur die Donnerklang-Seele zerstört!“

Donnerklang-Ritterin setzte sich durch und durchstieß den Verräter an der Heiligkeit, woraufhin dieser explodierte.

Donnerklang-Ritterin: 3300Atk → 2500Atk.

„Wegen meiner Fusionsbeschwörung sind mir meine Handkarten ausgegangen. Deshalb aktiviere ich meine verdeckte Karte, Dringendes Ziehen!“

Vor Erin deckte sich eine ihrer zwei verdeckten Karten auf.

Dieser Zauber lässt mich zwei Karten ziehen, wenn ich keine anderen Karten mehr auf der Hand und weniger als 1000 Lebenspunkte habe!“, erklärte Erin und nahm sich sofort zwei Karten von ihrem Deck.

„Deine Taube zerrupfe ich im nächsten Zug, denn mit Gewitterallianz kann ich meine unausgerüstete Ritterin erneut verstärken! Ganz egal, wie stark deine Karten gegenüber meinem Deck sind, ohne die richtige Handhabung können sie mir nichts anhaben! Ich setzte eine meiner eben gezogenen Karten verdeckt, dann bist du dran!“

Kevin ließ sich das nicht zweimal sagen, er zog sofort seine nächste Karte.

„Meine Karten können dir also nichts anhaben, Hm`?“, fragte Kevin mit einem verheißungsvollen Ton, „Dann sehen wir mal, ob ich dich nicht mit DEINEN Karten besiegen kann: Ich aktiviere zunächst aus meiner Hand die Zauberkarte Ehre des Patrioten: Indem ich ein Monster opfere, darf ich einen Spielfeldzauber aus meinem Deck aktivieren und gleichzeitig eine weitere Karte ziehen.“

Friedensbringer piepste und schlug aufgeregt mit den Flügeln, bevor Kevin ihn für seine Ehre des Patrioten opferte.

„Aus meinem Deck aktiviere ich den Spielfeldzauber Gewittersturmfestung Amperia!“

Der Spielfeldzauber aktivierte sich und der dunkle Waldboden wandelte sich zu erdfarbenen Backsteinen.

Gleichzeitig bildeten sich seitlich von Kevin und Erin Hologramme von mittelalterlichen Brustwehren mit Zinnen und hinter Erin und Kevin ragten nun beeindruckende, steinerne Wehrtürme in die Höhe.

Böen zwangen die nun schlagartig hinabstürzenden Regenströme ständig in neue Richtungen und ein permanentes Donnergrollen war zu hören.

„Ganz schön beeindruckend“, gab Erin zu, während sie ihre offene Hand ausstreckte um festzustellen, dass der starke Niederschlag ebenfalls nur ein Hologramm war.

Maxim beobachtete das Schauspiel kritisch.

Er konnte sich nicht daran erinnern, diese Karte in das Anti-Donnerklang-Deck integriert zu haben.

„Gewittersturmfestung Amperia erlaubt es mir, sofort ein „Donnerklang“-Monster aus dem Friedhof meiner Hand zuzufügen sobald ich sie ausspiele. Allerdings habe ich keine solchen Monster im Friedhof, daher ignorieren wir diesen Effekt vorerst. Außerdem verstärkt Amperia alle „Donnerklang“-Monster auf dem Feld um 700 Angriffspunkte und hindert den Gegner daran Karteneffekte zu aktivieren, wenn „Donnerklang“-Monster angreifen.“

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3200Atk.

Erin war sichtlich verwirrt.

„Äh....Danke, dass du eine Karte spielst, die meine Ritterin stärker macht? Ist dir plötzlich eingefallen, dass du doch verlieren willst?“, fragte Erin provokativ nach.

Kevin zog aufgrund des Effekts von Ehre des Patrioten eine Karte und wirkte selbstsicher.

Ich hatte angekündigt, dich mit deinen eigenen Karten zu schlagen, Erin, und das habe ich auch vor. Ich aktiviere die Falle Unheilige Reanimation!“

Vor Kevin klappte sich seine bisher verdeckte Fallenkarte auf.

Jetzt darf ich ein beliebiges Monster aus meinem oder deinem Friedhof aufrufen. Dabei wähle ich deine Donnerklang-Seele aus und verändere ihren Typen gleichzeitig zum Typ Zombie.

Vor Kevin erschien Erins Donnerklang-Seele im Verteidigungsmodus, allerdings bestand sie nun statt aus Elektrizität aus grünlichem und fauligem Fleisch.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

Die Angriifspunkte der Zombie-Donnerklang-Seele wurden durch Gewittersturmfestung Amperia erhöht.

Donnerklang-Seele: 800Atk → 1500Atk.

„Mit deiner Seele auf meiner Seite darf ich nun eine ganz besondere Fusionskarte aktivieren, die Feindesfusion!“

Kevin zeigte seinen Zauber vor und Erin wurde unruhig.

Der Name dieser Karte ließ nichts Gutes erahnen...

„Mit Feindesfusion darf ein beliebiges Fusionsmonster aus deinem Fusionsdeck aufrufen, indem ich Monster auf beiden Seiten des Spielfelds oder aus meiner Hand als Fusionsmaterial nutze. Daher fusioniere ich die Donnerklang-Ritterin mit der Donnerklang Seele zur Donnerklang-Drachenreiterin!“

Energisch presste Kevin seine Fusionskarte auf die Disk, um sie auszuspielen.

Ohne die Ritterin, die deine Lebenspunkte beschützen könnte und ohne die Möglichkeit deine verdeckten Karten nutzen zu können, hast du deinem stärksten Monster nichts mehr entgegenzusetzen. Es ist vorbei!“

Nichts passierte.

Maxim vergrub beschämt seine Stirn hinter der Hand und schaute zu Boden.

„Ach, Kevin...“

Barry hingegen bekam vor Lachen kaum noch Luft.

„Ähh...Irgendwas funktioniert mit unseren Dueldisks doch nicht. Warum kann ich meine Feindesfusion nicht spielen? Deine Ritterin und meine Seele sollten sich zu meiner Donnerklang-Drachenreiterin vereinen!“

Erin musste sich angesichts des Fauxpas selbst das Lachen unter schwersten Anstrengungen verkneifen.

„Kevin, was sind denn nochmal die nötigen Fusionsmaterialien für die Donnerklang-Drachenreiterin?“

„Ich verbitte mir deinen altklugen Ton! Ich kenne selbstverständlich die nötigen Fusionsmaterialien! Das wären zum einen die Donnerklang-Ritterin und dann ein weiteres Donnerklang-Monster vom Typ Do-..Ohh....Ohje...“

Er sah mit hochrotem Kopf auf die Donnerklang-Seele vor ihm hinab, die aufgrund von Unheiliger Reanimation zum Zombie geworden war.

„Kann ich?“, fragte Erin und schmunzelte dabei.

„Ja...“

Erin zog.

Kevin hatte aufgrund eines Denkfehlers umsonst seinen Friedensbringer geopfert, das war DIE Chance, um ihn in einem Spielzug umzuhauen.

„Als Normalbeschwörung rufe ich die Donnerklang-Kriegerin im Angriffsmodus!“

Die blonde Kriegerin in Eisenrüstung schwang zur Begrüßung ihrer Schwert.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

„Dank des Effekts deines Spielfeldzaubers erhöhen sich ihre Angriffspunkte um 700!“

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2200Atk.

„Als Nächstes nutze ich Gewitterallianz und rüste im Austausch gegen meine letzte Handkarte die Donnerklang-Kriegerin mit der dritten Donnerklang-Seele aus meinem Deck aus!“, erklärte Erin, während die Kriegerin triumphierend ihr nun blau leuchtendes, aufgeladenes Schwert hoch hielt.

Donnerklang-Kriegerin: 2200Atk → 3000Atk.

„Ich bin bereit für die Battle Phase: Die Donnerklang-Ritterin spießt mit Leichtigkeit die Donnerklang-Seele auf! Angriff mit 10.000-Volt-Stoß!“

Wie befohlen ritt Erins Monster auf die Zombie-Seele zu und zerstörte sie mühelos.

Es befanden sich nun keine weiteren Monster auf Kevins Spielfeldseite.

„Du hattest mir ja zu Beginn des Duells erzählt, dass du dich noch gut an unser erstes Treffen erinnern konntest. Ich denke, dann kennst du noch den Effekt meiner Kriegerin?“

„Nur zu gut“, antwortete Kevin trocken und bitter,“ist sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet, darf sie pro Battle Phase zweimal angreifen.“

„Ganz genau! Donnerklang-Kriegerin! Beende das Duell mit der doppelten statischen Spaltung!“

Durch den stürmenden Regen lief die Donnerklang-Kriegerin auf Kevin zu und versetzte ihm einen flinken Schwerthieb.

Kevin schrie vor Schmerz auf und fiel durch die Wucht der Attacke beinahe um.

Kevins Lebenspunkte: 4900 → 1900.

Bevor Kevin wieder ins Gleichgewicht kommen konnte, schlug Donnerklang-Kriegerin erneut zu.

Der zweite Hieb riss Kevin von den Füßen und Maxim konnte gerade noch rechtzeitig seinen Freund davor bewahren, auf den kalten und matschigen Waldboden zu fallen.

Kevins Lebenspunkte: 1900 → 0.

Die Wehrtürme, die Zinnen und das schlechte Wetter verschwand zusammen mit Erins Monstern.

„Ärgere dich nicht. Ich finde, du hast dich gut geschlagen“, sagte Maxim, Kevin noch immer liebevoll in den Armen haltend.

„Ach, das Duell selbst zu übernehmen war von Anfang an eine Schnapsidee. Gut, dass es jetzt vorbei ist.“

Maxim half Kevin auf die Beine.

„So, hab ich jetzt alle Prüfungen bestanden? Ich warte noch immer auf Antworten!“, erinnerte Erin ungeduldig.

Demonstrativ klopfte sich Kevin den Schmutz von der Jacke.

„Gut, ein Deal ist ein Deal, was ist die erste Frage?“

Da musste Erin nicht lange überlegen.

„Was hat dir Fiona genau über meine Erinnerungen erzählt?“

„Nicht viel, es gibt auch nicht viel zu erzählen. Du hast in einem Brand vor ziemlich genau sieben Jahren deinen Vater, das einzige Familienmitglied neben deiner Großmutter verloren und seitdem kannst du dich an kaum etwas aus deiner frühen Kindheit erinnern. Normalerweise würde ich für solche mangelhaften Informationen keine Karten anbieten, aber du bist für uns von besonderem Interesse.“

Pure Erschütterung machte sich in Erins ganzen Körper breit.

Warum würde Fiona Kevin das bloß erzählen?

Ihr musste doch klar gewesen sein, dass das ein Geheimnis war!

Aber Erin fiel nichts mehr ein, sie hatte niemandem außer ihren Freundinnen ihre Geschichte erzählt.

„Du machst doch nur einen schlechten Scherz mit mir, oder?!“, schrie Erin.

Ihre Stimme klang uneben und den Tränen nahe.

„Es tut mir Leid“, sagte Kevin ruhig.

„Du hast sie doch irgendwie erpresst! Oder bedroht! Oder....was weiß ich!“

Er schüttelte den Kopf.

„Es war wenige Tage vor deinem zweiten Aufeinandertreffen mit meinem verblödeten Halbbruder. Sie kam eines Abend zu mir, um sich bessere Karten zu besorgen. Ich machte ihr schnell klar, dass sie mit ihrer schlechten Ware auch nur schlechte Ware ertauschen könnte und dass sie mir mehr bieten musste. Das war alles, was es brauchte, um sie zum Reden zu bringen. Sie hat dich aus freien Stücken heraus verkauft.“

Erin wusste nicht, was sie sagen sollte.

Das konnte doch nicht wahr sein...

Oder...?

„Hast du weitere Fragen?“

Erin versuchte so schnell wie möglich ihre Gedanken sortieren.

Die Sache mit Fiona musste sie wann anders klären, erstmal galt es so viel wie möglich aus Kevin, Maxim und Barry herauszuquetschen.

„Was... soll das alles? Warum kennt ihr euch? Was ist euer Ziel?“

Kevin atmete tief ein.

„Wir sind vereinfacht ausgedrückt Widerstandskämpfer. Wir nennen uns die Konstanzer Kinder und wir drei sind bei Weitem nicht die einzigen Mitglieder. Zu uns gehören sowohl Mitschüler als auch Akademieabsolventen. Unser Ziel ist es Herrn Schrainmann für seine Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen und den Schwächsten der Duellakademie zur Seite zu stehen.“

„Und das tut ihr, indem ihr Mitschüler ausraubt und den Slifern dafür in gefälschten Zeitungsartikeln die Schuld gebt?! Kompliment, toller Widerstand, Jungs!“

Maxim schaltete sich nun ein.

„Du weißt, dass ich keine andere Wahl hatte, Erin. Die Obelisken, die Kronprinzen und -prinzessinnen tun gerne so, als ob sie über allen anderen stehen, als ob es ihre Pflicht wäre die Ordnung zu wahren. Aber wenn der Direktor vor dir steht und dir befiehlt etwas abzudrucken, dann bist du ihm als Kronprinz genauso ausgeliefert, wie der Sliferjunge, der den Sündenbock spielen musste.“

Erin schnaubte verächtlich.

Egal, wie sehr Maxim jetzt einen auf lieb und nett machte, diese Ich-bin-auch-nur-ein-Opfer-Masche kaufte sie ihm nicht ab.

Erin kam zur nächsten Frage: „Wozu sammelt ihr überhaupt Karten? Wollt ihr den Direktor von seinem Posten duellieren, oder wie?“

„Um den Direktor wird sich unser Anführer persönlich kümmern. Sie sind alte Bekannte. Unsere Aufgabe wird es sein, ihm Rückendeckung zu geben, wenn andere Schüler ihn daran hindern werden.“

Erin konnte nur noch mit dem Kopf schütteln.

„Und ihr wollt mich dabei haben, wenn euer komischer Rebellenklub, die Konstanzer Kinder, die Akademie meutert?“

„SIE will dich dabei haben. Diejenige, die dir die Donnerklang-Drachenreiterin geschenkt hat.“

„Warum? Wer ist SIE? Kenne ich SIE?“

Kevin sah sie traurig an.

„Eigentlich hättest du sie kennen sollen, ja. Aber dann kam wohl das Feuer. Jetzt würdest du sie nicht mehr wiedererkennen. Aber sie will dir begegnen, sobald sie sich wieder erholt hat.

„Erholt, hä? Hat sie sich beim Widerstandskämpfer-Spielen den Zeh gestoßen?“, fragte Erin sarkastisch.

„Buhahaha! Sie hätte sich bei dem Versuch die geheime vierte Götterkarte zu kontrollieren beinahe selbst vom Zensus gestrichen! Schön doof, sowas nennt man natürliche Selektion der Dummen! Buahaha!“, gröhlte Barry von der anderen Seite des Zaunes.

„Halt die Klappe, du Idiot!“, zischte Maxim.

Erin hatte nun genug.

„Eine geheime vierte Götterkarte? Wirklich...? Weißt du was, Kevin? Schiebt euch eure Märchen sonst wohin. Gib mir einfach morgen meine Karte von gestern zurück und ich versuche diesen blödsinnigen Abend so schnell wie möglich zu vergessen."

„Der Direktor ist gefährlich, Erin! Es ist egal, ob du uns glaubst, oder nicht, aber...es sind schon einige Absolventen der Akademie spurlos verschwunden und der Boss meint...Hey!“

Erin ist ohne sich zu verabschieden losgegangen, sie wollte einfach nur zurück zu ihrem Zimmer und ihre Ruhe haben.

Maxim stand nun auf und rief ihr eine letzte Frage hinterher: „Denkst du, dass das richtig ist ?! Wie Obelisken mit Slifern umgehen?! Wie die Lehrerschaft nichts dagegen unternimmt, wenn Obelisken Slifern auflauern, sie herumschubsen, sie erniedrigen?!“

Erin blieb schlagartig stehen und drehte sich um.

Natürlich störte es sie.

Diese giftige Atmosphäre gegenüber Slifern war es, die nicht nur Leroy und Lucia-Ann zu ihren Vergehen gebracht hatte, sondern sie war es auch die die Freundschaft zwischen ihr, Mayla und Fiona bedrohte.

Sofern man in Fionas Fall noch von Freundschaft reden konnte...

„Was immer du für die Wahrheit, hältst, die eigentliche Wahrheit dahinter ist noch viel schlimmer! Also überlege es dir, ob du wirklich der Akademieleitung vertrauen kannst!“

Sie ging einige Schritte zu den drei Jungen zurück.

„Es ist egal, was ihr mir sagt. Ich werde mich nicht zu einer Komplizin von euren Diebstählen, illegalen Duellen und Falschmeldungen machen lassen!“

Kevin ging auf Erin zu.

„Dann nimm zumindest die hier.“

Er hielt ihr Gewittersturmfestung Amperia, die Spielfeldzauberkarte aus ihrem Duell, entgegen.

„Lass mich raten, ein weiteres Geschenk von meiner mit Götterkarten hantierenden Fantasiefreundin?“

„Wir sind für dich da, Erin. Nur wir kennen die Wahrheit. Melde dich, sobald du bereit für sie bist“, sagte Maxim.

Wortlos nahm Erin die Karte entgegen, verstaute sie in ihrer Deckbox und kehrte zur Ra-Unterkunft zurück.

Als Erin gegangen war, wurde Maxim neugierig: „Diese Fiona, Erins Freundin, hat sie dir wirklich von Erins Amnesie erzählt?“

Kevin schüttelte den Kopf.

„Tessa und Hecker. Sie wissen mehr über das Mädchen als sie über sich selbst weiß. Dennoch, wenn wir sie für unsere Sache gewinnen wollen, dürfen wir nicht zulassen, dass sie sich vorher mit Obeliskinnen anfreundet.“

„Hehe, ganz schön grausam von dir, das gefällt mir durchaus“, stellte Barry genüsslich fest.

„Halt die Fresse, du Holzkopf! Du hast doch schon gemerkt, dass sie uns kaum was geglaubt hat! Und dann kommst du plötzlich und erzählst ihr von Agrios Oreios! Natürlich haut sie dann ab! Mach so weiter und du kannst die Götterkarte vergessen!“, fuhr ihn Kevin an.

Barry machte ein paar beschwichtigende Handbewegungen.

„Alles cool! Ihr zwei seid die Chefs! Allerdings nur, solange ich auch bekomme, was mir zusteht, klar? Wie geht’s jetzt eigentlich weiter? Darf ich noch mehr Chaos anrichten?“

„Keine Duelle oder Diebstähle fürs Erste. Wir wollen nicht unnötig Schrainmanns Aufmerksamkeit erregen“, befahl Maxim bestimmt, „Wir hatten dir doch ausgemusterte Schulbücher mitgebracht. Bereite dich doch schonmal auf das nächste Halbjahr vor.“

Barry grinste gefährlich und zitterte erregt.

„Auf das Blutbad, meinst du? Ich kann es kaum erwarten!“, dachte er sich.
 


 

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Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Friedensbringer: Stufe 2, 100Atk, 1000Def, Typ Geflügeltes Ungeheuer, Attribut Wind, Flipp/Effekt:

FLIPP: Gib alle Krieger-Monster auf dem Feld auf die Hand zurück. (Wird Friedensbringer im Kampf geflippt, dann aktiviere diesen Effekt vor der Schadensrechnung) Krieger-Monster können nicht andere Monster im Kampf zerstören oder Kampfschaden erteilen.
 

Verräter an der Heiligkeit: Stufe 6, 2000Atk, 1700Def, Typ Fee, Attribut Finsternis, Effekt:

Diese Karte kann nur mit einem LICHT-Monster als Tribut als Tributbeschwörung beschworen werden. Wenn diese Karte deinem Gegner Kampfschaden zufügt: Wähle ein LICHT-Monster auf der Hand deines Gegners und entferne es aus dem Spiel. Wenn diese Karte gegen ein LICHT-Monster kämpft: Du kannst das Monster vor der Schadensrechnung zerstören.
 

Neue Zauber:
 

Gewittersturmfestung Amperia: Spielfeldzauber

Wenn du diese Karte aktivierst: Füge deiner Hand ein „Donnerklang“-Monster aus deinem Friedhof zu. „Donnerklang“-Monster erhalten 700ATK. Wenn „Donnerklang“-Monster angreifen, kann der verteidigende Spieler keine Karteneffekte aktivieren.
 

Bündnissprengung: Normaler Zauber

Zerstöre alle Union-Monster, die dein Gegner kontrolliert und die Monster, die dein Monster kontrolliert ausrüsten. Wenn du dies tust, füge deinem Gegner Schaden in Höhe der kombinierten Angriffspunkte der zerstörten Union-Monster zu.
 

Ehre des Patrioten: Normaler Zauber

Biete ein Monster, das du kontrollierst als Tribut. Füge deiner Hand einen Spielfeldzauber aus deinem Deck hinzu und ziehe danach eine Karte.
 

Feindesfusion: Normaler Zauber

Nenne den Namen eines Fusionsmonsters. Wenn dein Gegner ein Fusionsmonster mit diesem Namen in seinem Extradeck hat, kannst du es als Fusionsbeschwörung beschwören, indem du Monster, auf deiner Hand, Monster die du kontrollierst oder Monster, die dein Gegner kontrolliert als Fusionsmaterial verwendest.
 

Neue Fallen:
 

Fusionskontrolle: Permanente Falle

Wenn dein Gegner ein Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung beschwört: Dein Gegner muss zwei Karten von seiner Hand abwerfen. Wenn dein Gegner das nicht tut, annulliere die Fusionsbeschwörung und zerstöre das Monster.
 

Gebundener Engel: Normale Falle

Beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung als Effektmonster (Typ Fee / LICHT / Stufe 4, 1500Atk, 2000Def, diese Karte ist weiterhin zusätzlich eine Fallenkarte.)

Einmal pro Zug kannst du 300 Lebenspunkte für jede offene Karte, die du kontrollierst erhalten.

Die Sliferkönigin

„Das kann doch nicht sein! Du betrügst doch irgendwie! Kein Slifer ist so stark!“,

protestierte ein erschöpft am Boden hockendes, schwer atmendes Ra-Mädchen, während sich die Monster-Hologramme auflösten.

Neben dem Ra-Mädchen waren ihre zwei Freundinnen, mit denen sie zusammen Mayla auf dem Pfad zwischen der Slifer-Unterkunft und dem Sliferplatz abgefangen und herausgefordert hatte.

Die drei blickten Mayla, Daniel, sowie das halbe Dutzend weiterer Slifer-Schülerinnen und-Schüler grimmig an.

Mayla, die soeben das Duell gegen sie gewonnen hatte, schüttelte energisch den Kopf.

„Das ist gemein! Wir alle geben hier an der Duellakademie unser Bestes! Ganz egal, welche Farbe wir tragen. Lasst uns bitte in Zukunft in Ruhe!“

„Niemand gibt euch das Recht uns Slifer so fies zu behandeln!“, pflichtete ein bis eben zuschauender Sliferjunge bei.

Doch die drei Ra-Mädchen sahen das offensichtlich anders.

„Dreckiges, rotes Gesindel! Ihr seid doch alle Diebe, Betrüger und Lügner!“, fauchte die Besiegte, während sie sich langsam erholte und aufrichtete, „Kommt Mädels, wir gehen!“

Die beiden Freundinnen nickten ihr stumm zu und sie verließen die für die siegreiche Mayla jubelnde Slifer-Truppe.

„Ja! Genau! Haut bloß ab!“, schrie ihnen Daniel wütend hinterher, bevor er sich seiner ebenfalls ein wenig erschöpften Freundin zuwandte und ihr sanft den Rücken streichelte.

„Alles okay bei dir?“

Sie nickte und zwang sich zu einem Lächeln.

„Danke der Nachfrage. Mir geht es bestens. Meine Gegnerin gibt es zwar im Moment nicht zu, aber sie weiß, dass das mit dem Betrug im Duell Unsinn ist. Sie wird bestimmt einsehen, dass sie kein Recht dazu hat anderen Mitschülern aufzulauern und ihnen grundlos so etwas vorzuwerfen.“

„Hm, bist ja ganz schön optimistisch...“

Zu optimistisch, da war sich Daniel sicher.

Das ging leider schon ein paar Wochen so.

Fast jeden Tag kamen ungebetene, gelb oder blau tragende Gäste bei der Slifer-Unterkunft vorbei und suchten Streit.

Anfangs hatten sie es auf Julian Meyer oder andere Slifer abgesehen, aber nachdem Mayla ihre schwächeren Mitschülerinnen und Mitschüler immer wieder beschützt hatte, war sie nun selbst zur Zielscheibe geworden.

Mayla war inzwischen zu einer unfassbar starken Duellantin geworden, aber auch wenn sie jedes Duell gewann und immer wieder behauptete, dass ihre Siege langfristig zu einem Umdenken bei den Ras und Obelisken führen würden...

Daniel seufzte.

Es schien nicht besser zu werden.

„Wow! Du bist die Beste! Zeigst du mir nochmal, wie man diese irre Sprungfederfeld-Taktischer Rückzug-Kombo benutzt?“; fragte sie ein begeistertes Slifer-Mädchen, die wohl zum zweiten oder dritten Jahrgang gehören musste.

Etwas verlegen kratzte sich Mayla am Hinterkopf, zeigte ihrem Fan ihre Karten und begann ausführlich zu erklären.

Zwei weitere Slifer drängten sich zu den beiden und hörten gebannt mit.

„Danach musst du mir Tipps geben, wie ich mein Deck verbessere! Bitte, bitte!“

Daniel hatte in der Zwischenzeit, während er darauf wartete, dass man seiner Freundin ein wenig Ruhe gönnen würde, nicht viel zu tun und lenkte sich mit seinem Handy ab.

Er sah sich die Rangliste mit den GY-Scores auf dem Akademieportal an.

Hier zeigte sich die positive Seite der ständigen Attacken gegen Slifer-Schüler und insbesondere Mayla auf:

Inzwischen hatte Mayla Erin, die sich lange Zeit mit ihr ein knappes Rennen um den Platz als stärkste Slifer-Schülerin des ersten Jahrgangs geliefert hatte, weit hinter sich gelassen.

Beeindruckende 1551, mehr als Leroy, die meisten Ra-Neulinge und sogar besser als so einige Obelisk-Blue-Schüler.

Daniel sah Mayla an und sie gab ihm mit einem kurzen, verschmitztem Blick zu verstehen, dass sie noch eine Weile lang mit den anderen Slifern beschäftigt war.

Sie verstanden sich, nachdem sie nun seit einem knappen halben Jahr zusammen waren, ganz gut ohne Worte.

Er winkte Mayla zu und ging zur Unterkunft.
 

Am nächsten Tag gab es in den letzten Schulstunden Sportunterricht.

Die Schülerschaft wurde dabei nach Geschlecht und Jahrgang aufgeteilt und für die Mädchen im ersten Jahrgang stand aktuell Basketball auf dem Lehrplan, eine Disziplin, in der insbesondere die recht hoch gewachsene Erin brillierte.

„Hey Erin! Fang!“

Ein weiteres Ra-Mädchen im knallgelben Sportlätzchen passte Erin den Basketball zu und Erin fing ihn mühelos.

Souverän dribbelte sie an einer Reihe angreifender Sliferinnen vorbei und blickte sich dann, vor dem gegnerischen Korb stehend, hinter sich um.

Ihre Mitbewohnerin stand geistesabwesend am Spielfeldrand.

„Hey Jiang!“, rief sie und warf ihr den Ball zu.

„Wie?“

Eine überraschte Jiang konnte Erins Pass gerade so annehmen.

Sie ließ den Ball einmal vom Boden abprallen und warf den Ball dann auf den Korb.

Sie verfehlte ihn um einige Meter und der Ball prallte von der Sporthallenwand ab.

Hämisches Gekicher war von der roten Gegnermannschaft und den anderen, außerhalb des Spielfeldes wartenden Mädchenmannschaften zu hören.

Jiang sah beschämt zur Seite.

„Mach dir nichts draus! Spiel einfach weiter!“, rief ihr Erin heiter entgegen.

Die Slifermädchen starteten nun einen Gegenangriff und spielten sich den Ball im Zickzack gegenseitig zu.

Erin sprintete auf die andere Seite, als Mayla gerade den Ball zugepasst bekam.

Sie versuchte Mayla den Basketball ohne Körperkontakt aus den Händen zu schlagen, doch diese fiel beim Versuch rückwärts um.

„Oh nein! Mayla , geht’s dir gut?“, fragte Erin besorgt.

Äh, kein Problem, das war meine Schuld“, antwortete Mayla beschwichtigend.

Sie hatte sich auf dem Hallenboden den Ellbogen aufgeschürft und blutete nun ein wenig.

„Was soll das denn!? Lasst unsere Mayla in Ruhe!“, schimpfte ein Teamkollegin.

„Genau! Ihr foult sie doch nur, weil sie niemand von euch in einem fairen Duell schlagen kann!“, rief eine weitere.

Erin, die nun von den Sliferinnen auf und außerhalb das Spielfeldes eines fälschlichen Fouls bezichtigt wurde, versuchte die Zurufe zu ignorieren und half ihrer Freundin wieder auf die Beine.

Mayla errötete.

Ihr war dieser Vorfall mindestens genauso unangenehm wie Erin.

Einige Slifer-Mädchen verschränkten nun die Arme, um Herrn Tillner, dem Sportlehrer, zu signalisieren, dass sie nicht weiterspielen würden, wenn er kein Foul pfeifen würde und andere redeten wild auf ihn ein.

Schließlich gab er etwas verwirrt nach, auch wenn er selbst kein Foul gesehen hatte.

Er pfiff und verkündete: „Zwei Freiwürfe für das Team Slifer-3!“

„So eine Farce“, hörte Fiona eine Obelisk-Blue-Schülerin einer anderen zuflüstern, „Das kann doch nicht wahr sein, dass der rote Abschaum sich absichtlich fallen lässt und dafür noch belohnt wird.“

„Hört auf, so über meine Freundin zu reden! Mayla lässt sich ganz sicher nicht einfach fallen, das war einfach ein Versehen!“, mischte sie sich gereizt ein.

„Deine Freundin? Du kannst dich doch nicht ernsthaft freiwillig mit einer wie ihr abgeben wollen?“

Abscheu lag in der Stimme der ersten Obeliskin.

„Erkennst du das rothaarige Großmaul nicht? Die war doch letztes Jahr selbst nur ein Slifer.“

Chris mischte sich in die Unterhaltung ein: „Und jetzt ist sie eine von uns. Also seid bitte ruhig und erweist eurer Mitschülerin Respekt.“

Die zwei Obelisk-Mädchen erkannten an der weißen Uniform mit wem sie es zu tun hatten, verbeugten sich und wagten es keinen Ton mehr zu sagen.

Chris hatte nach dem erfolglosen Duell gegen Zoe seit einer geraumen Weile ein Auge auf Fiona geworfen.

„Öhh...Danke?“, sagte Fiona unsicher.

Die Slifer-3-Mannschaft hatte sich inzwischen auf eine Werferin für die zwei Freiwürfe geeinigt.

Das Mädchen stand selbstbewusst mit dem Basketball zwischen den Händen an der Freiwurflinie.

„Keine Ursache. Es ist wichtig, dass unser Haus Zusammenhalt verkörpert. Wir müssen mit gutem Beispiel voranschreiten, damit die weniger begabten Schüler uns folgen können.“

Fiona starrte Chris ungehobelt an, es überraschte sie, dass jemand so Wichtiges wie Chris sich für sie einsetzte.

Es war ihr, Erin und Mayla nicht entgangen, dass Chris die gleiche Art von Uniform wie Imani und Maxim trug und somit ebenfalls zu den Spitzenduellanten der ersten Jahrgänge gehören musste. Und darüber hinaus waren die ständigen Verbeugungen der anderen Obeliskinnen und Obelisken schwer zu übersehen.

„Sag mal, was machst du eigentlich in der Mädchenmannschaft? Du hattest in den letzten Unterrichtstunden immer die weiße Jungenuniform? Bist du jetzt ein Mädchen oder ein Junge?“

Chris lachte ein wenig.

„Ich bin derdie zweite*r Kronprinz*essin. Chris Lutherford. Dein Name ist Fiona, korrekt?“

Fiona sah Chris nicht an, sondern verfolgte gespannt den auf den Korb zu fliegenden Ball und nickte beiläufig.

Der Basketball fiel ungebremst durch das Netz.

Das bedeutete Gleichstand.

Die Slifer der Mannschaft sowie die zusehenden Slifer außerhalb des Spielfeldes jubelten.

Auch Fiona freute sich merklich für Maylas Mannschaft mit, während Chris sich von dem Spiel unbeeindruckt zeigte.

„Direkt vom Slifer zur Obeliskin aufzusteigen, hat sicher viel von dir abverlangt, das stelle ich mir zumindest vor. Warum also bindest du dich trotz all deiner Mühen noch immer an eine Slifer-Schülerin? Wozu bist du dann überhaupt zu einer Obelisk-Blue-Schülerin geworden?“

In Chris´ Frage lag kein Vorwurf, nur aufrichtige Verwunderung.

Das war dennoch keine Frage, auf die Fiona eingehen wollte, ganz davon abgesehen, dass sie das ganze Monarchiegehabe in ihrem neuen Haus als albern empfand.

„Du hast dir nach deiner harten Arbeit Freundinnen und Freunde auf deinem Niveau verdient, Fiona. Personen, die mit dir mithalten können.“

Das Slifer-Mädchen bereitete sich innerlich auf ihren zweiten Wurf vor, mit dem Blick stur auf den Korb gerichtet.

„Ich mag eure Arroganz nicht! Mayla kann auf jeden Fall mit mir mithalten. Sie hat in den letzten Tagen schon einige andere Obelisken besiegt“, entgegnete Fiona trotzig, „Abgesehen davon ist es doch meine Sache, wen ich mir als Freundin aussuche.“

Chris strich sich eine Haarsträhne hinter deren Ohr.

„So leicht ist es leider nicht, Fiona. Die Blaue Ehre schreibt vor, dass wir Obelisken keine Kontakte zu Slifern pflegen. Solange du gegen dieses Grundprinzip verstößt, wird man dich nicht als vollwertige Obeliskin anerkennen und schlimmstenfalls sogar des Hauses verweisen.“

Das Mädchen führte den zweiten Freiwurf durch.

„Du wirst unter den Obelisken alleine sein. Und wenn dich irgendwann dann auch deine Slifer-Freundin zurückgelassen hat, wird niemand deine Freundin sein wollen.“

Auch wenn Fiona persönlich nicht viel von den Prinzen und Prinzessinnen hielt, sie wusste um deren Einfluss auf andere Mitschüler.

Wenn ein Kronprinz oder eine Kronprinzessin sie vor einer Freundschaft mit einem Slifer warnt und als Konsequenzen soziale Isolation und Rauswurf aus dem Haus Obelisk-Blue aufzeigt, dann waren das keine leeren Drohungen.

Der Ball stieß gegen das Backboard des Korbes und balancierte sich um die eigene Achse rotierend auf dem Korbring.

Gebannt beobachteten beide Teams die Neigung des Balls.

Chris´ Worte machten Fiona zu schaffen.

Sie konnte sich noch gut an ihre Angst vor der Halbjahresprüfung erinnern.

Sie hatte bis zur Erschöpfung gelernt, teils aus Ehrgeiz, weil sie unbedingt den Aufstieg schaffen wollte, aber teils auch aus dieser Angst.

Aus Angst, Erin und Mayla würden ohne sie zu Ra-Yellow aufsteigen und sie anschließend vergessen.

Der Gedanke plötzlich alleine sein zu müssen war furchterregend.

Zudem hatten die Blaue Ehre und eine Kronprinzessin sie vor Mobbing durch Lucia-Ann beschützt, eine Leistung zu der ihre Freundinnen nicht in der Lage waren.

Also...Konnten die Regeln der Obelisken ja nicht komplett falsch sein, oder?

Sie schwieg.

Der Ball rutschte schließlich durch das Netz.

„Super!“, freute sich die erfolgreiche Werferin und ihre Mannschaft freute sich lautstark mit ihr.

Argwöhnisch sah Chris die sich mit ihrem Team freuende Mayla an.

Ein Slifer, der mehrere Obelisken besiegt, ist definitiv ein Problem.

Die Werferin drehte sich zu Erins Mannschaft um: „SO wirft man Körbe, wenn man keine Vollversagerin ist!“

Das Slifer-Mädchen meinte eindeutig damit Jiang, die nicht wusste, wie sie richtig darauf antworten sollte und die Werferin stumm ansah.

„Starr mich nicht so an, du Freak!“

Jiang, verärgert und beschämt zugleich, wendete ihren Blick ab.

„Was sollte das denn?“, fragte sich Erin.

Die Angriffszeit war beinahe abgelaufen und Herr Tillner pfiff wenige Sekunden später das Spiel.

„Slifer-3 gewinnt gegen Ra-4 mit 19:18!“, verkündete er.

„Slifer-3 freute sich gemeinsam über den recht knappen Sieg.

Auch Mayla schien zufrieden.

„Glückwunsch, ihr habt euch echt gut geschlagen!“, sagte Erin mit einem unbekümmert breiten Lächeln zu Mayla.

„Hmm, Danke sehr. Ihr habt auch gut gespielt. Wenn man uns nicht die unverdienten Freiwürfe gegeben hätte, dann hättet ihr gewonnen.“

„Ach, mach dir doch deswegen keinen Kopf! Es ist nur ein Spiel. Sorge dich mal lieber um deine Gesundheit.“

Mayla sah ihre Freundin traurig an.

„Entschuldigung. Ich bin in letzter Zeit etwas wackelig auf den Beinen.“

Das war für Erin auch kein Wunder.

Die fast täglichen Duelle, die Mayla gegenüber feindseligen Ras und Obelisken führte, kosteten sie, verglichen mit den Spaßduellen gegen Erin oder Daniel, viel Kraft.

Früher oder später würde sie eine Pause brauchen.

Die beiden Basketballteams verließen nun die Spielfläche und auch Erin und Mayla räumten den Platz.

Als nächstes war Fionas Mannschaft gegen Slifer-1 dran.

Flüsternd setzten Erin und Mayla ihre Unterhaltung von der Seitenlinie aus fort, während sie der nächsten Partie zuschauten.

„Du, wenn es dir zu viel wird, dann kannst du mich auch mal kontaktieren, wenn wieder irgendein Unruhestifter bei der Sliferunterkunft auftaucht. Dann komme ich schnell rüber und verpasse ihm oder ihr eine patentierte Erin-Hiller-Donnerklang-Abreibung und du kannst entspannt zuschauen.“

Mayla kicherte über Erins Formulierung.

„Das ist zwar ein nettes Angebot, aber ich komme schon zurecht. Es sind einige Ra-Yellow-Schüler dabei und ich will nicht, dass du dich in deinem Haus unnötig unbeliebt machst.“

„Pfff, meinst du ich will bei irgendwelchen Arschlöchern, die ihre Mitschüler tyrannisieren beliebt sein? Mach dir keine Sorgen meinetwegen und denk bitte mal an dich selbst. Auch Maylas dürfen hin und wieder ein bisschen egoistisch sein.“

Mayla wirkte nun nachdenklich.

„Naja, also einmal hat auch Herr Althus eingegriffen, da haben ein paar Obeliskenjungen einer Mitschülerin gewaltsam die Dueldisk weggenommen. Aber insgesamt ist das wohl gar nicht vorgesehen, dass der Lehrstab sich in Konflikte zwischen den Häusern einmischt. Das ist die Aufgabe des Obeliskenkönigs und der Kronprinzen und -prinzessinnen.“

„Funktioniert ja prima!“, kommentierte Erin sarkastisch, „Diese Idioten kümmern sich doch nen Scheiß um die Slifer und deren Gefühle! Hauptsache sie können allen demonstrieren wie cool sie sich selbst finden!“

„Seid bitte leise, wenn eure Mitschülerinnen spielen, ja?“, erinnerte Herr Tillner die laut gewordene Erin.

„Sorry.“

Sie hatte sich versehentlich in Rage geredet.

Wenn es darum ging, wie die Obelisken mit den schwächsten Schülerinnen und Schülern der Akademie umgingen, konnte sie nicht anders als sich zu ärgern.

Außerdem ärgerte sich Erin gerade ein wenig darüber, Mayla nicht erzählt zu haben, dass sich Maxim selbst im Verborgenen gegen die übrigen Kronprinzen auflehnte.

Generell hatte sie keine Lust gehabt, über diesen gemeinsamen Abend mit Kevin, Maxim und Barry zu reden, oder über die offensichtlichen Lügen, die man ihr aufgetischt hatte.

Am liebsten würde sie einfach alles, was man ihr erzählt hatte aus ihrem Gedächtnis löschen.

Insbesondere...

Sie sah Fiona, die gerade zum gegnerischen Korb dribbelte, verärgert an.

„Wie konntest du Kevin bloß von dem Feuer und der Amnesie erzählen?“

Fiona atmete schwer, während sie sich in einem flinken Angriff an den ihr im Weg stehenden Slifern vorbei schlängelte.

Sie hasste es sich das einzugestehen, aber sie hatte sich schon in den ersten Minuten des Spiels ziemlich ausgepowert und ihre Kraftreserven überschätzt.

Vor dem Korb angekommen, versuchte sie einen schnellen Wurf, der jedoch von einem Slifermädchen abgeblockt wurde.

Sie konnte nur hilflos zusehen, wie man ihr den Ball abknöpfte.

Chris grinste selbstbewusst.

„Das haben wir gleich.“

Dey sprintete in einem irrsinnigen Tempo auf die Gegnerin zu und nahm ihr schneller den Ball ab, als sie reagieren konnte.

„Wahnsinn...“, staunte Erin, die sich bisher selbst für eine der besten Basketballerinnen des Jahrgangs hielt.

„Fiona!“, rief Chris und passte der noch immer am Korb stehenden und ungedeckten Mitspielerin den Ball zu.

Sie reagierte geistesgegenwärtig: In einer fließenden Bewegung fing Fiona den Ball und versenkte ihn sofort im Korb.

„Wir Obelisken sind für den Frieden und die Ordnung innerhalb der Schülerschaft zuständig“, erklärte ihr Chris, während dey Fiona anerkennend zunickte, „große Aufgaben wie diese erfordern nicht nur den Gehorsam gegenüber der Krone, sondern auch Zusammenhalt untereinander.“

Stumm verbeugte sich Fiona nun erstmals vor Chris.

Auch wenn Chris ein Kronprinz oder eine Kronprinzessin war, er oder sie schien in Ordnung zu sein.

Zumindest für Obeliskenstandards.

Bei dem Anblick ballte Erin wütend ihre Hand zur Faust.

„Es ist verständlich, dass du als ehemalige Sliferin nicht unbedingt begeistert von den Obelisken bist. Aktuell ist das Verhältnis zwischen den Häusern so schlecht, wie schon lange nicht mehr. Aber du solltest deinen neuen Hausmitbewohnerinnen und -bewohnern eine Chance geben. Nur gemeinsam können wir die Akademie wieder verbessern.“

Das nun schlecht gelaunte Mädchen, dem Chris zuvor den Ball weggenommen hatte, hatte ihn inzwischen wieder aufgehoben.

Das Spiel ging weiter.
 

Als die Doppelstunde Sport vorbei war und sich alle Mädchen geduscht und wieder umgezogen hatten, verzichtete Erin heute darauf, sich für die Hausaufgaben mit Mayla und Fiona zusammenzusetzen.

Sie hatte fürs Erste genug von ihr und das war nicht nur aufgrund ihres mutmaßlichen Verrats.

Wegen den selbstverliebten Obelisken und ihrer Respektlosigkeit vor den Slifern mussten nun ihre alten Hauskameradinnen und vor allem Mayla leiden.

Und Fiona fiel nichts Besseres ein, als sich vor allen anderen vor einem dieser Schnösel zu verbeugen.

Stattdessen ging sie sofort mit Jiang zusammen auf ihr gemeinsames Doppelzimmer und die beiden machten, zu Jiangs großer Freude, zum ersten Mal gemeinsam ihre Hausaufgaben.

Der breite Schreibtisch bot den Mädchen hierfür mehr als ausreichend Platz zum gemeinsamen Arbeiten.

Hierbei entpuppte sich Jiang als guter Fiona-Ersatz.

Sie war ebenfalls sehr gründlich und ausdauernd bei der Bearbeitung aller Aufgaben und konnte dank ihres guten Theoriewissens Erin auch bei den schwierigeren Stellen jede Frage beantworten.

Nach zweieinhalb Stunden klappte Erin erschöpft das vor ihr liegende Schulbuch zu und lehnte sich in den rollenden Bürostuhl zurück.

„Oh Mann, Jiang, da hast du uns ja ganz schön gequält!“, beschwerte sie sich spielerisch.

„Ich finde, wenn man etwas macht, dann sollte man es schon gleich richtig machen. Aber ich hatte beim Lernen mit dir auch viel Spaß. Du etwa nicht?“

„Doch, doch, alles gut“, sagte Erin beschwichtigend.

Sie und Jiang hatten bisher eher oberflächliche Gespräche geführt und kannten sich wohl noch nicht gut genug, um genau einschätzen zu können, wann die Andere etwas ernst meint und wann nicht.

„Ich finde nur richtige Duelle noch etwas cooler als bloße Hausaufgaben. Bin mehr so ein Praxistyp, weißt du?“

„Achso. Das verstehe ich, ja. Hast du denn gerade Lust dich mit mir zu duellieren, Erin? Ich wäre nämlich dazu bereit.“

Erin sah Jiang überrascht an.

Mit diesem Angebot hatte sie nicht gerechnet.

Schon früher hatte Erin Jiang herausgefordert, aber bisher hatte sie jede dieser Herausforderungen abgelehnt.

„Ich bin immer für ein Duell zu haben“, sagte Erin und stand gleich auf, um sich ihre Duelldisk umzuschnallen, „aber wieso hast du plötzlich Lust darauf?“

Jiang lächelte Erin breit an.

„Ich möchte dir einfach eine Freude machen. Außerdem fühle ich mich etwas schlecht, weil wir wegen meinem schlechten Wurf heute das Basketballspiel verloren haben.“

„Ach, das. Das war ja auch meine Schuld. Du standest zwar hinter der Dreipunktelinie und warst frei, aber ich weiß ja eigentlich, dass dich Sport nicht so interessiert wie mich. Außerdem gingen die Freiwürfe ja leider auf mein Konto.“

Nun kramte auch Jiang ihre Disk und ihr Deck aus ihrem Nachtschrank.

„Lass uns rausgehen, da ist mehr Platz für ein Duell.“

Erin war einverstanden und beide zogen sich dick an, bevor sie sich vor der Ra-Yellow-Unterkunft zum Freundschaftskampf gegenüberstellten.

Es war zwar sonniges Wetter, aber dennoch war es Anfang Februar zu kühl, um ohne Jacke das Haus zu verlassen.

Die Sonnenstrahlen ließ den feuchten, sanft angefrorenen Rasen schimmern und boten eine sehenswerte Kulisse für das erste Duell zwischen den Zimmergenossinnen.

Erin hatte als Herausgeforderte den ersten Zug.

Sie betrachtete ihre Hand und überlegte.

Sie kannte Jiangs Deck überhaupt nicht, daher wäre es vielleicht nicht die schlechteste Idee, erst einmal mit einem vorsichtigen Zug zu beginnen.

Abgesehen davon, war dieses Duell eine einmalige Gelegenheit, deshalb wollte Erin es auch lieber ruhig angehen, anstatt es so schnell wie möglich zu beenden.

„Ich spiele ein Monster verdeckt und setze außerdem eine verdeckte Karte! Das reicht dann für den Anfang!“

Jiang zog.

„Egal, wie stark dein verdecktes Monster ist, ich bin mir sicher, dass mein Deck es schlagen kann.

Ich beginne mit der permanenten Zauberkarte Dongwuxia - Tradition.“

Jiang spielte ihre Karte aus.

„Dongwuxia - Tradition sorgt dafür, dass Ausrüstungszauber, die ich kontrolliere, nicht auf den Friedhof müssen, wenn die ausgerüsteten Monster zerstört werden sollten. Stattdessen dürfen sie auf dem Feld bleiben und ich darf einmal pro Zug beliebig viele Ausrüstungszauber, die noch kein Monster ausrüsten, einem meiner Monster zuweisen.“

Erin kratzte sich bei der umfangreichen Erklärung am Kopf.

Also sie hatte auf jeden Fall verstanden, dass Jiangs Deck irgendetwas mit Ausrüstungszaubern zu tun hatte.

„Klingt etwas kompliziert, aber mach erstmal weiter!“

„Das ist wie bei den heutigen Übungsaufgaben, Erin: Hat man einmal das Prinzip raus, ist es gar nicht mehr so schwer. Als Nächstes beschwöre ich im Angriffsmodus Dongwuxia - Xiao Hu der Tiger.“

Vor Jiang erschien ein schmaler, antropomorpher Tiger mit mandschurischem Zopf und einem länglichem Danjian in den mit Krallen versehenen Händen.

Dongwuxia – Xiao Hu der Tiger: Stufe 4, 1600Atk, 1400Def.

„Wird Xiao Hu der Tiger als Normalbeschwörung gerufen, darf ich ihn mit einem beliebigen Ausrüstungszauber aus meinem Deck ausrüsten. Ich rüste ihn mit dem Legendären Guan-Dao aus.“

Jiang zeigte ihren gesuchten Ausrüstungszauber vor und aktivierte ihn sofort.

Der Einhänder in den Tigerhänden wurde nun durch einen langen Speer mit einer breiten, gezackten Spitze ersetzt, welchen Xiao Hu nun angriffslustig umherwirbelte.

„Der Effekt vom Legendären Guan-Dao verleiht dem ausgerüsteten Monster 600Angriffspunkte. Dazu kommen noch weitere 300Angriffspunkte, die Xiao Hu für jeden Ausrüstungszauber erhält, mit der er ausgerüstet ist. Zusammen macht das ganze 900 zusätzliche Punkte.“

Dongwuxia – Xiao Hu der Tiger: 1600Atk → 2500Atk.

Xiao Hu der Tiger! Greife Erins verdecktes Monster an!

Mit einem Sprungangriff stieß Jiangs Monster die Stangenwaffe durch Erins verdeckte Monsterkarte, die Donnerklang-Kriegerin, die daraufhin gleich zerplatzte.

„Der Effekt von Legendärer Guan-Dao aktiviert sich: Zerstört das ausgerüstete Monster ein gegnerisches Monster im Verteidigungsmodus, dann darf es dem Gegner die Hälfte seiner Angriffspunkte als Schaden zufügen. Du verlierst also 1250 Lebenspunkte.

Dongwuxia - Xiao Hu der Tiger griff nun Erin mit dem Speer an, wodurch diese mit einem Keuchen einige Schritte zurückgestoßen wurde.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 2750.

„Geht es dir gut?“, fragte Jiang besorgt.

„Alles okay, danke der Nachfrage!“, entgegnete Erin, die sich den vom Rückstoß schmerzenden Bauch rieb.

„Spielst du noch eine weitere Karte aus?“

„Ich spiele ebenfalls eine verdeckte Karte.“

Vor Jiang erschien ein verdeckter Zauber oder eine verdeckte Falle.

Jetzt bin ich fertig. Du bist dran.“

Jiang tat zwar auf nett und lieb, aber ihr Duellstil zeigte eine Menge Kampfgeist.

Das war für Erin kein Problem, im Gegenteil, Kampfgeist hatte sie selbst mehr als genug.

„Wenn ich gewinne, musst du mir zeigen, wie du immer so gut den Basketball wirfst, in Ordnung? Ich will nicht wieder als Versagerin beschimpft werden.“

„Lass die anderen doch reden, ist doch egal, was irgendeine andere Slifertussi zu dir sagt.“

Jiang schaute nun traurig auf den Boden und Erin ging ein Licht auf.

„Das war nicht irgendein Mädchen, oder? Ihr kanntet euch bereits!“

„Ja, das Mädchen, das die Freiwürfe gemacht hat, war Désirée, meine frühere Mitbewohnerin. Wir waren früher mal Freundinnen, haben uns aber leider zerstritten.“

Deswegen war sie also so fies zu Jiang.

„Wie eine Freundin hat sich diese Désirée ja nicht benommen!“, stellte Erin fest, „Weshalb habt ihr euch denn gestritten?“

Jiang wirkte nachdenklich.

„Puh, wo fange ich da an...Es ist eine etwas längere Geschichte, die erzähle ich dir am Besten nach dem Duell.“

Das war nicht unbedingt das, was Erin hören wollte, aber Duellieren fand sie auch gut.

Sie zog ihre nächste Karte.

„Alles klar, dann mache ich mal weiter! Zuerst spiele ich die verdeckte Fallenkarte aus: Blitze der Wiedergeburt!“

Vor Erin deckte sich die Fallenkarte auf und einige Blitze schossen auf das Spielfeld hinab.

Jiang beobachtete das Schauspiel beeindruckt.

Der letzte Blitz hinterließ die schwertführende, gepanzerte Kriegerlady mit den langen blonden Haaren.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

„Blitze der Wiedergeburt holt ein im letzten Zug zerstörtes Donnerklang-Monster vom Typ Krieger aus meinem Friedhof zurück auf das Spielfeld! Außerdem erhält das so beschworene Monster zusätzliche 500 Angriffspunkte.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2000Atk.

„Das sind allerdings noch nicht genug Angriffspunkte, daher spiele ich aus meiner Hand das Union-Monster Donnerklang-Inkarnation und rüste meine Kriegerin sofort mit ihm aus!“

Aus Erins Hand fuhr das gelbe, zischende Energiewesen in das Schwert ihrer Donnerklang-Kriegerin.

Ihr Schwert leuchtete vor elektrischer Ladung blau auf.

Donnerklang-Kriegerin: 2000Atk → 2700Atk.

„Dein Monster hat jetzt sogar noch mehr Angriffspunkte als mein Xiao Hu der Tiger“, stellte Jiang erstaunt fest.

Erin grinste.

„Stimmt, daher macht Donnerklang-Kriegerin deinen Tiger zu einer ganz handzahmen Schmusekatze! Und zwar mit der statischen Spaltung!“

Erins Angriffsbefehl veranlasste die Kriegerin auf Jiangs Dongwuxia – Xiao Hu der Tiger zuzulaufen und es mit einem flinken Hieb niederzustrecken.

Mit dem linken Arm vorm Gesicht schützte sich Jiang vor der Schockwelle.

Jiangs Lebenspunkte: 4000 → 3800.

„Mein Monster hast du zerstört, aber dank des Spezialeffekts von Dongwuxia – Tradition bleibt mein Legendärer Guan-Dao auf dem Spielfeld“, erklärte Jiang gelassen.

Vor ihr schwebte besitzerlos die chinesische Speerwaffe.

„Mag sein! Aber dein Guan-Dao alleine kann nicht den direkten Angriff abwehren! Denn wenn Donnerklang-Kriegerin mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie pro Battle Phase zweimal angreifen!“

Kampfbereit stand Donnerklang-Kriegerin dem nun ungeschütztem Ra-Mädchen gegenüber.

„Da muss ich dich enttäuschen. Von meiner Hand spiele ich als Spezialbeschwörung Dongwuxia – Long der Drache, im Verteidigungsmodus.

Vor Jiang wurde ein weiteres, Kriegerwesen beschworen, diesmal ein schuppiger, grüner Kämpfer mit grauem Spitzbart, weiten Flügeln und zwei Shuangjian, traditionelle Doppelschwerter in beiden Händen.

Dongwuxia – Long der Drache: Stufe 5, 1900Atk, 2100Def.

„Ich darf dieses Monster immer als Spezialbeschwörung rufen, wenn ich einen Ausrüstungszauber aber kein Monster kontrolliere. Diese Spezialbeschwörung kostet mich außerdem 1000 Lebenspunkte, allerdings kann Long in dem Zug, in dem er beschworen wurde nicht zerstört werden.

Jiang stöhnte etwas, als sie aufgrund ihres Monstereffektes Lebenspunkte einbüßen musste.

Jiangs Lebenspunkte: 3800 → 2800.

„Nicht schlecht! Damit hast du dir eine Menge Kampfschaden erspart und gleichzeitig dein Feld verstärkt!“

Erin überlegte kurz.

„Ich kann mir zwar den zweiten Angriff sparen, aber meine Kriegerin bleibt das stärkste Monster auf dem Feld! Ich beende den Zug!“

Das ließ sich Jiang nicht zweimal sagen.

Sie zog.

„Aus der Hand spiele ich als Normalbeschwörung mein drittes Dongwuxia - Monster aus, Dongwuxia – Qing die Schlange im Angriffsmodus.“

Jiangs neuestes Monster war ebenfalls schuppig und grün wie Long der Drache, allerdings sehr viel schmaler und femininer. Statt der Doppelschwerter führte Qing die Schlange einen zweihändrigen Shuangshoujian.

Dongwuxia – Qing die Schlange: Stufe 4, 1300 Atk, 1800Def.

„Ich wechsele außerdem mit Long dem Drachen in den Angriffsmodus.“

Jiangs Drachenkrieger nahm eine kampfbereite Pose ein.

„Meine Monster sind schwächer als deines, aber das kann ich schnell ändern. Ich benutze den Effekt von Dongwuxia – Tradition und rüste Dongwuxia – Long der Drache mit Legendärer Guan-Dao aus.“

Die Doppelschwerter in den Drachenkriegerhänden verschwanden.

Long nahm das vor Jiang schwebende Guan-Dao an sich und führte einen angriffslustigen Tanz auf.

„Durch die Guan-Dao erhöht sich die Angriffskraft um 600 Punkte und zusätzlich dazu erhält Long der Drache für jeden Ausrüstungszauber, mit dem er ausgerüstet ist 500 weitere Punkte.“

Erin wurde nun sichtlich nervös.

Jiangs Monster hatte ihres überpowert und sie hatte das ungute Gefühl, dass Jiang für Qing die Schlange ebenfalls einen Ausrüstungszauber parat hielt.

Dongwuxia – Long der Drache: 1900Atk → 3000Atk.

„Ich aktiviere außerdem die verdeckte Karte aus meinem letzten Zug. Es ist das Erbe des Schwertmeisters“

Erbe des Schwertmeisters, eine Normale Fallenkarte, deckte sich nun vor Jiang auf.

Sie lächelte selbstsicher.

„Diese tolle Falle erlaubt es mir meiner Hand jede beliebige Ausrüstungszauberkarte zuzufügen, allerdings darf ich für den Rest des Zuges keine anderen Ausrüstungszauber mehr ausspielen.

Aus meinem Deck suche ich den Dreistock Sanije Gun und rüste sofort meine Qing die Schlange damit aus.“

Jiang zeigte die gesuchte Ausrüstungskarte vor und aktivierte sie.

Das Zweihänderschwert wich dem besagten Dreigliederstab.

Dongwuxia – Qing die Schlange schien diese neue Waffe bereits gemeistert zu haben und demonstrierte dies in einem beeindruckendem Wirbeltanz voller Drehungen und Saltos.

„Tolle Showeinlage, aber kann der Stock auch noch was anderes?“, fragte Erin schelmisch.

„Natürlich hat mein Ausrüstungszauber einen Effekt. Als Erstes erhöht er nämlich die Angriffskraft des ausgerüsteten Monsters um 900 Punkte. Dazu kommen außerdem durch Qings eigenen Effekt 400 Punkte pro Ausrüstungszauber, macht zusammen also 1300“, rechnete Jiang vor.

Dongwuxia – Qing die Schlange: 1300Atk → 2600Atk.

Erin schreckte zurück, als sie sah, wie durch Jiangs Kartenkombination sich die Punkte von Qing verdoppelten.

„Bevor ich angreife, nutze ich den Effekt von Qing die Schlange: Einmal pro Zug darf ich, wenn Qing die Schlange mit einem Ausrüstungszauber ausgerüstet wird eine „Dongwuxia“-Karte aus meinem Friedhof auf die Hand nehmen. Damit kehrt auch Xiao Hu der Tiger bald wieder zurück“, erklärte Jiang, während sie die besagte Karte auf die Hand nahm.

„Es wird Zeit für den Angriff. Als Erstes attackiert dich Long der Drache.“

Ohne Gnade stieß Jiangs Drachenkrieger die Guan-Dao auf Erins Donnerklang-Kriegerin, die den Stoß allerdings mit dem Schwert parierte.

Erins Lebenspunkte: 2750 → 2450.

„Kein Problem, das richtet kaum Schaden an, außerdem ist meine Donnerklang-Kriegerin dank des Union-Monsters nicht zerstört worden!“

Das Schwert der Kriegerin verlor das blaue Leuchten.

Donnerklang-Kriegerin: 2700Atk → 2000Atk.

„Jetzt ist Donnerklang-Kriegerin zwar geschwächt, aber da meine Donnerklang-Inkarnation zerstört wurde, darf ich als Entschädigung eine „Fusion“ aus dem Deck meiner Hand zufügen!“

Jiang ließ sich nicht von dem Effekt von Inkarnation beirren: „Deine Kriegerin hat den ersten Angriff überstanden, aber Dongwuxia – Qing die Schlange gibt ihr den Rest.“

Wie befohlen griff nun Jiangs zweites Monster an.

Qing drehte sich mehrfach um die eigene Achse und schlug dann mit dem Drehmoment mit dem komplett ausgegliederten Dreistock zu.

Das Hologramm von Erins Kriegerin zerplatzte.

„Nun zum Spezialeffekt von Dreistock Sanije Gun: Fügt das ausgerüstete Monster Kampfschaden zu, wird dieser nochmal um weitere 900 Punkte erhöht.“

Erin ächzte und wurde von der resultierenden Schockwelle beinahe von den Beinen gerissen.

Erins Lebenspunkte: 2450 → 950.

„Im nächsten Zug ist es vorbei für dich. Ich beende meinen Zug jetzt.“

Erin lächelte.

Jiang klang inzwischen sehr viel ehrgeiziger als noch zu Beginn des Duells und sie schien selbst eine Menge Spaß zu haben, auch wenn sie bisher nie Duellieren wollte.

Sie zog.

Die gezogene Karte löste gemischte Gefühle aus... aber immerhin würde sie nun ihren Sieg garantieren.

„Ich spiele meinen Spielfeldzauber aus, die Gewittersturmfestung Amperia!“

Kaum hatte Erin ihren Zauber aktiviert, schon änderte sich schlagartig das Wetter und dichter, Hologrammregen prasselte hernieder.

Ein permanenter, rollender Donner war nun zu hören.

Der Boden unter den Füßen der Mädchen wandelte sich zu braunem Backstein.

Hinter ihnen ragten nun mächtige Wehrtürme in die Höhe und mittelalterliche Zinnen neben ihnen begrenzten das Spielfeld.

„Der erste Effekt von Amperia gestattet es mir ein „Donnerklang“-Monster aus meinem Friedhof auf die Hand zu nehmen. Damit nehme ich die Donnerklang-Kriegerin wieder auf meine Hand!“, erklärte Erin und setzte gleich fort, „Nun fusioniere ich Donnerklang-Gardna auf meiner Hand sofort mit der Donnerklang-Seele und erhalte so die Donnerklang-Ritterin!“

Mit der Aktivierung der Fusionskarte schossen eine Vielzahl von grellen Blitzen mehrfach auf das Spielfeld ein.

Der letzte Blitz hinterließ die Ritterin mit ihrer goldenen Lanze und ihrem weißen Ross.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Dank Gewittersturmfestung Amperia bekommen ALLE „Donnerklang“-Monster 700 Extrapunkte, meine Ritterin wird also noch mächtiger!

Das Pferd der Ritterin bäumte sich bedrohlich wiehernd auf.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3200Atk.

„Ohje! Das sind zu viele Angriffspunkte“, realisierte Jiang.

Doch Erin war noch nicht fertig.

„Ich spiele zudem sofort den Schnellzauber Fusionskompensation! Nun darf ich bis zu zwei Monster der Stufe 4 als Spezialbeschwörung rufen, die ich als Fusionsmaterial für die Ritterin genutzt habe, solange ich darauf verzichte mit diesen Monstern anzugreifen! Sag Hallo zu Donnerklang-Gardna und zu Donnerklang-Seele!“

Neben der Ritterin erschienen nun noch die junge Frau mit dem riesigen Schild und dem Kettenhemd und das aus gelben Blitzen bestehende Wesen.

Donnerklang-Gardna: Stufe 3, 800Atk, 2000 Def.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 1500Atk, 0 Def.

„Aber was bringen dir denn die Monster, wenn du nicht mit ihnen angreifen kannst?“, fragte Jiang gespannt.

„Das zeige ich dir jetzt! Denn dank Amperia konnte ich die Donnerklang-Kriegerin zurück auf die Hand nehmen und kann sie nun erneut als Normalbeschwörung rufen!“

Erin beschwor ihre letzte Karte und die Kriegerdame präsentierte stolz ihr Schwert.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 2200Atk, 1600Def.

„Ich rüste nun meine Donnerklang-Kriegerin mit Donnerklang-Seele aus!“

Das Energiewesen fuhr in die Waffe der Kriegerin und brachte sie zum Aufleuchten.

Donnerklang-Kriegerin: 2200Atk → 3000Atk.

Jiang begriff nun langsam, dass sie verloren hatte, denn sie wusste bereits, dass die Kriegerin zweimal angreifen konnte.

Erin befahl die letzten Angriffe: „Donnerklang-Kriegerin! Zerstöre Qing die Schlange und danach Long den Drachen mit statischer Spaltung!“

Donnerklang-Kriegerin rannte durch das dauernde Gewitter der Amperia auf Jiangs Monster zu und zerschnitt beide mühelos.

Beide Hologramme zerplatzten und Das Schwert der Ritterin hörte nach dem Angriff auf den ebenbürtigen Dongwuxia - Long auf zu leuchten.

Jiangs Lebenspunkte: 2800 → 2400.

Donnerklang-Kriegerin: 3000Atk → 2200Atk.

Jiangs Monster hinterließen zwar dank Dongwuxia – Tradition die schwebende Guan-Dao und den Dreistock Santije Gun, aber sie hatte kein weiteres Monster mehr zur Verteidigung, das diese Waffen führen könnte.

Jiang stand nun schutzlos dem drohenden Direktangriff von Donnerklang-Ritterin gegenüber.

„Na dann, Ritterin,“, befahl Erin in einem triumphalen Ton, „beende das Duell mit dem 10.000 Volt-Stoß!“

Erins Monster galoppierte auf Jiang zu und versetzte ihr einen gewaltigen Lanzenhieb.

Jiang schrie auf, bevor sie ihre restlichen Lebenspunkte verlor.

Jiangs Lebenspunkte: 2400 → 0.

Die Hologramme verschwanden nun langsam und das Wetter normalisierte sich.

Erins Gegnerin stützte sich auf ihren Oberschenkeln ab und so stark vorgebeugt, wie sie gerade stand, erreichte ihr schwarzer Zopf beinahe den Boden.

„Hehe, ich habe es mir doch gedacht, dass ich verlieren würde. Du bist zu stark für mich, Erin“, lobte Jiang.

Das Kompliment nahm Erin gerne an.

„Tja, ich sag doch, ich bin der Praxistyp! Aber dafür weißt du viel mehr über Duel Monsters. Ich finde, wir zwei geben ein gutes Team ab.“

Jiang nickte und lächelte.

Da das Duell nun beendet war, gingen die Mädchen gleich wieder auf ihr warmes Zimmer.

Beide waren nun ziemlich geschafft und mussten sich erst einmal in ihre Betten legen.

Nun war Erin auf Jiangs Vorgeschichte mit dem unhöflichen Slifermädchen gespannt:

„Erzähl mir von deiner alten Mitbewohnerin“, forderte sie, mit dem Blick in Richtung Zimmerdecke.

Ihre Mitbewohnerin atmete tief ein und begann wie während des Duells besprochen zu erzählen:

„Ich habe damals Désirée während der Aufnahmeprüfung kennengelernt. Tatsächlich war sie meine Gegnerin im Probeduell gewesen. Wir hatten uns schon während des Duells beide gut geschlagen, aber Désirée war noch ein wenig besser als ich im Duellieren. Am Ende des Probeduells hat sie dann mit Absicht einen Fehler in ihr Spiel eingebaut und sich mit mir auf ein Unentschieden geeinigt. Sie wollte um jeden Preis mit mir zusammen in einer Unterkunft wohnen, auch wenn das bedeutete, sich zurückhalten zu müssen. So kam es dazu, dass wir Mitbewohnerinnen und auch... enge Freundinnen wurden. Wir haben pausenlos gebüffelt und geübt, damit wir zusammen den Aufstieg zu Obelisk-Blue schaffen konnten. Doch dann...“

Jiang musste noch einmal Luft holen.

Als sie ihre Erzählung fortsetzte, konnte man deutlich den Zorn in ihrer Stimme vernehmen: „Doch dann haben wir eines Tages gesehen, wie Yunus Frau Ehring herausforderte.Ich gebe zu, dass der Junge etwas an sich hatte, seine rebellische Art wirkte auf Désirée sehr charismatisch und sie war wie du fasziniert von seinen seltenen Synchromonstern. Sie verliebte sich in ihn und ich...ich denke, ich war selbst ein wenig eifersüchtig.“

„Du meinst, du wolltest damals selbst mit Yunus zusammen sein?“, fragte Erin zwischendurch nach.

„Ähm, nein...Also so meinte ich das nicht, äh...“

Erin tat ihre Zwischenbemerkung etwas Leid, sie hatte Jiang offensichtlich in Verlegenheit gebracht.

Sie ließ sie nun in Ruhe weitererzählen.

„Naja, Désirée und Yunus sind schnell zu einem Paar geworden. Sie verbrachten fast jede Sekunde miteinander. Sie nahm sich keine Zeit mehr zum Lernen, lieber machte sie mit ihm irgendeinen Unsinn und handelte sich Ärger ein. Sie war zwar kurzweilig glücklich, aber sie hat viel geschwänzt und wenn nicht konnte sie dem Unterricht kaum noch folgen. Mir wurde es auch irgendwann zu anstrengend, sie ständig meine Hausaufgaben abschreiben zu lassen. Deshalb litt auch unsere Freundschaft. Kurz vor den Halbjahresprüfungen hatte Yunus dann sein Interesse an ihr verloren und sie aus dem Nichts abserviert. Sie war am Boden zerstört und sie tat mir deswegen ganz furchtbar Leid. Ich habe mein Bestes versucht, sie auf die schriftliche Prüfung vorzubereiten und wir haben uns für die Praxisprüfung als Partner eingetragen. Aber nach der Sache mit Yunus war Désirée nicht mehr sie selbst. Ihre Wissenslücken waren wegen ihrer Beziehung zu ihm zu groß geworden und sie hatte die schriftliche Prüfung in den Sand gesetzt. In der Praxisprüfung waren wir kaum mehr aufeinander eingespielt, sie lief ebenfalls schlecht. Ich muss gestehen, ich war damals, nach dem Tag-Duell sehr unfair zu ihr. Wir hatten uns zu Beginn des Jahres versprochen unser Bestes zu tun, um zusammen Aufzusteigen und ich hatte sie und Yunus alleine für unser Versagen in der Praxisprüfung verantwortlich gemacht.“

„Klingt übel... Désirée hätte im Probeduell zur Obeliskin werden können und ist dann zum Slifer abgerutscht“, fasste Erin zusammen.

Das erklärte nun so einiges, insbesondere in Bezug auf Jiangs starke Abneigung gegenüber Yunus.

Gleichzeitig erkannte sie in Jiangs Erzählung gewisse Parallelen zu ihrer Beziehung zu Fiona. Auch Fiona war ihre ursprüngliche Gegnerin im Probeduell gewesen und auch Fiona hätte damals sofort ein höheres Haus bewohnen können und ist nur wegen ihr und Mayla zu Slifer Red gegangen. Es gab zwar keinen Jungen, der zwischen ihnen stand, aber der giftige Umgang zwischen den Schülern der verschiedenen Häuser machte sich nun auch in ihrer Freundschaft bemerkbar und wurde zur Bedrohung.

Erin schluckte.

Sie nahm sich innerlich vor am nächsten Schultag ein klärendes Gespräch mit Fiona zu führen.

Egal was kommen mag, sie wollte nicht, dass es zwischen ihnen wie die bei Désirée und Jiang endete.
 

Am nächsten Morgen saßen Mayla und Erin im Auditorium auf ihren Stammplätzen.

Erin hielt den Platz neben sich frei.

Sie wunderte sich, der Unterricht würde in fünf Minuten beginnen und Fiona war nirgends in Sicht.

„Wo bleibt sie denn? Fiona ist doch sonst immer so überpünktlich? Hat sie dir irgendetwas geschrieben?“

Mayla schüttelte den Kopf und zuckte mit den Schultern.

„Ich finde das auch ulkig. Sie muss wohl verschlafen haben“, vermutete sie.

Erin sah sich nach ihr um und traute dann ihren Augen nicht.

Ganz rechtsaußen, mitten im Obeliskenblock und zu Lucia-Anns Linken sah sie Fiona sitzen.

Seelenruhig und wie selbstverständlcih, ohne, dass sie ihren beiden Freundinnen irgendetwas gesagt hätte.

Sie spürte die Wut in ihr aufsteigen.

Erin zeigte stumm auf sie, sodass Mayla sie nun auch entdeckte.

„Hmm, also Fiona hat doch bestimmt einen guten Grund, dafür, dass....-“

„Nimm dieses Mädchen nicht noch in Schutz, Mayla, sonst...sonst laufe ich hier gleich noch Amok!“, zischte Erin wütend.

Das war nicht zu fassen.

Erin kam sich lange nicht mehr so dumm vor, wie gerade in diesem Augenblick.

Sie hatte das ganze letzte Halbjahr Fiona für eine ihrer besten Freundinnen gehalten, für jemanden dem man vertrauen kann und für jemanden, der loyal ist.

Sie wollte es bis jetzt nicht glauben, dass Fiona sie wirklich im Austausch gegen ein paar bessere Karten bei Kevin hintergegangen hatte, aber inzwischen, mit ihrer Verbeugung vor Chris und ihrer plötzlichen Einschmeichelei bei Lucia-Ann passte das zu gut ins Bild.

Fiona hatte von Anfang an Erin nicht als Freundin gesehen, sondern bestenfalls als Rivalin und als naive Idiotin, die man ausnutzen könnte, um selbst eine Obeliskin zu werden.

Das waren zumindest ihre Gedanken in den ersten Minuten, nachdem sie Fiona im Obeliskenblock entdeckt hatte.

Während des gesamten Unterrichts haderte Erin mit sich selbst, wog innerlich ab, verfluchte sich abwechselnd selbst dafür, dass sie Fiona jemals vertraut hatte und dafür, dass sie gerade Kevin mehr traue, als ihrer eigentlichen Freundin.

Zwischen den Stunden spielte sie immer wieder Szenarien in ihrem Kopf durch, wie ein klärendes Gespräch zwischen ihr und Fiona verlaufen könnte.

Kurz vor Unterrichtsschluss gelang es Erin aus ihrer eignen, sich im Kreis drehenden Gedankenwelt zu entkommen und machte die nächste merkwürdige Entdeckung.

Unzählige Schülerinnen und Schüler um sie herum starrten in Erins und Maylas Richtung.

Kichernd, tuschelnd, eine Mitschülerin aus Ra-Yellow zeigte sogar mit dem blanken Finger auf sie.

„Weißt du vielleicht, was die anderen plötzlich von uns möchten?“, fragte Mayla Erin verunsichert.

„Keine Ahnung. Ist mir auch egal.“

Endlich ertönte der Schlussgong.

Erin sprang sofort von ihrem Platz auf, um Fiona zur Rede zu stellen.

Auch Fiona schien auf Erin zuzugehen.

„Okay, Fiona, ich hoffe für dich, du kannst mir erkl...hey!“

Ohne anzuhalten, drängte sich Fiona an Erin vorbei und hielt Mayla ihr Smartphone entgegen.

„Lies das“, befahl sie knapp in einem todernstem Ton.

Mayla sah ihre Freundin fragend an.

„Was soll das denn sein? Was soll ich lesen?“

„Die Februarausgabe der Schülerzeitung, lies einfach selbst die Titelseite.“

Erin war nun auf 180.

„Es reicht mir jetzt mit dir! Jetzt sollen wir auch noch die Propaganda von deinem geliebten Kronprinzen lesen, oder was?!“, fuhr Erin Fiona an, bemerkte dann aber den verstörten Gesichtsausdruck von Mayla.

Sie hielt die Hand schockiert vor ihren Mund.

„Oh nein....nein, das stimmt doch nicht!“, wimmerte sie mit Tränen in den Augen, „Warum...Warum schreibt der bloß so was Schlimmes über mich?“

Erin nahm ungefragt Fionas auf dem Tisch liegendes Handy und überflog selbst die Titelseite.

Sofort entdeckte sie das, was Fiona ihnen zeigen wollte und was Mayla gerade derartig fertig machte.

Es war ein Foto von Mayla und darüber unübersehbar die Überschrift:

„SELBSTERNANNTE SLIFER-KÖNIGIN: „ICH WERDE DEN OBELISKENKÖNIG STÜRZEN!““

Maylas Zielscheibe, die sie seit Wochen auf dem Rücken trug, ist heute noch ein erhebliches Stück größer geworden.
 

____________
 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Dongwuxia – Xiao Hu der Tiger: Stufe 4, 1600Atk, 1400Def, Typ Ungeheuer-Krieger, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Wähle einen Ausrüstungszauber in deinem Deck und rüste diese Karte mit dem gewählten Ausrüstungszauber aus.

Diese Karte erhält 300Atk für jeden Ausrüstungszauber, mit der sie ausgerüstet ist.
 

Dongwuxia – Long der Drache: Stufe 5, 1900Atk, 2100Def, Typ Drache, Attribut Wind, Effekt: Während des Zuges eines beliebigen Spielers: Wenn du einen Ausrüstungszauber aber kein Monster kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören, indem du 1000 Lebenspunkte bezahlst. Wenn du dies tust, kann diese Karte bis zum Ende des Zuges nicht zerstört werden.

Diese Karte erhält 500Atk für jeden Ausrüstungszauber, mit der sie ausgerüstet ist.
 

Dongwuxia – Qing die Schlange: Stufe 4, 1300Atk, 1800Def, Typ Reptil, Attribut Wasser, Effekt:

Einmal pro Zug, wenn diese Karte mit einem Ausrüstungszauber ausgerüstet wird: Füge deiner Hand eine „Dongwuxia“-Karte aus deinem Friedhof zu.

Diese Karte erhält 400Atk für jeden Ausrüstungszauber, mit der sie ausgerüstet ist.
 

Neue Zauber:
 

Dongwuxia – Tradition: Permanente Zauberkarte:

Ausrüstungszauber, die du kontrollierst, werden nicht zerstört, wenn das ausgerüstete Monster zerstört wird. Ausrüstungszauber, deren ausgerüstetes Monster zerstört wird, werden auch als Permanente Zauberkarten behandelt und bleiben in der Zauber- und Fallenkartenzone.

Einmal pro Zug kannst du Monster, die du kontrollierst mit beliebig vielen Ausrüstungszaubern, die du kontrollierst und die kein Monster ausrüsten, ausrüsten.
 

Legendärer Guan-Dao: Ausrüstungszauber:

Das ausgerüstete Monster erhält 600 Atk. Wenn das ausgerüstete Monster ein Monster im Verteidigungsmodus im Kampf zerstört: Du kannst deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Atk des angreifenden Monsters zufügen.
 

Dreistock Sanije Gun: Ausrüstungszauber:

Das ausgerüstete Monster erhält 900 Atk. Wenn das ausgerüstete Monster Kampfschaden zufügt: Erhöhe den Kampfschaden um 900 Punkte.
 

Neue Fallen:
 

Erbe des Schwertmeisters: Normale Falle:

Füge deiner Hand eine beliebige Ausrüstungszauberkarte aus deinem Deck zu. Du kannst bis zum Ende des Zuges keine Ausrüstungszauber mit anderem Namen als die zugefügte Karte aktivieren.

Der Albtraum beginnt

Maxim ging mehr oder weniger entschlossen und mit hastigen Schritten durch die flurartige Halle zum Thronraum des Obeliskenkönigs entlang.

Der Weg zum Thronsaal befand sich im Erdgeschoss der großzügig ausgestatteten Unterkunft.

Gülden eingerahmte Porträts von den besten ehemaligen Absolventen und Profiduellanten zierten die weißen Wände und ließen sich von den pompösen Deckenlampen beleuchten.

Es fühlte sich für den Chefredakteur der Schülerzeitung ein wenig an, als würde er zu seiner eigenen Hinrichtung marschieren, denn dass Ihre Majestät persönlich eine Konferenz der Krone wenige Tage nach der brisanten Februarausgabe befahl, verhieß nichts Gutes für ihn.

Aber davon ließ er sich nicht ausbremsen, er war sowieso schon spät dran.

Maxim stand vor den hohen Toren des Thronsaals und betätigte den automatischen Türöffner.

Die Türen öffneten sich mit einem langsamen Raunen und Maxim sah bereits, wie der Obeliskenkönig auf seinem Thron saß.

Er schritt nun langsamer und bedächtiger in runden, wie aus einem alten Adelshaus wirkenden Saal, der im Zweifel Platz für alle Obelisk-Blue-Schülerinnen und-Schüler bieten sollte, jedoch im Moment annähernd leer war.

Maxim konnte auf dem Mosaikfliesen des Saales jeden seiner Schritte hören.

„Du hast uns warten lassen, Maxim!“, bemängelte Zoe harsch.

Sie stand mit ernster Miene und verschränkten Armen zur Rechten des Königs, während Imani und Chris nebeneinander zu seiner Linken standen und Maxim ebenfalls streng musterten.

Er kniete und verbeugte sich vor dem Obeliskenkönig, so wie die Blaue Ehre es gebot.

„Eure Hoheit, ich bitte darum mein Verspäten zu entschuldigen. Es ist mir wie immer ein große Ehre!“

Auf dem goldenen Thron mit obeliskblauer Polsterung und mit Saphiren verziert saß der stärkste Duellant der Akademie, wenn nicht der gesamten Akademiegeschichte.

Ihre Hoheit, der neunte Obeliskenkönig Aland Kaya.

Aland trug neben der standardmäßigen weiß-blauen Obelisk-Blue-Kronprinzen-Uniform scheinbar bis zu den Unterarmen reichende , weiße Samthandschuhe, die am Handrücken ein blaues Symbol in Form des Schädels von Obelisk dem Peiniger aufwiesen.

Auch sein kompletter Halsbereich war von einer weißen Haube bedeckt und auf dem Kopf von Aland befand sich sein einzigartiger, blauer Helm.

Die untere Hälfte des Helmes war der sagenumwobenen Götterkarte nachempfunden, der ab der Stirn in eine goldene, ebenfalls mit Saphiren bestückte Krone überging.

Über der Uniform trug Aland wie es von einem König der Obelisken zu erwarten war, einen obeliskblauen Mantel mit einem Rand aus weißem Kunstpelz.

Es war nicht das kleinste Stück Haut zu sehen.

So ruhig und zurückgelehnt, wie der Obeliskenkönig auf seinem Thron residierte, verriet nur sein sich kaum merklich auf und ab bewegender Brustkorb, dass sich unter seiner Aufmachung überhaupt ein Mensch und nicht einfach nur ein Mannequin befand.

„Du darfst wieder aufstehen, Maxim Dreher.“

Seine Stimme klang durch den Helm blechern, beinahe maschinell, wenn auch, zu Maxims Erleichterung nicht verärgert oder böswillig.

Maxim stand auf und Aland lehnte sich ein wenig vor und stützte sich dabei auf seine Oberschenkel auf.

„Ich bedanke mich von Herzen dafür, dass ihr alle unser Aufeinandertreffen so spontan einrichten konntet“, begann der König seine Ansprache, „Aufgrund der erst seit Kurzem beendeten Diebstahl- und Raubserie und aufgrund des offensichtlich erlogenen Geständnisses eines Slifer-Schülers ist die Schülerschaft aller drei Akademiehäuser zurecht verunsichert. Es kommt zu unerwünschten Duellaufforderungen, Beleidigungen und sogar zu Gewalt gegenüber Slifer-Red-Schülerinnen und -Schülern. Diesem Missverhalten machen sich leider auch Obelisken, insbesondere der ersten zwei Jahrgänge schuldig. Unsere gemeinsamen Bemühungen die Blaue Ehre aufrecht zu erhalten und durchzusetzen sind bisher gescheitert. Stattdessen...“, Aland wandte seinen Kopf nun direkt in Maxims Richtung, „...muss ich nun lesen, dass ein Slifermädchen des ersten Jahrgangs, eine „Sliferkönigin“, versucht eine Rebellion gegen die Krone anzuzetteln. Wenn dieses Mädchen mit ihrem Vorhaben Anklang findet und sei es auch nur innerhalb des Slifer-Hauses, dann droht die Akademie im Chaos zu versinken. Diesen Entwicklungen gilt es um jeden Preis entgegen zu wirken! Ich nehme an, ihr habt bereits Ideen zur Behebung dieses Problems gesammelt?“

Imani verneigte sich kurz und begann als Erste zu sprechen: „Verehrte Hoheit, ich möchte keinesfalls Eure Bedenken kleinreden. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass weder ich noch Chris, derdie ja wie Ihr wisst selbst zum ersten Jahrgang gehört und deren Mitschüler stets im Blick hat, die Existenz einer selbsternannten Sliferkönigin bestätigen können. Die Schülerin, auf die Maxims letzter Leitartikel anspielt, heißt Mayla Deniz und sie genießt zwar im Sliferhaus einen großen Respekt, erhebt selbst aber keinerlei erkennbaren Führungsansprüche und stachelt auch niemanden zu einer Revolte gegen die Krone auf.“

Innerlich rollte Maxim mit den Augen.

Es waren immer wieder die gleichen zwei Personen, die ihm an den Karren fahren mussten.

Aland nickte nachdenklich und sah dann in Maxims Richtung.

„Das sind schwere Vorwürfe. Was kannst du zu deiner Verteidigung sagen, Maxim?“

„Nun“, antwortete Maxim mit einem kaum wahrnehmbaren Zittern in der Stimme, „Jeder Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit der Schülerzeitung-AG. Für den Leitartikel haben wir in der Regel ein Kernteam von insgesamt fünf Schülerinnen und Schülern, welche bei der Recherche mitwirken, um den hohen journalistischen Standard zu erfüllen, den man von uns erwartet, Eure Hoheit. Das bedeutet gleichzeitig, das nicht nur ich von den aufrührerischen Absichten dieser Mayla erfahren habe, sondern von mir unabhängig auch die restlichen vier Mitglieder meines Teams in ihr eine Bedrohung für die Krone sehen. Und für mein Kernteam lege ich meine Hand ins Feuer.“

Chris lächelte Maxim milde an: „An dein Kernteam konnte ich mich in der letzten Ausgabe gar nicht erinnern, Maxim. Soweit ich weiß, hattest du im Alleingang ein falsches Geständnis eines Slifer-Jungen abgedruckt, nicht wahr? Oder willst du mir weismachen, dass nicht einer aus deinem Team dahinter gekommen war, dass es sich bei den angeblichen Diebstählen um illegale Duelle handelte?“

Imani kicherte nun gehässig.

„Deine Hand legst du für diese Nieten also ins Feuer? Dann pass mal auf, dass du dir nicht erneut die Finger verbrennst!“

Auch durch Alands Helm schepperte nun ein amüsiertes Gelächter.

„Ich denke, so ziemlich jeder hat sich einmal die Finger verbrannt...in der einen oder anderen Hinsicht. Zoe, was denkst du über diese Mayla Deniz? Stellt sie eine Gefahr für uns dar?“

Ihre Antwort kam schnell und souverän.

„Nein, mein König, das Mädchen selbst sehe ich nicht als das zentrale Problem an. Das, was uns als Krone langsam aber stetig die Kontrolle über die Schülerschaft entreißt, ist die innere Uneinigkeit.

Die Kronprinzen und -prinzessinnen müssen gemeinsam den übrigen Obelisken gegenüber eine klare Werterichtung vorgeben und diese Richtung hat sich traditionsgemäß an der Blauen Ehre zu orientieren. An der Stelle hat Maxims neuester Artikel komplett versagt.“

Es war, wie der vierte Kronprinz befürchtet hatte.

Ihm war bewusst gewesen, dass er mit der Geschichte von der Sliferkönigin ein großes Risiko eingegangen war und nun musste er sich alleine gegen die übrigen Kronprinzen oder Kronprinzessinnen behaupten.

„Wie gesagt, hinter jeder Ausgabe steht eine Menge Arbeit und wir tun unser Bestes, um stets der Wahrheit...-“

„Es ist egal, was die Wahrheit ist, Maxim!“, unterbrach ihn Zoe.

„Wie gesagt, ich glaube nicht, dass sich ernsthaft ein Slifer des ersten Jahrgangs freiwillig mit ihrer Majestät messen wollen würde. Aber selbst wenn alles in deinem Artikel stimmt und diese Mayla sich selbst als Königin sieht und gegen uns rebellieren will, dann ist dies nichts, was in Zeiten wie diesen für alle Schüler sichtbar publiziert werden sollte! Dein Hetzblatt hat es geschafft, die Obelisken, die schon vorher die Blaue Ehre missachteten weiter gegen die Slifer aufzuheizen und mobilisiert gleichzeitig jene Obelisken, die die Blaue Ehre verteidigen wollen dazu, in unserem Namen gegen die angebliche Königin und ihre Freunde vorzugehen.“

Sie sah Maxim ernst an.

„Offen gesagt, kann ich mir diese Verfehlung nicht mehr mit reiner Dummheit erklären. Wir haben einen Unruhestifter in den eigenen Reihen. Deshalb bitte ich Ihre Hoheit erneut darum, Maxim komplett von der Schülerzeitung zu verweisen. Darüber hinaus müssen wir ebenfalls alle AG-Mitglieder entfernen, die an dem letzten Artikel mitgearbeitet haben, um an ihrer Stelle Leute aufzustellen, die in unserem Sinne handeln und den Frieden sicherstellen. Notfalls übernehme ich gerne selbst den Posten der neuen Chefredakteurin. Die Schülerzeitung-AG hat das Sprachrohr der Krone zu sein!“

Maxims Herz stockte bei Zoes Vorschlag.

„Das geht zu weit, Zoe, eine derartige Gleichschaltung eines freien Mediums überschreitet die Kompetenzen des Königs deutlich!“, widersprach Maxim vehement.

Imani schaltete sich ein: „Deshalb wirst du auch selbst dein Kernteam davon überzeugen freiwillig die AG zu verlassen. Das ist das Mindeste, das du nach all dem Schaden für uns tun kannst! Wenn du nicht kooperierst, kann man dich auch genauso gut aus dem Haus Obelisk-Bue verweisen.“

Maxim presste vor Anspannung die Lippen aneinander und blickte in die ihn abschätzig ansehenden Augen von Zoe zu seiner Linken und der rechts von ihm stehenden Imani.

Chris wahrte deren kühles Pokerface und lächelte ihn hingegen weiterhin freundlich an.

Nach dem Wortgefecht atmete König Aland tief ein.

„Chris und Imani. Ich nehme also an, ihr unterstützt Zoes Vorschlag?“, fragte er und Imani antwortete.

„Ja, das tun wir, Eure Hoheit. Um die Unruhen zu beenden, müssen wir die Meinungshoheit haben. Hierzu ist die Schülerzeitung ein wertvolles Instrument.“

Chris bekräftigte Imani mit einem stummen Nicken.

Aland lehnte sich nun wieder zurück, mit einer Hand in einer Denkerpose am Kinn seines Helmes.

Er schwieg und überlegte in Ruhe.

Es war offensichtlich, Zoe, Chris und Imani hatten sich schon im Voraus gegen Maxim verschworen und es fiel ihm schwer sich gegen den Einfluss, den die drei auf den Obeliskenkönig hatten, zu behaupten.

Er musste jetzt seinen Zug machen, um König Aland vom Vorhaben der anderen drei abzuhalten.

„Bitte, Eure Hoheit, Ihr müsst bedenken, dass...-“

Aland brachte Maxim augenblicklich zum Schweigen, indem er gebieterisch seine linke Hand hoch

hielt.

Aland dachte noch einen Augenblick nach, bevor er seine Entscheidung verkündete:

„Maxim, mit deiner Arbeit hast du in den letzten beiden Monaten Lügen verbreitet, Ängste geschürt und unschuldige Mitschüler in Gefahr gebracht. Ich fordere dich dazu auf, die Schülerzeitung-AG komplett zu verlassen und dich auch andersweitig nicht journalistisch zu beteiligen. Kannst du dieser Aufforderung nachkommen?“

„Ja, Eure Hoheit, ich werde noch heute meinen Rücktritt in der AG bekannt geben“, antwortete er kurz und bemüht, so unterwürfig wie möglich zu klingen.

„Ich danke dir für deine Einsichtigkeit, Maxim. Die restlichen Mitglieder der AG dürfen bleiben, sofern sie es wünschen. Die neue Führung in der Spitze der Schülerzeitung wird intern entschieden, ohne dass wir uns einmischen. Ich kann Zoes Wunsch die Schülerzeitung komplett unter unsere Kontrolle zu bringen gut nachvollziehen. Aber gleichzeitig würde ein kompletter Austausch des Führungspersonals als eine Überschreitung der mir als Obeliskenkönig zustehenden Macht unseren Kritikern nur noch weitere Munition gegen uns liefern.“

Aland wartete kurz ab, bis alle anderen Anwesenden ihre Unterstützung seiner Entscheidung durch eine kurze Verbeugung bekundigten.

„Trotz seiner Funktion als dritter und nun vierter Kronprinz hat Maxim sich stets bemüht, unabhängig von den Wünschen der Krone zu berichten und genau so muss es auch in Zukunft weitergehen. Die Freiheit und die Unabhängigkeit der Schülerzeitung muss geachtet werden.“

Damit war es offiziell, Maxim war nicht mehr länger der Chefredakteur der Schülerzeitung, ein wichtiger Teilsieg für Maxims Gegner*innen, der diese offenbar nicht ganz unzufrieden stimmte.

Zoe brachte nun eine weitere Idee vor, wie sich die Krone und die Blaue Ehre unter den Obelisken wieder an Bedeutung gewinnen könnte.

Als sie ihren Vorschlag erstmals unterbreitete, klang es fast wie ein Entschuldigung ihrerseits, dass ihr kein besserer Gedanke gekommen war.

Sie führte ihre Idee mit Bedacht aus, begründete und verteidigte sie ausführlich, doch das minderte nicht das erkennbare Unverständnis seitens Imani und Chris.

Anscheinend hatten die drei doch nicht alles gemeinsam im Voraus besprochen, aber das war in diesem Fall wohl kaum verwunderlich.

Imani hielt eine Hand an die Stirn und schüttelte den Kopf.

„Dein Vorhaben ist Wahnsinn und verstößt gegen so ziemlich alles, was uns die Blaue Ehre befiehlt! „, entgegnete sie erzürnt, Das kann doch nicht dein Ernst sein?!“

Zoe seufzte.

„Aber auf diese Weise könnte Ihre Majestät endlich einmal ein Zeichen setzen. Seine Autorität beweisen.“

„Ich bin ebenfalls dagegen“, sagte Chris in einem ruhigen Ton, „Soweit ich weiß kam so etwas in der gesamten Akademiegeschichte nicht ein einziges Mal vor. Der Direktor würde das unmöglich zulassen.“

Maxim musste sich nach diesem Satz ein spöttisches Lachen verkneifen.

Er kannte den Direktor um einiges besser als Chris und war sich auch sicher, dass Herr Schrainmann Zoes Idee durchaus zustimmen könnte.

Ein wenig verlegen schob sich die erste Kronprinzessin nun eine Strähne hinter das Ohr.

„Gut, vergessen wir es. Es...war nur ein recht spontaner Einfall, aber vermutlich schätze ich die Lage auch falsch ein.“

„Ich finde deine Idee gut“, widersprach Maxim und lächelte Zoe, die bei Aland soeben noch seinen Rauswurf aus der Schülerzeitung erwirkt hatte, so freundlich er konnte an, „Es ist durchaus ein Zeichen der Stärke und gleichzeitig auch ein Zeichen des Zusammenhalts unter den Obelisken. Der König würde wahrscheinlich sogar unter seinen Kritikern an Popularität gewinnen, also warum geben wir unseren Mitschülern nicht einfach das, was sie wollen? Wir sollten zumindest einmal den Direktor dazu befragen, ob er sich deinem Plan wirklich in den Weg stellen würde.“

Er sprach nun auch Chris an: „Bei unserem letzten Aufeinandertreffen hieß es noch, dass du ihre Majestät unbedingt stützen willst und wir alle zusammenhalten müssten. Da verwundert mich dein Einwand doch ein wenig.“

Chris schnaubte bei dieser Stichelei verächtlich, sehr zu Maxims Zufriedenheit, der es nun geschafft hatte deren unleserlichen Fassade eine Emotion zu entlocken.

Die Kronprinzessinnen und Kronprinzen hatten einander alles Nötige gesagt und schließlich gab auch Aland seine Meinung Preis: „Wenn es wirklich der Wunsch der Obelisken sein sollte, dann erkenne ich dein Opfer an, Zoe. Ich werde Herrn Schrainmann so schnell wie möglich konsultieren und bin optimistisch ihn überzeugen zu können. Chris, du wirst in der Zwischenzeit bitte dieser Mayla ein Angebot machen. Sollte sie dieses ablehnen, werden wir uns eine Alternative überlegen müssen.

„Sehr wohl, Eure Hoheit“, sprach Chris ruhig und verbeugte sich dabei rasch und tief.

„Imani, magst du uns noch etwas mitteilen? Du siehst unglücklich aus“, dröhnte Alands Stimme durch seine Maskerade.

„Kritik an der Entscheidung des Obeliskenkönigs ist nicht zulässig. Ich vertraue auf unser System und dass wir es schaffen werden Normalität wiederherzustellen“, entgegnete sie, bemüht ihre eigenen Bedenken überspielend.

„Verstehe. Ich danke deinem Vertrauen. Wenn es ansonsten keine weiteren Anmerkungen gibt, so erkläre ich hiermit unsere Konferenz für beendet. Ich werde mich nun auf mein Zimmer zurückziehen und ausruhen“, verkündete der König.

Er griff nach seiner hinter der linken Armlehne des Throns verstecken Krücke und mühte sich mit leichtem Gestöhne auf die Beine.

Danach humpelte er, den Thronsaal als Erstes verlassend, voran.

Die Kronprinzen und -prinzessinnen warteten ehrfürchtig und gaben ihren körperlich eingeschränkten König die Zeit, die er brauchte, um den Türöffner am Ende des Thronsaals zu bedienen.

Sein Titel, sein Auftreten, seine Stimme verliehen Aland Kaya eine nahezu übernatürliche Aura, die jedem im Umkreis Respekt einflößte und so empfand es Maxim jedes Mal aufs Neue überraschend mitzuerleben, wie gebrechlich und schwach ihr König tatsächlich war.

Der mächtigste Duellant der Akademie bot, sobald er versuchte zu Gehen einen gerade zu erbärmlichen Anblick und darüber hinaus quälte er sich damit eigene Entscheidungen zu treffen oder Ideen zu entwickeln.

Sowie sein Körper von dieser Krücke abhängig war, so war sein Geist abhängig von der Beratung der Kronprinzen und -prinzessinnen.

Als schließlich auch die anderen gegangen waren, erlaubte sich Maxim ein erleichtertes Lachen.

Dieses gefürchtete Treffen war doch noch relativ gut verlaufen.

Den Posten des Chefredakteurs zu verlieren, war zwar ärgerlich, aber, solange sein Team bleiben könnte, insgesamt kaum von Bedeutung.

In dem knappen Jahr, in dem er die Schülerzeitung leitete, hatte er sich mit Schülerinnen und Schülern umgeben, die ihm gegenüber und, noch wichtiger, den Konstanzer Kindern gegenüber bedingungslos loyal waren.

Ganz egal, ob er nun rausgeworfen wurde oder nicht, er behielt weiterhin die Macht über das, was die Akademie jeden Monat aufs Neue lesen würde, lediglich der Name unter den Artikeln würde ein anderer sein.

Und die naive Annahme des Königs, dass frei und unabhängig berichtet werden würde, hatte seine Alliierten vor Zoes Wunsch nach absoluter Kontrolle gerettet.

Langsam schlenderte er schließlich alleine aus dem Saal und die darauf folgende Halle.

So scharfsinnig es von Zoe und den anderen beiden war, einen Austausch der AG-Mitglieder zu beantragen, so kurzsichtig war ihre zweite Idee.

Ein zweites Mal lachte Maxim leise vor sich hin.

Der Direktor wird dem König nicht im Wege stehen wollen und wenn Mayla dumm genug sein sollte, Chris Angebot anzunehmen, dann wird der wahren Rebellion bald nichts mehr im Wege stehen.
 


 

°°°
 


 

Mayla schwebte durch die ihr bereits so vertraute Finsternis und hörte die dabei ihr bereits so vertrauten Stimmen.

Die ursprüngliche Angst vor dieser dunklen Welt, die sich in ihrem Kopf befand, hatte sie in den letzten Tagen gänzlich hinter sich gelassen.

In den letzten Tagen war es tagsüber schlimm geworden, noch schlimmer als zuvor.

Sie konnte keinen Schultag verbringen, ohne, dass sie von verärgerten Ras oder Obelisken veralbert, beleidigt oder bedroht wurde, oftmals kam davon alles mehrfach an einem Tag vor.

Mayla war jetzt die verspottete Sliferkönigin, ohne jemals die Wahl gehabt zu haben.

Der morgendliche Gedanke, sich der Tortur erneut stellen zu müssen, löste inzwischen Bauchschmerzen bei ihr aus.

Nach Unterrichtsende wurde sie jeden Tag von wem Neues herausgefordert und inzwischen machten ihr die Duelle so gut wie keinen Spaß mehr.

Es war anstrengend geworden, sich immer wieder gegen ihr feindlich gesinnte Rüpel durchsetzen zu müssen.

Erin und Fiona versuchten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen, aber die schienen miteinander ihre eigenen Probleme zu haben.

Fiona versuchte unter den Obeliskinnen selbst neue Freunde zu finden und war deshalb für ihre Verhältnisse ungewohnt vorsichtig, wenn es darum ging, Mayla in Schutz zu nehmen.

Sie konnte Fionas Hin- und Hergerissenheit auch gut nachvollziehen, aber Erin war offensichtlich deswegen ziemlich sauer auf sie.

Untereinander wechselten sie kaum ein Wort mehr.

Zumindest Daniel stand ihr immer treu bei, aber das alleine war Mayla nicht genug.

Warum kann es nicht wieder so sein wie früher?

Wozu dieser sinnlose Streit?

Warum der plötzliche Hass auf sie?

Wir sind doch immer noch die gleichen Menschen wie damals, oder?

„Bist du traurig? Du sendest Traurigkeit aus.“

Mayla lachte über diesen Satz.

„Das habe ich noch nie gehört. Man kann traurig aussehen, aber Traurigkeit aussenden?“

„Das ist dein Ort. Deine Gefühle erfüllen ihn mit Leben.“

Kryptisch wie immer.

Die Stimmen waren heute Nacht wieder sehr deutlich, eine gute Gelegenheit, um einen neuen Versuch zu starten: „Wie heißt ihr?“

„Du kennst unsere Namen, Mayla. Wir sind ____________.

Deine Freunde, die ____________.

Ihre bis eben noch freudigen Mundwinkel zogen sich enttäuscht wieder herab.

Sie konnte die Namen einfach nicht verstehen.

Es war wie ein Rauschen, als ob die Stimmen von einem stürmischen Meer verschluckt werden, wenn sie versuchten ihrer Frage zu beantworten.

„Habe ich leider nicht ganz verstanden, das tut mir Leid.“

„Es ist in Ordnung. Lass dir so viel Zeit, wie du brauchst. Können wir dir bei deinen Sorgen helfen?“

Mayla überlegte kurz.

„Ich wüsste nicht wie. Ihr sagtet doch, dass nur ich euch hören kann, oder?“

„Wir könnten dich noch immer stärker machen.“

„Hm, danke, das ist ein nettes Angebot. Aber ich denke, ich habe sehr viel geübt und bin jetzt stark genug. Wenn ich wollte, könnte ich dieses Mal sogar...ihn besiegen. Da bin ich mir sicher.“

„Duelle zu gewinnen ist nicht die einzige Form von Stärke. Es gibt eine andere, wichtigere Form von Stärke, zu der wir dir verhelfen können. Es ist die besondere Fähigkeit mit Schmerzen umzugehen.“

„Mit...Schmerzen...umzugehen?“, sprach sie den Stimmen langsam nach.

„Es ist die wohl wichtigste Stärke, die ein Mensch haben kann. Denn eure Leben sind schmerzhaft.“

„Das finde ich aber ziemlich pessimistisch. Auch wenn es hin und wieder nicht so gut läuft, so lange man Freunde hat, kann alles besser werden.“

„Stimmt, du hast ja Freunde, Wir sind deine Freunde. Deshalb wollen wir dir ja helfen. Wir wollen deinen Schmerz beenden.“

Sie lächelte, während sie sich entspannt in der Dunkelheit treiben ließ.

„Na gut, wenn ihr drauf besteht, dann möchte ich mir helfen lassen. Sagt mal, was ihr genau für mich tun könnt.“

„Schließ deine Augen, Mayla.“

„Wozu denn? Man sieht hier doch sowieso nichts?“

„Du wirst sehen, was vor dir liegt, sobald du aufhörst die Dunkelheit zu sehen.“

Das klang derart abwegig, das es auf eine merkwürdige Art schon fast wieder Sinn ergab.

Aber die Stimmen würden wohl schon wissen, was sie tun, sie schienen zumindest viel zu wissen.

Mayla schloss die Augen.

Vor ihrem Gesicht erkannte sie eine Karte, erst schwach, doch mit der Zeit wurde das Bild immer heller und schärfer.

Eine Effektmonster-Karte, das konnte sie von Anfang an an der Farbe erkennen.

Wenige Momente später, sah sie die Stufe, es war lediglich ein Monster der Stufe 1.

Das Bild war verschwommen, es sah ein wenig aus, wie ein braun-grauer Schmetterling.

Danach war auch der Name lesbar, wenn auch nur unter großer Anstrengung.

„Nachtschattenterror Totem. Klingt ja echt fies, zumindest für ein Monster mit so einer schwachen Stufe.“

„Aber diese Karte ist der erste Schritt in Richtung Stärke. Wenn du sie findest, wird sie dir den weiteren Weg weisen. Wir spüren ihren Geist.“

„Was soll DAS denn jetzt hei...aaAAAH!“

Eine plötzliche Erschütterung ging durch die Dunkelheit, es fühlte sich an wie ein Erdbeben.

Die Stimmen riefen wieder und wieder nach ihr, wurden aber leiser und waren letztlich nicht mehr zu hören.

Währenddessen schaukelte Mayla unaufhörlich hin und her.

Sie riss die Augen auf.

„Hey, Mayla. Bist du wach? Ich glaube, du hattest einen üblen Albtraum“, flüsterte ihre Mitbewohnerin.

Es war immer noch dunkel, wenn auch weniger dunkel als in ihrem Traum.

Jenny stand vor ihr und hatte sie offensichtlich wachgerüttelt, während über den beiden Ugur genüsslich vor sich hin schnarchte.

„Hmpf, ja, alles gut, denke ich“, antwortete die noch schlaftrunkene Mayla quengelig.

„Wirklich? Du hast heute wieder im Schlaf geredet und zwar so laut, dass ich davon wach geworden bin. Irgendwas mit „Traurig“ und „Schmerz“ und „Terror“. Das kann dann ja kein guter Traum gewesen sein.“

Jenny meinte es wohl nur gut.

„Danke, es ist lieb, dass du an mich denkst. Ich möchte aber bitte weiterschlafen.“

Es könnte nun etwas dauern, bis sie wieder einschläft, Ugurs Gesäge war echt furchtbar.

Zum Glück war morgen Samstag, ergo konnte sie problemlos lange ausschlafen.

„Wie du magst, Mayla. Mann, ich wette, das lag an deiner komischen Bettlektüre. Wenn ich sowas wie „Ich beschwöre süße Jungs als Spezialbeschwörung“, lesen müsste, dann würde ich auch schlecht schlafen“, kommentierte Jenny und kroch wieder hoch auf ihr Mittelbett, „Gute Nacht.“

„Gute Nacht und bis morgen.“
 

Mayla war doch erstaunlich schnell wieder eingeschlafen, hatte allerdings nicht wieder von den Stimmen geträumt.

Es war merkwürdig.

Obwohl sie die Karte kaum richtig erkennen konnte, hatte sie sich alles von Nachtschattenterror Totem gemerkt, das sie gesehen hatte.

Falls man diese Traumerscheinung als „Sehen“ bezeichnen konnte.

Wenn es eine solche Karte tatsächlich geben sollte, dann hatte sie dafür auf der Akademie nur eine einzige Person, die sie danach fragen konnte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und ebenso ausgiebiger Selbstmotivation, brachte sie sich dazu, an Kevins Zimmertür zu klopfen.

Dreimal fest, sodass er es nicht überhören konnte.

„Einen Augenblick, ich komme!“, hallte es von Innen, bevor sich die Tür öffnete.

„Ah, die große Sliferkönigin beehrt mich mit einem Besuch. Tretet bitte ein“, begrüßte Kevin seine Kundin sarkastisch und ging wieder in das Zimmer zurück.

Eine Nachrichtensprecherin berichtete:„Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte die umstrittene Militärparade in Brest, nahe der belarussich-polnischen Grenze persönlich besucht.“

Kevin tippte wie wild auf die Fernbedienung auf seiner Hand ein, er tat sich schwer damit, den Fernseher auszuschalten.

„Vielleicht sind die Batterien leer?“, vermutete Mayla kleinlaut.

Sie überlegte sich kurz, ob sie nicht doch lieber gehen wollte.

„...-marschierten entlang der inzwischen von Belarus abgeschalteten Jamal-Pipeline. Der polnische Verteidigungsminister Błaszczak warf Lukaschenko „selbstgerechtes Säbelrasseln“ vor und forderte die NATO um Unterstützung an der Grenze an.“

Kevin hatte nun genug und zog einfach den Stecker.

„Klang ja unschön. Hoffentlich gibt es dort keinen Krieg.“

Kevin winkte ab.

„Zwischen Polen und Belarus brodelt es schon seit dem letzten Sommer, geht um Erdgas und viel Geld, im Grunde wie immer. Bleibt zu hoffen, dass sich Deutschland da raushält. Immerhin beziehen wir auch durch die Jamal-Leitung“, er lachte etwas verlegen, „Naja, beZOGEN durch die Jamal-Leitung.“

Für Mayla war das alles nur Kauderwelsch, sie hatte nur verstanden, dass ein Land das andere provoziert.

Sie kam auf ihr eigentliches Thema zu sprechen: „Ich suche nach einer bestimmten Monsterkarte. Hast du zufällig eine Karte mit dem Namen „Nachtschattenterror Totem?“ “

Kevin bewegte sich sofort zu einem seiner Ordner und begann zu suchen.

„Ich habe sie bestimmt, aber nicht zufällig. Ein gut organisierter Betrieb kennt keine Zufälle!“

Nach einer kurzen Weile hatte er den ersten Ordner durchgeblättert.

„Hmpf, dann woanders.“

Er schnappte sich einen zweiten und danach einen dritten Ordner.

„Ähm, bist du dir auch ehrlich sicher, dass du Totem besitzt?“

„Habe noch nie von der Karte gehört“, antwortete er, ohne zu ihr aufzusehen, „aber das ist ein positives Zeichen. Karten, die ich mir nicht merke, sind meist weniger seltene Ware, für den sich kaum ein Kunde interessiert und von den häufigeren Karten sollte ich ja logischerweise fast alle haben.“

Da war sich Mayla gar nicht mal so sicher.

Rein rational gesehen, sollte es diese Karte gar nicht geben, sie hatte sie ja lediglich erträumt.

Aber ein Versuch kostete sie ja nichts.

Plötzlich hielt er inne.

Mayla beugte sich vor und versuchte seinen Gesichtsausdruck zu lesen.

Hatte er...sich etwa erschrocken?

Er nahm das besagte Monster schnell aus seinem Ordner und hielt es Mayla vor die Nase, woraufhin sie sich die Karte dankend nahm und durchlas.

Nachtschattenterror Totem, Ein Zwilling-Effektmonster Vom Typ Insekt mit dem WIND-Attribut. Stufe 1, 250Atk, 250Def. Wird es erneut Normalbeschworen, dann darf es jedes Monster des Gegners einmal pro Battle Phase angreifen.

Der Name und die Stufe passten exakt und auch das Bild zeigte wie in ihrem Traum einen grau-braunen Nachtfalter.

Das konnte kein reiner Zufall sein.

Und wenn es kein Zufall war, dann gab es nur zwei mögliche Erklärungen für die Existenz dieser Karte:

Erstens, Maylas Bewusstsein hatte die Karte vergessen, ihr Unterbewusstsein aber nicht. Daraufhin hat ihr Unterbewusstsein sie mittels der Stimmen an den Nachtschattenterror erinnert.

Zweitens, die Stimmen im Kopf, die sie bisher für eine Art Geisteskrankheit gehalten hatte, waren echt und konnten ihr deshalb eine echte Karte präsentieren.

Offen gesagt, beides waren keine besonders beruhigenden Alternativen.

„Hast du immer noch Interesse an dem Ding? Selbst ein Laie wie ich erkennt, dass das Monster nicht zu deinem Deck passt.“

Kevin hatte wohl recht mit seiner Vermutung, dass sie keine besonders wertvolle Karte war. Ein Monster, das lediglich alle anderen Monster nach einer zusätzlichen Beschwörung angreifen konnte, war schon nicht besonders gut, aber gepaart mit nur 250 Angriffspunkten machte das den Nachtschattenterror Totem zur wohl miserabelsten Karte, die sie jemals gesehen hatte.

Dennoch...

„Die würde ich gerne behalten. Was möchtest du für die Karte im Gegenzug haben?“

„Hmm...Weißt du was? Die ist ein kleines Werbepräsent. Ich würde mir sowieso unanständig vorkommen, von dir für diesen Ramsch etwas zu verlangen.“

Diese ungewohnte Großzügigkeit von Kevin überraschte sie.

„Habe vielen Dank! Weißt du, du kannst richtig nett sein, wenn du nicht mit deinem gemeinen Bruder zusammen andere bestiehlst.“

„Ach, die alte Geschichte schon wieder. Der Direktor hat über Julian doch schon längst alle Karten zurückgegeben. Also ist doch niemanden ein bleibender Schaden entstanden, oder?“

Das sah Mayla zwar ziemlich anders, aber sie hatte keine Lust, das mit ihm auszudiskutieren. Sie begab sich mit Kevins Geschenk in der Hand zum Ausgang und wollte sich gerade verabschieden, als Kevin ihr zuvor kam: „Warte bitte kurz!“

Mayla sah den Kartenhändler neugierig an.

„Ich finde es gut, wie du dich für andere Slifer einsetzt und möchte dich so gut wie möglich unterstützen. Wir dürfen uns nicht länger so von den Obelisken unterdrücken lassen und eine eigene Königin zu haben, könnte dies der Obeliskenkrone unmissverständlich klar machen.“

„Du meinst, ich soll mich künftig wirklich als Sliferkönigin bezeichnen?“

Mayla war sich nicht sicher, ob sie das wollte.

„Wenn du damit für Frieden und Gerechtigkeit sorgen kannst, dann ist es die Sache wert, denke ich. Abgesehen davon, würde es mich freuen, wenn mich bei einem besseren Klima in Zukunft ein paar Obelisken besuchen würden. Die haben erwartungsgemäß die bessere Handelsware.“

Sie schüttelte vor Enttäuschung leicht den Kopf.

Bis eben hatte sich Mayla darüber gefreut, dass sich Kevin uneigennützig um das Wohl anderer kümmerte, aber letztlich ging es bei ihm immer nur um das Geschäft.

Sie verabschiedete sich und verließ Kevins Raum.

Als seine Zimmertür sich schloss, steckte Kevin sofort wieder seinen Fernseher ein, um sich abzulenken.

Das war komisch.

Und nicht die witzige Art von komisch.

Er hatte sich nicht an die Nachtschattenterror-Karte oder an ihren ursprünglichen Besitzer erinnert, bis Mayla soeben die alte Wunde offen gerissen hatte.

Nachtschattenterror Totem war die Karte, die im letzten Jahr ein Obelisk-Schüler vor seinem Abschluss mit Kevin getauscht hatte.

Der Obelisk-Schüler wurde seit seinem Abschluss nie wieder gesehen und Hecker hatte in einer seiner vielen E-Mails mit der Kellerfrau erfahren, dass er...

Kevin seufzte.

Mayla könnte genau wie Erin auch eine vielversprechende Mitstreiterin sein.

Hoffentlich wird ihr diese Karte also mehr Glück bringen als ihrem vorherigem Besitzer.
 

°°°
 

Auf dem Flur erinnerte sie sich an die Worte aus der letzten Nacht.

Die Stimmen spürten einen Geist in Nachtschattenterror Totem, die ihr den Weg zu mehr Stärke weisen würde.

Mit klaren und unmissverständlichen Aussagen hatten Maylas Stimmen wohl ihre Probleme.

Bisher hatte die Karte noch nichts in Mayla ausgelöst, so angestrengt sie sie auch betrachtete.

Sie überlegte und versuchte es dann nochmal damit, ihre Augen zu schließen.

Im Traum hatte es ja immerhin funktioniert.

Sie ging schnell in ihr Zimmer zurück, das sie im Moment glücklicherweise für sich alleine hatte, legte sich mit der Karte in den Händen in ihr Bett und machte die Augen zu.

Sofort fand sie sich im Dunkel wieder.

Vor ihr sah sie durch das Schwarz eine schwache, menschliche Silhouette und diese begann mit einer neuen, ihr noch unbekannten Stimme zu sprechen.

„Komm nach Mitternacht an das Ostufer der Insel, östlich vom Anlegeplatz. Mach dich bereit, deine Psyche und Duellfähigkeiten auf die Probe zu stellen und den Albtraum zu beenden.“

Die Stimme klang wie ein junger Mann und trotz der unheimlichen Worte nicht bedrohlich. Sie klang eher müde und traurig, so, wie ein flehender Hilferuf.

Sie öffnete wieder die Augen, lag kurz einfach nur da und musste die bisherigen Geschehnisse Revue passieren lassen.

Hatte sie gerade mit einem Geist Kontakt aufgenommen?

Oder verliert sie gerade einfach nur den Rest ihres Verstandes?

Sie hatte in ihrem Handy noch immer die Notfallnummer von Herrn Phillips, dem Schulpsychologen eingespeichert.

Aber sie weigerte sich auch zu glauben, dass die ganzen Stimmen und die korrekt vorhergesagte Karte Werke ihres Unterbewusstseins waren.

Und Mayla fühlte sich auch insgesamt nicht verrückt. Sie konnte dem Unterricht gut folgen und war was Duel Monsters anging in ihrer absoluten Spitzenform.

Sollte sie also wirklich der Stimme des Geistes folgen und sich mitten in der Nacht an das Ostufer der Akademieinsel begeben?

Und was würde dann dort passieren?

Wie sollte ihr das dabei helfen stärker zu werden?

Würde das ein vernünftiger Mensch tun?

Sie verstaute Totem vorerst in ihre Deckbox und ruhte sich für einen Moment auf ihrem Bett aus, bevor sie ihre Entscheidung fällte.

Sie ging zu Kevin zurück.

Sie klopfte an, er öffnete und Mayla kam gleich zum Punkt:

„Du hattest mir doch eben deine Unterstützung angeboten“, erinnerte sie mit einem breiten Lächeln, „auf das Angebot will ich gerne zurückkommen.“
 


 

°°°
 


 

Kevin stand zu seinem Wort und hat Mayla zu Liebe mit ihr zusammen Leroy davon überzeugt ein allerletztes Mal ein Auge zuzudrücken, falls er Daniel und Mayla nach 22 Uhr draußen herumlaufen sehen sollte.

Allerdings hatte Kevin keine besondere Beziehung zu der Person, die die Nachtwache für die Ra-Yellows übernahm.

Deshalb trafen sich Mayla und Daniel weit südlich der Ra-Unterkunft mit Erin, sodass sie kein unnötiges Risiko ertappt zu werden eingehen mussten.

Dieser Treffpunkt lag sowieso östlich von der Slifer-Unterkunft, weshalb dies keine großer Umweg für die beiden war.

Als die drei einander begrüßt hatten, lachte Erin verlegen: „Ich kann nicht fassen, dass wir wieder nachts die Insel unsicher machen. Kann man das inzwischen als Hobby bezeichnen?“

„Es tut mir Leid, dass ich dich immer wieder meine Probleme hineinziehe. Wenn du nicht magst, brauchst du nicht mit uns mitkommen“, entschuldigte sich Mayla kleinlaut.

Erin grinste sie an und legte ihr zur Aufmunterung die Hand auf die Schulter.

„Da solltest du mich aber inzwischen besser kennen! Ich lasse dich nicht alleine.“

Daniel räusperte sich.

„Alleine?“

Erin lachte erneut.

„Du weißt, wie ich das meine. Wir sind Freundinnen und halten zusammen. Abgesehen davon war das megaanstrengend mich aus dem Zimmer zu schleichen, ohne Jiang aufzuwecken. Die Mühe hab ich mir sicher nicht umsonst gemacht. Wo gehen wir hin?“

„Irgendwo an das östliche Ufer der Insel“, erwiderte Daniel mit einem Schulterzucken.

Erin sah ihn fragend an und wandte sich dann Mayla zu.

„Mayla, wir wüssten schon gerne, was du genau mit uns vor hast. Treffen wir uns heimlich mit jemanden? Moment... Du willst doch nicht etwa eine Revanche mit Barry, oder?!“

Sie zeigte auf die Dueldisk an Maylas linkem Arm.

„Schrei nicht so, sonst werden wir noch erwischt“, schimpfte Daniel.

Anstatt zu antworten, holte Mayla Nachtschattenterror Totem hervor und schloss die Augen.

Die Silhouette erschien vor ihr, genau wie heute Mittag.

„Ich bin bereit. Wenn ich zu dir kommen soll, dann musst du mir bitte den genauen Weg zeigen“,forderte Mayla die formlose Figur vor ihr auf.

„Wie meist du das? Ich habe DICH doch nach dem Weg gefragt“, fragte eine sich fälschlicherweise angesprochen fühlende, verwirrte Erin.

Die menschenähnliche Form nickte und schwebte dann vor Mayla her.

Sie öffnete ihre Augen wieder und meinte nun in der Ferne den Geist schwach erkennen zu können.

„Ich möchte euch beiden erklären, wohin ich genau will und was ich vorhabe. Aber versprecht mir bitte vorher, dass ihr mich begleitet, ganz egal, was ich euch gleich erzählen werde, okay?“

„Kein Problem, ich bleibe auf jeden Fall bei dir und passe auf dich auf“, sagte Daniel überzeugt.

„Erin?“

„Wie gesagt, ich lasse dich nicht alleine gehen. Und jetzt sag uns bitte, was Sache ist.“

„Okay...“

Mayla hielt ihren beiden Begleitern Nachtschattenterror Totem entgegen.

„Letzte Nacht haben die Stimmen wieder zu mir gesprochen und sie haben mir genau diese Karte gezeigt, die ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen habe. Sie sagten, ich solle diese Karte suchen und ihren Anweisungen folgen. Ich bin dann heute zu Kevin gegangen und es stellte sich heraus, dass es die Karte wirklich gab. Mit der exakt gleichen Stufe, Bild und Namen wie in meinem Traum.“Stop, stop, warte mal“, bremste Daniel sie in einem fragenden Ton aus, „du sagst, du hast im Traum eine unbekannte Karte gesehen und Kevin hatte diese Karte. Aber.... Aber das geht doch nicht, wie kannst du von etwas träumen, das du gar nicht kanntest?“

„Ich glaube, genau das ist für Mayla der springende Punkt, Daniel. Habe ich Recht?“

Mayla nickte eilig.

„Das ist aber nicht das einzig Rätselhafte, das mir heute passiert ist. Diese Karte hat ebenfalls zu mir gesprochen, ich sehe sogar den Geist dieser Karte im Moment vor mir. Der Geist möchte, dass ich ihn nach Mitternacht am Ostufer treffe. Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nicht einfach nur durchgedreht bin. Irgendetwas Übernatürliches geht hier vor sich und ich muss es ergründen.“

Erin und Daniel, die Mayla zuvor dazu gebracht hatte, mit ihr zu kommen, ohne dass sie wussten, worum es ihrer gemeinsamen Freundin ging, guckten nicht schlecht und hatten beide jeweils gefühlte hundert Folgefragen.

Beide nahmen Mayla nacheinander in den Arm.

Aber sie hatten beide soeben ein Versprechen abgegeben und es wurde ihnen mit der Zeit in der windigen Frühlingsnacht nicht wärmer, also einigten sie sich einfach darauf sofort loszugehen.

Mayla folgte dem Geist und Erin und Daniel liefen ihr unsicher hinterher.

Der schneidende Februarwind pfiff die Küste entlang.

Erin schluckte.

Sie wusste, dass Mayla gestresst war.

Gestresst durch die Schikane seitens der noch immer verärgerten Ras und Obelisken und durch den nächsten Lügenartikel, der sie als angebliche „Sliferkönigin“ hinstellte, die den Obeliskenkönig entthronen wollte.

Aber sie hatte nicht erahnt wie schlecht es wirklich um ihre beste Freundin stand.

Sie war inzwischen geisteskrank geworden, völlig losgelöst von der Realität.

Was sie brauchte war Hilfe.

Nicht die Scheiße, die Daniel und sie gerade machten, um Mayla in ihrem Wahn zu unterstützen.

Richtige, professionelle Hilfe.

Vermutlich mehr Hilfe, als ein bloßer Schulpsychologe leisten konnte.

Aber das war etwas, dass sie ihr unmöglich ins Gesicht sagen könnte.

Erin wusste, aus welchem Hintergrund Mayla stammte.

Ohne die Akademie blieb ihr nichts.

Keine Freunde, keine Familie, kein Zuhause.

Sie sah zu dem neben ihr herlaufenden Daniel und flüsterte ihn möglichst leise an, damit Mayla die beiden nicht hören würde.

„Bitte sag mir, dass du Maylas Geistergeschichte nicht glaubst.“

„Hm, wenn sie sich sicher ist...“

„Daniel!“, zischte sie.

Doch Daniel joggte nun ein Stück vor zu Mayla und ließ Erin damit hinter sich.

Sag mal, wartet Fiona schon bei der Obelisk-Blue-Unterkunft auf uns, oder...-“

„Ach, hör doch mit der arroganten Ziege auf!“, ärgerte sich Erin lautstark, „Die hängt inzwischen nur noch mit Lucia-Anns Gang rum. Die interessiert sich doch gar nicht mehr für uns! Deshalb macht sie sich auch nicht die Mühe ihre tollen neuen Obeliskenkumpel davon abzuhalten Mayla und dich zu drangsalieren!“

„Hör bitte auf, Erin...“, bat Mayla.

„Womit soll ich denn aufhören? Das ist nichts als die Wahrheit! Sie ist nicht unsere Freundin und das war sie auch nie wirklich!“

Mayla blieb nun stehen und sah Erin traurig an.

„Warum sagst du denn so etwas? Ist irgendetwas zwischen euch vorgefallen, dass du in letzter Zeit so stinkig auf sie bist?“

Erin zögerte, doch gab sich schließlich selbst einen Ruck.

Mayla war heute Nacht immerhin auch so mutig gewesen ihr ihre verrückte Geschichte zu erzählen, dann wurde es auch mal langsam Zeit ihr von ihrem Treffen mit Kevin, Maxim und Barry zu erzählen.

Während die drei weiter gingen, gab Erin ihren Freunden eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.

Sie erzählte ihnen davon, dass sich die drei persönlich kannten und Kevin und Maxim sogar ein Paar waren. Sie erzählte von der angeblichen Widerstandsgruppe gegen den Direktor, den Konstanzer Kindern und von der geheimnisvollen "Sie", die Erin indirekt die Donnerklang-Drachenreiterin und die Gewittersturmfestung Amperia geschenkt hatte. Sie erzählte davon, dass diese Sie ein besonderes Interesse an ihr hat, weil sie Erin wohl schon lange kennen würde und dass sie angeblich beinahe von einer geheimen vierten Götterkarte getötet worden wäre. Letztlich erzählte sie auch davon, wie Kevin von, wie Erin es im Beisein von Daniel nannte, „ihrer Vergangenheit“ wusste, obwohl sie nur mit Mayla und Fiona darüber geredet hatte.

Je mehr sie redete, desto wütender wurde sie auf sich selbst.

Wie konnte sie sich bloß monatelang derartig dämlich von Fiona ausnutzen lassen?

„Aber...wenn Kevin doch schon erzählt, dass diese unbekannte Frau ein Auge auf dich geworfen hat, dann kann es doch auch sein, dass er die Informationen von ihr hat, oder?“, fragte Mayla zum Schluss.

„Und wer soll meine mysteriöse Geheimfreundin sein, hä?“

Da wusste Mayla auch keine Antwort drauf und schwieg.

Natürlich hatte Erin schon über die Möglichkeit nachgedacht.

Aber wer sollte bitte sehr von dem Brand von vor sieben Jahren gewusst haben, darüber, dass ihr Vater dabei starb und sie nun eine retrograde Amnesie hatte?

Eine alte Familienfreundin, die Erin nicht kannte, oder vergessen hatte?

Warum würde sich dann nicht ihre Oma, die keine besonderen Gedächtnisprobleme hatte, an sie erinnern?

Warum würde diese Person nicht direkt mit ihr Kontakt aufnehmen, anstatt darauf zu warten, dass Erin irgendwann die Duellakademie besucht und Kevin kennenlernt?

Nichts davon ergab in irgendeiner Weise Sinn.

Es konnte nur Fiona gewesen sein, die Erins Geheimnis verraten hatte, das stand fest.

„Also, was mich stört“, begann Daniel, „ist, dass Maxim ebenfalls einen auf gerechter Freiheitskämpfer macht. Es ist doch alleine seine Schuld, dass Mayla jetzt ständig von Idioten verfolgt wird! Wie passt das denn bitte zusammen?“

„Ich denke, es passt schon zusammen, doch. Kevin hatte mir heute gesagt, dass wir Slifer uns nicht unterdrücken lassen dürfen und dass ich den Titel der Sliferkönigin mit Stolz tragen sollte. Wenn er und Maxim auf der gleichen Seite stehen und Maxim diesen Titel und die Idee, dass ich gegen den Obeliskenkönig rebelliere überhaupt ins Spiel gebracht hat, dann wird klar, was sie vorhaben: Sie wollen aus mir eine Widerstandskämpferin gegen die Obelisken machen, eine Symbolfigur, hinter der sich alle Slifer-Reds gegen den Rest der Akademie vereinen können“; schlussfolgerte Mayla.

„Aber warum gerade du? Gibt doch noch andere Slifer? Warum macht das nicht zum Beispiel Kevin persönlich?“

Mayla zögerte.

„Ich weiß es leider nicht. Vielleicht, weil ich für Slifer-Verhältnisse eine sehr gute Duellantin bin?

Weil ich mich für Julian und andere Slifer eingesetzt habe? Oder vielleicht ist es einfach nur die Freundschaft zu Erin, die für sie ja auch wichtig zu sein scheint. Jedenfalls stört mich, dass die drei so schlimm über den Direktor reden. Dabei hat er sich bis auf die Januarausgabe nichts zu schulden kommen lassen und selbst damals, mit dem falschen Geständnis, kann man argumentieren, dass er es nur getan hat, damit sich niemand mehr vor Barry fürchten musste, was ja auch tatsächlich geklappt hatte.“

„Du bist echt zu lieb manchmal. Alle Schülerinnen und Schüler so fies anzuschwindeln geht gar nicht, find ich. Was meinst du, Erin?“

„MAYLA!! PASS AUF!!“, schrie sie und riss ihre Freundin im letzten Moment zurück, bevor sie stumpf über die Küstenklippe hinaus gelaufen wäre.

Erin lag auf dem Rücken auf dem Boden und Mayla lag halb auf ihr drauf.

„Oh nein! Erin! Habe ich dir weh getan?“

„Das sollte wohl eher ich dich fragen! Aber mir geht es okay, solange du nicht den nächsten unfreiwilligen Selbstmordversuch startest!“

Die beschämte Mayla ließ sich von Daniel hoch helfen und blickte dann auf das Meer hinaus, dort, wo sie zuletzt die schwache Silhouette gesehen hatte.

Sie war über den Inselrand hinaus über das Meer geschwebt und war nun gänzlich verschwunden.

Inzwischen musste die Dreiergruppe auch am östlichsten Punkt der Insel angekommen sein.

„Ich glaube, wir sind da“, verkündete Mayla.

Noch immer Nachtschattenterror Totem in der Hand haltend, machte Mayla die Augen zu.

Sie sah die Schattenfigur jenseits der Klippe schweben und hörte erneut ihre Stimme.

„Wenn du bereit bist, dich mir zu stellen, dann aktiviere bitte deine Dueldisk. Aber sei gewarnt...Ich werde mich nicht zurückhalten dürfen.“

Daniel sprach seine auf die Karte fokussierte Freundin mit den verschlossenen Augen an.

„Hörst du wieder deine Stimmen im Kopf?“

„Ich höre die Karte“, antwortete Mayla.

Auch wenn sie es mit Geistern zu tun bekam, mit Daniel und Erin an der Seite hatte sie keine Angst.

Sie aktivierte wie gewünscht die Dueldisk und plötzlich war es, als ob die ganze Realität verschwamm. Als ob die ganze Welt eine Reflexion auf der Wasseroberfläche eines Sees war, in den man gerade einen großen Stein geworfen hatte und der nun Wellen schlug, die die Reflexion verzerrten.

Als die Wellen verschwanden, bemerkte sie, dass sie nun an einem ganz anderen Ort war.

Statt im Dunkeln am stürmischen Meer stand sie nun in etwas, das wie ein schmaler Gang in einer Bunkeranlage aussah.

Die engen Wände und vergleichsweise niedrige Decke waren komplett aus teils angerostetem Metall, an der Seite sah sie vor einem Schacht einen Propeller, der den Ort mit frischer Luft von Außen versorgen musste. Die Beleuchtung bestand aus dem flackernden, weißen Licht altersschwacher Neonröhren.

Daniel und Erin waren nun nirgends zu sehen.

Vor Mayla stand nun stattdessen ein Junge in Obelisk-Blue-Uniform.

Seine schmale Statur passte genau auf die Silhouette, die sie verfolgt hatte.,

Er sah kränklich aus, mit kreidebleicher Haut, schwarzem Haar, das ihm in einem zu langen Pony bis vor die Augen hing, unter denen sich riesige Augenschatten gebildet hatten.

Er stand anfangs seitlich zu Mayla, drehte sich dann aber zu ihr um.

„Danke, dass du gekommen bist. Du bist die Einzige, die mich hören und mir helfen kann. Bitte lasse mich nicht alleine.“

Er sprach genauso schwach, wie er aussah, genauso zittrig und leblos.

Mayla lächelte den unbekannten Jungen höflich an.

„Ich helfe dir gerne, besonders wenn ich dir mit einem Duell helfen kann. Kannst du mir sagen, wo du mich hingebracht hast? Oder wer du bist?“

Er nickte.

„Dies ist eine Illusion, sie besteht aus meinen wenigen verbleibenden Erinnerungen. Tatsächlich bist du im Moment noch bei deinen Freunden auf der Insel. Aber du meinst sicher den Ort, den diese Illusion abbildet, nehme ich an. Das wäre der Ort, an dem ich gestorben bin. Ich bin...“, er schien zu überlegen, gab dann aber auf, „Ich bin ein Schatten meiner Selbst. Die meisten Erinnerungen sind mir mit der Zeit entschwunden, einschließlich meines Namens. Ich weiß eigentlich gar nichts mehr, außer, dass ich wie du mal Akademieschüler war, dies der Ort meines Todes ist und...Ich bin während eines Duells gestorben.“

Mayla sah den Jungen mit mitleidigem Blick an.

„So wie du aussiehst, bist du ja nur ein paar Jahre älter als ich. Das tut mir unglaublich Leid für dich, dass dein Leben schon so früh geendet ist. Das ist nicht fair und macht dich bestimmt traurig.“

Der Geist lächelte und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.

„Du bist sehr lieb zu mir, Mayla. Aber ich denke mit dem Tod an sich habe ich mich abgefunden. Was mich quält, sind meine Todesumstände. Es war ein einsamer Tod, ohne Freunde oder Familie, die bei mir waren. Die Erinnerungen an die letzten Momente meines Lebens haben mich mit Wut, Angst, Trauer und Hass erfüllt und diese starken Gefühle haben mir den Weg ins Jenseits verwehrt.“

Der Junge hielt einen Augenblick inne.

„Das... muss in etwa ein dreiviertel Jahr her sein. In dieser Zeit sind immer mehr dieser grauenvollen Erinnerungen verblasst und ließen nur Emotionen ohne Sinn und Kontext zurück. Ich sehne mich nach einem ruhigen, ewigen Schlaf, Mayla. Stattdessen bin ich in diesem sinnlosen, ewigen Albtraum meines eigenen Todes gefangen.

Mayla schluckte und nickte bedächtig.

„Und du meinst ein Duell mit mir hilft dir dabei Frieden zu finden?“

„Ich denke schon, ja. Ich bin ja bei einem Duell ums Leben gekommen. Wenn ich mich noch einmal duelliere, kehren bereits verloren geglaubte Erinnerungen wieder zu mir zurück und ich habe die Chance meinen Tod noch einmal zu durchleben, allerdings wird es mit dir an meiner Seite diesmal kein einsamer Tod sein.“

„Hm... Und das sollte reichen, damit du deinen ewigen Frieden findest, meinst du?“

„Ja,“, sagte der Junge und guckte dabei wehmütig auf die Wand des beklemmend engen Metallganges, „Jeder Mensch stirbt und viele sterben auch jung. Aber was einen guten Tod von einem schlechten unterscheidet, sind die Menschen, die einen bei der letzten Etappe des Lebens begleiten. Deshalb gibt es eigentlich nichts Schlimmeres als alleine zu sterben. Das sind zumindest die Gedanken, auf die ich in meiner Zeit als Gefangener des Albtraums gekommen bin.“

Mayla ging ein paar Schritte zurück, ihre Dueldisk war schon seit Beginn der Illusion aktiv.

„Hm, Wenn ich dir nur so helfen kann, dann mach dich bereit auf dein letztes Duell, Geisterjunge. Weißt du noch, wie man die Dueldisk aktiviert?“

Der Geist drückte ein paar mal wahllos die verschiedenen Knöpfe seiner Disk.

„Warte kurz...Hmm...Ah! Habs! So manche Sachen vergisst man als ehemaliger Akademieabsolvent nicht!“, freute er sich, als die Disk endlich aktiv war und brachte damit Mayla zum Kichern.

„Alles klar! Dann lasse ich dir den ersten Zug! Hoffentlich weißt du auch noch, wie man sich vernünftig duelliert, ich weiß es nämlich ziemlich gut!“, forderte Mayla spielerisch.

Es ging zwar um Tod, Albträume und verlorene Erinnerungen, aber das war für sie kein Grund, sich den Spaß am Duellieren verderben zu lassen.

Sie führte schon so oder so zu viele ernste Duelle...

Ganz im Gegenteil, wenn der Geist Recht hatte, dann war dies seine letzte Möglichkeit ein lockeres und unbeschwertes Duell zu führen.

Er zog seine Starthand und blickte mit kindlicher Begeisterung auf die Karten.

„Ach, mein altes Deck! Das habe ich ja ewig nicht mehr gesehen! Gib mir bitte eine Minute, damit ich mich nochmal kurz in alle Karteneffekte einlesen kann!“

Mayla nickte ihm freundlich zu.

Als der Geist die Zeit erwähnte, begann sie sich doch etwas Sorgen zu machen. Wer weiß, wie lange sie schon geistesabwesend bei Erin und Daniel stand, oder ob sie dort auch wieder bewusstlos war.

Und wenn ja, wie lange.

Sie wollte ihrem Freund und ihrer besten Freundin keinen Kummer bereiten.

„Okay...Ich glaub, ich weiß wieder, wie mein Deck funktioniert! Ich lege eine verdeckte Karte und setze ein verdecktes Monster. Jetzt darfst du!“

Mayla ließ sich das nicht zweimal sagen und zog.

„Den Anfang macht mein Disko-Delfin im Angriffsmodus!“

Maylas blau-grauer Delfin mit dem metallisch glänzenden Pailettenhemd hüpfte bei der Beschwörung freudig in die Luft.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

„Danke, dass du mich als Erstes ausgespielt hast. Das ist mir eine Ehre und ich werde mein Bestes geben“, quiekte Maylas Delfin vergnügt.

Mayla dachte zuerst sie hätte sich das eingebildet.

Hat ihr Monsterhologramm gerade mit ihr geredet?

Das kann nicht sein.

Andererseits hätte sie auch bis heute Mittag nicht daran gedacht, dass sich ein Geist mit ihr duellieren wollen würden, also war im Prinzip alles möglich.

„Hey, sag auch mal was, Mayla! Ich führe hier doch keine Selbstgespräche!“, schnatterte der Delfin weiter.

„Ähhh, Hm, Entschuldigung, ich wollte dich nicht so doof anschweigen. Ich bin froh mal deine Stimme zu hören! Aber zuerst will ich, dass du das verdeckte Monster angreifst! Desasterdrehung!“

„Aye, aye! Eine Desasterdrehung kommt sofort!“

Der Delfin schwamm auf die verdeckte Karte zu, drehte sich vorwärts und schmetterte damit mit der Schwanzflosse auf die Karte ein.

Das Monster des Geistes zersprang und Mayla erkannte den kleinen, braunen Nachtfalter sofort:

„Hey, das ist doch Nachtschattenterror Totem! Du hast wohl noch mehr Exemplare davon!“

„Klar habe ich das! Erklärte der Geist und lächelte mild, „Ich weiß noch, wie ich versehentlich mal vier Nachtschattenterror Totem im Deck hatte. Daraufhin habe ich dem Kartenhändler mein viertes Exemplar im Tausch gegen eine andere Karte gegeben...Huch!“

„Was ist denn?“

„Unser Duell wirkt schon! Das war eine Erinnerung, die ich bis eben noch nicht hatte!“, erklärte der Geist begeistert, „Los, lass uns auf jeden Fall weiterspielen!“

„Gerne, wenn du magst. Ich lege dann nur noch selbst eine verdeckte Karte und beende dann meinen Zug. Du bist wieder dran!“

Vor Mayla erschien eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte und der Geist zog.

„Dann zeige ich dir mal, was mein Deck alles so drauf hat! Zunächst decke ich meine verdeckte Karte auf, die permanente Fallenkarte Warmes Nachtlicht!“

Die Karte deckte sich wie angekündigt auf und vor dem Geisterjungen erschien eine kleine Nachttischlampe mit einem kegelförmigen Lampenschirm.

„Mein Warmes Nachtlicht setzt sofort den Effekt meiner „Nachtschattenterror“-Monster frei, ohne, dass ich sie dafür zusätzlich Normalbeschwören muss. Aber bevor ich überhaupt ein Monster ausspiele, nutze ich lieber diesen Zauber: Der Albtraum beginnt!“

Der Geist hielt Mayla die Zauberkarte entgegen und aktivierte sie dann.

„Der Albtraum beginnt erlaubt es mir entweder ein Warmes Nachtlicht oder eine Projektionsfläche-Schlafzimmerwand aus dem Deck direkt auszuspielen! Da ich bereits ein Warmes Nachtlicht kontrolliere, entscheide ich mich für meinen Spielfeldzauber: Hier kommt Projektionsfläche-Schlafzimmerwand!“

Um Mayla und dem Geist herum verschwanden die eisernen Bunkerwände und an ihrer Stelle trat ein perfekter, vier oder fünf Meter hoher Kreis aus weißer, glatter Tapete.

„Das sieht doch schon etwas heimeliger aus, als der doofe Gang von eben! Ich glaube, ich mag dein Deck!“

Der Geist grinste selbstsicher.

„Tja, noch sieht es ganz nett aus, aber das ändert sich ganz schnell! Aus meiner Hand rufe ich im Angriffsmodus Nachtschattenterror Sahunen-Psi!“

Vor dem Geist erschien eine gewöhnlich aussehende, kleine, schwarze Spinne mit haarigen Beinen.

Nachtschattenterror Sahunen-Psi: Stufe 1, 300Atk, 300Def.

Mayla ekelte sich beim Anblick von diesem Monster.

Es sah ihr eindeutig zu sehr nach einer normalen Spinne aus.

„Jetzt, da ich sowohl Warmes Nachtlicht und Projektionsfläche-Schlafzimmerwand kontrolliere, entfalten meine Monster ihre volle Kra...- ah!“

Mayla entdeckte rechts neben sich auf der Schlafzimmerwand eine Art Film.

Man konnte sehen, wie der Geisterjunge, damals mit gesünderer Hautfarbe und ohne die Augenringe, auf einem Podest im Stadion der Duellakademie stand.

Der Junge strahlte vor Freude, als Frau Mentzel ihm feierlich vor der versammelten Menge sein Abschlusszeugnis überreichte.

„Das ist ein großartiges Zeugnis! Damit gehörst du zu den besten Absolventen deines Jahrgangs“, lobte die Referendarin.

Die Obelisken, die links und rechts neben ihm standen applaudierten ihm.

„Das ist bestimmt noch eine Erinnerung von dir. Mann, du musst echt stark gewesen sein!“, bewunderte Mayla ihren Gegner, der nun verlegen lächelte.

„Warte, ich glaube, es geht noch weiter“, sagte er.

Ein paar andere Schüler erhielten nacheinander ebenfalls Applaus für ihre Topleistungen und schließlich betrat Direktor Schrainmann die Bühne, um eine Rede zu halten.

„Jede und Jeder von euch hat in den vergangenen drei Jahren großen Fleiß und Kampfgeist bewiesen. Eure Leistungen sind vorbildlich für alle Eure Mitschüler. Ihr habt eine strahlende Zukunft vor euch!“

Der Film endete.

Beim letzten Satz begann der Geist traurig auf den Boden zu sehen und stieß dabei ein gequältes Lachen aus.

„Hehehe...Eine strahlende Zukunft?...Was für ein schlechter Scherz...“

Mayla bemerkte, dass es ihm schlecht ging.

„Hey....Es tut mir so Leid, das es anders gekommen ist. Brauchst du eine kleine Pause?“, fragte sie so behutsam wie möglich.

Der Geist stand kurz regungslos da, bevor er eine harsche Antwort gab:

„Ich brauche keine Pause! Ich brauche mein Leben! Ich hatte so viel Arbeit in meine Akademielaufbahn gesteckt!“ ein schwarzer Nebel umgab den Geist, seine Stimme klang nun tiefer, bedrohlicher.

Er funkelte Mayla böse an.

„Was weißt du schon über meine Trauer?! Tu nicht so, als ob du dich in mich hineinversetzen könntest! Aaaargh!“

Maylas Gegner krümmte sich plötzlich vor Schmerz.

„Entschuldigung! Ich...äh....ich wollte dich nicht verärgern!“, rief Mayla ihm verunsichert zu.

Disko-Delfin schaltete sich ein: „Nein Mayla, was mit ihm gerade geschieht liegt nicht an dir! Weißt du noch, wie er gesagt hat, dass seine letzten Erinnerungen so starke, negative Emotionen in ihm ausgelöst haben, dass er keinen Frieden fand? Das muss eine dieser Erinnerungen sein! Die Zeremonie fand kurz vor seinem Tod statt!“

Der nun wütende Geist setzte seinen Zug fort:

„Warmes Nachtlicht und Projektionsfläche-Schlafzimmerwand machen meinen Nachtschattenterror Sahunen-Psi unaufhaltsam!“

Sahunen-Psi sprang auf den Lampenschirm und hinter ihm auf der Schlafzimmerwand bildete sich ein kolossaler Schatten mit rot glühenden Augen.

Die riesige Schattenspinne räkelte sich und fauchte, während Sahunen-Psi still auf dem Lampenschirm lag.

„Du jämmerliche Sterbliche wirst gleich um Gnade winseln! Der besondere Effekt von Projektionsfläche-Schlafzimmerwand aktiviert sich nur, wenn ich außerdem Warmes Nachtlicht kontrolliere! Da das der Fall ist, verändert er das Attribut meines Monsters zu Finsternis und den Typ zu Unterweltler. Außerdem verzehnfacht mein Spielfeldzauber die Stufe, sowie Angriffs- und Verteidigungspunkte aller „Nachtschattenterror“-Monster!“

„Wie bitte?!“

Nachtschattenterror Sahunen-Psi: Stufe 1 → 10, 300Atk → 3000Atk, 300Def → 3000Def.

Mayla sah, durch den schwarzen Nebel, wie der zornige Geist sie diabolisch angrinste.

Du süßes, dummes Mädchen! Heute Nacht werde ich nicht der Einzige sein, der seinen persönlichen Albtraum durchleben muss!“
 

____________
 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Nachtschattenterror Totem, Stufe 1, 250Atk, 250Def, Typ Insekt, Attribut Wind, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Diese Karte kann jedes Monster, das dein Gegner kontrolliert einmal pro Battle Phase angreifen.
 

Nachtschattenterror Sahunen-Psi: Stufe 1, 300Atk, 300Def, Typ Insekt, Attribut Erde, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Wenn diese Karte ein Monster zerstört, das dein Gegner kontrolliert: Du kannst diese Karte auf deiner Seite des Feldes als Spezialbeschwörung beschwören, aber halbiere die ATK und DEF des so beschworenen Monsters.
 

Neue Zauber:
 

Der Albtraum beginnt, Normaler Zauber:

Wähle ein „Warmes Nachtlicht“ oder ein „Projektionsfläche-Schlafzimmerwand“ in deinem Deck und aktiviere die gewählte Karte.
 

Projektionsfläche-Schlafzimmerwand, Spielfeldzauber:

Wenn du ein „Warmes Nachtlicht“ kontrollierst: „Nachtschattenterror“-Monster, die du kontrollierst, werden zum Typ Unterweltler und zum Attribut Finsternis. Verzehnfache die Stufe, die Grund-ATK und Grund-DEF von „Nachtschattenterror“-Monstern, die du kontrollierst.
 

Neue Fallen:
 

Warmes Nachtlicht: Permanente Falle:

„Nachtschattenterror“-Zwilling-Monster, die du kontrollierst, werden zu Effektmonstern und erhalten ihre eigenen Effekte.

Die künstliche Frau

Mayla und der namenlose Geisterjunge standen sich im Duell gegenüber.

Zwischen ihnen befanden sich Maylas Wassertänzer Disko-Delfin, das Warme Nachtlicht und das auf der Lampe ruhende, kleine Spinnenmonster Nachtschattenterror Sahunen-Psi, welches einen furchterregenden Schatten auf den Spielfeldzauber von Maylas Gegner warf.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

Nachtschattenterror Sahunen-Psi, Stufe 10, 3000Atk, 3000Def.

Der schwarze Nebel, ausgelöst von den starken negativen Gefühlen alter Erinnerungen, versetzte den bisher freundlich gesinnten Geist in eine schmerzhafte Rage, aber davon ließ sich Mayla nicht beirren.

Sie hatte ihm zugesagt ihm durch ein Duell zu ewigem Frieden zu verhelfen, sie durfte also nicht klein beigeben.

Auch wenn das bedeutete, ihrem Gegner durch das Hervorbringen seiner bisher vergessenen, letzten Lebensmomente Leiden zu bereiten.

Disko-Delfin drehte sich zu seiner Besitzerin um und sprach sie mit besorgter Stimme an: „Mayla, bitte sag mir, dass du sein Schattenungeheuer mit deiner verdeckten Karte aufhalten kannst. Ich habe keine Lust als Spinnenfutter zu enden.“

„Das tut mir Leid, ich glaube, ich kann nicht verhindern, dass er dich gleich angreifen wird.“

Es war für sie immer noch ungewohnt, dass sie plötzlich mit einem ihrer Monsterkarten reden konnte.

Ob das wohl damit zu tun hatte, dass sie sich gerade in einer vom Geisterjungen erzeugten Illusion befand?

Sie hoffte gerade inständig, dass Disko-Delfin nicht auch vorher einem zu früh verstorbenen Akademieabsolventen gehört hatte.

„Ganz egal, wie sehr sich der Geist deiner Monsterkarte auch beschwert: Mit der Macht von Projektionsfläche-Schlafzimmerwand wird Sahunen-Psi deinen lächerlichen Delfin vernichten! Attacke mit Fangzähnen des Grauens!“

Die kolossale Schattenspinne mit den glühend roten Augen sprintete die Spielfeldwand entlang und sprang plötzlich fauchend aus der Wand hinaus, um sich in Maylas Monster festzubeißen.

Sahunen-Psis Angriff zerstörte wie aufgetragen den Disko-Delfin und löste eine Druckwelle aus, die Mayla in die Knie zwang und aufschreien ließ.

On Illusion oder nicht, dieses Duell fühlte sich für sie mehr als echt an.

Maylas Lebenspunkte: 4000 → 2800.

Die Sahunen-Psi sprang wieder in die Wand zurück und krabbelte hinter ihren finster lachenden Besitzer.

„Hähäh, das war nur ein Bruchteil des Albtraums, den ICH wieder und wieder durchleben musste! Du naive Sterbliche maßt dir an dich in mich hineinfühlen zu können, ja? Dann sollst du an meinen Höllenqualen zerbrechen! Ich aktiviere nun den Effekt von Nachtschattenterror Sahunen-Psi! Zerstört es ein Monster, dann darf ich es unter meiner Kontrolle mit halber Angriffs- und Verteidigungskraft aufrufen!“

Wassertänzer Disko-Delfin erschien im Angriffsmodus auf der Spielfeldseite von Maylas Gegner.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 900Atk, 750Def.

„Tut mir Leid, Mayla. Ich habe leider keine Wahl“, entschuldigte sich das Monster.

Der wütende Geist zeigte kommandierend auf Mayla: „Greife deine schwache Besitzerin direkt an!“

Widerwillig aber kampfbereit schwamm der Delfin durch die Luft auf Mayla zu.

„Das verhindere ich! Ich decke die Falle Sprungfederfeld auf! Werde ich direkt angegriffen, dann kann diese Falle alle Monster auf dem Feld auf die Hände ihrer Besitzer zurückzwingen!“

Kurz bevor der Delfin Mayla erreichte, schoss aus dem Boden eine Sprungfeder , die das Monster durch die Luft und schließlich auf ihr Blatt katapultierte.

Eine weitere, winzige Sprungfeder kam aus dem Lampenschirm des Warmen Nachtlichts, die das eigentliche Sahunen-Psi vom Feld entfernte, woraufhin sich der monströse Schatten hinter dem Geisterjungen auflöste.

„Tse, du hast dir lediglich ein wenig Zeit erkauft!“,sagte der Geist, mit Sahunen-Psi wieder auf der Hand, „Ich lege meine restlichen zwei Handkarten ab und beende den Zug!“

Energisch platzierte er die verdeckten Karten vor ihm.

Mayla zog.

Ihr Gegner hatte kein Monster zum Schutz, das galt es auszunutzen.

„Ich spiele erneut Wassertänzer Disko-Delfin! Zeig dich im Angriffsmodus, bitte!“

Vor Mayla erschien ihr im silbernen Paillettenhemd gekleidetes Fischmonster.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

„Schön wieder auf der richtigen Seite des Feldes zu stehen!“, freute sich Disko-Delfin.

Mayla lächelte.

„Ich freue mich auch darüber, dass du wieder da bist.“

„Mein Delfin soll aber nicht alleine auf dem Feld bleiben: Ich spiele nämlich den Zauber Wassertänzer-Tanzpartnersuche und darf deshalb solange Karten von meinem Deck aufdecken, bis ich ein „Wassertänzer“-Monster aufdecke. Dieses darf ich dann meiner Hand zufügen.“

Mayla deckte nach und nach die obersten Karten ihres Decks auf und zeigte schließlich den ersten Wassertänzer vor.

Wassertänzer Merengue-Muschel.

An sich eine praktische Karte, insbesondere, wenn sie die Warmes Nachtlicht und Projektionsfläche-Schlafzimmerwand loswerden wollen würde, allerdings wollte sie aktuell in den Angriff übergehen.

„Der zweite Effekt von Wassertänzer-Tanzpartnersuche erlaubt es mir den Typen eines meiner Wassertänzer-Monster zu verändern. Damit wird aus Disko-Delfin ein Monster vom Typ Pyro.“

Die Haut des Delfins wandelte sich zu einem warmen Rotton.

Der Delfin fächelte sich mit seinen Flossen Luft zu.

„Liegt es nur an mir, oder wird euch auch gerade so heiß?“, scherzte er.

„Da ich ein Monster vom Typ Pyro kontrolliere, darf ich als Nächstes Wassertänzer Flamenco-Forelle als Spezialbeschwörung aufrufen, zeig dich, meine Schöne.

Die cartoonige Forelle im roten Wellenkleid winkte dem Delfin zur Begrüßung zu.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: 1600Atk, 300Def.

„Hallo, mein Freund! Warum bist du denn so rot? Warst du zu lange in der Sonne?“

Mayla stutzte.

Anscheinend war der Delfin nicht ihr einziges Monster, das plötzlich reden konnte.

„Sag deinen dummen Monstern, dass sie endlich ihre Klappe halten sollen!“, brüllte Maylas zorniger Gegner, „Was fällt ihnen eigentlich ein dumme Sprüche zu klopfen, während ich...ICH...AAHHRRG!“

Der dunkle Nebel intensivierte sich und strudelte langsam um den Geisterjungen umher, während er gequält zuckte und keuchte.

„Der arme Junge leidet ja furchtbar! Mayla, wir müssen ihm dringend dabei helfen endlich seine Schmerzen zu beenden“, stellte Flamenco-Forelle mit Sorge fest.

Mayla stockte bei diesem Satz kurz.

Die Schmerzen beenden...Das waren ihr bekannte Worte.

War es möglich, dass ihre Monster...-?

„Mayla! Gib uns bitte einen Befehl!“, drängte der Delfin und unterbrach damit Maylas Überlegungen.

„Entschuldigung, ich wollte euch nicht unnötig warten lassen. Es wird Zeit für ein paar direkte Angriffe. Flamenco-Forelle, mach du den Auftakt mit der Furiosen Flossenschelle!“

„Alles klar!“

Entschlossen schwamm die Flamenco-Forelle auf den Geist zu.

„Sinnlos! Ich spiele meine erste verdeckte Karte, die Falle Schwache Reanimation!“

Vor dem Geisterjungen deckte sich die besagte Karte auf.

„Mit schwacher Reanimation darf ich ein Monster der Stuf 2 oder niedriger als Spezialbeschwörung aus meinem Friedhof rufen! Hier kommt Nachtschattenterror Totem!“

auf dem Lampenschirm des Warmen Nachtlichts saß nun das kleine, grau-braune Mottenmonster und warf auf die Projektionsfläche seinen riesigen, wild mit den Flügeln schlagenden Schatten mit den stechend roten Augen.

Nachtschattenterror Totem: Stufe 10, 2500Atk, 2500Def.

„Da du ein Monster während meines Angriffs beschworen hast, darf ich ein neues Angriffsziel wählen oder meine Attacke komplett abbrechen“, erklärte Mayla.

Wegen seines Spielfeldzaubers waren die eigentlich schwachen Monster ihres Gegners unfassbar stark. Allerdings gab es ja noch andere Möglichkeiten für sie Schaden auszuteilen.

„Ich beende die Battle Phase komplett und nutze stattdessen den Effekt von Wassertänzer Flamenco-Forelle, um sie auf die Hand zu nehmen und dir so 1000 Schadenspunkte zuzufügen!“, kündigte Mayla an.

Die Forelle nickte ihr entschlossen zu.

„Deinen Rückzug kannst du gleich wieder vergessen! Ich kette an den Effekt von Flamenco-Forelle den Effekt meines verdeckten Schnellzaubers Schlafparalyse an!“

Vor dem Geist deckte sich Schlafparalyse auf.

„Da ich ein „Nachtschattenterror“-Monster der Stufe 10 vom Attribut Finsternis und vom Typen Unterweltler kontrolliere, darf ich mit Schlafparalyse bis zum Ende des Zuges die Effekte aller offenen Karten meines Gegners annullieren! Damit bleiben deine Monster auf dem Feld!“

Er funkelte Mayla mit einem gnadenlosen Blick an: „Du kennst bereits den Spezialeffekt von Totem, er greift jedes Monster meines Gegners an und dank dem Warmen Nachtlicht ist dieser Effekt auch ohne eine zusätzliche Normalbeschwörung aktiv! Du und deine Monster werden dafür bezahlen, dass ihr euch anmaßt, meine Gefühle nachvollziehen zu können! Monatelang musste ich die Erinnerungen kurz vor meinem Tod erleben, unzählige Male! Und jedes Mal entglitten mir die Erinnerungen Stück für Stück, bis sie nur noch die schwärzesten Emotionen zurückließen! NIEMAND kann das verstehen, Sterbliche!“

Mayla sah ihrem erzürnten Gegner durch den finsteren Nebelschleier in die von Rastlosigkeit gezeichneten Augen.

Sie empfand tiefes Mitleid.

Wegen seines Leidensweges hatte der Geist inzwischen die Kontrolle über seine überwältigenden Gefühle verloren.

„Ich weiß, dass ich es nicht verstehen kann. Aber gerade deshalb werde ich dir mit diesem Duell um jeden Preis helfen! Damit du endlich diese Welt verlassen kannst!“, sagte sie entschlossen.

Ich beende meinen Zug mit zwei verdeckten Karten.“

Zwei verdeckte Karten erschienen vor Mayla und bevor ihr Gegner mit seinem Zug begann, sah sie erneut bewegte Bilder neben sich auf der Projektionsfläche flimmern.

„Da! Das müssen wieder Erinnerungen von dem Geisterjungen sein!“, rief Disko-Delfin.

Still beobachtete Mayla den vor ihren Augen laufenden Film.

Der noch lebendige und deutlich gesünder aussehende Junge saß Direktor Schrainmann in seinem Büro gegenüber.

Mayla erinnerte sich noch grob an das Büro von dem Tag der Probeduelle.

„Wozu haben sie mich um die Uhrzeit noch zu sich gebeten?!“, fragte er den Direktor.

„Ich wollte dir noch einmal persönlich gratulieren, außerhalb von diesem ganzen Trara und Brimborium.“

Bei den letzten Worten gestikulierte Schrainmann wild mit den Händen über dem Kopf.

„Benjamin, jetzt bevor du bald endgültig die Akademieinsel verlässt, möchte ich dir mitteilen wie unfassbar stolz ich auf deine Entwicklung und die Zukunft, die du dir bisher aufgebaut hast bin. Es schickt sich nicht für einen Lehrer einen Lieblingsschüler zu haben, aber...Tja, insgeheim habe ich immer das riesige Potential in dir gesehen. Deswegen habe ich noch eine ganz besondere Bitte an dich und...“, der Direktor lehnte sich vor und sah ihn ernst an, „...es ist sehr wichtig, dass du niemandem davon erzählst, was ich dir gleich mitteilen werde.“

Benjamin...

Für einen unscheinbaren Augenblick wandten sowohl der Geist Mayla den Blick vom Film ab und sahen einander in die Augen.

Endlich hatte der Geisterjungen einen Namen.

Der Benjamin aus der Vergangenheit nickte Schrainmann enthusiastisch zu.

„Sie können sich auf mich verlassen. Ohne ihre großzügige Hilfe hätte ich nie die Chance bekommen, bald meine eigenen Karten entwerfen zu dürfen!“

Der Direktor lehnte sich zurück und lächelte, soweit man es durch den dichten, grauen Bart beurteilen konnte, den Jungen herzlich an.

„Das freut mich doch zu hören. Nun...du musst wissen, diese Insel befand sich, bevor ich hier vor einem knappen Jahrzehnt die Duellakademie hier gegründet habe, in Privatbesitz eines...sagen wir exzentrischen Multimillionärs. Er war wortwörtlich verliebt in die Möglichkeiten, die die künstliche Intelligenz der Menschheit bieten konnte und nutzte die Abgeschiedenheit dieses großen Felsens im Meer um sich eine ähem, „Frau“ zu bauen. Keine echte Frau, sondern eine hochentwickelte KI, die die Form seiner Traumfrau annahm.“

„Eine künstliche...Frau?“

Der Benjamin aus der Erinnerung guckte nicht schlecht und Mayla, die spürte, wie sich ihre Augenbrauen reflexartig zusammenzogen, musste im Moment wohl genauso perplex aussehen.

„Diese KI war ein voller Erfolg und befindet sich bis heute auf er Insel, genauer gesagt in den geheimen Kellerkomplexen, die beim Bau des Hauptgebäudes als Fundament dienten. Sie ist dort an das lokale Computernetzwerk angeschlossen, isoliert vom Rest der Außenwelt. Sie hat ihr eigenes Bewusstsein entwickelt und versucht nun ständig auf das Netz der Akademie zuzugreifen.

Alle paar Wochen muss ich neue Spezialisten für IT-Sicherheit konsultieren, um ihren Cyberangriffen zu entgehen! Wer weiß, was für einen Schaden sie hier anrichten könnte!“

„Was für eine Geschichte!“, kommentierte Benjamin knapp.

„Sie ist aber wahr, genauso wahr, wie ich gerade vor dir sitze! Und du bist der Einzige, der mir helfen kann. Diese künstliche Frau im Keller der Akademie kann durch ein siegreiches Duell endgültig deaktiviert werden. Der Lehrerstab und ich haben schon unzählige Male versucht die KI zu besiegen, aber sie ungeheuerlich stark. Aber ich weiß, dass DU es schaffen kannst.“

Verlegen kratzte sich Benjamin am Hinterkopf.

„Uff, naja...Ich würde ja gerne helfen, aber...ich glaube nicht, dass ich ein besserer Duellant als jeder Akademielehrer bin. Ich meine selbst in meinem Abschlussjahrgang gab es eine gute Handvoll von Duellanten, die stärker waren als ich.“

„Papperlapapp! Mit teuren Karten und vorgefertigten Decks gewinnen kann jeder! Aber du hast allen gezeigt, dass auch scheinbar schwache Monster kräftig zulangen können!“, widersprach der Direktor vehement.

„Bedenke, wo du herkommst, Benjamin! Niemand hat dich seit deiner Kindheit auf ein Leben als Profiduellant vorbeireitet. Alles was du hast und bist ist das Resultat von eiserner und einzigartiger Willenskraft. In dieser Hinsicht, davon bin ich absolut überzeugt, bist du der mächtigste Duellant, der mir je begegnet ist.“

Benjamin wurde bei soviel Lob ganz rot.

Er schien verlegen zu sein und Mayla sah, wie er erst schlucken musste, bevor er dem Direktor antworten konnte.

Als der Benjamin aus der Erinnerung aufstand und dem Direktor als Zeichen seines Einverständnisses die Hand entgegenstreckte, schnaubte der Geisterjunge verächtlich.

„Du naiver Idiot!“

„Fein, fein!“, freute sich Herr Schrainmann.

Er stand auf und besiegelte die Abmachung mit einem Handschlag.

„Vielen Dank, Benjamin. Du leistest der Akademie und allen zukünftigen Schülerinnen und Schülern einen großen Dienst! Ich werde dir eine Orientierungskarte zum Ort der künstlichen Frau geben, sowie einen Zugangscode. Natürlich stelle ich dir auch meine eigene, bescheidene Kartensammlung zur Verfügung, damit du dein Deck für dieses wichtige Duell aufwerten kannst.“

Benjamin lächelte und nickte stumm.

„Eine letzte Sache noch: Die KI wird wissen,dass du kommst und sie fürchtet um die eigene Existenz. Sie wird dir die haarsträubendsten und absurdesten Lügen erzählen, um ein Duell mit dir zu vermeiden. Sei auf der Hut!“

„Keine Sorge, Herr Schrainmann. Ich vertraue ihnen!“

Die Erinnerung war vorbei.

Maylas toter Gegner schien nun gänzlich vom schwarzen Nebel verschluckt zu sein, sie konnte ihn weder sehen noch hören.

Selbst der Schatten von Nachtschattenterror Totem war kaum zu sehen.

Eine bedrückende Stille erfüllte das Duellfeld.

„Benjamin? Bitte sag, dass es dir gut geht!“

„Mayla! Nicht! Er ist schon lange nicht mehr er selbst! Was immer du auch sagst, wird ihn nur noch mehr in provozieren!“, schaltete sich der Disko-Delfin ein.

Mayla stütze in einer wütenden Pose ihre Hände an die Hüfte.

Nun hatte sie wirklich genug von der Geheimniskrämerei ihrer Wassertänzer-Monster.

„Woher wisst ihr eigentlich so viel darüber, wie Geister funktionieren? Wer oder was seid ihr? Seid ihr die Stimmen, die im Traum mit mir sprechen?“

„Puh, du bist ja eine Blitzmerkerin! Bist du dir sicher, dass ich nicht die Befehle an deiner Stelle geben sollte?“, scherzte der Delfin schnatternd.

„Sei nicht so fies zu Mayla!“, tadelte die Forelle und sprach dann mit ihrer Besitzerin, „Es ist schön, dass du uns erkannt hast! Wir sind deine freundlichen Duellgeister! Jetzt, wo du in der Geisterwelt mit uns Kontakt hergestellt hast, können wir uns endlich sehen!“

Ein kontinuierlich immer lauter werdendes Ächzen und Stöhnen drang durch die Finsternis auf der anderen Seite des Spielfeldes.

Mayla wollte Benjamin am liebsten erneut ansprechen, beherzigte dann aber den guten Rat ihrer Monsterkarten.

„Meine...Duellgeister? Ihr habt mich also mit Absicht in dieses unheimliche Duell gelockt, damit ihr besser mit mir reden könnt? Das finde ich aber nicht gut.“

Der Delfin entschuldigte sich: „Es tut uns Leid, dass wir nicht ganz ehrlich waren. Aber wenn wir dich nicht auf diese Weise gelenkt hätten, hättest du uns doch wohl kaum geglaubt, oder? Außerdem ist es sehr wichtig, dass du den armen Geist erlöst und wir dir beibringen richtig mit Schmerzen umzugehen!“

Hintergangen vom eigenen Deck.

Damit hatte Mayla nicht gerechnet, auch wenn sie die Argumentation vom Delfin nachvollziehen konnte.

Das schmerzerfüllte Gestöhne wurde immer lauter.

„Es ist wirklich wichtig für dich, Mayla, wir machen uns schon eine ganze Weile lang Sorgen um dich und was mit dir passieren könnte, wenn du diese Fähigkeit nicht bald meistern wirst.

Benjamins Leidensgeräusche kulminierten in einem gewaltigen Aufschrei, aus dem dunklen Nebel stachen plötzlich zwei gefährlich leuchtende, rote Augen, womit Benjamin äußerlich kaum mehr von seinen Nachtschattenterror-Monstern zu unterscheiden war.

„Sieh genau hin, Mayla. Deswegen musst du mit deinem Schmerz besser umgehen! Das ist, was das Leben Menschen antun kann, die zu Opfern ihres eigenen Leidens werden!“

„Genug mit dieser Farce! Ich werde euch alle vernichten!“, hallte eine unmenschlich klingende, bedrohlich gurgelnde Stimme aus dem schwarzen Nebel.

„Ich werde dich in meiner Wut verbrennen und in meiner Trauer ertränken, Sterbliche! Ich ziehe!“

„Ich beginne mit dem Zauber Opfer des Schwarms!“

Der Zauber aktivierte sich.

„Indem ich ein Insekten-Monster auf meiner Hand oder meiner Seite des Feldes als Tribut anbiete, darf ich dank Opfer des Schwarms zwei Karten ziehen! Sahunen-Psi opfert sich damit von meiner Hand, um mein Blatt zu verbessern!“, erklärte der von der Dunkelheit verschluckte Geist.

Augenblicklich legte er Nachtschattenterror Sahunen-Psi ab und zog zwei neue Karten.

„Die Finsternis wird dir alles nehmen! Aus meiner Hand rufe ich Nachtschattenterror Ceskhan im Angriffsmodus!“

Augenblicklich flatterte das Insekt mit den sechs langen, spindeldürren Beinen auf das Warme Nachtlicht zu und gesellte sich ruhig zu Nachtschattenterror Totem.

Auch Ceskhan warf einen monströsen, rotäugigen Schatten auf die Projektionsfläche-Schlafzimmerwand.

Nachtschattenterror-Ceskhan; Stufe 10, 2500Atk, 2500Def.

„Mit diesen beiden Monstern auf meiner Seite werde ich dich gnadenlos quälen!“, kündigte der Geist in einem hasserfüllten Ton an, „Zuerst Nachtschattenterror-Totem: Greife als Erstes Wassertänzer Disko-Delfin an! Unheiliger Flügelschlag!“

Aus der weißen Wand des Spielfeldzaubers löste sich der dämonische Nachtfalter und entfachte mit einem gewaltigen Stoß eine Windböe, die den gleichen schwarzen Nebel enthielt, der Maylas Gegner mit dessen negativen Emotionen überwältigt hatte.

Disko-Delfin quiekte laut bei ihrer Zerstörung und Mayla wurde durch die Wucht des Angriffs an die Projektionsfläche-Schlafzimmerwand gepresst.

Das Mädchen schrie vor Schmerz.

Maylas Lebenspunkte: 2800 → 2100.

„Die Flamenco-Forelle ist als Nächstes dran! Nachtschattenterror Totem! Zerstöre ihr Monster mit dem Unheiligen Flügelschlag!“

Totem entfachte einen zweiten Windstoß, doch kurz bevor dieser Flamenco-Forelle erreichen konnte, schritt Mayla ein: „

„Das werde ich nicht zulassen! Ich spiele meine verdeckte Karte, Taktischer Rückzug!“, rief Mayla.

Der Schnellzauber deckte sich auf und Mayla erklärte: „Mit Taktischem Rückzug kann ich ein Monster von meiner Spielfeldseite zurück auf die Hand nehmen und dabei gleichzeitig Lebenspunkte in Höhe von dessen Angriffs- oder Verteidigungspunkten wiederherstellen!

Flamenco-Forelle sprang auf Maylas Hand zurück und wich gerade noch rechtzeitig der zweiten Attacke von Nachtschattenterror Totem aus.

Maylas Lebenspunkte: 2100 → 3700.

„Deine Lebenspunkte nehme ich dir sofort wieder ab! Ohne ein Monster, welches dich beschützen kannst, bist du mir und Nachtschattenterror Ceskhan hilflos ausgeliefert!“

Der von den Schatten verschlungene Geisterjunge zeigte auf Mayla und Ceskhan flog in einem erratischen Auf und Ab die Wand entlang, bis es ohne Vorwarnung aus der Wand wich und Mayla mit einem seiner vielen dürren Beine gegen die Brust stieß.

Maylas Lebenspunkte: 3700 → 1200.

„Fügt Nachtschattenterror Ceskhan meinem Gegner Kampfschaden zu, so aktiviert sich sein besonderer Effekt und ich darf eine beliebige Karte aus meinem Deck suchen, solange sie die Worte „Nachtschattenterror“-im Kartentext enthält.

Der wütende Geist durchsuchte sein Deck und präsentierte dann Mayla seine gesuchte Karte.

„Dieser Zauber nennt sich Hypnophobie und wird deinen Untergang sicherstellen!“

Mayla ging inzwischen die Kraft aus, noch immer schwer atmend verharrte sie nach dem verheerenden Angriff in der Hocke.

„Schwächliche Sterbliche können es nicht mit der Macht der Finsternis aufnehmen! Sie werden sich immer und ohne Hoffnung auf Rettung von ihren schlimmsten Gefühlen unterdrücken lassen! Nun sag mir, kleines Mädchen, welches Gefühl übermannt dich gerade?“

Ihr war, als ob die glühend roten Augen ihres Gegners direkt in ihre Seele stachen.

„Verschlingt dich gerade die Angst? Oder gelüstet es dir eher danach mir meine Angriffe heimzuzahlen?“, dröhnte die bizarre Geisterstimme.

Mayla versuchte aufzustehen, aber jede Bewegung kostete sie inzwischen enorme Kraft.

Sie fiel wieder in die Hocke.

„Ah...Ich erkenne etwas anderes in dir. Ein tief in dir vergrabenes Gefühl, welches sich vor deinem Bewusstsein verbirgt. Du erkennst es noch nicht, aber ich sehe es klar und deutlich! Es ist die pure Verzweiflung!“

Der schwarze Nebel, der Benjamin komplett verhüllte, stieg nun auch unter Mayla aus dem Boden.

„Das ist es! Ganz eindeutig! Diese latente Müdigkeit...Der Wunsch alles aufzugeben und nicht mehr länger kämpfen zu müssen frisst dich langsam von innen auf! Die Verzweiflung ist unersättlich! Bald bleibt nicht mehr von dir übrig als eine hoffnungslose und leblose Hülle ohne eigenen Willen oder Zukunft!“

Mayla regte sich nicht mehr und der schwarze Nebel formte einen sich stetig verdichtenden Schleier um sie herum.

„Mayla! Gib nicht auf! Du musst dringend aufstehen und weiterkämpfen!“, schrien die Stimmen der Duellgeister in ihrem Blatt.

„Ich weiß. Habt keine Angst, noch werde ich nicht klein beigeben.“

Ihr Wille das Duell fortzusetzen war da, aber ihr Körper sah das wohl inzwischen anders.

Aber sie hatte einen Plan.

Sie kroch zwei, drei Schritte zurück, bis sie mit dem Rücken wieder gegen die Wand von Benjamins Spielfeldzauber stieß.

An die Wand gelehnt, zwang sie sich mit aller Gewalt langsam wieder in einen aufrechten Stand.

„Ich habe dir versprochen, dich aus deinem Albtraum zu befreien und genau das werde ich auch tun! Denn solange ein Freund meine Hilfe braucht, werde ich niemals verzweifeln, hörst du?“, rief sie ihm trotzig entgegen.

Der schwarze Nebel um sie herum löste sich augenblicklich auf.

„Eine Sterbliche wie du kennt noch nicht die wahren Abgründe! Aber gut, wir werden weiterspielen: Ich spiele die permanente Zauberkarte Hypnophobie aus!“

Vor dem Geist erschien seine Karte.

„Hypnophobie, auch als die Angst vor dem Einschlafen bekannt, raubt den unter ihr Leidenden schleichend die Energie. Deshalb schwächt Hypnophobie gegnerische Zerstörungseffekte so stark ab, dass sie meinen Zaubern und Fallen nichts mehr anhaben können, solange ich mindestens ein Nachtschattenterror-Monster mit der Stufe 10, dem Typ Unterweltler und dem Finsternis-Attribut beherrsche!“

Ich setze danach eine Karte verdeckt und gebe an dich ab!“

Mit Hypnophobie auf seiner Seite hatte der Geist die größte Schwäche seines Decks abgedeckt, die starke Abhängigkeit seiner Monster vom Warmen Nachtlicht und der Projektionsfläche-Schlafzimmerwand.

Damit war ihre im letzten Zug aufgedeckte Merengue-Muschel machtlos, aber das änderte nichts an ihrer Entschlossenheit.

Sie zog ihre nächste Karte und versuchte ihren Zug sofort auszuführen, wurde allerdings von dem düsteren Geist harsch unterbrochen:

„Bevor du die Gelegenheit bekommst, eine deiner Karten auszuspielen, aktiviere ich die soeben gesetzte Falle: Hier kommt das Bannsiegel des Dämonenkaisers! Ich muss ein Unterweltler-Monster der Stufe 7 oder höher opfern, um sie zu aktivieren, doch das stellt kein Problem dar! Ich opfere Nachtschattenterror Ceskhan und darf dann einen beliebigen Typen von Zauber-, Fallen- oder Monsterkarten nennen! Du musst mir dann dein gesamtes Deck zeigen und ich darf eine Karte des genannten Typs und alle Karten, die den gleichen Namen wie diese Karte haben, verdeckt aus dem Spiel entfernen!“

Das kleine, dünne Insekt auf dem Lampenschirm sowie sein kolossaler, projizierter Schatten verschwanden und Mayla erahnte, auf welche Art von Karten es ihr Gegner abgesehen hatte.

„Ich benenne den Typen Spielfeldzauber! Dank Bannsiegel des Dämonenkaisers darf ich nun dein Deck sehen und einen Spielfeldzauber und alle Kopien davon verdeckt verbannen!“

Vor der dunklen, rotäugigen Silhouette erschien eine Liste von Maylas Karten.

Der Geist brauchte nicht lange zu überlegen.

„Dein Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett könnte zu einem Problem werden, deshalb entferne ich alle drei Exemplare davon!“

Automatisch platzierte Maylas Dueldisk nun drei verdeckte Karten aus ihrem Deck in den Ablagestapel.

Ohne eigene Spielfeldzauber oder die Möglichkeit Karteneffekte gegen Benjamins Spielfeldzauber zu nutzen, konnte sie ihn nicht loswerden und das bedeutete, dass sie sich seinen Monstern in ihrer stärksten Form entgegenstellen musste.

Aber Mayla hatte schon einen Plan, sie brauchte nur, damit er funktionieren würde, ein wenig Glück.

„Ich rufe als Erstes meine Wassertänzer Merengue-Muschel im Verteidigungsmodus auf!“

Die Muschel klapperte erfreut, als Mayla sie ausspielte: „Juhu! Danke, dass du dich für mich entschieden hast, Mayla!“

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def,

„Hihi, gerne geschehen, Kumpel. Aber ich muss mich leider gleich von dir verabschieden, denn ich spiele nun meine letzte verdeckte Karte: Den Schnellzauber Wassertänzer-Shuffle!“

Hinter Merengue-Muschel tat sich Wassertänzer-Shuffle auf und die Muschel drehte sich neugierig zu der Karte um.

„Huch, was steht denn nochmal auf der Karte drauf? Ich habe meine Lesebrille vergessen!“, alberte das augenlose Muschelmonster.

„Das ist schnell erklärt! Indem ich ein „Wassertänzer“-Monster von meinem Feld auf die Hand nehme, darf ich ein anderes von meiner Hand beschwören. Außerdem darf ich danach den Monstertyp von einem meiner Wassertänzer verändern. Meine Muschel kehrt zurück und macht die Bühne frei für die Falmenco-Forelle.“

Kaum hatte Mayla ausgesprochen, schon hüpfte die kleine Muschel zurück auf das Blatt des Mädchens.

An der Stelle der Muschel stand nun die frohe Flamenco-Forelle in ihrem Wellenkleid.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def

Der Duellgeist lächelte Mayla freundlich an.

„Ich verändere den Typen von Flamenco-Forelle zu dem Typ Aqua.

Die Schuppenhaut des Fisches wurde plötzlich bläulich-transparent und die Forelle verlor ihre scharfen Konturen.

Sie begann wie eine große Wasserblase zu wabern.

„Hey, das fühlt sich lustig an!“, sagte die Forelle.

„Da ich nun ein Monster vom Typ Aqua kontrolliere, darf ich meine Merengue-Muschel durch ihren eigenen Effekt erneut beschwören. Spezialbeschwörung im Verteidigungsmodus, bitte.“

Neben der Flamenco-Forelle erschien nun Wassertänzer Merengue-Muschel.

„Huhu, da bin ich wieder! Oh, Hallo, Flamenco-Forelle! Wie geht es dir?“

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def.

„Ich fühle mich etwas...wässrig, anders kann ich es nicht beschreiben. Aber unterm Strich geht’s mir sehr gut, danke der Nachfrage.“

Mayla musste inzwischen loslachen.

Die verspielte Natur ihrer Duellgeister rief in ihr die alte Leidenschaft wieder wach.

Es fühlte sich, nach den ganzen letzten, todernsten Duellen wieder besonders an.

Das Duellieren machte Mayla in diesem Moment so viel Spaß, wie lange nicht mehr.

Der rastlose, vom schwarzen Nebel verschluckte Geist zitterte nun vor Wut.

„Du respektlose Göre! Niedere, sterbliche Kreatur!“, brüllte es in scheinbar allen Tonhöhen und aus allen Richtungen, „Ihr wagt es euch in MEINER Erinnerungswelt des Todes eure dummen Witze zu reißen?! Ich HASSE euch! Ich werde dir und deinen Monstern die schlimmsten Schmerzen bereiten, wie ihr euch sie in euren schwärzesten Albträumen nicht vorstellen könnt!“

Mayla ließ sich nicht einschüchtern, sie grinste stattdessen Benjamin breit an.

„Ich habe die Erinnerungen mit dir zusammen gesehen. Ich weiß inzwischen, dass du ein großer Duellant warst, Benjamin. Und ich wette mit dir, zu Lebzeiten hattest du genauso Spaß an Duel-Monsters wie ich es gerade habe. Warum versuchen wir uns nicht DARAN zu erinnern? Es würde mich freuen, wenn du in deinem letzten Duell auch Spaß hättest.“

„Spaß!?“, fragte der dunkle Geist ungläubig, „Wie kannst du nur von Spaß reden, wenn ich doch in einem Duell gestorben bin? Ich kann nur... hassen! Dich hassen, die Einsamkeit hassen, die ich bei meinem Tod empfand, dass Duellieren an sich hassen und letztlich hasse ich mich selbst!“

„Das solltest du aber nicht!“, entgegnete Mayla.

„Auch wenn du zu früh gestorben bist und es ein schrecklicher Tod für dich war: Diese Erlebnisse waren doch nur ein ganz kleiner Teil deines Lebens. Man sollte sich nie nur auf die schlimmen Dinge versteifen, finde ich. Das Leben kann sehr schön sein, wenn man es als Ganzes betrachtet. Der komplett von dem schwarzen Nebel bedeckte Benjamin hielt bei Maylas letzten Worten kurz inne, es schien, als ob er nachdenken würde.

„Mayla! Hör bitte auf mit ihm diskutieren zu wollen“, bat sie die Muschel und Flamenco-Forelle sprach weiter: „Was da vor dir steht ist nicht mehr als eine Ansammlung negativer Gefühle, frei von Sinn und Verstand. Diese Ansammlung kann einfach nicht mit Argumenten überzeugt werden.“

„Ach ja? Also ich bin mir da nicht so sicher. Guckt doch mal genau hin!“

Maylas Gegner befand sich in einer starren, angespannten Pose, die von unregelmäßigen Zuckungen unterbrochen wurde.

Die bedrohlich gurgelnde, von überall stammende Stimme, stöhnte angestrengt.

Das Rot seiner Augen verlor an Strahlkraft, der dichte Nebel um seinen ganzen Körper rum, begann sich von dem Geisterjungen zu lösen.

Für Mayla war es eindeutig, irgendwas im Inneren kämpfte gegen die ganze Negativität, gegen diese Dunkelheit an.

„Weiter so, Benjamin! Ich bin bei dir und ich werde dich auch nicht alleine lassen!“

Die Zuckungen wurden durch den Zuruf noch häufiger und stärker, das leuchtende Rot flackerte.

Der Benjamin im Inneren gewann nach und nach die Oberhand.

Plötzlich Stille.

Das Stöhnen, welches mit Benjamins Kampf gegen seine dunklen Gefühle einherging verstummte und Benjamin rührte keinen Muskel mehr.

Hatte er es geschafft?

„Dumme Sterbliche...“

Der Nebel, der sich bis eben aufgelöst hatte, schoss förmlich in dichten Schwaden wieder auf den Geist zu und bedeckte den schmächtigen Körper.

Zwei kraftvolle rote Augen starrten Mayla zornig an.

„Wie oft muss man dir das denn noch erklären? Es gibt keine Hoffnung oder Erlösung! Für Niemanden! Meine Seele wurde schon längst von der Dunkelheit eingesperrt! Sie ist in einem ewigen Albtraum gefangen, aus dem es kein Erwachen geben wird! Und ich WERDE dafür sorgen, dass dich und deine vorlauten Duellgeister genau das gleiche Schicksal ereilt!“

Mayla betrachtete ihn traurig.

„Meine Worte konnten dich wohl nicht überzeugen, aber meine Duellfähigkeiten und meine Freunde werden es schaffen! Ich spiele die Wassertänzer-Tanzpartnersuche aus.“

Mayla zeigte die Zauberkarte selbstbewusst lächelnd vor.

Du weißt ja inzwischen, wie sie funktioniert, ich decke nacheinander Karten von der Spitze meines Decks auf, bis ich ein „Wassertänzer“-Monster dabei aufdecke. Dieses Monster kommt dann auf meine Hand und alle anderen aufgedeckten Karten kommen zurück in das Deck.“

„Ein unsinniger Spielzug, keines deiner Monster kann es mit meinem Nachtschattenterror-Totem aufnehmen!“, brüllte die wütende Geisterstimme.

Das war nicht wahr, Mayla kannte ihr Deck und wusste ganz genau, dass sie nun die Chance hatte, das Duell zu ihren Gunsten zu wenden.

Aber dafür musste sie nun das richtige Monster erwischen.

Sie deckte die erste Karte auf und es war sogleich ein „Wassertänzer“-Monster.

Mayla grinste breit.

Es war das richtige Monster.

„Hey, Merengue-Muschel, ich werde nun den zweiten Effekt von Tanzpartnersuche nutzen, um deinen Monstertypen zu verändern. Hast du einen besonderen Wunsch?“

„Du meinst ich darf mir einen Typen aussuchen? Klasse!“, klapperte Maylas Muschelmonster begeistert.

„Ich finde ja Drachenmonster voll cool, mache bitte, bitte einen Drachen aus mir!“

„Wie du magst“, antwortete eine belustigte Mayla, „ich benutzte den Effekt von Wassertänzer-Tanzpartnersuche und darf den Typen von einem meiner „Wassertänzer“-Monster auf dem Feld in einen beliebigen anderen Typen abändern. Merengue-Muschel wird daher jetzt zu einem Monster vom Typ Drache!“

Wassertänzer Merengue-Muschel wuchsen nun über der Kalkschale dunkelgrüne Schuppen. Aus dem Verbindungspunkt der Muschelschalen ragte nun ein langer , beschuppter Schwanz und auf der oberen Schale befanden sich zwei ledrige Drachenflügel.

„Waaaahnsinn!“, freute sich die Merengue-Muschel, „ich muss sowas von abgefahren aussehen!“, rief sie mit kindlicher Begeisterung und stieß dabei sogar einen winzigen Feuerball aus.

„Ich kontrolliere nun zwei Wassertänzer deren Typ nicht ihrem ursprünglichen Typ entspricht. Wenn ich nun beide auf die Hand zurücknehme, darf ich das Monster aufrufen, das ich soeben gezogen habe. Manege frei und schwing die Flossen! Hier kommt Wassertänzer Walzer-Wal!“

Die Aqua-Forelle und die frischgebackene Drachen-Muschel zogen sich auf Maylas Blatt zurück.

Stattdessen erschien der kolossale Blauwal im eleganten Frack vor Mayla und bedeckte mit seiner Größe das gesamte Spielfeld.

Wassertänzer Walzer-Wal: Stufe 8, 2000Atk, 3400Def.

„Hallo Mayla, einen schönen Abend wünsche ich dir“, sprach der Wal in seiner erwartungsgemäß tiefen Bass-Stimme.

Höflich verbeugte sich Mayla vor ihrem Ass-Monster:“Den schönen Abend wünsche ich dir auch. Dürfte ich bitte deine Weltenwandelnde Wunderwelle sehen? Du würdest mir damit sehr helfen.“

„Hm, Natürlich! Ein Gentleman kann einer solch schönen Dame keinen Wunsch abschlagen.“

Der Walzer-Wal aktivierte sofort seinen Effekt.

Er stieß dröhnend laute aber auch sehr schöne und melodische Walgesänge aus, wodurch sich hinter ihm eine immer weiter auftürmende Welle bildete.

Auf der Welle ritten Maylas schwächere Wassertänzer-Monster.

Wassertänzer Walzer-Wal löste sich schließlich auf und kehrte auf die Hand zurück, wodurch die Welle brach und nun vier andere Wassertänzer-Monster Maylas Spielfeldseite betraten.

„Das war der tolle Effekt von Walzer-Wal: Nehme ich ihn auf meine Hand zurück, dann darf ich eine beliebige Anzahl an anderen Wassertänzer-Monstern aus meiner Hand oder dem Friedhof als Spezialbeschwörung ausspielen. Daher rufe ich aus meiner Hand die Wassertänzer Merengue-Muschel, Flamenco-Forelle und Robot-Rochen und aus meinem Friedhof den Disko-Delfin auf.“

Die vier genannten Wassertänzer stellten sich entschlossen Seite an Seite dem Geist und seinem Nachtschattenterror Totem entgegen.

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 1, 0Atk, 900Def.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

„Das ist aber noch nicht alles. Zum Einen erhalte ich 1000 Lebenspunkte für jedes so aufgerufene Monster. Außerdem darf ein durch den Walzer-Wal aufgerufener Wassertänzer den Typen beliebig verändern. Daher wird die Flamenco-Forelle zu einem Monster vom Typ Maschine.“

Maylas Lebenspunkte: 1200 → 5200.

Während Mayla ihre Lebenspunkte auf über 5000 erhöhte, wandelte sich die Schuppenhaut der Forelle zu einer glänzenden Eisenlegierung und an den Flossen bildeten sich kleine Zahnrädchen, wodurch sich die Forelle mechanisch bewegte.

„Was solls! Du hast zwar Lebenspunkte und ein nahezu volles Feld, aber keines deiner Monster ist stark genug um es mit meinem Nachtschattenterror aufzunehmen! Wenn Totem im nächsten Zug angreift, kann es im Alleingang jedes deiner Wassertänzer vernichten!“

„Das weiß ich zu verhindern. Jeder meiner Wassertänzer hat einen besonderen Effekt, der dadurch aktiviert wird, wenn ich das Monster wieder meiner Hand zufüge. Ich beginne mit Robot-Rochen, nehme ich ihn auf die Hand, zerstört er eine deiner offenen Karten. Das Ziel heißt Nachtschattenterror Totem.“

„Jo, jo, jo! Checkt mal diese tighten Moves aus!“, rief der Rochen in seiner Hip-Hop-Kleidung, als er einen kurzen roboterhaften Tanz aufführte, der eine Schockwelle auslöste.

Der Rochen kehrte auf Maylas Hand zurück und die zerstörerische Welle traf die kleine Motte auf dem Schirm des Nachtlichts, wodurch auch das riesige Schatteninsekt auf der Projektionsfläche verschwand.

„Du kontrollierst kein Nachtschattenterror-Monster mehr, deshalb verliert deine Hypnophobie an Wirkung und ich kann wieder deine Zauber- und Fallenkarten zerstören. Das ist genau richtig für meine Merengue-Muschel. Zerstöre bitte das Warme Nachtlicht.“

„Alles klaro, Das Licht puste ich weg!“

Die Muschel spuckte einen kräftigen Wasserstrahl, der nicht nur das kleine Monster zurück auf Maylas Hand stieß, sondern auch Benjamins permanente Falle zertrümmerte.

Der wütende Geist reagierte mit einem verächtlichen Grunzen.

„Ohne dein Warmes Nachtlicht wirkt auch die Projektionsfläche-Schlafzimmerwand nicht mehr, deine Monster verzehnfachen nicht mehr länger ihre Punkte. Jetzt, da das Feld frei ist, greife ich mit dem Disko-Delfin direkt an. Desasterdrehung!“

„Diesem Gruseltypen verpasse ich jetzt mal eine“, kündigte der Delfin an, vollführte dann vor Benjamin einen Vorwärtssalto, bei dem er dem Geist einen kraftvollen Niederschlag mit der Schwanzflosse verpasste.

Gefangener des Albtraums´ Lebenspunkte: 4000 → 2200.

Benjamin ächzte und fiel in die Knie.

„Es geht weiter, denn Wassertänzer Flamenco-Forelle kann ebenfalls mit der Furiosen Flossenschelle direkten Schaden anrichten!“

„Für dich gebe ich immer mein Bestes!“, sagte die Forelle mit einem Lächeln.

Sie schlug den Geistergegner schnell mit der Schwanzflosse aus einer seitlichen Drehung heraus.

Gefangener des Albtraums´ Lebenspunkte: 2200 → 600.

Der Geist ging mit einem schmerzerfüllten Schrei zu Boden.

„Super, Mayla! Jetzt nutze bitte schnell auch meinen Effekt, um ihm 1000 Punkte Schaden zuzufügen und ihm so den Rest zu geben!“

Doch Mayla ignorierte den Rat der Flamenco-Forelle.

Sie sah, wie sich die schwarzen Nebelschwaden von der Haut seines Gegners lösten.

Unter dem Schatten kam der bleiche, schwarzhaarige Junge mit den prägnanten Augenringen zum Vorschein, den sie zu Beginn des Duells kennengelernt hatte.

„Benjamin...“

„Hör auf dein Monster. Beende dieses Duell einfach.“

Doch Mayla schüttelte energisch den Kopf.

„Wir wollten doch in diesem Duell dafür sorgen, dass du deinen Frieden finden kannst. Das geht aber nicht, wenn du dich die meiste Zeit gar nicht wirklich selbst duelliert hast, oder? Außerdem fehlen uns ja noch die wirklich wichtigen Erinnerungen, also die an dein letztes Duell bei dem du gestorben bist.“

Der schwache Geisterjunge quälte sich wieder auf die Beine.

„Ich...habe keinen Frieden verdient. Du warst so lieb zu mir und wolltest nur helfen. Als Dank dafür schreie ich dich an und bedrohe dich auch noch. Also gewinne jetzt und kehre in die Welt der Lebenden zurück:“

Tiefe Reue und Trauer lagen in seiner Stimme.

„Da habe ich eine bessere Idee: „Da meine Flamenco-Forelle den Typ Maschine hat, nehme ich sie auf die Hand und darf dadurch den Robot-Rochen als Spezialbeschwörung rufen. Zeig dich im Verteidigungsmodus, bitte.“

An Stelle der eisernen Forelle stand nun wieder Maylas Rochen in seinem lässigen Hip-Hop-Outfit.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

„Word! Wer an meine Homies will, muss erst an mir vorbei!“

Disko-Delfin verdrehte bei dem Slang des Robot-Rochens die Augen.

„Damit beende ich meinen Zug.“

„Mayla! Warum möchtest du mir immer noch helfen? Obwohl ich so fies zu dir war?“

Mayla lächelte ihren Kontrahenten freundlich an.

„Mach dir doch nicht solche doofen Gedanken und genieße dein letztes Spiel.

Duel Monster soll schließlich Spaß machen. Also, habe einfach Spaß.“

Benjamin zögerte, dann legte er doch noch seine Hand zum Ziehen auf das Deck.

„Einfach Spaß haben, hm?“

Er lachte herzlich.

„Das klingt nach ner echt guten Idee. Aber sei mir nicht böse, wenn ich vor lauter Spaß versehentlich doch noch gewinnen sollte“, sagte der Geist spielerisch.

Er zog.

„Okay, dann lege ich mal direkt mit meinem Lieblingszauber los: Der Albtraum beginnt!“

Der Junge zeigte die Karte vor.

„Nun darf ich wieder ein Warmes Nachtlicht oder eine Projektionsfläche-Schlafzimmerwand direkt aus meinem Deck aktivieren. Da meine Schlafzimmerwand noch steht, entscheide ich mich allerdings für das Nachtlicht.“

Der Zauber wirkte und vor Benjamin erschien wieder die kleine Nachttischlampe.

„Meine Kartenkombination aus dem Warmen Nachtlicht und der Projektionsfläche steht, allerdings fehlen mir noch die Nachtschattenterror-Karten. Darum kümmert sich meine letzte Karte mit dem Namen Der Lebende Wirt!“

Benjamin rief nun einen fetten Zombie mit Wunden, aus denen die verschiedensten Insekten über den untoten Körper krabbelten.

Der Lebende Wirt: Stufe 2 900Atk, 1300Def

„Na lecker!“, kommentierte Disko-Delfin das makabere Monster flapsig.

„Keine Sorge, Duellgeist, der Lebende Wirt bleibt nicht lange auf dem Feld. Er kann nämlich geopfert werden, damit ich bis zu zwei Insekten mit der Stufe 1 von überall her als Spezialbeschwörung rufen kann! Ich weiß auch schon genau die richtigen Monster!“

Der dicke Zombie grunzte und schnaufte und schließlich platzte seine Bauchdecke auf.

Aus dem Bauch flatterten und krabbelten Nachtschattenterror-Totem und ein weiteres kleines Insektenmonster in Form eines schwarzen Hundertfüßlers auf den Lampenschirm des Warmen Nachtlichts zu.

Der Lebende Wirt zersplitterte daraufhin.

Nachtschattenterror Totem: Stufe 1, 250Atk, 250Def.

Nachtschattenterror Des-N´Ruhl Fuertes: Stufe 1, 350Atk, 350Def.

„Wird der Lebende Wirt für seinen Effekt als Tribut angeboten, darf ich bis zum Ende des Zuges keine Spezialbeschwörungen mehr durchführen. Aber bei meinen übermächtigen „Nachtschattenterror“-Monstern spielt das keine Rolle. Nachtschattenterror Totem kennst du ja schon, Mayla, aber sein Kumpel ist noch ne ganze Kante stärker! Das ist der mächtige Nachtschattenterror Des-N´Ruhl Fuertes! Natürlich bekommen beide durch meinen Spielfeldzauber einen riesigen Powerschub!“

Kaum hatte Benjamin die Worte ausgesprochen, erschienen links und rechts hinter ihm auf der weißen Wand die grauenerregenden und rotäugigen Schattenformen der still auf dem Nachtlicht verharrenden Insekten.

Nachtschattenterror Totem: Stufe 1 → 10, 250Atk → 2500Atk, 250Def → 2500Def.

Nachtschattenterror Des-N´Ruhl Fuertes: Stufe 1 → 10, 350Atk → 3500Atk, 350Def →  3500Def.

„Totem kann deine Monster mit Leichtigkeit loswerden! Unheiliger Flügelschlag auf den Rochen!“

Der kolossale Schattennachtfalter verließ die Wand und führte sofort den befohlenen Angriff aus.

Ein Windstoß, in welchem auch der schwarze Nebel verwirbelt war, eilte auf Wassertänzer Robot-Rochen zu und zerstörte ihn mit Leichtigkeit.

Mayla hielt sich schützend die Arme vor das Gesicht.

„Mein Totem hat den Effekt, dass es jedes Monster meines Gegners einmal angreifen kann. Dein Delfin ist erledigt! Unheiliger Flügelschlag!“

Nachtschattenterror-Totem wiederholte seine Attacke mit einem neuen Ziel.

Der vom Flügelschlag ausgelöste Windstoß riss den Delfin von der Hinterflosse und ließ ihn zerplatzen.

Diesmal verlor Mayla Lebenspunkte, denn sie hatte Disko-Delfin im letzten Zug zu einem Angriff genutzt,anstatt es in den Verteidigungsmodus zu bewegen.

Sie ächzte.

Maylas Lebenspunkte: 5200 → 4500.

„Dein Feld ist leer, daher kann Des-N´Ruhl Fuertes direkt angreifen! Zeig ihr den gefürchteten Giftklauenbiss!

Der Schatten des Hundertfüßlers hatte beeindruckende Mundwerkzeuge.

Als es in Rekordgeschwindigkeit die Wand entlang gekrabbelt war, sprang es sofort aus der Wand auf Mayla zu und brachte diese Klauen am Maul sofort zum Einsatz.

Mayla schrie auf und wurde von der Wucht der Attacke von den Füßen gerissen.

Maylas Lebenspunkte: 4500 → 1000.

Der Schatten des länglichen Insektes krabbelte als flacher Schatten an der Wand wieder zu Benjamin zurück.

„Alles okay bei dir? Kommst du von alleine wieder hoch, oder hast du dir weh getan?“, fragte Benjamin seine Gegnerin besorgt.

Mayla winkte ab.

„Danke der Nachfrage. Aber mir geht’s bestens!“

Das war noch nicht einmal gelogen, tatsächlich fühlte sich Mayla im Moment topfit, obwohl sie einige Minuten zuvor kaum selbst aufstehen konnte.

Was war diese Kraft?

War es der Umstand, dass sie endlich wieder Spaß an einem Duell hatte?

„Dein Umgang mit Schmerz hat sich schon um einiges

verbessert“, lobten die Wassertänzer auf ihrem Blatt und entlockten ihr so ein Lächeln.

Mayla stand auf und ihr Gegner erklärte:

Ähnlich wie Ceskhan hat auch Des-N´Ruhl Fuertes einen Effekt, der sich aktiviert, wenn es Kampfschaden erteilt: Ich darf nun zwei Monster von deiner Hand wählen, dessen ATK geringer ist als die von Des´N´Kruhl Fuertes sind und du musst diese beiden Karten ablegen. Dank deines letzten Zugs kenne ich auch ohne, dass du sie vorzeigen musst deine Hand und ich will, dass du Flamenco-Forelle und die Merengue-Muschel abwirfst!“

Das war schlecht für sie.

Mayla verabschiedete sich unfreiwillig von den beiden Monstern auf ihrer Hand, auf der sich nur noch der Walzer-Wal befand.

„Ich beende meinen Zug, du bist, Mayla!“

Mayla zog sofort und brauchte angesichts des Umstands, dass sie keine Karte auf dem Spielfeld und nur den alleine kaum nützlichen Wal auf der Hand hatte, nicht lange überlegen:

„Ich lege eine Karte verdeckt und gebe an dich ab.“

Vor ihr erschien die unbekannte Zauber- oder Fallenkarte und Benjamin zog.

„Deine einzige verdeckte Karte kann dich nicht retten! Nachtschattenterror Totem, greife Mayla direkt mit dem unheiligen Flügelschlag an und gewinne das Duell für mich!“

Die rotäugige Schattenmotte flog aus der Wand und löste eine Windböe aus schwarzem Nebel aus, die auf Mayla zu schnellte.

„Ich aktiviere meine permanente Fallenkarte Wasserfallbarriere! Indem ich ein Monster vom Typ Fisch abwerfe, darf ich den Kampschaden, der durch eine direkte Attacke erteilt wurde fair 50:50 aufteilen!“, rief Mayla, kurz bevor der dunkle Windangriff von Totem sie erreichen konnte.

Herabstürzende Wassermassen hielten die Attacke ab.

„Ich verabschiede mich von Walzer-Wal und darf nun den von Totem verursachten Schaden zwischen uns aufteilen. Damit verlieren wir beide 1250 Lebenspunkte!“

Der Geisterjunge grinste selbstsicher und hielt Mayla einen Schnellzauber entgegen.

„Ich aktiviere meine letzte Karte: Hier kommt der Schnellzauber Nachtmahrtäuschung! Nachtmahrtäuschung macht eins meiner „Nachtschattenterror“-Monster, dessen Typ Unterweltler, dessen Stufe 10 und dessen Attribut Finsternis ist, bis zum Ende des Zuges gegen Karteneffekte meines Gegners immun! Deine Wasserfallbarriere ist jetzt gegen meinen Nachtschattenterror Totem wirkungslos!“

Die Wasserfallbarriere warf einen Teil des Angriffs auf Totem zurück, doch das Schattenwesen befand sich wegen des Schnellzaubers plötzlich deutlich zu weit rechts um getroffen zu werden.

„Das wars dann! Beende das Duell mit dem Unheiligen Flügelschlag!“, befahl Benjamin.

Die Schattenmotte gehorchte und traf mit der düsteren Windattacke Mayla direkt.

Maylas Lebenspunkte: 1000 → 0.

Der Spielfeldzauber, das Nachtlicht und die Monster sowie ihre riesigen Schattenprojektionen lösten sich langsam in Luft auf, während Benjamin durch die klaustrophobischen und mittelmäßig beleuchteten Metallgänge auf seine soeben besiegte Gegnerin zuging und ihr aufhalf.

„Wow, du hast mich echt fertig gemacht, obwohl du schon monatelang keine Spielpraxis mehr hattest...Kein Wunder, dass du als Obelisk der Spitzenklasse deinen Abschluss gemacht hast.“

Dieses Kompliment genoss Benjamin offensichtlich sehr.

„Hehe, danke sehr. Für einen Slifer im ersten Jahrgang bist du aber echt tough und eigentlich hast du dieses Duell ja zuerst gewinnen können.“

„Was jetzt? Kannst du jetzt deine Ruhe finden und diese Welt verlassen?“

Benjamin schien zu überlegen.

„Also ich fühle noch keinen Unterschied. Aber die wichtigste Erinnerung fehlt ja auch noch... Hey!“

Mayla und Benjamin sahen, wie sein lebendiges Ich ohne zu Zögern halb durch sie durch und schließlich zügig durch weitere Korridore ging.

Er achtete kaum darauf, wo er gerade hinging, sondern hatte den Blick auf den Kellerplan, den er wahrscheinlich wie angekündigt von Herrn Schrainmann bekommen hatte, fixiert.

„Ist dein altes Ich gerade durch uns durch gelaufen?!“, fragte eine stark überraschte Mayla.

„Ihm nach!“, befahl Benjamin und beide eilten dem lebenden Ich aus der Erinnerung hinterher.

Es war mühsam für die nun ausgepowerte Mayla mit den beiden Benjamins Schritt zu halten und so war sie dann doch etwas erleichtert, als nur wenige Minuten später schon der Erinnerungs-Benjamin sein Ziel erreicht zu haben schien.

Der enge, eiserne Gang war hier deutlich breiter und auch die Lichter flackerten hier nicht.

In der Mitte des breiten Ganges stand eine große, stählerne Tür und über ihr hingen Überwachungskameras sowie etwas, dass wie ein größerer Hologramm-Projektor, wie man ihn aus der gewöhnlichen Dueldisk kennt, aussah.

´Der Junge selbst stand nun vor einer massiven Stahltür, genauer vor einem Eingabefeld, in welchem er den Code des Direktors eintippte.

Als er fertig war, las er die Meldungen auf dem Display.

„Zugangscode: Korrekt.“

„Duell-Authentifizierung nötig.“

Der Projektor erzeugte augenblicklich hinter dem Jungen ein Hologramm in Form einer Frau um die Mitte 30.

Sie war auffällig hoch gewachsen, schlank, mit glatten, platinblonden Haaren und trug neben ihrer Brille und der Dueldisk einen weißen Laborkittel.

„Gehe sofort wieder an die Oberfläche, Junge! Dies ist ein gefährlicher Ort!“, warnte sie ernst.

„Das hat man mir bereits mitgeteilt. DU bist die Gefahr! Du bist eine böse KI, die versucht die Akademie zu sabotieren!“, entgegnete er.

Die Frau schwieg kurz.

„Der Direktor schickt dich, richtig? Damit du dich gegen mich duellierst. Er will, dass du mich „löschst“, nicht wahr?“

Benjamin zückte nun angriffslustig seine Disk.

„Woher weißt du das? Hast du in seinem Büro auch Kameras aufgestellt?“

Die Frau schüttelte traurig den Kopf.

„Du bist nicht sein erstes Opfer. Er hat schon vor dir Kinder zu mir geschickt.

Er hat mich jedes Jahr aufs Neue zur Kindsmörderin gemacht.“

Benjamin schnaubte wütend.

„So ein Unfug! Deine Lügengeschichten werden dich nicht vor mir retten! Der Direktor hat mir alles über dich und diesen Ort erzählt, was ich wissen muss!“

„Du darfst diesem Mann nicht trauen!“, widersprach sie harsch, „Verschwinde bitte einfach von hier. Halte dich von der Akademieinsel fern und lebe da draußen dein Leben! Du bist noch so jung, du kannst alles werden was du willst!“

Das verzweifelt wirkende Flehen der künstlichen Frau stieß bei Benjamin auf taube Ohren.

„Direktor Schrainmann hat mich vor der Perspektivlosigkeit gerettet! Ohne ihn würde ich immer noch im Waisenhaus festsitzen, ohne eine richtige Zukunft! Ich werde seine Bitte nicht ablehnen!“

Entschlossen aktivierte Benjamin seine Dueldisk, woraufhin sich automatisch auch die Dueldisk der Hologrammfrau einschaltete.

„Du armes Kind. Bitte vergib mir für das, was ich dir nun antun muss.“

Unwillig zog sie ihre Starthand.

Als Herausgeforderte stand ihr der erste Zug zu.

„Ich beginne mit dem Zauber Janbres – Zauberregister.“

Als sie die genannte Karte aktivierte, flogen kleine, grüne Blitze aus ihrer Dueldisk heraus.

Benjamin schreckte intuitiv zurück, doch die Frau schien von diesen Blitzen unbeeindruckt. Sie setzte stumpf ihren ersten Zug fort.

„Diese Karte erlaubt es mir einen beliebigen Janbres-Zauber von meinem Deck auf die Hand zu nehmen. Allerdings darf ich für den restlichen Zug keine Zauberkarten mit anderem Namen als die ausgewählte Karte aktivieren. Ich nehme somit Janbres - Gelöschte Erinnerungen auf die Hand.“

Die Frau zeigte die gesuchte Karte vor.

„Nun aktiviere ich Janbres – Gelöschte Erinnerungen sofort. Durch ihren Effekt musst du zwei Karten aus deiner Hand komplett aus dem Spiel entfernen.“

Erneut schossen grüne Blitzchen aus ihrer Disk.

Benjamin sah seine Gegnerin verärgert an, entschied sich dann aber recht schnell für die Karten , die er loswerden wollte.

„Ich spiele eine zweite Kopie von Janbres – Gelöschte Erinnerungen. Deine Hand wird um weitere zwei Karten reduziert.“

Ein drittes Mal zuckten die grünen Blitze um die Dueldisk der Frau.

„Was? Wie ist das denn fair?!“, protestierte Benjamin.

„Das frage ich mich aber auch. Was sind das denn bitte für absurde Karten? Die können doch nicht legal sein , oder?“, fragte Mayla.

Sie hatte nicht bemerkt, dass der Geist neben ihr gerade in seine eigenen Gedanken vertieft war.

Er starrte, zu sich selbst murmelnd zu den beiden Duellanten aus der Erinnerung hinüber.

„Wieso war ich nur so dumm? Warum konnte ich nicht einfach umkehren und diese verdammte Insel hinter mir lassen?“

Der schwarze Nebel lief langsam unter ihm aus dem Boden und begann ihn wie ein Schleier zu umhüllen.

Mayla griff nach seiner Hand.

„Du bist nicht alleine! Ich bin bei dir, Benjamin!“

Der Geisterjunge erwachte aus seiner Trance und lächelte sie mild an.

Er presste ihre Hand. Fest, aber nicht schmerzhaft stark.

„Danke, Mayla.“

Der Nebel verschwand augenblicklich.

Benjamin hielt jetzt nur noch eine einzige Karte in der Hand, bevor er überhaupt einmal zum Zuge gekommen war.

„Ich setze noch ein Monster verdeckt. Du bist dran.“

Benjamin zog und schmollte im Anschluss.

Vier seiner Karten waren aus dem Spiel entfernt und nur mit diesen beiden auf der Hand, konnte er sich seine Strategie nicht richtig aufbauen.

„Ich setze ebenfalls ein Monster verdeckt. Dein Zug, KI!“

Die Frau zögerte, doch zog letztlich.

„Es tut mir ehrlich Leid, Junge.“

„Spar dir das! Als ob ein Computerprogramm wie du überhaupt so etwas wie Mitleid empfinden kann!“

Die Frau schüttelte wieder traurig den Kopf, bevor sie ihren Zug machte.

„Zunächst decke ich mein verdecktes Monster auf, die Donnerklang-Kampfmagierin.“

Die Runenschwertkämpferin mit der großen Zipfelmütze und der weiten Magierrobe erschien.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

Mayla riss sofort die Augen auf.

Donnerklang-?

Wieso benutzte diese künstliche Frau Erins Monster?

Und...warum sah sie Erin eigentlich so ähnlich?

Hatte dieser angebliche Multimillionär etwa seine Traumfrau nach einem kleinen Mädchen modelliert?

Wie alt war Erin damals, wenn das noch vor der Gründung der Akademie war?

Vier oder fünf?

Mayla würde am liebsten bei diesem Gedanken kotzen.

Die Hologrammfrau setzte ihren zug fort: „Als Normalbeschwörung rufe ich Donnerklang-Kriegerin im Angriffsmodus.“

Die schöne Kriegerfrau in leichter Rüstung präsentierte ihr Schwert.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

„Ich spiele zuletzt den Schnellzauber Donnerbeschwörung. Mit ihr kann ich ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner beschwören und meine Kriegerin außerdem sofort mit diesem so beschworenen Monster ausrüsten!“

Die Frau spielte die Karte wie angekündigt aus und blaue, zuckende Funken und kleine Blitze bildeten sich auf dem Schwert der Kriegerin.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2300Atk.

„Meine Donnerklang-Kriegerin ist nun mit einem Donnerklang-Donner-Unionsmonster ausgerüstet, genauer gesagt mit der Donnerklang-Seele. Deshalb werden ihre Punkte ebenfalls um 800 erhöht. Außerdem darf sie pro Battle Phase nun zweimal angreifen. Damit sind meine Monster kampfbereit: Donnerklang-Kampfmagierin! Attackiere die verdeckte Karte des Jungen mit dem Schockschwerthieb!“

Wie befohlen eilte die Kampfmagierin auf Benjamins verdecktes Monster zu und durchstach es mit ihrem Säbel.

Der verdeckte Nachtschattenterror Sahunen-Psi zerplatzte.

„Donnerklang-Kriegerin! Greife dieses Kind jetzt mit statischer Spaltung direkt an!“

Das Donnerklang-Monster hastete auf Benjamin zu und versetzte ihm einen flinken Schwerthieb.

Benjamin schrie vor Schmerz auf.

Benjamins Lebenspunkte: 4000 → 1700.

Benjamin keuchte und ächzte nach der direkten Attacke.

„Verdammte...Scheiße...wieso tut das so weh? Warum fühlt sich das so...echt an?“

Er hielt sich den Bauch vor Schmerzen.

Er bemerkte dabei ein ungewohntes Gefühl.

Eine warme Flüssigkeit lief an seiner Hand hinunter.

Benjamin blickte sich entsetzt an.

Blut?

Er betrachtete die eigene, blutverschmierte Handfläche, zitternd.

Auf dem Boden hatte sich bereits eine rote Pfütze gebildet.

„Was...zum...-“

„Statische Spaltung“

Benjamins Lebenspunkte: 1700 → 0.

Die Donnerklang-Monster verblichen.

Mayla hielt sich entsetzt die rechte Hand vor den Mund.

Irgendwie hatten die Donnerklang-Monster der Frau die Macht, echten, sogar tödlichen Kampfschaden anzurichten.

Das war schrecklich.

Konnte Erin sowas etwa auch?

Sie musste gerade an die unzähligen Duelle, die sie in der Vergangenheit mit ihr geführt hatte, denken.

War sie schon immer in Gefahr gewesen?

Die linke lag noch immer in der Hand des Geistes von Benjamin.

„So bin ich gestorben...“, sagte er in einem gequälten Ton.

Der Junge vor ihnen lag in einer Lache aus seinem eigenen Blut.

Er zuckte, es schien als versuche er gegen den Tod anzukämpfen.

Mit einem Arm zog er sich unter größten Mühen wieder in Richtung Ausgang.

Die Kellerfrau sah ihn ein letztes Mal traurig an.

„Du hast verloren. Die Janbres-Zauber fordern nun ihren Tribut.“

Zahllose grüne Blitze schossen für über eine halbe Minute von der Disk der Frau auf Benjamin ein.

Er schrie.

Er schrie.

Er schrie.

Dann schwieg er.

Die Szene verschwand und Mayla und der Geist fanden sich in der ihr vertrauten Dunkelheit wieder.

„Danke, dass du diesmal bei mir warst, Mayla“, bedankte sich der Geist und zwang sich trotz der Bilder, die soeben wieder vor seinen Augen waren dazu, seine Erlöserin anzulächeln.

Ein heller, die Finsternis durchdringender Schein umgab ihn, seine Stimme schien dünner und seine Konturen verschwammen.

Mayla, die seine Hand hielt konnte den Griff nicht mehr spüren.

„Du... findest jetzt deinen Frieden? Oder?“

Mayla wollte Benjamin jetzt nicht gehen lassen.

Sie hatte eine gefühlte Million an Fragen an ihn.

Aber es schien vorbei zu sein.

„Ich denke schon“, hauchte es, kaum noch hörbar, „Danke Mayla.“
 


 

°°°
 

Mayla, die soeben, mit dem Blick auf das Meer gerichtet ihre Dueldisk aktiviert hatte, brach jetzt kraftlos in sich zusammen.

„Mayla! Was ist los mit dir?!“, rief Daniel besorgt und kniete sich zu seiner Freundin runter.

Auch Erin ging in die Hocke und kontrollierte erst Maylas Puls und fasste ihr dann an den Hinterkopf, um diesen auf eine Wunde zu untersuchen.

Sie war nicht verletzt.

„Es geht mir soweit gut, danke sehr. Ich will aber wieder zurück“, sagte sie, ohne Erin anzusehen.

„Wir sind doch gerade erst angekommen? Bist du schon fertig mit diesem Geisterdings?“, fragte Erin.

„Ja, bin ich. Ich will jetzt zurück.“

Erin versuchte ihr in die Augen zu sehen, aber Mayla wandte sich ab.

Sie konnte ihrer Freundin gerade nicht ins Gesicht sehen, nicht nach dem, was sie soeben miterlebt hatte.

„Alles klar“, sagte Daniel und zog Mayla behutsam wieder auf ihre Beine, „Lasst uns zu unseren Unterkunften gehen.“
 

Den Sonntag verbrachte Mayla alleine, zumindest so alleine, wie sie auf ihrem Dreierzimmer sein konnte.

Am liebsten hätte sie niemanden gesehen und zwar für die gesamte Woche.

Es gab viel, was sie sich in Ruhe überlegen musste, was sie niemandem erzählen konnte, außer ihren Duellgeistern vielleicht.

Aber selbst die waren nicht dabei, als sie Benjamins Tod gesehen hatte.

Die wichtigste Frage für sie war, ob sie nicht doch verrückt geworden ist.

Normale Menschen reden nicht mit Geistern und normale Menschen sehen nicht einer 20 Jahre älteren Fassung ihrer besten Freundin dabei zu, wie sie junge Erwachsene ermordet.

Sie spielte immer wieder mit dem Gedanken, doch die Notfallnummer des Schulpsychologen zu konsultieren, aber verwarf ihn auch genauso schnell wieder.

Was war, wenn man sie für verrückt halten würde?

Würde sie dann ihr Stipendium verlieren?

Oder würde sie sofort exmatrikuliert werden?

Es gab keinen anderen Ort für sie, dies war der einzige, an denen sie Freunde und eine Zukunft hat.

Zumindest hatte Mayla das bis gestern Abend geglaubt.

Aber jetzt, nach ihrem Duell gegen Benjamin war sie sich in Bezug auf ihre Freundin und die guten Absichten des Direktors nicht mehr so sicher.

Am Montag saß sie wieder zwischen Daniel und, so unangenehm es ihr inzwischen auch war, neben Erin im Hörsaal.

Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen, sie hatte Erin lediglich von dem Duell mit Benjamin erzählt, aber nichts über sein tödliches Duell, oder was generell die Hologramm-Frau anging.

Aber es fiel ihr noch immer schwer Erin anzusehen.

Die meiste Unterichtszeit sinnierte sie, anstatt richtig aufzupassen.

Mayla hatte für den Schulalltag keinen Kopf mehr.

Zum Unterrichtsschluss sah sie, wie vom rechten Obeliskenblock Chris zu ihr herunter ging.

Dey hatte deren unleserliches Lächeln auf den Lippen, so wie immer.

Was wollte Chris von ihr?

„Hallo Mayla, ich hoffe, du hast ein schönes Wochenende gehabt.“

„Es ging so. Wie war dein Wochenende?“

Chris lachte.

„Entschuldigung, ich bin nicht wegen Smalltalk hier, ich wollte nur höflich sein.

Immerhin schulden wir ihrer Majestät, der Sliferkönigin, ein wenig Respekt.“

Ein merkwürdiges Abhandensein einer ironischen oder sarkastischen Tonlage bei dem Wort „Sliferkönigin“ machte Mayla stutzig.

Meinte Chris das etwa ernst?

„Bist du jetzt nur zu uns gekommen, um uns zu beleidigen?“, fragte Daniel gereizt.

„Unsinn. Ich habe ein wichtiges Anliegen von unserem König, Aland Kaya. Er möchte dir, Mayla, anbieten seine Gegnerin im Jahresabschlussduell zu sein.“

„Moment, Moment, euer toller Obeliskenkönig will sich mit einem Slifer aus dem ersten Jahr duellieren?“, fragte Erin ungläubig, „verstößt das nicht gegen eure Blaue Ehre oder so?“

Chris seufzte.

Es war offensichtlich, dass Chris selbst nicht allzu überzeugt von diesem Einfall war, auch wenn dey es zu überspielen versuchte.

„Es wäre nicht der erste Verstoß gegen die Blaue Ehre, aber wir erhoffen uns, dass es der letzte sein könnte. Mayla soll als Sliferkönigin stellvertretend für alle Slifer, die sich unterdrückt fühlen die Gelegenheit bekommen, die Spitze der Obelisken zu duellieren. Direktor Schrainmann hat diesen Vorschlag übrigens auch schon abgesegnet. Wir warten nur noch auf deine Antwort“, erklärte Chris.

Mayla überlegte nicht lange.

„Sagt eurem König, dass die Sliferkönigin seine Herausforderung annehmen wird!“, sagte sie demm entschlossen.
 

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Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Nachtschattenterror Ceskhan: Stufe 1, 250Atk, 250Def, Typ Insekt, Attribut Wind, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Wenn diese Karte deinem Gegner Kampfschaden zufügt: Füge deiner Hand eine Karte aus deinem Deck zu, die „Nachtschattenterror“ im Kartentext enthält.
 

Nachtschattenterror Des-N´Kruhl Fuertes: Stufe 1, 350Atk, 350Def, Typ Insekt, Attribut Erde, Zwilling/Effekt:

Diese Karte wird als ein Normales Monster behandelt, solange sie offen auf dem Spielfeld oder im Friedhof liegt. Solange diese Karte ein Normales Monster auf dem Spielfeld ist, kannst du sie als Normalbeschwörung beschwören, damit sie ein Effektmonster mit diesen Effekten wird: Wenn diese Karte deinem Gegner Kampfschaden zufügt: Dein Gegner muss die Karten auf seiner Hand offen vorzeigen. Wähle dann bis zu zwei Monster mit weniger ATK als diese Karte.

Dein Gegner muss diese Karten abwerfen.
 

Der Lebende Wirt: Stufe 2, 900Atk, 1300Def, Typ Zombie, Attribut Finsternis, Effekt:

Du kannst diese Karte als Tribut anbieten: Wähle bis zu zwei Stufe-1-Insekt-Monster aus deiner Hand, deinem Friedhof und/oder aus deinem Deck. Beschwöre die gewählten Monster als Spezialbeschwörung. Du kannst für den Rest des Zuges keine Monster mehr als Spezialbeschwörung beschwören.
 

Neue Zauber:
 

Janbres – Zauberregister, Verbotener Zauber:

Füge deiner Hand einen Verbotenen Zauber außer „Janbres – Zauberregister“ zu.

Du kannst in diesem Zug keine Zauberkarten aktivieren, die einen anderen Namen haben, als der durch diese Karte zugefügte Zauber.
 

Janbres – Gelöschte Erinnerungen, Verbotener Zauber:

Dein Gegner muss zwei Karten von seiner Hand aus dem Spiel entfernen.

Hat dein Gegner weniger als zwei Karten auf der Hand, entfernt er alles seine Karten von der Hand aus dem Spiel.
 

Schlafparalyse, Schnellzauber:

Du kannst diese Karte nur aktivieren, falls du ein „Nachtschattenterror“-Monster der Stufe 10 mit dem Attribut FINSTERNIS und den Typen Unterwelter kontrollierst: Annulliere bis zum Ende des Zuges alle Karteneffekte von offenen Karten, die dein Gegner kontrolliert.
 

Opfer des Schwarms, Normaler Zauber:

Biete ein Insektenmonster, das du kontrollierst oder auf deiner Hand als Tribut an: Ziehe zwei Karten. Du kannst nur ein „Opfer des Schwarms“ pro Zug aktivieren.
 

Hypnophobie, Permanenter Zauber:

Falls du ein „Nachtschattenterror“-Monster der Stufe 10 mit dem Attribut FINSTERNIS und den Typen Unterweltler kontrollierst: Offene Zauber- und Fallenkarten, die du kontrollierst können nicht von einem Karteneffekt deines Gegners zerstört werden.
 

Nachtmahrtäuschung: Schnellzauber:

Wähle ein „Nachtschattenterror“-Monster der Stufe 10 mit dem Attribut FINSTERNIS und den Typen Unterweltler, das du kontrollierst: Es bleibt bis zum Ende des Zuges von gegnerischen Karteneffekten unberührt.
 

Neue Fallen:
 

Bannsiegel des Dämonenkaisers, Normale Falle:

Biete ein Unterweltler-Monster der Stufe 7 oder höher als Tribut, um diese Karte zu aktivieren: Nenne einen Typ von Zauber-, Fallen oder Monsterkarten.

Wähle dann eine Karte im Deck deines Gegners des von dir genannten Typs und entferne sie und alle Karten mit dem gleichen Namen im Deck deines Gegners verdeckt aus dem Spiel.

Aktion und Reaktion

„Hey! Erin! Mayla! Was ist denn los mit euch?! Jetzt... Uff, wartet doch endlich!“, forderte Fiona lautstark, vom Hinterherrennen schwer atmend.

Erin und Mayla hatten ohne auf Fiona zu warten das Auditorium verlassen und sie schienen auch nicht gewillt stehen zu bleiben.

Sie drehten sich noch nicht einmal um, so, als hätten sie sie nicht rufen hören.

Aber davon ließ sich Fiona nicht aufhalten.

Nicht nach dem, was sie in der kurzen Unterhaltung zwischen Chris und Mayla soeben aufgeschnappt hatte.

Sie drängelte sich rücksichtslos durch die dichte Menschenmenge, die sich langsam durch den Akademieflur presste und sie von ihren Freundinnen trennte.

Schließlich holte sie Mayla und Erin ein.

„Was willst du?“, fragte Erin sie genervt, ohne sie dabei anzusehen oder stehen zu bleiben.

„Habe ich das gerade richtig gehört!? Der Obeliskenkönig will sich höchstpersönlich mit Mayla am Jahresabschlussduell vor der ganzen Akademie duellieren? Und...Mayla hat doch nicht ernsthaft zugestimmt, oder?“

Mayla seufzte.

Sie verließ den Flur, der geradeaus zur Treppe führte, von wo aus man das Hauptgebäude verlassen konnte und bog in den leeren Gang zum Lehrerzimmer hin ab.

Wenn die drei schon genau jetzt ein Gespräch führen mussten, dann zumindest dort, wo sie halbwegs unter sich waren.

Ohne ein Wort zu wechseln, gingen Erin und Fiona ihr hinterher.

Die drei waren nun ungestört.

„Mayla, bitte sag mir, dass ich mich verhört habe...“

Mayla schüttelte den Kopf.

„Ich weiß, dass es dir als Obeliskin schwerfällt dich deinen Hausmitgliedern entgegenzustellen, aber...jemand muss der Krone die Stirn bieten. Ich will beweisen, dass auch Slifer einen Wert haben. Dass auch wir fähige Duellanten sein können und Respekt verdient haben. Nur...“, Mayla blickte auf ihre rote Uniform herab, „...nur ich bin dazu in der Lage.“

Sie klang unsicher, beinahe so, als ob sie kurz davor befände sich bei Fiona für ihren Übermut zu entschuldigen.

„Das ist doch nicht dein Ernst, oder?! Du weißt, dass man vor hat dich vorzuführen?! Der König hätte dich doch niemals herausgefordert, wenn er sich nicht absolut sicher wäre, dich zu besiegen!“

Mayla hörte die quietschende Stimme ihres Tango-Tintenfischs aus ihrer Deckbox: „Gemeinsam mit uns Duellgeistern hättest du einen der ehemaligen Topabsolventen der Akademie schlagen können, Mayla. Du hast ein verbogene Kraft in dir, die dich stärker als alle anderen macht. Du bist die Sliferkönigin!“

Die Aufmunterung seitens ihres Duellgeistes entlockte ihr ein unscheinbares Lächeln.

Sie sah Fiona direkt ins Gesicht.

„Ich bin die Sliferkönigin. Ich fürchte mich vor keinem Duell und werde für Gerechtigkeit kämpfen.“

Fiona schüttelte vehement den Kopf.

„Diesen dämlichen Titel hat man dir doch nur verpasst, um dich zu veralbern, Mayla. Du kannst es nicht mit dem mächtigsten Duellanten der Akademie aufnehmen“ sagte sie und kramte ihr Smartphone aus der Hosentasche, um Mayla den hohen GY-Score und die makellose Duellhistorie von Aland Kaya vor Augen zu führen, „er wird dich vor der gesamten Akademie erniedrigen. Niemand nimmt es mit dem König auf.

Mayla wurde erneut immer kleiner und wagte es nicht mehr Fiona in die Augen zu sehen.

Erin stellte sich schützend vor sie.

„DEIN König ist arrogant, wie alle anderen Obelisken auch! Mayla ist stark. Sehr stark. Sie hat bisher jeden von euch platt gemacht, der oder die sie herausgefordert hat! Also tu nicht so, als ob sie keine Chance hätte!“

„Der stärkste Duellant der Akademie, Erin! Wir sind...was, 1700, 1800 Schüler hier? Einige davon studieren schon seit bald drei Jahren hier Duel Monsters! Gut, sie gewinnt gegen ein paar Leute aus den ersten zwei Jahrgängen, weil sie sie als Slifer-Schülerin kaum ernst nehmen, aber...-“

„Nimmst du sie denn ernst?“, unterbrach Erin harsch.

Fiona wandte den Blick abschätzig von Erin ab und blickte auf die hinter ihr stehende Mayla.

„Ich...denke, du übernimmst dich gerade. Sag Chris bei nächster Gelegenheit ab. Konzentriere dich einfach auf das Lernen und die nächsten Prüfungen, dann wirst du auch eine Obelisk-Blue-Schülerin. Ich habe es durch schieren Fleiß geschafft. Du kannst das auch!“

Sie bemühte sich mitfühlend und aufbauend zu klingen, auch wenn das nicht unbedingt ihre Spezialität war.

Fiona erzielte nicht die gewünschte Wirkung.

Mayla stand noch immer in sich zusammengekauert, mit den Augen auf den Boden und Erin sah aus irgendeinem Grund so aus, als ob sie gleich vor Wut platzen würde.

„Schierer Fleiß, ja? Bist du dir GANZ sicher, dass das alles war, was dir den Aufstieg verschafft hat?“

„Öh...klar, was denn sonst?“

Erin ballte beide Hände zu Fäusten.

Sie hatte in den letzten Wochen ihrer „Freundin“ mehr als genug Zeit gegeben, ein Geständnis abzulegen und sich bei ihr zu entschuldigen.

Dafür, dass sie vor der Halbjahresprüfung im Austausch gegen seltene Karten Kevin von dem Feuer, dem Tod ihres Vaters und ihrer Amnesie erzählt hatte.

Selbst jetzt, wo Erin direkt auf Fionas Verrat anspielte, stellte sie sich dumm.

„Kevin hat mir alles erzählt, Fiona! Obwohl du wusstest, wie schlecht ich mich wegen meiner Krankheit und meiner toten Eltern fühle, bist du zu ihm gekommen und hast ihm bereitwillig von meiner Vergangenheit berichtet, um so an bessere Karten für die Halbjahresprüfung zu kommen!“

Fiona traute ihren Ohren nicht, aber sah es Erin an, dass sie das soeben Gesagte ernst meinte.

„Was? Wie kannst du diesem Blödmann nur glauben?!“

„Weil ich nur mit dir und Mayla gesprochen habe, mit niemandem sonst!“

Fiona schluckte.

Hilflos wechselte ihr Blick zwischen Erin und der schräg hinter ihr stehenden, traurig aussenden Mayla hin und her.

„Mayla! Sag Erin, dass sie von Kevin nur belogen wurde! Er muss bestimmt noch eine andere Informationsquelle haben, die Erin gerade übersieht!“

Die Angesprochene druckste.

Sie wirkte zwiegespalten.

„Ich weiß nur, dass ich nicht mit ihm oder irgendwen anders über Erin geredet habe und dass du...Naja, du warst doch schon immer so ehrgeizig...Du wolltest unbedingt Slifer hinter dich lassen und freundest dich ganz gut mit den anderen Obelisken an...“

„Mayla!“

„Ich weiß nicht was ich glauben soll, Fiona!“

Für einen Augenblick war es bedrückend still.

Erin starrte Fiona noch immer ärgerlich schnaubend an, während Mayla beschämt den Blickkontakt vermied.

„Es...tut mir Leid“, ergänzte Mayla kleinlaut.

Fionas Kehle schnürte sich zu und das bloße Atmen fiel ihr Angesichts dieses Vorwurfs schwer.

Es tat weh, das zu hören.

„So denkt ihr also über mich, ja?“

Kein Zorn, oder Trauer lag in Fionas Stimme.

„Ich hintergehe meine beste Freundin für die Chance das Haus zu wechseln? Ich denke nur an mich selbst?“

Sie klang leer, zu kraftlos um wirklich enttäuscht zu sein.

„Mann! Und ich Idiotin wollte dir noch bis eben gut zureden, damit du dich nicht mit dem König duellieren musst!“

„Mayla braucht dich nicht, um auf sie aufzupassen! Sie hat immer noch Daniel und mich!“

„Hmm, also was das angeht, Erin...Ich will dich nicht sehen. Bitte lass mich in Ruhe.“

Überrascht drehte sich Erin nun um, um Mayla anzusehen.

„Wie bitte? Was hab ich dir denn getan?!“

„Du hast eine ältere, virtuelle Doppelgängerin in einem Kellergewölbe unterhalb der Akademie, die mit deinen Donnerklang-Karten und übermächtigen, geheimen Zauberkarten unsere Mitschüler tötet. Und ich bekomme diese Bilder von ihrem Mord einfach nicht aus meinem Kopf und fühle mich jedes Mal schrecklich, wenn ich dein Gesicht sehen muss“

Das waren zumindest Maylas intime Gedanken, die sie nicht auszusprechen wagte.

So ließ sie Erins Frage unbeantwortet.

Ein zweites Mal herrschte die Stille zwischen den Dreien.

Langsam schüttelte Fiona den Kopf.

„Wisst ihr was? Macht was ihr wollt, aber lasst mich da raus! Ich gehe!“

Mit diesen Worten verließ sie den Flur und ließ Erin und Mayla hinter sich zurück.
 


 

°°°
 


 

Diese schmerzhafte Unterhaltung lag nun so einige Wochen zurück.

Von einem Tag auf den anderen war plötzlich alles anders geworden.

Die beiden Mädchen, die sie bisher für ihre besten Freundinnen gehalten hatte, hatten sie beschuldigt, aus Eigennutz Erins Geheimnis weitererzählt zu haben und diese Anschuldigung hatte so viel kaputt gemacht.

Fiona hatte die nächsten Tage heimlich gehofft, dass Erin oder zumindest Mayla zu ihr kommen würden, um sich dafür zu entschuldigen, dass sie so schlecht über sie dachten.

Aber nichts geschah.

Mayla und Erin gingen ihr und anscheinend auch einander aus dem Weg.

Niemand sagte irgendwem irgendwas, obwohl es eigentlich so viel Unausgesprochenes zu sagen gab.

Inzwischen wollte auch Fiona nicht mehr mit ihren wohl ehemaligen Freundinnen reden.

Und obwohl es weh tat, sich an das letzte gemeinsame Gespräch, sofern man diese Konfrontation als solches bezeichnen wollte, zu erinnern, konnte Fiona nicht anders.

Wieder und wieder dachte sie daran zurück und überlegte zwanghaft, was sie hätte anders machen können, um die zwei von ihrer Unschuld zu überzeugen.

Nur um sie nicht zu verlieren.

Ein Fingerschnipsen, direkt vor ihrem Gesicht riss Fiona aus ihrer Gedankenwelt.

„Erde an Fiona! Ich werde sicher nicht die Sommerbepflanzung im Alleingang planen!“, munierte Lucia-Ann und lachte verspielt.

„Sorry, habe wohl etwas geträumt“, sagte Fiona, während sie sich kurz umschaute und dabei auch auch auf die Liste im Klemmbrett in ihrer Hand sah.

„Die Veilchen in Beet drei können raus, die hören Ende April sowieso auf zu blühen. Stattdessen pflanzen wir am besten schon einmal die Löwenmäulchen ein!“, schlug Fiona Lucia-Ann vor und zeigte auf das angesprochene Beet.

Die Sonne schien beiden ins Gesicht und um sie herum wuselten zahlreiche Slifer- und Ra-Schüler.

Anfangs hatte Fiona nicht gedacht, dass ihr die Arbeit mit Pflanzen Spaß machen würde, aber die letzten paar AG-Treffen im Blumengarten der Akademie hatten sie eines Besseren belehrt.

Die Botanik-AG war für Fiona bisher eine sehr willkommene Ablenkung gewesen und sie war froh, dass Lucia-Ann sie dazu überreden konnte mitzumachen.

Dass sie sie dazu brachte der AG beizutreten, war wohl nicht ganz uneigennützig, denn von der Clique, mit der sich Lucia-Ann ansonsten umgab, interessierte sich niemand sonst besonders für Pflanzen.

Und nun hatten, so unerwartet es für Fiona anfangs auch war, Fiona und Lucia-Ann ein gemeinsames Hobby, das sie miteinander verband.

„Die Löwenmäulchen in Beet drei...Hmm...“

Lucia-Ann verschränkte die Arme angestrengt vor ihrer Brust und visualisierte innerlich, wie Beet drei in den kommenden Wochen aussehen würde.

„Da bin ich dabei, aber bitte nur in Rosa und Lila. Weiß oder Gelb passt nicht zu den Vergissmeinnicht gegenüber.“

„Gut, gut. Dann wären wir mit Beet drei auch durch!“, bemerkte Fiona und lächelte.

Sie notierte das Besprochene auf ihrer Liste.

„Was kommt als Nächstes?“

„Öhm...Wir sollen uns den großen Rosenbogen am Eingangspfad ansehen, den Rest planen dann die anderen.“

„Ach, der!“, nörgelte Lucia-Ann, „Die Stockrosen blühten dort wohl schon letzten Sommer nicht richtig auf. Aber ich habe schon letzte Woche neue im Katalog gefunden, die gerade so in unser Budget passen. Wenn du dein Ok gibst, bestelle ich sie fürs nächste Jahr.“

„Bist du dir sicher, dass das sein muss? Ich habe mit ein paar älteren AG-Mitgliedern gesprochen und sie meinten, dass das wohl noch die Rosen von der Gründungszeit sind. Die waren damals das Aushängeschild des Blumengartens.“

„Du sagst es. Sie WAREN das Aushängeschild. Inzwischen sind sie leider größtenteils abgestorben.“

„Also sollten wir sie lieber ersetzen, anstatt sie zu retten?“, fragte Fiona enttäuscht nach.

„Was vorbei ist, ist vorbei. Auch wenn es traurig ist, sollte man ihnen nicht nachweinen“, entgegnete Lucia-Ann und zeigte dabei auffällig unter ihr rechtes Auge.

Fiona sah sie fragend an und fasste sich dann erschrocken ins Gesicht, an die gezeigte Stelle.

Sie hatte es bis eben nicht gemerkt, aber die Stelle war noch feucht.

„Ich habe gemerkt, dass du im Unterricht immer wieder zu deinen alten Slifer- und Ra- Freundinnen guckst, auch wenn du nie mit ihnen redest und sie dich ignorieren.“

Fiona sagte nichts. Sie fühlte sich ertappt und wusste nicht, was sie dazu sagen sollte.

Lucia-Ann lächelte sie an und fasste sie behutsam an die Schulter.

„Ich werde dir nicht sagen wie du dich fühlen sollst und ich werde dich auch nicht fragen, was genau zwischen euch los ist, aber...Wir Obeliskinnen sind füreinander da. Wann immer wir uns brauchen.“

Nun sah Fiona Lucia-Ann verwundert an.

„Keine doofen Sprüche, von wegen „Wir Obelisken sind besser als die dummen Slifer und du solltest dich eh nicht mit einer wie ihr abgeben wollen“?“

Lucia-Ann lachte.

„Du kennst mich ja inzwischen ganz gut, was? Aber bei ihr könnte man vielleicht eine Ausnahme machen. Sie ist immerhin ganz schön hart drauf, insbesondere für eine Rotjacke, diese... „Königin“.“

„Nenn sie nicht so.“

„Will sie nicht so genannt werden?“

„Nein! Also...äh...zumindest dachte ich das.“

„Hmmm, wie auch immer. Ich denke, dass die Alten ausgedient haben, wird Zeit für was Neues. Man sollte nicht blind darauf hoffen, dass inzwischen Totes wieder aufblüht“, sagte Lucia-Ann und zuckte dabei mit den Schultern.

„Also, was meinst du, Fiona?“

Fiona zögerte und tippte mit ihrem Stift nervös auf das Klemmbrett.

„Tja...“

Sie seufzte.

„Gib mir die Bestellnummer für die neuen Stockrosen und ich vermerke sie dann.“
 

„Dongwuxia – Xiao Hu der Tiger: Greife jetzt die Donnerklang-Waffenmeisterin an.“

Jiangs antropomorpher Tigerkrieger mit dem mandschurischen Zopf stürmte mit der Guan-Dao in den Pfoten auf Erins muskulöses Fusionsmonster zu.

„Netter Versuch, Jiang! Aber mit meiner verdeckten Karte mach ich dir einen Strich durch die Rechnung! Hier kommt Donnerbeschwörung!“

Erin deckte ihren Schnellzauber auf.

„Mit Donnerbeschwörung kann ich meine Waffenmeisterin mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner von meiner Hand ausrüsten! Daher verstärke ich nun meine Donnerklang-Waffenmeisterin mit der Donnerklang-Inkarnation aus meinem Blatt!“

Wie erklärt flog nun Erins Donnerwesen direkt in die zwei Doppeläxten in den Händen von Erins Monster.

Ihre Waffen leuchteten in einem elektrischen Blau.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 2100Atk → 2800Atk.

„Mit dem Unions-Monster als Ausrüstung erhöhen sich die Punkte von Waffenmeisterin, damit ist sie nun stärker als dein Tiger!“

Jiang gab sich wenig beeindruckt.

„Dass du dein Monster weiter verbesserst, ist nicht überraschend, darauf bin ich vorbereitet. Daher spiele ich meinen eigenen Schnellzauber: Dongwuxia – Fliegendolche!“

Vor Jiang erschienen nun ein gutes Dutzend flatternder, schwarzer Dolche, mit roten Facettenaugen und Insektenbeinen.

„Meine Fliegendolche geben meinen Dongwuxia-Monstern während der Battle-Phase die Möglichkeit ihre Ausrüstungszauber untereinander umzurüsten. Daher nehme ich den Dreistock Sanije Gun von meiner Qing die Schlange und rüste stattdessen Xiao Hu der Tiger mit ihm aus.“

Die Fliegendolche flogen nun um Dongwuxia - Qing die Schlange herum.

sie nahmen der Schlangendame gemeinsam die Waffe ab und transportierten sie unter angestrengten Summen zu Xiao Hu, welcher den Dreistock Sanije Gun mit einer dankbaren Verbeugung annahm.

„Damit ist mein Xiao Hu der Tiger jetzt sowohl mit Legendärer Guan-Dao, als auch mit Dreistock Sanije Gun ausgerüstet. Sanije Gun beschert ihm 900 Punkte plus 300 zusätzliche Punkte, die mein Tiger für jeden Ausrüstungszauber, der ihn ausrüstet bekommt.

Dongwuxia – Qing die Schlange: 2600Atk → 1300Atk.

Dongwuxia – Xiao Hu der Tiger: 2500Atk → 3700Atk.

Xiao Hu rannte auf Waffenmeisterin zu und Jiang erklärte: „Dein Monster wird wegen Donnerklang-Inkarnation zwar nicht zerstört, allerdings verursacht mein Dongwuxia-Monster Kampfschaden, der von Sanije Gun um 900 Punkte erhöht wird.“

Xiao Hu sprang hoch und traf beim Aufprall Erins Waffenmeisterin mit einer rapiden Drehbewegung mit seiner Speerwaffe und dem Dreistock.

Die Äxte der Waffenmeisterin verloren ihr Leuchten und ein starker Rückstoß brachte Erin zum Keuchen.

Erins Lebenspunkte: 1700 → 0.

Das Duell war beendet und während die Hologramme verschwanden, grinste Erin Jiang breit an.

„Deine Fliegendolche sind echt cool. Schade, dass sie nur bei Dongwuxia-Karten funktionieren, diese Karte hätte ich nämlich gerne selbst im Deck, um meine Unionsmonster umzutauschen.“

Jiang wurde bei dem Kompliment ein wenig rot.

„Freut mich, dass sie dir gefällt, bei unseren letzten Duellen bin ich nicht dazu gekommen, sie zu nutzen, aber weil du mich dazu bringst, so viel zu üben, bin ich schon eine bessere Duellantin geworden. Vielleicht...“

„Ja?“

„Vielleicht schaffen wir es mit all unseren Übungsduellen zusammen in den kommenden Prüfungen

Obeliskinnen zu werden. Wenn ihr im gleichen Haus seid, verstehst du dich auch wieder mit Fiona besser.“

„Ach, die...“

Erin und Jiang hatten zuletzt sehr viel Zeit zusammen verbracht und sich schon einige Male duelliert.

Auch wenn Erin etwas häufiger als ihre Gegnerin gewann, machte ihr die Niederlage nicht zu schaffen, die Erwähnung von Fiona hingegen schaffte es, ihr die gute Laune sofort zu verderben.

„Ich habe mit dem Mädchen echt abgeschlossen, Jiang. Sie hätte mein Geheimnis nicht einfach für ein paar Karten verkaufen dürfen. Das war das Hinterletzte.“

„Hmm. Ich habe nur überlegt. Wenn sie vor der Halbjahresprüfung Karten von diesem Kevin erhalten hat, dann hat sie dir doch damit indirekt in eurem Tag-Duell geholfen, oder? Und sie hatte dir doch gebeichtet, dass sie Angst hatte, von euch Zweien abgehängt zu werden, richtig?“

„Und wenn schon! Das macht es doch nicht okay!“

„Ich sage ja nicht, dass was sie getan hat nicht falsch war, aber es war nur nicht unbedingt böse gemeint. Sie wollte nur mit dir zusammen sein und war verzweifelt.

Erin bereute es einerseits gerade Jiang soviel Persönliches über ihre Freundschaft zu Mayla und Fiona erzählt zu haben, aber konnte sie andererseits auch gut verstehen.

Erin lächelte.

„Weißt du, ich finds echt süß, wie du Dinge so totanalysieren kannst. Dafür hätte ich gar nicht die Geduld.“

„Ich glaube aber, dass etwas Geduld auch zur Freundschaft gehört. Ich bereue es aufrichtig damals, nach der schlecht gelaufenen Prüfung mit Désirée nicht etwas geduldiger gewesen zu sein. Jeder macht mal Fehler aber nicht jeder Fehler muss unbedingt das Aus für eine Freundschaft bedeuten.“

Das war Erin gerade ein wenig zu tiefsinnig.

„Hey Jiang! Lass uns umziehen und runter zum Strand gehen, bevor die Sonne untergeht.“

„Es sind gerade mal 20 Grad, da willst du baden? Wir erkälten uns ja noch.“

„Will ja nicht komplett ins Wasser springen, nur mal ein bisschen die Füße rein halten und zusammen den Sonnenuntergang ansehen. Hast du Lust?“

„Klar, sehr gerne“, antwortete Jiang erfreut, „aber wir sollten uns unsere Freizeitklamotten anziehen, Frau Ehring sieht das gar nicht gern, wenn wir mit feuchten oder sandigen Uniformen wieder zurückkommen.“

„Für sowas hat der liebe Herrgott Waschmaschinen erfunden, aber das war wahrscheinlich vor der Zeit von diesem alten Griesgram. Aber du hast recht, wir ziehen uns gleich um.“

Beide machten sich gemeinsam auf den Weg in ihr Zimmer, als Erin auf den Gängen ein ihr bekanntes Gesicht sah.

„Leroy! Lange nicht mehr gesehen! Aber...Wie siehst du denn aus?“

seine sonst zurückgegelten nussbraunen Haare standen ihm ungekämmt in alle Himmelsrichtungen und er trug lediglich eine kurze Sporthose und ein schlabbriges T-Shirt ohne die typische ragelbe Uniform.

„Ach, es gibt aktuell technische Probleme mit den Videoaufzeichnungen des Unterrichts. Deswegen habe ich heute mal wieder den normalen Unterricht besucht und wollte mir nur kurz was zu essen holen, bevor ich mich nochmal zwei Stunden hinlege.“

Erin sah ihn fragend an.

„Hinlegen? Es ist gleich halb acht, du Schlafmütze!“

Leroy grinste sie trocken an.

„Irgendwann muss ich ja mal schlafen, gell?“

Touche, darüber hatte Erin bisher nie nachgedacht.

„Wie geht’s eigentlich Mayla und Daniel? Habt ihr eigentlich alles erledigen können, wofür ihr neulich nochmal raus gegangen seid?“

Erin sah peinlich berührt neben sich.

Jiang funkelte ihn und sie gerade böse an, mit beiden Armen in die Hüfte gestemmt.

Das hatte damals ein ganz schönes Theater mit ihrer Mitbewohnerin gegeben und es wäre ihr lieber, wenn Leroy dieses Thema nicht angesprochen hätte.

„Keine Ahnung, wir haben nicht mehr viel Kontakt“, antwortete sie ihm knapp.

„Oh...wieso das denn nicht? Ihr wart doch immer so gute Freundinnen?“

„Das waren wir, ja. Aber dann wollte sie plötzlich von einem Tag auf den anderen nichts mehr mit mir zu tun haben.“

„Hmpf, klingt gar nicht nach der Mayla, die ich kennengelernt habe. Für dich und Fiona wäre sie barfuß zur Hölle und wieder zurück gelaufen. Ich weiß noch, wie sie damals nach diesem Konzert...-“

„Musst du dir nicht noch schnell zur Kantine und dann ins Bett? Du hast immerhin eine lange Nacht vor dir!“, unterbrach ihn Erin eilig, bevor sie Jiang auch noch von diesem unangenehmen Ereignis erzählen musste.

Leroy schien zu verstehen.

Er nickte, verabschiedete sich und ging wie geplant zur Kantine.

Und Jiang sparte sich weitere Nachfragen.

Das war eine Begegnung, die sie sich hätte sparen können, zumindest dachte Erin das in den ersten Augenblicken.

Doch als sich Erin umgezogen hatte und mit ihrer sich noch umkleidenden Freundin so im Zimmer stand, gingen ihr noch einmal Leroys Worte durch den Kopf.

Mayla wäre für Fiona und sie barfuß zur Hölle und wieder zurück gegangen.

Eine drastische Formulierung, aber sie traf den Nagel vermutlich auf den Kopf.

Ihr dämmerte langsam, warum Mayla sie plötzlich nicht mehr sehen wollte.

„Mayla war unsere gemeinsame Freundschaft immer sehr wichtig, die zwischen ihr, Fiona und mir, meine ich“, begann Erin zu erzählen und Jiang hörte aufmerksam zu, während sie sich ihre Bluse zuknöpfte.

„Deshalb wollte sie mich nicht mehr sehen, weil Mayla unsere gemeinsame Freundschaft so wichtig war und weil ich, anstatt mal Klartext zu reden wochenlang hinter ihrem Rücken gegen Fiona gewettert habe.“

„Wie kommst du denn plötzlich darauf? War es wegen dem, was dieser Leroy dir gerade gesagt hat?“

Erin zwang sich selbst zu einem sarkastischen Lachen.

„Hehe, leider ja... Ich bin so feige und dämlich, das hätte ich eigentlich sofort bemerken müssen. Was bin ich eigentlich für eine miserable Freundin! Und dann, als ich endlich den Mut hatte Fiona zu konfrontieren, komme ich mit der Geschichte auch noch im komplett falschen Moment, als sich sowieso alle schlecht fühlten, natürlich konnten wir in der Situation nicht vernünftig darüber reden!“

„Ich finde, du bist eine sehr gute Freundin, Erin. Ich mag dich, auch wenn du manchmal ein bisschen impulsiv bist“, entgegnete Jiang und strich ihr über die Schulter.

Auch wenn Erin die aufmunternde Geste genoss und gerne einen entspannten und ruhigen Abend mit Jiang verbracht hätte, das kam jetzt nicht mehr in Frage.

Kurz nach dem Abend, an dem Erin Mayla von ihrem Verdacht erzählt hatte, begann sie ihr aus dem Weg zu gehen.

Es passte alles zusammen.

Auch wenn Fiona den eigentlichen Fehler begangen hatte, ihr eigener Umgang mit diesem Fehler war furchtbar gewesen.

Sie hatte schon genug Zeit verloren und jedes unnötige Zögern würde eine Versöhnung noch schwerer machen.

„Tja, dann muss ich jetzt ganz schnell meinem neuesten Impuls folgen und die Sache zwischen Fiona und mir wieder gerade biegen!“

Jiang schmollte etwas.

„Nimmst du mich wenigstens mit, wenn du dich mit ihr aussprichst?

„Ich fürchte, du wärst da so ein bisschen fehl am Platz. Ist ja ein recht persönlicher Streit, Sorry. Aber wir können auch morgen...-“

„Du brauchst dich nicht entschuldigen, nicht bei mir“, unterbrach Jiang mild.

„Sei aber bitte diesmal zur Nachtruhe wieder bei mir, okay?“

„Alles klar! Bis nachher und wünsch mir Glück!“

Als die Zimmertür hinter Erin zufiel, ärgerte sich Jiang heimlich etwas. Der gemeinsame Sonnenuntergang wäre doch schon schön gewesen.

Es war tatsächlich schon spät geworden und Erin joggte zur Unterkunft der Obelisken und dort angekommen, die gut 20 Treppenstufen zum erhöhten Eingangstor hoch.

Dort angekommen, ging sie ungeniert durch den Eingang und erntete aufgrund der fehlenden blauen Uniform sofort einige fragende Blicke.

„Hey, gehe sofort auf dein Zimmer und zieh dir deine Uniform an, Neuling! Nach über nem dreiviertel Jahr solltest du die Regeln doch kennen!“, blaffte sie ein älter Obelisk mit breiten Schultern an.

„Entschuldigung, ich will keinen Ärger. Ich bin eine Ra-Yellow-Schülerin und will nur kurz eine Freundin besuchen.“

„Ach ja?“

Der ältere Obelisk kam ihr bedrohlich nahe und sah Erin argwöhnisch an.

Dann besuchen wir sie doch einfach gemeinsam. Was ist die Zimmernummer von deiner „Freundin“?“

Das war eine gute Frage, Erin hatte sie nicht einmal besucht, seit Fiona eine Obeliskin geworden war.

„Ich, ähm...“

„Du, ähm“, äffte er blöde nach.

„Ihr dreckigen Slifer regt mich ehrlich auf! Kaum ernennt ihr eine von euch zur Oberidiotin, schon meint ihr mit uns auf einer Stufe zu stehen!“

Er schubste Erin grob zurück.

„Sieh zu, dass du Land gewinnst, Rotjacke, ist gesünder für dich.“

Freundliche Worte würden Erin offenbar nicht zum Ziel führen, also wurde es Zeit für Plan B.

Sie holte tief Luft.

„FIONAAA!!!“, schrie sie mit voller Kraft.

Der bedrohliche Obelisk schreckte instinktiv zurück und hielt sich die Ohren zu.

„Was zum?“

„FIII-OOO-NAAA!!!“

Sie erregte die Aufmerksamkeit aller Obelisken, die im Eingangsbereich standen und sie wegen der fehlenden Uniform oder Auseinandersetzung mit dem älteren Obeliskenjungen bisher noch nicht angestarrt hatten.

Eine handvoll Zimmertüren öffneten sich und aus einer Ecke heraus schaute schließlich auch Fiona.

Sie eilte zu Erin zum Eingang und war offensichtlich nicht sehr erfreut über den unangemeldeten Besuch.

Sie drängelte sich an dem Rüpel vorbei.

„Kannst du mir mal verraten, was das Rumgebrülle soll? Da muss man sich ja schämen, mit dir geseh...-“

„Es tut mir Leid! Bitte lass uns in Ruhe miteinander reden.“

Erin blickte in Fionas Augen und sprach mit voller Aufrichtigkeit.

„Ich war unfair zu dir und ich will, dass es zwischen uns wie früher wird... uns dreien.“

Fiona stockte, sie schien zu überlegen.

„Kommst hier mitten am Abend an, schreist die Unterkunft zusammen und entschuldigst dich aus dem Nichts, nachdem du sonst wie lange nichts mehr mit mir zu tun haben wolltest. Du bist und bleibst ein Hohlkopf!“

Sie schnaubte verärgert.

„Und jetzt komm mit auf mein Zimmer, bevor ichs mir anders überlege!“

Fiona lief voran und Erin folgte.

Im Zimmer angekommen, blickte sich Erin kurz um, schloss die Tür und bewunderte den Comfort.

Durch die Erhöhung des Erdgeschosses hatte auch Fiona schon eine schöne Aussicht durch die breite Glastür, die zum Balkon führte.

Gegenüber von dem sehr gemütlich aussehenden Bett war ein Plasmafernseher an der Wand befestigt und neben dem Bett, ebenfalls auf den Fernseher gerichtet, war der Massagesessel, von dem Fiona ihr mal erzählt hatte.

Die zahlreichen Notizzettel auf, neben und unter ihrem Schreibtisch, sowie das halbe Dutzend aufgeschlagener Schulbücher verriet, dass sie diese luxuriöse Ausstattung wohl kaum nutzte.

Auch was die Klamotten auf dem Boden anging, hatte sich Fiona kaum verändert.

Der Unterschied war nur, dass die Uniformen nun blau waren und, dass aufgrund des deutlich größeren Zimmers es mehr freie Stellen gab, um nicht über die Wäsche stolpern zu müssen.

Erin zeigte auf den Sessel.

„Hast du eigentlich inzwischen herausgefunden, wie das Ding funktioniert?“

Fiona legte stehend die Arme auf die Rückenlehne.

„Du machst hoffentlich nicht nur so ein Theater, um mein Mobilar zu bewundern. Also, was ist? Was hast du mir jetzt auf einmal zu sagen?“

„Ich hätte dich nicht so dumm anschnauzen sollen. Ich wusste ja, dass du Angst hattest, nicht mit mir und Mayla zusammen aufsteigen zu können, davor, dass du alleine in Slifer Red bleiben müsstest. Nur deswegen hast du mit Kevin...-“

„Wag es nicht diesen Satz zu beenden! Ich schwöre es dir, ich werde dich sofort rauswerfen und nie wieder auch nur ein Wort mit dir reden!“

„Ich...wollte dir nur sagen, dass ich dich verstehe und dir verzeihe.“

„Du willst mir „verzeihen“, hä? Was hab ich da nicht für ein Glück, wie großmütig von dir!“

Fiona verzog das Gesicht, presste schnaubend die Lippen aufeinander.

Sie zwang sich kühl und bestimmt zu klingen.

„Seit ich hier auf der Insel angekommen bin, arbeite ich wie verrückt. Während du und Mayla euch um die Wette duelliert habt, habe ich die gleichen Aufgaben doppelt und dreifach gelöst, Lernunterlagen überarbeitet, Schullektüre auswendig gelernt. Jeden Scheißtag habe ich mich gequält und JA ich habe mich gequält, denn ganz egal, wie es auch wirken mag, es kostet verdammt nochmal Kraft. ICH war für euch immer die Streberin, die versucht hat uns gemeinsam als Gruppe voranzutreiben, das schlechte Gewissen, dass uns sagt, dass wir uns noch ein wenig mehr anstrengen müssen. Ich habe niemanden beschützt, keine Verbrecher im Duell gestellt und bin auch nicht nachts auf Geisterjagd gegangen.

Erin schluckte.

Sie wusste von der Nacht.

„Meine „Abenteuer“ fanden alle am Schreibtisch und der Bibliothek statt, auch heute noch. Aber...das war es mir wert. Weil ich den ersten großen Schritt an die Spitze geschafft habe und ich weiß, dass es allein mein Verdienst war. Und weil ich glaubte, dass ganz egal wie viel Zeit, die ich stattdessen auch mit meinen Freundinnen verbringen könnte, ich auch durch das Lernen verpasse, im Zweifel würdet ihr immer hinter mir stehen.“

Tränen liefen ihr über das Gesicht, während sie Erin weiterhin zornig anstarrte.

„Wie konntest du es nur wagen zu denken, ich würde den leichten Weg gehen? Ich würde nicht nur meine beste Freundin, sondern auch meine eigenen Prinzipien verraten? Nach allem, was ich geopfert habe! ALLES was ich bin, habe ich mir VERDIENT!“

„Fiona...“

Erin wusste nicht, was sie sagen könnte.

Sie hatte keine Ahnung wie sehr sie Fiona verletzt hatte und wie sehr sie selbst mehrere Wochen später noch leiden würde und wagte es nicht, ihr ins Gesicht zu sehen.

Sie schämte sich.

Wie konnte sie nur an Fiona gezweifelt haben?

Ganz egal, wie die Fakten aussehen, irgendetwas übersah sie.

Kevin war nicht vertrauenswürdig und er musste eine andere Quelle haben und hatte lediglich gelogen..

„Denkst du wirklich immer noch, ich hätte Kevin von deiner Amnesie oder sonst etwas erzählt?“

„Nein, auf keinen Fall.“

Fiona wischte sich mit dem Ärmel die Tränen aus dem Gesicht und

beide schwiegen sich für einen Moment an.

„Mayla hat dir also von der Nacht erzählt. Cool, dass ihr noch Kontakt habt. Gehts ihr gut?“

Fiona schüttelte den Kopf.

„Wir haben keinen Kontakt. Daniel hatte mir geschrieben, damit ich über Chris den König dazu bewege, von dem Jahresabschlussduell gegen Mayla abzusehen. Deshalb weiß ich auch, dass es Mayla nicht gut geht. Sie kollabiert wieder und leidet an schlimmen Wahnvorstellungen.“

„Ich weiß.“

„Und trotzdem lässt du sie weitermachen? So wird sie doch nicht gegen den König antreten können!“

Erin seufzte und fuhr sich durch die Haare.

„Du weißt, dass sie stark ist. Abgesehen davon kann ich nichts tun, solange sie mich nicht sehen will. Sie geht bei Anrufen nicht ran und die Textnachrichten ignoriert sie.“

„Du hast unsere Freundschaft kaputt gemacht, Erin, denke ja nicht, dass ich jetzt Mitleid mit dir haben werde!“

„Du hast Recht und es tut mir Leid. Aber ich denke nicht, dass es zu spät ist. Wir drei können uns immer noch aussprechen. Aber wenn Daniel dich wirklich darum gebeten hat, dann sollten wir vorher versuchen, dieses Duell zu verhindern. Er verbringt regelmäßig Zeit mit ihr und sollte das am Besten einschätzen können.

Fiona rümpfte äußerlich die Nase, doch innerlich begann sie zu zweifeln.

Sie wusste schon lange vor Erins Besuch, wie es um Mayla stand, aber sie hatte bisher kein Interesse daran Daniels Bitte nachzukommen.

Wozu Mayla helfen?

Für Mayla, die weder den Mut hatte sich Erins ungerechter Anschuldigung in den Weg zu stellen, noch sie persönlich zu kontaktieren? Sollte sie für diese „Feundin“ den guten Ruf, den Fiona sich langsam und mühselig unter den anderen Obelisken erarbeitete riskieren?

Aber irgendwas an Erins plötzlichen Besuch und ungeschickter Entschuldigung machten etwas mit ihr und wenn Erin ihr so direkt ins Gesicht sagt, dass die gemeinsame Freundschaft noch gerettet werden kann, dann konnte sie nicht anders als ihr zu glauben.

„Was ist dein großer Plan? Willst du mit mir zusammen Mayla aufsuchen, in der Hoffnung, dass sie zumindest auf Eine von uns hört?“

Erin schien zu überlegen.

„Das führt zu nichts. Wenn Daniel sie nicht überzeugen kann, haben wir da keine großen Chancen. Aber so wie Chris damals das Angebot vom Obeliskenkönig vorgetragen hat, schien... er oder sie selbst nicht überzeugt davon zu sein und wer weiß, wie es die restliche Krone sieht. Vielleicht könnt ihr zusammen den König umstimmen.“

„Gut“, entgegnete Fiona knapp.

Sie nahm sich ihre Duel-Disk aus dem Kleiderschrank.

„Lucia-Ann hat mir erzählt, dass ihre Schwester, die erste Kronprinzessin, heute auf einer Konferenz im Thronsaal ist. Aland und Chris werden sicher auch da sein.

„Du und Lucia-Ann, seid ihr jetzt Freundinnen?“

Mehr als wir beide. Jetzt hau ab!“

„Vielen Dank, Fiona. Danke, dass du uns hilfst.“

Fiona funkelte Erin böse an.

„Dein Danke kannst du dir sonst wohin stecken! Du weißt nicht, wie sehr du mir weh getan hast und bloß, weil du dich einmal bei mir entschuldigt hast, macht das deine falschen Anschuldigungen oder dein Gelästere hinter meinem Rücken nicht ungeschehen!“, sie schnallte sich die Disk um, „Was ich jetzt tun werde, tue ich für Mayla, nicht für dich!“

Erin nickte bedächtig.

Sie wusste von Anfang an, dass Fiona nicht unbedingt begeistert über ihren Besuch sein würde und wollte sich gegen ihre schroffe Art nicht zur Wehr setzen.

„Für Mayla.“

Sie öffnete die Zimmertür und hatte den Raum schon fast verlassen, als sie für einen letzten Satz innehielt.

„Trotzdem Danke. Und ich wünsche dir viel Erfolg.“

Dann ging Erin und wenige Momente später verließ auch Fiona ihr Zimmer.

Der Thronsaal war leicht zu finden, vom Eingang aus einfach nur immer geradeaus und sollte man sich dennoch, aus irgendwelchen Gründen nicht sicher sein, so bestätigte dies der pompöse, weiße Flur, verziert mit goldenen Porträts, Büsten und altertümlich wirkender, güldener Deckenbeleuchtung.

Fiona, die sowieso sehr wenig für derartigen Prunk und Protz übrig hatte, ließ sich davon nicht ablenken.

Schon bald kam sie am großen Tor zum Thronsaal an und aktivierte den Türöffner.

Langsam gab das schwere Tor den Weg in den Thronsaal frei.

Drei der vier Kronprinz*essinnen starrten Fiona überrascht an, Maxim wirkte ebenfalls überrascht, aber gleichzeitig belustigt über Fionas Eindringen.

Sie erkannte sofort die einander gegenüberstehenden Maxim und Chris wieder und die hoch gewachsene Obeliskin neben Maxim und rechts vom Thron wies eindeutig eine gewisse Ähnlichkeit mit Lucia-Ann auf.

Sie musste also erste Kronprinzessin Zoe Demont sein.

Das ebenfalls auffällig große, dunkelhäutige Mädchen hinter Chris war dementsprechend die dritte Kronprinzessin Imani, die aufgrund ihrer Härte in Bezug auf die Regeln und Traditionen der Obelisken im ersten Jahrgang mehr als gefürchtet war.

Auf dem gold-blauen Thron saß ein schmächtiger Junge, komplett von der Uniform, Handschuhen, Mantel, Haube und Helm unkenntlich gemacht.

„Was soll denn dieses komische Kostüm?!“, stieß Fiona intuitiv aus.

Sie hatte nie viel darüber nachgedacht, wie der König wohl aussehen müsste, aber sie hätte zumindest erwartet, dass er im engen Kreise sein Gesicht zeigen würde.

Seine Statur und lasche Haltung auf dem Thron strahlten Kraftlosigkeit aus.

Nicht gerade das, was man von einem Spitzenduellanten erwarten würde.

Imani brüllte Fiona sofort wütend an: „Wie kannst du es wagen! Du wirst sofort auf die Knie gehen, ihre Majestät um Verzeihung für deinen ungefragten Kommentar bitten und hier verschwinden! Niemandem ist der Zugang zum Thronsaal ohne explizite Einladung des Königs oder der Kronprinz*essinnen gestattet!“

Fiona ließ sich nicht einschüchtern und tat einige Schritte vor, um dem Obeliskenkönig Aland Kaya unmissverständlich ihre Bitte mitzuteilen.

„König Aland! Ich bin Fiona Scholte, eine...gute Bekannte von Mayla Deniz, auch als Sliferkönigin bekannt. Ich bin gekommen, um dich darum zu bitten, von deinem Jahresabschlussduell gegen Mayla abzusehen. Sie ist nicht dazu in der Lage, sich vor der ganzen Akademie zu duellieren!“

Die fehlende Verbeugung gegen Ende und das unverhohlene Duzen brachten Imani sichtlich noch mehr in Rage.

„Verschwinde, oder ich werde persönlich den Direktor davon überzeugen dich für deine Respektlosigkeit zu exmatrikulieren!“

Maxim lachte.

„Ach Imani, wie wärs, wenn du Ihre Majestät mal selbst zu Wort kommen lässt, anstatt unsinnige Drohungen auszusprechen, Hm?“

Chris klopfte Imani beruhigend auf die Schulter und die erste Kronprinzessin blickte stumm zum König.

Er richtete sich auf, beinahe als ob er beweisen wolle, dass unter der aufwendigen Kleidung ein echter Mensch stecke, bevor er Fiona antwortete.

„Hallo, Fiona. Ich habe bereits von dir gehört. Du hast in deiner ersten Prüfung einen einzigartigen Sprung von Slifer-Red zu Obelisk-Blue geschafft, ein durchaus bemerkenswerter Erfolg.“

Im Gegensatz zu Imani sprach der König ruhig und ohne dass man der durch den Helm blechern scheppernden Stimme einen vorwurfsvollen Ton entnehmen könnte.

„Dein waghalsiger Mut für deine Freundin einzutreten ehrt dich. Doch die Entscheidung ist bereits gefallen und du bist nicht in der Position sie anzuzweifeln.“

Fiona schüttelte vehement den Kopf.

„Du verstehst das nicht! Sie hat sich diesen dummen Königinnentitel nicht selbst ausgedacht! Das stammt alles von diesem Schmierfink und seiner Lügenpresse!“, entgegnete Fiona trotzig und zeigte auf den offenbar amüsierten Maxim.

Chris zischte ihr zu:“Fiona, kein Geduze, bitte! Pluralis Majestatis! Nenne ihre Majestät nur „Ihr“ und „Euch“, ja?“

„Öh, ähm, klaro! IHR versteht das nicht! Sie hat sich diesen...-“, begann Fiona zu wiederholen und wurde vom nun ebenfalls belustigten König unterbochen: „Der vierte Kronprinz Maxim hat bereits die Konsequenz für seine mangelhafte Berichterstattung bereitwillig auf sich genommen und seine Position als Chefredakteur der Schülerzeitung aufgegeben. Auch wenn der Titel der Sliferkönigin nicht von ihr stammt, so hat deine Freundin ihn inzwischen aus eigenen Stücken angenommen und lässt sich als solche von den übrigen Slifern verehren. Eine zweite Königin ist für die einzig wahre Krone nicht hinnehmbar.“

„Mayla weiß aber nicht was sie tut! Sie ist krank! Sie leidet an plötzlichen Ohnmachtsanfällen und sieht irgendwelche Gespenster vor sich her fliegen! Bitte zeigt Gnade!“

„Diese Diskussion ist beendet. Verlasse augenblicklich den Thronsaal.“

Aland klang nicht sauer, hatte allerdings seine Geduld für die übermütige Obeliskin aus dem ersten Jahr verloren.

Damit konnte sich Fiona aber nicht zufrieden geben.

Es war schon im Voraus offensichtlich, dass sie es mit Worten alleine nicht schaffen würde, Mayla vor dem Duell gegen Aland zu bewahren.

Es galt zu Handeln.

Sie aktivierte ihre Dueldisk.

Zoe sah Fiona argwöhnisch an.

„Was denkst du eigentlich, was du da gerade tust, Neuling!?“

Fiona sah kurz in Zoes eisig kühle Augen und wandte sich dann sofort wieder dem König zu.

„Ich werde an Maylas Stelle kämpfen! Von mir aus auch gerne hier und jetzt! Offen gesagt bin ich sowieso stärker als sie!“

Noch bevor Aland auf Fionas Herausforderung reagieren konnte, schaltete sich Chris ein: „Eure Majestät, ich bin mit diesem Mädchen gut vertraut. Lasst mich sie bitte an Eurer Stelle zur Vernunft bringen, wenn ihr gestattet.“

Der Obeliskenkönig winkte ab.

„Ich gestatte es. Unsere Konferenz ist hiermit vertagt. Ich wollte mich nun sowieso auf mein Zimmer zurückziehen und mich ausruhen“, verkündete er und griff nach der halb hinter dem Thron versteckten Krücke.

Fiona staunte nicht schlecht, als sie sah, wie sehr sich der stärkste Duellant der Akademie mit etwas so Alltäglichem wie Aufstehen und Gehen quälte. Bei jedem Schritt stöhnte und wankte der Junge.

„Hey! Ich bin aber noch nicht fer-huch!“

Chris griff plötzlich nach Fionas Hand und zog sie aus dem Weg, damit der König nicht unnötig um sie herum humpeln musste.

„Starre Ihre Majestät bitte nicht so an,“, flüsterte ihr Chris zu und Fiona gehorchte, indem sie demonstrativ die hohe Decke des Saals ansah.

Offenkundig war sie doch fertig.

Als der König schließlich unter Mühen das Eingangstor passierte, stellte sich Chris mit aktivierter Dueldisk Fiona gegenüber, während Maxim, Imani und Zoe das Spielfeld räumten und still beobachteten.

„Für so eine Aktion hätte man jeden anderen Schüler hart bestraft und ich rede nicht nur von Nachsitzen oder Küchendienst. Sei dankbar, dass man anlässlich deines Wechsels von Slifer und deiner Verbindungen zur Sliferkönigin Nachsicht mit dir zeigt.“

Dey schaute Fiona ernst an.

„Ich habe nie um Nachsicht gebeten und wenn ich mit dir fertig bin, werde ich den König erneut herausfordern, solange bis er Mayla in Ruhe lässt!“

Chris lächelte sanft.

„Du denkst, du kannst mich besiegen?“

„Wahrscheinlich nicht, aber ich kann einen Eindruck machen, mich behaupten und dich bewegen. Alleine werde ich ihn nicht umstimmen können. Aber ich denke, dass du und sehr wahrscheinlich auch Imani dagegen sind, dass der König persönlich gegen die Blaue Ehre verstößt.“

Sie wandte sich ihr zu.

„Ich habe Recht, oder?!“

Imani hatte sich mit überkreuzten Armen an die Wand des Saals gelehnt.

„Es stimmt, dass die Blaue Ehre normalerweise Duelle zwischen Slifer und Obelisken verbietet und Mayla hatte sich keinem offenem Befehl widersetzt. Es stimmt außerdem, dass das Jahresabschlussduell zwischen den stärksten Kandidaten für den Königstitel stattzufinden hat.

Das oberste Gebot der Blauen Ehre ist allerdings der unbedingte Gehorsam gegenüber Ihrer Majestät. Du, ich, wir alle haben uns unterzuordnen. Was wir für richtig halten ist nicht von Belang!“

„Davon abgesehen“, ergänzte Zoe, die neben Maxim auf der anderen Seite des Saals stand, „kam der Vorschlag die Sliferkönigin als Gegnerin auszuwählen von mir. Ich habe freiwillig auf das Duell verzichtet. Ich schaue lieber deiner kleinen Freundin dabei zu, wie sie zum Opfer ihrer Majestät wird, anstatt es selbst zu sein.“

Fiona schnaubte verächtlich.

„Wisst ihr, wonach ihr alle klingt? Ihr klingt nach einer Bande von Feiglingen! Ihr wollt euch niemandem widersetzen, bloß nicht selbst nachdenken und entscheiden und auf keinen Fall gegen jemanden antreten, gegen den ihr verlieren könntet! Wozu seid ihr alle eigentlich die stärksten Duellanten der ersten zwei Jahrgänge, wenn ihr eure Macht nicht einsetzen wollt!“

Maxim musste sich bei Fionas leidenschaftlicher Ansprache ein Grinsen verkneifen.

In seinen Augen stellte sie die exakt richtigen Fragen.

Chris antwortete ihr: „Wir sind stark, ja. Genau deshalb wissen wir, wann ein Kampf aussichtslos ist und wann wir uns zu beugen haben. Wir wissen, wann wir nichts verändern können. Das ist der Unterschied zwischen uns und deiner Mayla. Wenn du als Obeliskin eine echte Zukunft haben willst, wirst du die Fähigkeit die eigene Machtlosigkeit zu erkennen ebenfalls erlernen müssen.“

„Ich werde ganz sicher nicht aufgeben, dafür bin ich schon zu weit gekommen! Und jetzt mach deinen ersten Zug, Chris!“, widersprach sie harsch.

Chris nahm deren Starthand und Fiona tat es demm gleich.

„Ich mag dich, Fiona und offen gesagt hielt ich dich bisher für eine vielversprechende Duellantin. Aber dein Trotz steht deinem Potential im Weg, deshalb darf ich mich nicht zurückhalten. Ich beginne, indem ich Amorphe Masse im Verteidigungsmodus aufrufe!“

Eine rote Schleimkugel, die träge vor sich hin waberte, erschien vor Chris.

Amorphe Masse: Stufe 2, 200Atk, 900Def.

„Wird Amorphe Masse als Normalbeschwörung gerufen, aktiviert sich ihr Effekt: Ich darf in diesem Zug nicht nur Amorphe Masse als ein beliebiges Fusionsmaterial-Monster nutzen, sondern außerdem eine Fusionsbeschwörung durchführen, ohne eine Fusionskarte dafür nutzen zu müssen. Daher verschmelze ich nun die Amorphe Masse mit meinem Edelstahl-Verstärkungsmodul von meiner Hand.“

Ein Lichterstrudel entstand vor Chris, in welchem sich seine Amorphe Masse und das Edelstahl-Verstärkungsmodul, ein silbern glänzendes Kästchen mit vielen Anschlüssen und losen Kabeln, sich auflösten um ein neues Monster zu bilden.

„Ich rufe als Spezialbeschwörung den Exothermalreaktor im Verteidigungsmodus auf.“

Chris´ Fusionsmonster war ein knapp 3 Meter hoher, breiter, weißer Maschinenzylinder mit mit einer Art gläsernem Guckloch, durch die man auf eine rot-orange glühende Masse im Inneren blicken konnte.

Exothermalreaktor: Stufe 8, 0Atk, 3100Def.

Fiona verfolgte den gegnerischen Zug angestrengt.

Ein Fusionsmonster mit 0 Angriffspunkten war extrem verdächtig. Was auch immer der Effekt des Reaktors sein war, es musste sehr gefährlich für sie sein.

„Da mein Exothermalreaktor mit Edelstahl-Verstärkungsmodul fusioniert wurde, kann er nicht durch Karteneffekte zerstört werden und mit über 3000 Verteidigungspunkten ist er auch im Kampf gut geschützt. Ich setze zum Schluss eine verdeckte Karte. Du bist dran.“

Eine verdeckte Karte erschien auf deren Spielfeldseite und Fiona zog.

Chris Monster loszuwerden wird fürs Erste nicht in Frage kommen. Ihre Ritualmonster sind nur dann stark genug die Verteidigung zu überwinden, wenn sie bereits viele „Solaritus“-Monster in ihrem Friedhof hat, sprich, wenn das Duell bereits länger andauert.

Daher galt es zunächst, ihre Chancen für die kommenden Züge zu verbessern und abzuwarten.

„Ich setze eine Karte verdeckt! Danach spiele ich mein erstes Monster, den Solaritus Krokokus, ebenfalls im Verteidigungsmodus!“

Eine verdeckte Karte erschien vor Fiona, sowie ihr Pflanzenmonster mit den gelben Blüten und den länglichen, schmatzenden Krokodilmäulern.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

„Meine Pflanze hat auch einen Effekt: Ich darf einmal pro Zug meine Hand vorzeigen. Wenn sich auf meiner Hand keine Ritualzauber befinden, darf ich dann einen Ritualzauber aus meinem Deck suchen und ihn meiner Hand zufügen und gleichzeitig ein „Solaritus“-Monster von meinem Deck auf den Friedhof legen.“

„Du hast gerade eine verdeckte Karte gesetzt, ich rate mal, dass das ein Ritualzauber war, den du für Krokokus´ Effekt loswerden musstest?“

„Möglich“, entgegnete Fiona knapp und zeigte Chris ihre vier Handkarten.

Drei Monster, eine Falle, aber offensichtlich kein Ritualzauber.

Chris nickte, um deren Gegenerin zu bestätigen, dass dey einverstanden war.

„Aus meinem Deck hole ich mir das Solaritus Siegel auf die Hand. Solaritus Glutstacheligel muss hingegen auf den Friedhof.“

Fiona nahm wie gesagt den Zauber auf die Hand und legte den Igel auf den Friedhof ab.

„Damit bin ich erstmal fertig.“

Zoe flüsterte Maxim zu.

„So etwas habe ich erahnt. Ihr Deck ist nicht auf das von Chris vorbereitet. Ihre Falle war Tribut an das Licht. Eine sinnlose Karte, wenn man gegen ein defensiv orientiertes Deck antritt. Das Phänomen kenne ich schon von der Strategie meiner kleinen Schwester.“

Maxim wusste, worauf die erste Kronprinzessin anspielte.

Fiona hatte, wie nun alle im Raum wussten, eine Fallenkarte auf der Hand, die sie aber nicht setzen wollte. Eine Fallenkarte, die nur dann Wirkung zeigte, wenn man sie direkt angreifen würde.

Auch Fiona schien zu erahnen, dass sie diese Karte bestenfalls zum Abwerfen für einen Karteneffekt gebrauchen könnte, sonst hätte sie sie gesetzt, um zu verhindern, dass sie sie vorzeigen muss.

„Ich bin gespannt, wie sie sich im Duellverlauf so schlagen wird. Ihrem unkonventionellen Auftritt nach zu urteilen, ist das Mädchen sicher für eine Überraschung gut.“

Zoe lachte.

„Wusste ich es doch, du hast eine Schwäche für Underdogs.“

„Hehe. Tja, was soll ich sagen, du hast mich durchschaut.“

Chris setzte das Duell fort und zog.

„Während meiner Standby-Phase aktiviert sich automatisch der Effekt von Exothermalreaktor. Dadurch erhalte ich ganze drei Energiezählmarken.“

„Energiezählmarken?!“

Fionas Frage beantwortete sich von alleine, als die runde Glasluke des Exothermalreaktors sich öffnete und drei glühende Blasen auf Chris zuschnellten.

Die Blasen lösten sich vor demm auf und ließen deren Umriss in dem gleichen Rot-orange glühen, wie die Masse im Reaktor.

Chris lächelte selbstsicher.

Chris´ Energiezählmarken: 0 → 3.

„Mein Reaktor hat die besondere Kraft seinen Besitzer direkt aufzupowern. Mit der Macht der Energiezählmarken kann ich Karten wie diese hier spielen: Hyperplasmatische Erkenntnis.“

Ersie hielt die Zauberkarte demonstrativ vor.

„Hyperplasmatische Erkenntnis lässt mich sofort zwei Karten ziehen. Im Gegenzug verlangt sie, wie alle meine „Hyperplasmatisch“-Karten, dass ich als zusätzliche Kosten meine Energiezählmarken aufgebe. Erkenntnis kostet mich zwei Marken.“

Chris zog nun zwei weitere Karten, während das Glühen um demm herum deutlich schwächer wurde.

Chris´ Energiezählmarken: 3 → 1.

„Nun decke ich meine verdeckte Karte auf, sie heißt Fusionsaustausch und im Grunde ist der Name selbsterklärend: Ich wähle eines meiner Fusionsmonster und tausche es gegen ein anderes Fusionsmonster mit dem gleichen Typ, Attribut und der gleichen oder niedrigeren Stufe aus. Mein Exothermalreaktor kommt in das Extradeck zurück und stattdessen rufe ich den Rotationsreaktor auf.“

Die Karte, die Chris in deren letzten Zug gesetzt hatte, klappte auf und enfaltete ihre Wirkung: Der Exothermalreaktor verschwand langsam und wurde daraufhin vom Rotationsreaktor, ersetzt.

Der Rotationsreaktor bestand aus zwei Standbeinen, die durch eine massive Stange verbunden waren und auf der Stange drehte sich eine weiße Kugel rapide um die eigene Achse. Wenn man darauf achtete, schien die Kugel eine ähnliche Luke wie der Exothermalreaktor zu haben.

Rotationsreaktor: Stufe 8, 0Atk, 3000Def.

„Ich spiele jetzt Fusion und verschmelze von meiner Hand das Ersatzmodul mit dem Unterbrechungsmodul, um damit meinen Exothemralreaktor zurückzuholen“, kündigte Chris an.

Im Lichterstrudel verformten sich ein stumpfer, rostiger Kasten, aus dem zahlreiche Kabel hingen, mit einem sehr viel komplexer aussehendem Kasten, auf dem ein halbes Dutzend Warnleuchten aufblinkten, aber das genauso viele Kabel und Anschlüsse hatte.

Der ursprüngliche Reaktor von Chris erschien, als der Strudel verschwand.

Exothermalreaktor: Stufe 8, 0Atk, 3100Def.

Wieder nur ein Monster im Verteidigungsmodus.

Fiona dachte sich inzwischen, dass sie in diesem Duell mit keinem Angriff mehr zu rechnen brauchte, aber was war dann sonst Chris´ Gewinnplan?“

„Wenn ich eine Fusionsbeschwörung durchführe, erhalte ich dank des Effekts von Rotationsreaktor zwei weitere Energiezählmarken“, erklärte Chris.

Die Kugel des Reaktors stoppte abrupt und öffnete ihre Luke kurzzeitig, sodass zwei Blasen Chris´ glühende Aura wieder verstärken konnten.

Chris´ Energiezählmarken: 1 → 3.

„Zudem bewirkt Ersatzmodul, dass wenn es als Fusionsmaterial verwendet wird, ich ein Modul aus meinem Friedhof auf die Hand nehmen darf. Daher kehrt Edelstahl-Verstärkungsmodul auf die Hand zurück.“

Chris nahm die Karte auf die Hand und spielte ein anderes Monster aus:

„Als Normalbeschwörung rufe ich den Exzentrischen Genspleißer im Verteidigungsmodus auf.“

Vor Chris erschien ein irre vor sich hin kichernder, spindeldürrer Kerl im verschmutzten Laborkittel, dem ein dritter Arm aus dem Rücken wuchs.

Exzentrischer Genspleißer: Stufe 2, 1000Atk, 500Def.

Wenn er beschworen wird, darf ich eine Karte pro Fusionsmonster unter meiner Kontrolle ziehen. Das macht also zwei weitere Karten für mich.

Chris zog.

Wieder nur Verteidigungsmodus.

Es war zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass Chris für psychologische Kriegsführung anfällig war, aber ein Versuch kostete ja nichts.

„Ich sags doch! Ihr Möchtegernprinzen und-prinzessinnen seid einfach nur feige! Wie kann man sich bloß das ganze Duell über derart langweilig hinter seinen Monstern verstecken? Hast du eigentlich irgendwann auch mal vor, zu gewinnen, oder was?“, höhnte Fiona und wartete dann Chris´Reaktion ab.

Imani fasste sich mit der blanken Hand an den Kopf und schüttelte ihn verständnislos.

Chris hingegen verzog keine Miene.

„Feige, Hm? Wie gesagt, wir halten uns nur zurück und es ist naiv strategische Zurückhaltung mit Feigheit zu verwechseln. Aber vielleicht beweist dir mein nächster Spielzug, dass wir keine Feiglinge sind: Mein nächster Zauber, Verbotene Blutbeschwörung.“

Chris zeigte deren Karte vor, bevor dey sie aktivierte.

„Verbotene Blutbeschwörung verlangt, dass ich zunächst Lebenspunkte bezahle. Danach darf ich mir die obersten fünf Karten meines Decks ansehen und mir ein Monster darunter aussuchen, dessen kombinierte Angriffs- und Verteidigungspunkte gleich wie oder niedriger als die gezahlten Lebenspunkte sind. Das ausgesuchte Monster darf dann je nach Belieben auf meine Hand, oder direkt als Spezialbeschwörung gerufen werden.“

„Und, zahlst du nun ein paar Lebenspunkte, um deine Verteidigung noch mehr zu verbessern?“

Chris lächelte Fiona milde an und sah ihr direkt in die Augen.

„Ich bezahle 3999 Lebenspunkte.“

„Was?!“

Chris aktivierte nun die Verbotene Blutbeschwörung und krümmte sich anschließend unter schwerem Gestöhne vor Schmerz.

Chris´ Lebenspunkte: 4000 → 1.

Dey brauchte nach dem gewaltigen Schaden derer eigenen Zauberkarte eine kurze Verschnaufpause.

Mit einer Hand am Oberschenkel abgestützt, machte Chris weiter und sah sich die obersten fünf Karten vom Deck an.

„Ich entscheide mich für diese Karte: Das Katalysatormodul, ein Monster mit 0 Angriffs- und Verteidigungspunkten. Ich behalte es erst einmal auf meiner Hand.“

Chris zeigte das Monster vor, für das dey fast alle Lebenspunkte verloren hatte.

„Ich setzte nun noch eine Karte verdeckt und beende den Zug.“

Die verdeckte Karte erschien hinter den Reaktoren und dem irren Wissenschaftler.

Fiona presste nun still die Lippen aneinander.

Was hatte Chris da gerade getan?

Es war offensichtlich, dass Chris´ Deck nur aus schwachen Monstern bestand, die deren ständige Fusionsbeschwörungen unterstützen sollten.

1500 oder 2000 Punkte wären wahrscheinlich ebenfalls ausreichend gewesen, um sich jedes Monster aus deren Deck zu suchen.

Dass Chris also bis auf einen Punkt alle Lebenspunkte aufgab, war lediglich eine Machtdemonstration, nichts weiter.

„Unser*e zweite*r Kronprinz*essin zeigt mal wieder einen Hang zur Dramatik. Zu Schade, dass hier nicht noch mehr Zuschauer sind“, bemerkte Maxim flapsig.

Chris hatte sich wieder aufgerichtet, atmete aber noch immer schwer.

„Na dann, Fiona. Überzeug mich. Nimm mir meinen letzten Lebenspunkt und ich werde versuchen ihre Majestät von deinem Anliegen zu überzeugen. Aber eigentlich solltest du inzwischen selbst begriffen haben, dass das nicht passieren wird!“

Chris´ Zug hatte Fiona tatsächlich verunsichert.

Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und zog.

„Ich rufe Solaritus Hydrazinthe auf! Zeig dich im Angriffsmodus!“

Fionas zweites bezahntes Pflanzenmonster mit blauen Blüten erschien mit einem energischen Fauchen.

Solaritus Hydrazinte: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Nun aktiviere ich aus meiner Hand den Ritualzauber Solaritus Siegel: Ich biete auf meinem Feld meine Hydrazinthe und aus meiner Hand den Glutstacheligel und einen weiteren Krokokus als Tribut an. Das erlaubt es mir mein Stufe-7-Monster, die Solaritus Sonnenanbeterin zu beschwören!“

„Das verhindere ich“, schaltete sich Chris ein, „Als mein Exothermalreaktor das zweite Mal aufgerufen wurde, habe ich dafür das Unterbrechungsmodul genutzt. Dadurch kann mein Exothermalreaktor einmal pro Zug eine feindliche Zauber- oder Fallenkarte annullieren und zerstören, wenn ich eine Karte abwerfe.“

Fionas Ritualbeschwörungsversuch scheiterte und Chris legten gleichzeitig den Ritualzauber und eine Handkarte auf den Friedhof ab.

„Du hast einen groben Fehler gemacht, Chris. Du konntest zwar einen Ritualzauber verhindern, aber da ich immer noch Solaritus Krokokus kontrolliere, kann ich mit seinem Effekt mir nun einen neuen Ritualzauber aus dem Deck suchen. Der Effekt von Exothermalreaktor und die abgeworfene Handkarte waren also eine komplette Verschwendung! Los, Krokokus, nutze deinen besonderen Effekt!“

„Das verhindere ich ebenfalls. Ich decke meine verdeckte Konterfalle auf: Hyperplasmatische Unterdrückung.“

Die Fallenkarte vor Chris klappte auf und Fiona schnaubte wütend.

Sie wurde schon das zweite Mal in diesem Zug unterbrochen.

„Hyperplasmatische Unterdrückung unterbindet einen Monstereffekt meines Gegners, zerstört das Monster und verhindert auch alle anderen gegnerischen Monstereffekte für den Rest des Zuges. Dieser mächtige Effekt kostet mich allerdings auch stolze zwei Energiemarken.“

Die glühende Aura um Chris herum verschwand zum größten Teil und manifestierte sich in eine große rötlich-orangene Blase vor demm.

Daraufhin schoss die Blase auf Fionas Krokoskus zu und zerstörte das Monster mit einer Explosion.

Fiona schützte sich mit den Armen vorm Gesicht vor der Explosion.

Chris´ Energiemarken: 3 → 1.

Sie blickte auf ihr Blatt.

Ohne Monstereffekte war es nicht möglich genug Angriffskraft auf das Feld zu bringen, um Chris´ Abwehr zu durchbrechen, aber sie konnte immerhin ihren nächsten Zug vorbereiten.

„Ich nutze jetzt meine verdeckte Karte, ein weiteres Solaritus Siegel! Hydrazinthe auf dem Feld, sowie Krokokus und Glutstacheligel auf meiner Hand werden als Tribut geboten, um ein beeindruckendes Ritualmonster zu beschwören!“

Vor ihr erschienen links und rechts neben der Hydrazinthe Hologramme von Solaritus Glutstacheligel sowie von Solaritus Krokokus.

Alle drei Solaritus-Monster verwandelten sich in immer schneller umeinander kreisende Feuerbälle, die sich schließlich zu einer rauschen Flammensäule vereinigten.

Aus der Feuersäule krabbelte langsam das mannsgroße Mantidenmonster mit den glühend heißen Fangbeinen, Fionas Solaritus Sonnenanbeterin.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

„Mein Solaritus Siegel hat übrigens noch einen zweiten Effekt: Ich darf bis genauso viele „Solaritus“-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen, wie ich Monster für die Ritualbeschwörung als Tribut geboten habe! Das sind ganze drei Monster! Damit lege ich zwei Exemplare von Solaritus Sonnenatlas und eine weitere Sonnenanbeterin auf den Friedhof!“, erklärte Fiona und leerte ihr Deck um ihre Ritualmonster.

Ihre Sonnenanbeterin bekam wegen Hyperplasmatischer Unterdrückung in diesem Zug zwar keine zusätzliche Angriffskraft, aber dafür würde sie im nächsten Zug umso mächtiger sein.

„Solaritus Sonnenanbeterin kann zwar nicht deine Reaktoren vom Netz nehmen, dein Genspleißer lernt jetzt allerdings die Schmelzsichel meines Insektenmonsters kennen! Und Angriff!“

Die zwei Meter hohe Fangschrecke sprang auf Chris´ Exzentischen Genspleißer zu, der sich vergeblich mit seinen drei Armen vor dem Gesicht zu schützen versuchte.

Sonnenanbeterin zertrümmerte das Monster mühelos.

„Zunächst setze ich eine Karte verdeckt!“, rief Fiona, während hinter ihrem Ritualmonster eine unbekannte Zauber- oder Fallenkarte erschien.

„Jetzt kommen wir zum interessanten Teil! Der Effekt von deiner Hyperdingsbums-Unterdrückung verhindert die Effekte von Monstern, die ich kontrolliere, allerdings nicht von Monstern, die sich bereits in meinem Friedhof befinden: Während meiner End Phase aktiviert sich der Effekt von Hydrazinthe: Weil ich sie in diesem Zug beschworen habe, darf ich jetzt ein Solaritus Monster von meinem Deck auf die Hand nehmen und dann ein „Solaritus“- Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen!“, erklärte Fiona, „Ich nehme eine weitere Hydrazinthe auf die Hand und ein Glückskäfer wandert vom Deck auf meinen Friedhof! Damit beende ich meinen Zug!“

Imani verfolgte das Duell zwischen Chris und der vorlauten Ex-Slifer-Schülerin gebannt.

Sie musste zugeben, dass das Mädchen beeindruckende Fähigkeiten hatte.

Die Solaritus Hydrazinthe bewusst auf den Friedhof zu verlagern, um so den Effekt von Hyperplasmatischer Unterdückung zu umgehen, war definitiv clever.

Auch Chris nickte deren Gegnerin anerkennend zu, bevor dey deren Zug begann.

Kaum zog Chris deren nächste Karte, schon wuchs Fionas Monster, dessen Effekt nicht länger annulliert wurde, beträchtlich an.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 4000Atk.

„Wenn man nicht gerade ihre Effekte unterdrückt, bekommen meine Ritualmonster einen Powerschub von 200 Angriffspunkten für jedes „Solaritus“-Monster, das sich in meinem Friedhof befindet", erklärte Fiona, "In meinem Friedhof befinden sich zurzeit jeweils zwei Exemplare von Krokokus, Glutstacheligel und Sonnenatlas sowie eine Hydrazinthe, eine Sonnenanbeterin und ein Glückskäfer!“

„Aha und neun „Solaritus“-Monster macht ergo zusätzliche 1800 Punkte, verstehe“, kommentierte Chris interessiert, „ich habe mich schon gefragt, wofür du so viele Monster auf den Friedhof gelegt hast.“

Maxim wandte seinen Blick für einen kurzen Moment vom Duell ab und sah, wie Zoe Chris kritisch anschaute.

„Wozu der böse Blick?“

„Chris ist mächtig, und dey hat eindeutig die Art von Talent, die es einmal unter Tausenden gibt, genauso wie unser amtierender König. Aber das ändert nichts daran, dass Chris ein Neuling ist, mit lückenhafter Kartenkenntnis.“

Maxim nickte zustimmend.

„Ah, das habe ich mir auch gerade gedacht. Diese Sonnenanbeterin hätte in Fionas Zug glaube ich 600 Punkte aufgeben können, um jedes von Chris´ Monstern zu attackieren und das Feld komplett zu leeren, wenn Chris nicht zufällig mit Hyperplasmatischer Unterdrückung alle Monstereffekte blockiert hätte. Das hätte sehr schnell ins Auge gehen können.“

„Exakt. Dazu kommt, dass Fionas Deck ein sehr ungünstiger Gegner für Chris ist. Die Reaktoren können mit ihren hohen Verteidigungswerten leicht schnelle Beatdown-Decks blockieren, aber ein Deck, das mit der Zeit automatisch immer mehr Angriffskraft generiert steht im direkten Konflikt zu Chris´ langsameren und kontrollbasierten Duellstil.“

„Meinst du die Kleine gewinnt?“

Zoe lachte bei diesem absurden Gedanken.

„Ausgeschlossen.“

Chris machte nun weiter.

„Nach der Draw Phase kommt die Standby-Phase und das bedeutet dank Exothermalreaktor drei Energiemarken für mich.“

Aus der Luke des Reaktors schwebten drei Blasen auf Chris zu, die erneut eine deutliche, rötlich glühende Aura verliehen.

Chris´ Energiezählmarken: 1 → 4.

„Nun benutze ich eine ganz besondere Zauberkarte mit dem Namen Wiederverwertungsfusion. Mit ihr darf ich ein Fusionsmonster beschwören, indem ich ein Fusionsmaterialmonster aus meinem Friedhof nutze. Daher fusioniere ich jetzt das Ersatzmodul aus dem Friedhof mit dem Katalysatormodul auf meiner Hand.“

In einem Lichterstrudel verblassten das ramponiert wirkende Ersatzmodul und das Katalysatormodul, ein Maschinenmonster, das wie alle anderen Module über viele Kabel und Anschlüsse verfügte und gleichzeitig wie ein längliches Rohr aussah, dessen Öffnung ein wabenartiges Innenleben offenbarte.

Der Lichterstrudel verblasste und hinterließ Chris´ neuestes Fusionsmonster.

Ein etwa zwei Meter hoher Quader mit quadratischer Grundfläche und der gleichen weißen Färbung und Luke wie Chris andere Fusionsmonster.

„Als Fusionsbeschwörung rufe ich den Neutronenreaktor.“

Neutronenreaktor: Stufe 9, 0Atk, 3400Def.

Fiona standen nun schon drei Fusionsreaktoren mit riesigen Verteidigungswerten gegenüber.

„Wiederverwertungsfusion hat einen kleinen Nachteil, ich darf nämlich für den Rest des Zuges keine weitere Spezialbeschwörung mehr durchführen. Aber kommen wir mal langsam zu den positiven Aspekten: Zunächst nutze ich die Effekte meiner Fusionsmaterial-Monster. Dank Ersatzmodul darf ich meiner Hand ein „-modul“-Monster aus meinem Friedhof zufügen. Dafür wähle ich mein Unterbrechungsmodul. Wird Katalysatormodul für eine Fusionsbeschwörung verwendet, darf ich außerdem zwei Karten ziehen, solange ich auf meine Battle Phase verzichte.“

Chris nahm das besagte Unterbrechungsmodul auf die Hand und zog daraufhin zwei weitere Karten.

„Wenn ich eine Fusionsbeschwörung durchführe, erhalte ich dank meines Rotationsreaktors zusätzliche zwei Energiezählmarken. Außerdem nutze ich den Effekt von Neutronenreaktor, welcher mir einmal pro Zug eine Energiezählmarke pro „-reaktor“-Monster unter meiner Kontrolle, einschließlich sich selbst, verleiht. Das macht also nochmal drei Energiezählmarken.“

Der Rotationsreaktor stoppte und öffnete zeitgleich mit dem frisch beschworenen Neutronenreaktor seine gläserne Luke.

Aus der zähflüssigen Masse im Inneren der Reaktoren schwebten insgesamt fünf Blasen auf Chris zu.

Chris´ Aura verstärkte sich deutlich und Fiona meinte zu spüren, wie sengende Hitzewellen von Chris ausgingen.

Chris´ Energiezählmarken: 4 → 9.

Maxim musste Chris eines lassen.

Er konnte Wiederverwertungsfusion sehr viel besser nutzen, als er selbst. Maxim nutzte sie, um die typischerweise ressourcenintensive Fusionsbeschwörung weniger kostenreich zu gestalten, aber Chris hatte durch deren letzte Fusionsbeschwörung sogar zwei Karten dazugewonnen, von den Energiezählmarken ganz zu schweigen.

„Meine Reaktoren verleihen mir ungeahnte Kräfte, die dir keine Hoffnung auf einen Sieg lassen. Um das zu verdeutlichen, aktiviere ich den Zauber Hyperplasmatischer Durchstoß. Dieser Zauber kostet mich zwar eine Energiezählmarke, aber dafür vernichtet Hyperplasmatischer Durchstoß ein beliebiges Monster meiner Wahl. Meine Entscheidung fällt auf deine Solaritus Sonnenanbeterin.

Chris aktivierte deren Zauber und aus dem dey umgebenden Glühen schoss ein Blitz auf die Solaritus Sonnenanbeterin zu.

Chris´ Energiezählmarken: 9 → 8.

„Ich komme dir mit meiner verdeckten Karte zuvor!

Eine Konterfalle deckte sich langsam vor Fiona auf.

„Mein Ritueller Schutzzirkel verhindert gegnerische Karteneffekte, die es auf meine Ritualmonster abgesehen haben und belohnt mich obendrein noch mit einem Ritualzauber aus meinem Friedhof!“

Bevor der Blitz die Sonnenanbeterin erreichte, bildete der Bannkreis aus geheimnisvollen Symbolen auf dem Boden eine unsichtbare Kuppel, die den Hyperplasmatischen Durchstoß abwehrten.

„Du bist gut, Fiona, aber nicht gut genug, um es mit den Besten aufzunehmen. Ich aktiviere den Effekt von meinem mit dem Unterbrechungsmodul beschworenen Exothermalreaktor. Dadurch darf ich einmal pro Zug eine Zauber- oder Fallenkarte annullieren, indem ich mich von einer Karte auf meiner Hand trenne.“

Kaum hatte Chris die Karte abgelegt, schon gab die Barriere des Rituellen Schutzzirkels nach.

Der Hyperplasmatische Durchstoß erreichte Solaritus Sonnenanbeterin und das Hologramm des gigantischen Insekts zersplitterte.

Fiona hat nun kein einziges Monster mehr auf dem Feld.

Chris sah deren Gegnerin ernst an.

„Ich kenne die Karten auf deiner Hand. Du hast eine Hydrazinthe und eine Fallenkarte, die dir offensichtlich nur etwas bringt, wenn der Gegner auch angreift. Das alleine reicht nicht, um meine Abwehr zu durchdringen. Du bist machtlos, Fiona. Du wirst nicht mich besiegen, du wirst den König nicht überzeugen und du wirst deine Sliferfreundin nicht vor dem schlimmsten Duell ihres Lebens bewahren können. Also hör auf dich zu wehren und siehe deine Niederlage ein, bevor ich dir weh tun muss.“

Fiona merkte, dass es Chris wohl wirklich gut mit ihr meinte, Chris hatte ihr trotz deren weißer Uniform nie das Gefühl gegeben sich für was Besseres zu halten. Aber andererseits dachte sie nicht daran aufzugeben. Sie hatte die richtige Karte in ihrem Deck, die das Duell im nächsten Zug komplett zu ihren Gunsten wenden könnte und solange die Chance besteht, sie zu ziehen, würde sie sie nutzen.

„Mach weiter!“, rief sie Chris entgegen.

„Hm, keine kluge Entscheidung. Ich setze meine letzte Karte und beende den Zug.“

Chris hatte inzwischen acht Energiezählmarken gesammelt und deren Hyperplasmatischen Karten brauchten bisher nicht mehr als zwei Energiezählmarken, was bedeutete, dass Chris jede dieser mächtigen Karten ohne Rücksicht auf ihre Energiekosten ausspielen konnte.

Gleichzeitig wurde Chris´ Defensive immer stärker.

Es galt dringend zu handeln und Chris´ den einzigen Lebenspunkt abzunehmen, oder zumindest zu verhindern, dass dey noch mehr Energie generieren konnte.

Nur dann würde Chris versuchen den König daran zu hindern gegen Mayla anzutreten.

Darum ging es in diesem Duell.

Um Mayla, um Erin und um sie selbst.

Darum zu beweisen, dass das, was zerstört scheint, nicht endgültig verloren ist.

Fiona zog und lächelte mild.

„Zunächst rufe ich die Hydrazinthe, die ich mir im letzten Zug auf die Hand genommen habe im Verteidigungsmodus auf!“

Das bezahnte Pflanzenmonster mit den blauen Blüten fauchte kampfbereit.

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Da ich nun ein Monster mit dem Feuer-Attribut kontrolliere, kann ich den Effekt von Phönixgeist auf meiner Hand nutzen! Indem ich Phönixgeist abwerfe und mein Feuer-Monster opfere, darf ich jedes beliebige Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen!“

Der brennende Vogel, dessen Karte Fiona soeben abgeworfen hatte, flog gezielt in die soeben beschworene Hydrazinthe.

Beim Aufprall wandelten sich beide Monster in eine hohe Stichflamme.

„Da sie bereits einmal regulär als Ritualbeschwörung gerufen wurde, darf ich nun Solaritus Sonnenanbeterin als Spezialbeschwörung aus dem Friedhof aufrufen! Komm und zeig dich!“

Fionas Insektenritualmonster erschien noch einmal und gewann aufgrund der inzwischen zehn „Solaritus“-Monster enorm an Größe und Angriffskraft.

Solaritus Sonnenanbeterin: Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 4200Atk.

„Verabschiede dich von deinen Reaktoren! Ich nutze den zweiten Effekt von Sonnenanbeterin: Indem ich drei „Solaritus“-Monster aus meinem Friedhof in das Deck zurück mische, erlaube ich meiner Sonnenanbeterin jedes deiner Monster einmal anzugreifen!“

Chris, umhüllt von seiner feurigen Energie, konnte nicht anders als zu lächeln. Sie war naiv und sie würde verlieren, aber für den Moment genoss Chris Fionas Kampfgeist.

„Ich nehme meine beiden Glutstacheligel und einen Sonnenatlas wieder in mein Deck auf. Das kostet zwar Angriffspunkte, aber davon hat Sonnenanbeterin mehr als genug!“

Fiona legte die drei Monsterkarten in das Deck und die Duel Disk mischte das Deck automatisch.

Gleichzeitig verringerten sich die Punkte der Sonnenanbeterin.

Solaritus Sonnenanbeterin: 4200Atk → 3600Atk.

„Es wird Zeit Chris´ Feld in einem Schlag leerzuräumen! Solaritus Sonnenanbeterin! Attacke mit der dreifachen Schmelzsichel!“

Ohne zu zögern hechtete das riesige Insekt nacheinander auf Chris´ Maschinen zu und brachte sie mit nur jeweils einen Hieb seiner feurig-heißen Fangbeine zum Explodieren.

In einem beeindruckendem Tempo war jeder Reaktor zerstört und die Schockwelle durch den letzten Angriff brachten Chris, geschwächt durch den Effekt der Verbotenen Blutbeschwörung, beinahe zu Fall.

„Du hast meine Monster tatsächlich allesamt besiegt, aber du kannst mich jetzt nicht länger direkt angreifen. Dein Zug ist vorbei.“

„Fast vorbei! Ich habe noch den Effekt der Hydrazinthe, der sich in der End Phase des Zuges aktiviert, in der sie beschworen wurde und es mir erlaubt ein „Solaritus“-Monster aus dem Deck auf die Hand zu nehmen und Eines auf den Friedhof zu legen! Auf die Hand kommt mein Solaritus Krokokus und ein zweiter Glückskäfer kommt auf den Friedhof und verstärkt damit übrigens mein Ritualmonster!“

Fiona durchsuchte ihr Deck nach den genannten Monstern und im Anschluss wuchs Sonnenanbeterin wieder ein wenig an.

Solaritus Sonnenanbeterin: 3600Atk → 3800Atk.

„JETZT ist mein Zug vorbei!“, rief Fiona trotzig, doch Chris unterbrach sie mit einer aufhaltenden Armbewegung.

„Bevor du deinen Zug beendest, nutze ich meine verdeckte Karte. Sie heißt Rekonstruktionsfusion und beschwört ein in diesem oder im letzten Zug zerstörtes Fusionsmonster, indem ich seine Fusionsmaterialien zurück auf die Hand nehme. Die Fusionsmaterialmonster dürfen allerdings nicht in diesem Zug beschworen werden.“

Der Schnellzauber, Chris letzte verbleibende Karte, deckte sich auf.

„Mit Rekonstruktionsfusion fusioniere ich aus meinem Friedhof das Katalysatormodul und das Ersatzmodul zu meinem geschätzten Exothermalreaktor.“

Aus dem Boden schwebten Hologramme der Module und ein Lichterstrudel wandelte sie zu Chris' weißem, turmähnlichen Maschinenmonster.

Exothermalreaktor: Stufe 8, 0Atk, 3100Def

„Nicht nur kehren Ersatzmodul und Katalysatormodul auf meine Hand zurück, sie aktivieren auch ihre Effekte. Da ich Ersatzmodul als Fusionsmaterial genutzt habe, darf ich ein Modul aus meinem Friedhof der Hand zufügen. Meine Wahl fällt auf das Edelstahl-Verstärkungsmodul“, erklärte Chris, während ersie Fiona die besagte Karte vorzeigte.

„Wird Katalysatormodul für eine Fusionsbeschwörung genutzt, darf ich zwei Karten ziehen, bedingt, dass ich in diesem Zug keine Battle Phase durchführe. Aber wir sind ja sowieso noch in deinem Zug.“

Imani lächelte selbstsicher, so als ob nicht Chris, sondern sie sich gerade duellieren und den letzten Spielzug ausgeführt hätte.

Mit einer Fusionskarte hatte Chris nicht nur einen seinerihren Reaktoren wiederbelebt, sondern die Hand um ganze vier Karten verstärkt.

Chris war definitiv eine*r der stärksten Fusionsspieler*innen, die sie je kennengelernt hatte, wahrscheinlich der gesamten Akademie.

Und da Chris mit dem Beginn des Zuges über 10 Energiezählmarken erhalten würde, war sich Imani, die mehrfach gegen Chris verloren hatte, sicher, dass das Duell bald vorbei sein würde.

Chris begann deren Zug und zog eine fünfte Karte.

„Dank Exothermalreaktor erhalte ich in meiner Standby-Phase drei Energiezählmarken.“

Die gelb-rötlichen Blasen aus dem Inneren des Reaktors schwebten auf Chris zu und verstärkten deren mächtige, feurig-heiße Aura.

Chris' Energiezählmarken: 8 → 11.

Fiona meinte nun Dampfschwaden um Chris herum zu sehen.

„Ich werde unser Duell nun beenden. Zunächst aktiviere ich den Zauber Nullkraft. Wenn ich zwei Monster mit 0 Angriffs- und/oder Verteidigungspunkten vom Feld oder meiner Hand auf den Friedhof ablege, darf ich danach jede beliebige Karte aus meinem Deck auf die Hand nehmen.

Ich verzichte auf die beiden Modul-Monster, die ich durch Rekonstruktionsfusion auf die Hand genommen habe.“

Chris legte die beiden Monster ab und zeigte Fiona die dafür gesuchte Karte, offenbar ebenfalls ein Zauber.

„Ich habe dich davor gewarnt, dass ich dir weh tun muss, wenn du dich weigerst aufzugeben. Es tut mir ehrlich Leid. Ich aktiviere nun den soeben gesuchten Zauber, Hyperplasmatischer Kollaps.“

Ruhig platzierte Chris die letzte Karte des Duells in deren Dueldisk.

„Hyperplasmatischer Kollaps entfernt alle Energiezählmarken, die ich habe und fügt meinem Gegner pro Marke 400 Punkte Schaden zu. Damit verlierst du nun 4400 Lebenspunkte, Fiona.“

„Was?!“

Die Energie, welche Chris bis eben umgeben hatte, wandelte sich wieder in die ursprünglichen elf Blasen, die nun auf Fiona zu schwebten und sie schließlich umkreisten.

Die Blasen explodierten nun in schneller Folge nacheinander und schleuderten dabei den Körper des Mädchens hin und her.

Fiona schrie bei jeder der Explosionen vor Schmerzen, so laut, dass es auch außerhalb des Thronsaals zu hören sein musste.

Während Imani nur finster lächelte und Zoe keine Miene verzog, war Maxim und Chris Mitleid mit Fionas Leiden deutlich anzusehen.

Als die Wirkung von Hyperplasmatischer Kollaps vorbei war, fiel Fiona kraftlos zu Boden..

Fionas Lebenspunkte:

4000 → 0.

Die Hologramme von Chris´ Reaktor und Fionas Sonnenanbeterin lösten sich langsam auf.

Chris ging auf Fiona zu, beugte sich hinab und reichte ihr die Hand, um ihr wieder auf die Beine zu helfen.

Die noch schwer atmende Fiona brauchte einige Sekunden, bevor sie Chris´ Geste überhaupt bemerkte.

Sie zitterte und begann zu verstehen.

Das zu verstehen, was Chris und die anderen Kronprinz*essinnen ihr zu Beginn des Duells sagen wollten.

Sie hatte gegen Chris verloren, ohne demm auch nur einen einzigen Lebenspunkt abnehmen zu können.

Chris war aufgrund des Rangs als nur zweite*r Kronprinz*essin offenbar schwächer als Zoe und Zoe hatte offen zugegeben, dass sie sich vor der Macht von König Aland fürchtete.

Wie naiv war es von ihr gewesen den König auf eigene Faust an Maylas Stelle herauszufordern und zu hoffen, sich im Duellverlauf zumindest respektabel schlagen zu können?

Sie war machtlos und alleine ihr Versuch gegen die Machtlosigkeit anzukämpfen und das Jahresabschlussduell zu verhindern war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Aland wird Mayla am Ende des Jahres im Duell gegenüberstehen, Mayla, selbst wenn sie wieder geistig gesund wäre, hätte ihm nichts entgegen zu setzen. Schließlich würde er sie vor den Augen aller Schülerinnen und Schüler derart vernichtend schlagen, dass weder sie, noch irgendwer anders auf die Idee kommen könnte, die Macht der Obelisken anzuzweifeln.
 


 

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Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Amorphe Masse: Stufe 2, 200Atk, 900Def, Typ Aqua, Attribut Licht, Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Diese Karte kann bis zum Ende des Zuges als Ersatz für ein beliebiges Fusionsmaterial verwendet werden. Bis zum Ende des Zuges kannst du ein Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster von deiner Hand oder Spielfeldseite als Fusionsmaterial.
 

Edelstahl-Verstärkungsmodul: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Maschine, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte als Fusionsmaterial verwendet wird: Das Fusionsmonster erhält folgenden Effekt:

Diese Karte kann nicht durch Karteneffekte zerstört werden.
 

Exothermalreaktor: Stufe 8, 0Atk, 3100Def, Typ Maschine, Attribut Licht, Fusion / Effekt:

1 Maschine Monster + 1 „-modul“-Monster

Während deiner Standby-Phase: Du erhältst drei Energiezählmarken.
 

Exzentrischer Genspleißer: Stufe 2, 1000Atk, 500Def, Typ Hexer, Attribut Finsternis, Effekt:

Einmal pro Zug: Wenn diese Karte als Normal- oder Spezialbeschwörung beschworen wird: Ziehe eine Karte für jedes Fusionsmonster, das du kontrollierst.
 

Ersatzmodul: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Maschine, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte als Fusionsmaterial verwendet wird: Wähle ein „-modul“-Monster aus deinem Friedhof und füge es deiner Hand hinzu.
 

Unterbrechungsmodul: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Maschine, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte als Fusionsmaterial verwendet wird: Das Fusionsmonster erhält folgenden Effekt:

Einmal pro Zug, während des Zuges beider Spieler: Du kannst eine Karte von deiner Hand abwerfen, um eine Zauber- oder Fallenkarte, die dein Gegner aktiviert zu annullieren und zu zerstören.
 

Rotationsreaktor: Stufe 8, 0Atk, 3000Def, Typ Maschine, Attribut Licht, Fusion / Effekt:

1 Maschine Monster + 1 „-modul“-Monster

Wenn du ein Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung beschwörst: Du erhältst zwei Energiezählmarken.
 

Neutronenreaktor: Stufe 9, 0Atk, 3400Def, Typ Maschine, Attribut Licht, Fusion / Effekt:

1 Maschine Monster + 1 „-modul“-Monster

Einmal pro Zug: Du kannst eine Energiezählmarke für jedes „-reaktor“-Monster, das du kontrollierst erhalten.
 

Katalysatormodul: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Maschine, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte als Fusionsmaterial verwendet wird: Ziehe zwei Karten. Du kannst in diesem Zug keine Battle Phase durchführen.
 

Neue Zauber:
 

Hyperplasmatische Erkenntnis: Normaler Zauber:

Lege zwei Energiezählmarken ab und ziehe zwei Karten.
 

Verbotene Blutbeschwörung: Normaler Zauber:

Bezahle eine beliebige Menge an Lebenspunkten und schaue dir dann die obersten fünf Karten deines Decks an. Wähle ein Monster, dessen kombinierte ATK und DEF kleiner gleich die von dir bezahlten Lebenspunkte sind: Du kannst dieses Monster deiner Hand zufügen oder es als Spezialbeschwörung beschwören. Mische die restlichen aufgedeckten Karten dann zurück in dein Deck.
 

Hyperplasmatischer Durchstoß: Normaler Zauber:

Lege eine Energiezählmarke ab. Wähle ein Monster, das du oder dein Gegner kontrolliert und zerstöre es.
 

Rekonstruktionsfusion: Schnellzauber:

Wähle ein Fusionsmonster in deinem Friedhof, das in diesem oder im letzten Zug zerstört wurde: Beschwöre es als Fusionsbeschwörung, indem du Monster aus dem Friedhof als Fusionsmaterial verwendest und auf die Hand nimmst. Die als Fusionsmaterial verwendeten Monster können nicht in diesem Zug beschworen werden.
 

Nullkraft: Normaler Zauber:

:Lege zwei Monster mit 0 ATK oder 0 DEF von deiner Hand oder unter deiner Kontrolle auf den Friedhof: Nimm eine beliebige Karte aus deinem Deck auf die Hand.
 

Hyperplasmatischer Kollaps: Normaler Zauber:

Entferne alle deine Energiezählmarken und füge deinem Gegner für jede auf diese Weise entfernte Energiezählmarke 400 Punkte Schaden zu.
 

Neue Fallen:
 

Fusionsaustauch: Normale Falle:

Wähle ein Fusionsmonster, das du kontrollierst: Füge es deinem Extradeck hinzu und beschwöre dann ein Fusionsmonster aus deinem Extradeck mit dem gleichen Attribut, Typ und der gleichen oder niedrigeren Stufe als Spezialbeschwörung. Dies zählt als eine Fusionsbeschwörung.
 

Hyperplasmatische Unterdrückung: Konterfalle:

Wenn dein Gegner einen Monstereffekt aktiviert: Lege zwei Energiezählmarken ab: Annulliere den Monstereffekt und zerstöre das Monster. Annulliere die Effekte der Monster, die dein Gegner kontrolliert bis zum Ende des Zuges.

Der schwere Weg

Mayla hielt einen mit Flicken versehenen, weiten roten Mantel gegen die Sonne und bemusterte ihn mit einem dankbaren Lächeln.

Sie stand draußen auf dem Sliferplatz, neben ihr Daniel und ihre Zimmergenossinnen Ugur und Jenny, Julian sowie ein gutes Dutzend weiterer Slifer-Red-Schüler.

Gemeinsam genossen sie die Sonnenstunden des frühen Sommerbeginns.

„Wow, den hast du nur für mich gemacht? Vielen Dank, Ugur, ehrlich! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!“

Mayla zog sich das ärmellose Kleidungsstück direkt über die Schultern und knöpfte ihn vor der Brust zu.

Der rote, sanft im Wind wehende Mantel verbreiterte die Silhouette des zierlichen Mädchens erheblich und verlieh ihr ein dominanteres Auftreten.

„Ein „Danke“ reicht mir als Antwort“, entgegnete Ugur schmunzelnd, „Unsere Königin braucht natürlich auch einen königlichen Mantel. Leider gabs außerhalb der Theater-AG keinen guten Stoff, aber Herr Althus hat uns immerhin ausgemusterte Uniformen zur Verfügung gestellt.“

„Uns?“

„Deborah hat viel mitgeholfen, ohne sie hätte ich ihn nicht fertig bekommen und erst recht nicht bis heute vor dir geheim halten können. Du solltest dich bei ihr auch bedanken.“

„Das werde ich! Vielen Dank nochmal!“, sagte Mayla ihrer Mitbewohnerin.

„Sieht aber schon ein bisschen schäbig aus! Willst du damit ehrlich rumlaufen!?“, unkte die helle Stimme der Falmenco-Forelle aus Maylas Deckbox.

„Also ehrlich. So spricht man nicht über Geschenke von Freunden. Die Mädchen haben sich sicher viel Mühe gegeben“, dröhnte der Walzer-Wal.

Mayla schenkte den für sie schon fast alltäglich gewordenen Stimmen ihrer Duellgeister keine besondere Beachtung.

Julian verneigte sich demonstrativ.

Wir haben es nur dir, der Königin zu verdanken, dass wir Slifer-Reds nicht mehr länger von Schülerinnen und Schülern der anderen Häuser drangsaliert werden. Wenn du nach den Prüfungen gegen den Obeliskenkönig gewonnen hast, dann werden wir den gleichen Respekt wie alle anderen genießen. Vielleicht wird man sogar mal endlich unsere Unterkunft renovieren!“

„Kann dir doch egal sein, du machst doch dieses Jahr eh deinen Abschluss! Oder hast du vor durchzufallen?“, fragte Ugur nach.

„Ja, also Nein! Ehh, ich war wohl schon so lange in dieser doofen Bruchbude, da habe ich spontan ganz vergessen, dass ich hier bald nicht mehr wohnen werde“, entgegnete Julian verlegen.

„Also wenn in der Prüfung kein Wunder geschieht, werde ich wohl vorerst ein Slifer bleiben“,sagte Jenny und sah dann ihre Königin mit großen, erwartungsvollen Augen an, „Wenn du bald die neue Königin der Akademie bist, dann wird unsere Unterkunft mindestens genauso schick, wie die der Obelisken! Wir bekommen alle riesige Betten und Zimmer und eigene Badezimmer und Kantinenessen, von dem man nicht sofort Bauchschmerzen bekommt! Du musst dann unbedingt beim Direktor....-

Mayla unterbrach die in Euphorie geratene Mitbewohnerin: „Naja, also ihr seid euch ja alle ziemlich sicher, dass ich im Jahresabschlussduell gewinnen werde. Aber der Obeliskenkönig ist schon ein schwieriger Gegner und ich will niemanden enttäuschen...“

„Ach was! Du besiegst doch jeden eingebildeten Obelisken!“, rief ein Slifer aus dem zweiten Jahrgang und eine Freundin von ihm pflichtete gleich bei: „Ich hab gehört, dass dieser Möchtegernkönig sich inzwischen kaum duelliert und die meiste Zeit nur faul rumliegt und sich ausruht. Den machst du locker platt!“

Es bildete sich ein kleiner Chor in der Gruppe, der die zweifelnde Königin aufzubauen versuchte.

„May-la! May-la! May-la!“

Die Sliferkönigin wurde passend zur Uniform und dem Mantel ganz rot.

Es war schön, dass man ihr so viel zutraute, aber...

Sie schluckte.

Mayla konnte sich noch gut daran erinnern wie Maxim, damals noch dritter Kronprinz, Erin mühelos in wenigen Zügen vorgeführt hatte.

Der König selbst würde nochmal ein ganzes Stück stärker sein.

„Mayla!“, meldete sich die kindliche Stimme der Merengue-Muschel zu Wort, „Damals warst du ja auch noch neu auf der Akademie. Inzwischen bist du schon vieeeeeel besser im Duellieren geworden. Du hast ja auch ganz viel andere tolle Duellanten besiegt!“

Da war wohl etwas Wahres dran.

Trotzdem...

„May-la! May-la! May-la!“

Auch ihre beiden Mitbewohnerinnen waren in den gemeinsamen Jubel eingestiegen.

Lediglich Daniel stand mit leichtem Kopfschütteln daneben und behielt die Ruhe.

Er erahnte, was in seiner Freundin bei dem Druck, den man ihr machte vorging und er teilte den Gedanken, dass Mayla gute Chancen zu gewinnen hätte, ganz und gar nicht.

„Hey, lass uns gehen. Das wird mir langsam zu laut und ich habe noch eine Überraschung für dich“, flüsterte er ihr zu.

Sie nickte eilig und setzte sich von der Gruppe ab.

„Habt vielen Dank für eure ermutigenden Worte und vor allem für den schönen Mantel. Den werde ich ab jetzt immer tragen. Aber ich muss jetzt etwas Ruhe haben, um mich besser auf das große Duell vorbereiten zu können.“

Sie nickte ihren Fans mit einem Lächeln zu und verließ dann mit Daniel händchenhaltend den Sliferplatz in Richtung Küste.

„Wo führst du mich denn hin?“, fragte Mayla neugierig.

„Wäre ja keine Überraschung, wenn ich es dir einfach sagen würde. Aber ich habe schon was geplant“, entgegnete er mit einem Augenzwinkern.

Er sah nach einer Weile hinter sich auf den Sliferplatz.

„Mann! Ich habe es jedem von denen schon zigmal gesagt, dass man dich nicht so unter Druck setzen soll!“, begann Daniel zu schimpfen, als das Pärchen sich weit genug von Maylas Fantrupp entfernt hatte, „Gehts dir gut? Oder war dir das zu viel?“

„Mir geht’s gut. Danke, dass du immer so lieb an mich denkst. Sie meinen es ja nur gut und sind mir dafür dankbar, dass ich sie vor den wütenden Ras und Obelisken beschützt habe.“

Diese Dankbarkeit konnte Mayla gut nachvollziehen.

Sie genoss es selbst sich in ihrer roten Uniform auf der Akademieinsel wieder sicher fühlen zu können.

Tatsächlich hatten die Angriffe komplett aufgehört und zwar ab ziemlich genau dem Tag, an dem auf der Schulplattform für alle bekannt gegeben war, dass Mayla gegen den Obeliskenkönig antreten werden würde.

Ob das wohl der eigentliche Zweck hinter diesem Angebot gewesen war? Auf diese Art für Frieden zu sorgen?

Während Mayla sinnierte, stöhnte ihr Freund genervt.

Daniel überzeugte die Antwort nicht.

„Wenn sie WIRKLICH dankbar wären, würden sie nicht immer an sich selbst denken! Du bist nicht für uns Slifer verantwortlich und hast auch deine eigenen Probleme. Außerdem will ich ehrlich nicht sehen, wie du aus falschem Pflichtgefühl auf der Bühne vor den Augen der versammelten Lehrer- und Schülerschaft zusammenbrichst.“

„Das passiert mir doch gar nicht mehr“, protestierte Mayla kleinlaut.

„Das hatte ich auch gedacht. Und dann beginnst du plötzlich von Geistern zu erzählen, läufst beinahe über die Inselklippe und verlierst direkt danach wieder das Bewusstsein. Ich weiß, dass du das nicht mehr hören kannst, aber...ich habe das schon zu oft miterleben müssen und mir macht das jedes Mal eine Heidenangst.“

Mayla schaute Daniel traurig an.

„Du glaubst mir also doch nicht?“

„Hmm, ich habe da viel drüber nachgedacht und ich kann jetzt nicht beweisen, dass es Geister NICHT gibt. Aber selbst wenn deine Duellgeister und dieser untote Absolvent nicht das Ergebnis einer geschädigten Psyche sind, der Kontakt zu sowas kann deinen Sinn für das, was die meisten für die Realität halten würden, auf jeden Fall schädigen. Und dass du gesehen hast, wie jemand von einem lebendig gewordenem Drachen-Monster getötet wurde, ist sicher auch nicht gut für die mentale Gesundheit, weißt du?

„Ja, ich verstehe, was du meinst.“

Mayla bereute es in diesem Moment ein wenig Daniel so viel erzählt zu haben, auch wenn sie den für sie belastendensten Teil, die gefährlichen Donnerklang-Monster und Erins ältere Doppelgängerin, bewusst abgeändert hatte.

Die Gesprächsatmosphäre zwischen den beiden war ziemlich ernst geworden und Daniel, der Mayla aufmuntern wollte, wechselte schnell das Thema.

„Hey, du hast doch heute auch mitbekommen, wie Carlos von Frau Mentzel Ärger für seine nicht gemachten Hausaufgaben bekommen hat und Tim dran genommen und für seine gute Arbeit gelobt wurde? Ungelogen, vorgestern stand Tim bettelnd vor unserer Zimmertür und hat herumgejammert, wie schwer Fusionslehre wäre und dass er nachsitzen müsse, wenn er die Aufgaben wieder nicht hinbekäme. Irgendwann hat Carlos dann Mitleid mit ihm bekommen und ihn abschreiben lassen.

Weil der faule Sack aber nie pünktlich aus dem Bett kommt, hat Carlos heute morgen in der Hektik einfach seine Hausaufgaben liegen lassen.“

„Ohje, da hat er sich bestimmt mächtig über sich selbst geärgert, wenn er schon alles richtig macht und dann einfach nur vergisst seine Hausaufgaben mitzunehmen. Wenn Fiona das passiert ist, war sie den ganzen restlichen Tag immer ziemlich mies drauf.“

Daniel wunderte sich kurz darüber, dass Mayla sich nach ihrer letzten Konfrontation so wohlwollend an die guten Zeiten mit Fiona erinnerte.

Ein Teil von ihr hing definitiv noch an ihren ehemaligen Mitbewohnerinnen, da war er sich sicher.

Ein gutes Zeichen, was seinen Plan anging.

„Hehe, es kommt noch besser. Denn eigentlich nervt Carlos sonst immer Ahmad oder mich, bis wir ihn abschreiben lassen, weil er von Fusionslehre nicht richtig versteht. Aber seit wir mit dem Thema Kontaktfusion angefangen haben, macht der seine Hausaufgaben selbst und prahlt immer damit, wie gut er dem Unterricht folgen könne.“

Nun hatte es Daniel geschafft Mayla zum Lachen zu bringen.

„Wie sagt man? „Hochmut kommt vor dem Fall“ ?“

„Tja, was meine Zimmergenossen angeht, stimmt das wohl. Aber weißt du was? Wenn ich diesmal den Aufstieg schaffe, werde ich es vielleicht hin und wieder vermissen, mit ihm zusammen zu wohnen.“

Mayla drückte nun kurz seine Hand, sodass sie seine Aufmerksamkeit gewann und sich beide kurz in die Augen sahen.

Er war auch besser geworden, viel besser.

In den letzten Wochen war Daniel Maylas häufigster Gegner geworden.

Und auch, wenn sie inzwischen alle Duelle gewann, gelang es ihm hin und wieder solide Gegenwehr zu leisten, insbesondere, da ja nun wieder sein Alpha die Eisenmähne in seinem Deck war.

„So, fast da.“

Beide waren nun am Strand am südlichen Inselende angekommen.

Einige Schülerinnen und Schüler lagen dösend im Sand oder spielten im durch die strahlende Sonne glitzernden Wasser.

Das Wellenrauschen ging in der Geräuschkulisse der sich vergnügenden Jugendlichen unter.

Niemand hier schien besonders auf die zwei zu achten.

Mayla spürte, wie Daniels Hand nun plötzlich sanft ihren Hinterkopf streichelte und ehe sie sich versehen konnte, hatte er seine Lippen auf ihre gepresst.

Sie hatte sich ein wenig erschrocken, doch presste sich mit beiden Armen hinter ihm verschlungen fest an Daniel und erwiderte den Kuss.

Sie hatten sich zwar schon einige Male geküsst, aber es war jedes Mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis für sie.

„Überraschung“, sagte er lächelnd, als er sich von ihr gelöst hatte.

„Das war aber eine schöne Überraschung. Davon darf es in Zukunft gerne mehr geben.“

„Hmm...“

Er druckste ein wenig herum.

„Also, das war jetzt eigentlich nur eine spontane Idee, um dich in gute Laune zu bringen. Die eigentliche Überraschung wartet im Wasser auf uns und ich bin mir nicht sicher, ob sie dir gefallen wird.“

„Ähm, Daniel, ich habe gar keine Badesachen untergezogen oder überhaupt ausgeliehen. Du weißt doch, dass ich nie schwimmen gelernt habe.“

Eilig schüttelte er den Kopf.

„Nein, so meinte ich das nicht. Warte kurz...“

Er joggte bis an das andere Ende des Strands und begann zu rufen: „Hey! Erin! Jang!, kommt raus!“

Mayla dachte kurz, sie hätte sich über die Ferne verhört.

Erin? Was macht sie denn hier?

Augenblicklich drehten sich zwei Mädchen in ihren ragelben Schwimmanzügen zu Daniel um.

Mayla machte einige Schritte in Richtung Meer und presste die Augen zusammen.

Das lange, blonde Mädchen war tatsächlich Erin, das erkannte sie, als sie mit ihrer etwas kleineren, asiatisch aussehenden Freundin zusammen langsam aus dem Wasser watete.

Mayla hatte sie ohne ihre Brille so schnell gar nicht erkannt.

Erin und Jiang kamen schließlich aus dem Wasser, gingen dann zuerst zu ihrer Stranddecke, sodass sich die Mädchen zuerst grob abtrocknen konnten und Erin sich ihre Brille wieder aufsetzen konnte.

Danach gingen beide hinter Daniel auf die wenig begeistert wirkende Mayla zu.

„Daniel! Warum belügst du mich und bringst mich dazu Erin zu sehen? Ich will nichts mehr mit ihr zu tun haben!“, schrie sie aufgebracht.

Sie hatte sich darauf gefreut etwas Zeit alleine mit ihrem Freund zu verbringen.

Stattdessen holte er ohne ihr Einverständnis nun die eine Mitschülerin dazu, mit der Mayla am wenigsten zu tun haben wollte.

Erin zwang sich dazu Mayla freundlich anzulächeln, auch wenn ihr ihre ablehnende Art sehr weh tat.

„Hey...Ich...möchte das zwischen uns Dreien wieder in Ordnung bringen. Ich weiß, dass ich mich gegenüber Fiona echt dumm benommen habe und ich habe mich schon bei ihr...-“

„Du hast dich bei ihr entschuldigt, das hat sie mir schon selbst erzählt! Aber das hat nichts damit zu tun, dass WIR keine Freundinnen mehr sind! Lass mich bitte einfach in Ruhe!“

Sie blickte Erin bei diesen harschen Worten noch nicht einmal in die Augen.

Maylas wütende Reaktion auf das Wiedersehen zwang Erin eine große Menge Selbstbeherrschung ab.

Sie konnte sich nicht daran erinnern ihre alte Freundin jemals so zornig erlebt zu haben

„Mayla, beruhig dich doch, bitte“, sagte Daniel ruhig und versuchte vorsichtig über ihre Schulter zu streicheln.

Sie schlug seine Hand unerwartet schroff beiseite.

„Fass mich nicht an!“, fauchte sie.

„Lass seine Wut nicht an Daniel aus. Das ist ungerecht und er...wir wollen dir nur helfen“, protestierte nun Erin, bemüht nicht selbst laut zu werden.

„Lasst mich raten, ihr habt euch mit Fiona abgesprochen und versucht nun auch mir das Duell gegen Aland Kaya auszureden! So ist es doch, oder?!“

„Ich habe mich genau einmal mit Fiona getroffen und das ist schon wieder mehrere Wochen her. Habt ihr euch persönlich getroffen?“

Daniel gab Erin mit einem bösen Blick zu verstehen, dass das in diesem Moment keine gute Frage war.

„Diese fiese Aktion von ihr vergesse ich so schnell nicht! Sie hat mich vorletzte Woche nach dem Unterricht bis zur Sliferunterkunft verfolgt, nur um mir dann ins Gesicht zu sagen, dass ich ja gar keine Chance hätte und ich geisteskrank sei! Vor meinen Freunden, Erin! Weißt du was ihre Worte waren?! „SELBST ICH war machtlos gegenüber Chris und dey ist ja noch viel schwächer als der König“ !“, sie blickte nun doch einmal kurz auf, um Erin für einen kurzen Moment anzusehen, „Du hattest damals wohl Recht gehabt: Sie ist echt arrogant geworden seit sie sich nur noch mit Obelisken umgibt!“

Erin stöhnte.

Es war zum Haare raufen.

Diese ungeschickte Formulierung klang leider nur zu sehr nach Fiona.

Einfühlsame Worte zu wählen, war noch nie ihre Stärke gewesen, auch wenn sie es sicher nur gut meinte.

Aber das Mayla jetzt zu erklären, war wohl aussichtslos, auch wenn sie Fiona eigentlich genauso gut kennen sollte.

„Wenn eure „Hilfe“ darin besteht mir immer wieder zu erzählen, was ich angeblich alles nicht kann und wie viel besser du bist als ich, dann kann ich darauf verzichten!“

Mayla drehte sich augenblicklich um, um zu ihrer Unterkunft zurückzukehren, doch Daniel rief ihr etwas hinterher, was sie schließlich dazu bewegte stehen zu bleiben.

„Wenn du wirklich kämpfen willst und ich meine wirklich für DICH, nicht für die anderen Slifer, dann stehe ich hinter dir!“

Mayla drehte sich wieder zu Daniel herum und es schien, als hätte sie sich ein wenig abreagiert.

„Und wenn du kämpfen willst, dann möchte ich, dass du bis zu dem Duell zumindest mit ein paar starken Spielerinnen trainierst. Ein Sparring mit Erin und Jang bringt dir auf jeden Fall mehr, als immer nur gegen mich zu gewinnen.“

„Ich kämpfe. Gegen den Obeliskenkönig. Für mich. Weil mir die anderen am Herzen liegen und es MICH stört, wenn sie ungerecht behandelt werden!“, entgegnete sie ihrem Freund entschlossen.

„Ähm..also mein Name spricht sich eigentlich „Jiang““, korrigierte das Ra-Mädchen kleinlaut.

Jiang fühlte sich angesichts des recht persönlichen und explosiven Streits ein wenig fehl am Platz, ist aber Erin zu liebe geblieben.

Sie war ja auch irgendwo selbst schuld, schließlich hatte sie diesmal darauf bestanden Erin moralisch zu unterstützen.

Mayla atmete einmal tief ein und aus.

„Entschuldigung, dass du so doof in unseren Konflikt reingezogen wurdest...Ji-ang? Ich bin Mayla, es ist schön dich kennen zu lernen“, sagte sie mit einem höflichen Lächeln.

„Ich freue mich auch dich kennenzulernen. Ich habe sehr viel Positives über dich von Erin gehört und es wäre mir eine Freude, dir bei der Vorbereitung zu helfen.“

Mayla lächelte sie an.

„Gut, wenn du und Daniel das so wollt, dann übe ich gerne mit dir. Ich bin schon gespannt auf dein Deck.“

Dann wandte sich Mayla Erin zu.

„Jetzt geh doch endlich. Ich will dich einfach nicht mehr sehen!“

Das tat weh.

Erin hatte bis eben zumindest kurz die Hoffnung, dass Erin sich ebenfalls mit ihr duellieren könnte, so wie früher.

„Was ist bloß passiert, Mayla? Ich...verstehe dich nicht.“

„Jo, voll whack, die Erin! Jetzt macht sie dir noch endkrass auf schlechtes Gewissen!“, kommentierte Robot-Rochen.

„Und ihre Donnerklang-Monster sind gefährlich und können im Duell echte Verletzungen verursachen. Denk mal daran zurück, wie oft ihr euch duelliert habt! Ein Wunder, dass du noch lebst!“, sagte Disko-Delfin mit ernster Stimme.

„Du hast gesehen, was einmal aus ihr werden wird: Eine böse KI, die unschuldige Jugendliche hinrichtet, du darfst ihr nicht trauen!“, fügte letztlich noch Tango-Tintenfisch hinzu.

„Haltet den Mund“, antwortete Mayla den Geistern gereizt und dabei auch deutlich zu laut.

Ihre Duellgeister hatten in ihren Augen nicht das Recht so schlecht über eine Freundin herzuziehen, auch wenn es nur eine ehemalige Freundin war.

HalTET den Mund?

Da stimmte was nicht, sie schien sich zumindest gegenüber Daniel beruhigt zu haben und zu Jiang war sie auch freundlich.

Erin senkte den Kopf und sah Mayla, die eigentlich Blickkontakt vermeiden wollte, direkt in die Augen.

„Du hörst wieder Stimmen, habe ich Recht? Sie sind es, die den Mund halten sollen, oder? Sind es wieder Geister, die wollen, dass du irgendwo hingehst?“

Mayla schwieg und überlegte.

Sie zog kurz in Betracht, zu erzählen, mit welchen Karten Benjamin wirklich getötet wurde und dass die künstliche Frau aus dem Gewölbe sehr auffällige Ähnlichkeit mit Erin hatte.

Aber was würde Daniel dazu sagen, oder Erins Mitbewohnerin?

Jiang würde nach so einer abgefahrenen Geschichte sicher überhaupt nicht mehr mit ihr trainieren wollen.

„Du hältst mich auch für geisteskrank, genau wie Fiona. Was willst du dann noch von mir?“

Darauf wusste Erin auch keine richtige Antwort.

Sie wollte, dass es wieder so wird wie früher, aber das war wohl zur Zeit kaum eine realistische Option.

Erin gab an dieser Stelle auf.

Eine Versöhnung mit Mayla schien aussichtslos und sie wusste inzwischen nicht einmal, wieso sie einen solchen Groll gegen sie hegte.

Aber immerhin wollte Mayla sich ordentlich auf das Jahresabschlussduell vorbereiten und hatte Daniel und nun auch Jiang an ihrer Seite.

„Ich will, dass du gesund wirst. Und glücklich“, antwortete sie Mayla traurig, „Ich will meine alte Freundin zurück.“

Mit diesem Satz hob Erin die Hand und winkte Jiang und Daniel kurz zu, um sich zu verabschieden.

„Mayla, wenn du doch noch reden, oder schreiben willst: Du hast meine Nummer. Du müsstest mich nur entblockieren.“

Etwas hilflos schaute Jiang zwischen Erin, Daniel und Mayla hin und her.

„Bleib ruhig, ihr solltet euch ruhig noch besser kennenlernen, bevor es ans Trainingsprogramm geht.“

Erin ging zur Stranddecke, warf sich eilig die Uniform über den noch feuchten Badeanzug und ging alleine zu ihrem Zimmer zurück.
 


 

°°°
 


 

Etwas später an dem Tag, unweit von der Ra-Yellow-Unterkunft fand auch schon das erste Duell zwischen Jiang und Mayla statt und es sollte das Erste von Vielen sein.

In den kommenden Wochen verließ Jiang, wenn sie mit Erin zusammen die Hausaufgaben erledigt und gemeinsamen für die immer näher rückende Abschlussprüfung gelernt hatte, das gemeinsame Zimmer, um bis in die Nacht gegen Mayla zu duellieren.

Sie spielten stets relativ nahe der Ra-Unterkunft, um zu verhindern, dass Mayla von ihren Bewunderern aus Slifer-Red allzu sehr abgelenkt werden würde, allerdings außerhalb der Sichtweite von Erin, die nicht willkommen war und deshalb alleine im Doppelzimmer blieb.

Was hatte sie Mayla bloß getan, dass sie die Freundschaft mit ihr komplett aufgegeben hatte?

Sie hätte jedenfalls im Voraus nicht gedacht, dass es einfacher werden würde, sich bei Fiona zu entschuldigen, als mit Mayla wieder Frieden zu schließen.

Aber Erin ließ sich nicht entmutigen.

Alles hatte seine positiven Seiten.

Sie nutzte die einsamen Stunden, indem sie immer und immer weiter lernte, insbesondere für Fallen- und Schnellzaubertaktik, welches aufgrund von Frau Ehrings Härte wohl wieder der schwierigste Teil der schriftlichen Prüfung werden dürfte.

Mayla schlug sich extrem gut, sodass Jiang nur etwa jedes zehnte Spiel für sich entscheiden konnte.

Und inzwischen schrieb Erin zumindest hin und wieder mit Fiona, auch wenn sie noch keinen persönlichen Kontakt wollte.

Inhaltlich ging es meist um den Unterrichtsstoff, aber es war ein Anfang.

Mit der Zeit wurden die Chats ein wenig persönlicher.

Fiona schrieb von ihrem Tag, davon, was sie in der Botanik-AG gemacht hatte und verwendete dabei ihren typischen, bunten Schwall unterschiedlichster Emojis, der Erin stets zumindest zum Schmunzeln brachte.

Fast so wie früher.

Fiona fragte sie nach ihrem Tag, wie es ihr so ging, was Daniel, Jiang und Mayla so machen würden und wie sie sie doch noch vom Plan im Jahresabschlussduell anzutreten, abhalten könnten.

Als Erin ihr einmal in einer mehrminütigen Audio die Situation zwischen ihr und Mayla schilderte, schien Fiona allerdings zu verstehen, dass Erin in dieser Hinsicht machtlos war.

In den letzten Tagen vor der Prüfung war Fiona allerdings schwer zu erreichen.

Erin erinnerte sich gut daran, wie es vor einem halben Jahr gewesen war.

Sie hatte pausenlos gelernt, kaum geschlafen und sich nur noch von Süßkram ernährt, um ihre Lernmarathons durchstehen zu können, gut möglich, dass sie sich wieder so quälen würde.

So lag Erin an dem vorletzten Abend vor der praktischen Abschlussprüfung wieder alleine in ihrem Bett und las sich die heute vervollständigten Lernzettel noch ein letztes Mal vorm Schlafengehen durch.

Inzwischen war es halb zehn, die Sonne war gerade untergegangen.

Plötzlich hörte sie, wie sich die Zimmertür öffnete und eine sichtlich erschöpfte Jiang trat Erin zuwinkend ein.

Erin richtete sich gleich auf und lächelte ihre Freundin an.

„Hey! Da bist du ja! Und, hast du heute zwischendurch auch mal gewonnen?“, fragte Erin, wie sie es schon so oft getan hatte.

„Nur an Erfahrung“, entgegnete Jiang und lachte, „Ihre Merengue-Muschel macht mir ständig die Ausrüstungszauber kaputt und wenn ich dann mal in den Angriff übergehe, kommt sie mir mit ihrem Sprungfederfeld in die Quere. Sie ist echt stark. Und du hast wieder fleißig gelernt?“

Erin lag demonstrativ ihre Notizen aus der Hand und schloss die Augen, bevor sie das heute Gelernte vortrug:

„Für Spielfeldzauberkarten gibt es für jeden Spieler eine eigene Kartenzone, in der keine anderen Zauber oder Fallen platziert werden können. Auf dem Spielfeld kann sich immer nur eine aktive Spielfeldzauberkarte liegen, allerdings kann der Gegenspieler gleichzeitig seinen eigenen Spielfeldzauber setzen. Spielt einer der beiden Spieler eine weitere Spielfeldzauberkarte aus, so wird die aktive Spielfeldzauberkarte durch die Neue ersetzt. Wenn das passiert, zählt das übrigens als „Zerstörung“, was für einige Karten wie „Magiestrafe Schadenersatz“ entscheidend ist“, Erin hielt für einen kurzen Augenblick inne um sich innerlich darüber zu ärgern, dass ihr an der Stelle keine andere Karte als Beispiel eingefallen war und setzte dann fort, „Befindet sich ein aktiver Spielfeldzauber auf dem Spielfeld und ein weiterer Spielfeldzauber wird aktiviert, so kann man die Zerstörung des ersten Spielfeldzaubers verhindern, indem man entweder die Aktivierung des zweiten Spielfeldzaubers annulliert oder an der Aktivierung des neuen Spielfeldzaubers eine Karte wie „Ominöser Zeit-Orkan“ ankettet, die den neuen Spielfeldzauber zerstört, bevor er vollständig ausgelöst wird. Dies ist möglich, da die Zerstörung eines alten Spielfeldzaubers durch einen Neuen nicht als Karteneffekt behandelt wird, sondern als eine Spielmechanik.“

Erin öffnete wieder ihre Augen und grinste breit.

„Tja, jetzt bist du ganz schön beeindruckt was?“

Jiang nickte anerkennend.

„Ich wüsste nichts, was man dem noch zufügen könnte. Was Permanente Zauber und Spielfeldzauberstrategie angeht, brauchst du dir keine Sorgen machen.“

„Und was die anderen Fächer angeht: Mit denen habe ich schon seit Montag abgeschlossen. Inzwischen habe ich jetzt alles wiederholt, was wir seit Beginn des Halbjahres gelernt haben.“

„Das ist sehr gut. Morgen will ich auch nochmal den ganzen Tag zum Lernen nutzen. Bist du sehr nervös?“

„Hmm, offen gesagt...Nein, überhaupt nicht. Ich meine, ich weiß ja, was ich kann und habe ja schon einmal eine Prüfung erfolgreich überstanden. Außerdem wird es diesmal im Praxisteil sehr wahrscheinlich auf ein gewöhnliches Duell hinauslaufen. Soweit ich weiß, gab es noch nie zwei besondere Praxisprüfungen hintereinander.“

„Ja, das verstehe ich. Ich glaube auch, dass die schriftliche Prüfung diesmal etwas leichter werden wird, nachdem sich im letzten Halbjahr so viele darüber beschwert hatten.“

Jiang nahm sich ihren kleinen, klappbaren Schminkspiegel, zwei Wattepads und ein Fläschchen Reinigungsgel aus ihrer beigefarbenen Handtasche, legte sie auf den Schreibtisch und begann sich nebenbei abzuschminken.

„Es wäre witzig, wenn wir gegeneinander antreten müssten, oder Erin?“

„Hehehe, stimmt, das wäre es. Wäre vor allem praktisch, wenn man gegen ein Deck antritt, das man kennt. Leider ist das bei mir nicht sehr wahrscheinlich, habe mich zuletzt nur alle paar Tage mal mit Daniel duelliert, wenn er die Nase voll vom Zugucken hatte. Ich hatte also nicht gerade viele unterschiedliche Gegner.“

Erin stand nun noch einmal auf und stellte sich neugierig hinter Jiang, was ihr allerdings ein wenig unangenehm war.

„Öhm, Erin, was schaust du denn?“

„ Ich möchte dir nur ein wenig zusehen. Ich hatte ja nie eine Mutter oder eine große Schwester, die mir zeigt, wie man mit Foundation und Make-Up und so vernünftig umgeht und ich würde mich gerne mal selbst etwas aufhübschen können.“

„Was ist mit deinen alten Mitbewohnerinnen? Haben Mayla und diese Fiona dir das nie gezeigt?“

„Nein. Mayla ist ja ein Waisenkind, sie hat also wohl das gleiche Problem wie ich und Fiona...sie ist glaube ich echt gar nicht der Typ für sowas.“

Jiang war nun fertig und warf die benutzten Wattepads in den Mülleimer unter dem Schreibtisch, bevor sie sich zu Erin umdrehte.

„Hmm...weißt du was? Ich schreibe dir morgen mal eine Liste an Kosmetikartikeln, die du dir über die Ferien besorgen kannst. Dann gebe ich dir gerne im nächsten Jahr ein Schminktutorial.

Erin lächelte erfreut.

„Du bist die Beste!“

Wie geplant, nutzten die Mädchen den ganzen nächsten Tag zur Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung, die sechsstündige Klausur, in der Wissen aus allen Unterrichtsfächern exklusive dem Sportunterricht abgefragt wurde.

Zwar war die schriftliche Prüfung erst am Montag, sodass sie noch den restlichen Freitag und ein komplettes Wochenende Zeit zum Lernen hatten, aber Erin wollte, nachdem sie letztes Mal sehr viel schlechter in der schriftlichen als in der praktischen Prüfung abgeschnitten hatte, sich mehr auf die Theorie vorbereiten.

Außerdem war einiges aus dem Unterricht davon unerwartet relevant für sie geworden, denn sie hatte nie einen Spielfeldzauber genutzt, bis ihr Kevin die Gewittersturmfestung Amperia von ihrer angeblichen, heimlichen Freundin weitergereicht hatte.

Und Erin war sich bis vor Kurzem nicht ganz sicher, was passieren würde, wenn sie gegen jemanden antritt, der ebenfalls Spielfeldzauber verwendet.

Was Jiang anging, so hatte sie von der ständigen Duelliererei sowieso langsam genug und auch, wenn sie an sich keine schlechte Verliererin war, hatten sie ihre vielen Niederlagen gegen die Sliferkönigin doch ein wenig entmutigt.

Deshalb war ein Tag, an dem sie mal nicht spielen musste, sehr erholsam, auch wenn sie stattdessen in der Zeit paukte.

Am Donnerstagabend gingen beide Mädchen früh ins Bett, um am kommenden Morgen möglichst topfit zu sein und Erin hatte immerhin so gut geschlafen, wie es ihr in den etwas zu warmen Sommernächten möglich war.

Pünktlich um 10 Uhr hatten sie sich, zusammen mit allen anderen Ra-Yellow-Schülerinnen und Schülern am Stadioneingang eingefunden.

Erin war erstaunt darüber, wie wenig Gedanken sie sich eigentlich um die Prüfung machte, insbesondere wenn sie sich daran erinnerte, wie nervös sie zu ihrer Aufnahmeprüfung oder der Halbjahresprüfung war.

Aber inzwischen war ihr das gesamte Prozedere der praktischen Prüfungen gut vertraut und sie vertraute ihrem Deck und den Fähigkeiten, die sie im letzten Schuljahr erworben und verbessert hatte bedingungslos.

Jiang und Erin holten sich von dem am Monitor sitzenden und gelangweilt wirkenden Obelisken aus dem dritten Jahrgang ihre Prüfungsnummern ab und konnten ab dann nur noch in der etwa halbvollen Prüfungshalle abwarten.

Es waren fast nur Mitschüler in gelben Uniformen zu sehen, sodass die nebeneinander am Rand stehenden Mayla und den auf den Füßen wippenden Daniel durch ihre rote Uniformen sofort auffielen, insbesondere, da Mayla zusätzlich den roten Königinnenmantel trug.

Daniel winkte den beiden zu.

„Lass uns mal bitte kurz zu ihnen rüber gehen. Nur zum Hallo-sagen und um den beiden viel Glück zu wünschen“, bat Jiang.

Erin hatte mit der Bitte von ihrer Freundin bereits gerechnet und nickte ihr zur Bestätigung stumm zu, auch wenn sie gerade überhaupt nicht in der Stimmung war, erneut von Mayla die kalte Schulter gezeigt zu bekommen.

„Hey! Schön euch zu sehen! Und, schon aufgeregt?“, fragte Daniel, als die beiden Mädchen bei ihm und Mayla angekommen waren.

„Nein, inzwischen hatten wir ja schon ein paar Prüfungen und ich wurde ja von einem echten Duellprofi trainiert“, antwortete Jiang fröhlich.

Mayla verbeugte sich ein wenig nach diesem Kompliment.

„Danke dir, dass du immer wieder mit mir gespielt hast. Leider mögen mich die meisten Ras nicht besonders, von den Obelisken ganz zu schweigen, deshalb war ich auf deine Hilfe angewiesen. Ich hoffe, du bist mir nicht böse, weil ich mich nicht zurückgehalten habe.“

„Ach nein, das solltest du ja auch nicht. Außerdem hat Erin auch immer mit aller Kraft duelliert, wenn wir zusammen gespielt haben. Ich kenne das kaum noch anders.“

Die beiden Mädchen lachten.

Erin, die Blickkontakt mit Mayla vermied, sprach nun Daniel an: „Du wirkst aber schon ganz schön angespannt. Du kannst ja kaum ruhig an der Stelle stehen.“

„Klar bin ich angespannt! Ich weiß gar nicht, wie ihr das schafft so ruhig zu bleiben. Ich meine, ihr zwei wollt doch bestimmt auch aufsteigen, oder?“

„Natürlich wollen wir aufsteigen! So hart, wie wir gelernt haben, da wäre der Frau Ehring sicher das Herz aufgegangen...falls sie sowas hat“, scherzte Erin.

Daniel lachte und auch Mayla musste bei dem Spruch ein wenig kichern, während Jiang die Augen verdrehte.

Síe mochte es nicht besonders, wenn Erin über die Lehrer herzog, auch wenn sie Erins Frust gegenüber der Frau, den sie mit vielen anderen Schülern teilte, gut nachvollziehen konnte.

„Ist auf jeden Fall echt aufregend. Alle anderen Slifer spielen noch oder sind bereits fertig. Hoffentlich geht’s für mich in der nächsten Runde los!“, sagte Daniel weiter.

„Du spielst in der nächsten Runde, da bin ich mir sicher“, sagte Mayla zu ihm und zeigte auf den Monitor.

Auf dem breiten Bildschirm in der Halle standen nebeneinander Zahlenpaare, die die Paarungen für die Praxisprüfung der aktuellen Runde symbolisierten.

Es war Runde Vier und alle Prüfungsnummern begannen mit der 4.

„Das ist vom Zahlensystem so wie in der Halbjahresprüfung. Die erste Ziffer sagt dir die Runde, die zweite und dritte sagt die Plattform und die 01 oder 02 am Ende der Nummer verrät, auf welcher Seite der Plattform du dich begeben sollst. Du hast die Nummer 5-12-02. Bitte sag mir nicht, dass du das in den letzten drei Runden nicht verstanden hast“, erklärte Mayla ihrem Freund.

„Sorry, wurde leider zu sehr von meiner bezaubernden Königin abgelenkt.“

Daniel überspielte seine Scham über diese kleine Dummheit durch einen schnellen Kuss auf Maylas Wange.

Erin, die erst vor einigen Minuten mit Jiang zusammen ihre Nummer abgeholt und sich noch keine Gedanken über das genaue Paarungssystem gemacht hatte, guckte sofort auf ihre eigene Nummer.

8-17-02.

„Lustig, wenn ich mich recht erinnere, war mein Probeduell damals auch auf der Nummer 17, also zumindest hätte ich damals dort spielen sollen“, erinnerte sie sich in ihren Gedanken.

„Ich spiele ebenfalls in Runde 5, allerdings an Plattform 6“, sagte Jiang zu Daniel.

„Schade, hatte gehofft, mal gegen dich antreten zu können. Ich meine, ich muss ja anscheinend sowieso gegen einen Ra duellieren.“

„Hey, Daniel“, sprach Erin den Jungen an, „Hier werden die Zulosungen wohl wieder mittels des GY-Scores entschieden, genau wie vor nem halben Jahr. Dann bedeutet das ja, dass du nach Mayla der zweitstärkste Slifer des Jahrgangs bist!“

„Wenns gut läuft, bin ich das aber nicht mehr lange. Ich habe mich zu sehr angestrengt, um noch länger rot zu tragen.“

Jiang kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf.

„Ich muss den Prüfern dann beweisen, dass ich nicht zu den schwächsten Ras gehöre. Die Duelle mit Mayla haben zwar Spaß gemacht, aber haben mich wohl ein paar Punkte gekostet.“

„Tut mir echt Leid“, entschuldigte sich Mayla aufrichtig, doch Jiang winkte lächelnd ab.

„Es ist alles in Ordnung, so wichtig ist mir die Punktzahl nicht.“

Die gemeinsame Unterhaltung wurde von der Durchsage über die Schulsprechanlage unterbrochen.

“Runde 4 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 5 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“

„Ähm...Das ist dann unser Stichwort, oder Jiang? Ich wünsche dir viel Erfolg!“

„Dankeschön. Ich wünsche dir auch viel Erfolg. Du wirst bestimmt gewinnen.“

Erin verabschiedete sich von Jiang und Daniel mit zwei kurzen Umarmungen und von Mayla gab es eine Umarmung für Jiang und einen Kuss für Daniel.

„Lasst ein bisschen was von euren Gegnern übrig, ja? Besonders du, Daniel, nicht, dass du dich von Anfang an unbeliebt bei den Ras machst!“

„Haha! Ich verspreche nichts!“, erwiderte der Junge überzogen selbstsicher.

„Ich drücke euch auch ganz fest die Daumen, habt viel Glück und Erfolg“, fügte Mayla hinzu.

Daniel und Jiang betraten gemeinsam das Stadioninnere und ließen Mayla und Erin hinter sich zurück.

Erin blickte kurz zu Mayla, die nun auf ihr Handy schaute.

Sollte sie etwas sagen?

Einfach an das andere Ende des Raumes zu gehen, wäre auch komisch...Oder?

Die Mädchen schwiegen und würdigten sich keines Blickes.

Erin ärgerte sich darüber, dass es nicht gestattet war den Mitschülern der anderen Runden bei deren Prüfungsduellen zuzusehen und holte selbst ihr Handy aus der Hosentasche.

Sie kannte ihren eigenen GY-Score, der lag bei etwa 1520, aber die anderen Zahlen hatte sie nicht auf dem Schirm und sie war nun neugierig geworden.

Sie meldete sich auf dem Schulportal an und begann zuerst nach Jiang zu suchen.

Jiang Chunlan: GY-Score: 1323, Platzierung Jahrgang/Haus: 203.

„Autsch, damit musste Jiang tatsächlich das Schlusslicht der Ras des ersten Jahrgangs sein“, dachte sich Erin still und machte mit Daniel weiter.

Daniel Schmitt: GY-Score: 1323, Platzierung Jahrgang/Haus: 2.

Ulkig, beide hatten zufällig den exakt gleichen GY-Score und traten trotzdem nicht gegeneinander an.

Erin überlegte.

Die Paarung hing wohl nicht komplett vom Score ab.

Irgendwie ist das auch logisch, so wollte der Akademiestab verhindern, dass man im Voraus den eigenen Gegner kennt und sich auf ein bestimmtes Deck vorbereiten kann.

Sie musste nun spontan an ihr zweites Duell gegen Kevin denken, als er gegen sie mit einem von Maxim zusammengestellten Anti-Donnerklang-Deck gespielt hatte.

Erin war nun gespannt auf Maylas Score und riss nach einer kurzen Suche sofort schockiert die Augen auf.

Mayla Deniz: GY-Score: 1790, Platzierung Jahrgang/Haus: 1.

Mayla stöhnte leise und setzte sich mit dem Rücken an die Wand gelehnt auf den Boden.

Erin konnte das nun gut nachvollziehen.

Als Slifer musste Mayla wie alle anderen bereits um 9.00 Uhr in der Halle anwesend sein, aber mit einem derart hohen Score würde sie stundenlang auf ihr Duell warten müssen.

Wie ist ihre Zahl so hoch geworden?

Sie schaute auf Maylas Duellhistorie und rechnete grob zusammen, dass Mayla alleine Jiang etwa 130 bis 150 Punkte durch die Duelle der letzten Wochen abgenommen hatte.

Erin änderte die Suchoptionen und betrachtete nun die Liste der stärksten Duellanten des ersten Jahrgangs über alle Häuser.

Mayla war mit ihren knapp 1800 Punkten weitaus stärker als jeder andere Slifer- oder Ra-Schüler und auch stärker als fast alle Neulinge aus dem Haus Obelisk Blue.

Nach aufwendigem Gescrolle fand sie schließlich in der gegen Ende ausschließlich blauen Liste Mayla in rot hinterlegt.

Mayla Deniz: GY-Score: 1790, Platzierung Jahrgang: 5.

Erin scrollte noch ein Stückchen weiter.

Über ihr erwartungsgemäß nur drei Obeliskinnen und Obelisken von denen sie noch nie gehört hatte und auf Platz 1 Chris Lutherford mit einem Score von 1866.

Fiona hatte Erin das Duell mit Chris beschrieben und Erin drückte Mayla die Daumen, dass sie vor ihrem Duell gegen den König zumindest jetzt einen etwas leichteren Gegner bekommen würde.

Erneut ertönte die Durchsage: “Runde 5 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 6 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“

Die Eingangshalle leerte sich weiter, nur etwa die Hälfte der Ra-Yellow Schüler blieben jetzt noch übrig.

Die automatische Durchsage ging Erin auf den Keks, aber sie würde sie wohl blöderweise noch zweimal ertragen müssen.

Es war 10:21, sie wartete also erst etwa 15 Minuten alleine neben Mayla.

Es kam ihr deutlich länger vor.

Dann kam eine Textnachricht von Jiang.

Wie es bei ihrem eigentlich zu niedrig liegendem Score zu erwarten war, hatte sie ihre Gegnerin mühelos besiegen können und Jiang schrieb, dass Daniel sich genauso gut geschlagen hatte.

In der Halbjahresprüfung kam es zwischen den Runden zu einem Chaos, weil zu viele Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Runden das Stadion gleichzeitig betreten und verlassen wollten, deshalb hatte man dieses Mal beschlossen genau hier den Eingang zu legen und als Ausgang die andere Seite des Stadions zu nutzen.

Außerdem sollte, um unnötiges Gedränge zu vermeiden, jeder, der das eigene Duell beendet hat, nicht mehr die Eingangshalle betreten.

So hatte es zumindest der Direktor selbst in der letzten Unterrichtsstunde erklärt.

Wäre auch zu schön gewesen, wenn Jiang oder Daniel sie vor dem peinlichen Geschweige mit Mayla hätten retten können.

Erin schrieb noch eine Weile mit Jiang und ließ sich den Duellverlauf beschreiben.

Jiang war wegen des aggressiven Stils ihres Decks und einer wie sie zugab glücklichen Starthand wohl sehr schnell fertig geworden und konnte auch zu Daniels Duell einiges schreiben.

Sie blickte auf die noch auf dem Boden sitzende Mayla, die ebenfalls mit jemandem schrieb.

Höchstwahrscheinlich mit Daniel, der nun gute Chancen auf den Aufstieg zu Ra-Yellow hatte.

Damals hatten sich alle vier nichts mehr gewünscht, als alle zusammen zu Ra-Yellow-Schülern zu werden.

Erin musste plötzlich an Fiona denken.

Die Obelisk-Blues sollten in etwa einer halben Stunde eintreffen.

Ob sie wohl auch lange warten müsste?

Sie suchte nach ihr im Schulportal.

Fiona Lena Scholte: GY-Score: 1445, Platzierung Jahrgang: 238.

„Das war ein klares Nein“, dachte sich Erin, „Aber zu ihrer Verteidigung: Sie hatte sich, ganz im Gegensatz zu Mayla, noch nie viel duelliert, also ist sie vermutlich mit diesem Score stark underrated.“

Jiang hatte Erin soeben geschrieben, dass sie wieder an der Unterkunft angekommen war und ihr Handy zum Lernen nun ausschalten würde.

Na klasse.

Sie wusste nicht mehr, wessen GY-Score sie noch suchen konnte und ihre einzige andere Ablenkung verabschiedete sich nun ebenfalls.

Sie schaute noch ein letztes Mal auf die Uhrzeit, bevor sie ihr Handy wegsteckte.

10:35.

Das Stehen war anstrengend geworden und sie wollte ganz sicher nicht noch mehr Zeit mit blödem Rumgeschweige verbingen, wenn wenige Meter weiter sich andere Ras lebhaft austauschten.

Als sie gehen wollte, wurde sie auf unerwartete Weise unterbrochen.

„Bitte lass mich nicht allein.“

Wie war das?

“Runde 6 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 7 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“

Erin würde im Moment am liebsten jeden Lautsprecher im Stadion auf einmal zertrümmern.

Sie sah zu Mayla herab, die immer noch zu schreiben schien, so, als ob sie nichts gesagt hätte. Sie setzte sich nun ebenfalls.

„Danke Erin.“

Erin starrte das Mädchen an.

„Sie hatte sich das also doch nicht eingebildet!“

„Wenn du mir was sagen willst, dann sag es einfach, aber guck mich dabei wenigstens vernünftig an.“

Mayla steckte ebenfalls ihr Handy ein.

Sie winkelte die Beine an und legte ihre Arme auf die Knie.

„Das kann ich aber einfach nicht, Erin. Ich... kann dich nicht ansehen und das tut mir Leid, weil du mich genauso wie Jiang und Daniel und wahrscheinlich auch Fiona einfach unterstützen wolltest, aber...-“

„Bin ich sooooo hässlich? Aua, mein Ego!“, alberte Erin.

Mayla lachte.

„Du weißt, dass ich es nicht so meine. Es ist... kompliziert.“

„Erklärs mir.“

„Hmm...Glaubst du an Geister?“

„Nein.“

„Dann weiß ich nicht, wie ich dir mein Problem mit dir erklären soll“, antwortete Mayla traurig.

„Tu es einfach. Auch wenn ich dir deine Geistergeschichte am Ende nicht abnehmen werde, ich will zumindest versuchen zu verstehen, was in dir vorgeht.“

Mayla schwieg für einen Moment.

„Ich erzähls dir. Aber ich will bitte keine Unterbrechungen und kein Wort über Schulpsychologen oder sonstige Ratschläge von dir hören. Für mich ist alles, was ich dir erzählen werde real.“

Sie wartete auf Erins Antwort.

„Klar.“

Mayla schwieg wieder und überlegte, bevor sie zu erzählen begann:

„In der Nacht, als du mit Daniel und mir zur Ostküste gegangen bist, nachdem du mich davor gerettet hast, blind ins Meer zu stürzen...da...habe ich mich duelliert. Mit einem toten Absolventen der Akademie, er hieß... Benjamin und zählte letztes Jahr zu den Topabsolventen. Wir waren in einem unterirdischem Gewölbe, dass sich wohl unterhalb der Akademie befindet...“, Mayla stockte, das war bisher alles was sie Erin erzählt hatte und sie war sich nun doch nicht mehr sicher, ob sie weiterreden sollte.

Sie wandte ihren Blick Erin zu, schaute dann wieder auf den Boden vor sich und gab sich dann einen Ruck.

„Während des Duells hatten wir beide so eine Art von Visionen. Alte Erinnerungen an die Zeit vor seinem Tod. Benjamin wurde vom Direktor gebeten in dieses Gewölbe zu gehen, damit er eine böse KI in Form einer Frau in einem Duell besiegt und sie so deaktiviert. Benjamin hat eingewilligt. Die Frau, also das Hologramm, das von der KI erzeugt wurde sah dir sehr ähnlich.

Gleiche Gesichtszüge, Lippen, Haarfarbe und Augen. Sie war ebenfalls recht groß für eine Frau, so wie du. Sie sah eben so aus, wie du eben in 15 oder 20 Jahren aussehen könntest, Erin.

Dann haben sie sich duelliert, das Hologramm der Frau und Benjamin, also...äh...der Erinnerungs-Benjamin, als er noch gelebt hatte.

Die Frau hat solche viel zu starken Zauberkarten benutzt, mit der sie das Startblatt von Benjamin zerstören konnte, bevor er überhaupt seinen ersten Zug machen konnte. Danach...spielte sie...Donnerklang-Monster. Die gleichen Karten wie du. Und Donnerklang-Kriegerin hat Benjamin mit ihrem Schwert aufgeschlitzt. Und dann... hat die Kriegerin ihn bei einem zweiten Angriff mit dem Schwert... durchstoßen und er ist annähernd tot in seiner eigenen Blutlache gelandet. Als er das Duell verloren hatte, kamen solche grünen Blitze und haben ihn...dann endgültig...Tja. Benjamins Mörderin sah dir sehr ähnlich und sie hat deine Karten benutzt. Deswegen... will ich dich nicht sehen.“

Erin hatte sie die ganze Erzählung über gebannt angesehen, auch wenn Mayla den Blickkontakt nicht erwiderte.

Sie dachte, dass Mayla alles erzählt hatte, als sie plötzlich weitererzählte: „Als wir vier uns dann später am Strand getroffen haben, nach dem Streit zwischen dir und Fiona und mir, da hattest du mich gefragt, ob ich wieder Stimmen höre... Seit der Nacht, in der ich dieses Duell mit Benjamin hatte, da höre ich die Stimmen meiner Duellgeister, die von Tango-Tintenfisch, die von Disko-Delfin, eben von allen Wassertänzer-Monstern...Also eigentlich habe ich so schon früher gehört, aber erst da habe ich begriffen, wer die Stimmen sind. Seitdem reden sie ständig mit mir. Sie reden wenn ich schlafe, esse, mich duelliere oder sonst etwas tue. Sie...sind nicht böse, aber sie haben Angst vor dir. Sich warnen mich vor dir, Erin...Tatsächlich flehen sie mich in diesem Moment an, dass ich dir nicht vertrauen dürfe, weil du sonst auch mich töten könntest, aber ich weiß, dass sie falsch liegen. Weil du ein guter Mensch bist. Du könntest niemals zu so einem bösen Wesen werden, dass finstere Karten benutzt, um andere im Duell zu verletzen oder sogar umzubringen und ich vermisse dich... Ich vermisse es einfach nur Spaß mit dir zu haben. Du bist mir so wichtig. Aber...ich kann dich nicht ansehen.“

Sie schien fertig zu sein und Erin hatte erstmal eine Menge zu verdauen.

„Mit der Story kommst du mir vor der Prüfung?“

„Es tut mir Leid. Ich...es tut mir Leid.“

Was sollte sie sagen?

Mayla hatte ihr verboten mit Ratschlägen oder dem Vorschlag psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen zu kommen, also musste sie nun aufpassen, was sie ihr antwortete.

„Ich vermisse dich auch.“

Erin nahm ihre Hand.

„Du willst immer noch gegen Aland antreten? Du weißt, dass du das nicht tun musst.“

„Doch, das muss ich. Weil...alles falsch ist. Die Blaue Ehre ist falsch, der König ist falsch, Schrainmann ist falsch, die ganze Insel ist falsch. Wenn ich die Fähigkeit habe, irgendwas zu verändern, dann muss ich sie auch nutzen. Sobald ich die Königin der Schülerschaft bin, werde ich meine Position nutzen, um Schrainmann mit der gesamten Schülerschaft an meiner Seite zur Rede zu stellen. Ich muss wissen, was genau hier los ist.“

„Es ist nicht deine Aufgabe, die Welt zu verbessern. Lass einfach die nächtlichen Ausflüge weg, hol dir ein neues Deck, das NICHT redet und...-“

„Du beratschlagst mich gerade.“

„Sorry, hast Recht.“

„ich weiß, dass ich die Möglichkeit hätte, alles zu ignorieren und mit der Zeit zu vergessen. Aber ich kann nicht einfach den leichten Weg gehen, wenn ich die Macht habe, Dinge zu verändern.“

Erin lachte gequält.

„Hab ich was Lustiges gesagt?“

„Nur die Formulierung. Das mit dem leichten Weg hatte Fiona mir auch gesagt. Sie würde nicht den leichten Weg gehen und zur Obeliskin werden, indem sie meine Geheimnisse gegen ein paar stärkere Karten eintauscht. Ich schätze, ich hätte auch den leichten Weg gehen und unsere Freundschaft vergessen können. Mir einfach ein paar neue Freunde als Ersatz suchen können. Aber wir drei sind alle sture Vollidiotinnen. Wir sind zu blöde um den leichten Weg zu wählen.“

Erin lachte wieder und diesmal klang es ein wenig glücklicher.

„Wir drei gehen den schweren Weg...Ah! Wenn man vom blautragenden Teufel spricht!“

Erin hatte sich zwischendurch umgesehen und eine Vielzahl von Obelisken war inzwischen im Stadioneingang zu sehen.

Unter ihnen war auch Fiona.

Erin wollte aufstehen und sie zu sich winken, aber Mayla hielt Erin an der Hand am Boden.

„Später, bitte. Nicht jetzt.“

„Alles klar. Ein verrückt klingendes Geständnis nach dem Anderen.“

„Du glaubst mir wahrscheinlich nicht. Aber das verstehe ich.“

„Ich glaube dir, dass deine Erlebnisse, die Stimmen, dass das Alles FÜR DICH real ist, so wie du es gesagt hast. Und das, was für dich real ist, habe ich irgendwie zu respektieren, wenn ich deine Freundin sein will. Und das will ich!“

“Runde 7 der Prüfungsduelle ist beendet. Alle Duellantinnen und Duellanten aus Runde 8 begeben sich bitte umgehend an die ihnen zugewiesene Duellplattform!“

Erin blieb einen Moment sitzen und sah zu, wie die restlichen Ras und einige Obelisken das Stadion betraten.

Fiona blieb einen unscheinbaren Augenblick auf dem Weg stehen und betrachtete die auf dem Boden sitzenden, alten Freunde von ihr mit einem etwas ungläubig werdenden Blick.

Schließlich ging sie weiter.

„Ich muss dann mal“, sagte Erin und löste sich von Maylas Griff, um aufzustehen. „Das mit Fiona und dir bekommen wir auch noch hin. Immerhin reden wir zwei wieder miteinander. Das ist ein Anfang.“

„Viel Erfolg! In deinem Duell!“

Mayla zwang sich dazu für wenige Sekunden Erin anzusehen und lächelte sie dabei an.

„Das wünsche ich dir für dein Duell später auch. Und danke, dass du mit mir geredet hast.“

Erin ging nun als Letzte ebenfalls ins Stadion.

Mayla blieb alleine zurück.

Kriegerinnen versus Krieger

Erin, die die Eingangshalle des Akademiestadions als Letzte betreten hatte, war von sich bereits duellierenden Mitschülerinnen und Mitschülern an den 23 anderen Plattformen umgeben.

Es war ein toller Anblick, so viele verschiedene Monsterkarten, die sie trotz ihrer bald einjährigen Zeit an der Akademie noch nicht kannte.

Doch Erin nahm die Aussicht kaum wahr, innerlich war sie noch immer beim Gespräch mit Mayla.

Würde sie sie nicht besser kennen, hätte sie Mayla für verrückt erklärt.

Aber trotz ihrer wirren Geschichte über geheime Keller unter der Akademie, duellierende KIs und redende Duel-Monsters-Karten wirkte sie erschreckend stabil.

Mayla hatte sich, seit Erin das letzte Mal regelmäßigen Kontakt zu ihr hatte, sehr verändert.

Sie war stark, nicht nur als Duellantin.

Ihre Ausstrahlung, die Selbstsicherheit, mit der sie von ihrem Plan Aland zu entthronen erzählte, hatten etwas Ansteckendes an sich und das gleiche Charisma hatte schon vor Monaten die überragende Mehrheit der Slifer-Schüler in ihren Bann gezogen.

Es war nicht wahrscheinlich, aber wenn sie Königin werden würde, dann wäre sie sicher eine sehr gute Königin, da war sich Erin sicher.

Plattform 17, Seite 2.

Erin war angekommen und entdeckte überraschenderweise auf der gegenüberliegenden Seite eine ihr bereits bekannte Person.

„Yunus!“, stieß sie aus, als sie ihren Gegner erkannte.

Der große Junge e mit der hellbraunen Haut und den kurzen schwarzen Locken zwinkerte sie an und zeigte dabei sein makelloses Lächeln, mit welchem Yunus auch in einer Zahnpastawerbung mitspielen könnte.

„Lange nicht gesehen, Erin.“

Er wusste auch noch ihren Namen.

Erin fühlte sich ein wenig geschmeichelt, immerhin hatten sie sich zuletzt zu Beginn des Halbjahres gesehen und sich auch dort nicht wirklich unterhalten.

Tatsächlich war Erin ihm von Anfang an bewusst aus dem Weg gegangen, sie hatte sofort bemerkt, dass es zwischen Yunus und ihrer damals noch neuen Mitbewohnerin Probleme gab und wollte keinen unnötigen Streit mit Jiang provozieren.

Aber ärgerlich war es schon, Erin hätte ihn gerne näher kennengelernt.

Alleine schon dafür, dass er sich der fiesesten Lehrerin der Duellakademie entgegenstellt und extrem seltene Synchromonster besitzt.

„Hast du dafür wieder Abspülen müssen?“, fragte Erin während sie die Duellplattform betrat und gleichzeitig auf seine inzwischen ziemlich verdreckte und an einer Stelle sogar gerissenen Ra-Yellow-Uniform zeigte.

„Hehe, nur einmal. Ich habe es clever gemacht und vor etwa zwei Wochen wieder versucht heimlich rumzuschrauben. Frau Ehring hat mich zwar wieder ertappt, aber sie kann mich schlecht Strafarbeiten erledigen lassen, wenn ich wegen der Prüfungen meine Freizeit zum Lernen nutzen soll“, antwortete er mit einem schelmischen Grinsen, „Also, Erin, bist du bereit?“

„Für ein Duell? Immer und jederzeit!“, entgegnete sie enthusiastisch und aktivierte sofort ihre Disk.

Ein Kampf gegen ein Synchrodeck war genau nach ihrem Geschmack.

Außerdem hatten die meisten Duelle bereits begonnen, es galt keine Zeit zu verlieren.

Auch Yunus aktivierte nun die Disk und zog sogleich seine Starthand.

„Alles klar, dann lass uns mal etwas Spaß haben! Eigentlich bin ich ja zu hundert Prozent Gentleman, aber da man mir die 01 zugelost hat, muss ich wohl oder übel beginnen! Den Anfang macht der Schutzwallkrieger im Verteidigungsmodus!

Eine breit gebaute Gesteinskreatur, die aus roten Backsteinen bestand, kniete sich vor Yunus hin.

Schutzwallkrieger: Stufe 2, 600Atk, 1200Def.

„Ich setze außerdem noch zwei verdeckte Karten und gebe dann an dich ab! Mach was draus!“

Wie angekündigt erschienen nun zwei verdeckte Karten vor Yunus.

Das ließ sich Erin nicht zweimal sagen und zog sofort eine Karte von ihrem Deck, um den eigenen Zug zu beginnen.

„Kein Synchromonster? Unterschätze mich besser nicht, denn deinen Mauertypen krieg ich ganz schnell klein gemeißelt! Und dabei hilft mir die schöne Donnerklang-Kriegerin im Angriffsmodus!“

Erins blonde, in leichter Lederrüstung eingekleidete Kriegerin präsentierte stolz ihr Schwert.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

„Weiter geht es mit einer permanenten Zauberkarte: Ich spiele Gewitterallianz!“

Die Zauberkarte erschien offen hinter der Donnerklang-Kriegerin.

„Ich nutzte sofort den besonderen Effekt meiner Gewitterallianz: Einmal pro Zug darf ich eine Karte aus meiner Hand ablegen, um ein Donnerklang-Monster vom Typ Krieger mit einem passenden Donnerklang-Donner-Monster aus meinem Deck auszurüsten! Ich wähle das Donner-Monster Donnerklang-Inkarnation!“

Erin legte eine Handkarte ab und das Schwert der Donnerklang-Kriegerin begann sofort blau aufzuleuchten und winzige Blitze zu werfen.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2200Atk.

„Ah, Monsterkarten, die andere Monsterkarten ausrüsten und verstärken! Du spielst also ein Union-Deck!“, stellte Yunus mit Vorfreude fest.

„Gut erkannt, aber mein Deck hat später noch mehr in petto!“, entgegnete Erin mit verspielter Freude, „Zuerst zerstört meine Donnerklang-Kriegerin deinen Schutzwallkrieger und zwar mit der Statischen Spaltung!“

Erins Kriegerin sprintete auf Yunus´ steinigen Krieger zu und attackierte ihn mit einem flinken Schwertstreich, der aber mühelos abgeblockt wurde.

„Da trete ich mal kurz auf die Bremse! Einmal pro Zug darf ich nämlich wegen des besonderen Effekts von Schutzwallkrieger den Angriff eines gegnerischen Monsters annullieren!“

Erin grinste ihren Gegner siegesgewiss an.

„Einmal pro Zug reicht aber nicht: Denn wenn meine Donnerklang-Kriegerin mit einem Donner-Monster ausgerüstet ist, darf sie gleich zweimal pro Zug angreifen! Also noch einmal! Statische Spaltung!“

Die Donnerklang-Kriegerin setzte zu einem zweiten Schwertstreich auf den Schutzwallkrieger an, wurde aber von Yunus unterbrochen.

„Dann wird es Zeit für meine Fallenkarte! Ich aktiviere Schadensempfang!“

Eine der beiden verdeckten Karten, die Yunus´ in seinem letzten Zug gesetzt hatte, deckte sich nun auf und das Schwert von Erins Kriegerin wurde von einer unsichtbaren Barriere zurückgestoßen.

„Genauso wie der Effekt von Schutzwallkrieger selbst kann Schadensempfang einen feindlichen Angriff annullieren! Und damit ich in meinem Zug mit Highspeed durchstarten kann, erlaubt es mir Schadensempfang außerdem ein beliebiges Empfänger-Monster aus meinem Deck auf die Hand zu nehmen!“

Yunus suchte kurz und präsentierte dann mit ausgestrecktem Arm Erin ein Empfänger-Monster.

„Vielleicht erinnerst du dich noch an meinen Motorensynchronisierer, er dreht nämlich gleich so richtig auf!“

Sie erinnerte sich, das war das erste Empfängermonster, das Yunus in seinem Duell gegen Frau Ehring genutzt und mit dem er den mächtigen Motorenkrieger beschworen hatte.

„Das will ich aber auch hoffen! Ich wäre nämlich doch ein wenig enttäuscht, wenn du dich im zweiten Zug auch nur einigeln würdest! Ich setze noch eine Karte verdeckt, du bist dran!“

Die verdeckte Karte erschien hinter Donnerklang-Kriegerin und Erin sah Yunus zu, wie er sogleich seine Karte vom Deck zog.

Er hatte nun seinen Motorensynchronisierer auf der Hand und bereits ein Nicht-Empfänger-Monster auf dem Feld, im nächsten Zug würde Erin es auf jeden Fall mit einem Synchromonster zu tun bekommen.

„Tja, wie du dir bereits denken kannst, rufe ich nun den Motorensynchronisierer als Normalbeschwörung auf! Komm und zeig dich!“

Das ölschwarze und mit vier fleißig pumpenden Zylindern versehene Maschinenmännchen erschien mit einem freudigen Ruf.

Motorensynchronisierer: Stufe 3, 1300Atk, 500Def.

„Mein Motorensynchronisierer hat gerne Gesellschaft! Daher ruft er bei seiner Normalbeschwörung ein Monster der Stufe 2 oder niedriger als Spezialbeschwörung aus meiner Hand auf! Hier kommt Beschleunigungskrieger!

Ein metallisch glänzender und sich auf seinen Fußrollen fortbewegender Android erschien nun neben dem Motorensynchronisierer.

Beschleunigungskrieger: Stufe 2, 1100Atk, 600Def.

„Du wolltest, dass ich in die Offensive gehe und genau das habe ich vor! Ich stimme den Motorensynchronisierer der Stufe 3 auf den Stufe-2-Schutzwallkrieger ein! Synchrobeschwörung!“

Die Hologramme vom Motorensynchronisierer und von Schutzwallkrieger verblassten und hinterließen dabei jeweils drei und zwei Stufensterne, die sich in einer Linie aufreihten und dabei aufleuchteten.

„Gib mal so richtig Vollgas! Motorenkrieger!“

Das Leuchten verblasste und der Motorenkrieger, ein maschinenartiger Krieger mit großen, eisernen Fäusten und aus dem Rücken ragenden Abgasrohren, erschien.

Motorenkrieger: Stufe 5, 2300Atk, 1300Def.

Erin spürte ihr Herz höher schlagen, als sich Yunus Monster aufbäumte und auf sie herabblickte.

Sie konnte nicht anders, als über beide Wangen zu strahlen.

Ein echtes Synchromonster stand vor ihr und es war genauso neu und aufregend, wie damals vor einem halben Jahr.

Nein, eigentlich war es noch besser, denn diesmal hatte Erin die Chance sich persönlich mit einem Synchromonster zu messen.

„Hey, wenn dir der bloße Anblick schon gefällt, habe ich gute Nachrichten! Denn jetzt kommen wir zu den Effekten meiner Monster: In dem Zug, in dem Beschleunigungskrieger spezialbeschworen wird, darf ich seine Atk auf das Doppelte seiner Grund-Atk erhöhen, das macht 2200 Punkte!

Beschleunigungskrieger wuchs nun auf die gleiche Größe wie der Motorenkrieger an.

Beschleunigungskrieger: 1100Atk → 2200Atk.

„Mein Beschleunigungskrieger ist nicht das einzige Monster, das seine Angriffskraft verbessern kann! Motorenkrieger erhöht seine Power einmal pro Zug um die Angriffskraft eines beliebigen Monsters der Stufe 2 oder niedriger, das ich kontrolliere! Daher bekommt nun Motorenkrieger die 2200 Angriffspunkte von Beschleunigungskrieger dazu!“

Yunus´ Synchromonster verdoppelte sich in seiner Größe und erregte damit die Aufmerksamkeit einiger Mitschüler, die sich nun zu Plattform 17 umdrehten.

Motorenkrieger: 2300Atk → 4500Atk.

An diese Kombo zwischen Beschleunigungs- und Motorenkrieger konnte sich Erin noch gut erinnern, mit der hatte er damals Frau Ehring in seinem ersten Zug sofort unter Druck gesetzt.

„Mit über 4000 Angriffspunkten schickt mein Motorenkrieger deine Kriegerin auf den Standstreifen! Angriff mit dem Getriebehieb!“

Flammen schossen aus den Rückenauspuffen des Motorenkriegers, aus denen zuvor noch finsteres Abgas entwich.

Mit hoher Geschwindigkeit und zum Schlag ausgeholtem Arm bewegte sich Yunus´ Monster auf die Donnerklang-Kriegerin zu.

„Dein Angriff geht ins Leere! Dafür sorgt meine Falle! Die Elektrobarriere!“

Ein schwebender, gelblich-transparenter Schutzschild fing den gewaltigen Hieb des Motorenkriegers ab.

„Wenn man leichtsinnig genug ist, ein „Donnerklang“-Monster anzugreifen, dann zwingt Elektrobarriere das angreifende Monster zurück in das Deck des Besitzers und erteilt außerdem Schaden in Höhe der halben Angriffspunkte! Dein Motorenkrieger kommt in die Schrottpresse und du bezahlst dafür ganze 2250 Punkte!“

Während Motorenkrieger mit einem zitterndem Arm und blechernem Stöhnen die Faust gegen die Elektrobarriere presste, fuhr sich Yunus nur lässig durch das Haar.

„Sorry, ich bezahle hier gar nichts! Viel lieber aktiviere ich meine Konterfallenkarte Synchromlackierung!“

Die verdeckte Karte auf Yunus´ Spielfeldseite deckte sich sehr zu Erins Unmut auf.

„Synchromlackierung kann immer dann aktiviert werden, wenn ein gegnerischer Karteneffekt eins meiner Synchromonster zum Ziel nimmt oder es zerstören würde! Da das mit deiner Elektrobarriere der Fall ist, wird mein Synchromonster nun mit Synchromlackierung ausgerüstet! Das beschert meinem Motorenkrieger nicht nur eine Immunität gegenüber allen Karteneffekten, die ihn spezifisch als Ziel auswählen oder ihn zerstören würden, sondern gleichzeitig zusätzliche 1000Angriffs- und Verteidigungspunkte!“

Ein grau glänzender Film bildete sich um den immernoch gegen das Elektroschild ankämpfenden Motorenkrieger, der nun noch weiter anwuchs und kaum noch auf die Duellplattform passte.

Motorenkrieger: 4500Atk → 5500Atk, 1300Def → 2300Def.

„Der Angriff meines Motorenkriegers verursacht bei dir nicht nur ganze 3300 Punkte Schaden, sondern zerstört auch das Union-Monster, welches deine Kriegerin ausrüstet, wodurch ihre Punkte auf 1500 fallen! Danach greift mein Beschleunigungs-Krieger mit seinen 2200 Punkten an, was dich dann deine verbleibenden 700 Punkte kostet, Erin!“, rechnete Yunus vor und grinste selbstsicher, „Der gute Yunus Shaaban duelliert sich halt immer auf der Überholspur! Los jetzt, Motorenkrieger! Attacke mit deinem chromverstärkten Giga-Getriebehieb!“

Der Motorenkrieger ließ nun von der Elektrobarriere ab, um erneut zum Schlag auszuholen.

Mit voller Wucht zerschmetterte er den Schutzschild und Erin griff in der letzten Sekunde ein, bevor der Hieb ihr Monster erreichte:

„Aus meinem Friedhof rufe ich Donnerklang-Gardna!“

Die riesige Eisenfaust traf die Donnerklang-Kriegerin, die aber dank der Donnerklang-Inkarnation noch im Spiel blieb.

Donnerklang-Kriegerin: 2200Atk → 1500Atk.

Die Schockwelle, die Erin eigentlich nun über 3000 Lebenspunkte kosten sollte, wurde nun von einer jungen Kriegerdame im Kettenhemd und ihrem mannshohem Schild, hinter dem sie sich versteckte, abgefangen.

Donnerklang-Gardna: Stufe 3, 100Atk, 2000Def.

Der bis eben noch annähernd ekstatische Yunus hatte seine Arme verschränkt und sah Erin mit Unverständnis an.

„Ähh...Magst du mir erklären, warum du gerade keine Lebenspunkte verloren hast? Und woher plötzlich dein zweites Monster kommt?“

„Das war mein As im Ärmel! Donnerklang-Gardna darf nicht nur aus dem Friedhof als Spezialbeschwörung gerufen werden, wenn du eines meiner „Donnerklang“-Monster attackierst, sondern verhindert außerdem, dass ich durch diesen Angriff Kampfschaden erleiden muss“;

erklärte Erin und zwinkerte ihrem Gegner dabei frech zu, „Dreimal darfst du raten, welche Karte ich in meinem letzten Zug mit der Gewitterallianz abgeworfen habe!“

Yunus nickte anerkennend und grinste Erin dann schelmisch an.

„Lass mich mal zusammenfassen: Du hast in deinem letzten Zug deine Donnerklang-Kriegerin mit deiner Inkarnation geschützt, dann noch deine Elektrobarriere gesetzt und als weiteren Schutz für deine Lebenspunkte Gardna auf den Friedhof gelegt und wirfst MIR dann vor, ich würde mich einigeln? Du bist echt süß, weißt du das?!“

Echt süß?

Erin spürte, wie ihre Wangen erröteten und ein Kribbeln ging durch ihren Körper.

Schon wieder so ein unerwartetes Kompliment von diesem leider viel zu attraktiven Duellanten.

Versuchte er sie gerade nur mit seinem Charme abzulenken, um sich so einen psychologischen Vorteil zu verschaffen?

„Ich...äh, uff...Der Effekt ähm...“

Erin schloss die Augen und zwang sich dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Dies war das Prüfungsduell, der praktische Teil der Jahresabschlussprüfung und sie wollte nun endlich zeigen, was in ihr steckte.

Gemeinsam aufsteigen, mit Fiona, Mayla und natürlich Jiang zusammen das Haus Obelisk-Blue unsicher machen.

Jede von ihnen hatte hart trainiert, dies war die Chance endlich wieder zusammenzukommen und die beschädigte Freundschaft mit ihren ehemaligen Mitbewohnerinnen wiederherzustellen.

Hübsche Jungs waren jetzt Nebensache!

„Ich nutze den Effekt von Donnerklang-Inkarnation! Da sie soeben anstelle der Donnerklang-Kriegerin zerstört wurde, darf ich meiner Hand nun Fusion hinzufügen!“, sagte Erin und zeigte Yunus die aus dem Deck gesuchte Zauberkarte vor.

„Uiuiui, nicht nur Union-Monster, sondern auch noch Fusionsmonster! Deine Karten sind echt nicht von schlechten Eltern! Da gehe ich lieber auf Nummer sicher und sorge mit meinem Beschleunigungskrieger dafür, dass du etwas weniger Fusionsmaterial zur Verfügung hast! Los, greife die geschwächte Donnerklang-Kriegerin an!“

Der Androide skatete im Eiltempo und trat dann mit seinen scharfen Rollen unter den Füßen zu, wodurch das Hologramm der Donnerklang-Kriegerin schließlich zerplatzte.

Erin erlitt diesmal Kampfschaden und ging mit leichtem Ächzen in die Knie.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 3300.

„Ich mache fürs Erste Schluss! Dann zeig mal, was du für coole Fusionsmonster für mich bereit hältst! Aber ich bezweifele, dass sie es mit meinem Motorenkrieger aufnehmen können!“

Kaum hatte Yunus seinen Zug beendet, schon verlor Beschleunigungskrieger seine Angriffskraft und schrumpfte auf seine ursprüngliche Größe zusammen.

Beschleunigungskrieger: 2200Atk → 1100Atk.

Erin hielt inne, bevor sie zog.

Es war gut, dass Beschleunigungskrieger kaum Angriffspunkte mehr hatte, aber mit dem kolossalen Motorenkrieger fertig zu werden, war eine andere Geschichte.

Nicht einmal ihre Donnerklang-Ritterin könnte ihr hierbei helfen, denn ihr Zerstörungseffekt würde ebenfalls von Synchromlackierung blockiert werden.

Yunus war ein extrem starker Gegner, der gemessen an seinen Duellfähigkeiten jeden gewöhnlichen Ra-Schüler in den Schatten stellte, aber Erin wusste, das ihr Deck eine Antwort auf Yunus´ Motorenkrieger bereithielt.

Auch wenn ihr selbst im Moment nicht klar war, wie diese Antwort lauten mag.

Sie zog und wollte am liebsten mit den Augen rollen.

Dass ihr ein Geschenk, oder wohl eher ein miserabler Bestechungsversuch, von einer Truppe von lügenden Vollidioten und Dieben das entscheidende Duell des Schuljahres entscheiden würde, war definitiv EINE Antwort.

Sie seufzte.

Auch wenn es ihr nicht wirklich passte diese Karte zu nutzen, sie war ungemein effektiv und es stand zu viel auf dem Spiel um jetzt wählerisch zu sein.

„Ich aktiviere meinen Spielfeldzauber, die Gewittersturmfestung Amperia!“

Erins Spielfeldzauber wandelte Augenblicklich die Duellplattform zu einer mittelalterlichen Burg aus braunem Backstein und ließ das restliche Stadion komplett verschwinden.

Hinter Erin und Yunus ragten hohe Wachtürme und neben ihnen befanden sich bezinnte Brustwehren.

Wechselnde Böen peitschen den permanenten Starkregen alle paar Sekunden in eine neue Richtung und immer wieder blitzte und donnerte es.

„Hmm, bei so einem Donnerwetter macht eine Spritztour aber keinen Spaß! Hätte ich mal vorher den Wetterbericht gelesen!“, bemerkte Yunus sarkastisch.

„Das passiert aber mit rasenden Rowdys, die ständig Vollgas geben müssen: Sie werden geblitzt! Und jetzt kommen wir zum ersten Effekt meiner Amperia, sie erlaubt es mir ein „Donnerklang“-Monster aus meinem Friedhof auf meine Hand zurückzuholen!“

Sie zeigte ihrem Gegner die gewählte Karte, die Donnerklang-Kriegerin, bevor sie sie auf die Hand nahm.

„Das ist natürlich nicht alles, was mein Spielfeldzauber drauf hat, denn er verstärkt außerdem die Angriffskraft meiner Donnerklang-Monster um stolze 700 Punkte!“

Donnerklang-Gardna: 100Atk → 800Atk.

„Deine Gardna macht mir mit ihren 800 Punkten keine Sorgen. Da fehlen noch mindestens 4700, bis sie es mit Motorenkrieger aufnehmen kann!“, kommentierte Yunus belustigt.

Erin ließ sich von dem blöden Spruch nicht irritieren und setzte fort:

„Jetzt rufe ich als Normalbeschwörung meine Donnerklang-Kriegerin erneut auf!

Die blonde Kriegerin in ihrer leichten Panzerung präsentierte kampflustig ihre Waffe.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

Sofort wuchs die Kriegerin dank des verstärkenden Effekts von Gewittersturmfestung Amperia ein wenig an.

Donnerklang-Kriegerin: 1500Atk → 2200Atk.

„Da auch sie nicht stark genug ist, wird es Zeit für eine Fusionsbeschwörung! Ich verschmelze Donnerklang-Gardna und Donnerklang-Kriegerin auf meinem Feld und darf nun eine meiner Spitzenkämpferinnen aufrufen!“

Sofort verblassten die Hologramme von Erins Kriegerdamen und zahlreiche Blitze schlugen nun in schneller Folge ein, bis der letzte plötzlich Erins Fusionsmonster hinterließ.

Eine beeindruckend große und muskulöse Frau, die auf ihrem Rücken Kriegshammer, Breitschwert und einen Morgenstern , sowie in ihren Händen zwei Doppeläxte trug.

„Mach dich bereit für die einzigartige Power meiner Donnerklang-Waffenmeisterin!“

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Atk.

Sie erhält als Erstes wie alle „Donnerklang-Monster Punkte durch meinen Feldzauber!“

Das hünenhafte Monster wurde nun noch größer.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 2100Atk → 2800Atk.

„Natürlich vergesse ich nicht den Spezialeffekt meiner Gewitterallianz, der es mir erlaubt, eine Karte abzulegen, um meine Waffenmeisterin mit einer weiteren Donnerklang-Inkarnation auszurüsten!“

Erin suchte sich eine Karte aus ihrer Hand von der sie sich trennen wollte aus und sofort begannen die Äxte der Waffenmeisterin an bläulich aufzuleuchten und bedrohlich zu knistern.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 2800Atk → 3500Atk.

Erin gab eine kommandierende Handbewegung:

„Los, meine mächtige Waffenmeisterin, gnadenloser Angriff auf den Motorenkrieger mit dem Doppelten Gewitter-Axtschlag!“

Erins Fusionsmonster rannte auf den Motorenkrieger zu und sprang dann ab.

„Dein Monster ist zwar stark, hat aber 2000 Punkte zu wenig, um es mit meinem aufnehmen zu können! Was hast du vor?!“

„Ich habe vor den besonderen Effekt der Waffenmeisterin zu nutzen, den sie erhält, wenn sie mit einem Donnerklang-Donner-Monster ausgerüstet ist: Greift sie ein Monster mit mehr Angriffspunkten an, so darf sie die Angriffspunkte eines ihrer Fusionsmaterialien dazubekommen! Und Donnerklang-Kriegerin hatte vor der Fusionsbeschwörung 2200 Punkte!“

Augenblicklich schoss die Angriffskraft des Fusionsmonsters in die Höhe, während es sich im freien Fall auf den glänzenden Koloss des Gegners befand.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 3500Atk → 5700Atk.

Bei der Landung schlug die Waffenmeisterin mit beiden Äxten simultan zu, woraufhin durch die tiefen Einschlagstellen wieder die ursprüngliche Farbe des Monsters unterhalb der Chromlackierung zu erkennen war.

Dann explodierte Motorenkrieger und Yunus hielt zum eigenen Schutz vor der resultierenden Druckwelle den Arm vor den Kopf.

Yunus Lebenspunkte: 4000 → 3800.

„Wow, jetzt verstehe ich auch, warum du die Donnerklang-Kriegerin vor deiner Fusion erst aufgerufen hast! So hat die Kriegerin und nun auch indirekt die Waffenmeisterin einen zusätzlichen Powerschub durch deinen Spielfeldzauber bekommen! Das war echt cool!“, bewunderte der Junge mit leuchtenden Augen.

Erins Fähigkeit die Union-Spielmechanik mit der Fusionsbeschwörung zu verbinden und auf diese Weise selbst größte Hindernisse wie seinen Synchromverstärkten Motorenkrieger zu überwinden, beeindruckten ihn zutiefst.

Erin freute sich.

„Vielen Dank!“, entgegnete sie grinsend.

Das war zumindest eine Art von Kompliment, mit der sie umgehen konnte.

„Mein Monster darf zwar nicht die 2200 Punkte der Donnerklang-Kriegerin dauerhaft behalten, aber sie hat danach trotzdem noch 3500 übrig, das ist mehr als genug! Ich beende meinen Zug!

Donnerklang-Waffenmeisterin: 5700 → 3500.

Yunus bewegte die Hand zu seinem Deck, um zu ziehen, doch zögerte dann für einen Moment.

Er sah sich die gegenüberliegende Spielfeldseite in Ruhe an.

Er beobachtete, wie die mächtige Waffenmeisterin samt ihrer elektrisierten Doppeläxte mit stoischem Blick dem unaufhörlich niederprasselnden Regen trotzte.

Wie die in einem unvorhersagbarem Muster um die Festung herum tanzenden Blitze das düstere Spielfeld immer wieder für wenige Hundertstelsekunden erleuchteten und schließlich wieder in der Finsternis zurückließen.

Dahinter Erin, ein Mädchen mit strahlendem Selbstbewusstsein und offensichtlich fest entschlossen in diesem Zweikampf alle Register zu ziehen.

Das alles...hatte etwas.

„Äh, Yunus?! Worauf wartest du? Wir müssen uns doch duellieren?!“

Er lachte.

„Müssen wir das?! Wer sagt, das wir das müssen?!“

Erin wunderte sich über die in ihren Augen absurde Frage.

„Auch wenn man wegen meines Spielfeldzaubers die anderen Plattformen und die Kameras, die auf alle Prüflinge gerichtet sind, leicht vergisst, wir sind in einer Prüfung! Das ist doch wichtig! Wir müssen jetzt alles geben, damit wir besser werden und auch zu den Obelisken gehören dürfen!“

„Zu den Obelisken gehören dürfen...“, wiederholte er langsam, „Du tust so, als ob das was Gutes wäre! Willst du wirklich, dass alle von dir erwarten eine der Besten zu sein?! Unaufhörlich weiterarbeiten und weiterlernen aus Angst das Erreichte wieder zu verlieren?! Noch mehr sinnlose Regeln befolgen müssen, die sich irgendwelche spießigen Königsheinis ausdenken?!“

Erin verschränkte die Arme.

„Es geht mir nicht nur um meine eigenen Ziele oder meinen Ehrgeiz! Ich habe eine Freundin, die im Halbjahr zu Obelisk Blue aufgestiegen ist und seitdem hat sich unsere Freundschaft etwas abgekühlt! Aber wenn wir wieder zum gleichen Haus gehören, dann wird es wieder so wie früher, als wir alle Slifer Reds waren! Das weiß ich einfach!“, widersprach sie ihm vehement.

„Du bist doch auch mit dieser Sliferkönigin befreundet oder?! Ich habe euch zusammen in der Eingangshalle gesehen! Du weißt, dass Freundschaften zwischen Obelisken und Slifern bei der Krone unerwünscht sind, oder?“

„Ihr Name ist Mayla! Und sie wird natürlich ebenfalls aufsteigen! Nur zur Info: Mit ihrem GY-Score gehört sie zu den stärksten Duellantinnen des gesamten Jahrgangs!“

Der bis vor wenigen Momenten gut gelaunte Yunus sah Erin mit einem überraschend ernsten Blick an.

„Natürlich ist sie zu stark für Slifer Red, jeder auf dem Campus weiß inzwischen von der Macht der roten Königin! Aber hast du sie denn mal gefragt, ob sie überhaupt ihr Haus wechseln will?! Ich brauche sie nicht besonders gut kennen, um da meine Zweifel zu haben!“

Erin fehlten die Worte.

Das war ein Treffer ins Schwarze.

Irgendwie war die Annahme, dass Mayla ebenso aufsteigen wollte für sie selbstverständlich.

Sie wusste noch, wie die drei zu Beginn des Schuljahres einander versprochen hatten, ihr Bestes zu geben und wie sie stundenlang gemeinsam lernten und nach der Prüfung hofften, alle Ra Yellows sein zu dürfen.

Aber ob sie nun, nachdem sie wochenlang ihr Haus vor aufgebrachten Mitschülern beschützt hatte, immer noch so denkt?

Hatte sich inzwischen so viel geändert?

Würde sie sich später absichtlich schlecht duellieren, um weiterhin als Sliferkönigin die Schwächsten der Akademie repräsentieren zu können?

„Duellant Nummer 01 an Plattform 17! Du hast 60 Sekunden Zeit, das Prüfungsduell fortzusetzen! Solltest du dich nicht weiter duellieren, wird dein Prüfungsduell mit 0 Prozent gewertet!“, dröhnte eine Lautsprecheransage.

Der Junge seufzte.

„Genau DAS ist es, was ich meine! Wir duellieren ohne überhaupt nachgedacht zu haben, warum wir es tun! Wir tun, was wir tun, weil wir es sollen und ansonsten bestraft werden! Wir duellieren nicht, um den Moment zu genießen oder uns selbst auf bedeutsame Weise zu verwirklichen! Und das ist in meinen Augen megaschade, weil ich bisher in unserem Duell echt Spaß hatte, Erin! Aber dieser...Zwang macht alles Schöne einfach kaputt!“

„Ich gebe zu nicht viel nachgedacht zu haben, aber du denkst in meinen Augen grade einfach zu VIEL nach! Wenn du den Moment genießen willst, dann konzentriere dich auf uns und blende den Rest aus!“

Er zögerte noch ein wenig, doch lächelte dann.

„Ist vielleicht keine schlechte Idee von dir!“

Er bewegte gerade noch rechtzeitig die Hand zurück zum Deck und zog.

„SO, ihr Nörgler!! Ich habe gezogen und muss mir jetzt einen Moment überlegen, wie ich meine neue Karte verwende, okay!!?“, rief er den im Spielfeld unsichtbaren Lautsprechern trotzig entgegen.

Dann lachte er seine Kontrahentin an.

„Hey Erin, ich werde weiterspielen, aber ich brauche etwas zusätzliche Motivation! Wenn ich gewinnen sollte, musst du nächstes Jahr mit mir auf ein Date gehen, okay?!“

„Wie?! Wa...was?!“, stammelte sie perplex über Yunus´ plötzliche Forderung.

Sie spürte wie das Blut in ihre Wangen katapultiert wurde und ihr wurde gerade unsagbar heiß.

Nervös rieb sie an ihrem Brillenbügel.

„Von mir aus brauchen wir nicht einmal die Insel verlassen! Aber es gibt etwas, dass ich dir zeigen will und ich will außerdem meine Zeit mit dir WIRKLICH genießen! Ganz in Ruhe, ohne irgendwelche Regeln oder Verpflichtungen von der Akademie! Was sagst du?!“

Gute Frage.

Was sollte sie dazu sagen?

Erin wurde soweit sie sich erinnern konnte noch nie zu einem Date eingeladen und eigentlich war sie überhaupt nicht in Stimmung an Dating zu denken, angesichts der ganzen anstehenden Probleme.

Da war der noch nicht komplett aus der Welt geschaffene Ärger mit Fiona und Mayla, die Frage, wie sich Mayla gegen den amtierenden König schlagen werden wird und ob sie die Prüfung absichtlich schlecht absolvieren wollte, um als echter Slifer anzutreten.

Und davon mal abgesehen befand sie sich selbst gerade in der Prüfung und sollte sich eigentlich nur auf das Duell konzentrieren.

Aber die Möglichkeit mit diesem süßen Jungen zusammen alle Probleme einfach ausblenden zu können, hatte Besitz von ihren Gedanken gegriffen und ließ sie nicht mehr los.

Warum musste gerade er ihr Gegner sein?

„Spiel weiter! Bevor du ein zweites Mal ermahnt wirst!“, forderte Erin so harsch es ihr möglich war.

Yunus sollte ja nicht bemerken, wie sehr sie sich über ein solches Date mit ihm eigentlich freuen würde!

Aber so neckisch wie er nun grinste, hatte er sie zu einhundert Prozent durchschaut.

„Das werte ich mal als ein „Ja“! Dann muss ich ja jetzt nur noch ordentlich Gas geben! Und dabei wird mir zuerst diese Karte helfen! Hier kommt Asphaltsynchron im Verteidigungsmodus!“

Asphaltsynchron war ein kleines graues Blockmännchen, mit grimmig dreinblickenden Kulleraugen und einer auf rot stehenden Ampel auf dem Kopf.

Winzige Mittelstreifen , die vertikal an seiner Brust hochliefen, ließen Asphaltsynchron ein wenig so aussehen, als ob er ein geknöpftes Hemd tragen würde.

Asphaltsynchron: Stufe 2, 800Atk, 400Def.

„Mit diesem Monster schalte ich einen Gang hoch! Denn einmal pro Zug darf ich die obersten 3 Karten meines Decks aufdecken und dann ein „Nicht“-Empfänger der Stufe 4 oder niedriger darunter auswählen, um es als Spezialbeschwörung zu rufen! Los, Asphaltsynchron! Grünes Suchlicht!“

Yunus´ Monster brummte angestrengt und die Ampel auf dem Kopf schaltete kurz auf Gelb und schließlich auf Grün.

Yunus zug nun drei Karten hintereinander.

Er hielt alle drei Erin entgegen.

Es waren zwei passende Monster und eine Zauberkarte dabei.

„Wunderbar! Da habe ich ja sogar die Qual der Wahl!“, freute sich Yunus, als er sich die gezogenen Karten selbst ansah, „Meine Entscheidung fällt auf den Schrumpfkrieger! Ab aufs Feld mit dir!“

Zwischen Asphaltsynchron und dem Beschleunigungskrieger gesellte sich nun ein Mann in einem knallroten Ganzkörperanzug aus Gummi und einem ebenso roten Helm mit dunkelblau getöntem Visier.

An der Hüfte trug er eine futuristische Strahlenpistole.

Schrumpfkrieger: Stufe 4, 1600Atk, 1200Def.

„Es wird dich wohl wenig überraschen, aber auch mein Schrumpfkrieger hat einen tollen Effekt: Er darf nämlich seine Stufe auf eine andere beliebige Stufe absenken! Damit mache ich aus meinem Stufe-4-Schrumpfkrieger mal eben ein Monster der Stufe 2! Schrumpfattacke!“

Sofort zog der Schrumpfkrieger die Strahlenpistole und schoss vor sich auf den Boden.

Ein kontinuierlicher, gelblicher Strahl kam aus der Waffe und umhüllte dann den Krieger selbst, der daraufhin auf die Hälfte seiner eigentlichen Größe schrumpfte.

Schrumpfkrieger: Stufe 4 → Stufe 2.

„Ich habe nun genau die Monster, die ich brauche um eines meiner abgefahrensten Synchromonster zu rufen! Ich stimme meinen Stufe-2-Asphaltsynchron auf den Beschleunigungs- und den Schrumpfkrieger der Stufe 2 ein! Synchrobeschwörung!

Die Hologramme seiner Monster verblassten augenblicklich und hinterließen jeweils zwei sich aufreihende Stufensterne.

Die Sterne bildeten eine grell aufleuchtende Linie und als das Licht verblasste, stand Yunus´ Synchromonster vor ihm.

„Dieses Monster kennt kein Tempolimit! Hier kommt Asphaltkrieger!“

Asphaltkrieger war wie Yunus´ andere Synchro-Krieger auch mehr Maschine als Mensch.

Der imposante graue Roboter schützte sich mit einer Panzerung aus alten Straßenbelägen, auf denen noch die Spurbemalungen gut zu erkennen waren und die mit verschiedenen Verkehrsschildern verziert war.

Seine Waffe war ein langer Rohrpfosten, an dessen Ende ein Betonklotz als Hammerkopf fungierte, während sich am Griffende des Pfostens ein Vorfahrtsschild befand.

Asphaltkrieger: Stufe 6, 2400Atk, 1100Def.

Erin hatte ehrfürchtig Yunus´ Synchrobeschwörung beobachtet und fand auch sein neuestes Monster atemberaubend.

„Dein Monster sieht echt ganz schön stark aus, aber mit der Extrapower durch den Spielfeldzauber und die Donnerklang-Inkarnation behält meine Waffenmeisterin die Oberhand!“, kommentierte sie.

„Das wird sich gleich ändern! Denn wenn Asphaltkrieger beschworen wird, zwingt er nicht nur alle gegnerischen Monster in den Angriffsmodus, sondern nimmt ihnen ganze 800 Angriffspunkte für jedes für seine Beschwörung verwendete Nicht-Empfänger-Monster ab!“

Der Asphaltkrieger schmetterte seinen Betonhammer mit voller Kraft auf den Boden, wodurch ein breiter Riss im Gesteinsboden der Amperia auf die Waffenmeisterin zulief.

Sie verlor den Halt und fiel geschwächt auf die Knie.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 3500Atk → 1900Atk.

„So ein Mist!“, fuhr es aus Erin hinaus, als ihr Monster schwächer als Yunus´ Asphaltkrieger wurde.

„Deine Meisterin ist nun kein Hindernis mehr! Aber bevor ich angreife, aktiviere ich meinen Zauber, Harmonisches Ziehen! Wenn ich eine erfolgreiche Synchrobeschwörung durchführe, darf ich eine Karte ziehen plus eine weitere Karte, wenn ich mindestens drei Monster als Material für meine Synchrobeschwörung genutzt habe!“

Mit dem Effekt von Harmonisches Ziehen nahm sich Yunus sofort zwei Karten von seinem Deck auf die Hand, bevor er in den Kampf überging: „Asphaltkrieger! Zeig, warum du im wahrsten Sinne des Wortes der Oberhammer bist! Angriff auf Erins Waffenmeisterin!“

Asphaltkrieger rannte auf die Donnerklang-Waffenmeisterin zu und versetzte ihr einen wuchtigen Hammerschlag, doch Erins Monster hielt mit ihren geladenen Doppeläxten entgegen und schwächte so die gefährliche Attacke entscheidend ab.

Ein Rückstoß ließ Erin aufstöhnen und die Äxte der Waffenmeisterin verloren ihr blaues Leuchten.

Erins Lebenspunkte: 3300 → 2800.

Donnerklang-Waffenmeisterin: 1900Atk → 1200Atk.

„Mein Fusionsmonster hat deinen Angriff überstanden, denn anstatt der Waffenmeisterin hat der Angriff von Asphaltkrieger lediglich die Donnerklang-Inkarnation zerstört! Deshalb darf ich jetzt Fusion meiner Hand zufügen! Ich wähle das Exemplar, das sich bereits in meinem Friedhof befindet!“, erklärte Erin bestimmt und zeigte ihrem Gegner den Zauber vor.

„Sie hat zwar meinen ersten Angriff überstanden, aber die nächsten übersteht sie garantiert nicht! Ich spiele aus meiner Hand den Schnellzauber Asynchronisierung aus!“

Erin schnaubte wütend.

Sie kannte die Karte, wie die meisten anderen Karten, die Yunus spielte zwar nicht, aber der Name allein ließ sie schon erahnen, was nun passieren würde.

„Wegen Asynchronisierung nimmt mein Asphaltkrieger die nächste Ausfahrt Richtung Extradeck, aber im Gegenzug kehren alle Monster, die für ihn als Synchromaterial genutzt wurden wieder auf mein Feld zurück! Hier kommen Asphaltsynchron, Schrumpfkrieger und Beschleunigungskrieger!“

Die drei aufgezählten Monster reihten sich nebeneinander vor Yunus im Angriffsmodus auf.

Asphaltsynchron: Stufe 2, 800Atk, 400Def.

Schrumpfkrieger: Stufe 4, 1600Atk, 1200Def.

Beschleunigungskrieger: Stufe 2, 1100Atk, 600Def.

Kaum hatte Yunus´ die drei Monster beschworen, schon ging er in den Angriff über:

„Alles klar! Schrumpfkrieger! Attacke auf die geschwächte Waffenmeisterin!“

Der Schrumpfkrieger zog sofort seinen Schrumpfstrahler und feuerte ihn auf Erins Fusionsmonster ab.

Die Waffenmeisterin wurde kleiner und kleiner, bis sie dem Schrumpfkrieger nur noch bis zum Knöchel ging.

Wie einen Fußball kickte er sie weg und die Waffenmeisterin traf Erin vor die Brust, bevor ihr Hologramm zerplatzte.

Erins Lebenspunkte: 2800 → 2400.

Sie hatte nun kein Monster und keine schützende verdeckte Karte auf ihrer Spielfeldseite.

„Sorry, das könnte jetzt ein wenig zwicken!“, kündigte Yunus an, während er sich verlegen am Hinterkopf kratzte.

„Tu dein Schlimmstes! Ich bin hart im Nehmen!“, sagte Erin auf eine verspielt herausfordernde Weise, „Wehe, du hältst dich zurück, bloß weil ich ein Mädchen bin!“

„Würde mir nie in den Sinn kommen! Asphaltsynchron und Beschleunigungskrieger“ Direkter Angriff auf Erins Lebenspunkte!“

Das kleine Asphaltsynchron traf mit einer Kopfnuss Erins Oberschenkel und der scharfkantige Kick des Beschleunigungskriegers erwischte ihre rechte Schulter.

„Aaaahhrrrgh!“

Erin krümmte sich und ihre Haare fielen ihr ins Gesicht.

Der gleichzeitige direkte Angriff hatte es echt in sich, aber immerhin war sie noch im Spiel.

Ein Glück, dass der Angriffspunkte-verdoppelnde Effekt des Beschleunigungskriegers nur in der Main Phase aktiviert werden kann.

Erins Lebenspunkte: 2400 → 1600.

Erins Lebenspunkte: 1600 → 500.

„Meine Battle Phase ist beendet, aber mein Zug geht weiter! Da Asphaltsynchron zwischenzeitig einmal das Feld verlassen hat, darf sein Effekt ein zweites Mal aktiviert werden! Damit schaue ich mir wieder meine obersten drei Karten des Decks an und darf dann ein Nicht-Empfänger der stufe 4 oder niedriger unter ihnen spezialbeschwören! Der Rest kommt wieder ins Deck! Grünes Suchlicht!“

Die Kopfampel des Empfänger-Monsters schaltete auf Grün um und Yunus zeigte die drei Karten auf seinem Deck vor.

Es waren zwei Fallen, sowie ein Monster der Stufe 3, welches er sogleich grinsend begutachtete und dann beschwor.

„Hier kommt der Bleifuß-Biber! Ab in den Angriffsmodus mit dir!“

Ein auf einem kleinen Motorrad sitzendes Nagetier erschien vor Yunus.

Passend zum Namen trug der Biber Bikerstiefel, die aus Blei zu bestehen schienen.

Bleifuß-Biber: Stufe 3, 1500Atk, 200Def.

„Solange sich mein Biber im Angriffsmodus befindet, verhindert er, dass Monster mit 2000 oder Angriffspunkten andere Monster im Kampf zerstören! Und gegen die Zerstörung durch Karteneffekte, habe ich ja noch mein Ass-Monster!“, sagte Yunus, während er schon sein Lieblingssynchromonster bereithielt, „ Synchrobeschwörung! Asphaltsynchron der Stufe 2 stimmt sich auf den Beschleunigungskrieger der Stufe 2 und den Schrumpfkrieger der Stufe 4 ein, um einen Drachen mit kosmischer Kampfkraft aufzurufen!“

Die Hologramme der genannten Monster verblichen.

Acht verbleibende Stufensterne bildeten eine Linie, die hell leuchtete.

Beide Duellanten spürten, wie die Temperatur schlagartig abfiel und die kleinen Pfützen, die sich wegen des permanenten Regens auf der Amperia bildeten, begannen einzufrieren.

Doch Erin störte das ganz und gar nicht.

Erins Augen strahlten, als sie endlich Yunus wunderschön schimmernden, schlanken Drachen mit den frostig kalten, blauen Augen und den zahlreichen Eiszapfen am Körper wiedersehen durfte.

Das verzaubernde und gleichzeitig bedrohliche Auftreten dieses Monsters hatte ihr schon das letzte Mal den Kopf verdreht und jetzt durfte sie sogar persönlich gegen ihn antreten.

Kometenschweifdrache: Stufe 8, 2500Atk, 2000Def.

Yunus lächelte, als er sah, wie sehr sein Drache Erin gefiel.

„Mein Kometenschweifdrache verhindert mit seiner eiskalten Aura, dass alle Karteneffekte, die andere Karten zerstören überhaupt aktiviert werden können! Es gibt noch eine Karte verdeckt! Danach darfst du mir zeigen, was dein Deck noch so drauf hat!“

Die verdeckte Karte erschien und Yunus behielt eine letzte Karte in der Hand.

Erin zog.

Das war schlecht.

500 versus 3800 Lebenspunkte.

Kein einziges Monster auf dem Feld und auch keins auf ihrer Hand.

Ihr blieb noch eine kleine Chance, aber dafür benötigte sie eine große Portion Glück.

„Ich setzte zwei Karten verdeckt!“, rief sie und beide Karten erschienen sogleich.

„Die letzte Karte auf meiner Hand ist die Zauberkarte Dringendes Ziehen und darf nur dann aktiviert werden, wenn ich unter 1000 Lebenspunkte und keine anderen Handkarten mehr habe! Da dies der Fall ist, darf ich zwei Karten ziehen!“

Sie zeigte die Zauberkarte vor, aktivierte sie und nahm sich zwei neue Karten.

Erin betrachte die gezogenen Karten und überlegte.

Sie grinste.

Ihr geplanter Zug reicht zwar nicht unbedingt zum Sieg, aber er wird auf jeden Fall einen gehörigen Eindruck machen.

„Ich rufe im Verteidigungsmodus meine Donnerklang-Taktikerin auf!“

Eine belesen wirkende Kriegerdame mit langem, platinblondem Haar und einer auf den Rücken geschnallten Armbrust, rückte ihre Brille zurecht.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

Sofort wurde die Taktikerin durch die Gewittersturmfestung Amperia verstärkt.

Donnerklang-Taktikerin: 1200Atk → 1900Atk.

„Meine Taktikerin ist nicht gerne alleine! Wenn sie mein einziges Monster ist, ruft sie deshalb aus meinem Deck ein beliebiges anderes „Donnerklang“-Monster hinzu! Ich entscheide mich für meine Donnerklang-Seele!“

Sie suchte ihr Unon-Donner-Monster aus dem Deck und präsentierte es Yunus.

„Nun nutze ich die Fusionskarte, die ich mir in deinem letzten Zug durch Donnerklang-Inkarnation wieder auf die Hand genommen und soeben gesetzt habe, um meine Donnerklang-Taktikerin mit der Donnerklang-Seele zu vereinigen!“

Erins Erste der zwei eben gesetzten Karten deckte sich auf und wirkte sofort.

Aus den dunklen Wolken über dem Spielfeld schossen ein gutes Dutzend Blitze auf den erdfarbenen Steinboden der Festungsanlage.

Nach einigen Sekunden der kontinuierlichen Einschläge war plötzlich Erins nächstes Fusionsmonster erschienen.

„Begrüße mit mir die Donnerklang-Ritterin!“

Auf dem weißen Ross saß die stolze Ritterin in ihrer Rüstung, in der einen Hand die Zügel, in der anderen Hand ihre güldene Lanze.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3200Atk.

„Sieht echt stark aus, aber wird deine Ritterin auch mit meinen unzerstörbaren Monstern fertig?“

„Leider nicht, aber das muss sie auch gar nicht! Denn meine nächste gesetzte Karte heißt Fusionskompensation!“

Die zweite verdeckte Karte deckte sich auf und zeigte die genannte Schnellzauberkarte.

„Fusionskompensation darf aktiviert werden, wenn ich gerade eine Fusionsbeschwörung durchgeführt habe und ruft bis zu zwei Monster der Stufe 4 oder geringer, die als Fusionsmaterial genutzt wurden auf das Feld zurück! Meine Donnerklang-Taktikerin und die Donnerklang-Seele feiern ihr Comeback im Verteidigungsmodus!“

Die schöne ´Taktikerin und das wabernde, gelbe Energiewesen wurden links und rechts neben der Donnerklang-Ritterin beschworen.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

Donnerklang-Taktikerin: 1200Atk → 1900Atk.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

Donnerklang-Seele: 800Atk → 1500Atk.

Fasziniert beobachtete der Junge den Spielzug seiner Gegnerin, die nun ihr Feld von null auf drei Monster erweitert hat.

„Ich benutze meine letzte Handkarte, um mein ultimatives Monster aufzurufen!“

Erin zeigte mit ausgestrecktem Arm eine zweite Kopie von Fusion vor und Yunus staunte nicht schlecht.

Zwei Fusionsbeschwörungen in einem Zug?

„Donnerklang-Ritterin und Donnerklang-Seele verschmelzen zu einer übermächtigen Kämpferin! Sie beherrscht alle Stürme und fürchtet weder deinen Drachen noch ihren eigenen!“

Der bereits von schwarzen Gewitterwolken verdunkelte Himmel versank in kompletter Finsternis. Unfassbar lauter, rollender und krachender Donner zwang Erin und Yunus dazu die Ohren zu bedecken.

Blitze, noch mehr und in noch schnellerer Sequenz als zuvor, schlugen auf den Boden und die Brustwehren ein bis Erins stärkstes Monster erschien.

Demonstriere uns deine gewaltige Macht! Donnerklang-Drachenreiterin!“

Eine Ritterin in goldener Rüstung und mit Blitzeblem auf der Brust flog auf ihren aus manifestierter Elektrizität bestehenden Drachen durch die stürmische Luft und kreiste nach der Beschwörung einmal um den Wachturm hinter Erin.

Donnerklang-Drachenreiterin: Stufe 9, 3200Atk, 2600Def

Donnerklang-Drachenreiterin: 3200Atk → 3900Atk.

„Waaaahnsinn! Das ist also DEIN Ass-Monster?“

„Sei ehrlich, du bist schon etwas neidisch! Stimmts, oder habe ich Recht?!“, fragte Erin und zwinkerte Yunus frech zu.

„Wie könnte man bei so einem coolen Monster nicht neidisch sein?“, entgegnete ein beeindruckter Yunus.

„Wenn dir das schon gefällt, dann habe ich gute Neuigkeiten! Denn der Effekt von Donnerklang-Seele erlaubt es ihr das Fusionsmonster, für das sie als Fusionsbeschwörung genutzt wurde sofort vom Friedhof aus auszurüsten!“

Das Blitzwesen schwebte durch die Luft, bis es den in der Luft schwebenden Drachen und seine Reiterin erreichte.

Donnerklang-Seele fuhr in den riesigen Zweihänder der Drachenreiterin, welcher daraufhin knisterte und blau leuchtete.

Donnerklang-Drachenreiterin: 3900Atk → 4700Atk.

„Ist die Drachenreiterin mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstet, erhält sie wie alle meine Fusionsmonster einen besonderen Effekt, in ihrem Fall sind es sogar zwei Effekte: Zum Einen kann Drachenreiterin die Effekte aller gegnerischen Monster annullieren und sie daraufhin zerstören! Da dieser Effekt allerdings Zerstörung beinhaltet, ist er wegen deines Drachens leider im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis gelegt! Aber der zweite Effekt hat es in sich! Er macht nämlich die Drachenreiterin gegenüber jeden Karteneffekt, der von meinem Gegner stammt immun!“

„Verstehe, wenn ich deine Drachenreiterin loswerden will, muss ich sie im Kampf zerstören!“

Keine leichte Aufgabe, denn Erins Drachenmonster hatte beinahe doppelt so viel Punkte wie sein Kometenschweifdrache.

„Exakt! Aber bevor du wieder dran bist und versuchst die Donnerklang-Drachenreiterin zu übertrumpfen, greift sie dein kleines Fellknäuel auf Rädern an! Attacke auf Bleifuß-Biber mit dem Donnersturm-Sturzflug!“, befahl Erin.

Erins Drachenreiterin glitt tief über den Boden auf den Biber zu und beförderte ihn mit einen Hieb ihres massiven, aufgeladenen Schwertes durch die Luft.

Yunus wurde vom Hologramm seines eigenen, auf ihm landenden Monsters umgestoßen, woraufhin er vor Schmerzen aufschrie.

Er rieb sich daraufhin auf dem Boden liegend den Hinterkopf.

Yunus´ Lebenspunkte: 3800 → 600.

„Gehts dir gut, oder hast du dir weh getan?!“

„Alles astrein bei mir! Danke, dass du dich so lieb sorgst, aber im Grunde war das ja nur ein fairer Ausgleich für meinen letzten Angriff auf dich!“, entgegnete Yunus und lachte.

Während er aufstand, richtete auch sein Biber das umgefallene Motorrad wieder auf und nahm Platz im Sitz der Maschine.

„Da Bleifuß-Biber im Angriffsmodus war, wird er nicht zerstört! Mal sehen, ob er mir dabei hilft, das Duell und ein romantisches Date mit dir zu gewinnen! Da du keine Karte mehr auf der Hand oder verdeckt auf dem Feld hast und deine Taktikerin nicht angreifen kann, rate ich mal, dass du deinen Zug nun beendest!“

Erin errötete.

Anscheinend hatte er die merkwürdige Wette mit dem Date ernst gemeint und Erin war weiterhin nicht abgeneigt, ganz im Gegenteil.

Das war ihr aufregendstes Duell seit...wahrscheinlich immer und dazu kam noch, dass sie Yunus von Anfang an sehr anziehend fand.

Besonders jetzt, wo er so verschwitzt, mit seinen nassen Locken im Gesicht vor ihr stand...

„Gut geraten! Tu dein Bestes um das Duell für dich zu entscheiden!“

Yunus nickte entschlossen und zog.

Er betrachtete seine Hand und überlegte.

Gewinnen könnte leider schwierig werden.

Seine verdeckte Karte war die Ersatzteilkiste, eine Falle mit der er ein Monster auf die Hand nehmen konnte, um ein anderes mit der gleichen oder geringeren Stufe aus der Hand spezialzubeschwören.

Auf der Hand hielt er den Schraubenschlüssel-Schimpansen, ein Monster der Stufe 2 ohne einen in dieser Situation sinnvollen Effekt und das Freiheitssynchron, ein Empfänger-Monster der Stufe 1, welches Synchromaterial aus der Hand verwenden konnte.

Er ärgerte sich.

Hätten der Schimpanse oder der Biber bloß eine Stufe mehr, dann könnte er den Stufe-7-Freiheitskrieger beschwören, welcher zwei von Erins Zaubern zerstören und gleichzeitig 800 Punkte Schaden zufügen würde.

Genug, um sie zu besiegen.

Aber Yunus hatte schon einen anderen Plan, auch wenn er selbst nicht absolut von ihm überzeugt war:

„Zunächst rufe ich als Normalbeschwörung mein Freiheitssynchron auf!“

Das graue Robotermännchen mit den vielen bunten Fahnen am Körper erschien.

Freiheitssynchron: Stufe 1, 400Atk, 300Def.

„Mein letztes Synchromonster wird dieses Duell beenden! Ich stimme mein Frteiheitssynchron auf Bleifuß-Biber ein, wodurch ich ein Synchromonster der Stufe 4 beschwören darf!“

Freiheitssynchron und der Biber blichen aus.

Ihre verbleibenden Stufensterne bildeten eine leuchtend helle Linie, aus der Yunus letztes Synchromonster resultierte.

„Ich drehe ein letztes Mal voll auf und zwar mit dem Panzerfaust-Panzerhandschuh!“

Neben dem Kometenschweifdrachen schwebte eine überdimensionale Rüstung für den Unterarm.

Die Fingerspitzen des eisernen Panzerhandschuhs waren mit langen, weißen Spitzen versehen und auf dem Handrücken war ein Panzerrohr befestigt.

Panzerfaust-Panzerhandschuh: Stufe 4, 1800Atk, 1200Def.

Erin war von Yunus Ankündigung das Duell zu beenden beunruhigt.

„Was hat denn dein Monster für einen besonderen Effekt? Kann er direkt angreifen, oder was?!“

„Oh, sein Effekt ist noch viel besser! Du bist nämlich nicht die Einzige von uns, die ihre Monster mit anderen Monstern ausrüsten kann! Los, Panzerfaust-Panzerhandschuh! Verstärke meinen Kometenschweif!“

Die schwebende Rüstung streifte sich problemlos über den rechten Arm des Drachen-Monsters, welches daraufhin bedrohlich brüllte.

Kometenschweifdrache: 2500Atk → 3500Atk.

Yunus zeigte auf Erins Drachenreiterin.

„Kometenschweifdrache! Zeig uns nun deinen extrastarken Interstellaren Eisatem!“, befahl der Junge.

Sofort flog sein Drache auf Erins zu.

„Was hat das für einen Sinn!? Er hat noch immer 1200 Punkte zu wenig und zudem ist Drachenreiterin solange sie mit der Seele ausgerüstet ist gegen deine Karteneffekte komplett geschützt!“

Yunus Drache packte mit seinem Panzerhandschuh den aus Blitzen bestehenden Drachen an der Kehle und zog ihn mit dem Kopf vor seine spitze Schnauze.

Kometenschweifdrache öffnete nun sein Maul und lud einen gewaltigen Energiestrahl auf.

Kometenschweifdrache: 3500Atk → 5850Atk.

„Panzerfaust-Panzerhandschuh verleiht dem ausgerüsteten Monster nicht nur 1000 Angriffspunkte! Wenn das ausgerüstete Monster kämpft, bekommt es zudem die Hälfte der feindlichen Angriffspunkte dazu! Aber die Sache hat einen entscheidenden Haken!“

Der Kometenschweifdrache feuerte seinen eisig kalten Strahl direkt ins Gesicht ihres Monsters und eine Explosion zwang Yunus dazu, das Gesicht hinterm Unterarm zu verstecken und warf Erin um.

„Wenn ein mit Panzerfaust-Panzerhandschuh verstärktes Monster kämpft, erleiden beide Spieler den Kampfschaden!“

Erins Lebenspunkte: 500 → 0.

Yunus´ Lebenspunkte: 600 → 0.

Die Hologramme der Monster verblassten nun und auch das Spielfeld wandelte sich.

Beide waren wieder im Stadion, auf der Plattform 17.

Nur noch wenige andere Schüler duellierten sich noch.

Mit einem erschöpften Seufzen blieb Erin auf den Plattformboden sitzen.

„Wie jetzt? Also ist das ein Unentschieden?“

Yunus ging zu seiner Gegnerin hinüber.

Er griff ihre Hand und zog sie wieder auf die Beine.

„Hätte ja auch lieber gewonnen, aber du bist echt verflixt stark, Erin!“

„Ein twolles Dmuell!“, hörte Erin eine Stimme hinter sich sagen.

Erin drehte sich um und sah vor der Duellplattform Fiona stehen.

Seelenruhig mampfte sie einen Schokoriegel und ihre tiefen Augenringe verrieten Erin, dass sie wie zur letzten Prüfungszeit auch mehr gelernt als geschlafen hatte.

„Dwas gibt beftimmt die Höftpunktzahl!“, schmatzte sie lautstark, während ihr Schokoladenstücke aus dem Mund fielen.

„Erst essen, DANN reden! Das weißt du doch eigentlich schon“, tadelte Erin spielerisch und lächelte sie an, während sie zu ihr hinunter hüpfte.

„Hast uns wohl schon ne ganze Weile zugesehen, richtig?“

Fiona kaute und schluckte schnell den restlichen Riegel herunter.

„Hab eben schnell gewonnen“, prahlte sie schamlos, „ich muss jetzt aber ehrlich los, du weißt ja...-“

„Naf der Pfüfung ift vor der Pfüfung! „, äffte Erin den Satz nach, den Fiona ihr und Mayla vor einem halben Jahr gesagt hatte.

Fiona lächelte nun auch und fuhr sich durch die roten Locken.

„Gib dein Bestes. Wenn du und Mayla die schriftliche Prüfung genauso gut besteht, dann haben wir es endlich geschafft. Vielleicht sieht sie als Obelisk auch von ihrem dummen Duell gegen Aland ab.“

„Klar, Jiang und ich haben wie bekloppt gelernt und das werden wir heute und dieses Wochenende ebenfalls tun!“

Einen Moment schien es, als ob Fiona Erin umarmen wollte, doch dann entschied sie sich doch dagegen.

Stattdessen wünschte Fiona ihr nur trocken viel Erfolg und kehrte auf der Stelle um in Richtung Stadionausgang.

Es war nicht wie früher, aber Erin und Fiona kamen der Sache schon näher.

„Also...“, begann Yunus seine Frage, „Eigentlich brauchen wir nun erst Recht ein Date im zweiten Jahr, immerhin müssen wir ja noch entscheiden, wer der Stärkere ist, oder?“

Erin lachte und holte ihr Smartphone aus der Hosentasche.

Nach kurzem Getippe hielt sie ihm den Bildschirm entgegen, auf dem nun ihre Nummer zu sehen war.

„DIE Stärkere, meinst du wohl!“

Yunus verstand und fotografierte sich schnell Erins Bildschirm ab, um die Nummer später in Ruhe abzuspeichern.

„Wenn du brav bist, antworte ich dir vielleicht auch mal. Viel Erfolg in der Schriftlichen!“, wünschte Erin Yunus und winkte ihm zum Abschied, bevor sie sich ebenfalls zum Ausgang begab.

Yunus rief ihr noch einen letzten Satz hinterher.

„Wir brauchen keine blauen Uniformen um hier glücklich zu sein! Wir müssen einfach nur wir selbst sein! Ohne uns für die Lehrer, die Schulordnung oder die Krone zu verbiegen! Das reicht schon!“

Erin blieb für wenige Sekunden stehen und ging ohne sich umzudrehen.

Stimmt, Yunus hatte nicht vor aufzusteigen.

Sie überlegte, was sie ihm antworten sollte, doch ging dann einfach nur weiter.
 


 

°°°
 


 

Es stellte sich heraus, dass alle aus Erins engem Bekanntenkreis gewonnen hatten:

Dass Fiona und die stark underratete Jiang gewonnen hatten, wusste sie schon, aber Mayla hatte wohl auch einen nominell schwächeren Obelisken besiegt, das konnte sie im GY-Score-Ranking der Schulplattform einsehen.

Auch Daniel hatte einen sicheren Sieg gegen eine Ra-Schülerin eingefahren, sodass er wahrscheinlich bald selbst in Ra-Yellow landen würde.

Aber das hing auch alles noch von der schriftlichen Prüfung ab.

Erin wiederholte am Freitagabend und in den beiden folgenden Tagen zusammen mit Jiang alles, was es zu wiederholen gab, auch wenn Erin eigentlich schon den gesamten Stoff aus diesem Halbjahr auswendig wusste.

Das war der zweifelhafte Vorteil davon, dass sie von Mayla ignoriert wurde, sie hatte sehr viel Zeit zum Lernen gehabt.

Mayla hatte Erin noch am Freitag entblockiert, allerdings hatte sie ihr noch keine Nachricht geschrieben.

Erin überlegte kurz, ob sie ihr als Erste von beiden etwas unverfängliches Schreiben könnte, aber entschied sich letztlich dagegen.

Auch wenn sie verstand, dass Maylas Wahnvorstellungen es ihr schwermachten, Erin erwartete von ihr, nachdem sie ihr Jiang als Trainingspartnerin vermittelt und vor der Praxisprüfung wortwörtlich auf sie zugegangen war, dass Mayla diesmal die Initiative ergreifen würde.

Yunus schrieb ihr eine kurze Nachricht, in der er ihr und ihren Freundinnen viel Glück und Erfolg wünschte und die mit einem Daumen nach oben endete.

Sie antwortete ihm nicht, erst musste er ihr beweisen, dass er „brav“ war.

So hatte sie es ihm ja auch aufgetragen und er hatte nach der Prüfung bis zur offiziellen Auswertung, die etwa zwei Wochen dauerte, Zeit dafür.

Generell erteilte sich Erin selbst über das lernintensive Wochenende ein Handyverbot, an das sich auch Jiang hielt und welches es den Mädchen nur erlaubte vor dem Frühstück und kurz vorm Schlafen ihre Smartphones einzuschalten.

So hatten beide Mädchen bezüglich der schriftlichen Prüfung ein sehr gutes Gefühl und konnten in der Nacht von Sonntag auf den Montagmorgen, an dem die schriftliche Mammutprüfung stattfinden würde, sicher einschlafen.

Es war schließlich Montag geworden und Erin wurde dieses Mal für die Prüfung dem Auditorium zugeordnet, genauso wie auch Mayla und Jiang.

Auf dem ihr zugewiesenen Platz konnte sie nach schräg unten zu Jiang hinunter sehen und Mayla saß zwei Reihen über ihr.

Frau Menztel, eine der beliebteren Lehrkräfte der Akademie war die Prüfungsaufsicht.

Sie ging von Platz zu Platz um persönlich die verdeckten Seiten der Prüfung auszuteilen und bei jedem Schritt wippten die schwarzen Locken der vollschlanken Referandarin.

Erin sah ihr, bevor alle den Test erhalten hatten und die Bearbeitungszeit begann, bei ihrem Rundgang zu.

Insbesondere blickte sie fasziniert auf ihre obeliskblaue Uniform.

Obelisk-Blue.

Dank der gut verlaufenen Prüfungsduelle standen die Chancen sehr gut, dass sich sie, Jiang, Mayla und Fiona bald alle die gleiche Unterkunft teilen würden und wenn Daniel den Aufstieg zu Ra-Yellow schaffen sollte, dann durften auch er ohne Probleme weiter Kontakt zu den Mädchen haben.

Aber dafür dürfte der Test, oder genauer, Frau Ehrings FST-Teil, nicht so fies sein wie letztes Mal.

„Gut, alle haben nun ihre Prüfung erhalten! Hat jemand von euch noch zum Prüfungsverlauf Fragen?!“, rief die inzwischen ganz unten am Pult angekommene Frau Mentzel in das Auditoium hinein.

Niemand meldete sich zu Wort.

„Dann wünsche ich allen viel Erfolg und die Bearbeitungszeit beginnt jetzt! Ihr dürft eure Prüfungsbögen nun umdrehen!“

Ein lautes Rascheln ging durch den Raum, als alle versammelten Schülerinnen und Schüler gleichzeitig die Papiere wendeten.

Erin las sich die erste Frage zur Duellmathematik, ihrem Lieblingsfach, in welchem sie schon in der Halbjahresprüfung volle Punktzahl hatte, still durch.

„Also, ich habe insgesamt ein Deck mit genau 40 Karten. Keine Karte ist verbannt, auf dem Feld befinden sich vier Karten aus dem Maindeck, in meinem Friedhof habe ich sieben Karten und auf der Hand nur eine Karte, Dringendes Ziehen. Ich aktiviere Dringendes Ziehen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mindestens ein Exemplar einer rettenden Karte ziehe, die sich noch zweimal im Deck befindet? Das ist doch Kinderkram! Als Erstes zieht man von der 40 die...-“, dachte die in der Aufgabenstellung versunkene Erin, bevor sie durch ein allgemeines Raunen im Raum abgelenkt wurde.

Sie sah sich um und mehrere Schüler starrten mal lächelnd, mal erstaunt, mal wütend auf die Treppe rechts neben Erin.

Ohne eine Miene zu verziehen lief Mayla die Treppe hinab, mit ihren komplett unausgefüllten Prüfungspapieren in der Hand.

Ihrer flickenversehener, roter Umhang wehte bei jeder Stufe, die sie nahm.

Erin schluckte bei dem Anblick.

Sie hatte Yunus´ Gedanken, dass Mayla absichtlich eine Slifer-Red bleiben wollte, nach Maylas erfolgreicher Praxisprüfung wieder verworfen, aber anscheinend lag der Junge doch goldrichtig.

Auch Frau Mentzel war sichtlich überrascht über Maylas Entscheidung.

„Bist du dir sicher?“, fragte sie die Sliferkönigin, als sie die leeren Prüfungspapiere auf den Pult legte.

In der kurzen Zeit war Frau Mentzel noch nicht einmal dazu gekommen, die allgemeine Bearbeitungsbeginn- und Abgabeuhrzeit in den Laptop vor ihr einzugeben.

Mayla nickte stumm und verließ ohne zurück zu schauen das Auditorium.

„Na, klasse!“,dachte sich Erin.

Sie guckte zu Jiang, doch die war komplett auf ihren Test fokussiert und schrieb in einem Wahnsinnstempo ihre Antworten nieder.

Erin überlegte.

Mayla hatte mit 0 Punkten in der schriftlichen Prüfung keine Chance die nötigen 65% für Ra-Yellow zu erreichen, sie würde definitiv eine Slifer-Schülerin bleiben.

Fiona hingegen, die einen schnellen Sieg im Praxisduell hatte und schon letztes Mal 100% in der schriftlichen Prüfung erreichte, würde definitiv eine Obeliskin bleiben.

Für Jiang, die ebenfalls schnell gewonnen hatte und generell sicherer in der Duelltheorie als Erin war, galt im Grunde das gleiche wie für Fiona, sie würde bestimmt zu Obelisk-Blue aufsteigen.

Und was war mit ihr selbst?

So wie Erin ihre Lage einschätzte, hatte sie mindestens 95% im Praxisduell, wenn sie ebenfalls aufsteigen wollte, fehlten zu den gesamt 90% also 85% in der Theorieprüfung.

Eine sehr machbare Zahl, wenn sie bedachte, wie viel Zeit sie sich für die Prüfungsvorbereitung diesmal genommen hatte.

Zumindest, wenn sie mal langsam mit der Bearbeitung anfangen würde.

Aber...

Wenn alle anderen am Ende in Obelisk-Blue sind und keinen Kontakt zu Slifer-Reds mehr haben durften.

Wenn auch Daniel der Aufstieg gelang.

Was wird dann aus ihr werden?

Was hatte sich Mayla bloß gedacht?

Bedeutete ihr die Freundschaft zu Erin und Fiona so wenig?

Erin verwarf in ihrem Kopf die letzte Frage, als sie sich ihr Gespräch mit Mayla vor dem Prüfungsduell wieder in Erinnerung rief.

Mayla war die Freundschaft wichtig, aber ihre Position als Vertreterin der Slifer war ihr wohl einfach wichtiger.

Erin umklammerte den Kuli in ihrer rechten Hand mit so viel Kraft, das es schmerzhaft wurde.

Sie musste unweigerlich an das Duell mit Yunus denken.

Das, was er ihr gesagt hatte, dass Obelisken weniger frei seien als die Ra-Yellows.

Dass er kein Obelisk werden wollen würde.

Er würde wahrscheinlich seinen Test im Schnelldurchlauf ausfüllen, gut genug um in etwa 60% der maximalen Punktzahl zu holen.

90 bis 100% + 60% geteilt durch 2 macht dann 75 bis 80 %, genau in der Mitte zwischen den 65% die man für Ra-Yellow und 90% die man für Obelisk-Blue brauchte.

Die Frage war nur, ob Erin es genauso machen sollte.

„Wir brauchen keine blauen Uniformen um hier glücklich zu sein!“, hallte es in ihrem Kopf.

Erin fällte ihre Entscheidung und begann zu schreiben.

Etwa vier Stunden später, während die Schülerinnen und Schüler neben, unter und über ihr noch allesamt weiterarbeiteten, gab Erin eine lückenhafte Prüfung ab.

Wenn sie die Freundschaft zwischen ihr, Mayla und Fiona wiederherstellen wollte, dann musste sie weiterhin dafür das Bindeglied zwischen Obelisk-Blue und Slifer-Red bleiben.

Und das funktioniert nur als eine Ra.

Duell der Könige - Teil 1

Der Tag des Abschlussduells war schließlich gekommen.

Alle Schülerinnen und Schüler waren verpflichtet, sich um Punkt 10 Uhr auf der erhöhten Tribüne des Stadions einzufinden.

Auch wenn vor dem großen Duell noch die Verabschiedungszeremonie der diesjährigen Absolventen stattfand, waren Erin und Jiang derart gespannt, dass sie bereits 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn angekommen waren.

Die sehr zahlreichen Sitzplätze waren noch größtenteils unbesetzt und die Mädchen suchten sich einen Platz nahe des Brüstungsgeländers.

„Das ist eine sehr schöne Aussicht“, stellte Jiang fest.

Erin nickte.

„Auf jeden Fall. Hier hat sich in den letzten Tagen ganz schön was getan.“

Etwa drei Meter unter ihnen, umkreist von der ovalförmigen Tribüne befand sich das Stadioninnere, wo vor zweieinhalb Wochen der Praxispart der Jahresabschlussprüfung stattfand.

Von den vier mal sechs Duellplattformen waren die innersten acht komplett abgebaut und an ihrer Stelle befand sich eine sehr große Plattform, auf der in einer halben Stunde Mayla auf Aland treffen würde.

Zu der großen Plattform führte vom Eingangsbereich ein langer, sliferroter Teppich hin, während die andere Seite der Duellplattform über einen obeliskblauen Teppich mit dem Ausgang verbunden war, ein Hinweis darauf, auf welcher Seite welcher Duellant stehen werden würde.

Ebenfalls auffällig war die auf der Obeliskenseite in der Plattform eingebaute Eisenstange, die zu einem Sitzpolster mit Rückenlehne führte.

„Hey, Erin, hast du eine Idee, wofür das da sein soll?“, fragte Jiang, während sie auf den Sitz zeigte.

„Naja, auf Stühle setzt man sich normalerweise hin“, antwortete sie schulterzuckend, „Aber wäre schon ziemlich albern, wenn sich der ach so mächtige König im Sitzen duellieren wollen würde.“

Was für ein absurder Gedanke, wie könnte man jemals darauf kommen Duel Monsters nicht im Stehen zu spielen?

Erin lehnte sich zurück und betrachte die neu angebrachten Banner und Stadionbildschirme.

Über den Zuschauerrängen hingen insgesamt vier Stoffbanner in den Akademiefarben.

Ein breites, rotes Banner mit einer Abbildung des Himmelsdrachen war oberhalb des Stadioneingangs auf Maylas Seite zu sehen, direkt gegenüber hing das obeliskblaue Banner mit dem Peiniger.

Schmalere, gelbe Banner zeigten den Geflügelten Drachen des Ra auf den beiden Seiten zwischen Stadionein- und Ausgang und direkt über den Bannern hingen zwei breite Monitore, die im Moment lediglich die Uhrzeit abbildeten.

9:44.

Erin und Jiang hatten sich bewusst Plätze unter einem gelben Banner gesucht.

Auf diese Weise wollte die Akademieleitung wohl mitteilen, dass sich die Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Häuser voneinander getrennt zu setzen hatten.

Es gab soweit die Mädchen wussten keine expliziten Anweisungen zur Trennung, allerdings schienen die nach und nach eintrudelnden Zuschauer das Prinzip der Banner sofort zu verstehen.

Zu Erin und Jiangs Linken bildete sich ein überwiegend roter Block und gegenüber, über dem Stadionausgang lag der Obeliskenblock.

Beide Blöcke wurden durch die Ra-Yellows in der Mitte voneinander getrennt, unter denen sich auch einzelne Slifer-Red und Obelisk-Blue Schüler befanden.

Zwischen den Obelisk-Blues waren immer wieder vereinzelte Erwachsene zu sehen, darunter auch wichtig wirkende Männer und Frauen in Anzügen.

„Dürfen wir?“, fragte Leroy, der plötzlich mit einem zur Begrüßung lächelnden und winkenden Daniel zusammen neben Erin stand und auf die leeren Sitzplätze neben ihr zeigte.

Daniel trug aus Solidarität zu Mayla noch immer rot, auch wenn er mit 79% die 65%-Hürde zu Ra-Yellow deutlich überschritten hatte.

„Bedient euch, es sind sowieso mehr als genug Sitzplätze für alle da.“

Die Jungen setzten sich.

„Da muss ich dir widersprechen, Erin. Beim letzten Jahresabschluss war die Stadiontribüne nur etwa zur Hälfte gefüllt, das weiß ich noch. Aber mein Jahrgang bestand anfangs aus etwa 580 Schülerinnen und Schülern, ihr seid über 610 und der ehemalige dritte Jahrgang, der nun seinen Abschluss gemacht hat, umfasst circa 530 Schülerinnen und Schüler. Jedes Jahr kommen also deutlich mehr neue Schülerinnen und Schüler dazu, als die Akademie verlassen.

„Ah, deshalb gibt es so viele Plätze, man hat beim Stadionbau schon an die steigende Schülerzahl in der Zukunft gedacht“, schlussfolgerte Jiang.

„Exakt, aber die Tribüne ist nicht nur für die eingeschriebenen Schüler gedacht“, erklärte Leroy weiter und zeigte dabei auf die durch das Fehlen einer Uniform auffallenden Erwachsenen in der Obeliskenkurve, „Die Eltern der Topabsolventen, Sponsoren der Akademie sowie einige Talentscouts aus den verschiedensten Unternehmen und Vereinen der Duel-Monsters-Branche sind ebenfalls zur Abschlusszeremonie und dem Jahresabschlussduell eingeladen.“

„Wir haben ja echt Glück, das wir einen alten Hasen unter uns haben, der uns alles erklären kann“, stellte Daniel schmunzelnd fest.

„Tja, alt triffts ganz gut. Nächstes Jahr um die Zeit verbringe ich meine letzten Minuten auf dieser Insel, hoffentlich mit nem guten Zeugnis und ner blauen Uniform. Drei Jahre gehen echt schnell vorbei, wenn man so drüber nachdenkt.“

„Dieses Jahr hat es noch nicht zum Aufstieg zu Obelisk-Blue gereicht?“, fragte Erin nach und erntete ein verlegenes Lachen.

„82%, aber immerhin steige ich nicht zu Slifer-Red ab. Wo wirst du das nächste Halbjahr verbringen? Auch mit Daniel und mir im Haus Ra-Yellow?“

„Japp“, antwortete Erin so knapp wie möglich, um weitere Ausführungen zu vermeiden.

Sie sah Leroy an und spürte förmlich, wie sich ein böser Blick von Jiang in ihren Hinterkopf bohrte.

Jiang war sehr enttäuscht darüber, dass sich Erin in der schriftlichen Prüfung keine Mühe gegeben hatte, denn sie wollte nicht noch einmal eine Freundin an ein anderes Haus verlieren.

Es waren Tränen geflossen und einige unüberlegte Worte gefallen.

Glücklicherweise hatten Erin und Jiang in den Tagen nach den Prüfungen viel Zeit sich auszusprechen und zu versöhnen, denn im Unterricht gab es nur Wiederholungen von alten Themen und keine Hausaufgaben mehr.

Dennoch.

Immer wenn Leroy dabei war, sprach er einfach unangenehme Themen an, da würde sie später mal ein ernstes Wort mit ihm reden müssen.

Leroy sah Erin kurz fragend an, schaute dann aber neugierig zu Jiang.

„Ich habe genau 90% in der Prüfung geschafft“, sagte Jiang nicht ohne einen hörbaren Stolz in der Stimme.

„Ich gratuliere...ähm...Wir wurden einander nie vorgestellt oder? Erin, du Trantüte, hol das mal nach!“

„Jiang – Leroy, Leroy – Jiang“, ratterte sie trocken herunter und grinste Leroy daraufhin überzogen breit an.

„Ji-anng?“

„Liebe Schülerinnen und Schüler der Duellakademie“, ertönte die Stimme des Direktors, der in der Zwischenzeit, gefolgt von Frau Ehring, Herrn Tillner, Herrn Althus, und Frau Mentzel, die große Hauptplattform betreten hatte, „auch dieses Jahr ist es mir eine außerordentliche Freude, unsere wertem Gäste begrüßen zu dürfen. Ich bedanke mich von Herzen bei den Repräsentanten der Shaaban-Future-Group, DM-Tech-Solutions Germany und aus den Vereinen Erster Ritual-Düsseldorf, Göttingen 05 und dem DMC Karlsruhe für ihr heutiges Erscheinen und begrüße zuletzt selbstverständlich auch die stolzen Eltern unserer diesjährigen Topabsolventinnen und -Absolventen!“

Eilig drückte er Frau Ehring sein Mikrophon in die Hand und durchsuchte daraufhin die diversen Innen- und Außentaschen seines braunen Sakkos und seiner Hosentaschen.

Nach einigen, sich elendig lang anfühlenden Sekunden, wurde die Zuschauerschaft langsam unruhig und so erbarmte sich die Vizerektorin: „Wenn Sie es mir gestatten, verehrter Herr Direktor, Sie haben die Liste in der linken Brusttasche ihres Hemds verstaut.

„Ach Ja!“

In Rekordgeschwindigkeit griff der Direktor einen gefalteten Zettel aus seiner Brusttasche, klappte ihn auf und ließ sich von Frau Ehring das Mikrofon zurückgeben.

„Ich bitte um einen großen Applaus für unseren ersten aufstrebenden Stern! Komm auf die Bühne: Saskia Blumenthal!“

Ein junge Frau in blauer Obeliskenuniform ging nun über den blauen Teppich auf die große Hauptplattform zu und winkte auf dem Weg der Zuschauerschaft auf der Tribüne zu.

Wie gebeten, klatschen ihr die allermeisten Anwesenden aus Höflichkeit Beifall, so auch Erin, Jiang, Leroy und Daniel.

Lediglich ein Großteil der Slifer-Red-Schülerschaft weigerte sich und einige verschränkten sogar demonstrativ die Arme.

Ein Zeugnis dafür, wie vergiftet das Verhältnis zwischen den Häusern inzwischen war.

Saskia stieg auf die Duellplattform, auf der schon die Lehrerschaft auf sie wartete, um ihr nacheinander die Hand zu schütteln und ihr für ihre großartigen Noten zu gratulieren.

Zuletzt reichte ihr auch Frau Mentzel die Hand und überreichte ihr schließlich das Abschlusszeugnis.

Saskia lächelte, sie verbeugte sich ein wenig und blieb dann an Ort und Stelle stehen, woraufhin der Direktor gleich den nächsten Namen aufrief und zur Plattform bat.

„Das geht jetzt noch ein paar Mal so. Es werden jetzt die zehn besten Schülerinnen und Schüler des dritten Jahrgangs aufgerufen und aufgereiht, danach hält der Direktor seine kleine Rede, beglückwünscht die Absolventen für ihren Arbeitseifer und wünscht ihnen alles Gute für die Zukunft und solche Floskeln eben. Und danach...kommt das Hauptevent“, erklärte Leroy die Prozedur.

Ein blasser, aber muskulöser Jüngling mit Bürstenschnitt und makellosem Lächeln joggte auf die Bühne und winkte dabei wie Saskia vor ihm den Zuschauern zu.

Im Gegensatz zu ihr, trug er die weiße Uniform der Krone.

Erin beachtete ihn kaum, sie hatte inzwischen bemerkt, dass die Monitore angeschaltet worden waren.

Zu sehen war ein großes Passfoto des aufgerufenen Absolventen sowie sein Name, eine Auflistung aller seiner Prüfungsergebnisse in den vergangenen sechs Halbjahren, sein außerunterrichtliches Engagement und sein GY-Score.

Anton Fredriksson,

1. HJ: prakt. 98%, schriftl. 92% gesamt: 95%

2. HJ: prakt. 100% schriftl. 93% gesamt: 96,5%

3. HJ: prakt. 99% schriftl. 95% gesamt: 97%

4. HJ: prakt. 98% schriftl. 90% gesamt: 94%

5. HJ: prakt. 97% schriftl. 92% gesamt: 94,5%

6. HJ: prakt. 100% schriftl. 95% gesamt: 97,5%

Gesamtwertung: prakt. 98,67% schriftl. 92, 83% gesamt: 95,75%

Besonderes Engagement: Theater-AG 1 – 6HJ, Leitung Theater-AG 4 - 6HJ, zweiter Platz DM-Bundesjugendeinzelmeisterschaft 2020, vierter Platz DM-Bundesjugendeinzelmeisterschaft 2021.

GY-Score: 2051.

„Beeindruckend, nicht wahr?“, fragte Leroy Erin, „Anton war vor einem Jahr der vierte Kronprinz, aber er hat doch ein wenig in der Theorie geschwächelt. Die nächsten acht haben alle eine noch höhere Gesamtwertung als er.“

Doch Erin hörte seinen Erklärungen kaum zu.

Sie klatschte der Höflichkeit wegen mit, aber wenn sie mit sich selbst ehrlich war, konnte sie dieser Veranstaltung nicht viel abgewinnen.

Irgendetwas an der Art, wie die letzten drei Jahre eines ehemaligen Mitschülers auf wenige Kennzahlen runtergebrochen wurden und wie diese reduzierten Zahlen irgendwelchen Vertretern von Großunternehmen und Sportverbänden präsentiert wurden, die den Menschen hinter den Zahlen nie kennengelernt hatten, gefiel ihr überhaupt nicht.

War sie alleine mit diesem Gedanken?

Zumindest sprach ihn niemand um sie herum aus.

Was wohl Yunus zu der Abschiedszeremonie zu sagen hätte?

Erins drehte sich um und ihr Blick fuhr durch die gelb uniformierte Schülermasse hinter ihr.

Sie erkannte einige bekannte Gesichter, wie Kim und Kiara, die Zwillinge, gegen die sie mit Fiona zusammen in der Halbjahresprüfung angetreten war und eine Weile später sah sie auch Tara, die wirre aber auf ihre eigene Art geniale Verschwörungstheoretikerin, die damals mitgeholfen hatte, Barry zu konfrontieren.

Yunus war allerdings nirgends zu sehen.

Er musste wohl auf dem gelben Block gegenüber sitzen, allerdings war dieser zu weit weg, um einzelne Gesichter oder verschmutzte Uniformen erkennen zu können.

„Suchst du jemanden Bestimmtes?“, fragte sie Jiang.

„Ich meinte Fionas Stimme hinter mir gehört zu haben, aber da habe ich mich wohl geirrt“, redete sich Erin raus.

Bloß nicht über Yunus sprechen, um keinen Preis.

„Ich denke Fiona sitzt wie die meisten Obelisken über dem Ausgangsbereich, ich habe sie hier zumindest nicht gesehen und gehört“, sagte Jiang und schaute in den blauen Block.

Leroy gähnte.

„Das ist wohl echt nicht deine Tageszeit, was?“, fragte Erin schelmisch, woraufhin sie von ihm ein genervtes Stöhnen als Antwort erhielt.

„Zuhause würde ich einfach einen Kaffee trinken, um mich wach zu halten. Aber die Kantine verkauft leider nur Kaffees an Schüler im dritten Jahrgang. Darauf freue ich mich schon im nächsten Jahr.“

„Da! Das könnte doch Fiona sein, oder?“

Erin schaute in die Richtung, in die Jiang zeigte.

Sie kniff angestrengt die Augen zu.

„Hast glaube ich Recht, das könnte Fiona sein.“

Fionas kurze rote Locken waren ein gutes Erkennungsmerkmal, um sie auch auf Distanz von anderen Mitschülerinnen unterscheiden zu können, aber auf diese Entfernung war es doch schwierig sich sicher zu sein.

„Ist doch egal, von mir aus kann sie sonstwo bleiben!“, entgegnete Daniel gereizt.

Eine verständliche Reaktion.

Dass die Sliferkönigin sich geweigert hatte, die schriftliche Prüfung zu bearbeiten, hatte sich in wenigen Tagen in der ganzen Akademie herum gesprochen und Fiona, die wohl auch Maylas Aufstieg hoffte, war davon höchstwahrscheinlich wohl alles andere als begeistert.

Als Mayla sie vor Kurzem angeschrieben hatte, ob sie sich treffen könnten, oder zumindest telefonieren, kam von ihr die Bedingung, dass Mayla ihr zuerst versprechen müsste, nicht zum Jahresabschlussduell anzutreten.

Eine Forderung, die für Mayla nicht in Frage kam.

Und so herrschte wieder Funkstille.

Aber Erin blieb optimistisch.

Wenn das Duell gegen Aland und generell das Akademiejahr vorbei ist, dann gibt’s einen Streitpunkt weniger und gleichzeitig viel Zeit, um den Ärger aufeinander endlich zu vergessen.

„Mensch! Passt doch mal ein bisschen auf! Jetzt kommt die frühere zweite Kronprinzessin Jana Vay Tomczyk!“, forderte Leroy energisch, „Hehe, als ich sie das erste Mal im Duell gesehen habe, hatte ich mich sowas von in sie verknallt und ich weiß, dass ich nicht der Einzige war!“

Erin beachtete die Tafel kaum.

Sie schaute in Richtung des rothaarigen Mädchens.

Es schien, als würde sie plötzlich aufstehen und über die gelegentlichen freien Sitzplätze sich langsam von der Tribüne bewegen.

Viele Obeliskinnen und Obelisken drehten sich zu ihr um und Erin konnte einzelne Armbewegungen erkennen, die verdeutlichten, dass sie sich wieder hinsetzen solle.

Aber das rothaarige Mädchen ließ sich nicht beirren und verließ schließlich den Zuschauerraum.

Erin war sich nun sicher, dass das definitiv Fiona war.

Was hatte sie vor?
 


 

°°°
 


 

„Hey, Mayla! Da bist du ja!“

Fiona eilte die Treppe runter und sah, alleine neben einem Mann, der zum unterstützenden Schulpersonal gehörte, Mayla im Eingangsbereich des Stadions stehen.

Oberhalb ihrer Brust war bereits ein Lavalier-Mikrofon für das große Duell angesteckt.

Über ihren Schultern hing offen der selbe schäbige Umhang, mit dem sie zur praktischen Prüfung gekommen war.

Sie meinte ihr Königingespiele offenbar sehr ernst, aber jetzt, wo sich Fiona dazu durchgerungen hatte, Mayla ein letztes Mal zu konfrontieren, ließ sie sich davon auch nicht aufhalten.

„Halt! Andere Schülerinnen und Schüler haben hier nichts verloren, gehe bitte wieder sofort zurück auf die Tribüne“, forderte der Kerl und stellte sich am Treppenende Fiona in den Weg.

Sie versuchte sich an ihn vorbei zu drängen, doch er hielt sie am Arm fest.

„Wenn du mich nicht SOFORT loslässt, schreie ich und behaupte, dass du mich angegrabscht hast!“, fauchte Fiona ihn an und mit einem Grummeln ließ er Fionas Arm los.

„In spätestens fünf Minuten bist du wieder oben!“

„Was willst du von mir? Ich brauche Ruhe, bevor es gleich losgeht“, sprach Mayla sie ernst an.

„Ruhe? Ich dachte, du wolltest mit mir reden!?“

Mayla atmete einmal tief ein und aus.

„Das ist kein guter Zeitpunkt dafür. In wenigen Minuten ist die Rede des Direktors beendet und ich muss dann raus und mich zu hundert Prozent auf das Duell konzentrieren.“

„Du hast keine Chance, Mayla! Du weißt nicht, mit wem oder...Was du dich da gleich anlegst! Chris, die Kronprinzessinen und Kronprinzen allgemein und König Aland sind für uns unbesiegbar! Man wird dich bloßstellen, man wird an dir ein Exempel statuieren, um zu zeigen, warum es sinnlos ist, sich als Slifer gegen die Blaue Ehre oder die Krone wehren zu wollen!“

„Bist du nur deshalb zu mir gekommen, um meine Fähigkeiten zum sonstwievielten Mal schlecht zu reden? Ich hatte ehrlich gehofft, dass du mir etwas Positives sagen wolltest.“

„Gut, meinetwegen! Dann hab ich was Positives für dich: Der Vorschlag, dass du gegen den König antrittst, kam von Zoe Demont persönlich und unter anderem zwar, weil sie sich selbst vor einem Duell mit Aland fürchtet. Wenn du jetzt noch einen Rückzieher machst, dann wird dir keiner einen Vorwurf machen können. Niemand will gegen den König kämpfen müssen!“

Der Geist von Maylas Tango-Tintenfisch meldete sich zu Wort: „Aber du willst kämpfen, Mayla. Wir spüren deine Entschlossenheit und wenn sie eine wahre Freundin wäre, dann würde sie sie ebenso spüren!“

Das war ein Punkt.

„Fiona, ich werde für Gerechtigkeit sorgen. Gegen den Obeliskenkönig zu duellieren ist mein erster Schritt. Selbst wenn ich verlieren sollte, ich kann trotzdem andere dazu inspirieren, sich für ihre

schwächeren Mitschüler einzusetzen, ich kann trotzdem zeigen, dass auch Slifer Reds Respekt verdienen. Deshalb...fürchte ich keine Niederlage.“

Sie klang ruhig, bestimmt.

„Mayla! Ich flehe dich an! Tu es nicht! Meinetwegen gehe ich auch zurück zu Ra-Yellow, dann können wir wie früher zusammen sein, ohne dass du irgendwas an der Blauen Ehre ändern musst!“

Fionas Stimme überschlug sich.

Mayla schwieg.

Sie hatte Fiona nichts mehr zu sagen.

Enttäuscht wandte sie den Blick von Fiona ab und schaute stur in Richtung Stadioneingang.

„Sie gibt eher ihre hart erkämpfte Zugehörigkeit zum blauen Haus auf, als dass sie deinen Duellfähigkeiten vertraut! Fiona ist eine schreckliche Freundin“, dröhnte der Walzer-Wal.

„Yeah! ECHTE Homies halten einander immer den Rücken frei, anstatt so whack rumzusnitchen!“, stimmte der Robot-Rochen auf seine eigene Weise ein.

„JETZT SAG DOCH IRGENDWAS, VERDAMMT NOCHMAL!“, schrie Fiona sie an.

Doch Mayla schüttelte nur stumm den Kopf.

„Du fürchtest keine Niederlage, hä? Weißt du was? Seit du damals gegen diesen Bärentypen verloren hast, bist du nicht mehr die Selbe. Du hast Albträume, hörst Stimmen, läufst wie eine Verrückte irgendwelchen Geistern hinterher. Du verlierst von einem Moment auf den nächsten das Bewusstsein. Das alles war wegen EINER Niederlage, bei der es kaum Zeugen gab. Was wird mit dir passieren, wenn man dich vor den Augen von über tausend Zuschauern erniedrigt? Du solltest Angst haben. Ich habe nämlich Angst um dich.“

Der Schulassistent griff in die Hosentasche.

Sein Handy vibrierte und er entsperrte den Bildschirm.

„Mayla Deniz, es geht jetzt los.“

„Gut. Ich bin bereit.“

Sie sah ihre verzweifelte ehemalige Freundin ein letztes Mal an.

„Hab keine Angst. Mir wird es gut gehen.“

Dann ging sie in Richtung Stadion.
 


 

°°°
 


 

Zehn nebeneinander gereihte Spitzenduellantinnen und -duellanten verneigten sich synchron vor der sie anjubelnden und applaudierenden Masse.

Winkend und lachend liefen sie den blauen Teppich zurück in Richtung Ausgang, mit ihren Zeugnissen fest in den Händen.

Direktor Schrainmann ließ sich von Herrn Tillner eine kleine Wasserflasche reichen und nahm, während sich das Stadion langsam wieder beruhigte, einen kräftigen Schluck.

„Nun, zehn fantastische Duellantinnen und Duellanten verlassen uns heute, gemeinsam mit ihren über 500 Mitschülern! Aber wo ein Ende ist, da ist ein Anfang! Diese, nein, UNSERE Akademie steckt noch immer voller Potential! Und zwei ganz besondere Schüler werden uns das nun im letzten großen Duell dieses Schuljahres unter Beweis stellen! Aber zuerst muss ich wissen, ob ihr auch alle genauso viel Lust auf das große Jahresabschlussduell habt wie ich! Seid ihr alle bereit!?“

Er hielt sein Mikrophon mit ausgestrecktem Arm in die Luft.

„JA!!!“, brüllten hunderte von aufgeregten Schülern auf einmal.

Sie wollten alle sehen, wie stark der mächtigste Duellant der Insel wirklich war.

Sogleich hielt sich der Direktor das Mikro wieder unter seinen Vollbart.

„Na, das war ja eine ganz eindeutige Antwort! Die mutige Herausforderin ist ein ganz besonderes Mädchen! Nach einer miserabel verlaufenden Aufnahme- und Halbjahresprüfung hat sie nicht aufgegeben, ganz im Gegenteil! Als eine Schülerin aus dem Hause Slifer-Red hat sie zahllose Ras und Obelisken bezwungen und sich den fünfthöchsten GY-Score des ersten Jahrgangs erkämpft! Sie ist eben immer für eine Überraschung gut und wer sie unterschätzt, hat schon verloren! Einen herzlichen Applaus für die Sliferkönigin, Mayla Deniz!“

Das war ihr Stichwort.

Mayla betrat das Stadion und die Menge der Slifer-Reds und über ihr und auch ein Großteil der Ras begann zu toben.

Kevin sprach seinen Sitznachbarn, einen früheren Handlanger von Leroy aus seiner kurzen Erpresserzeit an: „Kaum zu glauben, ein Slifer tritt im Jahresabschlussduell gegen den stärksten Schüler der Akademie an. Es ist schon absurd, dass der Obeliskenkönig sie als einen würdigen Gegner erachtet.“

„Daran ist überhaupt nichts absurd! Mayla ist ja ganz klar die wirklich stärkste Schülerin der Akademie!“, maulte die in der Reihe unter ihm sitzende Jenny ihn an und Carlos stimmte gleich mit ein: „Auf wessen Seite stehst du eigentlich?! Du bist doch auch ein Slifer!“

„Hey, ruhig Blut, habe nie behauptet, dass ich ihr nicht die Daumen drücken würde!“

Er stöhnte.

Von viel zu vielen viel zu lauten Menschen umzingelt zu sein, behagte Kevin überhaupt nicht, aber dieses Duell durfte er sich einfach nicht entgehen lassen.

„May-la! May-la! May-la!“, ertönte es hinter dem Mädchen.

Sie lächelte und spielte kurz mit dem Gedanken, sich umzudrehen und ihren Fans zuzuwinken.

Doch das kam nicht in Frage.

Fast wie von alleine lief sie den roten Teppich entlang auf die große Plattform zu.

Es kam für sie kein Zurück mehr und es gab noch nicht einmal Stillstand.

Es gab nur einen Weg, immer weiter und weiter geradeaus.

„Hey, während des Duells brauche ich Ruhe. Auch wenn ihr es gut meint, ich will von euch bitte kein Wort hören, verstanden?“, flüsterte sie beim Gang zum Podest ihren Wassertänzern zu.

„Alles klar, du bist der Chef!“, entgegnete die Stimme vom Disko-Delfin.

Als sie auf der Duellplattform angekommen war, drehte sie sich zu den Slifern hinter ihr und verbeugte sich tief.

Mayla wandte sich danach dem Direktor zu.

„Ich möchte wenn es möglich ist vor dem Abschlussduell noch ein paar Worten zu meinen Mitschülern sprechen. Bitte erlauben Sie es mir.“

„Bitte, dafür hat man dich ja schon extra verkabelt! Du weißt noch, wie dein Ansteckmikrofon angeht?“

„Ja, dass weiß ich. Haben Sie vielen Dank, Herr Direktor.“

Sie kam sich schon beinahe schmutzig dafür vor, sich bei diesem Mann zu bedanken.

„Wussten Sie auch, was Sie taten, als Sie Benjamin zur Kellerfrau geschickt haben?“, hätte sie am liebsten gefragt.

Aber ganz egal ob er es wusste oder nicht, Benjamins Blut klebt nun auch an seinen Händen.

Sie schaltete das Lavalier-Mikrofon an.

„Liebe Mitschüler! Wir alle haben ein turbulentes Jahr hinter uns! Einige wurden zu Opfern von Diebstählen, andere ließen sich zu illegalen Duellen mit Wetteinsätzen verlocken und verloren dabei ihre Karten! Dieser Irrsinn endete zum Glück bereits im letzten Halbjahr und inzwischen haben alle ihre Karten wieder zurück!“, sie machte eine kurze Kunstpause. Die Ruhe im Stadion verriet Mayla, dass man ihr gebannt zuhörte.

„Doch das heißt nicht, dass das Leiden für alle ein Ende hat! Ich spreche von gezieltem Mobbing! Ich spreche von Ausgrenzung und Herabwürdigung! Ich spreche von den Lügen, die man über uns verbreitet und von der Androhung von Gewalt! Ich spreche von der widerwärtigen Propaganda der sogenannten Blauen Ehre!“

Kaum war der letzte Satz ausgesprochen, schon wurde sie vom Blauen Block niedergebuht und ausgepfiffen.

Aber das spornte Mayla nur noch mehr an.

„Ein menschenverachtender Kodex, der rohe Stärke über Mitgefühl stellt und Freundschaften zwischen Schülerinnen und Schülern aus Obelisk-Blue und Slifer-Red verbietet! Aber das WAHRE Problem steht neben mir auf der Bühne!“

Sie zeigte anschuldigend auf den Direktor.

„Junge Menschen, die lernen und an sich arbeiten wollen, werden von dem perversen System, das der Direktor aufgebaut hat, auf Punktzahlen in den Prüfungen reduziert! Als ob wir nicht mehr wären als ein GY-Score oder als unsere Noten! Der Akademiestab selbst vermittelt allen Schülerinnen und Schülern, dass nur das Gewinnen zählt und trennt dann die Gewinner von den Verlierern auf!“

Frau Ehring, vor Wut kochend, wollte Mayla das Mikrofon von der Uniform reißen, doch Direktor Schrainmann fasste ihr beruhigend an die Schulter.

„Lassen Sie die Kleine ausreden. Ist doch ganz unterhaltsam.“

„Man trennt die Slifer von den anderen Schülern ab! Man steckt sie in eine schäbige Unterkunft mit kleineren Zimmern und schlechterem Essen! Es ist kein Wunder, dass manche Obelisken auf die Idee kommen, dass wir Slifer-Reds Menschen zweiter Klasse wären, wenn uns die Akademie selbst wie welche behandelt! Wenn auch ihr unter dieser Unterdrückung gelitten habt und euch wünscht, dass sich etwas ändert, dann will ich, dass ihr wisst, dass ihr nicht alleine seid! Genau jetzt sind wir zusammen! Nicht nur ich, sondern alle Schüler, die Gerechtigkeit wollen stehen zusammen mit mir auf dieser Plattform! Und gemeinsam werden wir alles und jeden besiegen und diese Akademie zu einem besseren Ort für alle machen!“

Maylas feurige Ansprache war vorbei und hatte erfolgreich den gesamten Zuschauerraum gespalten.

Es gab Standing Ovations von den Slifern, Pfiffe und Buhrufe von den Obelisken und verhaltenes Klatschen bis hin zu verständnislosem Kopfschütteln von dem gelb tragendem Rest.

Erin war baff und sah zu Daniel rüber: „Hast du gewusst, dass sie so eine Rede vom Stapel lassen wird?“

Er zuckte mit den Schultern.

„Ich glaube, das hat sie bis vor wenigen Minuten selbst nicht einmal gewusst. Aber mir hats gefallen. Wird mal höchste Zeit, dass jemand Klartext spricht!“

„Wow! Deine Leidenschaft hat uns echt berührt!“, lobte die Flamenco-Forelle ihre Besitzerin.

Der Direktor hingegen schien von Maylas Worten unberührt und lächelte und winkte den Zuschauern weiterhin zu, als ob er die scharfe Kritik ihm gegenüber komplett überhört hätte.

„Na, das klang doch schon sehr selbstbewusst! Aber kann ein Newcomer wie Mayla auch einen echten König schlagen?! Es ist Zeit ihren Gegner vorzustellen! Der amtierende König hat genau das geschafft, was Mayla nun vorhat! Er hat als erster und bisher einziger Schüler des ersten Jahrgangs im Jahresabschlussduell den Königstitel erkämpft! Er stellt den Rekord für den höchsten GY-Score, seit seiner Einführung von vor fünf Jahren und als Schüler des zweiten Jahrgangs hat er sogar noch mehr als genug Zeit seinen Score weiter auszubauen!

In allen vier schriftlichen und seinen letzten drei praktischen Prüfungen, erzielte er perfekte Wertungen von 100%!

Applaus für einen jetzt schon legendären Duellanten der Superlative! Hier kommt der neunte Obeliskenkönig, Aland Kaya!“

Noch bevor der König das Tor zum Stadionsausgang passierte, begann der blaue Block wie auf Befehl laut und durchgehend zu klatschen.

Fiona eilte durch die klatschende Masse zurück zu ihrem Sitzplatz, wo eine sie genervt anblickende und gleichzeitig mit klaschende Lucia-Ann bereits auf sie wartete.

„Na, alles erledigt, was du so vorhattest?“

Lucia-Ann wusste genau, was Fiona vorhatte, sie konnte sie inzwischen ganz gut einschätzen.

Nachdem Mayla nicht nur zum Kampf angetreten war, sondern auch noch ihren wütenden Monolog gegen die Obelisken und den Direktor selbst gehalten hatte, war ihr klar, dass Fionas Mühen wenig erfolgreich waren.

„Du hättest das Mädchen mal erleben sollen! Offen gesagt, hatte ich bis vor wenigen Minuten noch ein wenig Respekt vor deiner Freundin, aber...“

Lucia-Ann lachte.

„Kaum hatte sie die Bühne betreten, schon begann sie herum zu jammern, wie unfair alle zu den Rotjacken wären und dass die Akademie und der Direktor an allem Schuld sein und...boah, ich dachte echt, die hält gar nicht mehr die Klappe!“

„Ich kann es mir leider gut vorstellen, ja“, entgegnete Fiona knapp, setzte sich und begann dann ebenfalls, wie man es von ihr erwartete, dem König Beifall zu leisten.

„Sie ist verloren, das weißt du, ja?“, sagte sie nun in einem sehr viel mitfühlender klingendem Ton.

„Ja... Ich weiß.“

Dann war der König, wenn auch durch die weißen Handschuhe, die Haube und den Obelisken-Kronen-Helm, bedeckt, zu sehen.

Gestützt von der ersten Kronprinzessin Zoe Demont und seiner Krücke in der rechten Hand, humpelte er den blauen Teppich entlang.

Mayla, blickte den Jungen, der mühevoll auf sie zu lief argwöhnisch an.

Sollte das etwa ein Scherz sein?

Der von allen Obelisken verehrte und bis eben noch vom Direktor angepriesene König kann nicht richtig laufen?

Sie hätte vom Obeliskenkönig eigentlich erwartet, dass er die gleiche Stärke ausstrahlt, von dem das gesamte Haus so besessen war.

Die Obelisken schien es nicht zu stören, sie applaudierten ihm weiterhin mit voller Kraft.

Zumindest verstand sie nun, wofür der merkwürdige Stuhl auf der gegenüberliegenden Seite der Duellplattform da war.

Als der König unter Gestöhne die Stufen der großen Duellplattform überwunden hatte, fiel er kraftlos im Sitz zusammen und der Applaus der Obelisk-Blue-Schüler versiegte langsam.

Der Direktor ließ Aland ein paar Sekunden Zeit zum Verschnaufen.

„Nun, König Aland, deine Gegnerin hat schon ein paar energische Ansagen gemacht, möchtest du den Zuschauern auch etwas mitteilen, bevor euer Duell losgeht?“

Aland aktivierte sein eigenes Lavalier-Mikrofon.

„Haben Sie Dank, werter Herr Direktor“, schepperte Alands Stimme durch den Helm, „Ich habe Maylas Worte vom Ausgang aus gut mithören können. Ich möchte mich bei Mayla dafür bedanken, dass sie mein Angebot an Zoes Stelle anzutreten angenommen hat und habe ihren Worten Nichts hinzuzufügen.“

Direktor Schrainmann strich sich kurz nachdenklich durch den Bart.

„Fein, fein! Dann gebe ich hiermit das erwartete Jahresabschlussduell frei und überlasse euch die Bühne!“

Mit diesen Worten schaltete der Direktor sein Mikrofon ab und verließ gemeinsam mit den anderen Lehrkräften und Zoe das Stadionzentrum.

Alle Augen waren nun auf die Sliferkönigin und den Obeliskenkönig gerichtet.

Beide aktivierten ihre Duelldsiks, zogen ihre Starthand und gleich darauf zeigten die großen Bildschirme, auf denen zuvor die besten Absolventen und ihre Leistungen zu sehen waren, einen Überblick über den Verlauf des noch nicht begannen Duells.

Ein Porträt von Mayla stand dem Bild von Alands Kopfbedeckung gegenüber, darunter waren jeweils ihre noch vollen 4000 Lebenspunkte, sowie die Anzahl der Karten in den Händen, Decks und Friedhöfe der Spieler abgebildet. Auf der unteren Hälfte der Monitore befanden sich in zwei Zeilen und in Obeliskblau hinterlegt, Raster, die die fünf Spalten von Alands Monster- und Zauber- und Fallenkartenzone symbolisierten.

Das gleiche Raster war in rot hinterlegt auch am unteren Ende des Bildschirms zu sehen und rechts am Rand, neben den Kartenzonen, befand sich noch ein großes, freies Kästchen, in dem später eventuell ein Spielfeldzauber zu sehen sein würde.

„Nun, Mayla, du bist die offizielle Herausforderin, ziehe bitte die erste Karte und beginne das Duell“, sprach Aland seine Gegnerin an.

Sie warf ihm einen ernsten Blick zu.

„Wenn man sich duelliert, dann guckt man sich dabei ins Gesicht! Ich werde nicht eine Karte ausspielen, bis du deine kleine Faschingsverkleidung abgenommen hast!“

Sie traf bei den zuschauenden Obelisken mit dieser Forderung offenbar einen Nerv.

Wieder hallte ihr Gebuhe und Gepfeife entgegen und es gab diesmal auch wütende Zwischenrufe.

„Was bildet sich diese jämmerliche Slifergöre eigentlich ein!?“

„Niemand hat Ihrer Hoheit Befehle zu erteilen! Erst Recht kein Sliferabschaum!“

Mayla verzog keine Miene.

Sie blickte selbstbewusst ihren vermummten Gegner weiterhin an.

„Was ist jetzt?“, hakte sie ungeduldig nach.

Der König neigte den Oberkörper nach vorn.

„Wenn das dein Wunsch ist, so werde ich ihn respektieren. Allerdings habe ich auch eine Forderung an dich: Das Jahresabschlussduell ist eine wichtige Tradition, die geachtet werden muss. Wenn wir uns gleich duellieren, dann müssen wir unser Duell auch bis zum Ende spielen. Ich will nicht, dass du zwischendurch aufgibst. Kannst du mir das bei deiner Ehre als Schülerin der Akademie schwören?“

„Tu es nicht, Mayla, du darfst dich nicht darauf einlassen“, murmelte sich Leroy zu Erins Verwunderung zu.

„Was?“

Mayla antwortete ohne zu zögern: „Gut, ich schwöre es!“

„Sag uns deinen Schwur bitte in einem ganzen Satz“, forderte Aland.

„Ich schwöre bei meiner Ehre als Akademieschülerin, dass ich nicht aufgeben werde!“

Aland nickte.

„Ich danke dir. Dann wird es nun Zeit meinen Teil unserer kleinen Abmachung einzuhalten.

Aland fasste sich mit beiden Händen unter den Helm und streifte ihn sich vorsichtig ab und ließ ihn dann neben seiner an der Stuhl gelehnte abgelegten Krücke zu Boden fallen.

Einen verschrecktes Raunen ging durch die Zuschauerränge und auch Mayla riss vor Entsetzen die Augen auf.

Alands Haut war komplett von Narben bedeckt, ein großer Teil seines linken Ohres fehlte, genauso wie seine Augenbrauen.

Statt einer vollständigen Nase atmete er nur noch durch einen verkürzten Stummel zwischen Mund und Augen

Nur unregelmäßig verteilte, vereinzelte, kleine, brünette Haarbüschel bedeckten den ansonsten kahlen Kopf.

Der entstellte Junge grinste Mayla an.

„Überrascht? Ich gebe zu, man hat mich offensichtlich nicht wegen meines guten Aussehens zum König ernannt“, scherzte er.

Es war kurz still im Stadion und erst nach einer kurzen Pause wagten es die Obelisken über seinen Witz zu lachen.

„Was zur Hölle ist denn mit seinem Scheißgesicht passiert?, zischte Erin deutlich zu laut und erntete dafür von einigen der sie umgebenden Ras böse Blicke.

„Es ist wahrscheinlich nicht nur das Gesicht, deshalb verdeckt er ja auch seine Hände und den Hals“, entgegnete Leroy kühl, „Aland hatte sich schon von Anfang an hinter einer Maske oder nun seinem Obeliskenhelm versteckt. Das erste Mal habe ich ihn im letzten Jahresabschlussduell, als er noch der Herausforderer war, gesehen. Es kursierte das Gerücht, dass er als Kind Opfer eines schweren Brandes wurde und gerade so überlebt hatte.“

Erin schluckte.

Ein Brand in seiner Kindheit, genau das Gleiche war ihr auch passiert.

Für einen unscheinbaren Augenblick, war sie dankbar nur eine retrograde Amnesie davongetragen zu haben und nicht so wie Aland aussehen zu müssen.

„Alle warten auf uns, Mayla. Bitte mach nun deinen ersten Zug.“

Mayla gehorchte und zog.

Sie wandte den Blick von ihrem Gegner ab und betrachtete ihre Starthand.

Nun galt es sich zu konzentrieren.

Sie verdrängte alles aus ihren Gedanken, was nichts mit dem Duell zu tun hatte.

Die flehende, an ihr zweifelnde Fiona, der Direktor, der ihre öffentlichen Vorwürfe ignorierte und weglächelte, das verstörende Aussehen ihres Gegners, die unzähligen Zuschauer.

Alles verschwand.

Es musste verschwinden, wenn sie auch nur den Ansatz einer Chance haben wollte.

Das unermüdliche Training der letzten Wochen würde sich nun auszahlen.

Sie wird den König stürzen.

Hier und jetzt.

„Es geht los und ich beginne mit Wassertänzer Tango-Tintenfisch! Zeige dich im Verteidigungsmodus!

Der cartoonige, gelbe Tintenfisch in roter Weste erschien.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch, Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

Aland war überrascht, ließ sich aber nichts anmerken.

Sie spielt tatsächlich Wassertänzer?

War das gerade einfach nur ein Zufall, oder eher Schicksal?

Schweigend und aufmerksam verfolgte er Maylas Zug.

„Weiter geht es mit dieser Zauberkarte! Ich aktiviere Wassertänzer-Tanzpartnersuche! Sie erlaubt es mir solange Karten von meinem Deck aufzudecken, bis ich ein „Wassertänzer“-Monster finde! Dieses Monster kommt auf meine Hand und der Rest wird zurück in das Deck gemischt!“

Sofort deckte Mayla Karte für Karte auf und zeigte schließlich den Walzer-Wal mit ausgestrecktem Arm vor.

„Dieses tolle Monster kommt jetzt auf mein Blatt! Das ist aber nicht alles, denn die Tanzpartnersuche erlaubt es mit außerdem den Typen eines meiner Monster zu verändern!Daher wird mein Tango-Tintenfisch jetzt zu einem Pyro-Monster!“

Der Tango-Tintenfisch glühte kurzzeitig feuerrot auf und zuckte dabei hektisch mit den Tentakeln.

„Nun kontrolliere ich ein Pyro-Monster, weshalb ich meinen nächsten Wassertänzer als Spezialbeschwörung rufen darf! Hier kommt Wassertänzer Flamenco-Forelle! Zeig dich im Angriffsmodus!“

Neben dem nun roten Tintenfisch gesellte sich ein anthropomorphes Fischmonster im roten Wellenkleid.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600 Atk, 300Def.

„Hier kommt mein nächster Zauber und der hat es in sich! Ich aktiviere den Spielfeldzauber Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett!“

Energisch platzierte die Sliferkönigin ihren Zauber in der Disk.

Die steril-weiße Plattform wandelte sich zu einem Feld aus gelb-grünem, in einem Karomuster angeordnetem Sand. Im Sand selbst waren vereinzelte kleine Seesterne, sowie umher tanzende Algen und Korallen zu sehen.

„Mein Spielfeldzauber bietet nicht nur einen schönen Anblick, er hat natürlich auch hilfreiche Effekte: Wird er ausgespielt, darf ich sofort den Typen eines meiner Monster verändern! Daher wird aus der Flamenco-Forelle nun ein Pflanzenmonster!“

Die gräulichen Schuppen der Forelle wandelten sich nun zu einem hözernem Braun.

An den Flossen bildeten sich grüne Blätter und einzelne Äste wuchsen der Forelle überall aus dem Körper.

„Der zweite Effekt meines Spielfeldzaubers verstärkt übrigens die Angriffspunkte um 400 und die Verteidigungspunkte meiner Monster sogar um ganze 600.“

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1400Atk → 1800Atk, 2100Def → 2700Def.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: 1600 Atk → 2000Atk, 300Def → 900Def.

„Ich kontrolliere nun zwei Wassertänzer, deren Typ nicht ihrem ursprünglichem Typen entspricht! Indem ich beide wieder auf meine Hand zurücknehme, darf ich nun den ultimativen Wassertänzer rufen: Hier kommt Wassertänzer Walzer-Wal!“

Ein gigantischer Blauwahl im eleganten Frack erschien vor Mayla und versetzte die Zuschauer ins Staunen.

Wassertänzer Walzer-Wal: Stufe 8, 2400Atk, 4000Def.

„Super, sie hat ihr bestes Monster schon im ersten Zug aufgerufen“, freute sich Jiang.

„Genau und jetzt kann Mayla sofort den besonderen Effekt vom Walzer-Wal benutzen!“, ergänzte Daniel.

Zunächst aktiviert sich der dritte und letzte Effekt von Meeresboden-Tanzparkett: Einmal pro Zug, wenn ich ein Wassertänzer-Monster auf meine Hand zurücknehme, darf ich eine Karte ziehen!“, erklärte Mayla und nahm sich direkt die oberste Karte ihres Decks.

Mayla lächelte, als sie den zweiten Robot-Rochen in ihrer Hand erblickte.

„Ich nutze den Spezialeffekt von Walzer-Wal! Wenn ich ihn auf die Hand nehme, darf ich jedes beliebige Wassertänzer-Monster aus meiner Hand oder dem Friedhof spezialbeschwören, den Typen jedes dieser Monster verändern und zusätzlich pro beschworenem Monster 1000 Lebenspunkte erhalten! Ich habe natürlich noch keine Monster im Friedhof, aber meine Hand ist voll mit Wassertänzern! Los, mein Walmonster! Demonstriere bitte die Weltenwandelnde Wunderwelle! Rufe alle meine Wassertänzer im Verteidigungsmodus!“

Der Walzer-Wal begann zu singen und der schöne Walgesang beschwor eine sich hinter dem Wal auftürmende, riesige Welle herbei.

Auf der Welle ritten zwei Robot-Rochen in ihrer lässigen Hip-Hop-Kleidung sowie die soeben auf die Hand genommenen Tango-Tintenfisch und Flamenco-Forelle.

Der Wal löste sich langsam auf und als er komplett verschwunden war, brach die Welle, auf der die vier anderen Wassertänzer ritten.

Alle vier Monster landeten nebeneinander auf dem festen Untergrund des Meeresboden-Tanzparketts und Maylas Lebenspunkte verdoppelten sich.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 2000 Atk, 900Def.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1800Atk, 2700Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2400Atk, 2800Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2400Atk, 2800Def.

Maylas Lebenspunkte: 4000 → 8000.

„Durch den Effekt meines Walzer-Wals verändere ich den Typ all meiner Monster zu Donner!“

Jedes der vier Monster leuchtete gelblich auf und begann elektrisch zu knistern.

Kleine Blitze wanderten entlang der Körper der Wassertänzer.

Jetzt kommt der besondere Effekt von Flamenco-Forelle: Nehme ich sie auf die Hand zurück, erleidest du 1000 Punkte Schaden!“

Mayla nahm ihr Fischmonster auf die Hand und zurück blieb ein stetig anwachsender Feuerball.

Schließlich flog der Feuerball in rasanter Geschwindigkeit auf Aland zu und explodierte.

Als er seine Lebenspunkte verlor, zeigte er kaum eine Reaktion.

Alands Lebenspunkte: 4000 → 3000.

Mayla ärgerte sich.

Jeder normale Duellant wäre bei 1000 Schadenspunkten zumindest ein wenig zusammengezuckt.

Was war falsch mit diesem Jungen?

Zuletzt hole ich ebenfalls meinen Tango-Tintenfisch mit seinem eigenen Effekt auf das Blatt! Dies erlaubt es mir ein beliebiges Wassertänzer-Monster aus meinem Deck zu suchen und auf meine Hand zu holen!“

Tango-Tintenfisch verschwand und Mayla blättere für einen Moment durch ihr Deck, bevor sie Aland ihr nächstes Monster entgegen hielt.

„Für den nächsten Zug füge ich meiner Hand den Wassertänzer Disko-Delfin zu! Damit beende ich meinen Zug!“

Der Slifer-Block, welcher bis eben Maylas Zug angespannt verfolgt hatte, jubelte laut los.

Ein Vorsprung von 5000 Lebenspunkten, zwei mächtige Monster im Verteidigungsmodus zum Schutz und trotz allem ganze vier Karten in der Hand.

Das war ein derartig fantastischer erster Zug für Mayla gewesen, dass selbst die weniger begabten Duellanten es realisierten.

Auch Erin atmete ein wenig auf, bis sie sah, wie missmutig Leroy aussah.

„Hey! Freu dich doch mal ein wenig mit! Mayla hat sich gerade einen super Vorteil gesichert!“

„Einen Scheiß hat sie.“

„Hä?“

„Du verstehst es echt nicht, oder?!“, fuhr er sie an, „Mayla hatte das Duell von Anfang an verloren! Das Beste was sie sich erhoffen konnte, war es ein paar starke Züge hinzulegen, sich so zu beweisen, bevor sie verliert! Aber jetzt....Oh Gott...“

Die dritte Kronprinzessin Imani betrachtete zufrieden einen der zwei Monitore, der Mayla mit ihren 8000 Lebenspunkten zeigte.

Auch wenn sie ursprünglich gegen die Idee war einem Slifer das Privileg des Jahresabschlussduells zu überlassen, die jetzige Entwicklung war genau nach ihrem Geschmack.

„Sich als niederer Slifer anzumaßen auf einem Level mit dem Obeliskenkönig zu stehen ist unverzeihlich. Nun wird sie die Konsequenzen ihrer Arroganz erleben. Sieh gut zu, Chris, jetzt lernst du, was jene erwartet, die sich gegen ihre Majestät stellen.“

„Ich kann es kaum erwarten“, log Chris und bemühte sich dabei so enthusiastisch wie möglich zu klingen.

Es war grausam, was man mit diesem Mädchen vorhatte und so sehr dey auch an die Blaue Ehre glaubte, dies war nicht die Weise, wie dey sich wünschte, dass man sie verteidigte.

Auch Daniel merkte, dass mit Leroys Reaktion auf Maylas Eröffnung etwas nicht stimmte.

„Was „Oh Gott“? Es verläuft doch für sie alles nach Plan?!“, hakte Daniel nach, bekam aber keine Antwort.

Leroy wagte es nicht auszusprechen, was er befürchtete und Erin wurde klar, dass für Mayla etwas furchtbar schief lief.

Leroy hatte Aland schon einmal duellieren sehen, er wusste etwas, dass sie und Daniel nicht wussten und seine Reaktion ließ Schlimmes erahnen.

Aland war nun dran und er zog.

Dann blickte er seiner Gegnerin in die Augen.

„Ich will dir noch eine Frage stellen, Mayla“, sagte er ruhig, „Weißt du was mich stärker als andere macht? Was ich so viel besser als alle anderen Menschen kann? Besser als DU kann?“

Mayla schwieg den Obeliskenkönig an.

Was sollte diese Frage?

Sie war sich sicher, dies war nichts als ein Versuch sie zu verunsichern.

Darauf würde sie sich nicht einlassen.

Er ließ seinen Blick nicht von ihr ab, während er seine eigene Frage beantwortete:

„Ich kann mit Schmerzen umgehen.“

Duell der Könige - Teil 2

Das ganze Stadion wartete gebannt auf Alands ersten Zug.

Mayla hatte soeben ihre Lebenspunkte auf 8000 Punkte erhöht und sich eine solide Verteidigung aus zwei zu Donner-Typen abgeänderten Robot-Rochen aufgebaut, die durch ihren Spielfeldzauber, dem Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett zusätzlich auf 2800 Verteidigungspunkte verstärkt wurden.

„Mein erstes Monster heißt Pyromanischer Plünderer. Ich beschwöre ihn im Angriffsmodus.“

Ein von Kämpfen gezeichneter, kräftiger Krieger in rot-schwarzen, teils zerfledderten Gewändern und mit einem imposanten Zweihänder bewaffnet erschien vor Aland.

Pyromanischer Plünderer: Stufe 4, 1800Atk, 1300Def.

Wird mein Pyromanischer Plünderer als Normalbeschwörung gerufen, darf ich meiner Hand eine beliebige „Funken“-Karte aus meinem Deck oder dem Friedhof zufügen. Meine Wahl fällt auf den Zauber Dreifach entflammender Funke.

Aland nahm die besagte Zauberkarte aus dem Deck auf seine Hand und zeigte sie Mayla vor.

„Ich werde den Dreifach entflammenden Funken sofort ausspielen. Sein Effekt erlaubt es mir genau drei „Funken“ aus dem Deck oder dem Friedhof meiner Hand zuzufügen, allerdings darf ich in dem Zug, in dem diese Karte aktiviert wird, keine Zauberkarten als Kosten von Karteneffekten abwerfen und ich darf auch nur einmal Dreifach entflammender Funken pro Zug aktivieren.

Als Aland seinen Zauber ausgespielt hatte, bildeten sich vor ihm nacheinander drei Feuerbällchen, nicht größer als Billiardkugeln.

Die kleinen Feuerbällchen flogen auf das Blatt des Obeliskenkönigs und verwandelten sich dort in drei Exemplare von „Funken“.

„Habe ich das gerade richtig verstanden?“, fragte Daniel die drei links neben ihm sitzenden Freundinnen und Freunde, „Hat der angeblich beste Duellant der Akademie sich gerade „Funken“ auf die Hand geholt? Die Zauberkarte, die nur 200 Punkte Schaden anrichtet und ansonsten gar nichts bewirkt?“

„Mit drei davon kann er immerhin 600 Schadenspunkte anrichten, denke ich?!“, antwortete ihm Erin und zuckte dabei ahnungslos mit den Schultern.

„Aland nimmt Mayla nicht ernst, deshalb spielt er so schwache Karten“, vermutete Jiang.

Leroy wusste es besser: „Ihr liegt da leider komplett daneben. Das ist alles Teil seiner Strategie.“

Der König setzte mit den drei neuen Zauberkarten sogleich seinen Zug fort:

„Ich aktiviere den ersten Funken. Du verlierst nun 200 Lebenspunkte“, erklärte er ruhig.

Erneut erschien ein kleiner Feuerball vor Aland, schoss dann aber auf Mayla zu und verpuffte auf ihrer Uniform.

Mayla spürte den geringen Schaden, den Alands Zauber anrichtete kaum.

Maylas Lebenspunkte: 8000 → 7800.

„Kommen wir zu dem zweiten Effekt von Pyromanischer Plünderer: Wenn ich meinem Gegner Schaden durch den Effekt einer „Funken“-Karte zufüge, dann fügt Pyromanischer Plünderer meinem Gegner zusätzliche 100 Schadenspunkte zu.

Alands Schwertkämpfer grinste finster und richtete die Klinge in Maylas Richtung.

Auf der Spitze der Waffe bildete sich ein unscheinbares Flämmchen, kaum größer als die Flamme einer gewöhnlichen Kerze.

Die Flamme sauste auf Mayla zu, ohne ihr merklich zu schaden.

Maylas Lebenspunkte: 7800 → 7700.

„Was soll das eigentlich werden, Aland?“, fragte Mayla schroff, „Planst du durch deine schwachen Effektschaden-Karten zu gewinnen? Wenn ja, dann duellieren wir uns bei dem Tempo ja morgen noch!“

Der Slifer-Block hinter Mayla freute sich über ihren Spott.

Sie konnten den selbstgefälligen König nicht leiden und Mayla verachtete ihn schlichtweg.

Als der Anführer seines Hauses hatte er einen gewaltigen Einfluss, sein Wille prägte die Kultur und das Handeln aller Obelisk-Blue-Schüler.

So viel Macht und er tat nichts gegen die systematisch Unterdrückung der schwächsten Mitschüler.

Er hatte sich nach Maylas wütenden Rede noch nicht einmal für die wochenlangen Angriffe der anderen Obelisk-Blues gegen Slifer-Red entschuldigt und dass, obwohl diese Drangsalierungen selbst unter der sliferverachtenden Blauen Ehre verboten waren.

Sein bizarres Äußeres spiegelte seinen verdorbenen Charakter nur zu gut wider.

Aland Kaya war ein monströser Unmensch, ganz egal, wie ruhig und höflich er sich gab.

„Ich werde es dir erklären: Die einhundert Schadenspunkte waren nur der erste Teil vom zweiten Effekt des Plünderers. Nachdem er dir Effektschaden erteilt hat, darf ich nun einmal pro Zug ein weiteres „Pyromanisch“-Monster aus meiner Hand als Spezialbeschwörung aufrufen. Ich rufe so den Pyromanischen Seelenrufer im Verteidigungsmodus auf.

Neben dem Pyromanischen Plünderer saß nun der Seelenrufer im Schneidersitz.

Ein älterer Mann mit einem hölzernen Speer, auf dessem Gesicht eine überdimensionale, hölzerne Schamanenmaske war, die wie eine rote Raubkatze wirkte.

Pyromanischer Seelenrufer: Stufe 3, 900Atk, 2000Def.

„Ich aktiviere den zweiten Funken, du verlierst weitere 200 Lebenspunkte, Mayla.“

Der kleine Feuerball schoss auf Mayla zu.

Maylas Lebenspunkte: 7700 → 7500.

„Nun aktivieren sich gleichzeitig die Effekte von Plünderer und Seelenrufer: Wenn du durch eine „Funken“-Karte Schaden erhältst, fügen dir meine Pyromanischen Monster zusätzliche 100 Schadenspunkte zu.

Aus der Speer- und Schwertspitze von Alands Monstern schossen weitere Feuerprojektile auf Mayla.

Maylas Lebenspunkte: 7500 → 7300.

„Mein Plünderer hat seinen Schadens-Effekt schon genutzt, aber der Seelenrufer darf nun, da er dir selbst Effektschaden erteilt hat, ein Feuer-Monster der Stufe 5 oder höher aus meinem Deck auf die Hand holen.“

Aland hatte schnell die Karte gefunden, die er wollte und zeigte sie im Anschluss Mayla vor.

„Das Monster, das ich durch den Effekt des Seelenrufers gesucht habe, ist der Avatar des brennenden Geistes. Dank meinem Pyromanischen Seelenrufer darf ich den Avatar zudem sofort aufrufen, denn sein Effekt erlaubt es mir einmal pro Zug neben meiner Normalbeschwörung ein Feuer-Monster als Tributbeschwörung auf das Feld zu bringen.“

Noch bevor Aland seinen nächsten Spielzug erklären musste, verwandelten sich Pyromanischer Plünderer und Pyromanischer Seelenrufer in rauschende, blaue Flammen, die sich miteinander vereinten und schließlich Alands mächtiges Monster zurückließen.

„Ich biete meinen Plünderer und den Seelenrufer als Tribut an um mein Monster der Stufe 8 zu beschwören. Avatar des brennenden Geistes im Angriffsmodus.“

Der Avatar des brennenden Geistes war ein zweieinhalb Meter großes Vogelwesen, welches wie eine Mischung aus Eule und Krähe aussah.

Der Avatar stand auf einem großen, brennendem Buch und das pechschwarze Gefieder stand ebenfalls unter einem permanenten Feuer.

Avatar des brennenden Geistes: Stufe 8, 2600Atk, 2200Def.

Die Obeliskinnen und Obelisken hinter ihm jubelten, als er sein erstes höherstufiges Monster aufrief und diese Begeisterung steckte auch ein gutes Drittel der Ra-Yellows an.

Wird mein Avatar durch Tributbeschwörung aufgerufen, erhält er besondere Effekte dafür: Wenn unter den geopferten Monstern ein Monster vom Feuer-Attribut dabei ist, darf ich deine Hand betrachten. Wenn ich zwei Feuer-Monster für den Avatar des brennenden Geistes geopfert habe, darf ich zudem noch eine Karte ziehen. Wie du dir denken kannst, Mayla, sind alle meine Monster vom Feuerattribut.“

Aland zog seine Karte und betrachte in Ruhe sein Blatt, anstatt sich die von Mayla offen vorgezeigten Handkarten anzusehen.

Nach einigen Sekunden wurde es Mayla zu doof und sie drehte ihr Kartenblatt wieder um.

„Was soll das!? Willst du allen zeigen, wie toll du bist, indem du darauf verzichtest, mein Blatt anzusehen?! Oder soll mir das unter die Nase reiben, dass ich in meinem letzten Zug jede meiner Karten offenbart habe?!“

„Entschuldige, Mayla. Ich wollte dich nicht kränken. Mir kam nicht in den Sinn, dass es höflicher wäre mich dumm zu stellen. Wenn du magst, dann zeige mir deine Karten.“

Letztlich sah sich so Aland doch noch einmal Maylas Hand an.

Es waren vier Wassertänzer-Monster.

Walzer-Wal, Tango-Tintenfisch, Flamenco-Forelle und Disko-Delfin, nichts was Aland, der Maylas Zug konzentriert verfolgt hatte, überraschte.

„Du hast sicherlich mitgezählt und weißt, dass ich noch einen Funken auf meiner Hand halte. Ich spiele diesen jetzt aus.

Der Obeliskenkönig legte die Zauberkarte ab und beschoss dadurch seine Gegnerin mit einem eher harmlosen Feuerball.

Maylas Lebenspunkte: 7300 → 7100.

„Erleidet mein Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte, aktiviert das den nächsten besonderen Effekt von Avatar des brennenden Geistes. Er fügt dir jetzt 100 weitere Punkte an Schaden zu und ich darf außerdem einen Kartennamen nennen. Befindet sich eine Karte mit dem gleichen Namen auf deiner Hand, wird sie zerstört.“

Eine kleine Feuerkugel bildete sich auf der Schnabelspitze des feurigen Riesenvogels und nahm Mayla weitere 100 Lebenspunkte ab.

Maylas Lebenspunkte: 7100 → 7000.

„Ich weiß, dass du ein Monster namens Wassertänzer Tango-Tintenfisch auf der Hand hältst.

Avatar des brennenden Geistes, zerstöre Maylas Tintenfischmonster mit flammender Wahrheit.

Der Avatar stieg vom Buch hinunter und es schlug sich sofort von alleine auf.

Aus den offenen Seiten schwirrten rötliche Geisterwesen, die mit einem kommandierenden Krächzen und Flügelschlag auf eine von Maylas Handkarten zuflogen und sie in Flammen aufgehen ließen.

„Du bist zwar eines meiner Monster losgeworden, aber dein Avatar ist zu schwach, um meine zwei Rochen zu überwinden und dir sind inzwischen auch die Funken ausgegangen!“, stellte Mayla laut fest.

Pfiffe und Ausgebuhe waren die Antwort des Obeliskenblocks.

„Warum stopft dieser vorlauten Göre eigentlich niemand das Maul?!“

„Diese Respektlosigkeit gegenüber Ihrer Majestät ist widerlich!“

„Nieder mit den Rotjacken! Am besten verweist man alle Schwächlinge von der Akademie!“

Maxim schrieb während des Duells der Sliferkönigin und des Obeliskenkönigs zettelweise Notizen mit.

Hecker würde sich auf jeden Fall für die Stimmung der Schülerschaft und den Duellverlauf an sich interessieren.

Gleichzeitig galt es jede Karte und jedes Manöver des Königs, des wahrscheinlich gefährlichsten Gegenspielers der Konstanzer Kinder, zu dokumentieren und im Nachhinein zu analysieren.

Er könnte dieses Duell sowieso nicht wirklich genießen.

Dafür war ihm Mayla zu sympathisch.

Sie hatte verstanden, wie verrottet dieser Ort hinter seiner prächtig erscheinenden Fassade eigentlich war und dass er in seiner jetzigen Form zerstört werden musste.

Und für diese Erkenntnis wird sie nun bestraft werden.

„Ich setze zum Ende noch drei verdeckte Karten. Dein Zug, Sliferkönigin.“

Mayla zog und wusste dann sofort, was sie als Erstes vorhatte:

„Ich nutze nun den Effekt einer meiner zwei Wassertänzer Robot-Rochen: Nehme ich den Rochen auf meine Hand zurück, darf ich so eine beliebige Karte auf dem Feld zerstören! Als Ziel wähle ich deinen Avatar des brennenden Geistes.

Ihr Rochen vollführte seinen mechanischen Tanz, zog sich auf die Hand zurück und eine Druckwelle drohte Alands Tributmonster zu zerstören.

„Den Effekt deines Rochens verhindere ich mit einer meiner gesetzten Karten, Feuersäulenwall.“

Eine Konterfalle deckte sich auf und eine Wand aus tosenden Flammen bildete sich vor dem Avatar des brennenden Geistes.

Die Druckwelle versank wirkungslos im Feuer.

„Mein Feuersäulenwall darf aktiviert werden, wenn ich ein Feuer-Monster kontrolliere und eine oder mehrere meiner Karten durch einen Karteneffekt zerstört werden würde. Ist das der Fall, negiert Feuersäulenwall den Karteneffekt und zerstört normalerweise auch die entsprechende Karte. Aber anscheinend handelt es sich bei dem auf die Hand zurück nehmen deiner Monster um Aktivierungskosten, die nicht negiert werden können.“

„Stimmt! Auf meiner Hand ist mein Robot-Rochen Nummer 1 vor der Kraft deiner Fallenkarte sicher! Und darüber hinaus darf ich dank des schönen Effekts meines Meeresboden-Tanzparketts einmal pro Zug, wenn ich ein Wassertänzer-Monster vom Feld auf die Hand nehme, eine Karte ziehen!“

Mayla nahm eine weitere Karte auf ihre Hand und überlegte.

Ihr zweiter Rochen befand sich noch auf dem Feld und war zum Typ Donner geworden, also...

„Als Spezialbeschwörung rufe ich Wassertänzer Disko-Delfin im Angriffsmodus auf!“

Der spitzschnäuzige Meeressäuger im silbernen Paillettenhemd erschien neben den elektrisierten Rochen.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 2200Atk, 2100Def.

„Jetzt steht es was unsere Monster angeht wieder 2:1! Ich darf einmal pro Zug meinen Disko-Delfin spezialbeschwören, wenn ich ein Monster vom Typ-Donner kontrolliere!“

Aland schien unbeeindruckt.

Ich spiele nun meine zweite verdeckte Karte aus, eine Falle mit dem Namen Pyromanische Fesseln.“

Kaum deckte sich die Karte auf, schon schossen aus dem Meeresboden unter dem Rochen zahlreiche glühend heiße Eisenketten, die sich um das Monster legten und es zu Boden zwangen.

Mit einem erschreckendem Zischen pressten und brannten sich die heißen Eisenglieder in die Haut des Rochens.

Er schrie gequält auf.

„Mayla! Hilf mir! Mache diese verfluchten Ketten weg! Es tut so weh!“, flehte sie der Rochen an.

„Du tust doch sonst immer auf tough?! Sei still und ertrags wie ein Mann, anstatt unsere Besitzerin voll zu jammern! Sie braucht Ruhe!“, zischte ihm der Delfin ohne jegliches Mitgefühl zu.

„Was... Was hast du mit Robot-Rochen gemacht?!“, fragte Mayla Aland wütend.

„Meine Pyromanischen Fesseln rüsten dein Monster aus und binden es vereinfacht gesagt an das Spielfeld.“, erklärte er, „Dein Rochen kann mich zwar nicht mehr angreifen, aber er kann auch nicht zerstört werden, als Beschwörungsmaterial verwendet oder als Tribut für ein Monster, das kein „Avatar des brennenden“ ist, angeboten werden. Die Fesseln verhindern so übrigens auch, dass du dein Monster durch seine Aktivierungskosten auf die Hand nimmst. Zudem ändert sich das Attribut deines Monsters zum Typ Feuer und es darf von beiden Spielern als Tribut für die Tributbeschwörung eines „Avatar des brennenden“-Monsters verwendet werden.

Daniels Mundwinkel verzogen sich.

„So ein Mist! Jetzt kann Aland also im nächsten Zug Maylas Monster für seine eigene Tributbeschwörung nutzen? Was für ein hinterhältiger Typ!“, fluchte er.

„Man wird eben nicht zum Obeliskenkönig gekrönt, indem man immer lieb und nett ist“, antwortete ihm Leroy.

„Mayla war mal so“, antwortete Erin knapp.

Sie war mal lieb und nett und jetzt...

Sie blickte von ihrem Sitzplatz auf ihre Freundin hinab.

Wie sie nun, nach ihrer zornigen Wutrede Aland energisch gegenüberstand.

Sie hatte sich verändert.

War es nur der Druck durch dieses Duell und all die Zuschauer? Waren es die Stimmen, die sie hörte? Oder Maylas Streit mit ihr und Fiona? Ihre Rolle als Beschützerin der Slifer und die damit einhergehenden hohen Erwartungen, die ihre Mitschüler an sie hatten?

Wahrscheinlich war es ein wenig von allem.

Ob Mayla wieder die Alte werden würden?

Erin hoffte es inständig.

Mayla ging in ihrem Kopf ihre Optionen durch. Es war offensichtlich, dass Alands Fesseln dazu dienten ihren Rochen zu einem passenden Opfer für seine Tributmonster zu verwandeln. Würde sie jetzt durch Delfin den Avatar wieder auf seine Hand zurück zwingen, würde ihm das nur die Möglichkeit geben, diesen sofort mit unfreiwilliger Hilfe des Rochens erneut zu beschwören.

Dennoch, dazu müsste Aland zumindest auch ein eigenes Monster opfern und auf dem Feld hatte ihr Delfin leider zu wenig Angriffspunkte, um nicht im Kampf zerstört zu werden.

„Ich nutzte den zweiten Spezialeffekt meines Delfins: Nehme ich ihn auf die Hand, dann darf ich auch ein Monster auswählen, dass du auf die Hand nehmen musst! Dein Avatar des brennenden Geistes verlässt nun ebenfalls das Spielfeld!“

Maylas Delfin schwamm auf den großen, schwarzen Feuervogel zu und stieß ihn mit der Schnauzenspitze auf Alands Hand zurück, bevor er selbst verschwand.

„Ich beende meinen Zug mit einer verdeckten Karte. Das wars dann!“

Eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte erschien vor dem Mädchen und der Obeliskenkönig zog stumm die nächste Karte.

„Bevor ich eine neue Karte aktiviere, nutze ich den Friedhofseffekt von Dreifach entflammender Funken: Ich verzichte auf meine Battle Phase und darf im Gegenzug den Dreifach entflammenden Funken auf die Hand nehmen, bedingt, dass ich keine „Funken“ auf meiner Hand halte. Du bist ein schlaues Mädchen Mayla und weißt, deshalb, dass sich alle „Funken“ in meinem Friedhof befinden. Aber laut den Regeln muss ich dir dennoch meine Hand zur Kontrolle vorzeigen.“

„Es ist schon ironisch, oder!? Ein feiger König wie du zwingt allen die sinnlosen Regeln der blauen Ehre auf! Auch wegen dir werden alle Slifer benachteiligt und jetzt handelst du dir mit der sinnlosen Regel deiner eigenen Karte selbst den Nachteil ein!, höhnte Mayla.

Wieder nahmen die zuschauenden Obelisken ihren König lautstark in Schutz, bis er seine flache Hand erhob und so die aufgebrachte Meute hinter ihm sofort zum Verstummen brachte.

„Ist schon irgendwie beeindruckend, wie gut Aland unsere Mitbewohner unter Kontrolle hat, oder?“, fragte Fiona Lucia-Ann.

Diese verdrehte die Augen und seufzte.

„Das hat echt nichts mit diesem lahmen Krüppel an sich zu tun. Es geht nur um den Königstitel. Der König ist der stärkste Duellant. Und für uns, die ehrgeizigsten und deshalb auch besten Schülerinnen und Schüler der Akademie ist Stärke alles was zählen sollte“, flüsterte Lucia-Ann Fiona zu, wohl wissend, dass sie sich für diese Äußerung über Aland eine Menge Ärger einhandeln könnte.

Was für eine Verschwendung! Hätte sie Alands Talent, hätte sie schon längst alle Rotjacken vor der Insel entfernen lassen. Ohne diese minderwertigen Loser hätte die Akademie einen richtigen Elitestatus! Aber nein, natürlich musste der König ein entscheidungsunfreudiger, verweichlichter Oberspasti sein, der bloß nichts reformieren will!“

Aland zeigte Mayla die Karten auf seiner Hand vor.

Neben dem Avatar des brennenden Geistes hielt Aland zwei Pyromanische Monster und eine Zauberkarte.

„Ich darf nun den Dreifach entflammenden Funken meinem Blatt hinzu fügen. Allerdings bleibt er da nicht lange, ich aktiviere nämlich diese Karte, um sie gegen die drei „Funken“ in meinem Friedhof auszutauschen.“

Drei kleine Feuerbälle schwebten vor Aland, bevor sie auf seine Hand zuflogen und sich dort in die Funken verwandelten.

„Als Normalbeschwörung beschwöre ich den Pyromanischen Knochenmann im Verteidigungsmodus.“

Ein hin und her wankelndes Skelett, an dem verkohlte Fleischreste hingen und in dessen Augenhöhlen zwei blaue Flammen loderten, stand Mayla nun gegenüber.

Pyromanischer Knochenmann: Stufe 4, 1600Atk, 1600Def

„Ich hoffe du bist bereit, hier kommt mein erster Funken für diesen Zug, Mayla.“

Er legte den Zauber auf seine Duelldisk und ein schwaches Feuergeschoss nahm der annähernd regungslosen Mayla 200 Lebenspunkte ab.

Maylas Lebenspunkte: 7000 → 6800.

„Wie du weißt, fügen meine Monster, wenn mein Gegner durch eine „Funken“-Karte Schaden erleidet 100 weitere Schadenspunkte zu.“

Alands Knochenmann riss seinen Kiefer unnatürlich weit auf und aus seinem Mund flog ein winzig kleiner Feuerball auf Mayla zu.

Maylas Lebenspunkte: 6800 → 6700.

„Kommen wir nun zum eigentlichen Effekt vom Knochenmann: Einmal pro Zug, falls ich meinem Gegner mit Knochenmann Effektschaden erteilt habe, darf ich ein Feuer-Monster der Stufe 4 oder niedriger als Spezialbeschwörung aus meinem Friedhof rufen, allerdings verliert dieses Monster alle Angriffs- und Verteidigungspunkte. Ich beschwöre den Pyromanischen Seelenrufer ebenfalls im Verteidigungsmodus.

Knochenmann rammte seinen Arm tief in die Erde und zog unter markerschütterndem Knochengeklapper den maskierten Alten samt seinem Speer zurück auf das Feld.

Pyromanischer Seelenrufer: Stufe 3, 0Atk, 0Def.

„Mit meinem Seelenrufer zurück, wird es jetzt Zeit für den zweiten Funken.“

Alands Zauberkarte beschwor eine Feuerkugel, die Mayla 200 Lebenspunkte kostete.

Maylas Lebenspunkte: 6700 → 6500.

Sofort legten Knochenmann und Seelenrufer mit zwei weiteren, kleineren Feuerbällen nach.

Maylas Lebenspunkte: 6500 → 6300.

Sie ächzte.

Am Anfang hatte sie die kleinen Feuerbälle der Funken und von Alands Effektmonstern kaum gespürt, aber mit jedem Mal wurde es allmählich schlimmer und schlimmer.

Sie ballte die rechte Hand zur Faust.

Mayla begann zu verstehen.

Das war also das Deck des Obeliskenkönigs, ein Deck, dass den Umstand, dass jeder verursachte Schadenspunkt auch körperliche Reaktionen im Duellanten auslöste dazu missbrauchte, um den Gegner so langsam und qualvoll zu besiegen wie möglich.

Wie passend für den abartigen König der Widerlinge.

„Da ich dir mit „Funken“ Effektschaden erteilt habe, darf ich den Effekt vom Pyromanischen Seelenrufer benutzen. Ein Feuer-Monster der Stufe 5 oder höher darf nun aus dem Deck meiner Hand zugefügt werden. Er zeigte das Monster seiner Wahl vor. Ein weiterer, anderer Avatar mit einer hohen Stufe, den er gleich rufen würde.

„Mit dem zweiten besonderen Effekt meines Pyromanischen Seelenrufers darf ich zusätzlich zu meiner Normalbeschwörung ein Feuer-Monster als Tributbeschwörung rufen. Daher opfere ich nun den Pyromanischen Seelenrufer und Wassertänzer Robot-Rochen von deiner Seite des Feldes um meinen nächsten Avatar zu beschwören, den Avatar des brennenden Fleisches.“

Maylas Monster schrie noch einmal leidvoll auf, als es sich zusammen mit dem Seelenrufer zu einer rauschenden, zu Alands Seite wandernden blauen Flamme verwandelte.

Beide Flammen verschmolzen zu einem großen Feuer, aus dem Alands Avatar des brennenden Fleisches stieg.

Ein dämonenartiges, etwa drei Meter hohes Wesen mit dem Körper und Kopf eines aufrecht stehenden, fetten, rostbraunen Wildschweines, riesigen Lederflügeln und einem gelblich-glühendem Hirschgeweih. Mit seinen menschenähnlichen Händen hielt es zwei in ewigen Flammen stehende Schlachterbeile.

Avatar des brennenden Fleisches: Stufe 8, 2900Atk, 2000Def.

Wie bei der Beschwörung des letzten Avatars auch jubelten die Obelisken für ihren König und auch Ras, mehr als vorher, freuten sich mit ihnen.

Auch Erin, Jiang, Leroy und Daniel, die sich einen möglichst guten Duellausgang für Mayla erhofften, waren diesmal von offensichtlichen Aland-Fans umringt.

„Diese Idioten. Viele von denen haben doch selbst als Slifer angefangen!“, zischte Erin Jiang leise zu.

„Ra-Yellow steht zwischen den Häusern, aber ich glaube viele unserer...also deiner Mitbewohner sehen sich mehr als künftige Obelisken als als mögliche Slifer“, vermutete Jiang als Antwort.

Aland setzte seinen Zug fort:

„Bei erfolgreicher Tributbeschwörung zerstört mein Avatar eine beliebige Karte auf dem Feld für jedes für sie geopferte Feuer-Monster. Da dein Rochen aufgrund der Wirkung der Pyromanischen Fesseln ebenfalls ein Feuer-Monster war, zerstört der Avatar des brennenden Fleisches jetzt zwei Karten, nämlich deinen Spielfeldzauber und deine verdeckte Karte.“

Das wütende Mischwesen schlug mit voller Wucht beide Beile auf einmal in den Boden und lange, feurig rote Risse, aus denen langsam Lava herausfloss bildeten sich.

Nach einigen Sekunden zerplatzen gleichzeitig die verdeckte Karte und auch Maylas Spielfeldzauber, der Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett.

„Aha, Wasserfallbarriere. Gut, ich hatte sowieso nicht vor in diesem Zug anzugreifen, bemerkte Aland flapsig, bevor die aufgedeckte Fallenkarte durch den Effekt seines Monsters zersprang.

Mayla ärgerte sich.

Ihre verdeckte Wasserfallbarriere war zwar angesichts dessen, dass der Obeliskenkönig freiwillig auf seine Battle Phase verzichtete tatsächlich eher unnütz, aber den Spielfeldzauber zu verlieren, war ein ziemliches Problem.

„Ihr Feld ist komplett leer“, stellte Julian mit einem enttäuschtem Blick auf den Monitor fest, „Wenn Aland jetzt mit seinen zwei Monstern direkt angreift, hat sie keine 2000 Lebenspunkte mehr übrig, das Duell ist wohl leider schon für die Sliferkönigin gelaufen.“

„Mensch, hast du gar nicht aufgepasst!“, schimpfte Ugur, „Aland hat doch wegen der Bedingung von seinem Dreifach entflammenden Funken gar keine Battle Phase!“

Julian wurde vor Scham rot und Kevin, der heimlich den gleichen Denkfehler wie Julian gemacht hatte, ebenfalls.

Aber selbst, wenn Mayla jetzt nicht einen riesigen Haufen an Lebenspunkten verliert, nach allem, was er über Aland gehört hatte und angesichts dessen, dass Mayla sich gegen ihn kein richtiges Feld aufbauen konnte, hatte sie eh keine Chance.

„Ich verzichte darauf, meinen letzten Funken auf der Hand zu aktivieren, sondern bewahre ihn lieber für den nächsten Zug auf. Allerdings nutze ich den zweiten Effekt vom Pyromanischen Knochenmann. Indem ich ihn opfere, darf ich eine „Pyromanisch“-Zauber- oder Fallenkarte aus dem Deck direkt auf mein Feld setzen.“

Der Knochenmann verschwand und nach kurzer Suche zeigte Aland Mayla einen Schnellzauber vor.

„Ich setze den Pyromanischen Funken und beende so meinen Zug.“

Eine zweite verdeckte Karte erschien vor Aland und Mayla spürte nun langsam den wahren Druck dieses Duells.

Dass Aland sich dagegen entschied seinen dritten Funken zu aktivieren, bedeutete, dass er im nächsten Zug nicht den Dreifach entflammenden Funken aus dem Friedhof nutzen wollte, um alle Funken aus dem Friedhof auf das Blatt zu nehmen. Und der einzige Grund, warum er das nicht wollen würde, ist, dass er im nächsten Zug nicht auf seine Battle Phase verzichten will, nur um den Funken-Schadens-Effekt des Avatars des brennenden Fleisches, was auch immer der auch bewirken mochte, zu nutzen.

Aland hatte vor im nächsten Zug in die Offensive überzugehen und Mayla musste ihm da definitiv zuvorkommen, wenn sie noch die Chance auf einen Sieg haben wollte.

Sie zog.

Wassertänzer-Shuffle, ein Schnellzauber, der es möglich machte, den zweiten Robot-Rochen leichter zu beschwören.

Mayla plante innerlich ihren nächsten Zug und für eine Weile war das Stadion erstaunlich still, bis aus der Sliferkurve einige Anfeuerungsrufe für die Sliferkönigin laut wurden.

Sie überlegte weiter und weiter.

Das könnte so funktionieren.

„Als Normalbeschwörung kehrt der Disko-Delfin im Angriffsmodus zurück!“

Maylas Delfinmonster im glitzerndem Hemd war wieder zurück im Spiel.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

„Nun aktiviere ich die Zauberkarte Wassertänzer-Zugabe: Mit ihr kehrt ein Wassertänzer-Monster meiner Wahl aus dem Friedhof auf meine Hand zurück und ich darf danach den Typen eines meiner Wassertänzer-Monster verändern! Ich nehme den Wassertänzer Tango-Tintenfisch aus meinem Friedhof auf die Hand und verändere den Typen meines Disko-Delfins zu Pyro, um somit die Flamenco-Forelle aus meiner Hand spezialbeschwören zu dürfen!“

Die blau-graue Haut des Delfins färbte sich rot und der Wassertänzer hüpfte hibbelig auf und ab.

Dann beschwor Mayla die Forelle in ihrem roten Wellenkleid.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Meine Forelle bleibt nicht lange auf dem Feld, denn ich aktiviere den Schnellzauber Wassertänzer-Shuffle. Ich nehme ein Wassertänzer-Monster auf meinem Feld auf die Hand und beschwöre an seiner Stelle in anderes Wassertänzer-Monster! Außerdem darf ich danach ebenfalls den Typ eines Wassertänzers beliebig abändern! Flamenco-Forelle kehrt auf meine Hand zurück und macht Platz für Wassertänzer Robot-Rochen!“

Das Hologramm der Forelle wurde durch das des im lässigen Hip-Hop-Stil gekleideten Rochens ersetzt.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

„Mit dem zweiten Effekt wandelt sich mein Rochen von einem Fisch- zum Pflanzenmonster!“

Braune Rinde wuchs über den Rochen, sowie viele einzelne Äste mit grünen Blättern.

„Seht ihr das? Mayla hat wieder zwei Wassertänzer-Monster, die ihren Monstertypen gewechselt haben!“, freute sich Daniel lautstark.

Er wusste genau, welche Karte seine Freundin als Nächstes ausspielen würde.

„Aus meiner Hand kehrt ein kolossales Monster zurück! Ich kontrolliere zwei Wassertänzer-Monster, deren Typ nicht ihrem ursprünglichem Typ entspricht! Ich nehme beide auf meine Hand zurück und beschwöre so den mächtigen Walzer-Wal im Verteidigungsmodus!“

Der Pyro-Delfin und der Pflanzen-Rochen lösten sich auf und zum zweiten Mal in diesem Duell beschwor Mayla ihr stärkstes Monster, einen riesigen Blauwal in einem schicken, wenn auch altmodisch wirkendem Frack.

Wassertänzer Walzer-Wal: Stufe 8, 2000Atk, 3400Def.

„Du kennst seinen besonderen Effekt bereits, Aland! Indem ich ihn sofort wieder auf meine Hand nehme, darf ich jedes Wassertänzer-Monster meiner Wahl aus der Hand oder dem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen, erhalte pro beschworenes Monster 1000 Lebenspunkte und darf danach zudem den Typen meiner Wassertänzer beliebig wechseln! Los, mein Wal! Bringe den Sieg mit der Weltenwandelnden Wunderwelle!“

Maylas Wal sang seine bezaubernde und zugleich dröhnende Melodie, wodurch eine sich hinter ihm aufbauende Flutwelle entstand.

„Ich beschwöre mit dem Effekt von Walzer-Wal den Robot-Rochen aus der Hand, sowie seinen identischen Kumpel aus dem Friedhof, den Disko-Delfin und die Flamenco-Forelle! Zeigt euch allesamt im Angriffsmodus!“

Auf der immer weiter anwachsenden und schließlich brechenden Welle war jedes der aufgezählten Monster zu sehen.

Das Hologramm des edlen Wal-Monsters verschwand und Maylas Lebenspunkte bekamen einen kräftigen Schub.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

Maylas Lebenspunkte: 6300 → 10300.

„Ich muss deinen Zug unterbrechen, Mayla, damit ich eine meiner zwei verdeckten Karten aktivieren kann, den Schnellzauber Pyromanischer Funken.“

Vor Aland deckte sich die Karte auf, die er mit Hilfe von Knochenmann im letzten Zug aus dem Deck gesetzt hatte.

„Mein Pyromanischer Funken fügt genauso wie der reguläre „Funken“ 200 Schadenspunkte zu, allerdings darf ich nur einen Pyromanischen Funken pro Zug aktivieren.“

Mayla wurde von einem schwachen Feuerball getroffen.

Maylas Lebenspunkte: 10300 → 10100.

„Der Avatar des brennenden Fleisches fügt dir zusätzlich 100 weitere Schadenspunkte zu, wenn du Effektschaden durch eine „Funke“-Karte erleidest. Außerdem darf ich danach seinen letzten Effekt aktivieren“

Zwischen dem glühend heißen Geweih bildete sich das Feuergeschoss in Tischtennisballgröße, welches Mayla kaum spürbaren Schaden erteilte.

Maylas Lebenspunkte: 10100 → 10000.

Aland setzte seine Erklärung fort: „Mein Avatar des brennenden Fleisches wird jetzt durch seinen Effekt jedes Monster auf dem Feld zerstören. Avatar, zeig uns den Infernalen Hitzesturm.“

Das Ungetüm auf Alands Seite warf den Schädel in den Nacken und jaulte sekundenlang laut auf.

Während des wilden Gejauls wurde das Spielfeld immer heißer und heißer.

Durch die Luft schwebende Staubpartikel gingen nun urplötzlich in Flammen auf.

Mayla konnte hören, wie ihre Monster vor leidvoll keuchten und sich nur ihr zu Liebe mit den Worten zurückhielten.

Das Heulen von Alands Monster setzte sich fort und die Temperatur stieg unerbittlich weiter, bis alle Monster, einschließlich des Avatars des brennenden Fleisches, zeitgleich Feuer fingen und im Anschluss zerplatzten.

Mayla hielt sich die Arme schützend vors Gesicht.

„Das war vorherzusehen! Ich habe zwar ein paar Monsterkarten verloren, aber ich habe mehr als genug Lebenspunkte übrig um die nächsten Züge zu überstehen! Und mit dem Tango-Tintenfisch kann ich in den kommenden Zügen den erlittenen Kartennachteil wieder ausgleichen!“

Aland lächelte Mayla mild an.

„Verzeihung, da muss ich dich enttäuschen. Denn wenn der Avatar des brennenden Fleisches durch seinen eigenen Effekt Monster zerstört, verlieren beide Spieler die Hälfte ihrer Lebenspunkte.“

Mayla erschrak.

Die Hälfte?

Das heißt, sie würde nun ganze 5000 Schadenspunkte auf einmal erleiden!

Imani lächelte finster.

Jetzt bekam dieses vorlaute Mädchen, dass vor dem Duell den Direktor und die Blaue Ehre schlecht geredet hatte endlich das, was sie verdiente.

Unter Aland und Mayla brach der Boden auf und ein sie verschlingender Geysir aus Lava raubte jeweils beiden Duellanten ihre Lebenspunkte.

Mayla schrie wie am Spieß und ihre Stimme überschlug sich.

Es fühlte sich für sie an, als ob sie gerade am lebendigen Leib verbrannt werden würde.

Als es vorbei war, fiel sie erschöpft zu Boden, während Aland unberührt von dem selbst erlittenen Schaden vom Stuhl auf sie hinab sah.

Alands Lebenspunkte: 3000 → 1500.

Maylas Lebenspunkte: 10000 → 5000.

„Buahaha! Was ist los, Heulboje?! Ist das bisschen Bestrafung etwa schon zu viel für dich?! Du bist echt ein verachtenswerter Schwächling!“

„Barry?!“

Mayla schwebte in der Finsternis, in welcher sie sich schon so lange nicht mehr wiedergefunden hatte.

Aber es war diesmal anders als in ihren früheren Albträumen, sie hatte zwar seine Stimme gehört, aber Barry war nirgends zu sehen.

Sie hatte keine Angst mehr vor ihm und sie hatte auch keine Angst vor dem Obeliskenkönig.

Dieser Kampf war noch nicht vorbei!

Sie riss die Augenlider auf.

Mayla lag auf dem weißen Boden der Duellplattform, hinter sich hörte sie vereinzelt die Stimmen ihrer Hausmitbewohner, die sie anflehten wieder aufzustehen und sich weiter zu duellieren.

„Stehe bitte auf. Du hast mir zu Beginn des Jahresabschlussduells ein Versprechen bei deiner Ehre als Schülerin der Akademie gegeben“, forderte Aland bestimmt.

Mayla rappelte sich mit Mühen wieder auf die Beine und blickte ihrem Gegner, noch immer vor Schmerz gekrümmt, direkt in die Augen.

„Denk ja nicht, dass du schon gewonnen hast! Wir haben beide keine Monster auf dem Feld, ich habe über 3000 Lebenspunkte mehr als du und du hast nur eine Karte mehr auf der Hand als ich!“, fasst sie wütend zusammen, „Ich werde dich besiegen! Und meine erste Amtshandlung als Königin wird es sein, für Gleichheit zwischen den Häusern zu sorgen! Es wird keine Blaue Ehre mehr geben, die den Obeliskinnen und Obelisken suggeriert, dass sie über den anderen Häusern stehen würden! Niemand wird es mehr wagen aus purem Überlegenheitsgefühl seine Mitschüler zu quälen!“

„Edle Ziele, Mayla, das muss ich anerkennen. Dazu darf ich es allerdings nicht kommen lassen“, entgegnete Aland in einem erschreckend aufrichtigen Tonfall, „Da du nur noch den Tintenfisch und den Wal auf der Hand hältst, in diesem Zug bereits normalbeschworen hast und weder Monster noch Zauber- oder Fallen kontrollierst, nehme ich an, dass du deinen Zug beenden wirst, liege ich da richtig?“

„Mach einfach weiter, Aland!“

Der Junge zog.

„Als Normalbeschwörung rufe ich meinen zweiten Pyromanischen Plünderer im Angriffsmodus.“

Vor Aland erschien der mit einem mächtigen Schwert bewaffnete Krieger in den zerfetzten schwarz-roten Gewändern.

Pyromanischer Plünderer: Stufe 4, 1800Atk, 1300Def.

„Da ich ihn als Normalbeschwörung gerufen habe, darf ich eine „Funken“-Karte aus meinem Deck oder meinem Friedhof auf meine Hand nehmen. Ich wähle den Pyromanischen Funken aus meinem Friedhof“, sagte der Obeliskenkönig und zeigte den Zauber vor.

„Ich spiele jetzt Funken und füge dir so 200 direkte Schadenspunkte zu.“

Ein kleines Feuergeschoss verursachte bei Mayla geringen Schaden.

„Aaah!“

Maylas Lebenspunkte: 5000 → 4800.

Sie biss sich auf die Unterlippe.

Dass sie durch den Avatar des brennenden Fleisches 5000 Lebenspunkte auf einmal verloren hatte, schwächte sie erheblich und vergrößerte den zuvor geringen Schmerz, den ein einzelner Feuerball bei ihr anrichtete um ein Vielfaches.

Der Plünderer lachte hämisch und richtete seine Waffe in Maylas Richtung. Auf der Spitze seines Zweihänders bildete sich ein kerzenflammengroßer Feuerball, der auf Mayla zuflog und an ihr verpuffte.

Sie keuchte.

Maylas Lebenspunkte; 4800 → 4700.

„Nun, da ich dir mit Funken Schaden zugefügt habe, darf ich den zweiten Spezialeffekt vom Pyromanischen Plünderer verwenden. Ich rufe ein „Pyromanisch“-Monster aus meiner Hand als zusätzliche Normalbeschwörung. Ich rufe nun im Verteidigungsmodus Pyromanischer Engel auf.

Neben dem Plünderer erschien die Feenfrau mit den feuerroten Gewändern und den brennenden Flügeln, die mit jedem Schlag Funken abwarfen.

Pyromanischer Engel: Stufe 3, 1300Atk, 1700Def.

„Ich setze zwei Karten verdeckt und nutze danach den Effekt des Dreifach entflammenden Funkens“, sprach Aland.

Zwei weitere verdeckte Karten erschienen links und rechts neben der sich bereits auf dem Feld befindenden Karte und er zeigte seine einzige Handkarte, den Avatar des brennenden Geistes vor: „Ich habe keine „Funken“ auf der Hand. Ich erkläre mich bereit in diesem Zug auf meine Battle Phase zu verzichten und darf im Gegenzug den Dreifach entflammenden Funken aus dem Friedhof auf die Hand nehmen. Dort aktiviere ich meinen Zauber sofort und tausche ihn gegen die drei Funken in meinem Friedhof aus.“

Aland platzierte den Dreifach entflammenden Funken ruhig auf seiner Disk, woraufhin drei Feuerbälle vor ihm erschienen, auf seine Hand zu schwebten und sich dort in die Zauberkarten „Funken“ verwandelten.

Mayla beobachtete die Entscheidung des Königs seine Funken im Austausch gegen die Battle Phase auf seine Hand zu nehmen mit einer gewissen Erleichterung.

So würde sie zumindest den gegnerischen Zug leicht überstehen und selbst einen weiteren Zug haben, um einen Gegenangriff auf den Obeliskenkönig zu starten.

„Den ersten meiner drei Funken aktiviere ich sofort. Das kostet dich 200 Lebenspunkte zuzüglich der jeweils 100 Lebenspunkte, die dir Plünderer und Engel abnehmen werden, Mayla.“

Ein kleiner Feuerball gefolgt von zwei noch kleineren Feuerbällen aus der Schwertspitze des Pyromanischen Plünderers und der offenen Handfläche des gehässig kichernden Engels schossen auf Mayla ein.

Sie stöhnte und strauchelte nach jedem Treffer.

Maylas Lebenspunkte: 4700 → 4500.

Maylas Lebenspunkte: 4500 → 4300.

„Nun hat dir auch mein Pyromanischer Engel Effektschaden zugefügt. Das erlaubt es mir bis zu zwei „Opferfackel“-Spielmarken als Spezialbeschwörung zu rufen.“

Zwischen Alands Monstern schwebten zwei hölzerne Fackeln, die sofort aufflammten.

Opferfackel: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

Opferfackel: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

„Es wird Zeit die erste verdeckte Karte zu aktivieren, sie heißt Tribut-Boost und erlaubt es mir zusätzlich zu meiner Normalbeschwörung eine Tributbeschwörung eines Monsters in meiner Hand oder sogar in meinem Friedhof durchzuführen.“

Die verdeckte Zauberkarte klappte auf.

„Ich entscheide mich für das Monster in meiner Hand, den Avatar des brennenden Geistes.“

Die Farbe des Feuers von Alands schwebenden Fackel-Marken wandelten sich zu einem rauschen Blau.

„Ich opfere nun beide Opferfackel-Marken, die ich dank Engel beschwören durfte und bringe so zum zweiten Mal den Avatar des brennenden Geistes ins Spiel.“

Mit einem Krächzen begrüßte der tiefschwarze, brennende Riesenvogel die zuschauende Menge, während es seelenruhig auf einem großen, ebenfalls brennenden Buch stand.

Avatar des brennenden Geistes: Stufe 8, 2600Atk, 2200Def.

„Ich habe zwei Feuer-Attribut-Monster für die Beschwörung des Avatars geopfert, daher darf ich nicht nur deine Handkarten betrachten, sondern selbst eine weitere Karte ziehen.

Mayla hielt ihrem Gegner für einen Moment ihren Tango-Tintenfisch und den Walzer-Wal entgegen, doch Aland schien sich mehr für die soeben gezogene Karte zu interessieren, die einzige Karte auf seiner Hand, wenn man von den zwei Funken absah.

„Eine interessante Wendung. Diese Karte werde ich mir gut aufheben. Zuerst spiele ich nämlich meinen zweiten Funken aus.“

Das Flammengeschoss stieß Mayla einen halben Schritt zurück.

Sofort schossen drei weitere Feuerbälle vom Pyromanischen Plünderer, dem Pyromanischen Engel und dem Avatar des brennenden Geistes auf sie ein und verursachten jeweils 100 Schadenspunkte.

„Aaaaah!“

Maylas Lebenspunkte: 4300 → 4100.

Maylas Lebenspunkte: 4100 → 3800.

„Mein Avatar hat Effektschaden angerichtet, nun darf ich seinen zweiten Effekt benutzen, mit dem ich einen Kartennamen nennen darf. Befindet sich eine Karte mit diesem Namen auf deiner Hand, wird sie zerstört. Ich nenne Wassertänzer Tango-Tintenfisch und zerstöre ihn mit Flammender Wahrheit.“

Der dunkle, riesige Krähen-Eulen-Mischling krächzte und hopste vom Buch herunter und augenblicklich flogen aus den sich rapide umblätternden Seiten des brennenden Buches rote Geisterwesen.

Die Geister stürzten sich auf Maylas Handkarte, zerrten an ihr und ließen sie letztlich in Flammen aufgehen, bevor sie wieder verschwanden.

„So ein Mist!“, fluchte Mayla innerlich.

Sie hatte keine Karten auf dem Feld und ihre einzige Handkarte war der Walzer-Wal, der aber ohne zusätzliche Unterstützung zweier anderer Wassertänzer nicht beschworen werden konnte.

Im nächsten Zug musste sie dringend eine gute Karte ziehen, um das Duell noch zu wenden.

„Ich habe noch einen Funken auf meiner Hand und ich sehe keinen Grund ihn mir für den nächsten Zug aufzubewahren. Ich spiele ihn stattdessen aus und richte so zusätzlichen Schaden an.“

Der kleine Feuerball des Funkens gefolgt von drei weiteren Feuerbällen prasselten auf die vor Leid ächzende Mayla ein.

Maylas Lebenspunkte: 3800 → 3600.

Maylas Lebenspunkte: 3600 → 3300.

„Bevor ich meinen Zug beende“, kündigte Aland an, „aktiviere ich eine meiner beiden verdeckten Karten. Die permanente Fallenkarte Zirkuläre Logik.

Die Fallenkarte klappte vor Aland auf.

„Es ist nicht so, als ob das Mädchen jemals hätte gewinnen können, aber mit dieser Karte macht Ihre Hoheit es offiziell!“, erklärte eine sehr zufriedene Imani demder neben ihr sitzenden Chris.

Dey nickte ein wenig ohne den Blick von der Stadionmitte abzuwenden.

„Da bin ich sehr gespannt. Ihre Majestät muss immerhin nicht nur gewinnen, er muss der Akademieschülerschaft demonstrieren, das jeglicher Widerstand gegenüber ihm, uns und der blauen Ehre sinnlos ist.“

Dey bemühte sich, deren Mitleid mit Mayla nicht anmerken zu lassen.

Imani lachte leise.

„Keine Sorge, das wird er!“

Auch Kevin war von der letzten aktivierten Karte sehr angetan.

Seine Kartensammlung, an der er nun seit zwei Jahren arbeitete, war in ihrem Umfang und teils auch in ihrer Seltenheit auf der gesamten Insel einzigartig.

Doch Zirkuläre Logik war eine der wenigen berüchtigten und mächtigen Karten, die in seiner Sammlung noch fehlten.

Er kannte ihren Effekt nicht, aber erahnte, dass es das Ende für die Sliferkönigin bedeuten würde.

Aland begann zu erklären:“Zirkuläre Logik darf nur in meinem eigenen Zug aktiviert werden und auch nur dann, wenn sich in beiden Friedhöfen jeweils mindestens 10 Karten befinden. Ihr eigentlicher Effekt bewirkt, dass wir während unserer Draw Phase keine Karten ziehen, sondern stattdessen eine beliebige Karte aus dem Friedhof unseren Händen zufügen. Zudem wird Zirkuläre Logik zerstört, sobald eine Monsterkarte einen Angriff deklariert, beschworen wird oder das Feld verlässt. Ich beende jetzt meinen Zug und während der End Phase aktiviert sich der zweite Effekt von Pyromanischer Engel: Ich erhalte Lebenspunkte in Höhe des Effektschadens, den ich in diesem Zug bei meinem Gegner oder meiner Gegnerin angerichtet habe. In diesem Zug habe ich dir 1400 Schadenspunkte zugefügt.

Die Lebenspunkte des Obeliskenkönigs stiegen sofort an.

Alands Lebenspunkte: 1500 → 2900.

Aland beendete seinen Spielzug nun endgültig und Mayla betrachtete ihren Friedhof konzentriert.

Sie konnte anstatt eine Karte zu ziehen eine beliebige Karte aus ihrem Friedhof auf die Hand nehmen und sie musste sich gut überlegen, welche Karte sie wählen würde.

Sie hatte keine Verteidigung und Alands Monster hatten zusammen mehr Angriffspunkte als sie noch Lebenspunkte übrig hatte.

Insbesondere der Avatar des brennenden Geistes war eine große Bedrohung.

Zudem musste sie Zirkuläre Logik loswerden, bevor Aland sich ebenfalls eine beliebige Friedhofskarte aussuchen konnte.

Zum Glück hatte sie eine passende Karte in ihrem Friedhof, die ihr ein wenig Zeit verschaffen konnte.

„Ich habe mich für eine Karte aus meinem Friedhof entschieden, verkündete Mayla und nahm sie sogleich auf die Hand.

„Halt!“, unterbrach sie ihr bisher sehr ruhig und entspannt wirkender Gegenspieler.

„Bevor du weitermachst, möchte ich, dass du mir bitte die Karten in deinem Friedhof nennst.“

Mayla sah ihn fragend an.

Daniel blickte zu seinen drei Freunden neben sich.

„Hey, äh...ist das...denn erlaubt, sich einfach den Friedhof des Gegners anzuschauen?“

Da war Erin überfragt.

Welche Karten der Gegner genau im Friedhof hatte, war, sofern die Karten keine besonderen Effekte im Friedhof hatten, in 99% aller Duelle eine eher irrelevante Frage und soweit sie sich erinnern konnte, hatten sie dieses Thema bisher noch nicht im Unterricht angesprochen.

„Ja, Daniel. Die Friedhöfe sind sogenannte öffentliche Informationen. Beide Spieler dürfen sie zu jeder Zeit betrachten oder zumindest eine Aufzählung verlangen. Das Gleiche gilt übrigens für verbannte Karten, solange sie nicht explizit verdeckt verbannt wurden“, erklärte Jiang und beeindruckte so die anderen mit ihrem obskuren Theoriewissen.

Mayla wusste dies jedenfalls nicht und stockte angesichts von Alands überraschender Forderung.

Eine Durchsage ertönte.

„Mayla Deniz. Du bist verpflichtet deinem Gegner Informationen über die Karten in deinem Friedhof offen zu legen“, ermahnte Frau Ehring über die Stadionlautsprecher.

Sie betrachtete erneut die Karten im Friedhof und begann nun aufzuzählen:

„In meinem Friedhof befinden sich zwei Exemplare von Wassertänzer Robot-Rochen, ein Wassertänzer Tango-Tintenfisch und eine Wassertänzer Flamenco-Forelle. Außerdem noch die Wasserfallbarriere, Wassertänzer-Shuffle, Wassertänzer-Zugabe, Wassertänzer-Tanzpartnersuche und Wassertänzer Meeresboden-Tanzparkett“, ratterte sie runter.

„Danke sehr. Ich aktiviere nun meinen Pyromanischen Funken. Einmal pro Zug darf ich diesen Schnellzauber aktivieren und so meinem Gegner 200 Lebenspunkte abziehen.“

Alands letzte verdeckte Karte deckte sich langsam auf und hinterließ einen auf Mayla zufliegenden Feuerball.

Durch die Aktivierung einer Effektschaden anrichtenden Funken-Karte folgten sofort drei weitere, kleinere Feuerbälle von Alands Monstern.

Mayla stöhnte schwer und krümmte sich ein wenig nach dem Aufprall der feurigen Geschosse.

Maylas Lebenspunkte: 3300 → 3100.

Maylas Lebenspunkte: 3100 → 2800.

„Ich nutze nun den Effekt von Avatar des brennenden Geistes und nenne die Karte, die in deiner Aufzählung gefehlt hatte, den Wassertänzer Disko-Delfin. Der Avatar zerstört ihn nun mit der Flammenden Wahrheit.

Alands Tributmonster stieg vom brennenden Buch, aus dem sogleich die roten Gespenster entwichen.

Ein kommandierendes Krächzen des Avatars hetzte die Geister auf Maylas sich in ihrer Hand befindenden Disko-Delfin.

Die Karte verbrannte in ihrer Hand und ließ sie nur mit dem alleine nutzlosen Walzer-Wal zurück.

Die Obeliskenmenge johlte.

Das wars.

Die großen Stadionbildschirme erinnerten die Zuschauerschaft daran, dass Mayla lediglich eine einzige unbrauchbare Handkarte, keine Karten auf dem Feld und zu wenig Lebenspunkte hatte, um einen Angriff von Alands Monstern zu überstehen.

Der Sliferblock hinter Mayla war hingegen erschreckend still.

Es gab einzelnes Getuschel, aber die Mehrheit schien ebenfalls begriffen zu haben, dass es nun vorbei war.

Mayla könnte nicht mehr länger gewinnen.

„Mann, warum muss dieser blöde König sich auch jede einzelne Karte merken, die Mayla im gesamten Duell ausgespielt hat!?“, schimpfte Carlos.

Beschämt blickte die Sliferkönigin, unfähig eine einzelne Karte zu spielen auf den Boden der Duellplattform.

„Ich beende meinen Zug.“

„Während deiner End Phase erhalte ich dank des Effekts von Pyromanischer Engel Lebenspunkte in Höhe des von dir erlittenen Schadens“, unterbrach der König, bevor er seinen Zug begann.

Alands Lebenspunkte: 2900 → 3400.

„Anstatt zu ziehen, füge ich wegen Zirkulärer Logik meiner Hand eine Karte zu. Zu deiner Information, ich wähle den Pyromanischen Funken und setze ihn sofort wieder zusammen mit meiner letzten Handkarte verdeckt“, sagte Aland und sogleich erschienen zwei Karten in seiner Zauber- und Fallenkartenzone.

„Was soll der Blödsinn? Dieses Duell ist vorbei! Greif mich einfach an und besiege mich!“, schrie Mayla.

Aland schwieg für einen Moment.

„Da muss ich dir widersprechen, unser kleines Spiel ist noch lange nicht vorbei. Ich verzichte auf meine Battle Phase und hole mir so aus meinem Friedhof die Zauberkarte Dreifach entflammender Funken auf die Hand.“

Der König aktivierte den Zauber augenblicklich und drei vor ihm erscheinende Feuerkugeln wandelten sich in seiner Hand zu den drei Funken, die sich zuvor in seinem Friedhof befanden.

„Verstehe, du willst mich also stattdessen noch etwas leiden lassen, hä?!“, fragte Mayla und funkelte Aland böse an, „Du bist kein richtiger König! Du bist nicht gerecht! Du bist nur ein weiterer, abscheulicher Obelisk, der sich an Slifern vergreift und es genießt anderen Schmerzen zuzufügen!“

Purer Hass schwang in ihrer Stimme.

Ohne ein Wort zu sagen oder auch nur eine Miene zu verziehen spielte Aland weiter.

Er legte stumm den ersten Funken auf seine Duelldsik.

Der Feuerball, gefolgt von drei weiteren durch Pyromanischer Plünderer, Engel und Avatar des brennenden Geistes schoss auf Mayla ein.

„Aarggh!“

Maylas Lebenspunkte: 2800 → 2600.

Maylas Lebenspunkte: 2600 → 2300.

„Der Avatar des brennenden Geistes hat dir nun Effektschaden zugefügt. Ich nenne den Wassertänzer Walzer-Wal und zerstöre ihn mit Flammender Wahrheit.“

Die Geisterwesen aus dem großen Buch des Avatars zerrten an Maylas letzter Karte.

Sie verbrannte in ihrer Hand.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, legte Aland den zweiten Funken ab.

Mayla schrie vor Schmerzen auf, lauter als zuvor.

Maylas Lebenspunkte: 2300 → 2100.

Maylas Lebenspunkte: 2100 → 1800.

Sie kauerte und atmete schwer.

Aland spielte seinen dritten Funken ab.

„AAArgh!“

Mayla war nun nicht mehr in der Lage aus eigener Kraft gerade zu stehen, sie stützte sich mit einem Arm auf dem Oberschenkel ab.

Maylas Lebenspunkte: 1800 → 1600.

Maylas Lebenspunkte: 1600 → 1300.

„Durch Pyromanischer Engel erhalte ich für jeden dir zugefügten Schadenspunkt Lebenspunkte dazu. Danach beende ich meinen Zug.“

Alands Lebenspunkte: 3400 → 4900.

Mayla war dran, aber vorher musste sie sich ein wenig aufrappeln.

Mit großer Mühe, zwang sie sich dazu aufrecht zu stehen.

„Ich nehme in meiner Draw Phase wegen der Zirkulären Logik meinen Disko-Delfin aus dem Friedhof auf die Hand!“, erklärte sie.

Sie hatte weder Lust noch Kraft, Aland wieder alle Karten in ihrem Friedhof vorzutragen.

Sie wollte nur noch so schnell wie möglich verlieren.

„Gut. Ich aktiviere dann meinen verdeckten Pyromanischen Funken.“

Insgesamt vier Feuergeschosse entlockten Mayla schrille Schmerzensschreie und brachten sie ins Straucheln.

Maylas Lebenspunkte: 1300 → 1100.

Maylas Lebenspunkte: 1100 → 800.

Beinahe überstanden.

Sie hatte zu Beginn von Alands Zug kurz mit dem Gedanken gespielt, ihr Versprechen an Aland zu brechen und einfach aufzugeben, um sich die Tortur zu ersparen.

Aber auf dieses Niveau wollte und konnte sie nicht sinken.

Aland konnte nur noch zwei Funken spielen, danach hatte Mayla keine Lebenspunkte mehr übrig.

„Mein Avatar hat dir Effektschaden zugefügt und kann daher durch seinen Effekt Wassertänzer Disko-Delfin auf deiner Hand zerstören.“

Die roten Geister aus dem Buch griffen nach der soeben der Hand zugefügten Karte und verbrannten sie vollständig.

„Ich beende meinen Zug“, sagte Mayla.

Ihre Stimme klang inzwischen heiser und kraftlos.

„Bevor du den Zug beendest, erhalte ich wegen des Effekts von Engel 500 Lebenspunkte.“

Alands Lebenspunkte: 4900 → 5400.

Er begann seinen Zug.

„Durch Zirkuläre Logik nehme ich wieder den Pyromanischen Funken auf die Hand. Außerdem nutzte ich den Effekt von Dreifach Entflammender Funken in meinem Friedhof und füge ihn im Austausch gegen meine Battle Phase meinem Blatt zu.“

Aland nahm beide Zauberkarten auf die Hand und spielte dann den Dreifach entflammenden Funken aus.

Drei Feuerbälle schwebten langsam auf sein Blatt zu und wandelten sich in die Funken, die sich zuvor in seinem Friedhof befanden, danach aktivierte Aland den ersten Funken.

Der Feuerball des Funkens erteilte Mayla Schaden und Schmerzen und die Geschosse von Plünderer, Engel und Avatar brachten das geschwächte Mädchen mit einem Schrei zu Fall.

Maylas Lebenspunkte: 800 → 600.

Maylas Lebenspunkte: 600 → 300.

Die noch zu Beginn des Duells stolze Sliferkönigin lag nun keuchend auf dem Duellfeld.

Fast...vorbei...

„Ich decke meine verdeckte Karte auf.“, sagte Aland kühl, während sich die Karte offenbarte, „Diese Zauberkarte heißt Närrisches Geschenk und erlaubt es mir zwei Karten zu ziehen. Im Gegenzug erhält mein Gegner 4000 Lebenspunkte dazu.“

Er zog zwei Karten.

Maylas Lebenspunkte: 300 → 4300.

Ein Raunen ging durch das gesamte Stadion, als Maylas Lebenspunkte wieder in die Höhe schossen.

Unverkennbare, sadistische Freude war in den Gesichtern des Obeliskenblocks und in der knappen Hälfte der Ras zu erkennen.

Dieses „Duell“ würde weitergehen.

Entsetzt hielt sich Erin beide Hände vor den Mund.

„Was zur Hölle denkt sich dieser Bastard?! Lass es doch einfach gut sein!“, fluchte Daniel stinksauer.

Leroy starrte mit glasigen Augen auf die Duellanten unter der Tribüne.

„Genau deshalb durfte Mayla ihm nicht dieses Versprechen geben. Und genau deswegen will sich niemand mit ihm duellieren. Es ist nicht nur der Umstand, dass Aland stark ist und das ist er, ohne jeden Zweifel. Es ist vielmehr sein Deck, welches darauf spezialisiert ist seine Gegner so lange wie möglich zu quälen. Das ist der wahre Schrecken des Obeliskenkönigs.“

Mayla lag noch immer auf dem Boden und regte sich kaum.

„Steh auf, wir befinden uns im Duell“, forderte der König in der gleichen ruhigen Stimmlage, die er schon im gesamten Duellverlauf hatte.

Mayla drückte ihren Oberkörper mit hörbarem Gestöhne von der Plattform hoch.

Dann folgte ein Bein.

Es schien für einen Augenblick, dass sie wieder aufstehen würde, doch dann fiel sie wieder zu Boden.

„Stehe bitte auf, Mayla. Wir können nicht weiterspielen, wenn du nicht wieder stehst.“

Ein anfangs leises, aber mit der Zeit immer lauter werdendes Schluchzen hallte über Maylas Lavalier-Mikrofon durch das Stadion.

Tränen fielen.

„Ich kann nicht... Ich will aufgeben. Ich kann mich nicht mehr duellieren!“

Abfällig blickte Aland von seinem Sitz auf sie herab.

„Aber Mayla, du weißt doch, dass das nicht geht. Das Jahresabschlussduell ist eine wichtige Tradition und du hast mir versprochen unser Duell zu Ende zu führen.“

„Ich...kann aber nicht mehr!“

Das gesamte Stadion hörte Mayla weinen.

Hämisches Gelächter über die zum erbärmlichen Opfer reduzierte, selbsternannte Königin war die Antwort der allermeisten Obelisken.

„Selbst Schuld!“

„Das ist es, was jeder Slifer verdient, der es sich anmaßt sich auf eine Stufe mit dem König der Obelisken zu stellen!“

Fiona schnaubte und stand auf.

„Wo willst du denn jetzt wieder hin?!“, fragte Lucia-Ann.

„Frag nicht so dämlich! Diese Scheiße sehe ich mir nicht mehr länger an!“

„Findest du das eigentlich fair deine Wut an mir auszulassen?! Ich habe deiner kleinen Freundin da unten jedenfalls nicht dazu geraten sich mit dem König anzulegen! Und jetzt setz dich wieder hin, bevor du noch Ärger bekommst! Das hier ist immerhin eine Pflichtveranstaltung!“

„Setz dich! Ich sehe so ja gar nichts!“, beschwerte sich ein Obelisk eines höheren Jahrgangs, der hinter Fiona saß.

Sie ballte beide Hände zu Fäusten.

Am liebsten würde sie gerade irgendwem eine reinhauen, ganz egal wem.

So richtig mit Schmackes!

Dann setzte sie sich widerwillig auf ihren Platz.

„Stehe jetzt bitte auf“, forderte Aland erneut.

Keine Reaktion.

Eine Durchsage ertönte, diesmal war es die Stimme des Direktors.

„Mayla Deniz, du hast ein Versprechen bei deiner Ehre als Schülerin der Duellakademie gegeben. Wenn du nicht innerhalb der nächsten Minute wieder aufstehst, werde ich dein Stipendium aufkündigen und dich sofort exmatrikulieren. Dann endet deine Laufbahn als Schülerin der Akademie noch heute!“, drohte Herr Schrainmann.

Maxim verkneifte sich ein gequältes Lachen.

Es war, wie Hecker es ihm und seinen Verbündeten schon immer gesagt hatte.

Der Direktor der Akademie war ein grausamer Unmensch.

Nicht nur Aland hatte heute seine Maske fallen lassen.

Mayla stand mit größter Anstrengung wieder auf, soweit man ihre vor Schmerz und Erschöpfung gekrümmte Haltung als Stehen bezeichnen konnte.

Die Realität verschwamm vor ihren Augen.

Sie vermischte sich mit der Finsternis aus ihrem Kopf.

Stimmen kamen aus allen Richtungen und gleichzeitig aus dem Nirgendwo.

Waren das ihre Duellgeister?

Neben Aland stand Barry.

Er lachte.

„Du schätzt Schrainmann etwas falsch ein. Alles, was für den Alten zählt, ist wie mächtig man ist und wie viel man gewinnt! Man wird mir also wohl eher den Arsch küssen, als mich abzulehnen!“

Sie erinnerte sich an diesen Satz.

An Barrys vage Andeutung, daran, dass irgendetwas mit dem Direktor so gar nicht stimmen konnte.

„Oh, du arme, ahnungslose Göre, ganz im Gegenteil! Du weißt noch gar nicht WIE WITZIG das ist!“

„Verschwinde! Ich weiß, dass du nicht echt bist!“, befahl sie Barry in ihren Gedanken.

Barry verblich und sie kam wieder in der Wirklichkeit an.

„Gut gemacht, Mayla“, lobte Aland sie fürs Aufstehen und platzierte den zweiten Funken auf seine Dueldisk.

Vier kleine Feuerbälle beförderten die auf schwachen Beinen stehende Mayla gnadenlos wieder auf den Duellplattformboden.

„IIIAaargh!“

Maylas Lebenspunkte: 4300 → 4100.

Maylas Lebenspunkte: 4100 → 3800.

„Warum legst du dich denn wieder hin? Wir sind noch nicht fertig.“

Wieder wurde es dunkel.

So dunkel wie in dieser Nacht, als nur der Halbmond schien.

„Buhaha! Buhahaha!“

Mayla ignorierte Barry.

Sie ging zunächst in die Hocke und versuchte vergeblich sich mit Schwung wieder auf die Beine zu bringen.

Wieder lag sie vor dem Obeliskenkönig.

„Weißt du Mayla, ich habe bis eben gar nicht gewusst, dass du vom Direktor persönlich ein Stipendium bekommen hast. Das hat mich doch ehrlich überrascht. Besonders nachdem du so leidenschaftlich vor all unseren Mitschülerinnen und Mitschülern über ihn hergezogen bist.“

Mayla startete einen neuen Versuch.

Diesmal schaffte sie es sich gerade so auf den Beinen zu halten.

„Schämst du dich eigentlich gar nicht, Mayla? Dafür, dass du den Mann, dem du so viel zu verdanken hast, so schäbig behandelst?“, fragte Aland kalt und legte seinen dritten Funken nach.

Auf Mayla schossen die Flamme des Funken-Zaubers sowie die drei Flammen von Alands Monstern.

Sie schrie auf und ging ein drittes Mal zu Boden.

Maylas Lebenspunkte: 3800 → 3600.

Maylas Lebenspunkte: 3600 → 3300.

„Wenn ich ein Slifer wäre und eine so undankbare, verwöhnte Person wie du mich und meine Freunde vor allen hier repräsentieren würdest...Mann, das wäre mir echt peinlich“, spottete Aland, ohne seine Tonlage zu ändern, „Ich setze meinen Pyromanischen Funken verdeckt. Der Effekt von Pyromanischer Engel verschafft mir danach Lebenspunkte in Höhe des Effektschadens, den du erlitten hast. Das macht 1500 Punkte in diesem Zug. Du bist dran.“

Der verdeckte Schnellzauber erschien vor Aland.

Alands Lebenspunkte: 5400 → 6900.

„Ich....muss...aufstehen“, brabbelte Mayla geistesabwesend.

Barry, noch immer neben Aland stehend grinste Mayla hämisch an.

Genieße den Schmerz! Genieße es, wenn dein Gegner vor dir liegt und wimmert! Genieße es ihm weitere Schmerzen zu bereiten! Genieße es, wenn ihn die Verzweiflung einholt! Und genieße es genauso, wenn du selbst leidest!

Es genießen?

Mayla fand sich plötzlich wieder auf ihren Beinen wieder, ohne sich daran erinnern zu können, sich wieder hochgekämpft zu haben.

Verlor sie gerade den Bezug zur Wirklichkeit?

War das hier gerade echt?

Die Dunkelheit, das Licht, Barry und Aland, der einsame Wald abseits der Akademie, das volle Stadion.

Alles war auf einmal dar.

Aber das spielte keine Rolle.

Sie wollte nicht von der Akademie verwiesen werden.

Irgendwie musste es weitergehen.

Sie nahm ohne etwas zu sagen wegen des Effekts von Zirkulärer Logik eine Karte aus dem Friedhof auf die Hand.

„Nenne mir entweder den Namen deiner Karte, oder zähle mir die Karten in deinem Friedhof auf“, forderte Aland.

„Ähhh...Friedhof...?“, fragte sie katatonisch.

Schallendes Lachen über die nun völlig übergeschnappte Königin fuhr von den Tribünen auf sie herab.

Erin konnte sich das Schauspiel nicht mehr länger mit ansehen.

Sie wusste nicht was sie sagen sollte, also schwieg sie und vergrub ihr Gesicht hinter ihren Händen.

„Warum beendet niemand dieses Duell?!“, fragte sich Erin laut und sie klang selbst den Tränen nahe.

Es tat ihr unheimlich weh zu sehen, wie sehr Mayla da unten leiden musste.

Jiang legte einen Arm um sie und streichelte dabei behutsam über ihre Schulter.

Währenddessen platzte Daniel beinahe vor Wut.

Mayla hörte Gelächter.

Worüber lachten diese Stimmen?

Lachte man etwa über sie?

Laut und gleichzeitig still.

Mayla sah sich um, ihre Augen sprinteten hektisch durch die Zuschauerschaft.

Wo waren Erin und Daniel?

Sie wollte nicht mehr alleine sein.

Die Einsamkeit machte ihr Angst.

„Zeige mir bitte die Karte auf deiner Hand, oder zeig mir deinen Friedhof. Oder versuche bitte wie ein zivilisierter Mensch mit mir zu reden.“

Diese Stimme.

Der entstellte, sitzende Obelisk neben Barry.

Das war ihr Gegner, oder?

Sie wusste es gerade nicht genau.

Mit wem duellierte sie sich eigentlich?

Und wo und warum?

Unsicher wendete sie die einzige Karte in ihrer Hand in Richtung der beiden Jungen.

„Gut, ich aktiviere Pyromanischer Funken.“

Die soeben gesetzte Schnellzauberkarte deckte sich auf und entfaltete sofort ihre zerstörerische Wirkung.

Ein Feuerball, gefolgt von drei kleineren Feuerbällen flogen auf Mayla zu und rissen sie von den Füßen.

Diesmal schrie sie nicht einmal.

Sie wusste nicht wie.

Und es tat auch nicht weh.

Mayla fühlte nichts.

Maylas Lebenspunkte: 3300 → 3100.

Maylas Lebenspunkte: 3100 → 2800.

Wo ist Erin? Wo ist Daniel?

Sie lag auf dem Rücken, mit dem Blick zur Stadiondecke.

In ihren Augenwinkeln sah sie die unzähligen kleinen Gestalten in den Zuschauerrängen, aber es war niemand zu erkennen.

Es war zu dunkel.

Bitte lasst mich nicht alleine!

„Mein Avatar des brennenden Geistes hat dir Effektschaden erteilt. Mit Flammender Wahrheit zerstöre ich nun den Disko-Delfin auf deiner Hand.“

Der schwarze, in Flammen stehende Riesenvogel gab das Buch frei, aus dessen Seiten die rötlichen Geister entwichen.

Sie schwebten auf Mayla zu und griffen nach Maylas einziger Karte.

Der Disko-Delfin verbrannte vor Maylas Augen.

Sie hat keine Karten mehr.

Keine Kraft.

Keine Kontrolle über sich selbst.

Sie brauchte Hilfe.

Daniel?!

Erin?!

Sie sah sie nicht und hören konnte sie sie auch nicht.

Nur die Stimme des sitzenden Obelisken und...ihn.

Mit letzter Kraft presste sie ihren Oberkörper vom Boden hoch, sodass sie ihren Peinigern zumindest gegenübersaß.

Barry und der vernarbte, sitzende Obeliskenjunge.

„Stehe auf und beende deinen Zug.“

Barry lachte.

„Und...früher oder später werden dich auch deine geliebten Freunde verlassen! Nur der Schmerz ist dir immer gewiss!“

„Öhhh...ähh...“

„ÖÖÖÖÖHHH!!...ÄÄÄÄÄHHH!!“, äffte ein Obelisk in Fionas Hörreichweite Mayla blöde nach und erntete von seien Freunden dafür lautes Lachen.

Zweimal versuchte Mayla aufzustehen, stürzte und beim dritten Mal stand sie wieder, wenn auch auf ihren Oberschenkeln gestützt auf ihren zwei Beinen.

„Ich beende...ich...ich weiß nicht...“

Das war für Aland gut genug.

„Bevor ich weitermache, erhalte ich Lebenspunkte: Pyromanischer Engel beschert mir in deiner End Phase für die 500 Schadenspunkte, die du in deinem Zug erlitten hast 500 Lebenspunkte.“

Alands Lebenspunkte: 6900 → 7400.

Es wurde wieder dunkel.

Immer dunkler und dunkler.

Die beiden Jungen, das Stadion, jedes bisschen Licht verschwand vor Maylas Augen.

Sie hörte die vertrauten Stimmen ihrer Duellgeister.

„Wir können dir große Kraft verleihen... Du wirst nie wieder verlieren müssen, Mayla...Vertraust du uns?“

Plötzlich begann Mayla zu schreien.

Lauter, kraftvoller als sie es im gesamten Duellverlauf getan hat.

Ein langer, anhaltender Schrei.

Die gute Mehrheit der Anwesenden musste sich angesichts des vom Mikrofon verstärkten Geschreis die Ohren zu halten.

„Was ist denn jetzt los?!“, fragte Erin, während sie ebenfalls ihre Ohren mit den Handflächen bedeckte.

Maylas Schrei verstummte.

Dann riss Erin erschrocken die Augen auf.

Um Mayla herum hatte sich aus dem Nichts eine Art Monsterhologramm gebildet.

Es war schwer zu erkennen, Erin meinte es sah aus, wie eine transparente Schlange...Mit Flossen?

Ein Aal?

Es war riesig und wirkte mit den unzähligen spitzen Zähnen im Maul viel zu bedrohlich um in die comicartige Ästhetik von Maylas Deck zu passen.

Und welches verfluchte Monster schlängelt sich um den eigenen Besitzer?

Erin spürte ihr Herz vor Furcht höher schlagen und sie presste sich mit dem Rücken tief in den Sitz.

Auch Aland, der bis eben demonstrativ die Ruhe behalten hatte, verlor angesichts dieser Erscheinung vollkommen die Beherrschung.

Das durchsichtige, bestimmt 10 oder 20 Meter lange Schlangenwesen senkte den Schädel auf Alands Höhe und brüllte Aland an.

Er schrie vor Angst und konnte sich gerade so eben mit einem Arm an seinem Sitz festhalten.

„Ich begreife gar nichts mehr. Mayla ist schon eine ganze Weile komisch drauf, aber warum schreit Aland plötzlich los?“, fragte Jiang Erin verwirrt.

Hatte Jiang gerade ernsthaft gefragt, was Aland so eine Panik machte?

„Äääh... Er schreit wegen Maylas brüllenden, gigantischen Schlangen-Aal-Monster?!“

„Was denn für ein Monster?“, schaltete sich Leroy ein, „Mayla musste doch im letzten Zug wegen des Effekts von Avatar des brennenden Geistes ihr einziges Monster ablegen.“

Erin schaute hektisch die beiden links und rechts neben sich an.

„Veralbert ihr mich gerade, oder was?“

Sie sah auf dem Spielfeld definitiv etwas Schlangenartiges um Mayla herum, das nun aber schlagartig verblasste.

Doch Alands noch immer verängstigter Gesichtsausdruck verriet Erin, dass sie sich dieses Monsterhologramm nicht eingebildet hatte.

„Aland starrte Mayla entsetzt an.

„Du! Sie reden mit dir, oder?! Deine Duellgeister, meine ich! Sie reden mit dir, habe ich Recht?!“, brüllte er sie an.

Mayla war vollkommen reaktionsunfähig und schwieg Aland ohne eine Regung an.

„Du bist gefährlich, Mayla! Ich werde dich vernichten! Ich muss dich vernichten! Ich hole mit dem Effekt von Zirkulärer Logik meinen Pyromanischen Funken auf die Hand und erteile dir so sofort 200 Schadenspunkte!“

Der Feuerball der „Funken“-Karte, sowie die drei kleineren Flammen der Effekte von Alands Monstern bombardierten Mayla und stießen sie mühelos um.

Maylas Lebenspunkte: 2800 → 2600.

Maylas Lebenspunkte; 2600 → 2300.

Obwohl Mayla nun bewusstlos scheinend auf dem Boden lag, machte Aland keine Anzeichen das Duell zu ihrem Schutz abzubrechen, oder zumindest einen Moment abzuwarten:

„Mein Pyromanischer Engel hat dir Effektschaden erteilt, das erlaubt es mir nun zwei Opferfackel-Spielmarken zu beschwören, zeigt euch!“

Zwei schwebende, erleuchtete Holzfackeln belegten nun Alands restliche freien Monsterkartenzonen.

Opferfackel: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

Opferfackel: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

„Ich habe nun Monster beschworen, weshalb meine Zirkuläre Logik jetzt zerstört wird!“, erklärte Aland, während die permanente Fallenkarte auf seiner Spielfeldseite zerplatzte, „Das spielt allerdings keine Rolle mehr, denn meine nächste Karte ist die Inferno-Übermacht!“

Eine neue Zauberkarte belegte nun den Platz der soeben zerstörten Zirkulären Logik.

„Mit Inferno-Übermacht kann ich eine beliebige Anzahl an Feuer-Monstern opfern, um einem meiner Monster 1000 Angriffspunkte für jedes so geopferte Monster zu verleihen! Daher biete ich die zwei Opferfackeln, meinen Pyromanischen Plünderer und meinen Pyromanischen Engel als Tribut und verstärke so den Avatar des brennenden Geistes um 4000 Punkte!“

Alands aufgezählte „Pyromanisch“-Monster und Spielmarken wandelten sich zu blauen Flammen, die auf den Avatar zuflogen und ihn auf ungeheuerliche Maße anwachsen ließen.

Avatar des brennenden Geistes: 2600Atk → 6600Atk.

„Los, Avatar des brennenden Geistes! Direkter Angriff auf Mayla mit den Höllensturm-Schwingen! Zeige keine Gnade!“

Alands kolossaler brennender Vogel schlug gleichzeitig mit beiden Flügeln, um Alands ersten und letzten Angriffs des Duells auszuführen.

Eine auf das bewusstlose Mädchen zurasende Wand aus rauschendem Feuer explodierte bei Kontakt und katapultierte ihren schlaffen Körper einige Meter über die Duellplattform hinaus.

„MAYLA!“, schrie Daniel panisch vor Sorge und sprang ohne zu zögern von seinem Platz die etwa drei Meter zu Mayla herunter.

Maylas Lebenspunkte: 2300 → 0.

Das Duell war beendet und das Hologramm des Avatars des brennenden Geistes verschwand.

Er spürte und hörte beim Aufprall ein ungesundes Knacken in seinem rechten Knöchel, doch das hielt ihn nicht eine Sekunde auf.

Daniel sprintete trotz verletztem Fuß mit aller Kraft zu seiner auf dem kalten, harten Hallenboden liegenden Freundin und kniete sich sofort zu ihr hinunter.

Mit der Hand an ihrem Hinterkopf flehte er sie an.

„Mayla! Wach bitte auf! Mayla! Mayla!!“
 


 

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Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Pyromanischer Plünderer: Stufe 4, 1800Atk, 1300Def, Typ Krieger, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Füge deiner Hand eine „Funken“-Karte aus dem Deck oder dem Friedhof zu.

Wenn du deinem Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte zugefügt hast, füge deinem Gegner 100 Schadenspunkte zu.

Falls diese Karte deinem Gegner Effektschaden zugefügt hat: Wähle ein „Pyromanisch“-Monster in deiner Hand und beschwöre es als Spezialbeschwörung.

Du kannst diesen Effekt von Pyromanischer Plünderer nur einmal pro Zug aktivieren.
 

Pyromanischer Seelenrufer: Stufe 3, 900Atk, 2000Def, Typ Hexer, Attribut Feuer, Effekt:

Einmal pro Zug kannst du zusätzlich zu deiner Normalbeschwörung ein Feuer-Monster als Tributbeschwörung beschwören.

Wenn du deinem Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte zugefügt hast, füge deinem Gegner 100 Schadenspunkte zu.

Falls diese Karte deinem Gegner Effektschaden zugefügt hat: Wähle ein Feuer-Monster der Stufe 5 oder höher in deinem Deck und füge es deiner Hand zu.

Du kannst diesen Effekt von „Pyromanischer Seelenrufer“ nur einmal pro Zug aktivieren.
 

Pyromanischer Knochenmann: Stufe 4, 1600Atk, 1600Def, Typ Zombie, Attribut Feuer, Effekt:

Biete diese Karte als Tribut an: Wähle eine „Pyromanisch-“ Zauber- oder Fallenkarte in deinem Deck und setze sie verdeckt.

Wenn du deinem Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte zugefügt hast, füge deinem Gegner 100 Schadenspunkte zu.

Falls diese Karte deinem Gegner Effektschaden zugefügt hat: Wähle ein Feuer-Monster der Stufe 4 oder niedriger in deinem Friedhof: Beschwöre es als Spezialbeschwörung, aber seine ATK und DEF werden zu 0.

Du kannst diesen Effekt von „Pyromanischer Knochenmann“ nur einmal pro Zug aktivieren.
 

Pyromanischer Engel: Stufe 3, 1300Atk, 1700Def, Typ Fee, Attribut Feuer, Effekt:

Während der End Phase: Du erhältst genauso viele Lebenspunkte, wie du deinem Gegner in diesem Zug durch Effektschaden Schadenspunkte zugefügt hast.

Wenn du deinem Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte zugefügt hast, füge deinem Gegner 100 Schadenspunkte zu.

Falls diese Karte deinem Gegner Effektschaden zugefügt hat: Du kannst bis zu zwei „Opferfackel“-Spielmarken (Pyro / Feuer / Stufe 1 / 100ATK / 100DEF) als Spezialbeschwörung beschwören.

Du kannst diesen Effekt von „Pyromanischer Engel“ nur einmal pro Zug aktivieren.
 

Avatar des brennenden Geistes: Stufe 8, 2600Atk, 2200Def, Typ Pyro, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn du diese Karte als Tributbeschwörung beschwörst, füge die folgenden Effekte anhand der Anzahl der als Tribut gebotenen Feuer-Monster durch:

1: Schaue dir die Karten auf der Hand deines Gegners an.

2: Ziehe eine Karte.

Wenn du deinem Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte zugefügt hast, füge deinem Gegner 100 Schadenspunkte zu.

Falls diese Karte deinem Gegner Effektschaden zugefügt hat: Nenne einen Kartennamen. Falls dein Gegner eine Karte mit diesem Namen auf der Hand hat, wird ein Exemplar davon zerstört.

Du kannst diesen Effekt von „Avatar des brennenden Geistes“ nur einmal pro Zug aktivieren.
 

Avatar des brennenden Fleisches: Stufe 8, 2900Atk, 2000Def, Typ Pyro, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn du diese Karte als Tributbeschwörung beschwörst, füge die folgenden Effekte anhand der Anzahl der als Tribut gebotenen Feuer-Monster durch:

1: Zerstöre eine Karte auf dem Spielfeld.

2: Zerstöre zwei Karten auf dem Spielfeld.

Wenn du deinem Gegner Effektschaden durch eine „Funken“-Karte zugefügt hast, füge deinem Gegner 100 Schadenspunkte zu.

Falls diese Karte deinem Gegner Effektschaden zugefügt hat: Du kannst alle Monster auf dem Feld zerstören und beiden Spielern Schaden in Höhe der Hälfte ihrer Lebenspunkte zufügen.

Du kannst diesen Effekt von „Avatar des brennenden Geistes“ nur einmal pro Zug aktivieren.
 

Neue Zauber:
 

Dreifach entflammender Funken: Normaler Zauber:

Füge deiner Hand drei „Funken“ aus deinem Deck oder dem Friedhof zu. Du kannst bis zum Ende des Zuges keine Zauberkarten als Kosten von Karteneffekten abwerfen.

Einmal pro Zug, falls sich diese Karte in deinem Friedhof befindet und du keine „Funken“ in deiner Hand hast: Du kannst diese Karte deiner Hand zufügen.

In dem Zug, in dem du diesen Effekt aktiviert hast, kannst du keine Battle Phase ausführen.

Du kannst nur einen „Dreifach entflammender Funken“ pro Zug aktivieren.
 

Funken: Normaler Zauber:

-
 

Pyromanischer Funken: Schnellzauber:

Füge deinem Gegner 200 Punkte Schaden zu.

Du kannst nur einen „Pyromanischen Funken“ pro Zug aktivieren.
 

Tribut-Boost: Normaler Zauber:

Du kannst zusätzlich zu deiner Normalbeschwörung ein Monster aus deiner Hand oder deinem Friedhof als Tributbeschwörung beschwören.
 

Inferno-Übermacht: Normaler Zauber:

Biete eine beliebige Anzahl an Feuer-Monstern, die du kontrollierst als Tribut an: Wähle ein Monster, das du kontrollierst: Dieses Monster erhält 1000ATK für jedes Feuer-Monster, das du als Tribut angeboten hast.
 

Neue Fallen:
 

Pyromanische Ketten, Normale Falle:

Rüste ein Monster, das dein Gegner kontrolliert mit dieser Karte aus. Das ausgerüstete Monster kann nicht angreifen. Das ausgerüstete Monster kann nicht im Kampf zerstört werden, durch einen Karteneffekt vom Spielfeld entfernt werden oder als Beschwörungsmaterial verwendet werden. Das ausgerüstete Monster kann nicht als Tribut angeboten werden, außer für die Tributbeschwörung eines „Avatar des brennenden“-Monsters. Das ausgerüstete Monster wird zu einem Feuer-Monster und kann von beiden Spielern für die Tributbeschwörung eines „Avatar des brennenden“-Monsters verwendet werden.
 

Zirkuläre Logik: Permanente Falle:

Du kannst diese Karte nur während deines Zuges aktivieren.

Du kannst diese Karte nur aktivieren, falls du und dein Gegner 10 oder mehr Karten in euren Friedhöfen habt.

Kein Spieler zieht während der Draw Phase Karten vom Deck.

Während der Draw Phase: Der aktive Spieler wählt eine Karte in seinem Friedhof und fügt sie seiner Hand hinzu.

Zerstöre diese Karte, falls ein Monster offen beschworen wird, einen Angriff deklariert oder das Feld verlässt.

Asche

Du bist zu nichts zu gebrauchen.

Schämst du dich denn nicht dafür alle, die an dich glauben, so zu enttäuschen?

Du hast es nicht verdient geliebt zu werden.

Warum ziehst du ständig andere Menschen in deine Probleme rein?

Jeder, der dich wirklich kennt, hasst dich.

Am Besten verschwindest du einfach für immer.
 

Chris drückte auf den Knopf mit der blauen Sieben und hinter demm und Fiona schloss sich die Fahrstuhltür.

„Ich könnte es verstehen, wenn du wütend auf Ihre Hoheit sein solltest. Aber halte dich dem König gegenüber bitte zurück. Handele dir keinen unnötigen Ärger ein, okay?“

Fiona stand mit verschränkten Armen, an der Wand gelehnt und ihrem Blick auf die stetig ansteigende Stockwerkanzeige fixiert Chris gegenüber.

„Ich bin nicht dumm“, antwortete sie gereizt.

Natürlich musste man es ihr nicht sagen.

Fiona hatte keine Idee, warum sich einen Tag nach dem Jahresabschlussduell Aland ein Treffen unter vier Augen in seinem Zimmer mit ihr wünschte.

Für einen Moment hatte sie sich vorgestellt, dass er sich vielleicht bei ihr entschuldigen wollte, dafür was er Mayla angetan hatte.

Aber das war wohl alles andere als realistisch.

Er hatte Mayla vor den Augen der gesamten Akademie in die Bewusstlosigkeit duelliert.

Er hatte das Duell fortgeführt, als Mayla eigentlich schon längst verloren hatte.

Um ihren Schmerz weiter zu verlängern und damit sich die Obelisken weiter über die gefallene Sliferkönigin lustig machen konnten.

Er hatte sie selbst dann weiter gequält, als ihr regungsloser Körper vor ihm lag.

Niemand hatte ihn dazu gezwungen.

Und selbst wenn er sich entschuldigen wollte, selbst wenn er dafür persönlich vor Mayla auf die Knie gehen würde, wäre es unentschuldbar.

Fiona hatte jetzt schon gute Lust diesen Drecksack persönlich von seinem Balkon zu werfen.

Chris kicherte.

„Also ich kann mich noch gut daran erinnern, wie du ungebeten in eine Konferenz der Krone hereingeplatzt bist und ihre Hoheit zu einem Duell herausgefordert hast. Das WAR dumm.“

Dey sah Fiona sanft an.

„Ich denke, du bist klüger geworden.“

Der Aufzug blieb stehen und die Tür öffnete sich.

Chris ging den langen Flur voran, um Fiona zu Alands Zimmer zu führen, blieb jedoch unerwartet früh stehen.

„Hier wohnt ihre Hoheit, Zimmer 755. Er erwartet dich bereits.“

„Hier?“, fragte Fiona verwirrt.

Die Zimmertür zu ihrer Rechten sah, vom elektrischen Türöffner abgesehen, genauso aus, wie jede andere Tür im Stockwerk.

Sie hätte für den von vielen gerühmten Obeliskenkönig eher ein extragroßes Appartement am Ende des Ganges erwartet.

„Ihre Hoheit bevorzugt aus gesundheitlichen Gründen ein Zimmer in Aufzugsnähe“, antwortete Chris ihr trocken.

„Oh...ähhh, klaro!“

Chris lächelte und klopfte daraufhin an.

„Sie soll eintreten, ich habe die Tür offen gelassen!“, hallte Alands Stimme nach außen, „Habe vielen Dank, Chris! Ich wünsche dir morgen eine geruhsame Heimreise!“

„Es ist mir eine Ehre Eurer Hoheit dienen zu dürfen!“, antwortete Chris und verbeugte sich aus Gewohnheit, auch wenn Aland ihn von innen heraus offensichtlich nicht sehen konnte.

Mit einem Fingerzeig verdeutlichte Chris Fiona, dass sie nun alleine eintreten solle.

Fiona erkannte im Zimmer des Königs ihr eigenes Zimmer sofort wieder.

Tatsächlich wohnte der König kaum anders als alle anderen Obelisken.

Das warme Abendrot illuminierte den geräumigen Schreibtisch, den Massagesessel, den breiten Fernseher an der Wand und den Balkon.

Aland saß ohne seinen Obeliskenhelm auf der Kante seines Bettes und stand mit Hilfe seiner Krücke auf, als er Fiona sah.

„Hallo Fiona. Ich danke dir dafür, dass du meiner Einladung...-“

Eine unerwartet kräftige Ohrfeige unterbrach seine Begrüßung und brachte den König, der nur mit Mühe stehen konnte ins Straucheln.

„Erspar mir die Floskeln! Sag mir, was du mir sagen willst, damit ich wieder verschwinden kann!“, zischte Fiona.

Auch wenn sie sich an Chris´ mahnende Worte halten wollte, der bloße Klang seiner Stimme weckte in Fiona unkontrollierbaren Ärger.

„Du solltest deinen König nicht schlagen, Fiona. Wenn wir hier nicht unter uns wären, müsste ich dich dafür des Hauses verweisen. Möchtest du das?“, fragte er ernst, aber ohne Zorn, oder auch nur Überraschung in seiner Stimme.

Er schien mit der Ohrfeige gerechnet zu haben.

Fiona schwieg ihn an, dann setzte sich Aland wieder.

„Verzeih, ich bin zur Begrüßung aufgestanden, aber das Stehen fällt mir ein wenig schwer. Bitte, setz dich.“

Fiona blieb stehen.

„Was willst du von mir?!“, fragte Fiona nun lauter und bewusst ohne die korrekte Ansprache zu verwenden.

Jede Sekunde, die sie mit diesem Ekel alleine verbringen musste war eine Sekunde zu viel.

Sie wollte einfach nur so schnell wie möglich seine Fragen beantworten und auf ihr Zimmer zurück.

Aland, wieder auf der Bettkante sitzend, drehte sich zu ihr um.

„Ich will dir zunächst eine Frage stellen. Du bist eine Freundin von Mayla Deniz. Sag mir, was du über das durchsichtige, riesige Aal-Monster weißt, das sie in ihrem letzten Zug ausgespielt hatte.“

Nun stockte Fiona.

Ein durchsichtiges, riesiges Aal-Monster?

Gestern Abend erst hatte Erin sie ebenfalls wegen der gleichen Karte befragt und Fiona wusste beim besten Willen nicht wieso.

Sie war wie alle Mitschüler dazu gezwungen worden das grausame Jahresabschlussduell mit anzusehen und sie war sich absolut sicher, dass Mayla kein Monster gespielt hatte, das wie ein riesiger Aal aussah.

Darüber hinaus sollte Erin Maylas Deck gut genug kennen, um zu wissen, welche Karten Mayla besitzen würde.

Zuletzt hatte Mayla gegen Ende des Duells gar keine Gelegenheit dazu überhaupt ein Monster zu beschwören, denn der Avatar des brennenden Geistes in Kombination mit dem Pyromanischen Funken hatte Maylas einzige Handkarte zu Beginn jeder ihrer Züge sofort zerstört.

Und dennoch stellten sowohl Erin als auch der König die gleiche bizarre Frage.

„Ich habe keine Idee, was du überhaupt meinst! Meinst du ihr riesiges WAL-Monster!?“

„Nein, nein...ich rede nicht über ihren Wal“, entgegnete er und er wirkte soweit Fiona das beurteilen konnte ein wenig enttäuscht, „ Wenn du nicht weißt, was ich meine, dann ist das in Ordnung. Aber sag mir: Sie hört die Stimmen ihrer Duellgeister, nicht wahr? Damals, im Thronsaal hattest du erwähnt, dass sie Wahnvorstellungen von Gespenstern hätte. Meintest du die Geister, mit denen sie kommuniziert?“

„Keine Ahnung ob sie auch mit Duellgeistern redet. Wir hatten zuletzt kein gutes Verhältnis. Noch was?“, fragte Fiona den Obeliskenkönig ungeduldig.

„Ja. Ich will dich warnen. Ich halte Mayla für eine große Gefahr. Für dich, alle anderen um sie herum und für sich selbst. Und ich rede nicht nur über die Unruhe, die sie als die Sliferkönigin unter der Schülerschaft verbreitet.“

Wieder drehte sich der König zu seiner Linken, um zu kontrollieren, ob er Fionas Aufmerksamkeit hatte.

Sie hielt ihre Arme verschränkt und sah ihn kritisch an.

Das war für Aland gut genug um fortzufahren:

„Es ist etwa sieben Jahre her, da habe ich ebenfalls die Stimmen von Duellgeistern gehört. Zunächst schienen sie mir freundlich gesinnt, sie wollten mich trösten, als es mir schlecht ging. Dann...haben sie mich eines Tages dazu gebracht, mich selbst zu verbrennen. Dabei entstand ein großes Feuer, die halbe Straße brannte nieder und das Feuer tötete zahllose Menschen, darunter auch meine Mutter. Auch ich erlitt schwerste Verbrennungen, die mich eigentlich hätten töten sollen. Man musste mir mein rechtes Bein amputieren, um ein Organversagen zu verhindern und ein Großteil meiner Schmerzrezeptoren wurde irreparabel geschädigt. Die Ärzte sprachen damals dennoch von einem Wunder. In jahrelanger Therapie erzählte man mir, dass ich psychisch krank sei. Traumatisiert, dass die Stimmen, die dieses Feuer damals verursacht hatten ein Produkt meiner Fantasie seien. Nach einer Weile glaubte ich meinen Therapeuten. Bis gestern. Nach Maylas letztem Zug hörte ich wieder die Stimmen der Duellgeister, die gleichen Stimmen wie vor sieben Jahren. Deshalb...-“

„Auf Wiedersehen!“, unterbrach Fiona schroff und lief in Richtung Zimmertür.

„Du solltest warten.“

Augenblicklich drehte sich Fiona wieder zu Aland um und fuhr ihn vor Wut kochend an.

„Ich sollte gar nichts! Was denkst du dir eigentlich?! Glaubst du wirklich, dass du mir von deiner todtraurigen Vergangenheit erzählen kannst, damit ich plötzlich Mitleid oder Sympathie oder....irgendwas anderes als blanken Hass für dich empfinde?! Du bist echt das Letzte! Wie kannst du überhaupt noch in den Spiegel schauen, nach dem, was du Mayla angetan hast?!“

Sie schnaubte, noch immer vor Zorn zitternd.

Nur sehr langsam regte sie sich ab.

Der König beobachtete sie von seinem Bett aus und regte keine Miene.

Leiser, aber nicht mit weniger Abscheu sprach sie weiter.

„Und dann hast du auch noch die Frechheit zu behaupten, dass SIE die Gefahr wäre. Sie hat jedenfalls noch niemanden so misshandelt, wie du es getan hast. Wie konntest du Mayla derartig vor unseren Mitschülern quälen und erniedrigen?“

„Nun, sie hat sich als angebliche „Königin“ mit mir auf eine Stufe gestellt und so die Autorität der wahren Krone untergraben. Gleichzeitig stachelte sie die Slifer-Reds zum Widerstand gegenüber den ihnen übergeordneten Obelisken und sogar gegenüber unserem Herrn Direktor auf. Es war notwendig aufzuzeigen, was die Konsequenzen eines solchen Handelns sind.“

Verständnislos schüttelte Fiona den Kopf.

Es war Zeit für sie zu gehen.

Sie hielt die Zimmertürklinke in der Hand, bereit diese sinnlose Unterhaltung zu verlassen, allerdings nicht, ohne ihm noch einen letzten Denkzettel zu verpassen.

„Ich habe dich nicht danach gefragt, wie du dir deine Scheiße schönredest, du Idiot. Ich habe gefragt, wieso du es für richtig empfindest einem anderen Menschen Leid zuzufügen.“

Noch bevor Fiona ihren ersten Schritt aus Alands Zimmer tat, kam prompt seine überraschende Antwort:

„Das tue ich nicht.“

Verwundert hielt sie inne, schloss den kleinen offenen Türspalt und wandte sich ihrem Gesprächspartner wieder zu.

„Was hast du gesagt?“, fragte sie.

„Das tue ich nicht“, wiederholte Aland seelenruhig, „Ich halte es nicht für richtig, wie ich mit deiner Freundin umgegangen bin.“

Was sollte das?

War er nun doch kurz davor sich zu entschuldigen?

„Komm zu mir“, forderte der Obeliskenkönig bestimmt, es gibt eine letzte Sache, die wichtigste Sache, die ich dir persönlich mitteilen will, bevor du abreist. Allerdings werde ich sie dir nur auf Augenhöhe sagen. Also komm zu mir und setz dich.

Fiona spürte wie sich ihre innere Zerrissenheit nach Außen kehrte.

Mit einer Hand noch am Türgriff konnte sie nicht anders, als loszulassen.

Ihre Neugier siegte.

Sie schob Alands Sessel herum, sodass sie sich, sobald sie sich leger in ihn fallen ließ, Aland direkt gegenüber saß.

Er legte seinen Kopf auf den Handknöchel und kam direkt zum Punkt.

„Fiona Lena Scholte, du wirst nächstes Jahr die vierte Kronprinzessin sein.“

Fionas Augenbrauen zogen sich bei diesem Satz instinktiv zusammen.

„Eine Schülerin des ersten Jahrgangs mit einem nur mittelmäßigen GY-Score, aber sehr guten Prüfungsduellergebnissen und zwei aufeinanderfolgenden, perfekten Theorieprüfungen. Du erregst mit deinem gewaltigen, wenn auch größtenteils ungenutzten Potential mehr Aufsehen, als du denkst. Das Lehrpersonal hat angesichts dieser Diskrepanz den Vorschlag gemacht eine Ausnahmeregelung für dich einzuführen und ich habe sie bewilligt. Du wirst, ungeachtet deines Scores, ein Teil der Obeliskenkrone sein.“

Fiona wusste nicht, was sie dazu sagen sollte.

Hätte er ihr diese Neuigkeit vor dem Jahresabschlussduell mitgeteilt, so hätte sie sich sicherlich bei ihm bedankt.

Aber wie sollte sie jetzt darauf reagieren?

„Du scheinst überrascht. Du hast deinen König geschlagen und beschimpft und wenn du nicht in deiner besonderen Situation wärst, so hätte ich dich für dein Fehlverhalten von dem Haus Obelisk-Blue für deine restliche Akademielaufbahn verbannt. All die Zeit und die Opfer, die du gebracht hast um eine von uns zu sein und zu den Besten zu gehören wären umsonst gewesen. Das ist wahrhaft verschwendetes Potential. Aber...-“, er lehnte sich nun weiter vor, „Habe keine Angst. Sprich mich einfach von nun an so an, wie es deinem König gebührt und dir wird mehr als nur vergeben werden. Kannst du das, Fiona?“

Fiona war noch immer wütend. Nicht nur auf seinen Umgang mit ihrer Freundin, aber auch auf sich selbst.

Dafür, dass sie für ihn so leicht zu durchschauen war.

„Keine Angst“.

Natürlich hatte sie Angst.

Kaum trug sie das erste Mal blau, schon spürte sie die Angst davor dieses Privileg wieder verlieren zu können.

Mal mehr, mal weniger intensiv.

Aber nachdem Aland sie erinnerte, wie leicht er sie für immer herabstufen könnte, ließ die Angst ihr Herz höher schlagen.

Hätte sie Mayla dadurch beschützen können, dann wäre sie bereit dazu gewesen wieder ein Ra zu sein, aber jetzt, wo es dafür schon zu spät war?

Sie biss sich auf die Lippen, bevor sie ihm antwortete.

„Ja. Das kann ich.“

„Ja, das kannst du...und weiter?“

Fiona verstand sofort, worauf Aland hinauswollte.

Es kostete sie einiges an Überwindung, diese Worte auszusprechen, doch letztlich brachte sie es hinter sich.

„Ja, das kann ich... Eure Hoheit.“

Aland lächelte Fiona zufrieden an und blickte dann aus dem Balkonfenster.

Die Sonne war schon fast untergegangen.

Sie fühlte sich schon fast schmutzig dafür, ihn so anzusprechen, wie er es wünschte.

Auch wenn er aufrichtiges Verständnis für ihre Mühen zeigte.

„Eure Hoheit, Ihr habt erwähnt, dass Euer Vorgehen im Abschlussduell falsch war und ich frage mich, was Ihr damit meintet.“

„Nun, du hast mich falsch verstanden. Ich sagte nicht, dass es an sich falsch war, aber ICH hielt es für falsch und tatsächlich tue ich das noch immer.“

„Verzeihung, aber ich kann Eurer Hoheit nicht folgen.“

Aland blickte weiter aus dem Fenster. Er wirkte melancholisch, so wie er sich den letzten Sonnenstrahlen des Tages hingab.

„Es ist egal, was ich persönlich für das Richtige halte. Aber als Obeliskenkönig ist es meine Verantwortung die Belange der Schülerschaft im Allgemeinen und die der Obelisken im Besonderen zu vertreten. Und du hast die Forderung unserer Mitbewohner im Stadion sicherlich genauso deutlich vernommen, wie ich: Der Wunsch der Mehrheit war es dieses Mädchen mit aller Härte zu bestrafen. Also war es das Richtige mich ihnen zu beugen, verstehst du?“

Fiona war sich nicht sicher ob sie seinen Ausführungen folgen konnte oder ob sie ihnen auch nur folgen wollte.

„Ihr seid der König, Ihr seid nicht dem Willen der Mehrheit verpflichtet.“

„Also sollte ich stattdessen nur das tun, was ICH will oder für richtig erachte? Aber warum sollte meine Meinung so viel wichtiger als die aller anderen sein? Ich bin einfach nur einer von hunderten Schülerinnen und Schülern und alles was mich auszeichnet, ist, dass ich der Beste in Duel Monsters bin“, Aland atmete tief ein und lehnte sich nun ein wenig zurück, „Ich habe keine besondere Begabung darin Menschen anzuführen, oder eine außergewöhnliche Weisheit, die mich auf sonstige Weise für die Rolle eines Königs prädestiniert. Ich kann einfach nur gut duellieren, Fiona.“

„Was ist mit der zentralen Vermutung des Mukov´schen Duellagonismus? Weisheit verhilft dem Duellanten zum Sieg und der Sieg selbst beweist die überlegene Weisheit des Duellanten! Deshalb ergibt es doch Sinn, wenn Ihr der König seid!“, widersprach Fiona vehement.

Ihr gefiel es überhaupt nicht, wie Aland gerade versuchte sich von der Eigenverantwortung für sein grausames Handeln im Jahresabschlussduell zu lösen.

Der König lachte.

„ „Einführung in die Duellphilosophie“, erstes Halbjahr. Das weckt Erinnerungen. Aber mal ganz davon abgesehen, dass du im nächsten Schuljahr noch mehrere von Mukovs Kritikern kennenlernen wirst, kann ich dir aus meiner Erfahrung sagen, dass ich nicht als Anführer tauge. Zumindest in meinem Fall liegt Mukov falsch.“

„Das ist aber völlig egal, Al-... Eure Hoheit! Ein König ist nicht wegen seiner besonderen, persönlichen Fähigkeiten König. Ein König ist der, der von anderen als König anerkannt wird.“

Aland nickte.

„Ja, das sehe ich exakt genauso. Ich bin der Obeliskenkönig, weil die anderen Obelisken wollen, dass ich als stärkster Duellant der König bin. Daher ist es meine Pflicht ihnen zu dienen und ihre Wünsche in die Tat umzusetzen. Ganz egal, was die Tat auch sein mag.“

Unverständnis stand Fiona ins Gesicht geschrieben.

„Als ich Chris zumzur zweiten Kronprinz*essin ernannte, hat dey mir einen interessanten Denkanstoß gegeben: Chris sagte, dass die Obelisken sich nicht besonders durch ihre Intelligenz oder Talent als die besten Duellanten auszeichnen. Was sie...nein, uns mehr als alles andere auszeichnet ist die Bereitschaft zum Verzicht. Wir verzichten auf freie Zeit, auf Leichtigkeit und oftmals auch auf Freundschaften, stattdessen lernen wir und arbeiten an uns, bis wir nicht mehr können.“

Aland klatschte zweimal in die Hände, wodurch automatisch das Deckenlicht aktiviert wurde.

Er erzählte nun im Hellen weiter: „Wofür genau unsere Mitschüler diese Entbehrungen auf sich nehmen, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Manchen mag es wirklich nur ums Gewinnen gehen, andere wünschen sich Anerkennung, wollen einen besonderen Status an der Akademie einnehmen. Das dürfte übrigens auch die Wut auf die Sliferkönigin erklären, wenn man bedenkt, dass die meisten Slifer eben nicht die gleichen Opfer erbracht haben und sich trotzdem herausnehmen mit uns auf einer Stufe zu stehen.“

Diesen Gedanken konnte Fiona gut nachvollziehen.

Sie hatte Opfer gebracht um die zu sein, die sie nun war und es fühlte sich, trotz ihrer persönlichen Abneigung Aland gegenüber irgendwie gut an, wenn jemand mit einem so hohen Rang wie der Obeliskenkönig selbst diese Opfer benennt.

Sie fühlte sich für diesen Moment verstanden.

Aber dennoch, das war in ihren Augen keine Rechtfertigung dafür auf andere Menschen herab zu sehen.

Aland fuhr fort: „Viele streben mit ihrer Arbeit selbst den Titel eines Kronprinzen oder sogar des Königs an. Schon alleine deswegen sollte der König ihren Willen folgen. Um die Mühen der Obeliskinnen und Obelisken wertzuschätzen. Das war zumindest die Ansicht von Chris.“

„Das klingt überhaupt nicht nach demder Chris, dendie ich kennengelernt habe. Chris war doch zum Beispiel immer gegen das Abschlussduell zwischen Eurer Hoheit und Mayla, auch wenn sich das die Mehrheit der Obelisken gewünscht haben mag!“

Der Einspruch machte Aland nachdenklich.

„Chris ist wie Imani vor demm ein*e Hardliner*in, derdie den Prinzipien der Blauen Ehre gehorcht. Die Blaue Ehre gebietet unbedingten Gehorsam dem König gegenüber, verbietet allerdings ebenfalls Duelle zwischen Obelisken und Slifern, um zu verhindern, dass die in der Regel stark unterlegenen Slifer im Duell unnötig verletzt werden. Zieht man diesen Widerspruch in Betracht, ist es einleuchtend, warum Chris hier zwiespältige Gefühle hatte.“

Fiona hatte nach dieser Ansprache genug und schubste sich mit Schwung aus dem Sessel.

„Mit Verlaub, Eure Hoheit. Aber ihr seid beide dämlich!“

Mehr amüsiert als verärgert über Fionas fehlende Förmlichkeit zog Aland die nur aufgemalten Augenbrauen hoch.

„Warum sollte man denn bitte König oder Königin sein wollen, wenn man sowie nicht machen kann, was man will? Auf diese Weise ehrt man die Opfer der anderen Obelisken nicht, man macht sie komplett sinnlos!“

„Also hättest du an meiner Stelle eher die Blaue Ehre gewahrt, anstatt sich dem Wunsch der Obelisken nach Genugtuung der Sliferkönigin gegenüber zu beugen?“

Fiona schüttelte den Kopf.

„Ich hätte meiner Freundin natürlich die Hand gereicht! Die Sliferkönigin und die Obeliskenkönigin arbeiten gemeinsam an einer Entspannung und sorgen für Gleichberechtigung zwischen den Häusern! Das wär doch mal was gewesen!“

Erneut lachte Aland, diesmal lauter als zuvor.

„Das wäre vor allem absurd gewesen. Hätte ich mich das getraut, hätte ich den gesamten Rückhalt meines Hauses verloren. Niemand hier will wirkliche Gleichberechtigung mit denen, die wegen der geringeren Opferbereitschaft als minderwertig erachtet werden und die Blaue Ehre stellt die Obelisken eindeutig über die Ras und die Slifer.“

„Mir wäre alles egal! Die Blaue Ehre, was irgendwer sonst von mir erwartet, einfach alles! DAS ist wahre Macht! Man folgt keinem fremden Willen, man zwingt allen anderen den eigenen Willen auf! Nur so kann man als Obeliskenkönig oder -königin überhaupt etwas ändern! Und wenn sich nicht eines Tages die Slifer und Obelisken gegenseitig die Köpfe einhauen sollen, sind Änderungen dringend nötig!“

Aland bemühte sich nach Fionas feuriger Antwort nun ebenfalls aufzustehen.

„Reich mir bitte deine Hand“, befahl er und Fiona half ihm auf die Beine.

Mit seiner Krücke humpelte der König nun quer durch das Zimmer und ließ Fiona etwas hilflos alleine stehen.

Am Schreibtisch angekommen, öffnete er eine Schublade und begann mit einer Hand zu wühlen.

„Man sagte mir, du spielst ein auf Feuer-Monstern basierendes Ritualdeck? Solaritus, nehme ich an?“

„Öh...Ja, wieso?“, fragte das aufgrund des plötzlichen Themenwechsels verwirrte Mädchen.

Anstatt zu antworten, kramte der König stumm weiter, bis er schließlich das gefunden hatte, wonach er gesucht hatte.

Er lehnte sich nun erschöpft an den Schreibtisch an und gab Fiona mit einer Handgeste zu verstehen, dass sie mit ihren gesunden Beinen zu ihm kommen sollte.

Dann, als Fiona ihm gegenüberstand, reichte er ihr eine Karte, die Fiona sofort ausgiebig durchlas und bestaunte.

„Wow, die ist echt stark...Ist die etwa für mich?“, fragte sie Aland ungläubig.

„Nimm sie. Auch wenn wir unterschiedliche Ideale haben, respektiere ich deine Leidenschaft. Davon abgesehen, wirst du jedes bisschen Hilfe dringend brauchen, wenn du im nächsten Jahr Chris nicht widerstandslos die Krone überlassen willst. “

Fiona schluckte und verstaute das Geschenk sofort in ihrer Deckbox.

Hatte Aland gerade wirklich impliziert, dass Fiona die nächste Obeliskenkönigin werden sollte?

Bis vor wenigen Minuten hätte sie noch nicht einmal daran gedacht eine Kronprinzessin werden zu können.

Äh...vielen Dank, Eure Hoheit, aber ich denke nicht, dass ich realistische Chancen habe Chris zu besiegen, geschweige denn gegen die nächststärkeren Duellanten meines Jahrgangs.“

„Wie gut deine Chancen stehen werden, hast du alleine in der Hand. Siehe nach vorn, lass dich von niemandem aufhalten und zeige keine Gnade, erst Recht nicht dir selbst gegenüber. Jetzt geh bitte. Ich will alleine sein.“

„Alles klar, dann...bis nach den Ferien“, verabschiedete sich Fiona salopp.

Bevor sie den Raum endgültig verließ, rief Aland ihr noch eine letzte Warnung nach: „Sie ist wirklich gefährlich. Halte dich um jeden Preis von Mayla fern!“
 


 

°°°
 


 

„Ich kann es nicht fassen, dass ich das gerade tue.“

Das war Erins Gedanke, als sie an der Tür mit der Nummer 021 klopfte.

„Huch? Wer besucht mich denn zu dieser frühen Stunde?“, hörte man das Mädchen vom Zimmerinneren, „Ah...Du bist doch die Freundin von Mayla und dem doofen Schreihals! Eine Sekunde....“

Die Tür öffnete sich und die kleine, aber aufwendig beschmückte Tara grinste Erin an.

„Lange nicht gesehen! Soll ich wieder ein schweres Rätsel für euch lösen?“

„Kein Bedarf, danke sehr“, antwortete Erin und bereitete sich heimlich mental auf Taras furchtbare Verschwörungstheorien vor, „ich könnte eine Aufnahme vom Jahresabschlussduell gebrauchen, das wäre echt hilfreich von dir. Hast du da was für mich?“

„Klar, komm rein!“, entgegnete Tara freundlich.

Erin trat wie geheißen in Taras stark überwachtes Zimmer ein und Tara suchte sich sofort einen USB-Stick heraus.

„Der hier ist garantiert richtig. Habe das Duell ja erst gestern archiviert“, flötete sie und steckte den Stick sofort in den gehäuselosen Rechner, „du hast Glück, ich habe schon meine Taschen für die Heimreise gepackt und wollte heute noch los.“

Der mittlere ihrer drei Bildschirme zeigte sofort auf, dass der Datenträger erkannte.

Erin stellte sich neben Tara vor den Bildschirm.

„Darf ich?“, fragte Erin und zeigte auf die Maus neben der Tastatur.

„Mach ruhig, aber pass auf, dass du nichts löschst! Mithilfe dieser Aufnahmen will ich Aland Kayas reptiloides Verhalten weiter untersuchen! Möchtest du mir bei der Recherche helfen?“

„Du hast es erraten!“, log Erin schamlos.

Der Ordner auf dem Stick war eine wahre Goldgrube.

Tara war zwar ein wenig von der Rolle, aber sie bewies mit ihrer Fähigkeit sich illegalen Zugang zu den zahllosen Kameras im Stadion und ihren Aufnahmen zu verschaffen ihr verstecktes Genie.

Erin hatte eine große Auswahl an Videodateien zur Auswahl und sie entschied sich schnell für eine, auf der man sowohl Mayla als auch Aland und dessen Gesichtsausdruck gut erkennen konnte.

„Ich meine, etwas Verdächtiges gegen Ende des Duells gesehen zu haben, als Mayla plötzlich so komisch aufschrie und Aland deswegen wütend geworden ist, weißt du?“

Sie spulte die Videodatei an der Fortschrittsleiste vor, bis sie bei Alands letzten Zug angekommen war.

Beide Mädchen sahen die scheinbar grundlose Panik in dem Ungesicht des Obeliskenkönigs.

Sie sahen, wie er beinahe vor Schreck von seinem Stuhl gefallen war.

Mehr Außergewöhnliches war nicht zu sehen.

Erin spulte vorsichtshalber ein wenig zurück, entdeckte aber nicht das, was sie gesucht hatte.

Wo zur Hölle war dieses verdammte Aalmonster, das sich um Mayla gewunden und Aland angebrüllt hatte?

Es WAR da gewesen, Alands Reaktion war der Beweis, dass Erin sich diesen Anblick nicht eingebildet hatte.

Aber weder konnte sich irgendein anderer Mitschüler an diese furchterregende Kreatur erinnern, noch konnten die Stadionkameras sie aufnehmen.

Das ist doch verrückt!

„Unfassbar, eigentlich muss doch jeder vernünftigen Person auffallen, dass sich so kein Mensch verhält! Bestimmt hatte er seinen plötzlichen Panikanfall aus Angst, dass jeder sein miserables Menschenkostüm durchschaut!“, schimpfte Tara und nahm Erin sogleich die Maus aus der Hand, um auf einen passenden Videoausschnitt zu scrollen und das Video sofort zu pausieren.

„Da! Siehst du dieses komische Leuchten in seinen Augen?! Das ist der absolut wasserdichte Beweis dafür, dass unser angeblicher König ein Reptiloid ist!“, rief Tara aufgeregt und zeigte auf das unscharfe Bild, in dem man sah, wie die grelle, finale Feuerattacke Alands sich in seinen Augen spiegelte, „Mann, ich hatte schon immer so eine Ahnung! Das erklärt auch, warum Aland eine Meisterdetektivin wie mich damals unbedingt loswerden wollte!“

„Ganz eindeutig“, pflichtete Erin, bemüht sich ihre Enttäuschung über das fehlende Riesenaal-Monster nicht anmerken zu lassen, bei.

Je länger sie das Videomaterial untersuchte, je schmerzhafter wurde es.

Die jungen Erinnerungen an das hämische Johlen der Obelisken und Maylas sich immer wieder und wieder wiederholende Leidensschreie verursachten bei Erin ein stechendes Beklemmtheitsgefühl in der Brust.

Eine wilde Mischung aus Wut, Trauer und Schmerz durchdrang Erin.

„Du hast Recht, Tara, er ist eindeutig ein Reptil. Ein Mensch hätte einem anderen Menschen nicht sowas angetan.“

„Ja...irgendwie schon.“

Tara klang nun ebenfalls ziemlich traurig.

„Ich kenne sie nicht gut, aber ich mag Mayla und sie hatte dieses sinnlos verlängerte Duell nicht verdient. Ich weiß noch, wie sie mir als Einzige von euch damals geglaubt hatte, als ich den wahren Täter der Diebstahlsserie identifiziert hatte. Das war schön. Weißt du, Erin, es ist echt ein beschissenes Gefühl, wenn man etwas ganz deutlich vor sich sieht aber einem niemand glaubt.“

Erin betrachtete mit einem Seufzer ein letztes Mal die offensichtlich aallose Videoaufnahme.

Wem sagte sie das?

Erin wollte nun gehen, ihr fiel nichts anderes ein, was sie Tara fragen sollte.

„Hab vielen Dank, Tara. Schön, dass wir zusammen den reptiloiden König enttarnen konnten. Ich muss jetzt auf mein Zimmer, meine Sachen für die Abreise morgen packen und danach ein paar Freunde verabschieden.“

„Bist du dir sicher? Also ich wollte schon die Fähre heute Mittag nehmen und wollte vorher die Gelegenheit nutzen, um mit dir noch mehr meiner spannenden und sehr plausiblen Entdeckungen zu teilen! Ich kann dir Fotos von UFOs zeigen, wie sie gerade Chemtrails in den Himmel pusten, oder ich habe auch noch geheime Dokumente, über das künstliche Frauenhologramm, die sich weniger Meter unter uns mit tödlichen Zauberkarten duelliert!“

„Äh, das ist sehr lieb von dir, aber ich muss jetzt wirklich...- wirklich...“

Moment.

Was war das Letzte, das Tara ihr gerade gesagt hatte?

Das klang erschreckend nach einer Geschichte, die Mayla ihr erzählt hatte und sie konnte sich nicht vorstellen, dass Mayla persönlich mit Tara über ihre merkwürdigen Traumerlebnisse reden würde.

Noch bevor Erin nachhaken konnte, spürte sie das Handy in ihrer Hosentasche vibrieren.

Es war Daniel und Erin ging direkt ran.

„Hey! Erin! Wir müssen SOFORT zu Mayla. Ich habe dir eben ein paar Screenshots aus unserem Chat geschickt! Wo bist du!?“

Er klang sehr aufgebracht und gleichzeitig außer Atem.

Schnell aufeinander folgende Schrittgeräusche verrieten Erin, dass Daniel bereits selbst auf dem Weg war, es musste wirklich dringend sein.

„Ich bin noch in unserer Unterkunft. Von mir aus kann ich aber sofort los.“

„Alles klar! Beeil dich!“

Er legte auf und Erin sah sich die von ihm geschickten Bilder im Messenger an.

Sie erschrak, als sie las, was Mayla ihrem Freund geschrieben hatte.

„Die Stimmen von meinen Duellgeistern machen mir Angst“

„Sie sagen, dass ich wertlos sei.“

„Ich würde allen zur Last fallen und niemand wird mich jemals mögen.“

„Sie hören nicht auf.“

„Ich habe versucht sie loszuwerden, indem ich mein Deck wegschließe, aber es funktioniert nicht.“

„Ich halte das nicht mehr aus.“

„Bitte hilf mir.“

Das klang furchterregend.

So gerne sie die Gelegenheit nutzen würde Tara weiter auszufragen, es galt keine Zeit zu verlieren.

„Was ist denn passiert? Musst du weg?“, fragte sie etwas perplex.

„Ja, das ist leider ein Notfall“, sagte Erin, während sie ihr Handy in der Hosentasche verschwinden ließ, „Danke für deine Hilfe, ich revanchiere mich bei dir nach den Ferien!“

„Ciao-Ciao! Grüße Mayla mal von mir, falls du sie siehst!“

Erin winkte ihr kurz zum Abschied zu, rannte aus dem Zimmer, aus der Unterkunft und joggte über den halbvollen Sliferplatz, der zwischen der gelben und der roten Unterkunft lag.

Irgendwie hatte sie bereits mit neuen Wahnvorstellungen seitens Mayla gerechnet.

Nach der Folter, der sie im Duell gegen Aland ausgesetzt war, war sie komplett ausgelaugt gewesen und hatte den restlichen Tag in ihrem Zimmer verbracht.

Wegen der Jahresabschlussprüfung und den daraus folgenden Häuserwechseln einiger Mitschüler hatte man der Sliferkönigin ein Einzelzimmer zugewiesen und komplett alleine mit ihren Gedanken und den Stimmen in ihrem Kopf zu sein, war nach ihrer letzten Niederlage eine absolute Katastrophe.

Natürlich würde sie wieder durchdrehen, aber ihre Nachrichten an Daniel lasen sich echt übel.

Erin spürte, wie die Schweißtropfen an ihr herabfielen.

Es war ein heißer Tag am Sommeranfang und die gnadenlos scheinende Sonne machte ihren Dauersprint extrem anstrengend.

Als sie dann vor der Unterkunft ankam, bot sich ihr ein erstaunlicher Anblick.

Daniel, inzwischen in Ra-Yellow-Uniform, war wie erwartet bereits vor ihr angekommen und stand mit aktivierter Dueldisk Herrn Althus, dem Slifer-Red Hauslehrer gegenüber, bevor er Erin zur Begrüßung stumm zuwinkte.

Auch die Dueldisk von Herrn Althus war aktiv und er hielt auch bereits seine fünf Startkarten auf der Hand.

„Ich beginne meinen Zug mit dem Eisernen Pachycephalo! Ich rufe dieses Monster im Angriffsmodus!“

Vor der betagten Lehrkraft erschien der zweibeinige Dinosaurier.

Sein Monster hatte einen auffällig dicken, metallisch glänzenden Schädel, mit dem es nicht nur gefährliche Kopfnüsse austeilen konnte, sondern auch dem glatzköpfigen Althus ähnelte.

Eiserner Pachycephalo: Stufe 4, 1700Atk, 1400Def.

„Wenn ich ein Monster vom Typ Dinosaurier aufrufe, darf ich dieses Monster aus meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen: Antiker Oculus im Verteidigungsmodus!“

Antiker Oculus war ein kleiner, flatternder Kolibri, über dessen bezahnten Schnabel ein einziges, gelbes Reptilienauge lag.

Antiker Oculus: Stufe 1, 500Atk, 400Def.

„Zum Schluss setzte ich eine verdeckte Karte. Damit beende ich meinen Zug!“

Vor Herrn Althus erschien die Zauber- oder Fallenkarte und Daniel war nun am Zug.

„Hey Daniel, kannst du mir mal erklären, warum du dich genau jetzt duellierst!? Wir haben doch keine Zeit für sowas!“, fragte Erin.

„Sag nicht mir das, sag das unserem ehemaligen Hauslehrer! Herr Althus weigert sich, mich die Slifer-Red Unterkunft betreten zu lassen!“

„Ich habe es dir doch schon erklärt! Ich weigere mich nicht! Ich habe von der Akademieleitung die Anweisung bekommen, nur noch Schüler des Hauses Slifer-Red zur Unterkunft zu lassen, um weitere Ausschreitungen zwischen den verschiedenen Häusern zu vermeiden! Als Ra-Yellow hast du keinen Zutritt!“, entgegnete Herr Althus stur.

Erin stöhnte genervt.

Daniel hatte also Herrn Althus herausgefordert, weil er kein Slifer mehr war und somit nicht mehr länger zu Mayla durfte.

Für Erin würde wohl das Gleiche gelten.

Das ganze letzte Halbjahr musste Mayla sich aufopfern, um die schwächeren Slifer-Red Schüler vor den Drangsalierungen von Barrys Opfern schützen und jetzt, wo sie selbst Hilfe brauchte, fiel es den Lehrern plötzlich ein, dass sie selbst auch eingreifen konnten.

Was für ein miserables Timing!

„Kein Problem, Erin“, sagte Daniel und zog gleichzeitig seine Karte, „Ich besiege ihn jetzt so schnell wie möglich, dann können wir für Mayla da sein! Und dabei hilft mir dieses Monster, der Dämonische Dobermann!“

Das schwarz-braune Hundemonster knurrte bei seiner Beschwörung bedrohlich.

Dämonischer Dobermann: Stufe 4, 1700Atk, 1700 Def.

„Ich mache weiter mit dieser Karte: Dieser permanente Zauber heißt Unermüdlicher Ansturm und wird mir gleich sehr zur Hilfe kommen! Aber zuerst macht mein Dämonischer Dobermann Fass! Angriff auf den Eisernen Pachycephalo!“

Daniels Hundemonster gehorchte aufs Wort.

Es sprang auf den Dinosaurier zu, biss sich sich in einen seiner Vorderläufe fest, wurde dann allerdings von einem Kopfstoß erwischt, die den Dobermann zu Daniel zurück schleuderte.

Daniel wurde von seinem eigenen Monster getroffen und beide Monsterhologramme zerplatzten.

Daniels Lebenspunkte: 4000 → 3000.

„Du konntest den Pachycephalo zwar zerstören, aber sein besonderer Effekt fügt dem Gegner 1000 Punkte an Schaden zu, wenn er angegriffen wird!“, erklärte Herr Althus.

„Na und? Davon lasse ich mich nicht aufhalten! Jetzt kommt mein Unermüdlicher Ansturm zum Einsatz: Wird ein Normales Monster im Kampf zerstört, darf ich aus meinem Deck gleich das nächste Normale Monster als Spezialbeschwörung aufrufen, solange es die gleiche oder eine niedrigere Stufe als das zerstörte Monster aufweist! Deshalb rufe ich jetzt den Schäfersfreund auf!“

Der soeben zerstörte Dämonische Dobermann wurde durch Daniels nächstes Normales Monster ersetzt, einen kräftigen Schäferhund, der einen Hirtenstock quer im Maul hielt.

Schäfersfreund: Stufe 4, 1850Atk, 1300Def.

„Da ich mich noch immer in meiner Battle Phase befinde, kann ich mit meinem Schäfersfreund sofort den Antiken Oculus angreifen! Attacke!“

Das Hundemonster sprintete auf den Flugsaurier zu und holte mit dem Maul zum Schlag aus, als Herr Althus gerade noch rechtzeitig eingriff: „Stopp, ich spiele meine verdeckte Fallenkarte! Sie heißt Verwirrende Nebelwolke und kann aktiviert werden, wenn zwei unserer Monster kämpfen!“, erklärte Herr Althus, während die Fallenkarte wirkte und das gesamte Spielfeld von undurchsichtigen Nebelschwaden verhüllt wurde, „Meine Verwirrende Nebelwolke annulliert den Angriff, stattdessen erleiden beide Spieler Schaden in Höhe der Angriffspunkte ihrer im Kampf beteiligten Monster!“

Aus dem vernebelten Spielfeld sprang der kampfbereite Schäfersfreund auf Daniel zu, während Herr Althus von seinem eigenen Antiken Oculus angegriffen wurde.

Daniels Lebenspunkte: 3000 → 1150.

Herr Althus´ Lebenspunkte: 4000 → 3500.

Daniel keuchte und wankte.

Das war nicht gut.

Es war gerade mal sein erster Zug und sein Gegner hatte ihm schon fast 3000 Lebenspunkte abgenommen.

Erin stützte ihn für einen kurzen Moment.

„Danke. Ich glaube es geht. Aber wegen meines neulichen Falls bin ich noch nicht ganz stabil auf den Füßen.“

„Fall“

Es ist erst zwei Tage her, da war Daniel über drei Meter von der untersten Zuschauerreihe im Stadion auf das Stadionzentrum gesprungen, um nach ihrer Niederlage seiner ohnmächtigen Freundin beistehen zu können.

Daniel richtete sich wieder auf.

„Ich setzte noch zwei Karten verdeckt und mache dann Schluss!“

Zwei Karten erschienen vor Daniel.

Der Slifer-Hauslehrer nickte und zog gleich seine nächste Karte, um seinen Spielzug zu beginnen.

„Du verschwendest deine Zeit, Junge. Ich verstehe, dass du gerne deine Freundin besuchen willst, aber Regeln sind nun mal Regeln! Der zweite Effekt des Antiken Oculus sorgt dafür, dass ich ihn bei einer Tributbeschwörung eines Dinosaurier-Monsters wie zwei Monster behandeln darf. Daher opfere ihn und beschwöre so ein Monster der Stufe 7 im Angriffsmodus: Steinrüstungsbronto!“

Das nächste Dinosaurier-Monster des Lehrers war ein vierbeiniger Koloss mit einem riesig langen Hals. Auf den Schuppen des Urriesen befanden sich im unregelmäßigen Abstand voneinander einzelne, graue Felsstücke.

Steinrüstungsbronto: Stufe 7, 2300Atk, 2900Def.

„Und was kann Ihr Bronto alles so? Er ist zwar groß, aber für ein Monster, das zwei Tribute erfordert, sind 2300 Angriffspunkte doch eher mager!“, bemerkte Daniel.

„Zu seinem Effekt kommen wir gleich, zuerst spiele ich die Zauberkarte Fossil-Reanimation!“

Sie kostet mich die Hälfte meiner Lebenspunkte, allerdings darf ich dafür jedes beliebige Dinosaurier-Monster aus meinem Friedhof aufrufen! Mein Eiserner Pachycephalo kehrt daher zurück!“

Althus schnaubte wegen des unangenehmen Lebenspunkteverlustes, während vor ihm sein ursprünglicher Dino mit dem metallischen Schädeldach erschien.

Herr Althus Lebenspunkte: 3500 → 1750.

Eiserner Pachycephalo: Stufe 4, 1700Atk, 1400Def.

„Die letzte Karte auf meiner Hand heißt Weisheit des Schuppentiers und erlaubt es mir zwei Karten zu ziehen, wenn ich mindestens zwei Monster vom Typ Fisch, Typ Dinosaurier oder Typ Reptil kontrolliere! Der Steinrüstungsbronto und der Eiserne Pachycephalo sind beide Dinosaurier, daher ist die Bedingung zur Aktivierung meines Zaubers erfüllt!“

Der Alte aktivierte die genannte Zauberkarte und zog.

„Jetzt kommen wir zu den Effekten vom Steinrüstungsbronto: Wenn ich weniger als 2000 Lebenspunkte übrig habe, erhalten meine Dinosaurier-Monster 500 Verteidigungspunkte und können nicht mehr im Kampf zerstört werden! Hat mein Gegner weniger als 2000 Lebenspunkte übrig, erhöht dies hingegen die Angriffskraft meiner Dinosaurier-Monster um 500 und sie verursachen zudem durchschlagenden Kampfschaden!“

Steinrüstungsbronto: 2300Atk → 2800Atk, 2900Def → 3400Def.

Eiserner Pachycephalo: 1700Atk → 2200Atk, 1400Def → 1900Def.

„Na super!“, sagte Erin sarkastisch, “Das war also sein Plan! Herr Althus wollte mit dem Effekt des Eisernen Pachycephalo und der Verwirrenden Nebelwolke die Lebenspunkte beider Spieler reduzieren, um so die Effekte seines Bossmonsters nutzen zu können!“

„Und wenn schon! Wegen der geopferten Lebenspunkte ist dieses Duell nur noch schneller für mich gewonnen und wir können endlich für Mayla da sein!“

„Ihr werdet meine Schüler in Ruhe lassen! Hat dieses Mädchen denn noch nicht genug gelitten?! Fahrt nach Hause und hört auf Unruhe zu stiften!“, schimpfte Herr Althus, „Meine verstärkten Dinos werden dir deine Flausen austreiben! Zuerst greift mein Steinrüstungsbronto mit dem hammerharten Halshieb an!“

Der gepanzerte Brontosaurier erhob seinen Hals und schwenkte ihn dann in einem rasanten Tempo auf Daniels Schäfersfreund hinab.

„Keine Chance! Meine Falle Recht des Underdog kommt Ihrer Riesenechse zuvor!“

Vor Daniel klappte sich die Fallenkarte auf.

„Diese Karte verdoppelt bis zum Ende des Zuges die Angriffs- oder Verteidigungspunkte eines meiner Normalen Monster, wenn es angegriffen wird!“

Daniels Hundemonster wuchs stark an, sodass es nun etwa auf einer Höhe mit Althus´ Steinrüstungsbronto war.

Schäfersfreund: 1850Atk → 3700Atk.

Der Schäferhund wehrte den Halshieb des Steinrüstungsbronto mit einem flinken Schlag mit dem Hirtenstab in seinem Maul ab.

Derr durch den fehlgeschlagenen Angriff verursachte Kampfschaden ließ Herrn Althus aufstöhnen.

Herr Althus Lebenspunkte: 1750 → 850.

Uff...Das war ein cleverer Zug, mein Junge! Aber der Effekt meines Bronto schützt alle meine Dinos vor Zerstörung im Kampf! Und da Weisheit des Schuppentiers es mir verbietet nach seiner Aktivierung andere Karten aus meiner Hand auszuspielen oder sie zu setzen, beende ich jetzt meinen Zug!“

Daniel lächelte siegessicher, doch Erin tat sich schwer seinen Optimismus zu teilen.

Er duellierte immerhin einen Lehrer und ehemaligen Profiduellanten.

Auch wenn sich seit seinem Karriereende Duel Monsters stark weiterentwickelt hat, die Fähigkeiten von Herrn Althus lagen noch immer weit über dem, was ein durchschnittlicher Akademieschüler nach einem Jahr leisten konnte, da war sie sich sicher.

Erin tippte auf ihr Handy ein und versuchte Mayla und Fiona mit Textnachrichten zu erreichen.

Wenn sie Mayla dazu bringen könnte, ihr Zimmer zu verlassen, dann wäre der ungewisse Duellausgang irrelevant.

Allerdings war das wohl alles andere als wahrscheinlich.

„Ich halte das nicht mehr aus.“

„Bitte hilf mir.“

Erin schluckte.

Vielleicht könnte Fiona als Plan B helfen.

Auch wenn das Verhältnis zwischen den Dreien noch immer belastet war, Fiona war eine wichtige Freundin. Sie kannte Mayla schon deutlich länger als Jiang und war für den Fall, dass Daniel und Erin verlieren sollten wahrscheinlich auch eine bessere Duellantin als sie.

Leider antwortete Erin bisher keines der beiden Mädchen.

„Weiter geht’s! Da Ihr Zug vorbei ist, lässt leider die Wirkung von Recht des Underdog nach!“

Daniels gigantischer Schäfersfreund schrumpfte wieder auf seine ursprüngliche Größe zusammen.

„Schäfersfreund: 3700Atk → 1850Atk.

„Das ist aber kein Problem! Denn mein Monster bleibt sowieso nicht lange auf dem Feld! Ich aktiviere meine verdeckte Karte!“

Vor Daniel tat sich die in seinem letzten Zug gesetzte Fusion auf.

„Ich verschmelze mit der Power von Fusion den Schäfersfreund auf dem Feld mit dem Wachhund des Jägers auf meiner Hand um ein noch mächtigeres Monster aufzurufen!“

Erin und Herr Althus beobachteten gebannt, wie sich Daniels zwei Hundemonster in dem grellen Lichterstrudel hinter ihm vereinten.

Schließlich sprang Daniels Ass-Monster, ein mannshoher Wolf mit wunderschönem, metallisch glänzendem Fell aus dem Fusionsstrudel und jaulte zur Begrüßung auf.

Alpha die Eisenmähne: Stufe 7, 2400Atk, 2000Def.

„Das ist ein gutes Monster, aber ich möchte nochmal daran erinnern, dass meine Dinosaurier nicht im Kampf zerstört werden können!“, kommentierte Daniels Gegner, „Und wenn du meinen schwächeren Pachycephalo angreifen wollen würdest, um mir so 200 Punkte Kampfschaden zuzufügen, dann kostet dich das aufgrund seines Effekts ganze 1000 Lebenspunkte!“

„Deswegen werde ich ja auch nicht angreifen! Zumindest NOCH nicht, denn zuerst nutze ich den Effekt von Alpha die Eisenmähne, wodurch ich einmal pro Zug ein Ungeheuer aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen darf! Ich rufe den Wachhund des Jägers im Angriffsmodus!“

Neben der Eisenmähne erschien der kräftige Sennenhund, dessen langes Fell militärisch wirkende grün-braune Tarnfarben aufwies.

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Def.

„Ich habe in diesem Zug noch keine Normalbeschwörung durchgeführt! Deshalb opfere ich meine Eisenmähne um meinen zweiten Wachhund des Jägers aus meiner Hand als Tributbeschwörung aufzurufen!“

Der Riesenwolf verschwand und an seiner Stelle stand nun der zweite Wachhund im Angriffsmodus.

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Def.

„Was soll das, Junge!? Du wirst mich nicht besiegen, indem du deine Fusionsmonster für Normale Monster mit weniger Punkten opferst!“, kritisierte Althus.

Auch Erin verstand nicht ganz, worauf Daniels Spiel hinauslief.

„Tja, alleine ergibt meine Tributbeschwörung nicht viel Sinn, das stimmt! Aber ich habe ja noch eine letzte Karte auf der Hand! Und diese hat es echt in sich! Ich aktiviere meinen Spielfeldzauber! Hier kommt Nullzone!“

Energisch platzierte Daniel seine Zauberkarte in der Disk.

Augenblicklich wandelte sich das Gras, auf dem sich Daniel und Herr Althus bisher duellierten in einen schwarzen Teerboden, auf dem eine große gelbe Null gemalt war, die das gesamte Duellfeld einnahm. Das Spielfeld war schließlich von unzähligen Pfosten umzäunt, die durch mehrere Lagen von rot-weißem Absperrband miteinander verbunden waren.

Daniel grinste breit.

„Die Nullzone ist die perfekte Umgebung für Normale Monster! Zuerst verstärkt sie die Angriffs- und Verteidigungspunkte aller Normalen Monster um das Hundertfache ihrer Stufe! Aber der zweite Effekt meiner Nullzone ist sogar noch krasser, denn wenn ich ausschließlich Normale Monster kontrolliere, annulliert er alle Monstereffekte auf dem Feld! Ich musste meinen Alpha zwar sofort nach seiner Beschwörung loswerden, aber dafür sind die Spezialeffekte ihrer Dinos ab jetzt ausgestorben!“

Während Daniels Wachhunde des Jägers anwuchsen, verlor der Steinrüstungsbronto seinen verstärkenden Effekt.

Wachhund des Jägers: 1900Atk → 2400Atk, 2500Def → 3000Def.

Wachhund des Jägers: 1900Atk → 2400Atk, 2500Def → 3000Def.

Steinrüstungsbronto: 2800Atk → 2300Atk, 3400Def → 2900Def.

Eiserner Pachycephalo: 2200Atk → 1700Atk, 1900Def → 1400Def.

Daniel zeigte auf den kleineren Dinosaurier mit dem eisernen Schädeldach.

„Wachhund des Jägers Nummer Eins: Zerstöre den Eisernen Pachycephalo!“, befahl Daniel.

Der erste der zwei Hundemonster biss sich in den Nacken des Dinos, welcher dann zerplatzte.

Herr Althus stöhnte leise.

Herr Althus´ Lebenspunkte: 850 → 150.

„Da auch der Effekt des Pachycephalo negiert wird, muss ich keinen Schaden einstecken! Aber ich bin nicht fertig! Mein anderer Wachhund greift nämlich ihren Bronto an!“

Der Wachhund des Jägers sprang auf den Hals des Steinrüstungsbrontos zu und verbiss sich noch in der Luft.

Der Brontosaurier brüllte schmerzerfüllt auf und zerplatzte ebenfalls.

Herr Althus Lebenspunkte: 150 → 50.

„Sie stehen ohne Monster oder verdeckte Karten da! Und Ihre allerletzten Lebenspunkte nehme ich Ihnen auch noch ab! Daher beende ich jetzt ganz entspannt meinen Zug!“, sagte Daniel.

„Das hast du super gemacht!“, lobte ihn Erin, „Ohne Monstereffekte kommt er nicht an deinen beiden Wachhunden und ihren 2400 Punkten vorbei!“

Herr Althus lächelte mild, gab sich aber weniger beeindruckt.

Er zog und begann seinen Spielzug.

„Aus meiner Hand spiele ich den Kreischenden Velociraptor im Verteidigungsmodus!

Vor Althus kauerte nun ein unscheinbar kleiner und schmaler zweibeiniger Dinosaurier.

Kreischender Velociraptor: Stufe 3, 1000Atk, 200Def.

„Meine nächste Karte nennt sich Gemeinsames Aussterben! Ein Schnellzauber, der es mir erlaubt ein Dinosaurier-Monster unter meiner Kontrolle und ein anderes Monster meiner Wahl zu zerstören! Damit halbiert sich deine Kampfkraft!“

Der Lehrer zeigte den Schnellzauber vor und aktivierte ihn sogleich.

Die Hologramme von Kreischender Velociraptor und vom rechten Wachhund des Jägers zersprangen durch Gemeinsames Aussterben gleichzeitig.

„Da haben Sie sich wohl verrechnet! Sie haben im Gegensatz zu mir kein Monster auf dem Feld und ihre Normalbeschwörung wurde ebenfalls aufgebraucht! Im nächsten Zug nimmt mein Wachhund ihnen ihre restlichen 50 Lebenspunkte ab!“

„Hmpf, das mit dem kein-Monster-auf-dem-Feld ändert sich jetzt! Deine Nullzone verhindert Monstereffekte auf dem Feld, aber bei Friedhofseffekten ist er machtlos! Wird Kreischender Velociraptor zerstört, darf ich ein Monster vom Typ Dinosaurier der Stufe 3 oder niedriger aus meinem Deck als Spezialbeschwörung rufen! Ich beschwöre den Universaurus im Angriffsmodus!“

Der Universaurus war ein gigantischer, finsterer Schatten in Form eines Tyranno. Anstelle seiner Augen befanden sich funkelnde weiße Punkte, die wie Sterne im Nachthimmel aussahen.

Er brüllte bedrohlich.

Universaurus: Stufe 1: 4000Atk, 0Def.

Daniel erschrak bei dem Anblick.

„Das ist doch unmöglich!“, protestierte er, „wieso hat ihr Stufe-1-Monster den so absurd viele Angriffspunkte?!“

Herr Althus lächelte und antwortete ihm: „Das kann ich dir erklären! Universaurus´ Angriffspunkte liegen an sich bei 4000. Wegen seines Effekts verliert er aber Angriffspunkte in Höhe der kombinierten Lebenspunkte beider Spieler! Du hast 1150 Lebenspunkte und ich 50, oder 1200 Lebenspunkte in Summe, wodurch seine Angriffskraft 2800 betragen würde! Deine eigene Nullzone annulliert allerdings seinen Negativeffekt, wodurch er über seine volle Angriffskraft verfügt!“

Der Slifer-Hauslehrer ging zu seinem finalen Angriff über.

„Universaurus! Greife den Wachhund des Jägers mit Galaktischer Urgewalt an und beende dieses Duell!“

Der Schattentyranno sprintete auf Daniels Monster zu, hob es mit dem Maul hoch und schleuderte es mit ungeheurer Wucht auf seinen Besitzer.

Der Wachhund des Jägers zerplatzte beim Aufprall und Daniel wurde von der ihn rechtzeitig stützenden Erin abgehalten auf den Boden zu fallen.

Daniels Lebenspunkte: 1150 → 0.

Verloren.

Erin hatte dieses Ergebnis befürchtet, auch wenn es mehr als knapp war.

Durch das Training mit Mayla ist Daniel von einem unsicheren Anfänger zu einem beeindruckendem Duellanten herangewachsen.

Doch ein Lehrer war für einen normalen Schüler einfach zu stark.

„Du hast verloren, Junge! Ihr zwei geht bitte unverzüglich auf eure Unterkunft zurück und lasst die Slifer-Reds in Ruhe!“

Erin stellte sich ihm kampfbereit gegenüber und aktivierte ihre eigene Dueldisk.

„Wir werden nirgendwo hingehen! Unsere Freundin ist da drin und sie braucht unseren Beistand!“, entgegnete sie energisch.

Daniel hatte dem alten Herrn durch sein Duel bereits einiges an Energie abverlangt und außerdem kannte Erin nun einige von Herrn Althus Karten.

Auch wenn sie gegen einen Lehrer antreten müsste, sie würde Mayla nicht ohne einen Kampf alleine lassen!

„Lass es, Erin!“, forderte Daniel, „ich habe eine bessere Idee!“

Er sah Herrn Althus ernst an.

„Ich gebe hiermit offiziell zu, in der Theorieprüfung betrogen zu haben!“

„Wie bitte?“, fragte Herr Althus.

„Ganz einfach betrogen, mit dem klassischen Spickzettel. Ich nehme an, dass mein schriftliches Ergebnis damit mit 0 Prozent gewertet wird, womit mein Aufstieg zum Ra-Yellow rückgängig gemacht werden wird, richtig?!“

Erin begann nun zu verstehen, was Daniel vorhatte.

„Erin, du hast mir doch auch gesagt, dass du betrogen hast. Möchtest du nicht auch lieber gestehen?“

„Daniel, das kann ich nicht machen! Was ist denn mit Jiang und Fiona!? Die beiden sind mir zu wichtig!“, zischte Erin ihm zu.

Wenn sie wieder zu einem Slifer würde, dann würde sie aufgrund der Blauen Ehre den Kontakt zu ihren Freundinnen aus Obelisk-Blue verlieren.

Um ein Bindeglied zwischen Mayla und Fiona und nun auch Jiang sein zu können, musste sie auf jeden Fall im Ra-Haus bleiben.

„Betrugsversuche sind ein ernstes Vegehen, Junge. Du würdest nicht nur zum Slifer-Red degradiert werden, sondern auch einen permanenten Eintrag in deine Schülerakte bekommen. Dein Fehlverhalten wird auf deinem Abschlusszeugnis vermerkt werden und solltest du dir im weiteren Studienverlauf an der Akademie erneut etwas zu Schulden kommen lassen, wirst du automatisch exmatrikuliert. Bedeutet sie dir so viel, dass du deshalb ein solches Geständnis ablegen willst?“

„Ja, mehr als alles andere!“, antwortete Daniel ohne zu zögern, „Darf ich jetzt die Slifer-Unterkunft betreten?!“

Herr Althus schwieg für einen kurzen Augenblick, er schien zu überlegen.

„Tut mir Leid, aber drüber muss ich nachdenken.“

„Wir haben aber keine Zeit! Es geht Mayla sehr schlecht!“, drängte Erin.

Herr Althus schüttelte den Kopf.

„Ich werde jetzt auf mein Büro gehen. Diese Diskussion mit euch und das Duell waren sehr anstrengend. Und ich werde exakt 30 Minuten lang nicht in der Lage sein, den Eingang zu meiner Unterkunft zu bewachen. Hoffentlich wird sich niemand aus den anderen Häusern heimlich Zugang verschaffen.“

Erin und Daniel sahen den alten Mann ungläubig an.

„Äh...Herr Althus...-?“, fragte Daniel, wurde aber harsch unterbochen.

„Nix „Herr Althus“! Ich bin deutlich zu alt für diesen Unfug! Hoffentlich vergesse ich in meinem Alter nicht versehentlich dein Geständnis von wegen... äh...wegen...“, er machte eine abwinkende Handbewegung, „Ach, seht ihr, ich habs schon vergessen! Ich brauche jetzt meine exakt halbstündige Pause, in der jeder ohne Konsequenzen diese Unterkunft betreten kann! Hoffentlich wird das nicht passieren!“

Mit diesen Worten ging der Slifer-Hauslehrer in die Unterkunft und ließ Erin und Daniel hinter sich zurück.

Die beiden verstanden, worauf Herr Althus hinauswollte.

Er wollte nicht, dass die Schüler dafür bestraft wurden, dass sie ihre Freundin besuchen wollten, auch wenn sie damit gegen die neuen Regeln der Akademieleitung verstießen.

Als Herr Althus aus der Sicht der zwei verschwunden war, eilte Daniel sofort ins Innere zu Maylas Zimmer.

Erin folgte ihm und blickte dabei auf ihr Smartphone.

Es war 11:24 Uhr, sie hatten also bis 11.54 Uhr Zeit.

Noch keine Antwort von Fiona.

War es vielleicht schon zu spät und sie hatte die Insel bereits für die langen Sommerferien verlassen?

Daniel klopfte mehrfach an und Mayla öffnete ihre Zimmertür.

Er erschrak ein wenig, als er seine Freundin sah.

Von ihren Augen liefen rötliche, noch feucht reflektierende Linien die Wangen herab. Dunkel Augenringe verrieten ihm, dass sie wohl kaum geschlafen hatte. Ihre Haut wirkte pfahl und kraftlos, insbesondere vor dem abgedunkelten Raum, in dem sie sich bisher eingeschlossen hatte.

„Danke, dass du für mich da sein möchtest“, hauchte Mayla, bevor sie die hinter Daniel stehende Erin bemerkte. Was macht sie denn hier?“

Erin winkte ihr kurz zu und zwang sich zu einem Lächeln.

Mayla klang weder sonderlich erfreut, noch verärgert über den unerwarteten Besuch.

„Ich habe sie gebeten mitzukommen. Sie möchte auch für dich da sein, so wie ich.“

Er versuchte seinen Arm behutsam um sie zu legen, doch Mayla stieß ihn von sich weg.

„Es war ein Fehler von mir, dich zu mir zu bitten. Ich bin es doch gar nicht wert.“

„Aber Mayla, was sagst du denn? Natürlich helfe ich dir. Ich liebe dich und du bist der wichtigste Mensch für mich. Lass uns kurz zu dir reinkommen.“

Mayla schaute betroffen auf dem Boden.

„Niemand, der mich wirklich kennt, würde mich lieben. Weil ich egoistisch bin und allen nur Ärger bereite.“

Ihre Stimme wankte.

„Haben dir das auch deine Stimmen gesagt?“, fragte Erin nach.

„Sie können in mein Innerstes blicken. Sie sehen meine Erinnerungen und Gedanken. Ich kann sie nicht täuschen. Sie wissen, dass ich nichts als eine Bürde bin und keine Liebe oder Freunde verdient habe.“

Mayla begann bei den letzten Worten zu weinen.

„Wieso kann ich nichts richtig machen?“

Daniel wagte es nicht Mayla erneut zu berühren, er wollte kein zweites Mal zurückgestoßen werden.

„Mayla, du darfst diesen Blödsinn nicht glauben. Du bist klasse so wie du bist.“

Erin nickte.

„Da hat Daniel absolut Recht. Wahrscheinlich tut dir einfach gerade das Alleinesein nicht gut. Komm doch einfach über die Ferien wieder zu mir und meiner Oma. Ich würde mich sehr darüber freuen und Oma hatte dich das letzte Mal auch in ihr Herz geschlossen.“

„Erin...Daniel...für mich gibt es keine Ferien mehr. Ich werde die Akademie verlassen.“

Als er diese Worte hörte, ärgerte Daniel sich.

Wegen der blöden neuen Regeln vom Direktor war er zu spät gewesen.

In der Zeit, die er mit der Diskussion und dem Duell gegen Herrn Althus verplempert hatte, wurde Mayla weiterhin von ihren Wahnvorstellungen gequält und nun schien sie alles aufgeben zu wollen.

„Du bist doch eine superstarke Duellantin, Mayla! Genau deshalb hast du doch dein Stipendium bekommen! Nur wegen deiner Hilfe habe ich es überhaupt zu Ra-Yellow geschafft! Du...-“

„Ich kann nicht mehr!“, unterbrach ihn Mayla.

Sie klang verzweifelt.

„Jedes Mal, wenn ich mich duelliere, dann riskiere ich noch tiefer zu fallen. Weil ich... weil ich...“

„Weil du ein jämmerlicher Schwächling bist, Heulboje! Buahaha!“

„Hast du nicht allen versprochen, mich besiegen und stürzen zu wollen, Sliferkönigin? Und jetzt willst du erneut aufgeben?“

Schemenhafte Erscheinungen von Barry und Aland befanden sich seit geraumer Zeit anstelle der bereits abgereisten Mitbewohnerinnen in Maylas dunklem Zimmer und verspotteten sie

Aber das spielte nun auch keine Rolle mehr.

Wenn sie endgültig von dieser schrecklichen Insel verschwinden würde, dann wäre sie endlich frei.

Erin wartete kurz ab, um Mayla die Chance zu geben ihren Satz zu beenden, bevor sie selbst das Wort ergriff.

„Wir wollen alle für dich da sein! Daniel, ich, Jiang, bestimmt auch Fiona und alle Slifer, für die du dich so sehr eingesetzt hast! Du bist nicht alleine! Wir werden dafür sorgen, dass du dich mit keinem Mitglied der Krone mehr duellieren musst, wenn du das nicht willst! Und wenn irgendwer wegen des Jahresabschlussduells einen dummen Spruch bringt, bekommt es diese Person mit mir zu tun!“

Erin tat ihr Bestes so überzeugend und mitfühlend wie möglich zu klingen und es schien für einen unscheinbaren Augenblick zu fruchten.

Mayla sah kurz vom Boden herauf und lächelte Erin an.

„Das kann doch nicht dein Ernst sein Mayla! Willst du schon wieder das Leben deiner „Freunde“

noch schwerer machen, als es eh schon ist?“, argumentierte die helle Stimme der Flamenco-Forelle.

„Du bist doch zu nichts zu gebrauchen“, schloss sich der Walzer-Wal an, „Also bleib bei deinem Plan und verschwinde einfach. Niemand würde dich wirklich vermissen.“

„Ja, das stimmt...“, antwortete Mayla den Geistern und ihr Lächeln wich einem elendigen Gesichtsausdruck.

„Es tut mir Leid, Daniel, Erin. Ich habe euch wohl schon wieder falsche Hoffnungen gemacht und euch enttäuscht, so wie ich es immer tue. Mein Entschluss steht. Ich gehöre hier einfach nicht her.“

„Wohin gehörst du denn dann?!“, hakte Daniel sofort lautstark nach.

„Ich weiß noch nicht, was ich stattdessen machen werde...Eigentlich bin ich in Nichts wirklich gut.“

Betretenes Schweigen.

Daniel schüttelte langsam den Kopf.

„Nein...nein...nein“, flüsterte er sich selbst leise zu und wurde dann lauter, „ich brauche dich doch, Mayla.“

Auch Erin spürte die Beklemmtheit und wie sie selbst gerade kurz davor war zu weinen.

Sie wollte sich nicht von Mayla verabschieden, um keinen Preis.

Nicht nach all den Mühen und kleinen Erfolgen dabei die Freundschaft aufrecht zu erhalten.

„Ich brauche dich auch. Ich war so glücklich, als du vor der Prüfung wieder mit mir gesprochen hast. Weil du mir auch unglaublich viel bedeutest und ich weiß, dass es wegen deiner Erlebnisse sehr schwer für dich sein musste.“

Mayla sah stumm auf den Boden, begann dann allerdings in der an ihrer Hüfte geschnallten Deckbox zu suchen.

Schließlich hielt sie Erin ein Exemplar des Wassertänzer Disko-Delfin entgegen.

„Die passt gut zu deinen Donner-Monstern. Nimm die Karte als Erinnerungsgeschenk, wenn du magst.“

Daniel sah Erin böse an, als sie das Geschenk entgegen nehmen wollte.

„Was soll das denn! Hier gibt es keine Abschiede! Das akzeptiere ich nicht“, zischte er wütend.

Erin sah zu ihm, dann wieder zu Mayla und antwortete ihr dann mit dem Delfin in der Hand:

„Daniel hat Recht. Das ist kein Abschiedsgeschenk. Das hier ist dein Versprechen an mich, Mayla. Du wirst nächstes ja persönlich hier sein müssen, damit ich dir die Karte zurückgeben kann, klar?!“

Doch Mayla schüttelte den Kopf.

„Das kann ich dir leider nicht versprechen. Es tut mir Leid.“

Daniel hatte genug.

Ein Wechselbad an verschiedensten, intensiven Emotionen brodelte in ihm.

Ein plötzlicher Impuls brachte ihn dazu Mayla eilig an sich zu pressen.

Erneut versuchte Mayla ihren Freund von sich zu stoßen, musste aber nach einigen Sekunden aufgeben.

Daniel war stärker als sie.

Wortlos hielt er sie fest.

Nicht auf eine schmerzhafte Weise, aber weigerte sich, sich davon stoßen zu lassen.

Mayla weinte.

„Bitte verstehe doch, dass es vorbei ist...Wieso machst es mir so schwer?“

Sie erwiderte schließlich die letzte gemeinsame Umarmung.

Erin fehlten die Worte.

Wie könnte sie bloß Mayla wieder zur Vernunft bringen?

Zurzeit wirkte es aussichtslos und sie hatte wegen der geplanten Abreise leider nicht die Zeit, um in den Folgetagen auf sie weiter einzuwirken.

Sollte sie ihrer Oma einfach absagen und selbst über die Ferien auf der Insel bleiben?

Kein schöner Gedanke, die Frau war schließlich Zuhause auch alleine...

Während Daniel und Mayla noch eng umschlungen neben ihr standen, sah sie nervös den Flur hinunter um nach Herrn Althus Ausschau zu halten.

Diese Unterhaltung dauerte deutlich zu lange.

Sie verstaute Maylas Disko-Delfin, holte eilig ihr Handy aus der Hosentasche, um zu kontrollieren, wie viel Zeit von der halben Stunde noch übrig war und sah dabei, dass es eine neue Nachricht aus ihrem Chat mit Fiona gab.

Sie klickte ihn an und begann vor Wut zu zittern.

Erin sah auf den ursprünglich von Daniel weitergesendeten Screenshot, den Erin danach auch an Fiona weitergeleitet hatte, auf dem Mayla um Hilfe flehte und von den furchtbaren Dingen berichtete, die ihr die Stimmen in ihrem Kopf mitteilten.

Sie las ihre eigene Bitte an Fiona, schnell zur Slifer-Unterkunft zu kommen, um Althus dazu zu bringen den Weg frei zu machen und um Mayla ebenfalls zu unterstützen.

All dem hatte Fiona lediglich drei Worte entgegenzubringen:

„Ist mir egal“
 


 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Eiserner Pachycephalo: Stufe 4, 1700Atk, 1400Def, Typ Dinosaurier, Attribut Erde, Effekt:

Wenn diese Karte angegriffen wird: Füge deinem Gegner 1000 Punkte Schaden zu.
 

Antiker Oculus: Stufe 1, 500Atk, 400Def, Typ Dinosaurier, Attribut Wind, Effekt:

Falls du ein Monster vom Typ Dinosaurier beschwörst: Du kannst diese Karte von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören.

Diese Karte kann als 2 Tribute für die Tributbeschwörung eines Dinosaurier-Monsters behandelt werden.
 

Steinrüstungsbronto: Stufe 7, 2300Atk, 2900Def, Typ Dinosaurier, Attribut Erde, Effekt:

Wenn du weniger als 2000 Lebenspunkte hast: Dinosaurier-Monster, die du kontrollierst erhalten 500Def und können nicht im Kampf zerstört werden.

Wenn dein Gegner weniger als 2000 Lebenspunkte hat: Dinosaurier-Monster, die du kontrollierst erhalten 500Atk und verursachen durchschlagenden Kampfschaden.
 

Kreischender Velociraptor: Stufe 3, 1000Atk, 200Def, Typ Dinosaurier, Attribut Feuer, Effekt:

Wenn diese Karte zerstört wird: Beschwöre ein Dinosaurier-Monster der Stufe 3 oder niedriger aus deinem Deck als Spezialbeschwörung.
 

Universaurus: Stufe 1, 4000Atk, 0Def, Typ Dinosaurier, Attribut Finsternis, Effekt:

Diese Karte verliert ATK in Höhe der gemeinsamen Lebenspunkte aller Spieler.
 

Neue Zauber:
 

Unermüdlicher Ansturm: Permanenter Zauber:

Wenn ein Normales Monster, das du kontrollierst im Kampf zerstört wird:

Wähle ein Normales Monster in deinem Deck mit der gleichen oder niedrigeren Stufe und beschwöre es als Spezialbeschwörung.
 

Nullzone: Spielfeldzauber:

Normale Monster, die du kontrollierst erhalten ATK und DEF in Höhe ihrer Stufe x100.

Wenn alle Monster, die du kontrollierst Normale Monster sind:

Annulliere die Effekte aller Effektmonster auf dem Spielfeld.
 

Fossil-Reanimation: Normaler Zauber:

Zahle die Hälfte deiner Lebenspunkte: Wähle ein Dinosaurier-Monster in deinem Friedhof und beschwöre es als Spezialbeschwörung.
 

Weisheit des Schuppentiers: Normaler Zauber:

Wenn du mindestens zwei Monster vom Typ Fisch, Dinosaurier und/oder Reptil kontrollierst: Ziehe zwei Karten. Du kannst bis zum Ende des Zuges keine Karten aus deiner Hand aktivieren, keine Monster aus deiner Hand beschwören oder Karten setzen.
 

Gemeinsames Aussterben: Schnellzauber:

Wähle ein Dinosaurier-Monster, das du kontrollierst und ein Monster, das dein Gegner kontrolliert: Zerstöre beide.
 

Neue Fallen:
 

Verwirrende Nebelwolke:

Wenn ein Monster, das du kontrollierst gegen ein anderes Monster kämpft: Beende den Kampf, dann erhalten beide Spieler Schaden in Höhe der Angriffspunkte des Monsters, das sie kontrollieren und das am Kampf beteiligt war.

Happy Birthday

Mit leerem Blick starrte der Junge auf die mit Kerzen bestückten Schokotorte, die vor ihm auf dem Boden lag.

„Alles Gute zum Geburtstag“, flüsterte er sich selbst leise zu.

Die Kerzen waren zu einer Neun aufgestellt und beleuchteten mit ihrem sanften Flackern das finstere Kinderzimmer.

Er bemühte sich so leise wie möglich zu sein, seine Mutter lag bereits schlafend im Nebenzimmer.

Es war kurz vor Mitternacht und normalerweise würde er um die Zeit selbst längst im Bett liegen.

Aber nicht heute.

Es war sein Geburtstag, also gab es Geburtstagskuchen.

Er hatte sich in die Küche geschlichen und die Fertigtorte aus dem Gefrierfach geholt.

In der Stube war die Rumpelkiste mit den Kerzen und dem Kerzenanzünder.

Jetzt wartete er darauf, dass die Torte ein wenig auftaut.

„Alles Gute zum Geburtstag, Aland“, flüsterten mehrere Stimmen aus seiner Deckbox.

Aland lächelte und blickte auf die Box an seiner Hüfte.

Er freute sich, wenn seine Monsterkarten mit ihm redeten.

Seit sein Vater in einem Auslandseinsatz gefallen war, gab es für seine Mutter gute Tage und schlechte Tage.

An den guten Tagen war es fast so wie früher.

An diesen Tagen konnte sie mit Aland zusammen vor der Schule aufstehen und frühstücken, am Nachmittag zusammen mit ihm spielen und sogar zwischendurch lachen.

In letzter Zeit sind die guten Tage aber immer seltener geworden.

Oftmals kam Aland nach Hause und seine Mutter lag immernoch im Bett, oder sie war betrunken, oder beides.

Es tat weh, wenn es zu viele schlechte Tage gab.

„Du weißt, dass sie dich noch immer liebt, stimmts?“, fragten die Karten.

„Sonst hätte sie dir nicht die Schokotorte gekauft.“

Natürlich wusste Aland das.

Sie wollte seinen Geburtstag bestimmt nicht vergessen, es war nur Pech, dass heute ein schlechter Tag war.

Ein Eiskristall am Rand der Torte war geschmolzen und rollte nun als Tropfen langsam hinunter, bevor der Junge den Tropfen mit dem Finger abfing.

Er war noch recht kalt.

Die ganzen schlechten Tage hatten auch ihr Gutes.

Erst als die guten Tage so selten wurden, begann er die tröstenden Stimmen seiner Karten zu hören.

So musste Aland nie wirklich alleine sein.

„Du bist unglaublich tapfer, Aland . Es gibt kaum Kinder und nur wenige Erwachsene, die so stark sind wie du.“

Er hielt seine rechte Hand über das wärmende Kerzenfeuer.

„Danke“, antwortete er.

Die Stimmen aus der Box lachten kurz.

„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Wir meinen das Ernst.“

Aland senkte die Hand.

Aus wohliger Wärme wurde langsam eine unangenehme Hitze.

Er verzog keine Miene und starrte wie hypnotisiert weiter ins Feuer.

„Du bist wirklich stark“, sagten sie ruhig, während sich die Hand weiter senkte.

Der Arm des Kindes begann leicht zu zittern.

„Weißt du was dich stärker als andere macht? Was du so viel besser als alle anderen Menschen kannst? Besser als deine Mutter kannst?“

Die Handfläche lag nun direkt über den Flammen, ein unerträgliches Brennen ließ das Zittern immer stärker werden, während Aland die Augen zukniff und innerlich die Sekunden zählte.

„Ja, ich weiß, was ich Besonderes kann“, zischte er gequält.

Sieben Sekunden, acht Sekunden, neun Sekunden, zählte er im Kopf und antwortete gleichzeitig seinen Karten:

„Ich kann mit Schmerzen umgehen.“

„Ja, das kannst du wirklich gut.“

„Ahhh!“

Ruckartig zog Aland die Hand zurück.

Erschrocken erwachte Aland aus der Trance und blickte auf die nun verbrannte Handfläche.

Eine rote Brandblase  bildete sich in der Mitte.

Er leckte die Blase ab und der Speichel verschaffte eine erleichternde Kühlung.

„Da haben wir dich wohl zu früh gelobt“, kommentierten seine Duellgeister salopp, „du könntest noch stärker sein.“

Noch immer auf seine Wunde fokussiert, antwortete ihnen der Junge gereizt:

„Sich freiwillig Schmerzen auszusetzen hat doch nichts mit Stärke zu tun!“

„Es hat alles mit Stärke zu tun. Stärke ist das Resultat des Verzichts. Um stark zu werden muss man bereit sein Opfer zu bringen. Und um Opfer zu bringen, muss man bereit sein zu leiden.“

Diese Antwort stimmte ihn nachdenklich.

Aland guckte traurig auf die Deckbox.

Der Junge schluchzte und keuchte, eine Träne fiel zu Boden.

„Aland? Was ist denn plötzlich mit dir?“

Ein dunkler Rauch waberte durch das Zimmer und biss sich in die Lunge des Kindes.

„Ich will nicht mehr leiden. Ich will, dass es wie früher ist. Dass Papa zurück kommt und Mama glücklich ist. Dass wir drei zusammen sind.“

„Keine Sorge“,trösteten die Stimmen, „Du wirst in deinem Leben noch viel mehr verlieren. Und wenn du das tust, dann macht dich das nur noch mächtiger, bis du bald gar keine Schmerzen mehr kennst.“

Mehr Rauch.

Schlagartig zuckte er zusammen.

Aland entdeckte eine Flamme neben dem Teller, auf dem die Torte stand.

Ein etwa faustgroßer Brandherd auf dem hölzernen Kinderzimmerboden, entstanden aus einer umgefallenen Kerze, die sich in einem furchterregendem Tempo vergrößerte.

Panik paralysierte das Kind.

Sein Zimmerboden brannte.

Die Kerze muss Aland versehentlich umgestoßen haben, als er sich selbst verletzte.

„Wieso sagt ihr mir denn nichts, verdammt nochmal!?“, fuhr er die Stimmen seiner Monsterkarten an.

Unter großer Anstrengung überwand er seine Angststarre.

Er riss ein Stück aus der kalten Torte raus und versuchte hastig damit das Feuer zu ersticken.

Weitere Kerzen fielen auf den Holzboden.

Der schwarze Qualm machte genaues Zielen schwer und jeden Atemzug zur Tortur.

„Warum sollten wir dir etwas sagen?“

Aland hustete und ächzte.

Mehr und mehr halbgefrorenen Kuchen warf er auf das nun halbe Dutzend Flammen, die links und rechts vom Teller und dahinter entstanden waren.

Die Flammen, die sich gierig in den Teppich an der Zimmertür, die Gardinen am Fenster und den Kleiderschrank fraßen.

„Wir können dir große Macht schenken. Aber dafür musst du dich von allem trennen, das dir wichtig ist.“

„Nein! Nein! Nein! Was redet ihr da?!“

Er hustete heftig.

Inzwischen war ihm der Kuchen ausgegangen.

Das Feuer vor seiner Zimmertür wuchs stetig und befand sich aktuell in der Größe eines Basketballs.

Aland wurde klar, dass er das unmöglich noch löschen konnte.

Er rannte durch das Feuer und spürte heiße, stechende Verbrennungen in den lediglich mit Socken bekleideten Füßen.

Aber er durfte unmöglich stehen bleiben.

Er riss die Zimmertür auf, rannte so schnell er konnte.

Der unerträgliche Qualm und die Hitze folgten ihm in das gegenüberliegende Schlafzimmer seiner Mutter.

Aland kletterte über die Matratze, fasste ihre Schultern und versuchte sie mit aller verbleibenden Kraft wachzurütteln.

„MAMA! MAMA! WACH AUF! ES BRENNT! ES BRENNT! MAMA!“

Der Alkoholgestank durchdrang den beißenden Rauch.

„MAMA!“

Das Kind keuchte, für einen Moment fehlte ihm die Luft um weiter zu schreien.

„Aland?“, murmelte sie leise und ohne die Augen zu öffnen.

„MAMA! FEUER! DU MUSST AUFSTEH-“, er hustete heftig.

„WIR MÜSSEN RAUS!“

„Aland...Geburtstag vergessen...Oh...nein...das tut so mir Leid, murmelte sie weiter.

Sie lallte leicht.

„DAS IST DOCH EGAL! STEH AUF! STEH AUF!“, schrie er verzweifelt.

Aus dem Augenwinkel sah er die Flammen nun unter der Tür hervor kriechen.

„Ich bin... müde... Aber morgen...machen wir was Schönes...Versprochen“

„NEIN! NEIN! MAMA! WARUM STEHST DU NICHT AUF?!“

Erneut schüttelte er seine Mutter durch, aber sie antwortete nicht mehr.

Er hörte sie nur noch friedlich atmen.

Aland wurde schwindelig.

Die schlechte Luft und die gnadenlos ansteigende Hitze in Verbindung mit den Mühen, die das permanente Schreien kostete, wurden ihm zu viel.

Aber er konnte nicht aufgeben, das Feuer verschlang rapide immer mehr der Wohnung.

„Verflucht...“

Es hatte keinen Sinn, sie weiter aufzuwecken zu versuchen.

Aland mobilisierte die letzten in ihm steckenden Kräfte und versuchte mit lautem Gestöhne die erwachsene Frau aus dem Bett zu ziehen.

Sie bewegte sich kaum, währenddessen hatte der Brand nun die komplette, noch offen stehende Schlafzimmertür eingenommen.

„MAMA!“, er riss an ihren Arm und bewegte sie nur einige Zentimeter, bevor sie murrend den Arm wieder zurück zog.

„Morgen...ich hab dich lieb...Bitte...ins Bett ja?“

Sinnlos.

Er starrte verzweifelte auf die Deckbox an seiner Hüfte.

„HEY! WAS SOLL ICH TUN?“

Ein Hustenanfall raubte Aland die Stimme.

„Helft mir! Bitte!“, krächzte er nun heiser.

Die Stimmen ignorierten ihn und ließen ihn alleine, ratlos im Inferno zurück.

„Nein! Das darf nicht sein!“

ihm blieb keine Zeit mehr, er musste nun endlich an das eigene Überleben denken.

Er sah kurz zum Fenster raus und überlegte, ob er den Sprung zum angrenzenden Baum schaffen würde, oder ob ihn die dünnen Äste halten könnten.

Doch angesichts der Höhe verwarf er den Gedanken sofort.

Er musste durch die Wohnungstür raus, einen Sprung aus dem dritten Stock würde er nicht überstehen.

Ein letztes Mal sah er zu seiner seelenruhig schlafenden Mutter und rannte dann in das Flammenmeer.
 


 

°°°
 


 

„FIONA!“

Die Gerufene drehte sich sofort gemeinsam mit einer weiteren Obeliskin, mit der sie sich bisher unterhalten hatte, um.

Beide Mädchen blickten Erin, die etwa 100 Meter von ihnen entfernt war und mit letzten Kräften auf sie zu joggte, an.

Vor den Mädchen angekommen, fiel sie förmlich mit beiden Armen auf die Oberschenkel gestützt vornüber und keuchte und hustete vor Erschöpfung.

Das war schon der zweite Dauerlauf heute und dass, obwohl es eigentlich viel zu heiß für Sport war.

Sie konnte durch die von Schweißtropfen durchzogene Brille kaum noch etwas sehen.

Aber dennoch:

Erin war erleichtert, sie hatte es geschafft, Fiona einzuholen, bevor sie die Anlegestelle der Fähre erreichen konnte.

„Was will DIE denn? Das ist doch eine von deinen ehemaligen Freundinnen aus deiner Slifer-Zeit, oder?“, fragte die Obeliskin in einem abschätzigen Ton.

„Ehemalig… was…Puh… heißt hier ehemalig?!“, keuchte ihr Erin gereizt entgegen.

„Schon gut, Nadine, gehe doch schonmal vor, ich muss das hier noch klären“, schaltete sich Fiona ein.

Sie klang von allen Dreien am ruhigsten.

„Wir verpassen unser Schiff, die Abfahrt ist in 20 Minuten!“

„Dann nehme ich eben die nächste Fähre. Du bist doch schon ein großes Mädchen und kannst sicher allein ein Schiff betreten, oder?!“

Nadine sah Fiona entgeistert an, erkannte allerdings, dass weitere Diskussionen zwecklos waren.

„Gut, was auch immer! Bring dein Privatleben bis zum nächsten Schuljahr in Ordnung, ja!?“

„Das werde ich. Wir sehen uns im nächsten Jahr.“

Ohne sich auch nur zum Abschied kurz zu winken, verließ die andere Obeliskin Fiona und die noch immer schwer atmende Erin, die alleine auf dem langen, von Bäumen umgebenen Trampelpfad zum Pier standen.

„Ist das jetzt dein neuestes Hobby? Laut meinen Namen herumzubrüllen, um mich vor den anderen Obelisken schlecht aussehen zu lassen?“

Erin richtete sich nun auf, putzte die Brille kurz an ihrer Uniform ab und sah Fiona ernst in die Augen.

„ „Ist mir egal“ “, sagte sie und wiederholte damit die kalten Worte, die Fiona ihr zuletzt geschrieben hatte, als Erin sie bat, Mayla beizustehen.

„Wie kannst du bloß schreiben, dass es dir egal ist? Das ist kein Spaß! Maylas Wahn ist schlimmer als je zuvor! Sie will ihr Stipendium an der Duellakademie hinschmeißen, ohne irgendeinen Plan B in der Hinterhand zu haben!“

Fiona verzog bei ihrer Antwort keine Miene: „Ich habe geschrieben, dass es mir egal ist, weil es mir egal ist, Erin. Ich habe mit diesem Mädchen abgeschlossen. Ihr ist nicht mir zu helfen und diese Insel endgültig zu verlassen ist die erste sinnvolle Entscheidung, die sie in den letzten Wochen getroffen hat.“

Erin konnte und vor allem wollte kaum glauben, was ihr Fiona soeben gesagt hatte.

„Das ist doch nicht dein Ernst! Fiona!“

„Ihr ist nicht mehr zu helfen“, wiederholte sie, „zumindest können offensichtlich weder wir noch Herr Phillips irgendwas erreichen. Also lasse ich es einfach und konzentriere mich auf das, was wirklich wichtig ist.“

Erin sah Fiona enttäuscht an.

„Ich wüsste nicht, was wichtiger ist als unsere Freundschaft. Und ich weiß nicht, warum du das anders siehst. Bist du noch immer böse auf uns, weil wir damals auf Kevins Verleumdungen hereingefallen sind? Du weißt, dass das nicht Maylas Schuld war, oder?!“

Fiona schnaubte und antwortete nun deutlich erregter:

„Natürlich bin ich euch deswegen böse! Aber es ist noch viel mehr als nur das! Ihr zwei seid mir nur im Weg!“, sie stockte kurz, „Echte Freundinnen sollten einander unterstützen und ich habe mein Bestes versucht, sie zu unterstützen. Ich habe gekämpft, um die Krone davon zu überzeugen, das Jahresabschlussduell gegen sie abzusagen. Ich habe sie von Anfang an gewarnt und wenige Augenblicke, bevor sie angetreten ist, habe ich sie angefleht, es sein zu lassen. Ich habe dabei riskiert, dass man mich bestraft, ich war sogar bereit, Obelisk-Blue hinter mich zu lassen, wenn sie dafür einfach nur aufhört, die Königin zu spielen. Aber es war alles sinnlos! Denn… wahre Stärke liegt auch darin zu erkennen, wann es sinnlos ist Widerstand zu leisten. Inzwischen hat auch sie es begriffen, weshalb sie nun die Insel verlassen wird. Nur du bist weiterhin zu dumm und stur es einzusehen!“

Erin verstand im Moment die Welt nicht mehr, warum war Fiona plötzlich so abweisend?

Am Tag der Prüfung, nach ihrem Duell gegen Yunus hatte sie ihr noch gratuliert und mit ihr herumgealbert...

„Wieso sagst du denn sowas?! Wir drei waren doch mal unzertrennlich! Wir haben einander so oft ausgeholfen! Du kannst doch nicht wirklich Mayla und mich durch diese bekloppte Lucia-Ann und ihren Mitläufer-Club ersetzen!“

„Doch, das kann ich sehr gut. Wie gesagt, ihr seid mir nur im Weg. Ich mag Lucia-Ann, Nadine und die anderen aus der Clique zwar wirklich nicht besonders, aber das spielt auch keine Rolle. Wir können zusammenarbeiten. Wir lernen zusammen und helfen einander stärker zu werden. Mehr habe ich nie gewollt. Damals, kurz nach den Probeduellen hatten wir einander versprochen, unser Bestes zu geben aufzusteigen. ICH habe mein Versprechen wahr gemacht und mein Bestes gegeben, während ihr beiden in der letzten Prüfung noch nicht einmal versucht habt, Obeliskinnen zu werden.“

Inzwischen hatte Erin begriffen, wie ernst Fiona es meinte.

Sie wollte ihr und Mayla nun endgültig die Freundschaft kündigen und es gelang Erin bisher nicht, die richtigen Worte zu finden, Fiona umzustimmen.

Sie wurde nun lauter, wütend über Fionas plötzliche Verachtung und auch über ihre eigene Unfähigkeit, sie zum Umdenken zu bewegen.

„Ja! Exakt! Wir haben nicht versucht aufzusteigen! Weil es für uns nämlich wichtiger ist, unseren Mitmenschen zu helfen, als zu irgendeinem eingebildeten Haus zu gehören! Hast du etwa vergessen, wie sich Mayla auch für dich eingesetzt hat?! Sie hat auch dich vor Maddox gerettet und sie hat verhindert, dass Tara falsches Videomaterial von dir erstellt! Und du willst sie jetzt noch nicht einmal mehr besuchen, um sie dazu zu bringen weiterhin an der Duellakademie zu bleiben!“

„Oh! Oh Nein, diese Scheiße habe ich wirklich nicht vergessen! Das war echt ein toller Abend, was!? Betäubt und bestohlen zu werden, weil wir uns unbedingt über die Akademieregeln hinwegsetzen mussten!? Weil wir lieber Spaß hatten, als einfach mal nachzudenken!?“

„Das war doch überhaupt nicht Maylas Schuld!“, protestierte Erin.

„Sie hat genug andere Scheiße fabriziert! Wir sollten uns einfach nur auf das Lernen konzentrieren! Keine nächtlichen Ausflüge, keine Detektivspielchen, durch die ich beinahe fälschlicherweise als Kartendiebin hingestellt worden wäre, keine illegalen Duelle außerhalb des Akademiegeländes und keine Duelle gegen zurecht wütende Obelisken oder deren König um irgendwelche Loser in Schutz zu nehmen! Aber das konnte sie nicht! Und du hast sie nur weiter angestachelt und dich bei jeder schlechten Idee beteiligt! Ihr aktueller Zustand ist ihre eigene und auch deine Schuld, aber nicht meine! Also, tu du dir doch meinetwegen in Zukunft ihr Gejammer an! Ich bin raus!“

„Nein das bist du nicht!“, entgegnete Erin entschlossen und aktivierte ihre Dueldisk, „Du WIRST umdenken und wir drei werden unseren Abschluss machen! Gemeinsam!“

Es wirkte als müsste sich Fiona ein abfälliges Lachen verkneifen.

„Das ist so typisch für dich. Sobald ihr keine guten Argumente mehr einfallen, greift Erin zur Dueldisk. Als ob man alle Probleme einfach weg duellieren könnte.“

Ernst musterte sie ihre kampfbereite, ehemalige Freundin.

„Wenn ich verlieren sollte, muss ich also eure Freundin spielen ja? Alle haben sich plötzlich wieder lieb? Dreht sich so die Welt in deinem wirren Kopf?“

„Wenn dich meine Worte nicht erreichen, dann erreicht die vielleicht die Sprache der Karten. Also, was wirst du tun?!“

Fiona zögerte nicht lange, bis sie sich ihr Deck und ihre eigene Disk aus dem bereits gepackten Reisekoffer kramte.

Schließlich ging sie stumm einige Schritte zurück, um das Spielfeld zu vergrößern, schaltete ihre Disk ein und zog ihre Starthand.

„Du hast dich verändert, Fiona. Ich weiß noch, was du mir vor unserem ersten Duell gesagt hattest. Dass du dich nur duellieren wollen würdest, wenn du dir absolut sicher bist, dass du gewinnen wirst. Und jetzt trittst du trotz der Niederlage damals einfach schon wieder gegen mich an?!“

„Ich habe mich in der Tat verändert. Während du dich bis heute weigerst dich weiterzuentwickeln, bin nämlich sehr viel stärker geworden. Du willst die Karten sprechen lassen? Dann werden dir meine Karten jetzt unmissverständlich erklären, wie krank Mayla und du mich inzwischen machen“, entgegnete sie weiter in einer provokativ ruhigen Stimmlage.

Fiona hatte sich oft genug über die Mädchen, die sich ihre Freundinnen nannten, ärgern müssen. Jetzt galt es im Duell ruhig zu bleiben und zu beweisen, dass sie sich den Titel der vierten Kronprinzessin verdient hatte.

Erin schnaubte.

Das war kein normales, lustig gemeintes Trashtalking mehr und jedes Wort von Fiona zielt darauf ab, die inzwischen riesige Kluft zwischen den drei Mädchen weiter zu vergrößern.

„Ich werde dafür sorgen, dass es wie früher wird! Mit allen Mitteln! Und jetzt fang an!“

Fiona schüttelte den Kopf und spielte dann ihre erste Karte aus..

„Als Normalbeschwörung rufe ich Solaritus-Hydrazinthe im Verteidigungsmodus auf das Feld.“

Das kleine Pflanzenmonster, mit den fauchenden, blauen Blütenmäulern erschien.

Solaritus Hydrazinte: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Ich setze drei verdeckte Karten und beende meinen Zug.“

Hinter der Hydrazinthe erschienen nebeneinander die drei verdeckten Karten.

„Bevor du dran bist, aktiviert sich der Effekt der Hydrazinthe. In der End Phase des Zuges, in dem sie beschworen wird, darf ich ein Solaritus-Monster von meinem Deck auf die Hand nehmen und dann ein weiteres Solaritus-Monster von meinem Deck auf den Friedhof legen. Ich füge meiner Hand den Solaritus Glückskäfer hinzu und lege einen Solaritus Sonnenatlas auf den Friedhof ab.“

Erin wartete ab, bis Fiona die angekündigten Karten auf die Hand genommen, beziehungsweise auf den Friedhof abgelegt hatte, bevor sie ihre Karte zog und den Spielzug begann.

Als Erstes zeigt die Donnerklang-Späherin, was sie kann! In den Angriffsmodus mit dir!

Eine junge, wild tänzelnde Kriegerfrau mit wellenden, blonden Haaren und zwei Dolchen stieß einen Kampfschrei aus.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

„Sofort aktiviert sich der Spezialeffekt meiner Späherin! Denn wenn sie normalbeschworen wird, darf ich das nächste Donnerklang-Monster von meiner Hand als Spezialbeschwörung aufrufen! Zeig dich im Angriffsmodus, Donnerklang-Kampfmagierin!“

Neben der Donnerklang-Späherin erschien nun eine Schwertkämpferin, die eine auffällige Zipfelmütze trug und ihren mit Runen versehenen Säbel zur Begrüßung schwang.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

Fiona beobachtete mit verschränkten Armen und wenig beeindruckt Erins erste Spielmanöver und ließ sich auch von den kämpferischen Monstern nicht einschüchtern.

„Bevor meine Ladys dein Pflanzenmonster zurecht stutzen, spiele ich einen meiner Lieblingszauber! Hier kommt die Permanente Zauberkarte Gewitterallianz!

Energisch platzierte Erin die Karte in ihre Disk.

„Wenn ich nun eine Karte aus meiner Hand ablege, dann darf ich dank Gewitterallianz eines meiner Donnerklang-Krieger-Monster mit einem passenden Union-Donnermonster aus dem Deck ausrüsten! Daher powere ich meine Kampfmagierin mit der Donnerklang-Inkarnation auf!“

Erin nahm eine Karte von ihrer Hand auf den Friedhof und das Schwert ihrer Kampfmagierin leuchtete elektrisiert bläulich.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 2100Atk.

„Meine Monster sind jetzt angriffsbereit! Ich beginne mit der Donnerklang-Späherin! Zerstöre Fionas Solaritus Hydrazinte!“

Erins erstes Monster sprintete auf die Pflanze zu und ließ sie nach zwei flinken Stichen zerplatzen.

„Dein Feld ist leer, Fiona! Meine Kampfmagierin kann dich samt ihrer über 2000 Angriffspunkte direkt angreifen! Und weil sie zudem mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie, wenn sie angreift gleich eine deiner drei verdeckten Karten aus dem Weg räumen! Attacke auf Fiona und auf ihre mittlere Karte! Schockschwerthieb!“

Im Lauf entstand neben der Kampfmagierin eine Doppelgängerin, die es offenbar nicht auf Fiona selbst, sondern auf ihre Zauber- oder Fallenkarte abgesehen hatte.

„Da greife ich ein, Erin. Ich decke meinen verdeckten Ominösen Zeit-Orkan auf. Dieser Schnellzauber zerstört einen Zauber oder eine Falle meiner Wahl und wird sich jetzt um die Donnerklang-Inkarnation kümmern, die deine Kampfmagierin verstärkt.“

Die erste, ganz rechte Karte, die Fiona im letzten Zug gesetzt hatte, klappte auf und ein gewaltiger Wirbelsturm stieß Erins Donnerklang-Kampfmagierin zurück.

Dabei verlor ihre Waffe das blaue Leuchten und auch die Doppelgängerin verschwand wieder.

Donnerklang-Kampfmagierin: 2100Atk → 1400Atk.

„Dein Orkan verhindert zwar den Effekt der Kampfmagierin, allerdings darf ich, da die Donnerklang-Inkarnation zerstört wurde, jetzt eine Fusion aus dem Deck oder meinem Friedhof auf meine Hand nehmen! Wie praktisch, dass ich für meine Gewitterallianz eben erst eine Fusion abgelegt hatte!“

Erin zeigte ihrer Gegnerin die Zauberkarte vor, die sie aus ihrem Friedhof wieder der Hand zufügte.

„Außerdem befinde ich mich noch immer in der Battle Phase! Donnerklang-Kampfmagierin! Setze deinen Angriff fort!“

Erins Kampfmagierin rannte zum zweiten Mal auf Fiona mit ausgeholtem Säbel zu und Fiona deckte eine Permanente Fallenkarte auf.

„Ich spiele Tribut an das Licht. Indem ich ein Solaritus-Monster aus meinem Deck ablege, reduziere ich die Angriffskraft von deinen direkt angreifenden Monstern um 1000 Punkte.“

Noch bevor Fiona vom Runensäbel getroffen wurde, schrumpfte Erins Monster in sich zusammen.

Die Duellantin steckte den Direktangriff mühelos weg.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 400Atk.

Fionas Lebenspunkte: 4000 → 3600.

„Dank Tribut an das Licht lege ich nun den Solaritus Krokokus von meinem Deck auf den Friedhof“, erklärte sie, während sie die Monsterkarte vorzeigte, „Dein Angriff hat kaum Schaden verursacht und mir gleichzeitig geholfen meinen Friedhof weiter aufzubauen. Du hast keine Chance, erst recht nicht mit nur zwei Monstern, von denen das Stärkste nur 1000Atk hat.“

„Dann verstärke ich mein Feld einfach!“, entgegnete Erin energisch.

„Ich aktiviere Fusion! Ich verschmelze die Donnerklang-Späherin mit der Donnerklang-Kampfmagierin zu einer mächtigen Heldin!“

Kaum hatte sie die Fusionszauberkarte aktiviert, schon lösten sich die Hologramme ihre beiden Kriegerinnen auf und es bildete sich eine düstere, grollende Wolke über dem Feld.

„Hier kommt die Donnerklang-Waffenmeisterin im Angriffsmodus!“

Ein greller Blitz schlug ein und als das Licht verblasste, stand die muskulöse Kriegerfrau mit den zwei Doppeläxten und den weiteren auf den Rücken geschnallten Waffen da.

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Def.

„Meine Waffenmeisterin bleibt nicht alleine, denn aus meiner Hand aktiviere ich den Schnellzauber Fusionskompensation! Diese Karte darf ich aktivieren, wenn ich eine Fusionsbeschwörung durchgeführt habe, um bis zu zwei als Fusionsmaterial verwendete Monster aus meinem Friedhof sofort als Spezialbeschwörung aufzurufen! Damit kehrt die Donnerklang-Späherin im Verteidigungsmodus und die Donnerklang-Kampfmagierin mit ihrer vollen Angriffskraft im Angriffsmodus zurück! Ich beende damit meinen Zug!“

Die zwei Monster, die Erin für die letzte Fusionsbeschwörung genutzt hatte, waren zurück und gesellten sich links und rechts neben die Donnerklang-Waffenmeisterin.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

„Hmpf. Du hast dich echt nicht verändert, Erin. Du hast schon früher immer viel zu früh deine Ressourcen aufgebraucht. Sobald ich dein Feld leer geräumt habe, hast du nur noch deine Gewitterallianz, die ohne Monster und Karten zum Abwerfen wertlos ist und eine einzige letzte Handkarte“, sagte Fiona und zog, „du machst es mir schon fast zu einfach. Als Normalbeschwörung rufe ich den Solaritus Glutstacheligel auf, zeig dich im Verteidigungsmodus.“

Vor Fiona erschien das lieblich quiekende Igelmonster mit den heißen Feuernadeln auf dem Rücken.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

Wird mein Glutstacheligel als Normalbeschwörung gerufen, darf ich ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof auf das Feld holen. Meine Wahl fällt auf den Solaritus Krokokus, den ich mit Tribut an das Licht auf den Friedhof gelegt hatte.“

Neben dem Glutsstacheligel erschien der Krokokus, ein wildes Pflanzenmonster, welches aufgund der länglichen, schmatzenden Krokodilmäulern unter den gelben Blüten um einiges gefährlicher als die Hydrazinthe wirkte.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

„Ich nutze jetzt den besonderen Effekt von Solaritus Krokokus. Einmal pro Zug darf ich meine Hand vorzeigen. Wenn ich keinen Ritualzauber auf meiner Hand halte, dann darf ich nicht nur einen Solaritus-Ritualzauber aus dem Deck meiner Hand zufügen, sondern auch noch ein weiteres meiner Solaritus-Monster auf den Friedhof legen.“

Fiona hielt Erin die zwei Karten, die sie aktuell auf ihrer Hand hielt entgegen.

Es war, wie Erin befürchtet hatte: Neben dem Glückskäfer, den Fiona mittels Hydrazinthe ihrer Hand zugefügt hatte, hatte sie bereits ihr erstes Ritualmonster, die Solaritus Sonnenanbeterin.

Zusammen mit dem Ritualzauber, den sie nun suchen konnte, stand einer Ritualbeschwörung nichts mehr im Weg.

„Mit dem Effekt von Krokokus nehme ich ein Solaritus Siegel auf meine Hand und lege gleichzeitig ein zweites Exemplar der Solaritus Hydrazinthe aus meinem Deck auf den Friedhof.“

Erins Gegnerin strahlte eine für sie untypische Gelassenheit aus, die Erin keine Ruhe ließ.

Ganz offensichtlich nahm Fiona sie kaum ernst.

Fiona zeigte den soeben gesuchten Ritualzauber vor und setzte ihren Zug fort.

Ich wende mein Siegel sofort an und biete Solaritus Krokokus, Glutstacheligel und den Glückskäfer auf meiner Hand als Tribut an, um eines der ultimativen Insekten aufzurufen.“

Mit diesen Worten gingen Fionas zwei Monster auf dem Feld, sowie der Glückskäfer in ihrer Hand in runde Flammen auf, die sich immer schneller und immer näher umeinander drehten, bis sie schließlich kollidierten und aus der resultierenden Explosion eine rauschende Feuersäule entstand.

Erin gab es ungern zu, aber nachdem sie schon so lange ihre Freundin nicht mehr beim Duellieren beobachtet hatte, war sie von der spektakulären Beschwörung beeindruckt.

Leider stand zu viel auf dem Spiel, um sich einfach gehen zu lassen und das Duell zu genießen.

Während Fionas beeindruckender Mantide mit den glühend heißen Fangarmen aus dem Feuer stieg, musste sie daran denken, was Yunus ihr während des letzten Prüfungsduell gesagt hatte.

Sie sah die Freundin, die jetzt Mayla und Erin mit aller Kraft von sich stieß genau an.

Das Mädchen, das früher mit ihnen zusammen gelacht und rumgealbert hatte und nun blau trug.

„Zu den Obelisken gehören dürfen...Du tust so, als ob das was Gutes wäre! Willst du wirklich, dass alle von dir erwarten eine der Besten zu sein?! Unaufhörlich weiterarbeiten und weiterlernen aus Angst das Erreichte wieder zu verlieren?!“, hallte es in Erins Kopf.

Angst? Fiona soll Angst haben?

Das überhebliche Lächeln auf Fionas Lippen, während die zwei Meter hohe Sonnenanbeterin aufschrie und die Feuersäule verblasste, ließen diesen Gedanken absurd erscheinen.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

„Bevor mein Ritualmonster sich an deinen Monstern vergreift, kommen wir zu den Spezialeffekten meiner Karten: Zunächst erlaubt es mir das Solaritus Siegel pro als Tribut für die Ritualbeschwörung angebotenes Monster ein Solaritus-Monster vom Deck auf den Friedhof zu legen. Das, Erin, macht in diesem Fall ganze drei Karten.“

Fiona nahm sich drei Monsterkarten, zwei Solaritus Glückskäfer, eine dritte Hydrazinthe und legte sie ab.

„Danach aktiviert sich der Effekt von Solaritus Glückskäfer: Wird dieses Monster für eine Ritualbeschwörung eines Solaritus-Monsters als Tribut angeboten, dann darf ich eine Karte ziehen. Und wenn die gezogene Karte eine Zauberkarte oder Falle ist, gibt es sogar noch eine zweite Karte für mich.“

Fiona legte die Hand auf die Oberseite ihres Decks.

„Angesichts der vielen Monster, die ich bereits auf meinen Friedhof gesendet habe, stehen meine Chancen wohl ganz gut“, sagte sie ruhig, zog und zeigte Erin schließlich triumphierend den gezogenen Spielfeldzauber, die Ritualstätte der Gebrandmarkten vor.

„Na also, das macht gleich noch eine Karte dank der Kraft meines Glückskäfers.“

Nachdem Fiona eine zweite Karte zog, wuchs Fionas Mantide auf die Größe eines Mehrfamilienhauses an.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 4000Atk.

„Der erste Effekt der Solaritus Sonnenanbeterin verleiht ihr zusätzliche 200 Angriffspunkte für jedes Solaritus-Monster auf meinem Friedhof. Dort befinden sich bereits jeweils drei Exemplare von Glückskäfer und Hydrazinte, sowie ein Glutstacheligel, ein Krokokus und ein Sonnenatlas . Das sind neun Monster, die meine Sonnenanbeterin mit zusätzlichen 1800 Punkten versorgen.“

Die Beine des gigantischen Insekts scharrten ungeduldig auf dem kiesigen Boden.

Ganze 4000 Angriffspunktes standen Erin nun gegenüber, doch das Schlimmste kam erst noch.

„Bevor ich in den Kampf übergehe, komme ich zum zweiten Effekt der Sonnenanbeterin: Wenn ich drei Solaritus-Monster aus dem Friedhof wieder meinem Deck zufüge, dann darf Solaritus Sonnenanbeterin jedes deiner Monster in nur einem Zug angreifen. Also, zwei der drei Hydrazinthen und ein Glückskäfer dürfen zurück ins Deck“, sagte Fiona und mischte wie erklärt die Karten in das Deck zurück, bevor sie ihren Arm kommandierend zum Angriff ausstreckte.

Solaritus Sonnenanbeterin: 4000Atk → 3400Atk.

„Mit über 3000 Punkten wird sie nicht mal ein Häufchen Asche von deinen schwachen Monstern übrig lassen. Dreifache Schmelzsichel-Attacke. Beginne mit der Waffenmeisterin und mache dann mit der Kampfmagierin und der Späherin weiter.“

Wie befohlen sprang nun Fionas Insektenmonster auf Erins Waffenmeisterin zu.

Die Waffenmeisterin presste ihre Doppeläxte vergeblich gegen die brennend heißen Klauen der Sonnenanbeterin und zerplatzte schließlich.

Der Rückstoß ließ Erin schmerzerfüllt stöhnen und taumeln.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 2700.

Solaritus Sonnenanbeterin ließ Erin keine Verschnaufpause und schlug mühelos die Kampfmagierin entzwei.

Erin ächzte und ging nun in die Knie.

Erins Lebenspunkte: 2700 → 700.

Zuletzt vernichtete das riesige Ritualmonster die Donnerklang-Späherin, die zu Erins Glück im Verteidigungsmodus gewesen war.

„Lächerlich. Der Gedanke, dass ich damals gegen dich verlieren konnte ist offen gesagt absurd. Du bist ja jetzt schon völlig am Ende“, spottete Fiona, während Erin sich an ihren eigenen Oberschenkeln festhielt und schwer atmete.

„Ich beende meinen Zug, indem ich meinen Spielfeldzauber ausspiele. Die Ritualstätte der Gebrandmarkten.“

Das grün-braune Feld unter den Mädchen und der Sonnenanbeterin verwandelte sich in tiefschwarzes Kopfsteinpflaster. Um sie herum wuchs ein Kreis aus acht steinernen Säulen, auf denen jeweils eine grelle Flamme brannte.

Ein Muster in Form einer großen, roten Flamme bildete sich schließlich auf dem Boden, in der Mitte des Kreises.

Dieses düstere Feld weckte in Erin Erinnerungen.

Wenn sie nun Fionas Sonnenanbeterin, ein Ritualmonster mit dem Attribut Feuer, zerstören würde, dann würde Fiona durch den Effekt der Ritualstätte ihren Ritualzauber aus dem Friedhof auf die Hand zurücknehmen dürfen.

Danach könnte sie mit Leichtigkeit die nächste Ritualbeschwörung durchführen, denn der zweite Effekt der Ritualstätte der Gebrandmarkten verdoppelte die Stufe der von ihr als Tribut angebotenen Monster.

„Mach jetzt weiter. Deine Lage wird nicht auf magische Weise besser. Außerdem würde ich gerne heute noch abreisen.“

Erin zog stumm die nächste Karte.

Eine weitere Kopie von Fusion.

Das sah nicht gut aus, aber noch gab es Hoffnung für Erin.

„Ich setze eine Karte verdeckt! Danach aktiviere ich die letzte Karte in meiner Hand! Dringendes Ziehen! Ich darf diesen Zauber einmal pro Zug ausspielen und er erlaubt es mir zwei neue Karten zu ziehen, falls ich keine anderen Karten auf der Hand und weniger als 1000 Lebenspunkte habe!“

Sie zeigte einer unbeeindruckten Fiona die Karte vor und spielte sie sofort aus.

Jetzt galts.

Erin zog ihre zwei Karten

Als sie sah, was sie gezogen hatte, kam ihr neuer Mut.

Erin musste Fionas Ritualmonster loswerden, ohne es zu zerstören und Fiona davon überzeugen an Mayla zu glauben.

Mit dieser Karte könnte ihr beides auf einmal gelingen, allerdings musste sie dafür erst die passenden Rahmenbedingungen schaffen.

„Es spielt keine Rolle, wie sehr du dich dagegen wehrst, Fiona! Ich werde gewinnen! Ich werde dich dazu zwingen wieder Maylas und meine Freundin zu sein und Mayla davon zu überzeugen sich nicht aufzugeben!“, rief sie Fiona trotzig entgegen.

„Als Normalbeschwörung rufe ich die Donnerklang-Taktikerin im Verteidigungsmodus!“

Eine blonde Frau in leichter Lederrüstung mit Brille und einer auf den Rücken geschnallten Armbrust verbeugte sich begrüßend.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

Meine Taktikerin hat einen supertollen Effekt! Einmal pro Zug darf ich, sofern sie mein einziges Monster auf dem Feld ist, ein weiteres Donnerklang-Monster aus dem Deck auf meine Hand nehmen! Und ich weiß auch schon genau, welches Monster ich will!“

Erin durchsuchte ihr Deck und zeigte Fiona dann die Donnerklang-Gardna vor, für die sie sich entschieden hatte.

„Verstehe, du spielst also auf Zeit“, kommentierte sie trocken.

Ganz im Gegenteil, Fiona! Ich spiele auf Sieg! Deshalb werfe ich nun Donnerklang-Gardna ab, um so den Effekt meiner Gewitterallianz auszulösen!“, erklärte Erin, während sie die eben gesuchte Karte sofort auf ihren Friedhof legte, „Da Donnerklang-Taktikerin ein Krieger-Monster ist und noch mit keinem Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, kann ich sie dank Gewitterallianz mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus meinem Deck ausrüsten! Ich rüste sie mit Donnerklang-Seele aus!“

Sofort tänzelten kleine blaue Blitze auf dem Bolzen in der Armbrust der Taktikerin.

Donnerklang-Taktikerin: 1200Atk → 2000Atk.

„Meine schöne Taktikerin taugt leider wenig für den Kampf, deshalb klinke ich die sie ausrüstende Donnerklang-Seele sofort wieder aus!“

Neben der wieder an Angriffskraft verlierenden Taktikerin erschien die Donnerklang-Seele, ein aus Blitzen bestehendes Wesen in annähernd menschlicher Form.

Donnerklang-Taktikerin: 2000Atk → 1200Atk.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

„Lass mich raten: Du fusionierst jetzt dein Krieger- und dein Donnermonster zu deiner Ritterin? Du bist zu vorhersehbar“, kommentierte Fiona kalt.

„Und du bist zu arrogant!“, entgegnete Erin, „Ich weiß, dass auch Mayla dir gegenüber nicht immer fair war! Der Hass, dem die Slifer und insbesondere sie ausgesetzt war, hat deutliche Spuren in ihr hinterlassen, die es schwer gemacht haben mit einer Obeliskin befreundet zu sein! Aber sie braucht dich jetzt und sie will in Zukunft deine Freundin sein!“

Energisch platzierte Erin die nächste Karte auf ihrer Disk.

„Ich kontrolliere nun ein Monster vom Typ Donner, daher rufe ich Wassertänzer Disko-Delfin im Verteidigungsmodus auf das Feld!“

Fionas Augenbrauen zogen sich überrascht in die Höhe, als Maylas silbern gekleidetes Monster unter Erins Kontrolle beschworen wurde.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

„Ich dachte, Mayla wollte die Akademie endgültig verlassen? Wieso hat sie dir dann ihr Monster für dieses Duell bereitgestellt?“

„Auch wenn sie es gerade anders sehen sollte, sie will in ihrem Innersten bei uns bleiben, da bin ich mir absolut sicher! Und mit dem Spezialeffekt von Maylas Delfin an meiner Seite habe ich nun die Kraft ihren Wunsch in die Tat umzusetzen! Indem ich den Disko-Delfin wieder auf meine Hand zurück nehme, darf ich ein gegnerisches Monster ebenfalls auf die Hand zwingen! Deine Sonnenanbeterin kehrt auf die Hand zurück, ohne zerstört zu werden und du bekommst daher auch nicht durch den Effekt der Ritualstätte dein Solaritus Siegel wieder! Und jetzt an die Arbeit, Wassertänzer Disko-Delfin!“

Disko-Delfin schwamm rasant auf Fionas imposante Sonnenanbeterin zu, mit der Absicht das Mantidenmonster auf Fionas Hand zu stoßen, doch Fiona kam Erins Monster zuvor:

„Ich aktiviere meine Konterfalle, Ritueller Schutzzirkel!“

Um Solaritus Sonnenanbeterin herum bildete sich auf dem schwarzen Kopfsteinpflaster ein Kreis aus grell aufleuchtenden Runen, der die Attacke des Delfins zurückstieß. Disko-Delfin schnatterte leidvoll und das Hologramm zerplatzte.

„Und du nennst mich arrogant? Das waren ganz schön viele Worte, für ein Monster, das letztlich nichts bewirkt hat“, spottete Fiona, „ Ritueller Schutzzirkel beschützt ein Ritualmonster, das als Ziel eines Karteneffekts gewählt wurde und zerstört die entsprechende Karte. Außerdem gestattet mir mein Schutzzirkel, dass ich meiner Hand einen Ritualzauber aus meinem Friedhof zufüge. Damit habe ich bekommen, was ich wollte und meine Sonnenanbeterin bleibt trotzdem unversehrt auf dem Feld.“

Fiona hielt Erin mit einem lässigen Grinsen Solaritus Siegel entgegen.

„Das war Maylas Monster, das du da gerade zerstört hast! Bedeutetet sie dir denn gar nichts mehr?!“, rief ihr Erin wütend entgegen.

Für einen Augenblick schwieg Fiona Erin an und für Erin schien es beinahe so, als ob sie sich gegen diese Anschuldigung wehren wollen würde.

„Spiel einfach weiter“, befahl Fiona ernst.

„Das werde ich! Ich decke nun die Karte auf, die ich zu Beginn meines Zuges gesetzt habe! Fusion!“

Die besagte Zauberkarte klappte sich vor Erin auf und sofort verdeckten Hologramme graue, grollende Gewitterwolken den eigentlich strahlend blauen Himmel.

Blitze schossen von Wolken auf den Boden, während Erins Donnerklang-Taktikerin und Donnerklang-Seele verblassten.

„Ich vereinige meine beiden Monster auf dem Feld zu einer mutigen Heldin, die ihre Gegner mühelos vom Sattel stoßen kann! Zeig dich, Donnerklang-Ritterin!“

Der letzte Blitz hinterließ die mit einer goldenen Lanze bewaffnete und gut gepanzerte Reiterin auf ihrem weißen Ross.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Wie du weißt, wird meine Ritterin jetzt noch stärker! Denn wenn die Donnerklang-Seele als Fusionsmaterial für eine meiner Donnerklang-Kriegerinnen genutzt wird, darf sie dieses Fusionsmonster sofort vom Friedhof aus ausrüsten!“

Ein blaues Leuchten und Knistern umgab die Lanzenspitze der Ritterin.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

Erin gab eine kommandierende Armbewegung.

„Donnerklang-Ritterin wird sich nun um dein Ungeziefer kümmern! Denn wenn sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, zerstört sie jedes Monster, gegen das sie kämpft noch vor der Schadensrechnung! Angriff mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Ohne zu zögern galoppierte Erins Monster auf die Solaritus Sonnenanbeterin zu und durchstieß das Insekt mit der langen, elektrisch aufgeladenen Speerwaffe.

Die Sonnenanbeterin kreischte ein letztes Mal laut auf, bevor sie explodierte.

Fiona hielt sich, zum Schutz vor der Druckwelle, den linken Arm vors Gesicht.

„Da du durch den Effekt von Ritueller Schutzzirkel bereits deinen Ritualzauber auf die Hand genommen und in diesem Duell noch keinen weiteren Ritualzauber genutzt hast, bleibt deine Ritualstätte der Gebrandmarkten wirkungslos!“, fasste Erin zusammen, „Dein Zug!“

Fiona zog und stockte.

„Du hast Glück, Erin. Ich setze ein Monster verdeckt und beende meinen Zug.“

Vor ihr erschien eine verdeckte Monsterkarte.

Damit hatte Erin in der Tat Glück.

Fiona war es nicht gelungen eine Ritualbeschwörung durchzuführen, wahrscheinlich fehlte ihr ein entsprechendes Ritualmonster.

Das war Erins Gelegenheit zurückzuschlagen.

Sie legte ihre Hand auf ihr Deck und atmete tief ein und aus.

Um zurückzuschlagen und einen direkten Angriff durchzuführen, müsste sie allerdings nun ein Monster ziehen.

Erin zog.

Kein Monster.

Das war ärgerlich, aber immerhin könnte ihr diese Karte im nächsten Zug hilfreich sein.

„Meine Ritterin greift jetzt dein verdecktes Monster an! 10.000-Volt-Stoß!“, rief Erin.

Voller Entschlossenheit galoppierte Donnerklang-Ritterin auf Fionas Monster zu.

Sie durchstieß es mit ihrer Lanze und Fionas Monster entpuppte sich als Solaritus Glückskäfer, welcher aufkreischte, bevor es zersplitterte.

„Ich konnte dir zwar keinen Kampfschaden zufügen, aber ich generiere immerhin Kartenvorteil, indem ich deine Monster zerstöre! Ich setze eine Karte verdeckt und mache fürs Erste Schluss!“

Neben der aufgedeckten Gewitterallianz erschien eine verdeckte Karte und Fiona begann sofort ihren Zug, indem sie die nächste Karte von ihrem Deck auf die Hand nahm.

„Die Schonfrist ist für dich vorbei, Erin. Ich rufe nun den Solaritus Glutstacheligel im Verteidigungsmodus auf.“

Das niedliche Ungeheuer-Monster mit den heißen Nadeln erschien vor seiner Besitzerin.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

„Sein Effekt aktiviert sich bei seiner Normalbeschwörung: Ich darf nun ein weiteres Solaritus-Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen.

Hier kommt Solaritus Glückskäfer, ebenfalls im Verteidigungsmodus.

Ein etwas größerer Marienkäfer, der an Stelle der Punkte Sterne aufwies, tauchte neben dem Glutstachel auf.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def.

„Ich habe nun nicht nur ein Ritualmonster und einen passenden Ritualzauber auf der Hand: Dank des zweiten Effektes der Ritualstätte der Gebrandmarkten verdoppelt sich die Stufe meiner Monster, wenn ich sie als Tribut für die Ritualbeschwörung eines FEUER-Monsters anbiete.“

Das Flammensymbol auf dem Boden des Spielfeldzaubers leuchtete greller auf als zuvor und augenblicklich umgab Fionas Monster eine rötliche Aura.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3 → Stufe 6.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1 → Stufe 2.

Erin machte sich still auf das Schlimmste gefasst, während Fiona ihr das Solaritus Siegel entgegenstreckte.

„Ich biete den Glutstacheligel und den Glückskäfer als Tribut, um eines meiner gefährlichsten Monster aufzurufen.“

Die leuchtenden Solaritus-Monster fingen Feuer und rotierten als schwebende Feuerbälle immer schneller und schneller umeinander.

Schließlich kollidierten die Feuerbälle und eine rauschende Flammensäule entstand.

„Bereit oder nicht, mein Solaritus Sonnenatlas wird nicht nur dieses lächerliche Duell beenden, sondern auch ein für alle Mal klarstellen, dass ich weder dich noch Mayla wiedersehen will.“

Der Solaritus Sonnenatlas, ein beeindruckendes, weißes Schmetterlingsmonster, strecke seine feuerroten und mit goldenen Sonnensymbolen verzierten Flügel aus der langsam nachlassenden.Feuersäule. Funken fielen bei jedem Flügelschlag auf das finstere Pflaster.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Nun aktivieren sich zwei Effekte: Erstens erlaubt es mir mein Solaritus Siegel nun bis zu zwei weitere Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof abzulegen. Ich lege eine Sonnenanbeterin und einen Krokokus ab“, erklärte Fiona, während sie ruhig ihr Deck durchsuchte.

Sie legte beide Monsterkarten ab und ihr Deck mischte sich automatisch in der Dueldisk durch.

„Zweitens: Wird der Solaritus Glückskäfer als Tribut für die Ritualbeschwörung eines Solaritus-Ritualmonsters angeboten, darf ich eine Karte ziehen. Ist die gezogene Karte kein Monster, so darf ich zudem gleich eine zweite Karte nehmen.“

Erin rechnete eilig nach.

Eine Hydrazinte und ein Sonnenatlas, zwei Sonnenanbeterinen, zwei Krokokusse und zwei Glutstacheligel. Zuletzt die drei Glückskäfer, das machte ganze elf Monster im Friedhof.

Außerdem wartete auf dem Feld ein bedrohlicher Sonnenatlas auf den Befehl seiner Besitzerin.

Fiona hatte ihr Deck inzwischen erheblich ausgedünnt.

So war es wenig überraschend, als Fiona Erin die gezogene Zauberkarte präsentierte und sich sogleich die zweite Karte vom Deck nahm.

„Mein mächtiges Ritualmonster bekommt für jedes Solaritus-Monster in meinem Friedhof 200 Angriffspunkte oben drauf. Damit erhöht sich ihre Kraft um 2200 Punkte“, erklärte Fiona, während ihr feuriges Insekt auf kolossale Größe anwuchs.

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 4700Atk.

„Aber keine Sorge, ich werde dich nicht mit voller Kraft angreifen. Stattdessen nutze ich den Spezialeffekt meines Sonnenatlas´ und darf, indem ich drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof wieder in das Deck mische, alle deine offenen Karten zerstören. Ich schicke beide Glutstacheligel und einen Glücksskäfer zurück in mein Deck.“

Kaum nahm sich Fiona die besagten drei Karten, schon schwang ihr Ritualmonster seine riesigen Flügel.

Eine plötzliche Hitzewelle schlug Erin direkt entgegen und das Mädchen ging sogleich keuchend in die Knie.

Die Gewitterallianz und auch die Donnerklang-Seele zerplatzten, wodurch die Ritterin nicht nur das Leuchten um ihre Lanze, sondern auch entscheidende Angriffspunkte verlor.

Donnerklang-Ritterin: 3300Atk → 2500Atk.

„Vergiss nicht, dass dein Sonnenatlas ebenfalls durch seinen Effekt Angriffspunkte einbüßt!“

Der Solaritus Sonnenatlas schrank ein wenig in sich zusammen, überragte allerdings noch immer sowohl Erin als auch ihr Monster mit Leichtigkeit.

Solaritus Sonnenatlas: 4700Atk → 4100.

„Du musst auch immer, das letzte Wort haben, oder?“, fragte Fiona kalt und befahl dann den Angriff, „Solaritus Sonnenatlas: Vernichte ihre Ritterin mit dem alles verbrennenden Solarsturm.“

Eine unzählbare Menge an gelben Punkten bildete sich auf den Flügeln.

Aus den Punkten zischten unaufhörlich einzelne Feuergeschosse auf Erins Feldseite, die beim Aufprall jeweils kleine Explosionen verursachten.

„Wenn ich angegriffen werde während ich ein Donnerklang-Monster kontrolliere darf ich Donnerklang-Gardna aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen und so allen Kampfschaden verhindern!“

Die Donnerklang-Ritterin wurde von der Attacke des Rieseninsekts getroffen und von ihrem Pferd geschleudert, bevor das Hologramm zerplatzte,

An Stelle der Ritterin hockte nun eine Kriegerfrau im Kettenhemd, die sich hinter ihrem großen Schild versteckte.

Donnerklang-Gardna, Stufe 3, 100Atk, 2000Def.

„Das war klar. Aber ich weiß, dass du diesen Spezialeffekt von Donnerklang-Gardna nur einmal verwenden kannst, denn sobald Gardna das Feld verlässt, wandert sie nicht in den Friedhof, sondern wird verbannt. Im nächsten Zug beende ich dieses Spiel.“

Erin schüttelte langsam den Kopf.

„Ich verstehe dich einfach nicht! Es könnte so wie früher sein! Wieso stellst du dich derartig quer! Egal wie oft du mir weismachen willst, dass Mayla und ich dir nichts bedeuten, ich weiß, dass es nicht stimmt!“

Fiona stockte, unfähig spontan auf Erins Zuruf zu reagieren.

„Ich habe mich am Anfang von dir täuschen lassen. Aber inzwischen durchschaue ich deine Scharade. Ich erkenne, dass du leidest, Fiona! Also lass es gut sein! Lass uns dieses Duell einfach beenden und gemeinsam Mayla zum Bleiben überreden!“

Demonstrativ verschränkte Fiona ihre Arme.

„Es könnte wie früher sein?“, wiederholte Fiona, „Was für ein Unsinn. DU erkennst überhaupt nichts. Während ich unaufhörlich vorwärts geschritten bin, seit ihr immer wieder stehen geblieben und habt euch ablenken lassen. Inzwischen bin ich euch viel zu weit voraus um euch nahe sein zu können. Ich bin eine geschätzte Obeliskin. Davon abgesehen ist dieses Duell überhaupt nicht vorbei. Das letzte Mal konntest du meinen Sonnenatlas mit der Donnerklang-Waffenmeisterin besiegen, aber die befindet sich diesmal schon längst im Friedhof. Außerdem habe ich im Duellverlauf kaum Lebenspunkte verloren. Du hast keine Chance zu gewinnen.“

„Ist das ehrlich alles, woran du denkst? Ich kann das nicht glauben. Wir sind dir nicht egal“, erwiderte Erin traurig.

Fiona schnaubte verächtlich.

„Mach weiter.“

Reden hatte wohl wirklich keinen Zweck mehr.

Erins einziger Weg war es ihre alte Freundin zu bezwingen.

Sie zog.

„Ich aktiviere eine zweite Kopie von Dringendes Ziehen! Ich habe keine Karten auf meiner Hand und unter 1000 Lebenspunkte. Deshalb darf ich nun zwei weitere Karten ziehen!“

Erin nahm ihre zwei nächsten Karten vom Deck auf die Hand und überlegte.

Es gab noch einen Ausweg aus ihrer brenzligen Spielsituation, aber der war gelinde gesagt sehr ungewöhnlich.

„Ich beginne, indem ich meine verdeckte Karte benutze: Blitze der Wiedergeburt! Jetzt darf ich ein Donnerklang-Monster vom Typ Krieger beschwören, das im letzten Zug zerstört wurde und ihm weitere 500 Angriffspunkte bescheren!“

Die Fallenkarte deckte sich vor Erin auf.

Sofort schossen ein halbes Dutzend Blitze auf das dunkle Pflaster der Ritualstätte.

Der letzte Blitz hinterließ Erins soeben zerstörte Ritterin.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3000Atk.

„Als Normalbeschwörung rufe ich aus meiner Hand die Donnerklang-Inkarnation auf und rüste mit ihr dann sofort meine Ritterin aus!“

Ein schmales Energiewesen tauchte vor Erin auf, fuhr dann aber sofort in die Lanze von Erins Rittermonster, welche daraufhin wieder elektrisch knisterte und blau leuchtete.

Donnerklang-Ritterin: 3000Atk → 3700Atk.

„Ich greife jetzt an! Donnerklang-Ritterin! Attacke mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Das Fusionsmonster galoppierte auf Fionas gigantisches Insekt mit ausgeholter Speerwaffe zu.

„Du lernst es nicht, oder? Du kannst gerne meinen Solaritus Sonnenatlas mit dem Effekt deiner Ritterin zerstören, aber dadurch aktiviert sich lediglich der Effekt meiner Ritualstätte, wodurch ich meinen Ritualzauber wieder zurückerstattet bekomme. Du kannst nicht gewinnen“, erklärte Fiona mit überkreuzten Armen und ernster Stimme.

„Ich kann gewinnen! Denn der Zerstörungseffekt meiner Donnerklang-Ritterin ist freiwillig und ich habe nicht vor ihn zu nutzen!“, widersprach Erin.

Sehr zur Überraschung ihrer Gegnerin prallte der Lanzenstoß von Erins Fusionsmonster wirkungslos am Sonnenatlas ab, wodurch die ausrüstende Donnerklang-Inkarnation zerstört wurde und Erin einige Lebenspunkte verlor.

Donnerklang-Ritterin: 3700Atk → 3000Atk.

Erins Lebenspunkte: 700 → 300.

Das Ra-Yellow-Mädchen ächzte, während die Waffe ihres Monsters aufhörte zu leuchten.

„Ich musste zwar ein bisschen Schaden einstecken, aber meiner Ritterin geht es dank dem Schutz durch Donnerklang-Inkarnation 1A! Und Apropos Inkarnation: Da sie anstelle meiner Ritterin zerstört wurde, erhalte ich eine Fusion-Karte aus meinem Deck oder Friedhof auf die Hand!“ erklärte Erin und nahm gleichzeitig die besagte Fusion auf ihr Blatt zurück.

„Als nächstes beende ich meine Battle Phase und spiele in der Main Phase 2 diese Karte aus! Die mächtige Gewittersturmfestung Amperia!“

Energisch platzierte Erin ihren Spielfeldzauber, der augenblicklich Fionas Ritualstätte der Gebrandmarkten ablöste.

Das finstere mit einem Flammenmuster versehene Kopfsteinpflaster wich dem nassen, erdfarbenen Gesteinsboden der Amperia.

Neben den Duellantinnen befanden sich bezinnte Brustwehren und hinter ihnen ragten Wehrtürme gen den komplett verfinsterten Himmel.

Hologramme des permanent hin und her peitschenden Regens und grollender Donnern ließen die Mädchen beinahe vergessen, dass es tatsächlich heute ein sehr warmer Sommertag war.

„Die Power meines Spielfeldzaubers erlaubt es mir bei seiner Aktivierung ein „Donnerklang“-Monster aus dem Friedhof auf das Blatt zu nehmen, daher kehrt die Donnerklang-Seele auf meine Hand zurück!“, erklärte Erin und setzte, nun mit der besagten Monsterkarte in der Hand, sogleich den Spielzug fort, „nun kann ich meine Donnerklang-Ritterin auf dem Feld mit der Donnerklang-Seele auf meiner Hand fusionieren, um das ultimative Donnerklang-Monster aufzurufen! Komm und zeig dich! Im Verteidigungsmodus! Donnerklang-Drachenreiterin!“

Erins Ritterin verschwand und das Gewitter über der Festung intensivierte sich rapide.

Zahllose grelle Blitze schlugen immer wieder auf den Gesteinsboden ein, bis ein letzter die imposante Drachenreiterin hinterließ.

Eine auf einem aus purer Elektrizität bestehenden Drachen sitzende Kriegerin in goldener Rüstung hielt Fiona ihr beeindruckend großes Schwert bedrohlich entgegen.

Donnerklang-Drachenreiterin: Stufe 9, 3200Atk, 2600Def.

Fiona bemühte sich sich keine Schwäche ansehen zu lassen, aber sie war zu gut mit diesem Monster vertraut, um nicht doch zumindest ein wenig nervös zu werden.

„Dank des Effekts der Donnerklang-Seele, die ein mit ihrer Hilfe beschworenes „Donnerklang“-Fusionsmonster ausrüstet erhält die Drachenreiterin jetzt zusätzliche 800 Angriffspunkte! Und dank des Effekts der Gewittersturmfestung Amperia gibt’s noch zusätzliche 700 Punkte für jedes meiner „Donnerklang“-Monster obendrauf!“

Erins hinter dem Schild und ebenfalls im Verteidigungsposition hockende Gardna sowie die Drachenreiterin wuchsen an und die Waffe der Drachenreiterin wurde nun statisch aufgeladen.

Donnerklang-Gardna: 100Atk → 800Atk.

Donnerklang-Drachenreiterin: 3200Atk → 4700Atk.

„In der Kampfphase habe ich den Sonnenatlas verschont, aber jetzt gibt’s keine Gnade! Denn eine mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstete Drachenreiterin ist nicht nur immun gegen alle feindlichen Karteneffekte, sondern kann auch nach der Battle Phase einmal pro Zug alle gegnerischen Monstereffekte annullieren und die Monster selbst vernichten!“

Im Maul des Stromdrachens lud sich ein gewaltiger weiß-blauer Energiestrahl auf, der schließlich auf Fionas Ritualmonster abgefeuert wurde.

Beim Aufprall wurde der kolossale Sonnenatlas nahezu pulverisiert und beide Mädchen hielten sich bei dem Lärm, den dieser Effekt verursachte die Ohren zu.

Fiona stand nun ohne Verteidigung und ohne ihren Spielfeldzauber Erins gefährlichstem Monster gegenüber.

Erin sah ihrer alten Freundin direkt in die Augen.

„Vor einem halben Jahr habe ich es erstmals geschafft dieses Monster aufzurufen! Es war in unserer gemeinsamen Prüfung gegen die Zwillinge, weißt du noch?! Ich hätte es damals nicht ohne deine Hilfe geschafft!“

Erin stockte für einen Augenblick, bei den Erinnerungen an die Zeit, in der sie und Fiona ein unzertrennliches Team waren, kamen ihr nun beinahe die Tränen.

„Du magst es nicht wahr haben wollen, aber ich weiß es besser! Auch Mayla und ich sind seit der Halbjahresprüfung stärker geworden, viel stärker! Also tu nicht so, als ob wir hinter dir zurückfallen oder dein Wachstum ausbremsen würden! Meine Drachenreiterin beweist dir im nächsten Zug das Gegenteil! Denn ich KANN nicht verlieren! Ich werde weder dieses Duell verlieren, noch Mayla, noch dich! Ich beende meinen Zug!“

Erin atmete schwer.

Sie hatte sich in Rage geredet und die Hitze, das kräftezehrende Duell und die vielen bereits verlorenen Lebenspunkte machten sich langsam bemerkbar.

„Bist du fertig?“, fragte Fiona kalt.

„Wie bitte?!“

Fiona lächelte selbstbewusst.

„Ich gebe zu, für einen kurzen Moment hat mich deine Drachenreiterin verunsichert, aber dennoch hast du keine Chance, Erin.“

Fiona zog ihre Karte und schien nun noch zufriedener zu sein.

„Weißt du, vielleicht bist du wirklich besser geworden, aber dein Duelllevel liegt weit unter meinem und das sehe nicht nur ich so. Ich trage riesiges ungenutztes Potential in mir, das endlich genutzt werden will. Deshalb werde ich die neue vierte Kronprinzessin sein. Ihre Majestät, König Aland hat es mir gestern persönlich zugesichert.

Erin staunte nicht schlecht.

„Du bist eine Kronprinzessin?! Aber dein GY-Score...-“

„Mein Score tut nichts zur Sache.“, unterbrach Fiona harsch, „Ohne Sinn und Verstand vor sich hin duellieren, nur um Spaß zu haben, das angeblich Richtige zu tun oder um irgendeine Messzahl zu erhöhen war nie meine Priorität. Ich bin besser als das. Besser als so ziemlich alle. Zu gut für Mayla und für dich. Und jetzt werde ich dich persönlich daran erinnern, wie aussichtslos es ist sich gegen die Krone aufzulehnen. Ich spiele den Zauber Neuer Tagesanbruch: Ich nehme ein Solaritus-Monster aus dem Friedhof auf meine Hand und lege an seiner Stelle ein Solaritus-Monster meiner Wahl aus dem Deck auf den Friedhof. Krokokus kehrt auf mein Blatt zurück und eine zweite Hydrazinthe wird auf den Friedhof abgelegt“, sprach Fiona ruhig, während sie ein Blumenmonster im Friedhof gegen das andere aus dem Deck austauschte.

„Den Solaritus-Krokokus beschwöre ich nun im Verteidigungsmodus und ich benutze auch sofort seinen besonderen Effekt.“

Vor Fiona erschien der besagte Krokokus, ein Pflanzenmonster mit gelben Blüten und anstelle von Blättern befanden sich bedrohlich klappende und schmatzende Krokodilsschnauzen.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

„Einmal pro Zug kann ich meine Hand vorzeigen. Befinden sich auf meiner Hand keine Ritualzauber, dann darf ich einen „Solaritus“-Ritualzauber aus dem Deck meiner Hand zufügen und dann ein „Solaritus“-Monster aus dem Deck ablegen.“

Fiona hielt Erin ihre zwei verbleibenden Handkarten offen entgegen und Erin beugte sich etwas vor um durch den starken Niederschlag ihres Spielfeldzaubers Fionas Karten erkennen zu können.

Die eine Karte war ihr Phönixgeist, die andere war ein Erin unbekanntes Effektmonster mit einer erschreckend hohen Stufe.

Das verhieß nichts Gutes.

„Ich nehme mein Solaritus Wappen auf die Hand und die dritte Hydrazinthe kommt auf meinen Friedhof. Nun wird es Zeit für den Effekt von Phönixgeist: Kontrolliere ich ein Monster mit dem Feuer-Attribut, so darf ich Phönixgeist von der Hand abwerfen und das Feuer-Monster opfern, um ein beliebiges Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufzurufen. Ich beschwöre im Angriffsmodus den Solaritus Sonnenatlas, den du im letzten Zug zerstört hast.“

Der Feuervogel flog aus Fionas Hand auf den Solaritus Krokokus zu und verschmolz mit ihm in eine sich plötzlich aufbauende Stichflamme, die letztlich Fionas Riesenfalter mit den roten, mit goldenen Sonnensymbolen verzierten Flügeln hinterließ.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 4500Atk, 3000Def.

„Der Sonnenatlas könnte nun mühelos mit seinem Effekt deine Karten zerstören, allerdings würde deine lästige Drachenreiterin überleben und den Angriff des Sonnenatlas abfangen. Aber davon lasse ich mich nicht aufhalten, Erin. Niemand hält mich auf. Denn ich opfere den Solaritus Sonnenatlas sofort um den König aller Ritualmonster zu beschwören. Hier kommt Sonnenkönig Gran Raey.“

Das Hologramm des Sonnenatlas verschwand und an seiner Stelle stand nun der Sonnenkönig.

Der Sonnenkönig Gran Raey war ein dünner, langer, junger Mann in eng ansitzender, grüner Robe, auf der einzelne rote Flammen tanzten.

Der Kragen seines Mantels wirkte wie eine Sonnenblume und auf seiner goldenen Krone sowie seinem sich in der rechten Hand befindendem Zepter saßen rote Juwelen in Formen der Sonne.

Sonnenkönig Gran Raey: Stufe 10, 1000Atk, 1000Def.

Erin erschrak bei diesen niedrigen Werten.

Dieses neue Monster, für das Fiona soeben ihr eigentliches Ass-Monster geopfert hatte, musste wohl unfassbare Effekte besitzen.

„Der Sonnenkönig Gran Raey muss als Spezialbeschwörung gerufen werden, indem ich ein Ritualmonster als Tribut anbiete und kann nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden. Sein zweiter Effekt erlaubt es mir einmal pro Zug ein Ritualmonster aus meiner Hand oder meinem Friedhof aufzurufen, indem ich einen Ritualzauber von meiner Hand ablege und eins oder mehrere Monster mit gleicher oder höherer Stufe als Tribut anbiete. Und zwar darf ich Karten von meiner Hand und von beiden Seiten des Spielfeldes anbieten.“

„Von beiden...Seiten?!“, stammelte Erin ungläubig.

Sie begann zu begreifen

Damit war der Ausgang dieses Duells besiegelt.

Fiona sah sie ernst an.

„Das ist der Unterschied zwischen Menschen, die bereit sind Opfer zu bringen und denen, die manisch an eigentlich schon längst Vergangenem festhalten müssen. Mayla hat die Realität endlich erkannt und jetzt bist du dran, Erin. Ich lege das Solaritus Wappen aus meiner Hand ab und opfere dann deine Drachenreiterin für meinen Sonnenatlas.“

Augenblicklich erhob der Sonnenkönig sein Zepter, das grell aufleuchtete.

Erins Drachenreiterin wurde sofort von plötzlich auftauchenden Flammen verschlungen und schrie ein letztes Mal schmerzerfüllt auf, bevor sich der gigantische Flammenball, in den sie sich verwandelt hatte auf Fionas Seite des Feldes wanderte.

Aus dem Feuer erhob sich erneut der Solaritus Sonnenatlas.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 4500Atk, 3000Def.

„Ein durch den Effekt des Sonnenkönigs gerufenes Monster kann im Zug seiner Beschwörung nicht angreifen, allerdings kann Sonnenatlas sehr wohl seinen besonderen Effekt benutzten, um alle deine offenen Karten zu vernichten, wenn ich meine drei Hydrazinthen in das Deck zurückmische.“

Ruhig aber bestimmt nahm Fiona die drei Pflanzenmonster in das Deck, mischte es und setzte sogleich ihren Zug fort.

Solaritus Sonnenatlas: 4500Atk → 3900Atk.

Der Sonnenatlas schlug seine riesigen Flügel und brennend heißer Wind, in dem einzelne Funken flogen ließ die Amperia und Donnerklang-Gardna zerspringen.

Erin hielt sich schützend die Arme vor das Gesicht, als das Ritualmonster ihre letzten verbleibenden Karten zerstörte.

Sie war nun wieder auf dem Trampelpfad, umgeben von Grün, unter der gnadenlos scheinenden Sommersonne und ohne Verteidigung auf den gleich folgenden, direkten Angriff.

„Den letzten Effekt des Sonnenkönigs habe ich noch nicht erwähnt: Er erhöht seine Angriffs- und Verteidigungspunkte um die Punkte aller Ritualmonster unter meiner Kontrolle.

Die Luft um den Sonnenkönig Gran Raey herum schien augenblicklich Feuer zu fangen, eine gewaltige Hitzewelle ging von ihm aus, die Erin zum Keuchen brachte.

Sonnenkönig Gran Raey: 1000Atk → 4900Atk, 1000Def → 4000Def.

„Es wird Zeit, dieses alberne Duell und unsere angebliche Freundschaft ein für alle Mal zu beenden. Direkter Angriff mit dem Ewig brennenden Edikt“, befahl Fiona.

Der Sonnenkönig Gran Raey zeichnete mit der Spitze seines Zepters, die inzwischen selbst Feuer gefangen hatte einen Kreis in die Luft, der sich weiter und weiter ausdehnte und immer heller und heller schien.

Schließlich musste Erin die Augen zukneifen, sodass sie kaum sehen konnte, wie sich der Kreis mit einer ruckartigen Bewegung des Zepters wieder zusammenzog und einen unfassbar heißen, gebündelt auf Erin zuschießenden Lichtstrahl bildete.

Die Wucht der Attacke warf Erin von ihren Füßen, sodass sie schreiend zu Boden fiel.

„Aaahggg!“

Erins Lebenspunkte: 300 → 0.

Die Hologramme des Solaritus Sonnenatlas und des Sonnenkönigs Gran Raey verschwanden.

Sie hatte verloren.

Das Duell verloren.

Mayla verloren.

Fiona verloren.

Das verloren, wofür sie noch so lange, so hart gekämpft hatte.

Einfach vorbei.

„Das passiert, wenn man krampfhaft an schon längst vergangen Dingen festhält, Erin“, wiederholte Fiona kühl.

Erin lag wimmernd auf dem Boden.

Sie machte keine Anstalten aufzustehen.

Es war erst ein leises Schluchzen, das aber in kurzer Zeit immer lauter und unkontrollierter wurde.

Sie wollte noch irgendetwas sagen, irgendetwas tun, um Mayla zu helfen, um Fiona zur Vernunft zu bringen, aber daran war aktuell nicht zu denken.

Flüsse aus salzigen Tränen bahnten sich durch ihr Gesicht und fielen schließlich zu Boden.

Fiona konnte diesen Anblick kaum ertragen.

Sie biss sich auf die Lippen und drehte sich von Erin weg, in Richtung Anlegestelle, wo schon die nächste Fähre wartete.

Sie griff den neben sich abgestellten Reisekoffer und atmete tief ein.

„Unsere Freundschaft ist offiziell beendet. Aber eine letzte Sache will ich dir als ehemalige Freundin noch sagen: Halte dich von Mayla fern. Diesem Mädchen ist nicht mehr zu helfen. Sie wird immer wieder und immer tiefer in ihren Wahnsinn versinken. Sie ist wie ein Anker, Erin. Ein Anker, der jeden, der dumm genug ist, sich an sie zu ketten mit in die Tiefe ziehen wird.“

Mit diesen Worten ging sie und ließ Erin hinter sich.
 


 

°°°
 


 

In zahllosen Gedanken versunken ließ Fiona, locker mit beiden Armen an das Geländer gelehnt ihren Blick über das endlos scheinende Meer bis zum Horizont gleiten.

Sie befand sich auf dem Sonnendeck der Fähre und versuchte das sommerliche Wetter zu genießen.

Sie war alleine hier oben.

Viele andere Akademieschüler waren schon früher abgereist, oder fanden es vielleicht einfach zu heiß, sodass sie sich lieber ein Geschoss weiter unten, im Hauptdeck in den Schatten setzten.

Aber für Fiona fühlte sich die unerbitterliche Hitze und das Alleinesein irgendwie grade richtig an.

Sie war alleine.

Und es tat weh, unglaublich weh.

Aber es war in ihren Augen notwendiger Schmerz.

So, wie wenn man ein Pflaster abreißt.

Es musste weh tun, auch wenn der Schlussstrich, den sie heute gezogen hatte, wohl überlegt war.

Immerhin würde sie eine hoch angesehene Kronprinzessin sein, genauso wie Chris.

Chris, derdie sie so verheerend leicht besiegen konnte.

Sie durfte sich nicht von dem Ballast der Vergangenheit zurückhalten lassen.

Sie musste an die Zukunft denken.

Der einzige Weg für sie war der Weg nach vorne, nur so würde sie sich gegen Chris durchsetzen können.

Und nur wenn sie eine Königin war, hatte sie die Macht sicherzustellen, dass das Verbrechen, welches die gesamte Akademie mitansehen musste, sich nicht wiederholen konnte.

Fiona stockte, ihr vibrierendes Smartphone holte sie aus ihrer Gedankenwelt.

Sie kramte es aus der Hosentasche.

Hendrik rief sie an.

Sie seufzte.

Da musste sie jetzt wohl dran gehen.

„Happy Birthday, Lieblingsschwester! Na, Fifi?! Wie fühlt man sich so mit fünfzehn Jahren auf dem Buckel?!“, rief ihr großer Bruder voller Enthusiasmus durch den  Handylautsprecher, als sie abgenommen hatte.

„Schankedön, Drittlieblingsbruder!“, alberte sie, mit aller Mühe ihre eher trübseligen Gedanken überspielend, „Ich fühle mich wie kurz vor der Rente. Wenn ich nachher Zuhause ankomme, lege ich mich erstmal aufs Ohr!“

Er lachte.

„Kurz vor Rente! Was soll ICH denn da sagen? Ich komme kaum noch hinterher bei all meinen Überstunden! Währenddessen darfst du deine Sommerferien genießen und dir einen faulen Lenz machen!“

„Gibts im Kartenladen denn gerade so viel zu tun?“

„Klar! Unzählige potentielle Duellschüler haben sich in den letzten Wochen bei uns ihre ersten Decks zusammenstellen lassen! Das war ne Heidenarbeit, sag ich dir! Im Grunde müsste mein geiziger Chef mir dafür locker das Dreifache zahlen!“

Fiona verdrehte die Augen.

Hendricks neuester Job war im Grunde ein glorifiziertes Praktikum, das noch nicht einmal den Mindestlohn zahlte.

Selbst eine Lohnverdreifachung würde kaum einen Unterschied machen, dreimal Null ist auch Nichts.

Er holte einmal hörbar Luft.

„Aber genug von mir. Wie geht’s meiner Fifi so? Freust du dich schon auf ein paar ruhige Wochen, oder wirst du deine ganzen Freudinnen zu sehr vermissen!?“

Freundinnen....Natürlich musste er nach Freundinnen fragen.

So gerne sie sich auch mit ihm unterhielt, Hendrick hatte ein bemerkenswerte, unbeabsichtigte Talent immer die Themen anzusprechen, nach denen Fiona nicht zu Mute war.

„Hmm...Ich komme schon klar. Wenn ich mich mal einsam fühlen sollte, dann habe ich ja noch Patrick und Jannis zur Ablenkung....Ich glaube auf Opa freue ich mich am meisten, auch wenn er mir zum hundertsten Mal die gleiche Geschichte von seiner Hundefutter fressenden Katze, oder dem stinkdoofen Kollegen in seiner alten Werkstatt erzählen wird.“

„Uh! Uh! Die liebe ich ja am meisten!“, freute sich Hendrick und begann den gemeinsamen Großvater nachzuahmen: „Das war 1983, kurz nach der Einschulung deiner Mutter, das werde ich nieeee vergessen!“

Jetzt hatte ihr Bruder es geschafft.

Seine Imitation war zu köstlich, Fiona konnte nicht anders als loszulachen, während er weiter erzählte.

„Da hat der Werner, der alte Suffkopp das Auto meiner Schwiegermutter repariert. Und ich, ich habe das dann am nächsten Tag auf die Hebebühne gefahren und mich druntergestellt! Da hat der die gebrochene Lenkachse ernsthaft mit Schweinband repariert! Mit Schweeeineeeeeband!“

Fiona rang vor Lachen nach Luft.

„Ich sach: „Du Werner, ich mag meinen Schwiegerdrachen ja auch nich besonders...-

„aber...hahah! aber wir müssen sie ja nicht gleich umbringen!“, ergänzte Fiona, noch immer herzlich lachend.

Das war befreiend, sie ließ sich noch einige Sekunden Zeit, bevor sie fertig gelacht hatte.

„Das ist auf jeden Fall eine seiner besten Storys, ja. Die wird niemals alt.“

„Tja, ganz im Gegensatz zu dir, du alte Schachtel!“

Er seufzte.

„Na dann, ich muss dann mal wieder Schluss machen, Pause ist gleich vorbei.

Lass dich von unseren blöden Eltern reichlich beschenken und nimm nicht alles so ernst ja? Du bist jung! Hab Spaß, du Musterschülerin!“

„Ich habe keinen Spaß, ich habe Rücken!“, zitierte Fiona zum Abschied ihre griesgrämige Tante, sehr zu Hendriks Freude.

„Alles klar! Wir hören voneinander! Ciao-Ciao!“

„Bis nächste Woche! Machs gut!“, verabschiedete sich, bevor sie auflegte.

Dann schloss sie die Augen.

Sie atmete tief ein und aus.

„Nimm nicht alles so ernst“

Er hatte leicht reden.

Sie bemerkte, dass sie inzwischen nicht mehr alleine hier oben war.

Ein kräftiger, ihr völlig unbekannter Junge mit einer schockierend schmutzigen und verschlissenen Obeliskenuniform stand nun ebenfalls auf dem Sonnendeck und schaute gelangweilt auf die Schülerschaft unter ihm herab.

Dann sah er zu ihr herüber und grinste dämlich.

„Buhahaha! Schien ja ein echt lustiges Gespräch gewesen zu sein, Rotschopf!“, gröhlte er.

Was sollte das denn werden?

Sie hatte echt keinen Nerv darauf sich blöde von der Seite anquatschen zu lassen, vielleicht sollte sie nun ihre neuen Privilegien ausspielen.

„Tja, ich habe allen Grund zu lachen. Ich bin nämlich ab dem nächsten Jahr die vierte Kronprinzessin“, prahlte sie stolz.

„Kron-Was? Solche dummen Luschentitel interessieren doch keinen! Ich bin der nächste König!“

Fiona, bisher an das Geländer des Schiffs gelehnt, richtete sich auf, ging einige Schritte auf den merkwürdigen Jungen zu und warf dann fragend den Kopf zur Seite.

„Du redest doch Unsinn! Ich habe zufällig gute Kontakte zur Krone. Wenn du einer der Spitzenkandidaten wärst, dann hätte ich dich im letzten halben Jahr schon längst gesehen! Und abgesehen davon...-“, sie zeigte auf seine kaputte, blaue Uniform, „wenn man dich in diesen Lumpen erwischt, schmeißt man dich dafür sowieso aus Obelisk-Blue raus!“

„Buahaha! Buhahaha!“, lachte er dumm.

„Ich kanns kaum erwarten euch eingebildeten Hohlköpfe so richtig aufzumischen! Nur Stärke zählt! Ich bin noch nichtmal eingeschrieben und habe monatelang jeden von euch Nasen plattgemacht und abgezogen!“

Einen Augenblick mal.

War das etwa...?

„Aaaah... Ich glaube ich habe von dir gehört! Du bist doch der mächtige Barry, der geheimnisvolle Duellant, der im ersten Halbjahr in verbotenen Duellen unzählige Schüler aus allen Häusern bezwungen hat!“, flötete Fiona mit falscher Bewunderung.

Das hatte mehr als den gewünschten Effekt.

Der Junge ging auf sie zu, lehnte sich vor und fasste sie ungefragt unters Kinn.

Sein bestialischer Gestank drang trotz des Fahrtwinds und der salzigen Seeluft bis zu ihr vor.

„Derselbe, meine Süße! Wenn du schön brav zu mir bist, gebe ich dir gerne ein Autogramm...Oder noch mehr...Buahaha!“

Das wars.

In einem wahnwitzigen Tempo schlug Fiona Barrys Hand beiseite, fasste ihn fest an die Kehle und schob ihn gnadenlos vor sich her, bis er mit dem Rücken unsanft an das gegenüberliegende Geländer stieß.

„Oha! Da hat ja jemand richtig Temperament! Sexy, Rotschopf!“

„HALT DEN MUND!“, schrie sie und presste ihn noch stärker an das Geländer.

Sie zitterte vor Zorn.

„DU! DU HAST DAS MAYLA ANGETAN! DAS IST ALLES DEINE SCHULD!“

Barry gab sich keinerlei Mühe sich zu wehren, ganz im Gegenteil, er schien paradoxerweise überglücklich.

„Mayla....Ah! Du kennst also Mayla, die Heulboje! Wie geht’s diesem Schwächling de...-“

„HALTE DEN MUND HABE ICH GESAGT!!“

Einige der Passagiere von unten sind nun bei diesem Geschrei neugierig geworden und sahen entsetzt zu, wie sich Fiona gerade an Barry vegriff.

Aber das könnte ihr im Moment kaum egaler sein.

Sie drückte noch stärker zu und Barry hing mit dem Oberkörper inzwischen halb über dem Wasser.

„He- Hey, vorsichtig! Du willst mich doch nicht versehentlich ertränken, hä?“, krächzte er nun ängstlich.

Sie starrte ihn voller Hass an, doch ließ ihn wenige Augenblicke später los.

Barry, inzwischen wegen des Würgegriffs leicht blau angelaufen, fiel auf den Boden und rieb sich halb keuchend halb lauthals lachend den Hals.

Voller Abscheu sah Fiona auf den Unmenschen vor ihr hinab.

„Ertränken!? Nein, du hast es nicht verdient still und heimlich unterzugehen! Ich will, dass du leidest, dass absolut jeder deine verdammten Schmerzensschreie hört! Dass jeder sieht, wie du in Flammen aufgehst und schließlich machtlos zusammenfällst!“

„Buahhaha! Buha...Buahahaha!“

„Ich will dich verbrennen!“
 


 

____________
 


 

Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Sonnenkönig Gran Raey: Stufe 10, 1000Atk, 1000Def, Typ Pflanze, Attribut Feuer, Effekt:

Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen werden. Diese Karte muss zuerst als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du ein Ritualmonster, das du kontrollierst als Tribut anbietest. Diese Karte kann nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden. Diese Karte erhält Angriffs- und Verteidigungspunkte in Höhe der Summe der Angriffs- und Verteidigungspunkte aller Ritualmonster, die du kontrollierst. Einmal pro Zug: Lege eine Ritualzauberkarte von deiner Hand ab: Beschwöre ein Ritualmonster von deiner Hand oder deinem Friedhof als Ritualbeschwörung, indem du Monster von deiner Hand oder Monster, die du oder dein Gegner kontrollierst, mit der gemeinsamen Stufe gleich oder höher der Stufe des Ritualmonsters als Tribut anbietest.



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Kommentare zu dieser Fanfic (7)

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Von: FeenjaWesker
2026-03-26T10:27:05+00:00 26.03.2026 11:27
Nach den Dramen der letzten Wochen, kann ich hier endlich weiterhören, während ich an meinen Aufträgen arbeite.
Und vielleicht liegt es an der beruflichen Umgebung, aber ich habe mir gerade vorgestellt, wie sich einer dieser Knallerbsen aus dem Hofstaat des "Königs" bei uns bewerben würde.

"Ich war, während meiner Schulzeit an der Akademie, Kronprinz*essin XY!", natürlich mit stolzgeschwellter Brust und schulischen Bestnoten. Da ich persönlich einen F auf so etwas wie Zeugnisse und Noten gebe und bei mir nur handwerkliche Fähigkeiten zählen, hätte ich für so ein Theater nur ein müdes Lächeln übrig. Nur weil die besonders gut in ihrem komischen Roleplay waren, heißt das noch lange nicht, dass die auch tatsächlich im Berufsleben zu gebrauchen sind. Denn, wie wir schon festgestellt haben, wird ja nicht jeder Absolvent danach eine Kariere als Berufsduellant führen können.
Nun gut, dass ich dieses lächerliche Getue dieser Truppe maximal bescheuert und peinlich finde, ist jetzt auch nix neues.

Was mir noch ein paar Rätsel aufgibt, ist diese "Verkleidung", die der König da trägt. Ist das generell so ein Ding bei König*innen? Ist die maßgeschneidert, oder gibt es die vorgefertigt in allen möglichen Konfektionsgrößen, so wie die Schuluniformen? Mein Cousin war schon als Teenager 2 Meter groß. Der hätte die defintiv maßgeschneidert gebraucht.

Nimmt man das ganze Rang- und Königsgetue in dieser Welt eigentlich tatsächlich ernst? Oder sitzen die Lehrer auch im Lehrerzimmer; rauchen, trinken zu viel Kaffee und regen sich über "Die Jugend von heute!" und "diesen blöden Roleplay-Unsinn!" auf. "Zu meiner Zeit, haben wir uns nach einem verlorenen Duell noch eine anständige Prüglei gegönnt!" (kleiner Scherz)
Vielleicht denke ich gerade auch einfach zu viel darüber nach. Und der Hund hat soeben ins Büro gekotzt .__. also ich mach das nicht weg!

Und ENDLICH fangen die Mädels mal damit an richtig miteinander zu reden! Es wird bestimmt noch einige Zeit bis zur richtigen Versöhnung dauern, aber wenigstens ist das hier mal ein Weg in die richtige Richtung.
Aber WTF Fiona?! Du kannst doch nicht einfach so vor diesen Spinnern ausplaudern, dass deine Freundin psychische und/oder neurologische Probleme hat! Was denkst du dir dabei?! Wenn sie darüber wenigstens mit einer Lehrkraft gesprochen hätte, oder mit irgendwem der Mayla mit dieser Info nicht vor den Bus schubsen würde.
Würde mich nicht wundern, wenn diese Aktion nach hinten losgeht.

Bin gespannt wie es weiter geht, ein paar Kapitel habe ich noch vor mir.

Technisch wie immer okay, wieder mal einige Tippfehler und Wortwiederholungen dabei. Aber nichts dramatisches.

Liebe Grüße und noch viel Spaß im Urlaub
Feenja
Antwort von:  DonnerklangErin
26.03.2026 17:29
Heyhey ^^

Danke für deinen Kommi und fürs Weiterhören!
Uh Boy, ich finds echt gut, wie du die Krone so gar nicht ernst nimmst und auch schon auf sowas wie den weiteren Werdegang eingehst. Ich schwöre auf Chris' Fetisch für Fusionsbeschwörungen, dass das Verhalten der Prinzen und Prinzessinnen noch Thema sein wird, nur eben nicht im Moment. Aber immerhin gibts mit Maxim ja schon den ersten, der hier deine Meinung so ein bisschen teilt.
Davon abgesehen möchte ich nochmal erinnern, dass die Krone nicht aus reinen Theoretikern besteht, sondern aus denen, die in praktischen Duellen den höchsten GY-Score geholt haben und damit auch gute Profiduellanten wären. Vergisst man vielleicht nach ner Weile, aber zu der Thematik Theorie vs Praxis bei den Prinz*essinnen gibts zu Beginn von Teil 2 dafür extra ein eigenes Kapitel. Freu dich drauf ;)
Alands Outfit: Kein Kommentar xD Aber im Ernst, das hat zwei Gründe: 1. Es ist cool, dem Oberschurken seinen Specialaufzug zu verpassen. 2. In-Universe gibts auch einen Grund, den ich schon hier und da etwas angedeutet habe... Wenns gut läuft, hast du in drei Kapiteln wegen Alands Kleidung deinen Aha-Moment.
Was denken die Lehrer: Gute Frage, du bist ehrlich sehr detailverliebt. Weil es mir hauptsächlich um die Konflikte und Gefühle der Schüler*innen geht, habe ich darüber bisher nicht nachgedacht. Die Lehrer sind irgendwo Nebencharaktere und ein Plothole wärs erst dann wenn der Direktor, der das letzte Wort hat, sich am Königssystem von Obelisk-Blue stören würde. Tut er definitiv nicht, es gibt einen Grund, warum er Autoritarismus und das zwanghafte Fixieren auf Duellfähigkeiten gutheißt...Später mehr :D.
Fionas verbaler Ausrutscher passt gut zu ihr und ihrer bisherigen sozialen Intelligenz. Es war ganz ehrlich nicht von mir beabsichtigt, dass ihr Verweis auf Maylas Zustand bre Aland hier wie ein Verrat gegenüber Mayla wirkt, aber es passt halt zu Fiona. Wäre das Erin passiert, würde ich das sofort umschreiben, aber so...muss ich mal überlegen, wie oder ob ich den Satz aus dem Dialog streiche. Aber das habe ich ehrlich übersehen und dass Fiona sich hier verplappert hat, wird keine besonderen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Mayla und ihr haben.

Liebe Grüße und viel Spaß beim Weiterhören! Viel fehlt ja nicht mehr :*
Von: FeenjaWesker
2026-03-05T09:42:19+00:00 05.03.2026 10:42
Das war traurig 🙁
Der arme Benjamin tut mir wirklich leid. Aber daran zeigt sich mal wieder, dass man an dieser Akademie niemandem vertrauen sollte, weil dort wirklich jeder ordentlich einen an der Waffel hat.
Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass du Mayla das Duell dann doch recht eindeutig verlieren lässt. Hätte erwartet, dass es deutlich knapper ausfällt. Bin aber auch echt neugierig zu erfahren, warum sie ständig die Stimmen der Karten hören kann. Muss ja immerhin einen Grund dafür geben.

Für eine KI agiert die Dame ganz schön menschlich, was für mich als Leser ja offensichtliche Gründe hat. Aber natrülich wissen es die Charaktere (in dem Fall Mayla) nicht. Ein paar Kapitel habe ich ja noch vor mir, also schauen wir mal wie lange es dauern wird, bis die ganze düstere Wahrheit ans Licht kommt.
Angesichts der Dramatik rund um diese KI und eine Duelldisks die man zur Waffe umgebaut hat, erscheint einem der Zank zwischen den einzelnen Häusern richtig lächerlich.
Ich habe mich vorhin sogar dabei erwischt, wie ich leicht genervt mit den Augen gerollt habe, als Chris die Botschaft mit der Herausforderung zum duellieren überbracht hat. Kinder, es gibt im Augenblick wirklich wichtigeres, als dieser Unsinn! Geht mal Gras anfassen... 😒
War wohl eher unbeabsichtigt, dass du eine solche Reaktion bei mir als Leserin erzeugt hast. Aber es ist ein netter Nebeneffekt.

Technisch war soweit alles okay, bis auf die üblichen Tippfehler, hier und da ein paar unschöne Wortwiederholungen oder Buchstabendreher. Also das übliche, was sich bei langen Kapiteln kaum vermeiden lässt. Hat auch nicht gravierend beim lesen gestört und manches fällt wirklich nur auf, wenn man es sich anhört.

Mehr habe ich heute leider nicht zu sagen, es mangelt mir aktuell zu sehr an Zeit zum lesen/hören.
Aber ich versuche wieder in den Flow zu kommen und den nächsten Kommentar so bald wie möglich zu schreiben.

Liebe Grüße
Feenja
Antwort von:  DonnerklangErin
06.03.2026 19:42
Hi ^^

Danke für deinen Kommentar, da freue ich mich.
Lustig, dass du überrascht von Maylas "Niederlage" warst, ich hatte das eigentlich so geschrieben, dass sie das Duell freiwillig nicht gewonnen hat:

Gefangener des Albtraums´ Lebenspunkte: 2200 → 600.
Der Geist ging mit einem schmerzerfüllten Schrei zu Boden.
„Super, Mayla! Jetzt nutze bitte schnell auch meinen Effekt, um ihm 1000 Punkte Schaden zuzufügen und ihm so den Rest zu geben!“
Doch Mayla ignorierte den Rat der Flamenco-Forelle.
Sie sah, wie sich die schwarzen Nebelschwaden von der Haut seines Gegners lösten.
Unter dem Schatten kam der bleiche, schwarzhaarige Junge mit den prägnanten Augenringen zum Vorschein, den sie zu Beginn des Duells kennengelernt hatte.
„Benjamin...“
„Hör auf dein Monster. Beende dieses Duell einfach.“
Doch Mayla schüttelte energisch den Kopf.
„Wir wollten doch in diesem Duell dafür sorgen, dass du deinen Frieden finden kannst. Das geht aber nicht, wenn du dich die meiste Zeit gar nicht wirklich selbst duelliert hast, oder? Außerdem fehlen uns ja noch die wirklich wichtigen Erinnerungen, also die an dein letztes Duell bei dem du gestorben bist.“

Wird vielleicht nicht ganz so klar, wenn man kein Yu-Gi-Oh! spielt. ^^'
Du interessierst dich für die menschliche Seite der KI und die Ursachen der Geisterstimmen und ich interessiere mich dafür nicht zu spoilern. :D
Aber wie du schon richtig erkannt hast, beschäftigt die meisten Charaktere grade was Anderes, also...Joa, allzu schnell wird es da keine Aufklärung geben und so funktioniert Mystery auch nicht ;)
Du brauchst dich nicht entschuldigen, dass du dir grade keine Zeit zum Hören nimmst, so geht dir zumindest nicht allzu schnell der Lesestoff aus. Ich freue mich trotzdem, auch wenn sich das "morgen" im letzten Kommi jetzt lustig liest.
Wenn du Fehler / Wortwiederholungen findest, darfst du sie mir gerne mitteilen, ich verbessere sie gerne.

Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Weiterhören!

Liebe Grüße <3



Von: FeenjaWesker
2026-02-08T21:30:14+00:00 08.02.2026 22:30
Nachdem ich die Woche wieder zu nichts gekommen bin, habe ich mir dann heute einfach mal mehrere Kapitel hintereinander angehört.
Also zu dem Spaß-Kapitel muss ich ja nun nichts mehr sagen :D Was soll man dazu auch großartig sagen? Einfach ein bisschen Unsinn für Zwischendurch, das muss auch mal sein.

Nun aber mal alles der Reihe nach.
Der Kampf zwischen Frau Ehring und Yunus war erstaunlich unterhaltsam. Der Junge ist ja die personifizierte Selbstüberschätzung und man merkt, dass Frau Ehring ein langjähriger Profi ist, obwohl sie als Lehrerin vielleicht nicht mehr so sehr im Training steht, wie die Schüler.
Andererseits stelle ich mir solche Herausforderungen von Schülern auch als willkommene Abwechslung für die Lehrkräfte vor. Neben der Arbeit in so einer Akademie, kommt man bestimmt kaum noch zum Duellieren; was ja eigentlich genau das war, was einem überhaupt mal an diese Schule gebracht hat! Der Job hat also einen bittersüßen Beigeschmack, wie ich finde.
Und ja, ihr Deck passt zu 100% zu ihr!

Interessant fand ich das Telefonat zwischen Fiona und ihrem Bruder. Es gibt einen kleinen Einblick in die Welt, nach dem Abschluss an der Akademie. Und diese ganze Geschichte mit dem erlogenen Aufstieg und welche Konsequenzen so eine Lüge mit sich bringt, war eine spannende Idee. Das zeigt nochmal, was für eine Last auf Fiona ruht und dass sie sich irgendwie auch dafür verantwortlich fühlt, den Familienfrieden irgendwie durch ihre guten Leistungen wiederherstellen zu können. Das ist nicht schön.

Und wo wir gerade von "das ist nicht schön" sprechen, so langsam machen die mich mit ihrem Rang-Gefasel wirklich sauer. Da möchte man am liebsten allen eine Woche Hausarrest und Handyverbot erteilen. Aber es zeigt ganz gut, was so eine toxische, leistungsorientierte Umgebung mit jungen Menschen machen kann. Und ohne das regulierende Eingreifen von älteren und erfahrenen Erwachsenen, kann sich daraus ja nur eine Form der Radikalisierung entwickeln; wie man hier so schön sehen kann.
Wundert mich eigentlich, dass es aufgrund dieser anhaltenden Situation, noch nicht zu schwerwiegenden Vorfällen gekommen ist, wie Körperverletzung, Suizid oder vielleicht sogar einem Amoklauf. In der Realität wäre das zumindest ein "guter" Nährboden dafür. Aber ich will ja auch nichts vorweg nehmen. Bin gespannt was noch alles kommen wird.
Na ja und was soll ich zu Aland und seinem Hofstaat sagen? Ich hoffe die bekommen alle irgendwann mal gehörig den Kopf gewaschen, damit sie den Weg zurück in die echte Welt finden!

Lustig anzuhören war auch das zweite Duell zwischen Erin und Kevin und an der Stelle mit seinem spielentscheidenden Fehler, konnte ich mir ein Augenrollendes "Och Kevin" nicht wirklich verkneifen. Das war aber auch echt ein bisschen trottelig von ihm. Hätte am Anfang auch nicht gedacht, dass er und Maxim mich sogar ein wenig mehr interessieren könnten. Wie kam das mit den beiden eigentlich? Wie werden ein mieser Slifer-Duellant und ein Obelisk denn ein Paar? Wie sind die alle wirklich miteinander verstrickt?
Zwar glaube ich zu erahnen, wie alles miteinander zusammen hängt, aber es gibt noch das ein oder andere Fragezeichen zu klären. Aber ich bleibe auf jeden Fall dran.

So, was hatte ich noch auf der Liste?
Ach ja, die Sliferkönigin. Oh nein, das kann doch alles nur nach hinten losgehen! Die arme Mayla tut mir wirklich verdammt leid. Jedes Mal, wenn es bei ihr endlich wieder ein wenig bergauf geht, passiert wieder irgendwelcher Scheiß. Das arme Mädchen kommt vor lauter duellieren doch schon gar nicht mehr zum lernen, essen und schlafen! Und nun auch noch die Sache mit dem Geist.
Aber da erfahre ich morgen, wie der Kampf ausgehen wird.

Gut, das wäre dann erst einmal wieder alles.
Bis zum nächsten Kommentar und liebe Grüße
Feenja
Antwort von:  DonnerklangErin
09.02.2026 23:19
Heyo!

Also ich weiß nicht, was du mir mit Spaß-Kapitel sagen willst, oder warum du noch bis Kapitel 19 weiterliest/hörst, aber am Ende von Kapitel 14 stand doch schon extra „The End“, jetzt kommt nur noch Filler :D

Joa, ich finde auch Freu Ehrings Deck sehr passend. Tatsächlich haben die Magiestrat-Karten meine Lieblingsnomenklatur in Blue-Kingdom und gehören insgesamt mindestens zu meinen persönlichen Top 3. „Magiestrat setzt sich aus „Magie“ wie in Hexer-Typ-Monstern und „Magistrat“ wie in Behörde, die man mit freudloser Spießigkeit, strikten Regeln und Hierarchie assoziiert zusammen. So weit, so offensichtlich. Aber dann gibt es noch den Subarchetypen „Magiestra“, der „Magiestrat“ mit den zum Magistrat-Theme passenden „Magiestrafen“ verknüpft. Und als Cherry on Top hat „Magiestra“ eine starke phonetische Ähnlichkeit zu „Magister“, dem lateinischen Wort für Lehrer. Du weißt nicht, wie stolz ich auf mich war, als ich mir Frau Ehrings Deck ausgedacht habe.

Fiona ist in einer interessanten Position, da sie als Einzige der drei Mädchen, beziehungsweise der Vierergruppe mit Daniel eine gewöhnliche Familienstruktur hat. Sie hat Eltern, sie hat Geschwister, in gewisser Weise ist sie privilegiert und hat damit keine Ausrede um NICHT immer wieder Bestleistungen zu bringen. Man hat ja Leute daheim die man enttäuschen könnte und die auch schonmal enttäuscht waren. Man will ja niemanden enttäuschen, ne?

Es macht mich sehr glücklich, was du zur Krone geschrieben hast, dass die toxische Fixierung auf Leistung als Nachweis des eigenen Werts Radikalisierung fördert, ist etwas, was ich hier ausdrücken wollte und worauf ich in Zukunft etwas tiefer eingehe. Schön finde ich auch, dass du auf die Realitätsferne des Kronensystems eingehst. Ja, sie sind alle irgendwo abgehoben und abseits der echten Welt, dem werde ich später noch ganze Kapitel widmen, da kannst du drauf gespannt sein.

Warum sollten Maxim und Kevin eigentlich kein Paar sein? Es sind zwei Jugendliche, die sich zwangsläufig im Unterricht sehen und die sich zueinander hingezogen fühlen. Es ist nicht wirklich so komplex, dass ich dazu noch eine Backstory schreiben wollte, bestenfalls ein paar Zeilen. Heißt nicht, dass ich den beiden ein paar intime und nachträgliche Momente gönnen möchte, aber hauptsächlich sollte das Paar mit dem Kronprinzen Maxim einen Kontrast zur Doktrin der restlichen Krone, der Separation zwischen Obelisken und Slifern bilden. Generell spielen die Konstanzer Kinder erst in Red Downfall eine wichtigere Rolle, hier sind sie hauptsächlich da, um für etwas Mystery und Chaos zu sorgen, das sich auch auf die drei Protas auswirkt, Stichwort Maxims Artikel über die selbsternannte Königin und Kevins Lüge über Fiona. Wäre ja langweilig, wenn alles friedlich wäre.

Mayla hat schon einige Probleme und kann einem ein bisschen Leid tun, ja.
Aber immerhin hat sie jetzt mit ihren Duellgeistern neue Freunde zusätzlich zu den alten, sodass sie nie zu alleine mit ihrem Ärger sein muss.
Das Konzept der Duellgeister stammt nicht von mir, sondern ist auch von GX. Dort werden sie auf ähnliche weiße verwendet, hauptsächlich um im Duell Sprüche zu klopfen und um sonst zu ernste Momente etwas aufzuhellen.
Mayla wird’s schon gut gehen, keine Bange ;)

Danke nochmal für den langen, ausführlichen Kommentar und ich wünsche dir noch weiterhin viel Spaß!

Liebe Grüße :*
Von: FeenjaWesker
2026-02-01T19:37:11+00:00 01.02.2026 20:37
Okay, da ich nun doch nicht dazu gekommen bin, innerhalb dieser Woche weiter deine Fanfiction anzuhören (eine normale Arbeitswoche wäre so langsam wirklich nötig!) schreib ich nun doch mal einen Zwischenstand.

Das Kapitel mit Tara
Fiona, ich fühle deine Abneigung so sehr. Sogar beim Anhören dieses Kapitels hätte ich gern meinen Kopf durchgehend auf die Tischplatte gehauen. Aber dann hätten meine Arbeitskollegen vermutlich den Notarzt gerufen.

Barry
Der tut genau das, was er tun soll und geht mir damit tierisch auf die Nerven. Boah macht der Junge mich sauer!
Wieso sagen die Mädels eigentlich nicht den Lehrern bescheid, dass Barry unbefugt auf dem Gelände herum lungert? Die Ehre eines Duellanten hin oder her, aber als impulsiver Teenager, hätte ich mich vielleicht nicht zurückhalten können. Vor allem da ja eigentlich auch jeder weiß, dass Barry ziemliche Probleme bekommt, wenn das heraus kommt. Aber andererseits kann es ja sein, dass es dazu nochmal ein paar Dinge in den kommenden Kapiteln geben wird. Also rage ich mal nicht zu sehr herum und warte ab.

Die Halbjahresprüfungen
Die Halbjahresprüfungen waren wirklich interessant, vor allem die Idee mit dem 2 vs. 2, da sich daraus einige spannende Szenarien bauen lassen. Aber NATÜRLICH dürfen in so einer Geschichte die klassischen, unheimlichen Zwillinge nicht fehlen, die irgendwas mit Übernatürlichem zu tun haben. Teil 2 der Prüfung habe ich beim Abwaschen gehört und musste da stellenweise wirklich grinsen. Das ist ein echter Klassiker!
Die Idee hinter dem Kombo-Deck war wirklich cool. Also dass die Decks, in Kombination miteinander zu quasi unzerstörbaren Monstern führt. Es war zwar abzusehen, dass das irgendwann einmal passieren wird, aber das Duell war trotzdem sehr spannend.
Was mir besonders positiv aufgefallen ist, war das nette und erstaunlich normale Gespräch, welches es nach dem Duell zwischen den beiden Gegnerteams gab. Normalerweise bleiben die "gruseligen Zwillinge" danach ja eigentlich gruselig und geheimnisvoll. Aber hier las es sich ganz anders (bzw. hörte sich ganz anders an). Schön dass die zwei nicht die ganze Zeit über so edgy und spooky geblieben sind. Ich glaub das wäre sonst ein bisschen zu viel Klischee gewesen und ich mag keine Klischees.

Und wo wir gerade dabei sind: Irgendwie war es abzusehen, dass die drei Mädels nicht die ganze Zeit über im selben Haus bleiben. Und auch dass mindestens eine von ihnen den Aufstieg ins nächste Haus nicht schafft. Aber dass es Fiona nun doch so schnell nach Obelisk-Blue verschlägt, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

Nun noch der Weihnachtsausflug aufs Festland
Du hast das alles wirklich richtig schön beschrieben. Man kann die wunderschöne, weihnachtliche Atmosphäre dort richtig spüren und das war eine willkommene Abwechslung, die mir sehr gut gefallen hat.

Nachtrag zu Lucia-Ann und ihrem Deck
Das Gefasel um die Götter hätte ich genau so wenig ernst genommen. Aber was zur Hölle ist diese Karte?! Übertriebener ging es wohl nicht? xD Dabei habe ich mich auch die ganze Zeit über gefragt, ob das nicht ein Wortspiel ist?
Tür ins Überall im Sinne von "überall" oder "Über-All", im Sinne einer höheren Dimension?

Okay, das wäre erst einmal alles.
Bin wirklich gespannt wie es weiter geht. Die schlimmsten Brände habe ich auf der Arbeit erst einmal gelöscht und ich bete wirklich, dass die neue Woche ein bisschen Entspannung ins System bringt.

Liebe Grüße
Antwort von:  DonnerklangErin
02.02.2026 20:44
Hi, danke für den langen Kommi ^^

Ich weiß nicht, was du gegen Tara und ihre sehr plausiblen Konklusionen hast. :P
Das "Schachmatt, Kugelköpfe" ist eine meiner persönlichen Lieblingsphrasen.

Barry: Jaaa, das ist etwas, was man in den YGO-Medien allgemein akzeptieren muss: Wenn ein Duell verloren wird, ist das quasi so, als ob einem ne Pistole an den Kopf gehalten wird und man muss quasi das tun, was der Gegner will. Je früher du das akzeptierst, je besser. Duel Monsters ist also nicht nur ein Sport im Universum, sondern ein Konfliktbewältigungsmittel. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich speziell zum Thema "Barry verpetzten" in Kapitel 16 was geschrieben hatte.

Das Halbjahresduell: Freut mich sehr, dass es dir gefallen hat. Es sollte sich wie ein kleines Highlight zur Mitte des ersten Teils anfühlen und das Teamwork zwischen Erin und Fiona fleischt die Freundschaft zwischen ihnen noch etwas aus. Kim und Kiara sind...Mehrweg-Charaktere. Manche besonders skurille Charaktere sind Einweg-Charas, die beiden haben noch später ne kleine Rolle und Duelle. Generell mag ichs, jedem so ein bisschen Spotlight zu geben und die gesamte Story nicht zu Erin-zentrisch zu schreiben, gerade am Anfang, wo sie definitiv nicht zu den stärksten Duellanten im Cast gehört.

Der Weihnachtsausflug: Fand ich mal ganz gut fürs Pacing, etwas Ruhe und Entspannung für die Mädels nach dem emotionalen Auf und Ab. Und...eine Pause vom Duell-Schreiben fand ich auch nicht schlecht.

Zu Lucia-Anns Göttergefasel: Ehh...Daran solltest du dich auch gewöhnen. Geister und Götter gehören zum Franchise dazu, auch wenn Teil 1 noch relativ grounded ist. Allgemein bekannt sind im Setting die drei Ägyptschen Götterkarten, die es auch im echten Yu-Gi-Oh! gibt und nach denen die drei Häuser benannt sind. Agrios Oreios und die Gefallenen und Vergessenen Götter sind auf meinen Mist gewachsen. Aber wenn ich sie schonmal erwöhne, wäre es ineffizientes Storytelling, wenn sie später keine Rolle spielen würden ;)

Liebe Grüße und Danke nochnal für die lieben Worte :*
Von: FeenjaWesker
2026-01-18T16:38:02+00:00 18.01.2026 17:38
Hier muss ich einfach mal einen kleinen Zwischendurch-Kommentar schreiben.
Wie ich dir über Discord geschrieben habe, ist das Kapitel nochmal im einiges härter, wenn man es sich (beim Putzen nebenbei) über TTS anhört. Maddox' furchtbares Denglish war kaum zu ertragen und ich musste immer mal wieder eine Pause einlegen, weil ich einfach nicht aufhören konnte zu lachen.
Jetzt habe ich Seitenstechen :D

Die komplette Idee mit seinem speziellen Rockstar-Deck war ja mal unfassbar genial! Ich kann gar nicht oft genug wiederholen, wie sehr ich deinen Einfallsreichtum bewundere, was deine Karten und Decks angeht. Auf so etwas muss man erst einmal kommen und dann muss es auch noch funktionieren!
Denn genau das tut es auch. Es funktioniert so gut, dass ich der Fanfiction abkaufe, dass die Karten genau so auch im Original YGO existieren könnten.

Das war, trotz des durchaus ernsten Untertons, das bislang lustigste Kapitel und ich bin gespannt wie es weiter gehen wird (hab schon mit dem nächsten angefangen, wollte dir aber mal einen kleinen Zwischenstand schreiben.

Liebe Grüße
Von: FeenjaWesker
2026-01-15T21:23:51+00:00 15.01.2026 22:23
So, nachdem ich mich heute (mittels TTS-Tool) bis hier hin vorgearbeitet habe, ist es Zeit für ein Zwischenfazit meinerseits.
Ich hatte ja schon einmal vor einigen Wochen erwähnt, dass ich mir die Geschichte vorzugsweise während der Arbeit anhören werde, weil ich momentan einfach kein Zeitfenster frei habe, um mir alles in Ruhe durchzulesen.
Klappt bislang wirklich super. Auch wenn mir das Tool aus "Duell-Disc" ständig "Düll-Disc" macht und ich mich heute erst einmal lachend an meinem Kaffee verschluckt habe. 😅 ... Hihihi, Düll-Disc.

Vorab muss ich nochmal betonen, dass ich von Yu-Gi-Oh nur in so fern eine Ahnung habe, als dass ich damals ab und zu eine Folge auf RTL2 gesehen habe. Interessiert hat mich das Fandom allerdings nie (was sich wohl auch nicht mehr ändern wird). Dennoch muss ich hier einfach hervorheben, dass ich der Geschichte bislang sehr gut folgen kann und man wirklich kaum Vorwissen mitbringen muss, um die Einzelheiten zu verstehen.

Auch wenn ich sagen muss, dass mir der Sinn und Zweck dieser Akademie irgendwie Rätsel aufgibt. Was genau bringt es einem denn, einen Abschluss an Duellanten-Hogwarts zu machen? Welche Berufschancen soll einem das ermöglichen? Und was genau macht man als professioneller Duellant?
Ist jetzt kein "Fehler" deinerseits, weil dies ja ein Teil der offiziellen YGO Lore ist. Trotzdem wirft das eine ganze Menge Fragen auf. Aber ich will mich ja auch nicht spoilern lassen, für den Fall dass du das hier in einem kommenden Kapitel nochmal näher erwähnen wirst. Ich lass mich überraschen 😺

Am meisten erstaunen mich bislang die Duelle. Denn eigentlich hatte ich erwartet, dass sie mich (wie oben erwähnt) nicht interessieren werden und ich die beim Anhören nur passiv mitnehme. Aber tatsächlich passiert eine ganze Menge, was bislang auch für die Story relevant ist und das ist für mich echt spannend zu beobachten.
Das Duell gegen Leroy war verdammt stark und spannend geschrieben! Es wundert mich im Nachhinein allerdings auch ein wenig, dass die sich dort (durchaus laut) duellieren konnten und niemandem ist es aufgefallen. Haben die dort keinen Sicherheitsdienst auf dem Gelände? Ich dachte da gibt es Kameras? Aber gut, es ist am Ende ja doch nur eine Schule und für Schulen gibt es bekanntermaßen keine Geldmittel.

An der Stelle übrigens ein ganz großes Lob für die ganzen Ideen, was deine eigenen Karten angeht. Du steckst da echt unfassbar viel Zeit und Herzblut rein und das merkt man der Geschichte wirklich an. Ich bin wahnsinnig beeindruckt von dieser Leistung!
Man merkt daran sehr, wie viel dir YGO bedeutet und mir gefallen die ganzen kleinen Details in den Decks. Jedes hat ein individuelles Thema und natürlich gibt es die (für YGO so typischen) übertriebenen Fähigkeiten und Sub-Fähigkeiten und Kombo-Fähigkeiten, bei denen man sich immer fragt "Wo zur Hölle steht das auf der Karte?! Wurde die Rückseite dafür auch noch bedruckt, oder was?!" Sogar ich kenne dieses Meme :D

Was die Charaktere angeht, bin ich ebenfalls positiv überrascht. Kein einziger davon geht mir (bislang) irgendwie auf die Nerven, oder fühlt sich überflüssig an. Häufig bewegt man sich mit eigenen Charakteren ja auf eher dünnem Eis und der Grad zwischen spannend und nervig ist oft nur sehr schmal. Als Teenager bringen die alle ihre typischen Teenagerprobleme mit sich, die in so einem Alter die Welt bedeuten und sich am Ende dann doch als gar nicht so schlimm herausstellen.
Grinsen musste ich auf jeden Fall bei der Stelle, als Kevin die gute Erin einmal komplett ausfragt und mein Gedanke dazu war vor allem: "Großer Gott, Erin! Wie gehst du denn mit deinen Daten um? Wäre das ein YouTube Video, dann würde jetzt an dieser Stelle ein Placement für irgendeinen VPN-Dienst kommen!" Fehlte ja nur noch, dass sie ihm ihre Handy PIN und die Zugangsdaten zu ihrem Paypal-Konto diktiert.

Technisch kann ich auch nicht meckern. Bei einer derart langen Geschichte sind gelegentliche Tippfehler völlig normal und würde das TTS-Tool nicht jeden Buchstabendreher übertrieben akkurat vorlesen, würden mir die wohl kaum auffallen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, mir morgen weitere Kapitel anzuhören.
Bis dahin liebe Grüße und ich denke mal, dass ich dir hier wieder schreiben werde, sobald ich Kapitel 10 erreicht habe.

Feenja 🌸
Antwort von:  DonnerklangErin
16.01.2026 16:41
Hi Feenja!

Danke für dein liebes Feedback.
Joa, die Prämisse einer Duellakademie ist so ein Suspension-Of-Disbelief-Ding, das darf man nicht allzu sehr hinterfragen, sonst fliegt es einem um die Ohren :D
Es ergibt teilweise vllt Sinn, weil Yu-Gi-Oh! wahrscheinlich mit lebensechten Hologrammen im Reallife deutlich populärer wäre und auch das Zuschauen sehr viel spannender wäre. Ich sehe das als Analogie zu einer Akademie für Fußball oder andere sehr beliebte Sportarten.
Tatsächlich thematisieren meine Charas später ihre Zukunftspläne, aber...erst ab The Red Downfall, im zweiten Jahr.
Es ist schön zu lesen, dass dir trotz fehlendem Yu-Gi-Oh!-Background die Duelle so zusagen. Ich finde die Decks und deren Spielmechaniken sind ne tolle Gelegenheit bestimmte Persönlichleitsaspekte der Charaktere zu betonen und gleichzeitig haben die Charaktere die Gelegenheit ihre Cleverness so ein bisschen unter Beweis zu stellen.
Die Kehrseite ist, dass man akzeptieren muss, dass in diesem Universum Duelle als unumstößliches Konfliktbewältigungsmittel sind. Wenn du jemanden dazu zwingen willst, etwas für dich zu tun, dann hältst du dieser Person kein Messer an den Hals, sondern besiegst sie in einem Kartenspiel :D Suspension-Of-Disbelief eben.
Ich hoffe, dass dir die zulünftigen Kapitel auch gefallen werden!

Liebe Grüße



Von:  Shirika_yvonne
2025-08-23T21:26:42+00:00 23.08.2025 23:26
So also ich habe jetzt kapitel 1 Durch. ^^

Es ist definitiv YuGiOh-Like ^^ das deckt sich sehr mit der serie das hast du gut gemacht.

Das das mit den nummern ist bei mir ein persönliches problem ^^ das hab ich dir ja schon auf discord geschrieben^^

was ich dir ansonsten empfehlen würde,... die Charakter Infos für die Karten zu nutzen. Denn dann Könntest du da alles reinschreiben was man wissen muss mit einem Bild wo alle karten von Kapitel 1 auf einer Collage sind und die Rand daten kannst du tabellarich einfügen als erklärtext - das wäre übersichtlicher und würde auch ein bild der monster vermitteln^^

was du als kleine idee noch überdenken könntest wäre: nicht soo viele personen neu im ersten kapitel auftauchen zu lassen. es ist für neue leser etwas schwer sich alle charaktere allein von namen merken zu können. Also nicht unbedingt ein minus punkt nur eine kleine anregung^^

dennoch muss ich sagen dass mir besonders die typischen yugioh wortgefechte gefallen haben ^^ ich freu mich auf Kapitel 2. weiter so^^


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